Willkommen im Geheimdienst-Club

Wenn es denn stimmt, dass der russische KGB-Nachfolger FSB beim Tode des abtrünnigen Alexander Litwinenko seine Hand im Spiele hatte (belastbare Beweise gibt es dafür bisher nicht; lediglich Indizien und wilde, mitunter absurde Spekulationen), aber wenn es denn stimmt, dann zeigt Russland damit nur an, wie weit es auf seinem argen Weg in den Kapitalismus auch hinsichtlich geheimdienstlichen Wirkens schon gekommen ist. Denn alles das, was wir jetzt mit russischem Hintergrund erleben, haben die Dienste der großen westlichen Staaten längst vorexerziert – und noch ist der FSB, wenn man ehrlich ist, längst nicht auf jenem Level angekommen, das CIA, MI5, Sûreté oder Mossad längst erreichten. 

Nehmen wir nur den CIA. Aktenkundig ist inzwischen – eine kleine Auswahl – dessen Beteiligung, wenn nicht gar Urheberschaft beim Sturz des iranischen Premierministers Mossadegh 1953, des Präsidenten von Guatemala 1954, bei der Invasion in der kubanischen Schweinebucht 1961, der Aufspürung Che Guevaras in in Bolivien 1967, der Contra-Invasion gegen Nikaragua in den 80er Jahren, der tatkräftigen Unterstützung der afghanischen Taliban gegen die Sowjetunion in den 80er Jahren, bei der fortgesetzten Einmischung in die inneren Angelegenheiten südamerikanischer Staaten. So erinnern wir uns anlässlich des Todes von Pinochet daran, dass 1973 keine Geringeren als der damalige amerikanische Präsident Nixon und sein Sicherheitsberater Kissinger dem CIA den Auftrag gaben, die demokratisch gewählte Allende-Regierung zu beseitigen. Und beim Anti-Terror-Kampf steht der CIA an vorderster Front, kümmert sich nicht um Recht und Gesetz, auch nicht um das Völkerrecht, wie gerade anschaulich die Erkenntnisse über US-Spionageflüge rund um den Erdball beweisen. Inwieweit Geheimdienste auch im Inneren der USA tätig wurden, ist Dauerthema unerschöpflicher Untersuchungen, darunter eines Präsidentenmoders, der Ermordung eines unliebsamen Präsidentschaftskandidaten und eines schwarzen Bürgerrechtlers. Auch ist längst bekannt, dass Spitzenleute des US-Geheimdienstes höchste Staatsämter bekleideten und bekleiden – wie zum Beispiel George W. Bush der Ältere, CIA-Chef 1976/77, der 1988 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Oder gerade jetzt, da mit Robert Gates der CIA-Chef von 1991 bis 1993 zum Verteidigungsminister befördert worden ist.

Nun werden die Vorgänge in Russland durch den Vergleich mit den USA nicht besser; eher im Gegenteil. Sie zeigen jedoch, dass die russischen Dienste dabei sind, ihren Rückstand gegenüber den westlichen »Kollegen« aufzuholen, was die verbreitete Schelte, die hinsichtlich anderer Geheimdienstaktivitäten viel weniger zu hören ist, ziemlich heuchlerisch macht. Wenn also der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach erklärt: »Wenn ausländische Kräfte planmäßig in Deutschland operieren, ist das in erheblichem Maße beunruhigend für die innere Sicherheit des Landes.« – dann fragt man sich schon, was er gerade meint. Denn vor allem ist es der CIA, der von den amerikanischen Militärbasen in Deutschland aus in der beschriebenen Weise aktiv wird. Vielleicht ist es zynisch, aber wenn nun der FSB nachzieht, bleibt seinen Vorreitern eigentlich nicht viel mehr als eine Begrüßungsformel: Willkommen im Club!

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