„Kebab“ auf Japanisch

Das Ensemble „Brecht-Keller“ aus Osaka ist auf Gastspielreise in Berlin und Magdeburg, es leistet damit einen interkulturellen Beitrag zu „Deutschland-Japan: 150 Jahre Freundschaft“

(rhe) Mit dem Sozialdrama „Kebab“ der rumänischen Autorin Gianina Carbuna­riu gastiert das von Akira Ichikawa geleitete Theater-Ensemble „Brecht-Keller“ aus Osaka vom 24. bis 26. Feb­ruar am Theater Magdeburg. Hintergrund des vom Japanischen Kultusministerium mit 45 000 Euro unterstützten Deutschland-Gastspiels des 20köpfigen Künstler-Teams ist die unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Christian Wulff und dem japanischen Kronprinzen Naruhito stehende Veranstaltungsreihe „Deutschland-Japan: 150 Jahre Freundschaft“. Gefei­ert wird damit auf vielfältige Weise das Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen: Am 24. Januar 1861 war, damals noch zwischen Preußen und Japan, ein Handels- Freund­schafts- und Schifffahrtsver­trag unterzeichnet worden.

Die Regie von „Kebab“ liegt in den Händen von Enrico Stolzenburg, Absol­vent der Hoch­schule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, später Regieas­sistent am Berliner Ensemble, Re­gisseur an der Schaubühne sowie an Theatern in Weimar, Bern, Freiburg und Konstanz. Er hat das Stück über das wechsel­volle Schicksal von Madalina, Bogdan und Voicu, drei nach Irland ausgewan­derte Rumänen, vor vier Jahren an der Schaubühne und zwei Jahre später, in der Übersetzung des renommierten Germanisten, Theaterwissen-schaftler und Buchautors Akira Ichikawa in Japan inszeniert

Nun kommt das in London geschriebene, in Berlin „uraufgeführte“, in Osaka nachgespielte Stück in scheinbar fremder Version nach Magdeburg. Dem Publikum wird – in japanischer Sprache mit deutschen Übertiteln – eine Insze­nierung geboten, die Einblick in eine für Exil­anten aus dem Osten unfassbare, schillernde, westeuropäische Glücksverheißung gibt. Ihre Wünsche nach Selbst­verwirklichung bleiben trotz harten Kampfes um die Existenz ein Traum, der weit davon entfernt ist, jemals Realität zu werden. „Kebab“ versteht sich so auch in seiner japanischen Fassung als eine Aufforderung zum interkultureller Dialog, dessen Gül­tigkeit weder an Ort noch Zeit gebunden ist. Zum Magdeburg-Gastspiel gehören mit der „Japan-Nachtschicht“ eine Fo­yer-Mischung aus Talk & Tanz, Gemischtem Triple und Karaoke-Party. Prof. Ichikawa hält mit „Brecht-Kafka-Japanisches Theater“ einen reich illustrierten Vortrag über das Opium der Verwandlung.

Das Ensemble „Brecht-Keller“ aus Osaka nach dem Besuch des Brecht-Stückes „Furcht und Elend dritten Reiches“ vor dem Berliner Ensemble. Vorn, 2.v.l., Prof. Akira Ichikawa, Ensemble-Leiter und Übersetzer von „Kebab“, einem Stück der rumänischen Autorin Gianina Carbunariu, mit dem die Japaner Ende Februar am Theater Magdeburg gastieren.                      Foto: Rudolf Hempel

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Vor ihrer Fahrt in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt besuchte das via Helsinki in Berlin gelandete Ensemble eine Aufführung von Brechts „Furcht und Elend des dritten Rei­ches“, BE-Dramaturg Hermann Wündrich begleitete die japanischen Künstler bei ihrem Gang hinter die Theater-Kulissen. Am Abend stand die Schaubühne mit „Perplex“ von Marius von Mayen­burg, einem Reigen von Identitätsverwandlungen in einer sich ständig ändernden Realität, auf dem Besuchs-Pro­gramm. Die Seelen-verwandtschaft dieser Komödie mit „Kebab“ hat wohl auch den Besuchern aus Japan zu denken gegeben.

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