<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>blogsgesang.de &#187; China</title>
	<atom:link href="http://www.blogsgesang.de/tag/china/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.blogsgesang.de</link>
	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 18:47:35 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2.1</generator>
		<item>
		<title>Zwei Wahrheiten in Syrien</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2012/02/05/zwei-wahrheiten-in-syrien/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2012/02/05/zwei-wahrheiten-in-syrien/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 21:30:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Maxibuch]]></category>
		<category><![CDATA[Arabische Liga]]></category>
		<category><![CDATA[Atombombe]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Bahrain]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Kalter Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Libyen]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[NATO]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Saudi-Arabien]]></category>
		<category><![CDATA[Syrien]]></category>
		<category><![CDATA[Tunesien]]></category>
		<category><![CDATA[UNO]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinigte Arabische Emirate]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/?p=3709</guid>
		<description><![CDATA[(pri) Die seit Monaten andauernde Kampagne westlicher Politiker und der auf sie eingeschworenen Medien gegen Syrien tr&#228;gt inzwischen alle Z&#252;ge des originalgetreuen Remakes eines Thrillers aus der Hochzeit des kalten Krieges. Ideologietreu und starrsinnig zogen sich die USA und ihre Verb&#252;ndeten in flink erneut ausgehobene Sch&#252;tzengr&#228;ben zur&#252;ck und lassen sich daraus durch nichts vertreiben – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Die seit Monaten andauernde Kampagne westlicher Politiker und der auf sie eingeschworenen Medien gegen Syrien tr&#228;gt inzwischen alle Z&#252;ge des originalgetreuen Remakes eines Thrillers aus der Hochzeit des kalten Krieges. Ideologietreu und starrsinnig zogen sich die USA und ihre Verb&#252;ndeten in flink erneut ausgehobene Sch&#252;tzengr&#228;ben zur&#252;ck und lassen sich daraus durch nichts vertreiben – weder durch den gesunden Menschenverstand<span id="more-3709"></span>, der den auch von vielen westlichen Beobachtern nach einer Intervention von NATO und den reaktion&#228;rsten arabischen Regimen in Syrien f&#252;r unausweichlich gehaltenen ausgedehnten Regionalkonflikt im Nahen Osten in seinen Folgen f&#252;r unkalkulierbar erachtet, noch durch die absehbaren <a href="http://www.fr-online.de/meinung/einspruch-gegen-christian-bommarius--waren-40-000-tote-die-beseitigung-gaddafis-wert--,1472602,11465190.html" target="_blank">Opferzahlen eines solchen Waffengangs</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/35a1815e38c040d0b3e0a4f13f8c79a9" alt="" width="1" height="1" />, die jene des gegenw&#228;rtigen B&#252;rgerkrieges innerhalb Syriens noch bei weitem &#252;bertreffen w&#252;rden.</p>
<p>Gegen den gesunden Menschenverstand spricht aus Sicht westlicher Strategen die vage wahrgenommene Chance einer grundlegenden Ver&#228;nderung der Kr&#228;ftebilanz im Nahen Osten, also ein typisches Denkmuster aus den Zeiten des kalten Krieges. Die <a href="http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/der-umbruch-in-der-arabischen-welt-steht-noch-am-anfang--54691101.html" target="_blank">revolution&#228;ren Bewegungen in verschiedenen arabischen L&#228;ndern</a> haben ein machtpolitisches Vakuum geschaffen, weil sich die neuen, progressiven Kr&#228;fte noch nicht sammeln, formieren und zukunftsweisende Konzepte entwickeln konnten, die eine Massenbasis finden. Diese Ungewissheit &#252;ber die Zukunft und die Kr&#228;fte, die sie gestalten k&#246;nnten, ist &#252;brigens eine direkte Folge der bisherigen westlichen Politik, die die diktatorischen Machthaber im Nahen Osten ausnahmslos mit Geld und Waffen unterst&#252;tzten und oft auch deren Kampf gegen die innere Opposition Vorschub leisteten. Der Westen verhinderte somit das Erstarken neuer, volksverbundener Gruppen und Pers&#246;nlichkeiten, was ihm jetzt insofern zugute kommt, dass er Einfluss auf die Entwicklung in seinem Sinne nehmen kann – was im Prinzip hei&#223;t, die alte Politik der Unterwerfung und &#246;konomischen Auspl&#252;nderung dieser L&#228;nder fortzusetzen.</p>
<p>Dabei st&#252;tzen sich USA und Europ&#228;ische Union vor allem auf die noch verbliebenen reaktion&#228;ren Diktaturen. Es sind Saudi-Arabien und die arabischen Emirate, also teilweise noch mittelalterlich regierte Staaten, in denen weder Menschenrechte geachtet werden noch Meinungsfreiheit herrscht, die als die neuen Verb&#252;ndeten des Westens in der arabischen Welt firmieren. Beide Seiten eint der Hass gegen fortschrittliche Entwicklungen im Nahen Osten – sei es im Inneren, wo die K&#246;nige, Scheichs und Emire solche Entwicklungen m mit allen Mitteln zu verhindern suchen, sei es von au&#223;en, sobald diese L&#228;nder mit neuem Selbstbewusstsein die Beachtung ihrer politischen und &#246;konomischen Interessen einfordern. Dass der Iran beanspruchen k&#246;nnte, die Atomenergie f&#252;r sich zu nutzen, m&#246;glicherweise einschlie&#223;lich des Baus einer Bombe, wird ihm vor allem von jenen verwehrt, die bereits Atomm&#228;chte sind, darunter in vorderster Front Israel, das seit langem und als einziges arabisches Land &#252;ber die Bombe verf&#252;gt. Dass Syrien die bisherige politische Architektur im Nahen Osten mit ihrer Dominanz prowestlicher Regierungen und Israels nicht anerkennen will, machte das Land schon unter George W. Bush zu einem »Schurkenstaat«, der mit allen Mitteln bek&#228;mpft wurde.</p>
<p>Obama mag angesichts des totalen Scheiterns seines Vorg&#228;ngers in Irak zwischenzeitlich etwas zur&#252;ckhaltender aufgetreten sein, doch nun sp&#252;rt auch er die Gelegenheit, angesichts der Schw&#228;che des »arabischen Fr&#252;hlings« die alten Machtverh&#228;ltnisse auf neue Weise zu etablieren. Deshalb haben er und die NATO den Versuch der Arabischen Liga, durch eine Beobachtermission und Dialog f&#252;r eine friedliche L&#246;sung in Syrien zu arbeiten, torpediert, indem sie Saudi-Arabien und die Emirate zum Verlassen der Beobachtermission veranlassten. Deshalb haben sie im Weltsicherheitsrat das libysche Szenario wiederholen und Russland und China zwingen wollen, ihnen freie Hand f&#252;r einen erneuten Milit&#228;reinsatz zur Durchsetzung der eigenen Ziele zu geben.</p>
<p>Denn einzig Russland und China widersetzen sich – aus guten Gr&#252;nden – dem erneuten Versuch des Westens, als ein Weltgendarm aufzutreten, der anderen V&#246;lkern die Regimes aufzwingt. Bei Libyen ist das noch gelungen, weil weder Russland noch China offensichtlich mit der westlichen Unverfrorenheit rechneten, eine vage UN-Resolution einseitig in ihrem Sinne auszulegen und als Basis f&#252;r seinen bewaffneten Angriff auf ein UN-Mitglied zu missbrauchen. Dieser Pr&#228;zedenzfall soll sich am Objekt Syrien nicht wiederholen. Sie wollen nicht zulassen, dass der Westen gemeinsam mit der monarchistisch-arabischen Reaktion die Herrschaft &#252;ber den gesamten Nahen Osten erlangt – wobei sie nat&#252;rlich zuerst an den eigenen Nachteil denken, aber objektiv auch einer nachteiligen Entwicklung f&#252;r die arabischen V&#246;lker und ihrer Hoffnungen auf eine Verbesserung ihrer Lebenslage entgegenwirken.</p>
<p>Die erste Wahrheit zu Syrien besteht in dieser machtpolitischen Gemengelage; sie hat mit Menschenrechten und Verhinderung von Opfern unter der Zivilbev&#246;lkerung nicht das Geringste zu tun, sondern allein mit den Interessen des Westens, der zu ihrer Durchsetzung &#252;brigens unger&#252;hrt &#252;ber Leichen geht. Man erinnere sich des Libyen-Abenteuers, f&#252;r das mit so hohem wie hohlem Pathos der Schutz von Menschenleben beschworen wurde – so wie jetzt im Falle Syrien. Doch dass der Libyen-Krieg der NATO nach unverd&#228;chtigen Sch&#228;tzungen im Lande <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13619539/Libyens-extremer-Blutzoll-und-wenige-schauen-hin.html" target="_blank">35000 Tote kostete</a>, vermutlich sogar mehr, wird fast v&#246;llig totgeschwiegen; ebenso wie  die1500 arabischen und afrikanischen Fl&#252;chtlinge, <a href="http://www.afrika-travel.de/libyen-news/0771-1500-migranten-2011-auf-dem-weg-nach-europa-ertrunken.html" target="_blank">die im Mittelmeer ertranken</a>, weil ihnen die europ&#228;ischen Menschenfreunde nicht helfen wollten.  Dass ein Angriff auf das viel verteidigungsf&#228;higere Syrien noch weit mehr kosten w&#252;rde, ist ebenfalls kein Thema, w&#228;hrend beinahe t&#228;glich willk&#252;rliche Zahlen &#252;ber die dortigen B&#252;rgerkriegsopfer in die Welt gesetzt werden. Wobei man auch da unterschl&#228;gt, dass es Opfer der Kriegf&#252;hrung beider Seiten sind, denn nat&#252;rlich schie&#223;en die <a href="http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/unruhen/2934244/syrische-deserteure-griffen-geheimdienst.story" target="_blank">Deserteure, die sich zur »Freien Syrischen Armee« erkl&#228;rt haben</a>, auch nicht mit Platzpatronen.</p>
<p>Ebenso wenig interessiert die westlichen Politiker und die meisten Medien, dass ihre neuen Verb&#252;ndeten gegen Syrien erst vor wenigen Monaten die Opposition in den eigenen L&#228;ndern blutig niedergeschlagen haben. Saudi-Arabien, das mit immer wieder aufflackernden Unruhen im eigenen Land zu k&#228;mpfen hat, schickte sogar Panzer und Soldaten ins benachbarte Bahrain, als dort eine Erhebung des absolutistische Regime hinwegzufegen drohte. In Jemen, wo seit fast einem Jahr die Entmachtung des Pr&#228;sidenten Ali Abdallah Saleh gefordert wird, ist er noch immer im Amt. Niemand im Westen verlangt einen UNO-Beschluss, um ihn endlich zum R&#252;cktritt zu zwingen. Auch in Kuwait, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten kommt es immer wieder zu Protestaktionen, &#252;ber die hierzualnde nicht einmal berichtet wird. Die Handy-Videos der dortigen Opposition finden kein Echo.</p>
<p>Nat&#252;rlich gibt es in Syrien auch eine zweite Wahrheit, n&#228;mlich jene von der Ablehnung des brutalen Assad-Regimes durch eine wachsende Zahl von Syrern. Der von einer Bev&#246;lkerungsminderheit getragene Pr&#228;sident repr&#228;sentiert gro&#223;e Teile seines Volkes nicht mehr; ob es tats&#228;chlich schon eine Mehrheit ist, kann kaum jemand zuverl&#228;ssig sagen. Aus diese Situation eine neue politische Konstellation zu machen, ist nicht Sache &#228;u&#223;erer Kr&#228;fte, sondern allein des syrischen Volkes. Wenn dort eine Mehrheit den Wechsel will, helfen auch brutale Unterdr&#252;ckungsma&#223;nahmen nicht mehr. Tunesien und &#196;gypten haben dies bereits bewiesen, wobei die Entwicklung im Land am Nil zeigt, dass ihre fortschrittliche Tendenz nicht nur der inneren Reaktion, sondern auch den westlichen Staaten nicht passt. Obwohl der dortige Milit&#228;rrat mit &#228;hnlicher Brutalit&#228;t wie Assad gegen die &#228;gyptischen Revolution&#228;re vorgeht, auch dort Schl&#228;gertrupps losgeschickt werden, um die konsequente Opposition niederzuschlagen, sind dazu aus den USA, der EU und den meisten ihrer Medien nur lendenlahme Erkl&#228;rungen zu h&#246;ren, keinerlei Forderungen nach Beendigung dieser Praxis durch die herrschenden Milit&#228;rs. Auch die libysche Entwicklung, wo dem Volk die Revolution aus eigener Kraft verwehrt worden ist und nun die Repression samt <a href="http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Libysche-Haeftlinge-sind-Ziel-von-Folter-id18491671.html" target="_blank">Folter von den Schergen der neuen Machthaber</a> fortgesetzt wird, &#252;bergeht man im Westen weitgehend mit Schweigen. Das Blut, das man in diesen F&#228;llen durch Kollaboration an den eigenen H&#228;nden hat, will man nicht sehen; daf&#252;r zeigt man umso heuchlerischer auf das Blut, das nun angeblich an den H&#228;nden der Russen und Chinesen klebe.</p>
<p>Dabei ist klar, dass nat&#252;rlich auch Moskau und Peking bei ihren Entscheidungen vor allem die eigenen Interessen im Auge haben. Sie beobachten mit gro&#223;em Argwohn die geostrategischen Verschiebungen, die die USA und die NATO intensiv anstreben; die USA haben sie gerade mit der <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/0/0,3672,8469280,00.html" target="_blank">Verk&#252;ndung einer neuen Milit&#228;rdoktrin</a> durchblicken lassen. Russland unterh&#228;lt in Syrien einen Milit&#228;rst&#252;tzpunkt – wie die USA einen in Bahrain. China braucht das &#214;l des Iran – wie der Westenn das Saudi-Arabiens. Russland wie  China sind an der Erhaltung eines starken Gegenparts zu Saudi-Arabien interessiert – wie die USA und die EU am Bollwerk gegen Iran. So spielen beide Seiten ihren Part – wie vor mehr als zwanzig Jahren. Eine gewiss unerfreuliche Entwicklung, f&#252;r die man nur eine Seite – wie gegenw&#228;rtig praktiziert – nun wahrlich nicht verantwortlich machen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2012/02/05/zwei-wahrheiten-in-syrien/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kapitalismus vor dem »Mauerfall«</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2011/11/07/kapitalismus-vor-dem-mauerfall/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2011/11/07/kapitalismus-vor-dem-mauerfall/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 07 Nov 2011 19:30:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Minibuch]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Diktatur]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzmärkte]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Profitmaximierung]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/?p=3339</guid>
		<description><![CDATA[(pri) Das Bild mag simpel sein, aber dennoch ist es nicht falsch: Wenn im Boxkampf der eine nach hartem Schlag pl&#246;tzlich zu Boden geht, kann es dem anderen passieren, dass er in seinem Eifer zu schwungvoll nachsetzt und dar&#252;ber selbst zu Fall kommt. Genau das passiert derzeit – im &#252;bertragenen Sinne – mit dem kapitalistischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Das Bild mag simpel sein, aber dennoch ist es nicht falsch: Wenn im Boxkampf der eine nach hartem Schlag pl&#246;tzlich zu Boden geht, kann es dem anderen passieren, dass er in seinem Eifer zu schwungvoll nachsetzt und dar&#252;ber selbst zu Fall kommt. Genau das passiert derzeit – im &#252;bertragenen Sinne – mit dem kapitalistischen System, das sich schon so sehr als sicherer Sieger f&#252;hlte<span id="more-3339"></span> und jetzt erkennen muss, dass es ohne ebenb&#252;rtigen Gegner selbst ins Straucheln kommt.</p>
<p>In ihrem Feuilleton hat die Berliner Zeitung k&#252;rzlich <a href="http://www.berliner-zeitung.de/kultur/essay-wir-sind-zunaechst-am-ende,10809150,11103754.html" target="_blank">»die Finanzm&#228;rkte und die Neuen Medien, die globale Migration und die &#246;kologische Katastrophe«</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/8facae6fff9b4d23a04391d1f5d10ef9" alt="" width="1" height="1" /> als die gr&#246;&#223;ten Herausforderungen dieser zeit genannt, mit denen der Kapitalismus ganz allein fertig werden muss und Misserfolge nicht mehr auf das Wirken eines ideologischen Widerparts schieben kann. Dabei &#252;bersieht das Blatt freilich, dass sich das kapitalistische System diese Herausforderungen selbst erschaffen hat. Die Finanzm&#228;rkte entkoppelten sich von der Realwirtschaft, das ungebremste Profitstreben ist wesentliche Ursache sowohl der globalen Migration als auch der drohenden &#246;kologischen Katastrophe. Und beschleunigt wurden diese Prozesse durch eine im Grunde positive Errungenschaft des Kapitalismus – die neuen, schnellen, weltumspannenden Medien. Auf diese Entwicklungen in ihrer Komplexit&#228;t findet der Kapitalismus keine Antwort mehr. Vielmehr greift er nach L&#246;sungen aus anderen Gesellschaftssystemen, aus solchen, die er gerade noch vehement bek&#228;mpfte.</p>
<p>So wie China nach 1989 aus der Krise des Sozialismus fand, indem es ohne Aufgabe des autorit&#228;ren Staatssystems kapitalistische Wirtschaftsprinzipien anwandte, so versucht die Europ&#228;ische Union heute die Krise des Kapitalismus zu bew&#228;ltigen, indem sie, ohne die kapitalistische Wirtschaftsweise – auch in ihren zerst&#246;rerischen Auspr&#228;gungen, aufzugeben, autorit&#228;re Herrrschaftsformen einsetzt. Sie geriert sich als Zaubermeister, der der Wasserflut durch ein energisches »In die Ecke, Besen, Besen &#8230;« Herr zu werden vermag. In China konnte das Experiment im Sinne der dortigen F&#252;hrung gelingen, nicht zuletzt wegen der fehlenden demokratischen Tradition.</p>
<p>In Europa wird es gerade wegen dieser Tradition zum Scheitern verurteilt sein – ob nun die Europ&#228;er der autorit&#228;ren Zumutung widerstehen oder nicht. Denn Letzeres w&#228;re nichts anders als der »Mauerfall« des kapitalistischen Systems; es verl&#246;re seine letzte Bindekraft. Es w&#228;re ein Mauerfall nicht nur im &#252;bertragenen, sondern auch im direkten Sinn, fiele doch die Brandmauer, die den Kapitalismus mit den demokratischen Grunds&#228;tzen eingezogen wurde, um ihn vor einem &#220;bergang in die Diktatur zu bewahren, die in einem auf ungerecht verteiltem Eigentum beruhenden System immer angelegt ist. Ohne Demokratie mutiert Kapitalismus zwangsl&#228;ufig zur Diktatur, wie bereits schrecklich bewiesen wurde.</p>
<p>Un&#252;bersehbar sind einige Parallelen von heute <a href="http://www.berliner-zeitung.de/magazin/weimarer-republik-krise--schulden-und-ein-staatsbankrott,10809156,11099826.html" target="_blank">zu den 1930er Jahren</a>, als schon einmal eine verfehlte, auf Profitmaximierung ausgerichtete Wirtschaftspolitik der Humus f&#252;r autorit&#228;re L&#246;sungen wurde. Zwar fehlt heute eine diktatorisch gesinnte Partei, die zur Macht&#252;bernahme bereit steht, doch l&#228;sst sich Abkehr von der Demokratie auch als schleichender, vorgeblich alternativloser Prozess gestalten – in den Worten Angela Merkels als <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=10611" target="_blank">»marktkonforme Demokratie«</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2011/11/07/kapitalismus-vor-dem-mauerfall/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Westen er&#246;ffnet neuen Krieg in der arabischen Welt</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2011/03/19/westen-eroeffnet-neuen-krieg-in-der-arabischen-welt/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2011/03/19/westen-eroeffnet-neuen-krieg-in-der-arabischen-welt/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 17:39:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Minibuch]]></category>
		<category><![CDATA[Arabien]]></category>
		<category><![CDATA[Bahrain]]></category>
		<category><![CDATA[Bengasi]]></category>
		<category><![CDATA[Bush]]></category>
		<category><![CDATA[Cameron]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Gaddafi]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Jemen]]></category>
		<category><![CDATA[Libyen]]></category>
		<category><![CDATA[Luftkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Militärintervention]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Rüstungswirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Rohstoffressourcen]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sarkozy]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Westerwelle]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/?p=2556</guid>
		<description><![CDATA[(pri) Wieder einmal haben die westlichen Milit&#228;rm&#228;chte ein politisch-strategisches Ziel, n&#228;mlich die Beseitigung des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, h&#246;her gestellt als den von ihnen behaupteten Schutz der Bev&#246;lkerung vor Tod und Zerst&#246;rung. Denn eine Folge der nun begonnenen Luftschl&#228;ge gegen libysche Ziele ist schon jetzt absehbar: Die gr&#246;&#223;ten Opfer wird wieder einmal die Zivilbev&#246;lkerung bringen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wieder einmal haben die westlichen Milit&#228;rm&#228;chte ein politisch-strategisches Ziel, n&#228;mlich die Beseitigung des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, h&#246;her gestellt als den von ihnen behaupteten Schutz der Bev&#246;lkerung vor Tod und Zerst&#246;rung. Denn eine Folge der nun begonnenen Luftschl&#228;ge gegen libysche Ziele ist schon jetzt absehbar: Die gr&#246;&#223;ten Opfer wird wieder einmal die Zivilbev&#246;lkerung bringen<span id="more-2556"></span> – und zwar sowohl durch den <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752000,00.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/bc7cbb0f89fc47c0b5b00ecaa4e63d6d" alt="" width="1" height="1" />Abwehrkampf des Gaddafi-Regimes</a> als auch durch die westlichen Bomben und Raketen. Schon hat eine<a href="javascript:void(0);" target="_blank"> Fluchtwelle aus Bengas</a>i eingesetzt, und man darf gespannt sein, inwieweit die europ&#228;ischen Menschenrechtsverfechter &#252;ber Krokodilstr&#228;nen zu »Kollateralsch&#228;den« hinaus diesen Fl&#252;chtlingen tats&#228;chlich helfen werden.</p>
<p>Diese Perspektive war es wohl, die Deutschlands Au&#223;enminister Guido Westerwelle ein Nein zur Milit&#228;rintervention sagen lie&#223;. Er scheint angesichts des ungel&#246;sten afghanischen Dilemmas keine Neigung zu haben, die Bundeswehr in ein weiteres Abenteuer zu f&#252;hren – in ein Abenteuer nicht nur ungewissen, sondern sehr gewissen Ausgangs, n&#228;mlich eines weiteren auf Jahre schwelenden Kriegsherds in der islamisch gepr&#228;gten Region. Denn man mag derzeit mit den Bombenabw&#252;rfen bei einer kleinen, nur schwer identifizierbaren Gruppe im Raum um Bengasi, der bei Experten als eine Art Hochburg der Moslembr&#252;der gilt, Beifall finden; schon bald, wenn sich der Krieg ausweitet und immer mehr Opfer fordert, wird er nach Afghanistan und Irak als weiterer Beleg des westlichen Kampfes gegen den Islam verstanden werden.</p>
<p>Westerwelle hat – vielleicht mit einem n&#252;chternen und nicht kriegsversessenen Verteidigungsminister an seiner Seite – wohl auch in Rechnung gestellt, dass Gaddafi – so wie er seine offensichtlich nicht demoralisierten Truppen gegenw&#228;rtig gegen die Aufstandsbewegung in Stellung bringt – kein leicht zu schlagender Gegner ist. Nicht zuletzt wegen seiner Bewaffnung, die ihm auch westliche Staaten bis in die j&#252;ngste Zeit bereitwillig zur Verf&#252;gung stellten, um von seinem &#214;lreichtum und der Repression gegen nach Europa dr&#228;ngende afrikanische Armutsfl&#252;chtlinge zu profitieren. Einlenken, um sich entmachten zu lassen, wird Gaddafi nicht, und so sind neben den zivilen und milit&#228;rischen Opfern in Libyen auch Verluste bei den Angreifern vorprogrammiert. Und sollte es ihm gar gelingen, den Luftangriffen zu widerstehen, w&#252;rden die Hardliner um Sarkozy und Cameron fr&#252;her oder sp&#228;ter den Einsatz von Bodentruppen beschlie&#223;en m&#252;ssen, wollen sie nicht als gedem&#252;tigte Verlierer des Waffengangs in Libyen dastehen.</p>
<p>Mit politischer Vernunft hat all dies nichts zu tun, und mit dem Willen der V&#246;lker der Kriegstreiber, die sich allesamt mehrheitlich gegen einen Kriegseinsatz aussprachen, schon gar nicht. Die Entwicklung entspricht freilich den objektiven Mechanismen kapitalistischer Politik, die nichts sch&#228;rfer im Auge hat als die f&#252;r eine expandierende Wirtschaft erforderlichen Rohstoffressourcen, und zu denen Wachstumsgesetze geh&#246;ren, die sich eben auch auf die R&#252;stungswirtschaft erstrecken; von Zeit zu Zeit m&#252;ssen neue Waffen nicht nur erprobt, sondern die alten auch verbraucht werden, um die Produktion anzukurbeln und damit den Profit sicherzustellen.</p>
<p>Ein besonderes Kapitel im libyschen Drama ist die Haltung Russlands und Chinas, die – f&#252;r viele &#252;berraschend – der neuen milit&#228;rischen Intervention des Westens nichts in den Weg legten, selbst sich aber in keiner Weise engagierten. Auch sie kennen aus eigener Anschauung die milit&#228;rische Potenz des fr&#252;heren Verb&#252;ndeten und finden es m&#246;glicherweise n&#252;tzlich, wenn sich der Westen einmal mehr an der islamischen Front verk&#228;mpft; an je mehr Kriegsschaupl&#228;tzen der Westen weltweit gebunden ist, desto weniger kann er in Moskauer und Pekinger Einflusssph&#228;ren aktiv werden. Man mag ein solches Denken zynisch finden, es entbehrt aber auch nicht eines gewissen realpolitischen Sinns und ist nebenbei nicht zynischer als das Verhalten von USA und EU gegen&#252;ber den Revolution&#228;ren in Bahrain oder Jemen, die von ihren reaktion&#228;ren Herrschern gerade gnadenlos zusammengeschossen werden – unter den Augen jener, die genau das gleiche Vorgehen Gaddafis in seinem Land mit Bomben beantworten.</p>
<p>Eine erkennbare Spur in den Geschichtsb&#252;chern d&#252;rfte Westerwelle mit seinem Z&#246;gern vor Kriegsabenteuern noch nicht hinterlassen haben; dazu bedarf es ohne Zweifel weitergehenden Engagements, um westliche Politik weg von der favorisierten Nutzung milit&#228;rischer Mittel und wieder hin zu diplomatischen Aktionen zu f&#252;hren. Angesichts der Kriegsbegeisterung vieler <a href="http://www.faz.net/s/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C/Doc~E33040E0E2FD24D9CB176C0A154818900~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Politike</a>r und <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/libyen-westerwelle-und-deutschlands-enthaltung-der-krisen-profileur-1.1074028" target="_blank">Medien</a> ist dies allerdings eine Herkulesaufgabe, an der schon der »Friedensnobelpreistr&#228;ger« Obama scheiterte. Nach wie vor bestimmen nicht dessen Friedensversprechungen, sondern die Rambopolitik eines George W. Bush die internationale Szene. Phantasielos wie er rufen die meisten westlichen Staaten zuerst nach dem Milit&#228;r, wenn Konflikte ausbrechen, und nicht nach dem Verhandlungstisch. Sie bringen die Welt damit nicht weniger in Gefahr als die Verfechter der Atomenergie, die auch zuerst auf den eigenen Vorteil sehen – und nicht auf das Wohl der Menschheit.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2011/03/19/westen-eroeffnet-neuen-krieg-in-der-arabischen-welt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#196;gypten und andere – arabisches Menetekel f&#252;r westlichen Hochmut</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2011/01/30/aegypten-und-andere-arabisches-menetekel-fuer-westlichen-hochmut/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2011/01/30/aegypten-und-andere-arabisches-menetekel-fuer-westlichen-hochmut/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 30 Jan 2011 15:08:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Minibuch]]></category>
		<category><![CDATA[Arabien]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Dritte Welt]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonien]]></category>
		<category><![CDATA[Neokolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tunesien]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/?p=2230</guid>
		<description><![CDATA[Mit den Ereignissen in &#196;gypten, Tunesien und eventuell weiteren arabischen L&#228;ndern hat das westliche Konzept der »Befriedung« und m&#246;glichst st&#246;rungsfreien Ausbeutung der arabischen wie wohl &#252;berhaupt der so genannten dritten Welt eine schwere Niederlage erlitten. Nicht in jenen Staaten, die die USA und die EU mit ideologischer Absicht als »Schurkenstaaten« und St&#246;renfriede der Weltpolitik bezeichnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit den Ereignissen in &#196;gypten, Tunesien und eventuell weiteren arabischen L&#228;ndern hat das westliche Konzept der »Befriedung« und m&#246;glichst st&#246;rungsfreien Ausbeutung der arabischen wie wohl &#252;berhaupt der so genannten dritten Welt eine schwere Niederlage erlitten. Nicht in jenen Staaten, die die USA und die EU mit ideologischer Absicht als »Schurkenstaaten« und St&#246;renfriede der Weltpolitik bezeichnen – Iran, Syrien, sogar Libyen – ist der Volkszorn zuerst ausgebrochen, sondern<span id="more-2230"></span> dort, wo der Westen glaubte, stabile Regimes von eigenen Gnaden etabliert zu haben, im Zweifel auch mit Mitteln der Repression und der Diktatur. Zwar ist die weitere Entwicklung noch nicht abzusehen, aber offensichtlich finden im arabischen Raum Regierungen, die sich vom Westen zu emanzipieren versuchen, ungeachtet ihrer Vergleichbarkeit in diktatorischer Herrschaftsattit&#252;de mehr Zustimmung in der Bev&#246;lkerung als jene, die sich <a href="http://www.stern.de/politik/ausland/die-vereinigten-staaten-und-aegypten-obamas-gefaehrliches-dilemma-am-nil-1648299.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/1c63b13630dd43a4b9999ded89fd83d3" alt="" width="1" height="1" />von den USA und ihren europ&#228;ischen Verb&#252;ndeten aushalten lasse</a>n.</p>
<p>Die Bewegung, die sich derzeit in arabischen L&#228;ndern vollzieht, ist auch deshalb bemerkenswert, weil damit m&#246;glicherweise eine neue Etappe der Dekolonialisierung eingeleitet wird.  In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte die meisten Kolonien ihre Unterdr&#252;cker davon gejagt und nationale Unabh&#228;ngigkeit erk&#228;mpft, die jedoch in ihrer Entwicklung oft schon auf halber Strecke stecken blieb. Viel zu schwach waren die neuen L&#228;nder – vor allem nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems, um sich der kolonialistischen Variante fr&#252;herer Unterdr&#252;ckungspolitik zu widersetzen. Dem Westen gelang es, mit Geld und geheimdienstlichen Intrigen gef&#252;gige Potentaten in den meisten dieser Staaten zu etablieren, die f&#252;r ihn die Gesch&#228;fte besorgten – zumeist unbehelligt von Appellen nach Demokratie und Menschenrechte.</p>
<p>Diese F&#252;gsamkeit k&#246;nnte sich jetzt dem Ende zuneigen. Mit einer Mischung aus b&#252;rgerrechtlichen und sozialen Forderungen verlangen die L&#228;nder der »dritten Welt« Ver&#228;nderungen – und warten dazu nicht auf fremde Hilfe. Im Gegenteil, es k&#246;nnte sich f&#252;r manche wankende Regierung als<a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/schweigen-fuer-den-frieden/3785548.html" target="_blank"> zus&#228;tzlich kontraproduktiv</a> erweisen, wenn sie auf westliche Hilfe setzt.</p>
<p>Wie die westlichen Staaten reagieren, ist noch nicht absehbar. Sie haben es nicht mehr mit armen, analphabetischen Massen zu tun wie vor 50 Jahren, die sie leicht &#252;bert&#246;lpeln konnten. Jetzt stehen ihnen oftmals gut gebildete, selbstbewusste Menschen gegen&#252;ber, die – nicht zuletzt am Beispiel Chinas – sehen, dass sie auf Hilfe aus der selbst ernannten »ersten« Welt nicht angewiesen sind. Deren salbungsvolle Predigten &#252;ber Freiheit und Demokratie haben sich im Gegenteil einmal mehr als Heuchelei entlarvt, da sie repressive, diktatorische Regimes jahrzehntelang gegen ihre V&#246;lker verteidigten und es wohl auch jetzt noch – wie Frankreich bez&#252;glich Tunesiens bewies – lieber s&#228;hen, wenn<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34106/1.html" target="_blank"> die Aufst&#228;nde niedergeschlagen</a> w&#252;rden, und sei es blutig, um die alte, also von ihnen verf&#252;gte Ordnung wiederherzustellen.</p>
<p>F&#252;r den Westen steht viel auf dem Spiel – im Grunde die gesamte globale Weltordnung, die er nach dem Zusammenbruch des Sozialismus aufgebaut hatte und an deren Ewigkeit – siehe die Spr&#252;che vom Ende der Geschichte – er in seinem Hochmut glaubte. Wieder einmal erweist sich: Geschichte folgt nicht voluntaristischen Erwartungen, sondern vollzieht sich nach objektiven Gesetzen in Richtung Fortschritt, die niemand au&#223;er Kraft zu setzen vermag.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2011/01/30/aegypten-und-andere-arabisches-menetekel-fuer-westlichen-hochmut/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wenn Julian Assange den Friedensnobelpreis erhielte …</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2010/12/10/wenn-julian-assange-den-friedensnobelpreis-erhielte/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2010/12/10/wenn-julian-assange-den-friedensnobelpreis-erhielte/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 17:33:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Minibuch]]></category>
		<category><![CDATA[Assange]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensnobelpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Liu Xiaobo]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Wikileaks]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/?p=2109</guid>
		<description><![CDATA[… ginge es ihm ohne Zweifel ganz &#228;hnlich wie derzeit Liu Xiaobo, dem chinesischen Dissidenten, der heute in Oslo in Abwesenheit mit eben diesem Preis geehrt wurde. Zwar ist vom norwegischen Noblepreiskomitee eine solche Wahl kaum zu erwarten, hat es doch im Vorjahr den US-Pr&#228;sidenten, der mit seiner Administration gerade gravierend gegen das Menschnrecht der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>… ginge es ihm ohne Zweifel ganz &#228;hnlich wie derzeit Liu Xiaobo, dem chinesischen Dissidenten, der heute in Oslo in Abwesenheit mit eben diesem Preis geehrt wurde. Zwar ist vom norwegischen Noblepreiskomitee eine solche Wahl kaum zu erwarten<span id="more-2109"></span>, hat es doch im Vorjahr den US-Pr&#228;sidenten, der mit seiner Administration gerade gravierend <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1208/meinung/0041/index.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/b7ccd42abd854d86855bc72daae91f21" alt="" width="1" height="1" />gegen das Menschnrecht der Informationsfreiheit verst&#246;&#223;t</a>, ohne jede politische Leistung, allein auf Verdacht, zum Friedensnobelpreistr&#228;ger gek&#252;rt und wird auf absehbare Zeit niemanden solcher W&#252;rdigung f&#252;r wert befinden, der von Obama und den seinen zum gr&#246;&#223;ten Feind der USA seit Osama bin Laden erkl&#228;rt wurde.</p>
<p>Aber der Gedanke an einen Preistr&#228;ger Assange ist so faszinierend wie ern&#252;chternd. Faszinierend deshalb, weil sich in einer solchen Entscheidung und der Reaktioin darauf wie in einem Brennglas das spiegeln w&#252;rde, was tats&#228;chlich von den wohlfeilen Spr&#252;chen westlicher Staaten &#252;ber die Menschenrechte zu halten ist. Und ern&#252;chternd w&#228;re gewiss die Erkenntnis, dass <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1206/politik/0017/index.html" target="_blank">die westliche Supermacht und ihre Verb&#252;ndeten nicht anders reagieren als China </a>bei der heutigen Verleihung des Nobelpreises an Liu Xiaobo, den es aufgrund seiner offenen Kritik am dortigen System zum Kriminellen erkl&#228;rte – so wie die USA Julian Assange wegen dessen Dissidenz zur amerikanischen Politik.</p>
<p>Dabei hat Assange – anders als Liu Xiaobo – nicht einmal aktiv gegen eine Regierung oder ein System gearbeitet; er hat nichts anderes getan, als T&#228;uschungen, Intrigen, Kriegsverbrechen als Teil des politischen Gesch&#228;fts zu entlarven. Manche sagen gar, er habe amerikanische Politik wieder an die Ideale ihrer Anf&#228;nge herangef&#252;hrt, an den Grundkonsens amerikanischen Unabh&#228;ngigkeits- und Demokratiestrebens. Aber genau das betrachten die USA als Verbrechen und nehmen in Kauf, k&#252;nftig in einem Atemzug mit Iran, Nordkorea, Malaysia oder eben China genannt zu werden.</p>
<p>Esi gehtdabei nat&#252;rlich nicht um die Vergewaltigungsvorw&#252;rfe gegen Assange, die die schwedische Justiz – wenn auch auf h&#246;chst seltsame Weise – untersucht. Es geht um den <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1208/tagesthema/0037/index.html" target="_blank">Straftatbestand, den die USA fieberhaft zu konstruieren versuchen</a> und der Informationsfreiheit, so sie denn den eigenen Staat betrifft, unisono zum Verbrechen, gar zu Terrorismus erkl&#228;ren soll. Wikileaks hat die Achillesferse von Politik freigelegt, die Verschleierung, die Vertuschung, die Verdrehung von Tatsachen – mit dem Ziel, Herrschaft auszu&#252;ben, Macht zu demonstrieren. Daran sind schon die sozialistischen Staaten gescheitert; nun muss auch der Westen erkennen, dass der von ihm so lange, aber nur mit Blick auf die andere Seite propagierte <a href="http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=22141&amp;mode=play" target="_blank">»freie Fluss der Informationen« auch die eigene Politik in Frage stellt</a>, ein »neues Denken« verlangt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2010/12/10/wenn-julian-assange-den-friedensnobelpreis-erhielte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vor 20 Jahren &#8211; Wahlmanipulation und Ausreisewelle bef&#246;rdern die Erosion eines Staates (Teil 1)</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2009/05/07/vor-20-jahren-wahlmanipulation-und-ausreisewelle-befoerdern-die-erosion-eines-staates-teil-1/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2009/05/07/vor-20-jahren-wahlmanipulation-und-ausreisewelle-befoerdern-die-erosion-eines-staates-teil-1/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 07 May 2009 11:39:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichtsbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Almuth Berger]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerrechtler]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[DDR-Opposition]]></category>
		<category><![CDATA[Eppelmann]]></category>
		<category><![CDATA[Forck]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Jürgen Fischbeck]]></category>
		<category><![CDATA[Honecker]]></category>
		<category><![CDATA[Ibrahim Böhme]]></category>
		<category><![CDATA[Jarowinsky]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Krenz]]></category>
		<category><![CDATA[MfS]]></category>
		<category><![CDATA[Mielke]]></category>
		<category><![CDATA[Nationale Front]]></category>
		<category><![CDATA[Platz des Himmlischen Friedens]]></category>
		<category><![CDATA[SED]]></category>
		<category><![CDATA[Staatssicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Stasi]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltblätter]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlfälschung]]></category>
		<category><![CDATA[Wiegand]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Ullmann]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/?p=927</guid>
		<description><![CDATA[F&#252;r viele gilt der 7. Mai als ein Datum, an dem der Beginn der letzten Etappe der »alten« DDR festgemacht werden kann. An diesem Tag fanden Kommunalwahlen, letztmalig nach dem alten Muster des so genannten Zettelfaltens, statt, aber immer weniger DDR-B&#252;rger zeigten sich bereit, das einfach so hinzunehmen. Dennoch verlief die Wahl weitgehend nach den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r viele gilt der 7. Mai als ein Datum, an dem der Beginn der letzten Etappe der »alten« DDR festgemacht werden kann. An diesem Tag fanden Kommunalwahlen, letztmalig nach dem alten Muster des so genannten Zettelfaltens, statt, aber immer weniger DDR-B&#252;rger zeigten sich bereit, das einfach so hinzunehmen. <span id="more-927"></span>Dennoch verlief die Wahl weitgehend nach den Vorgaben aus der Partei- und Staatsf&#252;hrung, doch als diese auch noch die Ergebnisse &#8211; entgegen der Realit&#228;t &#8211; bestimmen wollte, wuchs der Unmut in einem Ma&#223;e, das weder die SED noch ihr Sicherheitsorgan Stasi erwartet hatten. Aus dem Protest gegen die Wahlf&#228;lschung entwickelte sich allm&#228;hlich eine Bewegung f&#252;r mehr wirkliche Demokratie, der sich zunehmend auch Leute anschlossen, die bisher den offenen Konflikt mit der Staatsmacht gemieden hatten.</p>
<p>Parallel dazu gewann eine andere, schon seit l&#228;ngerem st&#228;ndig wachsende Bewegung Schritt f&#252;r Schritt Massenzulauf &#8211; die Ausreisewelle aus der DDR. Ihr schlossen sich all jene an, die die Hoffnung auf Ver&#228;nderungen im Land l&#228;ngst verloren hatten und ihr Heil nur in einem Neuanfang jenseits der Grenzen sahen. Sie stellten mit ihren Aktionen im In- wie Ausland die Staatsorgane vor immer neue Probleme, die diese letztlich nicht mehr beherrschen konnten. Beides gemeinsam f&#252;hrte zur immer schnelleren Erosion des Staates DDR und damit letztlich zu seinem Untergang.</p>
<p>&#220;ber diese Vorg&#228;nge entstand ein gutes Jahr sp&#228;ter, im Sommer 1990, nachfolgender Text, der die damaligen Ereignisse rekapituliert und in einen gr&#246;&#223;eren Zusammenhang zu stellen versucht. Zwar ist heute das Geschehen vor 20 Jahren gr&#252;ndlicher erforscht als damals, nur Monate danach; dennoch kann diese bislang unver&#246;ffentlichte Darstellung neben ihrem dokumentarischen Teil einiges zur seinerzeitigen Atmosph&#228;re am Ende einer Epoche aussagen.</p>
<p> </p>
<h3>Wahlmanipulation und Ausreisewelle &#8211; die Erosion eines Staates (Teil 1)</h3>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bb576eea053a4c80973c2a519c10ce58" alt="" width="1" height="1" /><br />
In den vergangenen 20 Jahren wurde oft versucht, den Eindruck zu erwecken, als w&#228;ren die Ereignisse des Jahres 1989 wie ein Blitz aus heiterem Himmel &#252;ber die damalige DDR gekommen.. Besonders Vertreter der ehemaligen Partei- und Staatsf&#252;hrung argumentieren gern, die .Entwicklung w&#228;re nicht vorauszusehen gewesen; f&#252;r sie habe sich die Lage bis fast zuletzt als relativ stabil dargestellt, Die un&#252;bersehbaren Signale einer sich rapide beschleunigenden Erosion nicht wahrzunehmen &#8211; das resultierte aus der Lebensferne der Honecker &amp; Co., die alle Warnungen und Bedenken in den Wind schlugen. Im Gef&#252;hl, letztlich k&#246;nne ihnen nichts passieren, organisierten sie eine Rundum-Verteidigung gegen die zahlreichen Einzelaktionen der B&#252;rgerrechtler, versuchten sie, jede f&#252;r sich zu bek&#228;mpfen, ohne den Zusammenhang &#8211; die allgemeine Unzufriedenheit &#8211; zu erkennen. So konnte zwar mit Hilfe des Repressionsapparates da und dort die Kritik einged&#228;mmt, mundtot gemacht werden; an der versch&#228;rften Gesamtlage &#228;nderte das nichts &#8211; im Gegenteil, sie spitzte sich weiter zu. </p>
<p>Die erste umfassende »Information &#252;ber Aktivit&#228;ten feindlicher Personenkreise im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989« legte die Bezirksverwaltung Berlin des Ministeriums f&#252;r Staatssicherheit (MfS) bereits am 15.2.1989 vor. »Nach den der Bezirksverwaltung f&#252;r Staatssicherheit Berlin vorliegenden Informationen«, hie&#223; es da, »besch&#228;ftigen sich feindliche Personenkreise aus der Hauptstadt der DDR, Berlin, seit Ende 1988 intensiv mit verschiedenen Problemen, die die Vorbereitung und Durchf&#252;hrung der Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 betreffen.« Und dann wurde detailliert &#252;ber diese Aktivit&#228;ten berichtet, zum Beispiel so: !«Insbesondere F&#252;hrungskr&#228;fte des politischen Untergrundes, unter Mitwirkung von Antragstellern auf st&#228;ndige Ausreise, befassen sich verst&#228;rkt mit Fragen der sozialistischen Demokratie, darin eingeschlossen das Wahlgesetz der DDR &#8230; Diese Personenkreise haben die Absicht, unter der Behauptung der Mitwirkung an der Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft in der DDR mit staatlichen Organen und gesellschaftlichen Organisationen einen Dialog zu f&#252;hren und Forderungen feindlicher Kr&#228;fte nach destabilisierenden Ver&#228;nderungen unter Missbrauch demokratischer Wirkungsm&#246;glichkeiten einzubringen. In mehreren internen Treffen berieten diese Personenkreise konkrete Vorgehenweisen unter Missbrauch des Wahlgesetzes der DDR. So wurden mehrere Schriften mit dem Ziel verfasst und verteilt, das Wahlgesetz der DDR in ihrem Sinne zu erl&#228;utern, vor allem, um dessen M&#246;glichkeiten f&#252;r feindliche Zwecke auszusch&#246;pfen &#8230; Weiterhin beabsichtigen diese Personenkreise, ›unabh&#228;ngige Kandidaten‹ f&#252;r die Wahlen vorzuschlagen &#8230; Weitere Vorhaben feindlicher Personenkreise beinhalten die Teilnahme an Wahlversammlungen, wo sie ihre Ziele &#246;ffentlich verbreiten wollen &#8230; Von feindlichen Personen dar&#252;ber hinaus geplante Aktivit&#228;ten umfassen die Durchf&#252;hrung eigener Veranstaltungen mit thematischen Bez&#252;gen zur Wahl sowie die Beteiligung an der Arbeit der Wahlkommissionen und die &#220;berwachung der Stimmenausz&#228;hlung, um ›F&#228;lschungen und Manipulationen‹ des Wahlergebnisses zu verhindern.«</p>
<p>Dass diese Information zur Kenntnis genommen und durchaus im Sinne des Absenders bewertet wurde, zeigte eine bereits am 6. M&#228;rz 1 989 erarbeitete »Konzeption zur Gew&#228;hrleistung von Ordnung und Sicherheit im Zeitraum der Vorbereitung und Durchf&#252;hrung der Kommunalwahlen im Mai 1989«. Sie belegt schon im ersten Abschnitt die ganze Absurdit&#228;t des Vorgehens der damaligen DDR- F&#252;hrung: »Die Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 verk&#246;rpern im vierzigsten Gr&#252;ndungsjahr der DDR das wichtigste gesellschaftspolitische Ereignis. Diese Wertung ist Anlass, im Wohnbezirk ein Kontrollsystem durch gesellschaftliche Kr&#228;fte zu organisieren, welches St&#246;rungen der &#246;ffentlichen Ordnung und Sicherheit vorbeugen und subversive und kriminelle Handlungen gegen einen ordnungsgem&#228;&#223;en Wahlablauf verhindern soll.« Sodann folgen detaillierte Festlegungen an die Hausgemeinschaftsleitungen (HGL) zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit im Wohngebiet, u. a. zum »rechtzeitigen Erkennen von Schmierereien mit staatsfeindlichem, antisozialistischem und def&#228;tistischem Inhalt« und zur Organisierung einer entsprechenden Streifent&#228;tigkeit. Dazu hei&#223;t es w&#246;rtlich: »Im Zeitraum vom 5. Mai 1989, 19 Uhr, bis 7. Mai 1989, 19 Uhr, wird der Wohnbezirk durchg&#228;ngig mit jeweils zwei Mitgliedern der Kommission gesichert. Der Einsatz erfolgt im 6-Stunden-Rhythmus. Die Sicherung erfolgt durch Streifen- und Beobachtungst&#228;tigkeit.«</p>
<p>Auf berechtigte Anliegen, der B&#252;rger und alternativen Bewegungen reagierte der Staat also einmal mehr mit einem Festerzurren der Sicherheitsz&#252;gel. Dabei hatten sich die B&#252;rgerrechtler zun&#228;chst um eine konstruktive Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen bei der Wahlvorbereitung bem&#252;ht. So wandte sich eine Initiativgruppe der Berliner Bartholom&#228;usgemeinde bereits zu Pfingsten 1988 mit einem »Brief an Christen in der DDR und ihre Gemeindevertretungen« und benannte Wahlsystem und Wahlverfahren ausdr&#252;cklich als wichtige Bestandteile einer Demokratiserung der Gesellschaft. Die Autoren &#8211; unter ihnen Ibrahim B&#246;hme, Wolfgang Ullmann, Hans-J&#252;rgen Fischbeck und Almuth Berger &#8211; formulierten die Erw&#228;gung, ob nicht auch kirchliche Gruppen das Recht zur Kandidatennominierung einfordern sollten. Dies bekr&#228;ftigte der Initiativkreis im Januar 1989 mit der konkreten Anfrage: »Sollte nicht, was f&#252;r Kleing&#228;rtner, Sportler oder Feuerwehrleute gilt, auch f&#252;r Friedens- und Umweltgruppen gelten?«</p>
<p>In einem Aufruf des Friedenskreises der Berliner Erl&#246;sergemeinde vom Januar 1989 hie&#223; es, man sehe sich »in einer Meinung mit dem ZK der SED, auf dessen 7. Tagung Erich Honecker mitteilte: ›Wir reden nicht nur von Demokratie, wir entfalten sie auf sozialistischer Grundlage.‹ Zeichen der Zeit in unserem Land mahnen uns, Erich Honecker beim Wort zu nehmen und ihn tatkr&#228;ftig zu unterst&#252;tzen.« Bei aller hintersinnigen Ironie dieses Begehrens enthielten die folgenden praktischen Vorschl&#228;ge doch diskutierbare Anregungen auch f&#252;r Leute mit einem DDR-sozialistischen Demokratieverst&#228;ndnis.</p>
<p>Sie stie&#223;en aber auf strikte Ablehnung und die B&#252;rgerrechtler auf eine massive Behinderung ihrer Aktivit&#228;ten. Das zeigte sich besonders bei den Bem&#252;hungen, an &#246;ffentlichen Wahlversammlungen teilzunehmen und dort mit eigenen &#8211; inhaltlichen wie personellen &#8211; Vorschl&#228;gen aufzutreten. Wie sich so etwas im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg abspielte, schilderte ein Augenzeuge in den Umweltbl&#228;ttern: »Nur mit M&#252;he (. . . ) waren Termin und Ort der Veranstaltung f&#252;r den Stadtbezirk Prenzlauer Berg zu erfahren. Trotzdem waren am 29.3.89 zeitig (ungef&#228;hr 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn) ca. 150 B&#252;rger vor dem Geb&#228;ude des Rates des Stadtbezirks in der Fr&#246;belstr. versammelt. In dieser Zeit kamen nur noch einige B&#252;rger in das Geb&#228;ude hinein, die &#252;ber gedruckte Einladungen verf&#252;gten. Die T&#252;r des Geb&#228;udes wurde von drei Herren abgesperrt, denen eine zun&#228;chst erstaunte, dann aber zunehmend ver&#228;rgerte Menge gegen&#252;berstand. Die stoische Antwort auf das Einlassbegehren von B&#252;rgern (unter denen sich auch Abgeordnete und Besitzer von Einlasskarten befanden) war &#8211; der Saal w&#228;re voll, im Nebengeb&#228;ude w&#252;rde die Veranstaltung &#252;ber Lautsprecher &#252;bertragen.«</p>
<p>Im Saal selbst setzte sich dann die Manipulation fort: »Im Verlauf der Versammlung kam zur Diskussion, dass in drei F&#228;llen Ver&#228;nderungen an den Kandidatenlisten beschlossen worden waren, in den Listen f&#252;r den Stadtbezirk jedoch die urspr&#252;ngliche Form unver&#228;ndert vorliegt. Erst auf die Frage, weshalb die Beschl&#252;sse auf der Wahlkreisebene ignoriert worden w&#228;ren, kam eine Erkl&#228;rung: In zwei F&#228;llen h&#228;tten sich durch die Ver&#228;nderung der Listen auch Ver&#228;nderungen in der Anzahl der Mandatstr&#228;ger ergeben, was nat&#252;rlich nicht ginge.. Im dritten Fall handele es sich um Dr. Adler von der Akademie der Wissenschaften, mit dem der Redner am gleichen Tag telefoniert h&#228;tte. Dr. Adler w&#228;re ganz zufrieden damit, wieder auf die Reservepl&#228;tze zur&#252;ckzurutschen, weil er in der Gewerkschaft so engagiert w&#228;re, dass er eigentlich keine Zeit habe. Dr. Adler war es auch nicht gelungen, in den Hauptversammlungsraum zu gelangen; es war deutlich, dass es ein Telefongespr&#228;ch dieses Inhalts nicht gegeben hat. Es ist Dr. Adler nicht gelungen, pers&#246;nlich oder &#252;ber den &#8216;Telefonapparat im Lautsprechersaal eine Richtigstellung vorzutragen.«</p>
<p>Bei einigen kirchlichen und B&#252;rgerrechtsgruppen f&#252;hrte dieses Verhalten staatlicher Stellen zur Schlussfolgerung, dass man nur durch einen Boykott der Wahlen sein Gesicht wahren k&#246;nne. Solche Erw&#228;gungen stellte zum Beispiel die s&#228;chsische Synode im April 1989 an, und sie finden sich auch in einer Erkl&#228;rung von vier Dutzend B&#252;rgerrechtlern aus dem gleichen Monat. Sie kritisieren darin Wahlsystem und Wahlverfahren und res&#252;mieren: »Die Ergebnisse der Wahlen in der DDR dienen dazu, die tats&#228;chlichen Verh&#228;ltnisse zu verschleiern und ein Einverst&#228;ndnis innerhalb der Bev&#246;lkerung mit der Politik der DDR-Regierung vorzut&#228;uschen, das immer weniger gegeben ist. Die Offenlegung tats&#228;chlich vorhandener Meinungs- und Mehrheitsverh&#228;ltnisse bedeutet eine notwendige Voraussetzung f&#252;r den breiten innergesellschaftlichen Dialog, den wir anstreben. Aus diesen Gr&#252;nden erkl&#228;ren wir, dass wir an den Kommunalwahlen am 7. 5. 89 nicht teilnehmen werden.«</p>
<p>Andere wiederum wollten nicht auf diese Weise resignieren und planten, die Wahl bis zu ihrem Abschluss kritisch zu begleiten. Ihnen ging es vor allem darum, die Exaktheit der Ausz&#228;hlung zu kontrollieren, weil nach den Erfahrungen der Vorwahlzeit zu bef&#252;rchten stand, dass auch hier zu Manipulationen gegriffen w&#252;rde. Jochen Wiegend, Ex-Oberst im MfS, berichtete sp&#228;ter, dass dar&#252;ber exakte Kenntnisse vorlagen. Pfarrer Eppelmann zum Beispiel hatte an Gemeindemitglieder, die sich an der Kontrolle der Ausz&#228;hlung beteiligen wollten, Zettel ausgegeben, in die Ergebnisse der einzelnen Wahllokale eingetragen v/erden sollten. Sie liefen dann noch am Abend des 7. Mai bei ihm zusammen, wurden, in den Computer gegeben, und so hatte die Kirche schnell einen &#220;berblick &#252;ber das Ausma&#223; der Manipulation. Das damalige Politb&#252;ro-Mitglied Werner Jarowinsky, das &#252;ber die Vorhaben der Kirche fr&#252;hzeitig informiert war, ignorierte die Warnungen. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte!</p>
<p>Die Pr&#252;fungsaktion beschr&#228;nkte sich aber nicht auf B&#252;rgerrechtler und Kirchenleute, sondern gingen weit dar&#252;ber hinaus; auch viele SED-Mitglieder waren beteiligt. Sie, die beipielsweise zum Teil deswegen zur Ausz&#228;hlung der Stimmen gingen, um die Richtigkeit des Wahlergebnisses gegen die ihnen als St&#246;renfriede suggerierten B&#252;rgerrechtler zu bezeugen, stellten mit Entsetzen fest, dass tats&#228;chlich get&#228;uscht und verf&#228;lscht wurde. Sie machten Eingaben an ihre Parteisekret&#228;re, ihre Leitungen, sogar ans Zentralkomitee, erhielten aber keine oder nur ausweichende Antworten. Einige wurden beschworen, angesichts der komplizierten Lage stillzuhalten, andere erlebten, dass sich die Staatssicherheit intensiv f&#252;r sie zu interessieren begann. F&#252;r viele der bisher gegen&#252;ber der Partei Gl&#228;ubigen war dies eine Initialz&#252;ndung, die sie zu grunds&#228;tzlichem Zweifel veranlasste und .auch die B&#252;rgerbewegung in einem anderen Licht sehen lie&#223;.</p>
<p>F&#252;r die Staatssicherheit waren nat&#252;rlich all diese demokratischen Bekundungen nichts anderes als »provokatorisch-demonstrative Aktivit&#228;ten«, und die im Wahlgesetz ausdr&#252;cklich festgelegte &#246;ffentliche Ausz&#228;hlung der W&#228;hlerstimmen wurde von ihr faktisch kriminalisiert. In ihrem Bericht an die Partei- und Staatsf&#252;hrung hie&#223; es: »Internen Hinweisen aus allen Bezirken der DDR zufolge wurden insbesondere Mitglieder sogenannter kirchlicher Basisgruppen und Antragsteller auf st&#228;ndige Ausreise erkannt, die sich zur ›Kontrolle‹ bzw. ›&#220;berwachung‹ der Wahlhandlung und Stimmenausz&#228;hlung in Wahllokalen befanden.«</p>
<p>Diese Gruppen stellten Wahlmanipulationen in betr&#228;chtlichem Ausma&#223;e fest. In Berlin dokumentierten sie diese f&#252;r die Stadtbezirke Wei&#223;ensee, Friedrichshain und Prenzlauer Berg und formulierten eine Eingabe gegen die G&#252;ltigkeit der Kommunalwahlen. Obwohl sie die in Sonderwahllokalen bereits vor dem Wahltag abgegebenen Stimmen nicht erfassen konnten (sie machten allein in Wei&#223;ensee etwa ein Drittel aus) und au&#223;erdem auch nicht in allen Wahllokalen pr&#228;sent waren, ermittelten sie durchweg eine h&#246;here Gesamtzahl von Nein-Stimmen bei ihren Beobachtungen als bei der offiziellen Verk&#252;ndigung des Wahlergebnisses f&#252;r den gesamten Stadtbezirk genannt wurden So z&#228;hlten sie in Wei&#223;ensee (ohne Sonderwahllokale) 2224 Gegenstimmen, w&#228;hrend nur 1011 ver&#246;ffentlicht wurden. In Friedrichshain betrug die Differenz gar 4919 zu 1611, und selbst in Prenzlauer Berg, wo nur in einem Drittel der Wahllokale kontrolliert worden war, ermittelten die B&#252;rgerrechtler 2659 Gegenstimmen, w&#228;hrend es im gesamten Stadtbezirk &#8211; nach offizieller Darstellung &#8211; nur 1998 gewesen sein sollen.</p>
<p>&#196;hnliche Diskrepanzen gab es im ganzen Land; sie wurden nicht mehr hingenommen. Insgesamt 800 Eingaben und Einspr&#252;che wurden an die Verantwortlichen f&#252;r die Wahl gesandt, nat&#252;rlich ohne jeden Erfolg. Denn schon unmittelbar nach der Wahl hatte Mielke angewiesen, wie zu reagieren sei. »Die Partei verlangt von uns«, so erinnerte sich Wiegand an seine Worte, »gegen diese feindlichen Aktivit&#228;ten entschlossen vorzugehen«. Und der Befehl wurde &#8211; wie stets &#8211; widerspruchslos erf&#252;llt. Am 19. Mai gab das MfS detaillierte Hinweise heraus, wie gegen die Eingaben, aus seiner Sicht »provokative rechtswidrige Handlungen«, vorzugehen sei: »1. Wird festgestellt, dass Personen die Ergebnisse der Kommunalwahlen in der &#214;ffentlichkeit herabw&#252;rdigen, sind entsprechende Pr&#252;fungshandlungen einzuleiten &#8230; 2. Sachlich gehaltene Eingaben, andere Schreiben oder Erkl&#228;rungen zum Wahlergebnis an staatliche Organe sind den &#246;rtlichen Wahlkommissionen zu &#252;bergeben. Die Sekret&#228;re der Wahlkommissionen werden wie folgt antworten: ›Die Wahlkommission hat anhand der von den Wahlvorst&#228;nden entsprechend § 39 Absatz 1 des Wahlgesetzes exakt gefertigten Niederschriften die ordnungsgem&#228;&#223;e Durchf&#252;hrung der Wahlen gepr&#252;ft, das Wahlergebnis festgestellt und ver&#246;ffentlicht. Dem ist nichts hinzuzuf&#252;gen.‹ Auf jeden Fall ist zu vermeiden, dass zur Sache selbst oder zu den angeblichen Fakten argumentiert wird. Schreiben, die vorher den westlichen Medien &#252;bermittelt worden sind, werden nicht bearbeitet &#8230; Anzeigen, die nach § 211 Strafgesetzbuch erstattet werden, sind ohne Kommentar entgegenzunehmen. Nach Ablauf der vorgesehenen Fristen f&#252;r die Anzeigenbearbeitung ist von dem jeweils zust&#228;ndigen Organ zu antworten, dass keine Anhaltspunkte f&#252;r den Verdacht einer Straftat vorliegen. Au&#223;erdem ist auf die offizielle Verlautbarung &#252;ber die ordnungsgem&#228;&#223;e Durchf&#252;hrung der Wahlen zu verweisen. Beschwerden gegen die getroffenen Entscheidungen sind gem&#228;&#223; § 91 StPO zu bearbeiten und abschl&#228;gig zu entscheiden.« Und dazu kamen die speziellen »Ma&#223;nahmen« der Sicherheitsorgane selbst: »Die Leiter der operativen Diensteinheiten haben zu sichern, dass die gr&#252;ndliche operative Durchdringung feindlicher, oppositioneller und anderer negativer Personenkreise vor allem mit dem Ziel erfolgt, weitere beabsichtigte Aktivit&#228;ten zur Diskreditierung der Ergebnisse der Kommunalwahlen t rechtzeitig zu erkennen und vorbeugend zu verhindern. Bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen sind operative Personenkontrollen durchzuf&#252;hren bzw. diese Personen in operativen Vorg&#228;ngen zu bearbeiten.«</p>
<p>Dabei wusste das MfS ganz genau, dass die Wahlresultate gesch&#246;nt waren, denn seiner l&#252;ckenlosen Beobachtung war die Zunahme der Gegenstimmen nicht entgangen. In einem Bericht beschrieb es das so: »Feindliche, oppositionelle Kr&#228;fte, die im Verh&#228;ltnis zu vorangegangenen analogen Anl&#228;ssen in gr&#246;&#223;erer Zahl an den Wahlen teilnahmen, und ein erheblicher Anteil von Antragstellern auf st&#228;ndige Ausreise, die im Zusammenhang mit der Wahlhandlung als solche erkannt wurden, suchten die Wahlkabinen auf und nahmen Streichungen einzelner bzw. aller Kandidaten vor.« Und auch Egon Krenz best&#228;tigte in einem Gespr&#228;ch nach der Wende faktisch, dass es am 7. Mai 1989 zu Wahlf&#228;lschungen kam. Zwar blieb er bei seiner Behauptung, er habe niemals Anweisung dazu gegeben, das Wahlergebnis zu manipulieren und das der zentralen Wahlkommission &#252;bermittelte Resultat exakt feststellen lassen, aber auf dem Weg dahin h&#228;lt er manches f&#252;r m&#246;glich: »Seit 1950 hatten sich Mechanismen herausgebildet, da&#223; das Wahlergebnis jeweils mindestens so gut wie vorher sein sollte. Dazu brauchte man keine zentralen Beschl&#252;sse; das war Bestandteil der Zahlenhascherei, die es ja auf vielen Gebieten gab.« Er r&#228;umte jedoch ein, dass &#8211; auch durch ihn &#8211; die Hartn&#228;ckigkeit der oppositionellen Gruppen bei der &#220;berpr&#252;fung der Wahlergebnisse untersch&#228;tzt worden sei und man deshalb falsch reagiert habe.</p>
<p>Die B&#252;rgerrechtler jedenfalls lie&#223;en sich durch die Zur&#252;ckweisung ihrer Kritik nicht beirren. Sie sp&#252;rten die Zunahme des Unmuts auch in der Bev&#246;lkerung, der schon am Wahltag deutlich zum Ausdruck gekommen war. So stellte die Staatssicherheit in ihrem Rapport &#252;ber den Wahlablauf fest<br />
» &#8211; verst&#228;rkte Nutzung der Sonderwahllokale f&#252;r die Durchf&#252;hrung der Wahlhandlung,<br />
- eine Zunahme der Zahl von Personen, die zur Durchf&#252;hrung der Wahlhandlung die Wahlkabinen aufsuchten, darunter ein erheblicher Anteil von Personen bis 25 Jahre sowie religios gebundene Kr&#228;fte,<br />
- eine Zunahme der Zahl von Personen, die ung&#252;ltige Stimmzettel abgaben bzw. gegen die Kandidaten der Nationalen Front stimmten und mehrfach Wahlscheine mit zus&#228;tzlichen Texten versahen.«</p>
<p>Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit beschlossen die Oppositionellen, durch weitere Aktionen wieder und wieder den Wahlbetrug anzuprangern, auch wenn das noch immer gef&#228;hrlich war. Besonders j&#252;ngere, neu zur Opposition gesto&#223;ene Unzufriedene wollten sich auf keine Kompromisse mehr einlassen. »Von diesen neuen Leuten, die sich hier engagierten, hatte ich hohen Respekt«, sagte Manfred Stolpe, damals Konsistorialpr&#228;sident der evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg, sp&#228;ter dazu, »Das waren. auch aus dem kirchlichen Bereich solche, die &#252;ber die Vorstellungen der etablierten Gruppen hinausgingen. Diese waren zum Teil schon oder noch zu vorsichtig und wurden daf&#252;r kritisiert.«</p>
<p>Im ganzen Land kam es zu Protesten. In Leipzig artikulierten sie sich schon bei einem Gottesdienst in der Nikolaikirche am 8. Mai. Auch in anderen St&#228;dten wurden offene Aufragen an den Staat gerichtet. Am 7. Juni, genau einen Monat nach der Wahl, trafen sich Berliner Oppositionelle vor dem Konsistorium der Evangelischen Kirche in der Neuen Gr&#252;nstra&#223;e. Sie planten einen Schweigemarsch zum Staatsratsgeb&#228;ude, wo sie eine Eingabe gegen die Wahlmanipulation abgeben wollten. Doch die Staatssicherheit war rechtzeitig zur Stelle. Sie hatte schon am Tage zuvor sogenannte Vorbeugungsgespr&#228;che mit 18 Organisatoren des Marsches gef&#252;hrt, »in denen ihnen die Auflage erteilt wurde, sich an dem geplanten Vorhaben nicht zu beteiligen«. Am 7. Juni kontrollierte das MfS permanent die Umgebung des Konsistoriums und hatte ein besonderes Auge auf ca. 160 B&#252;rgerrechtler, die bereits auf der schwarzen Liste des Ministeriums standen. 48 von ihnen wurden festgenommen, weil sie »zum f&#252;r die Provokation vorgesehen Zeitpunkt versuchten, in die Neue Gr&#252;nstra&#223;e zu gelangen und die entsprechende Weisung der Einsatzkr&#228;fte zur Umkehr negierten«.</p>
<p>Als die Organistoren merkten, dass der Protestmarsch nicht stattfinden konnte, setzten sie f&#252;r den Abend eine Informationsveranstaltung in der Sophienkirche an. Dort berichteten zwei Pastoren &#252;ber das Geschehen am Konsistorium und stie&#223;en dabei auf zunehmende Ungeduld der Versammelten. Sie wollten nicht l&#228;nger &#8211; abgeschlossen in kirchlichen R&#228;umen &#8211; ihre Wunden lecken, sondern ihrer Stimme &#246;ffentlich Geh&#246;r verschaffen. Trotz Warnungen der Kirchenleute setzte sich bald die erste Gruppe der 150 bis 200 Anwesenden zu einem Demonstrationszug in Bewegung, der nat&#252;rlich sofort auf massiven Polizei-Widerstand traf. Wurde erst noch versucht zu verhandeln und die Genehmigung eines friedlichen Aufmarsches zu erreichen, so zeigte der Staat bald seine geballte Faust. Die Umweltbl&#228;tter schilderten die Vorg&#228;nge: »W&#228;hrenddessen waren auf der linken Seite 5 LOs und ein Toniwagen der Polizei vorgefahren, und auf der den Demonstranten gegen&#252;berliegenden Stra&#223;enseite ballten sich 150 &#8211; 200 Stasi-Leute. Von der Polizei war das Kommando ›Absitzen! Gummikn&#252;ppel! Einsatz!‹ zu h&#246;ren. Nach der offiziellen Aufforderung, den Platz zu verlassen, dr&#228;ngen sofort 10 bis 20 Polizisten auf der linken Seite der sitzenden Menschentraube ein, w&#228;hrend die gesamte Masse der Stasi-Leute, ebenfalls mit Gummikn&#252;ppeln ausger&#252;stet, in der Mitte einen tiefen, dicht gestaffelten Keil bildeten. Unter ihnen waren viele, die die Gummikn&#252;ppel benutzten, und an den Haaren wurden die Sitzenden hochgezerrt und in drei rechts stehende Stasi-Busse geschleppt. Auch die Polizei war von unerh&#246;rter Brutalit&#228;t. Die gr&#246;&#223;te Masse der Demonstranten blieb sitzen und wehrte sich nicht. Nur wenige lie&#223;en sich von den brutalen Exzessen der Sicherheitskr&#228;fte provozieren. Ihr Einsatz war eindeutig MfS-geleitet und wurde von dessen Offensive gekennzeichnet. Der Stasi-Keil wurde bis zum Tor des Sophiengel&#228;ndes vorgetrieben. Alle, die sich bis dahin nicht auf das Gel&#228;nde zur&#252;ckgezogen hatten, etwa 75 bis 80 Leute, wurden abtransportiert. Beobachtet wurde die Abfahrt von zwei gef&#252;llten Stasi-Bussen, so dass man mit der Festnahme von etwa 150 Leuten rechnen muss. Nach diesen Festnahmen zogen sich die Stasi-Leute wieder auf die gegen&#252;berliegende Stra&#223;enseite zur&#252;ck. Verhandlungen der Pfarrer &#252;ber die Freilassung der Festgenommenen erwiesen sich als fruchtlos. Es kam zu gegenseitigen Beschimpfungen. Ein Stasi-Mann in gelbem Blouson: ›Ihr paar Leute. Wir holen noch eine Hundertschaft ran, und dann hauen wir euch richtig!‹«</p>
<p>Dennoch kam es einen Monat sp&#228;ter, am 7. Juli, erneut zu Aktionen, und diese wiederholten sich an jedem folgenden 7. des Monats &#8211; bis in den Herbst hinein, wo sie in die gro&#223;en Massendemonstrationen m&#252;ndeten, die die V/ende herbeif&#252;hrten. Aber auch zwischendurch war die Kritik am Wahlbetrug nie verstummt; er erwies sich als jener ber&#252;hmte Tropfen, der das Fass zum &#220;berlaufen brachte und vielen im Lande endg&#252;ltig die Augen &#246;ffnete, mit welcherart F&#252;hrung sie .es zu tun hatten. Auch der damalige Berliner evangelische Bischof Dr. Forck sah in den Auseinandersetzungen um die Kommunalwahlen den Beginn einer neuen Qualit&#228;t des Protestes gegen die offizielle Politik: »H&#228;tte der Staat eine vern&#252;nftige Wahl zugelassen und echte Ergebnisse mitgeteilt, w&#228;ren vielleicht nur eine achtzigprozentige Teilnahme und etwa zehn Prozent Gegenstimmen herausgekommen. Indem er aber in alter Weise verfuhr und alle Einspr&#252;che abwehrte, jede Unregelm&#228;&#223;igkeit abstritt und die Kritiker verleumdete, indem er sich so stur verhielt, l&#246;ste er neue Proteste, neue Aktionen aus.«</p>
<p>Forck stellt diese Ereignisse in eine Reihe mit den Protesten gegen die offizielle DDR-Haltung zur Niederschlagung von Studentendemonstrationen in China Anfang Juni des gleichen Jahres. »Auch hier«, so sagte er, »h&#228;tte der Staat eine ma&#223;volle Stellungnahme abgeben k&#246;nnen, mit dem Ausdruck des Bedauerns, aber die eindeutige Erkl&#228;rung f&#252;r die chinesische F&#252;hrung und die Darstellung der Ereignisse in Form einer Gr&#228;uelpropaganda l&#246;sten bei vielen Menschen die Frage aus: Wo leben wir eigentlich?«</p>
<p>Doch der Staat war zu gem&#228;&#223;igter Reaktion schon lange nicht mehr in der Lage. Jede &#196;u&#223;erung von Unmut und Protest wurde mit drakonischen Ma&#223;nahmen beantwortet. Das mussten auch die jungen Leute erfahren, die auf das Massaker in China mit einem sogenannten Trommelfasten und Klagegottesdiensten als Zeichen ihrer Trauer reagierten. Der Staat intervenierte massiv bei<br />
der Kirche, diese Aktionen sofort zu unterbinden und drohte unverh&#252;llt Zwangsma&#223;nahmen an. Er erreichte jedoch nur, dass die Au&#223;enwirkung dieser Demonstrationen begrenzt blieb; sie selbst konnte er nicht unterbinden. Wie die Staatssicherheit in ihren Berichten feststellte, »&#8230; waren beide Veranstaltungen geeignet und darauf ausgerichtet, die Politik der DDR, insbesondere die Informationspolitik, zu verunglimpfen, feindliche, oppositionelle Kr&#228;fte und deren Sympathisanten/Mitl&#228;ufer politisch negativ zu beeinflussen sowie den in j&#252;ngster Zeit feststellbaren zunehmenden Aktionismus derartiger Kr&#228;fte weiter zu f&#246;rdern«.</p>
<p>Tats&#228;chlich gingen die Trommelaktionen mit Kundgebungen vor allem vor der chinesischen Botschaft in Pankow einher, gegen die die Staatssicherheit in der schon gewohnten Weise einschritt. Auch hier wieder ein Bericht der Umweltbl&#228;tter : »Im Zusammenhang mit dem Terror gegen Studenten und Bev&#246;lkerung in China kam es in Berlin zu zahlreichen Demonstrationen mit dem Ziel der chinesischen Botschaft. Ziel war jeweils die &#220;berreichung von Protesterkl&#228;rungen gegen den Terror der Sicherheitsorgane &#8230; Gemeinsam ist, dass jeweils bis zu 50 Passanten an unterschiedlichen Punkten der Strecke zur Botschaft festgenommen wurden. Besonders brutal war das Vorgehen der Sicherheitsorgane am Donnerstag, den 22. Juni, als etwa ein weiterer Zug von der Pankower Kirche in Richtung chinesische Botschaft aufbrach. W&#228;hrend fr&#252;her Pfarrer und kirchliche Angestellte v&#246;llig unbehelligt blieben, wollten die Sicherheitsorgane diesmal offenbar ein Exempel statuieren. Zwei engagierte Diakone wurden verletzt, der eine, w&#228;hrend er festgenommen wurde und bewusst mit dem Kopf auf den Boden geschlagen wurde. Die Kopfwunden und eine Gehirnersch&#252;tterung ›infolge polizeilicher Einwirkung‹ wurden von einem Arzt best&#228;tigt. Der andere wurde w&#228;hrend der Vernehmung nackt ausgezogen und zusammengeschlagen, und zwar in der bewussten ›geschickten‹ Art, die h&#246;chstens als blaue Flecken resp.. sp&#228;terer Leberschaden sichtbar ist.«</p>
<p>Aus diesen versch&#228;rften Repressionsma&#223;nahmen wird die wachsender Nervosit&#228;t der Partei- und Staatsorgane sowie ihrer Sicherheitskr&#228;fte erkennbar. Denn nicht nur gegen die« offenen Proteste gegen die Politik der F&#252;hrung war diese zunehmend machtlos, sondern mehr noch gegen eine andere Form der Verweigerung &#8211; die sprunghaft steigenden Ausreiseantr&#228;ge. Schon im Oktober 1988 hatte Manfred Stolpe auf die Zuspitzung dieses Problems aufmerksam gemacht: »Man hat in der Gesellschaft verkannt, dass die &#228;u&#223;ere Anpassung an die Verh&#228;ltnisse dennoch innere Abwendung erm&#246;glicht. Das ist offenbar in nicht wenigen F&#228;llen geschehen, dass Menschen sich &#228;u&#223;erlich total angepasst haben bis hin zum Kirchenaustritt. Und aus diesem Kreis kommt die Masse der Antragsteller. Diese Menschen haben sich innerlich abgewendet und ihr Herz bereits &#252;ber die Mauer geworfen. Das ist meines Erachtens eine ganz zentrale Frage an die Gesellschaft: Was wurde falsch gemacht, dass Menschen zu solchen Haltungen kommen, dass sie zu solcher Anpassung erzogen und verbogen wurden? Jetzt r&#228;cht sich das.«</p>
<p>(Zur Ausreisewelle aus der DDR und zur Widerspiegelung der sich beschleunigenden Erosionsprozesse in ihren Medien folgt demn&#228;chst ein zweiter Teil.)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2009/05/07/vor-20-jahren-wahlmanipulation-und-ausreisewelle-befoerdern-die-erosion-eines-staates-teil-1/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ist nur die richtige Meinung richtig frei?</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2008/08/21/ist-nur-die-richtige-meinung-richtig-frei/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2008/08/21/ist-nur-die-richtige-meinung-richtig-frei/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 21 Aug 2008 16:35:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Minibuch]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Danhong Zhang]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Welle]]></category>
		<category><![CDATA[Ideologie]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Wertekanon]]></category>
		<category><![CDATA[Wiefelspütz]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/?p=403</guid>
		<description><![CDATA[Eine chinesische Journalistin hat Schwierigkeiten mit der Meinungsfreiheit. Eigentlich keine sonderlich sensationelle Nachricht, denn inzwischen wissen wir aus unz&#228;hligen Berichten, dass derlei wohl allgemeine Praxis ist. Journalisten werden indoktriniert, in ihrer Arbeit behindert, verfolgt, verhaftet, verpr&#252;gelt, m&#252;ssen um ihr Leben f&#252;rchten. Nun also Danhong Zhang, auch wenn es ganz so gef&#228;hrlich f&#252;r sie nicht aussieht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine chinesische Journalistin hat Schwierigkeiten mit der Meinungsfreiheit. Eigentlich keine sonderlich sensationelle Nachricht, denn inzwischen wissen wir aus unz&#228;hligen Berichten, dass derlei wohl allgemeine Praxis ist. Journalisten werden indoktriniert, in ihrer Arbeit behindert, verfolgt, verhaftet, verpr&#252;gelt, m&#252;ssen um ihr Leben f&#252;rchten.</p>
<p>Nun also Danhong Zhang, auch wenn es ganz so gef&#228;hrlich f&#252;r sie nicht aussieht. Aber immerhin: Ein hoher Parteifunktion&#228;r hat ihre Kommentare zur chinesischen Politik als eine »einzige Katastrophe« bezeichnet. Die Leistungen dieser Journalistin w&#252;rden den Aufgaben des Mediums, bei dem sie arbeitet, nicht gerecht. Dass Danhong Zhang nichts Schlimmeres passiert ist, hat einen einfachen Grund: Sie lebt in Deutschland und arbeitet f&#252;r den chinesischen Dienst der Deutschen Welle. <span id="more-403"></span>Da muss man nicht gleich um sein Leben f&#252;rchten, wenn man auf Meinungsfreiheit besteht, wird nicht verpr&#252;gelt, verhaftet, verfolgt. Ob nicht in der Arbeit behindert oder indoktriniert, wird man sehen, denn inzwischen ist – von oppositionellen China-Websites hierzulande angesto&#223;en – eine <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0820/media/0034/index.html" target="_blank">kleine Kampagne</a><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/85dd25b2fa164653935030cc896fbfef" width="1" height="1" alt=""> gegen sie angelaufen. Sie hat in ihren Sendungen, aber auch in Talkshows und Interviews <a href="http://www.ksta.de/html/artikel/1209912094886.shtml" target="_blank">ihre Meinung </a>gesagt. Zum Beispiel: »Ich streite &#252;berhaupt nicht ab, dass in China tagt&#228;glich Menschenrechte verletzt werden. Mein Kritikpunkt ist, dass nur &#252;ber negative Dinge berichtet wird. Auf Fortschritte wird nicht geguckt. Bei so einem riesigen Land wie China mit dieser komplizierten Entwicklung w&#252;nsche ich mir mehr fundierte Hintergrundberichte.« Oder: »Ich habe bis 1988 ja selbst in China gelebt, damals war es wirklich schlimm. Das war mit ein Grund, warum ich meinem Heimatland den R&#252;cken gekehrt habe. Im Vergleich zu damals genie&#223;t die Mehrheit der Chinesen heute sehr viel mehr Freiheiten. Wenn man aber hier in die Zeitungen guckt, denkt man, dass China ein ganz schlimmes, b&#246;ses Land ist, das Menschenrechte mit F&#252;&#223;en tritt.« Es gibt weitere Aussagen, die man nicht teilen muss, aber wohl aushalten kann. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelsp&#252;tz, aber will sie nicht als Journalistenmeinung, die er ansonsten weltweit vehement und zu Recht verteidigt, anerkennen, sondern diffamiert sie ganz im Stile chinesischer Parteifunktion&#228;re: »Die Dame hat die Zensurversuche der chinesischen Regierung bereits im Kopf.«</p>
<p>Die Deutsche Welle, ihr Arbeitgeber, steht noch zu ihr, verbindet das aber doch schon mit einer kaum versteckten Mahnung: »Gest&#252;tzt auf langj&#228;hrige Erfahrung wissen wir, dass Frau Zhang den umfassenden Wertekanon der Deutschen Welle ohne Einschr&#228;nkung teilt und dies in ihrer t&#228;glichen journalistischen Arbeit vorbildlich unter Beweis stellt«, erkl&#228;rte der Sender. Interessant daran ist der Begriff »Wertekanon«. Ist seine Beachtung eine Voraussetzung f&#252;r journalistische Meinungsfreiheit hierzulande? Beschreibt er etwa Grenzen freier journalistischer Meinungs&#228;u&#223;erung, die man anderswo niemals akzeptieren w&#252;rde? Ist er letztlich nur ein anderes Wort f&#252;r »ideologischer Standpunkt«, wie er von Journalisten der real-sozialistischen Medien verlangt wurde und in China noch wird? Ist also auch hier am Ende nur die richtige Meinung richtig frei?</p>
<p>P.S. 23.08.08:<br />
Sehr schnell hat die Deutsche Welle auf die hier gestellten Fragen geantwortet – vorbehaltlos mit »Ja«, also zugunsten ihres »Wertekanons« und zuungunsten der Meinungsfreiheit. Danhong Zhang wurde <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0822/media/0075/index.html" target="_blank">»von ihrer Arbeit am Mikrofon entbunden«</a>. Damit reagierte die Deutsche Welle auf eine mutige Journalistin im Grundsatz so, wie es hierzulande immer wieder den chinesischen Beh&#246;rden vorgeworfen wird.</p>
<p>P.S. 25.09.08:</p>
<p>Und es gibt sogar noch <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0925/media/0032/index.html" target="_blank">weiter gehende Forderungen</a>, die sich die Deutsche Welle allerdings bisher nicht zu eigen gemacht hat, daf&#252;r aber sehr aggressiv die <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EAAE59FB7B33640A9BB9F99950343FFF9~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Frankfurter Allgemeine</a>, wie j&#252;ngst bei <strong><a href="http://www.mein-parteibuch.com/blog/2008/09/30/rechte-publizisten-haben-ein-problem-mit-der-meinungsfreiheit/" target="_blank">mein-parteibuch.com</a></strong> zu lesen war. Sie laufen auf eine versch&#228;fte Kontrolle und daraus folgende Einschr&#228;nkung der Medienfreiheit hinaus &#8211; m&#246;glicherweise bis hin zur Chinesierung der hiesigen Verh&#228;ltnisse.</p>
<p>P.S. 17.10.08:</p>
<p>Aber es gibt &#8211; gl&#252;cklicherweise &#8211; auch Widerstand gegen die versuchte Gleichschaltung der Medien durch unverbesserliche Ideologen &#8211; wie einem <a href="http://www.mein-parteibuch.com/blog/2008/10/16/ein-anderer-offener-brief-an-die-deutsche-welle/" target="_blank">Brief zahlreicher, kommunistischer Umtriebe unverd&#228;chtiger Pers&#246;nlichkeiten der Bundesrepublik </a>zu entnehmen ist.</p>
<p>P.S. 20.11.08:</p>
<p>Nun hat der <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/878230/" target="_blank">Intendant der Deutschen Welle </a>nach einer gr&#252;ndlichen &#220;berpr&#252;fung der China-Berichterstattung seines Senders alle Vorw&#252;rfe zur&#252;ckgewiesen und von einer Kampagne gesprochen. Neben dieser klaren Stellungnahme ist an seinen &#196;u&#223;erungen vor allem interessant, wie versucht wurde, bei der Sendet&#228;tigkeit der Deutschen Welle f&#252;r China das Gebot journalistischer Objektivit&#228;t au&#223;er Kraft zu setzen &#8211; zugunsten einer einseitigen antichineischen Propaganda. Wer, so stellt sich die Frage, ist hier also der Verteidiger und wer der Feind von Meinungsfreiheit?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2008/08/21/ist-nur-die-richtige-meinung-richtig-frei/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der olympische Geist als mediales Gespenst</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2008/08/07/der-olympische-geist-als-mediales-gespenst/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2008/08/07/der-olympische-geist-als-mediales-gespenst/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 15:18:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Maxibuch]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Danckert]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Olympische Spiele]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/?p=390</guid>
		<description><![CDATA[Eigentlich sollten Olympische Spiele zu Anfang dieses Jahrhunderts in Deutschland stattfinden – in Berlin 2000 oder in Leipzig 2012. Das ist inzwischen ziemlich in Vergessenheit geraten – zu Recht und zum Gl&#252;ck. Denn sonst h&#228;tten wir in den weltweiten Medien m&#246;glicherweise Schreckliches &#252;ber uns lesen k&#246;nnen. Zum Beispiel: »Das Land der Kindesm&#246;rder. Immer wieder lassen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich sollten Olympische Spiele zu Anfang dieses Jahrhunderts in Deutschland stattfinden – in Berlin 2000 oder in Leipzig 2012. Das ist inzwischen ziemlich in Vergessenheit geraten – zu Recht und zum Gl&#252;ck. Denn sonst h&#228;tten wir in den weltweiten Medien m&#246;glicherweise Schreckliches &#252;ber uns lesen k&#246;nnen. <span id="more-390"></span>Zum Beispiel: »Das Land der Kindesm&#246;rder. Immer wieder lassen grausame Deutsche ihre Kinder verhungern und verdursten«. Oder: »Die Plage der Kindersch&#228;nder. Deutsche Justiz &#252;bt Nachsicht gegen&#252;ber sexuellen Unholden«. Aber auch: »Kohlendioxid vergiftet deutsche St&#228;dte. Autoindustrie verhindert aus Gewinnstreben Gesundheitsschutz«. Schlie&#223;lich: »Totale &#220;berwachung mit deutscher Gr&#252;ndlichkeit. Sicherheitsdienste dringen heimlich in Computer unbescholtener B&#252;rger ein«. Manches klingt vielleicht ein wenig &#252;bertrieben, aber hat es nicht s&#228;mtlich einen wahren Kern? Und ist der Rest nicht Meinungsfreiheit, die sich doch keiner nehmen lassen soll?</p>
<p>So jedenfalls wird gegenw&#228;rtig gegen&#252;ber China argumentiert, das nun die Spiele tats&#228;chlich ausrichtet. Und damit auch eine derartige Berichterstattung ertragen muss, bei der manches ein wenig &#252;bertrieben klingt, aber doch wohl einen wahren Kern hat. Und daraus werden dann dieser Tage solche Schlagzeilen – alle aus den Programmen unserer Fernsehsender entnommen: »Chinas gestohlene Kinder. Rund 70000 Kinder werden in China j&#228;hrlich verkauft«. Oder: »Drill, Kader und Gesang. Chinas Kinder« Oder: Das chinesische M&#228;dchen und die M&#228;nner. Junge M&#228;dchen werden entf&#252;hrt und an solvente Singles verkauft«. Oder: »Chinas Autowahn. F&#252;r die automobile Revolution zahlen die Chinesen einen hohen Preis«. Oder: Chinas K&#228;mpfer f&#252;r die Wahrheit. Auch im Reich der Mitte gibt es Journalisten, die &#252;ber Korruption, Umweltzerst&#246;rung und Menschenrechtsverletzungen berichten«. Die gedruckten Medien schlagen den gleichen Ton an; &#228;hnlich tendenzi&#246;se &#220;berschriften lassen sich derzeit zuhauf finden. Es gibt nat&#252;rlich auch anderes, doch das bleibt deutlich in der Minderheit. In unseren Medien wird der olympische Geist, um dessen Aufleben sich die Chinesen durchaus aufopferungsvoll bem&#252;hen, zum h&#228;sslichen Gespenst, und ihr Land zu einer Gruselzone, deren Zust&#228;nde dem rechtschaffenen B&#252;rger Schauder &#252;ber den R&#252;cken laufen lassen sollen.</p>
<p>H&#228;tten die Weltmedien wie eingangs beschrieben &#252;ber ein denkbares Olympialand Deutschland berichtet, w&#228;re es hier zu Recht zu einem Sturm der Emp&#246;rung gekommen, obwohl es die genannten Erscheinungen nat&#252;rlich durchaus gibt. Wie auch die chinesische Wirklichkeit nicht nur von Harmonie und Sonnenschein gepr&#228;gt ist, so gern das die Verantwortlichen auch behaupten – was sie kaum von Amtspersonen hierzulande unterscheiden d&#252;rfte. Doch das chinesische Unverst&#228;ndnis, Proteste gar sind a priori Besch&#246;nigung der Wirklichkeit oder auch Verletzung der Meinungsfreiheit, wenn nicht gleich die Fratze eines totalit&#228;ren Staates.</p>
<p>Dabei ist es selbstverst&#228;ndlich l&#228;cherlich, wie empfindlich das offizielle China auf manche westliche Arroganz reagiert, wodurch diese beinahe noch geadelt wird. Es ist die dem einstigen DDR-B&#252;rger durchaus gel&#228;ufige Denkweise, dass nicht sein darf, was nicht sein kann, die da noch immer grassiert. Wenn ein sich kommunistisch nennendes Land, das seinen wirtschaftlichen Aufstieg vor allem kapitalistischen Methoden, darunter solchen der vulg&#228;rsten Art, verdankt, die Olympischen Spiele ausrichtet, dann hat das immer und durchg&#228;ngig eine totale Erfolgsgeschichte zu sein; jeder weggeworfene Pappbecher tr&#252;bt dann das erstrebte Bild absoluter Harmonie zwischen Staat, Bev&#246;lkerung und internationalem Publikum, und einige Plakate oder Passanten&#228;u&#223;erungen gegen die Regierungspolitik werden zum Super-GAU. Da ist es dann auch leicht, diese mimosenhafte Staatsmacht zu provozieren; ein scheeler Blick gen&#252;gt mitunter schon, um eine Kompanie Sicherheitspersonal in Marsch zu setzen. Nicht wirklicher Aufruhr, sondern die &#252;berinterpretierte Abweichung vom Verlangten wird zur sich selbst erf&#252;llenden Prophezeiung der Katastrophe.</p>
<p>All diese w&#228;re ohne Zweifel hochinteressanter Stoff f&#252;r psychologische Seminare zur Herrschaftsaus&#252;bung; es eignet sich aber zugleich f&#252;r die politische Brunnenvergiftung – indem man zum Beispiel den Nichtempfang einer Internetseite der tibetischen Exilregierung zu einer Art Kriegserkl&#228;rung an jegliche Olympiaberichterstattung hochstilisiert. Hier begibt sich der Kritiker flugs ins Fahrwasser der Kritisierten, indem er &#228;hnlich &#252;berzogen reagiert. Den Vogel dabei hat wohl der Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, Peter Danckert (SPD), abgeschossen, der verlangte, China – und nat&#252;rlich Milliarden Sportanh&#228;nger auf der ganzen Welt – dadurch zu bestrafen, dass die Er&#246;ffnungsfeier nicht im Fernsehen &#252;bertragen wird; er verlangte also die Bek&#228;mpfung einer »kleinen« chinesischen Zensur durch eine totale, weltweite Zensur. Ihn selbst freilich hindert das »unertr&#228;gliche« Verhalten der Chinesen nicht daran, an der Spitze einer Bundestagsdelegation nach Peking zu reisen.<br />br><br />
Es sind nicht nur solche Glaubw&#252;rdigkeitsdefizite, die die gegenw&#228;rtige Kampagne gegen China als pure Heuchelei entlarven, die man sp&#228;testens dann vergessen hat, wenn die n&#228;chste Wirtschaftsdelegation – und dann vielleicht gar mit der jetzt urlaubenden Angela Merkel an der Spitze – ins Land der Mitte reist. Woher eigentlich nimmt der Westen, nimmt EU-Europa das Recht, China wegen seiner Entwicklung Vorhaltungen zu machen und so genannte gute Ratschl&#228;ge zu erteilen? Von Europa gingen immerhin zwei Weltkriege mit Millionen Toten aus, und auch heute spielt der Kontinent in der Welt eine sehr zwiesp&#228;ltige Rolle, die weniger auf Frieden und Ausgleich als auf die Erringung neuer Machtpositionen ausgerichtet ist. Auch die USA, deren Pr&#228;sident gerade wieder Mahnungen an China gerichtet hat, haben die sie ihrer Geschichte wegen vielleicht daf&#252;r pr&#228;destinierende Rolle, anderen V&#246;lkern bei der Nationenbildung als Vorbild zu dienen, l&#228;ngst verspielt, indem sie nur noch ihre eigenen Interessen im Blick haben und diese zudem als ein Weltgendarm durchzusetzen versuchen.</p>
<p>Die Unglaubw&#252;rdigkeit und gleichzeitige Heftigkeit der gegenw&#228;rtigen Angriffe gegen China legen – wie auch bei vergleichbaren Vorg&#228;ngen im t&#228;glichen Leben – die Vermutung nahe, dass es weniger um das geht, was da plakativ an der Oberfl&#228;che verhandelt wird, sondern um dahinter, tiefer Liegendes, das man jedoch sorgsam verbergen m&#246;chte. Dies aber ist wohl die alte Urangst , die seit je das Verh&#228;ltnis des »Abendlandes« zum fern&#246;stlichen Riesenreich bestimmt, einem Reich, das schon eine entwickelte Kultur vorweisen konnte, als Europa gerade die Steinzeit hinter sich gebracht hatte – von den weltgeschichtlich noch heute in der Pubert&#228;t befindlichen Vereinigten Staaten ganz zu schweigen. Jahrzehntelang von den westlichen M&#228;chten beherrscht und unterdr&#252;ckt, zu denen freilich auch Russland geh&#246;rte (mit dem es prompt auch zuerst zu Konflikten kam), befindet sich China seit einigen Jahren in einem rasanten Aufschwung. »Schon jetzt ist China die viertgr&#246;&#223;te Wirtschaftsmacht, sein politischer Einfluss steigt stetig, es besitzt die gr&#246;&#223;ten Devisenreserven der Welt. Sp&#228;testens im Jahr 2040 d&#252;rfte China zur Nummer eins der Weltwirtschaft aufsteigen und an den Vereinigten Staaten vorbeiziehen, wahrscheinlich fr&#252;her. In der Rangliste der Exportnationen liegt das Land auf Platz zwei. Bald wird es Deutschland als Exportweltmeister &#252;berholen, im Sport ist es den Deutschen schon uneinholbar enteilt«, fasste k&#252;rzlich die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« die Gefahr zusammen, die sie der westlichen Dominanz drohen sieht. Und nun erschreckt davor zittert, dass eine Weltmacht China &#228;hnlich dominant gegen&#252;ber dem Westen auftreten k&#246;nnte, wie dieser es bisher bez&#252;glich der anderen Himmelsrichtungen tat.</p>
<p>Die Furcht sei den arroganten Weltbherrschern der Vergangenheit geg&#246;nnt. Uns aber sollten wir Olympische Spiele g&#246;nnen, in denen vor allem der Sport zu Wort und Bild kommt und sich selbst ein Fest bereitet, das glanzvoll zu werden verspricht. Dies wird zwar die noch vorhandenen Defizite in China nicht vergessen machen, ihnen aber den angemessenen Platz zuweisen – als Herausforderungen f&#252;r die Zukunft, f&#252;r die bereits das Fundament gelegt ist, auf dem sich weiterbauen l&#228;sst. Mancher, der sich den Chinesen derzeit so sehr &#252;berlegen d&#252;nkt, sollte einen Blick in die von Grausamkeiten und permanenten Menschenrechtsverletzungen gepr&#228;gte Geschichte Europas werfen und daran denken, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut worden ist. Peking ist auf dem Weg und schon weiter, als uns derzeit die Medien suggerieren wollen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2008/08/07/der-olympische-geist-als-mediales-gespenst/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Koch-Show mit Dalai Lama</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2008/05/15/koch-show-mit-dalai-lama/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2008/05/15/koch-show-mit-dalai-lama/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 May 2008 13:47:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Minibuch]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Dalai Lama]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbeben]]></category>
		<category><![CDATA[Ideologie]]></category>
		<category><![CDATA[Tibet]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/2008/05/15/koch-show-mit-dalai-lama/</guid>
		<description><![CDATA[Am gegenw&#228;rtigen Umgang mit China zeigt sich einmal mehr der zutiefst provinzielle Charakter deutscher Politik. W&#228;hrend in den Nachrichten aus der Provinz Sichuan die Zahl der Erdbebenopfer &#252;ber die 50000 hinausschnellt, w&#228;hrend 100000 Soldaten und kaum weniger zivile Helfer unaufh&#246;rlich versuchen, unter kompliziertesten Bedingungen Menschenleben zu retten, w&#228;hrend immer mehr Menschen rund um den Erdball [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Am gegenw&#228;rtigen Umgang mit China zeigt sich einmal mehr der zutiefst provinzielle Charakter deutscher Politik. W&#228;hrend in den Nachrichten aus der Provinz Sichuan die Zahl der Erdbebenopfer &#252;ber die 50000 hinausschnellt, <span id="more-360"></span>w&#228;hrend 100000 Soldaten und kaum weniger zivile Helfer unaufh&#246;rlich versuchen, unter kompliziertesten Bedingungen Menschenleben zu retten, w&#228;hrend immer mehr Menschen rund um den Erdball Solidarit&#228;t &#252;ben, gibt es f&#252;r deutsche Parteipolitiker kein wichtigeres China betreffendes Thema als – ob, wer, wann, wo und wie lange den zuf&#228;llig gerade in Deutschland weilenden <a target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0515/feuilleton/0003/index.html">Dalai Lama </a>allein zu dem Zwecke empf&#228;ngt, gegen&#252;ber China ein wenig die Faust zu ballen.</p>
<p>Es geht der Politik nicht um die sonst so gern um fehlender Menschenrechte bedauerten einfachen Chinesen, die gegenw&#228;rtig um das wichtigste Menschenrecht, ihr nacktes Leben, k&#228;mpfen, es geht ihr auch nicht wirklich um den religi&#246;sen F&#252;hrer der Tibeter, den sie l&#228;ngst zum Joker im eigenen machtpolitischen Spiel verkommen lie&#223; – ihr geht es nur um die Fortsetzung alter ideologisch gepr&#228;gter Machtdemonstration und nicht zuletzt um <a target="_blank" href="http://www.freitag.de/2008/20/08200501.php">Gel&#228;ndegewinn vor kommenden Wahlk&#228;mpfen</a>. Das gro&#223;e und mit seinem unerwarteten wirtschaftlichen Aufschwung zunehmend zum Konkurrenten werdende China macht westlichen Politikern Angst; der im kalten Krieg jahrzehntelang einge&#252;bte Reflex hei&#223;t Abwehr, Diffamierung, Konfliktaufbau. Und zu Hause schielt man auf die Schlagzeilen, die eine &#252;berwiegend ebenfalls derart ideologisch gepr&#228;gte Medienlandschaft zu liefern verspricht.</p>
<p>Den Chinesen in ihrer derzeitigen Not hilft das alles nichts – und soll es auch gar nicht. Es hilft nicht einmal dem Dalai Lama, wenn ausgerechnet ein Roland Koch sich zum f&#252;hrenden Menschenrechtler des Landes aufschwingt und sich als sein bester Freund geriert, was der Dalai Lama freilich kritiklos geschehn l&#228;sst. Seine Rolle in der Koch-Show ist die eines Statisten, den man gegen den politischen Gegner hierzulande ebenso in Stellung zu bringen versteht wie gegen den neuen global player in Asien. Es ist eine kurzsichtige, wenig souver&#228;ne Politik – ganz auf den Niveau provinzieller Tingeltangel-Darbietungen.</p>
<p></font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2008/05/15/koch-show-mit-dalai-lama/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sehnsucht nach dem Kalten Krieg</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2008/04/26/sehnsucht-nach-dem-kalten-krieg/</link>
		<comments>http://www.blogsgesang.de/2008/04/26/sehnsucht-nach-dem-kalten-krieg/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Apr 2008 20:20:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Minibuch]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[BND]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Kalter Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Oppermann]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blogsgesang.de/2008/04/26/sehnsucht-nach-dem-kalten-krieg/</guid>
		<description><![CDATA[Beim krampfhaften Bem&#252;hen, den j&#252;ngsten BND-Skandal m&#246;glichst weit entfernt von der Berliner Regierungszentrale, die doch gleichwohl f&#252;r die Anleitung und Kontrolle des Auslandsgeheimdienstes zust&#228;ndig ist, zu halten, ist dem SPD-Vorsitzenden des – auch durch sein Wirken – zahnlosen Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) j&#252;ngst eine aufschlussreiche Bemerkung entschl&#252;pft. Er warb f&#252;r Geduld mit einem BND, »der aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Beim krampfhaften Bem&#252;hen, den <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,549533,00.html">j&#252;ngsten BND-Skandal </a>m&#246;glichst weit entfernt von der Berliner Regierungszentrale, die doch gleichwohl f&#252;r die Anleitung und Kontrolle des Auslandsgeheimdienstes zust&#228;ndig ist, zu halten, ist dem SPD-Vorsitzenden des – auch durch sein Wirken – zahnlosen Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) j&#252;ngst eine aufschlussreiche Bemerkung entschl&#252;pft. <span id="more-358"></span>Er warb f&#252;r <a target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0424/politik/0038/index.html">Geduld mit einem BND</a>, »der aus dem Kalten Krieg kommt« und sich in der multipolaren Welt erst orientieren m&#252;sse.l</p>
<p>Abgesehen davon, dass die »multipolare Welt« inzwischen schon fast 20 Jahre besteht und man zu einem Geheimdienst, dem es in dieser langen Zeit nicht gelang, sich auf die neuen Verh&#228;ltnisse einzustellen, nur wenig Vertrauen haben kann, da eigentlich das schnelle Einstellen auf neue Situationen eine der tragenden Aufgaben von Geheimdiensten ist. Abgesehen davon, dass Oppermann damit einr&#228;umt, dass fr&#252;her, im »Kalten Krieg«, die Anwendung rechtsstaatswidriger Methoden zum offensichtlich &#252;blichen Vorgehen des BND geh&#246;rte – und zwar so intensiv, dass er auch nach Jahrzehnten davon nicht lassen kann. Abgesehen also von diesen Merkw&#252;rdigkeiten muss man ansonsten den BND in dieser Sache jedoch freisprechen. Denn die Orientierung in einer »multipolaren Welt« gelingt nicht nur dem BND nicht; vor allem ist die Bundesregierung noch lange nicht in ihr angekommen. Sie ist es, die noch in den Kategorien des Kalten Krieges denkt und gar nicht so selten au&#223;enpolitische Ma&#223;nahmen danach ausrichtet.</p>
<p>So werden zum Beispiel Russland oder China, einst ideologische Gegner mit betr&#228;chtlichem milit&#228;rischem Drohpotential, teilweise noch immer als solche wahrgenommen und im Stile alter Kalter-Kriegs-Propaganda attackiert – ungeachtet dessen, dass sie sowohl ideologisch mit den fr&#252;heren kommunistischen M&#228;chten gar nicht oder kaum noch vergleichbar sind als auch milit&#228;risch l&#228;ngst keine Bedrohung mehr darstellen und auch nicht darstellen wollen. Daf&#252;r wurden sie zu stinknormalen Konkurrenten des Westens auf wirtschaftlichem Gebiet, wetteifern sie recht erfolgreich mit ihm um M&#228;rkte und Rohstoffe. Die Verunsicherung der USA und der EU &#252;ber diesen Paradigmenwechsel l&#228;sst bei ihnen jene seltsame Sehnsucht nach dem Kalten Krieg aufkommen, die wir in j&#252;ngster Zeit verst&#228;rkt beobachten konnten. Ach, wie war doch die Welt damals noch verstehbar; man musste wenig Intelligenz aufbringen, um Freund und Feind zu unterscheiden.</p>
<p>Gleiches gilt &#252;brigens f&#252;r den Umgang mit L&#228;ndern der Drittten Welt, vor allem dann, wenn man sie abh&#228;ngig von der eigenen Gnade w&#228;hnt. Zum Beispiel Afghanistan, wo deutsche Soldaten angeblich stehen, um dem Land Frieden und Demokratie zu bringen. Tats&#228;chlich jedoch verfolgt auch die Bundesregierung am Hindukusch ganz eigenn&#252;tzige Ziele, wobei jene des Anti-Terror-Kampfes keineswegs die wichtigsten sind. Es geht um Macht und Einfluss in einer Region, der man f&#252;r die Zukunft strategische Bedeutung beimisst. Und da geh&#246;rt es zum Gesch&#228;ft, auch eine angeblich befreundete Regierung zu bespitzeln. Das Misstrauen aus den Zeiten des Kalten Krieges ist von der Bundesregierung konserviert worden; muss man sich da wundern, dass ihr Geheimdienst nichts dabei findet, mit den damaligen Methoden auch heute noch vorzugehen? Auf diese Zusammenh&#228;nge – gewiss ungewollt – hingewiesen zu haben, daf&#252;r geb&#252;hrt Thomas Oppermann, dem obersten Geheimdienst-Verteidiger der Sozialdemokraten, unser aller Lob.</p>
<p></font></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.blogsgesang.de/2008/04/26/sehnsucht-nach-dem-kalten-krieg/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

