Barack Obama im Visier des Afghanistankrieges

Der amerikanische Präsident sollte das Menetekel an der Wand ernst nehmen. Längst fordert der Krieg in Afghanistan seine Opfer nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch an der Heimatfront. In dem Maße, wie Monat für Monat mehr westliche Soldaten – allein in diesem Jahr waren es schon fast 300 – und afghanische Sicherheitsleute sterben, enden immer öfter auch die Karrieren von Militärs und Politikern, die in irgendeiner Weise mit den Kämpfen am Hindukusch zu tun haben.

Das deutsche Beispiel ist da besonders lehrreich. Vor sieben Monaten begann es auch mit einem hohen Militär, dem Generalinspekteur der Bundeswehr, der Afghanistans wegen gehen musste. Dass er gleich noch einen Staatssekretär im Verteidigungsministerium mitzog, ist wohl deutscher Gründlichkeit zu danken. Doch damit noch nicht genug. Nur Tage später verschwand der Minister, wiewohl schon längst auf ein ziviles Amt abgeschoben, höchstselbst in der Versenkung. Und vor kurzem traf es sogar den höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik. Horst Köhler wurde zum Verhängnis, dass er sich einen allzu genauen Einblick ins afghanische Kriegsgeschehen verschafft hatte.

Was lässt das für die Vereinigten Staaten erwarten? Ein hoher Militär, der Oberkommandierende der westlichen Isaf-Truppen, verlor diese Amt bereits. Er hatte, wie andere, kein Konzept zur Lösung des Afghanistan-Problems, versuchte militärisches Draufgängertum mit Gesten zur Gewinnung der Bevölkerung zu verbinden, was nicht gelingen konnte, weil ein stolzes Volk wie das afghanische keine fremden Herren in seinem Lande duldet. So flüchtete er sich in Zynismus und vorsorgliche Sündenbocksuche.

Aber auch alle anderen in Washington, der Präsident eingeschlossen, wissen nicht wirklich, wie es in Afghanistan weitergehen soll. Sie alle halten am »Endsieg«, wie auch immer, als oberstem Kriegsziel fest. Da ist abzusehen, dass – wie Schneiderhan – auch McCrystal nur der Anfang einer Kette des Scheiterns ist, an deren Ende vielleicht auch der höchste Repräsentant der USA steht. Und sei es auf die ganz unspektakuläre Weise, dass eine kriegsmüde Nation Barack Obama an der Wahlurne das Mandat entzieht. Schon in gut zwei Jahren steht er wieder zur Wahl.

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Eine Antwort zu “Barack Obama im Visier des Afghanistankrieges”

  1. Frank Benedikt sagt:

    Was aber soll eine „kriegsmüde Nation“ wählen, falls Petraeus gegen Obama antritt?

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