Wenn im Fußball Leistung, nicht Lautstärke entscheidet …

(pri) Joachim Löw hat das Unheil beizeiten kommen sehen. Nach drei ordentlichen, wenn auch nicht glanzvollen Siegen über Portugal, die Niederlande und Dänemark war erneut jener Virus in der deutschen Nationalmannschaft lebendig geworden, der dort wie Fußpilz schon lange nistet – der Virus der Selbstüberhebung und Arroganz. Nach dieser Vorrunde war für einige der selbsternannten Stars der »Goldenen Generation« der Rest nur noch Formsache – und die Motivation zum Teufel.

Löw reagierte beim Griechenland-Spiel, indem der die überheblichsten, die Podolski, Gomez und Müller, außen vor ließ und junge, ehrgeizige Spieler an ihre Stelle setzte. Der Erfolg gab ihm recht, denn nach dem überraschenden Ausgleich der Griechen gerieten die Youngsters nicht in eine Schockstarre, wie man sie jetzt teilweise nach der italienischen Führung beobachten konnte, sondern rissen den Sieg überzeugend aus dem Feuer. Dass es jetzt zu dieser Schockstarre kam, lag daran, dass nun zum Teil jene, die sicher nicht bewusst, aber doch tief in ihren Hirnregionen davon ausgingen, am deutschen Durchmarsch bis zum Titel bestehe kein Zweifel, wieder in der Mannschaft waren – mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Dass Löw diesen Fehler, den er vor dem Griechenland-Spiel nicht gemacht hatte, in der Pause korrigierte, wirkte nicht mehr, weil sich eine italienische Nationalelf einen Zwei-Tore-Vorsprung kaum mehr aus den Händen nehmen lässt.

Allerdings stand der Bundestrainer unter starkem Druck, vor allem der Medien und der von ihnen gesteuerten Fangemeinden. Kaum ein Beitrag vom Boulevardblatt bis zur selbsternannten »Qualitätspresse« beschäftigte sich objektiv mit Chancen und Defiziten der deutschen Mannschaft, und das galt – umgekehrt – auch für den Umgang mit dem sportlichen Gegner. Ihm schlugen nur Häme und Spott entgegen; man suggerierte, er müsse eigentlich gar nicht antreten, denn die Niederlage sei programmiert. Die Mehrheit der Fans nahm diese Vorlage dankbar auf und versah sie – wie stets in der Vergangenheit bei ähnlichen Gelegenheiten – mit einige Fouls solcher Art wie der Transparente »Tschüs Spaghettis!«

So war für die einen der Katzenjammer absehbar, der sich wie stets teilweise auch unsportlich gebärdete, und für die anderen die Erleichterung willkommen, dass der anschwellende nationalistische Furor an einer Tugend scheiterte, die gewöhnlich gern den Deutschen zugeschrieben wird – der Leistung. Dass die auch bei allen anderen Nationalitäten zu Hause ist, hören die Deutschen zwar nicht gern; umso wichtiger ist, sie nachdrücklich daran zu erinnern. Und auch daran, dass Lautstärke Leistung nicht ersetzen kann – vor allem, wenn sie derart misstönend daherkommt. Das überzeugend demonstriert zu haben, dafür sollten wir der italienischen Elf dankbar sein.

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Eine Antwort zu “Wenn im Fußball Leistung, nicht Lautstärke entscheidet …”

  1. margrit sagt:

    Es kann wohl nicht davon ausgegangen werden, dass es sich beim Autor „Pri“ um einen ausgemachten „Fußballspezi“ handelt um so mehr überrascht sein trefffsicheres Urteil über das Abschneiden der Deutschen bei der EM.
    Und über die medialen Hintergünde der öffentlichen Auftritte – auch im Vergleich zur Konkurrenz
    in aller Kürze
    RHE

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