Ein Hauch von Marx

Pünktlich zur Gedenkdemonstration für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, mit der heute der beiden vor 88 Jahren ermordeten Kommunisten gedacht wurde und an der bis zu 100 000 Menschen teilnahmen, und nur 17 Jahre nach dem vermeintlichen endgültigen Tod der kommunistischen Idee rauschen die Medien wieder kräftig im linken Wind. »Funktioniert der Kommunismus doch?« fragt der jüngste »Spiegel« in seiner Titelgeschichte und staunt darüber, dass China mit planwirtschaftlichen Methoden auf dem Weltmarkt so erfolgreich ist (wobei man allerdings die sozialen Verwerfungen nicht übersehen sollte). Andere wollen solch defätistischen Gedanken nicht nachhängen und geben mit ihrer Frage gleich die Antwort: »Warum ist der Marxismus aus der Mode?« So die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung«, die jedoch zumindest die Erörterung einer solchen Frage für sinnvoll hält, auch wenn der Autor anfangs noch meinte: »Man könnte es sich bei diesem Thema leicht machen.« Das gelingt ihm dann doch nicht, und fast am Ende muss er gar einräumen: »So war auch nicht alles falsch, was Marx schrieb.« Im letzten Satz geht die Forschheit des Anfangs gar ganz verloren: »Aber wer weiß. Es hat ja schon die merkwürdigsten Comebacks gegeben.«

Ob das so sein wird und wenn ja, in welcher Form, sei dahin gestellt. Immerhin hatte Marx nur den Kapitalismus seiner Zeit analysieren können, doch der war schließlich nicht unveränderlich, stellte sich in den Zeiträumen danach auf die neuen Herausforderungen ein – bis heute. Dass Marx immer noch als Kapitalismus-Kritiker herangezogen wird (und werden kann, wie seine mediale Wiedergeburt offenbart), zeigt nur die Schwäche aktueller Kapitalismus-Kritiker, die leider sein theoretisches Niveau bislang nicht erreichen konnten.

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