Edmund Stoibers asymmetrischer Kampf

Edmund Stoiber will kämpfen – »für meine Ziele, für einen Erfolg Bayerns und für den Erfolg der CSU«, wie er gestern in Wildbad Kreuth forsch verkündete. Aber weiß er auch, gegen wen er kämpfen will? Aus der CSU-Führungsriege hat sich noch kein Gegner gelöst, den er ins Visier nehmen könnte, denn sie alle verharren im Gebüsch und lassen ihren Boss – wie weiland Don Quichotte – allein auf dem Kampffeld stehen. Wie sehr ihn das irritiert, verraten die gezielten Gerüchte, die seine Knappen vorsorglich via »Bild« gegen die möglichen Gegner abgefeuert haben, die aber zunächst nicht mehr als Blindgänger sind.

Auch die Landtagsfraktion, der er heute gegenüber stand, eignet sich wenig als Gegner, will sie ihn doch – im eigenen Interesse – nicht k.o. schlagen, sondern erreichen, dass er noch vor dem ersten Gong das Handtuch wirft. Die Abgeordneten wollen ihn nicht attackieren, sondern wegloben. Wie aber kämpft man dagegen?

Der wirkliche Gegner für Edmund Stoiber ist unberechenbar und ohne eigentliche Kampfstrategie. Es ist das Wahlvolk, das sich um die Vorgänge am CSU-Hof kaum kümmert, sondern nach eigener Anmutung entscheidet. Und die sagt ihm, ohne dass es dafür eine bis in alle Verästelungen hinein ausgeführte Begründung (wie sie Stoiber für seine Kabinettsvorlagen verlangte) gibt: Es reicht! Mehr Begründung braucht es nicht, und dagegen ist schwer ankämpfen.

Stoiber führt also so etwas wie einen asymmetrischen Kampf. Der Gegner stellt sich nicht in offener Feldschlacht, er ist nicht zu packen, aber er ist da und agiert erfolgreich. Militärstrategen sagen, selbst ein hoch gerüsteter, perfekt organisierter Apparat kann einen solchen asymmetrischen Krieg nicht gewinnen. Sollte es Edmund Stoiber doch gelingen, werden ihn wohl die Amerikaner flugs nach Irak in Marsch setzen.

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