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	<title>blogsgesang.de &#187; Eiffel</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Wo das B&#246;rsenbarometer Ho-Chi-Minh-Index hei&#223;t</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Jun 2009 18:41:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vietnam verdr&#228;ngt das Trauma des Krieges und richtet seine Blicke selbstbewusst in die Zukunft. Fast ein »amerikanischer Traum«, aber einer in den Farben des Landes »Da dr&#252;ben«, sagt unser kambodschanischer Begleiter Davinn und weist &#252;ber den Mekong hinaus, »da dr&#252;ben verlief der Ho-Chi-Minh-Pfad.« Wir sehen eine lang gestreckte gr&#252;ne Insel in der Mitte des Flusses, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vietnam verdr&#228;ngt das Trauma des Krieges und richtet seine Blicke selbstbewusst in die Zukunft. Fast ein »amerikanischer Traum«, aber einer in den Farben des Landes</strong><span id="more-999"></span></p>
<p>»Da dr&#252;ben«, sagt unser kambodschanischer Begleiter Davinn und weist &#252;ber den Mekong hinaus, »da dr&#252;ben verlief der Ho-Chi-Minh-Pfad.« Wir sehen eine lang gestreckte gr&#252;ne Insel in der Mitte des Flusses, wei&#223;en Sand am jenseitigen Ufer und dahinter eine rostrote Front dicht an dicht stehender St&#228;mme akkurat gleichgro&#223;er B&#228;ume. Ein friedliches Bild, und man mag kaum glauben, dass hier vor wenigen Jahrzehnten Bomben explodierten, Napalm seine Feuerwalze entfachte und Agent Orange alle verbliebene Vegetation verdorren lie&#223;. Selbst in der Trockenzeit ist das Gr&#252;n am Fluss saftig. »Die B&#228;ume wurden nach dem Krieg gepflanzt«, erkl&#228;rt Davinn, »Kautschuk, der hier sehr gut gedeiht.«<br />
Der Vietnamkrieg, den die Amerikaner auch auf die Nachbarl&#228;nder ausweiteten, ist nicht vergessen, doch meist h&#246;rt man weniger Klagen &#252;ber seine Hinterlassenschaft als Berichte, wie man mit den Folgen fertig wurde. Die Kautschukpflanzungen auf dem einstigen Ho-Chi-Minh-Pfad, von denen hier vor allem Kambodschaner profitieren, wegen des Schmuggels des wei&#223;en Harzes &#252;ber die Grenze, aber auch entsprechende vietnamesische Fabriken, sind nur ein Beispiel daf&#252;r.</p>
<h5>Bill Gates folgt gleich nach Vo Nguyen Giap</h5>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/2585d1b4eddc400b9d60e46889cbcd1b" width="1" height="1" alt=""><br />
Der Krieg ist Geschichte. F&#252;r die seither geborenen Generationen h&#228;lt die Gegenwart andere Probleme bereit. Auch und gerade in Vietnam, wo man das Trauma der Kriegszeit verdr&#228;ngt, um Kopf und H&#228;nde f&#252;r den t&#228;glichen &#220;berlebenskampf frei zu haben.<br />
Ein Spiegelbild dessen ist Ho-Chi-Minh-Stadt. Die einstige Metropole S&#252;dvietnams ist zwar nicht die Hauptstadt des seit 33 Jahren wiedervereinigten Landes, doch mit zehn Millionen Einwohnern &#8211; die Peripherie eingeschlossen &#8211; ist sie gr&#246;&#223;te und zugleich wirtschaftsst&#228;rkste Stadt. Sie erwirtschaftet ein Drittel des vietnamesischen Haushalts, jede f&#252;nfte ausl&#228;ndische Investition in Vietnam wird hier get&#228;tigt. Im Stra&#223;enbild zeugen davon nicht nur die aus dem Boden schie&#223;enden Hotels mit weltbekannten Namen &#8211; von »Hyatt« bis »Sheraton« -, die Luxusmarken der Modebranche auf der Prachtstra&#223;e Dong Khoi, die sich diesbez&#252;glich kaum vom Berliner Kudamm unterscheidet, die Tausenden von kleinen L&#228;den und Werkst&#228;tten, die sich nicht nur im Zentrum, sondern auch in den Au&#223;enbezirken dicht an dicht dr&#228;ngen und in denen beinahe rund um die Uhr gearbeitet wird.<br />
Noch deutlicher wird dies an der Gesch&#228;ftigkeit der Menschen, der Hektik, die sich am eindrucksvollsten im chaotischen, offensichtlich von keinerlei Regeln behinderten Verkehr zeigen.</p>
<div id="attachment_1090" class="wp-caption alignright" style="width: 282px"><img class="size-full wp-image-1090    " title="strasenverkehr-hcm14" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/06/strasenverkehr-hcm14.jpg" alt="Schon fast auf verlorenem Posten: Fahrrad-Rikschas in Ho-Chi-Minh-Stadt" width="272" height="152" /><p class="wp-caption-text">Schon fast auf verlorenem Posten: Fahrrad-Rikschas in Ho-Chi-Minh-Stadt</p></div>
<p>Motorisierte Zweir&#228;der aller Art haben die Fahrrad-Rikschas l&#228;ngst verdr&#228;ngt und die Zahl der Autos der bekannten internationalen Marken w&#228;chst sprunghaft. In den M&#228;rkten wird immer noch auf traditionelle Weise gehandelt, doch beschleunigen Computer, Taschenrechner und Mobiltelefone den Warenumlauf. Man solle warten und einen Tee trinken, schlagen die Verk&#228;ufer vor, derweil sie ein gew&#252;nschtes, aber gerade nicht vorhandenes Produkt herantelefonieren.<br />
Weniger dynamisch scheint auf den ersten Blick das Leben in den D&#246;rfern, in denen die Armut oft noch un&#252;bersehbar ins Auge f&#228;llt. Doch auch hier wird &#252;berall emsig an irgendetwas gearbeitet, etwas hergestellt, verpackt, verkauft. In Cai Be, einer Stadt im Mekong-Delta, kann man auf einer einzigen Stra&#223;e sehen, wie Puffreis hergestellt, die hauchd&#252;nnen H&#252;llen der Fr&#252;hlingsrollen gebacken, Sojaso&#223;e vergoren und nat&#252;rlich Reisschnaps gebrannt wird. Aus dem Meer wird per Boot schmutzig-gelbes Salz herangebracht, in einem Schuppen in gro&#223;en Wannen gereinigt, gekl&#228;rt und getrocknet. Jetzt ist es reinwei&#223;, wird verpackt und auf dem Fluss abtransportiert. All das spielt sich in und um die Wohnh&#252;tten ab; dazwischen laufen H&#252;hner, grunzen Schweine, toben Kinder.</p>
<div id="attachment_1093" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1093" title="fischerhutten-am-mekong" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/06/fischerhutten-am-mekong-300x168.jpg" alt="Fischfang z&#228;hlt zu den Haupterwerbsquellen am Mekong" width="300" height="168" /><p class="wp-caption-text">Fischfang z&#228;hlt zu den Haupterwerbsquellen am Mekong</p></div>
<p>Unter den Bohlen der Hausboote auf dem Mekong verbergen sich nicht selten Fischzucht- anlagen. Netze verhindern die Flucht des Schwarms, der etwa acht Monate lang gef&#252;ttert wird, ehe die Fische eine Gr&#246;&#223;e haben, die auf dem Markt Gewinn verspricht.<br />
Das Durchschnittsalter der Vietnamesen betr&#228;gt 25,9 Jahre, drei F&#252;nftel sind j&#252;nger als 27 und damit lange nach Kriegsende geboren. F&#252;r ihr Leben spielt der Krieg ihrer Gro&#223;eltern kaum eine Rolle. Sie nennen Ho-Chi-Minh-Stadt nat&#252;rlich Saigon und orientieren sich an den Idolen abendl&#228;ndischer Popkultur, nicht anders als ihre Altersgenossen fast &#252;berall in der Welt. Bei einer Umfrage nach den f&#252;r sie bedeutendsten Personen kam Microsoft-Gr&#252;nder Bill Gates auf Platz 3 &#8211; knapp hinter Ho Chi Minh und dem legend&#228;ren General Vo Nguyen Giap.<br />
Der einstige Kriegsgegner, die USA, ist f&#252;r viele Vietnamesen inzwischen fast ein Land wie jedes andere. Zwar gibt es in Ho-Chi-Minh-Stadt ein Kriegsmuseum, das die Verbrechen der US-Amerikaner dokumentiert, und 70 Kilometer nordwestlich kann in Cu Chi das legend&#228;re Tunnelsystem der vietnamesischen Volksarmee besichtigt werden, doch zieht es dorthin vor allem Ausl&#228;nder. Damit sie ein St&#252;ck unter der Erde entlangkriechen k&#246;nnen, wurden extra die Tunnel erweitert, und an einem Schie&#223;stand kostet es nur einige Dollars, um mit der Kalaschnikow zu ballern oder eine Panzerfaust abzuschie&#223;en.<br />
Nicht der fr&#252;here Feind USA interessiert heute zuerst, sondern die &#246;konomische und technologische Weltmacht. Ihr will man auf m&#246;glichst gleicher Augenh&#246;he entgegentreten. Und auf diesem Weg ist Vietnam schon ein ganzes St&#252;ck vorangekommen. Das Wirtschaftswachstum lag in diesem Jahrzehnt ziemlich stabil um acht Prozent, wird allerdings 2009 nur noch 3 Prozent erreichen. Vietnam ist der zweitgr&#246;&#223;te Reisexporteur der Welt und liegt auch bei Pfeffer und Kaffee weit vorn. Textilindustrie und Fischwirtschaft expandierten, m&#252;ssen aber derzeit mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise k&#228;mpfen. So wurde auch die Armut reduziert. Vor zwanzig Jahren verf&#252;gte noch jeder zweite nur &#252;ber einen Dollar Einkommen pro Tag, jetzt vielleicht noch jeder Zehnte. Ein Problem bleibt die Inflation, die im vorigen Jahr zeitweise auf &#252;ber 25 Prozent stieg.</p>
<h5>Der Ehrgeiz eines kleinen Tigers</h5>
<p>Die vietnamesische Gesch&#228;ftigkeit entspringt dem Ehrgeiz, sich m&#246;glichst bald in die entwickelten L&#228;nder einzureihen. Man z&#228;hlt sich schon zu den &#8211; wenn auch kleineren &#8211; »Tigerstaaten«. Dabei achtet die noch immer herrschende, sich aber &#8211; anders als im benachbarten Kambodscha &#8211; kaum im Stra&#223;enbild pr&#228;sentierende Kommunistische Partei mit ihren 450 von 493 Sitzen der Nationalversammlung sorgsam auf die Wahrung der Unabh&#228;ngigkeit des Landes. Zwar wurden die Bedingungen f&#252;r ausl&#228;ndische Investoren gelockert, aber oftmals beh&#228;lt sich die Regierung das letzte Wort im Genehmigungsprozess vor. &#196;hnlich wie in China sichert sie die politische Kontrolle &#252;ber die &#246;konomischen Vorg&#228;nge &#8211; auch und gerade gegen&#252;ber den USA.<br />
Das nervt zwar manchen der dynamischen Jungunternehmer, die sich nicht selten als eine Art »Ein-Familien-AG« entpuppen, findet aber in der Bev&#246;lkerung allgemein Zustimmung. Wie auch die Verehrung Ho Chi Minhs, dessen Konterfei man &#252;berall im Stra&#223;enbild findet.</p>
<div id="attachment_1098" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1098 " title="hcm-im-postamt-1" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/06/hcm-im-postamt-1-300x160.jpg" alt="Auch &#252;ber das detailgetreu renovierte Postamt des kolonialen Saigon wacht " width="300" height="160" /><p class="wp-caption-text">Auch &#252;ber das detailgetreu renovierte Postamt des kolonialen Saigon wacht heute Ho Chi Minh</p></div>
<p>Auch im Postamt der nach ihm benannten Stadt, das unter franz&#246;sischer Kolonialherrschaft von Gustave Eiffel gebaut und jetzt detailgetreu rekonstruiert wurde &#8211; mit einem wichtigen Zusatz: einem riesigen Bild des Volkshelden in der Schalterhalle. Selbst USA-Pr&#228;sident Bush musste bei seinem Vietnambesuch anl&#228;sslich des APEC-Gipfels 2006 unter einer &#252;berlebensgro&#223;en Bronzeb&#252;ste Ho Chi Minhs Platz nehmen. Und auch die Saigoner B&#246;rsenjobber unterwerfen sich patriotischem Pragmatismus &#8211; indem sie sich bei ihren Gesch&#228;ften am »Ho-Chi-Minh-Index« orientieren.</p>
<address>(Gedruckt in: Neues Deutschland vom 30. 05. 2009)</address>
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