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	<title>blogsgesang.de &#187; Everts</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Wie Roland Koch Andrea Ypsilanti die Mehrheit entzog</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 19:31:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ahnen konnte man es, aber am Ende hat man Roland Koch soviel brutalstm&#246;gliches Intrigantentum dann doch nicht zugetraut. Nun aber scheint klar: Das Scheitern Andrea Ypsilantis in Hessen hat der CDU-Ministerpr&#228;sident selbst eiskalt und wohlkalkuliert herbeigef&#252;hrt <span id="more-1178"></span>– mit Hilfe vermutlich schon lange zuvor in der SPD aufgebauter »Maulw&#252;rfe«. Das jedenfalls ist neuesten Recherchen der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« (FASZ) zu entnehmen, die zwar Koch dabei kaum erw&#228;hnt, sondern die ganze Verwerflichkeit allein bei der »Viererbande« J&#252;rgen Walter, Carmen Everts, Silke Tesch und Dagmar Metzger sieht, jenen »fantastischen Vier« also, die gerade diese Zeitung im Herbst 2008 als Helden mit einem strahlenden Heiligenschein feierte. Das tut sie nun nicht mehr, aber <a href="http://www.faz.net/s/Rub422EC9ABCA074572B6F3F53A6BDC4758/Doc~EE879C9294C6B4A43B87608AFCE6D255C~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank"><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/5dacffc07e9f4de4a65e4354e632cb42" alt="" width="1" height="1" />das Gewissen schl&#228;gt ihr darob auch nicht</a>, im Gegenteil: Ganz im Sinne des jesuitischen Grundsatzes, dass der Zweck die Mittel allemal heiligt, ist sie noch immer befriedigt &#252;ber das Ergebnis und beklagt nur die weitere Verlotterung der politischen Sitten, zu der gerade sie so eifrig beigetragen hat.</p>
<p>F&#252;r Roland Koch stellte sich nach der verlorenen Wahl am 27. Januar 2008 die Lage so dar, dass er keine Mehrheit f&#252;r eine Regierungsbildung mehr hatte, zwar gesch&#228;ftsf&#252;hrend im Amt bleiben, aber nicht wirklich politisch gestalten konnte. Es kam also f&#252;r ihn darauf an, m&#246;glichst schnell diese fehlende Mehrheit zu organisieren; der Weg dazu f&#252;hrte nur &#252;ber Abweichler in der SPD. Er wusste nat&#252;rlich, dass die linke Andrea Ypsilanti in einer seit Jahren von Rechtspolitikern wie Hans Eichel und Gerhard B&#246;kel gepr&#228;gten Partei nicht nur Freunde hatte – zumal dann, wenn sie sich bereit zeigte, eine SPD-gef&#252;hrte Mehrheit auch mit der Linkspartei zustande zu bringen. Dabei konnte es Koch nicht gen&#252;gen, wenn die Abweichler in der SPD nur von Fall zu Fall f&#252;r ihn stimmten, denn dann h&#228;tten sich Zitterpartien vor jeder wichtigen Abstimmung wiederholt. Er brauchte die SPD-Rechten als selbst&#228;ndige Kraft, die der CDU/FDP-Koalition die notwendige Mehrheit verschafften – und das dauerhaft.</p>
<p>Aus dieser &#220;berlegung heraus entstand schon zeitig die Idee der eigenst&#228;ndigen Fraktion der Abweichler, die Kochs Vertrauter, sein <a href="http://www.faz.net/s/Rub422EC9ABCA074572B6F3F53A6BDC4758/Doc~E2383E58474494B869CD36921F8C713A8~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Pressesprecher Dirk Metz</a>, monatelang an Silke Tesch heranzutragen versuchte, die ein Treffen mit ihm mehrmals ablehnte, ehe es Ende Oktober 2008 stattfand. Dort unterbreitete Metz den Vorschlag ganz offiziell und berief sich dazu auf einen historischen Pr&#228;zedenzfall. Inzwischen hat die hessische CDU zugegeben, auch <a href="http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/1872908_Hessen-SPD-Wiesbadener-Winkelzuege.html" target="_blank">mit anderen SPD-Abgeordneten Gespr&#228;che gef&#252;hrt </a>zu haben. Da der »Wortbruch« von Ypsilanti und eine Zusammenarbeit mit der Linken gedroht habe, verteidigte der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Franz Josef Jung solche Kontakte: »Wenn man gemeinsam dar&#252;ber spricht, halte ich das f&#252;r vollkommen in Ordnung«..</p>
<p>Die selbst&#228;ndige Fraktion kam letztlich nicht zustande, weil nicht alle Abweichler die Br&#252;cken zur SPD endg&#252;ltig abbrechen wollten. Damit hatte Koch rechnen m&#252;ssen, weshalb er beizeiten auch die Linie von Neuwahlen verfolgte. Dass sich die SPD nach der Erkl&#228;rung Dagmar Metzgers, eine rot-gr&#252;n-rote Zusammenarbeit nicht mittragen zu wollen, offensichtlich auf Opposition und die Durchsetzung einzelner Programmpunkte festgelegt hatte, konnte ihm nicht gefallen, weshalb er die Sozialdemokraten wo immer es ging provozierte – zum Beispiel mit der Weigerung, ein im Landtag gegen CDU und FDP beschlossenes Gesetz &#252;ber die Abschaffung der Studiengeb&#252;hren zu verk&#252;nden, weil es fehlerhaft sei. Das f&#252;hrte viele in der SPD wieder zusammen, und einige spielten nun mit dem Gedanken, Ypsilanti einen <a href="http://www.faz.net/s/Rub422EC9ABCA074572B6F3F53A6BDC4758/Doc~EE3F5B55C921D444195CF1DEAE83564CB~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">erneuten Anlauf auf die Regierungsbildun</a>g nahezulegen, damit jedoch vor allem eigene Ziele zu verfolgen. Zu ihnen geh&#246;rten von Anfang an J&#252;rgen Walter und Armen Everts; sp&#228;ter zogen sie Silke Tesch auf ihre Seite, und wie Dagmar Metzger abstimmen w&#252;rde, wussten sie.</p>
<p>Das Kalk&#252;l war, ein B&#252;ndnis – auch mit der Linkspartei – zu ihren Bedingungen, was vor allem Regierungsposten betraf, zu tolerieren. F&#252;r Koch war diese Entwicklung nicht ohne Risiken, falls die Abweichler Erfolg haben w&#252;rden. Er aber sch&#228;tzte Andrea Ypsilanti und ihre Anh&#228;nger richtig ein; sie waren nicht bereit, dem rechten Fl&#252;gel in der Partei Zugest&#228;ndnisse zu machen – vor allem, weil sie linke Politik durchzusetzen gedachten. F&#252;r Koch gen&#252;gte es, dass die vier SPD-Rechten bei Scheitern ihrer Pl&#228;ne ihren Beitrag zu Neuwahlen leisteten, indem sie Ypsilanti in Regen stehen lie&#223;en. Nach der aggressiven Kampagne gegen Andrea Ypsilanti konnte er mit einem Wahlsieg rechnen. Als Ende Oktober die Fronten innerhalb der SPD klar waren, entschieden sich die Abweichler f&#252;r ein Votum zugunsten Roland Kochs. Und damit es nicht schief ginge, inszenierten sie es so theatralisch, damit der Schaden f&#252;r die SPD gr&#246;&#223;tm&#246;glichst werde. Wenn nicht Kochs Berater selbst bei dieser Schmierenkom&#246;die ihre H&#228;nde im Spiel hatten, erwies sich J&#252;rgen Walter als ein gelehriger Sch&#252;ler seines Ministerpr&#228;sidenten.</p>
<p>Bleibt zu fragen, was die FASZ letztlich veranlasste, die Wahrheit &#252;ber die Anti-Ypsilanti-Intrige ans Licht zu bringen, nachdem sie zuvor ma&#223;geblich an deren Entwicklung mitgewirkt hatte. Vermutlich war es Beleidigtsein dar&#252;ber, wie unverfroren sich Roland Koch auch dieser Zeitung, hinter der angeblich immer einer kluger Kopf stecken soll, bediente, um seine Machtoptionen durchzusetzen. Vielleicht ist es auch ein wenig Scham, wie leicht man es dem brutalstm&#246;glichen Politiker dieses Landes gemacht hatte. Allerdings vergisst man dar&#252;ber die ideologische R&#228;son noch lange nicht. Man mag Koch ein wenig gram sein, aber gerade weil er so ist, h&#228;lt man ihn f&#252;r die beste L&#246;sung f&#252;r Hessen. Und unterwirft sich ihm mit der Neuinterpretation der Ypsilanti-Aff&#228;re ein zweites Mal, indem man sorgf&#228;ltig bem&#252;ht ist, ihn auf keinen Fall in die Schusslinie geraten zu lassen.</p>
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