Quittung für großes Koalieren

Zwar haben Landeswahlergebnisse oft zu spezifische Gründe, als dass man sie einfach so auf die Bundespolitik hochrechnen dürfte, aber ohne jeden Einfluss ist das Ganze auf seine einzelnen Teilchen eben auch nicht. Wenn also die beiden Partner einer großen Koalition in einem kleinen Bundesland 5,5 bzw. 4,1 Prozent ihrer Stimmen verlieren, so haben die Wähler damit zumindest zum Teil auch ein fein verstecktes Urteil über die große Koalition in Berlin getroffen – und zwar unabhängig von Umfragezahlen, die immer öfter – so auch teilweise vor den Wahlen in Bremen – mehr oder minder neben der Wirklichkeit liegen.

Einmal mehr zeigt sich darin, dass sich die Wähler weder von den in Demoskopie gefassten Erwartungen des politischen Establishments noch von dessen eigener Erfolgspropaganda beeindrucken lassen, sondern nach eigener Entscheidung ihre Stimme abgeben. Da kann sich ein Vizekanzler und heimlicher SPD-Vorsitzender Müntefering verbal noch so sozial gebärden; in Erinnerung bleibt doch nur die lange Liste sozialer Grausamkeiten, die die SPD oft nicht nur mittrug, sondern gar selbst initiierte. Und auch passable Auftritte einer Kanzlerin auf der politischen Bühne machen beim Wähler nicht vergessen, was an unsozialen Zielstellungen im Progrtamm ihrer Partei steht, der Angela Merkel als Vorsitzende noch immer die Richtlinien vorgibt, auch wenn sie über das Unangenehme nicht gern selbst spricht. Schon gar nicht lassen sich Wähler von den Suppenkasper-Hampeleien der Parteien gegenüber der Linken beeindrucken. Deren Programm ließ sie ihren Stimmenanteil – wenn auch von niedrigem Niveau aus – verfünffachen, worin allerdings auch eine große Erwartung für die Zukunft steckt.

Das Bremer Wahlergebnis lässt mithin hoffen. Und da die etablierten Parteien bei dessen Kommentierung bislang kaum Lernfähigkeit erkennen ließen, dürfen wir wohl auch künftig an den Wahltagen ähnlich positive Überraschungen erwarten.

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