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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>In der Bundesrepublik ist die &#220;berwachung Andersdenkender eine normale Sache</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 16:10:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat schon recht. Die »k&#252;nstlich erzeugte Aufregung« um die – zumindest im Bundestag – schon bald fl&#228;chendeckende Ausforschung der Linkspartei ist eigentlich nicht zu verstehen. Geh&#246;rt doch seit jeher zum Waffenarsenal eines Staates – &#252;ber alle ideologischen Grenzen hinweg – die &#220;berwachung seiner Kritiker, denn seinen Vertretern geht es schlie&#223;lich darum, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat schon recht. Die »k&#252;nstlich erzeugte Aufregung« um die – zumindest im Bundestag – schon bald fl&#228;chendeckende Ausforschung der Linkspartei ist eigentlich nicht zu verstehen. Geh&#246;rt doch seit jeher zum Waffenarsenal eines Staates – &#252;ber alle ideologischen Grenzen hinweg – die &#220;berwachung seiner Kritiker, denn seinen Vertretern geht es schlie&#223;lich darum, die ihnen dienlichen Verh&#228;ltnisse zu erhalten, den m&#252;hsam geschaffenen Herrschaftsstatus gegen alle Ver&#228;nderungsbem&#252;hungen abzusichern.</p>
<p>Um das zu begreifen, gen&#252;gt es v&#246;llig, einen Blick ins Verfassungsschutzgesetz von 1990 zu werfen<span id="more-3695"></span>, in dem als Aufgabe f&#252;r den bundesdeutschen Inlandsgeheimdienst keineswegs – wie mancher <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/verfassungsschutz-um-der-freiheit-willen-11626269.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/fa5a3ab5930444c4a8c2f153026bdc4f" alt="" width="1" height="1" />beflissene Propagandist des bestehenden Systems</a> glauben machen will – die Verteidigung von Freiheit und Demokratie formuliert ist, sondern aus gutem Grund die Aufkl&#228;rung von Bestrebungen, die <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/bverfschg/BJNR029700990.html" target="_blank">»gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind«</a>. Es geht also um die Erhaltung einer bestimmten Ordnung, n&#228;mlich der gerade bestehenden, die vorgibt, Freiheit und Demokratie gepachtet zu haben, woraus sie f&#252;r sich einen Ewigkeitsanspruch ableitet. Diesen gesetzlich und im Falle eines Geheimdienstes letztlich auch repressiv durchzusetzen, ist das Ziel der Beh&#246;rde, die sich meliorativ Verfassungsschutz nennt.</p>
<p>Tats&#228;chlich geht es also nicht um die Verteidigung der Verfassung oder gar der Demokratie, sondern um Zementierung eines politischen Systems. Das wurde in der DDR besonders akribisch und kompromisslos betrieben, in westlichen Staaten fehlt es aus verschiedenen Gr&#252;nden oft an solchem Perfektionismus, doch in der Grundtendenz sind die Ziele die gleichen, und auch bei den Methoden zeigen sich – wie wir jetzt eindrucksvoll best&#228;tigt bekommen – zunehmende &#196;hnlichkeiten. Jedenfalls sind die Zeiten vorbei, da man sich &#252;ber Video&#252;berwachung oder Abh&#246;raktionen, die Aussp&#228;hung Andersdenkender und die Einschleusung von Spitzeln in der DDR im Bewusstsein eigener Unfehlbarkeit glaubte emp&#246;ren zu k&#246;nnen. Und angesichts der aktuellen Argumentation erweist sich die gern ins Feld gef&#252;hrte Unterscheidung zwischen Rechtsstaat und Diktatur schnell als Schim&#228;re; wenn es um Machtfragen geht, h&#246;rt bei jedem Machthaber der Spa&#223; auf.</p>
<p><a href=" http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1660466/" target="_blank">Innenminister Friedrich</a> hat das gerade jetzt mit dankenswerter Klarheit best&#228;tigt. Er r&#228;umte nicht nur ein, dass Volksvertreter der Linkspartei bereits seit mehr als 16 Jahren &#252;ber die Beobachtung ihres &#246;ffentlichen Tuns hinaus nachrichtendienstlich &#252;berwacht werden, jedenfalls in den Akten des Bundesamtes f&#252;r Verfassungsschutz solche &#220;berwachungsergebnisse, woher auch immer, enthalten sind. Er musste auch zugeben, dass ihnen in dieser langen Zeit eine konkrete T&#228;tigkeit gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht nachgewiesen werden konnte, sondern dass sich seine Kritik fast ausschlie&#223;lich gegen die unerw&#252;nschte Gesinnung, die andere Meinung der Linken richtet: »&#8230; zum Beispiel, dass sich Teile der Linken nicht abgrenzen von linksextremistischer Gewalt, zum Beispiel, dass ihre Programmatik darauf gerichtet ist, einen marxistischen Staat zu errichten, zum Beispiel, dass sie die in Deutschland verbotene Guerilla-Organisation PKK in Teilen unterst&#252;tzen, &#8230; auch dass sie sich nicht distanzieren vom Unrechtsstaat der DDR, auch dass sie das kubanische Unrechtssystem offensichtlich ganz toll finden … Es gibt dort die Kommunistische Plattform, es gibt das Marxistische Forum, es gibt die Junge Linke, die ganz klar erkl&#228;ren, was sie von dieser parlamentarischen Demokratie halten, n&#228;mlich nichts, dass sie den Kampf au&#223;erhalb dieser Parlamente auf den Stra&#223;en f&#252;hren wollen, also es gibt da klare Erkl&#228;rungen.«</p>
<p>Den berechtigten Hinweis, dass es auch in anderen Parteien, einschlie&#223;lich von CDU und CSU, mitunter Meinungen und Aktivit&#228;ten gebe, die als Unterst&#252;tzung von Diktatoren gewertet werden k&#246;nnen, bezeichnete Friedrich als »l&#228;cherlich«, und dass sich die Linkspartei gegen eine solche Behandlung wehre, sieht er faktisch als zus&#228;tzliches Verdachtsmoment, »weil man offensichtlich einen g&#252;nstigen Moment glaubt, wo man sich als die Partei der Linken einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz entziehen kann«.</p>
<p>Der Minister f&#252;hlt sich im Recht, und das ist er auch. L&#228;ngst hat sich in der Bundesrepublik unter t&#228;tiger Mithilfe aller Parteien, die sie regieren bzw. regierten, eine gesetzlich abgesicherte Ordnung entwickelt, in der die &#220;berwachung Andersdenkender zur normalen Sache geworden ist.</p>
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		<title>&#8220;Stell Dir vor es ist Krieg und alle gehen hin&#8230;&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 20:10:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Rahn</dc:creator>
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		<description><![CDATA[  (rhe) In der Landeshauptstadt Dresden l&#228;dt das neu er&#246;ffnete Milit&#228;rhistorische Museum der Bundeswehr zu einer glanzvollen Begegnung mit 800 Jahren Gewalt und Verderben. Der j&#252;dische Stararchitekt Daniel Libeskind schuf dazu eine umstrittene r&#228;umliche Voraussetzung. Wer  auch Jacques Offenbachs Antikriegssatire „Gro&#223;herzogin von Gerolstein“ in der Dresdner Staatsoperette gesehen hat, denkt &#252;ber Utopien nach, die das 21. Jahrhundert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="mceTemp"> <strong></strong></div>
<div class="mceTemp"><strong>(rhe) In der Landeshauptstadt Dresden l&#228;dt das neu er&#246;ffnete Milit&#228;rhistorische Museum der Bundeswehr zu einer glanzvollen Begegnung mit 800 Jahren Gewalt und Verderben. Der j&#252;dische Stararchitekt Daniel Libeskind schuf dazu eine umstrittene r&#228;umliche Voraussetzung. Wer  auch Jacques Offenbachs Antikriegssatire „Gro&#223;herzogin von Gerolstein“ in der Dresdner Staatsoperette gesehen hat, denkt &#252;ber Utopien nach, die das 21. Jahrhundert aber nicht  bieten kann.</strong> <span id="more-3654"></span></div>
<p style="text-align: justify;">Nach sieben Jahren Bauzeit wurde im vergangenen Herbst mit einem ministeriellen Festakt das Milit&#228;rhistorische Museum der Bundeswehr er&#246;ffnet. Als die schon im Vorfeld von den Medien reichlich gew&#252;rdigte Schau f&#252;rs Publikum seine Pforten auftat, standen die Besucher Schlange. Die Mehrzahl von ihnen gewiss nicht nur, weil die Besichtigung von 800 Jahren Gewalt und Verderben vorerst nichts kostet.</p>
<p style="text-align: justify;"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/58eb69bd221647c7956bd597fe964b19" alt="" width="1" height="1" />F&#252;r ein Dutzend Journalisten aus Spanien, Frankreich, Tschechien, Italien und Deutschland boten die in f&#252;nf Etagen auf 19000 Quadratmetern platzierten 10500 Exponate gen&#252;gend Stoff f&#252;r Recherche und Urteil. Auch sie sind in die 210 000 Besucher einzurechnen, die bis zum Jahresende der neuen Dresdner Attraktion ihre Aufwartung machten.</p>
<div class="mceTemp">
<div id="attachment_3671" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/stell-dir-vor-es-ist-krieg-und-alle-gehen-hin/foto-presseteam-dresden-6/" rel="attachment wp-att-3671"><img class="size-medium wp-image-3671" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/foto-presseteam-dresden5-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Der &quot;Libeskind-Keil&quot; scheidet die Geister, auch die der Journalisten</p></div>
</div>
<p style="text-align: justify;">Man konnte gespannt sein, ob und wenn ja wie die Internetofferten des Veranstalters Bundes-wehr zu einem der gr&#246;&#223;-ten und modernsten mili-t&#228;rhistorischen Museen Europas zu verstehen sind. Zu einem Komplex, dessen Vorl&#228;ufer von 1972 bis zur Wende das Armeemuseum der DDR mit der Geschichte der NVA und dem ihrer B&#252;ndnispartner war.</p>
<p style="text-align: center;" align="center"><strong>Im Mittelpunkt stirbt der Mensch</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Informativ, multiperspektivisch, kritisch modern, forschungsaktuell wolle sich das brandneue  Angebot pr&#228;sentieren, mit dem ohne Pathos eine kritische Auseinandersetzung angestrebt werde. Im Mittelpunkt der Dauerausstellung stehe der Mensch „mit all seinen &#196;ngsten, Hoffnungen, Leidenschaften, Erinnerungen, Trieben, mit Mut, Vernunft und Aggressionsbereitschaft.“ Sie zeige Bausteine der Kulturgeschichte von Gewalt und Verderben, dessen Wesen und Ursache. Milit&#228;r solle nicht nur als Institution, sondern auch als Faktor wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und gesamt&#246;ffentlichen Lebens verstanden werden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière: „Die Neukonzeption des neuen Museums bietet ungewohnte Lesarten der Milit&#228;rge-schichte.“ Es provoziere und sei &#8211; im besten Sinne &#8211; anst&#246;&#223;ig.</p>
<p style="text-align: justify;">Im medialen Schatten, der &#252;ber das nach einem Entwurf von Libeskind mit einem Kostenaufwand von 62,5 Millionen Euro um einen Neubau – „den Keil“ &#8211; erweiterte historische Arsenalgeb&#228;ude von 1877 am Olbrichtplatz fiel, finden sich mehr Fragen als Antworten zum Thema Krieg, Gewalt und die Deutschen. Die v&#246;llig neu konzipierte Ausstellung zu 800 Jahren deutscher Milit&#228;rgeschichte erf&#228;hrt oft wohlwollende Zustimmung, einzeln die kritische Analyse, hin und wider auch konstruktive Vorschl&#228;ge. F&#252;r manche Autoren ist die mit dem Angebot verbundene Zumutung unerkl&#228;rbar. Nicht wenige Besucher halten im G&#228;stebuch offensichtliche, aber behebbare M&#228;ngel in der Pr&#228;sentation fest. Einzelne lehnen – hoch emotionalisiert &#8211; die Schau demonstrativ als unzumutbar ab: „Schade um das viele Geld!“</p>
<p style="text-align: justify;">Dem „braunen Geist“ widmet sich der Leserbrief in einem hauptst&#228;dtischen Blatt. Man k&#246;nne sich in der neuen Ausstellung an Hakenkreuzen satt sehen. „Selbst die in feudaler Manier geschaffenen &#214;lgem&#228;lde eitler Selbstdarstellung der nazistischen Wehrmachtsgr&#246;&#223;en wurden vom M&#252;llplatz der Geschichte geholt…&#8221; Die Beitr&#228;ge des Literaten Kurt Tucholsky zum deutschen Militarismus habe er dort vergebens gesucht, was bei dem Hauptgeldgeber dieser „Histroy Show“, der Bundeswehr, auch nicht verwundern k&#246;nne. „Wer auf der Suche nach dem braunen Geist in der deutschen Gesellschaft ist, wird hier gewiss f&#252;ndig“.</p>
<p style="text-align: center;" align="center"><strong>Krieg und Gewalt als Touristenmagnet ? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Keine Frage – der  Reporter hat solche Stimmen ernst zu nehmen. F&#252;r ihn ist  die von sachkundigen „G&#228;stef&#252;hrern“ begleitete informative Visite allerdings auch mit hohem Erkenntnisgewinn verbunden: direkte Konfrontation mit einem schwer erkl&#228;rbaren negativen Ph&#228;nomen der Menschheitsgeschichte.</p>
<p style="text-align: justify;">Das konzeptionelle Anliegen der  Macher vom milit&#228;rischen Dienst wird durch die von ihnen gew&#228;hlten unterschiedlichen Rezeptionsvarianten &#8211; thematischer Querschnitt, chronologischer Rundgang -  Herausforderung, Zumutung und Provokation zugleich.  Wie Krieg in unterschiedlichen Erscheinungsformen funktionieren kann, zeigen pomp&#246;se Schlachtengem&#228;lde, Bilder von zerst&#246;rten St&#228;dten und Zivilisten,  letzte Briefe  sterbender Soldaten. Memoiren fragw&#252;rdiger Kriegshelden, aufhellende Dokumente zur Produktion von Waffen.  Auch Minipanzer f&#252;r Jugendliche und Kriegsspielzeug f&#252;r Kinder werden vorgef&#252;hrt. Verblassen die Schrecken des realen Krieges nicht hinter einer zu gro&#223;en Zahl gl&#228;nzend aufpolierter Exponate?</p>
<p style="text-align: justify;">Wohin der Krieg die Menschheit f&#252;hrt und wer die Opfer sind, dar&#252;ber wird also in Dresden Mitteilung gemacht. Wer aber sind die wirklichen T&#228;ter? Wer braucht den Krieg? F&#252;r welchen Zweck?  Die Frage aller Fragen: Wer waren &#252;ber acht  Jahrhunderte  die &#8220;Kriegsgewinnler&#8221; und wer sind heute die wirklichen Profiteure? Besteht Aussicht  auf dauerhaften Frieden?</p>
<p style="text-align: justify;">Ob sich die Mehrheit von Besuchern dieser heiligen Hallen des Krieges solche Fragen stellt, bleibt nur zu hoffen. Da die Materie schwierig und die Zusammenh&#228;nge oft kompliziert sind, gibt es, wie Presseoffizier Major Alexander Georgi gegen&#252;ber Blogsgesang erkl&#228;rt, bis dato mehr als 750 G&#228;stef&#252;hrungen &#8211; Schulklassen, Soldaten, Vereine, Brigaden, Familien – „die Dialog f&#246;rdernd Zusammenh&#228;nge und Hintergr&#252;nde sichtbar machen sollen“. Au&#223;erdem w&#228;ren Sonderausstellungen geplant. Beispielsweise im Februar zur Kriegsfotografie von James Nachtway. Der so ber&#252;hmt wie umstrittene hoch dekorierte Amerikaner wurde gerade bei einem Einsatz f&#252;r das US-Magazin „Time“ im Irak schwer verletzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Dezember  soll  der 70. Jahrestag der Stalingrader Schlacht  ins Programm. Um ein Ereignis zu w&#252;rdigen, das dem Verlauf des Zweiten Weltkrieges eine entscheidende Wende gab. Hitler &#8211; dessen Machwerk und &#8220;Vorbote&#8221; des Krieges „Mein Kampf“ in diesen Tagen auszugsweise und kommentiert auf den Markt profitorientierter Eitelkeiten kommt – hatte dazu mit „Barbarossa“ (s)einen Plan geliefert. Eine „Erf&#252;llung“ war von der Geschichte nicht vorgesehen. &#220;ber den Dresdener „Anteil“ an den &#252;ber 50 Millionen Toten gibt die Ausstellung Auskunft.</p>
<p style="text-align: center;" align="center"><strong>Das Gewehr, aus dem kein Schuss f&#228;llt</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Eine Antwort anderer Art auf die existentielle Frage Krieg oder Frieden hat Jacques Offenbach mit seiner „Gro&#223;herzogin von Gerolstein“ gegeben. Der Sensationserfolg der Pariser Weltausstellung von 1867 handelt von einem Krieg, der am Ende gar nicht stattfindet. Im Mittelpunkt steht Grenadier Fritz, der in den drei Opèra-bouffe-Akten von der Gro&#223;herzogin binnen kurzer Zeit vom einfachen Soldaten zum General und, weil er ihren mannstollen Avancen nicht folgen will, wieder zur&#252;ck bef&#246;rdert wird.</p>
<div id="attachment_3656" class="wp-caption alignleft" style="width: 288px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/stell-dir-vor-es-ist-krieg-und-alle-gehen-hin/foto-grosherzogin-von-gerolstein/" rel="attachment wp-att-3656"><img class="size-medium wp-image-3656" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/foto-gro&#223;herzogin-von-gerolstein-278x300.jpg" alt="" width="278" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Das unsterbliche Duo: Gro&#223;herzogin von Gerolstein und Grenadier Fritz</p></div>
<p style="text-align: justify;">Mit der turbulenten Hand-lung verbunden sind ein B&#252;ndel von Anspielungen. Auf die russische Zarin Katharina II., auch auf die verderbliche Expansions-politik Preu&#223;ens, das seiner Zeit gerade dabei ist, die Verh&#228;ltnisse in Europa per Krieg und Gewalt neu zu ordnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die paradoxerweise an der Front spielende Dresdner Inszenierung stellt in Rech-nung, dass absehbar der – nun modernisierte &#8211; Krieg auch im 21. Jahrhundert rund um den Erdball als Mittel der Politik zum Zwecke von Machterhalt und Machtgewinn weiterhin seine verdammenswerte unheilvolle Rolle spielt. Insofern wird  dem Besucher hier – Rakete und Flugzeug fehlen nicht! &#8211; konsequent ein Panoptikum aller Kriege der Weltgeschichte, auch der zuk&#252;nftigen, eindrucksvoll in Szene gesetzt. Ungeachtet dessen aber bleibt ein Krieg, der – aus welchen dubiosen Gr&#252;nden auch immer &#8211; nicht stattfindet, weiterhin eine begr&#252;&#223;enswerte Utopie. Die Hoffnung darauf stirbt zuletzt.</p>
<p style="text-align: center;" align="center"><strong>Sch&#246;nste Frau, sch&#246;nster Milchladen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Hoffnung auf  Frieden kommt auf  bei der Besichtigung von Raffaels Sixtinischer Madonna mit dem Jesuskind im Arm.  Die Galerie Alte Meister folgt dem  Besuch von Milit&#228;rmuseum und Staatsoperette.  Von diesem weltbe-r&#252;hmte Meisterwerk der italienischen Renaissancesollen  sollen Goethe, Ibsen und Hebbel „verz&#252;ckt“, Dostojewski dagegen eher „entt&#228;uscht“ gewesen sei. Der Reporter steht, inmitten von Touristen aus Japan und Russland, in stiller Andacht vor diesem Werk.</p>
<div id="attachment_3664" class="wp-caption alignright" style="width: 230px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/stell-dir-vor-es-ist-krieg-und-alle-gehen-hin/blog12-foto-sixtinsiche-madonna-2/" rel="attachment wp-att-3664"><img class="size-medium wp-image-3664" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/blog12-foto-Sixtinsiche-Madonna1-220x300.jpg" alt="" width="220" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Raffaels Sixtinische Madonna: ein italienisches Meisterwerk seit 250 Jahren zu Gast in Dresden</p></div>
<p style="text-align: justify;">Welchselbiges eine gro&#223;e Sonder-ausstellung mit insgesamt rund 140 Objekten kr&#246;nen soll.  Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden feiern vom 26. Mai bis 26. August Raffaels Kultbild unter dem Titel „Die sch&#246;nste Frau der Welt wird 500“.</p>
<h3 style="text-align: center;">***</h3>
<div class="mceTemp" style="text-align: justify;">Nicht ganz so spektakul&#228;r, daf&#252;r aber im Guinness-Buch der Rekorde ge-f&#252;hrt, ist der „sch&#246;nste Milchladen der Welt“. Im Molkereiladen der Gebr&#252;der Pfund gibt eine Urkunde Auskunft &#252;ber  den „Rekord sch&#246;nster Milch-laden der Welt, ausgestattet mit 247,90 Quadratmetern handbemalter Fliesen“. Davon erfahren  die von Dresden Marketing vorz&#252;glich betreu-ten und gef&#252;hrten Journalisten auf der mit 22 Haltestellen ausgewiesenen Sightseeing Bustour. Vom Wei&#223;en Hirsch herkommend, in dem Uwe Tellkamps bei Suhrkamp erschienene 1000-Seiten-Familiensaga „Der Turm“ ma&#223;geblich spielt. Eine brisante Passage darin ist  in den achtziger Jahren bei der NVA angesiedelt. Die ausgediente  Armee hat jetzt im neuen Milit&#228;rmuseum der Bundeswehr ihren historischen Platz…</div>
<p style="text-align: justify;">
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		</item>
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		<title>Das &#8220;Gr&#252;ne Band&#8221; und seine Perlen lassen nochmals gr&#252;&#223;en&#8230;</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/das-grune-band-uns-seine-perlen-lassen-nochmals-grusen/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 13:19:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Rahn</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im fr&#228;nkischen Bad Rodach ticken seit &#252;ber zwei Jahrzehnten die Uh­ren wieder einheitlich. Nachtw&#228;chter verk&#252;nden dem Gast die alte und neue Zeit mit ihren oft gar erschr&#246;cklichen Begebenheiten. An der einst deutsch-deutschen Grenze wird sichtbar, wie aktuell regionale Geschichte sein kann. Zu der auch die Stadt Coburg mit ihrer Veste z&#228;hlt. Report von Rudolf Hempel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im fr&#228;nkischen Bad Rodach ticken seit &#252;ber zwei Jahrzehnten die Uh­ren wieder einheitlich. Nachtw&#228;chter verk&#252;nden dem Gast die alte und neue Zeit mit ihren oft gar erschr&#246;cklichen Begebenheiten. An der einst deutsch-deutschen Grenze wird sichtbar, wie aktuell regionale Geschichte sein kann. Zu der auch die Stadt Coburg mit ihrer Veste z&#228;hlt.</strong></p>
<p align="center"><strong>Report von Rudolf Hempel aus einer Region mit Vergangenheit und Zukunft – 2. Teil</strong><span id="more-3589"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Im vergangenen August erhielt der Blogsgesang-Leser die unter Geschichts­buch/Kulturbuch ver&#246;ffentlichte ganz und gar verwunderliche und bemer-kenswerte Kunde von einer <a href="http://www.blogsgesang.de/2011/08/26/das-grune-band-und-seine-perlen-lassen-grusen/" target="_blank">Reise erlebnisorientierter Berliner Journalisten ins fr&#228;nkischen Bad Rodach</a>. Zu einem Ort jenseits der th&#252;ringischen Grenze, von dem w&#228;hrend der deutschen Teilung die son­derbare Rede ging „Im Norden, Westen und S&#252;den war Osten, nur im Osten war Westen“.</p>
<p style="text-align: justify;"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/0e070a06d9a148c6913c2c6f65212f23" alt="" width="1" height="1" />Fachwerkromantik, Kurklinik und Thermalbad, ein sch&#246;n aufpolierter Marktplatz mit inhalts­reichem Heimatmuseum, der Runde Turm und die Nachw&#228;chter, eine Waldb&#252;hne in Heldritt, Hotels und Restaurants. Von vielerlei Begegnungen mit gastfreundlichen Menschen, die die­ser Region ihre personelle Pr&#228;gung geben, war des Berichtes erster Teil.</p>
<div class="mceTemp">
<div id="attachment_3601" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/das-grune-band-uns-seine-perlen-lassen-nochmals-grusen/p1020236-2/" rel="attachment wp-att-3601"><img class="size-medium wp-image-3601" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/P10202361-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Mit Borderland Tours an die Grenze: &quot;Raus aus dem Alltag - rauf auf die Maschine&quot;</p></div>
</div>
<p style="text-align: justify;">Dem nun ein zweiter folgt, der auf seine Weise einen Hinweis vermittelt auch auf die 230 000 j&#228;hrlichen G&#228;ste&#252;ber- nachtungen. Und der uns dorthin f&#252;hren soll, wo die Geschichte einer Region in Franken und Th&#252;ringen sichtbar wird, die 40 Jahre lang geteilt war. „Bad Rodach &#8211; da leb ich gern!“ &#8211; dieser Wegweiser f&#252;hrt in einer sanften, h&#252;geligen Land-schaft zum Zwei­l&#228;ndermuseum Rodach-tal. Dorthin kann man auf vielerlei Art und Weise gelangen. Tou­risten aus ferner Gegend benutzen gern den eigenen PKW, Wanderfreunde gehen auf „Grenz­g&#228;n­gertour“, andere Besucher nehmen das Fahrrad. Es ist aber auch denkbar, sich mit „Border­land Tours“ in eine Region zu begeben, in der sich die Natur – aus Teilungsgr&#252;nden &#8211; lange Zeit weitgehend unber&#252;hrt entwickeln konnte.</p>
<div id="attachment_3592" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/das-grune-band-uns-seine-perlen-lassen-nochmals-grusen/p1020179/" rel="attachment wp-att-3592"><img class="size-medium wp-image-3592" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/P1020179-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Museum als St&#228;tte der Besinnung</p></div>
<p style="text-align: justify;">Der Rundgang durch die im l&#228;ndlichen Fachwerk errichtete Gedenkst&#228;tte zeigt dem Besucher eine auch in seinem geogra-fischen Bezug darge-stellte Region um das Jahr 1900. Dem gesell­schaftliche, politische, technische und wirt-schaftliche Umw&#228;lzungen bis ins 21. Jahrhundert folgen. Im Zentrum bleibt dabei immer das Erlebnis der Menschen in ihren D&#246;r­fern und kleinen St&#228;dten. Am Beispiel von Fotos, Dokumenten, Bildern, Landkarten und di­versen Unikaten wird sichtbar, wie es im Kaiserreich mit Kindheit und Bildung bestellt war, welche technischen Aspekte den Ersten Weltkrieg begleiteten, wie das „gew&#246;hnliche Volk“ in der Weimarer Republik und im Dritten Reich lebte.</p>
<div class="mceTemp">
<div id="attachment_3621" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/das-grune-band-uns-seine-perlen-lassen-nochmals-grusen/p1020178-4/" rel="attachment wp-att-3621"><img class="size-medium wp-image-3621" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/P10201783-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Blick auf eine brisante fr&#228;nkische Region</p></div>
</div>
<p style="text-align: justify;">Auf die Planwirtschaft sollte die Markt­wirt­schaft folgen. Mit dieser historischen Logik kommen auch die Friedliche Revolution und die Grenz&#246;ffnung 1989 ins Blickfeld. Ein Foto zeigt Demon-stranten mit einem selbstgebauten Holz-plakat: „Holzhausen liegt am Arsch der Welt, nun wird es Zeit, das die Grenze f&#228;llt!“</p>
<div class="mceTemp" style="text-align: justify;">Wessen Bedarf nach spannungsgeladener Re-gionalgeschichte mit dem Besuch des Muse-ums noch nicht gedeckt ist, kann sich auf die Au&#223;enroute des Zweil-&#228;ndermuseums begeben. Elf Stationen zeigen unterschiedliche Aspekte des Lebens im Sperr-gebiet, vom Aufbau der Grenzanlagen und der Aktion „Ungeziefer“ im Jahre 1952. Auf einer Tafel steht: <strong>„<em>Wanderer, der Du vor&#252;ber gehst, verweile. Gedenke der j&#252;ngsten deutschen Geschichte. / Hier stand seit 1340 das Dorf Billmuthausen – 1978 zerst&#246;rt, seine Einwohner vertrieben“. </em></strong></div>
<p style="text-align: justify;">Ein Gedenkstein zeigt das Foto mit der Bildunterschrift<em>: <strong>Fr&#252;herer Standort der Kirche – Abriss Januar 1965. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify;">Dann auf dem Friedhof die Begegnung mit einem &#228;lteren Ehepaar. Angereist von weiter her, pflegen sie das Grab eines entfernten Verwandten. Das Gespr&#228;ch macht unsichtbar sichtbar, dass und wie die Geschichte der Deutschen mitten durch die Familien gegangen ist. Bei Adel­hausen &#252;berquert der Besucher erneut das Gr&#252;ne Band und somit eine der ersten Grenz&#252;ber­g&#228;nge der Region: Hier wurde am 18. November 1989 die alte Verbindungsstra&#223;e zwischen Hildburghausen und Coburg wieder ge&#246;ffnet.</p>
<p style="text-align: justify;">Tafel, Gedenkstein, Zufallsbegegnung und Grenz&#252;bergang r&#252;hren den Besucher an Herz, Gem&#252;t und Gewissen, aber auch an das Verst&#228;ndnis von der Geschichte seines Volkes. An der er – auf die eine oder andere Weise – direkt oder auch nur mittelbar beteiligt gewesen ist</p>
<div class="mceTemp mceIEcenter">
<div id="attachment_3606" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/das-grune-band-uns-seine-perlen-lassen-nochmals-grusen/p1020221-2/" rel="attachment wp-att-3606"><img class="size-medium wp-image-3606" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/P10202211-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Das Modell der Veste in der Veste Coburg</p></div>
</div>
<p style="text-align: justify;">Geschichte in reich-lichem Ma&#223;e begegnet den Journalisten aus Berlin auch in Coburg. Nur 17 Kilometer betr&#228;gt die Entfernung von Bad Rodach in die Residenz-stadt des einsti-gen Her­zogtums Sachsen-Coburg und Gotha, die mit einer geschickten Heirats-politik die Herrscher­h&#228;uer Europas eroberte. Als die ber&#252;hmteste Hochzeit gilt die zwischen Queen Victoria von Gro&#223;britannien und Prinz Albert von Sachsen-Coburg geschlossene. Im &#220;brigen spiegeln die Herzogschl&#246;sser Veste Coburg, Ehrenburg, Callenberg und Rosenau die Geschichte mit einer Vielzahl attraktiver Sachzeugen und Dokumente eindrucksvoll wider.</p>
<div id="attachment_3596" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/das-grune-band-uns-seine-perlen-lassen-nochmals-grusen/p1020229-2/" rel="attachment wp-att-3596"><img class="size-medium wp-image-3596" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/P10202291-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Mit der Bimmelbahn durch die Stadt zur Burg</p></div>
<p style="text-align: justify;">Mit ihren Geb&#228;uden, T&#252;rmen, Wehrmauern und Bastionen z&#228;hlt Insonderheit die Veste Co­burg zu den gr&#246;&#223;ten Burganlagen Deutschlands. Martin Luther fand hier fast ein halbes Jahr Zuflucht. Allhier arbeitete er an der &#220;bersetzung von Teilen der Bibel, verfasst Bekennt-nisse und Streitschriften. Nat&#252;rlich hat er auch gepredigt – &#252;ber die Osterfeiertage des Jahres 1530 in der Kirche St. Moritz.</p>
<p style="text-align: justify;">Vom Walzerk&#246;nig Johann Strauss geht die M&#228;r, er sei aus Liebe Coburger B&#252;rger geworden. Bedeu-tende Kunstsammlungen &#8211; Gem&#228;lde, Kupferstiche, Waffen, R&#252;stungen, Kutschen. Pup­pen und Spielzeug – ziehen die Besucher an. Das Weihnachtsmuseum und das Europ&#228;ische Museum f&#252;r Modernes Glas nicht zu vergessen. Zu Kriegsende hatte es gegen die Veste Ar­tilleriebeschuss und nachfolgend schwere Bau- und Sachsch&#228;den gegeben. Schon ab 1946 begannen die Instandsetzungs- Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten unter Leitung der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schl&#246;sser, G&#228;rten und Seen.</p>
<div id="attachment_3597" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/das-grune-band-uns-seine-perlen-lassen-nochmals-grusen/p1020202/" rel="attachment wp-att-3597"><img class="size-medium wp-image-3597" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/P1020202-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Der Markt - Zentrum einer fr&#228;nkischen Metropole</p></div>
<p style="text-align: justify;">Das ganze Jahr &#252;ber macht der Coburger Markt mit seiner Vielzahl von St&#228;nden von sich re­den. Hier werden nicht nur in H&#252;lle und F&#252;lle Obst, Gem&#252;se, Pflanzen und sch&#246;ne Blumen, sondern beispielsweise auch die vorz&#252;gliche fr&#228;nkische Bratwurst angeboten. Als Events der besonderen Art gelten Klo&#223;markt, Zwie-belmarkt, Martinimarkt und Weihnachtsmarkt, nicht zu vergessen die Museumsnacht im Mai. Feste sind dem Fr&#252;hling, den Puppen, dem Vogel­schie&#223;en oder auch der Samba gewidmet &#8211; jeweils im Juli ziehen die T&#228;nze ihr Publikum aus aller Welt in ihren Bann.</p>
<h2 style="text-align: center;" align="center">Die „andere Seite“ von Coburg</h2>
<p style="text-align: justify;">Zur „positiven“ Geschichte Coburgs, &#252;ber die ein Anzahl qualifizierter G&#228;stef&#252;hrer rund um das Jahr Auskunft geben, geh&#246;ren zweifellos all die gl&#228;nzenden Zeugnisse herzoglicher Exis­tenzen, von der auch das eine oder andere Denkmal an zentraler Stelle des Ortes Auskunft gibt.</p>
<div id="attachment_3598" class="wp-caption alignleft" style="width: 218px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/24/das-grune-band-uns-seine-perlen-lassen-nochmals-grusen/foto-coburg-grunes-band/" rel="attachment wp-att-3598"><img class="size-medium wp-image-3598" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/foto-coburg-gr&#252;nes-band-208x300.jpg" alt="" width="208" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ehrung f&#252;r Georg Hansen in Coburg</p></div>
<p style="text-align: justify;">In der &#246;ffentlichen Wahrnehmung weniger beachtet ist ein anderes historische Faktum. In der oberfr&#228;nkischen Stadt stellten die Nazis schon 1929 (!) reichsweit den ersten B&#252;rgermeister und die Mehrheit im Stadtrat. Auf diesen alles andere als r&#252;hmenswerten Umstand macht der Beitrag „Stolz und Wut auf einen Helden“ aufmerksam, ver&#246;ffentlicht am 21. Juli 2011 im Neuen Deutschland. Darin geht es um das schwer ertragbare Erbe von Frauke Hansen als Tochter eines im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 hingerichteten Oberst Hansen.</p>
<p style="text-align: justify;">In diesem Kontext ergibt sich zum Zeitpunkt der Ver&#246;ffentlichung die Frage, ob reicht, was die Stadt Coburg (Ausstellung in der Stadtbibliothek 2010, Stolperstein) unternimmt, um den heimischen Widerstandsk&#228;mpfer zu ehren. Vielleicht tragen die langj&#228;hrigen Nachforschun­gen der Historikerin Franziska Bartl eines Tages dazu bei, „dass es in Coburg doch noch eine Hansen-Stra&#223;e gibt.“ Darauf k&#246;nnten dann die Stadtf&#252;hrer ebenfalls Bezug nehmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch in diesem „Fall“ geht es also, &#228;hnlich wie im Zweil&#228;ndermuseum Rodachtal, um deut­sche Geschichte und ihre Aktualit&#228;t. Eine Herausforderung auf andere Art nicht geringer.</p>
<p style="text-align: center;">+++</p>
<p style="text-align: justify;">Wem diese Erinnerungen an den Besuch in der fr&#228;nkischen Region nicht ausreichen, der m&#246;ge einen Blick auf das <a href="http://coburg-tourist.de/reiseblog/das-rodachtal/" target="_blank">Reiseblog von f&#252;nf Studierenden der European School of Design</a> aus Frankfurt werfen, die sich f&#252;r einige Tage aufgemacht hatten, die th&#252;ringisch-bayerische Grenzregion und das gesamte Rodachtal zu erkunden und Ihre Eindr&#252;cke und Erlebnisse festzuhalten &#8211; oder  sich vertrauensvoll direkt an eine dort zust&#228;ndige Person wenden. Sie hat ma&#223;geblich zum Erfolg dieser hier nur in Umrissen beschriebenen Exkursion in ein „unbekanntes Gebiet“ beigetragen, das dem Reporter nun um vieles n&#228;her ist: Gabriele Lippmann ThermeNatur, Thermalbadstra&#223;e 18, 96476 Bad Rodach, Tel./Fax: 095649232-20/12; Mobil 0151-12147689. <a href="&#109;&#97;&#105;&#108;&#116;&#111;&#58;&#103;&#97;&#98;&#114;&#105;&#101;&#108;&#101;&#46;&#108;&#105;&#112;&#112;&#109;&#97;&#110;&#110;&#64;&#98;&#97;&#100;&#45;&#114;&#111;&#100;&#97;&#99;&#104;&#46;&#100;&#101;">&#103;&#97;&#98;&#114;&#105;&#101;&#108;&#101;&#46;&#108;&#105;&#112;&#112;&#109;&#97;&#110;&#110;&#64;&#98;&#97;&#100;&#45;&#114;&#111;&#100;&#97;&#99;&#104;&#46;&#100;&#101;</a>. Jeder Besucher ist ihr herzlich willkommen…</p>
<p style="text-align: justify;">
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		<title>Saarl&#228;ndisches Passspiel zwischen CDU und Linkspartei</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 18:45:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Minibuch]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Jamaika-Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Kramp-Karrenbauer]]></category>
		<category><![CDATA[Lafontaine]]></category>
		<category><![CDATA[Linkspartei]]></category>
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		<category><![CDATA[SPD]]></category>

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		<description><![CDATA[(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer<span id="more-3584"></span> das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis durch eine stabilere Koalition mit der SPD zu ersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>F&#252;r sie war klar, dass sie in der Regierung mit FDP und Gr&#252;nen, beide unsichere Kantonisten, nur verlieren konnte; vor allem die CDU w&#252;rde nach dem absehbaren Koalitionsbruch als Verlierer dastehen. Also trat sie die Flucht nach vorn an, beendete selbst das B&#252;ndnis und machte unverz&#252;glich der SPD ein Angebot, das dieser endlich das Mitregieren, ihr aber das Weiterregieren sicherte. Im besten Falle w&#252;rden die Sozialdemokraten um winkender Ministerposten willen sogar sie selbst weiter als Ministerpr&#228;sidentin akzeptieren. Im wahrscheinlicheren – und <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/vor-neuwahl-im-saarland-zaudern-zoegern-taktieren-11616784.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2c20f74ea6a34500aae519aeee46be01" alt="" width="1" height="1" />nun eingetretenen</a> – Fall von Neuwahlen bliebe ihr zumindest die Chance auf ein Resultat, das zum gleichen Ergebnis f&#252;hrte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hintergrund einer solchen Hoffnung ist ein saarl&#228;ndisches Alleinstellungsmerkmal f&#252;r die westlichen Bundesl&#228;nder, n&#228;mlich die einmalige <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/216308.linke-will-wieder-dritter-werden.html" target="_blank">St&#228;rke der Linkspartei</a>. Bei den Landtagswahlen 2009 errang sie mit ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine, der dort schon einmal f&#252;r die SPD eine sehr erfolgreicher Ministerpr&#228;sident war, 21,3 Prozent der Stimmen, nur 3,2 Prozent weniger als die Sozialdemokraten. Daf&#252;r, dass dies wiederholbar ist, gibt es zwar keine Garantie, aber ein sehr ordentliches zweistelliges Resultat ist f&#252;r die Linke durchaus drin; es w&#252;rde vermutlich erneut vor allem zu Lasten der SPD gehen. Genauso d&#252;rfte Kramp-Karrenbauer kalkulieren, auch wenn Umfragen aus dem letzten Jahr die Sozialdemokraten knapp vorn sahen. Sie ist also durchaus an einem guten Wahlergebnis der Linken interessiert, denn dies k&#246;nnte sich als steiler Pass in den gegnerischen Strafraum erweisen, mit dem sich bei eigener guter Leistung der erw&#252;nschte Erfolg sicherstellen lie&#223;e.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber auch f&#252;r die Linkspartei ergibt sich daraus eine unerwartete Chance. Sie kann – im Kleinversuch – ausprobieren, ob eine wahrhaft alternative Politik zum entfesselten Kapitalismus, wie sie Oskar Lafontaine glaubw&#252;rdig vertritt, w&#228;hlerwirksam ist, woran j&#252;ngst Zweifel aufgekommen sind. Nachdem ihre Unterwerfung unter den – wenn auch sozialdemokratisch angehauchten – vorgeblich alternativlosen Politikstil in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und vor allem Berlin bereits gescheitert ist und in Brandenburg ebenfalls zu scheitern droht, ist dies ihre vielleicht letzte M&#246;glichkeit, als eigenst&#228;ndige Kraft wahr- und dann auch angenommen zu werden. Dass ihr die ausgerechnet die CDU verschafft, belegt einmal mehr die Ironie der Geschichte, die sich von ideologischen Grenzziehungen nicht beeindrucken l&#228;sst.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Ritt in die falsche Richtung                        &#8211;               Zum 300. Geburtstag von Preu&#223;enk&#246;nig Friedrich II.</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2012/01/18/der-ritt-in-die-falsche-richtung/</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 10:30:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Rahn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichtsbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturbuch]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundespräsident Wulff]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Daniel Rauch]]></category>
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		<category><![CDATA[Preußenkönig Friedrich II.]]></category>
		<category><![CDATA[Unter den Linden]]></category>

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		<description><![CDATA[(rhe) Hans Bentzien, Kulturminister in der DDR, erinnert sich an eine Odyssee des bronzenen Reiterdenkmals „Alter Fritz“. Welches Honecker 1980 wieder in Berlin Unter den Linden aufstellen lie&#223;, nachdem es vorher in Potsdam nur mit M&#252;he, Not und einiger List vor dem Einschmelzen bewahrt werden konnte. *** Prolog *** Das Jubil&#228;um  Friedrich des Gro&#223;en am 24. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3 style="text-align: center;"><span style="color: #888888;"><em>(rhe) Hans Bentzien, Kulturminister in der DDR, erinnert sich an eine Odyssee des bronzenen Reiterdenkmals „Alter Fritz“. Welches Honecker 1980 wieder in Berlin Unter den Linden aufstellen lie&#223;, nachdem es vorher in Potsdam nur mit M&#252;he, Not und einiger List vor dem Einschmelzen </em></span><span style="color: #888888;"><em>bewahrt werden konnte</em>.<span id="more-3519"></span></span></h3>
<h2 style="text-align: center;">*** Prolog ***</h2>
<p style="text-align: justify;"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/819d109fc0184590bfc7c1d3e66787cd" alt="" width="1" height="1" />Das Jubil&#228;um  Friedrich des Gro&#223;en am 24. Januar ist gegenw&#228;rtig in aller Munde. Das Ereignis droht sogar die von der Zeitung mit den VIER Buchstaben losgetretene „Causa Wulff“, eine euphorisch-verlogene mediale Selbstdarstellungskampagne um seinen be­dau­ernswerten „Nachfolger im Amt“, in den Schatten zu stellen. Der umstritten gefeierte Preu­&#223;enk&#246;nig wird in Berlin und Brandenburg mit einem von &#252;berschw&#228;nglicher Verehrung wie gleichzeitiger Distanzlosigkeit gepr&#228;gten Veranstaltungsmarathon gew&#252;rdigt. F&#252;r bundes­weite Aufmerksamkeit sorgen die Medien mit Filmen, Essays, historischen Beitr&#228;gen Aus­stellungsreports und Interviews. Das Ge­spr&#228;ch „Der Ritt in die falsche Richtung“ &#252;ber die Rettung des Bronzedenkmals, das der Au­tor vor &#252;ber zwei Jahrzehnten mit Hans Bentzien f&#252;hrte – dieser war von 1961 bis 1965 DDR-Kulturminister &#8211; hat bei all dem an historischer Aktualit&#228;t kaum verloren.</p>
<p style="text-align: justify;" align="center">Am Jubil&#228;umstag gibt es einen Festakt der L&#228;nder Berlin und Brandenburg im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, Schinkels Meisterwerk des preu&#223;ischen Klassizismus. Ob dort Bundes­pr&#228;sident Wulff wirklich als Gru&#223;wortredner auftreten wird, scheint bis dato zumindest frag­lich. Auch an der Ruhest&#228;tte in Sanssouci soll es eine Gedenkzeremonie geben. Die Grena­diergarde Nr. 6 von 1740 ist daran aber definitiv beteiligt.</p>
<p style="text-align: justify;" align="center"><img class="alignleft" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/P1020831-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></p>
<p style="text-align: justify;" align="center">Von Berlin Unter den Linden aus wird auch deswegen der „Alte Fritz“ hoch zu Ross (s)einen kritischen Blick in Richtung Potsdam werfen. Nicht nur, um seine originalgetreu kost&#252;mierten Soldaten zu sehen, sondern auch, um zu verfolgten, in welcher Art und Weise man dort ein k&#246;nigliches Verm&#228;chtnis von Triumph und Trag&#246;die zu erf&#252;llen gedenkt, das wohl schwerlich mit den wahren Intentionen des Jubi­lars in Einklang zu bringen sein wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Er blickt so zu einem Ort, an dem er, Friedrich II., h&#246;chst selbst l&#228;ngere Jahre seines Denk­mal-Daseins als Opfer von ideologisch gef&#228;rbter kleinkarierter Ignoranz und Verblendung zubringen musste. Im Park von Sanssouci, in den Anlagen von Charlottenhof. Ab Sommer 1950 lag er dort. Eingez&#228;unt, von Eichenlaub und Strohmatten bedeckt. Ab Mai 1963 stand er wieder. Von allem Ballast befreit. In dem von Karl Friedrich Schinkel und Peter Josef Lennè geschaffenen Hippodrom. Und damit f&#252;r alle sichtbar, die ihn sehen wollten.</p>
<h3 style="text-align: center;" align="center">Des K&#246;nigs historisches Gewicht</h3>
<p style="text-align: justify;">Das aber begab sich zu einer Zeit, die von der heutigen sehr verschieden war. Insonderheit, was das &#246;ffentliche Urteil &#252;ber Preu&#223;en, seine diversen K&#246;nige und Kriege, vor allem die von Friedrich II. gef&#252;hrten drei blutigen Schlesischen mit ihren &#252;ber 400 000 Toten angeht. Die bei seinem eigenen Tod 1786 zur v&#246;lligen Ver&#228;nderung der europ&#228;ischen Landkarte gef&#252;hrt hatten. Und folgerichtig auch den Platz von Preu&#223;en in der deutschen und europ&#228;ischen Ge­schichte neu bestimmten.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Potsdamer Denkmals-Aufenthalt begab sich dazu noch unter Umst&#228;nden, die man, die Kriege eingerechnet, kaum als standesgem&#228;&#223; h&#228;tte bezeichnen k&#246;nnen. Bezogen auf einen sol­datisch-asketischen Gro&#223;en, kleinen K&#246;nig, der nicht nur Feldherr, sondern gleichwohl  Re­former, Dichter, Sch&#246;ngeist, auch Frauenhasser, zugleich aber Toleranzverk&#252;nder war. Mit den Markenzeichen Uniform und Dreispitz, Windspiel und Fl&#246;te.</p>
<p style="text-align: justify;">Der marxistische Historiker Franz Mehring („Lessing Legende“) kritisierte den im deutschen Kaiserreich pomp&#246;s begangenen 200. Geburtstag des Preu&#223;enk&#246;nigs, w&#252;rdigte zugleich aber auch den Umstand, „dass der Name dieses K&#246;nigs bei alledem einen gewissen popul&#228;ren Klang behalten hat.&#8221; Mehring: &#8220;So m&#252;sste man sagen, dass der Ein&#228;ugige unter den Blinden K&#246;nig ist. Unter dem verkommenen F&#252;rstengesindel seiner Zeit war Friedrich in seiner Art ein ganzer Kerl, und ebenso ragte er &#252;ber seine Vorg&#228;nger und Nachfolger in der Geschichte der Hohenzollern empor…“</p>
<p style="text-align: justify;">Alles in allem ist also das Gewicht dieser historischen Person, ungeachtet der mit ihm ver­bundenen kritikw&#252;rdigen Widerspr&#252;che, entscheidend gr&#246;&#223;er als das 11,5 Tonnen schwere Reiterdenkmal. Zu dem im &#220;brigen, au&#223;er dem Herrscher von Gottes und seiner selbst Gna­den, noch ein 105k&#246;pfiges Gefolge von hohem Rang und Namen, inklusive der bildlich dargestellen Haupttugenden des K&#246;nigs  &#8211; Gerechtigkeit, St&#228;rke, Weisheit, M&#228;&#223;igung &#8211; zu rechnen ist.</p>
<h3 style="text-align: center;" align="center">Schinkels Entwurf, Rauchs gl&#252;cklicher Gedanke</h3>
<p style="text-align: justify;">Der schon zu Lebzeiten des gro&#223;en K&#246;nigs von dessen Gener&#228;len angeregt Plan, ihn auf diese Weise zu w&#252;rdigen, wurde sp&#228;ter von K&#246;nig Friedrich Wilhelm III. lebhaft wieder aufge­nommen. Allerdings traten die Freiheitskriege der Ausf&#252;hrung hindernd in den Weg. Im Jahre 1830 beschloss der Provinziallandtag von Brandenburg, durch freiwillige Beitr&#228;ge aus der Mark und der ganzen Monarchie ein Denkmal zu errichten. Der K&#246;nig er&#246;ffnete jedoch den St&#228;nden, dass er das Projekt seiner eigenen F&#252;rsorge vorbehalten wolle.</p>
<p style="text-align: justify;">Schinkel wurde mit dem Entwurf beauftragt, Rauch sollte die Skizzen f&#252;r die Standbilder her­stellen. Letzterer hatte den gl&#252;cklichen Gedanken, den K&#246;nig zu Pferde in der Tracht seiner Zeit, mit Hut und Mantel darzustellen, von einem reichen Fu&#223;gestell getragen. An welchem die zeitgen&#246;ssischen Staatsm&#228;nner. Feldherren und Geistesgr&#246;&#223;en  zu platzieren w&#228;ren. Der K&#246;nig billigte den Plan. Nachdem Rauchs Modell in der Kunstausstellung von 1839 &#246;ffentlich gezeigt worden war, erfolgte im Dezember gleichen Jahres der Befehl zur Ausf&#252;hrung.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Grundsteinlegung erfolgte am 31. Mai 1840 anl&#228;sslich des 100. Jahrestages der Regie­rungs&#252;bernahme durch den damals 28j&#228;hrigen Kronprinzen. Der K&#246;nig, schon krank und schwach, sah der Zeremonie vom Fenster des gegen&#252;berliegenden Palais zu. Zwei Jahre sp&#228;ter war das kolossale Modell zum Reiterbild in Ton vollendet. Am 11. Juli 1846 gegen Mitternacht er­folgte der gl&#252;ckliche Guss des Standbildes.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Enth&#252;llung des Meisterwerkes fand am 31. Mai 1851 statt. Seit diesem Tage  zeigt sich der K&#246;nig im Kr&#246;nungsmantel, mit dem Kr&#252;ckstock am Arm und den Dreispitz auf dem Haupte. Im Auge mit dem Schloss die St&#228;tte seiner Geburt, mit der Linken die Z&#252;gel haltend. Friedrich der Gro&#223;e ganz in einer Weise, wie ihn die B&#252;rger und die Stra&#223;enjugend von Berlin einst durch die Stra&#223;en hatten reiten sehen und als „alter Fritz“ in Erinnerung behielten. Das in zw&#246;lfj&#228;hriger Arbeit geschaffene 14 Meter hohe und 184 Tonnen schwere, damals 250 000 Taler teuere Monument gilt heute als eine der gro&#223;artigsten Denkmalsplastiken des 19. Jahrhunderts.</p>
<h3 style="text-align: center;" align="center">In den Wirren zweier Kriege</h3>
<p style="text-align: justify;">Dieses Urteil bewahrte den reitenden K&#246;nig allerdings nicht davor, mit zwei Kriegen konfrontiert zu werden, die von Deutschland ausgegangen waren und dorthin – einer historischen Logik fol­gend &#8211; zur&#252;ckkehrten. W&#228;hrend der Novemberrevolution 1918, die den Ersten Weltkrieg be­endete, trafen das Bronzestandbild &#252;ber 70 Einsch&#252;sse. Hintergrund waren die milit&#228;rischen Auseinandersetzungen um Weihnachten zwischen Noske-Truppen und Spartakisten hinter Barrikaden, bei denen Artillerie und Maschinengewehre eingesetzt wurden. Die Treffer, u. a. am K&#246;nigskinn und an der rechten Hinterflanke des Pferdes, wurden Anfang der 20er Jahre repa­riert.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Zweiten Weltkrieg mauerte man den Preu&#223;enk&#246;nig zum Schutz vor Bombenangriffen ein. So stand er bis 1950. W&#228;hrend des Pfingstreffen der FDJ im gleichen Jahr, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1.Dezember 1980 im Beitrag „Alter Fritz, steigt du hernieder“, diente die Luftschutzmauer um das Denkmal zum letzten Mal als Fl&#228;che f&#252;r politische Re­klame – unter dem flaggengeschm&#252;ckten FDJ-Emblem prangte gro&#223; das Wort „Frieden“.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Jahr sp&#228;ter wurde Friedrich II. dann aus der DDR-Hauptstadt in Richtung Potsdam verbracht. Und w&#228;re in der Zeit seines dortigen Aufenthaltes beinahe f&#252;r immer von der Bildfl&#228;che und damit als Denkmal von Rang f&#252;r immer von der historischen B&#252;hne verschwunden.</p>
<h2 style="text-align: center;"> ***</h2>
<p style="text-align: justify;">Wie der „Alte Fritz“ vor dem Feuertod bewahrt wurde, hat der Kulturpolitiker und Historiker Hans Bentzien in seinem 1991 im Verlag Volk und Welt erschienenen Buch „Ich, Friedrich II. – Das Leben des gro&#223;en Preu&#223;enk&#246;nigs“ kurz erw&#228;hnt.</p>
<p style="text-align: justify;">Er muss es wissen. Als DDR-Kulturminister (1961bis 1966) lag das Schicksal der majest&#228;ti­schen Bronze auch mit in seiner Hand. Im nachfolgenden Interview gibt er Auskunft &#252;ber Stationen der sp&#228;ten Odyssee des Preu&#223;enk&#246;nigs hoch zu Ross.</p>
<p style="text-align: center;" align="center">+++</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Weshalb wurde das Reiterstandbild Friedrich II. eigentlich aus Berlin weggebracht?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Siegerm&#228;chte des Zweiten Weltkrieges hatten 1947 den Beschluss gefasst, Preu&#223;en auf­zul&#246;sen. Damit hat per Dekret der Staat Preu&#223;en, den man als „Hort des Militarismus und der Re<a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/18/der-ritt-in-die-falsche-richtung/buchcover-bentzien-friedirichii-2/" rel="attachment wp-att-3525"><img class="alignleft size-medium wp-image-3525" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/Buchcover-bentzien-friedirichII.1-184x300.jpg" alt="" width="184" height="300" /></a>aktion“ gewisserma&#223;en f&#252;r zwei Weltkriege verantwortlich machte, aufgeh&#246;rt zu bestehen. In der Geschichte ein einmaliger Vorgang. Klar war somit aber auch, dass das Reiterstandbild des K&#246;nigs weg musste. Das Berliner Schloss war 1950 gesprengt worden. Es verschwand auch die lateinische Inschrift an der Deutschen Staatsoper, zu deutsch „Von K&#246;nig Friedrich gewidmet Apoll und den Musen“. Seit der letzten Restaurierung der Oper noch zu DDR-Zei­ten sind die Lettern aber wieder zu sehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Wer veranlasste den Abtransport?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Friedrich Ebert. Sein Vater war in der Weimarer Republik zwischen 1919 und 1925 Reichs­pr&#228;sident, er zum Zeitpunkt des hier beschriebenen Vorgangs SED-Politb&#252;romitglied und Oberb&#252;rgermeister im Osten Berlins. Er handelte wohl im Sinne der zahlreichen Preu&#223;engeg­ner, die schon 1949 die Vernichtung des Denkmals gefordert hatten. Und zwar mit der Be­gr&#252;ndung „weil er gegen Osten reitet“. Sie bezogen sich damit nicht nur auf die Himmels­richtung, in der das Standbild ausgerichtet worden war.</p>
<p style="text-align: justify;" align="center"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/18/der-ritt-in-die-falsche-richtung/p1020836/" rel="attachment wp-att-3528"><img class="alignright size-medium wp-image-3528" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/P1020836-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a></p>
<p style="text-align: justify;" align="center">Den formalen Beschluss zur Verlagerung fasste der Ostberliner Magistrat im Mai 1950. Ebert schenkte das Standbild seinem Amtskollegen Dr. Steinhoff, Ministerpr&#228;sident des Landes Brandenburg, und lie&#223; es 1951 nach Potsdam bringen. Ross und Reiter wurden ungesichert und auf der Seite liegend transportiert. Auf dem Alexanderplatz kam es dann noch zu einem Crash. Das Fahrzeug hatte Achsen-bruch.</p>
<p style="text-align: justify;">Steinhoff lehnte das „Geschenk“ jedoch ab. Da war nun guter Rat teuer. So erging Eberts Anweisung, die demontierten Denkmalteile im Park von Sanssouci &#8211; von Strohmatten be­deckt, von Brettern umz&#228;unt &#8211; zu verstecken. Und zwar auf dem Lagerplatz eines Berliner Baubetriebes gegen&#252;ber dem Neuen Palais. Ein Polier dieser Restaurierungsfirma „Stuck und Naturstein“ wurde als Mitglied der dortigen Parteileitung daf&#252;r verantwortlich gemacht, dass der Alte Fritz sicher und unbemerkt gelagert werde.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Wo er wahrscheinlich bis zum Ende der DDR ungest&#246;rt vor sich hinged&#228;mmert h&#228;tte, wenn er nicht Anfang der 80er Jahre Unter die Linden  zur&#252;ckbeordert worden w&#228;re. Gab es etwa weitsichtige Genossen in der F&#252;hrung, die den K&#246;nig nur bis auf  Widerruf  in den Wartestand versetzt hatten? </em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Vielleicht. Aber wenn es sie gegeben haben sollte, die „Weitsichtigen“ konnten sich nicht durchsetzen. Das Gegenteil war der Fall. Nach einem Jahrzehnt, im Sp&#228;therbst 1961, rief eben jener gewissenhafte Fachmann, der an der Demontage des Denkmals beteiligt gewesen war, bei mir im Ministerium an. Der Mann hatte, nachdem in seinem Betrieb ein Tieflader ange­fordert worden war, in Erfahrung gebracht, dass aus dem Berliner Magistrat die Anweisung gekommen sei, jenes von ihm quasi per Parteiauftrag beh&#252;tete Denkmal zur Schmelze zu bringen.</p>
<p style="text-align: justify;">Was solle er tun? fragte er pflichtbewusst nun den Kulturminister. Immerhin war ich der oberste Denkmalpfleger der Republik und kannte nat&#252;rlich den k&#252;nstlerischen Wert dieses Monuments. Wobei ich allerdings bis zu diesem Zeitpunkt &#252;berhaupt nicht gewusst hatte, dass das Standbild in Potsdam versteckt lag. Ungeachtet dessen war ich auf  jeden Fall f&#252;r die n&#228;chsten Schritte verantwortlich.</p>
<p style="text-align: center;"><strong><em>Wer hatte denn die Anordnung zur Schmelze gegeben? </em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es war Paul Verner, Mitglied des Politb&#252;ros und 1. Sekret&#228;r der SED-Bezirksleitung Berlin. Ulbricht plante zu jener Zeit den Bau sozialistischer Stadtzentren. Wobei das Berliner Zent­rum richtunggebend werden sollte. Ins Gespr&#228;ch kam dabei auch das Forum Unter den Lin­den. Es liegt auf der Hand, dass sie da irgendwie auf das Denkmal gesto&#223;en sind. Verner, eif­rig wie er war, dachte, wie manch einer heute: Wenn ich das Denkmal vernichten lasse, bin ich das politische Problem los. Also ab mit dem Preu&#223;enk&#246;nig in die Schmelze.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Verner war ja auch jener Mann, der mit Brachialgewalt </em>- <em>gegen den Rat der Fachleute-</em> <em>den Bau des Au&#223;enministeriums am damaligen Marx-Engels-Platz durchsetzte. Und das, obwohl die Gr&#246;&#223;e des Hauses die Traufh&#246;he der Geb&#228;ude in der angrenzenden Stra&#223;e Un­ter den Linden verletzte. H</em><em>atte denn ein Kulturminister soviel Macht, dass er sich gegen eine Weisung aus dem obersten Zirkel stellen konnte? </em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nat&#252;rlich nicht. Da half eben nur List, um zu verhindern, dass ein solches Kulturgut vernich­tet wird. Ich beauftragte meinen Abteilungsleiter f&#252;r Bildende Kunst, Dr. Eberhard Bartke, dem Anruf des Mannes nachzugehen und festzustellen, was an der Sache dran war. Bartke beriet sich mit dem Haupt&#246;konom Dr. Herbert Micklich. Dieser wiederum brachte beim Ma­gistrat in Erfahrung, dass alles die reine Wahrheit sei. Unvorstellbar! Ich sagte, da hilft, nur eins: Wir m&#252;ssen es machen und gleichzeitig nicht.</p>
<div class="mceTemp" style="text-align: justify;">Im Klartext: Es mussten ein „Vorgang“ und ein „Schrottbeleg“ her. Bartke bestellte einen Tieflader. Ich organisierte zwei Leute mit der wei&#223;en M&#252;tze. Diesbez&#252;glich rief ich im In­nenministerium an, landete aber im VP-Pr&#228;sidium in der Keibelstra&#223;e in Berlin-Mitte  und zuf&#228;llig bei meinem alten Studienkumpel, VP-Oberst Kranhold. Der begriff sofort und veran­lasste das Notwendige. Der K&#246;nig kam auf den Tieflader, Bartke sa&#223; im Fahrerhaus, die Wei­&#223;en M&#228;use sicherten ab. Dann &#8220;fuhren sie dort in Potsdam in einer regnerischen Nacht einmal ums Karrè und luden die Fracht an anderer Stelle im Park wieder ab.</div>
<p style="text-align: justify;">Beteiligt an dem Unternehmen war auch der damalige Generaldirektor der Staatlichen Schl&#246;s­ser und G&#228;rten Potsdam-Sanssouci. Er wies seinen G&#228;rtner an, Friedrich mit Laub zu bede­cken und dieses nass zu halten, damit der Wind den „Vorgang“ nicht unn&#246;tig publik mache.</p>
<p style="text-align: center;"><strong><em>Es musste aber doch eine Vollzugsmeldung geben… </em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die gab es auch. In Berlin stellte mein &#214;konom den Schrottschein aus. Der Magistratsange­stellte konnte dann bei Verner Vollzug melden. Das Werk war vollbracht. &#220;brigens wurde das Friedrichdenkmal im Jahre 1962 dann in dem von Karl Friedrich Schinkel und Peter Josef Linnè geschaffenen Hippodrom des Parkes Charlottenhof aufgestellt, wo ein Reiterstandbild ja hingeh&#246;rt. Auch dieser „Vorgang“ verlief nat&#252;rlich ohne Presse und Zeremonie. Und offensichtlich ist die Sache der grauen Eminenz, dem „Auftraggeber Einschmelzen“, und seinen Nachfolgern im Amt aus den Augen geraten.</p>
<p style="text-align: center;"><strong><em>Ende 1980 kehrte der Preu&#223;enk&#246;nig ungeschmolzen nach Berlin zur&#252;ck. Wie war es denn nun wirklich dazu gekommen?</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es war quasi eine Reaktion auf die immer sichtbarer werdende Neubesinnung auf Preu&#223;en in Westberlin unter dem Regierenden B&#252;rgermeister Stobbe.</p>
<div id="attachment_3530" class="wp-caption alignright" style="width: 221px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/18/der-ritt-in-die-falsche-richtung/blog12-foto-bentzien1a-2/" rel="attachment wp-att-3530"><img class="size-medium wp-image-3530 " title="blog12-foto-bentzien1a" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/blog12-foto-bentzien1a1-211x300.jpg" alt="" width="211" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Hans Bentzien: &quot;Wir m&#252;ssen es machen...&quot;!</p></div>
<p style="text-align: justify;">Dort wurde 1980/81 eine Preu&#223;en­ausstellung im Schloss Charlottenburg vorbereitet und veranstaltet. Au&#223;erdem war noch fr&#252;­her, n&#228;mlich 1979, in der DDR Ingrid Mittenzweis Biographie „Friedrich II. und die Preu&#223;en“ erschienen. Eine alles in allem differenzierte Sicht auf den K&#246;nig und seinen Platz in der Ge­schichte.</p>
<p style="text-align: justify;">Die R&#252;ckf&#252;hrung des Standbildes wurde von Honecker pers&#246;nlich angeordnet, aus welchen Gr&#252;nden auch immer. M&#246;glicherweise hing das mit seinem immer st&#228;rker werdenden Bem&#252;­hen zusammen, sich als Staatsmann von Rang zu profilieren. Nicht zuletzt spielte dabei aber die Komplettierung des Lindenforums eine Rolle. Diese Aktion ist, soweit ich mich erinnere, von der so genannten Leitung „Sondervorhaben Gie&#223;ke&#8221;, gemeinsam mit denen von Schl&#246;s­ser und G&#228;rten, organisiert worden</p>
<p style="text-align: center;"><strong><em>Man musste doch aber damit rechnen, dass die R&#252;ckkehr des Preu&#223;enk&#246;nigs Staub  aufwirbeln w&#252;rde…</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das war das Problem. Es gab in DDR-Zeiten zu solchen durchaus brisanten Angelegenheiten kaum eine Diskussion, nie eine wirklich &#246;ffentliche Auseinandersetzung, in diesem Falle mit preu&#223;ischer Geschichte. Was h&#228;tte man auch sagen sollen? H&#228;tte man zugebe sollen, dass kurz nach Gr&#252;ndung der DDR einige ihrer f&#252;hrende Kr&#228;fte, quasi in Fortf&#252;hrung einer falsch interpretierten antifaschistischen Traditionslinie, f&#252;r das Preu&#223;endenkmal keinen Platz mehr Unter den  Linden sahen?</p>
<p style="text-align: justify;">Ohne vorerst, auch das muss man sagen, die letzte Konsequenz zu ziehen und es vernichten zu lassen. Sicherlich hatten die Emigranten aus der  Sowjetunion in Leningrad gesehen, dass dort sowohl ein Lenindenkmal vor dem Smolny wie auch das Reiterdenkmal des  letzten Za­ren vor dem Rathaus stehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Bau der Mauer aber glaubte eine Gruppe von einflussreichen Dummk&#246;pfen im Zuge der angestrebten Konsolidierung &#8220;Symbole reaktion&#228;rer Politik&#8221; und damit ein solches Monument deutscher Geschichte beseitigen zu k&#246;nnen. Pikanterweise passiert &#228;hnliches  heute wieder, in Berlin wie &#252;berall in den neuen L&#228;ndern. Und nicht nur mit Denkm&#228;lern, sondern auch mit den Namen von Stra&#223;en, Pl&#228;tzen, Kulturh&#228;usern und anderen Einrichtungen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Honecker immerhin ist in seinen sp&#228;teren Amtsjahren ziemlich unverkrampft mit dem Preu&#223;enk&#246;nig umgegangen…</em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Da m&#246;gen Sie Recht haben. Es gibt dazu auch eine h&#252;bsche Episode. Am 4. Juli 1980 ge­w&#228;hrte Erich Honecker dem britischen Verleger Robert Maxwell im Zusammenhang mit dem Buch „Aus meinem Leben“ in der Reihe „Leaders of the World“ ein Interview. Das erschien am 26. August 1980 im „Neuen Deutschland“.</p>
<p style="text-align: justify;">Und darin wird von Honecker auf eine ent­sprechende Frage zum Erbe und zur preu&#223;ischen Geschichte erstmals &#246;ffentlich die Formulie­rung »Friedrich der Gro&#223;e“ gebraucht. Ob ihm dieser Begriff, noch von der Schulzeit her, so rausgerutscht ist, wei&#223; ich nicht, halte es aber f&#252;r denkbar. Die Formulierung trug dann aber dazu bei, dass per ND die Kunde von einem neuen Preu&#223;enbild in die Welt kam.</p>
</blockquote>
<h2 style="text-align: center;">*** Epilog ***</h2>
<p style="text-align: justify;">Auf die Erstver&#246;ffentlichung des Interviews in der Berliner Zeitung vom 3. August 1991 gab es diverse Reaktionen. Darunter auch die der Leserin Renate G. aus O-1020 Berlin, Karl-Marx-Allee 28. Sie schrieb:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><em>„Sehr geehrter Herr Hempel,</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Ihr Gespr&#228;ch &#252;ber das Rauchsche Denkmal Friedrich II. mit Hans Bentzien habe ich mit gro&#223;em Interesse gelesen. Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich der sch&#246;nen Satire Hermann Kants „Bronzezeit“, enthalten in seinem gleichnamigen Erz&#228;hlband, 1986 im Verlag R&#252;tten &amp; Leoning erschienen. Dort wird  die Wiederaufstellung des Denkmals k&#252;nstlerisch „verarbeitet“. Ich habe sie nun noch einmal  und mindestens mit ebenso gro&#223;em Vergn&#252;gen wie vor f&#252;nf Jahren gelesen. </em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Da Hermann Kant in dieser Satire die DDR-Mentalit&#228;t und auch die Art der DDR-Ann&#228;herung an die zuvor geschm&#228;hte Vergangenheit so herrlich auf die Schippe genommen hat, lohnt vielleicht ein Hinweis auf sie – damit auch andere Leser diesen Spa&#223; genie&#223;en k&#246;nnen.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en</em></p>
</blockquote>
<h2 style="text-align: center;" align="center"><em>+++</em></h2>
<p style="text-align: justify;">Hermann Kant war zwar nicht unter denen, die seinerzeit den Zeitungsbeitrag mit einem Kommentar versahen. Aber er hat im Klappentext zu „Bronzezeit“ dem Leser von folgendem Kennung gegeben: „Nein, nein, dieser Band hei&#223;t zwar `Bronzezeit`, handelt aber nicht, wiederhole: nicht, von H&#252;nengr&#228;bern, Luren, Fibeln oder &#228;lteren Germanen. Er handelt auch nicht von Germanisten oder Journalisten, und erstaunlicherweise kommt kein einziger Schriftsteller (als agierende Person) vor…“</p>
<div class="mceTemp">
<dl class="wp-caption alignleft" style="width: 200px;">
<dt><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/01/18/der-ritt-in-die-falsche-richtung/buchcover-kant-bronzezeit-4/" rel="attachment wp-att-3541"><img class="size-medium wp-image-3541  " src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/01/Buchcover-kant-bronzezeit3-190x300.jpg" alt="" width="190" height="300" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Kant: &#8220;Far&#223;manns Erz&#228;hlungen aus dem hiesigen Leben eines heutigen B&#252;rgers&#8230;&#8221;</dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align: justify;">Erz&#228;hlende, treibende und erleidende Hauptfigur der hier aufgeschriebenen Vorkommnisse sei ein gewisser Far&#223;mann, Buchhalter seines Zeichens und seit der Geschichte vom dritten Nagel einschl&#228;gig bekannt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die vierte der f&#252;nf Far&#223;mann-Stories spielt im VEB Ordunez, einem volkseigenen Kleinbetrieb zur Herstellung von Orden und Ehrenzeichen. In ihr findet sich auf Seite 127 diese Passage:</p>
<p style="text-align: justify;">„Also der Gro&#223;e Reiter. Den hatten welche, als Preu&#223;en per Dekret zernichtet worden war, vorsichtshalber oder aus &#252;bersch&#252;ssigem Eifer oder weil sie diesen Herren nun herrenlos glaubten, von seinem Sockel gehoben und beiseite gebracht…Vom Ger&#252;mpel, dass &#252;bergenug vorhanden war, t&#252;rmte man etliches auf die Reiterh&#228;lften, denn Bronze hatte ihren Handelswert. Auch z&#228;hlte es nicht als gro&#223;es Verdienst, einem bedenklichen Oberpreu&#223;en Asyl gegeben zu haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber als wieder eine Ordnung war im Lande, und der Tiefbau sich anschickte, Ordnung auch auf seinem Lagerpl&#228;tzen zu schaffen, hat der Gel&#228;ndeverwalter &#252;ber den Zaun gefragt, ob die Ordensleute Verwendung f&#252;r ein &#228;lteres Denkmal h&#228;tten. Als Modell vielleicht. Wenn nicht, drohe die Schmelze…“</p>
<h2 style="text-align: center;" align="center">Plakette f&#252;r HB</h2>
<p style="text-align: justify;">Etwa ein Vierteljahrhundert sp&#228;ter kam Hermann Kant in anderer Form noch einmal auf seine Far&#223;mann-Bronzezeit zur&#252;ck. Unter dem Vermerk „Plakette f&#252;r HB“ gratulierte er am 4. Januar 2012 im Neuen Deutschland Hans Bentzien zu dessen 85. in unverkennbar Kantscher Manier:</p>
<p style="text-align: justify;">„Ihm d&#252;rfte es nicht leicht gefallen sein, die Amtsnachfolge von Johannes R. Becher und Alexander Abusch anzutreten. Immerhin war der eine Anf&#252;hrer des Bundes proletarisch-revolution&#228;rer Schriftsteller und der andere Chefredakteur der „Roten Fahne“ zu Zeiten, als der Knabe B. aus Greifswald zum ersten Mal etwas vom Abc vernahm. Doch &#252;bersahen zeitgen&#246;ssische Sp&#246;tter, die sich bei seiner Berufung mit dem Namensschwung von Johannes &#252;ber Alexander zu Hans begn&#252;gten, das dieser nach dem Krieg als Neulehrer zu den K&#252;hnsten der ersten Stunde geh&#246;rt hatte und als sp&#228;terer Parteiarbeiter zu den Allerk&#252;hnsten gar, indem er Walter Ulbricht in der Leipziger Kirchenabrissfehde widersprach.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Generalsekret&#228;r wiederum hatte Verwendung f&#252;r diesen F&#252;rchtenichts, als es galt, dem widerspruchsgeladenen Verwaltungsbereich Kultur einen Verweser zu finden. Auf Zeit. Tats&#228;chlich sprangen w&#228;hrend Bentziens &#196;gide so viele Ringe von den Herzen der K&#252;nstler, und tats&#228;chlich schlug die Kultur fortan derart kritische T&#246;ne an, dass die hochgestellten Dogmenh&#252;ter im Ergebnis des 11.Plenums befanden, der Minister habe `schwere Fehler` begangene und m&#252;sse aus dem Amt…“</p>
<p style="text-align: justify;">Kant dankt Bentzien im Weiteren f&#252;r dessen Anteil am gelungenen „Impressum“-Hebeversuch, um mit dieser Passage seine Laudatio zu endigen: „Er, der ein Erz&#228;hler von hohen Graden ist, hat mir die Geschichte des Friedrich-Denkmals Unter den Linden &#252;berliefert und mir erlaubt, aus seinem ministeriellen Erlebnis eine literarisches Begebnis zu machen. Mit keinem einzigen Wort klang hernach ein Bedauern an, weil doch alles ganz anders gewesen sei, als von mir in `Bronzezeit` beschrieben. Neben dem Gl&#252;ckwunsch, der allen in seinem Alter geb&#252;hrt, hat Hans Bentzien wenn nicht gar einen Sockel so doch eine Rarit&#228;ts-Plakette verdient.“</p>
<p style="text-align: justify;">So also schlie&#223;en sich die preu&#223;isch-deutschen Jubil&#228;ums-Kreise um einen K&#246;nig. Und um einen Minister mit historischem Verstand. Daran beteiligt ein Autor von Rang, der auf seine Weise K&#246;nig und Minister auf  (s)eine literarische Reihe bringt. Mit und ohne Sockel.</p>
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		<title>Christian Wulff, der Fensterredner vom Schloss Bellevue</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 11:57:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Der Bundespr&#228;sident will trotz aller Vorw&#252;rfe im Amt bleiben – was immer es dann noch wert ist. Schlie&#223;lich hat er sein Leben dem unbedingten Aufstieg nach ganz oben gewidmet. Doch politische Beliebigkeit, Drang ins Rampenlicht und Skandaltr&#228;chtigkeit machten Christian Wulff zu einem Pr&#228;sidenten des Boulevard. Bellevue – das war es wohl, was Christian Wulff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Der Bundespr&#228;sident will trotz aller Vorw&#252;rfe im Amt bleiben – was immer es dann noch wert ist. Schlie&#223;lich hat er sein Leben dem unbedingten Aufstieg nach ganz oben gewidmet. Doch politische Beliebigkeit, Drang ins Rampenlicht und Skandaltr&#228;chtigkeit machten Christian Wulff zu einem Pr&#228;sidenten des Boulevard.<span id="more-3511"></span></p>
<p><strong>Bellevue – das war es wohl, was Christian Wulff das Angebot von Angela Merkel annehmen lie&#223;. Die »sch&#246;ne Aussicht« auf ein Leben in Glanz und Gloria, finanziell abgesichert bis zum letzten Tag. Freilich nach provinziellen Ma&#223;st&#228;ben – anderes kannte er nicht.</strong><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/0609777aafea4465af439f7749db3784" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Aufgewachsen in schwierigen Verh&#228;ltnissen, musste er schon mit 14 Jahren seine Mutter – sowohl sein leiblicher Vater als auch der sp&#228;tere Stiefvater trennten sich von ihr – pflegen, als sie an multipler Sklerose erkrankte. Auch um die Schwester k&#252;mmerte er sich. Heimlich fuhr Wulff mit dem Rad in die Villa des Vaters. Er wollte heraus aus der Entbehrung, dem Verzicht, der Enge. Dorthin, wo die Reichen lebten und die Sch&#246;nen posierten.</p>
<p>Er studierte Jura und arbeitete schon w&#228;hrend des Studiums an einer politischen Karriere in der CDU, der er 1975, 16-j&#228;hrig, beigetreten war. Als er sich 1990 als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt Osnabr&#252;ck niederlie&#223;, war er zugleich Mitglied im CDU-Landesvorstand Niedersachsen, Vorsitzender seines Bezirksverbandes, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und ein Jahr sp&#228;ter schon Mitglied der CDU-Grundsatzkommission – also optimal vernetzt f&#252;r den weiteren Aufstieg.</p>
<p>Der freilich lie&#223; auf sich warten. Zwar trat Christian Wulff 1993 erstmals gegen Gerhard Schr&#246;der zur Landtagswahl an und eroberte trotz vernichtender Niederlage ein Jahr sp&#228;ter Landes- wie Fraktionsvorsitz der nieders&#228;chsischen CDU, aber vier Jahre sp&#228;ter verlor er noch deutlicher. Ihn retteten schlie&#223;lich der Aufstieg Schr&#246;ders zur Kanzlerschaft und die Schw&#228;che von dessen Nachfolgern in Hannover, Gerhard Glogowski und Sigmar Gabriel. 2003 war Wulff endlich Ministerpr&#228;sident.</p>
<p>Gl&#252;cklich wurde er in diesem Amt nicht. Die Haushaltskonsolidierung erkaufte er vor allem mit massivem Sozialabbau, u.a. der Streichung des Blindengeldes, und Einsparungen bei der Bildung wie Abschaffung der Lehrmittelfreiheit, K&#252;rzung bei Hochschulen und Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren, was die W&#228;hler 2008 mit einem Minus von fast sechs Prozent bestraften. Schon da stellten sich Frust und Amtsm&#252;digkeit ein; &#252;berraschend zog sich Wulff vom CDU-Landesvorsitz zur&#252;ck und begann, Gefallen am Repr&#228;sentativen zu finden. Als Ministerpr&#228;sident schaltete er um auf Wohltaten, wurde aber durch die Finanzkrise gebremst. Die M&#252;hen der nieders&#228;chsischen Ebene setzten ihm zu, was den Drang nach H&#246;herem nur noch verst&#228;rkte.</p>
<p>Inzwischen hatte er sich in der Bundes-CDU eine solide Stellung erarbeitet. Bereits 1998 war er stellvertretender Parteivorsitzender geworden und galt vor allem nach seinem Wahlsieg als Anw&#228;rter auf h&#246;here Weihen. Einem Machtkampf mit Angela Merkel wich er jedoch aus. Wulff unterst&#252;tzte sie und erkl&#228;rte sogar, ihm fehle »der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles andere unterzuordnen«. M&#246;glicherweise hatte ihn die harte K&#228;rrnerarbeit als Regierungschef ern&#252;chtert, suchte er – wie mancher Empork&#246;mmling – nach einer Aufgabe, in der Ansehen und &#228;u&#223;erer Glanz leichter zu haben waren. Er hoffte auf den Ruf der Kanzlerin und wartete auf ein Schn&#228;ppchen.</p>
<p>Doch 2009 ging die Regierungsbildung ohne ihn &#252;ber die B&#252;hne. Erst Horst K&#246;hlers R&#252;cktritt als Bundespr&#228;sident brachte ihn wieder ins Spiel, denn nun trafen sich seine Interessen mit denen Angela Merkels, die erneut einen Bundespr&#228;sidenten auszuw&#228;hlen gedachte, der keine eigene Macht neben ihr oder gar gegen sie aufbauen konnte. Sie wollte wieder eine schwache Figur im h&#246;chsten Staatsamt, die ihre Kreise nicht st&#246;rt, sondern vielleicht zur St&#252;tze werden kann, wenn sie es braucht. F&#252;r sie ist das Staatsoberhaupt nur ein R&#228;dchen im Regierungsgetriebe; die von ihr Ausgew&#228;hlten m&#252;ssen – wo auch immer – funktionieren. Ihr geistiges Format interessiert sie, wie der Fall Guttenberg zeigte, wenig.</p>
<p>Daher war es auch kein Hindernis, dass Christian Wulff sich in Niedersachsen sehr eng an die dortige Wirtschafts- und Finanzkamarilla angeschlossen hatte, die von seinem Vorg&#228;nger Schr&#246;der zu ihm gewechselt war. Wulff nutzte die Feriendomizile der Familie Geerkens in Spanien und Florida, des Versicherungsunternehmers Baumgartl in Italien, lie&#223; sich vom Air-Berlin-Chef bei einer Flugreise in die USA samt Familie kostenlos in die Business Class umsetzen. Der Finanzdienstleister Carsten Maschmeyer bezahlte mit einer f&#252;nfstelligen Summe Anzeigen f&#252;r Wulffs Buch »Besser die Wahrheit« und auf Maschmeyers Mallorca-Landsitz machte Wulff noch nach seiner Wahl zum Bundespr&#228;sidenten Urlaub.</p>
<p>Gleichzeitig bem&#252;hte sich Christian Wulff intensiv um ein gutes Image vor allem bei den Boulevard-Medien; was seine zweite Ehefrau Bettina bereitwilligst unterst&#252;tzt. Diese »neue Liebe«, die Scheidung von seiner ersten Frau, die glanzvolle Hochzeit, gefeiert in Geerkens&#8217; Penthouse, das gemeinsame Baby – alles wurde von »Bild« und »Bunte« in sch&#246;ner Aufmachung verbreitet. Schon zuvor hatte er sich eine Aura als Saubermann zugelegt. Als Johannes Rau 2000 wegen einer Flugaff&#228;re in die Kritik kam, fand Wulff es »tragisch«, dass Deutschland »keinen unbefangenen Bundespr&#228;sidenten hat, der seine Stimme mit Autorit&#228;t erheben kann«. Nach dem R&#252;cktritt Glogowskis 1999 – wegen Vorw&#252;rfen im Zusammenhang mit freundschaftlich-vorteilhaften Beziehungen zu Unternehmern – forderte Wulff eine Untersuchung, sei doch »der Schein von Abh&#228;ngigkeiten &#8230; ein Problem f&#252;r die W&#252;rde des Amtes«.</p>
<p>Er produzierte sich als integrer Mann, der stets eine tadellose Figur zu machen versteht, nett und umg&#228;nglich ist und mit seiner jungen Frau gar so etwas wie h&#246;fischen Glanz verbreitet. Und gab es nicht beim britischen K&#246;nigshaus eine Hannoversche Linie?</p>
<p>Dieses Image pflegte Wulff auch und gerade im Schloss Bellevue. Es gab Phasen in seiner nun anderthalbj&#228;hrigen Pr&#228;sidentschaft, da drangen aus dem Amtssitz neben d&#252;rren Protokollmeldungen vor allem solche Bilder des Paares – von der Frisur &#252;ber die Kleider bis zur Strumpfnaht. Das Staatsoberhaupt fand nichts dabei, sich sein Amt vom Boulevard definieren zu lassen. Politisch Wegweisendes hingegen h&#246;rt man von ihm nur selten. Und wenn, dann wurde es vor dem Hintergrund der Glamours nicht sonderlich ernst genommen.</p>
<p>Dazu trug bei, dass durchaus wichtige und richtige Worte nicht als Agenda erkennbar wurden, beliebig statt nachhaltig zu sein schienen. Wulff nannte Deutschland eine »bunte Republik« und erkl&#228;rte, dass dazu auch der Islam geh&#246;re, doch hat er das Thema nicht weiter verfolgt. Selbst nach Bekanntwerden der rechtsterroristischen Mordserie an t&#252;rkischen und griechischen Einwanderern raffte er sich nur zu einem vertraulichen Treffen mit Angeh&#246;rigen der Opfer auf, konnte sich nicht zu einer aufr&#252;ttelnden Positionsbestimmung durchringen.</p>
<p>Zur Finanzkrise fand er deutliche Worte, kritisierte Konsumtion und Spekulation auf Kosten von Bildung und Forschung, den Teufelskreis von Bankenrettung und Sozialabbau, die Unterwerfung von Politik unter die Finanzm&#228;rkte. Sie d&#252;rfe sich nicht »am Nasenring durch die Manege f&#252;hren lassen, von Banken, von Rating-Agenturen oder sprunghaften Medien. Politik hat Gemeinwohl zu formulieren, auch mit Mut und Kraft im Konflikt mit Einzelinteressen«, sagte Wulff im Sommer vor Nobelpreistr&#228;gern. Auch das blieb eine Fensterrede von jemandem, der noch unl&#228;ngst selbst Politik so betrieben hatte und jetzt nicht Mut und Kraft zur Formulierung von Alternativen findet, sondern schweigend absegnet, was ihm die Regierung vorlegt.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist die derzeitige Aff&#228;re um seine Verschleierungstaktik beim Hauskredit und den Eingriff in die Pressefreiheit keine sonderliche &#220;berraschung – was auch zahlreiche B&#252;rger so sehen, sonst wollten nicht so viele Gnade vor Recht ergehen lassen. Man hat von einem Bundespr&#228;sidenten, der sich dergestalt zelebriert, kaum anderes erwartet und sich damit arrangiert. Es passt in die aktuelle politische Landschaft. Und ist dabei von solch niederem Niveau, dass sich daran sogar die »Bild«-Zeitung als K&#228;mpferin f&#252;r Anstand und W&#252;rde profilieren kann.</p>
<address><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/215497.der-fensterredner-vom-schloss-bellevue.html" target="_blank">Gedruckt in: Neues Deutschland vom 13. 01.2012</a></address>
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		<title>Der Bundespr&#228;sident als Retuscheur</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 16:38:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Dieser Tage ging ein Foto aus dem fernen Nordkorea um die Welt, auf dem beflissene Geister die Trauerzeremonie um den verstorbenen Kim -Jong-Il von vermeintlicher Disharmonie befreit hatten, indem sie ein Fernsehteam wegretuschierten und den schon etwas ergrauten Schnee frisch wei&#223;ten. Man lachte hierzulande zu Recht dar&#252;ber, &#252;bersah dabei aber zumindest fahrl&#228;ssig, dass solches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Dieser Tage ging ein Foto aus dem fernen Nordkorea um die Welt, auf dem beflissene Geister die Trauerzeremonie um den verstorbenen Kim -Jong-Il von vermeintlicher Disharmonie befreit hatten, indem sie ein Fernsehteam wegretuschierten und den schon etwas ergrauten Schnee frisch wei&#223;ten. Man lachte hierzulande zu Recht dar&#252;ber, &#252;bersah dabei aber zumindest fahrl&#228;ssig, dass solches Retuschieren keine fern&#246;stliche und zudem totalit&#228;re Spezialit&#228;t ist, sondern die Sch&#246;nung des Bildes h&#246;chster W&#252;rdentr&#228;ger auch um die n&#228;chste Ecke vorkommt – und dabei sogar diese selbst Hand anlegen. Zwar hat Christian Wulff<span id="more-3504"></span> – zumindest nach derzeitigem Erkenntnisstand – keines seiner Fotos von unsch&#246;nen Flecken gereinigt; doch was seine Vita angeht, drang er entschlossen auf Retusche und zeigte schon mal die Werkzeuge, die er f&#252;r die Wei&#223;waschung einzusetzen gedachte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Daf&#252;r gibt es Vorbilder, <a href="http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,501660,00.html" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/03108cc7fb94462fa7115f11e4e12eb6" alt="" width="1" height="1" />zum Beispiel im Freistaat Th&#252;ringen</a>, wo 1998 Helmut Kohl und Ministerpr&#228;sident Bernhard Vogel mit dem amerikanischen Pr&#228;sidenten Clinton auf einer Kundgebung posierten, auf der jemand eine <a href="http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-24202.html" target="_blank">Plakat mit dem despektierlichen Spruch</a> »Ihr habt auch in schlechten Zeiten dicke Backen« hochhielt.In einer Werbebrosch&#252;re der Landesregierung fehlte dieser St&#246;rfaktor sp&#228;ter; er war dort durch jubelnde Menschen ersetzt worden. Auch hier kann man beflissene Geister hinter der S&#228;uberungsaktion vermuten und nicht die Herren Vogel, Kohl oder gar Clinton. Hohe Herrschaften lassen sich zwar mittlerweile sehr wirksam vor jenen sch&#252;tzen, die ihnen B&#246;ses wollen, kaum jedoch vor denen, die ihnen Gutes zu tun meinen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zu letzteren geh&#246;rt auch unser Noch-Bundespr&#228;sident – und das sogar in eigener Sache. Die grauen bis schwarzen Flecken seiner Biografie kennt er wohl, und sie treiben ihn mehr um als das Funktionieren der staatlichen Ordnung, auf die er geschworen hat. Sie zu tilgen ist ihm h&#246;chstes Anliegen; dazu <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/affaere-wulff-im-schatten-der-wahrheit-11586639.html" target="_blank">telefoniert er sogar aus dem fernen Kuweit</a> mit einem Anrufbeantworter der »Bild«-Zeitung. Wie Orwells Big Brother, der eine riesige Beh&#246;rde installiert hatte, um unter anderem unliebsame Wahrheiten aus alten Zeitungen zu korrigieren und der gerade aktuellen »Wahrheit« anzupassen, betreibt er dieses Gesch&#228;ft zur Verkl&#228;rung der eigenen Person. Nicht allein durch Retusche, sondern gleich durch Vertusche soll das Bild makelloser Majest&#228;t gezeichnet werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ob er damit Pech gehabt hat, ist noch nicht entschieden. Schlie&#223;lich ist er nicht der einzige, der hier die Retusche unangenehmer Realit&#228;t betreibt, sie beginnt schlie&#223;lich schon beim allt&#228;glichen Vorgang, dass negatives Regierungstun mit positiven &#8211; oder wenigstens unverst&#228;ndlichen – Begriffen besetzt wird. Und setzt sich fort, wenn man – vor allem linke – Kritik an solcherart Regieren kriminalisiert. Insofern ist Christian Wulff durchaus ein w&#252;rdiger Vertreter bundesdeutschen Establishments, dem eigentlich nur mangelndes Retuschegeschick vorgeworfen wird. Der Fehler des laut Kanzlerin »wunderbaren« Bundespr&#228;sidenten war, dass er sich erwischen lie&#223;.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Angela Merkels Transformation vom Ossi zum  Wessi</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 22:03:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Eines Beweises bedarf es schon lange nicht mehr, dass Angela Merkel in der alten Bundesrepublik angekommen ist – und dennoch ist sie beinahe zwanghaft bem&#252;ht, ihn immer wieder neu zu f&#252;hren. Gleich dreimal legte sich zum Beispiel in den letzten zwei Wochen ihre Hand f&#252;r Christian Wulff ins Feuer, f&#252;r einen westdeutsch par exzellence [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Eines Beweises bedarf es schon lange nicht mehr, dass Angela Merkel in der alten Bundesrepublik angekommen ist – und dennoch ist sie beinahe zwanghaft bem&#252;ht, ihn immer wieder neu zu f&#252;hren. Gleich dreimal legte sich zum Beispiel in den letzten zwei Wochen ihre Hand f&#252;r Christian Wulff ins Feuer<span id="more-3493"></span>, f&#252;r einen westdeutsch par exzellence Gepr&#228;gten also, weit entfernt von jedem ostdeutsch Sozialisierten.</p>
<p>Dabei hatte sie ganz bescheiden angefangen, und das auch lange durchgehalten. Noch Ende der 90er Jahre, gerade erst CDU-Generalsekret&#228;rin geworden, scheute sie sich nicht, das Unions-Denkmal Helmut Kohl ob seiner Verantwortung f&#252;r den Parteispendenskandal ins Abseits zu stellen und sich so mit fast dem gesamten CDU-Establishment anzulegen. Auch die sp&#228;ter bekannt gewordenen Verfehlungen Wolfgang Sch&#228;ubles ahndete sie, nun aber wohl schon die eigene Karriere im Blick.</p>
<p>Der Wandel ihrer moralischen &#220;berzeugungen zeichnete sich ab, als sie als Parteivorsitzende das Monument des Alt-Kanzlers zu restaurieren begann, obwohl dieser das Ehrenwort gegen&#252;ber seinen Geldgebern noch immer h&#246;her sch&#228;tzt als die Wahrheit &#252;ber illegale Gesch&#228;fte. Dieser Wandel wurde besonders augenscheinlich in der nassforschen Verteidigung des geistigen Betr&#252;gers Karl-Theodor zu Guttenberg. Und er ist jetzt best&#228;tigt worden, als sie den katzbuckelnden Empork&#246;mmling und Schn&#228;ppchenj&#228;ger Wulff nicht nur zum Staatsoberhaupt erkor, sondern den in seiner ersten wirklichen Bew&#228;hrungsprobe Scheiternden auch noch einen »guten Bundespr&#228;sidenten« nannte.</p>
<p>Einen »Treppenwitz der Geschichte« <a href="http://www.berliner-zeitung.de/meinung/leitartikel-merkel--wulff-und-andere-amigos,10808020,11341606.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/4788c5519c004885a370b6055ffc06da" alt="" width="1" height="1" />nannte eine Zeitung</a> diese Metamorphose; tats&#228;chlich jedoch bildet sie nur eine Gesetzm&#228;&#223;igkeit ab. In diesem, dem alten bundesrepublikanischen, spie&#223;b&#252;rgerlichen System, dessen Werte zuerst &#246;konomisch definiert werden, kann nur etwas werden, der sie akzeptiert und entsprechend handelt, auch wenn er – oder sie – sie nicht selbst lebt. Demgem&#228;&#223; war es nur eine Frage der Zeit, dass sich auch eine wie Angela Merkel den &#220;blichkeiten dieses Systems unterwarf, bis hin zu ihrer regierungsamtlichen Zertifizierung.</p>
<p>Sie beruft sich dabei wohl auf die <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/213909.geerkens-an-kredit-beteiligt.html" target="_blank">fast 80 Prozent der Bundesb&#252;rger</a>, die noch k&#252;rzlich einen R&#252;cktritt des Pr&#228;sidenten ablehnten, obwohl fast jeder Dritte konstatierte, er habe an Vertrauen verloren. Ein aufschlussreicher Befund, verr&#228;t er doch die Erkenntnis, dass kaum einer gefunden w&#252;rde, der nicht irgendwie angreifbar sei. L&#228;ngst wissen die Menschen, dass auch dieser Kaiser, der sich so gern mit dem Glanz der Reichen schm&#252;ckt, nackt ist. Jetzt hat er diese Nacktheit sogar <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/die-erklaerung-von-christian-wulff-im-wortlaut-das-war-nicht-gradlinig-und-es-tut-mir-leid_aid_696705.html" target="_blank">detailliert beschrieben</a>. Auch deshalb wohl mag ihm die Kanzlerin sch&#246;ne Kleider jetzt <a href="http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE7BL09720111223" target="_blank">nicht mehr bescheinigen</a>. Die Feiertage wird die Ziehmutter dieses Staatsoberhauptes noch verstreichen lassen, dann k&#246;nnten im Lichte der aktuellen Nachrichtenlage seine Tage endg&#252;ltig gez&#228;hlt sein &#8230;</p>
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		<title>Von Michael Braun zu Christian Wulff</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 18:22:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Nat&#252;rlich haben beide Aff&#228;ren direkt nichts miteinander zu tun; indirekt schon. Denn beide Male haben die Politiker so haarscharf am Rande der Legalit&#228;t gehandelt, dass ihnen zwar wohl juristisch nichts vorzuwerfen ist, moralisch aber ein dicker Schmutzfleck bleibt. Und auch dies macht die Vorg&#228;nge vergleichbar: Beide Male wurden die Protagonisten von ihrem politischen Umfeld [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Nat&#252;rlich haben beide Aff&#228;ren direkt nichts miteinander zu tun; indirekt schon. Denn beide Male haben die Politiker so haarscharf am Rande der Legalit&#228;t gehandelt, dass ihnen zwar wohl juristisch nichts vorzuwerfen ist, moralisch aber ein dicker Schmutzfleck bleibt. Und auch dies macht die Vorg&#228;nge vergleichbar: Beide Male wurden die Protagonisten von ihrem politischen Umfeld durch ausdr&#252;ckliche Vertrauensbekundungen gedeckt<span id="more-3487"></span> – was der politischen Klasse insgesamt ein weiteres St&#252;ck an Glaubw&#252;rdigkeit nimmt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der nur zw&#246;lf Tage amtierende Berliner Justizsenator Michael Braun hatte auf die Vorw&#252;rfe, an der T&#228;uschung von Immobilienbewerbern durch notarielle Beurkundung unter dubiosen Umst&#228;nden beteiligt gewesen zu sein, geantwortet: »<a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1843565/Ich-weiss-nichts-von-Schrottimmobilien.html" target="_blank"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/c8bf5ff0eea4422abfa249deebce81f6" alt="" width="1" height="1" />Mit ist kein einziger Fall bekannt, an dem ich mitwirkte, der vor einem Gericht aufgehoben wurde</a>.« &#196;hnlich legalistisch argumentierte Bundespr&#228;sident<a href="http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/12/111213-Pressemitteilung.html" target="_blank"> Christian Wulff &#252;ber seinen Pressesprecher im Falle des Halb-Millionen-Kredits aus dem Hause des Unternehmers Egon Geerken</a>: »Die Anfrage bezog sich auf gesch&#228;ftliche Beziehungen zu Herrn Egon Geerkens oder zu einer Firma, an der Herr Geerkens beteiligt war. Solche gesch&#228;ftlichen Beziehungen bestanden und bestehen nicht. Es bestand eine Vereinbarung mit Frau Edith Geerkens zu einem Darlehen aus ihrem Privatverm&#246;gen. Dementsprechend wurde die unmissverst&#228;ndliche Anfrage wahrheitsgem&#228;&#223; verneint.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beide mussten sich aufgrund neuer Fakten aus ihrer wagenburgartigen Verteidigungsstellung zur&#252;ckziehen und Fehlverhalten eingestehen. <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1850387/Schrottimmobilien-Justizsenator-aeussert-Bedauern.html" target="_blank">Braun erinnerte sich pl&#246;tzlich doch daran</a>, dass »mir vom Pr&#228;sidenten des Landgerichts Berlin ein Schriftsatz &#252;bermittelt worden (ist). In diesem wird auf drei beim Landgericht anh&#228;ngige Zivilrechtsstreitigkeiten hingewiesen, in denen von den Kl&#228;gern behauptet wird, sie seien bei der Vertragsanbahnung get&#228;uscht worden.« Und <a href="http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/12/111215-Erklaerung.html" target="_blank">Wulff r&#228;umte nach zwei Tagen ein</a>: »Es w&#228;re besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der nieders&#228;chsischen Abgeordneten im Landtag &#252;ber die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erw&#228;hnt h&#228;tte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nicht nur das zumindest anst&#246;&#223;ige Verhalten beider Politiker, vor allem ihr hochm&#252;tiger Umgang damit disqualifiziert sie zu hervorgehobenen politischen &#196;mtern, was allerdings in ihrem Umfeld nicht so gesehen wird. Braun wurde lange vom Berliner Regierenden B&#252;rgermeister Wowereit, vor allem aber von seiner eigenen Partei der Berliner CDU, gedeckt. Und noch <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1853485/Berlins-Kurzzeitsenator-Michael-Braun-gibt-auf.html#reqRSS" target="_blank">in der R&#252;cktrittserkl&#228;rung</a> stellte ihm die CDU einen Persilschein aus: »Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass sich Michael Braun korrekt verhalten hat.« Er trete zur&#252;ck, nicht etwa weil er dem Senatorenamt bzw. dem gesamten Senat schadete, sondern wegen der »einseitigen und andauernden Presseberichterstattung«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Falle Wulff hat Angela Merkel, seine Ziehmutter, pers&#246;nlich die Verteidigung &#252;bernommen. Nach seiner ersten Erkl&#228;rung <a href="http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2126621/Merkel-spricht-Wulff-ihr-volles-Vertrauen-aus.html">fand sie diese total in Ordnung</a>: »Die Bundeskanzlerin hat volles Vertrauen in die Person und die Amtsf&#252;hrung von Christian Wulff«, lie&#223; sie ihren Sprecher verk&#252;nden und hinzuf&#252;gen: »Er ist ein guter Bundespr&#228;sident.« Nach seinem verbalen R&#252;ckziehen <a href="http://www.bild.de/newsticker-meldungen/home/15-17-wulff-merkel-21587480.bild.html">blieb sie unbeirrt dabei</a>: »Ich sch&#228;tze und w&#252;rdige die Arbeit des Bundespr&#228;sidenten.« Noch deutlicher wurden einige seiner Parteifreunde.<a href="http://www.elo-forum.net/shortnews/2011121541782.html"> Peter Altmaier</a>, der Parlamentarische Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Unionsfraktion im Bundestag, hat keine Zweifel mehr: »Christian Wulff hat sich schnell, umfassend und angemessen ge&#228;u&#223;ert.« Daher sollte dies »von allen Beteiligten anerkannt und die Debatte dann auch beendet« werden. Auch f&#252;r seinen Fraktionskollegen von der CSU,<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1629865/" target="_blank"> Norbert Geis</a>, hat Wulff »&#252;berhaupt nichts Falsches gesagt. &#8230; Er hat vollkommen der Wahrheit gem&#228;&#223; gesagt, er hat nicht die Unwahrheit gesagt. &#8230; Er hat lediglich nicht jetzt erkl&#228;rt, dass er auch noch freundschaftliche Beziehungen hat &#8230;« Was man ihm allenfalls vorhalten k&#246;nne, »ist, dass er die B&#246;sartigkeit dieser ganzen Fragerei nicht richtig durchschaut hat.« Denn er, Geis, habe – ganz wie die Berliner CDU im Fall Braun – den Verdacht, »dass dahinter nat&#252;rlich auch eine Kampagne stecken kann.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Michael Braun ist mittlerweile zur&#252;ckgetreten, weil sich die Wahrheit durchsetzte und sein L&#252;gengeb&#228;ude zusammenbrach. Wie es aussieht, wird es Christian Wulff nicht anders gehen, denn inzwischen <a href="http://www.zeit.de/news/2011-12/17/bundespraesident-druck-auf-wulff-waechst-neue-fragen-zu-hauskredit-17171009" target="_blank">verdichten sich die Hinweise, dass auch er in der Kredit-Geschichte bis heute nicht die ganze Wahrheit gesagt hat</a>, sondern immer wieder neue Ausfl&#252;chte erfand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beide Vorf&#228;lle werfen ein bezeichnendes Licht auf dsas politische Personal, das sich anma&#223;t, dieses Land zu regieren. Aber beide sind auch hoffnungsdvoll in dem Sinne, dass eine wache und unerbittliche &#214;ffentlichkeit solches Fehlverhalten nicht durchgehen l&#228;sst und damit die Demokratie gegen jegliches Selbstherrlichkeit verteidigt.</p>
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		<title>Mit Links gegen Rechts – ein unnat&#252;rliches B&#252;ndnis</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 22:04:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Als Gro&#223;britanniens Premierminister Winston Churchill im M&#228;rz 1946 im amerikanischen Fulton eine Rede hielt, die allgemein als der Beginn des »kalten Krieges« interpretiert wird, stellte er damit die Welt wieder vom Kopf auf die F&#252;&#223;e. Denn es war im Grunde ein zutiefst unnat&#252;rliches B&#252;ndnis, das einige Jahre zuvor als »Anti-Hitler-Koalition« in die Welt trat. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Als Gro&#223;britanniens Premierminister Winston Churchill im M&#228;rz 1946 im amerikanischen Fulton eine Rede hielt, die allgemein als der Beginn des »kalten Krieges« interpretiert wird, stellte er damit die Welt wieder vom Kopf auf die F&#252;&#223;e. Denn es war im Grunde ein zutiefst unnat&#252;rliches B&#252;ndnis, das einige Jahre zuvor als »Anti-Hitler-Koalition« in die Welt trat.<span id="more-3481"></span> Ein B&#252;ndnis, bei dem sich solch klassisch kapitalistische Staaten wie die USA und England, an die Seite ihres eigentlichen Todfeinds, der sozialistischen Sowjetunion, stellten – gegen Deutschland, trotz des irref&#252;hrenden Namens seiner Staatspartei einer der ihren, der den Kapitalismus sogar besonders effizient, wenn auch mitunter zu offen brutal zu verwalten verstand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Daher brauchte es auch ziemlich lange zu diesem B&#252;ndnis, und auf dem Weg dahin mussten einige aus dem kapitalistischen Lager das Opfer der Unterwerfung unter den St&#228;rksten von ihnen bringen: &#214;sterreich, die Tschechoslowakei, Polen, sogar Frankreich. Diese Nachsicht gegen&#252;ber dem staastlichen Rechtsterrorismus im Herzen Europas beruhte auf einer so klaren wie zutreffenden Erkenntnis: Der Faschismus stellte f&#252;r das kapitalistische System keine Gefahr dar. Ganz im Gegenteil zur sozialistischen Linksdiktatur, die nicht verhehlte, ihn abschaffen zu wollen. Also schien ersterer n&#252;tzlich, um die zweite zu stoppen; man atmete auf, als sich die deutsche Kriegsmaschinereie endlich gen Osten wandte, die Grenzen des Sowjetreichs &#252;berschritt, und sie fand tausende Ausfl&#252;chte, weshalb man dem neuen Opfer nicht zu Hilfe kam.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Stattdessen fanden sofort nach dem deutschen &#220;berfall auf die Sowjetunion britisch-deutsche Geheimverhandlungen statt, denen sich sp&#228;ter auch die USA anschlossen. Lange wurde die Er&#246;ffnung einer zweiten Front im Westen hinausgez&#246;gert, und noch vor Kriegsende, im April 1945, gab Churchill seinem Oberbefehlshaber die Anweisung, deutsche Waffen sicherzustellen, »so dass sie leicht den deutschen Soldaten wiedergegeben werden k&#246;nnten, mit denen wir zusammenzuwirken h&#228;tten, wenn die Sowjets ihren Vormarsch &#252;ber die vereinbarte Demarkationslinie hinaus fortsetzen«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Erst als sich also abzeichnete, dass die Sowjetunion es m&#246;glicherweise allein schaffen k&#246;nnte, die faschistische Bestie niederzuringen und dadurch territorial wie ideell betr&#228;chtlich an Macht gewinnen w&#252;rde, war aus Sicht des kapitalistischen Westens wirklich Gefahr im Verzuge. Im Sommer 1944 landeten die Westallierten an der franz&#246;sischen K&#252;ste, um europ&#228;isches Gebiet zu sichern und jene Zonen, die unter sowjetische Hrrschaft zu fallen drohten, &#252;berzogen sie mit einem zerst&#246;rerischen Bombardement. Wie ein Trittbrettfahrer verb&#252;ndete man sich jetzt mit dem absehbaren Sieger, um ihm nicht allein das Feld zu &#252;berlassen. Und wendete sich so schnell wie m&#246;glich wieder gegen den kurzzeitigen Verb&#252;ndeten, um ihn zu schw&#228;chen und den gerade noch gemeinsamen Gegner zu st&#228;rken – weil der eben Fleich von ihrem Fleische und Blut von ihrem Blute war.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die darauf folgende Geschichte der Bundesrepublik l&#228;sst sich unschwer als nahtlose Fortsetzung dieses Kurses lesen, ist sie doch gekennzeichnet einerseits vom schonenden Umgang mit Nazikriegsverbrechern und auf der anderen Seite von der w&#252;tenden Verfolgung jeglicher als links verstandener Bewegung. Von der Wiederverwendung eines Hans Globke und Tausender anderer seines Geistes beim Aufbau eines »demokratischen« Deutschland &#252;ber die Reinwaschung der NS-Justiz bis hin zur Kultivierung rechten Gedankenguts als ein Standbein des Adenauerschen Konservatismus reicht die Vers&#246;hnung des bundesdeutschen Kapitalismus mit seinem ungeb&#228;rden Nazi-Kind, das er zwar ein wenig eingehegt hat, ansonsten aber gew&#228;hren l&#228;sst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ganz im Unterschied zu allem, was als links verd&#228;chtigt wird. Nicht nur wurden 1956 die KPD verboten und die T&#228;tigkeit ihrer Funktion&#228;re r&#252;ckwirkend ab 1951 f&#252;r strafbar erkl&#228;rt, was zu einer Vielzahl von Anklagen und Verurteilungen f&#252;hrte. Auch andere Kritiker der bundesrepublikanischen Entwicklung wurden dem antilinken Feindbild zugeordnet . So der CDU-Politiker Wilhelm Elfes, der Adenauers Politik offen kritisiert hatte und daraufhin als »Dissident« nicht einmal mehr einen Pass bekam, weil er »die innere oder die &#228;u&#223;ere Sicherheit oder sonstige erhebliche Belange der Bundesrepublik Deutschland« gef&#228;hrdete. So Mitglieder des »Westdeutschen Friedenskomitees«, die allein deshalb zu Haft- und Geldstrafen verurteilt wurden, weil in der Organisation auch KPD-Mitglieder mitgearbeitet hatten. Und so der sp&#228;tere Bundespr&#228;sident Gustav Heinemann, der als Innenminister 1950 aus dem Adenauer-Kabinett zur&#252;cktrat, 1952 auch die CDU verlie&#223; und die Gesamtdeutsche Volkspartei gr&#252;ndete und danach von Verfassungsschutz und BND observiert wurde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der <a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,,15596569,00.html" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/db206dd9dae641d797c3525909ffde04" alt="" width="1" height="1" />gnadenvolle Blick nach rechts</a> und die grelle Ausleuchtung des linken Lagers haben die Zeitl&#228;ufte &#252;berstanden, was sich auch oder gerade nach der Vereinigung der deutschen Staaten nicht &#228;nderte. In diesem Sinne erzogene Politiker, Juristen, Sicherheitsexperten setzten nur fort, was ihre gel&#228;ufige Praxis war: Freiraum nach rechts zu schaffen und zugleich linke Gegenkr&#228;fte politisch, juristisch und polizeilich zu behindern. Sie taten und tun dies, weil sie eine Gefahr f&#252;r ihr Systems zu Recht von rechts nicht bef&#252;rchten, w&#228;hrend sie auf der Linken, wo man die bestehende Gesellschaftsordnung f&#252;r ver&#228;nderbar h&#228;lt und daf&#252;r streitet, die eigentliche Bedrohung ortet.</p>
<p>&nbsp;</p>
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