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	<title>blogsgesang.de &#187; Suchergebnisse  &#187;  greifen</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Angela Merkel &#8211; mit dem Finger im Wind</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Mar 2013 15:01:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Angesichts ungewisser Wahlaussichten greifen CDU und CSU auf alte Rezepte zur&#252;ck. Denn mehr als tapferen Optimismus und den R&#252;ckzug in vertraute Gewissheiten hat auch Angela Merkel ihrer Partei ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl nicht zu bieten. Genau wei&#223; man nicht, ob Hamburgs Ex-B&#252;rgermeister Ole von Beust seinen k&#252;rzlichen Vergleich Angela Merkels mit einer [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h4 class="size-full wp-image-4255">(pri) Angesichts ungewisser Wahlaussichten greifen CDU und CSU auf alte Rezepte zur&#252;ck. Denn mehr als tapferen Optimismus und den R&#252;ckzug in vertraute Gewissheiten hat auch Angela Merkel ihrer Partei ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl nicht zu bieten.<span id="more-4252"></span></h4>
<p>Genau wei&#223; man nicht, ob Hamburgs Ex-B&#252;rgermeister Ole von Beust seinen k&#252;rzlichen Vergleich Angela Merkels mit einer Haus&#228;rztin tats&#228;chlich als Kompliment meinte. »Man hat ein Problem, und die sagt: Da schreibe ich Ihnen was auf. Und man denkt: Prima, die schreibt was auf.« Das ist f&#252;r von Beust der Kanzlerin ganze Regierungskunst. Er nannte dies »&#8230; ein Grundvertrauen wie bei einer Haus&#228;rztin: Die macht das schon irgendwie.« Es impliziert aber zugleich: F&#252;r die gr&#246;&#223;eren, die wirklich wichtigen Probleme w&#252;rde ich gern jemand anderen konsultieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Genau so scheint die Masse der W&#228;hler zu denken, wenn man sich die aktuellen Umfragewerte ansieht. Zwar liegt Merkel als Person &#252;berdeutlich vor dem SPD-Spitzenkandidaten Peer Steinbr&#252;ck, doch war ihre Partei, die Union, bereits Ende Februar bei Forsa auf 40 Prozent gefallen, und Emnid gab ihr jetzt sogar nur 39 Prozentpunkte. Das ist zwar noch ein wenig besser als jene 33,8 Prozent, auf die CDU und CSU 2009 gekommen waren, das schlechteste Resultat seit 1949, aber das verdanken sie allein der SPD und ihrem unglaubw&#252;rdigen Spitzenmann. Es hilft ihnen jedoch wenig, weil selbst ein &#220;berspringen der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde durch die FDP Schwarz-Gelb keine Mehrheit bescheren w&#252;rde.</p>
<h4>CDU-W&#228;hler bleiben zu Hause</h4>
<p><img alt="" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/ed1f5ba7fee747cd87bba6885d680cce" width="1" height="1" /></p>
<div id="attachment_4255" class="wp-caption alignright" style="width: 135px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2013/03/26/angela-merkel-mit-dem-finger-im-wind/merkel-im-wind/" rel="attachment wp-att-4255"><img class="size-full wp-image-4255" alt="Foto: dpa / Peer Grimm" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2013/03/Merkel-im-Wind.jpg" width="125" height="270" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: dpa / Peer Grimm</p></div>
<p>Vor schwierigen Entscheidungen erst den Finger in die Luft zu strecken und dann in die Windrichtung zu man&#246;vrieren, damit hat sich Angela Merkel bislang einigerma&#223;en durchgewurstelt. Kam bei einem Thema Sturm auf, zog sie sich stets in die Kaj&#252;te zur&#252;ck und wartete ab, wohin das Boot treiben w&#252;rde. Sie h&#228;tte als Ostdeutsche offensichtlich die Marxsche Erkenntnis, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, besonders gut verinnerlicht, wurde ihr schon ironisch bescheinigt. Ihr Sein sind die demoskopischen Daten, die ihr Auskunft &#252;ber das F&#252;r und Wider zu politischen Projekten und damit &#252;ber die Wahrscheinlichkeit k&#252;nftiger Mehrheiten geben. Sie bestimmten ihr Bewusstsein auch zu Fragen, die bisher f&#252;r die Union essenziell schienen: Atomausstieg, Wehrpflicht, Hauptschule, Familienbild, Kleinkinderziehung, Mindestlohn, Managergeh&#228;lter und andere, die sich freilich oft eher als lieb gewordene politische Positionen denn werthaltige Prinzipien erwiesen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So fiel es der Kanzlerin relativ leicht, auf all diesen Gebieten mal sch&#228;rfere, oft aber nur sanfte Kehrtwendungen zu vollziehen, ganz im Sinne dessen, was sie bei der K&#252;r zur Spitzenkandidatin in ihrem vorpommerschen Wahlkreis letztes Wochenende in Grimmen als Programm verk&#252;ndete: »Wir m&#252;ssen die Probleme, so wie sie da sind, nehmen und f&#252;r jedes einen Vorschlag haben.« Solche »haus&#228;rztlichen« Ratschl&#228;ge werden von der Partei zwar m&#252;rrisch, aber in der Regel doch akzeptiert, zumal Merkel es versteht, diese von der schieren Wirklichkeit erzwungenen Korrekturen als Ausweis eigenen Agierens mit dem Ziel der Modernisierung und Erneuerung der Union darzustellen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>F&#252;r einen engagierten Wahlkampf jedoch gen&#252;gt das nicht. Jahrzehntelang ist die Union vor Wahlen zu scharfen Auseinandersetzungen mit den politischen Gegnern getrieben worden, hat daraus ihre Identit&#228;t bezogen und sich entsprechend motiviert. Ohne einen solchen Antrieb &#8211; das haben die letzten Landtagswahlen gezeigt &#8211; bleiben einstige CDU-W&#228;hler zu Hause oder machen ihr Kreuz bei der FDP, um wenigstens f&#252;r das von ihnen favorisierte Lager zu votieren, was freilich leicht auf ein Nullsummenspiel und damit Machtverlust hinausl&#228;uft.</p>
<h4>Suche nach dem »Markenkern«</h4>
<p>Diese Gefahr l&#228;sst die Nervosit&#228;t im Konrad-Adenauer-Haus steigen; man ist zunehmend fieberhaft bem&#252;ht, den »Markenkern« der Union neu zu konturieren. Das war schon beim Plazet f&#252;r das umstrittene Betreuungsgeld zu beobachten. Deutlichstes Beispiel ist jedoch die Ablehnung einer Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der traditionellen Ehe. Auch die aufkommende Diskussion um jene t&#252;rkischen Jugendlichen, die nach der einstigen Entscheidung gegen eine doppelte Staatsb&#252;rgerschaft jetzt auf den deutschen oder t&#252;rkischen Pass verzichten m&#252;ssen, wurde von der Union schnell zu deren Ungunsten entschieden; gleichzeitig sorgte der CSU-Innenminister durch die Aufdeckung eines neuen Salafisten-Komplotts daf&#252;r, dass die Angst vor allem Fremden virulent bleibt. Bei der EU-Knebelung Zyperns geb&#228;rdet sich die Union gemeinsam mit dem Koalitionspartner besonders kompromisslos. Und auch zum NPD-Verbotsantrag d&#252;rfte das Nein der FDP der Union gelegen kommen, hilft es doch, ihre rechtskonservative Klientel bei der Stange halten. Ein riesiger goldener Boxhandschuh, der der CDU-Vorsitzenden zur 100-Prozent-Nominierung in Grimmen &#252;berreicht wurde, sollte sie wohl zum unerbittlichen Fighten ermahnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein solcher partieller Kurswechsel f&#252;hrt die Union freilich in ein Dilemma, konterkariert er doch zumindest teilweise das gleichzeitige Bem&#252;hen, Themen von SPD und Gr&#252;nen zu besetzen und diesen damit die Wirkung zu nehmen. Eine klare Orientierung f&#252;r die W&#228;hler von CDU und CSU ist auf diese Weise nicht zu erreichen; die Beliebigkeit der Politik Angela Merkels pr&#228;gt auch die bisher erkennbare Wahlkampfstrategie. Sie doktert an Symptomen herum, aber f&#252;r drohende gef&#228;hrliche Leiden hat sie keine erfolgversprechende Therapie.</p>
<address> (Gedruckt in <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/816802.mit-dem-finger-im-wind.html" target="_blank">»Neues Deutschland« vom 25. M&#228;rz 2013</a>)</address>
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		<title>Zyperns Demokratie geht der EU auf die Nerven</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Mar 2013 15:45:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) So sehr Zypern derzeit auch von der EU-B&#252;rokratie und ihren Bestimmern vor allem aus der Bundesrepublik sowie eingebetteten Medien gescholten wird, erweist es sich doch in Wirklichkeit als ein Land, das demokratische Standards gegen diktatorische Fremdbestimmung verteidigt. Und ganz nebenbei entlarvt die kleine Mittelmeerinsel auch noch die Demokratie- und Menschenrechtsapostel des Westens, f&#252;r die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) So sehr Zypern derzeit auch von der EU-B&#252;rokratie und ihren Bestimmern vor allem aus der Bundesrepublik sowie eingebetteten Medien gescholten wird, erweist es sich doch in Wirklichkeit als ein Land, das demokratische Standards gegen diktatorische Fremdbestimmung verteidigt. Und ganz nebenbei entlarvt die kleine Mittelmeerinsel auch noch die Demokratie- und Menschenrechtsapostel des Westens<span id="more-4245"></span>, f&#252;r die Selbstbestimmung anderer V&#246;lker dort aufh&#246;rt, wo es an ihren eigenen Geldbeutel geht. Die <a href="http://www.freitag.de/autoren/the-guardian/versuchskaninchen-der-eurozone" target="_blank"><img alt="" src="http://vg03.met.vgwort.de/na/a3173b291b4c480da321744933a0ba2f" width="1" height="1" />selbstbewusste Ablehnung des EU-Diktats</a>, das sowohl auf die wirtschaftliche Schw&#228;chung Zyperns als auch auf die finanzielle Enteignung seiner B&#252;rger zielte, war ein Ausdruck demokratischen Widerstands, und es ist bezeichnend, dass er unter einer konservativen Regierung zustande kam, die Konservatismus noch als werthaltig versteht und ihn nicht auf ideologische Ges&#228;&#223;geografie reduziert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Solcherart Mitbestimmung des Volkes bei Fragen, die es selbst unmittelbar betreffen, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/zypern-krise-merkel-erhoeht-den-druck-a-890361.html" target="_blank">geht der Europ&#228;ischen Union m&#228;chtig auf die Nerven</a>. L&#228;ngst beansprucht die von keinerlei Volksmehrheit legitimierte Br&#252;sseler B&#252;rokratie das Recht f&#252;r sich, &#252;ber andere V&#246;lker zu bestimmen. Der Anspruch Zyperns, die von seinen Regierungen und Banken ohne Zweifel verschuldeten Probleme selbst zu l&#246;sen, wird bestritten. Einzig das Diktat einer imagin&#228;ren »Troika« und der EU-Gremien soll gelten, <a href="http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/thema_nt/article114677980/Union-stellt-Zypern-drei-Bedingungen.html" target="_blank">das »Gesch&#228;ftsmodell« des Landes zu &#228;ndern</a> und seiner eigenen Entscheidung zu entziehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Abgesehen davon, dass dieses Gesch&#228;ftsmodell – unter anderem niedrige Steuern, »rote Teppiche« f&#252;r Geldgeber – genau das gleiche ist, das in der »freien Marktwirtschaft« allenthalben empfohlen und durchgesetzt wird, hat es Zyperns B&#252;rgern einen bescheidenen relativen Wohlstand verschafft, der freilich jetzt objektiv auf dem Spiel steht. Das haben die Zyprioten durchaus erkannt und sind bem&#252;ht, <a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-um-plan-b-zypern-zittert-sich-zur-rettung-1.1630770" target="_blank">die Probleme vorwiegend aus eigener Kraft zu bew&#228;ltigen</a>. Dabei kann man dar&#252;ber streiten, ob die Rentenkassen in eine solche Probleml&#246;sung einbezogen werden sollen. Doch ist das Sache des zypriotischen Volkes selbst und keinesfalls irgendwelcher ausl&#228;ndischer Gremien – am wenigsten solcher, die jetzt heuchlerisch Krokodilstr&#228;nen &#252;ber die Rentner vergie&#223;en und eben noch allen B&#252;rgern der Insel ungeniert in die Taschen greifen wollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die ultimativ von Zypern verlangte teilweise Konfiszierung des Eigentums seiner B&#252;rger zeigte, das dieses Eigentum nicht per se »heilig« ist, sondern offensichtlich erst ab einer bestimmten Gr&#246;&#223;enordnung. Ansonsten aber wollte sich die EU das Recht zu unmittelbarer Eigentumsumverteilung zugunsten von Banken und anderen Finanzinstitutionen best&#228;tigen lassen. Dabei ging es nicht, wie es jetzt unumwunden hei&#223;t, um ein oder zwei Milliarden, sondern um eine &#196;nderung der gesamten zypriotischen Wirtschafts- und Finanzpolitik, was die Absicht entlarvt, <a href="http://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/ein-unglaublicher-vorgang" target="_blank">das Land dem Willen der Geldm&#228;chte zu unterwerfen</a> und damit wohl auch einen Pr&#228;zedenzfall f&#252;r andere Staaten zu schaffen, die in eine &#228;hnliche Lage kommen k&#246;nnten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Angesichts all dessen kann man den Zyprioten nur Standhaftigkeit und gute Ideen bei der Bew&#228;ltigung ihrer Probleme aus eigener Kraft w&#252;nschen. Sie verteidigen mit ihrem Widerstand gegen das EU-Diktat demokratische Rechte und machen deutlich, dass die st&#228;ndig behauptete »Alternativlosigkeit« der von den Finanzm&#228;rkten diktierten Politik eine Schim&#228;re ist. Damit k&#246;nnen sie die Widerstandskraft auch anderer V&#246;lker st&#228;rken, die sich l&#228;ngst im Visier neoliberaler, antisozialer Politik befinden.</p>
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		<title>R&#228;tselhaftes Kambodscha</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Mar 2013 14:48:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[II. Mekong und Tonle Sap, die Lebensadern des Landes &#160; (pri) Von Phnom Penh aus stromaufw&#228;rts kann man den Mekong Richtung Norden auf die Grenze nach Laos zu befahren. Vor allem in der Umgebung der Hauptstadt st&#246;&#223;t man dabei immer wieder auf schwimmende und dann zunehmend am Ufer liegende D&#246;rfer mit ihren einfachen Pfahlbauten. Wir [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h3>II. Mekong und Tonle Sap, die Lebensadern des Landes</h3>
<p>&nbsp;</p>
<p>(pri) Von Phnom Penh aus stromaufw&#228;rts kann man den Mekong Richtung Norden auf die Grenze nach Laos zu befahren. Vor allem in der Umgebung der Hauptstadt st&#246;&#223;t man dabei immer wieder auf schwimmende und dann zunehmend am Ufer liegende D&#246;rfer mit ihren einfachen Pfahlbauten. <span id="more-4230"></span>Wir erreichten in gr&#246;&#223;ter Mittagshitze Kompong Domrey, das wir auf einem Spaziergang auf unebenen Wegen erkundeten. Wir sahen eine Ziegelei, deren Arbeiter jedoch der Hitze wegen pausierten, die Pfahlbauten mit ihren unterschiedlichsten Funktionen, eine Reisschnapsbrennerei, deren Einrichtung aus dem Museum zu stammen schien; trotzdem probierten wir von dem frisch gebrannten, noch warmen, angeblich 60 prozentigen Ges&#246;ff, was den von der hiesigen ungewohnten Kost schon etwas l&#228;dierten Magen tats&#228;chlich aufr&#228;umte. Wir sahen einen domestizierten Affen, den Dorfmarkt und vieles mehr – und lernten Clara kennen, durch die wir einiges dar&#252;ber erfuhren, wie das bitterarme Kambodscha versucht, seine Entwicklungsf&#228;higkeit in der Welt nachzuweisen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Eine junge Frau, die ganz ordentlich Englisch und Franz&#246;sisch sprach, suchte w&#228;hrend des Spaziergangs den Kontakt vor allem zu den Touristinnen. »Ich hei&#223;e Clara«, begann sie das Gespr&#228;ch und hatte damit vermutlich schon ihren Namen verwestlicht. Sie berichtete noch einiges mehr &#252;ber sich, fragte aber auch den Partner aus, nicht ohne ihm dabei artige Komplimente zu machen. Sie pries die Sch&#246;nheit der Frauen, auch wenn daf&#252;r kein besonderer Anlass bestand, lobte ihren Geschmack, sagte Freundliches &#252;ber ihre M&#228;nner. Neben ihr trottete eine zweite, schweigsame Kambodschanerin, die einen Sack mit sich schleppte, in dem Seident&#252;cher und anderes Handelsgut zu vermuten waren. Erst nach einer langen Wanderung, bei der Clara wenigstens ein halbes Dutzend Frauen angesprochen hatte, ging sie mit ihrer Begleiterin an die Spitze des Touristenzuges. Dann wurde der Sack ge&#246;ffnet, und Clara bat die ihr inzwischen gut bekannten Frauen, doch etwas auszusuchen. Keine verweigerte sich nach dem angenehmen Gespr&#228;ch und auch kaum eine verzichtete auf den Kauf. Clara hatte schlie&#223;lich ein ziemlich perfektes Verkaufsgespr&#228;ch gef&#252;hrt und brachte es nun zu einem erfolgreichen Ende. Auch Kambodscha – so haben wir gelernt – ist dabei, geschicktes Wirtschaften zu lernen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach 130 Kilometern gem&#228;chlicher Fahrt erreichten wir am sp&#228;ten Nachmittag Kompong Cham, eine Provinzhauptstadt mit 180000 Einwohnern, nach Phnom Penh immerhin die zweitgr&#246;&#223;te am Mekong. Als Handels- und Verwaltungszentrum wurde die Stadt auserkoren, als erste eine Stra&#223;enbr&#252;cke auch Stahlbeton &#252;ber den Mekong zu erhalten, die »Spien Kizuna«. Sie wird vor allem von Autos benutzt, w&#228;hrend ansonsten die Einwohner von Kompong Cham und Umgebung die seit jeher immer wieder neu &#252;ber den Mekong geschlagene Bambusbr&#252;cke bevorzugen. Sowohl Pfeiler als auch Querbalken und die Fahrbahn bestehen ausschlie&#223;lich aus Bambus, wodurch sie sich nur f&#252;r Motorr&#228;der und Mopeds zum Befahren eignet. Dazu passieren sie nat&#252;rlich Fu&#223;g&#228;nger und Radfahrer, obwohl auch sie Br&#252;ckenzoll zahlen m&#252;ssen – allerdings weniger als Ausl&#228;nder, die das Betreten des schwankenden Bambussteges einen Dollar kostet.</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/AfvsFn678iA" height="315" width="560" allowfullscreen="" frameborder="0"></iframe><img alt="" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/df3af94021f14c5192a512fa0bd40cc1" width="1" height="1" /></p>
<p>Die Umgebung von Kompong Cham bietet einige interessante Sehensw&#252;rdigkeiten. Zum einen sind es die Zwillingsh&#252;gel Phnom Pros (H&#252;gel der M&#228;nner) und Phnom Srey (H&#252;gel der Frauen), &#252;ber deren Entstehung es eine h&#252;bsche Legende gibt, die – &#228;hnlich wie Clara – von weiblicher Pfiffigkeit zeugt. Sie wurden n&#228;mlich in einem Wettbewerb zwischen Frauen und M&#228;nnern aufgesch&#252;ttet. Nur nachts durfte gearbeitet werden, und schon bald waren die kr&#228;ftigeren M&#228;nner im Vorteil. Da ersannen die Frauen eine List, z&#252;ndeten in der Nacht helle Feuer an und lie&#223;en so die M&#228;nner glauben, es sei schon Tag und sie m&#252;ssten die Arbeit einstellen. Dadurch konnten die Frauen am Ende den gr&#246;&#223;eren H&#252;gel vorzeigen; man muss immerhin 211 Stufen hinauf, kann dann aber eine sch&#246;ne Aussicht genie&#223;en. Beide H&#252;gel sind dem Buddha und seinen J&#252;ngern gewidmet, Nachbildungen letzterer sind bereits f&#252;r 50 Dollar zu erwerben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Eine andere Sehensw&#252;rdigkeit ist Wat Nokor, ein Sandsteintempel aus der Angkor-Zeit, in dessen Ruine ein neuer Tempel in einer solchen Weise eingebaut wurde, dass eine harmonische Einheit entstand. Man gewinnt hier einen ersten Eindruck von dem, was uns in Angkor erwarten wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nur kurz war die anschlie&#223;ende Schiffsfahrt nach Wat Han Chey. Diese Pagode erz&#228;hlt mit Wandmalereien eine der vielen buddhistischen Geschichten; viel sch&#246;ner ist jedoch der Landschaftsblick auf den sich weit verzweigenden, von Inselchen und Sandb&#228;nken durchsetzen Mekong. Entlang des jenseitigen Ufers verlief hier einst der legend&#228;re Ho-Chi-Minh-Pfad, &#252;ber den Nordvietnam den s&#252;dvietnamesischen Widerstand gegen die USA mit Menschen und Material versorgte. Daher entlaubten die Amerikaner den Dschungel mit dem Pflanzengift Agent Orange; die kahlen Fl&#228;chen sind noch heute zu sehen, sie werden aber allm&#228;hlich mit Kautschukb&#228;umen aufgeforstet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit Phnom Han Chey haben wir den n&#246;rdlichsten Punkt der Mekong-Tour erreicht. Danach wird der Fluss immer flacher und immer weniger schiffbar, hat er doch inzwischen viel Wasser durch die Trockenheit verloren. Deshalb war es uns auch nicht m&#246;glich, wie eigentlich beabsichtigt, bis nach Kratie, einer Provinzstadt mit 60 000 Einwohnern, weiterzufahren, von wo aus wir die Irrawady-Delphine besuchen wollten. Bei Kratie schwankt der Wasserstand des Mekong zwischen Trocken- und Regenzeit um bis zu 14 Metern. Wir mussten in Kompong Cham auf Busse umsteigen und fuhren &#252;ber Land ins Luftlinie nur 70 km n&#246;rdlich liegende, tats&#228;chlich aber der Mekongarme wegen 228 km entfernte Kratie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So dauerte die Fahrt l&#228;nger als drei Stunden, war aber nicht uninteressant. Wir konnten den hiesigen Stra&#223;enverkehr beobachten, vor allem die Sammeltaxis, die so viele Passagiere mitnehmen, wie nicht nur ins Auto, sondern auch noch aufs Dach und die Trittbretter passen. Das Dach ist dadurch manchmal &#228;hnlich &#252;berf&#252;llt wie das Auto selbst, denn die Passagiere haben oft noch umfangreiches Gep&#228;ck bei sich. Die Fahrt gr&#246;&#223;erer Menschengruppen auf LKW, bevorzugt oben auf der Ware oder auch dem Dach des F&#252;hrerhauses, ist v&#246;llig normal. Es gibt auch von Motorr&#228;dern gezogene Sammeltaxis, wo auf einer Art Rampe die Passagiere mitfahren und auf Zuruf absteigen k&#246;nnen. Auf Mopeds fahren nicht selten vier oder f&#252;nf Personen, kleine Kambodschaner zwar, aber es sieht dennoch gef&#228;hrlich aus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Strecke f&#252;hrte wegen des d&#252;nnen Stra&#223;ennetzes nicht direkt nach Nordosten, wo Kratie liegt, sondern zun&#228;chst nach S&#252;dosten, wo wir Suong (ca. 30 km) passierten und kurz darauf nach links abbogen – in Richtung Chlong, das von Kompong Cham schon fast 200 km entfernt liegt. Dort erreichten wir den Mekong wieder und fuhren an seinem Ufer nach Kratie und von dort aus weiter zum Delphindorf Kampi. Etwa 150 km war die Stra&#223;e asphaltiert, dann begann eine unbefestigte Piste aus rotem Vulkangestein, das sich – durch einen heftigen Regenguss in der Nacht – teilweise in eine matschige Rutschpiste verwandelt hatte. Mehrfach kam der Bus ins Schlingern, behielt aber am Ende doch die Spur. Einmal, als dem Fahrer die Stra&#223;e zu riskant schien, bog er in ein Dorf ab und w&#228;hlte eine Umleitung &#252;ber die Dorfstra&#223;e, die zwar auch matschig war, aber nicht so tief durchweicht wie die Hauptstra&#223;e. H&#228;ufig passierten wir Br&#252;cken &#252;ber Nebenarme und Kan&#228;le des Mekong; sie waren in der Regel st&#228;hlern und einspurig, mit ziemlichem Get&#246;se fuhren wir dar&#252;ber hin.</p>
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<p>Wir erreichten Kampi, 15 km n&#246;rdlich von Kratie, und verteilten uns auf einige Boote mit Au&#223;enbordmotoren, die schon auf die Touristen warteten. Bis zu zwei Kilometer breit ist hier der Mekong, von kleinen Inselchen und Sandb&#228;nken durchzogen, auf denen Str&#228;ucher und B&#252;sche wachsen. Auch die Delphine warteten, denn noch w&#228;hrend wir einstiegen, zeigten sich die ersten, streckten die K&#246;pfe, vor allem aber den gebogenen R&#252;cken, aus dem Wasser, manchmal reckten sie auch den Schwanz, aber immer verschwanden sie schnell wieder und lie&#223;en uns dann r&#228;tseln, wo sie wieder auftauchen w&#252;rden. Spielereien um Boote herum waren nicht zu beobachten. Das erschwerte ziemlich die Beobachtung, mehr noch aber das Fotografieren und Filmen, denn ehe die Technik klar war, waren sie meist schon wieder unter der Wasseroberfl&#228;che. Zwar bem&#252;hten die Bootsf&#252;hrer nur selten ihre Motoren, ruderten vielmehr vorsichtig im relativ flachen Wasser zwischen den Sandb&#228;nken, aber die Delphine spielten immer wieder mit uns ihr Geduldsspiel. Am Ende jedoch hatten die meisten wenigstens das eine oder andere Bild geschossen, das sie als Abbild eines Irrawady-Delphins ausgeben konnten, und wir kehrten ans Ufer zur&#252;ck. Zwischen den Sandb&#228;nken war der Fluss teilweise so flach, dass sich Schaumk&#228;mme bildeten; hier wagten einige ein Bad im Mekong.</p>
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<p>Die Irrawady-Delphine werden zwei bis zweieinhalb Meter lang und erreichen ein Gewicht zwischen 100 und 200 Kilogramm. Sie leben von Fischen, Muscheln, Schnecken und anderem Seegetier und k&#246;nnen 50 Jahre alt werden. Sie passen sich sowohl S&#252;&#223;- wie Salzwasser an und leben meist in kleinen Gruppen zusammen. &#196;u&#223;erlich unterscheiden sie sich von den uns bekannten Delphinen; vor allem ist ihre Schnauze flacher. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen Jahren stark dezimiert, weniger wegen der Jagd auf sie als wegen des Fischfangs mit Dynamit und starken Schleppnetzen, der Wasserverschmutzung und des Staudammbaus. Heute soll es nur noch zwischen 100 und 200 Tiere geben, die sich ab Kratie bis nach Laos hinein konzentrieren.</p>
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<div id="attachment_4234" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2013/03/17/ratselhaftes-kambodscha-2/dsc00386k/" rel="attachment wp-att-4234"><img class="size-medium wp-image-4234" alt="Das Udom Sambath Hotel in Kratie" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2013/03/DSC00386k-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Das Udom Sambath Hotel in Kratie</p></div>
<p>Vor der R&#252;ckfahrt a&#223;en wir in Kraties erstem Haus, dem im alten Kolonialstil gl&#228;nzenden »Udom Sambath Hotel«, das sich alle M&#252;he gab, den G&#228;sten ihren gewohnten Standard zu bieten. Da die &#246;ffentlichen Toiletten dem offensichtlich nicht entsprachen, hatten sie ein Hotelzimmer im Parterre f&#252;r die Touristen ge&#246;ffnet. In dessen Bad konnte man seine Notdurft verrichten, aber auch die Dusche war benutzbar, und f&#252;r weitere Hygienebed&#252;rfnisse lagen Seife, Zahnb&#252;rste nebst -paste, Kamm und Lappen bereit. Nur Handt&#252;cher fehlten. Dennoch: Ich bewohnte kurzzeitig Zimmer 104 besagten Hotels.</p>
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<p>Der R&#252;ckweg gestaltete sich entspannter, denn inzwischen inzwischen waren die Pf&#252;tzen weitgehend getrocknet. Wir konnten das kleinst&#228;dtische Leben rund um die Stelzenh&#228;user beobachten; man kann sich kaum vorstellen, dass in der Regenzeit alles, was sich unterhalb des eigentlichen Hauses befindet, samt Stra&#223;e im Wasser verschwindet und Mobilit&#228;t dann nur noch per Boot m&#246;glich ist.</p>
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<p>Jetzt jedoch spielt sich das Leben auf den Stra&#223;en ab, nicht nur der motorisierte Verkehr. So wird Maniok, das als gro&#223;e Wurzel aus dem Boden kommt, gereinigt, zerkleinert und als Schnitzel anschlie&#223;end wie ein beigefarbener Teppich am Stra&#223;enrand ausgebreitet, damit es trocknet. Nach zwei bis drei Tagen kommen die Lastwagen der Verarbeitungsfabrik, f&#252;llen das Maniok in S&#228;cke, bezahlen die Bauern und transportieren das Ganze ab.</p>
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<p>Auff&#228;llig waren an den Stra&#223;en die Schilder der politischen Parteien, vor allem der regierenden CPP mit den K&#246;pfen ihres F&#252;hrungstriumvirats: Senatspr&#228;sident, Ministerpr&#228;sident, Parlamentspr&#228;sident, was unser Reisef&#252;hrer trocken mit den Worten kommentierte: »Rote-Khmer-General, Rote-Khmer-Offizier, Rote-Khmer-General.« Alle drei hatten sich allerdings vor dem Beginn der <a href="http://www.blogsgesang.de/2012/04/03/ratselhaftes-kambodscha/" target="_blank">Pol-Pot-Massaker</a> nach Vietnam abgesetzt und waren vier Jahre sp&#228;ter als Sieger nach Kambodscha zur&#252;ckgekehrt. Sie hielten sich trotz Zweifeln an ihrer Vergangenheit bis heute; bei den letzten Wahlen erreicht die CPP sogar mit weitem Abstand vor der Konkurrenz die absolute Mehrheit (90 Sitze). Die gr&#246;&#223;te Oppositionspartei (26 Sitze) ist entsprechend geringer vertreten; sie zeigt auch keine Parteif&#252;hrer im Bild, sondern eine brennende Kerze, offensichtlich will sie den Kambodschanern Erleuchtung bringen.</p>
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<p>Will man die andere gro&#223;e Lebensader – oder gar das Herz – Kambodschas, den Tonle Sap bereisen, dann muss man von Kompong Cham nach Phnom Penh zur&#252;ckkehren und dann in diesen »Nebenfluss« des Mekong einbiegen, der sich bald zu einem gro&#223;en See erweitert, der beinahe bis nach Siem Reap vor den Toren der Angkor-Tempel reicht. Hier ist das Dorf Koh Chen das erste Ziel. Es geh&#246;rt zum Silbergebiet von Udong, und man kann die Silberschmiede, die in der Regel in Heimarbeit t&#228;tig sind, dabei beobachten und nat&#252;rlich etwas von ihren Kreationen kaufen, v. a. D&#246;schen und Figuren, aber auch Armreifen, Ringe, Besteckteile wie silberne Essst&#228;bchen u. a. mehr.</p>
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<p>F&#228;hrt man weiter nach Kompong Tralach, dann wartet eine besondere Attraktion – eine Tour auf Ochsenkarren zu einem Kloster mit zugeh&#246;rigem Tempel, einem Vihara. Als wir anlegten, standen die d&#252;rren Tiere bereits in langer Reihe vor ihren primitiven Holzkarren, auf denen &#252;ber Reisstroh – f&#252;r die verweichlichten Ausl&#228;nder – Matten oder gar flache Polster ausgebreitet waren. Die Tiere erwiesen sich als gutm&#252;tig und kutschierten neben dem Fuhrswerkslenker (meist eine Lenkerin) bis zu zwei Touristen schicksalsergeben durch die Gegend. Man konnte auf dem Gef&#228;hrt halbwegs bequem sitzen; allerdings entsprach die Federung nicht dem europ&#228;ischen Standard selbst eines Kremserwagens. So schaukelten und holperten wir 30 Minuten lang durch ein ausgedehntes Stra&#223;endorf, konnten hinter den H&#228;usern das satte Gr&#252;n der Reisfelder bewundern und erreichten schlie&#223;lich das Anwesen der M&#246;nche, die sich jedoch in dieser hei&#223;en Mittagsstunde zur Ruhe gelegt hatten.</p>
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<p>Ihre Pagode, die fr&#252;her Wanderm&#246;nchen als Zuflucht diente, ist mit alten Wandbildern ausgestaltet, denen die UNESCO hohen Rang zumisst. Doch zur Pol-Pot-Zeit diente sie als Salzlager, das Kristall hat sich &#252;berall in die Mauer gefressen und die Bilder weitgehend zerst&#246;rt. Eine Restaurierung half nicht viel; das Salz sitzt in der Wand und bricht immer wieder durch.</p>
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<p>Nahe des Klosters ein Friedhof, bestehend aus mehreren Stupas, in denen die Asche Verstorbener versenkt worden ist. Sie waren hier auch verbrannt worden, wovon eine Verbrennungsst&#228;tte zeugt.. Hierher transportiert die Familie des Toten in einem festgelegten Ritual den Sarg. Er wird angez&#252;ndet, und wenn alles verbrannt ist, werden die &#220;berreste, vor allem Knochen, Z&#228;hne usw. aufgesammelt, in Kokosmilch gewaschen, in eine Urne gelegt und zusammen mit Asche des Verstorbenen in der Stupa beigesetzt. Oft bleiben Knochenreste zur&#252;ck, die dann der Nachfolger am Verbrennungsort entsorgt.</p>
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<p>Unsere Motordschunke verbrachte die Nacht in Kompong Tralach, die sich schnell mit totaler Dunkelheit herabsenkte. Nur die Scheinwerfer warfen noch milchiges Licht auf die graue Wasserfl&#228;che des Tonle Sap; von Ferne zirpten Grillen, und man f&#252;hlte sich pl&#246;tzlich in einer Szenerie, wie man sie nur aus einschl&#228;gigen Filmen zur ostasiatischen Geschichte kennt. Was dort aber oft aufdringlich, &#252;berzogen daher kommt, zeigte sich hier eingebettet in ein stimmiges Umfeld. Ger&#228;usche, Ger&#252;che, die schwere Feuchtigkeit der Luft auch w&#228;hrend der Nacht vereinigten sich mit dem Bild des tr&#228;ge dahinflie&#223;enden Flusses zu einem unvergesslichen Eindruck.</p>
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<p>In der Fr&#252;he des n&#228;chsten Tages ging die Fahrt weiter. Jetzt, wo sich die Trockenzeit dem Ende zuneigte, floss das Wasser schon aus dem Fluss in den Mekong ab; sp&#228;ter wird es zur&#252;ckkehren, wenn der Mekong seine Wassermassen in den Tonle Sap hineindr&#252;ckt und den See wieder f&#252;llt. Der Fluss ist hier relativ schmal, und man konnte das Treiben an Land und auf dem Wasser aus der N&#228;he betrachten. Fast &#252;berall am Ufer herrschte Gesch&#228;ftigkeit. Meist steht oben die H&#252;tte, nat&#252;rlich auf Pf&#228;hlen, und unten liegen eins oder mehrere Boote. Mitunter zeigen lange Bambusstangen daneben an, dass hier Meeresgetier gefangen oder auch gef&#252;ttert wird, um es f&#252;r sp&#228;teren Verkauf vorzubereiten. Manchmal sind die Netze zwischen ihnen etwas hochgehievt und werden geleert – ein stimmiges Bild in der weiten Wasserlandschaft. Gelegentlich liegt ein Lotosblumenfeld im Wasser. In der Regel f&#252;hrt auch eine Rohrleitung nach oben, verbunden mit einer einfachen Pumpe, die ihr K&#252;hlwasser aus dem Tonle Sap entnimmt und gleich wieder an ihn abgibt. Mit den Nass bew&#228;ssern die Bauern ihre oben liegenden Felder: Reis, Mais, Gem&#252;se usw. Man sieht die K&#246;pfe der Arbeitenden zwischen all dem Gr&#252;n, das in der Hitze nur m&#252;hsam erhalten werden kann.</p>
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<p>Leben aber ist auch auf dem Fluss. Uns begleiteten st&#228;ndig Boote, andere nahmen am Ufer etwas auf, z. B. Holz (&#196;ste, St&#228;mme), das aus dem Hinterland herangeschafft wurde und auf den Booten kunstvoll verladen und als Brennmaterial zur heimischen H&#252;tte transportiert wird. Manchmal sind die trockenen B&#228;ume so ausladend, dass zum Transport zwei Boote zusammengebunden werden. Oder Gem&#252;se, Melonen und andere Produkte ihrer Felder, die irgendwohin zum Verkauf geschafft werden. Andere sind mit Fischfang besch&#228;ftigt.. Sie stehen oft quer zur Flussrichtung und halten ihre Netze straff – in der Hoffnung wohl auch, dass unser gro&#223;es Schiff viele Fische zu ihnen hin treibt. Man sah, wie vor den H&#252;tten am Ufer, mitunter auch auf den gr&#246;&#223;eren Booten, Essen zubereitet und genossen wurde. Im Wasser badeten Kinder und winkten dem Schiff zu.</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/_QHIDUdobCI" height="315" width="560" allowfullscreen="" frameborder="0"></iframe></p>
<p>Mittags trafen wir im Kompong Chnang ein, einer kleinen Hafenstadt unweit des Zu- bzw. Abflusses des Tonle-Sap-Sees. Hier stiegen wir in die typischen schmalen Fischerboote mit Au&#223;enbordmotor um und wurden an Land gebracht, wo wir ein T&#246;pferdorf besuchten. Dort werden einfache Tongef&#228;&#223;e f&#252;r den Haushalt hergestellt, kaum Kunstgewerbe. Die T&#246;pferei folgt der Tradition und benutzt nicht einmal eine T&#246;pferscheibe. Stattdessen geht der T&#246;pfer immer wieder um das entstehende Gef&#228;&#223; herum und bringt es so in einem langwierigen und auch schwei&#223;treibenden Prozess allm&#228;hlich in Form. Zwar sind den hiesigen T&#246;pfern l&#228;ngst T&#246;pferscheiben offeriert worden, aber vor allem die &#196;lteren waren daf&#252;r nicht zu gewinnen; lediglich die Jugend zeigte sich aufgeschlossener – und folgt dennoch nicht selten der traditionellen Methode.</p>
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<p>Hergestellt werden hier auch schamotteartige Eins&#228;tze f&#252;r »Kochherde«, die eher einer Urform unserer modernen Grill&#246;fen &#228;hneln. Der runde, konisch zulaufende Tonk&#246;rper, der wie auch die T&#246;pfe zun&#228;chst an der Sonne getrocknet und dann in Reisighaufen gebrannt wird, wird danach in ein Metallgeh&#228;use eingelassen, wobei ein Zwischenraum zwischen den W&#228;nden verbleibt. Hier hinein f&#252;llen die T&#246;pfer mit Wasser zu einem festen Brei verarbeitete Asche als D&#228;mmstoff. Nach der Austrocknung ist der »Kochherd« fertig – eine Institution aus Koblenz soll bei der Entwicklung dieses Produkts geholfen haben.</p>
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<p>Au&#223;er mit T&#246;pferei besch&#228;ftigen sich die Dorfbewohner auch mit der Zuckergewinnung aus Zuckerpalmen. Diese B&#228;ume bilden m&#228;nnliche und weibliche Exemplare aus. Aus beider Fruchtst&#228;nden l&#228;sst sich mit speziellen, selbstgefertigten Holzquetschen Saft pressen. Das Problem besteht darin, dass sich diese Fruchtst&#228;nde weit oben in den Kronen der Zuckerpalmen befinden, so dass der Bauer mit einer Art Strickleiter hinaufsteigen, sich zwischen den Palmwedeln Platz verschaffen und dort dann den Saft in spezielle zylinderartige Gef&#228;&#223;e aus Bambusrohr (oder mittlerweile alte Plasteflaschen) pressen muss. Damit kommt er nach unten, und nun wird der Saft in einer gro&#223;en, wok-artigen Wanne stundenlang ger&#252;hrt, bis – infolge der Hitze – die Fl&#252;ssigkeit verdunstet und sich der Zucker als wei&#223;e Kruste absetzt. Anders als beim T&#246;pfern erleichtert man sich allerdings das R&#252;hrern durch ein ebenfalls selbstgefertigtes Ger&#228;t, das durch Hin-und-Her-Ziehen einiger F&#228;den den daran befestigten Quirl bewegt. Die langwierige Prozedur kann durch einen Zusatzstoff abgek&#252;rzt werden; allerdings wird dann der Zucker nach einiger Zeit braun. Von diesem Produkt in allerdings erst s&#228;miger Konsistenz konnten wir probieren; es schmeckte nicht allein s&#252;&#223;, sondern hatte ein angenehmes Aroma, so dass es auch als eine Art Bonbon zu genie&#223;en w&#228;re.</p>
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<p>Wir kehrten zum Tonle Sap zur&#252;ck, machten mit Fischerbooten noch eine Rundfahrt durch das schwimmende Dorf vom Kompong Chnang und konnten dabei nicht nur das abendliche Treiben auf den Hausbooten, sondern auch die Verkaufsformen auf den Handelsbooten beobachten. Man sah schwimmende Motor-Werkst&#228;tten ebenso wie Gem&#252;selager, Kaufl&#228;den per Boot sogar mit einer Art Schaufenster, einen Schweinestall auf dem Wasser und vieles andere mehr.</p>
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<p>In Koh Chan, direkt am Ufer des Tonle Sap, wo die armdicken Wurzeln und das &#252;ppige Blattwerk des Dschungel, vor allem aber allerlei fliegendes und kriechendes Getier zum Greifen nahe waren, so dass wir unsere Kabinent&#252;r sorgf&#228;ltig verschlossen, verbrachten wir die n&#228;chste Nacht, ehe wir die Dschunke verlie&#223;en und auf ein Tragfl&#228;chenboot umstiegen, das uns &#252;ber den Tonle-Sap-See bringen soll. Der See kann in der Trockenzeit wegen des niedrigen Wasserstandes mit gro&#223;en Booten nicht befahren werden. Zun&#228;chst ist er noch relativ schmal, und man kann am Ufer die Pfahlbauten, Hausboote und Fischereianlagen erkennen. Fischfang ist am Tonle Sap das eintr&#228;glichste Gewerbe, denn der See gilt als einer der fischreichsten der Welt. Sp&#228;ter weitet er sich und wird stellenweise so breit, dass man seine Ufer nicht mehr erkennen kann.</p>
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<p>Als unser Schnellboot in diesen Teil einfuhr, erlebten wir hautnah die Flachheit des Wassers. Pl&#246;tzlich kam es ins Schlingern, stotterte; es hatte auf dem weichen, sandigen Boden Grund bekommen. Der Bootsf&#252;hrer man&#246;vrierte, um die Flachstrecke zu &#252;berwinden. Es gelang ihm erst nach mehreren Versuchen, dann hatte er wieder gen&#252;gend Wasser unter dem Kiel, und wir konnten die Reise in gewohnter Geschwindigkeit fortsetzen. Damit hatten wir den breiten Teil des Sees erreicht; offensichtlich haben sich beim &#220;bergang in ihn einige Sandb&#228;nke gebildet.</p>
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<p>Als wir nach fast dreieinhalbst&#252;ndiger Fahrt das andere Ende des Tonle Sap erreichten und durch einen schmalen Kanal lehmigen Wassers langsam zu unserem Anlegeplatz fuhren, standen rechts und links die Fischer mit ihren Netzen und hofften wohl nicht zu Unrecht, dass das Schnellboot ihnen Fische zutreibt. Manche standen bis zum Hals im Wasser, andere nur bis zu H&#252;ften oder Knien, aber sie alle verhielten sich in gleicher Weise so, wie sie es der Natur abgeschaut haben.</p>
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<p>Wir landeten schlie&#223;lich an einem lehmigen Steilufer, von dem allerdings in der Regenzeit nichts zu sehen sein soll. Dann ist der Wasserspiegel des Tonle Sap bis zu 14 m h&#246;her als gegenw&#228;rtig; f&#252;r die Fischer trotz der Wassermassen eine goldene Zeit, denn dann entfaltet sich der Fischreichtum erst so richtig. Noch besser allerdings wird es zum Ende der Regenzeit, wenn das Wasser des Tonle Sap wieder in den Mekong abflie&#223;t, aus dem er vorher einen Teil des des reichlichen Nasses aufnahm. Dann kann man hier die Fische oft mit H&#228;nden fangen, oder mit Wannen, Schaufeln oder &#228;hnlichem einsammeln.</p>
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<p>In Siem Reap ist man ganz nahe der alten Khmer-Kultur, die sich vor allem in der tausendj&#228;hrigen Stadtanlage von Angkor ausdr&#252;ckt. Einen Vorgeschmack darauf kann man bei einer Darbietung alter kambodschanischer T&#228;nze bekommen, die Einblick in das traditionelle h&#246;fische Leben der K&#246;nige geben. In pr&#228;chtigen Kost&#252;men und mit einer erstaunlichen K&#246;rperbeherrschung stellen die T&#228;nzerinnen und T&#228;nzer alte Sagen der Khmer dar. Manches dabei erinnert an die Szenen der Peking-Oper. Daneben gibt es aber auch moderne Gruppent&#228;nze, die vom Leben der Fischer und Bauern in Kambodscha erz&#228;hlen, es dabei freilich verkl&#228;ren – wie Kunst ja oft vor allem die sch&#246;nen Seiten des Lebens zeigt, um dessen H&#228;rte ertr&#228;glicher zu machen.</p>
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		<title>Die gl&#252;cklichen Opfer der Kostenlos-Kultur</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Dec 2012 17:51:34 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Schier un&#252;bersehbar sind inzwischen die Klagen von Zeitungsverlegern, Redakteuren, Autoren aller Art, sie w&#252;rden durch geistige Schn&#228;ppchenj&#228;ger, die via Internet eine Kostenlos-Kultur etabliert h&#228;tten, in den Ruin getrieben. Dabei sind die Ums&#228;tze der Verlagsbranche noch immer betr&#228;chtlich, lagen 2011 bei achteinhalb Milliarden Euro, das sind nur 0,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Schier un&#252;bersehbar sind inzwischen die Klagen von Zeitungsverlegern, Redakteuren, Autoren aller Art, sie w&#252;rden durch geistige Schn&#228;ppchenj&#228;ger, die via Internet eine Kostenlos-Kultur etabliert h&#228;tten, in den Ruin getrieben. Dabei sind die Ums&#228;tze der Verlagsbranche noch immer betr&#228;chtlich<span id="more-4117"></span>, lagen 2011 bei achteinhalb Milliarden Euro, das sind nur 0,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Und auch wenn die Auflagen der Zeitungen r&#252;ckl&#228;ufig sind, verlieren sie weitaus mehr Geld im Anzeigen- und Beilagengesch&#228;ft, das um 2,2 Prozent zur&#252;ckging, als beim Vertrieb. Denn gerade durch das verteufelte Internet wuchsen die Reichweiten der Zeitungen, die t&#228;glich laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) von 48 Millionen Menschen gelesen werden. Dessen Hauptgesch&#228;ftsf&#252;hrer Dietmar Wolff schw&#228;rmte letzten Sommer f&#246;rmlich: »Was die Verbreitung von Zeitungsinhalten angeht, so ist <a href="http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/unternehmen-umsaetze-der-zeitungen-2011-stabil_aid_783044.html" target="_blank"><img alt="" src="http://vg03.met.vgwort.de/na/33c997d6629e415aa8a757a9c80a0c7f" width="1" height="1" />das Internet ein Segen f&#252;r die Verlage</a>.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und doch: Das <a href="http://www.ksta.de/medien/zeitungsverlage-umsaetze-stagnieren,15189656,12503818.html" target="_blank">Internet wird zur Ursache des vermeintlichen &#220;bels erkl&#228;rt</a> – nicht weil man wesentlich weniger verdient., sondern weil diese betr&#228;chtlichen Leser zahlen sich nach Meinung der Branche nicht gen&#252;gend im Gewinn niederschlagen. Diesen Markt, den nicht die Verlage, sondern den das Netz erschlossen hat, will man maximal absch&#246;pfen. Deshalb wird seit Jahren an <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.paid-content-im-internet-das-ende-der-kostenloskultur-im-netz.62f4dc2b-9cb6-40c3-8fa5-8ebb811aaee3.html" target="_blank">Bezahlmodellen f&#252;r die online-Zeitungen</a> gebastelt – stets verbunden mit Schimpfkanonaden gegen die Kostenlos-Kultur, die freilich erst von den Zeitungen eingef&#252;hrt worden ist, weil sie eben die gro&#223;en Reichweiten des Netzes f&#252;r sich nutzen wollten.</p>
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<p>Dass der Zeitungsleser, der Nutzer also, Gewinn aus solch einem Konzept zog, ging und geht den Produzenten gegen den Strich. Dabei waren und sind es gerade Produzenten, die Kostenlos-Kultur, Gratis-Kultur zu einem ihrer lukrativsten Gesch&#228;ftsmodelle entwickelt haben. L&#228;ngst ist der Konsument zum Bestandteil ihres Produktionsprozesses, vor allem ihres Marketings geworden – und zwar regelm&#228;&#223;ig kostenlos. Und viele solcher Gratisarbeiter tun es ganz freiwillig, f&#252;hlen sich noch geehrt, rei&#223;en sich geradezu darum – ja, bezahlen inzwischen sogar daf&#252;r, dass sie zum Beispiel f&#252;r eine namhafte Firma Werbung betreiben d&#252;rfen.,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Man erinnere sich an die Zeiten, als es Einkaufsnetze gab, die naturgem&#228;&#223; der Werbung nicht dienlich sein konnten, und sp&#228;ter Einkaufsbeutel, kariert oder einfarbig, noch ohne jedes Logo und Firmenzeichen. Sp&#228;testens mit dem Aufkommen der Plastet&#252;ten wurde auch deren Bedrucken erschwinglich, und bald sah man die menschlichen Werbetr&#228;ger auf den Stra&#223;en. Anfangs genierte sich noch der eine oder andere und bestand auf neutraler Verpackung, doch lange w&#228;hrte das nicht. Lie&#223; sich doch mit dem Firmenaufdruck sichtbar machen, dass man sich Produkte einer Qualit&#228;tsmarke leisten konnte.Die Kostenlos-Kultur war geboren, denn kostenlos warben die Konsumenten f&#252;r die Produzenten, die die neuen M&#246;glichkeiten blitzschnell erkannten und konsequent ausbauten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Heute ist das Land von »Marken« nahezu aller Produktgruppen &#252;berschwemmt, deren Qualit&#228;t sich kaum unterscheidet und in der &#252;berwiegenden Zahl auch nicht besser ist als jene von Billigprodukten, die sich ihrerseits kr&#228;ftig bem&#252;hen, im Marken-Gesch&#228;ft mitzumischen. Man tr&#228;gt das Firmenschild nicht mehr versteckt unter dem Kragen, sondern deutlich sichtbar auf dem R&#252;cken oder an der Brust, l&#228;sst es sich als metallisches Abzeichen aufn&#228;hen oder ankleben. Auch Aldi und andere Discounter entwickelten l&#228;ngst »Marken«, die von ihren Anh&#228;ngern spazieren getragen werden – umsonst und &#252;bergl&#252;cklich, sie vorzeigen zu d&#252;rfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Umsonst und &#252;bergl&#252;cklich stellen sich auch immer mehr Menschen in den Dienst unseres ebenfalls &#252;ber chronischen Geldmangel klagenden Fernsehens. Wer am 1. Weihnachtsfeiertag die »Helene-Fischer-Show« im Ersten sieht, sollte einen Augenblick auch des zu Tausenden z&#228;hlenden Publikums gedenken, das bereitwillig und fast bis zum Schluss begeistert die f&#252;nfst&#252;ndige Aufzeichnung &#252;ber sich ergeben lie&#223; – und das nicht nur kostenlos, sondern sogar gegen einen betr&#228;chtlichen Obolus. Zwar hob der eigens f&#252;r die gute Laune der Claqueure bestellte Animator Christian hervor, dass auch die Zuschauer unverzichtbar zur Show geh&#246;rten; dass sie f&#252;r diese &#252;bergest&#252;lpte Rolle jedoch bis zu 50 Euro hinlegen mussten, unterschlug er.</p>
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<p>Doch das Publikum nahm unverdrossen hin, dass es vor der Show eine ausf&#252;hrliche Einweisung erhielt, wie es sich in den n&#228;chsten Stunden zu verhalten habe, dass ihm dann ein gest&#252;ckeltes Nummernprogramm serviert wurde, von mehr oder minder langen Pausen unterbrochen, in denen jener Christian mal tuntig, mal in Bohlen-Manier zusammen mit dem Showstar Helene den zahlenden »G&#228;sten« zum Schaden auch noch den Spott lieferte. C&amp;H agierten nicht nur »laienhaft«, <a href="http://www.giga-music.de/helene-fischer-weihnachten-show-2012-ard-10102012-1/" target="_blank">wie ein Blogger feststellte</a>, sondern herablassend – und dennoch hielt sich der Unmut in Grenzen. Selbst dann noch, als Christian alle zum Singen von »O Tannenbaum« anfeuerte, und Helene daraus den Gag machte, nun habe auch sie ihre Fischer-Ch&#246;re.</p>
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<p>Diese Kostenlos-Unkultur, die das Fernsehen perfekt vorf&#252;hrte, hat inzwischen auch bei der Politik Begehrlichkeiten geweckt. Sie nennt das freilich weihevoll Ehrenamt, aber sieht man sich die immer h&#228;ufiger im Internet und in den Medien auftauchenden diesbez&#252;glichen Anzeigen an, dann wird klar, dass es um <a href="http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/org/ehrenamt/einsatzbereiche/ehrenamtsboerse_cw.html" target="_blank">Einsparung bei allerlei staatlichen Diensten </a>geht. Da werden ehrenamtliche Museumsw&#228;rter, Klassenfahrt-Begleiter, Krankenfahrer und andere mehr gesucht, wird an das soziale Gewissen der B&#252;rger appelliert, das den verantwortlichen staatlichen Stellen l&#228;ngst abgegangen ist. Kostenlos-Kultur zum Stopfen von Etatl&#246;chern, deren Ursache in einer Umverteilung von unten nach oben liegt, die Regierende von Rot-Gr&#252;n bis Schwarz-Gelb zum Programm gemacht haben.</p>
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<p>So entpuppt sich auch die mediale Klage &#252;ber die Kostenlos-Kultur letztlich als Heuchelei. Es waren schlie&#223;lich Zeitungsverlage, die Anzeigenbl&#228;tter auf den Markt warfen – kostenlos und mit einem echten journalistischen Anteil von allenfalls zehn Prozent; sie wollten damit ein besonders gro&#223;es St&#252;ck aus dem Werbekuchen schneiden. Viele Leser gaben und geben sich mit diesen Pseudo-Zeitungen –<a href="http://neusprech.org/kostenloskultur/" target="_blank"> ebenso wie mit dem kostenlosen Privatfernsehen</a> – zufrieden und greifen nicht mehr nach den kostenpflichtigen Bl&#228;ttern. Jetzt, wo die Anzeigenerl&#246;se einbrechen, weil die Werbung ins Internet wandert, ist die Klage gro&#223;, zumal auch die Bezahlzeitungen wegen ihrer zunehmenden inhaltlichen Konformit&#228;t mit dem politischen »Mainstream« oft nicht mehr ihr Geld wert sind. Wer umfassen informiert sein und unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen will, wird im Netz in der Regel viel eher f&#252;ndig als medialen System dieses Landes.</p>
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		<title>Hans-Peter Friedrich &#8211; der Brandstifter als Biedermann</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Dec 2012 19:49:00 +0000</pubDate>
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				<content:encoded><![CDATA[<h5>(pri)Lange wusste Hans-Peter Friedrich mit dem Amt des Bundesinnenministers wenig anzufangen. Im beginnenden Wahlkampf zum bayerischen Landtag und zum Bundestag jedoch f&#252;gt er sich zunehmend in die traditionell rechtskonservative Linie der Union ein und verf&#228;hrt nach den alten rechtslastigen Feindbildern der CSU &#8211; unter Verwendung von Weichzeichnern.<span id="more-4096"></span></h5>
<p>Mit seiner ersten &#196;u&#223;erung als Bundesinnenminister am 3. M&#228;rz 2011 schien Hans-Peter Friedrich in die Fu&#223;stapfen der Hardliner der Union in diesem Amt zu treten. »Der Islam geh&#246;rt nicht zu Deutschland«, sagte er apodiktisch und setzte sich damit in Gegensatz zum damaligen Bundespr&#228;sidenten Christian Wulff, der das Gegenteil erkl&#228;rt hatte. Seine CSU-Klientel d&#252;rfte zufrieden gewesen sein &#8211; ungeachtet oder gerade wegen des kritischen Echos, das der promovierte Jurist damit ausl&#246;ste, gef&#228;llt sich doch die CSU in der Rolle des Wadenbei&#223;ers auch gegen Berlin. Aber Friedrich setzte zur allgemeinen &#220;berraschung nicht sofort nach. Er trat nicht mit Sturmhaube auf, wie SPD-Mann Otto Schily, und betete auch nicht t&#228;glich das Mantra vom Einsatz der Bundeswehr im Innern, wie Wolfgang Sch&#228;uble von der CDU.</p>
<h4>Moderat, zivil und ohne Klamauk</h4>
<p><img alt="" src="http://vg03.met.vgwort.de/na/69d60334448d4c30bd5b2288b887239b" width="1" height="1" />Friedrich gab sich moderat, zivil, »ohne Klamauk«, wie er selbst sagte. Freund wie Feind wussten lange nicht, was sie von ihm halten sollten. In der Koalition galt er als schwache Besetzung, was sich verst&#228;rkte, als er im Skandal um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) das Versagen der Sicherheitsbeh&#246;rden einr&#228;umen musste und dabei in der Regel eine schlechte, weil hilflose Figur abgab. Sie ist freilich die Konsequenz seiner Taktik, die kritische Debatte um Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt und Polizei auszusitzen und zugleich diese Beh&#246;rden so umzubauen, dass sich an den bestehenden Strukturen mit ihrer stark ideologisch gepr&#228;gten Ausrichtung im Kern nichts &#228;ndert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 334px"><a href="http://www.blogsgesang.de/2012/12/19/hans-peter-friedrich-der-brandstifter-als-biedermann/attachment/67716/" rel="attachment wp-att-4098"><img alt="" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2012/12/67716-300x204.jpg" width="324" height="221" /></a><p class="wp-caption-text">Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zielt von sich aus am liebsten nach links.Foto: dpa/Bernd Settnik</p></div>
<p>Der Innenminister kann diese Linie nur unzureichend verschleiern, und zunehmend deutlicher wird in seiner Amtsf&#252;hrung auch die christsoziale Handschrift. Erkennbar war diese schon bei seinen Auftritten in der bayerischen Provinz. Vor seinesgleichen redet er Klartext. Da beschw&#246;rt er den internationalen Terrorismus als »gr&#246;&#223;te Bedrohung«, will »Gegnern des freiheitlichen Staates aus dem linken Lager« das Handwerk legen und empfiehlt die CSU als Vork&#228;mpferin gegen Rechtsextremismus, denn sie sei die »Antwort auf ein gottloses Regime« und sch&#252;tze die W&#252;rde des Menschen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der CSU geh&#246;rt der 55-J&#228;hrige seit seinem 17. Lebensjahr an; ein Jahr zuvor hatte er beim Aufbau der Sch&#252;ler-Union in seiner oberfr&#228;nkischen Heimat geholfen. Seine Parteikarriere begann nach dem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie nach ersten Berufsjahren im Bundeswirtschaftsministerium 1991 als Mitarbeiter der Bundestagsfraktion, in der er schnell aufstieg &#8211; vom Referenten des Landesgruppenchefs Michael Glos 1993 bis 2009 zum Landesgruppenchef selbst. 2011 wurde Friedrich CSU-Bezirkschef in Oberfranken; sein Vorg&#228;nger war Karl-Theodor zu Guttenberg, den er &#252;ber seinen R&#252;cktritt hinaus als Opfer von »ma&#223;loser Kritik« und Hass bezeichnete. Dessen Sturz verdankte er indes das Innenministerium, weil Thomas de Maizière von dort ins fr&#252;her Guttenbergsche Verteidigungsressort wechselte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hier gab sich der unauff&#228;llige Staatsbeamte nach der Islam-Schelte als Biedermann, der jedoch seinen &#220;berzeugungen treu blieb. So funktionierte er die von Wolfgang Sch&#228;uble initiierten Islamkonferenzen zu Veranstaltungen um, die weniger der Integration der Muslime als dem Aufsp&#252;ren potenzieller Terroristen dienen sollen. Er trat f&#252;r die Vorratsdatenspeicherung ein, konnte sich aber gegen das Bundesverfassungsgericht und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bisher nicht durchsetzen. Daf&#252;r erreichte er gegen den Widerstand letzterer die Verl&#228;ngerung der nach dem 11. September 2001 erlassenen, versch&#228;rften Sicherheitsgesetze und profilierte sich als Verfechter der Abschiebepraxis gegen Asylbewerber. Er forderte sogar die Aufhebung der Visafreiheit f&#252;r die EU-Kandidaten Serbien und Mazedonien, um den verfolgten Sinti und Roma den Weg in ein sicheres Asyl zu verwehren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bez&#252;glich des Rechtsextremismus warnt Friedrich wieder mehr als vor dessen Ideologie und Gewaltbereitschaft vor einer vorgeblichen Beeintr&#228;chtigung der Arbeit der Sicherheitsorgane. Das Verlangen der NSU-Untersuchungsaussch&#252;sse nach r&#252;ckhaltloser Aufkl&#228;rung schw&#228;cht in seinen Augen den Sicherheitsapparat. Er schickte seinen Staatssekret&#228;r Klaus-Dieter Fritsche vor, sich bei seiner Vernehmung im Ausschuss &#252;ber »bei&#223;ende Kritik, Hohn und Spott &#252;ber einen ganzen Berufszweig von Polizisten und Verfassungssch&#252;tzern« zu beklagen. Der Verfassungsschutz, bei dem Fritsche in den Jahren der Mordserie Vizepr&#228;sident war, erf&#252;lle eine »einzigartige Funktion f&#252;r alle B&#252;rger dieses Landes«.</p>
<h4>Rechts von der CSU darf es keine Partei geben</h4>
<p>Friedrich liegt allein daran, die Umtriebe der Rechten zu kennen, zu kontrollieren, um eingreifen zu k&#246;nnen, wenn sie so aus dem Ruder zu laufen drohen, dass sie den Ruf Deutschlands im Ausland gef&#228;hrden. Unterhalb dieser Schwelle sieht er keinen Grund, entschlossen durchzugreifen, weil der Rechtsextremismus von der Union als ideologisch integrierbar verstanden wird. Es ist ein gefl&#252;geltes Wort der CSU, dass es rechts von ihr keine demokratisch legitimierte Partei geben d&#252;rfe, was einschlie&#223;t, das rechtsextreme Gedankengut grunds&#228;tzlich in der eigenen Programmatik zu verankern. Ausl&#228;nderfeindlichkeit, Law-and-order, Umgang mit von der konservativen »Norm« abweichenden Lebensentw&#252;rfen, Kampf gegen linke Ideen finden sich bei Rechtsextremen wie Christsozialen; bei letzteren freilich in der Regel sprachlich gemildert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Deshalb auch sieht Friedrich in der Bundesrepublik »eins der sichersten L&#228;nder der Welt« &#8211; ungeachtet der zehn Morde, die Rechtsterroristen unbehelligt ausf&#252;hren konnten, ungeachtet von insgesamt etwa 200 Toten durch rechtsterroristische Anschl&#228;ge seit 1990, ungeachtet von 110 fl&#252;chtigen Rechtsextremisten, von denen mindestens 18 als politisch gef&#228;hrlich eingestuft werden, ungeachtet der NPD, die aggressiv Rassismus und Gewaltanwendung propagiert. F&#252;r ihn und seine Partei bedeutet dies keine Gefahr f&#252;r die Ordnung in der Bundesrepublik &#8211; eine beunruhigende Parallele zu Konservativen in der Weimarer Republik, die im Nationalsozialismus weniger ein Risiko f&#252;r den Kapitalismus sahen als vielmehr eine effiziente Herrschaftsform zur Durchsetzung der eigenen Ziele.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vor allem daraus ergibt sich Friedrichs kaum verhohlene Ablehnung eines NPD-Verbots. CSU-Chef Horst Seehofer widerspricht ihm hierbei, weil er sich sorgt, dass die NPD seiner Partei bei der Landtagswahl im Herbst Stimmen wegnehmen k&#246;nnte, welche die CSU f&#252;r die absolute Mehrheit ben&#246;tigt. Friedrich braucht als Bundesminister auf diese taktischen Erw&#228;gungen keine R&#252;cksicht zu nehmen. Er zweifelte erst die Stichhaltigkeit der f&#252;r ein Verbot sprechenden Belege an. Dann pl&#246;tzlich habe es nie eine »bessere Materialsammlung« als die von den L&#228;ndern gegeben, aber die NPD sei »eine am Boden liegende Partei«, die durch das Verbotsverfahren wiederbelebt werde.</p>
<h4>Die LINKE als politisches Feindbild</h4>
<p>Strenger urteilt Friedrich &#252;ber die LINKE, die »als Partei in Teilen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung arbeitet«, indem »sich Teile der LINKEN nicht abgrenzen von linksextremistischer Gewalt &#8230;, dass ihre Programmatik darauf gerichtet ist, einen marxistischen Staat zu errichten &#8230;, auch dass sie sich nicht distanzieren vom Unrechtsstaat der DDR, auch dass sie das kubanische Unrechtssystem offensichtlich ganz toll finden«. Dieses »S&#252;ndenregister« kann Friedrich m&#252;helos erweitern, und sollten dazu Aktenbestandteile durch Informationen der L&#228;nder zu LINKE-Politikern angeliefert werden, dann, so Friedrich im Deutschlandfunk, »schmei&#223;t man die nicht weg, sondern dann werden die zu den Akten genommen«. Einige Akten &#252;ber Rechtsextremisten wurden hingegen w&#228;hrend der Ermittlungen zum NSU s&#228;ckeweise in dem Innenministerium unterstehenden Dienststellen zerschreddert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kein Wunder, dass das mit viel Brimborium Ende 2011 geschaffene »Gemeinsame Abwehrzentrum Rechtsextremismus/Rechtsterrorismus« Monate sp&#228;ter faktisch wieder aufgel&#246;st wurde und sich nun auch um Linksextremismus, einen imagin&#228;ren Linksterrorismus, Ausl&#228;nderextremismus bzw. -terrorismus und Spionage k&#252;mmern soll. Friedrich r&#252;stet den Sicherheitsapparat gegen solche »Bedrohungen« auf. Der Sohn eines Verwaltungsangestellten gibt sich als Biedermann, der daf&#252;r sorgt, dass der Staat &#252;ber das n&#246;tige Repressionspotenzial verf&#252;gt. Doch der Biedermann wird zum Brandstifter, wenn sein ideologischer Standort dazu f&#252;hrt, dass jene, die Hass und Gewalt praktizieren, nicht in die Schranken gewiesen werden.</p>
<address> Gedruckt in: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/807755.der-brandstifter-als-biedermann.html" target="_blank">Neues Deutschland vom 19. Dezember 2012</a></address>
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		<title>&#196;gypten, Syrien und der m&#228;hliche Gang der Geschichte</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Dec 2012 22:51:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Am Sonnabend wird in &#196;gypten &#252;ber eine neue Verfassung abgestimmt. Dass darum ein erbitterter Kampf tobt, scheint hierzulande nicht wenige zu verwundern. Sie glaubten wohl, das Morgenland steuere nach dem Sturz Mubaraks unmittelbar in abendl&#228;ndische Verh&#228;ltnisse. Typisch westliche Arroganz. In Syrien tobt ein noch erbitterterer, weil blutiger Kampf, der bereits 40000 Tote kostete – [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Am Sonnabend wird in &#196;gypten &#252;ber eine neue Verfassung abgestimmt. Dass darum ein erbitterter Kampf tobt, scheint hierzulande nicht wenige zu verwundern. Sie glaubten wohl, das Morgenland steuere nach dem Sturz Mubaraks unmittelbar in abendl&#228;ndische Verh&#228;ltnisse. Typisch westliche Arroganz. In Syrien tobt ein noch erbitterterer, weil blutiger Kampf, der bereits 40000 Tote kostete – &#252;brigens derzeit noch weniger, als das milit&#228;rische Abenteuer von NATO und USA<a href="http://www.tagesschau.de/ausland/libyen1644.html" target="_blank"> in Libyen</a> auf dem Konto hat. <span id="more-4090"></span>Der Westen kann es gar nicht erwarten, dass der derzeitige <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/syrien2472.html" target="_blank"><img alt="" src="http://vg05.met.vgwort.de/na/3b99a8b181474c698780a121669fa63f" width="1" height="1" />syrische Pr&#228;sident</a> Assad endlich gest&#252;rzt wird, ohne zu wissen, was danach folgt. Aber man glaubt offensichtlich auch hier, das diktatorische Regime f&#252;hre direkt in parlamentarisch-demokratische Verh&#228;ltnisse.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>An beiden Orten verl&#228;uft die Entwicklung anders, weil die dortige Bev&#246;lkerung in ihrer Mehrheit &#252;berhaupt kein Verlangen hat, das politische System des Abendlandes eins zu eins zu &#252;bernehmen. In ihrem Kampf gegen jene Diktatoren, die der Westen jahrelang hofierte, haben sie ein <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-kern-der-revolte-arabiens-neues-selbstbewusstsein-1597244.html" target="_blank">Selbstbewusstsein</a> entwickelt, das ihnen das Recht und das Mandat gibt, &#252;ber ihre eigenen Geschicke auch selbst zu entscheiden. Das ist der schwierigere, auch l&#228;ngere, vielleicht blutigere Weg, aber er f&#252;hrt am Ende eher zu einem belastbaren Ergebnis als die Kopie durchaus nicht &#252;ber jeden Zweifel erhabene westliche Praktiken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Daran &#228;ndert auch nichts, dass es in beiden L&#228;ndern Kr&#228;fte gibt, die diesen kurzen Weg bevorzugen, denn sie sind nicht die Mehrheit. Dass sie dennoch nicht nur vehement f&#252;r ihre Position eintreten, sondern sogar noch vom Westen fordern, sie – und nicht die Mehrheit – massiv zu unterst&#252;tzen, in &#196;gypten mit Geld, in Syrien auch mit Waffen, disqualifiziert sie im Grunde als jene Demokraten, die sie vorgeben zu sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Geschichte ist kein W&#252;nsch-dir-was-Spiel, sondern entwickelt sich entsprechend den jeweiligen gesellschaftlichen Realit&#228;ten. Diese k&#246;nnen zwar von au&#223;en beeinflusst werden – in der Regel negativ, da dieser Einfluss stark von fremden Interessen gepr&#228;gt ist. Sie k&#246;nnen aber auf Dauer nicht von au&#223;en ver&#228;ndert werden, sondern nur durch innere Prozesse, die konsequent ausgetragen werden m&#252;ssen – m&#246;glichst friedlich, m&#246;glichst gewaltlos, aber eine Garantie gibt es daf&#252;r nicht. Noch weniger freilich f&#252;r die Friedlichkeit und Gewaltlosigkeit eines <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-12/assad-nachfolge-buergerkrieg-syrien-marrakesch-treffen/komplettansicht" target="_blank">Eingreifens von au&#223;en</a>, die die Opferzahlen zwangsl&#228;ufig erh&#246;ht. Das zeigte der Luftkrieg gegen Libyen, und das zeigt gegenw&#228;rtig der B&#252;rgerkrieg in Syrien, w&#228;hrend <a href=" http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-12/aegypten-verfassung-abstimmung-opposition" target="_blank">in &#196;gypten</a> bei aller Zuspitzung bisher &#252;berwiegend friedlich demonstriert wird – nicht viel anders als hierzulande, allerdings mit anderem Temperament und Engagement. Da fragt sich dann schon, wer von wem lernen k&#246;nnte.</p>
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		<title>Antiislamische Hetzvideos sind nur das I-T&#252;pfelchen auf systematischer Dem&#252;tigung</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2012/09/19/antiislamische-hetzvideos-sind-nur-das-i-tupfelchen-auf-systematischer-demutigung/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Sep 2012 19:48:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) In schlechter Einm&#252;tigkeit haben Politik und Medien, einschlie&#223;lich der sogenannten Qualit&#228;tspresse, sehr schnell ihr Urteil &#252;ber die teils friedlichen, teils gewaltsamen Proteste in der islamischen Welt gegen einen antiislamischen, in den USA produzierten Hetzfilm gesprochen und damit das Opfer reflexartig und beinahe uneingeschr&#228;nkt zum T&#228;ter gemacht. Von einer »Hassmaschine« ist da die Rede, von [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) In schlechter Einm&#252;tigkeit haben Politik und Medien, einschlie&#223;lich der sogenannten Qualit&#228;tspresse, sehr schnell ihr Urteil &#252;ber die teils friedlichen, teils gewaltsamen Proteste in der islamischen Welt gegen einen antiislamischen, in den USA produzierten Hetzfilm gesprochen und damit das Opfer reflexartig und beinahe uneingeschr&#228;nkt zum T&#228;ter gemacht. <span id="more-4002"></span>Von einer »Hassmaschine« ist da die Rede, von »blutigen Krawallen«, einem »Lauffeuer der Gewalt«, einem »Fl&#228;chenbrand im Nahen Osten«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kaum einer dieser hochdotierten Beobachter und Analytiker der Weltpolitik kann sich offensichtlich vorstellen, dass es gerade diese dogmatisch-arrogante Haltung des Westens gegen&#252;ber der islamischen Welt, ihrer Religion, aber auch ihrem politischen Selbstverst&#228;ndnis, ihren wachsenden &#246;konomischen Anspr&#252;chen und demzufolgend sozialen Bed&#252;rfnissen ist, die immer wieder aus kleinen Funken der Provokation die hell lodernde Flamme w&#252;tenden Protestes macht. Gerade diese permanente Missachtung und Ver&#228;chtlichmachung des anderen, des Unverst&#228;ndlichen und Unerw&#252;nschten f&#252;hrt dazu, dass sich pl&#246;tzlich der gesamte Islam einmal mehr zur&#252;ckgesetzt, beleidigt, erniedrigt f&#252;hlt – als kulturlose Menschenmasse auf der einen Seite und als wohlfeiles Ausbeutungsobjekt auf der anderen. So erw&#228;chst die Beleidigung nicht aus dem d&#252;mmlichen Video, sondern vielmehr aus der Rollenzuweisung der islamischen Gl&#228;ubigen als minderwertig, als vom Westen erst auf die »H&#246;hen der Kultur« zu f&#252;hrende, etwa wenn der Vorsitzende des Ausw&#228;rtigen Ausschusses des Bundestages, <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1867326/" target="_blank">Ruprecht Polenz (CDU)</a> ihnen bescheinigt, »kulturell noch ein, zwei Jahrhunderte« gegen&#252;ber jenen Muslimen zur&#252;ck zu sein, die bereits l&#228;nger in Deutschland leben. Das Video ist nur das I-T&#252;pfelchen auf solcher <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/238868.respekt.html" target="_blank">systematischen Stigmatisierung</a> einer missverstandenen und unerw&#252;nschten Religion.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieses Gef&#252;hl tiefer Dem&#252;tigung, latent seit Jahrzehnten vorhanden und lange niedergehalten von mit westlichen Regierungen umstandslos kooperierenden Diktatoren, wird jetzt umso mehr bewusst, als die V&#246;lker erkannten, dass dies kein unentrinnbares Schicksal ist, sondern von ihnen selbst &#252;berwunden werden kann. Sie haben begonnen, die korrupten Sachwalter westlicher Interessen im eigenen Land davonzujagen und erfahren nun, dass es damit nicht getan ist, dass westlicher Einfluss vielmehr versucht, die alten Verh&#228;ltnisse nur mit einem neuen Gewand zu drapieren. »Ohne Amerika (und Europa) geht es auch f&#252;r den neuen &#228;gyptischen Staatschef nicht«, schreibt mit erhobenem Zeigefinger die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, »selbst wenn die Muslimbr&#252;der und gro&#223;e Teile der &#228;gyptischen Bev&#246;lkerung die Regierung in Washington missbilligen m&#246;gen. Die Wirtschaftshilfen und Investitionen sind f&#252;r ihr politisches &#220;berleben einfach zu wichtig.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dass sich diese Wut derart gewaltt&#228;tig &#228;u&#223;ert, Menschenleben fordert, ist gewiss erschreckend, aber vielleicht ist sie auch ein Signal der Verzweiflung, der Ausweglosigkeit, die diese Menschen, die eben nicht nur bekennende Salafisten waren und sind, erfasst hat. Sie hatten auf Ver&#228;nderung gehofft, nicht zuletzt aufgrund westlicher Versprechen, und m&#252;ssen nun sehen, dass dieser Westen letztlich nichts anderes im Sinn hat, als ihre Abh&#228;ngigkeit zu erhalten, das alte Ausbeutungsverh&#228;ltnis mit neuen Leuten fortzusetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Deutlichster Ausdruck daf&#252;r ist die Reaktion auf die Proteste in der islamischen Welt. Die einen rufen f&#246;rmlich nach den Methoden unseliger Kanonenbootpolitik – wie der au&#223;enpolitische Sprecher der Unionsfraktion,<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1868207/"> Philipp Mi&#223;felder</a>, der beklagt, der Westen habe gegen&#252;ber dem Islam »sehr stark auf Dialog gesetzt« und das »Aggressionspotenzial« dieser Religion untersch&#228;tzt. Die anderen, wie der gr&#252;ne Bundestagsabgeordnete <a href="http://www.berliner-zeitung.de/politik/mohammed-schmaehvideo-die-mehrheit-liefert-sich-aus,10808018,17284244.html" target="_blank">Omid Nouripour</a>, enthalten sich zwar solcher militanten T&#246;ne; daf&#252;r kritisieren sie – obwohl in Iran geboren, jedoch l&#228;ngst abgehoben von den tats&#228;chlichen Sorgen und N&#246;ten der Menschen im Nahen Osten – die dortigen Zivilgesellschaften, die Intellektuellen, weil sie nicht Partei f&#252;r den Westen ergreifen, obwohl er alle ihre Hoffnungen entt&#228;uscht hat. Nouripour sieht nicht den tats&#228;chlichen Konflikt zwischen westlicher Dominanz und islamischer Erniedrigung, sondern – entsprechend der g&#228;ngigen hiesigen Meinung – allein einen »zwischen (muslimischen, christlichen, j&#252;dischen …) Extremisten« und dem »pluralen Rechtsstaat«, auf den er die neokoloniale westliche Politik blau&#228;ugig reduziert. Die dritten schlie&#223;lich schieben eine groteske Debatte &#252;ber das Hetzvideo in den Vordergrund, um die wahren Hintergr&#252;nde des Aufruhrs in der islamischen Welt zu verdecken. Sie alle aber beteiligen sich an der Meinungsmache gegen die V&#246;lker der arabischen Welt, die sie doch gerade noch als Helden gefeiert hatten und denen sie nun &#252;bel nehmen, dass sie ihren eigenen Weg gehen wollen.</p>
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		<title>Syrien als Schlachtfeld weltstrategischer Machtk&#228;mpfe</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jul 2012 23:04:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Je l&#228;nger die kriegerische Auseinandersetzung in und um Syrien dauert, umso klarer wird, dass es sich dabei schon lange nicht mehr um eine nationale Angelegenheit, nicht einmal vordergr&#252;ndig um einen regionalen Konflikt im Pulverfass des Nahen Ostens, sondern um eine weltstrategische Auseinandersetzung handelt, bei der es darum geht, wer global das Sagen hat und wer nicht<span id="more-3968"></span>, wer die Geschicke der Welt bestimmt und wer sich diesem Weltgendarmen unterzuordnen hat.</p>
<p>Alle gro&#223;en Kriege der Vergangenheit hatten letztlich eben dieses Motiv. Stets ging es um Weltherrschaft, bei deren Erlangung Konkurrenten blutig niedergerungen wurden. Nicht einmal der zweite Weltkrieg war in diesem Sinne ein Kampf der Systeme; schlie&#223;lich begann er mit dem Angriff auf Polen, Frankreich und andere europ&#228;ische (kapitalistische) L&#228;nder, ehe die Gro&#223;macht des Sozialismus ins Visier genommen wurde. Auch heute sind Russland und China nicht die Widerparts des Westens mit den USA und der NATO an der Spitze, weil sie den Systemwechsel anstreben w&#252;rden. Sie sind l&#228;ngst Teil des verbliebenen Systems, in diesem jedoch <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/syrien-und-ihr-denkt-es-geht-um-einen-diktator-11830492.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/8d103a12881a4e639683f268ba544fc1" alt="" width="1" height="1" />stark genug, die westliche Vorherrschaft in Frage zu stellen</a> – und deshalb eine Gefahr f&#252;r die selbsternannten Weltherrscher.</p>
<p>In Libyen haben beide Staaten – aus welchen konkreten Gr&#252;nden immer – den Westen gew&#228;hren lassen, vielleicht gar gehofft, dadurch mit ihm auf Augenh&#246;he zu sein; ein ern&#252;chternder Irrtum. Die USA und die NATO nutzten den Sturz Gaddafis zur St&#228;rkung der eigenen strategischen Position und wollen den Vorgang <a href="http://www.blogsgesang.de/2012/02/05/zwei-wahrheiten-in-syrien/" target="_blank">jetzt in Syrien wiederholen</a>. Der durch die starrsinnige, brutale Politik Assads ohne Zweifel provozierte, von den reaktion&#228;rsten arabischen Regimes um Saudi-Arabien und Katar aktiv angeheizte und vom Westen vielf&#228;ltig unterst&#252;tzte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerkrieg_in_Syrien" target="_blank">innersyrische Widerstand</a> liefert den Vorwand f&#252;r eine weitere wahlstrategische Machtverschiebung. Um die Interessen des syrischen Volkes geht es dabei – ganz im Gegensatz zum propagandistischen Get&#246;se – zuallerletzt. Russland und Chinas sollen aus diesem Machtpoker gedr&#228;ngt werden – und das mit ihrer eigene Zustimmung.</p>
<p>Ausgerechnet Deutschlands Verteidigungsminister Thomas de Maizière, dessen Au&#223;enamtskollege Westerwelle diese Botschaft geradezu als Dauerschleife an Russland und China formuliert, verwies k&#252;rzlich darauf, dass nie ein milit&#228;risches Eingreifen des Westens beispielsweise in Ruanda erwogen wurde, obwohl dort eine Million (!) Menschen brutal niedergemetzelt wurden. Auch nicht in Somalia trotz einer Hungersnot, gegen die der Westen h&#228;tte vorgehen k&#246;nnen. Freilich um den Preis milit&#228;rischer Auseinandersetzungen mit dortigen Milizen. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=0pQI1Xqu_hA" target="_blank">Aber das Leiden der ruandischen oder somalischen Zivilbev&#246;lkerung sei »nicht bis in unsere Wohnzimmer« gedrungen, so de Maizière</a>. Warum wohl nicht, und warum wohl im Falle Syriens?</p>
<p>De Maizière sagt das nicht, und auch unsere hochgelobten »Qualit&#228;tsmedien« verlieren dar&#252;ber kaum ein Wort: Weder in Ruanda noch in Somalia gab es weltstrategische Interessen – nicht f&#252;r den Westens, aber auch nicht f&#252;r den Osten mit Russland und China. In Syrien ist das ganz anders.Weil die USA, die NATO und Israel die nah&#246;stliche Region mit dem »Schurkenstaat« Iran in ihrem Sinne »befrieden« wollen, soll jeder St&#246;rfaktor ausgeschaltet werden, jetzt der syrische. Und weil Russland und China nach den strategischen Umbr&#252;chen nach 1989 seit langem zum Gegenangriff angetreten sind, um wenigstens die noch bestehenden Positionen zu halten, eventuell gar zu stabilisieren, k&#246;nnen und wollen weiteren westlichen Bodengewinn gerade hier nicht zulassen, wo der Islam als neuer strategischer Mitspieler eine noch nicht absch&#228;tzbare Rolle zu spielen angetreten ist.</p>
<p>Syrien hat das Pech, zum Schlachtfeld eines Stellvertreterkrieges um strategische Gel&#228;ndegewinne geworden zu sein, der sich l&#228;ngst nicht – wie beim Aufeinandersto&#223;en von Kapitalismus und Sozialismus – auf einen kalten Krieg beschr&#228;nkt, sondern bedrohliche hei&#223;e Formen angenommen hat. Widerspr&#252;che im kapitalistischen Lager, die einst angesichts der Systemauseinandersetzung &#252;berwiegend unter Vermeidung kriegerischer Zuspitzung ausgetragen wurden, treiben heute wieder auf gewaltsame L&#246;sungen zu; schlie&#223;lich ist der Kapitalismus unter sich und entscheidet allein &#252;ber die Weltordnung.</p>
<p>Dass es selbst Gro&#223;m&#228;chte wie Russland und China schwer haben, der westlichen Front etwas Wirksames entgegenzusetzen – auch daf&#252;r liefert Syrien ein anschauliches Beispiel. <a href="http://www.blogsgesang.de/2012/06/08/russlands-syrische-karte-und-die-ohnmacht-des-westens/" target="_blank">Diplomatisch befanden sich beide L&#228;nder in einer Schl&#252;sselstellung</a>, war und ist doch die Neigung der USA und der NATO gering, sich ohne und gegen die UNO-Vetom&#228;chte Russland und China in ein ungewisses milit&#228;risches Abenteuer zu st&#252;rzen. Aber dennoch konnten sie daraus nur wenig Kapital schlagen. Ihre Orientierung auf eine einvernehmliche Verhandlungsl&#246;sung wurde westlicherseits systematisch unterlaufen, jetzt durch <a href="http://nachrichten.t-online.de/syrien-konflikt-wie-der-westen-heimlich-krieg-fuehrt/id_58244838/index" target="_blank">direkte materielle Unterst&#252;tzung des Anti-Assad- Lagers</a> auch ohne eine UN-Resolution. Da die strategische Machtverschiebung friedlich nicht zu haben war, wurde gewaltsames Vorgehen bis hin zum B&#252;rgerkrieg forciert. Milit&#228;risch haben dem weder Russland noch China etwas entgegenzusetzen.</p>
<p>Aus all diesen Gr&#252;nden ist Syriens Leiden noch lange nicht zu Ende, eher im Gegenteil. Wo auf Krieg gesetzt wird, muss immer die Zivilbev&#246;lkerung die blutigen Folgen tragen. Der Westen hat dies ohne R&#252;cksicht auf die Folgen f&#252;r die Menschen getan. Dem Osten fehlt die Kraft zu einem Gegenkonzept, weshalb auch er sich auf die Wahrung der eigenen Interessen zur&#252;ckzieht. Und derweil geht das Sterben weiter.</p>
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		<title>Kristina Schr&#246;der &#8211; Penn&#228;lerin mit Feindbild</title>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 16:12:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Mit ihrem ehrgeizigen Ziel, Lebensentw&#252;rfe moderner Frauen in christdemokratischen Konservatismus zu integrieren, konnte die j&#252;ngste Ministerin im Kabinett Merkel nur scheitern. Denn nicht Sachkompetenz, sondern Protektion und taktisches Kalk&#252;l haben sie ins Amt gef&#252;hrt.<span id="more-3907"></span></p>
<p>»Schm&#228;h den Spiegel nicht, wenn schief dein Angesicht.« Dieses Sprichwort h&#228;tte Kristina Schr&#246;der k&#252;rzlich in der Berliner Backfabrik in den Sinn kommen k&#246;nnen, als sie ihr Buch »Danke, emanzipiert sind wir selber – Abschied vom Diktat der Rollenbilder« vorstellte. Sie war extra in die Wohngegend gegangen, in der viele wie sie ein modernes, selbstbestimmtes Leben f&#252;hren – mit Beruf nach gediegener Ausbildung, mit Kindern und (meist) einer Beziehung gleichberechtigter Partnerschaft. Und hatte wohl auf breite Zustimmung gehofft. Stattdessen schlugen ihr nur unvers&#246;hnliche Kritik und bei&#223;ender Spott entgegen, aber sie hatte die Urheber schnell ausgemacht: »Das linke politische Spektrum will Menschen umerziehen.« Es seien Ideologen, die sie angriffen.</p>
<h4>Schw&#228;rmte f&#252;r Kohl wie andere f&#252;r Pferde</h4>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/656a60823315425eaac0b0e30c7107b1" alt="" width="1" height="1" /><br />
Tats&#228;chlich hatte sie es mit Ideologen zu tun, vor zweieinhalb Jahren schon, als Angela Merkel die damals noch ledige Bundestagsabgeordnete Kristina K&#246;hler mit dem Ministerium f&#252;r Familie, Senioren, Frauen und Jugend betraute. Da w&#252;nschten sich bekennende Unionsanh&#228;nger wenn schon eine Frau, dann wenigstens eine mit Mann und Kind. Beides hat die 34-j&#228;hrige inzwischen nachgereicht; aber dass ihre zehn Monate alte Tochter sich nur schlecht in einen Ministeralltag integrieren l&#228;sst, gef&#228;llt noch immer nicht jedem Konservativen. Doch weniger das hat Kristina Schr&#246;der zur Feder greifen lassen, sondern jener Paradigmenwechsel in der Geschlechterbeziehung, der einen Lebensentwurf wie den ihren &#252;berhaupt erst m&#246;glich machte und den sie nun mit dem Pauschalverdikt »Feminismus« diffamiert (ND berichtete).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Familienministerin versteht sich zuerst als Konservative und hat den Ehrgeiz, diese eher zur&#252;ckblickende Weltanschauung mit dem Lebensgef&#252;hl und den Ambitionen heutiger Frauen zu vers&#246;hnen – was allerdings gerade bei ihr zu grandiosem Scheitern verurteilt sein musste. Denn die Wiesbadenerin erfuhr ihre Sozialisation in der stramm konservativen hessischen CDU. Aus kleinb&#252;rgerlichem Hause stammend, schw&#228;rmte sie f&#252;r Helmut Kohl »wie andere f&#252;r Pferde« und stand an ihrem 14. Geburtstag p&#252;nktlich in der CDU-Gesch&#228;ftsstelle, um in die Junge Union einzutreten. Dort und sp&#228;ter in der CDU machte sie rasch Karriere, war sie doch stets eine, die »sich immer zwischen Leitplanken bewegt, die andere ihr vorgeben«, wie unl&#228;ngst die S&#252;ddeutsche Zeitung einen Unionsabgeordneten zitierte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch als Teenager trat Kristina Schr&#246;der stets kontrolliert auf, im Kost&#252;m oder Hosenanzug, die Haare glatt gestriegelt. Auf dem Gymnasium wollte sie die Beste sein, bewarb sich um eine Nachpr&#252;fung, wenn das nicht gleich klappte. Ihr Doktorvater, der Politologe J&#252;rgen Falter, gestand, in ihr anfangs den Prototyp einer »h&#246;heren Tochter« gesehen zu haben. So kam sie schon mit 15 in den JU-Kreisvorstand Wiesbaden, mit 20 wurde sie dessen Vorsitzende. Da war sie l&#228;ngst Mitglied der CDU und ihres Bezirksvorstandes Westhessen, mit 23 Stadtverordnete und mit 25 im CDU-Landesvorstand. Im gleichen Jahr wurde sie mit einem g&#252;nstigen Listenplatz in den Bundestag gew&#228;hlt, 2009 holte sie gar das Wiesbadener Direktmandat, auf das bis dahin Heidemarie Wieczorek-Zeul von der SPD abonniert war.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beizeiten hatte sich Schr&#246;der als Hardlinerin profiliert – so, als sie im ausl&#228;nderfeindlichen hessischen CDU-Wahlkampf 2008 die These von »wachsender Deutschenfeindlichkeit« aufstellte, die sie freilich mit belastbaren Befunden nicht untermauern konnte. Schon damals zeigte sich, dass ihre betont rechtskonservativen Ansichten oft weniger von einer gefestigten Meinung, einer fundierten Weltanschauung zeugten als von etwas Angelerntem, mit dem man in der Hessen-CDU umso leichter Karriere machen konnte, je aggressiver und starrsinniger man auftrat. Wie eine ehrgeizige Penn&#228;lerin bereitet sie sich gr&#252;ndlich auf ihre &#246;ffentlichen Auftritte vor; kann sie dann aber ihr Programm nicht abspulen, ger&#228;t sie leicht aus dem Tritt. Ihr Stammeln in einer Frontal-21-Sendung des ZDF, als sie dort eben jene »Deutschenfeindlichkeit« erkl&#228;ren sollte, wurde bei YouTube schon mehr als 50 000 mal angeklickt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>R&#252;ckw&#228;rtsgewandt auch Schr&#246;ders Sicht auf die Integration von Migranten, die auf eine totale Assimilation hinausl&#228;uft. »Manche traditionellen Wurzeln m&#252;ssen endg&#252;ltig durchtrennt werden, wenn man es ernst meint mit dem Angekommensein in Deutschland&#8230;«, schrieb sie – ganz im Sinne dessen, wie in Wiesbaden »Integrationspolitik« betrieben wird: n&#228;mlich als Unterordnung von Einwanderern unter einen konservativen Wertekodex.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Von daher ist es nicht weit zum Feindbild des islamistischen Terrorismus, der nur bei Kristina Schr&#246;der noch von jenem des Linksterrorismus &#252;bertroffen wird. Der wurde »bisher zu wenig beachtet«, konstatierte sie nur wenige Wochen vor Bekanntwerden der rechtsterroristischen Mordserie. Sie sieht Linksextremisten nicht nur in den Kreuzberger Krawallmachern vom 1. Mai, die »No-go-areas f&#252;r Demokraten« schaffen w&#252;rden, sondern vor allem in der Linkspartei, die in G&#228;nze vom Verfassungsschutz &#252;berwacht geh&#246;re, und sogar im linken Fl&#252;gel der SPD. Verd&#228;chtig sind ihr auch linke Pressorgane einschlie&#223;lich dieser Zeitung, denn sie »unterst&#252;tzen kommunistische bzw. anarchistische Weltdeutungen und diskreditieren zugleich gegenl&#228;ufige Nachrichten als ›b&#252;rgerlichen Manipulationszusammenhang‹. Zudem haben sie zumeist die Aufgabe, die Leser zu einseitigem politischen Aktivismus zu ermuntern.«</p>
<h4>Eine Konservative zum Vorzeigen</h4>
<p>Wer gegen Rechtsextreme k&#228;mpft, die Schr&#246;der f&#252;r weniger gef&#228;hrlich h&#228;lt, der muss sich nach Ma&#223;gabe ihres Ministeriums beim Antrag auf F&#246;rdermittel ausdr&#252;cklich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und das auch bei seinen Kooperationspartnern sicherstellen und &#252;berpr&#252;fen. Zwar distanzierte sich ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages von solcher Schn&#252;ffelei: »In einem Klima des Misstrauens und der gegenseitigen Gesinnungs&#252;berpr&#252;fung d&#252;rfte sich das Erleben von demokratischer Teilhabe kaum organisieren lassen.« Und es hat dieser Tage das Verwaltungsgericht Dresden die Extremismusklausel f&#252;r »rechtswidrig« erkl&#228;rt. Schr&#246;der aber ficht das nicht an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gerade dies aber macht sie f&#252;r den konservativen Fl&#252;gel der Union so wertvoll, h&#228;lt sie doch auf diese Weise ein Banner hoch, hinter dem sich gern jene versammeln, die den Adenauer- und Kohl-Zeiten nachtrauern und von der durch die W&#228;hler erzwungene Teil-Modernisierung ihrer Partei wenig halten. Und hierin liegt auch das Wohlgefallen begr&#252;ndet, mit dem Angela Merkel bislang auf ihr »M&#228;dchen« schaut. Deshalb z&#246;gerte sie nicht, als ihr im November 2009 mit Franz Josef Jung ungewollt ein Minister abhanden gekommen war und die Hessen-CDU und Roland Koch auf einem heimischen Gesicht am Berliner Kabinettstisch bestanden, die forsche Newcomerin zu sich zu holen – nicht zuletzt als Vorzeige-Konservative, mit der Kritik aus der christdemokratischen Traditionalistenecke zu kontern war.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sachkompetenz spielte bei dieser Entscheidung keine Rolle, sondern allein die Protektion der hessischen M&#228;nnergarde und taktische Erw&#228;gungen im Kanzleramt; kein Wunder, dass die Ministerin von Anfang an &#252;berfordert war. Agierte sie zun&#228;chst vor allem auf den Feldern Umgang mit dem Islam und Extremismus, die prim&#228;r Sache des Innenministers sind, fand sie bei den Themen des eigenen Ressorts zu nicht mehr als einem unklaren, sprunghaften Kurs.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So setzte sie der beim Thema Frauenquote in gro&#223;en Unternehmen voranpreschenden Sozialministerin Ursula von der Leyen eine »Flexiquote« entgegen, die die Firmen zu verbindlichen Selbstverpflichtungen veranlassen soll, was nach allen Erfahrungen wenig bringt. Beim Betreuungsgeld hingegen trat sie mit ihrer ablehnenden Meinung ins Glied zur&#252;ck, als sie den Widerstand aus der erzkonservativen CSU-Ecke sp&#252;rte. Akzente in der Familienpolitik hat sie bisher nur marginal gesetzt, eine erkennbare Linie schon gar nicht vorgegeben. Und nun auch noch den Feminismus zum Hauptgegner erkl&#228;rt, womit sich freilich ihre Unt&#228;tigkeit in Sachen Frauenpolitik bem&#228;nteln lie&#223;.</p>
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<p>Kristina Schr&#246;ders macht aus ihrer Abneigung gegen seri&#246;ses konzeptionelles Arbeiten kaum ein Hehl. Wissenschaftliche Studien interpretiert die promovierte Soziologin aus ihrer subjektiven Sicht. »So ist das in der Wissenschaft. Jeder zieht seine eigenen Schlussfolgerungen«, befand sie dazu nassforsch. Ihre politische Arbeit folgt eher Prinzipien, die aus einem Lehrbuch f&#252;r erfolgreiche Aufsteiger stammten k&#246;nnten. »Wann geht man offensiv ran, wann telefoniert man rum, wann h&#228;lt man besser die Klappe, wann geht man nach vorn, wann bleibt man stehen, wie sucht man sich Verb&#252;ndete, wie stellt man sich dar. Das passt nicht in Algorithmen, daf&#252;r entwickelt man ein Feeling. Man muss nat&#252;rlich eine gewisse soziale Intelligenz haben«, erkl&#228;rte sie einmal ihre Strategie.</p>
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<p>Da verwundert es nicht, dass inhaltlich von ihr so wenig Substanzielles ausgeht. Sie handelt pragmatisch, aus der Situation heraus. Ihr einziger Anker ist die recht(s)gl&#228;ubige Gesinnung, die sie in Kochs Hessen-CDU lernte.</p>
<p><em>Gedruckt in: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/225894.pennaelerin-mit-feindbild.html">Neues Deutschland vom 04.05.2012</a></em></p>
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		<title>Innenminister Friedrich spielt mit dem Verfassungsbruch</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Apr 2012 19:02:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Wenn man den dramatischen Ank&#252;ndigungen glauben will, wird Deutschland am kommenden Donnerstag in eine Katastrophe schlittern. Dann n&#228;mlich soll die Bundesregierung Strafzahlungen »in Millionenh&#246;he« leisten, weil sie diese letzte Frist zur Einf&#252;hrung der vorsorglichen Speicherung von Telekommunikationsdaten nicht eingehalten hat. So jedenfalls trommeln Politiker und die ihnen zugetanen Medien seit Tagen und haben l&#228;ngst [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wenn man den dramatischen Ank&#252;ndigungen glauben will, wird Deutschland am kommenden Donnerstag in eine Katastrophe schlittern. Dann n&#228;mlich soll die Bundesregierung Strafzahlungen »in Millionenh&#246;he« leisten, weil sie diese letzte Frist zur Einf&#252;hrung der vorsorglichen Speicherung von Telekommunikationsdaten nicht eingehalten hat. So jedenfalls trommeln Politiker und die ihnen zugetanen Medien seit Tagen<span id="more-3889"></span> und haben l&#228;ngst auch die Schuldige daf&#252;r ausgemacht: Bundesjustizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger. Sogar eine konkrete Strafgeld-Zahl wurde bereits errechnet: 70 Millionen Euro.</p>
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<p>Sieht man einmal davon ab, dass diese Summe angesichts der immer neuen Milliarden, die die Regierung zur Erhaltung schwinds&#252;chtiger, aber f&#252;r ihre Betreiber dennoch lukrativer Banken steckt, nicht mehr als die ber&#252;hmten Peanuts sind, erweist sich bei n&#228;herem Hinsehen auch die Panikmache als wohlkalkuliert und von den Tatsachen weit entfernt. Denn ein <a href="http://europainstitut.de/index.php?id=1420" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/0ea21994e1504912806490f496266d96" alt="" width="1" height="1" />Vertragsverletzungsverfahren</a> mit anschlie&#223;enden Strafzahllungen ist erst nach einem komplizierten Verfahren und einem g&#252;ltigen Urteil des Europ&#228;ischen Gerichtshofes &#252;berhaupt m&#246;glich. Ein einzelnes Mitglied der EU-Kommission hat gar nicht die Befugnis, Strafgelder nach eigenem Gutd&#252;nken einzuziehen.</p>
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<p>Noch schlimmer aber als solche Unredlichkeit in Formfragen ist die Desinformation der &#214;ffentlichkeit in der Sache, bei der Regierungspolitiker und viele Medien ebenfalls Hand in Hand arbeiten. Denn sie alle verschweigen, dass die vom Innenminister angestrebte Regelung, die den Vorgaben der EU-Kommission entsprechen soll, im Kern dem <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2010-03/vorratsdaten-bverfg-urteil" target="_blank">Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahre 2010</a> zuwiderl&#228;uft. Zwar haben die Karlsruher Richter die sechsmonatige anlasslose <a href="http://www.computerbetrug.de/2012/04/streit-um-die-vorratsdatenspeicherung-das-mussen-sie-jetzt-wissen-6153" target="_blank">Speicherung aller Telekommunikationsdaten</a> nicht expressis verbis verworfen, jedoch indirekt daf&#252;r so hohe H&#252;rden aufgestellt, dass sie faktisch nicht verfassungskonform zu realisieren ist. Insbesondere verlangt das Bundesverfassungsgericht eine gr&#252;ndliche Pr&#252;fung der <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2010-03/vorratsdaten-bverfg-urteil/seite-2" target="_blank">Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit der Datenspeicherung</a>; weil es dabei um »&#252;berragend wichtige Rechtsg&#252;ter geht«. Sie komme nur beim »begr&#252;ndeten Verdacht einer schwere Straftat&#8221; in Frage; ansonsten seien weniger gravierende Ermittlungsma&#223;nahmen zu ergreifen. Geheimdienste d&#252;rften auf solche Daten nur zur&#252;ckgreifen, wenn es f&#252;r eine Bedrohung von Leib und Leben oder der Sicherheit der Bundesrepublik »tats&#228;chliche Anhaltspunkte einer konkreten Gefahr« und nicht nur Vermutungen g&#228;be. Das Gericht selbst schlie&#223;t daraus, »dass damit eine Verwendung der vorsorglich gespeicherten Telekommunikationsverkehrsdaten von Seiten der Nachrichtendienste in vielen F&#228;llen ausscheiden d&#252;rfte«.</p>
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<p>Gerade die verfassungsm&#228;&#223;ige Problematik der von Innenminister Friedrich gew&#252;nschten Regelung hat die Justizministerin veranlasst, bei den eigenen Vorschl&#228;gen sehr restriktiv vorzugehen. Auch sie gesteht eine gewisse Vorratsdatenspeicherung zu, aber<a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/eu-richtlinie-zur-vorratsdatenspeicherung-merkel-draengt-auf-schnelle-loesung-1815842.html" target="_blank"> in sehr engen Grenzen und vor allem anlassbezogen </a>– so wie es das Bundesverfassungsgericht faktisch fordert. Bundeskanzlerin Merkel jedoch interessiert das Grundgesetz &#252;berhaupt nicht. F&#252;r sie steht eine EU-Verordnung offensichtlich dar&#252;ber, wenn sie sagt: »Um den Erfordernissen und den Anforderungen der europ&#228;ischen Regeln zu entsprechen, m&#252;ssen wir eine solche Umsetzung finden, die dem Inhalt der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung entspricht.« Friedrich sie es ganz &#228;hnlich und will – <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/03/07/wie-patricia-riekel-zur-erbin-erich-mielkes-wurde/" target="_blank">wie schon sein Vorg&#228;nger Thomas de Maizière</a> – vom verfassungswidrigen Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung so viel retten wie nur m&#246;glich – auch um den Preis eines Verfassungsbruches. Da er qua Amt auch als Verfassungsminister gilt, ist hier im wahrsten Sinne des Wortes der Bock zum G&#228;rtner gemacht worden – gewiss nicht zuf&#228;llig, sondern mit Bedacht, denn angesichts der wachsenden Unzufriedenheit in der Bev&#246;lkerung mit der neoliberalen Politik der Regierung m&#246;chte sich der Staat wohl wappnen, um jeden substanziellen Protest im Keime zu ersticken.</p>
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