Ohne Jauch geht’s auch

Es rauscht mächtig in den Feuilletons. Günther Jauch, der beliebteste Schwiegersohn des Landes, will nun doch nicht die Sonntags-Talkshow der ARD von Sabine Christiansen übernehmen. Meist wird das als Katastrophe dargestellt – für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, als habe sich Jauch jemals in seinen Sendungen als seriöser, kompetenter Beobachter politischer Entwicklungen hervorgetan und dem politischen Establishment der Republik durch kluge Fragen auf den Zahn gefühlt. Die Schuld wird der ARD angelastet, die immer neue, überzogene Forderungen gestellt habe. Wenn es Jauch darum gegangen ist, seinen Werbewert durch einen Auftritt mit politischer Ausstrahlung zu steigern – und diesen Eindruck konnte man zeitweise haben – dann hat die ARD völlig richtig gehandelt. Und dass die Anstalten erwarteten, dass er nicht für vergleichbare politische Sendungen im Privatfernsehen zur Verfügung steht, ist längst geübte Praxis; keine Zeitung lässt es zu, dass ihr Chefkommentator in ähnlicher Funktion für das Konkurrenzblatt tätig ist. 

Statt Tränen zu vergießen, sollte man der Entwicklung vor allem das Positive abgewinnen. Offensichtlich ist durch ARD-Forderungen verhindert worden, dass ihre wichtigste Talkshow noch mehr auf den Boulevard abgleitet als schon bei Sabine Christiansen, die immer öfter Unterhaltungsgrößen einlud und sie ihre nicht selten hanebüchenen Ansichten ausbreiten ließ. Von Jauch stand – nach dem, was er bisher im Fernsehen ablieferte – zu befürchten, dass er sich eher als Widerpart zu Johannes B. Kerner als zu Maybritt lllner gesehen hätte. Das wollte das ARD-Management wohl dadurch unterbinden, dass es die Verantwortung für die Sendung der Unterhaltung zu entziehen und bei den Chefredakteuren zu konzentrierten gedachte – für Jauch nach seiner Erklärung wohl der Hautgrund der Absage, da er sich den Risiko ausgesetzt sah. »zum Spielball der politischen Farbenlehre innerhalb der ARD zu werden«.

SWR-Intendant Voß hat ohne Zweifel Recht, wenn er – ganz privatfernsehen-gemäß sagt: »Ohne Jauch geht’s auch.« Nun kann die ARD über die Besetzung der Funktion neu nachdenken – und wenn dabei die Wahl auf Frank Plasberg fiele, der sich mit seinem so sachkundigen wie unbestechlichen Auftreten im WDR bereits hohe Anerkennung erworben hat, wäre das die schlechteste Lösung nicht. Er wäre gegenüber Jauch nicht nur ein relativ neues Gesicht, sondern wohl auch ein Gewinn an Kompetenz für die Talkshow. Und das braucht die Sendung dringender als einen »Fernsehstar«, wie ihn sich einige Intendanten der ARD noch immer herbeiwünschen.

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