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	<title>blogsgesang.de &#187; Enke</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Manisch-depressive Republik</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 13:33:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Psychiatrie kennt das Krankheitsbild der manisch-depressiven Psychose. Dabei wechselt sich eine euphorisch gehobene Grundstimmung bis hin zu erh&#246;htem Selbstwertgef&#252;hl, &#220;bersch&#228;tzung eigener F&#228;higkeiten und Enthemmung mit Phasen von Gedr&#252;cktheit, Traurigkeit, Angst und Verzweiflung ab. Als »himmelhoch jauchzend, zu Tode betr&#252;bt« hat Goethe dieses Wechselbad der Gef&#252;hle beschrieben, was er allerdings auf den einzelnen Menschen bezog. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Psychiatrie kennt das Krankheitsbild der manisch-depressiven Psychose. Dabei wechselt sich eine euphorisch gehobene Grundstimmung bis hin zu erh&#246;htem Selbstwertgef&#252;hl, &#220;bersch&#228;tzung eigener F&#228;higkeiten und Enthemmung mit Phasen von Gedr&#252;cktheit, Traurigkeit, Angst und Verzweiflung ab. Als »himmelhoch jauchzend, zu Tode betr&#252;bt« <span id="more-1363"></span>hat Goethe dieses Wechselbad der Gef&#252;hle beschrieben, was er allerdings auf den einzelnen Menschen bezog. Die Vorg&#228;nge um den Freitod des Fu&#223;balltorwarts <img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/5d220537e63c4b0487e023d1b449fd91" alt="" width="1" height="1" /><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/159262.robert-enke-und-therapie-tipps.html" target="_blank">Robert Enke </a>lassen allerdings fragen, ob nicht inzwischen das ganze Land solch pathologischem Verhalten verfallen ist.</p>
<p>Der Fu&#223;ball hat sich daf&#252;r schon seit l&#228;ngerem als exemplarisch erwiesen. Der Sommer 2006 mit den euphorischen Massen, die wie im Rausch durch die Stra&#223;en tobten und das Spiel auf dem Rasen zum Anlass f&#252;r eine gigantische Party nahmen, wies alle Symptome der manischen Phase auf. Hingegen st&#252;rzte der Tod Enkes Tausende in eine depressive Stimmung; pl&#246;tzlich trauerten viele um einen eigentlich wildfremden Menschen, von dem etliche vor einer Woche noch nicht einmal den Namen kannten. Doch das Ph&#228;nomen ist nat&#252;rlich <a href="http://www.presseportal.de/pm/14527/1512898/rheingold_gmbh_co_kg" target="_blank">auf den Fu&#223;ball nicht beschr&#228;nkt</a>. St&#228;ndig werden wir animiert, »himmelhoch jauchzend« zu sein, k&#252;nstlich unsere Emotionen hochzufahren – ob im Job oder im sozialen Gef&#252;ge. Und weil Versagen dabei nicht vorgesehen ist, muss seine Verarbeitung, wenn es eintritt, ebenso inszeniert werden; dann haben wir »zu Tode betr&#252;bt« zu reagieren. Die Trauer selbst wird zum Event. Heute sind wir alle Papst und morgen Robert Enke.</p>
<p>Verbunden ist das alles mit der st&#228;ndigen N&#246;tigung zur »Bestleistung« – und zwar auf allen Gebieten. Es ist dies eine Leistung, die keinen objektiven Kriterien folgt, sondern von subjektiven Interessen, dabei oft Gewinnstreben, definiert wird. Das f&#228;ngt bei der Mode an, die uns vorschreibt, was gerade »in« ist und jeden zum Au&#223;enseiter stempelt, der sich diesem Terror nicht durch Anpassung unterwirft. Das setzt sich in der Gruppe fort, wo oft irrationale Normen einen Status bestimmen, den jeder akzeptieren muss, der dort seinen Platz behaupten will. Es findet sich im Berufsleben, wo die Leistung oft nicht gen&#252;gt, sondern ihr durch k&#252;nstliche Motivationssch&#252;be nachgeholfen werden muss. Und es schleicht sich zunehmend auch in private Beziehungen ein, in denen man sich nicht mehr geben darf, wie man ist, sondern eine Maske &#252;berzust&#252;lpen hat, die ein fremdbestimmtes Bild vorgaukelt.</p>
<p>Treibende Kraft in diesem unaufh&#246;rlichen Manipulationsvorgang sind ohne Zweifel die Medien. Es ist schon grotesk, wenn an einem Tag, an dem eine frisch gew&#228;hlte Regierungschefin ihr k&#252;nftiges Programm f&#252;r das Land verk&#252;ndet, dies weit in den Hintergrund tritt – zugunsten des Schicksals eines Fu&#223;ballspielers. Und das nicht nur in den Boulevardmedien, sondern auch in der so genannten seri&#246;sen Berichterstattung. Es zeigt mehr als alles andere, wie sehr diese Republik emotional reagiert, also aus dem Bauch heraus, und den Kopf abschaltet. Und man kann fast den Verdacht sch&#246;pfen, dies sei so gewollt, denn nat&#252;rlich war Angela Merkels Regierungserkl&#228;rung auch ein Trauerspiel, geeignet, den interessierten Beobachter in tiefe Depression zu st&#252;rzen. Aber wenn schon Trauer, dann vielleicht doch lieber um ein tragisch geendetes Sportidol &#8230;</p>
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