Steinbrücks willkommene Heuschrecken

Es war im Wahlkampf 2005, als der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering das Wort von den »Heuschrecken« prägte, die anonym blieben, kein Gesicht hätten, über die Unternehmen herfielen, sie abgrasten und weiter zögen. Er meinte damit vor allem die Hedge-Fonds, deren Geschäftsgebaren darin besteht, Unternehmen billig aufzukaufen, das Kapital aus ihnen herauszuziehen und zu seiner Maximierung die Unternehmen zusätzlich zur Aufnahme hoher Kredite zu veranlassen. Sie sind heute wohl die Prototypen dessen, was Lenin den »parasitären Kapitalismus« nannte und bestätigen Marx‘ berühmten Satz von der Profitgier des Kapitals: »Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«

Ohne eigene produktive Leistung geht es den Hedge-Fonds einzig darum, durch den rigorosen Einsatz von Geld neues Geld zu erlangen. Die »Berliner Zeitung« hat gerade heute aufschlussreich über solch »Buntes Treiben« berichtet. Müntefering hatte also Recht mit seiner Charakterisierung, doch sein Parteigenosse und Kabinettskollege Peer Steinbrück sieht das nicht so verbissen. Er möchte zwar die Hedge-Fonds ein wenig besser kontrollieren, doch ansonsten sieht er ihnen wohlwollend zu, fällt doch vielleicht der eine oder andere Steuer-Euro dabei ab. Die Folgen für Unternehmen und Arbeitsplätze interessieren die Sozialdemokraten dabei nicht – wenigstens bis zum nächsten Wahlkampf.

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