Die Kriege des großen Amerika


Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
                                                                                                     Bertolt Brecht

So weit sind wir noch nicht, aber die Vereinigten Staaten versuchen offensichtlich alles, um die Parabel Brechts ein weiteres Mal zu bestätigen. Sie führten, nach dem zweiten Weltkrieg zur Großmacht aufgestiegen, einen ersten Krieg gegen ein kleines Land – Vietnam – von 1965 bis 1975. Sie verloren ihn, konnten sich aber noch damit trösten, dass Vietnam über starke Verbündete verfügte, die Sowjetunion, China, den Warschauer Pakt. Diese Partner im Geiste kämpften zwar nicht direkt an seiner Seite, aber sie leisteten vielfältige materielle und moralische Unterstützung. Und so blieben die USA noch mächtig nach dem ersten Krieg, vergrößerten gar ihre Macht, indem sie die Systemauseinandersetzung für sich entschieden.

Dann kam der zweite Krieg, wieder gegen ein kleines Land: Irak. Er tobt seit drei Jahren und droht so zu enden wie der erste – mit einer Niederlage der USA. Und das, obwohl die Iraker über keine Verbündeten verfügen, die ähnlich stark wären wie jene Vietnams. Im Gegenteil, die Amerikaner haben zahlreiche »Willige« um sich versammelt, und starke Unwillige wie Russland oder China halten sich heraus; nicht einmal die arabischen Brüder stehen in ihrer Mehrzahl zu den Irakern. Nur Iran, Syrien, palästinensische Kämpfer simd an der Seite der irakischen Aufständischen, und dennoch ist es den USA nicht möglich, dieses kleine Land zu besiegen. Die Macht des großen Amerika, die so unaufhaltsam schien, erweist sich als brüchig und verletzbar. Der Krieg fordert nicht nur Opfer in der Ferne, sondern wirkt zunehmend negativ auch im Inneren. Bewohnbar wird das Land nach seinem Ende, das noch lange nicht abzusehen ist, gewiss noch sein, aber ansonsten in welchem Zustand?

Und werden die Vereinigten Staaten dann darüber nachdenken, was nach einem solchen dritten Krieg sein könnte?

Siehe auch:

Martin Jacques: Verfall und Untergang der USA (Berliner Zeitung v. 09.12.2006)

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/meinung/610733.html

Hinterlasse eine Antwort

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu erstellen.