Polnische Zwillingsmoral



»Ein Mann, der moralisiert, ist gewöhnlich ein Heuchler«, fand schon Oscar Wilde, und auf das polnische Zwillingspaar trifft das uneingeschränkt zu. Waren doch Lech und Jaroslaw Kazcynski, die als Präsident und Premierminister unseren östlichen Nachbarn regieren, vor Jahresfrist angetreten, eine völlig neue, die IV. Polnische Republik zu schaffen, »mit sauberen Händen«, einer neuen Moral und ohne jede Korruption, die die Vorgängerregierungen der »Kommune« ausgezeichnet habe.
Doch nun, wo sie mit ihrer voluntaristischen und spontan-anarchistischen Politik völlig gescheitert sind, fällt ihnen als Ausweg nichts anderes ein als ein lupenreines Korruptionsgeschäft, das sie – ganz logisch – an einer Abgeordneten versuchen, die gerade erst wegen Fälschung ihrer Unterstützerlisten zur vorjährigen Wahl gerichtlich verurteilt worden war. Und sie rechtfertigen ihr Vorgehen auch noch als »gängige Praxis in Koalitionsgesprächen«, die mit Korruption absolut nichts zu tun habe.
In solchen Fällen war bisher immer von Doppelmoral die Rede. Die Kazcynski-Brüder haben nun wohl eine Steigerungsform kreiert – die Zwillingsmoral.

Siehe auch:

Frank Herold: Ein unmoralisches Angebot in Warschau (Berliner Zeitung v. 28.09.06)
 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/0928/politik/0086/index.html?group=berliner-zeitung;sgroup=;day=today;suchen=1;keywords=Warschau;search_in=archive;match=strict;author=;ressort=;von=;bis=;mark=warschau

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