Berufssport ist Dopingsport

Wenn denn das jüngste Tour-de-France-Debakel wenigstens dazu gut sein kann, den Sport wieder zu dem zu machen, was er ursprünglich war – nämlich ein fairer Wettkampf um den Sieg und nicht eine Supershow, die vor allem aufs Geldverdienen zielt, wäre schon viel gewonnen. Zweifel aber sind angebracht, denn weder die Kommerzialisierung des Sports noch das daraus mit unerbittlicher Logik folgende Dopen haben sich Sportler ausgedacht. Sie sind nur das traurige Ende einer langen Kette, in der viele mitwirken und vor allem viele viel verdienen. Dazu gehören nicht einmal zuerst die jetzt so heftig gescholtenen Sportfunktionäre, sondern in erster Linie jene Sponsoren, die ja ihr Geld nicht aus Freude an der hehren Körperertüchtigung geben, sondern weil sich mit dem erfolgreichen Sportler so wunderbar werben lässt, dass hinterher die Kassen ordentlich klingeln. Und dazu gehören natürlich auch die Medien, denen Einschaltquoten und Verkaufserlöse umso höher sind, je spektakulärer das Geschehen in den Sportarenen abläuft, Spitzenleistungen und Rekorde eingeschlossen. Sponsoren und Medien vor allem waren es, die sich des Sportes zur eigenen Gewinnmaximierung bedienten; ihre jetzigen Klagen entpuppen sich somit als abgrundtiefe Heuchelei.

Dass das so ist, wird sich schon bald erweisen – dann nämlich, wenn die jetzt verkündeten ethischen Prinzipien auf andere Sportarten angewendet werden. Denn Höchstleistungen, wie sie Geldgeber und Fernsehanstalten fordern, sind ohne Hilfsmittel bis hin zur Pharmazie nicht mehr zu erbringen. Im Klartext: Gedopt wird irgendwie überall. Was auch hinsichtlich der bei der Tour de France lautstark verkündeten Maßstäbe auch bedeutet, künftig den Spitzensport zu ächten. Eine undenkbare Vorstellung auch deshalb, weil viele Zuschauer den Nervenkitzel der Höchstleistung und des an seine äußersten Grenzen gehenden Siegers nicht missen wollen. Dann aber sollte man so ehrlich sein, und diese Art Sport als das deklarieren, was er ist – das Event, die Supershow, die Varietéveranstaltung, bei der der Akteur alles, was er für erforderlich hält, tun darf, um sich in Höchstform zu bringen. Rockmusiker brauchen für ihre Auftritte längst die Droge, um durchzuhalten, warum sollte das bei anderen Stars anders sein? Sie verdienen ihr Geld auf diese Weise; nur sie haben zu entscheiden, was sie dazu wie investieren. Berufssport ist eben Dopingsport; gerade deshalb haben sich ja Amateure so lange strikt von ihm abgegrenzt.

Damit aber stellt sich auch die Frage, ob man derartige professionelle Auftritte durch Meisterschaften oder gar Olympische Spiele adelt. Sie sollten dem echten Sportler, dem Amateur eben vorbehalten bleiben, der mit seinen Leistungen nichts verdienen will, aber natürlich einen Ansporn braucht. Die Teilnahme am Sportfest im Kleinen wie im Großen mit dem möglichen olympischen Höhepunkt würde wieder zur hauptsächlichen Motivation und nicht die geldliche oder geldwerte Siegprämie. Dass es dazu allerdings kommt, ist kaum zu erwarten. Wird solche Konsequenz der gegenwärtigen Diskussion erst einmal erkannt, ist es vermutlich schnell mit der Ethikdebatte vorbei. Denn mag das Sportlergepäck noch so unangenehme chemische Gerüche ausströmen, Geld stinkt nun einmal nicht.

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