Warschauer Springprozession

Man sollte es nicht für möglich halten, aber Kommunikationsschwierigkeiten gibt es jetzt auch auf höchster katholischer Ebene. Die Abstimmung zwischen Gott und seinem Stellvertreter auf Erden klappt einfach nicht mehr. Während letzterer Stanislaw Wielgus erst am Freitag zum neuen Erzbischof von Warschau gemacht hatte, pfiff ihn sein Chef zwei Tage später zurück, indem er Wielgus wohl anwies, das Amt wider abzugeben. Besonders pikant, dass sich der Himmelsherrscher zur Bekehrung des 48-Stunden-Erzbischofs zum einen der früheren polnischen Staatssicherheit und zum anderen der Kaczynski-Brüder und ihres Anhangs bediente. Selbst der Teufel schüttelt darüber nur den Kopf, wie bereits Goethe uns einst verriet, als er Mephisto dem Herrn vorhalten ließ: 

 

Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
Ein wenig besser würd‘ er leben,
Hätt’st du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein,
Nur tierischer als jedes Tier zu sein.
Er scheint mir, mit Verlaub von Euer Gnaden,
Wie eine der langbeinigen Zikaden,
die immer fliegt und fliegend springt
Und gleich im Gras ihr altes Liedchen singt;
Und läg‘ er nur noch immer in dem Grase!
In jeden Quark begräbt er seine Nase.

Den Herrn wird das kaum anfechten; schließlich muss er am besten wissen, was der Menschheit frommt. Also ließ er sich diese Warschauer Variante der Echternacher Springprozession einfallen: Fünf Schritte voran, drei Schritte zurück. Einst kreiert zum Dank für die Überwindung des damals in Echternach grassierenden Veitstanzes.

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