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	<title>blogsgesang.de &#187; CDU</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Saarl&#228;ndisches Passspiel zwischen CDU und Linkspartei</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 18:45:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer<span id="more-3584"></span> das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis durch eine stabilere Koalition mit der SPD zu ersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>F&#252;r sie war klar, dass sie in der Regierung mit FDP und Gr&#252;nen, beide unsichere Kantonisten, nur verlieren konnte; vor allem die CDU w&#252;rde nach dem absehbaren Koalitionsbruch als Verlierer dastehen. Also trat sie die Flucht nach vorn an, beendete selbst das B&#252;ndnis und machte unverz&#252;glich der SPD ein Angebot, das dieser endlich das Mitregieren, ihr aber das Weiterregieren sicherte. Im besten Falle w&#252;rden die Sozialdemokraten um winkender Ministerposten willen sogar sie selbst weiter als Ministerpr&#228;sidentin akzeptieren. Im wahrscheinlicheren – und <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/vor-neuwahl-im-saarland-zaudern-zoegern-taktieren-11616784.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2c20f74ea6a34500aae519aeee46be01" alt="" width="1" height="1" />nun eingetretenen</a> – Fall von Neuwahlen bliebe ihr zumindest die Chance auf ein Resultat, das zum gleichen Ergebnis f&#252;hrte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hintergrund einer solchen Hoffnung ist ein saarl&#228;ndisches Alleinstellungsmerkmal f&#252;r die westlichen Bundesl&#228;nder, n&#228;mlich die einmalige <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/216308.linke-will-wieder-dritter-werden.html" target="_blank">St&#228;rke der Linkspartei</a>. Bei den Landtagswahlen 2009 errang sie mit ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine, der dort schon einmal f&#252;r die SPD eine sehr erfolgreicher Ministerpr&#228;sident war, 21,3 Prozent der Stimmen, nur 3,2 Prozent weniger als die Sozialdemokraten. Daf&#252;r, dass dies wiederholbar ist, gibt es zwar keine Garantie, aber ein sehr ordentliches zweistelliges Resultat ist f&#252;r die Linke durchaus drin; es w&#252;rde vermutlich erneut vor allem zu Lasten der SPD gehen. Genauso d&#252;rfte Kramp-Karrenbauer kalkulieren, auch wenn Umfragen aus dem letzten Jahr die Sozialdemokraten knapp vorn sahen. Sie ist also durchaus an einem guten Wahlergebnis der Linken interessiert, denn dies k&#246;nnte sich als steiler Pass in den gegnerischen Strafraum erweisen, mit dem sich bei eigener guter Leistung der erw&#252;nschte Erfolg sicherstellen lie&#223;e.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber auch f&#252;r die Linkspartei ergibt sich daraus eine unerwartete Chance. Sie kann – im Kleinversuch – ausprobieren, ob eine wahrhaft alternative Politik zum entfesselten Kapitalismus, wie sie Oskar Lafontaine glaubw&#252;rdig vertritt, w&#228;hlerwirksam ist, woran j&#252;ngst Zweifel aufgekommen sind. Nachdem ihre Unterwerfung unter den – wenn auch sozialdemokratisch angehauchten – vorgeblich alternativlosen Politikstil in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und vor allem Berlin bereits gescheitert ist und in Brandenburg ebenfalls zu scheitern droht, ist dies ihre vielleicht letzte M&#246;glichkeit, als eigenst&#228;ndige Kraft wahr- und dann auch angenommen zu werden. Dass ihr die ausgerechnet die CDU verschafft, belegt einmal mehr die Ironie der Geschichte, die sich von ideologischen Grenzziehungen nicht beeindrucken l&#228;sst.</p>
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		<title>Christian Wulff, der Fensterredner vom Schloss Bellevue</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 11:57:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Der Bundespr&#228;sident will trotz aller Vorw&#252;rfe im Amt bleiben – was immer es dann noch wert ist. Schlie&#223;lich hat er sein Leben dem unbedingten Aufstieg nach ganz oben gewidmet. Doch politische Beliebigkeit, Drang ins Rampenlicht und Skandaltr&#228;chtigkeit machten Christian Wulff zu einem Pr&#228;sidenten des Boulevard. Bellevue – das war es wohl, was Christian Wulff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Der Bundespr&#228;sident will trotz aller Vorw&#252;rfe im Amt bleiben – was immer es dann noch wert ist. Schlie&#223;lich hat er sein Leben dem unbedingten Aufstieg nach ganz oben gewidmet. Doch politische Beliebigkeit, Drang ins Rampenlicht und Skandaltr&#228;chtigkeit machten Christian Wulff zu einem Pr&#228;sidenten des Boulevard.<span id="more-3511"></span></p>
<p><strong>Bellevue – das war es wohl, was Christian Wulff das Angebot von Angela Merkel annehmen lie&#223;. Die »sch&#246;ne Aussicht« auf ein Leben in Glanz und Gloria, finanziell abgesichert bis zum letzten Tag. Freilich nach provinziellen Ma&#223;st&#228;ben – anderes kannte er nicht.</strong><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/0609777aafea4465af439f7749db3784" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Aufgewachsen in schwierigen Verh&#228;ltnissen, musste er schon mit 14 Jahren seine Mutter – sowohl sein leiblicher Vater als auch der sp&#228;tere Stiefvater trennten sich von ihr – pflegen, als sie an multipler Sklerose erkrankte. Auch um die Schwester k&#252;mmerte er sich. Heimlich fuhr Wulff mit dem Rad in die Villa des Vaters. Er wollte heraus aus der Entbehrung, dem Verzicht, der Enge. Dorthin, wo die Reichen lebten und die Sch&#246;nen posierten.</p>
<p>Er studierte Jura und arbeitete schon w&#228;hrend des Studiums an einer politischen Karriere in der CDU, der er 1975, 16-j&#228;hrig, beigetreten war. Als er sich 1990 als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt Osnabr&#252;ck niederlie&#223;, war er zugleich Mitglied im CDU-Landesvorstand Niedersachsen, Vorsitzender seines Bezirksverbandes, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und ein Jahr sp&#228;ter schon Mitglied der CDU-Grundsatzkommission – also optimal vernetzt f&#252;r den weiteren Aufstieg.</p>
<p>Der freilich lie&#223; auf sich warten. Zwar trat Christian Wulff 1993 erstmals gegen Gerhard Schr&#246;der zur Landtagswahl an und eroberte trotz vernichtender Niederlage ein Jahr sp&#228;ter Landes- wie Fraktionsvorsitz der nieders&#228;chsischen CDU, aber vier Jahre sp&#228;ter verlor er noch deutlicher. Ihn retteten schlie&#223;lich der Aufstieg Schr&#246;ders zur Kanzlerschaft und die Schw&#228;che von dessen Nachfolgern in Hannover, Gerhard Glogowski und Sigmar Gabriel. 2003 war Wulff endlich Ministerpr&#228;sident.</p>
<p>Gl&#252;cklich wurde er in diesem Amt nicht. Die Haushaltskonsolidierung erkaufte er vor allem mit massivem Sozialabbau, u.a. der Streichung des Blindengeldes, und Einsparungen bei der Bildung wie Abschaffung der Lehrmittelfreiheit, K&#252;rzung bei Hochschulen und Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren, was die W&#228;hler 2008 mit einem Minus von fast sechs Prozent bestraften. Schon da stellten sich Frust und Amtsm&#252;digkeit ein; &#252;berraschend zog sich Wulff vom CDU-Landesvorsitz zur&#252;ck und begann, Gefallen am Repr&#228;sentativen zu finden. Als Ministerpr&#228;sident schaltete er um auf Wohltaten, wurde aber durch die Finanzkrise gebremst. Die M&#252;hen der nieders&#228;chsischen Ebene setzten ihm zu, was den Drang nach H&#246;herem nur noch verst&#228;rkte.</p>
<p>Inzwischen hatte er sich in der Bundes-CDU eine solide Stellung erarbeitet. Bereits 1998 war er stellvertretender Parteivorsitzender geworden und galt vor allem nach seinem Wahlsieg als Anw&#228;rter auf h&#246;here Weihen. Einem Machtkampf mit Angela Merkel wich er jedoch aus. Wulff unterst&#252;tzte sie und erkl&#228;rte sogar, ihm fehle »der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles andere unterzuordnen«. M&#246;glicherweise hatte ihn die harte K&#228;rrnerarbeit als Regierungschef ern&#252;chtert, suchte er – wie mancher Empork&#246;mmling – nach einer Aufgabe, in der Ansehen und &#228;u&#223;erer Glanz leichter zu haben waren. Er hoffte auf den Ruf der Kanzlerin und wartete auf ein Schn&#228;ppchen.</p>
<p>Doch 2009 ging die Regierungsbildung ohne ihn &#252;ber die B&#252;hne. Erst Horst K&#246;hlers R&#252;cktritt als Bundespr&#228;sident brachte ihn wieder ins Spiel, denn nun trafen sich seine Interessen mit denen Angela Merkels, die erneut einen Bundespr&#228;sidenten auszuw&#228;hlen gedachte, der keine eigene Macht neben ihr oder gar gegen sie aufbauen konnte. Sie wollte wieder eine schwache Figur im h&#246;chsten Staatsamt, die ihre Kreise nicht st&#246;rt, sondern vielleicht zur St&#252;tze werden kann, wenn sie es braucht. F&#252;r sie ist das Staatsoberhaupt nur ein R&#228;dchen im Regierungsgetriebe; die von ihr Ausgew&#228;hlten m&#252;ssen – wo auch immer – funktionieren. Ihr geistiges Format interessiert sie, wie der Fall Guttenberg zeigte, wenig.</p>
<p>Daher war es auch kein Hindernis, dass Christian Wulff sich in Niedersachsen sehr eng an die dortige Wirtschafts- und Finanzkamarilla angeschlossen hatte, die von seinem Vorg&#228;nger Schr&#246;der zu ihm gewechselt war. Wulff nutzte die Feriendomizile der Familie Geerkens in Spanien und Florida, des Versicherungsunternehmers Baumgartl in Italien, lie&#223; sich vom Air-Berlin-Chef bei einer Flugreise in die USA samt Familie kostenlos in die Business Class umsetzen. Der Finanzdienstleister Carsten Maschmeyer bezahlte mit einer f&#252;nfstelligen Summe Anzeigen f&#252;r Wulffs Buch »Besser die Wahrheit« und auf Maschmeyers Mallorca-Landsitz machte Wulff noch nach seiner Wahl zum Bundespr&#228;sidenten Urlaub.</p>
<p>Gleichzeitig bem&#252;hte sich Christian Wulff intensiv um ein gutes Image vor allem bei den Boulevard-Medien; was seine zweite Ehefrau Bettina bereitwilligst unterst&#252;tzt. Diese »neue Liebe«, die Scheidung von seiner ersten Frau, die glanzvolle Hochzeit, gefeiert in Geerkens&#8217; Penthouse, das gemeinsame Baby – alles wurde von »Bild« und »Bunte« in sch&#246;ner Aufmachung verbreitet. Schon zuvor hatte er sich eine Aura als Saubermann zugelegt. Als Johannes Rau 2000 wegen einer Flugaff&#228;re in die Kritik kam, fand Wulff es »tragisch«, dass Deutschland »keinen unbefangenen Bundespr&#228;sidenten hat, der seine Stimme mit Autorit&#228;t erheben kann«. Nach dem R&#252;cktritt Glogowskis 1999 – wegen Vorw&#252;rfen im Zusammenhang mit freundschaftlich-vorteilhaften Beziehungen zu Unternehmern – forderte Wulff eine Untersuchung, sei doch »der Schein von Abh&#228;ngigkeiten &#8230; ein Problem f&#252;r die W&#252;rde des Amtes«.</p>
<p>Er produzierte sich als integrer Mann, der stets eine tadellose Figur zu machen versteht, nett und umg&#228;nglich ist und mit seiner jungen Frau gar so etwas wie h&#246;fischen Glanz verbreitet. Und gab es nicht beim britischen K&#246;nigshaus eine Hannoversche Linie?</p>
<p>Dieses Image pflegte Wulff auch und gerade im Schloss Bellevue. Es gab Phasen in seiner nun anderthalbj&#228;hrigen Pr&#228;sidentschaft, da drangen aus dem Amtssitz neben d&#252;rren Protokollmeldungen vor allem solche Bilder des Paares – von der Frisur &#252;ber die Kleider bis zur Strumpfnaht. Das Staatsoberhaupt fand nichts dabei, sich sein Amt vom Boulevard definieren zu lassen. Politisch Wegweisendes hingegen h&#246;rt man von ihm nur selten. Und wenn, dann wurde es vor dem Hintergrund der Glamours nicht sonderlich ernst genommen.</p>
<p>Dazu trug bei, dass durchaus wichtige und richtige Worte nicht als Agenda erkennbar wurden, beliebig statt nachhaltig zu sein schienen. Wulff nannte Deutschland eine »bunte Republik« und erkl&#228;rte, dass dazu auch der Islam geh&#246;re, doch hat er das Thema nicht weiter verfolgt. Selbst nach Bekanntwerden der rechtsterroristischen Mordserie an t&#252;rkischen und griechischen Einwanderern raffte er sich nur zu einem vertraulichen Treffen mit Angeh&#246;rigen der Opfer auf, konnte sich nicht zu einer aufr&#252;ttelnden Positionsbestimmung durchringen.</p>
<p>Zur Finanzkrise fand er deutliche Worte, kritisierte Konsumtion und Spekulation auf Kosten von Bildung und Forschung, den Teufelskreis von Bankenrettung und Sozialabbau, die Unterwerfung von Politik unter die Finanzm&#228;rkte. Sie d&#252;rfe sich nicht »am Nasenring durch die Manege f&#252;hren lassen, von Banken, von Rating-Agenturen oder sprunghaften Medien. Politik hat Gemeinwohl zu formulieren, auch mit Mut und Kraft im Konflikt mit Einzelinteressen«, sagte Wulff im Sommer vor Nobelpreistr&#228;gern. Auch das blieb eine Fensterrede von jemandem, der noch unl&#228;ngst selbst Politik so betrieben hatte und jetzt nicht Mut und Kraft zur Formulierung von Alternativen findet, sondern schweigend absegnet, was ihm die Regierung vorlegt.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist die derzeitige Aff&#228;re um seine Verschleierungstaktik beim Hauskredit und den Eingriff in die Pressefreiheit keine sonderliche &#220;berraschung – was auch zahlreiche B&#252;rger so sehen, sonst wollten nicht so viele Gnade vor Recht ergehen lassen. Man hat von einem Bundespr&#228;sidenten, der sich dergestalt zelebriert, kaum anderes erwartet und sich damit arrangiert. Es passt in die aktuelle politische Landschaft. Und ist dabei von solch niederem Niveau, dass sich daran sogar die »Bild«-Zeitung als K&#228;mpferin f&#252;r Anstand und W&#252;rde profilieren kann.</p>
<address><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/215497.der-fensterredner-vom-schloss-bellevue.html" target="_blank">Gedruckt in: Neues Deutschland vom 13. 01.2012</a></address>
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		<title>Angela Merkels Transformation vom Ossi zum  Wessi</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 22:03:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Eines Beweises bedarf es schon lange nicht mehr, dass Angela Merkel in der alten Bundesrepublik angekommen ist – und dennoch ist sie beinahe zwanghaft bem&#252;ht, ihn immer wieder neu zu f&#252;hren. Gleich dreimal legte sich zum Beispiel in den letzten zwei Wochen ihre Hand f&#252;r Christian Wulff ins Feuer, f&#252;r einen westdeutsch par exzellence [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Eines Beweises bedarf es schon lange nicht mehr, dass Angela Merkel in der alten Bundesrepublik angekommen ist – und dennoch ist sie beinahe zwanghaft bem&#252;ht, ihn immer wieder neu zu f&#252;hren. Gleich dreimal legte sich zum Beispiel in den letzten zwei Wochen ihre Hand f&#252;r Christian Wulff ins Feuer<span id="more-3493"></span>, f&#252;r einen westdeutsch par exzellence Gepr&#228;gten also, weit entfernt von jedem ostdeutsch Sozialisierten.</p>
<p>Dabei hatte sie ganz bescheiden angefangen, und das auch lange durchgehalten. Noch Ende der 90er Jahre, gerade erst CDU-Generalsekret&#228;rin geworden, scheute sie sich nicht, das Unions-Denkmal Helmut Kohl ob seiner Verantwortung f&#252;r den Parteispendenskandal ins Abseits zu stellen und sich so mit fast dem gesamten CDU-Establishment anzulegen. Auch die sp&#228;ter bekannt gewordenen Verfehlungen Wolfgang Sch&#228;ubles ahndete sie, nun aber wohl schon die eigene Karriere im Blick.</p>
<p>Der Wandel ihrer moralischen &#220;berzeugungen zeichnete sich ab, als sie als Parteivorsitzende das Monument des Alt-Kanzlers zu restaurieren begann, obwohl dieser das Ehrenwort gegen&#252;ber seinen Geldgebern noch immer h&#246;her sch&#228;tzt als die Wahrheit &#252;ber illegale Gesch&#228;fte. Dieser Wandel wurde besonders augenscheinlich in der nassforschen Verteidigung des geistigen Betr&#252;gers Karl-Theodor zu Guttenberg. Und er ist jetzt best&#228;tigt worden, als sie den katzbuckelnden Empork&#246;mmling und Schn&#228;ppchenj&#228;ger Wulff nicht nur zum Staatsoberhaupt erkor, sondern den in seiner ersten wirklichen Bew&#228;hrungsprobe Scheiternden auch noch einen »guten Bundespr&#228;sidenten« nannte.</p>
<p>Einen »Treppenwitz der Geschichte« <a href="http://www.berliner-zeitung.de/meinung/leitartikel-merkel--wulff-und-andere-amigos,10808020,11341606.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/4788c5519c004885a370b6055ffc06da" alt="" width="1" height="1" />nannte eine Zeitung</a> diese Metamorphose; tats&#228;chlich jedoch bildet sie nur eine Gesetzm&#228;&#223;igkeit ab. In diesem, dem alten bundesrepublikanischen, spie&#223;b&#252;rgerlichen System, dessen Werte zuerst &#246;konomisch definiert werden, kann nur etwas werden, der sie akzeptiert und entsprechend handelt, auch wenn er – oder sie – sie nicht selbst lebt. Demgem&#228;&#223; war es nur eine Frage der Zeit, dass sich auch eine wie Angela Merkel den &#220;blichkeiten dieses Systems unterwarf, bis hin zu ihrer regierungsamtlichen Zertifizierung.</p>
<p>Sie beruft sich dabei wohl auf die <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/213909.geerkens-an-kredit-beteiligt.html" target="_blank">fast 80 Prozent der Bundesb&#252;rger</a>, die noch k&#252;rzlich einen R&#252;cktritt des Pr&#228;sidenten ablehnten, obwohl fast jeder Dritte konstatierte, er habe an Vertrauen verloren. Ein aufschlussreicher Befund, verr&#228;t er doch die Erkenntnis, dass kaum einer gefunden w&#252;rde, der nicht irgendwie angreifbar sei. L&#228;ngst wissen die Menschen, dass auch dieser Kaiser, der sich so gern mit dem Glanz der Reichen schm&#252;ckt, nackt ist. Jetzt hat er diese Nacktheit sogar <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/die-erklaerung-von-christian-wulff-im-wortlaut-das-war-nicht-gradlinig-und-es-tut-mir-leid_aid_696705.html" target="_blank">detailliert beschrieben</a>. Auch deshalb wohl mag ihm die Kanzlerin sch&#246;ne Kleider jetzt <a href="http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE7BL09720111223" target="_blank">nicht mehr bescheinigen</a>. Die Feiertage wird die Ziehmutter dieses Staatsoberhauptes noch verstreichen lassen, dann k&#246;nnten im Lichte der aktuellen Nachrichtenlage seine Tage endg&#252;ltig gez&#228;hlt sein &#8230;</p>
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		<title>Von Michael Braun zu Christian Wulff</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 18:22:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Nat&#252;rlich haben beide Aff&#228;ren direkt nichts miteinander zu tun; indirekt schon. Denn beide Male haben die Politiker so haarscharf am Rande der Legalit&#228;t gehandelt, dass ihnen zwar wohl juristisch nichts vorzuwerfen ist, moralisch aber ein dicker Schmutzfleck bleibt. Und auch dies macht die Vorg&#228;nge vergleichbar: Beide Male wurden die Protagonisten von ihrem politischen Umfeld [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Nat&#252;rlich haben beide Aff&#228;ren direkt nichts miteinander zu tun; indirekt schon. Denn beide Male haben die Politiker so haarscharf am Rande der Legalit&#228;t gehandelt, dass ihnen zwar wohl juristisch nichts vorzuwerfen ist, moralisch aber ein dicker Schmutzfleck bleibt. Und auch dies macht die Vorg&#228;nge vergleichbar: Beide Male wurden die Protagonisten von ihrem politischen Umfeld durch ausdr&#252;ckliche Vertrauensbekundungen gedeckt<span id="more-3487"></span> – was der politischen Klasse insgesamt ein weiteres St&#252;ck an Glaubw&#252;rdigkeit nimmt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der nur zw&#246;lf Tage amtierende Berliner Justizsenator Michael Braun hatte auf die Vorw&#252;rfe, an der T&#228;uschung von Immobilienbewerbern durch notarielle Beurkundung unter dubiosen Umst&#228;nden beteiligt gewesen zu sein, geantwortet: »<a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1843565/Ich-weiss-nichts-von-Schrottimmobilien.html" target="_blank"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/c8bf5ff0eea4422abfa249deebce81f6" alt="" width="1" height="1" />Mit ist kein einziger Fall bekannt, an dem ich mitwirkte, der vor einem Gericht aufgehoben wurde</a>.« &#196;hnlich legalistisch argumentierte Bundespr&#228;sident<a href="http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/12/111213-Pressemitteilung.html" target="_blank"> Christian Wulff &#252;ber seinen Pressesprecher im Falle des Halb-Millionen-Kredits aus dem Hause des Unternehmers Egon Geerken</a>: »Die Anfrage bezog sich auf gesch&#228;ftliche Beziehungen zu Herrn Egon Geerkens oder zu einer Firma, an der Herr Geerkens beteiligt war. Solche gesch&#228;ftlichen Beziehungen bestanden und bestehen nicht. Es bestand eine Vereinbarung mit Frau Edith Geerkens zu einem Darlehen aus ihrem Privatverm&#246;gen. Dementsprechend wurde die unmissverst&#228;ndliche Anfrage wahrheitsgem&#228;&#223; verneint.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beide mussten sich aufgrund neuer Fakten aus ihrer wagenburgartigen Verteidigungsstellung zur&#252;ckziehen und Fehlverhalten eingestehen. <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1850387/Schrottimmobilien-Justizsenator-aeussert-Bedauern.html" target="_blank">Braun erinnerte sich pl&#246;tzlich doch daran</a>, dass »mir vom Pr&#228;sidenten des Landgerichts Berlin ein Schriftsatz &#252;bermittelt worden (ist). In diesem wird auf drei beim Landgericht anh&#228;ngige Zivilrechtsstreitigkeiten hingewiesen, in denen von den Kl&#228;gern behauptet wird, sie seien bei der Vertragsanbahnung get&#228;uscht worden.« Und <a href="http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/12/111215-Erklaerung.html" target="_blank">Wulff r&#228;umte nach zwei Tagen ein</a>: »Es w&#228;re besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der nieders&#228;chsischen Abgeordneten im Landtag &#252;ber die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erw&#228;hnt h&#228;tte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nicht nur das zumindest anst&#246;&#223;ige Verhalten beider Politiker, vor allem ihr hochm&#252;tiger Umgang damit disqualifiziert sie zu hervorgehobenen politischen &#196;mtern, was allerdings in ihrem Umfeld nicht so gesehen wird. Braun wurde lange vom Berliner Regierenden B&#252;rgermeister Wowereit, vor allem aber von seiner eigenen Partei der Berliner CDU, gedeckt. Und noch <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1853485/Berlins-Kurzzeitsenator-Michael-Braun-gibt-auf.html#reqRSS" target="_blank">in der R&#252;cktrittserkl&#228;rung</a> stellte ihm die CDU einen Persilschein aus: »Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass sich Michael Braun korrekt verhalten hat.« Er trete zur&#252;ck, nicht etwa weil er dem Senatorenamt bzw. dem gesamten Senat schadete, sondern wegen der »einseitigen und andauernden Presseberichterstattung«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Falle Wulff hat Angela Merkel, seine Ziehmutter, pers&#246;nlich die Verteidigung &#252;bernommen. Nach seiner ersten Erkl&#228;rung <a href="http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2126621/Merkel-spricht-Wulff-ihr-volles-Vertrauen-aus.html">fand sie diese total in Ordnung</a>: »Die Bundeskanzlerin hat volles Vertrauen in die Person und die Amtsf&#252;hrung von Christian Wulff«, lie&#223; sie ihren Sprecher verk&#252;nden und hinzuf&#252;gen: »Er ist ein guter Bundespr&#228;sident.« Nach seinem verbalen R&#252;ckziehen <a href="http://www.bild.de/newsticker-meldungen/home/15-17-wulff-merkel-21587480.bild.html">blieb sie unbeirrt dabei</a>: »Ich sch&#228;tze und w&#252;rdige die Arbeit des Bundespr&#228;sidenten.« Noch deutlicher wurden einige seiner Parteifreunde.<a href="http://www.elo-forum.net/shortnews/2011121541782.html"> Peter Altmaier</a>, der Parlamentarische Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Unionsfraktion im Bundestag, hat keine Zweifel mehr: »Christian Wulff hat sich schnell, umfassend und angemessen ge&#228;u&#223;ert.« Daher sollte dies »von allen Beteiligten anerkannt und die Debatte dann auch beendet« werden. Auch f&#252;r seinen Fraktionskollegen von der CSU,<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1629865/" target="_blank"> Norbert Geis</a>, hat Wulff »&#252;berhaupt nichts Falsches gesagt. &#8230; Er hat vollkommen der Wahrheit gem&#228;&#223; gesagt, er hat nicht die Unwahrheit gesagt. &#8230; Er hat lediglich nicht jetzt erkl&#228;rt, dass er auch noch freundschaftliche Beziehungen hat &#8230;« Was man ihm allenfalls vorhalten k&#246;nne, »ist, dass er die B&#246;sartigkeit dieser ganzen Fragerei nicht richtig durchschaut hat.« Denn er, Geis, habe – ganz wie die Berliner CDU im Fall Braun – den Verdacht, »dass dahinter nat&#252;rlich auch eine Kampagne stecken kann.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Michael Braun ist mittlerweile zur&#252;ckgetreten, weil sich die Wahrheit durchsetzte und sein L&#252;gengeb&#228;ude zusammenbrach. Wie es aussieht, wird es Christian Wulff nicht anders gehen, denn inzwischen <a href="http://www.zeit.de/news/2011-12/17/bundespraesident-druck-auf-wulff-waechst-neue-fragen-zu-hauskredit-17171009" target="_blank">verdichten sich die Hinweise, dass auch er in der Kredit-Geschichte bis heute nicht die ganze Wahrheit gesagt hat</a>, sondern immer wieder neue Ausfl&#252;chte erfand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beide Vorf&#228;lle werfen ein bezeichnendes Licht auf dsas politische Personal, das sich anma&#223;t, dieses Land zu regieren. Aber beide sind auch hoffnungsdvoll in dem Sinne, dass eine wache und unerbittliche &#214;ffentlichkeit solches Fehlverhalten nicht durchgehen l&#228;sst und damit die Demokratie gegen jegliches Selbstherrlichkeit verteidigt.</p>
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		<title>Das Elend der Kapitalismus-Gl&#228;ubigen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 18:09:50 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) In Madrid wurden 300 000 gez&#228;hlt, in Rom 200 000. Tausende gingen auch in London, Berlin Lissabon und zahlreichen anderen St&#228;dten Europas auf die Stra&#223;en. In New York harren Tausende im Zuccotti-Park aus. Eine ungeahnte Welle antikapitalistischen Protestes rollt vor allem durch die westliche Welt. Und gleichzeitig kommen von dort immer &#246;fter Bilder, wie sie bisher nur aus Minsk, Peking oder Moskau verbreitet wurden: Schwerbewaffnete Polizisten jagen junge Demonstranten, sto&#223;en sie zu Boden, verfrachten sie in Polizeiautos. Ein Demonstrant im US-amerikanischen Oakland wurde lebensgef&#228;hrlich verletzt. Eine friedliche Revolution – diesmal gegen ihn – will der Kapitalismus nicht zulassen.<span id="more-3329"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwar glauben Politiker wie ihre medialen Bataillone noch immer, sie k&#246;nnten den Protest mit erprobten Mitteln kanalisieren, indem sie ihn bagatellisieren und vereinnahmen. Wie stalinistische Betonkopfe halten die heutigen Systemapologeten an ihrem unverbr&#252;chlichen Glauben fest, dass der Kapitalismus gar nicht schlecht sein kann, sondern nur von einigen seiner Vertreter schlecht verwaltet wurde. »Es waren Dummheit und Gier, Inkompetenz, Kurzsichtigkeit und Arroganz, es waren Banker, denen man noch nicht einmal B&#246;sartigkeit unterstellen kann. Sie hatten nur keine Ahnung, was sie da taten«, kopiert die <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/legitimationsprobleme-der-banker-es-war-dummheit-11501646.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/40180675e8f14e69bb624c9583467fa4" alt="" width="1" height="1" />»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« (FASZ) </a>die unbelehrbaren Genossen des sp&#228;ten Sozialismus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wie diese vor den politisch-ideologischen Diversanten warnten, verteufelt sie die heute anders Denkenden. Man k&#246;nne »getrost das Parteiprogramm der Linken vergessen und sollte auch nicht zuh&#246;ren, wenn SPD und Gr&#252;ne nur ihre Ressentiments auf den neuesten Stand bringen«. Genau dies taten dann <a href=" http://www.n-tv.de/politik/Linke-bringt-Bundestag-um-den-Verstand-article4632566.html" target="_blank">Union und FDP im Bundestag</a> bez&#252;glich der Linkspartei – nur weil sie gerade ein Programm verabschiedet hatte, das zur gegenw&#228;rtigen Krisenlage mehr bereit h&#228;lt als nur das Prinzip Hoffnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kl&#252;gere heucheln Verst&#228;ndnis f&#252;r die Protestler, was freilich auf deren verst&#228;ndliche Skepsis st&#246;&#223;t. Die Demonstranten begreifen, dass hinter dem Schulterklopfen, der Umarmung gar die Absicht des Weiter-so steht, das man sich nicht st&#246;ren lassen will. Von »der Verw&#228;sserung der Protestbewegung« spricht <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/occupy-wall-street-streit-lasst-euch-nicht-umarmen-1.1174532" target="_blank">Slavoj Žižek in der »S&#252;ddeutschen Zeitung«</a>: »So, wie man uns Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol und Eiscreme ohne Fett vorsetzt, werden die M&#228;chtigen versuchen, die Proteste als harmlose, moralistische Bewegung abzutun.« Obamas Verweis auf die angebliche N&#228;he seiner Politik zu den Forderungen der Demonstranten, Merkels »Verst&#228;ndnis« f&#252;r ihre Unzufriedenheit, das pl&#246;tzliche Haut-die Banken all jener, die sie im gleichen Atemzug als »systemrelevant« bezeichnen (was insofern stimmt, als sie ihr vorgeblich alternativloses kapitalistisches System meinen) – all das zielt auf Entwaffnung einer Bewegung, die zugleich kompromisslos mit den Repressivwaffen des Systems bek&#228;mpft wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit faktengest&#252;tzten Argumenten kann der Kapitalismus l&#228;ngst nicht mehr &#252;berzeugen; schon gar nicht, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Denn Weitsicht und daraus resultierende Nachhaltigkeit sind seine Merkmale nicht. Er ist ganz und gar auf den schnellen und m&#246;glichst gro&#223;en Gewinn orientiert, dem ordnet er sein gesamtes Handeln unter. Folgerichtig l&#228;sst er sich auch nur durch harte Tatsachen bremsen. Indem er zum Beispiel gegen die Wand einer Realit&#228;t f&#228;hrt, die er einfach nicht einkalkulierte, weil sie in seinem System nicht vorgesehen ist. Dann ist der Crash unausweichlich, dessen Aufprall zwar inzwischen Airbags und Knautschzonen zu mildern verm&#246;gen, ohne ihn freilich kl&#252;ger und vorsichtiger zu machen, eher noch risikofreudiger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die einzige Realit&#228;t, die dem Kapitalismus ein gewisses Ma&#223; an Vernunft aufzwang, war paradoxerweise der reale Sozialismus; mit seinem Verschwinden war die Bahn wieder frei f&#252;r die einfachen Instinkte, die schon Marx gekannt hatte: »Das <a href="http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/profit/profit.htm" target="_blank">Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit</a> oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital k&#252;hn. Zehn Prozent sicher, und man kann es &#252;berall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; f&#252;r 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu&#223;; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnlich irrational nat&#252;rlich auch der Kampf gegen all jene, die dieses unbedingte Profitprinzip in Frage stellen. So unausrottbar, wie im Sozialismus-System die Angst vor imperialistischer Konterbande war, so unausrottbar ist heute, nach einer kurzen Periode des Siegestaumels, in der man jede antikapitalistische Alternative schon auf dem M&#252;llhaufen der Geschichte w&#228;hnte, die neue Angst vor Andersdenkenden, die im Kapitalismus immer weniger das historische Nonplusultra sehen, sondern nach neuen gesellschaftlichen Entw&#252;rfen suchen und dabei auch fr&#252;here, gescheiterte Konzepte erneut auf den Pr&#252;fstand stellen, um zu sehen, woran es lag und was man daraus lernen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die treuen Gl&#228;ubigen des Kapitalismus haben dem nichts entgegenzusetzen als totale Verunsicherung. Und so finden sich in der schon genannten FASZ auf der gleichen Seite zum einen die Beschw&#246;rung, nicht etwa den Schluss zu ziehen, »dass man den Kapitalismus abschaffen m&#252;sse. Sondern dass er dringend gerettet werden sollte« und zwar mittels »einer einmaligen <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/staatsressource-privatvermoegen-sagt-die-wahrheit-11501648.html" target="_blank">Wohlstandsabgabe auf Verm&#246;gen und Immobilie</a>n irgendwo zwischen zwanzig und drei&#223;ig Prozent« und zum anderen das Eingest&#228;ndnis, dass sich Staaten und Finanzkapital »einander entsicherte Handgranaten zuspielen«. Mehr noch: »Was sich gegenw&#228;rtig Politik nennt, ist also nichts anderes als das Weiterreichen von Zeitbomben, deren Ausl&#246;sezeitpunkt niemand kennt. Es k&#246;nnte in Jahren sein oder heute Nachmittag.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beides ein deutliches, wenngleich ungewolltes Pl&#228;doyer f&#252;r die Fortsetzung und Verst&#228;rkung des B&#252;rgerprotestes gegen solchen Wahnsinn.</p>
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		<title>Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 18:31:19 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Am 27. September 2009 konnten sich Union und FDP &#252;ber ihre Erfolge bei der Bundestagswahl und die bevorstehende schwarz-gelbe Wunschkoalition freuen. Von Freude ist zwei Jahre sp&#228;ter zur Halbzeit der Regierung nichts mehr zu sp&#252;ren: Die FDP steht am Abgrund, die Union hat ein massives Problem, ihren W&#228;hlern die politischen Kehrtwenden zu erkl&#228;ren und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Am 27. September 2009 konnten sich Union und FDP &#252;ber ihre Erfolge bei der Bundestagswahl und die bevorstehende schwarz-gelbe Wunschkoalition freuen. Von Freude ist zwei Jahre sp&#228;ter zur Halbzeit der Regierung nichts mehr zu sp&#252;ren: Die FDP steht am Abgrund, die Union hat ein massives Problem, ihren W&#228;hlern die politischen Kehrtwenden zu erkl&#228;ren und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gelingt es nur noch m&#252;hsam, die einstigen Traumpartner zusammenzuhalten.<span id="more-3306"></span></p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208058.schwarz-gelb-auf-dem-tiefpunkt.html" target="_blank">Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/aec68746bcb847dcbb67263c95c79439" alt="" width="1" height="1" /></h2>
<h4>Angela Merkels Wunschkoalition steckt in der Krise, weil sie an den Erwartungen der B&#252;rger mehr denn je vorbei regiert</h4>
<h5>Nach zwei Jahren Schwarz-Gelb haben CDU/CSU und FDP »fertig«. Sie sind moderne Antworten auf die Herausforderungen einer sich schnell wandelnden Welt schuldig geblieben, halten aber stur an der Macht fest.</h5>
<p>Die als Drohung gemeinte, von vielen aber durchaus als Verhei&#223;ung empfundene Ank&#252;ndigung, ohne »Kanzlermehrheit« in der Frage des Griechenland-Rettungsschirms sei die Koalition gescheitert, war nie ernst gemeint. Sie diente allein der am Ende gelungenen Disziplinierung der eigenen Fu&#223;truppen; aber dass sowohl Wolfgang Sch&#228;uble f&#252;r die Union als auch FDP-Fraktionschef Br&#252;derle mit allerlei Relativierungen f&#252;r den Ernstfall vorgebaut hatten, zeigt nur den desolaten Zustand des einstigen »Traumb&#252;ndnisses«.</p>
<p>Denn auch wenn Union und Freidemokraten ihre Mehrheit zusammenbekamen und nat&#252;rlich bis zum bitteren Ende weiterregieren wollen faktisch sind sie bereits abgew&#228;hlt. Acht Landtagswahlen haben seit dem bundesweiten Urnengang vor zwei Jahren stattgefunden, sechsmal verlor die Union an Stimmen zwischen 3,7 und 20,7 (!) Prozent.</p>
<p>Nur zweimal konnte sie leicht zulegen, in Rheinland-Pfalz und Berlin; da war sie wohl die einzige Alternative f&#252;r einige verdrossene Ex-W&#228;hler der FDP, die in beiden L&#228;ndern aus dem Parlament flog. Das Gleiche widerfuhr den Freidemokraten mit drei weiteren Landtagen; &#252;berall war sie von den 14,6 Prozent der Bundestagswahl weit entfernt.</p>
<p>Zwar hatten Bundeskoalitionen schon h&#228;ufiger nach dem Wahlsieg mit Stimmenschwund in den L&#228;ndern zu k&#228;mpfen, doch nicht in solchem Ausma&#223;. Es verweist darauf, dass die schwarz-gelbe Regierung nicht nur ein indiskutables Erscheinungsbild abgibt, sondern auch in der Sache nicht ann&#228;hernd liefert, was sie angek&#252;ndigt hatte. Au&#223;er im Falle der Mehrwertsteuersenkung f&#252;r Hoteliers schon in den ersten Regierungswochen, doch war das nur ein Geschenk f&#252;r den neuen Partner, der sich daf&#252;r mit hochfahrender Schelte gegen Hartz-IV-Empf&#228;nger bedankte und so wohl einen betr&#228;chtlichen Beitrag zur CDU/FDP-Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen leistete. Kurz darauf ging Horst K&#246;hler, Merkels und Westerwelles Ziehkind auf dem Bundespr&#228;sidentenstuhl, frustriert von Bord. Die &#228;hnlich ausgekungelte Nachfolgel&#246;sung Christian Wulff wurde zu einer Zitterpartie.</p>
<p>Danach rief die Koalition einen »Herbst der Entscheidungen« aus; er m&#252;ndete in die Desaster dieses Fr&#252;hjahres: Nach dem Fukushima-Super-GAU wurde die gerade beschlossene AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung wieder kassiert und mit dem Atomausstieg in ihr Gegenteil verkehrt. Merkels forsches Eintreten f&#252;r den Bahnhofsneubau in Stuttgart endete mit einem gr&#252;n-roten Wahlsieg in Baden-W&#252;rttemberg. Und trotz ihrer Ehrenerkl&#228;rungen f&#252;r den smarten Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg musste dieser als Verteidigungsminister unehrenhaft abmustern. Schlie&#223;lich konnte die Kanzlerin angesichts widerstreitender Auffassungen zwischen und in den Koalitionsparteien zur Finanzkrise um Griechenland nur m&#252;hsam den Crash verhindern und ist damit noch lange nicht am Ende.</p>
<p>Wortreich verweisen die Koalition&#228;re auf ihre »Erfolge«, zum Beispiel die Arbeitslosenzahl auf unter drei Millionen gedr&#252;ckt zu haben, verschweigen jedoch, dass dies nur unter Beibehaltung der Schr&#246;derschen Hartz-IV-N&#246;tigung gelang und die meisten der so entstandenen Arbeitsverh&#228;ltnisse nicht genug einbringen, um davon leben zu k&#246;nnen. Als Erfolg wird auch gewertet, dass es um Deutschland nicht ganz so schlecht steht wie um andere europ&#228;ische L&#228;nder. Man verdr&#228;ngt damit die anhaltenden Debatten &#252;ber Altersarmut, Pflegenotstand, Zwei-Klassen-Medizin und Mietenexplosion. Gut stellt sich das Land nur f&#252;r die Verm&#246;genden dar, w&#228;hrend die Masse der Bev&#246;lkerung die soziale Ausd&#252;nnung Tag f&#252;r Tag deutlicher sp&#252;rt.</p>
<p>Und sich zugleich um die W&#228;hrung sorgt, weil die Regierung weder willens noch in der Lage ist, gegen die Ausw&#252;chse der Finanzbranche wirksam vorzugehen. Zwar hat auch sonst niemand ein &#252;berzeugendes Rezept dagegen, aber die Ratlosigkeit und Zerstrittenheit in dieser Sache findet sich in vielen anderen Fragen wieder, sei es die Wahlrechtsproblematik um die &#220;berhangmandate oder der Streit um die Vorratsdatenspeicherung. Sei es die Zukunft des Gesundheitswesens oder die der Pflegeversicherung, die Sicherung der Altersvorsorge oder das uns&#228;gliche Steuersenkungsthema. Handeln auf Sicht und Zuruf ist zum Markenzeichen dieser Regierung geworden, und es gibt wenig Anzeichen, dass sich daran etwas &#228;ndert.</p>
<p>Da verwundert es nicht, wenn die B&#252;rger von der Koalition nicht mehr viel erwarten. 83 Prozent bewerteten j&#252;ngst in einer Forsa-Umfrage deren Zusammenarbeit als mangelhaft, und 54 Prozent glauben nicht, dass sie bis 2013 noch durchh&#228;lt. Selbst unter Unionsw&#228;hlern rechnet jeder Dritte mit ihrem vorzeitigen Ende, bei der FDP sind es gar 37 Prozent.</p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208057.politik-aus-dem-vorigen-jahrhundert.html" target="_blank">Politik aus dem vorigen Jahrhundert</a></h2>
<h4>Nur schwer kann sich das »b&#252;rgerliche« Lager von Inhalten und Ritualen der Vergangenheit verabschieden</h4>
<h5>Seit ihrem Bestehen macht die Regierungskoaltion keine gute Figur. Daf&#252;r verantwortlich sind Konzeptionslosigkeit und das Verschlafen gesellschaftlicher Entwicklungen.</h5>
<p>Mit Parteien ist es fast wie mit den Leuten auch. Je &#228;lter sie werden, desto schwerer tun sie sich mit Neuem. Und trauern gern vergangenen, (vermeintlich) gl&#252;cklicheren Zeiten nach. Auch die verbliebenen Anh&#228;nger von Schwarz-Gelb blicken derzeit melancholisch dahin zur&#252;ck, wo die Union und die Freidemokraten das Land unangefochten regierten also die 20 Jahre nach Gr&#252;ndung der Bundesrepublik und die 16 Jahre unter Helmut Kohl. Sie sehnen sich nach solcher &#220;bersichtlichkeit und k&#246;nnen nicht begreifen, dass ihre »christlich-liberale Koalition« vom ersten Tag ihres Bestehens an ein solch jammervolles Bild abgibt.</p>
<p>Da die weitgehend zahnlose Opposition daf&#252;r der Grund nicht sein kann, suchen sie ihn in Personen und deren unprofessionellem Agieren, im Profilierungsdrang der »Partner«, die oft gegeneinander, mehr noch aber gegen die gemeinsame Sache wirken, auch schon mal diffus in den allgemeinen Zeitl&#228;uften, die ein »ordentliches« Regieren beinahe unm&#246;glich machten.</p>
<p>Den Hauptgrund ihres Niedergangs sowohl als Koalition als auch als einzelne Parteien wollen jedoch weder die Union noch die FDP sehen. Er ist inhaltlich begr&#252;ndet, ergibt sich daraus, dass sie verlernt haben, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und in neue, moderne Konzepte umzusetzen. Ihre Krise ist eine Krise der Programmatik, die weitgehend auf alten Fundamenten stehen geblieben ist und sich neuen Herausforderungen nur ungen&#252;gend zu stellen vermochte.</p>
<p>Dabei gibt es zwischen den Koalition&#228;ren durchaus Unterschiede. Die Union als Volkspartei nimmt das Defizit an moderner L&#246;sungskompetenz deutlicher wahr als die FDP, was sie partiell zu Ver&#228;nderungen f&#228;hig macht. Ihr Problem: Diese Ver&#228;nderungen setzen sich eher spontan durch, als dass sie das Produkt einer gediegenen Gesellschaftsanalyse und darauf fu&#223;ender Ideen w&#228;re. Angela Merkel sp&#252;rt den Wind des Wandels und h&#228;ngt ihr M&#228;ntelchen gern in die Brise, aber sie gestaltet Neues lustlos, als Getriebene, wodurch sie ihre konservativ denkende Partei &#252;berfordert und verwirrt.</p>
<p>Die Folge sind Entt&#228;uschung, Unmut und Abkehr. Sinnvolle Entscheidungen wie zur Unterst&#252;tzung berufst&#228;tiger Frauen, die Aussetzung der Wehrpflicht, die Abschaffung der Hauptschule und vor allem der Atomausstieg nach gerade verf&#252;gter AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung sind das Ergebnis &#228;u&#223;eren Drucks, dem die Kanzlerin nicht aus &#220;berzeugung, sondern aus taktischem Kalk&#252;l folgt, ohne bei CDU und CSU daf&#252;r zu werben. Ihr lakonisches »Wenn sich Dinge &#228;ndern, m&#252;ssen wir Antworten finden« verunsichert die konservative Unionsw&#228;hlerschaft noch immer stark auf Adenauer und Kohl fixiert mehr, als dass sie sie beruhigt; sie versteht die Welt nicht mehr.</p>
<p>Die FDP-F&#252;hrung hingegen ist total in den 90er Jahren stecken geblieben, hat ein Dutzend Jahre gesellschaftlicher Entwicklung verschlafen und bringt daher nichts anderes in die Regierungsarbeit ein als Papiere aus dem vorigen Jahrhundert, ein Parteiprogramm sogar aus den 1980er Jahren. Ihre einst auf verschiedenen Feldern durchaus liberale Politik hat sich heute auf kruden Wirtschaftsliberalismus verengt. Wirkte sie fr&#252;her in einer Koalition als Korrektiv gegen&#252;ber manchem &#220;berschwang des gr&#246;&#223;eren Partners, so muss heute ihre Irrationalit&#228;t korrigiert werden. Eine Aufgabe, die die Kanzlerin allerdings vom ersten bis in diese Tage ignorierte und damit selbst zu den Problemen beitrug, mit denen sie heute zu k&#228;mpfen hat.</p>
<p>Beide, CDU/CSU wie FDP, aber haben sich vor allem ungen&#252;gend auf das wachsende Dr&#228;ngen der B&#252;rger auf Teilhabe an den &#246;ffentlichen Angelegenheiten eingestellt. Machtsicherungsrituale, die sich in ihren Augen bew&#228;hrt haben, bestimmen unausrottbar die politische Arbeit von Union und FDP und nicht nur von ihnen. Der W&#228;hlerzulauf zu den Gr&#252;nen, vor allem aber der Berliner &#220;berraschungscoup der Piratenpartei zeigen jedoch, dass die B&#252;rger von den Parteien etwas ganz anders erwarten n&#228;mlich in Inhalt wie Umgang eine weitreichende &#214;ffnung zu ihnen hin.</p>
<pre></pre>
<address>(Ver&#246;ffentlicht in:  Neues Deutschland vom 04. Oktober 2011)</address>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Nicht einmal Bundestagsabgeordnete sind frei</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 20:59:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wolfgang Bosbach geh&#246;rte stets zu den treuesten Bundestagsabgeordneten der CDU. Was auch immer die Medien ihn fragten, er stand stets unersch&#252;tterlich zur politischen Linie seiner Partei. Das wurde von den Parteioberen wohlwollend registriert, gab ihm aber nicht das Recht, auch einmal die eigene Meinung zu sagen und im Parlament zu Protokoll zu geben. Als er das jetzt in der Frage der Griechenland-Hilfe dennoch tat, wurde er binnen Stunden zum Auss&#228;tzigen<span id="more-3295"></span> in seiner Fraktion. Der <a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1213229" target="_blank">Kanzleramtsminister aus seiner Partei </a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/5e46cda30ee44d799c0d32b4f88161bb" alt="" width="1" height="1" />erkl&#228;rte ihm, »seine Fresse« nicht mehr sehen, »seine Schei&#223;e« nicht mehr h&#246;ren zu k&#246;nnen.</p>
<p>Nun ist die Emp&#246;rung gro&#223;, obwohl Bosbach lediglich widerfuhr, was in den Bundestagsparteien gang und g&#228;be ist. Keine Fraktion l&#228;sst zu, dass im Plenum jemand das Wort ergreift, der nicht die vorgegebene Position der Partei vertritt. Und wenn jemand anders als die Mehrheit der eigenen Leute abstimmen will, wird er unverz&#252;glich in die Mangel genommen, in der die Walzen immer enger gestellt werden – bis hin zur Drohung, f&#252;r folgende Wahlkandidaturen die Unterst&#252;tzung zu versagen. Dann bekommen die W&#228;hler einen anderen, der Parteif&#252;hrung genehmeren Kandidaten vorgesetzt.</p>
<p>Bundestagspr&#228;sident Norbert Lammert wollte diese Praxis, die sogar die <a href="http://www.bild.de/news/standards/bild-kommentar/unterworfenes-gewissen-20258462.bild.html" target="_blank">BILD-Zeitung </a>zu einem von ihr selten gebrauchtem Vergleich veranlasste, durchbrechen und erteilte kraft seines Amtes zweien der Andersdenkenden in der Regierungskoalition das Wort, was nicht nur in deren Fraktionen, sondern <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:nach-euro-votum-lob-fuer-rederecht-fuer-efsf-kritiker/60110954.html" target="_blank">in ausnahmslos allen Parteien heftige Proteste</a> ausl&#246;ste. Das ganze System breche zusammen, wenn solche Freiheiten &#252;blich w&#252;rden, lie&#223; Unions-Fraktionschef Volker Kauder verlauten – und hat damit wohl recht. Wirkliche Freiheit bringt auch dieses System in Gefahr. Und zwar so sehr, dass selbst die einst alternativ denkenden Gr&#252;nen ihrem »Abweichler« <a href="http://www.nachrichten.de/panorama/Mitteldeutsche-Zeitung-Euro-Krise-Stroebele-lobt-Lammert-fuer-Entscheidung-Abweichler-im-Bundestag-aid_7690380382504648156.html" target="_blank">Hans-Christian Str&#246;bele </a>die Darlegung eigenst&#228;ndiger Gedanken im Bundestag verweigern – ganz zu schweigen von der SPD.</p>
<p>Deren parlamentarischer Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrer Thomas Oppermann w&#252;nschte sich zwar mit Blick auf den politischen Gegner: »In einem demokratischen Prozess ist es wichtig, das ganze Spektrum in einem vern&#252;nftigen Verh&#228;ltnis zur Geltung kommen zu lassen.« Doch auch die politische Praxis der SPD ist eine ganz andere. Davon k&#246;nnte zum Beispiel deren sachsen-anhaltinische Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff berichten, die 2003 bei der Abstimmung &#252;ber Schr&#246;ders »Agenda 20120« eine andere Meinung als ihre Parteif&#252;hrung hatte. Damals wurde sie zur »Dissidentin« und geriet prompt in ein Dilemma, das im folgenden noch einmal nachgezeichnet werden soll.</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<h2>Das Dilemma einer »Dissidentin«</h2>
<h4>Wenigstens diskutieren will die SPD-Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff, ehe sie eine schmerzhafte Entscheidung trifft</h4>
<h5><strong>Der SPD-Sonderparteitag hat die »Agenda 2010« gebilligt. Das Mitgliederbegehren steht vor dem Scheitern. Nun geht es um die eigene Mehrheit der Koalition im Bundestag – f&#252;r das kleine H&#228;uflein der Aufrechten gegen Sozialabbau in der SPD-Fraktion eine schwierige Situation.</strong></h5>
<p>Wenn es um den Steuersatz beim Agrardiesel geht, dann hat Waltraud Wolff selbstverst&#228;ndlich das Wort. Auch zur Organisation der landwirtschaftlichen Sozialversicherung meldet sich die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Und entschlossen k&#228;mpft sie f&#252;r die Aufrechterhaltung des Branntweinmonopols – bei besonderer W&#252;rdigung hochprozentigen gebrannten Korns, den sie gern zu einem &#228;hnlichen Markenzeichen im Spirituosensektor machen w&#252;rde, wie es Grappa, Ouzo, Cognac oder Tequila f&#252;r ihre Herkunftsl&#228;nder sind. So weit, so gut und lobenswert, meinen ihre sozialdemokratischen Bundestagskollegen, aber als nahe an der Schnapsidee m&#252;ssen es offensichtlich einige dann empfunden haben, dass sich die Wolmirstedter Sonderschullehrerin in diesem Fr&#252;hjahr in die Reihe jener »Dissidenten« stellte, die an des Kanzlers »Agenda 2010« herumm&#228;kelten.</p>
<h4>Aufm&#252;pfig aus Erfahrung</h4>
<p>Mit acht anderen Parlamentariern und weiteren linken Sozialdemokraten brachte Waltraud Wolff im April ein Mitgliederbegehren auf den Weg, das – unter anderem – K&#252;rzungen bei Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe und Krankengeld verhindern und stattdessen die Verm&#246;genssteuer wieder einf&#252;hren wollte – Forderungen, die die Parteif&#252;hrung sofort strikt ablehnte. Und so war auch der Gegenwind in der Fraktion betr&#228;chtlich. Nach der Osterpause schlug den neun Aufm&#252;pfigen, zu denen sich inzwischen drei weitere gesellt hatten, ein frostiger Wind entgegen. Selbst als es um die Frage ging, wer in der n&#228;chsten Bundestagssitzung das Spezialthema der »Modulation von Direktzahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik« behandeln sollte, hielten einige das Mitglied im Bundestagsausschuss »Verbraucherschutz, Ern&#228;hrung und Landwirtschaft« pl&#246;tzlich f&#252;r nicht mehr geeignet: »Was denn, so eine darf noch im Plenum reden?«</p>
<p>Dabei ist Waltraud Wolff gerade f&#252;r Sozialfragen au&#223;erordentlich kompetent, kommt sie doch aus Sachsen-Anhalt, jenem Land mit der bundesweit h&#246;chsten Arbeitslosigkeit. »Ich konnte gar nicht anders«, sagt sie, »das Krankengeld privatisiert, noch mehr private Altersvorsorge, das Arbeitslosengeld auf Sozialhilfeniveau, ABM zur&#252;ckgefahren, Wegbrechen der Qualifizierungsma&#223;nahmen – mit all dem konnte ich nicht mehr guten Gewissens durch meinen Wahlkreis gehen.« Nach der Wende arbeitete sie als Leiterin der Gerhard-Sch&#246;ne-Schule in ihrer Heimatstadt, einer Sonderschule f&#252;r geistig Behinderte. Sie kennt die Probleme der Schw&#228;chsten in der Gesellschaft, sie wei&#223;, wie schwierig es gerade f&#252;r sie ist, ein w&#252;rdevolles Leben zu f&#252;hren. Auch ihre Schule musste und muss um jeden Euro k&#228;mpfen, oft betteln. Viel Fantasie bringen Lehrer wie F&#246;rderer allein daf&#252;r auf; erst k&#252;rzlich organisierten sie ein Benefiz-Fu&#223;ballturnier, um einen Schulbus finanzieren zu k&#246;nnen. Auch der Namensgeber der Schule, der Liedermacher Gerhard Sch&#246;ne, war dabei, sang seine Lieder, die oft die »kleinen Leute« zum Thema haben, aber auch ihre Kraft, ihren Mut.</p>
<p>Kraft und Mut brauchte auch Waltraud Wolff, nachdem sie nun zum »dreckigen Dutzend« in der 251-k&#246;pfigen Fraktion, wie deren F&#252;hrung die »Abweichler« nennt, geh&#246;rte. Denn sie ist ein sozialer Mensch, m&#246;chte gern mit ihrer Umwelt in Frieden und Harmonie leben. »Jeder braucht ein Umfeld, auch zur eigenen Selbstgewissheit«, sagt sie. »Da merke ich schon, wenn die Kollegen reservierter sind, und es ist mir nicht einerlei.«</p>
<p>Es ist f&#252;r sie auch nicht die erste Erfahrung dieser Art. Schon im August 2001, als es um den Einsatz deutscher Soldaten in Mazedonien ging, hatte sie im Bundestag Nein gesagt. Die evangelische Christin war immer gegen Krieg und Milit&#228;r gewesen; jahrelang geh&#246;rte sie zu den treuesten Teilnehmern der monatlichen Aktionen gegen den Truppen&#252;bungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide. »Schon da fand ich damit nicht nur Beifall«, erinnert sie sich, »sogar absolutes Unverst&#228;ndnis. ›Du bist f&#252;r die SPD in den Bundestags gegangen‹, h&#246;rte ich, ›da musst du deren Entscheidungen mittragen‹. Doch andererseits hatte ich in dieser Frage einen Riesenr&#252;ckhalt bei meinen W&#228;hlern.« Wie sollte sie sich verhalten? Immerhin hatten 43,3 Prozent sie 1998 direkt gew&#228;hlt, vier Jahre sp&#228;ter sogar 45,1 Prozent. Damals hatte sie dar&#252;ber nachgedacht, ob sie wirklich im Parlament bleiben kann, denn sie ahnte, dass es immer wieder zu schwierigen Entscheidungen kommen w&#252;rde.</p>
<p>Aber Waltraud Wolff blieb, denn sie lernte allm&#228;hlich die sozialdemokratischen Tugenden. »Ich bin zwar von 45 Prozent gew&#228;hlt worden«, sagt sie heute, »aber ich kann nicht nur das tun, was sie wollen.« Und nat&#252;rlich sei sie keine grunds&#228;tzliche Gegnerin der »Agenda 2010«, sondern wollte mit den anderen nur erreichen, dass die SPD sie nicht nur einfach abnickt und basta, sondern dar&#252;ber diskutiert. »Die Partei sollte wieder sprachf&#228;hig werden«, sagt sie, und das sei schlie&#223;lich doch erreicht worden. Der Sonderparteitag, urspr&#252;nglich abgelehnt, habe stattgefunden. Jetzt gingen die Debatten im Bundestag weiter. Der turnusm&#228;&#223;ige Parteitag im November werde wichtige Probleme erneut beraten. Und auch inhaltlich habe es Fortschritte gegeben, so zus&#228;tzliche Ma&#223;nahmen zu Bildung und Qualifizierung im Osten, Sonderregelungen f&#252;r &#252;ber 55-j&#228;hrige Arbeitslose in strukturschwachen Gebieten, eine nur schrittweise Absenkung des Arbeitslosengeldes auf Sozialhilfeniveau, die Fortsetzung der Diskussion &#252;ber eine Ausbildungsplatzumlage: »Das sind abrechenbare Erfolge, die so in der urspr&#252;nglichen Agenda nicht standen.«</p>
<p>Immer wieder verweist Waltraud Wolff auf die Notwendigkeit der Diskussion: »Das muss die SPD auszeichnen, sonst gibt es nur L&#228;hmung, Wut und Resignation. Wir m&#252;ssen uns streiten und Kompromisse finden, denn nat&#252;rlich kann nicht jeder seine reine Lehre durchsetzen. Alle m&#252;ssen kompromissf&#228;hig sein.« Da ist die Abgeordnete schon ganz nah bei Eduard Bernstein und seinem oft kolportierten Wort von der Bewegung, die alles sei, das Ziel dagegen nichts. Und nat&#252;rlich auch bei ihrem Vorsitzenden Gerhard Schr&#246;der, der sich beim 140-j&#228;hrigen Parteijubil&#228;um ausdr&#252;cklich zu dem reformistischen Denker bekannte. Bernstein nannte das Rechtsgef&#252;hl, das Streben nach Gleichheit und Gerechtigkeit »das dauernde Element in der Bewegung, das alle Wandlungen der Doktrin &#252;berlebt, aus dem sie zu allen Zeiten immer wieder neue Kraft sch&#246;pft«. Ein Satz, den Waltraud Wolff wohl lieber auf sich beziehen w&#252;rde als das b&#246;se Wort vom »Unsicherheitsfaktor«, das ihr und den elf anderen in der Fraktion angeh&#228;ngt wurde. Schlie&#223;lich h&#228;tten sich die »Dissidenten« auf sozialdemokratische Grundwerte besonnen, »und der Parteitag zeigte doch, dass unsere Klagen in die richtige Richtung gingen«.</p>
<p>Besonders unverst&#228;ndlich ist ihr die Haltung ihres sachsen-anhaltischen Landesverbandes, der sie hart kritisierte, dann aber in einem eigenen Antrag f&#252;r den Sonderparteitag die Sachforderungen des Mitgliederbegehrens aufgriff. »Legen Sie diesen Antrag und das Mitgliederbegehren nebeneinander – und Sie werden staunen!«, erkl&#228;rt sie kopfsch&#252;ttelnd. 1991 war sie, die zuvor politisch Abstinente, in die SPD eingetreten, seit 1994 sitzt sie im SPD-Landesvorstand Sachsen-Anhalt, seit 1995 ist sie Vorsitzende des Kreisverbandes Ohrekreis. Da schmerzte es schon, dass ihre Genossen zwar ihre Forderungen aufgriffen, ihren Weg aber, wie der Landesvorsitzende Manfred P&#252;chel, f&#252;r falsch erkl&#228;rten. Und es tut zugleich gut, wenn sie andererseits bei ihren W&#228;hlern gewachsenen Respekt sp&#252;rt, einer sie vor dem Sonderparteitag sogar in Berlin auf der Stra&#223;e ansprach und best&#228;rkte: »Machen Sie weiter so!«</p>
<h4>Abw&#228;gen bis zur letzten Sekunde</h4>
<p>Und das hat Waltraud Wolff auch vor. Zwar pl&#228;dierte sie daf&#252;r, nicht mehr viel Kraft f&#252;r das absehbar zum Scheitern verurteilte Mitgliederbegehren aufzuwenden, doch nun gelte es, &#252;ber die ins Plenum eingebrachten Gesetze zu streiten, gegenw&#228;rtig die Vorlage zur Gesundheit. »Bis zur letzten Sekunde m&#252;ssen wir die Chance nutzen, Ver&#228;nderungen herbeizuf&#252;hren.« Nicht nur sie, auch die Fraktionsf&#252;hrung solle kompromissbereit sein. Daher sei ihr Abstimmungsverhalten im Bundestag nach wie vor offen. »Wir m&#252;ssen noch einmal genau hingucken, und dann werden wir sehen«, sagt sie unbestimmt.</p>
<p>Sie spricht es zwar nicht aus, sieht sich aber wohl doch in einem Dilemma. Denn weder m&#246;chte sie einen Blankoscheck ausstellen noch von vornherein die Ablehnung verk&#252;nden. Aber auch nicht, dass Zustimmung zu den Gesetzesvorlagen nach allem, was aus ihrer Sicht erreicht worden ist, als Einknicken ausgelegt wird. Der Druck der Fraktionsmehrheit ist bei ihr wie den anderen »Dissidenten« nicht ohne Folgen geblieben. »Die Herde zusammenzuhalten«, hat der bayerische Fraktionsvize Ludwig Stiegler als Losung ausgegeben, und auch Waltraud Wolff r&#228;umt ein, dass das Klima unter den sozialdemokratischen Mandatstr&#228;gern rauer geworden ist. Doch an ein Aufgeben des Mandats denkt sie diesmal nicht. »Meine W&#228;hler wollen, dass ich im Bundestag bleibe«, sagt sie. »Ich diene ihnen nicht, wenn ich aufgebe.« Was das aber hei&#223;t, wird man immer erst dann wissen, wenn der Bundestagspr&#228;sident zur Abstimmung ruft.</p>
<address>(Ver&#246;ffentlicht in: Neues Deutschland vom 25.06.03)</address>
</blockquote>
<p>Man kann sich schon wundern: In der freiheitlichen Bundesrepublik sind nicht einmal die obersten Volksvertreter wirklich frei.</p>
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		<title>Auch Saarlands Ministerpr&#228;sident Peter M&#252;ller kapituliert vor dem Machtverlust der Politik</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Aug 2011 09:57:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Ein »Markenzeichen f&#252;r erfolgreichen Wandel« sei das Saarland in den zw&#246;lf Jahren seiner Regentschaft als Ministerpr&#228;sident geworden, erkl&#228;rte Peter M&#252;ller gestern. Dennoch scheidet er heute – 55-j&#228;hrig – freiwillig aus dem Amt. Auf Fragen nach dem Warum blieb er einsilbig. Der letzte Wilde flieht aus der Ohnmacht Es war einmal ein junger, hoffnungsvoller Amtsrichter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Ein »Markenzeichen f&#252;r erfolgreichen Wandel« sei das Saarland in den zw&#246;lf Jahren seiner Regentschaft als Ministerpr&#228;sident geworden, erkl&#228;rte Peter M&#252;ller gestern. Dennoch scheidet er heute – 55-j&#228;hrig – freiwillig aus dem Amt. Auf Fragen nach dem Warum blieb er einsilbig.<span id="more-3001"></span></p>
<h2>Der letzte Wilde flieht aus der <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article13536565/Kramp-Karrenbauer-scheitert-im-ersten-Wahlgang.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/e1ef4959c0184f9b8a8bf073652d5530" width="1" height="1" alt="">Ohnmacht</a></h2>
<p>Es war einmal ein junger, hoffnungsvoller Amtsrichter im saarl&#228;ndischen Ottweiler, der es schon bald ans Landgericht in Saarbr&#252;cken brachte. Eine solide juristische Karriere schien ihm sicher, w&#228;re da nicht seine zweite Leidenschaft gewesen – die Politik. Er hatte sich bereits in der Jungen Union umgetan, und als ihn dann gar der damalige CDU-Landesvorsitzende Klaus T&#246;pfer ermutigte, sich um ein Landtagsmandat zu bewerben, konnte er der Verlockung nicht widerstehen. 1990 wurde Peter M&#252;ller Abgeordneter und sogar Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrer; ein »politisches Naturtalent«, wie damals eine Zeitung schrieb, schien geboren.</p>
<p>Und tats&#228;chlich war M&#252;ller nicht bereit, dem »Sofa-Syndrom« zu verfallen, das er bald schon allen vorwarf, die nur gebannt auf den Chef blickten, der in den 90ern noch Helmut Kohl hie&#223;. Der &#220;ber-Kanzler war f&#252;r ihn ebenso wenig sakrosankt wie nat&#252;rlich der damalige saarl&#228;ndische SPD-Ministerpr&#228;sident Oskar Lafontaine, dem er Strukturkonservatismus und mangelnde Zukunftsf&#228;higkeit vorwarf. Im jugendlichen &#220;berschwang wollte M&#252;ller nicht nur das Saarland ver&#228;ndern, sondern dazu die eigene Partei erneuern und wohl auch ein wenig die Welt.</p>
<h3>Er wollte das  »Bayern des S&#252;dwestens«</h3>
<p>Zun&#228;chst lie&#223; sich das Unternehmen gar nicht so schlecht an. Der CDU-Nachwuchsmann wurde bald Fraktionschef und 1995 – gerade 40-j&#228;hrig – Landesvorsitzender. Er fand in anderen L&#228;ndern Gleichgesinnte wie Roland Koch, Christian Wulff, Ole von Beust oder G&#252;nther Oettinger, die als »junge Wilde« bald als kommende F&#252;hrungsgeneration der CDU galten. Schlie&#223;lich gelang ihm 1999 ein gro&#223;er Coup. Er jagte den Sozialdemokraten eins ihrer Stamml&#228;nder ab und regierte nun das Saarland sogar mit absoluter Mehrheit.</p>
<p>Jetzt barst M&#252;ller, der ohnehin nie an Minderwertigkeitskomplexen litt, fast vor Selbstbewusstsein. Nun sollte die Saar, das kleinste Fl&#228;chenbundesland, zum »Bayern des S&#252;dwestens« werden. Er wollte aus der vom Bergbau gepr&#228;gten Region ein Zentrum von Informatik und Biotechnologie machen. Er demonstrierte soziale Sensibilit&#228;t, indem er seine Sozialministerin aus der DGB-F&#252;hrung holte und schrittweise die geb&#252;hrenfreie Kitabetreuung einf&#252;hrte. Und er lie&#223; sich nicht in ausl&#228;nderfeindliche Kampagnen seiner Partei einspannen, sondern m&#252;hte sich als Chef ihrer Zuwanderungskommission um moderate L&#246;sungen.</p>
<p>Peter M&#252;ller schwamm auf einer Erfolgswoge. 2003 wurde er zum »Ministerpr&#228;sidenten des Jahres« gew&#228;hlt. 2004 verbesserte er sein Wahlergebnis gar noch und konnte mit sichererer Mehrheit weiter allein regieren. Immer &#246;fter wurde auch sein Name genannt, wenn es um das k&#252;nftige F&#252;hrungspersonal der CDU ging; 2005 geh&#246;rte er zum »Kompetenzteam« Angela Merkels und war f&#252;r ein Bundesministerium gesetzt. Doch die Bl&#252;tentr&#228;ume reiften nicht. Gerade M&#252;llers soziale Ader – er stammt aus einem SPD-Elternhaus – machte ihn f&#252;r die anstehende Koalition mit der SPD ungeeignet; jetzt waren bei der Union lupenreine Konservative gefragt. M&#252;ller blieb am Rande der Republik.</p>
<p>Aber auch im Saarland liefen die Dinge jetzt nicht mehr so gut. Vor allem die Finanzkrise 2008 machte ihm unmissverst&#228;ndlich die Grenzen politischen Handelns angesichts entfesselter Marktkr&#228;fte deutlich. Die saarl&#228;ndischen Zulieferer f&#252;r die Autoindustrie und andere Zweige reduzierten die Produktion – mit Folgen f&#252;r Arbeitsmarkt wie Steuerertr&#228;ge. Die Verschuldung des Haushalts stieg; mit fast 10 000 Euro stand faktisch jeder Saarl&#228;nder Ende 2008 in der Kreide. Die Quittung f&#252;r den abrupten wirtschaftlichen Niedergang kam bei der Landtagswahl 2009, als die CDU 13 Prozent der Stimmen verlor und M&#252;ller sein Amt nur in einer schillernden »Jamaika-Koalition« retten konnte, die er seither recht und schlecht moderierte, kaum noch selbstst&#228;ndig Politik gestaltete.</p>
<p>In diesem Dilemma aber steht Peter M&#252;ller nicht allein. Der Finanzcrash, der bis in die Gegenwart nachwirkt und immer neue Turbulenzen ausl&#246;st, hat ganz allgemein die Ohnmacht der Politik gegen&#252;ber der Wirtschaft, vor allem der Finanzbranche, offen gelegt. Diese hat nicht zuletzt auch die einstigen »jungen Wilden« gez&#228;hmt, die inzwischen in breiter Front aus der Politik geflohen sind oder sich auf eher repr&#228;sentative Posten zur&#252;ckzogen. So wurde Christian Wulff Bundespr&#228;sident und G&#252;nther Oettinger EU-Kommissar. Der Hesse Roland Koch quittierte ebenso wie der Hamburger Ole von Beust den Dienst als Landeschef – und jetzt eben auch Peter M&#252;ller. Was sie dazu bewegte, d&#252;rfte Koch am eindringlichsten beschrieben haben. Er habe seine Entscheidung zum Abschied aus der Politik getroffen, »auf der Basis, was ich bewirken kann«. Und dabei festgestellt: »An einem bestimmten Punkt tritt f&#252;r Politiker ein Verschlei&#223;prozess ein, der gr&#246;&#223;er ist als seine Gestaltungsmacht &#8230; Man darf nicht den Eindruck erwecken, man habe eine Gestaltungsmacht, die man gerade verliert.«</p>
<h3>»Du hast doch einen ordentlichen Job«</h3>
<p>Er und andere haben begriffen, wo die wirkliche »Gestaltungsmacht« liegt. Sie wechselten zumeist in die Wirtschaft – Koch zum Baukonzern Bilfinger Berger, von Beust zur Unternehmensberatung Roland Berger. M&#252;ller, den einst der »Spiegel« als »Mischung aus Mr. Bean und Inspektor Columbo« bezeichnete, liegt die brutale Wirtschaftswelt offensichtlich nicht so sehr; er erinnerte sich vielmehr der Fassungslosigkeit seiner fr&#252;heren Richterkollegen, die 1990 den Kopf sch&#252;ttelten: »Bist du verr&#252;ckt? Du hast doch einen ordentlichen Job.« In diesen will er jetzt reum&#252;tig zur&#252;ckkehren und w&#252;rde dem Vernehmen nach gern Bundesverfassungsrichter werden.</p>
<p>So beendet einer, der auszog, die Welt, seine CDU oder doch wenigstens das Saarland zu ver&#228;ndern, heute ein am Ende wenig ergiebiges Abenteuer und kehrt zu seinen Wurzeln zur&#252;ck. Einen immerhin hat Peter M&#252;ller ver&#228;ndert – seinen Vater, der als jahrzehntelanges SPD-Mitglied 1999 erstmals christdemokratisch w&#228;hlte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Ver&#246;ffentlicht in: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/204064.der-letzte-wilde-flieht-aus-der-ohnmacht.html" target="_blank">Neues Deutschland vom 10.08.11</a>)</p>
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		<title>Anhaltende Kernschmelze in der Union</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2011/06/05/anhaltende-kernschmelze-in-der-union/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Jun 2011 12:31:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Im Herbst 2010 wollte die schwarz-gelbe Koalition mit dem »Durchregieren« beginnen. Doch weder hierzulande noch im fernen Fukushima lie&#223; sich die Welt nach dem eigenen Bilde formen.  Nicht nur Angela Merkels Atomkurs versch&#228;rft die Widerspr&#252;che zwischen den innerparteilichen Fl&#252;geln in CDU und CSU. Manche in der CDU malen schon Horrorszenarien und sehen – wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Im Herbst 2010 wollte die schwarz-gelbe Koalition mit dem »Durchregieren« beginnen. Doch weder hierzulande noch im fernen Fukushima lie&#223; sich die Welt nach dem eigenen Bilde formen.  Nicht nur Angela Merkels Atomkurs versch&#228;rft die Widerspr&#252;che zwischen den innerparteilichen Fl&#252;geln in CDU und CSU.<span id="more-2847"></span></p>
<p>Manche in der CDU malen schon Horrorszenarien und sehen – wie Josef Schlarmann, der Vorsitzende ihrer Mittelstandsvereinigung – den »Markenkern« der Union besch&#228;digt. Auch der Energiepolitiker Thomas Barei&#223; klagt: »Wir verabschieden uns thematisch von unserer Kernklientel und gewinnen bei neuen W&#228;hlern trotzdem keine Glaubw&#252;rdigkeit.« Eine »Kernschmelze« also auch bei der CDU – als ferner Widerhall des atomaren Super-GAUs von Fukushima?</p>
<p>Tats&#228;chlich ist die derzeitige Lage der Unionsparteien alles andere als komfortabel. Sie fuhren im Verein mit ihrem Koalitionspartner FDP nicht nur in den L&#228;ndern eine vernichtende Wahlniederlage nach der anderen ein. Sie sch&#252;rten mit einem verfehlten Regierungskurs in der Bev&#246;lkerung die Unzufriedenheit in einem Ma&#223;e, dass au&#223;erparlamentarische Protestaktionen wie lange nicht wieder auflebten und sich die innerparteilichen Widerspr&#252;che der Regierungspartner so sehr versch&#228;rften, dass einer von ihnen, die FDP, bereits in eine existenzielle Krise geriet.</p>
<h3>Unter der Oberfl&#228;che der Parteidisziplin</h3>
<p>Ganz so dramatisch war die Entwicklung bei den Unionsparteien bisher nicht, doch rumort es auch bei ihnen unter der Oberfl&#228;che erzwungener Parteidisziplin viel mehr, als die F&#252;hrungen offenbaren m&#246;chten. Dabei wollte die Kanzlerin doch mit dem »Herbst der Entscheidungen« gerade den Nerv vieler Unionsanh&#228;nger treffen, auch mit ihrer aggressiven Kampfansage an Andersdenkende in der Gesellschaft – ob hinsichtlich des Bahnhofsprojektes in Stuttgart oder bei der sturen Verteidigung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr, ob mit der eilig nach Kassenlage zusammengeschobenen Hartz-IV-Korrektur oder der <a href="http://www.blogsgesang.de/2011/03/03/merkel-zwischen-konservativen-und-populisten/" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/ef69ef559cfe4463baf8abeea902f6b1" alt="" width="1" height="1" />vorbehaltlosen Verteidigung des geistigen Betr&#252;gers zu Guttenberg</a>. Und schlie&#223;lich mit dem Durchpeitschen der AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung im Schulterschluss mit der Atomindustrie.</p>
<p>Alle diese Entscheidungen standen und stehen im Widerspruch zum Mehrheitswillen in der Bev&#246;lkerung und zeugen vom zunehmend voluntaristischen Agieren Angela Merkels – damit Helmut Kohl in dessen Endzeit vergleichbar, als er seine Entschl&#252;sse f&#252;r ebenso unfehlbar hielt wie seine Person als ihren Vollstrecker, was ihn schlie&#223;lich gar in kriminelle Abgr&#252;nde f&#252;hrte. Und wie Kohl 1998 verlieren Merkel und ihre Koalition mit der FDP erdrutschartig das Vertrauen der B&#252;rger einschlie&#223;lich der eigenen Klientel und damit Stimmen an den Wahlurnen.</p>
<p>Dass dies jetzt besonders an der AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung exemplarisch wurde, hing zwar auch mit der Katastrophe in Fukushima zusammen, ist aber vorrangig die Quittung f&#252;r den Regierungskurs insgesamt. Hilflose Erkl&#228;rungsversuche in den eigenen Reihen, die Misere liege in mangelnder Wertebezogenheit der Union oder in einer Einbu&#223;e an Gro&#223;stadtkompetenz begr&#252;ndet, gehen fehl, zumal sich hinter den Mahnungen der »Wertkonservativen«, »mehr Verl&#228;sslichkeit« zu zeigen und die »Kernklientel« der Union nicht zu verprellen, nur schlecht kaschiert das Unbehagen ihrer Wirtschaftsvertreter und des rechten Fl&#252;gels &#252;ber das Scheitern der von ihnen pr&#228;ferierten Politik verbirgt.</p>
<p>In &#228;hnlich schwere Gew&#228;sser wie die FDP d&#252;rften CDU und CSU dennoch nicht geraten, verf&#252;gen sie als »Volksparteien« doch stets &#252;ber das erforderliche Ma&#223; an taktischer Wendigkeit. Beleg daf&#252;r ist ihr Umweltminister Norbert R&#246;ttgen, einst auch ein gl&#252;hender Verfechter der Atomkraft, der jedoch beizeiten die Signale aus Bev&#246;lkerung und Parteibasis erkannte und schon vor der Laufzeitverl&#228;ngerung davor warnte, Kernkraft zu einem Alleinstellungsmerkmal der Union zu machen.</p>
<p>R&#246;ttgen ist entschlossen, das Thema, bei dem CDU und CSU nicht re&#252;ssieren k&#246;nnen, ein f&#252;r allemal aus der Welt zu schaffen – und inzwischen folgen ihm auch die Vorsitzenden der beiden Parteien, wenn auch nicht aus eigenem Triebe, sondern mit Blick auf Umfragewerte und Wahlergebnisse.</p>
<p>Vor allem Angela Merkel wei&#223;, dass eine offene Wunde in der Atomfrage lange zu Gunsten der Gr&#252;nen schw&#228;ren w&#252;rde, und deshalb nimmt sie derzeit wenig R&#252;cksicht. Weder auf die AKW-Betreiber, deren Galionsfigur J&#252;rgen Gro&#223;mann von RWE beklagte, in ihre Entscheidungen »derzeit in sehr geringem Ma&#223;e« einbezogen zu sein, noch auf die FDP, die den Verzicht auf ein Ausstiegsdatum nicht durchsetzen konnte. Aber die Liberalen versuchen, einige Hintert&#252;rchen offen zu halten. Und Merkels disziplinierte Kritiker aus der eigenen Partei, die sich am Ende im Vorstand auf die Gegenstimme von Arnold Vaatz und zwei Enthaltungen marginalisierten.</p>
<h3>Zu wenig Interesse am Austausch mit dem B&#252;rger</h3>
<p>Entlastung jedoch d&#252;rfte das nur vor&#252;bergehend schaffen, denn das Grundproblem der Union ist damit nicht beseitigt. Ausgerechnet der Generalsekret&#228;r der CDU Baden-W&#252;rttembergs, Thomas Strobl, brachte es j&#252;ngst auf den Punkt: »Wir teilen der &#214;ffentlichkeit (oft genug auch der Partei&#246;ffentlichkeit) unsere abgeschlossene Position mit. An einem wirklichen Dialog, am Austausch von Argumenten, an These, Antithese und Synthese im Kontakt mit unseren Mitgliedern und den B&#252;rgern haben wir in den letzten Jahren zu wenig Interesse gezeigt.«</p>
<p>Ohne gr&#252;ndlichen Kurswechsel in Inhalt wie Form d&#252;rfte die innerparteiliche »Kernschmelze« der Union weitergehen – nach dem Muster des so fieberhaften wie erfolglosen Herumdokterns in Fukushima.</p>
<address>Ver&#246;ffentlicht in: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/199000.anhaltende-kernschmelze-in-der-union.html" target="_blank">Neues Deutschland vom 03.06.2011 </a></address>
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		<title>Lustration und Netzwerk</title>
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		<pubDate>Mon, 30 May 2011 22:34:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Rahn</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das MfS und seine Geschichte: Mit der Betrachtung zu neuen und &#228;lteren B&#252;­chern &#252;ber eine um­strittene Beh&#246;rde soll vermittelt wer­den, dass die deutsche Gesellschaft sich zwei Jahrzehnte nach der „Wende“ im­mer noch schwer tut, ihre Vergangenheit ausgleichend und gerecht zu beurteilen. 3.Teil: Zum  Buch von Klaus Eichner „Die Osterweiterung der Birthler-Be­h&#246;rde“, Hinweise auf  weitere Titel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-2812" href="http://www.blogsgesang.de/?attachment_id=2812"></a></p>
<p style="text-align: center"><strong>Das MfS und seine Geschichte: Mit der Betrachtung zu neuen und &#228;lteren B&#252;­chern &#252;ber eine um­strittene Beh&#246;rde soll vermittelt wer­den, dass die deutsche Gesellschaft sich zwei Jahrzehnte nach der „Wende“ im­mer noch schwer tut, ihre Vergangenheit ausgleichend und gerecht zu beurteilen.</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>3.Teil: Zum  Buch von Klaus Eichner „Die Osterweiterung der Birthler-Be­h&#246;rde“, </strong><strong>Hinweise auf  weitere Titel </strong><strong>zum Thema.<span id="more-2809"></span></strong></p>
<p style="text-align: center">&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify"><strong>(</strong>rhe). Die mit den Beitr&#228;gen zu Werner Stillers im Ch. Links Verlag erschienenen Buch „Der Agent“ begonnene und dem von Werner Grossmann/Wolfgang Schwanitz im verlag edition ost herausgegebenen Kompendium „Fragen an das MfS“ fortgesetzte Serie zur Literatur &#252;ber Sinn und Zweck der DDR-Staatssicherheit findet mit Klaus Eichners „Osterweiterungs“- &#220;bersicht ihren (vorl&#228;ufigen) Abschluss.</p>
<p style="text-align: justify"><a rel="attachment wp-att-2813" href="http://www.blogsgesang.de/2011/05/31/lustration-und-netzwerk/blog11-foto-bucher3-eichner-osterweiterung-2/"><img class="alignleft size-medium wp-image-2813" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/05/blog11-foto-b&#252;cher3-eichner-osterweiterung1-197x300.jpg" alt="" width="197" height="300" /></a></p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/08fbfa9c7c324ee0b5bc7603904848e5" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p style="text-align: justify">Der Autor weist im Vorwort darauf  hin, dass „mit den konterrevolution&#228;ren Regime-wechseln in den L&#228;ndern Osteuropas und der fr&#252;heren UdSSR, von Politikern und Medien versch&#228;mt als `Transformation“ in den postkommunistischen Gesellschaften charakterisiert, auf vielen Ebenen auch ein mehr oder minder radikaler Austausch von Eliten verbunden war.“ In diesem Prozess der „Geschichtspolitik von oben“ spielt die zuerst vom Protestanten Gauck, dann von der Katechetin Birthler und seit dem 14. M&#228;rz 2011 vom Jenaer SED-Gegner und B&#252;rgerrechtler Jahn geleitete Beh&#246;rde zunehmend auch die Rolle eines Lustrations-Vermittlers. Der, von der &#214;ffentlichkeit bis dato weitgehend unbemerkt, bei genauem Hinsehen nicht nur in Osteuropa, sondern auch in Spanien, den USA, dem Irak  und &#8211;  brandaktuell – auch in &#196;gypten Kontakte kn&#252;pft.</p>
<p style="text-align: center">*</p>
<p style="text-align: center"><strong>Das in unseren Breiten noch wenig bekannte Wort Lustration l&#228;sst sich aus der r&#246;mi­schen Religion ableiten, die feierliche Reinigungen und S&#252;hnungen als wichtigen Teil des r&#246;mischen Kultus verstand. Nach Wikipedia sind verunreinigende Anl&#228;sse, wie bei­spielsweise die Ber&#252;hrung eines Toten, eingeschlossen. In der Gegenwart wird der Beg­riff sinngem&#228;&#223; auf die Entfernung von politisch belasteten (noch lebenden) Mitarbeitern aus dem &#246;ffentlichen Dienst angewandt.</strong></p>
<p style="text-align: center"><strong>*</strong></p>
<p style="text-align: justify">Jahns Vita l&#228;sst durchaus den Schluss zu, dass von dem nach der „Friedlichen Revolution“ als Kontraste-Redakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg t&#228;tigen Journalist das „Erbe“ seiner Vorg&#228;nger Gauck und Birthler im Interesse von Zeitgeist und herrschender politischer Klasse, aber gegen die von Weisheit gepr&#228;gte Anerkennung, Vers&#246;hnung und Selbstbestimmung zielstrebig weiter gef&#252;hrt wird. Die Berliner Zeitung vom 30.M&#228;rz liefert mit dem Beitrag „Normannenstra&#223;e in Kairo“ daf&#252;r ein zielorientiertes Indiz.</p>
<p style="text-align: justify">Was tun mit den Geheimdienst-Akten? Welche Tipps kann die deutsche Stasi-Unterlagenbe­h&#246;rde den &#228;gyptischen Aktivisten geben? Das sind die Fragen, auf die Herbert Ziehm, Leiten­der Regierungsdirektor bei der Berliner Stasi-Unterlagenbeh&#246;rde, in der &#228;gyptischen Haupt­stadt den „jungen Revolution&#228;ren“ Antwort geben soll. Ort der Handlung: Vortragsaal der Konrad-Adenauer-Stiftung. Es geht dort beispielsweise um den Bericht eines Offiziers, der das Treffen einer Oppositionsgruppe beschreibt. Was also tun? Ziehm, bem&#252;ht, keine spe­zielle Rezeptur zu offerieren: „Sie m&#252;ssen selbst entscheiden. Jedes Land ist anders, und jede Stasi ist anders. Ich kann ihnen nur sagen, wie wir es gemacht haben…</p>
<h2 style="text-align: center">G8-Event und Demokratie</h2>
<p style="text-align: justify">Genau in diesen Kontext passt die am 27. Mai ausgesandte Botschaft von Deauville, nach der die reichsten Demokratien dieser Erde die Reformen in Tunesien und &#196;gypten mit bis zu 40 Milliarden US-Dollar (etwa 28 Milliarden Euro) unterst&#252;tzen wollen. Die f&#252;hrenden Indust­riestaaten und Russland (G8) verbinden ihre gro&#223;z&#252;gige bis zum Jahr 2013 geplante Hilfszu­sage zugleich mit einem klaren Hinweis, den man aber auch als „Drohung“ interpretieren kann, an die (noch) totalit&#228;ren Regime wie in Syrien und Libyen: auch in diesen L&#228;ndern solle ein Wandel in Richtung Demokratie der Gro&#223;m&#228;chte zugelassen werden.</p>
<p style="text-align: justify">Bundeskanzlerin Merkel wertet das G8-Event als Erfolg: „Es geht jetzt vor allem darum, dass das Geld schnell zu den Menschen kommt.“ In einer spezifischen Art von voraus eilen­dem Gehorsam hatte sich Jahns Regierungsdirektor als Apostel der nun von der G8  vereinbarten strategischen Partnerschaft schon vor der Kanzlerin Hinweis auf den Weg nach Kairo gemacht. Da wird sich dann sein Chef  gefreut haben – &#252;ber ihn und Frau Merkel und- nat&#252;rlich auch &#252;ber sich selbst und seinen strategischen Weitblick.</p>
<p style="text-align: justify">Nach gleichem Strickmuster hat die in der Karl-Liebknecht-Stra&#223;e in Berlin-Mitte sitzende  Beh&#246;rde auch in Mittelosteuropa ihre „Beratung“ gestaltet. In diesem Kontext fand beispielsweise vom 16. bis 18. Juni 2005 in Warschau eine internationale Konferenz zum Thema „Die kommunistischen Sicherheitsappa­rate 1944/45 bis 1989“ statt. Zusammen gekommen waren das Institut des Nationalen Geden­kens (IPN) und andere Einrichtungen aus Polen, Tschechien, der Slowakei und Deutschland, assistiert von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Zentrum f&#252;r Zeithistori­sche Forschung Potsdam, der Bundesbeauftragten f&#252;r die Stasi-Unterlagen.</p>
<p style="text-align: justify">Dieser Erinnerungs-Action vorausgegangen war das im April 1997 beschlossene Polnische Lustrationsgesetz mit seinen 43 Artikeln, deren Anwendung die akribische Offenlegung aller Stasi-Details nach sich zieht &#8211; f&#252;r jede Person in einer &#246;ffentlichen Funktion. Nachfolgend dann im M&#228;rz 2009 die deutsche Erstausgabe eines „Handbuches kommunistischer Geheim­dienste in Osteuropa 1944-1991“ durch die Birthler-Beh&#246;rde. Mit dem Anfang 2005 geschaf­fenen „Europ&#228;ischen Netzwerk Erinnerung und Sozialismus“ wurden zugleich die Grundlagen f&#252;r eine ganz spezielle Art von Politik geschaffen. Mit ihrer Hilfe solle sich, so Kulturstaatssekret&#228;rin Christa Weiss, nicht nur mit Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhun­dert, sondern auch mit „Nationalsozialismus und Kommunismus“ auseinander gesetzt werden. Auf fatale Weise werden hier zwei Gesellschaftsformationen von unterschiedlichem Ideenge­halt und Wirkungsanspruch um den Preis historischer Wahrhaftigkeit gleichgesetzt.</p>
<h2 style="text-align: center">Analyse und Perspektive</h2>
<p style="text-align: justify">Klaus Eichner analysiert die in seiner Grundabsicht immer identischen Vorg&#228;nge in den ein­gangs genannten L&#228;ndern. Sein &#252;bergreifendes Fazit: „Die von den Exponenten der Birthler-Beh&#246;rde in der ganzen Welt propagierten Auffassungen der politisch-extremen Institutionen der Erinnerungsindustrie in Deutschland, ganzer hoch bezahlter Gruppen von F&#228;lschern der Geschichte, vor allem der Nachkriegsgeschichte in Europa, werden zum inhaltlichen Schwer­punkt der Politik der `Aufarbeitung` der Geschichte f&#252;r alle Partner erkl&#228;rt“.</p>
<p style="text-align: justify">Die der Totalita­rismus-Doktrin immanente These von den zwei aufeinander folgenden Diktaturen, so Eichner, bagatellisiere zugleich die beispiellosen Verbrechen des Faschismus. Von exemplarischer Bedeutung sei in diesem Zusammenhang das so genannte „Haus des Terrors“ in Budapest – gedacht zur Darstellung insbesondere des pr&#228;faschistischen Horty-Regimes (1920-1944). Dort nehme den gr&#246;&#223;ten Raum jedoch die Verurteilung vorgeblicher „Verbrechen des Kommunis­mus“ ein.</p>
<p style="text-align: justify">Aufschlussreich in Kapitel V. „Leitbild Birthler“: Informationen dar&#252;ber, welch gro&#223;e Zahl von Forschungsprojekten, Archiven und Bibliotheken, Institutionen der politischen Bildung, Museen und Gedenkst&#228;tten sowie Fachzeitschriften die „Aufarbeitung“ der DDR-Geschichte auf  ihre mehr schwarz als rot und golden gef&#228;rbte Flagge geschrieben haben. Auch unter die­sem Blickwinkel kann die Beh&#246;rde f&#252;r vergleichbare aus anderen L&#228;ndern als Orientie­rungs-Instanz gelten.</p>
<p style="text-align: justify">Ein ebensolcher Anspruch gilt f&#252;r alle „Stasi-Sachge­biete“, die seit nunmehr zwei Jahrzehnten Gegenstand &#246;ffentlicher Auseinandersetzungen sind.</p>
<h2 style="text-align: center">Sachverstand und &#220;berzeugung</h2>
<p style="text-align: justify">Das von Klaus Eichner zusammen mit Gotthold Schramm herausgegebene Anthologie-Kom­pendium „Top-Spione im Westen“ – die Buchpremiere, an der auch der ehemalige  HVA-Chef Werner Gro&#223;mann teilnahm, fand im September 2008 in der Ladengalerie der jungen Welt statt – gilt inzwischen nicht nur in Fachkreise als Sensation: Noch nie haben rund dreis­sig Spitzenquellen eines Nachrichtendienstes &#252;ber Arbeit und Motivation berichtet. Im „Hauptberuf“ Politiker, Journalist, Diplomat, Verfassungssch&#252;tzer (!), Regierungsdirekto­rin, Ingenieur oder Sekret&#228;rin informierten sie als &#252;berzeugte Demokraten die Gegenseite DDR mit dem Ziel, einen – aus ihrer Sicht mitunter nur bescheidenen – im Kontext ihres Auftrages aber durchaus wichtigen Beitrag zur Friedenssicherung zu leisten.</p>
<p style="text-align: justify"><a rel="attachment wp-att-2815" href="http://www.blogsgesang.de/2011/05/31/lustration-und-netzwerk/mfs-cover-top-spione-2/"><img class="alignright size-medium wp-image-2815" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/05/MfS-cover-top-spione1-183x300.jpg" alt="" width="183" height="300" /></a></p>
<p style="text-align: justify">Personen wie Rainer Rupp, Gabriele Gast, G&#252;nter Guillaume, Hans Voelkner und Klaus Ku­ron erhellen, was sich hinter dem schlichten Wort „Erfolg“ an Sachverstand, Risikobereit­schaft, Kaltbl&#252;tigkeit und &#220;berzeugung verbirgt. Wie langfristig ihr Einsatz angelegt sein musste, aber auch welche „Leidensf&#228;higkeit“ von ihnen verlangt war, nachdem mit der Sys­temwende nicht nur ihr Einsatz endete, sondern sie daf&#252;r von den bundesdeutschen Gerichts­instanzen eine oft mehrere Jahre g&#252;ltig Quittung bekamen. Ihre Stories k&#246;nnen als wichtiges Zeitdokument deutscher Geschichte gelten.</p>
<p style="text-align: justify">W&#228;hrend die „Top-Spione“ den Arbeitsort jenseits der Grenze zwischen den zwei sich feindlich gegen&#252;berstehenden Gesellschaftssystemen hatten, mussten andere aus der gleichen „Firma“ auf dem Gebiet der DDR darauf achten, dass vom Westen ausgehende Versuche, den ersten sozialistischen Staat auf deutschen Boden zu destabilisieren, ohne nennenswerten Er­folg blieben.</p>
<h2 style="text-align: center">Angriff und Abwehr</h2>
<p style="text-align: justify">Herausgeber Herbert Kierstein, Untersuchungsf&#252;hrer bei Spionagedelikten ge­gen die DDR (HA IX/I), legt zusammen mit einer Reihe von Autoren bekannte und unbe­kannte F&#228;lle vor, die treffend unter dem Titel „Hei&#223;e Schlacht im Kalten Krieg“ zusammen ge­fasst sind.</p>
<p style="text-align: justify">Erhellt wird Wahrens und Unwahres &#252;ber den „Roten Admiral“, Licht wird in die Bem&#252;hun­gen des BND um die Auslandsvertretungen der DDR gebracht, erinnert wird an die Versuche, in die politischen F&#252;hrungszentren einzudringen, nicht zuletzt waren auch die milit&#228;rischen Objekte und Truppenbewegungen bei &#220;bungen und Man&#246;vern f&#252;r die gegnerische Seite von Interesse. Welche Aufmerksamkeit westliche Geheimdienstzentralen in der Person von Post­boten, Schmugglern und Kurieren dem Mauerbau zukommen lie&#223;en, stellte die Abwehrkr&#228;fte nicht selten vor vollkommen neue Probleme. Eine Herausforderung, auf die sich die Spiona­geabwehr einstellen musste. Einer der Schl&#252;ssels&#228;tze des Buches: Je entspannter die politi­schen Beziehungen (nach dem Mauerbau d. V.) wurden, desto angespannter arbeiteten die Nachrichtendienste.</p>
<h2 style="text-align: center">Sinn und Nutzen</h2>
<p style="text-align: justify">Es gibt ein Netzwerk von Institutionen, Stiftungen, Forschungsverb&#252;nden und Gedenkst&#228;tten, in denen Heerscharen von Historikern, Politikwissenschaftlern, Journalisten und Aktenver­walter arbeiten. Ein kostenaufwendiges Gesch&#228;ft, dessen Ende nicht abzusehen ist. Im Jahre 2009 flossen allein aus dem Bundeshaushalt zur „Pflege des Geschichtsbewusstseins“ 55 Millionen Euro, mehr als 70 Millionen gingen an die Bundesbeh&#246;rde f&#252;r die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU).</p>
<p style="text-align: justify"><a rel="attachment wp-att-2816" href="http://www.blogsgesang.de/2011/05/31/lustration-und-netzwerk/blog11-foto-bucher3-freischutzen/"><img class="alignleft size-medium wp-image-2816" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/05/blog11-foto-b&#252;cher3-freisch&#252;tzen...-181x300.jpg" alt="" width="181" height="300" /></a></p>
<p style="text-align: justify">Herbert Kierstein und Gotthold Schramm befassen sich in „Freisch&#252;tzen des Rechtstaates“ mit der Kardinalfrage „Wem n&#252;tzen Stasiunterlagen und Gedenkst&#228;tten?“ Sie legen aus ihrer Sicht und der von weiteren Zeitzeugen eine Sammlung von Dokumenten, Reports, Untersu­chungsberichten und Analysen vor, deren unsichtbare Linien verborgene Strukturen und da­mit auch politische Absichten offen legen. Die Indoktrination, so ihr Vorwurf im Range eines Generalverdachts, habe Adresse, Namen und Gesichter.</p>
<p style="text-align: justify">Es w&#228;re allerdings vermessen, davon auszugehen, dass eine derart komplizierte und viel­schichtige Materie wie der „Geheimdienst“ in allen seinen Facetten ein einheitliches Wertur­teil der damaligen Macher &#8211; und schon gar nicht der Betroffenen! &#8211; nach sich ziehen k&#246;nnte. Das geben die aufgedeckten Geheimnisse, so notwendig und sinnvoll ihre nachtr&#228;gliche „Enttarnung“ auch sein m&#246;ge, wei&#223; Gott  nicht her.</p>
<p style="text-align: justify">Einen fundierten Kommentar zur Lage der Stasi, der auch in den ehemals „eigenen Reihen“ nicht nur auf Zustimmung st&#246;&#223;t, liefert der 1992 erschienene Insider-Report von Peter Richter und Klaus R&#246;sler „Wolffs Westspione“. Das in Ausz&#252;gen zitierte Nachwort des Verlages, dessen von N&#228;he und Distanz der Autoren gepr&#228;gte Brisanz sich erst auf den zweiten Blick erschlie&#223;t,  legt den Finger auf die Licht- und Schattenseiten einer Einrichtung, von der offen bleibt, ob sie als einst hochgelobtes „Schild und Schwert der Partei“ vor der Geschichte Bestand haben kann:</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Die Autoren geben Auskunft &#252;ber ihre Jahre im Auslandsspionagedienst der DDR. &#220;ber dessen Anf&#228;nge, Entwicklung und Ende, &#252;ber Ergebnisse und Niederlagen, &#252;ber Ver­antwortlichkeiten und Schuld. Peter Richter und Klaus R&#246;sler geht es vor allem um Aufkl&#228;­rung &#252;ber das System der Spionage und damit auch um ihre pers&#246;nliche Verstrickung…</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Sie wollen nicht verschweigen, wie sie heute urteilen, was ihnen fr&#252;her eines Urteils nicht wert war oder wor&#252;ber sie damals den Mut zum eigenen Urteil nicht fanden. Sie machen kein Hehl daraus, dass auch sie zu feige waren, sich gegen die „Diktatur des Proletariats“ in der DDR aufzulehnen. Trotz des Erkennens vieler Missst&#228;nde und Fehler, nicht zuletzt auf Grund der ihnen bekannten und von ihnen beschafften Informationen, fanden sie nie den Mut, den Dienst zu quittieren oder gar Leiden und Verfolgungen auf sich zu nehmen, wie es manche getan haben…</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Heute scheint die Betrachtung damaliger Umst&#228;nde und jener, die sie installierten, leicht. Deshalb machen sich die Autoren mit ihrem Buch immer wieder auch ihr eigenes Ver­sagen bewusst. Der unvor-eingenommene Leser sp&#252;rt, dass sie mit dem Nachdenken &#252;ber ihre Vergangenheit noch nicht fertig sind…</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Richters und R&#246;slers Erfahrungen be­dingen jedoch nicht nur, dass sie pers&#246;nliche Lehren ziehen, sondern provozieren f&#252;r alle denkenden Menschen weiterreichende Fragen, besonders zur k&#252;nftigen Daseinsberechtigungen von Geheimdienst-T&#228;tigkeiten &#252;berhaupt…&#8221;</em></p>
<p style="text-align: center">*</p>
<p style="text-align: justify">So schlie&#223;t sich ein Kreis hier vorgestellter oder (nur) angef&#252;hrter Publikationen, die sich auf die eine oder andere Weise dem gleichen Anspruch verpflichtet f&#252;hlen: Im Nachhinein aufzudecken, was wirklich Sache war an der geheimen Front des „Kalten Krieges“. Der, so  &#252;bergreifendes Selbstverst&#228;ndnis von Autoren und Herausgebern, unter neuer Flagge alte Vor­urteile bedient. Der Leser ist herausgefordert. Stoff zum Nachdenken liegt ausreichend vor.</p>
<p style="text-align: center">***</p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Klaus Eichner: Die Osterweiterung der Birthler-Beh&#246;rde; spotless Nr. 227, 97 Seiten, 5.95 Euro.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Klaus Eichner/ Gotthold Schramm: Top-Spione im Westen- Spitzenquellen der DDR-Aufkl&#228;rung; 320 Seiten, brosch., 14.90 Euro </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Herbert Kierstein/Gotthold Schramm: Freisch&#252;tzen des Rechtsstaats –Wem n&#252;tzen Stasiunterlagen und Gedenkst&#228;tten? ; 288 Seiten, brosch., 14.90 Euro </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Herbert Kierstein: Hei&#223;e Schlachten im kalten Krieg – Unbekannte F&#228;lle und Fakten; 256 Seiten, brosch., 14.90 Euro.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Bernd Fischer: Als Diplomat mit zwei Berufen &#8211; Die DDR-Aufkl&#228;rung in der Dritten Welt; 224 Seiten, brosch., 14.90 Euro.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Peter Pf&#252;tze: Besuchszeit &#8211; Westdiplomaten in besonderer Mission; 224 Seiten, brosch., 3.95 Euro.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Klaus Eichner/Gotthold Schramm: Konterspionage – die DDR-Aufkl&#228;rung in den Geheimdiensten; 288 Seiten, brosch., 14.95 Euro.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Horst M&#252;ller/Manfred S&#252;&#223;/Horst Vogel: Die Industriespionage der DDR – Die Wis­senschaftlich-Technische Aufkl&#228;rung der HVA, 220 Seiten, brosch., 14.90 Euro </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Helmut Wagner: Sch&#246;ne Gr&#252;&#223;e aus Pullach – Operationen des BND gegen die DDR; 237 Seiten, brosch., 12.90 Euro </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Klaus Behling: Der Nachrichtendienst der NVA – Geschichten, Aktionen und Perso­nen, 272 Seiten, brosch., 12.90 Euro. </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong><a rel="attachment wp-att-2820" href="http://www.blogsgesang.de/?attachment_id=2820"><img class="alignright size-medium wp-image-2820" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/05/blog11-cover-wolf-letzte-gespr&#228;che3-186x300.jpg" alt="" width="186" height="300" /></a></strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>(Alle Titel im Verlag edition ost der Eulenspiegel Verlagsgruppe Berlin).</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Hans-Dieter Sch&#252;tt: Markus Wolf – Letzte Gespr&#228;che; Neues Deutschland/Das Neue Berlin, 256 Seiten, geb., 14.90 Euro. </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Hans Voelkner: Salto mortale &#8211; Vom Rampenlicht zur unsichtbaren Front;  Milit&#228;rverlag der DDR , 284 Seiten, vergriffen.</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong>+ Peter Richter/Klaus R&#246;sler: Wolfs Westspione; Ein Insider-Report, 191 Seiten, Elefan­ten-Press, nicht mehr lieferbar.</strong></p>
<p style="text-align: justify">&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong><br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify"><strong> </strong></p>
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