Der Weg des Geldes – immer nach oben

Wer es noch nicht gewusst hat, ist nun förmlich mit der Nase darauf gestoßen worden: Das Geld, dessen Fehlen für soziale Zwecke, die öffentliche Daseinsfürsorge, für Bildung und Kultur allenthalben beklagt wird, ist von so genannten global playern, vor allem einer maßlos gierigen Finanzclique, mit den Ziel immer größeren Profits verzockt worden. Der Staat hat nicht nur die Steuern für Unternehmen und Finanzwirtschaft ständig gesenkt und ihnen damit Milliardengeschenke auf Kosten der Masse der Bevölkerung gemacht. Er griff gleichzeitig in die Sozialsysteme ein, verwendete zum Teil deren Bestände für sachfremde Zwecke, reduzierte damit die Mittel für Soziales, kürzte Renten, ruinierte die Krankenversicherung und ist dabei die Arbeitslosenversicherung vor allem zugunsten der Wirtschaft gegen Null zu fahren.

Damit aber gab der bürgerliche Staat bereitwillig seine Hand zu einem gigantischen Missbrauch von finanziellen Werten, die nicht von der Akteuren der Finanzkrise, sondern von der Allgemeinheit geschaffen wurden – selbstverständlich unter Nutzung des technischen und technologischen Fortschritts, der jedoch auch nicht das Produkt irgendwelcher Finanzmanager war, sondern das Ergebnis schöpferischer und fleißiger Arbeit in Forschungslabors, Entwicklungsabteilungen und Produktionsstätten.

All das haben sich einige wenige gewissermaßen unter den Nagel gerissen und wirtschaften damit, als gehörten all diese materiellen Werte allein ihnen. Immer weniger durch Produktion und Innovation als vielmehr durch Spekulation und Manipulation erzockten sie sich immer größere Gewinne und fragten nicht einmal, wessen Geld es war, mit dem sie bedenkenlos Monopoly spielten. Es ist dies der »parasitäre Kapitalismus«, von dem Lenin in Weiterentwicklung Marx‘ sprach und der noch bis vor kurzem als überholte Schimäre verlacht wurde. Tatsächlich ist das, was beschönigend Finanzkrise genannt wird, der bsiherige Höhepunkt eines gigantischen Umverteilungsvorgangs von unten nach oben, wobei das Geld, das oben bereits ankam, unten auf ewig verloren ist.

Grundsätzlich ändern will man daran natürlich nichts, nur die Schussfahrt ein wenig abbremsen. Es spricht Bände, dass selbst der amerikanische Senat die nur kosmetischen Korrekturen, die die Bush-Administration am Finanzsystem zulassen wollte, empört zurückwies; schließlich steht man im Wahlkampf und kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Hierzulande jedoch waschen die Politiker ihre Hände gleich ganz in Unschuld und sehen keinerlei Handlunbgsbedarf – so als ob die Milliarden, die bei KfW/IKB und diversen Landesbanken in den Sand gesetzt wurden, nur Peanuts seien. Während jeder Hartz-IV-Empfänger durch einen beträchtlichen Apparat von Spähern ständig überwacht wird, damit nicht etwa zehn Euro zuviel vom Arbeitsamt bereitgestellt werden, während künftig auch Rentner einer verschärften Steuerprüfung unterzogen werden, während so genannter Sozialmissbrauch von botmäßigen Medien fast zum Schwerverbrechen erklärt wird, sollen jene, die neunstellige summen dem Staat und damit der Allgemeinheit entziehen, auch weiterhin kaum Einschränkungen unterliegen. Schon melden sich erste Stimmen, die die offene Debatte über den Finanzcrash schnell beenden möchten, weil sie geschäftsschädigend sei.

Andererseits aber sollen die vom Geld-Establishment verursachten Schäden wie eh und je dazu herhalten, weitere Kürzungen bei Löhnen und Sozialleistungen zu begründen; an der Empörung der Metallunternehmer über die Lohnforderungen der Gewerkschaft kann das gerade wieder einmal studiert werden. Ungeachtet des Super-Gaus im Finanzwesen wollen die dafür Verantwortlichen ungerührt das fortsetzen, was sie herbeiführte – die unverfrorene Umverteilung von unten nach oben.

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2 Antworten zu “Der Weg des Geldes – immer nach oben”

  1. Markus sagt:

    Übrigens hat der in linken politischen Kreisen nicht unumstrittene John Maynard Keynes bereits davor gewarnt, daß die Finanzindustrie nicht die Realwirtschaft dominieren dürfe, sondern vielmehr eher umgekehrt, die „irreale“ der „wirklichen“ Wirtschaft dienend zur Seite stehen müsse. Darauf könnte man vielleicht sogar kommen, wenn man selbst kein „Jahrhundertökonom“ ist.

    Wen das also noch nicht überzeugt, dem sei noch dieses Bonmot von ebendiesem Keynes verabreicht: Für die „Enkelgeneration“ sei das ökonomische Problem der Knappheit als gelöst zu betrachten, da die gemachten stetigen Produktivitätsfortschritte ein Leben jenseits des Jochs der ausgedehnten kapitalistischen Lebensweise für alle möglich mache. Recht hat er ja, der gute Keynes – nur welche Enkel mag er gemeint haben?

  2. Hempel sagt:

    Kurz und treffend. Ein guter Beitrag.

    Als Ergänzung dazu einige Passage aus einem polemischen Schriftwechsel zwischen Journalisten/Juristen („Gasthörer an der Humboldt-Uni) und Prof. Gerhardt, der alldort im Frühjahrssemester 2008 über „Politische Philosophie der Gegenwart“ las.

    Hörergruppe
    „…Gemäß der unsererseits dem Philosophen und Weltveränderer Marx zugebilligten wissenschaftlichen, politischen und im übrigen auch journalistischen Leistung hätte er mehr verdient als nur eine Erwähnung… Wir wissen natürlich, dass es in den zurückliegenden etwa 15 Jahren auch und vor allem in Deutschland eine politische motivierte Marx-Abstinenz gegeben hat… Und diese offensichtlich weiter anhält, jedenfalls wenn man die Ambitionen der herrschenden politischen Klasse aufmerksam verfolgt…
    Wir wollen Sie aber auf die Neuerscheinung des Eulenspiegel Verlages Berlin „Grüß Gott! Da bin ich wieder! – Karl Marx in der Karikatur“ aufmerksam machen. Im Editorial ist zu lesen: „Die Marschen Ideen – entkernt von ihren Verkrustungen und Dogmatisierungen – geben auch heute Hilfe zur Selbstbestimmung…“

    Prof Gerhardt:
    „…Gleichwohl zögere ich nicht, den Faustischen Charakter seines Denkens zu exponieren, seine romantischen Bemühungen um eine Versöhnung von Natur und Mensch auszuzeichnen und ihn auch in seinen ökonomischen Diagnosen für einen herausragenden Denker zu halten…“

    Hörergruppe:
    „…Wie sehr Marx in seinen „ökonomischen Diagnosen als ein herausragender Denker “ gelten muss, zeigt aktuell die amerikanische Bankenkrise, die von Oskar Lafontaine wohl zu Recht als „Krise der geistigen und moralischen Orientierung der westlichen Industriegesellschaft“ definiert wird. (nachzulesen im ND v. 26. 09. 2008).

    Da stimmt hier also Peter Richter nicht nur mit Karl Marx sondern auch mit Oskar Lafontaine überein.
    Beide, den toten Philosophen, und den lebenden Politiker, wirds freuen…

    Rudolf Hempel

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