Friedhofsruhe an der Rentenfront



Die Rente mit 67 ist durchgewunken, und kaum einer regt sich noch darüber auf. Noch – nicht! Denn vielen scheint das Inkrafttreten der neuen Regelung in weiter Ferne zu liegen; man hat genug aktuelle Sorgen, um sich nicht auch noch mit denen der ferneren Zukunft zu beschäftigen.

Aber die Friedhofsruhe ist trügerisch. Was jetzt viele noch nicht realisieren, wird bereits in sechs Jahren die ersten treffen. Wer 2012 in Rente geht, muss schon einen Monat länger warten – und so geht es dann immer weiter, bis ab dem Jahre 2029 bis auf wenige Ausnahmen alle erst mit 67 Jahren ihre erste Rente erhalten. Bis dahin sollen mit einem Programm »50 plus« die Arbeitsplätze geschaffen werden, die ein solch langes Arbeitsleben erst ermöglichen würden. Aber wie alle Projekte dieser Art ist auch dieses Programm zum Scheitern verurteilt. Schon 50-Jährige sind heute kaum vermittelbar; woher sollen da die Arbeitsplätze für fast zwanzig Jahrgänge kommen?

So wird die Rente mit 67 die Altersarmut verschärfen. Ohne Arbeit, ohne ausreichende Arbeitslosenunterstützung, wegen der Hartz-IV-Regeln wohl zumeist auch ohne zusätzliche Alterssicherung und nun auch noch ohne Rente werden Tausende am Ende ihres Arbeitslebens dahinvegetieren – ob nun mit Abschlägen oder weil sie diese Abschläge vermeiden wollen. Sie werden das vergrößern, was heute schon die Unterschicht genannt wird. Dann wird man wieder darüber diskutieren und vielleicht neue Begriffe dafür finden. Den Betroffenen aber hilft das nicht.

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