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	<title>blogsgesang.de &#187; Diebstahl</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Der gute Mensch vom Supermarkt</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 21:38:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Bei meinem heutigen Besuch im Supermarkt hatte ich ein denkw&#252;rdiges Erlebnis, ausgel&#246;st von einem elegant gekleideten, sorgf&#228;ltig frisierten und gegelten Herren, der nicht deswegen, sondern wegen einer wirklichen Lappalie ganz unvermittelt in den Strudel unerquicklicher Ereignisse geriet<span id="more-2502"></span>, aus denen er jedoch unter dem Beifall einer deutlichen Mehrheit der Supermarktkunden souver&#228;n herausfand.</p>
<p>Es hatte ganz profan begonnen. Der Herr steuerte zielgerichtet auf das Regal mit den alkoholischen Getr&#228;nken zu, griff zielgerichtet in die obere Reihe, wo gew&#246;hnlich die Flaschen mit dem h&#246;chsten Preisvermerk stehen, und nahm sich eine davon. Sorgf&#228;ltig pr&#252;fte er Etikett und das prachtvolle &#228;u&#223;ere Bild, um sie sodann unter seinem weiten bayerischen Lodenmantel zur Kasse zu tragen. Dort hatte sich eine betr&#228;chtliche Schlange gebildet, an deren Ende der Gentleman einige Zeit h&#228;tte zubringen m&#252;ssen, was ihn vermutlich von hochwichtigen Gesch&#228;ften abzuhalten drohte. Deshalb tat er das einzig Richtige und schob sich an der langen Schlange, die von Kunden im Seniorenalter, die bekanntlich oft Schwierigkeiten haben, ihrer Geldb&#246;rse den geforderten Zahlbetrag z&#252;gig und korrekt zu entnehmen und dazu die Hilfestellung der Kassiererin erwarten, dominiert wurde, vorbei und strebte dem Ausgang respektive seinen unaufschiebbaren Gesch&#228;ften zu.</p>
<p>Die Flasche edlen Alkohols hatte er in der Eile nicht zur&#252;ckstellen k&#246;nnen, was die Kassiererin unverst&#228;ndlicherweise zu &#252;bler Nachrede veranlasste. Die Flasche unter ihrem Mantel, die haben Sie nicht bezahlt, sagte sie &#252;bertrieben laut. »Der Vorwurf, diese Flasche sei gestohlen, ist abstrus«, erkl&#228;rte der noble Herr emp&#246;rt und war schon beinahe am Ausgang, als ihm ein dort unauff&#228;llig herumlungernder Mann, offensichtlich mit der stasim&#228;&#223;igen &#220;berwachung der Kunden beauftragt, in den Weg trat. Er verlangte von ihm den Kassenzettel f&#252;r die Schnapsflasche, doch der Vornehme machte nicht einmal Anstalten, sie in seiner Tasche zu suchen, sondern rief statt dessen aus: »Diese Flasche ist kein Diebesgut, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. In harter Arbeit stehend und f&#252;r meine junge Familie sorgend, erledige ich in m&#252;hevoller Kleinarbeit auch noch die hausfraulichen Eink&#228;ufe, wobei mir gewiss gelegentlich Fehler unterlaufen. Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst get&#228;uscht oder bewusst die Flasche aus dem Markt getragen.«</p>
<p>Den missg&#252;nstigen Mann am Eingang &#252;berzeugte das seltsamerweise nicht. Er zeigte noch immer auf die Flasche und verlangte den Kassenzettel, drohte sogar mit der Polizei. Um des lieben Friedens willen lenkte der feine Herr ein und sagte: »Vielleicht habe ich doch einen gravierenden Fehler gemacht, indem ich in meiner &#220;berforderung und weil ich in Ihrem Supermarkt den &#220;berblick verloren habe, die Flasche nicht an den richtigen Ort zur&#252;ckstellte. Aber ich wiederhole, ich habe diesen Fehler nicht bewusst gemacht. Ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form get&#228;uscht und muss mich nat&#252;rlich auch selbst fragen: Wie konnte das geschehen, wie konnte das passieren?« Und in einer gro&#223;herzigen Geste streckte er dem Mann am Eingang die wertvolle Flasche entgegen: »Hiermit m&#246;chte ich Sie bitten, diese Flasche zur&#252;ckzunehmen. Dieser Schritt ist f&#252;r mich besonders schmerzhaft, aber er ist eine Konsequenz aus meinen Fehlern. Er ist auch notwendig, um bereits eingetretenen Schaden f&#252;r diesen hervorragenden Supermarkt zu begrenzen.«</p>
<p>Der sture Supermarkt-Bewacher jedoch verstand die noble Geste nicht zu w&#252;rdigen. Er redete davon, so leicht k&#246;nne man die Sache nicht aus der Welt schaffen und verlangte den Ausweis des gut betuchten Manteltr&#228;gers. »Ich habe mich doch aufrichtig und von Herzen entschuldigt und wiederhole das noch einmal. Ich habe die Konsequenzen gezogen und die Flasche zur&#252;ckgegeben. Es entsteht doch Ihrem Supermarkt kein weiterer Schaden, wenn man sich f&#252;r einen Fehler entschuldigt«, versuchte es der Beschuldigte nun schon mit beinahe adliger Noblesse noch einmal. Aber weiter ohne Erfolg, so dass ihm nun verst&#228;ndlicherweise der Kragen platzte. »Ich habe mehrfach darauf verwiesen, dass ich ein Mensch mit Fehlern und Schw&#228;chen bin und dass ich trotzdem mir den Anspruch setze, weiterhin als Vorbild, auch was das Eingestehen und das Bekennen von Fehlern anbelangt, wirken kann.«   Und er erhob den Zeigefinger zu bedeutsamer Geste: »Diese Unterscheidung ist eine, die man auch anlegen sollte, wenn man Urteile &#252;ber andere bildet, weil es ein Urteil ist, das nat&#252;rlich eine strafrechtliche Relevanz in sich tragen k&#246;nnte.«</p>
<p>Das hatte gesessen. Ehe der Supermarkt-Schlie&#223;er etwas sagen konnte, brandete in der gesamten Halle st&#252;rmischer Beifall los. Er hat recht, er hat recht. Lassen Sie ihn, lassen Sie ihm den Schnaps. Er ist so ein guter Mensch, so gut gek&#228;mmt, so gut angezogen, so wohlriechend. Und wie gut er redet. Endlich mal einer, der Euch Kr&#228;merseelen sagt, was Sache ist. Wir stehen zu ihm, mehr noch, wir eifern ihm nach. Und fast alle schritten unges&#228;umt zum Schnapsregal und holten sich eine Flasche, bevorzugt aus der oberen Reihe, gingen damit hoch erhobenen Hauptes an Kassiererin und Wachtposten vorbei, rissen den feinen Herrn mit und eilten nach Hause. Sie hatten begriffen, worauf es heute, da ganz Arabien von einer einzigen Revolution ergriffen ist, ankommt – darauf, endlich die Diktatur der Gesetze abzusch&#252;tteln und ein freier Mensch zu sein, frei von aller Bevormundung, und k&#228;me sie just so harmlos wie mit Anf&#252;hrungszeichen daher.</p>
<p>P.S. Um den guten Menschen vom Supermarkt nicht erneut in eine dumme Lage zu bringen, gebe ich hiermit vorsorglich bekannt, dass alle <a href="http://www.tagesschau.de/inland/guttenberg706.html" target="_blank">in Anf&#252;hrungszeichen gesetzten Textteile</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/fd5b2610131e4e498f77b307ea57dfef" alt="" width="1" height="1" /> in Wirklichkeit nicht von ihm stammen, sondern in wesentlichen Formulierungen vom guten Menschen im Bundeskabinett, dem Verteidigungsminister Dr. Karl Theodor zu Guttenberg. Ehre, wem Ehre geb&#252;hrt.</p>
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		<title>Schweizer Bankdaten und die Moral der Kriminellen</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 13:24:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wieder einmal sind die Egomoralisten unterwegs, jene also, die sich ihre moralischen Ma&#223;stabe nach dem eigenen Vorteil zurechtbiegen. F&#252;r sie ist der Diebstahl von Daten, die Aufschluss &#252;ber heimliche Steuerhinterziehung geben, nat&#252;rlich ein schweres Vergehen – viel schwerer wiegend als das urspr&#252;ngliche Delikt, der Diebstahl von Geldern, die nach Recht und Gesetz dem Staat, also [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder einmal sind die Egomoralisten unterwegs, jene also, die sich ihre moralischen Ma&#223;stabe nach dem eigenen Vorteil zurechtbiegen. F&#252;r sie ist der Diebstahl von Daten, die Aufschluss &#252;ber heimliche Steuerhinterziehung geben, nat&#252;rlich ein schweres Vergehen <span id="more-1467"></span>– viel schwerer wiegend als das urspr&#252;ngliche Delikt, der Diebstahl von Geldern, die nach Recht und Gesetz dem Staat, also der Allgemeinheit zustehen. Nichts anderes ist schlie&#223;lich im Kern Steuerhinterziehung.</p>
<p>Bei der Beurteilung solcher F&#228;lle, die von den Delinquenten oft verkompliziert werden, damit man ihr Wesen nicht erkennt, empfiehlt es sich mitunter, den von Angela Merkel einst ins Gespr&#228;ch gebrachten Standpunkt einer »schw&#228;bischen Hausfrau« einzunehmen, sprich: den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Danach ist der Diebstahl der Schweizer Kontendaten in dieser Sache nicht der erste Gesetzesbruch, sondern ihm ging ein anderer bereits voraus, der Diebstahl von Steuergeld. Vereinfacht: Jemand hat einem anderen etwas gestohlen. Nun kommt der n&#228;chste Dieb ins Spiel und klaut seinerseits dem ersten Dieb den Schl&#252;ssel zu dem Tresor, in dem der die Beute aufbewahrt. Diesen Schl&#252;ssel, der ihm selbst wenig n&#252;tzt, beh&#228;lt er nicht, sondern bietet ihn dem urspr&#252;nglich Bestohlenen gegen eine sch&#246;ne Belohnung an. Was erwarten wir nun vom Gesch&#228;digten? Dass er den Schl&#252;sseldieb anzeigt oder auf das Gesch&#228;ft eingeht, um seinen Besitz wiederzuerlangen? Nur der erste Dieb und seine Komplizen k&#246;nnen auf erstere Idee kommen.</p>
<p>Nat&#252;rlich passt das Ganze sehr gut in ein Gesellschaftssystem, das den Gesetzesbruch in vieler Hinsicht zum normalen Verhalten gemacht hat – vor allem dann, wenn es um Besitzst&#228;nde der Beg&#252;terten geht. Nur deshalb wird <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0202/tagesthema/0009/index.html" target="_blank"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/3681ab7a44a04f45baa501f6bb7e0186" alt="" width="1" height="1" />Steuerhinterziehung sehr gern als Kavaliersdelikt</a> behandelt, w&#228;hrend gegen den in seinem Ausma&#223; dagegen l&#228;cherlichen <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0203/wirtschaft/0020/index.html">»Sozialmissbrauch« eines Hartz-IV-Betroffenen </a>mit gro&#223;em detektivischen Aufwand vorgegangen wird. Der Staat, der jetzt vor »Mitt&#228;terschaft mit Dieben« gewarnt wird, macht sich in anderen F&#228;llen sehr schnell zum Mitt&#228;ter zum Beispiel von Steuerhinterziehern, die darauf – ganz anders als jetzt – noch nie mit emp&#246;rter Kritik reagierten.</p>
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