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	<title>blogsgesang.de &#187; Minibuch</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>In der Bundesrepublik ist die &#220;berwachung Andersdenkender eine normale Sache</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 16:10:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat schon recht. Die »k&#252;nstlich erzeugte Aufregung« um die – zumindest im Bundestag – schon bald fl&#228;chendeckende Ausforschung der Linkspartei ist eigentlich nicht zu verstehen. Geh&#246;rt doch seit jeher zum Waffenarsenal eines Staates – &#252;ber alle ideologischen Grenzen hinweg – die &#220;berwachung seiner Kritiker, denn seinen Vertretern geht es schlie&#223;lich darum, die ihnen dienlichen Verh&#228;ltnisse zu erhalten, den m&#252;hsam geschaffenen Herrschaftsstatus gegen alle Ver&#228;nderungsbem&#252;hungen abzusichern.</p>
<p>Um das zu begreifen, gen&#252;gt es v&#246;llig, einen Blick ins Verfassungsschutzgesetz von 1990 zu werfen<span id="more-3695"></span>, in dem als Aufgabe f&#252;r den bundesdeutschen Inlandsgeheimdienst keineswegs – wie mancher <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/verfassungsschutz-um-der-freiheit-willen-11626269.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/fa5a3ab5930444c4a8c2f153026bdc4f" alt="" width="1" height="1" />beflissene Propagandist des bestehenden Systems</a> glauben machen will – die Verteidigung von Freiheit und Demokratie formuliert ist, sondern aus gutem Grund die Aufkl&#228;rung von Bestrebungen, die <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/bverfschg/BJNR029700990.html" target="_blank">»gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind«</a>. Es geht also um die Erhaltung einer bestimmten Ordnung, n&#228;mlich der gerade bestehenden, die vorgibt, Freiheit und Demokratie gepachtet zu haben, woraus sie f&#252;r sich einen Ewigkeitsanspruch ableitet. Diesen gesetzlich und im Falle eines Geheimdienstes letztlich auch repressiv durchzusetzen, ist das Ziel der Beh&#246;rde, die sich meliorativ Verfassungsschutz nennt.</p>
<p>Tats&#228;chlich geht es also nicht um die Verteidigung der Verfassung oder gar der Demokratie, sondern um Zementierung eines politischen Systems. Das wurde in der DDR besonders akribisch und kompromisslos betrieben, in westlichen Staaten fehlt es aus verschiedenen Gr&#252;nden oft an solchem Perfektionismus, doch in der Grundtendenz sind die Ziele die gleichen, und auch bei den Methoden zeigen sich – wie wir jetzt eindrucksvoll best&#228;tigt bekommen – zunehmende &#196;hnlichkeiten. Jedenfalls sind die Zeiten vorbei, da man sich &#252;ber Video&#252;berwachung oder Abh&#246;raktionen, die Aussp&#228;hung Andersdenkender und die Einschleusung von Spitzeln in der DDR im Bewusstsein eigener Unfehlbarkeit glaubte emp&#246;ren zu k&#246;nnen. Und angesichts der aktuellen Argumentation erweist sich die gern ins Feld gef&#252;hrte Unterscheidung zwischen Rechtsstaat und Diktatur schnell als Schim&#228;re; wenn es um Machtfragen geht, h&#246;rt bei jedem Machthaber der Spa&#223; auf.</p>
<p><a href=" http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1660466/" target="_blank">Innenminister Friedrich</a> hat das gerade jetzt mit dankenswerter Klarheit best&#228;tigt. Er r&#228;umte nicht nur ein, dass Volksvertreter der Linkspartei bereits seit mehr als 16 Jahren &#252;ber die Beobachtung ihres &#246;ffentlichen Tuns hinaus nachrichtendienstlich &#252;berwacht werden, jedenfalls in den Akten des Bundesamtes f&#252;r Verfassungsschutz solche &#220;berwachungsergebnisse, woher auch immer, enthalten sind. Er musste auch zugeben, dass ihnen in dieser langen Zeit eine konkrete T&#228;tigkeit gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht nachgewiesen werden konnte, sondern dass sich seine Kritik fast ausschlie&#223;lich gegen die unerw&#252;nschte Gesinnung, die andere Meinung der Linken richtet: »&#8230; zum Beispiel, dass sich Teile der Linken nicht abgrenzen von linksextremistischer Gewalt, zum Beispiel, dass ihre Programmatik darauf gerichtet ist, einen marxistischen Staat zu errichten, zum Beispiel, dass sie die in Deutschland verbotene Guerilla-Organisation PKK in Teilen unterst&#252;tzen, &#8230; auch dass sie sich nicht distanzieren vom Unrechtsstaat der DDR, auch dass sie das kubanische Unrechtssystem offensichtlich ganz toll finden … Es gibt dort die Kommunistische Plattform, es gibt das Marxistische Forum, es gibt die Junge Linke, die ganz klar erkl&#228;ren, was sie von dieser parlamentarischen Demokratie halten, n&#228;mlich nichts, dass sie den Kampf au&#223;erhalb dieser Parlamente auf den Stra&#223;en f&#252;hren wollen, also es gibt da klare Erkl&#228;rungen.«</p>
<p>Den berechtigten Hinweis, dass es auch in anderen Parteien, einschlie&#223;lich von CDU und CSU, mitunter Meinungen und Aktivit&#228;ten gebe, die als Unterst&#252;tzung von Diktatoren gewertet werden k&#246;nnen, bezeichnete Friedrich als »l&#228;cherlich«, und dass sich die Linkspartei gegen eine solche Behandlung wehre, sieht er faktisch als zus&#228;tzliches Verdachtsmoment, »weil man offensichtlich einen g&#252;nstigen Moment glaubt, wo man sich als die Partei der Linken einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz entziehen kann«.</p>
<p>Der Minister f&#252;hlt sich im Recht, und das ist er auch. L&#228;ngst hat sich in der Bundesrepublik unter t&#228;tiger Mithilfe aller Parteien, die sie regieren bzw. regierten, eine gesetzlich abgesicherte Ordnung entwickelt, in der die &#220;berwachung Andersdenkender zur normalen Sache geworden ist.</p>
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		<title>Saarl&#228;ndisches Passspiel zwischen CDU und Linkspartei</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 18:45:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer<span id="more-3584"></span> das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis durch eine stabilere Koalition mit der SPD zu ersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>F&#252;r sie war klar, dass sie in der Regierung mit FDP und Gr&#252;nen, beide unsichere Kantonisten, nur verlieren konnte; vor allem die CDU w&#252;rde nach dem absehbaren Koalitionsbruch als Verlierer dastehen. Also trat sie die Flucht nach vorn an, beendete selbst das B&#252;ndnis und machte unverz&#252;glich der SPD ein Angebot, das dieser endlich das Mitregieren, ihr aber das Weiterregieren sicherte. Im besten Falle w&#252;rden die Sozialdemokraten um winkender Ministerposten willen sogar sie selbst weiter als Ministerpr&#228;sidentin akzeptieren. Im wahrscheinlicheren – und <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/vor-neuwahl-im-saarland-zaudern-zoegern-taktieren-11616784.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2c20f74ea6a34500aae519aeee46be01" alt="" width="1" height="1" />nun eingetretenen</a> – Fall von Neuwahlen bliebe ihr zumindest die Chance auf ein Resultat, das zum gleichen Ergebnis f&#252;hrte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hintergrund einer solchen Hoffnung ist ein saarl&#228;ndisches Alleinstellungsmerkmal f&#252;r die westlichen Bundesl&#228;nder, n&#228;mlich die einmalige <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/216308.linke-will-wieder-dritter-werden.html" target="_blank">St&#228;rke der Linkspartei</a>. Bei den Landtagswahlen 2009 errang sie mit ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine, der dort schon einmal f&#252;r die SPD eine sehr erfolgreicher Ministerpr&#228;sident war, 21,3 Prozent der Stimmen, nur 3,2 Prozent weniger als die Sozialdemokraten. Daf&#252;r, dass dies wiederholbar ist, gibt es zwar keine Garantie, aber ein sehr ordentliches zweistelliges Resultat ist f&#252;r die Linke durchaus drin; es w&#252;rde vermutlich erneut vor allem zu Lasten der SPD gehen. Genauso d&#252;rfte Kramp-Karrenbauer kalkulieren, auch wenn Umfragen aus dem letzten Jahr die Sozialdemokraten knapp vorn sahen. Sie ist also durchaus an einem guten Wahlergebnis der Linken interessiert, denn dies k&#246;nnte sich als steiler Pass in den gegnerischen Strafraum erweisen, mit dem sich bei eigener guter Leistung der erw&#252;nschte Erfolg sicherstellen lie&#223;e.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber auch f&#252;r die Linkspartei ergibt sich daraus eine unerwartete Chance. Sie kann – im Kleinversuch – ausprobieren, ob eine wahrhaft alternative Politik zum entfesselten Kapitalismus, wie sie Oskar Lafontaine glaubw&#252;rdig vertritt, w&#228;hlerwirksam ist, woran j&#252;ngst Zweifel aufgekommen sind. Nachdem ihre Unterwerfung unter den – wenn auch sozialdemokratisch angehauchten – vorgeblich alternativlosen Politikstil in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und vor allem Berlin bereits gescheitert ist und in Brandenburg ebenfalls zu scheitern droht, ist dies ihre vielleicht letzte M&#246;glichkeit, als eigenst&#228;ndige Kraft wahr- und dann auch angenommen zu werden. Dass ihr die ausgerechnet die CDU verschafft, belegt einmal mehr die Ironie der Geschichte, die sich von ideologischen Grenzziehungen nicht beeindrucken l&#228;sst.</p>
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		<title>Der Bundespr&#228;sident als Retuscheur</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 16:38:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Dieser Tage ging ein Foto aus dem fernen Nordkorea um die Welt, auf dem beflissene Geister die Trauerzeremonie um den verstorbenen Kim -Jong-Il von vermeintlicher Disharmonie befreit hatten, indem sie ein Fernsehteam wegretuschierten und den schon etwas ergrauten Schnee frisch wei&#223;ten. Man lachte hierzulande zu Recht dar&#252;ber, &#252;bersah dabei aber zumindest fahrl&#228;ssig, dass solches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Dieser Tage ging ein Foto aus dem fernen Nordkorea um die Welt, auf dem beflissene Geister die Trauerzeremonie um den verstorbenen Kim -Jong-Il von vermeintlicher Disharmonie befreit hatten, indem sie ein Fernsehteam wegretuschierten und den schon etwas ergrauten Schnee frisch wei&#223;ten. Man lachte hierzulande zu Recht dar&#252;ber, &#252;bersah dabei aber zumindest fahrl&#228;ssig, dass solches Retuschieren keine fern&#246;stliche und zudem totalit&#228;re Spezialit&#228;t ist, sondern die Sch&#246;nung des Bildes h&#246;chster W&#252;rdentr&#228;ger auch um die n&#228;chste Ecke vorkommt – und dabei sogar diese selbst Hand anlegen. Zwar hat Christian Wulff<span id="more-3504"></span> – zumindest nach derzeitigem Erkenntnisstand – keines seiner Fotos von unsch&#246;nen Flecken gereinigt; doch was seine Vita angeht, drang er entschlossen auf Retusche und zeigte schon mal die Werkzeuge, die er f&#252;r die Wei&#223;waschung einzusetzen gedachte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Daf&#252;r gibt es Vorbilder, <a href="http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,501660,00.html" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/03108cc7fb94462fa7115f11e4e12eb6" alt="" width="1" height="1" />zum Beispiel im Freistaat Th&#252;ringen</a>, wo 1998 Helmut Kohl und Ministerpr&#228;sident Bernhard Vogel mit dem amerikanischen Pr&#228;sidenten Clinton auf einer Kundgebung posierten, auf der jemand eine <a href="http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-24202.html" target="_blank">Plakat mit dem despektierlichen Spruch</a> »Ihr habt auch in schlechten Zeiten dicke Backen« hochhielt.In einer Werbebrosch&#252;re der Landesregierung fehlte dieser St&#246;rfaktor sp&#228;ter; er war dort durch jubelnde Menschen ersetzt worden. Auch hier kann man beflissene Geister hinter der S&#228;uberungsaktion vermuten und nicht die Herren Vogel, Kohl oder gar Clinton. Hohe Herrschaften lassen sich zwar mittlerweile sehr wirksam vor jenen sch&#252;tzen, die ihnen B&#246;ses wollen, kaum jedoch vor denen, die ihnen Gutes zu tun meinen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zu letzteren geh&#246;rt auch unser Noch-Bundespr&#228;sident – und das sogar in eigener Sache. Die grauen bis schwarzen Flecken seiner Biografie kennt er wohl, und sie treiben ihn mehr um als das Funktionieren der staatlichen Ordnung, auf die er geschworen hat. Sie zu tilgen ist ihm h&#246;chstes Anliegen; dazu <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/affaere-wulff-im-schatten-der-wahrheit-11586639.html" target="_blank">telefoniert er sogar aus dem fernen Kuweit</a> mit einem Anrufbeantworter der »Bild«-Zeitung. Wie Orwells Big Brother, der eine riesige Beh&#246;rde installiert hatte, um unter anderem unliebsame Wahrheiten aus alten Zeitungen zu korrigieren und der gerade aktuellen »Wahrheit« anzupassen, betreibt er dieses Gesch&#228;ft zur Verkl&#228;rung der eigenen Person. Nicht allein durch Retusche, sondern gleich durch Vertusche soll das Bild makelloser Majest&#228;t gezeichnet werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ob er damit Pech gehabt hat, ist noch nicht entschieden. Schlie&#223;lich ist er nicht der einzige, der hier die Retusche unangenehmer Realit&#228;t betreibt, sie beginnt schlie&#223;lich schon beim allt&#228;glichen Vorgang, dass negatives Regierungstun mit positiven &#8211; oder wenigstens unverst&#228;ndlichen – Begriffen besetzt wird. Und setzt sich fort, wenn man – vor allem linke – Kritik an solcherart Regieren kriminalisiert. Insofern ist Christian Wulff durchaus ein w&#252;rdiger Vertreter bundesdeutschen Establishments, dem eigentlich nur mangelndes Retuschegeschick vorgeworfen wird. Der Fehler des laut Kanzlerin »wunderbaren« Bundespr&#228;sidenten war, dass er sich erwischen lie&#223;.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Angela Merkels Transformation vom Ossi zum  Wessi</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 22:03:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Eines Beweises bedarf es schon lange nicht mehr, dass Angela Merkel in der alten Bundesrepublik angekommen ist – und dennoch ist sie beinahe zwanghaft bem&#252;ht, ihn immer wieder neu zu f&#252;hren. Gleich dreimal legte sich zum Beispiel in den letzten zwei Wochen ihre Hand f&#252;r Christian Wulff ins Feuer, f&#252;r einen westdeutsch par exzellence [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Eines Beweises bedarf es schon lange nicht mehr, dass Angela Merkel in der alten Bundesrepublik angekommen ist – und dennoch ist sie beinahe zwanghaft bem&#252;ht, ihn immer wieder neu zu f&#252;hren. Gleich dreimal legte sich zum Beispiel in den letzten zwei Wochen ihre Hand f&#252;r Christian Wulff ins Feuer<span id="more-3493"></span>, f&#252;r einen westdeutsch par exzellence Gepr&#228;gten also, weit entfernt von jedem ostdeutsch Sozialisierten.</p>
<p>Dabei hatte sie ganz bescheiden angefangen, und das auch lange durchgehalten. Noch Ende der 90er Jahre, gerade erst CDU-Generalsekret&#228;rin geworden, scheute sie sich nicht, das Unions-Denkmal Helmut Kohl ob seiner Verantwortung f&#252;r den Parteispendenskandal ins Abseits zu stellen und sich so mit fast dem gesamten CDU-Establishment anzulegen. Auch die sp&#228;ter bekannt gewordenen Verfehlungen Wolfgang Sch&#228;ubles ahndete sie, nun aber wohl schon die eigene Karriere im Blick.</p>
<p>Der Wandel ihrer moralischen &#220;berzeugungen zeichnete sich ab, als sie als Parteivorsitzende das Monument des Alt-Kanzlers zu restaurieren begann, obwohl dieser das Ehrenwort gegen&#252;ber seinen Geldgebern noch immer h&#246;her sch&#228;tzt als die Wahrheit &#252;ber illegale Gesch&#228;fte. Dieser Wandel wurde besonders augenscheinlich in der nassforschen Verteidigung des geistigen Betr&#252;gers Karl-Theodor zu Guttenberg. Und er ist jetzt best&#228;tigt worden, als sie den katzbuckelnden Empork&#246;mmling und Schn&#228;ppchenj&#228;ger Wulff nicht nur zum Staatsoberhaupt erkor, sondern den in seiner ersten wirklichen Bew&#228;hrungsprobe Scheiternden auch noch einen »guten Bundespr&#228;sidenten« nannte.</p>
<p>Einen »Treppenwitz der Geschichte« <a href="http://www.berliner-zeitung.de/meinung/leitartikel-merkel--wulff-und-andere-amigos,10808020,11341606.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/4788c5519c004885a370b6055ffc06da" alt="" width="1" height="1" />nannte eine Zeitung</a> diese Metamorphose; tats&#228;chlich jedoch bildet sie nur eine Gesetzm&#228;&#223;igkeit ab. In diesem, dem alten bundesrepublikanischen, spie&#223;b&#252;rgerlichen System, dessen Werte zuerst &#246;konomisch definiert werden, kann nur etwas werden, der sie akzeptiert und entsprechend handelt, auch wenn er – oder sie – sie nicht selbst lebt. Demgem&#228;&#223; war es nur eine Frage der Zeit, dass sich auch eine wie Angela Merkel den &#220;blichkeiten dieses Systems unterwarf, bis hin zu ihrer regierungsamtlichen Zertifizierung.</p>
<p>Sie beruft sich dabei wohl auf die <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/213909.geerkens-an-kredit-beteiligt.html" target="_blank">fast 80 Prozent der Bundesb&#252;rger</a>, die noch k&#252;rzlich einen R&#252;cktritt des Pr&#228;sidenten ablehnten, obwohl fast jeder Dritte konstatierte, er habe an Vertrauen verloren. Ein aufschlussreicher Befund, verr&#228;t er doch die Erkenntnis, dass kaum einer gefunden w&#252;rde, der nicht irgendwie angreifbar sei. L&#228;ngst wissen die Menschen, dass auch dieser Kaiser, der sich so gern mit dem Glanz der Reichen schm&#252;ckt, nackt ist. Jetzt hat er diese Nacktheit sogar <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/die-erklaerung-von-christian-wulff-im-wortlaut-das-war-nicht-gradlinig-und-es-tut-mir-leid_aid_696705.html" target="_blank">detailliert beschrieben</a>. Auch deshalb wohl mag ihm die Kanzlerin sch&#246;ne Kleider jetzt <a href="http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE7BL09720111223" target="_blank">nicht mehr bescheinigen</a>. Die Feiertage wird die Ziehmutter dieses Staatsoberhauptes noch verstreichen lassen, dann k&#246;nnten im Lichte der aktuellen Nachrichtenlage seine Tage endg&#252;ltig gez&#228;hlt sein &#8230;</p>
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		<title>Von Michael Braun zu Christian Wulff</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 18:22:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Nat&#252;rlich haben beide Aff&#228;ren direkt nichts miteinander zu tun; indirekt schon. Denn beide Male haben die Politiker so haarscharf am Rande der Legalit&#228;t gehandelt, dass ihnen zwar wohl juristisch nichts vorzuwerfen ist, moralisch aber ein dicker Schmutzfleck bleibt. Und auch dies macht die Vorg&#228;nge vergleichbar: Beide Male wurden die Protagonisten von ihrem politischen Umfeld [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Nat&#252;rlich haben beide Aff&#228;ren direkt nichts miteinander zu tun; indirekt schon. Denn beide Male haben die Politiker so haarscharf am Rande der Legalit&#228;t gehandelt, dass ihnen zwar wohl juristisch nichts vorzuwerfen ist, moralisch aber ein dicker Schmutzfleck bleibt. Und auch dies macht die Vorg&#228;nge vergleichbar: Beide Male wurden die Protagonisten von ihrem politischen Umfeld durch ausdr&#252;ckliche Vertrauensbekundungen gedeckt<span id="more-3487"></span> – was der politischen Klasse insgesamt ein weiteres St&#252;ck an Glaubw&#252;rdigkeit nimmt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der nur zw&#246;lf Tage amtierende Berliner Justizsenator Michael Braun hatte auf die Vorw&#252;rfe, an der T&#228;uschung von Immobilienbewerbern durch notarielle Beurkundung unter dubiosen Umst&#228;nden beteiligt gewesen zu sein, geantwortet: »<a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1843565/Ich-weiss-nichts-von-Schrottimmobilien.html" target="_blank"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/c8bf5ff0eea4422abfa249deebce81f6" alt="" width="1" height="1" />Mit ist kein einziger Fall bekannt, an dem ich mitwirkte, der vor einem Gericht aufgehoben wurde</a>.« &#196;hnlich legalistisch argumentierte Bundespr&#228;sident<a href="http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/12/111213-Pressemitteilung.html" target="_blank"> Christian Wulff &#252;ber seinen Pressesprecher im Falle des Halb-Millionen-Kredits aus dem Hause des Unternehmers Egon Geerken</a>: »Die Anfrage bezog sich auf gesch&#228;ftliche Beziehungen zu Herrn Egon Geerkens oder zu einer Firma, an der Herr Geerkens beteiligt war. Solche gesch&#228;ftlichen Beziehungen bestanden und bestehen nicht. Es bestand eine Vereinbarung mit Frau Edith Geerkens zu einem Darlehen aus ihrem Privatverm&#246;gen. Dementsprechend wurde die unmissverst&#228;ndliche Anfrage wahrheitsgem&#228;&#223; verneint.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beide mussten sich aufgrund neuer Fakten aus ihrer wagenburgartigen Verteidigungsstellung zur&#252;ckziehen und Fehlverhalten eingestehen. <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1850387/Schrottimmobilien-Justizsenator-aeussert-Bedauern.html" target="_blank">Braun erinnerte sich pl&#246;tzlich doch daran</a>, dass »mir vom Pr&#228;sidenten des Landgerichts Berlin ein Schriftsatz &#252;bermittelt worden (ist). In diesem wird auf drei beim Landgericht anh&#228;ngige Zivilrechtsstreitigkeiten hingewiesen, in denen von den Kl&#228;gern behauptet wird, sie seien bei der Vertragsanbahnung get&#228;uscht worden.« Und <a href="http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/12/111215-Erklaerung.html" target="_blank">Wulff r&#228;umte nach zwei Tagen ein</a>: »Es w&#228;re besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der nieders&#228;chsischen Abgeordneten im Landtag &#252;ber die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erw&#228;hnt h&#228;tte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nicht nur das zumindest anst&#246;&#223;ige Verhalten beider Politiker, vor allem ihr hochm&#252;tiger Umgang damit disqualifiziert sie zu hervorgehobenen politischen &#196;mtern, was allerdings in ihrem Umfeld nicht so gesehen wird. Braun wurde lange vom Berliner Regierenden B&#252;rgermeister Wowereit, vor allem aber von seiner eigenen Partei der Berliner CDU, gedeckt. Und noch <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1853485/Berlins-Kurzzeitsenator-Michael-Braun-gibt-auf.html#reqRSS" target="_blank">in der R&#252;cktrittserkl&#228;rung</a> stellte ihm die CDU einen Persilschein aus: »Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass sich Michael Braun korrekt verhalten hat.« Er trete zur&#252;ck, nicht etwa weil er dem Senatorenamt bzw. dem gesamten Senat schadete, sondern wegen der »einseitigen und andauernden Presseberichterstattung«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Falle Wulff hat Angela Merkel, seine Ziehmutter, pers&#246;nlich die Verteidigung &#252;bernommen. Nach seiner ersten Erkl&#228;rung <a href="http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2126621/Merkel-spricht-Wulff-ihr-volles-Vertrauen-aus.html">fand sie diese total in Ordnung</a>: »Die Bundeskanzlerin hat volles Vertrauen in die Person und die Amtsf&#252;hrung von Christian Wulff«, lie&#223; sie ihren Sprecher verk&#252;nden und hinzuf&#252;gen: »Er ist ein guter Bundespr&#228;sident.« Nach seinem verbalen R&#252;ckziehen <a href="http://www.bild.de/newsticker-meldungen/home/15-17-wulff-merkel-21587480.bild.html">blieb sie unbeirrt dabei</a>: »Ich sch&#228;tze und w&#252;rdige die Arbeit des Bundespr&#228;sidenten.« Noch deutlicher wurden einige seiner Parteifreunde.<a href="http://www.elo-forum.net/shortnews/2011121541782.html"> Peter Altmaier</a>, der Parlamentarische Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Unionsfraktion im Bundestag, hat keine Zweifel mehr: »Christian Wulff hat sich schnell, umfassend und angemessen ge&#228;u&#223;ert.« Daher sollte dies »von allen Beteiligten anerkannt und die Debatte dann auch beendet« werden. Auch f&#252;r seinen Fraktionskollegen von der CSU,<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1629865/" target="_blank"> Norbert Geis</a>, hat Wulff »&#252;berhaupt nichts Falsches gesagt. &#8230; Er hat vollkommen der Wahrheit gem&#228;&#223; gesagt, er hat nicht die Unwahrheit gesagt. &#8230; Er hat lediglich nicht jetzt erkl&#228;rt, dass er auch noch freundschaftliche Beziehungen hat &#8230;« Was man ihm allenfalls vorhalten k&#246;nne, »ist, dass er die B&#246;sartigkeit dieser ganzen Fragerei nicht richtig durchschaut hat.« Denn er, Geis, habe – ganz wie die Berliner CDU im Fall Braun – den Verdacht, »dass dahinter nat&#252;rlich auch eine Kampagne stecken kann.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Michael Braun ist mittlerweile zur&#252;ckgetreten, weil sich die Wahrheit durchsetzte und sein L&#252;gengeb&#228;ude zusammenbrach. Wie es aussieht, wird es Christian Wulff nicht anders gehen, denn inzwischen <a href="http://www.zeit.de/news/2011-12/17/bundespraesident-druck-auf-wulff-waechst-neue-fragen-zu-hauskredit-17171009" target="_blank">verdichten sich die Hinweise, dass auch er in der Kredit-Geschichte bis heute nicht die ganze Wahrheit gesagt hat</a>, sondern immer wieder neue Ausfl&#252;chte erfand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beide Vorf&#228;lle werfen ein bezeichnendes Licht auf dsas politische Personal, das sich anma&#223;t, dieses Land zu regieren. Aber beide sind auch hoffnungsdvoll in dem Sinne, dass eine wache und unerbittliche &#214;ffentlichkeit solches Fehlverhalten nicht durchgehen l&#228;sst und damit die Demokratie gegen jegliches Selbstherrlichkeit verteidigt.</p>
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		<title>Minsker Bilder aus New York</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 20:14:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Bisher kannte man solche Bilder aus Wei&#223;russlands Hauptstadt Minsk, aus Chinas Gro&#223;st&#228;dten, gelegentlich aus Moskau. J&#252;ngst auch aus Syrien und anderen arabischen L&#228;ndern. Demonstrationen in Europa jedoch sahen lange friedlich aus – und in den USA erst recht. Damit ist es vorbei. Brutal pr&#252;gelnde Polizisten sieht man inzwischen in Athen, in Madrid, in Rom, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Bisher kannte man solche Bilder aus Wei&#223;russlands Hauptstadt Minsk, aus Chinas Gro&#223;st&#228;dten, gelegentlich aus Moskau. J&#252;ngst auch aus Syrien und anderen arabischen L&#228;ndern. Demonstrationen in Europa jedoch sahen lange friedlich aus – und in den USA erst recht. Damit ist es vorbei. Brutal pr&#252;gelnde Polizisten<span id="more-3351"></span> sieht man inzwischen in Athen, in Madrid, in Rom, dieser Tage vor allem in New York, von der<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/polizei-raeumt-occupy-lager-ende-der-schonzeit-1.1189207-11" target="_blank"><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/bbc93352e6fe4f08b76a8d37681c4e56" alt="" width="1" height="1" /> Vertreibung, der Occupy-Aktivisten</a>. Die Bilder aus den selbsternannten »Demokratien« &#228;hneln jenen aus diktatorischen Staaten immer mehr – mit einem Unterschied: Wurden sie bei anderen begeistert begr&#252;&#223;t und von Aufforderungen an deren Herrscher begleitet, solche gravierenden Menschenrechtsverletzungen sofort einzustellen, gar zur&#252;ckzutreten, werden die Demonstranten im eigenen Haus <a href="http://www.welt.de/politik/ausland/article13724334/Die-Occupy-Bewegung-ein-Scherbenhaufen.html?wtmc=google.editorspick" target="_blank">diffamiert, kriminalisier</a>t, in die N&#228;he von Terrorismus ger&#252;ckt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwei Erkenntnisse sind daraus zu gewinnen. Erstens: Alle Machthaber sind sich gleich, wenn sie ihre Machtbasis bedroht sehen. Solange die Herrschaftsstrukturen funktionieren, kann man die Z&#252;gel locker lassen. Dann kann jeder sagen, was er will – ohne je eine Reaktion zu h&#246;ren. Dann kann er auch demonstrieren, in geh&#246;rigem Abstand zu den Machtzentralen. Und er kann alle vier Jahre seine Stimme der einen oder anderen Partei geben; danach bauen diese ihre Regierungen so zusammen, dass sich grunds&#228;tzlich nichts &#228;ndert. &#220;berschreitet jedoch der vorgeblich m&#252;ndige B&#252;rger Grenzen, die nicht er zog, sondern die Regierenden, ohne ihn nach seiner Meinung dazu zu fragen, bekommt er es schnell mit den Machtinstrumenten zu tun, der Polizei, den Geheimdiensten, der Justiz. Und zwar dann, wenn es ernst wird, &#252;berall in der gleichen brutalen Weise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und zweitens: In diesem Ernstfall zeigt sich schnell, wo die wirkliche Macht sitzt. Es k&#246;nnen einzelne Usurpatoren sein, die – wie zum Beispiel in der arabischen Welt – nur das eigene Gesetz gelten lassen wollen und jede Abweichung davon als Bedrohung empfinden. Es k&#246;nnen – man erinnere sich an die L&#228;nder des »realen Sozialismus« – so genannte avantgardistische Parteien sein, die aus ihrer Ideologie einen absoluten Wahrheitsanspruch ableiten und jeden als Feind betrachten, der etwas anderes denkt und vielleicht sogar laut sagt. Beides findet man bei jenen, die sich zu den westlichen Demokratien z&#228;hlen, nur noch ausnahmsweise, und folglich gehen die Regierungen mit Widerspruch gegen das eigene Tun oft einigerma&#223;en tolerant um. Aber nerv&#246;s werden sie dann, wenn sich der Protest gegen die eigentlichen Herrscher in ihrer Welt richtet – gegen das Kapital, gegen entfesselte Banken und Unternehmen, die im Manchester-Kapitalismus ihr Leitbild sehen. Dann erf&#252;llt die Politik ihren Auftrag, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-raeumung-des-protestcamps-polizei-occupiert-die-boerse-1.1192727" target="_blank">diese Machtbastionen mit allen Mitteln zu sch&#252;tzen</a> – wie die Usurpatoren ihre pers&#246;nlichen Pfr&#252;nden und die Staatsparteien ihre diktatorischen F&#252;hrungsstrukturen. Dann ist sie in der Wahl ihrer Mittel so wenig w&#228;hlerisch wie jene, denen sie sich so gern haushoch &#252;berlegen f&#252;hlt. Dann sendet sie unger&#252;hrt aus New York Bilder, die sie in Minsk eben noch mit heiliger Emp&#246;rung bedacht hatte.</p>
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		<title>Komplizenschaft mit dem Rechtsextremismus</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 18:41:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Je mehr derzeit &#252;ber die enge Verbindung der rechtsextremistischen Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) mit den deutschen »Verfassungsschutz«-Beh&#246;rden bekannt wird, desto dringlicher stellt sich die Frage, wie in dieser offensichtlich engen Beziehung Koch und Kellner zusammenwirkten. Dieser Frage freilich suchen Sicherheitsleute wie Politiker tunlichst auszuweichen – durch einen st&#228;ndig wachsenden Wust vermeintlicher Informationen, der mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Je mehr derzeit &#252;ber die enge Verbindung der rechtsextremistischen Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) mit den deutschen »Verfassungsschutz«-Beh&#246;rden bekannt wird, desto dringlicher stellt sich die Frage, wie in dieser offensichtlich engen Beziehung Koch und Kellner zusammenwirkten. Dieser Frage freilich suchen Sicherheitsleute wie Politiker tunlichst auszuweichen<span id="more-3345"></span> – durch einen st&#228;ndig wachsenden Wust vermeintlicher Informationen, der mehr zu- als aufdecken soll.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Neu ist diese Methode nicht. Auf schon fr&#252;her offenbar gewordene Konspirationen zwischen Rechtsextremisten und Sicherheitsbeh&#246;rden wurde gern mit der verharmlosenden Alliteration »Pleiten, Pech und Pannen« reagiert und der daraus erwachsende kabarettistische Spott klaglos in Kauf genommen; Hauptsache, es fragte keiner nach. Jetzt verf&#228;ngt – angesichts von mindestens zehn brutalen Morden – solch launige »Selbstkritik« nicht mehr. Nun spricht man, auch in den staatstreuen Medien, immerhin vom Versagen des Verfassungsschutzes – und lenkt auch damit vom Kern des Skandals ab. Denn es waren nicht Fehlleistungen und professionelle Unf&#228;higkeit, die das Netzwerk von Geheimdienstlern und Neonazis hervorbrachten, , sondern offensichtlich ein bewusstes Kalk&#252;l. Man fand sich im Kampf gegen vermeintlich gemeinsame Feinde und ging dankbar auf die M&#246;glichkeit ein, gewisserma&#223;en sich erg&#228;nzende Mittel dabei einzusetzen. Man betrachtete und akzeptierte sich gegenseitig als Komplizen bei der Aufgabe, Gegner zur Strecke zu bringen, die von beiden als gro&#223;e Gefahr angesehen wurden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Vorgaben zu solchem Denken kamen aus der Politik, vor allem aus deren so genanntem b&#252;rgerlichen Lager von CDU/CSU und FDP, zunehmend aber auch aus der SPD. Sie sahen und sehen die Hauptgefahr f&#252;r die Sicherheit der Bundesrepublik zum einen in den hier lebenden Ausl&#228;ndern, besonders jenen mit islamischem Glauben, und zum anderen in allen Str&#246;mungen »links von der Mitte«, wozu sie au&#223;erparlamentarische Bewegungen, antifaschistische Gruppierungen, die Linkspartei und da und dort auch noch die Gr&#252;nen z&#228;hlen. Vorwiegend diese unsicheren Kantonisten finden in den turnusm&#228;&#223;igen Verfassungsschutzberichten die Hauptaufmerksamkeit. Auf mehr als 130 Seiten besch&#228;ftigt sich der aktuelle Bericht f&#252;r 2010 mit Islamismus und sonstigem Ausl&#228;nderextremismus, nur auf 70 Seiten hingegen mit Rechtsextremismus; fast genau der gleiche Umfang wurde dem Linksextremismus gewidmet, davon fast 20 Seiten der Linkspartei. Und was zum Rechtsextremismus gesagt wurde, liest sich als<a href="http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/artikel/gestoerte_wahrnehmung/726707/gestoerte_wahrnehmung.html" target="_blank"> Beschwichtigung und Verharmlosung</a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9c6cdfd13b8c4cc89a2c72858ca2896b" alt="" width="1" height="1" />, insgesamt also eine klare Ansage f&#252;r Geheimdienste, Polizei und Justiz, wohin sie ihre Augen bevorzugt lenken sollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ist auf diese Weise der Feind identifiziert, muss man sich nicht wundern, dass sich seine Bek&#228;mpfer schnell zusammentun; eine Kr&#228;he hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus. Man hilft sich gar, zwar klandestin, aber doch mit Eifer. Bei der Aufkl&#228;rung so genannter linker Gewalt scheuen die bundesdeutschen Sicherheitsbeh&#246;rden weder Kosten noch M&#252;he und &#252;berschreiten auch bedenkenlos Grenzen, die ihnen der Rechtsstaat setzt. So sch&#252;tzte die s&#228;chsische Polizei im Februar dieses Jahres eine rechtsextremistische Demonstration auch dadurch, dass sie die Handydaten der <a href="http://www.taz.de/!74992/" target="_blank">antifaschistischen Gegendemonstranten illegal erfasste</a>, insgesamt &#252;ber eine Million Daten. Sie begr&#252;ndete dies mit einem »Verdacht auf schweren Landfriedensbruch und Bildung einer kriminellen Vereinigung«, was sich aber nat&#252;rlich nicht gegen die Neonazis, sondern die Antifaschisten wandte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnliche Erfahrungen machen immer wieder auch hier lebende B&#252;rger »mit Migrantenhintergrund«. Auf sie richten Polizei und Justiz ihr besonderes Augenmerk, so bald sie im Umfeld von Kriminalit&#228;t auftauchen. Und offenbar sehen sie weg, wenn im Kampf gegen »Ausl&#228;nder« Rechtsextremisten Mittel anwenden, die ihnen versagt sind. Mehr noch – und besonders perfide: Sie <a href="http://www.berliner-zeitung.de/politik/vorsitzender-der-tuerkischen-gemeinde--der-begriff-doener-morde-macht-mich-wuetend-,10808018,11147612.html" target="_blank">belasten die Opfergruppe</a> auch dann mit diesen Taten, wenn es daf&#252;r wenig Belege oder gar Gegenbeweise gibt. Die Morde der NSU, bei denen zumindest <a href="http://www.berliner-zeitung.de/neonazi-terror/rechtsextremistischer-terror-mord-unter-aufsicht,11151296,11152902,item,1.html">ein hessischer Verfassungssch&#252;tzer offenbar »Schmiere stand«</a>, zeigen dies in besonders drastischer Weise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieses Zusammenspiel von Rechtsextremismus und staatlichen Autorit&#228;ten hat besonders in Deutschland, wenn auch nicht nur hier, Tradition. Man erinnere sich nur an die Weimarer Republik, in der die schnell wechselnden Regierungen, gleich welcher F&#228;rbung, den Kampf bevorzugt gegen Links f&#252;hrten und damit dem Nationalsozialismus die Bahn bereiteten. Die konservativ-b&#252;rgerliche Gesellschaft mag den Rechtsextremismus ekelhaft finden, sich seiner, wie die Kanzlerin jetzt sagte, sch&#228;men, sie »eine Schande« nennen, eine echte Gefahr f&#252;r die so genannte freiheitlich-demokratische Grundordnung sieht sie darin nicht. Diese Gefahr macht sie ganz woanders aus, und wo es passt, akzeptiert sie auch den ekelhaften Rechtsextremen als Bundesgenossen gegen die eigentliche Gefahr durch »das Fremde«, sei es nun ethnischer oder politischer Natur.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Insofern kann die unheilige Allianz von Rechtsextremismus und Staatsgewalt, wie sie an der NSU-Mordserie zu Tage trat, nicht &#252;berraschen. Und noch weniger das fieberhafte Bem&#252;hen, solche Zusammenh&#228;nge mit allen Mitteln zu verschleiern. Auch die Warnungen vor einem NPD-Verbot passen in diesen Kontext, w&#228;re doch Voraussetzung daf&#252;r, die Komplizenschaft mit dem Rechtsextremismus zu beenden. Diese Karte in der politischen Auseinandersetzung m&#246;chte man jedoch nicht aus der Hand legen – gerade in diesen Zeiten, da der Protest gegen eine ungerechte Gesellschaftsordnung im Wachsen begriffen ist.</p>
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		<title>Kapitalismus vor dem »Mauerfall«</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Nov 2011 19:30:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Das Bild mag simpel sein, aber dennoch ist es nicht falsch: Wenn im Boxkampf der eine nach hartem Schlag pl&#246;tzlich zu Boden geht, kann es dem anderen passieren, dass er in seinem Eifer zu schwungvoll nachsetzt und dar&#252;ber selbst zu Fall kommt. Genau das passiert derzeit – im &#252;bertragenen Sinne – mit dem kapitalistischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Das Bild mag simpel sein, aber dennoch ist es nicht falsch: Wenn im Boxkampf der eine nach hartem Schlag pl&#246;tzlich zu Boden geht, kann es dem anderen passieren, dass er in seinem Eifer zu schwungvoll nachsetzt und dar&#252;ber selbst zu Fall kommt. Genau das passiert derzeit – im &#252;bertragenen Sinne – mit dem kapitalistischen System, das sich schon so sehr als sicherer Sieger f&#252;hlte<span id="more-3339"></span> und jetzt erkennen muss, dass es ohne ebenb&#252;rtigen Gegner selbst ins Straucheln kommt.</p>
<p>In ihrem Feuilleton hat die Berliner Zeitung k&#252;rzlich <a href="http://www.berliner-zeitung.de/kultur/essay-wir-sind-zunaechst-am-ende,10809150,11103754.html" target="_blank">»die Finanzm&#228;rkte und die Neuen Medien, die globale Migration und die &#246;kologische Katastrophe«</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/8facae6fff9b4d23a04391d1f5d10ef9" alt="" width="1" height="1" /> als die gr&#246;&#223;ten Herausforderungen dieser zeit genannt, mit denen der Kapitalismus ganz allein fertig werden muss und Misserfolge nicht mehr auf das Wirken eines ideologischen Widerparts schieben kann. Dabei &#252;bersieht das Blatt freilich, dass sich das kapitalistische System diese Herausforderungen selbst erschaffen hat. Die Finanzm&#228;rkte entkoppelten sich von der Realwirtschaft, das ungebremste Profitstreben ist wesentliche Ursache sowohl der globalen Migration als auch der drohenden &#246;kologischen Katastrophe. Und beschleunigt wurden diese Prozesse durch eine im Grunde positive Errungenschaft des Kapitalismus – die neuen, schnellen, weltumspannenden Medien. Auf diese Entwicklungen in ihrer Komplexit&#228;t findet der Kapitalismus keine Antwort mehr. Vielmehr greift er nach L&#246;sungen aus anderen Gesellschaftssystemen, aus solchen, die er gerade noch vehement bek&#228;mpfte.</p>
<p>So wie China nach 1989 aus der Krise des Sozialismus fand, indem es ohne Aufgabe des autorit&#228;ren Staatssystems kapitalistische Wirtschaftsprinzipien anwandte, so versucht die Europ&#228;ische Union heute die Krise des Kapitalismus zu bew&#228;ltigen, indem sie, ohne die kapitalistische Wirtschaftsweise – auch in ihren zerst&#246;rerischen Auspr&#228;gungen, aufzugeben, autorit&#228;re Herrrschaftsformen einsetzt. Sie geriert sich als Zaubermeister, der der Wasserflut durch ein energisches »In die Ecke, Besen, Besen &#8230;« Herr zu werden vermag. In China konnte das Experiment im Sinne der dortigen F&#252;hrung gelingen, nicht zuletzt wegen der fehlenden demokratischen Tradition.</p>
<p>In Europa wird es gerade wegen dieser Tradition zum Scheitern verurteilt sein – ob nun die Europ&#228;er der autorit&#228;ren Zumutung widerstehen oder nicht. Denn Letzeres w&#228;re nichts anders als der »Mauerfall« des kapitalistischen Systems; es verl&#246;re seine letzte Bindekraft. Es w&#228;re ein Mauerfall nicht nur im &#252;bertragenen, sondern auch im direkten Sinn, fiele doch die Brandmauer, die den Kapitalismus mit den demokratischen Grunds&#228;tzen eingezogen wurde, um ihn vor einem &#220;bergang in die Diktatur zu bewahren, die in einem auf ungerecht verteiltem Eigentum beruhenden System immer angelegt ist. Ohne Demokratie mutiert Kapitalismus zwangsl&#228;ufig zur Diktatur, wie bereits schrecklich bewiesen wurde.</p>
<p>Un&#252;bersehbar sind einige Parallelen von heute <a href="http://www.berliner-zeitung.de/magazin/weimarer-republik-krise--schulden-und-ein-staatsbankrott,10809156,11099826.html" target="_blank">zu den 1930er Jahren</a>, als schon einmal eine verfehlte, auf Profitmaximierung ausgerichtete Wirtschaftspolitik der Humus f&#252;r autorit&#228;re L&#246;sungen wurde. Zwar fehlt heute eine diktatorisch gesinnte Partei, die zur Macht&#252;bernahme bereit steht, doch l&#228;sst sich Abkehr von der Demokratie auch als schleichender, vorgeblich alternativloser Prozess gestalten – in den Worten Angela Merkels als <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=10611" target="_blank">»marktkonforme Demokratie«</a>.</p>
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		<title>Die Furcht der EU vor dem St&#246;rfaktor Volk</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Nov 2011 15:19:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Da soll doch tats&#228;chlich in Griechenland das Volk befragt werden, was es von der Politik h&#228;lt, die ihm von seiner Regierung und dieser wiederum von den EU-Exekutoren vor allem aus Deutschland und Frankreich verordnet wurde – und schon haben unsere mit dem Maul so famosen Demokraten ein gro&#223;es Problem. Demokratie hei&#223;t bekanntlich Volksherrschaft, aber so ist sie seit langem nicht mehr gemeint. <span id="more-3334"></span>Immer wenn V&#246;lker wirklich auf ihr Herrschaftsrecht pochen, ob in der arabischen Welt, bei der UNESCO oder eben in Griechenland, ruft das westliche Establishment zu den Waffen. In seinen Augen ist das Volk l&#228;ngst zu einem gef&#228;hrlichen St&#246;rfaktor geworden, den es auszuschalten gilt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sehr anschaulich kann man am Beispiel Griechenlands studieren, wie schnell der Volkswille, also das genuine demokratische Prinzip, auf den Kehrichthaufen geworfen wird, sobald die Interessen der Wirtschaft, vor allem das Finanzkapitals tangiert sind. Da wird der Ministerpr&#228;sident eines eigentlich gleichberechtigten EU-Landes »herbeizitiert«, um ihm <a href="http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/griechenland-berlin-verschaerft-ton-gegenueber-athen-_aid_680623.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2cd6ac8ae3bf4b1b8752d86c2729ef5c" alt="" width="1" height="1" />»die Leviten zu lesen«</a>. Beim von Papandreou geplanten Referendum wird ihm nicht nur der Termin diktiert, sondern auch noch die Fragestellung. Nicht nach der Zustimmung zum Rettungspaket f&#252;r Banken und Spekulanten, das die Griechen mit existenzbedrohenden Einschnitten in ihre sozialen Standards bezahlen sollen, darf gefragt werden, sondern danach, ob das Land weiter zu Europa geh&#246;ren wolle. Eine Totschlags-Fragestellung &#228;hnlich jener, mit der einst in der DDR die Zustimmung zu jeder noch so fragw&#252;rdigen Einzelma&#223;nahme mit dem »Argument« erzwungen wurde, man sei doch wohl auch f&#252;r den Frieden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Protest des griechischen Finanzministers gegen diese von Merkel und Sarkozy erzwungene Korrektur des Athener Kabinettsbeschlusses wird sogleich <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/griechenland-referendum-venizelos-will-euro-behalten-auch-wenn-griechen-mit-nein-stimmen-1.1179587" target="_blank">gegen den Ministerpr&#228;sidenten gewendet</a>, um ihn zum R&#252;cktritt zu zwingen, wobei nicht der Hinweis fehlt, dann sei das Referendum »vom Tisch«. Papandreou lehnte das ab, kann sich aber eine &#220;bergangsregierung aus Fachleuten vorstellen. Auch f&#252;r den Fall wissen die wirtschaftsh&#246;rigen Politiker und ihre medialen Hilfstruppen bereits, <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/liveticker-zur-regierungskrise-in-griechenland-papandreou-offen-fuer-bildung-von-uebergangsregierung-1746766.html" target="_blank">dass dann das Referendum hinf&#228;llig w&#252;rde</a>. Dar&#252;ber bricht<a href="http://www.welt.de/finanzen/article13695980/Geruechte-um-Papandreou-Ruecktritt-befluegeln-den-Dax.html" target="_blank"> die B&#246;rse in Jubel aus</a>. Nach ihrem Einbruch nach Bekanntgabe des Referendums f&#252;hrten allein die Ger&#252;chte von Papandreous R&#252;cktritt bereits zu einen Aufschwung</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Alles ist m&#246;glich in Griechenland, nur eins nicht – dass das Volk &#252;ber seine eigenen Belange mitentscheidet.</p>
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		<title>Das Elend der Kapitalismus-Gl&#228;ubigen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 18:09:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) In Madrid wurden 300 000 gez&#228;hlt, in Rom 200 000. Tausende gingen auch in London, Berlin Lissabon und zahlreichen anderen St&#228;dten Europas auf die Stra&#223;en. In New York harren Tausende im Zuccotti-Park aus. Eine ungeahnte Welle antikapitalistischen Protestes rollt vor allem durch die westliche Welt. Und gleichzeitig kommen von dort immer &#246;fter Bilder, wie sie bisher nur aus Minsk, Peking oder Moskau verbreitet wurden: Schwerbewaffnete Polizisten jagen junge Demonstranten, sto&#223;en sie zu Boden, verfrachten sie in Polizeiautos. Ein Demonstrant im US-amerikanischen Oakland wurde lebensgef&#228;hrlich verletzt. Eine friedliche Revolution – diesmal gegen ihn – will der Kapitalismus nicht zulassen.<span id="more-3329"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwar glauben Politiker wie ihre medialen Bataillone noch immer, sie k&#246;nnten den Protest mit erprobten Mitteln kanalisieren, indem sie ihn bagatellisieren und vereinnahmen. Wie stalinistische Betonkopfe halten die heutigen Systemapologeten an ihrem unverbr&#252;chlichen Glauben fest, dass der Kapitalismus gar nicht schlecht sein kann, sondern nur von einigen seiner Vertreter schlecht verwaltet wurde. »Es waren Dummheit und Gier, Inkompetenz, Kurzsichtigkeit und Arroganz, es waren Banker, denen man noch nicht einmal B&#246;sartigkeit unterstellen kann. Sie hatten nur keine Ahnung, was sie da taten«, kopiert die <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/legitimationsprobleme-der-banker-es-war-dummheit-11501646.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/40180675e8f14e69bb624c9583467fa4" alt="" width="1" height="1" />»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« (FASZ) </a>die unbelehrbaren Genossen des sp&#228;ten Sozialismus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wie diese vor den politisch-ideologischen Diversanten warnten, verteufelt sie die heute anders Denkenden. Man k&#246;nne »getrost das Parteiprogramm der Linken vergessen und sollte auch nicht zuh&#246;ren, wenn SPD und Gr&#252;ne nur ihre Ressentiments auf den neuesten Stand bringen«. Genau dies taten dann <a href=" http://www.n-tv.de/politik/Linke-bringt-Bundestag-um-den-Verstand-article4632566.html" target="_blank">Union und FDP im Bundestag</a> bez&#252;glich der Linkspartei – nur weil sie gerade ein Programm verabschiedet hatte, das zur gegenw&#228;rtigen Krisenlage mehr bereit h&#228;lt als nur das Prinzip Hoffnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kl&#252;gere heucheln Verst&#228;ndnis f&#252;r die Protestler, was freilich auf deren verst&#228;ndliche Skepsis st&#246;&#223;t. Die Demonstranten begreifen, dass hinter dem Schulterklopfen, der Umarmung gar die Absicht des Weiter-so steht, das man sich nicht st&#246;ren lassen will. Von »der Verw&#228;sserung der Protestbewegung« spricht <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/occupy-wall-street-streit-lasst-euch-nicht-umarmen-1.1174532" target="_blank">Slavoj Žižek in der »S&#252;ddeutschen Zeitung«</a>: »So, wie man uns Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol und Eiscreme ohne Fett vorsetzt, werden die M&#228;chtigen versuchen, die Proteste als harmlose, moralistische Bewegung abzutun.« Obamas Verweis auf die angebliche N&#228;he seiner Politik zu den Forderungen der Demonstranten, Merkels »Verst&#228;ndnis« f&#252;r ihre Unzufriedenheit, das pl&#246;tzliche Haut-die Banken all jener, die sie im gleichen Atemzug als »systemrelevant« bezeichnen (was insofern stimmt, als sie ihr vorgeblich alternativloses kapitalistisches System meinen) – all das zielt auf Entwaffnung einer Bewegung, die zugleich kompromisslos mit den Repressivwaffen des Systems bek&#228;mpft wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit faktengest&#252;tzten Argumenten kann der Kapitalismus l&#228;ngst nicht mehr &#252;berzeugen; schon gar nicht, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Denn Weitsicht und daraus resultierende Nachhaltigkeit sind seine Merkmale nicht. Er ist ganz und gar auf den schnellen und m&#246;glichst gro&#223;en Gewinn orientiert, dem ordnet er sein gesamtes Handeln unter. Folgerichtig l&#228;sst er sich auch nur durch harte Tatsachen bremsen. Indem er zum Beispiel gegen die Wand einer Realit&#228;t f&#228;hrt, die er einfach nicht einkalkulierte, weil sie in seinem System nicht vorgesehen ist. Dann ist der Crash unausweichlich, dessen Aufprall zwar inzwischen Airbags und Knautschzonen zu mildern verm&#246;gen, ohne ihn freilich kl&#252;ger und vorsichtiger zu machen, eher noch risikofreudiger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die einzige Realit&#228;t, die dem Kapitalismus ein gewisses Ma&#223; an Vernunft aufzwang, war paradoxerweise der reale Sozialismus; mit seinem Verschwinden war die Bahn wieder frei f&#252;r die einfachen Instinkte, die schon Marx gekannt hatte: »Das <a href="http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/profit/profit.htm" target="_blank">Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit</a> oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital k&#252;hn. Zehn Prozent sicher, und man kann es &#252;berall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; f&#252;r 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu&#223;; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnlich irrational nat&#252;rlich auch der Kampf gegen all jene, die dieses unbedingte Profitprinzip in Frage stellen. So unausrottbar, wie im Sozialismus-System die Angst vor imperialistischer Konterbande war, so unausrottbar ist heute, nach einer kurzen Periode des Siegestaumels, in der man jede antikapitalistische Alternative schon auf dem M&#252;llhaufen der Geschichte w&#228;hnte, die neue Angst vor Andersdenkenden, die im Kapitalismus immer weniger das historische Nonplusultra sehen, sondern nach neuen gesellschaftlichen Entw&#252;rfen suchen und dabei auch fr&#252;here, gescheiterte Konzepte erneut auf den Pr&#252;fstand stellen, um zu sehen, woran es lag und was man daraus lernen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die treuen Gl&#228;ubigen des Kapitalismus haben dem nichts entgegenzusetzen als totale Verunsicherung. Und so finden sich in der schon genannten FASZ auf der gleichen Seite zum einen die Beschw&#246;rung, nicht etwa den Schluss zu ziehen, »dass man den Kapitalismus abschaffen m&#252;sse. Sondern dass er dringend gerettet werden sollte« und zwar mittels »einer einmaligen <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/staatsressource-privatvermoegen-sagt-die-wahrheit-11501648.html" target="_blank">Wohlstandsabgabe auf Verm&#246;gen und Immobilie</a>n irgendwo zwischen zwanzig und drei&#223;ig Prozent« und zum anderen das Eingest&#228;ndnis, dass sich Staaten und Finanzkapital »einander entsicherte Handgranaten zuspielen«. Mehr noch: »Was sich gegenw&#228;rtig Politik nennt, ist also nichts anderes als das Weiterreichen von Zeitbomben, deren Ausl&#246;sezeitpunkt niemand kennt. Es k&#246;nnte in Jahren sein oder heute Nachmittag.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beides ein deutliches, wenngleich ungewolltes Pl&#228;doyer f&#252;r die Fortsetzung und Verst&#228;rkung des B&#252;rgerprotestes gegen solchen Wahnsinn.</p>
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