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	<title>blogsgesang.de &#187; Agentenaustausch</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Wolfgang Vogel &#8211; ehrlicher Makler in einem oft schmutzigen Gesch&#228;ft</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Aug 2008 10:59:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vorgestern ist in Bayern der fr&#252;here DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel gestorben. Mit ihm ist ein Mann gegangen, der wesentlich an der Geschichte der Ost-West-Beziehungen mitgeschrieben hat. Allerdings im Verborgenen, was ihn nach 1989 selbst auf die Anklagebank f&#252;hrte. Es war wohl so etwas wie eine Wiedergutmachung an jenem sonnigen Augusttag vor beinahe genau elf Jahren, als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Vorgestern ist in Bayern der fr&#252;here DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel gestorben. Mit ihm ist ein Mann gegangen, der wesentlich an der Geschichte der Ost-West-Beziehungen mitgeschrieben hat. Allerdings im Verborgenen, was ihn nach 1989 selbst auf die Anklagebank f&#252;hrte.<span id="more-413"></span></h5>
<p>Es war wohl so etwas wie eine Wiedergutmachung an jenem sonnigen Augusttag vor beinahe genau elf Jahren, als sich auf gewisserma&#223;en historischem Boden, an der Glienicker Br&#252;cke zwischen dem alten Westberlin und Potsdam, noch einmal viele Akteure geheimster Ost-West-Aktivit&#228;ten trafen, um vor allem einen Mann zu ehren, der von ihnen allen dabei wohl den schwersten Part gehabt hatte &#8211; Wolfgang Vogel. Der DDR-Anwalt war nach dem 13. August 1961 schrittweise in die Rolle eines Beauftragten der DDR-Spitze f&#252;r schwierige Operationen nicht nur zwischen der DDR und der Bundesrepublik, sondern generell im Ost-West-Verh&#228;ltnis hineingewachsen und hatte aufgrund seiner anwaltlichen F&#228;higkeiten, seines Intellekts und nicht zuletzt seines gewinnenden Wesens bald das Vertrauen aller beteiligten Seiten gewonnen &#8211; angesichts des allgemeinen Argwohns in Zeiten des kalten Krieges eine schwer zu &#252;bersch&#228;tzende Leistung. Nun also waren sie zur Pr&#228;sentation eines dickleibigen Buches &#252;ber ihn noch einmal gekommen und spazierten ein letztes Mal gemeinsam &#252;ber den wei&#223;en Kreidestrich, &#252;ber den sie fr&#252;her Spione ausgetauscht und politische H&#228;ftlinge der DDR gegen harte W&#228;hrung der Bundesrepublik in die Freiheit entlassen hatten.</p>
<p>Das erste Mal war Vogel hier im Fr&#252;hjahr 1962 dabei gewesen, als der &#252;ber der Sowjetunion abgeschossene U2-Pilot Gary Powers und der sowjetische Spion Rudolf Abel wortlos aneinander vorbeigingen &#8211; und seitdem immer wieder. Amerikaner und Russen, Engl&#228;nder, Polen, Israelis und viele andere fuhren unbemerkt an seiner Kanzlei in einem verschlafenen Lichtenberger Villenviertel vor, und sp&#228;ter agierte am Grenz&#252;bergang zwischen den nerv&#246;sen Uniformtr&#228;gern und »Schlapph&#252;ten« beider Seiten souver&#228;n ein rundlicher, bebrillter Herr im korrekten Anzug, der nicht selten auch jetzt noch unerwartete Hindernisse aus dem Weg r&#228;umte. Nach Powers und Abel war er unter anderem an der Ausreise des Dissidenten Schtschranski aus der Sowjetunion nach Israel und an der R&#252;ckholung der DDR-Spione Felfe und Guillaume beteiligt.</p>
<p>Sp&#228;ter waren es zunehmend DDR-B&#252;rger, die wegen politischer Delikte oder Republikflucht in Gef&#228;ngnissen sa&#223;en und von der Bundesrepublik freigekauft wurden; von 1963 bis 1989 insgesamt 33755. Fast 3, 5 Milliarden D-Mark wurden daf&#252;r gezahlt; erst in bar sp&#228;ter in Warenlieferungen. In Bonn wurden die Listen der H&#228;ftlinge zusammengestellt. Vogel ging sie dann mit seinen Kontaktleuten beim Ministerium f&#252;r Staatssicherheit durch und dirigierte schlie&#223;lich oft ganze Busladungen &#252;ber die Grenze, jetzt meist im th&#252;ringischen Herleshausen. Und am Schluss waren es immer &#246;fter ausreisewillige DDR-B&#252;rger, die sich an den Anwalt wandten, um ihr Land in Richtung Westen verlassen zu k&#246;nnen. Sie wussten, dass nach vielen eigenen Versuchen er ihre letzte Hoffnung blieb und st&#246;rten sich nicht daran, dass er das nur in Absprache mit der Staatssicherheit tun konnte, die auch ihm die Bedingungen daf&#252;r diktierte. Hatten sie Besitz,<br />
etwa von Grundst&#252;cken und H&#228;usern, oder pekuni&#228;r potente Verwandte im Westen, lie&#223; sich die gew&#252;nschte Ausreise meist arrangieren &#8211; immerhin mehr als 215000 mal.</p>
<p>Dass er daf&#252;r diese oft nervenaufreibende Dienstleistung Dank nicht erwarten konnte, merkte Wolfgang Vogel schon vor dem Ende der DDR. Da sollte er n&#228;mlich in Botschaften in Warschau, Prag oder Budapest geflohene DDR-B&#252;rger zur R&#252;ckkehr bewegen, doch er erntete von ihnen nur Spott, Pfiffe und Drohungen. Nach dem Untergang der DDR war er einer der ersten, der in Haft genommen wurde, zwar zun&#228;chst wieder frei kam, aber dann erneut &#8211; mit l&#228;ngeren Unterbrechungen &#8211; bis 1994 einsa&#223;. Bis 1998 zogen sich mehrere Prozesse gegen ihn hin, ehe er zumindest vom Vorwurf der Erpressung, den einige der ausgereisten ehemaligen DDR-B&#252;rger gegen ihn erhoben hatten, endg&#252;ltig freigesprochen wurde.</p>
<p>Vogel, der insbesondere f&#252;r Erich Honecker auch einige interne Kontakte zu BRD-Politikern wie Herbert Wehner anbahnte und in die deutsch-deutsche Besuchsdiplomatie einbezogen war, nannte solche Dem&#252;tigungen »geschichtsblind und rechtswirklichkeitsfremd«. Er hatte getan, was unter den gegebenen Bedingungen m&#246;glich war. Realistisch denkende Politiker hatten dies stets gew&#252;rdigt; nur wenige jedoch &#8211; wie Helmut Schmidt, Genscher und Barzel &#8211; auch in jenen Monaten, als er es am n&#246;tigsten gebraucht h&#228;tte.</p>
<p>Gedruckt in:  Neues Deutschland vom 23. 08. 2008</p>
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