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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Mit Hannelore Krafts Sieg in Nordrhein-Westfalen stellt sich der SPD wieder einmal die Richtungsfrage</title>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2012 21:57:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) So sehr sich die SPD – v&#246;llig zu Recht – &#252;ber das fulminante Ergebnis bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen freut, so wenig Freude wird absehbar die F&#252;hrungsspitze der Partei damit haben. Denn das Resultat signalisiert vor allem eines – wie sehr sich die SPD-Basis nach einer Politik sehnt, die das Soziale nicht v&#246;llig aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) So sehr sich die SPD – v&#246;llig zu Recht – &#252;ber das fulminante <a href="http://www.derwesten.de/politik/kraft-triumphiert-bei-nrw-wahl-gruene-stabil-roettgen-geht-id6655488.html" target="_blank">Ergebnis bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen</a> freut, so wenig Freude wird absehbar die F&#252;hrungsspitze der Partei damit haben. Denn das Resultat signalisiert vor allem eines – wie sehr sich die SPD-Basis nach einer Politik sehnt, die das Soziale nicht v&#246;llig aus dem Blick verliert<span id="more-3919"></span>, die nicht nur stures Sparen, sondern mehr auch Gerechtigkeit bei der Verteilung der in harter Arbeit geschaffenen Werte in den Vordergrund stellt.</p>
<p><a href="http://mediathek.daserste.de/sendung-verpasst/10521276_tagesthemen/10521294_tagesthemen?datum=20120513" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/696ab64511e24a6481c83554a2687148" alt="" width="1" height="1" />Hannelore Kraft hat diese Sehnsucht bedient</a>. 84 Prozent der SPD-W&#228;hler sch&#228;tzen an ihr, dass sie die Partei ein St&#252;ck weit zu ihren Wurzeln zur&#252;ckgef&#252;hrt hat; der von ihr vertretenen SPD weisen 53 Prozent wieder Kompetenz f&#252;r soziale Gerechtigkeit zu, w&#228;hrend nach wie vor 60 Prozent die Hartz-IV-Gesetze und die Rente mit 67 ablehnen, also die Markenzeichen der dominierenden Fraktion der Bundespartei, vertreten durch Steinbr&#252;ck und Steinmeier, denen der Bundesvorsitzende Gabriel und seine Generalsekret&#228;rin Nahles bislang weitgehend das Feld &#252;berlie&#223;en.</p>
<p>Noch vor Wochenfrist hatte <a href="http://www.spiegel.de/thema/torsten_albig/" target="_blank">Torsten Albig</a>, der schleswig-holsteinische Kandidat dieses rechten Fl&#252;gels, zu dessen Gunsten der zu »linke« Landes- und Fraktionsvorsitzende Ralf Stegner ausgebootet worden war, <a href="http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article106265842/Farbenspiele-an-der-Foerde.html" target="_blank">die CDU nicht auf den zweiten Platz verweisen k&#246;nnen</a>. Un&#252;bersehbar noch am Wahlabend Albigs Unbehagen, nun mit den Gr&#252;nen und dem SSW regieren zu sollen, wo er doch auf eine Koalition mit der CDU unter seiner F&#252;hrung gehofft hatte. Auch Steinbr&#252;ck und Steinmeier stehen f&#252;r solch einen Kurs in die gro&#223;e Koalition. Indem ihnen die W&#228;hler in Nordrhein-Westfalen eine klare Absage erteilten, stellen sie die Bundes-SPD vor eine Zerrei&#223;probe.</p>
<p>Die beiden Vertrauten Gerhard Schr&#246;ders, der gerade seiner Partei <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundestagswahl-schroeder-empfiehlt-steinbrueck-als-spd-kanzlerkandidat-1.1354803" target="_blank">Steinbr&#252;ck als Kanzlerkandidaten empfahl</a>, werden auf ihren F&#252;hrungsanspruch kaum kampflos verzichten. Gabriel und Nahles haben sich durch ihren Opportunismus und ihre Sprunghaftigkeit kaum als attraktive Herausforderer f&#252;r Angela Merkel erwiesen. Hannelore Kraft sieht ihre Aufgabe glaubw&#252;rdig in Nordrhein-Westfalen, und ansonsten ist niemand in der SPD in Sicht, der &#252;berzeugend eine soziale Renaissance der Partei vertreten k&#246;nnte. Wieder einmal stellt sich f&#252;r die SPD die Richtungsfrage, denn die verderbliche Politik der M&#252;ntefering und Steinmeier, die nach Schr&#246;ders Sturz die SPD trickreich auf einen Mitte-Rechts-Kurs festlegten, ist gescheitert. F&#252;r eine von ihren Mitgliedern und W&#228;hlern gew&#252;nschte Sozialdemokratie, die sich auf ihre Traditionen besinnt und die Interessenvertretung nicht f&#252;r das gro&#223;e Geld, sondern f&#252;r die kleinen Leute wieder in den Vordergrund stellt, stehen die Aussichten bislang nicht besonders gut.</p>
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		<title>Kristina Schr&#246;der &#8211; Penn&#228;lerin mit Feindbild</title>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 16:12:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Mit ihrem ehrgeizigen Ziel, Lebensentw&#252;rfe moderner Frauen in christdemokratischen Konservatismus zu integrieren, konnte die j&#252;ngste Ministerin im Kabinett Merkel nur scheitern. Denn nicht Sachkompetenz, sondern Protektion und taktisches Kalk&#252;l haben sie ins Amt gef&#252;hrt.<span id="more-3907"></span></p>
<p>»Schm&#228;h den Spiegel nicht, wenn schief dein Angesicht.« Dieses Sprichwort h&#228;tte Kristina Schr&#246;der k&#252;rzlich in der Berliner Backfabrik in den Sinn kommen k&#246;nnen, als sie ihr Buch »Danke, emanzipiert sind wir selber – Abschied vom Diktat der Rollenbilder« vorstellte. Sie war extra in die Wohngegend gegangen, in der viele wie sie ein modernes, selbstbestimmtes Leben f&#252;hren – mit Beruf nach gediegener Ausbildung, mit Kindern und (meist) einer Beziehung gleichberechtigter Partnerschaft. Und hatte wohl auf breite Zustimmung gehofft. Stattdessen schlugen ihr nur unvers&#246;hnliche Kritik und bei&#223;ender Spott entgegen, aber sie hatte die Urheber schnell ausgemacht: »Das linke politische Spektrum will Menschen umerziehen.« Es seien Ideologen, die sie angriffen.</p>
<h4>Schw&#228;rmte f&#252;r Kohl wie andere f&#252;r Pferde</h4>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/656a60823315425eaac0b0e30c7107b1" alt="" width="1" height="1" /><br />
Tats&#228;chlich hatte sie es mit Ideologen zu tun, vor zweieinhalb Jahren schon, als Angela Merkel die damals noch ledige Bundestagsabgeordnete Kristina K&#246;hler mit dem Ministerium f&#252;r Familie, Senioren, Frauen und Jugend betraute. Da w&#252;nschten sich bekennende Unionsanh&#228;nger wenn schon eine Frau, dann wenigstens eine mit Mann und Kind. Beides hat die 34-j&#228;hrige inzwischen nachgereicht; aber dass ihre zehn Monate alte Tochter sich nur schlecht in einen Ministeralltag integrieren l&#228;sst, gef&#228;llt noch immer nicht jedem Konservativen. Doch weniger das hat Kristina Schr&#246;der zur Feder greifen lassen, sondern jener Paradigmenwechsel in der Geschlechterbeziehung, der einen Lebensentwurf wie den ihren &#252;berhaupt erst m&#246;glich machte und den sie nun mit dem Pauschalverdikt »Feminismus« diffamiert (ND berichtete).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Familienministerin versteht sich zuerst als Konservative und hat den Ehrgeiz, diese eher zur&#252;ckblickende Weltanschauung mit dem Lebensgef&#252;hl und den Ambitionen heutiger Frauen zu vers&#246;hnen – was allerdings gerade bei ihr zu grandiosem Scheitern verurteilt sein musste. Denn die Wiesbadenerin erfuhr ihre Sozialisation in der stramm konservativen hessischen CDU. Aus kleinb&#252;rgerlichem Hause stammend, schw&#228;rmte sie f&#252;r Helmut Kohl »wie andere f&#252;r Pferde« und stand an ihrem 14. Geburtstag p&#252;nktlich in der CDU-Gesch&#228;ftsstelle, um in die Junge Union einzutreten. Dort und sp&#228;ter in der CDU machte sie rasch Karriere, war sie doch stets eine, die »sich immer zwischen Leitplanken bewegt, die andere ihr vorgeben«, wie unl&#228;ngst die S&#252;ddeutsche Zeitung einen Unionsabgeordneten zitierte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch als Teenager trat Kristina Schr&#246;der stets kontrolliert auf, im Kost&#252;m oder Hosenanzug, die Haare glatt gestriegelt. Auf dem Gymnasium wollte sie die Beste sein, bewarb sich um eine Nachpr&#252;fung, wenn das nicht gleich klappte. Ihr Doktorvater, der Politologe J&#252;rgen Falter, gestand, in ihr anfangs den Prototyp einer »h&#246;heren Tochter« gesehen zu haben. So kam sie schon mit 15 in den JU-Kreisvorstand Wiesbaden, mit 20 wurde sie dessen Vorsitzende. Da war sie l&#228;ngst Mitglied der CDU und ihres Bezirksvorstandes Westhessen, mit 23 Stadtverordnete und mit 25 im CDU-Landesvorstand. Im gleichen Jahr wurde sie mit einem g&#252;nstigen Listenplatz in den Bundestag gew&#228;hlt, 2009 holte sie gar das Wiesbadener Direktmandat, auf das bis dahin Heidemarie Wieczorek-Zeul von der SPD abonniert war.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beizeiten hatte sich Schr&#246;der als Hardlinerin profiliert – so, als sie im ausl&#228;nderfeindlichen hessischen CDU-Wahlkampf 2008 die These von »wachsender Deutschenfeindlichkeit« aufstellte, die sie freilich mit belastbaren Befunden nicht untermauern konnte. Schon damals zeigte sich, dass ihre betont rechtskonservativen Ansichten oft weniger von einer gefestigten Meinung, einer fundierten Weltanschauung zeugten als von etwas Angelerntem, mit dem man in der Hessen-CDU umso leichter Karriere machen konnte, je aggressiver und starrsinniger man auftrat. Wie eine ehrgeizige Penn&#228;lerin bereitet sie sich gr&#252;ndlich auf ihre &#246;ffentlichen Auftritte vor; kann sie dann aber ihr Programm nicht abspulen, ger&#228;t sie leicht aus dem Tritt. Ihr Stammeln in einer Frontal-21-Sendung des ZDF, als sie dort eben jene »Deutschenfeindlichkeit« erkl&#228;ren sollte, wurde bei YouTube schon mehr als 50 000 mal angeklickt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>R&#252;ckw&#228;rtsgewandt auch Schr&#246;ders Sicht auf die Integration von Migranten, die auf eine totale Assimilation hinausl&#228;uft. »Manche traditionellen Wurzeln m&#252;ssen endg&#252;ltig durchtrennt werden, wenn man es ernst meint mit dem Angekommensein in Deutschland&#8230;«, schrieb sie – ganz im Sinne dessen, wie in Wiesbaden »Integrationspolitik« betrieben wird: n&#228;mlich als Unterordnung von Einwanderern unter einen konservativen Wertekodex.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Von daher ist es nicht weit zum Feindbild des islamistischen Terrorismus, der nur bei Kristina Schr&#246;der noch von jenem des Linksterrorismus &#252;bertroffen wird. Der wurde »bisher zu wenig beachtet«, konstatierte sie nur wenige Wochen vor Bekanntwerden der rechtsterroristischen Mordserie. Sie sieht Linksextremisten nicht nur in den Kreuzberger Krawallmachern vom 1. Mai, die »No-go-areas f&#252;r Demokraten« schaffen w&#252;rden, sondern vor allem in der Linkspartei, die in G&#228;nze vom Verfassungsschutz &#252;berwacht geh&#246;re, und sogar im linken Fl&#252;gel der SPD. Verd&#228;chtig sind ihr auch linke Pressorgane einschlie&#223;lich dieser Zeitung, denn sie »unterst&#252;tzen kommunistische bzw. anarchistische Weltdeutungen und diskreditieren zugleich gegenl&#228;ufige Nachrichten als ›b&#252;rgerlichen Manipulationszusammenhang‹. Zudem haben sie zumeist die Aufgabe, die Leser zu einseitigem politischen Aktivismus zu ermuntern.«</p>
<h4>Eine Konservative zum Vorzeigen</h4>
<p>Wer gegen Rechtsextreme k&#228;mpft, die Schr&#246;der f&#252;r weniger gef&#228;hrlich h&#228;lt, der muss sich nach Ma&#223;gabe ihres Ministeriums beim Antrag auf F&#246;rdermittel ausdr&#252;cklich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und das auch bei seinen Kooperationspartnern sicherstellen und &#252;berpr&#252;fen. Zwar distanzierte sich ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages von solcher Schn&#252;ffelei: »In einem Klima des Misstrauens und der gegenseitigen Gesinnungs&#252;berpr&#252;fung d&#252;rfte sich das Erleben von demokratischer Teilhabe kaum organisieren lassen.« Und es hat dieser Tage das Verwaltungsgericht Dresden die Extremismusklausel f&#252;r »rechtswidrig« erkl&#228;rt. Schr&#246;der aber ficht das nicht an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gerade dies aber macht sie f&#252;r den konservativen Fl&#252;gel der Union so wertvoll, h&#228;lt sie doch auf diese Weise ein Banner hoch, hinter dem sich gern jene versammeln, die den Adenauer- und Kohl-Zeiten nachtrauern und von der durch die W&#228;hler erzwungene Teil-Modernisierung ihrer Partei wenig halten. Und hierin liegt auch das Wohlgefallen begr&#252;ndet, mit dem Angela Merkel bislang auf ihr »M&#228;dchen« schaut. Deshalb z&#246;gerte sie nicht, als ihr im November 2009 mit Franz Josef Jung ungewollt ein Minister abhanden gekommen war und die Hessen-CDU und Roland Koch auf einem heimischen Gesicht am Berliner Kabinettstisch bestanden, die forsche Newcomerin zu sich zu holen – nicht zuletzt als Vorzeige-Konservative, mit der Kritik aus der christdemokratischen Traditionalistenecke zu kontern war.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sachkompetenz spielte bei dieser Entscheidung keine Rolle, sondern allein die Protektion der hessischen M&#228;nnergarde und taktische Erw&#228;gungen im Kanzleramt; kein Wunder, dass die Ministerin von Anfang an &#252;berfordert war. Agierte sie zun&#228;chst vor allem auf den Feldern Umgang mit dem Islam und Extremismus, die prim&#228;r Sache des Innenministers sind, fand sie bei den Themen des eigenen Ressorts zu nicht mehr als einem unklaren, sprunghaften Kurs.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So setzte sie der beim Thema Frauenquote in gro&#223;en Unternehmen voranpreschenden Sozialministerin Ursula von der Leyen eine »Flexiquote« entgegen, die die Firmen zu verbindlichen Selbstverpflichtungen veranlassen soll, was nach allen Erfahrungen wenig bringt. Beim Betreuungsgeld hingegen trat sie mit ihrer ablehnenden Meinung ins Glied zur&#252;ck, als sie den Widerstand aus der erzkonservativen CSU-Ecke sp&#252;rte. Akzente in der Familienpolitik hat sie bisher nur marginal gesetzt, eine erkennbare Linie schon gar nicht vorgegeben. Und nun auch noch den Feminismus zum Hauptgegner erkl&#228;rt, womit sich freilich ihre Unt&#228;tigkeit in Sachen Frauenpolitik bem&#228;nteln lie&#223;.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kristina Schr&#246;ders macht aus ihrer Abneigung gegen seri&#246;ses konzeptionelles Arbeiten kaum ein Hehl. Wissenschaftliche Studien interpretiert die promovierte Soziologin aus ihrer subjektiven Sicht. »So ist das in der Wissenschaft. Jeder zieht seine eigenen Schlussfolgerungen«, befand sie dazu nassforsch. Ihre politische Arbeit folgt eher Prinzipien, die aus einem Lehrbuch f&#252;r erfolgreiche Aufsteiger stammten k&#246;nnten. »Wann geht man offensiv ran, wann telefoniert man rum, wann h&#228;lt man besser die Klappe, wann geht man nach vorn, wann bleibt man stehen, wie sucht man sich Verb&#252;ndete, wie stellt man sich dar. Das passt nicht in Algorithmen, daf&#252;r entwickelt man ein Feeling. Man muss nat&#252;rlich eine gewisse soziale Intelligenz haben«, erkl&#228;rte sie einmal ihre Strategie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Da verwundert es nicht, dass inhaltlich von ihr so wenig Substanzielles ausgeht. Sie handelt pragmatisch, aus der Situation heraus. Ihr einziger Anker ist die recht(s)gl&#228;ubige Gesinnung, die sie in Kochs Hessen-CDU lernte.</p>
<p><em>Gedruckt in: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/225894.pennaelerin-mit-feindbild.html">Neues Deutschland vom 04.05.2012</a></em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Frankreichs Wahl und Merkels Feindseligkeit</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 17:56:46 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Wenn François Hollande am Sonntag die Stichwahl um die franz&#246;sische Pr&#228;sidentschaft gewinnt, dann ist das angesichts der D&#252;rftigkeit seines konkreten Programms mit vielen vagen Verhei&#223;ungen und wenigen belastbaren Aussagen weniger sein Sieg, sondern eher die Niederlage des derzeitigen Amtsinhabers Nicolas Sarkozy. Der 2007 in den Elysee-Palast eingezogene Empork&#246;mmling aus kleinen Verh&#228;ltnissen hat sich allzu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wenn François Hollande am Sonntag die Stichwahl um die franz&#246;sische Pr&#228;sidentschaft gewinnt, dann ist das angesichts der D&#252;rftigkeit seines konkreten Programms mit vielen vagen Verhei&#223;ungen und wenigen belastbaren Aussagen weniger sein Sieg, sondern eher die Niederlage des derzeitigen Amtsinhabers Nicolas Sarkozy. Der 2007 in den Elysee-Palast eingezogene Empork&#246;mmling aus kleinen Verh&#228;ltnissen <span id="more-3901"></span>hat sich allzu sehr als der korrumpierte <a href="http://www.fr-online.de/politik/hollande-oder-sarkozy-frankreich-hat-die-wahl,1472596,15116966.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/7b8546ef94024a50b199e335d2048210" alt="" width="1" height="1" />Erf&#252;llungsgehilfe des gro&#223;en Kapitals</a>, der Reichen und dadurch M&#228;chtigen im Land erwiesen, als dass er in diesen Zeiten der sprunghaft wachsenden sozialen Ungerechtigkeit mit einer Erneuerung seiner Lizenz zum Regieren rechnen konnte. Er teilt darin &#252;brigens das Schicksal eines hiesigen Empork&#246;mmlings, des einstigen SPD-Kanzlers Gerhard Schr&#246;der, der in ganz &#228;hnlicher Weise den Beutezug des gro0&#223;en Geldes auf die Taschen der kleinen Leute exekutierte und daher von den deutschen W&#228;hlern auch &#228;hnlich abgestraft wurde, wie es jetzt Sarkozy bevorsteht – selbst um den Preis, etwas noch Schlechteres zu w&#228;hlen. Auch dem kollektiven W&#228;hler sind emotionale Entscheidungen nicht fremd, so irrational sie mitunter erscheinen m&#246;gen.</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/o2ejt-_e4rY" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe></p>
<p>F&#252;r Frankreich bedeutete das wohl vor allem die Hinwendung von immerhin fast 18 Prozent zum <a href="http://www.berliner-zeitung.de/meinung/wahl-erfolg-fuer-le-pen-in-frankreich-sarkozy---bester-mann-der-front-national-,10808020,14974988.html" target="_blank">rechtsextremistischen Front National von Marie Le Pen</a>, die damit bedrohlich nahe an die Stichwahlteilnahme herankam. Dieses Resultat war auch eine »braune Karte« f&#252;r Hollande, und die Unsicherheit &#252;ber das Verhalten der nach rechts gewanderten W&#228;hler in dieser Stichwahl ist gewiss die letzte Chance f&#252;r Sarkozy, der deshalb selbst in die Rolle des Rechtsradikalen schl&#252;pfte. Womit er einmal mehr bewies, wie wenig demokratische Grunds&#228;tze und wie sehr unbedingtes Machtstreben seine Politik bestimmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schon aus diesem Grunde ist die <a href="http://www.berliner-zeitung.de/politik/deutschland-und-frankreich-wie-aus-merkel-und-sarkozy-merkozy-wurde,10808018,15114936.html" target="_blank">zwillingshafte N&#228;he der deutschen Bundeskanzlerin zu Sarkozy</a> kein Ruhmesblatt; viel mehr aber noch, weil sie dessen verfehlte Wirtschaftspolitik weitgehend diktierte. Vor altem im Verein mit Frankreich setzte sie die Daumenschrauben bei jenen europ&#228;ischen Staaten an, denen zuvor ein schneller Anschluss an fortgeschrittenes europ&#228;isches Wirtschaftsniveau vorgegaukelt worden war. Schon Kohl, dann Schr&#246;der und auch Merkel hatten nichts dagegen, technisch und technologisch sehr unterschiedlich entwickelte L&#228;nder mit deutschen Waren zu &#252;berschwemmen, gern auch auf Kredit., um nun die Schulden mit harten Bandagen einzutreiben. Hollande hat erkl&#228;rt, das nicht mehr mitzutragen; inwieweit er diesbez&#252;glich <a href="http://www.berliner-zeitung.de/meinung/leitartikel-zur-wahl-in-frankreich-daumendruecken-fuer-hollande,10808020,15051600.html" target="_blank">konsequent bleibt</a> und sein Land nicht selbst schon so abh&#228;ngig ist, dass am Ende Berlin ihm die Bedingungen diktieren kann, muss man abwarten. Die Franzosen, die den Wechsel wollen, werden sich noch weniger als andere in dieses fremdbestimmte Schicksal f&#252;gen. Insofern k&#246;nnte Angela Merkel mit ihrer feindseligen Gesten gegen&#252;ber Hollande auf dem Wege sein, zur alten deutsch-franz&#246;sischen Erbfeindschaft zur&#252;ckzukehren.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Durch das Internet verliert die »repr&#228;sentative Demokratie« ihre Daseinsberechtigung</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 16:50:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Die arrogante Attit&#252;de, dass die Chaostruppe der Piratenpartei mit ihren uferlosen Diskussionen ja doch nie zu einer klaren Entscheidung komme, d&#252;rfte sich mit deren Bundesparteitag am letzten Wochenende ziemlich erledigt haben. Denn in Neum&#252;nster fassten die Piraten nicht nur eindeutige Beschl&#252;sse zu einigen strittigen Fragen ihrer j&#252;ngsten Vergangenheit, sondern bew&#228;ltigten das umfangreiche Pensum au&#223;erordentlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Die arrogante Attit&#252;de, dass die Chaostruppe der Piratenpartei mit ihren uferlosen Diskussionen ja doch nie zu einer klaren Entscheidung komme, d&#252;rfte sich mit deren Bundesparteitag am letzten Wochenende ziemlich erledigt haben. Denn in Neum&#252;nster <span id="more-3896"></span>fassten die Piraten nicht nur eindeutige Beschl&#252;sse zu einigen strittigen Fragen ihrer j&#252;ngsten Vergangenheit, sondern bew&#228;ltigten das umfangreiche Pensum <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/piratenpartei-angebot-zum-anderssein-11735063.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/6b1d963b52ee4698aaa99557c029d24a" alt="" width="1" height="1" />au&#223;erordentlich diszipliniert und zielf&#252;hrend</a> – einschlie&#223;lich einer <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/parteitag-der-piraten-struktur-statt-spielerei-11735101.html" target="_blank">Vorstandswahl</a>, deren Ablauf sich wohltuend von den qu&#228;lenden Personaldiskussionen abhob, die derzeit die »etablierten« Gr&#252;nen, FDP, Linken und auch – im Hinblick auf die Kanzlerkandidatur – die SPD f&#252;hren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Den Piraten gelingt die Zusammenf&#252;hrung von umfassender Basisdiskussion und allgemein akzeptierten Entscheidungen nicht trotz ihrer ausgepr&#228;gten Debattenkultur, sondern gerade wegen ihr. Wo jede Meinung so viel wie die andere gilt und alle die Chance haben, sich in den Beschlussfindungsprozess einzubringen, ist auch die Bereitschaft vorhanden, das Votum der Mehrheit zu achten und umzusetzen; die st&#228;ndige Beobachtung seitens der Parteibasis tr&#228;gt dazu ihr Teil bei. Sie sorgt auch daf&#252;r, dass gew&#228;hlte Funktion&#228;re nichts anderes sind als <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-04/interview-piratenpartei-bernd-schloemer/komplettansicht" target="_blank">Moderatoren und Kommunikatoren</a>; auch ihre Meinung z&#228;hlt nicht mehr als die jedes anderen Mitglieds. Mit dem alten autorit&#228;ren Modell, dass irgendwelche – oft selbsternannte – F&#252;hrungsfiguren in einer Partei den Ton angeben und f&#252;r sie die Ziele, die Inhalte, die Vorgehensweisen formulieren, geht es im Zeitalter des Internets unwiderruflich zu Ende. Die repr&#228;sentative Demokratie, die aus ganz praktischen Gr&#252;nden jahrzehntelang die wirkliche Demokratie – n&#228;mlich die Volksherrschaft unter Einbeziehung aller ihrer Glieder – ersetzen musste, verliert ihre Daseinsberechtigung in dem Ma&#223;e, wie diese wirkliche Volksherrschaft via Internet durch alle m&#246;glich wird</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie sehr die alte repr&#228;sentative Demokratie ausgespielt hat, war an der wachsenden Parteieinverdrossenheit und der st&#228;ndig sinkenden Wahlbeteiligung seit langem ablesbar. Dass es gegenw&#228;rtig eine neue Lust am Politikmachen gibt und viele Nichtw&#228;hler wieder in die Wahllokale gehen, zeigt die Sehnsucht nach mehr Demokratie und die Bereitschaft zur Nutzung der neuen M&#246;glichkeiten des Mitbestimmens. Diese »liquide Demokratie«, die den Etablierten den Boden unter den F&#252;&#223;en wegzieht, wird aus diesem Grunde von ihnen <a href="http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/csu-erfolg-der-piraten-geht-auf-kosten-der-gruenen-spd-lehnt-koalition-mit-der-piratenpartei-ab_aid_745215.html" target="_blank">heftig – und absehbar v&#246;llig wirkungslos – bek&#228;mpf</a>t. Zuerst von den Parteien, die der Partei dieser neuen Bewegung, den Piraten, inhaltlich nicht zuf&#228;llig am n&#228;chsten stehen und methodisch einstmals &#228;hnliche Vorstellungen hatten wie diese. Sie, die Gr&#252;nen, die Linken., zum Teil die SPD auch auch die FDP hinsichtlich ihrer fast vergessenen b&#252;rgerrechtlichen Positionen, werden deshalb zu deren ersten Blutspendern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Doch die Union sollte sich nicht allzu sicher f&#252;hlen; sie, die derzeit v&#246;llig inhaltslos agiert, wird eines Tages mit den Inhalten der Piraten konfrontiert werden. Und diese Inhalte werden, etwas pauschal gesagt, eher »links« sein, denn sie ergeben sich aus den Problemen der Mehrheit der Bev&#246;lkerung, die bisher bei den Regierungsentscheidungen total unterrepr&#228;sentiert war. Gerade die Finanzpolitik, die sich ausschlie&#223;lich am Wohlergehen der Oberschicht orientiert und daf&#252;r alle anderen in der Gesellschaft zur Kasse zwingt, ist daf&#252;r ein schlagendes Beispiel. Es ist kein Zufall, dass grunds&#228;tzliche Kapitalismuskritik, Massenproteste gegen Bankenmacht und das Aufkommen der Piratenpartei zur gleichen Zeit stattfinden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nat&#252;rlich ist zwischen Theorie und Praxis noch ein weiter Weg. Das alte Establishment wird nichts unversucht lassen, auch diese neue gesellschaftliche Kraft zu neutralisieren, sie zu vereinnahmen oder auszugrenzen – bis hin zur Kriminalisierung. Es wird ihr da in der Zukunft nicht anders gehen als der SPD seit mehr als einem Jahrhundert, den Gr&#252;nen seit Jahrzehnten und der Linken in der Gegenwart. Die Hoffnung, dass sie dagegen immuner sein k&#246;nnte als diese Parteien, die letztlich stets vom Kapital in seinem Sinne diszipliniert wurden, ergibt sich aus ihrem so emanzipatorischen wie transparenten Umgang mit dem einzelnen. Der B&#252;rger wird zum Subjekt der politischen Entscheidung und ist nicht mehr allein ihr Objekt. Es d&#252;rfte der etablierten Macht schwerfallen, diese sich allm&#228;hlich herauskristallisierende Erfahrung, so schemenhaft sie derzeit noch sein mag, wieder total vergessen zu machen.</p>
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		<title>Innenminister Friedrich spielt mit dem Verfassungsbruch</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Apr 2012 19:02:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Wenn man den dramatischen Ank&#252;ndigungen glauben will, wird Deutschland am kommenden Donnerstag in eine Katastrophe schlittern. Dann n&#228;mlich soll die Bundesregierung Strafzahlungen »in Millionenh&#246;he« leisten, weil sie diese letzte Frist zur Einf&#252;hrung der vorsorglichen Speicherung von Telekommunikationsdaten nicht eingehalten hat. So jedenfalls trommeln Politiker und die ihnen zugetanen Medien seit Tagen und haben l&#228;ngst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wenn man den dramatischen Ank&#252;ndigungen glauben will, wird Deutschland am kommenden Donnerstag in eine Katastrophe schlittern. Dann n&#228;mlich soll die Bundesregierung Strafzahlungen »in Millionenh&#246;he« leisten, weil sie diese letzte Frist zur Einf&#252;hrung der vorsorglichen Speicherung von Telekommunikationsdaten nicht eingehalten hat. So jedenfalls trommeln Politiker und die ihnen zugetanen Medien seit Tagen<span id="more-3889"></span> und haben l&#228;ngst auch die Schuldige daf&#252;r ausgemacht: Bundesjustizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger. Sogar eine konkrete Strafgeld-Zahl wurde bereits errechnet: 70 Millionen Euro.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sieht man einmal davon ab, dass diese Summe angesichts der immer neuen Milliarden, die die Regierung zur Erhaltung schwinds&#252;chtiger, aber f&#252;r ihre Betreiber dennoch lukrativer Banken steckt, nicht mehr als die ber&#252;hmten Peanuts sind, erweist sich bei n&#228;herem Hinsehen auch die Panikmache als wohlkalkuliert und von den Tatsachen weit entfernt. Denn ein <a href="http://europainstitut.de/index.php?id=1420" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/0ea21994e1504912806490f496266d96" alt="" width="1" height="1" />Vertragsverletzungsverfahren</a> mit anschlie&#223;enden Strafzahllungen ist erst nach einem komplizierten Verfahren und einem g&#252;ltigen Urteil des Europ&#228;ischen Gerichtshofes &#252;berhaupt m&#246;glich. Ein einzelnes Mitglied der EU-Kommission hat gar nicht die Befugnis, Strafgelder nach eigenem Gutd&#252;nken einzuziehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Noch schlimmer aber als solche Unredlichkeit in Formfragen ist die Desinformation der &#214;ffentlichkeit in der Sache, bei der Regierungspolitiker und viele Medien ebenfalls Hand in Hand arbeiten. Denn sie alle verschweigen, dass die vom Innenminister angestrebte Regelung, die den Vorgaben der EU-Kommission entsprechen soll, im Kern dem <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2010-03/vorratsdaten-bverfg-urteil" target="_blank">Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahre 2010</a> zuwiderl&#228;uft. Zwar haben die Karlsruher Richter die sechsmonatige anlasslose <a href="http://www.computerbetrug.de/2012/04/streit-um-die-vorratsdatenspeicherung-das-mussen-sie-jetzt-wissen-6153" target="_blank">Speicherung aller Telekommunikationsdaten</a> nicht expressis verbis verworfen, jedoch indirekt daf&#252;r so hohe H&#252;rden aufgestellt, dass sie faktisch nicht verfassungskonform zu realisieren ist. Insbesondere verlangt das Bundesverfassungsgericht eine gr&#252;ndliche Pr&#252;fung der <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2010-03/vorratsdaten-bverfg-urteil/seite-2" target="_blank">Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit der Datenspeicherung</a>; weil es dabei um »&#252;berragend wichtige Rechtsg&#252;ter geht«. Sie komme nur beim »begr&#252;ndeten Verdacht einer schwere Straftat&#8221; in Frage; ansonsten seien weniger gravierende Ermittlungsma&#223;nahmen zu ergreifen. Geheimdienste d&#252;rften auf solche Daten nur zur&#252;ckgreifen, wenn es f&#252;r eine Bedrohung von Leib und Leben oder der Sicherheit der Bundesrepublik »tats&#228;chliche Anhaltspunkte einer konkreten Gefahr« und nicht nur Vermutungen g&#228;be. Das Gericht selbst schlie&#223;t daraus, »dass damit eine Verwendung der vorsorglich gespeicherten Telekommunikationsverkehrsdaten von Seiten der Nachrichtendienste in vielen F&#228;llen ausscheiden d&#252;rfte«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gerade die verfassungsm&#228;&#223;ige Problematik der von Innenminister Friedrich gew&#252;nschten Regelung hat die Justizministerin veranlasst, bei den eigenen Vorschl&#228;gen sehr restriktiv vorzugehen. Auch sie gesteht eine gewisse Vorratsdatenspeicherung zu, aber<a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/eu-richtlinie-zur-vorratsdatenspeicherung-merkel-draengt-auf-schnelle-loesung-1815842.html" target="_blank"> in sehr engen Grenzen und vor allem anlassbezogen </a>– so wie es das Bundesverfassungsgericht faktisch fordert. Bundeskanzlerin Merkel jedoch interessiert das Grundgesetz &#252;berhaupt nicht. F&#252;r sie steht eine EU-Verordnung offensichtlich dar&#252;ber, wenn sie sagt: »Um den Erfordernissen und den Anforderungen der europ&#228;ischen Regeln zu entsprechen, m&#252;ssen wir eine solche Umsetzung finden, die dem Inhalt der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung entspricht.« Friedrich sie es ganz &#228;hnlich und will – <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/03/07/wie-patricia-riekel-zur-erbin-erich-mielkes-wurde/" target="_blank">wie schon sein Vorg&#228;nger Thomas de Maizière</a> – vom verfassungswidrigen Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung so viel retten wie nur m&#246;glich – auch um den Preis eines Verfassungsbruches. Da er qua Amt auch als Verfassungsminister gilt, ist hier im wahrsten Sinne des Wortes der Bock zum G&#228;rtner gemacht worden – gewiss nicht zuf&#228;llig, sondern mit Bedacht, denn angesichts der wachsenden Unzufriedenheit in der Bev&#246;lkerung mit der neoliberalen Politik der Regierung m&#246;chte sich der Staat wohl wappnen, um jeden substanziellen Protest im Keime zu ersticken.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>G&#252;nter Grass hat in ein Wespennest gestochen</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 20:44:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Einen vergleichbaren medialen Shitstorm wie dieser Tage gegen das Gedicht »Was gesagt werden muss« von G&#252;nter Grass erlebten wir hierzulande wohl zuletzt im November 1976, als die DDR Wolf Biermann die Wiedereinreise nach einem Konzert in der Bundesrepublik verweigerte und dagegen einige Schriftsteller und K&#252;nstler ma&#223;voll Protest erhoben. Damals wie heute reagierten Staat und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Einen vergleichbaren medialen Shitstorm wie dieser Tage gegen das Gedicht <a href="http://www.suedostschweiz.ch/kultur/das-grass-gedicht-im-wortlaut" target="_blank">»Was gesagt werden muss«</a> von G&#252;nter Grass erlebten wir hierzulande wohl zuletzt im November 1976, als die DDR Wolf Biermann die Wiedereinreise nach einem Konzert in der Bundesrepublik verweigerte und dagegen einige Schriftsteller und K&#252;nstler ma&#223;voll Protest erhoben. Damals wie heute reagierten Staat und Medien derart panikartig, weil offensichtlich ein besonders schwerer Angriff auf die herrschende Staatsr&#228;son durch die Meinung eines einzelnen oder einzelner Prominenter zu verzeichnen war bzw. ist.<span id="more-3882"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In der DDR war dieser Punkt meist sehr schnell erreicht; zur Organisation einer solch 99-prozentigen Meinungsformierung bedurfte es freilich eines starken zentralen Organs in Gestalt der SED-Agitationskommission. Die heutige Bundesrepublik h&#228;lt sich jedoch in der Regel eine beinahe unumschr&#228;nkte Meinungsfreiheit zugute. Jetzt konnten wir lernen, dass es auch bei ihr damit nicht weit her ist, wenn sie meint, Grundlegendes werde in Frage gestellt – und dass die 99 Prozent in einer durch lange mediale Bearbeitung formierten Gesellschaft sogar ohne jede zentrale Steuerung erreicht werden, was ein bezeichnendes Licht auf die tonangebende Journalistenzunft wirft. Da klingen die <a href="http://www.bild.de/politik/inland/guenter-grass/guenter-grass-gedicht-israel-iran-reich-ranicki-nennt-es-ekelhaft-jerusalem-verhaengt-einreiseverbot-23540174.bild.html" target="_blank"><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/6136335e192e4e22be93471953fb9aa3" alt="" width="1" height="1" />Anw&#252;rfe gegen den Kritiker</a> nicht anders als im »Unrechtsstaat«, und <a href="http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/schlaglichter_nt/article106164885/Grass-Denkmal-in-Goettingen-beschmiert-Polizei-ermittelt.html" target="_blank">der verbalen Ausgrenzung folgt auch hier schnell die physische</a>, zwar (noch?) nicht aus dem eigenen Land, aber doch aus dem kritisierten, was die <a href="http://www.bielertagblatt.ch/node/1297065" target="_blank">offizielle Politik wie Medienlandschaft allenfalls vorsichtig r&#252;gt</a> – wo sie sonst doch die Freiz&#252;gigkeit mit starken Worten bis hin zur diplomatischen Depesche verteidigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nat&#252;rlich hat G&#252;nter Grass ein Tabu verletzt; der st&#228;rkste Beweis daf&#252;r ist gerade das dr&#246;hnende Gegenecho, das &#252;ber ihn gekommen ist. Geradezu r&#252;hrend die Versuche, nun ausgerechnet die <a href="http://www.berliner-zeitung.de/politik/gedicht-von-grass-dichtung-und-wahrheit,10808018,14691556.html" target="_blank">Netzgemeinde des Internets</a>, die tats&#228;chlich schon seit langem die israelische Drohpolitik gei&#223;elte, die verschwiegene Atomaufr&#252;stung au&#223;erhalb jeder Kontrolle, die von allen anderen lautstark erzwungen wird, aufdeckte und die gesetzwidrige deutsche Unterst&#252;tzung solchen Eskalationskurses kritisierte, als Beweis von Meinungsfreiheit und Transparenz in dieser Frage ins Feld zu f&#252;hren, w&#228;hrend die Blogosph&#228;re gleichzeitig grunds&#228;tzlich wegen solchen Durchbrechens der staatlich gew&#252;nschter Medienblockade angegriffen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit den Fakten, die Grass nennt, besch&#228;ftigen sich die Kritiker wohlweislich kaum. Weder wird die Selbstverst&#228;ndlichkeit ausgesprochen, dass sich nat&#252;rlich auch Israel, wie jeder andere Staat der Welt, einer internationalen Kontrolle seines Atompotenzials unterwerfen muss, noch verteidigt man das in der UNO-Charta ausgesprochene Verbot eines Angriffskrieges, obwohl ihn Israel unverhohlen ank&#252;ndigt und Druck auf seine Freunde aus&#252;bt, sich daran aktiv zu beteiligen. Auch der Versto&#223; der Bundesregierung gegen ihre eigene Verpflichtung, keine Angriffswaffen in Krisengebiete zu liefern, wird weitgehend ausgeblendet. Insofern ist es verdienstvoll von G&#252;nter Grass, diese Fragen auf die Tagesordnung gesetzt zu haben. Kein Zufall also, dass bereits das <a href="http://www.welt.de/kultur/article106164323/Deutsche-haben-das-Trauma-von-1945-nicht-ueberwunden.html?wtmc=google.editorspick?wtmc=google.editorspick" target="_blank">Ende der Debatte gefordert wird</a>, weil man die tiefgr&#252;ndige Er&#246;rterung eines f&#252;r die Menschheit m&#246;glicherweise existenziellen Problems und die daraus erwachsende denkbare Wiederholung fr&#252;herer Massenproteste gegen atomare Bewaffnung oder Raketen-Nachr&#252;stung unbedingt verhindern will.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So entlarvt sich die Reaktion von Politik wie Medien auf das Grasssche Gedicht tats&#228;chlich als eine Kampagne, in der sich ideologische Unbelehrbarkeit mit dem Abwehrreflex des ertappten S&#252;nders mischt. Nur wenige sind zu einer sachlich-kritischen Antwort auf seine Wortmeldung bereit; dass <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/umstrittene-aussagen-zu-israel-wolf-biermann-nennt-grassgedicht-stuemperhaft_aid_734365.html" target="_blank">Wolf Biermann</a> dazugeh&#246;rt, zeigt, dass er die eigenen Erfahrungen nicht vergessen hat. Die politischen Eiferer jedoch disqualifizieren sich selbst. Das Tabu, das es angeblich nicht gibt, soll aus ihrer Sicht wirksam bleiben, denn am besten – so hat die Geschichte immer wieder bewiesen – bereitet man Kriege hinter einer Mauer von Geheimhaltung, dem Schleier der falschen Verd&#228;chtigung oder der emotionalen Irref&#252;hrung vor. All das spielt sich derzeit im Hintergrund ab. Ein schlichtes Gedicht hat es auf die hell erleuchtete Weltb&#252;hne gestellt.</p>
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		<title>R&#228;tselhaftes Kambodscha</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2012 16:14:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ I. Erkundungen in Phnom Penh (pri) F&#252;r die meisten Kambodschaner ist es ferne Geschichte. Die Herrschaft Pol Pots und der seinen liegt mehr als 30 Jahre zur&#252;ck, aber zwei Drittel der Kambodschaner sind unter 30 Jahren alt. Sie haben das Terrorregime der Roten Khmer nie erlebt, und ihre Eltern oder Gro&#223;eltern hatten wenig Neigung, &#252;ber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3> I. Erkundungen in Phnom Penh</h3>
<p>(pri) F&#252;r die meisten Kambodschaner ist es ferne Geschichte. Die Herrschaft Pol Pots und der seinen liegt mehr als 30 Jahre zur&#252;ck, aber zwei Drittel der Kambodschaner sind unter 30 Jahren alt. Sie haben das Terrorregime der Roten Khmer nie erlebt, und ihre Eltern oder Gro&#223;eltern hatten wenig Neigung, &#252;ber jene Zeit der Gr&#228;uel zu berichten. So ist das Genozid-Museum Tuol Sleng im S&#252;den der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, nahe dem Mao-Tse-Tung-Boulevard, kein von Einheimischen stark frequentierter Ort, und &#252;ber dem Eingang muss gar ein Schild dazu mahnen, in den R&#228;umen nicht zu lachen<span id="more-3872"></span>; tats&#228;chlich k&#246;nnte es sein, dass mancher der jungen Besucher, in der Gegenwart der Grusel- und Fantasystories aufgewachsen, das Ganze f&#252;r eine etwas primitive Show h&#228;lt – und nicht f&#252;r die Wirklichkeit der 1970er Jahre.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Komplex aus vier mehrst&#246;ckigen Geb&#228;uden war fr&#252;her eine Schule und wurde von Pol Pot als Sicherheitsbereich »S 21« unter strengster Geheimhaltung eingerichtet, um hier H&#228;ftlinge zu verh&#246;ren, zu foltern und nach ihren »Gest&#228;ndnissen« zur Exekution abzutransportieren. Direkte T&#246;tungen fanden hier nicht statt, doch starben zahlreiche H&#228;ftlinge unter der Folter; die &#252;brigen wurden in der Hinrichtungsst&#228;tte umgebracht. Bis zu 20 000 M&#228;nner, Frauen und Kinder sollen in Toul Sleng gefangen gehalten und gefoltert worden sein.</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/GRycl3Lnl1s" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/356fe851625d460a81f2495201552ac8" alt="" width="1" height="1" />Das Museum macht noch heute einen bedrohlichen Eindruck, sind doch die schmutzig-wei&#223;en Geb&#228;ude hinter mehreren Reihen Stacheldraht, einer Mauer, mit vergitterten Fenstern, die oben zus&#228;tzlich durch Drahtnetze gegen potenzielle Selbstm&#246;rder gesichert wurden, weitgehend unver&#228;ndert erhalten. Das gilt auch f&#252;r die Zellen mit ihren Fliesen im Schachbrettmuster, den kahlen W&#228;nden, Fenstergittern und spartanischen Einrichtungen, die zumeist nur aus einem eisernen Bettgestell bestanden. Hier wurden die Gefangenen mit Ketten gefesselt. In den Zellen lebten oft Dutzende Menschen; andere Zellen waren in winzige Verschl&#228;ge aufgeteilt, in denen ein Mensch kaum aufrecht stehen, geschweige denn schmerzfrei liegen konnte.</p>
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<p>Das Museum zeigt die primitiven, aber wirksamen Folterinstrumente, die Pol Pots Leute verwandten, der Maler Vann Nath, der das Grauen &#252;berlebte, stellte auf grausigen Bildern dar, wie sie angewandt wurden. Beinahe noch eindrucksvoller sind jedoch die Hunderte Fotos von Opfern und T&#228;tern, die in den ehemaligen Zellen aufgestellt wurden – lange Reihen von Portr&#228;ts, in denen sich die ganze Skala menschlicher Gef&#252;hle der Verzweiflung spiegelt: Angst, Entsetzen, Todesfurcht, Ungl&#228;ubigkeit, Apathie, Gleichg&#252;ltigkeit, Verh&#228;rtung, Entr&#252;cktsein, aber auch Trotz, sterbende Hoffnung und Verachtung. Junge und Alte, M&#228;nner, Frauen und Kinder, Zivilisten und Uniformierte blicken in die Kamera, die als Nachweismittel &#252;ber den Verbleib der Verhafteten diente. Die H&#228;scher in Tuol Sleng mussten jeden fotografieren, den sie aufnahmen. Wer unter der Folter starb, wurde erneut aufgenommen, um den Abschluss des Verfahrens zu dokumentieren; er k&#246;nnte ja auch geflohen sein.</p>
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<p>Dass auch Uniformtr&#228;ger unter den Opfern waren, ergab sich daraus, dass Pol Pot in seiner Paranoia niemandem traute und bald begann, die eigenen Leute zu verd&#228;chtigen, zu foltern und schlie&#223;lich zu t&#246;ten. Es gibt jedoch auch Fotos der Folterknechte, deren Ausdruck zwar oft Genugtuung, Erb&#246;tigkeit, gar hinterh&#228;ltigen Spott oder auch nur unbedarfte Gleichg&#252;ltigkeit spiegelt, aber ebenso – &#228;hnlich wie bei den Opfern – Abgestumpftsein, Gleichg&#252;ltigkeit und vielleicht die furchtbare Ahnung, selbst bald zum Opfer zu werden. Es sind junge M&#228;nner, die von der Richtigkeit ihres Tuns &#252;berzeugt wurden, kaum daran zweifelten und dennoch nicht zur uniformen Masse wurden, sondern individuelle Regungen erkennen lassen – das also, was ihnen gerade ausgetrieben werden sollte.</p>
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<p>Nach Abschluss der »Verh&#246;re« und dem »Urteil« wurden die Gefangenen nach Choeung Ek, den »Killing Fields« gebracht, einem von S&#252;mpfen umgebenen Anwesen 15 km s&#252;dwestlich von Phnom Penh. Hier wurden diese erst in einem »Dunkelraum« gesammelt und von dort gruppenweise zu Massengr&#228;bern gef&#252;hrt, an dessen Rand sie niederknien mussten. Mit Hacken, &#196;xten, St&#246;cken wurden sie erschlagen, indem man ihnen das Genick brach; den im Massengrab noch Zuckenden schnitt man mit dem Messer die Kehle durch. Man wollte auf diese Weise Munition sparen.</p>
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<p>Da in Choeung Ek nur 30 Henker Dienst taten, schafften sie es nicht immer, die aus der Hauptstadt unaufh&#246;rlich anrollenden Transporte zu exekutieren, dann mussten die Todgeweihten die Nacht im »Dunkelraum« verbringen und wurden erst im Morgengrauen umgebracht. Damit die auf den umliegenden Feldern dann bereits arbeitenden Bauern die Schreie der Hingemetzelten nicht h&#246;rten, wurden in einen der B&#228;ume des Lagers Lautsprecher geh&#228;ngt, aus denen klassenk&#228;mpferische Lieder dr&#246;hnten. Wir konnten beim Besuch in Choeung Ek diesen »Magic Tree« sehen, einen Baum, unter dem – wie fast unter der gesamten Anlage – Massengr&#228;ber liegen.</p>
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<p>Der Ort strahlt die bekannte Beklemmung von KZ aus, die sich aus Unbegreiflichkeit und Entsetzen speist, aber hier kommt noch eine besondere Banalit&#228;t des Schreckens hinzu. Unser F&#252;hrer zeigte uns helle Spuren in den Wegen, &#252;ber die wir gingen, helleres Gestein, wei&#223;lich-graue Kiesel, wie es schien. Tats&#228;chlich aber sind es die Gebeine der Tausenden Toten unter der Erde, die die F&#252;&#223;e der Besucher freigelegt haben. Auch Kleidungsreste kommen zum Vorschein, und man stellt verst&#246;rt fest, dass man in Choeung Ek im wahrsten Sinn des Wortes &#252;ber Leichen geht. Zwar fordern Schilder dazu auf, nicht &#252;ber die Massengr&#228;ber zu laufen, aber eigentlich gibt es in Choeung Ek keine Stelle, die nicht Massengrab ist</p>
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<p>Neben einem dieser Gr&#228;ber sieht man einen anderen Baum und h&#246;rt, dass hier den M&#252;ttern ihre Kinder entrissen und an den Baum geschleudert wurden, bis sie tot waren – und dann in die Grube geworfen. Fast jeder Platz in Choeung Ek k&#246;nnte eine solche Geschichte erz&#228;hlen. In den letzten Jahren sind einige Massengr&#228;ber ge&#246;ffnet worden, die &#220;berreste der Ermordeten befinden sich in einer meterhohen Stupa, einem Mausoleum, das vor allem Sch&#228;del mit den Schlagverletzungen, aber auch Knochen und Kleidungsst&#252;cke zeigt.</p>
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<p>Man kann es den jungen Kambodschanern nicht verdenken, dass sie diese d&#252;steren Orte meiden und sich lieber am Ufer des Tonle Sap, eines Nebenflusses des Mekong, mit ihren Altersgef&#228;hrten treffen – wie &#252;berall in der Welt. Vor allem sonntags sitzen sie auf einer gro&#223;en Freifl&#228;che unweit des K&#246;nigspalastes in gro&#223;en Gruppen zusammen, meist Familien, um zu essen, zu trinken, zu schwatzen, zu flanieren oder sich auch nur auszuruhen. Ein buntes, belebtes, aber friedliches, beinahe heiteres Bild, das nicht viel von den Problemen des Landes ahnen l&#228;sst.</p>
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<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/MTcS_y2wuzM" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe>Andere s&#228;umen die Uferpromenade des Tonle Sap, der im Februar, in der Trockenzeit ziemlich flach ist. Jetzt flie&#223;t sein Wasser in den Mekong ab, der es mit hinunter ins Delta tr&#228;gt. In der Regenzeit ab Juni dr&#252;ckt der Mekong jedoch seine Wassermassen in den Tonle Sap hinein. Er f&#252;llt sich und &#252;berschwemmt weitfl&#228;chig das Uferland. Dicht am Ufer zahlreiche Geb&#228;ude, die noch an die franz&#246;sische Kolonialzeit erinnern, vor allem Hotels und Restaurants. Darunter auch der ber&#252;hmte Korrespondentenclub FCC, von dessen Balkonen im 2. Stock man einen sch&#246;nen Blick auf den Tonle Sap und seine M&#252;ndung in den Mekong hat und der w&#228;hrend des Vietnamkrieges als Anlaufpunkt und Informationsb&#246;rse f&#252;r die Kriegsberichterstatter diente.</p>
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<p>Die bedeutendste Sehensw&#252;rdigkeit Phnom Penhs ist der K&#246;nigspalast mit seinem Umfeld. Seit dem Jahr 1993 ist Kambodscha wieder ein K&#246;nigreich, genauer eine konstitutionelle Monarchie. Der Palast liegt nahe des Tonle Sap und teilt sich in zwei Bereiche – den offiziellen Teil, der teilweise unzug&#228;nglich ist, weil sich dort Amtsr&#228;ume des Monarchen befinden. Und das Areal der Silberpagode, das als buddhistische Begr&#228;bnisst&#228;tte f&#252;r die Monarchen fungiert. Den offiziellen Teil dominiert die Thronhalle, in der – wie in allen Geb&#228;uden des Palastes – fotografieren streng verboten ist, weil man auskundschaftende Diebe f&#252;rchtet. Der Thron selbst wird auf der einen Seite von einem Buddha flankiert, auf der anderen von einem Soldaten mit Gewehr, was ungew&#246;hnlich erscheint, jedoch die Widerspr&#252;che der kambodschanischen Geschichte in gewisser Weise auf den Punkt bringt. Interessant sind einige Details, so ein kleiner Pavillon, von dem der (in der Regel k&#246;rperlich kleine) K&#246;nig den Elefanten bestieg, um sich seinem Volk zu zeigen. Auch ein anderer Pavillon hat seine eigene Geschichte: Die Napoleon-Villa war urspr&#252;nglich am Suezkanal errichtet worden, um bei dessen Einweihung der franz&#246;sischen Kaiserin als Unterkunft zu dienen. Danach zerlegte man sie, um sie dem K&#246;nig von Kambodscha zum »Geschenk« zu machen.</p>
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<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/loWxb41GGso" frameborder="0" width="560" height="315"></iframe>&#220;ber einen Durchgang erreicht man die Silberpagode, deren Boden mit mehr als 5000 Bodenfliesen aus Silber belegt ist. In ihr thront die heiligste Figur Kambodschas – der Phra Ke, eine gr&#252;ne Buddha-Figur aus Smaragd. Nicht weit davon entfernt befindet sich eine nahezu lebensgro&#223;e Buddhafigur aus purem Gold, die mit mehr als 2000 Diamanten besetzt ist. Hier offenbart das bettelarme Kambodscha eine erstaunliche Prachtentfaltung des alten Khmer-Reiches, und die Schutzma&#223;nahmen vor Dieben werden durchaus verst&#228;ndlich. Als ich doch versuchte, davon ein Bild zu erhaschen, gebot mir ein W&#228;chter unmissverst&#228;ndlich Einhalt und verlangte den Film zu sehen – mit der Aufforderung, die verbotenen Stellen zu l&#246;schen. Etwas bes&#228;nftigen konnte ich ihn nur dadurch, dass ich ihm zeigte, was ich alles au&#223;erhalb der Pagode – erlaubterweise – gefilmt hatte. Dazu geh&#246;rten die Reiterstaue von K&#246;nig Norodom, die gewaltigen Stupas der K&#246;nigsfamilie und die Au&#223;enwand des Gel&#228;ndes, auf der das Ramayana-Epos malerisch verarbeitet ist.</p>
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<p>Tief eintauchen in die kambodschanische Geschichte kann man im Nationalmuseum, jedoch ist es schwierig, sich zwischen Vishna, Shiva, Brahma und allerlei Nebeng&#246;ttern und Priestern zurechtzufinden. Nicht ganz so kompliziert ist dies mit Wat Phnom, dem Wahrzeichen der kambodschanischen Hauptstadt, einer Pagode auf einem k&#252;nstlichen H&#252;gel inmitten der Stadt. Hier herrscht reges touristisches Leben, denn der Berg ist ein beliebter Flanierplatz der Hauptst&#228;dter; auch auf Elefanten kann man hier reiten. Wir stiegen die teilweise ziemlich steilen Treppen hinauf, konnten jedoch im Menschengewimmel nicht alle Sehensw&#252;rdigkeiten tats&#228;chlich w&#252;rdigen. Hier jedoch soll Phnom Penh entstanden sein.</p>
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<p>&#196;hnlich trublig geht es auf den M&#228;rkten Phnom Penhs zu, vor allem auf dem so genannten Russenmarkt, der eigentlich richtiger Touristenmarkt hie&#223;e. Hier gibt es in bedr&#228;ngender Enge all das, was Touristen gern in Kambodscha kaufen. Und die Verk&#228;ufer, die hier samt Familien den ganzen Tag verbringen, liefern dazu aufschlussreiche Einblicke in Mentalit&#228;t und Lebensweise eines r&#228;tselhaftes Volkes in einem immer noch r&#228;tselhaften Land. Es weiter zu erkunden, verlie&#223;en wir Phnom Penh zun&#228;chst noch einmal in Richtung Mekong – entlang der eindrucksvollen Uferpromenade mit der buddhistischen Architektur des K&#246;nigspalastes im Hintergrund.</p>
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		<title>Die Piraten als Demokratielehrer</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Mar 2012 18:12:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Was die etablierten Parteien wie auch die ihnen verbundenen Medien – von rechts bis links – zum Wahlerfolg der Piraten im Saarland zu sagen haben, ist wie bisher nichts anderes als schlecht kaschierte Herablassung und offene &#220;berheblichkeit. Zwar d&#228;mmert ihnen inzwischen, dass das Berliner Ergebnis der neuen Partei keine Eintagsfliege war, sondern – belegt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Was die etablierten Parteien wie auch die ihnen verbundenen Medien – von rechts bis links – zum Wahlerfolg der Piraten im Saarland zu sagen haben, ist wie bisher nichts anderes als schlecht kaschierte Herablassung und offene &#220;berheblichkeit. Zwar d&#228;mmert ihnen inzwischen, dass das Berliner Ergebnis der neuen Partei keine Eintagsfliege war<span id="more-3864"></span>, sondern – belegt durch die jetzige Wiederholung in einem Fl&#228;chenland – einen Trend begr&#252;ndete, doch eine intelligente Antwort haben sie darauf nicht. Und das ist wenig &#252;berraschend, sind doch die Piraten gerade deshalb entstanden und werden absehbar immer st&#228;rker, weil es der Politik hierzulande schon lange an Intelligenz und Innovationsf&#228;higkeit mangelt, weil sie mit ihren Inhalten weitab von den Interessen der B&#252;rger und in total verkrusteten Strukturen agiert. Sich daraus zu l&#246;sen, ist ihnen wohl ein zu langer und schmerzhafter Prozess; genau dies aber garantiert <a href="http://www.blogsgesang.de/2011/09/20/die-piraten-konnen-den-kapitalismus-herausfordern/" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/5e825c91142640d09d6dcf60c3422dc5" alt="" width="1" height="1" />den Piraten weiteren Aufschwung</a> bis hin wohl zum Einzug in den Bundestag im kommenden Jahr.</p>
<p>Eine solche Prognose ist vor allem deshalb kaum gewagt, weil die Piratenpartei <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/waehlerwanderung-bei-saarland-wahl-wem-die-piraten-die-stimmen-abjagten-1.1318238" target="_blank">W&#228;hler aus allen politischen Lagern</a> anzieht. Fast ein Drittel der CDU-Verluste (4000) kamen ihr zugute, aber auch ein Viertel der Abtr&#252;nnigen bei der Linken (7000), fast die H&#228;lfte der Abwanderer von den Gr&#252;nen (3000) und sogar 4000 ehemalige FDP-W&#228;hler und schlie&#223;lich 3000, die nicht mehr f&#252;r die SPD votieren wollten. Vor allem aber holten sie 8000 Stimmen von ehemaligen Nichtw&#228;hlern, <a href="http://www.piratenpartei.de/2012/03/26/schwarmintelligenz-auf-zielkurs-piratenpartei-saarland-schafft-den-sprung-ins-parlament/" target="_blank">&#252;berwiegend junge Leute</a>, die sich von der Politik schon verabschiedet hatten und nun pl&#246;tzlich doch wieder einen Sinn darin sehen, sich zu engagieren.</p>
<p>Vor solch unideologisch breiter Zustimmung stehen alle anderen Parteien fassungslos, weil sie einfach nicht in ihr Weltbild passt. Womit sie freilich nur ihre Abgehobenheit von den Menschen und ihre historische Vergesslichkeit beweisen, sonst w&#252;ssten sie von der Attraktivit&#228;t eines Politikansatzes, <a href="http://www.zeit.de/news/2012-03/26/wahlen-hintergrund-das-programm-der-piratenpartei-26134809" target="_blank">der von der Sache ausgeht</a> und sich nicht auf parteiliche Vorteilsnahme beschr&#228;nkt. Denn m&#246;glicherweise sind die Piraten die zeitgem&#228;&#223;e und durch das Internet optimierbare Variante der einstigen Runden Tische in der Wendezeit, wo es auch nicht um eine starre Ges&#228;&#223;geografie ging, sondern darum, aus allen Beteiligten deren kluge und vern&#252;nftige Ideen zu destillieren und daraus konkrete Projekte zu machen. Schon damals l&#228;chelten die F&#252;hrungen der etablierten Parteien dar&#252;ber hinweg und brachten diesen neuen Politikansatz zu Fall – mit dem Ergebnis stets wachsender Parteienverdrossenheit und Wahlabstinenz, aber auch der hartn&#228;ckigen Suche nach anderen Formen demokratischer Teilhabe der B&#252;rger.</p>
<p>Nun also ein neuer Versuch mit den Mitteln der Piratenpartei, der vor allem durch die Begeisterung und das Engagement fasziniert, mit dem sich junge Leute in die Politik st&#252;rzen und ohne zuerst nach Posten und Privilegien zu fragen, geradezu lustvoll um Ver&#228;nderung k&#228;mpfen. Ihren Charme macht es aus, dass sie bisher der Versuchung widerstanden, m&#246;glichst schnell die Hardware wie die Software der Etablierten zu kopieren, sondern dass sie f&#252;r ihre Politik auch neue Programme schreiben. Orientiert am B&#252;rger und seinen Interessen, stellen sie jeweils das in den Vordergrund, was ihm auf den N&#228;geln brennt, was ihn unmittelbar interessiert, und finden nichts dabei, andere Fragen zun&#228;chst au&#223;en vor zu lassen – bis diese dann zu dr&#228;ngenden und kl&#228;rungsbed&#252;rftigen werden.</p>
<p>Vor allem aber behandeln sie die anstehenden Probleme nicht in vermeintlichen Expertengruppen unter Ausschluss der &#214;ffentlichkeit, aber stets unter zielf&#252;hrender Mitwirkung undurchschaubarer Lobbyistenzirkel, sondern beziehen alle ein, die dazu etwas sagen k&#246;nnen und wollen. In diesem <a href="http://www.freitag.de/politik/1213-finger-weg-von-der-macht" target="_blank">urdemokratischen Austausch der Meinungen und Positionen </a>kommen sie zu einem Ergebnis, das viele kluge Gedanken in sich tr&#228;gt, aber auch dort, wo sich der Einzelne nicht wiederfindet, auf Akzeptanz st&#246;&#223;t, weil die Methode der Entscheidungsfindung &#252;berzeugt. Demokratielehrer in der Aktion also und nicht nur als beredsame Prediger, die den Praxistest gerade im Saarland gl&#228;nzend bestanden haben, gelang es dort doch, in k&#252;rzester Zeit und unter widrigen Bedingungen ein Wahlprogramm zu pr&#228;sentieren, das auf Anhieb 7,4 Prozent der W&#228;hler ansprach.</p>
<p>Eine Erfolgsgarantie auf Dauer ist das freilich nicht. Und das weniger, weil den Piraten die Inhalte und Ideen ausgehen, Begeisterung und Hartn&#228;ckigkeit erlahmen k&#246;nnten, sondern wegen ihrer Inkompatibilit&#228;t mit dem bestehenden System. CDU/CSU und SPD blicken am gelassensten auf die neue Konkurrenz, denn sie verlassen sich auf den &#220;berbau, die Strukturen, die sie in langer Parteigeschichte schufen und zementierten und die bisher noch jede Basisinitiative erstickt haben. Die Gr&#252;nen, einst mit &#228;hnlichem &#220;berschwang wie die Piraten angetreten, sind l&#228;ngst in dieses System integriert. Die Linke nur deshalb nicht, weil sie von den Etablierten rechts von ihr unver&#228;ndert als Schmuddelkind behandelt wird, doch der innerparteiliche Streit dreht sich weniger um die Beschreibung einer Alternative als um das Abschleifen aller Kanten, um vielleicht doch in den Schoss des Establishments zu gelangen.</p>
<p>Hinsichtlich der Piraten ist die ganz gro&#223;e Koalition von CSU bis Linkspartei l&#228;ngst geschmiedet. Sie sind sich <a href="http://www.cicero.de/berliner-republik/piraten-experte-bieber-annaeherung-die-wettbewerbslogik-der-etablierten-parteien/48785" target="_blank">einig in der Ablehnung der neuen Alternativen</a>, besonders da, wo sie an einstige eigene Vorstellungen erinnern und hoffen, mit ihnen fertigzuwerden – ob durch Vereinnahmung oder Ausgrenzung oder auch nur hilflose Ver&#228;chtlichmachung. Insofern kann es gut sein, dass zwar in der Parteieinlandschaft eine neue attraktive Farbe aufscheint, aber diese vor der Best&#228;ndigkeit des grauen Untergrunds bald verblasst. Dann w&#228;re abermals eine Hoffnung der B&#252;rger auf politischen Wandel, der ihnen n&#252;tzt, dahin. Doch jede dieser Erfahrungen macht auch kl&#252;ger – f&#252;r die n&#228;chste, dann vielleicht erfolgreichere Unternehmung.</p>
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		<title>Landtagswahl an der Saar nach DDR-Muster</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Mar 2012 16:15:26 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Manchmal steht ein Wahlergebnis bereits fest, ehe die Wahllokale &#252;berhaupt ge&#246;ffnet sind. Das war in der DDR allgemeine Praxis und erlebt am Sonntag im Saarland eine Wiederaufnahme. Hier wie da kannte bzw. kennt man zwar die Zahlen und Prozente nicht, aber doch den Ausgang – und der hei&#223;t an der Saar »Gro&#223;e Koalition« aus CDU [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal steht ein Wahlergebnis bereits fest, ehe die Wahllokale &#252;berhaupt ge&#246;ffnet sind. Das war in der DDR allgemeine Praxis und erlebt am Sonntag im Saarland eine Wiederaufnahme. Hier wie da kannte bzw. kennt man zwar die Zahlen und Prozente nicht, aber doch den Ausgang<span id="more-3860"></span> – und der hei&#223;t an der Saar »Gro&#223;e Koalition« aus CDU und SPD oder SPD und CDU. Nichts anderes, ganz gleich, wie die W&#228;hler entscheiden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diese wissen das freilich bereits seit Anfang Januar, denn da beeilte sich der SPD-Spitzenmann Heiko Maas, nach dem Bruch der Jamaika-Koalition der CDU-Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zu versichern, <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/wahlkampf-im-saarland-heiko-oskar-und-die-voodoo-puppe-1803431.html" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/8194361a38d841209eafe9d414f79425" alt="" width="1" height="1" />dass er nach dem 25. M&#228;rz nur mit ihr und niemandem sonst regieren werde</a>, was auch immer das Wahlergebnis sei. Maas hofft nat&#252;rlich darauf, dass seine Partei ein paar Stimmen mehr erh&#228;lt als die CDU, auch wenn die Umfragen derzeit von einem Gleichstand ausgehen. Aber auch ein Sieg der CDU w&#252;rde ihm zwar in seinem Ego, nicht aber inhaltlich Probleme bereiten, liegt doch seine Partei mit ihren Positionen fast in allen Fragen auf der Unionslinie – und damit weit entfernt von einer alternativen sozialdemokratischen Politik. Punkt f&#252;r Punkt hatte Maas sich sp&#228;testens seit dem R&#252;cktritt von Peter M&#252;ller der CDU angen&#228;hert, am sichtbarsten mit der uneingeschr&#228;nkten <a href="http://ju-nonnweiler.de/?p=536" target="_blank">Akzeptierung der sozialstaatsfeindlichen Schuldenbremse</a>, die er bis in den Herbst 2011 strikt abgelehnt und deren Aufnahme in die Landesverfassung sich die Saar-SPD folglich lange verweigert hatte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein Alleinstellungsmerkmal in der SPD ist die zunehmende &#220;bereinstimmung mit der Union freilich nicht. Maas f&#252;gt sich damit vielmehr nahtlos in das strategische Konzept der Bundespartei ein, nach der Bundestagswahl 2013 auf jeden Fall wieder mitzuregieren was angesichts des irreparablen Ansehensverlustes der Sozialdemokraten in der W&#228;hlerschaft sowie des Endes der hochfliegenden Tr&#228;ume der Gr&#252;nen am ehesten in einer gro&#223;en Koalition mit CDU und CSU zu erreichen ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Solche Vorgaben aus der Berliner Parteizentrale machten es Maas auch leicht, die geforderte Unber&#252;hrbarkeitserkl&#228;rung gegen&#252;ber der Linkspartei abzugeben und sich damit uneingeschr&#228;nkt in die Ypsilanti-Falle zu begeben. Bekanntlich hatte die hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti 2008 angesichts eines Patts nach den Landtagswahlen erwogen, sich entgegen vorheriger Versicherungen mit Stimmen der Linkspartei zu Ministerpr&#228;sidentin w&#228;hlen zu lassen und war daraufhin <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/11/03/ypsilanti-scheitert-am-spd-rechtskurs/" target="_blank">von ihrer eigenen Partei demontiert worden</a>. Maas hat bereits ausgeschlossen, sich von der Linken, der in Umfragen um die 15 Prozent der W&#228;hlerstimmen vorausgesagt werden, zum Ministerpr&#228;sidenten w&#228;hlen zu lassen. Eher geht er als Juniorpartner in eine CDU-gef&#252;hrte Regierung – wie es eben f&#252;r 2013 auch die Bundes-SPD plant. Er ist nicht der Mann, sich gegen das Parteiestablishment zu stellen – wie es 2010 noch Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen getan hatte, indem sie mit den Gr&#252;nen eine Minderheitsregierung bildete, die sich nicht zuletzt wegen der partiellen Unterst&#252;tzung durch die Linken immerhin fast zwei Jahre halten konnte und ihr die M&#246;glichkeit gab, an Rhein und Ruhr wieder etwas Vertrauen f&#252;r ihre Partei aufzubauen.</p>
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		<title>Beate Klarsfeld gegen Joachim Gauck – Antifaschistin gegen Antikommunist</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2012 18:31:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Da war nur ein kurzes Z&#246;gern, dann hatte die Linkspartei mit der Nominierung Beate Klarsfelds als Herausforderin des vom politischen Mainstream gesetzten Bundespr&#228;sidentenkandidaten Joachim Gauck eine so souver&#228;ne wie zeitgem&#228;&#223;e Entscheidung getroffen und zugleich einmal mehr schlagartig klargemacht, um wieviel wichtiger der etablierten Politik von CDU/CSU und FDP &#252;ber die SPD bis zu den Gr&#252;nen der Kampf gegen jede Systemver&#228;nderung ist als der Widerstand gegen rechtsextremistische Tendenzen bis hin zum Wiederaufleben des Nationalsozialismus. <span id="more-3855"></span>Deren schnelles und euphorisches Votum f&#252;r den erkl&#228;rten Antikommunisten Gauck war eine eindeutige Botschaft, die noch dadurch an Gewicht gewinnt, dass die Antifaschistin Klarsfeld bis heute ein bevorzugtes Feindbild der Konservativen abgibt und auch – das zeigte ihre faktische Ignorierung durch SPD und Gr&#252;ne – dem rot-gr&#252;nen Lager im innersten Herzen ziemlich verd&#228;chtig ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Denn <a href="http://www.fr-online.de/politik/bundespraesidentenwahl-beate-klarsfeld--die-unbeirrbare,1472596,11898386.html" target="_blank">Beate Klarsfeld</a><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/dda623ab182f4620ba244f7e5f8de001" alt="" width="1" height="1" /> lie&#223; sich niemals auf ideologische Festlegungen ein. Was sie tat, tat sie stets im eigenen Auftrag, und sie lie&#223; sich darin auch nicht dadurch beirren, dass manche ihrer Helfer mit der Unterst&#252;tzung ganz eigene Ziele verfolgten. F&#252;r sie z&#228;hlte nur die Sache, und da verr&#228;t es viel &#252;ber den Zustand dieses Landes, dass es die Linke war, die sich jenseits aller ideologischen Bedenken f&#252;r Beate Klarsfeld entschied, w&#228;hrend vor allem die regierenden Unionsparteien stur in den Gr&#228;ben des kalten Krieges verharren. Sie sehen nicht einmal, wie das, was sie der Antifaschistin vorwerfen, unmittelbar auf sie zur&#252;ckschl&#228;gt, denn gerade <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article13916082/Klarsfeld-fuehlt-sich-erniedrigt-und-gedemuetigt.html" target="_blank">weil Klarsfeld in der Bundesrepublik stets verfolgt und ausgegrenzt wurde</a>, musste sie sich Hilfe anderswo suchen – und sie fand sie beinahe &#252;berall und &#252;ber zwischen ihren Unterst&#252;tzern durchaus bestehende ideologische Grenzen hinweg. Nur die alte Bundesrepublik sah und sieht in ihr bis heute den <a href="http://www.n-tv.de/politik/Klarsfeld-wird-hart-attackiert-article5728571.html" target="_blank">Feind, der zu bek&#228;mpfen, zumindest aber totzuschweigen ist</a>. Auch deshalb ist die Initiative der Linkspartei verdienstvoll; mit der Kandidatur verschaffte sie Beate Klarsfeld viel mehr Aufmerksamkeit in Deutschland, als sie je durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes h&#228;tte erwarten k&#246;nnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auf der anderen Seite <a href="http://www.zeit.de/news/2012-02/20/bundespraesident-joachim-gauck-ein-leben-fuer-die-freiheit-20115002" target="_blank">Joachim Gauck</a>, der konsequente Vertreter der Totalitarismus-Doktrin, mit der Nationalsozialismus und DDR-Sozialismus gleichgesetzt werden – ungeachtet dessen, dass der eine Berge von Leichen, der andere hingegen nur Berge von Akten hinterlie&#223;. Diese Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen hat auch bei <a href="http://starke-meinungen.de/blog/2012/03/05/noch-einmal-joachim-gauck-der-holocaust-israel-und-europa/" target="_blank">vielen, die einer Sympathie f&#252;r den Sozialismus v&#246;llig unverd&#228;chtig sind, Kritik ausgel&#246;st</a>; sogar von einer Verharmlosung des Holocaust wird gesprochen. Doch nicht nur seine Geschichtssicht, auch seine Philosophie ist von militantem Antikommunismus, den schon Thomas Mann die »Grundtorheit unserer Epoche« nannte, gepr&#228;gt, auch sein Freiheitsbegriff. Denn f&#252;r ihn beschr&#228;nkt sich Freiheit auf Freiheit von Systemver&#228;nderung, von politischer Alternative zum Kapitalismus und nat&#252;rlich von jeder Art von Kommunismus. Wer genau dies vertritt, ist in seinen Augen die Freiheit nicht wert und sollte – so hat er vor den Bundestagsabgeordneten der Linkspartei erkl&#228;rt – durchaus <a href="http://www.news.de/politik/855281142/joachim-gauck-bundespraesident-in-spe-will-linke-weiter-bespitzeln-lassen/1/" target="_blank">vom Verfassungsschutz &#252;berwacht werden</a>. Dass es Menschen geben k&#246;nnte, f&#252;r die Freiheit vor allem eine <a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-warum-gauck-der-falsche-praesident-ist/6320530.html" target="_blank">Freiheit von sozialer Ausgrenzung, von Existenzangst, von Armut ist, daf&#252;r hat er kein Gesp&#252;r</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Joachim Gauck wird kommenden Sonntag zum Bundespr&#228;sidenten gew&#228;hlt. Was wir dann von ihm zu erwarten haben, ist ungewiss vor allem deshalb, weil er es in seinem Leben auch immer verstanden hat, ungeachtet seiner inneren &#220;berzeugung ein ausgleichendes Verh&#228;ltnis zu seiner Umwelt herzustellen. Am deutlichsten ist das in der DDR geworden, wo es seitens der staatlichen Organe einschlie&#223;lich des MfS gen&#252;gte, ihn als Verantwortlichen f&#252;r den Kirchentag 1988 in Rostock ernst zu nehmen, um ihn zu einer »konstruktiven Haltung« zu bewegen. Danach schloss die Stasi sogar seine Akte, sei doch »ein ma&#223;geblicher Beitrag zur Disziplinierung von Larve (Gaucks Deckname – d. Verf.) erreicht«. Man sch&#228;tzte im November 1988 ein, »dass von ihm derzeit keine Aktivit&#228;ten ausgehen werden, die eine weitere Bearbeitung im OV erforderlich machen«. Und tats&#228;chlich blieb Gauck danach still – bis einen Tag nach der Entmachtung Erich Honeckers.</p>
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