Deutsche Marine zwischen den Nahost-Stühlen


Nur wer total blauäugig an den Kampfeinsatz der deutschen Marine vor der libanesischen Küste herangegangen ist und zudem die entsprechende UNO-Resolution nicht richtig gelesen hat, kann überrascht darüber sein, dass es jetzt im Mittelmeer zu Konflikten gekommen ist – und zwar nicht mit Libanon, sondern mit Israel. Israelische Flugzeuge feuerten Schüsse auf die deutschen Schiffe ab und zwangen einen Hubschrauber, der von dort aufgestiegen war, zum Rückkehr.

Für diese Entwicklung gibt es vor allem zwei Gründe, die allerdings vorauszusehen waren. Erstens zielt die UNO-Resolution zum Libanon nicht, wie von deutscher Seite penetrant suggeriert worden war, allein auf die Verhinderung von Waffenschmuggel durch die Hisbollah ab. Das gehört zwar zu den Aufgaben der Bundesmarine, aber vor allem soll sie den Waffenstillstand zwischen Israel und Libanon überwachen, was die Verhinderung israelischer Angriffe auf das arabische Land einschließt und von Anfang an die Gefahr eines Zusammenstoßes mit Israel in sich barg. Denn – zweitens – ist Israel eine solche Überwachung auch seiner Aktivitäten keineswegs gewohnt. Bisher konnte es in der Regien rund um seine Grenzen schalten und walten wie es wollte und hat diesen Freibrief immer uneingeschränkt genutzt. Gerade daraus hat sich nicht unwesentlich die permanente Kriegsgefahr in Nahost ergeben. Nun, nach der faktischen Niederlage der israelischen Armee gegen die Hisbollah-Kämpfer, musste sich das Land der UNO-Kontrolle, die es bisher immer abgelehnt hatte, unterwerfen – und wird damit nicht fertig. Noch immer sieht es sich als Herr im Nahost-Raum, was auch daraus ersichtlich wird, dass Tel Aviv von der deutschen Marine ganz selbstverständlich verlangt, sich alle ihre Aktionen von Israel genehmigen zu lassen. Verständlicherweise nahm Libanon als souveräner Staat ein ähnliches Recht für sich in Anspruch und setzte durch, dass deutsche Aktivitäten in einer 6-Meilen-Zone vor seiner Grenze abzusprechen sind.

So bedenklich die Vorfälle im östlichen Mittelmeer auch sind, geben sie doch zu einer gewissen Hoffnung Anlass. Vielleicht lässt sich unter UNO-Ägide erreichen, dass die Kontrahenten im Nahen Osten erst einmal auseinander gehalten werden, um sie dann allmählich zu gleichberechtigten Gesprächen über die Zukunft der Region zu führen. Das ist ein langer Weg, aber vielleicht werden jetzt die ersten kleinen Schritt getan.

Siehe auch:

Minibuch vom 11.09.2006

Marina Doering: Konfrontation vor Libanon (Berliner Zeitung v. 27.10.2006)

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/meinung/598497.html

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