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	<title>blogsgesang.de &#187; Banken</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Minsker Bilder aus New York</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 20:14:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Bisher kannte man solche Bilder aus Wei&#223;russlands Hauptstadt Minsk, aus Chinas Gro&#223;st&#228;dten, gelegentlich aus Moskau. J&#252;ngst auch aus Syrien und anderen arabischen L&#228;ndern. Demonstrationen in Europa jedoch sahen lange friedlich aus – und in den USA erst recht. Damit ist es vorbei. Brutal pr&#252;gelnde Polizisten<span id="more-3351"></span> sieht man inzwischen in Athen, in Madrid, in Rom, dieser Tage vor allem in New York, von der<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/polizei-raeumt-occupy-lager-ende-der-schonzeit-1.1189207-11" target="_blank"><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/bbc93352e6fe4f08b76a8d37681c4e56" alt="" width="1" height="1" /> Vertreibung, der Occupy-Aktivisten</a>. Die Bilder aus den selbsternannten »Demokratien« &#228;hneln jenen aus diktatorischen Staaten immer mehr – mit einem Unterschied: Wurden sie bei anderen begeistert begr&#252;&#223;t und von Aufforderungen an deren Herrscher begleitet, solche gravierenden Menschenrechtsverletzungen sofort einzustellen, gar zur&#252;ckzutreten, werden die Demonstranten im eigenen Haus <a href="http://www.welt.de/politik/ausland/article13724334/Die-Occupy-Bewegung-ein-Scherbenhaufen.html?wtmc=google.editorspick" target="_blank">diffamiert, kriminalisier</a>t, in die N&#228;he von Terrorismus ger&#252;ckt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwei Erkenntnisse sind daraus zu gewinnen. Erstens: Alle Machthaber sind sich gleich, wenn sie ihre Machtbasis bedroht sehen. Solange die Herrschaftsstrukturen funktionieren, kann man die Z&#252;gel locker lassen. Dann kann jeder sagen, was er will – ohne je eine Reaktion zu h&#246;ren. Dann kann er auch demonstrieren, in geh&#246;rigem Abstand zu den Machtzentralen. Und er kann alle vier Jahre seine Stimme der einen oder anderen Partei geben; danach bauen diese ihre Regierungen so zusammen, dass sich grunds&#228;tzlich nichts &#228;ndert. &#220;berschreitet jedoch der vorgeblich m&#252;ndige B&#252;rger Grenzen, die nicht er zog, sondern die Regierenden, ohne ihn nach seiner Meinung dazu zu fragen, bekommt er es schnell mit den Machtinstrumenten zu tun, der Polizei, den Geheimdiensten, der Justiz. Und zwar dann, wenn es ernst wird, &#252;berall in der gleichen brutalen Weise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und zweitens: In diesem Ernstfall zeigt sich schnell, wo die wirkliche Macht sitzt. Es k&#246;nnen einzelne Usurpatoren sein, die – wie zum Beispiel in der arabischen Welt – nur das eigene Gesetz gelten lassen wollen und jede Abweichung davon als Bedrohung empfinden. Es k&#246;nnen – man erinnere sich an die L&#228;nder des »realen Sozialismus« – so genannte avantgardistische Parteien sein, die aus ihrer Ideologie einen absoluten Wahrheitsanspruch ableiten und jeden als Feind betrachten, der etwas anderes denkt und vielleicht sogar laut sagt. Beides findet man bei jenen, die sich zu den westlichen Demokratien z&#228;hlen, nur noch ausnahmsweise, und folglich gehen die Regierungen mit Widerspruch gegen das eigene Tun oft einigerma&#223;en tolerant um. Aber nerv&#246;s werden sie dann, wenn sich der Protest gegen die eigentlichen Herrscher in ihrer Welt richtet – gegen das Kapital, gegen entfesselte Banken und Unternehmen, die im Manchester-Kapitalismus ihr Leitbild sehen. Dann erf&#252;llt die Politik ihren Auftrag, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-raeumung-des-protestcamps-polizei-occupiert-die-boerse-1.1192727" target="_blank">diese Machtbastionen mit allen Mitteln zu sch&#252;tzen</a> – wie die Usurpatoren ihre pers&#246;nlichen Pfr&#252;nden und die Staatsparteien ihre diktatorischen F&#252;hrungsstrukturen. Dann ist sie in der Wahl ihrer Mittel so wenig w&#228;hlerisch wie jene, denen sie sich so gern haushoch &#252;berlegen f&#252;hlt. Dann sendet sie unger&#252;hrt aus New York Bilder, die sie in Minsk eben noch mit heiliger Emp&#246;rung bedacht hatte.</p>
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		<title>Das Elend der Kapitalismus-Gl&#228;ubigen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 18:09:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) In Madrid wurden 300 000 gez&#228;hlt, in Rom 200 000. Tausende gingen auch in London, Berlin Lissabon und zahlreichen anderen St&#228;dten Europas auf die Stra&#223;en. In New York harren Tausende im Zuccotti-Park aus. Eine ungeahnte Welle antikapitalistischen Protestes rollt vor allem durch die westliche Welt. Und gleichzeitig kommen von dort immer &#246;fter Bilder, wie sie bisher nur aus Minsk, Peking oder Moskau verbreitet wurden: Schwerbewaffnete Polizisten jagen junge Demonstranten, sto&#223;en sie zu Boden, verfrachten sie in Polizeiautos. Ein Demonstrant im US-amerikanischen Oakland wurde lebensgef&#228;hrlich verletzt. Eine friedliche Revolution – diesmal gegen ihn – will der Kapitalismus nicht zulassen.<span id="more-3329"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwar glauben Politiker wie ihre medialen Bataillone noch immer, sie k&#246;nnten den Protest mit erprobten Mitteln kanalisieren, indem sie ihn bagatellisieren und vereinnahmen. Wie stalinistische Betonkopfe halten die heutigen Systemapologeten an ihrem unverbr&#252;chlichen Glauben fest, dass der Kapitalismus gar nicht schlecht sein kann, sondern nur von einigen seiner Vertreter schlecht verwaltet wurde. »Es waren Dummheit und Gier, Inkompetenz, Kurzsichtigkeit und Arroganz, es waren Banker, denen man noch nicht einmal B&#246;sartigkeit unterstellen kann. Sie hatten nur keine Ahnung, was sie da taten«, kopiert die <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/legitimationsprobleme-der-banker-es-war-dummheit-11501646.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/40180675e8f14e69bb624c9583467fa4" alt="" width="1" height="1" />»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« (FASZ) </a>die unbelehrbaren Genossen des sp&#228;ten Sozialismus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wie diese vor den politisch-ideologischen Diversanten warnten, verteufelt sie die heute anders Denkenden. Man k&#246;nne »getrost das Parteiprogramm der Linken vergessen und sollte auch nicht zuh&#246;ren, wenn SPD und Gr&#252;ne nur ihre Ressentiments auf den neuesten Stand bringen«. Genau dies taten dann <a href=" http://www.n-tv.de/politik/Linke-bringt-Bundestag-um-den-Verstand-article4632566.html" target="_blank">Union und FDP im Bundestag</a> bez&#252;glich der Linkspartei – nur weil sie gerade ein Programm verabschiedet hatte, das zur gegenw&#228;rtigen Krisenlage mehr bereit h&#228;lt als nur das Prinzip Hoffnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kl&#252;gere heucheln Verst&#228;ndnis f&#252;r die Protestler, was freilich auf deren verst&#228;ndliche Skepsis st&#246;&#223;t. Die Demonstranten begreifen, dass hinter dem Schulterklopfen, der Umarmung gar die Absicht des Weiter-so steht, das man sich nicht st&#246;ren lassen will. Von »der Verw&#228;sserung der Protestbewegung« spricht <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/occupy-wall-street-streit-lasst-euch-nicht-umarmen-1.1174532" target="_blank">Slavoj Žižek in der »S&#252;ddeutschen Zeitung«</a>: »So, wie man uns Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol und Eiscreme ohne Fett vorsetzt, werden die M&#228;chtigen versuchen, die Proteste als harmlose, moralistische Bewegung abzutun.« Obamas Verweis auf die angebliche N&#228;he seiner Politik zu den Forderungen der Demonstranten, Merkels »Verst&#228;ndnis« f&#252;r ihre Unzufriedenheit, das pl&#246;tzliche Haut-die Banken all jener, die sie im gleichen Atemzug als »systemrelevant« bezeichnen (was insofern stimmt, als sie ihr vorgeblich alternativloses kapitalistisches System meinen) – all das zielt auf Entwaffnung einer Bewegung, die zugleich kompromisslos mit den Repressivwaffen des Systems bek&#228;mpft wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit faktengest&#252;tzten Argumenten kann der Kapitalismus l&#228;ngst nicht mehr &#252;berzeugen; schon gar nicht, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Denn Weitsicht und daraus resultierende Nachhaltigkeit sind seine Merkmale nicht. Er ist ganz und gar auf den schnellen und m&#246;glichst gro&#223;en Gewinn orientiert, dem ordnet er sein gesamtes Handeln unter. Folgerichtig l&#228;sst er sich auch nur durch harte Tatsachen bremsen. Indem er zum Beispiel gegen die Wand einer Realit&#228;t f&#228;hrt, die er einfach nicht einkalkulierte, weil sie in seinem System nicht vorgesehen ist. Dann ist der Crash unausweichlich, dessen Aufprall zwar inzwischen Airbags und Knautschzonen zu mildern verm&#246;gen, ohne ihn freilich kl&#252;ger und vorsichtiger zu machen, eher noch risikofreudiger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die einzige Realit&#228;t, die dem Kapitalismus ein gewisses Ma&#223; an Vernunft aufzwang, war paradoxerweise der reale Sozialismus; mit seinem Verschwinden war die Bahn wieder frei f&#252;r die einfachen Instinkte, die schon Marx gekannt hatte: »Das <a href="http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/profit/profit.htm" target="_blank">Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit</a> oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital k&#252;hn. Zehn Prozent sicher, und man kann es &#252;berall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; f&#252;r 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu&#223;; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnlich irrational nat&#252;rlich auch der Kampf gegen all jene, die dieses unbedingte Profitprinzip in Frage stellen. So unausrottbar, wie im Sozialismus-System die Angst vor imperialistischer Konterbande war, so unausrottbar ist heute, nach einer kurzen Periode des Siegestaumels, in der man jede antikapitalistische Alternative schon auf dem M&#252;llhaufen der Geschichte w&#228;hnte, die neue Angst vor Andersdenkenden, die im Kapitalismus immer weniger das historische Nonplusultra sehen, sondern nach neuen gesellschaftlichen Entw&#252;rfen suchen und dabei auch fr&#252;here, gescheiterte Konzepte erneut auf den Pr&#252;fstand stellen, um zu sehen, woran es lag und was man daraus lernen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die treuen Gl&#228;ubigen des Kapitalismus haben dem nichts entgegenzusetzen als totale Verunsicherung. Und so finden sich in der schon genannten FASZ auf der gleichen Seite zum einen die Beschw&#246;rung, nicht etwa den Schluss zu ziehen, »dass man den Kapitalismus abschaffen m&#252;sse. Sondern dass er dringend gerettet werden sollte« und zwar mittels »einer einmaligen <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/staatsressource-privatvermoegen-sagt-die-wahrheit-11501648.html" target="_blank">Wohlstandsabgabe auf Verm&#246;gen und Immobilie</a>n irgendwo zwischen zwanzig und drei&#223;ig Prozent« und zum anderen das Eingest&#228;ndnis, dass sich Staaten und Finanzkapital »einander entsicherte Handgranaten zuspielen«. Mehr noch: »Was sich gegenw&#228;rtig Politik nennt, ist also nichts anderes als das Weiterreichen von Zeitbomben, deren Ausl&#246;sezeitpunkt niemand kennt. Es k&#246;nnte in Jahren sein oder heute Nachmittag.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beides ein deutliches, wenngleich ungewolltes Pl&#228;doyer f&#252;r die Fortsetzung und Verst&#228;rkung des B&#252;rgerprotestes gegen solchen Wahnsinn.</p>
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		<title>Wenn demn&#228;chst die deutsche Kreditw&#252;rdigkeit herabgestuft wird &#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Aug 2011 17:40:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) &#8230; dann wird das Heulen und Z&#228;hneklappern, das schon jetzt ziemlich vernehmlich ist, erst so richtig losgehen. Denn dann haben wir auch hier griechische oder spanische oder britische Verh&#228;ltnisse. Und viele werden &#252;berrascht tun – so, als habe man das absolut nicht kommen sehen. Dabei ist solche Perspektive schon heute mit H&#228;nden zu greifen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) &#8230; dann wird das Heulen und Z&#228;hneklappern, das schon jetzt ziemlich vernehmlich ist, erst so richtig losgehen. Denn dann haben wir auch hier griechische oder spanische oder britische Verh&#228;ltnisse. Und viele werden &#252;berrascht tun – so, als habe man das absolut nicht kommen sehen.<span id="more-3099"></span></p>
<p>Dabei ist solche Perspektive <a href="http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/wirtschaft-in-deutschland-abwaerts-gehts-auf-jeden-fall_aid_657514.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9b1817d9df464611852300e71a4070b4" alt="" width="1" height="1" />schon heute mit H&#228;nden zu greifen</a>. Und das umso mehr, wenn man gerade aus Norwegen zur&#252;ckgekehrt ist, einem derzeit gewiss traumatisierten Land, das aber dennoch nicht in Rat- und Hilflosigkeit versinkt – und schon gar nicht zum Unruheherd zu werden droht.</p>
<p>Dass die brennenden Autos in Berlin irgendwie die Vorboten der brennenden Vorst&#228;dte von London sein k&#246;nnten, hat – immerhin – Angela Merkel erkannt. Dagegen unternehmen wird sie nichts – au&#223;er vielleicht die Repressivorgane des Staates nicht durch Sparma&#223;nahmen zu schw&#228;chen. Sie kann auch nichts dagegen tun, solange sie sich als loyale Dienerin jenes Systems versteht, das sich – spontan, weil nicht geb&#228;ndigt – nach dem Gesetz der W&#246;lfe entwickelt, das nicht den Hunger, sondern die Gier zur Basis hat.</p>
<p>Die kapitalistische Realwirtschaft bezieht ihre St&#228;rke daraus, dass sie auf die Bed&#252;rfnisse der Menschen schaut, diese auch schon mal erzeugt und entsprechend diesem Bedarf produziert. Da werden nat&#252;rlich Profite auf Kosten der Konsumenten gemacht, diese aber in der Regel f&#252;r neue Produkte verwendet – entsprechend der gewachsenen oder auch manipulierten Bed&#252;rfnisse. Das System ist zumindest in Teilen ungerecht, aber funktioniert, da die Menschen um des eigenen kleinen Vorteils willen den gr&#246;&#223;eren Vorteil der Produzenten relativ klaglos hinnehmen. Es verhindert Reich und Arm nicht, begrenzt aber die Unterschiede und sorgt so f&#252;r eine fragile Balance, die immer wieder austariert werden muss.</p>
<p>Ganz anders funktioniert die Finanzwirtschaft, zumindest dann, sobald sie ihre einzige Daseinsberechtigung, die Unterst&#252;tzung der materiellen Produktion, aufgibt und sich verselbst&#228;ndigt. Sie kann dies freilich nur dann, wenn der Staat es vers&#228;umt, die genannte Balance zwischen Reich und Arm sicherzustellen, also das Finanzkapital einer gewissen Kontrolle und Regulierung zu unterwerfen. Eins dieser Vers&#228;umnisse betraf zum Beispiel den Verzicht auf die Absch&#246;pfung des Gewinns, der nicht aus menschlicher Arbeitskraft, sondern aus der technischen und technologischen Entwicklung erwirtschaftet wurde. Obwohl auch er letztlich aus gemeinschaftlicher Anstrengung hervorging, wurde er nicht dem Gemeinwohl zug&#228;nglich gemacht, sondern allein bei den Kapitaleigent&#252;mern belassen, die ihn aber – aus objektiven wie subjektiven Gr&#252;nden – nur bedingt in neue Produktion investierten, sondern damit auf Spekulationskurs gingen.</p>
<p>Im Kapitalismus kann man auch ohne materielle Produktion, allein durch Umschichten des Kapitals, Geld »verdienen« &#8211; allerdings nur, wenn ihm dabei keine Grenzen gesetzt, die Wolfsz&#228;hne gezogen werden. Es gen&#252;gt ihm nicht, den nat&#252;rlichen Hunger zu stillen und sich dabei vielleicht noch ein Wohlstandb&#228;uchlein anzufuttern, sondern er entwickelt schnell eine grenzenlose Gier, die sich so viel wir m&#246;glich habhaft machen will, jenseits sogar aller vern&#252;nftigen Verwertungsm&#246;glichkeit. Und er l&#228;sst sich daf&#252;r immer neue »Instrumente« einfallen, die nicht selten die Grenzen ins Kriminelle &#252;berschreiten. (Man versuche nur einmal, im gew&#246;hnlichen Handelsleben so etwas wie einen »Leerverkauf« zu t&#228;tigen; schnell griffen die Betrugsparagrafen der Gesetze.)</p>
<p>Dennoch laufen lupenreine Kapitalisten und die von ihnen gesponserten Politiker, nat&#252;rlich jene der FDP, mehr oder minder aber auch schon solche der anderen Parteien, und Meinungsmacher beinahe aller Medien Sturm gegen jegliche Restriktionen f&#252;r das Kapital. Und lamentieren gleichzeitig &#252;ber die Verschuldung des Staates, die ganz wesentlich dadurch hervorgerufen wurde, dass eben dieser Staat zur Bew&#228;ltigung der Finanzkrise 2008 Milliarden und Abermilliarden zur Rettung der Banken aufbringen musste, die ohne diese Kapitalspritze – direkt oder indirekt durch Konjunkturprogramme – pleite zu gehen drohten. Sie zahlten diese Milliarden nicht etwa zur&#252;ck, sondern setzten damit ihr verderbliches Tun fort, ungeachtet der horrenden Verschuldung, die auch der deutsche Staatshaushalt zu verkraften hat und die ihn schon bald ins Visier der Finanzm&#228;rkte bringen wird.</p>
<p>Vielmehr verlangen sie staatliche Ausgabenk&#252;rzungen – ob f&#252;r die ihm obliegenden Aufgaben zur Erhaltung und Entwicklung des Gemeinwesens oder bei Sozialprogrammen. Was die Probleme aber nicht nur nicht l&#246;st, sondern erst schafft und versch&#228;rft. <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0820/tagesthema/0062/index.html" target="_blank">Bis hin zum Aufruhr.</a> Denn ist die parasit&#228;re Finanzbranche die eine Seite der Medaille, so zeigt ihre R&#252;ckseite die Emp&#246;rung, den Zorn und die sinnlose Zerst&#246;rungswut der durch sie Verarmten und Verelendeten.</p>
<p>Ein Wesensmerkmal des Kapitalismus ist die Anarchie – und zwar auf jeder Ebene. Anarchisch vollzieht sich oben, wo das Geld regiert, das Spiel der B&#246;rsen, die es mit allen Mitteln zu mehren versuchen. Ebenso anarchisch reagiert unten, wo das Geld fehlt und zugleich die Begehrlichkeit gezielt stimuliert wird, der Geprellte, der Ausgegrenzte, indem er angreift, was er in heimlicher Sehnsucht hasst, weil es nicht erreichbar ist. Das eine ist so irrational wie das andere. Aber das eine ist Ursache, und das andere ist Wirkung. Fehl geht, wer – wie jetzt Englands unter die Regierungsr&#228;son gezwungene Justiz – die Wirkung bek&#228;mpft, die Ursache aber ungeschoren l&#228;sst. Das aber geschieht nicht nur in Gro&#223;britannien, sondern &#252;berall, wo sich der Aufruhr erhebt. Auch hierzulande wird dies das Mittel der Wahl sein, wenn demn&#228;chst die deutsche Kreditw&#252;rdigkeit herabgestuft wird &#8211; mit all den Folgen, die  jetzt schon in einem europ&#228;ischen Land nach dem anderen zu beobachten sind.</p>
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		<title>Mit Griechenland hat die gro&#223;e europ&#228;ische Umverteilung erst begonnen</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 17:00:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Griechenlands sich sozialistisch nennende Regierung hat im Parlament das n&#228;chste EU-Spardiktat durchgesetzt und damit einen weiteren Schritt im gro&#223;en europ&#228;ischen Umverteilungs-Monopoly getan. In der einstigen Dritten Welt, aus der bislang H&#246;chstprofite herauszuholen waren, sinkt sukzessive die Rendite. Vor allem in den Schwellenl&#228;ndern w&#228;chst die einheimische Konkurrenz um den Kuchen. Da erinnert sich die uners&#228;ttliche Finanzbranche, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Griechenlands sich sozialistisch nennende Regierung hat im Parlament das n&#228;chste EU-Spardiktat durchgesetzt und damit einen weiteren Schritt im gro&#223;en europ&#228;ischen Umverteilungs-Monopoly getan. In der einstigen Dritten Welt, aus der bislang H&#246;chstprofite herauszuholen waren, sinkt sukzessive die Rendite. Vor allem in den Schwellenl&#228;ndern w&#228;chst die einheimische Konkurrenz um den Kuchen. Da erinnert sich die uners&#228;ttliche Finanzbranche, dass hierzulande noch zuviel Geld beim kleinen Mann ist<span id="more-2907"></span>, der doch auch von Wirtschaftswunder und Nach-Wende-Konjunktur profitierte, und leitet ein gigantisches Man&#246;ver ein, um an dieses Geld zu kommen – beginnend beim derzeit schw&#228;chsten Glied in der Euro-Kette. Nach <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,771417,00.html" target="_blank"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/eae79d78baa34b18bcb5cd52f5129a84" alt="" width="1" height="1" />Griechenland</a> wird man sich dem n&#228;chsten Opfer zuwenden. Die Schuldenkrise, von den Banken und ihren global agierenden Hilfstruppen von IWF bis Rating-Agenturen bewusst herbeigef&#252;hrt, erm&#246;glicht ihnen den Zugriff auf das Volksverm&#246;gen der EU-L&#228;nder – und zwar ohne Ausnahme.</p>
<p>Griechenland ging es – etwas vereinfacht – wie dir und mir. So wie wir t&#228;glich von den Banken und allerlei Unternehmen dazu animiert werden sollen, Schulden zu machen – durch aggressive Werbung f&#252;r diverse Kredite, durch Teilzahlungsangebote f&#252;r beinahe jedes Produkt bis hin zu Reisen, f&#252;r die man noch zahlt, wenn man sie l&#228;ngst vergessen hat. Der Preis daf&#252;r, der Zins, wird im Kleingedruckten versteckt, bagatellisiert, vom Tisch geredet. Wer darauf hereinf&#228;llt, hat bald ein b&#246;ses Erwachen – und kann doch nichts mehr &#228;ndern. Allzu fest sind die Daumenschrauben angezogen, ausweglos die vertr&#228;ge gestaltet. Die Schuld steht und rei&#223;t ein tiefes Loch in deinen Finanzetat – zu deinem alleinigen Schaden und zum ausschlie&#223;lichen Nutzen der Bank</p>
<p>Die Griechen, als eines der &#246;konomisch schw&#228;chsten L&#228;nder zur EU gesto&#223;en (worden), sahen sich sofort der <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/griechisches-parlament-stimmt-sparpaket-zu-und-jetzt-bitte-eine-revolution-1.1114074" target="_blank">geballten Werbestrategie der f&#252;hrenden europ&#228;ischen Geldh&#228;user</a> ausgesetzt. Und ihre Politiker, nicht schlechter, aber auch nicht besser als die unsrigen, bedienten flugs die eigene Klientel mit lukrativen Auftr&#228;gen auf Pump und das Volk mit allerlei prachtvollen Wohltaten, die dieses nat&#252;rlich gern entgegennahm – in der eitlen Hoffnung, die Regierung habe die Sache schon durchgerechnet. Doch so wie es im Privatleben aufgrund verschiedener »Sachzw&#228;nge« daran mangelt, ist dies auch nicht der Impetus der Politik, eher im Gegenteil, denn es ist nicht das eigene Geld, &#252;ber das sie gro&#223;z&#252;gig verf&#252;gt.</p>
<p>Das Resultat ist jetzt sichtbar, und das Problem liegt bei F&#246;rderern und zeitweiligen Nutznie&#223;ern solchen Wirtschaftens, nicht bei den Verursachern, die sich im Hintergrund die H&#228;nde reiben. Es ist wie beim H&#228;uslebauer, der sich – oft vollmundiger Versprechen wegen – &#252;bernimmt und am Ende erleben muss, dass nicht nur das Haus weg ist, sondern auch all seine Ersparnisse, die er selbst in das Unternehmen steckte. Haus wie sein Geld haben die Bank, die unerbittlich auf Vertragstreue besteht, darauf, dass der Schuldner nicht nur den G&#252;rtel enger schnallt, sondern gegebenenfalls auch noch sein Tafelsilber ver&#228;u&#223;ert. Wie die EU-Finanzkommissare als Vollzugsgehilfen europ&#228;ischen Finanzkapitals unerbittlich immer neue Sparprogramme von Griechenland verlangen, um noch den letzten Cent aus seinen B&#252;rgern herauszupressen, noch den letzten Sachwert in privates Eigentum zu &#252;berf&#252;hren.</p>
<p>Das griechische Volk hat dar&#252;ber nicht mitzubestimmen, und die Volksvertreter bekommen schon l&#228;ngst ihre Befehle aus der EU-Zentrale. Selbst der Opposition wird vorgeschrieben, wie sie abzustimmen hat. Ganz nebenbei wird das letzte demokratische M&#228;ntelchen abgeworfen. F&#252;r das Finanzkapital ist Demokratie nur ein St&#246;rfaktor; die EU-Gremien sind dazu geschaffen worden, ihn auszuschalten. Und eine Druckkulisse aufzubauen – durch Panikmache mit einem drohenden Zusammenbruch der Euro. Da wird das kleine Griechenland pl&#246;tzlich zum Riesenpopanz. Tats&#228;chlich aber kann die Verschuldung des Landes nur dann zum Problem werden, wenn man alle Forderungen der Banken und ihrer privaten Anleger erf&#252;llt; einschlie&#223;lich der nach Bedienung der von dubiosen Rating-Agenturen hochgetriebenen Wucherzinsen.</p>
<p>Griechenland ist mit Sicherheit nur der Anfang. Portugal, Irland, Spanien, Italien werden folgen, dann weitere, von denen jetzt noch niemand spricht. Denn hoch verschuldet sind sie alle – und damit anf&#228;llig f&#252;r das Umverteilungs-Monopoly des Finanzkapitals. Irgendwann sollen die Schulden der Staaten wieder zu barem Geld oder wenigstens zu Sachwerten gemacht werden. Die Gelegenheit dazu scheint derzeit g&#252;nstig – in einer Welt ohne realistische politische Alternative.</p>
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		<title>FDP auf Normalma&#223; zur&#252;ckgestutzt</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 18:10:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint<span id="more-2693"></span>, im Abgang noch Bedingungen stellen zu k&#246;nnen; er wird lernen m&#252;ssen, dass gerade in seiner »Partei der Leistungstr&#228;ger« nichts so sehr z&#228;hlt wie der Erfolg und nichts so vernichtend ist wie Verluste an der Wahlurne.</p>
<p>F&#252;r die Partei als Ganzes jedoch ist Westerwelle nur insofern ein Problem, als er als ihr Vorsitzender jene inhaltliche Ausrichtung der Partei erdachte und durchsetzte, die sie jetzt an den Rand des Abgrunds f&#252;hrte. Diese Ausrichtung haben freilich alle ihre Funktion&#228;re zumindest klaglos, meist aber begeistert mitgemacht – ganz vorn jene, die sich jetzt auch wieder danach dr&#228;ngen, den wuchtigsten Schlag gegen den Ex-Chef zu f&#252;hren. Auch <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/fdp-trio-lindner-roesler-bahr-die-boygroup-der-liberalen-1671025.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c5eddb7fa917495a91fe82c435ded144" alt="" width="1" height="1" />jene, die jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen sollen</a>, waren mit Kritik am Vorsitzenden nie aufgefallen, im Gegenteil verteidigten sie ihn stets wortreich. Sie haben konzeptionell auch nichts anderes auf der Pfanne als ihr zur&#252;ckgetretener Vormann; auch deshalb hat wohl keiner von ihnen Lust, sich ins Geschirr zu h&#228;ngen. Denn ohne <a href="http://www.morgenweb.de/meinung/kommentar/20110404_mmm0000001473637.html" target="_blank">inhaltliche Umorientierun</a>g der Partei ist der Misserfolg jedes k&#252;nftigen FDP-Chefs vorprogrammiert. Diese inhaltliche Umorientierung jedoch ist nicht in Sicht; sie f&#228;nde in der heutigen  FDP auch keine Mehrheit; insofern hat Guido Westerwelle ganze Arbeit geleistet und seine Partei in ein auswegloses Dilemma gef&#252;hrt.</p>
<p>Eine Partei der Wirtschaft und der Banken war die FDP schon immer, doch konnte sie das in der Vergangenheit nicht selten dadurch in den Hintergrund treten lassen, dass sie den erkl&#228;rten Liberalismus eben nicht nur als freie Bahn f&#252;rs Geldmachen verstand, sondern auch als W&#228;chteramt &#252;ber die B&#252;rgerrechte und als Philosophie von Chancengleichheit, was in gewissen Grenzen sogar das Soziale im Blick behielt. Diese Linie, die die FDP auch f&#252;r andere als »Besserverdienende« w&#228;hlbar machte, sicherte nicht nur ihre parlamentarische Existenz in mehr als 60 Jahren Bundesrepublik, sondern machte sie auch immer wieder regierungsf&#228;hig, lange sogar im B&#252;ndnis mit der SPD. Damit jedoch haben Genscher und Lambsdorff durch ihren &#220;bertritt 1982 zu Helmut Kohl und dann die Kinkel, die Gerhardt und letztlich Westerwelle Schluss gemacht. Vor allem letzterer legte seine Partei voll und ganz auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs fest, sah sich dergestalt sogar als Korrektiv zur anderen Wirtschaftspartei CDU/CSU, der er den vorg3eblichen »Sozialdemokratismus« austreiben wollte.</p>
<p>Von dieser Position kommt die FDP so schnell nicht weg. Geradezu exemplarisch ist daf&#252;r das kollektive Schaudern fast aller ihrer F&#252;hrungsleute, als in der Westerwelle-Nachfolge-Debatte der Name Leutheusser-Schnarrenberger fiel. Der von der Justizministerin vertretene Liberalismus ist der heutigen FDP-Garde zutiefst fremd; selbst wenn sie es wollte, w&#228;re sie nicht in der Lage, ihn glaubw&#252;rdig zu vertreten.  Untergehen muss sie deswegen jedoch nicht. Die »Besserverdienenden« bleiben nat&#252;rlich ihre treue W&#228;hlerklientel. Sie misstrauen allen anderen Parteien mit ihrer mehr oder weniger ausgepr&#228;gten sozialen Ader – selbst der Union, bei der diese weitgehend verk&#252;mmert ist. Sie werden die FDP immer w&#228;hlen und mitunter von jenen verst&#228;rkt werden, die hoffen und glauben, selbst auch einmal in diese Kategorie aufzusteigen. Besonders in krisenhaften Zeiten werden die einfachen Botschaften  &#8211; wie »Steuern runter!« oder »Weniger Staat!« &#8211; gern geh&#246;rt; darauf beruhte letztlich der paradoxe Wahlerfolg der FDP 2009. Paradox deshalb, weil es ja gerade die von der FDP kolportierten Parolen von der Entfesselung der M&#228;rkte und der Finanzbranche waren, die bei der Krise im Jahr zuvor Pate gestanden hatten. Die Illusion trug nur wenige Monate und ist jetzt restlos aufgebraucht – eine Warnung &#252;brigens auch an andere Parteien mit hochfliegenden Wahlresultaten – die aus anderer Krisenverunsicherung herr&#252;hren –  und daraus leicht entstehenden Hochgef&#252;hlen.</p>
<p>Die FDP ist auf ihr Normalma&#223; zurechtgestutzt. Bei Bundestagswahlen erreichte sie zumeist  Ergebnisse um die sieben oder acht Prozent, nur f&#252;nfmal schnitt sie zweistellig ab, was aber nie Bestand hatte. Ihr niedrigstes Resultat lag knapp unter sechs Prozent; dort etwa w&#252;rde sie sich wohl derzeit einpegeln, vielleicht auch etwas niedriger wegen des Westerwelle-Faktors. Von besonderer Bedeutung f&#252;r die deutsche Politik ist das nicht, weshalb auch Angela Merkel  nicht in Panik ausbricht. Nach dem, was die Demoskopie derzeit verbreitet, hat sie mit der SPD auch k&#252;nftig einen sicheren Juniorpartner – und im &#252;brigen sind sie und ihre Partei l&#228;ngst dabei, die Gr&#252;nen ins eigene Lager zu locken. Mit gar nicht so schlechten Erfolgsaussichten.</p>
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		<title>Die europ&#228;ische Blase ist geplatzt</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 10:59:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor nun schon mehr als zehn Jahren, als sich die Europ&#228;ische W&#228;hrungsunion noch selbst mit dem Euro kr&#246;nte, triefte sie geradezu vor demonstrativem Altruismus. <span id="more-1690"></span>Nun w&#252;rden die &#246;konomischen und sozialen Unterschiede im alten Europa &#252;berwunden, eine Angleichung des traditionell armen S&#252;dens an den reichen Norden vollz&#246;ge sich; es entstehe ein starker, geschlossener Wirtschaftsraum, der es mit jedem anderen in der Welt aufnehmen k&#246;nne.</p>
<p>Gerade ein Dutzend Jahre haben gereicht, um solche Prognosen als das zu entlarven, was sie schon damals waren: Windeier. Zun&#228;chst sah es zwar so aus, als sollten die Jubelpropheten recht behalten. Tats&#228;chlich str&#246;mte Kapital reichlich in die europ&#228;ischen Armenh&#228;user Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien. Die Banken der Reichen liehen es gro&#223;z&#252;gig, gab es jetzt doch eine unschlagbare Sicherheit – grenzenlose staatliche Garantien. Und das fl&#252;ssige Geld zog Scharen von Investoren an, die bauten, was immer die jeweiligen Regionalf&#252;rsten wollten oder ihnen eben jene Investoren mit gut gepolsterten Argumentationshilfen schmackhaft machten. Ein wenig profitierten auch die Menschen in den aufstrebenden L&#228;ndern von diesem Boom, doch das gro&#223;e Gesch&#228;ft machten die Banken und die Investmentgesellschaften der reichen »Partner«, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0427/tagesthema/0010/index.html" target="_blank">Deutschland immer vorneweg</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/d458d30622974ab3a03e0626a8423a59" alt="" width="1" height="1" />.</p>
<p>Jetzt ist die Blase geplatzt, und die fr&#252;heren Armen und f&#252;r kurze Zeit sich reicher W&#228;hnenden sind jetzt die ganz Armen, weil sie auf den Schulden, von denen andere profitierten – und weiter profitieren wollen – sitzen bleiben. Das <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0427/tagesthema/0007/index.html" target="_blank">Gezeter bei den Reichen</a>, die um ihre Rendite f&#252;rchten, ist gro&#223;; noch gr&#246;&#223;er ist es bei deren Regierungen, vorneweg der deutschen, die nun auf die aus ihrer Sicht Schuldigen zeigen und rufen: Haltet den Dieb! Jene, die einst »gef&#246;rdert« werden sollten, werden nun ob ihrer Leichtgl&#228;ubigkeit bestraft und zur Kasse gebeten, w&#228;hrend man <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/169945.finanzhilfe-fuer-athen-ja-aber.html" target="_blank">Banken und Firmen, die Nutznie&#223;er des Unternehmens,</a> nat&#252;rlich nicht im Regen stehen l&#228;sst. Sie k&#246;nnen sich auf den Schutzschirm ihrer Regierungen verlassen. Warum soll sich nicht auch international durchsetzen lassen, was man national seit eh und je praktiziert.</p>
<p>So ist das Man&#246;ver Euro schon fast an seinem Ende angekommen. Man spricht bereits vom Austritt oder Ausschluss einzelner L&#228;nder aus dem Euro-Raum. Einige wollen gar die D-Mark zur&#252;ckhaben. Von europ&#228;ischer Solidarit&#228;t spricht kaum jemand, was allerdings seine Logik hat. Denn Kapitalismus und Solidarit&#228;t verhalten sich nun einmal wie Feuer und Wasser, und wo man verspricht, sie zusammenzubringen, entsteht allenfalls eine undurchdringliche Nebelwand, hinter der die bittere Wahrheit kunstvoll verborgen wird.</p>
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		<title>Schweizer Bankdaten und die Moral der Kriminellen</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 13:24:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wieder einmal sind die Egomoralisten unterwegs, jene also, die sich ihre moralischen Ma&#223;stabe nach dem eigenen Vorteil zurechtbiegen. F&#252;r sie ist der Diebstahl von Daten, die Aufschluss &#252;ber heimliche Steuerhinterziehung geben, nat&#252;rlich ein schweres Vergehen – viel schwerer wiegend als das urspr&#252;ngliche Delikt, der Diebstahl von Geldern, die nach Recht und Gesetz dem Staat, also [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder einmal sind die Egomoralisten unterwegs, jene also, die sich ihre moralischen Ma&#223;stabe nach dem eigenen Vorteil zurechtbiegen. F&#252;r sie ist der Diebstahl von Daten, die Aufschluss &#252;ber heimliche Steuerhinterziehung geben, nat&#252;rlich ein schweres Vergehen <span id="more-1467"></span>– viel schwerer wiegend als das urspr&#252;ngliche Delikt, der Diebstahl von Geldern, die nach Recht und Gesetz dem Staat, also der Allgemeinheit zustehen. Nichts anderes ist schlie&#223;lich im Kern Steuerhinterziehung.</p>
<p>Bei der Beurteilung solcher F&#228;lle, die von den Delinquenten oft verkompliziert werden, damit man ihr Wesen nicht erkennt, empfiehlt es sich mitunter, den von Angela Merkel einst ins Gespr&#228;ch gebrachten Standpunkt einer »schw&#228;bischen Hausfrau« einzunehmen, sprich: den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Danach ist der Diebstahl der Schweizer Kontendaten in dieser Sache nicht der erste Gesetzesbruch, sondern ihm ging ein anderer bereits voraus, der Diebstahl von Steuergeld. Vereinfacht: Jemand hat einem anderen etwas gestohlen. Nun kommt der n&#228;chste Dieb ins Spiel und klaut seinerseits dem ersten Dieb den Schl&#252;ssel zu dem Tresor, in dem der die Beute aufbewahrt. Diesen Schl&#252;ssel, der ihm selbst wenig n&#252;tzt, beh&#228;lt er nicht, sondern bietet ihn dem urspr&#252;nglich Bestohlenen gegen eine sch&#246;ne Belohnung an. Was erwarten wir nun vom Gesch&#228;digten? Dass er den Schl&#252;sseldieb anzeigt oder auf das Gesch&#228;ft eingeht, um seinen Besitz wiederzuerlangen? Nur der erste Dieb und seine Komplizen k&#246;nnen auf erstere Idee kommen.</p>
<p>Nat&#252;rlich passt das Ganze sehr gut in ein Gesellschaftssystem, das den Gesetzesbruch in vieler Hinsicht zum normalen Verhalten gemacht hat – vor allem dann, wenn es um Besitzst&#228;nde der Beg&#252;terten geht. Nur deshalb wird <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0202/tagesthema/0009/index.html" target="_blank"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/3681ab7a44a04f45baa501f6bb7e0186" alt="" width="1" height="1" />Steuerhinterziehung sehr gern als Kavaliersdelikt</a> behandelt, w&#228;hrend gegen den in seinem Ausma&#223; dagegen l&#228;cherlichen <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0203/wirtschaft/0020/index.html">»Sozialmissbrauch« eines Hartz-IV-Betroffenen </a>mit gro&#223;em detektivischen Aufwand vorgegangen wird. Der Staat, der jetzt vor »Mitt&#228;terschaft mit Dieben« gewarnt wird, macht sich in anderen F&#228;llen sehr schnell zum Mitt&#228;ter zum Beispiel von Steuerhinterziehern, die darauf – ganz anders als jetzt – noch nie mit emp&#246;rter Kritik reagierten.</p>
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		<title>General Motors bremst die deutsche Politik mit Opel aus</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 15:45:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn etwas zeigte, wer in der heutigen globalisierten Welt wirklich das Sagen hat, dann war es der vergangene Dienstag. Eben wurde Angela Merkel noch in Washington vom US-Kongress mit stehenden Ovationen auch f&#252;r ihr Bekenntnis zur Globalisierung gefeiert, da offenbarte im nur 600 Kilometer entfernten Detroit das ziemlich gesichtslose Management eines einzigen amerikanischen Autokonzerns der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn etwas zeigte, wer in der heutigen globalisierten Welt wirklich das Sagen hat, dann war es der vergangene Dienstag. Eben wurde <a href="http://www.faz.net/s/RubCE844206AD5543959580E21EDC440854/Doc~E2887506391F24AC6AD394799B46EAFFC~ATpl~Ecommon~Sspezial.html" target="_blank">Angela Merkel </a>noch in Washington vom US-Kongress mit stehenden Ovationen auch f&#252;r ihr Bekenntnis zur Globalisierung gefeiert, da offenbarte im nur 600 Kilometer entfernten Detroit das ziemlich gesichtslose Management eines einzigen amerikanischen Autokonzerns <span id="more-1332"></span>der von Medien gern zur »m&#228;chtigsten Frau der Welt« Erkl&#228;rten ihre tats&#228;chlich Ohnmacht. Obwohl sie mit hohem pers&#246;nlichen Einsatz – um ihren Wahlsieg nicht zu gef&#228;hrden – f&#252;r einen Verkauf der Opelwerke durch General Motors (GM) an Magna geworben und daf&#252;r aus dem klammen Haushalt 4, 5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt sowie 800 Millionen bereits an GM als &#220;berbr&#252;ckungskredit ausgezahlt hatte, focht dies die Detroiter Manager nicht an. Sie widerriefen kurzerhand den Verkauf und bremsten damit die Bundesregierung ziemlich hemds&#228;rmlig aus; ob und wann sie die Millionenspritze zur&#252;ckzahlen, steht in den Sternen.</p>
<p>Die Schlappe war freilich vorauszusehen, denn nat&#252;rlich ist heute keine noch so wichtige Regierung mehr in der Lage, die durch politische Fehlentscheidungen in Jahrzehnten entfesselte Wirtschaft zu z&#252;geln. Das hatte gerade erst die Finanzkrise gezeigt, die die Staaten zu milliardenschweren St&#252;tzungsdaktionen f&#252;r Banken n&#246;tigte, die ihrerseits stets staatliche Eingriffe in ihr riskantes Tun zum eigenen Nutzen abgelehnt hatten. Was auf &#246;konomischem Feld geschieht, entscheiden zu allererst Konzerne und Finanzinstitute, nicht Regierungschefs und Wirtschaftsminister. Gerade Angela Merkels neuer Koalitionspartner hat f&#252;r eine solche Wirtschafts(un)ordnung verbissen gek&#228;mpft; man wird nun sehen, wie er mit ihren Folgen fertig wird.</p>
<p>F&#252;r die Betroffenen, vor allem die Besch&#228;ftigten der mehr als einem Dutzend europ&#228;ischer Opelwerke, darunter vier deutsche, die nun um ihre Arbeitspl&#228;tze f&#252;rchten, bedeutet das wenig Gutes. Sie werden die Vers&#228;umnisse der Politik ausbaden m&#252;ssen, die viel zu lange bereit war – und m&#246;glicherweise immer noch ist, Milliardensummen in eine Branche zu stecken, die seit langem unter &#220;berkapazit&#228;ten &#228;chzt, statt in neue, zukunftssichere Industrien zu investieren. Immer wieder versto&#223;en die Herolde der Marktwirtschaft gegen deren eigene Gesetze, weil sie unbeweglich an Althergebrachtem festhalten und nicht in der Lage sind, kreativ und innovativ die Schaffung neuer Arbeitspl&#228;tze zu unterst&#252;tzen. L&#228;ngst h&#228;tte die Politik an den Opel-Standorten andere M&#246;glichkeiten der Wirtschaftsentwicklung eruieren und daf&#252;r die f&#252;r Opel vermutlich vergeudeten Finanzmittel einsetzen m&#252;ssen.</p>
<p>Und wo das seine Zeit braucht, die Menschen aber vor dem – nicht von ihnen verschuldeten – sozialen Absturz bewahrt werden m&#252;ssen, geht es ebenfalls um neue Ideen und deren Umsetzung – in der Regel um eine Mischung aus sinnvoller Bet&#228;tigung, zum Beispiel in einem &#246;ffentlichen Besch&#228;ftigungssektor, und zumindest zeitweiligen Sozialtransfers. Von einem <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/622a940841414bdda6b87fa4711f62e4" alt="" width="1" height="1" /><a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1105/meinung/0015/index.html" target="_blank">FDP-Wirtschaftsminister</a> ist Derartiges allerdings kaum zu erwarten. Er wird darauf orientieren, Millionen und Milliarden in die alten Standorte zu stecken, auch wenn es f&#252;r die weit und breit kein schl&#252;ssiges Konzept gibt, und ansonsten die entlassenen Autowerker auffordern, doch ihr Schicksal gef&#228;lligst in die eigenen H&#228;nde zu nehmen. Regierungsamtlicher Wunderglauben ist also auch weiterhin zu bef&#252;rchten – obwohl er gerade krachend in die Sackgasse gef&#252;hrt hat.</p>
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		<title>Seine Heiligkeit Das Eigentum – zwischen Ackermann und Emmely</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jul 2009 17:53:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So schnell wird Kaiser’s den Fall Emmely nicht los. Nachdem das Berliner Landesarbeitsgericht die Sache mit der Supermarkt-Kassiererin, die angeblich herrenlose Pfandbons im Wert von 1,30 Euro bei einem Privateinkauf eingel&#246;st haben soll, letztinstanzlich entscheiden wollte, kommt es nun doch zu einer Revisionsverhandlung beim h&#246;chsten deutschen Arbeitsgericht. Offensichtlich hat man dort erkannt, dass die bisherige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So schnell wird Kaiser’s den Fall Emmely nicht los. Nachdem das Berliner Landesarbeitsgericht die Sache mit der Supermarkt-Kassiererin, die angeblich herrenlose Pfandbons im Wert von 1,30 Euro bei einem Privateinkauf eingel&#246;st haben soll, letztinstanzlich entscheiden wollte, kommt es nun doch zu einer <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0729/berlin/0197/index.html" target="_blank">Revisionsverhandlung beim h&#246;chsten deutschen Arbeitsgericht</a>. Offensichtlich hat man dort erkannt, dass die bisherige <a href="http://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/emmily-die-dritte-312003" target="_blank">Rechtsprechung</a>, die vom ehernen Grundsatz der Heiligkeit des Eigentums ausging und jeden Versto&#223; dagegen als schwere, mithin drakonisch zu ahnende S&#252;nde betrachtete, hohlt&#246;nend wird, <span id="more-1164"></span>wenn zugleich zum Gewohnheitsrecht wurde, dass Banker das ihnen anvertraute Eigentum anderer keineswegs als heilig, sondern lediglich als willkommene Spielmasse von Gesch&#228;ften zum eigenen Nutzen und mit dem Risiko des Eigentumsverlustes der ihnen Vertrauenden ansehen.</p>
<p>Was Bertolt Brecht vor fast 100 Jahren voraussah, dass n&#228;mlich die Gr&#252;ndung einer Bank weit lukrativer ist als ihre Beraubung, wurde inzwischen zum Allgemeingut – ungeachtet dessen, dass der kriminelle Akt, der sich im einen wie anderen Fall vollzieht, einmal mit brutaler Gewalt und das andere Mal mit Samthandschuhen, aber deshalb nicht weniger verbrecherisch vollzogen wird. Waren Banken zun&#228;chst als Institute gedacht, die gegen eine kleine Geb&#252;hr das Geld ihrer Kunden verwalten, haben sie sich inzwischen l&#228;ngst zu Syndikaten gemausert, das das Geld der Kunden nur insofern interessiert, als es ihnen die M&#246;glichkeit gibt, selbst damit Geld zu verdienen, und zwar ohne R&#252;cksicht auf die Interessen und W&#252;nsche jener, die ihnen das Geld anvertrauten.</p>
<p>Es gen&#252;gt ein wenig gesunder Menschenverstand, um zu begreifen, dass den horrenden Gewinnen der Finanzbranche, die dazu nicht einen einzigen produktiven Handschlag tut, irgendwo ebenso horrende Verluste gegen&#252;berstehen m&#252;ssen; es sind zuerst die Verluste jener, die den Banken vertrauensselig und im Glauben an die versprochene Dividende ihr Geld &#252;bergaben, dann aber die Einbu&#223;en von uns allen als Steuerzahler, weil der Staat es sich nicht leisten zu k&#246;nnen glaubt, die Akteure auf dem Finanzmarkt dessen Regeln zu unterwerfen und sie ihre H&#228;ndel selbst austragen zu lassen – mit allen sich daraus ergebenden Folgen. Nat&#252;rlich sind das oft auch Folgen f&#252;r die Arbeitspl&#228;tze und die darauf angewiesenen Familie, aber diese Folgen heilt man nicht, indem man den Zockern zus&#228;tzliches Steuergeld in den Rachen wirft, sondern indem man den Betroffenen hilft – zum Beispiel &#252;ber die Arbeitslosenversicherung</p>
<p>Stattdessen folgt die Regierung den Weisungen aus der Deutschen Bank, wie Josef Ackermann j&#252;ngst im HRE-Untersuchungsausschuss freim&#252;tig schilderte; er habe in Telefonaten mit der Bundeskanzlerin und ihrem Finanzminister die <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0729/tagesthema/0007/index.html" target="_blank">Rettung der Hypo Real Estate </a><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/b829f47fd12e4cbdb15b3528dacc9d2a" alt="" width="1" height="1" />durchgesetzt – zum eigenen Vorteil, wie sich zeigte und zu Lasten des Bundeshaushalts, f&#252;r den wir alle aufkommen m&#252;ssen. Noch schlimmer jedoch ist, dass die Steuerung des so genannten Rettungsschirms f&#252;r die Banken diesen allein &#252;berlassen wurde; an keiner Stelle hat der Staat die M&#246;glichkeit, in die Seile zu greifen und den Kurs in seinem Sinne zu korrigieren. Faktisch hat er also nur das frische Geld beschafft, das die gescheiterten Bankmanager brauchten, um ihre verderblichen Gesch&#228;fte fortsetzen zu k&#246;nnen; die bereits wieder stolz verk&#252;ndeten Gewinnmargen sprechen diesbez&#252;glich eine deutliche Sprache.</p>
<p>Inwieweit das Bundesarbeitsgericht diesen gravierend ver&#228;nderten Umgang mit Eigentum durch die Banken und ihre Manager k&#252;nftig auch bei Eigentumsdelikten dagegen verschwindend geringer Gr&#246;&#223;enordnung in Unternehmen ber&#252;cksichtigt, bleibt freilich abzuwarten. Die Kaisers’-Manager jedenfalls haben den Paradigmenwechsel in der Eigentumsfrage noch nicht erkannt und nun sogar beim eigenen <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/153035.emmely-kuendigung-geht-in-die-hoechste-instanz.html?sstr=Emmely" target="_blank">Betriebsrat </a>ihre Sicht der Dinge durchgesetzt, indem sie ihn solange bearbeiteten, bis er zu Kreuze kroch und Emmely die Solidarit&#228;t entzog. Ein »Kaufboykott«, wie er zur Unterst&#252;tzung der Kassiererin angeregt wurde, sei f&#252;r die Kaiser’s-Besch&#228;ftigten ein »Angriff auf ihre Arbeitspl&#228;tze«, schwenkte der Betriebsrat auf die Linie der Unternehmensf&#252;hrung ein. Und begriff damit nicht, dass er so nur die Gutsherrenmethoden seines Managements, die sich schon bald gegen weitere Besch&#228;ftigte richten k&#246;nnen, unterst&#252;tzt. Um das zu verhindern, sollte man nun »Kaiser’s« vielleicht erst recht boykottieren.</p>
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		<title>Nun auch Abwrackpr&#228;mie f&#252;r Banken –  40mal h&#246;her als f&#252;r Altautos</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Apr 2009 21:43:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nun erhalten also auch die deutschen Banken ihre Abwrackpr&#228;mie. 200 Milliarden soll der Finanzminister locker gemacht haben, um ihnen ihre faulen Kredite, auf deren R&#252;ckzahlung nicht mehr gehofft werden kann, mit dem Geld des Steuerzahlers abzukaufen. Und niemand regt sich dar&#252;ber auf - ganz im Unterschied zur automobilen Abwrackpr&#228;mie, die zwar »nur« f&#252;nf Milliarden Euro [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun erhalten also auch die deutschen Banken ihre Abwrackpr&#228;mie. 200 Milliarden soll der <a href="http://www.zeit.de/online/2009/16/bankenrettung-steuerzahler-kosten" target="_blank">Finanzminister</a> locker gemacht haben, um ihnen ihre faulen Kredite, auf deren R&#252;ckzahlung nicht mehr gehofft werden kann, mit dem Geld des Steuerzahlers abzukaufen. Und niemand regt sich dar&#252;ber auf <span id="more-907"></span>- ganz im Unterschied zur automobilen Abwrackpr&#228;mie, die zwar »nur« f&#252;nf Milliarden Euro kostet, aber dennoch j&#252;ngst von Politikern und deren willigen Journalisten als etwas dargestellt wurde, das die Republik geradewegs in die Katastrophe f&#252;hrt. Das droht weder von den &#252;ber 80 Milliarden, die bereits der Hypo Real Estate nachgeworfen wurden, auch nicht von den 500 Milliarden f&#252;r den ersten Banken­-»Rettungsschirm« und ebenso wenig von den jetzt ins Auge gefassten 200 Milliarden, sondern einzig und allein von den Aufwendungen f&#252;r die Auto-Abwrackpr&#228;mie.Dass Letztere &#246;konomisch fragw&#252;rdig und &#246;kologisch kontraproduktiv ist, steht dabei au&#223;er Zweifel, doch ist es kaum das, was den Gegenwind im Bl&#228;tterwald und der sonstigen Medienwelt ausl&#246;ste, auch wenn dieser Eindruck erweckt werden sollte. Tats&#228;chlich jedoch schlagen die Wellen so hoch, weil die Abrackpr&#228;mie bei allen ihren sonstigen Problemen die einzige Ma&#223;nahme im Angesicht der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ist, die dem schw&#228;cheren Teil der Bev&#246;lkerung einen Vorteil bringt. Und genau das widerspricht dem System. Autofahrer, noch dazu mit wenig Geld, sind &#8211; im Unterschied zu Gro&#223;banken &#8211; keineswegs »systemisch«; darum l&#246;sen Geldgeschenke an sie einen regelrechten Orkan des Widerspruchs aus, solche an Banken aber keineswegs.</p>
<p>Die ungeschminkteste Begr&#252;ndung daf&#252;r lieferte einmal mehr die FDP durch ihren finanzpolitischen Sprecher Hermann Otto <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/946951/" target="_blank">Solms</a><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/acbe574c5fee4ef783c774f78bdb9c62" alt="" width="1" height="1" />, den gr&#228;mt, das das Geld nicht sofort an die Autokonzerne flie&#223;t: »Die deutsche Automobilindustrie hat davon nicht sehr viel, insbesondere BMW, Audi, Daimler werden kaum einen Zuwachs an Auftr&#228;gen haben.« Sauerei! Und auch bei ihm darf nat&#252;rlich das »Argument« nicht fehlen, wenn die Pr&#228;mie ausliefe, w&#252;rde es erst recht einen Einbruch bei der Automobilindustrie geben. Damit gibt er doch nur zu, dass er wie alle anderen, die solche Einw&#228;nde vorbringen, ganz genau wissen, dass diese Industrie in einer schweren &#220;berproduktionskrise steckt; doch sie alle weigern sich, die durch die Abwrackpr&#228;mie gew&#228;hrte kurze Atempause zu nutzen, um daran etwas zu &#228;ndern &#8211; durch eine ge&#228;nderte Modellpolitik in den Konzernen selbst, durch die Schaffung tats&#228;chlich zukunftsf&#228;higer Arbeitspl&#228;tze anderswo, durch ein generelles Umdenken &#252;ber Wochen- wie Lebensarbeitszeit.</p>
<p>Das Gezerre um die Abwrackpr&#228;mie steht exemplarisch f&#252;r die Schieflage des bisheringen Krisenmanagements, das sich fast nur um Banken und Unternehmen k&#252;mmert, kaum jedoch um die gro&#223;e Masse der von Arbeitslosigkeit Bedrohten und der Steuerzahler. Die Folgen der Wirtschaftskrise f&#252;r die Masse der Bev&#246;lkerung spielen in den &#220;berlegungen der Bundesregierung so gut wie keine Rolle; die in den letzten Jahren auch mit ihrer t&#228;tigen Mithilfe durchgesetzten Ma&#223;nahmen gegen erstere &#8211; von Niedrigstl&#246;hnen bis zur Rentenk&#252;rzung &#252;ber die Verschiebung des Leistungsanspruchs &#8211; bleiben in Kraft; an der neoliberalen Grundlinie der Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik sind &#196;nderungen bisher nicht vorgesehen.</p>
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