Kosovo, Flandern – und dann?

Was spricht eigentlich dagegen, Belgien zu teilen – in zwei neue selbständige Republiken Flandern und Wallonien? So wie die Tschechoslowakei in Tschechien und die Slowakei geteilt wurde. Oder Jugoslawien in ein gutes halbes Dutzend neuer Staaten, deren (vorerst) letzter Kosovo heißt. Gegen die Abspaltung Flanderns vom heutigen Belgien spricht so wenig , aber auch so viel, wie gegen die Abspaltung Kosovos von Serbien sprach. Und weil aus Sicht der meisten EU-Europäer, aber auch der USA und der NATO so wenig dagegen sprach, wurde die Teilung Serbiens vollzogen – auf einem Kontinent, der ansonsten vorgibt, sich einen zu wollen. Es waren politische oder gar ideologische Gründe, die dafür ins Feld geführt wurden, keine wirklich sachlichen und darum alle Beteiligten überzeugenden. Letzteres sprach nun wiederum gegen die Abspaltung Kosovos – und es spricht ebenso gegen die Abspaltung Flanderns. Helfen wird das den einigungswilligen Belgiern so wenig, wie es den einigungswilligen Serben half, denn auch für die Sezession der Flamen sprechen allein politische oder gar ideologische Motive. Und so wie die im Falle Serbiens zum Maßstab gemacht wurden, wird das auch im Falle Belgiens früher oder später geschehen. Der Zerfall des Gastgeberstaats der Europäischen Union ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Das Wehklagen über diese unumgängliche Entwicklung ist groß, aber es sind nur Krokodilstränen, die da vergossen werden. Wer einmal damit beginnt, separatistische Bewegungen aus Gründen puren Eigennutzes und vermeintlichen Machtgewinns zu unterstützen, öffnet die sprichwörtliche Büchse der Pandora und bekommt den bösen Geist nicht wieder in sie zurück. Nicht zufällig lehnen etliche Staaten die Separierung Kosovos ab: Spanien, Griechenland, Zypern, Rumänien, die Slowakei und Malta. Sie alle haben mit separatistischen Bewegungen im eigenen Land zu tun und sind nicht gewillt, durch Nachgiebigkeit anderswo die Spalter zu Hause zu ermutigen. Belgien übrigens gehörte trotz seines flämisch-wallonischen Konflikts nicht zu diesen weitsichtigen Ländern und hat dafür nun die Quittung erhalten. Denn wie könnte man Flandern verwehren, was man Kosovo gewährte? Wäre die Sache nicht so ernst, könnte darüber fast Schadenfreude aufkommen.

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5 Antworten zu “Kosovo, Flandern – und dann?”

  1. maphry sagt:

    Nun, derzeit gibt es wie schon erwähnt viele separatistische Ansätze, welche immer mehr Form annehmen, der Fall Belgien ist dort noch der, welcher am ehesten begründbar wäre, da die beiden Bevölkerungsteile ernsthaft gesagt nicht wirklich viel verbindet (vor allem die Sprache tritt da hervor). Andere Beispiele wie das Baskenland (Spanien) oder Schottland (UK), sind da schon kritischer. Die Frage die man sich stellen sollte ist warum gerade jetzt sich die Staaten drohen aufzuspalten, und der Grund der da vor allem genannt werden muss ist sicherlich die EU: Unter dem Dach der EU ist es auch für kleine Staaten viel risikoloser zu existieren, weil die Aufgaben die durch die Nationalstaaten wahrgenommen werden müssen immer mehr zurückgehen.
    Deshalb halte ich es auch für nicht angebracht Belgien mit Serbien zu vergleichen, denn gerade die letzte Abspaltung ist nicht erfolgt, weil man sich über Steuerlasten und Quersubventionierungen stritt, sondern Folge eines Bürgerkrieges, was eine ganz andere Kategorie ist.

  2. oberblogsaenger sagt:

    Vielleicht erleben wir den Bürgerkrieg in Belgien noch. Dort gibt es eine Partei namens Vlaams Beland, die heute ähnlich tönt wie einst die UCK im Kosovo. Im übrigen wollte ich nicht platt vergleichen, sondern nur die Folgen zeigen, wenn man beginnt, seine Prinzipien aufzugeben – mit welcher Begründung auch immer.

  3. Markus sagt:

    Ein Vertreter der deutschen Minderheit in Belgien hat heute in einem Radiointerview die Ansicht geäußert, daß es zwar einer schnellen Lösung des Konflikts bedürfe, aber die Kosten einer Teilung Belgiens höher seien als bei einer Nichtteilung und daher eher nicht mit einem Auseinanderbrechen des Landes im Herzen EU-Europas in zwei (oder mehr) Teile zu rechnen sei. Das klingt nach einer vernünftigen Abwägung, aber auch nach Zweckoptimismus.

    Solidarität ist in heutiger Zeit ein „knappes Gut“ geworden. Ob vermehrtes egoistisches Denken und Handeln wohl etwas mit der herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftsideologie des ungehemmten Vorteilsstrebens und der unregulierten Konkurrenz zu tun haben könnte? Im Zweifelsfall bzw. Streitfall wird`s der Markt schon richten! Oder die dahinterstehende tonangebende (Macht-)Politik: Der Mensch ist des Menschen Wolf – aber nur, wenn man ihn dazu macht.

  4. maphry sagt:

    Naja, ich denke mal Belgien ist sehr weit von einem Bürgerkrieg entfernt, denn dort steht sehr viel, nicht nur für den Gesamtstaat auf dem Spiel, sondern vor allem auch für die einzelnen Bevölkerungsgruppen. Sicher, Extremisten gibt es immer, aber die haben wir wohl in jedem Staat der Welt. Und was die Folgen angeht, so sind die dank EU wohl sehr gering, solange beide Reststaaten dann in dieser bleiben (ausser dass dann ein potentielles Veto mehr am Europaratstisch sitzt).

  5. BUNDESPOPEL sagt:

    Es ist Sache der Belgier, ihre öffentlichen Angelegenheiten so zu ordnen, daß sie der Zukunft in der Gewißheit von Prosperität, Glück und Zufriedenheit entgegenblicken können.

    Flandern und Wallonien– das wäre eine lebensfähige, tragbare und sicher auch erfolgreiche Option.

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