Der Fluch des Kriegseinsatzes



Wer in den Krieg zieht, kommt anders heraus als er hineingegangen ist. Und selbst wenn er dann an Leib und Gesundheit unversehrt ist, kann er doch die seelischen Schäden nicht leugnen, die der tägliche Tod bei ihm hinterlassen hat. Oft aber wartet die geistige Verwüstung nicht bis zum Ende der Kämpfe, sie frisst sich in Gehirn und Gemüt mit jedem Kampfeinsatz, mit jedem Grauen, jeder Todesangst. Und sie bringt Abwehrstrategien hervor, die sich oft rationaler Bewertung entziehen.

Das alles soll kein Verteidigerplädoyer für Bundeswehrsoldaten sein, die in Afghanistan einen Murat Kurnaz quälten oder sich – wie jüngst berichtet – mit Totengebeinen aufgeilten. Doch fast jeder, der in den Krieg zieht, verroht – vor allem dann, wenn er gar nicht weiß, was er auf dem Kriegsschauplatz eigentlich soll. Und einem jungen Deutschen ist eben mit noch soviel Politunterricht kaum zu vermitteln, wofür er am Hindukusch seine Haut zu Markte trägt. Seine eigenen Interessen und Wünsche sind es gewiss nicht. Für wen er da täglich voller Angst auf fremde Straßen mit abweisenden Menschen muss, kann er allenfalls im neuen Bundeswehr-Weißbuch nachlesen – zumeist aber nur zwischen den Zeilen.

Wie immer ist jetzt das Entsetzen groß, doch jeder, auch die für all die Vorgänge in einem Krieg Verantwortlichen, wissen, dass es gegen Verrohung auf dem Schlachtfeld kein Mittel gibt – außer jenem, den Krieg aus dem Arsenal der Politik zu verbannen. Aber werden wir das je erleben?

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