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	<title>blogsgesang.de &#187; FDP</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Das Elend der Kapitalismus-Gl&#228;ubigen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 18:09:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) In Madrid wurden 300 000 gez&#228;hlt, in Rom 200 000. Tausende gingen auch in London, Berlin Lissabon und zahlreichen anderen St&#228;dten Europas auf die Stra&#223;en. In New York harren Tausende im Zuccotti-Park aus. Eine ungeahnte Welle antikapitalistischen Protestes rollt vor allem durch die westliche Welt. Und gleichzeitig kommen von dort immer &#246;fter Bilder, wie sie bisher nur aus Minsk, Peking oder Moskau verbreitet wurden: Schwerbewaffnete Polizisten jagen junge Demonstranten, sto&#223;en sie zu Boden, verfrachten sie in Polizeiautos. Ein Demonstrant im US-amerikanischen Oakland wurde lebensgef&#228;hrlich verletzt. Eine friedliche Revolution – diesmal gegen ihn – will der Kapitalismus nicht zulassen.<span id="more-3329"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwar glauben Politiker wie ihre medialen Bataillone noch immer, sie k&#246;nnten den Protest mit erprobten Mitteln kanalisieren, indem sie ihn bagatellisieren und vereinnahmen. Wie stalinistische Betonkopfe halten die heutigen Systemapologeten an ihrem unverbr&#252;chlichen Glauben fest, dass der Kapitalismus gar nicht schlecht sein kann, sondern nur von einigen seiner Vertreter schlecht verwaltet wurde. »Es waren Dummheit und Gier, Inkompetenz, Kurzsichtigkeit und Arroganz, es waren Banker, denen man noch nicht einmal B&#246;sartigkeit unterstellen kann. Sie hatten nur keine Ahnung, was sie da taten«, kopiert die <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/legitimationsprobleme-der-banker-es-war-dummheit-11501646.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/40180675e8f14e69bb624c9583467fa4" alt="" width="1" height="1" />»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« (FASZ) </a>die unbelehrbaren Genossen des sp&#228;ten Sozialismus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wie diese vor den politisch-ideologischen Diversanten warnten, verteufelt sie die heute anders Denkenden. Man k&#246;nne »getrost das Parteiprogramm der Linken vergessen und sollte auch nicht zuh&#246;ren, wenn SPD und Gr&#252;ne nur ihre Ressentiments auf den neuesten Stand bringen«. Genau dies taten dann <a href=" http://www.n-tv.de/politik/Linke-bringt-Bundestag-um-den-Verstand-article4632566.html" target="_blank">Union und FDP im Bundestag</a> bez&#252;glich der Linkspartei – nur weil sie gerade ein Programm verabschiedet hatte, das zur gegenw&#228;rtigen Krisenlage mehr bereit h&#228;lt als nur das Prinzip Hoffnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kl&#252;gere heucheln Verst&#228;ndnis f&#252;r die Protestler, was freilich auf deren verst&#228;ndliche Skepsis st&#246;&#223;t. Die Demonstranten begreifen, dass hinter dem Schulterklopfen, der Umarmung gar die Absicht des Weiter-so steht, das man sich nicht st&#246;ren lassen will. Von »der Verw&#228;sserung der Protestbewegung« spricht <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/occupy-wall-street-streit-lasst-euch-nicht-umarmen-1.1174532" target="_blank">Slavoj Žižek in der »S&#252;ddeutschen Zeitung«</a>: »So, wie man uns Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol und Eiscreme ohne Fett vorsetzt, werden die M&#228;chtigen versuchen, die Proteste als harmlose, moralistische Bewegung abzutun.« Obamas Verweis auf die angebliche N&#228;he seiner Politik zu den Forderungen der Demonstranten, Merkels »Verst&#228;ndnis« f&#252;r ihre Unzufriedenheit, das pl&#246;tzliche Haut-die Banken all jener, die sie im gleichen Atemzug als »systemrelevant« bezeichnen (was insofern stimmt, als sie ihr vorgeblich alternativloses kapitalistisches System meinen) – all das zielt auf Entwaffnung einer Bewegung, die zugleich kompromisslos mit den Repressivwaffen des Systems bek&#228;mpft wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit faktengest&#252;tzten Argumenten kann der Kapitalismus l&#228;ngst nicht mehr &#252;berzeugen; schon gar nicht, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Denn Weitsicht und daraus resultierende Nachhaltigkeit sind seine Merkmale nicht. Er ist ganz und gar auf den schnellen und m&#246;glichst gro&#223;en Gewinn orientiert, dem ordnet er sein gesamtes Handeln unter. Folgerichtig l&#228;sst er sich auch nur durch harte Tatsachen bremsen. Indem er zum Beispiel gegen die Wand einer Realit&#228;t f&#228;hrt, die er einfach nicht einkalkulierte, weil sie in seinem System nicht vorgesehen ist. Dann ist der Crash unausweichlich, dessen Aufprall zwar inzwischen Airbags und Knautschzonen zu mildern verm&#246;gen, ohne ihn freilich kl&#252;ger und vorsichtiger zu machen, eher noch risikofreudiger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die einzige Realit&#228;t, die dem Kapitalismus ein gewisses Ma&#223; an Vernunft aufzwang, war paradoxerweise der reale Sozialismus; mit seinem Verschwinden war die Bahn wieder frei f&#252;r die einfachen Instinkte, die schon Marx gekannt hatte: »Das <a href="http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/profit/profit.htm" target="_blank">Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit</a> oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital k&#252;hn. Zehn Prozent sicher, und man kann es &#252;berall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; f&#252;r 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu&#223;; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnlich irrational nat&#252;rlich auch der Kampf gegen all jene, die dieses unbedingte Profitprinzip in Frage stellen. So unausrottbar, wie im Sozialismus-System die Angst vor imperialistischer Konterbande war, so unausrottbar ist heute, nach einer kurzen Periode des Siegestaumels, in der man jede antikapitalistische Alternative schon auf dem M&#252;llhaufen der Geschichte w&#228;hnte, die neue Angst vor Andersdenkenden, die im Kapitalismus immer weniger das historische Nonplusultra sehen, sondern nach neuen gesellschaftlichen Entw&#252;rfen suchen und dabei auch fr&#252;here, gescheiterte Konzepte erneut auf den Pr&#252;fstand stellen, um zu sehen, woran es lag und was man daraus lernen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die treuen Gl&#228;ubigen des Kapitalismus haben dem nichts entgegenzusetzen als totale Verunsicherung. Und so finden sich in der schon genannten FASZ auf der gleichen Seite zum einen die Beschw&#246;rung, nicht etwa den Schluss zu ziehen, »dass man den Kapitalismus abschaffen m&#252;sse. Sondern dass er dringend gerettet werden sollte« und zwar mittels »einer einmaligen <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/staatsressource-privatvermoegen-sagt-die-wahrheit-11501648.html" target="_blank">Wohlstandsabgabe auf Verm&#246;gen und Immobilie</a>n irgendwo zwischen zwanzig und drei&#223;ig Prozent« und zum anderen das Eingest&#228;ndnis, dass sich Staaten und Finanzkapital »einander entsicherte Handgranaten zuspielen«. Mehr noch: »Was sich gegenw&#228;rtig Politik nennt, ist also nichts anderes als das Weiterreichen von Zeitbomben, deren Ausl&#246;sezeitpunkt niemand kennt. Es k&#246;nnte in Jahren sein oder heute Nachmittag.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beides ein deutliches, wenngleich ungewolltes Pl&#228;doyer f&#252;r die Fortsetzung und Verst&#228;rkung des B&#252;rgerprotestes gegen solchen Wahnsinn.</p>
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		<title>Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 18:31:19 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Am 27. September 2009 konnten sich Union und FDP &#252;ber ihre Erfolge bei der Bundestagswahl und die bevorstehende schwarz-gelbe Wunschkoalition freuen. Von Freude ist zwei Jahre sp&#228;ter zur Halbzeit der Regierung nichts mehr zu sp&#252;ren: Die FDP steht am Abgrund, die Union hat ein massives Problem, ihren W&#228;hlern die politischen Kehrtwenden zu erkl&#228;ren und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gelingt es nur noch m&#252;hsam, die einstigen Traumpartner zusammenzuhalten.<span id="more-3306"></span></p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208058.schwarz-gelb-auf-dem-tiefpunkt.html" target="_blank">Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/aec68746bcb847dcbb67263c95c79439" alt="" width="1" height="1" /></h2>
<h4>Angela Merkels Wunschkoalition steckt in der Krise, weil sie an den Erwartungen der B&#252;rger mehr denn je vorbei regiert</h4>
<h5>Nach zwei Jahren Schwarz-Gelb haben CDU/CSU und FDP »fertig«. Sie sind moderne Antworten auf die Herausforderungen einer sich schnell wandelnden Welt schuldig geblieben, halten aber stur an der Macht fest.</h5>
<p>Die als Drohung gemeinte, von vielen aber durchaus als Verhei&#223;ung empfundene Ank&#252;ndigung, ohne »Kanzlermehrheit« in der Frage des Griechenland-Rettungsschirms sei die Koalition gescheitert, war nie ernst gemeint. Sie diente allein der am Ende gelungenen Disziplinierung der eigenen Fu&#223;truppen; aber dass sowohl Wolfgang Sch&#228;uble f&#252;r die Union als auch FDP-Fraktionschef Br&#252;derle mit allerlei Relativierungen f&#252;r den Ernstfall vorgebaut hatten, zeigt nur den desolaten Zustand des einstigen »Traumb&#252;ndnisses«.</p>
<p>Denn auch wenn Union und Freidemokraten ihre Mehrheit zusammenbekamen und nat&#252;rlich bis zum bitteren Ende weiterregieren wollen faktisch sind sie bereits abgew&#228;hlt. Acht Landtagswahlen haben seit dem bundesweiten Urnengang vor zwei Jahren stattgefunden, sechsmal verlor die Union an Stimmen zwischen 3,7 und 20,7 (!) Prozent.</p>
<p>Nur zweimal konnte sie leicht zulegen, in Rheinland-Pfalz und Berlin; da war sie wohl die einzige Alternative f&#252;r einige verdrossene Ex-W&#228;hler der FDP, die in beiden L&#228;ndern aus dem Parlament flog. Das Gleiche widerfuhr den Freidemokraten mit drei weiteren Landtagen; &#252;berall war sie von den 14,6 Prozent der Bundestagswahl weit entfernt.</p>
<p>Zwar hatten Bundeskoalitionen schon h&#228;ufiger nach dem Wahlsieg mit Stimmenschwund in den L&#228;ndern zu k&#228;mpfen, doch nicht in solchem Ausma&#223;. Es verweist darauf, dass die schwarz-gelbe Regierung nicht nur ein indiskutables Erscheinungsbild abgibt, sondern auch in der Sache nicht ann&#228;hernd liefert, was sie angek&#252;ndigt hatte. Au&#223;er im Falle der Mehrwertsteuersenkung f&#252;r Hoteliers schon in den ersten Regierungswochen, doch war das nur ein Geschenk f&#252;r den neuen Partner, der sich daf&#252;r mit hochfahrender Schelte gegen Hartz-IV-Empf&#228;nger bedankte und so wohl einen betr&#228;chtlichen Beitrag zur CDU/FDP-Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen leistete. Kurz darauf ging Horst K&#246;hler, Merkels und Westerwelles Ziehkind auf dem Bundespr&#228;sidentenstuhl, frustriert von Bord. Die &#228;hnlich ausgekungelte Nachfolgel&#246;sung Christian Wulff wurde zu einer Zitterpartie.</p>
<p>Danach rief die Koalition einen »Herbst der Entscheidungen« aus; er m&#252;ndete in die Desaster dieses Fr&#252;hjahres: Nach dem Fukushima-Super-GAU wurde die gerade beschlossene AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung wieder kassiert und mit dem Atomausstieg in ihr Gegenteil verkehrt. Merkels forsches Eintreten f&#252;r den Bahnhofsneubau in Stuttgart endete mit einem gr&#252;n-roten Wahlsieg in Baden-W&#252;rttemberg. Und trotz ihrer Ehrenerkl&#228;rungen f&#252;r den smarten Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg musste dieser als Verteidigungsminister unehrenhaft abmustern. Schlie&#223;lich konnte die Kanzlerin angesichts widerstreitender Auffassungen zwischen und in den Koalitionsparteien zur Finanzkrise um Griechenland nur m&#252;hsam den Crash verhindern und ist damit noch lange nicht am Ende.</p>
<p>Wortreich verweisen die Koalition&#228;re auf ihre »Erfolge«, zum Beispiel die Arbeitslosenzahl auf unter drei Millionen gedr&#252;ckt zu haben, verschweigen jedoch, dass dies nur unter Beibehaltung der Schr&#246;derschen Hartz-IV-N&#246;tigung gelang und die meisten der so entstandenen Arbeitsverh&#228;ltnisse nicht genug einbringen, um davon leben zu k&#246;nnen. Als Erfolg wird auch gewertet, dass es um Deutschland nicht ganz so schlecht steht wie um andere europ&#228;ische L&#228;nder. Man verdr&#228;ngt damit die anhaltenden Debatten &#252;ber Altersarmut, Pflegenotstand, Zwei-Klassen-Medizin und Mietenexplosion. Gut stellt sich das Land nur f&#252;r die Verm&#246;genden dar, w&#228;hrend die Masse der Bev&#246;lkerung die soziale Ausd&#252;nnung Tag f&#252;r Tag deutlicher sp&#252;rt.</p>
<p>Und sich zugleich um die W&#228;hrung sorgt, weil die Regierung weder willens noch in der Lage ist, gegen die Ausw&#252;chse der Finanzbranche wirksam vorzugehen. Zwar hat auch sonst niemand ein &#252;berzeugendes Rezept dagegen, aber die Ratlosigkeit und Zerstrittenheit in dieser Sache findet sich in vielen anderen Fragen wieder, sei es die Wahlrechtsproblematik um die &#220;berhangmandate oder der Streit um die Vorratsdatenspeicherung. Sei es die Zukunft des Gesundheitswesens oder die der Pflegeversicherung, die Sicherung der Altersvorsorge oder das uns&#228;gliche Steuersenkungsthema. Handeln auf Sicht und Zuruf ist zum Markenzeichen dieser Regierung geworden, und es gibt wenig Anzeichen, dass sich daran etwas &#228;ndert.</p>
<p>Da verwundert es nicht, wenn die B&#252;rger von der Koalition nicht mehr viel erwarten. 83 Prozent bewerteten j&#252;ngst in einer Forsa-Umfrage deren Zusammenarbeit als mangelhaft, und 54 Prozent glauben nicht, dass sie bis 2013 noch durchh&#228;lt. Selbst unter Unionsw&#228;hlern rechnet jeder Dritte mit ihrem vorzeitigen Ende, bei der FDP sind es gar 37 Prozent.</p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208057.politik-aus-dem-vorigen-jahrhundert.html" target="_blank">Politik aus dem vorigen Jahrhundert</a></h2>
<h4>Nur schwer kann sich das »b&#252;rgerliche« Lager von Inhalten und Ritualen der Vergangenheit verabschieden</h4>
<h5>Seit ihrem Bestehen macht die Regierungskoaltion keine gute Figur. Daf&#252;r verantwortlich sind Konzeptionslosigkeit und das Verschlafen gesellschaftlicher Entwicklungen.</h5>
<p>Mit Parteien ist es fast wie mit den Leuten auch. Je &#228;lter sie werden, desto schwerer tun sie sich mit Neuem. Und trauern gern vergangenen, (vermeintlich) gl&#252;cklicheren Zeiten nach. Auch die verbliebenen Anh&#228;nger von Schwarz-Gelb blicken derzeit melancholisch dahin zur&#252;ck, wo die Union und die Freidemokraten das Land unangefochten regierten also die 20 Jahre nach Gr&#252;ndung der Bundesrepublik und die 16 Jahre unter Helmut Kohl. Sie sehnen sich nach solcher &#220;bersichtlichkeit und k&#246;nnen nicht begreifen, dass ihre »christlich-liberale Koalition« vom ersten Tag ihres Bestehens an ein solch jammervolles Bild abgibt.</p>
<p>Da die weitgehend zahnlose Opposition daf&#252;r der Grund nicht sein kann, suchen sie ihn in Personen und deren unprofessionellem Agieren, im Profilierungsdrang der »Partner«, die oft gegeneinander, mehr noch aber gegen die gemeinsame Sache wirken, auch schon mal diffus in den allgemeinen Zeitl&#228;uften, die ein »ordentliches« Regieren beinahe unm&#246;glich machten.</p>
<p>Den Hauptgrund ihres Niedergangs sowohl als Koalition als auch als einzelne Parteien wollen jedoch weder die Union noch die FDP sehen. Er ist inhaltlich begr&#252;ndet, ergibt sich daraus, dass sie verlernt haben, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und in neue, moderne Konzepte umzusetzen. Ihre Krise ist eine Krise der Programmatik, die weitgehend auf alten Fundamenten stehen geblieben ist und sich neuen Herausforderungen nur ungen&#252;gend zu stellen vermochte.</p>
<p>Dabei gibt es zwischen den Koalition&#228;ren durchaus Unterschiede. Die Union als Volkspartei nimmt das Defizit an moderner L&#246;sungskompetenz deutlicher wahr als die FDP, was sie partiell zu Ver&#228;nderungen f&#228;hig macht. Ihr Problem: Diese Ver&#228;nderungen setzen sich eher spontan durch, als dass sie das Produkt einer gediegenen Gesellschaftsanalyse und darauf fu&#223;ender Ideen w&#228;re. Angela Merkel sp&#252;rt den Wind des Wandels und h&#228;ngt ihr M&#228;ntelchen gern in die Brise, aber sie gestaltet Neues lustlos, als Getriebene, wodurch sie ihre konservativ denkende Partei &#252;berfordert und verwirrt.</p>
<p>Die Folge sind Entt&#228;uschung, Unmut und Abkehr. Sinnvolle Entscheidungen wie zur Unterst&#252;tzung berufst&#228;tiger Frauen, die Aussetzung der Wehrpflicht, die Abschaffung der Hauptschule und vor allem der Atomausstieg nach gerade verf&#252;gter AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung sind das Ergebnis &#228;u&#223;eren Drucks, dem die Kanzlerin nicht aus &#220;berzeugung, sondern aus taktischem Kalk&#252;l folgt, ohne bei CDU und CSU daf&#252;r zu werben. Ihr lakonisches »Wenn sich Dinge &#228;ndern, m&#252;ssen wir Antworten finden« verunsichert die konservative Unionsw&#228;hlerschaft noch immer stark auf Adenauer und Kohl fixiert mehr, als dass sie sie beruhigt; sie versteht die Welt nicht mehr.</p>
<p>Die FDP-F&#252;hrung hingegen ist total in den 90er Jahren stecken geblieben, hat ein Dutzend Jahre gesellschaftlicher Entwicklung verschlafen und bringt daher nichts anderes in die Regierungsarbeit ein als Papiere aus dem vorigen Jahrhundert, ein Parteiprogramm sogar aus den 1980er Jahren. Ihre einst auf verschiedenen Feldern durchaus liberale Politik hat sich heute auf kruden Wirtschaftsliberalismus verengt. Wirkte sie fr&#252;her in einer Koalition als Korrektiv gegen&#252;ber manchem &#220;berschwang des gr&#246;&#223;eren Partners, so muss heute ihre Irrationalit&#228;t korrigiert werden. Eine Aufgabe, die die Kanzlerin allerdings vom ersten bis in diese Tage ignorierte und damit selbst zu den Problemen beitrug, mit denen sie heute zu k&#228;mpfen hat.</p>
<p>Beide, CDU/CSU wie FDP, aber haben sich vor allem ungen&#252;gend auf das wachsende Dr&#228;ngen der B&#252;rger auf Teilhabe an den &#246;ffentlichen Angelegenheiten eingestellt. Machtsicherungsrituale, die sich in ihren Augen bew&#228;hrt haben, bestimmen unausrottbar die politische Arbeit von Union und FDP und nicht nur von ihnen. Der W&#228;hlerzulauf zu den Gr&#252;nen, vor allem aber der Berliner &#220;berraschungscoup der Piratenpartei zeigen jedoch, dass die B&#252;rger von den Parteien etwas ganz anders erwarten n&#228;mlich in Inhalt wie Umgang eine weitreichende &#214;ffnung zu ihnen hin.</p>
<pre></pre>
<address>(Ver&#246;ffentlicht in:  Neues Deutschland vom 04. Oktober 2011)</address>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Wenn demn&#228;chst die deutsche Kreditw&#252;rdigkeit herabgestuft wird &#8230;</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2011/08/21/wenn-demnachst-die-deutsche-kreditwurdigkeit-herabgestuft-wird/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Aug 2011 17:40:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) &#8230; dann wird das Heulen und Z&#228;hneklappern, das schon jetzt ziemlich vernehmlich ist, erst so richtig losgehen. Denn dann haben wir auch hier griechische oder spanische oder britische Verh&#228;ltnisse. Und viele werden &#252;berrascht tun – so, als habe man das absolut nicht kommen sehen. Dabei ist solche Perspektive schon heute mit H&#228;nden zu greifen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) &#8230; dann wird das Heulen und Z&#228;hneklappern, das schon jetzt ziemlich vernehmlich ist, erst so richtig losgehen. Denn dann haben wir auch hier griechische oder spanische oder britische Verh&#228;ltnisse. Und viele werden &#252;berrascht tun – so, als habe man das absolut nicht kommen sehen.<span id="more-3099"></span></p>
<p>Dabei ist solche Perspektive <a href="http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/wirtschaft-in-deutschland-abwaerts-gehts-auf-jeden-fall_aid_657514.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9b1817d9df464611852300e71a4070b4" alt="" width="1" height="1" />schon heute mit H&#228;nden zu greifen</a>. Und das umso mehr, wenn man gerade aus Norwegen zur&#252;ckgekehrt ist, einem derzeit gewiss traumatisierten Land, das aber dennoch nicht in Rat- und Hilflosigkeit versinkt – und schon gar nicht zum Unruheherd zu werden droht.</p>
<p>Dass die brennenden Autos in Berlin irgendwie die Vorboten der brennenden Vorst&#228;dte von London sein k&#246;nnten, hat – immerhin – Angela Merkel erkannt. Dagegen unternehmen wird sie nichts – au&#223;er vielleicht die Repressivorgane des Staates nicht durch Sparma&#223;nahmen zu schw&#228;chen. Sie kann auch nichts dagegen tun, solange sie sich als loyale Dienerin jenes Systems versteht, das sich – spontan, weil nicht geb&#228;ndigt – nach dem Gesetz der W&#246;lfe entwickelt, das nicht den Hunger, sondern die Gier zur Basis hat.</p>
<p>Die kapitalistische Realwirtschaft bezieht ihre St&#228;rke daraus, dass sie auf die Bed&#252;rfnisse der Menschen schaut, diese auch schon mal erzeugt und entsprechend diesem Bedarf produziert. Da werden nat&#252;rlich Profite auf Kosten der Konsumenten gemacht, diese aber in der Regel f&#252;r neue Produkte verwendet – entsprechend der gewachsenen oder auch manipulierten Bed&#252;rfnisse. Das System ist zumindest in Teilen ungerecht, aber funktioniert, da die Menschen um des eigenen kleinen Vorteils willen den gr&#246;&#223;eren Vorteil der Produzenten relativ klaglos hinnehmen. Es verhindert Reich und Arm nicht, begrenzt aber die Unterschiede und sorgt so f&#252;r eine fragile Balance, die immer wieder austariert werden muss.</p>
<p>Ganz anders funktioniert die Finanzwirtschaft, zumindest dann, sobald sie ihre einzige Daseinsberechtigung, die Unterst&#252;tzung der materiellen Produktion, aufgibt und sich verselbst&#228;ndigt. Sie kann dies freilich nur dann, wenn der Staat es vers&#228;umt, die genannte Balance zwischen Reich und Arm sicherzustellen, also das Finanzkapital einer gewissen Kontrolle und Regulierung zu unterwerfen. Eins dieser Vers&#228;umnisse betraf zum Beispiel den Verzicht auf die Absch&#246;pfung des Gewinns, der nicht aus menschlicher Arbeitskraft, sondern aus der technischen und technologischen Entwicklung erwirtschaftet wurde. Obwohl auch er letztlich aus gemeinschaftlicher Anstrengung hervorging, wurde er nicht dem Gemeinwohl zug&#228;nglich gemacht, sondern allein bei den Kapitaleigent&#252;mern belassen, die ihn aber – aus objektiven wie subjektiven Gr&#252;nden – nur bedingt in neue Produktion investierten, sondern damit auf Spekulationskurs gingen.</p>
<p>Im Kapitalismus kann man auch ohne materielle Produktion, allein durch Umschichten des Kapitals, Geld »verdienen« &#8211; allerdings nur, wenn ihm dabei keine Grenzen gesetzt, die Wolfsz&#228;hne gezogen werden. Es gen&#252;gt ihm nicht, den nat&#252;rlichen Hunger zu stillen und sich dabei vielleicht noch ein Wohlstandb&#228;uchlein anzufuttern, sondern er entwickelt schnell eine grenzenlose Gier, die sich so viel wir m&#246;glich habhaft machen will, jenseits sogar aller vern&#252;nftigen Verwertungsm&#246;glichkeit. Und er l&#228;sst sich daf&#252;r immer neue »Instrumente« einfallen, die nicht selten die Grenzen ins Kriminelle &#252;berschreiten. (Man versuche nur einmal, im gew&#246;hnlichen Handelsleben so etwas wie einen »Leerverkauf« zu t&#228;tigen; schnell griffen die Betrugsparagrafen der Gesetze.)</p>
<p>Dennoch laufen lupenreine Kapitalisten und die von ihnen gesponserten Politiker, nat&#252;rlich jene der FDP, mehr oder minder aber auch schon solche der anderen Parteien, und Meinungsmacher beinahe aller Medien Sturm gegen jegliche Restriktionen f&#252;r das Kapital. Und lamentieren gleichzeitig &#252;ber die Verschuldung des Staates, die ganz wesentlich dadurch hervorgerufen wurde, dass eben dieser Staat zur Bew&#228;ltigung der Finanzkrise 2008 Milliarden und Abermilliarden zur Rettung der Banken aufbringen musste, die ohne diese Kapitalspritze – direkt oder indirekt durch Konjunkturprogramme – pleite zu gehen drohten. Sie zahlten diese Milliarden nicht etwa zur&#252;ck, sondern setzten damit ihr verderbliches Tun fort, ungeachtet der horrenden Verschuldung, die auch der deutsche Staatshaushalt zu verkraften hat und die ihn schon bald ins Visier der Finanzm&#228;rkte bringen wird.</p>
<p>Vielmehr verlangen sie staatliche Ausgabenk&#252;rzungen – ob f&#252;r die ihm obliegenden Aufgaben zur Erhaltung und Entwicklung des Gemeinwesens oder bei Sozialprogrammen. Was die Probleme aber nicht nur nicht l&#246;st, sondern erst schafft und versch&#228;rft. <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0820/tagesthema/0062/index.html" target="_blank">Bis hin zum Aufruhr.</a> Denn ist die parasit&#228;re Finanzbranche die eine Seite der Medaille, so zeigt ihre R&#252;ckseite die Emp&#246;rung, den Zorn und die sinnlose Zerst&#246;rungswut der durch sie Verarmten und Verelendeten.</p>
<p>Ein Wesensmerkmal des Kapitalismus ist die Anarchie – und zwar auf jeder Ebene. Anarchisch vollzieht sich oben, wo das Geld regiert, das Spiel der B&#246;rsen, die es mit allen Mitteln zu mehren versuchen. Ebenso anarchisch reagiert unten, wo das Geld fehlt und zugleich die Begehrlichkeit gezielt stimuliert wird, der Geprellte, der Ausgegrenzte, indem er angreift, was er in heimlicher Sehnsucht hasst, weil es nicht erreichbar ist. Das eine ist so irrational wie das andere. Aber das eine ist Ursache, und das andere ist Wirkung. Fehl geht, wer – wie jetzt Englands unter die Regierungsr&#228;son gezwungene Justiz – die Wirkung bek&#228;mpft, die Ursache aber ungeschoren l&#228;sst. Das aber geschieht nicht nur in Gro&#223;britannien, sondern &#252;berall, wo sich der Aufruhr erhebt. Auch hierzulande wird dies das Mittel der Wahl sein, wenn demn&#228;chst die deutsche Kreditw&#252;rdigkeit herabgestuft wird &#8211; mit all den Folgen, die  jetzt schon in einem europ&#228;ischen Land nach dem anderen zu beobachten sind.</p>
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		<title>Anhaltende Kernschmelze in der Union</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jun 2011 12:31:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Im Herbst 2010 wollte die schwarz-gelbe Koalition mit dem »Durchregieren« beginnen. Doch weder hierzulande noch im fernen Fukushima lie&#223; sich die Welt nach dem eigenen Bilde formen.  Nicht nur Angela Merkels Atomkurs versch&#228;rft die Widerspr&#252;che zwischen den innerparteilichen Fl&#252;geln in CDU und CSU. Manche in der CDU malen schon Horrorszenarien und sehen – wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Im Herbst 2010 wollte die schwarz-gelbe Koalition mit dem »Durchregieren« beginnen. Doch weder hierzulande noch im fernen Fukushima lie&#223; sich die Welt nach dem eigenen Bilde formen.  Nicht nur Angela Merkels Atomkurs versch&#228;rft die Widerspr&#252;che zwischen den innerparteilichen Fl&#252;geln in CDU und CSU.<span id="more-2847"></span></p>
<p>Manche in der CDU malen schon Horrorszenarien und sehen – wie Josef Schlarmann, der Vorsitzende ihrer Mittelstandsvereinigung – den »Markenkern« der Union besch&#228;digt. Auch der Energiepolitiker Thomas Barei&#223; klagt: »Wir verabschieden uns thematisch von unserer Kernklientel und gewinnen bei neuen W&#228;hlern trotzdem keine Glaubw&#252;rdigkeit.« Eine »Kernschmelze« also auch bei der CDU – als ferner Widerhall des atomaren Super-GAUs von Fukushima?</p>
<p>Tats&#228;chlich ist die derzeitige Lage der Unionsparteien alles andere als komfortabel. Sie fuhren im Verein mit ihrem Koalitionspartner FDP nicht nur in den L&#228;ndern eine vernichtende Wahlniederlage nach der anderen ein. Sie sch&#252;rten mit einem verfehlten Regierungskurs in der Bev&#246;lkerung die Unzufriedenheit in einem Ma&#223;e, dass au&#223;erparlamentarische Protestaktionen wie lange nicht wieder auflebten und sich die innerparteilichen Widerspr&#252;che der Regierungspartner so sehr versch&#228;rften, dass einer von ihnen, die FDP, bereits in eine existenzielle Krise geriet.</p>
<h3>Unter der Oberfl&#228;che der Parteidisziplin</h3>
<p>Ganz so dramatisch war die Entwicklung bei den Unionsparteien bisher nicht, doch rumort es auch bei ihnen unter der Oberfl&#228;che erzwungener Parteidisziplin viel mehr, als die F&#252;hrungen offenbaren m&#246;chten. Dabei wollte die Kanzlerin doch mit dem »Herbst der Entscheidungen« gerade den Nerv vieler Unionsanh&#228;nger treffen, auch mit ihrer aggressiven Kampfansage an Andersdenkende in der Gesellschaft – ob hinsichtlich des Bahnhofsprojektes in Stuttgart oder bei der sturen Verteidigung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr, ob mit der eilig nach Kassenlage zusammengeschobenen Hartz-IV-Korrektur oder der <a href="http://www.blogsgesang.de/2011/03/03/merkel-zwischen-konservativen-und-populisten/" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/ef69ef559cfe4463baf8abeea902f6b1" alt="" width="1" height="1" />vorbehaltlosen Verteidigung des geistigen Betr&#252;gers zu Guttenberg</a>. Und schlie&#223;lich mit dem Durchpeitschen der AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung im Schulterschluss mit der Atomindustrie.</p>
<p>Alle diese Entscheidungen standen und stehen im Widerspruch zum Mehrheitswillen in der Bev&#246;lkerung und zeugen vom zunehmend voluntaristischen Agieren Angela Merkels – damit Helmut Kohl in dessen Endzeit vergleichbar, als er seine Entschl&#252;sse f&#252;r ebenso unfehlbar hielt wie seine Person als ihren Vollstrecker, was ihn schlie&#223;lich gar in kriminelle Abgr&#252;nde f&#252;hrte. Und wie Kohl 1998 verlieren Merkel und ihre Koalition mit der FDP erdrutschartig das Vertrauen der B&#252;rger einschlie&#223;lich der eigenen Klientel und damit Stimmen an den Wahlurnen.</p>
<p>Dass dies jetzt besonders an der AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung exemplarisch wurde, hing zwar auch mit der Katastrophe in Fukushima zusammen, ist aber vorrangig die Quittung f&#252;r den Regierungskurs insgesamt. Hilflose Erkl&#228;rungsversuche in den eigenen Reihen, die Misere liege in mangelnder Wertebezogenheit der Union oder in einer Einbu&#223;e an Gro&#223;stadtkompetenz begr&#252;ndet, gehen fehl, zumal sich hinter den Mahnungen der »Wertkonservativen«, »mehr Verl&#228;sslichkeit« zu zeigen und die »Kernklientel« der Union nicht zu verprellen, nur schlecht kaschiert das Unbehagen ihrer Wirtschaftsvertreter und des rechten Fl&#252;gels &#252;ber das Scheitern der von ihnen pr&#228;ferierten Politik verbirgt.</p>
<p>In &#228;hnlich schwere Gew&#228;sser wie die FDP d&#252;rften CDU und CSU dennoch nicht geraten, verf&#252;gen sie als »Volksparteien« doch stets &#252;ber das erforderliche Ma&#223; an taktischer Wendigkeit. Beleg daf&#252;r ist ihr Umweltminister Norbert R&#246;ttgen, einst auch ein gl&#252;hender Verfechter der Atomkraft, der jedoch beizeiten die Signale aus Bev&#246;lkerung und Parteibasis erkannte und schon vor der Laufzeitverl&#228;ngerung davor warnte, Kernkraft zu einem Alleinstellungsmerkmal der Union zu machen.</p>
<p>R&#246;ttgen ist entschlossen, das Thema, bei dem CDU und CSU nicht re&#252;ssieren k&#246;nnen, ein f&#252;r allemal aus der Welt zu schaffen – und inzwischen folgen ihm auch die Vorsitzenden der beiden Parteien, wenn auch nicht aus eigenem Triebe, sondern mit Blick auf Umfragewerte und Wahlergebnisse.</p>
<p>Vor allem Angela Merkel wei&#223;, dass eine offene Wunde in der Atomfrage lange zu Gunsten der Gr&#252;nen schw&#228;ren w&#252;rde, und deshalb nimmt sie derzeit wenig R&#252;cksicht. Weder auf die AKW-Betreiber, deren Galionsfigur J&#252;rgen Gro&#223;mann von RWE beklagte, in ihre Entscheidungen »derzeit in sehr geringem Ma&#223;e« einbezogen zu sein, noch auf die FDP, die den Verzicht auf ein Ausstiegsdatum nicht durchsetzen konnte. Aber die Liberalen versuchen, einige Hintert&#252;rchen offen zu halten. Und Merkels disziplinierte Kritiker aus der eigenen Partei, die sich am Ende im Vorstand auf die Gegenstimme von Arnold Vaatz und zwei Enthaltungen marginalisierten.</p>
<h3>Zu wenig Interesse am Austausch mit dem B&#252;rger</h3>
<p>Entlastung jedoch d&#252;rfte das nur vor&#252;bergehend schaffen, denn das Grundproblem der Union ist damit nicht beseitigt. Ausgerechnet der Generalsekret&#228;r der CDU Baden-W&#252;rttembergs, Thomas Strobl, brachte es j&#252;ngst auf den Punkt: »Wir teilen der &#214;ffentlichkeit (oft genug auch der Partei&#246;ffentlichkeit) unsere abgeschlossene Position mit. An einem wirklichen Dialog, am Austausch von Argumenten, an These, Antithese und Synthese im Kontakt mit unseren Mitgliedern und den B&#252;rgern haben wir in den letzten Jahren zu wenig Interesse gezeigt.«</p>
<p>Ohne gr&#252;ndlichen Kurswechsel in Inhalt wie Form d&#252;rfte die innerparteiliche »Kernschmelze« der Union weitergehen – nach dem Muster des so fieberhaften wie erfolglosen Herumdokterns in Fukushima.</p>
<address>Ver&#246;ffentlicht in: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/199000.anhaltende-kernschmelze-in-der-union.html" target="_blank">Neues Deutschland vom 03.06.2011 </a></address>
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		<title>FDP auf Normalma&#223; zur&#252;ckgestutzt</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 18:10:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint<span id="more-2693"></span>, im Abgang noch Bedingungen stellen zu k&#246;nnen; er wird lernen m&#252;ssen, dass gerade in seiner »Partei der Leistungstr&#228;ger« nichts so sehr z&#228;hlt wie der Erfolg und nichts so vernichtend ist wie Verluste an der Wahlurne.</p>
<p>F&#252;r die Partei als Ganzes jedoch ist Westerwelle nur insofern ein Problem, als er als ihr Vorsitzender jene inhaltliche Ausrichtung der Partei erdachte und durchsetzte, die sie jetzt an den Rand des Abgrunds f&#252;hrte. Diese Ausrichtung haben freilich alle ihre Funktion&#228;re zumindest klaglos, meist aber begeistert mitgemacht – ganz vorn jene, die sich jetzt auch wieder danach dr&#228;ngen, den wuchtigsten Schlag gegen den Ex-Chef zu f&#252;hren. Auch <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/fdp-trio-lindner-roesler-bahr-die-boygroup-der-liberalen-1671025.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c5eddb7fa917495a91fe82c435ded144" alt="" width="1" height="1" />jene, die jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen sollen</a>, waren mit Kritik am Vorsitzenden nie aufgefallen, im Gegenteil verteidigten sie ihn stets wortreich. Sie haben konzeptionell auch nichts anderes auf der Pfanne als ihr zur&#252;ckgetretener Vormann; auch deshalb hat wohl keiner von ihnen Lust, sich ins Geschirr zu h&#228;ngen. Denn ohne <a href="http://www.morgenweb.de/meinung/kommentar/20110404_mmm0000001473637.html" target="_blank">inhaltliche Umorientierun</a>g der Partei ist der Misserfolg jedes k&#252;nftigen FDP-Chefs vorprogrammiert. Diese inhaltliche Umorientierung jedoch ist nicht in Sicht; sie f&#228;nde in der heutigen  FDP auch keine Mehrheit; insofern hat Guido Westerwelle ganze Arbeit geleistet und seine Partei in ein auswegloses Dilemma gef&#252;hrt.</p>
<p>Eine Partei der Wirtschaft und der Banken war die FDP schon immer, doch konnte sie das in der Vergangenheit nicht selten dadurch in den Hintergrund treten lassen, dass sie den erkl&#228;rten Liberalismus eben nicht nur als freie Bahn f&#252;rs Geldmachen verstand, sondern auch als W&#228;chteramt &#252;ber die B&#252;rgerrechte und als Philosophie von Chancengleichheit, was in gewissen Grenzen sogar das Soziale im Blick behielt. Diese Linie, die die FDP auch f&#252;r andere als »Besserverdienende« w&#228;hlbar machte, sicherte nicht nur ihre parlamentarische Existenz in mehr als 60 Jahren Bundesrepublik, sondern machte sie auch immer wieder regierungsf&#228;hig, lange sogar im B&#252;ndnis mit der SPD. Damit jedoch haben Genscher und Lambsdorff durch ihren &#220;bertritt 1982 zu Helmut Kohl und dann die Kinkel, die Gerhardt und letztlich Westerwelle Schluss gemacht. Vor allem letzterer legte seine Partei voll und ganz auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs fest, sah sich dergestalt sogar als Korrektiv zur anderen Wirtschaftspartei CDU/CSU, der er den vorg3eblichen »Sozialdemokratismus« austreiben wollte.</p>
<p>Von dieser Position kommt die FDP so schnell nicht weg. Geradezu exemplarisch ist daf&#252;r das kollektive Schaudern fast aller ihrer F&#252;hrungsleute, als in der Westerwelle-Nachfolge-Debatte der Name Leutheusser-Schnarrenberger fiel. Der von der Justizministerin vertretene Liberalismus ist der heutigen FDP-Garde zutiefst fremd; selbst wenn sie es wollte, w&#228;re sie nicht in der Lage, ihn glaubw&#252;rdig zu vertreten.  Untergehen muss sie deswegen jedoch nicht. Die »Besserverdienenden« bleiben nat&#252;rlich ihre treue W&#228;hlerklientel. Sie misstrauen allen anderen Parteien mit ihrer mehr oder weniger ausgepr&#228;gten sozialen Ader – selbst der Union, bei der diese weitgehend verk&#252;mmert ist. Sie werden die FDP immer w&#228;hlen und mitunter von jenen verst&#228;rkt werden, die hoffen und glauben, selbst auch einmal in diese Kategorie aufzusteigen. Besonders in krisenhaften Zeiten werden die einfachen Botschaften  &#8211; wie »Steuern runter!« oder »Weniger Staat!« &#8211; gern geh&#246;rt; darauf beruhte letztlich der paradoxe Wahlerfolg der FDP 2009. Paradox deshalb, weil es ja gerade die von der FDP kolportierten Parolen von der Entfesselung der M&#228;rkte und der Finanzbranche waren, die bei der Krise im Jahr zuvor Pate gestanden hatten. Die Illusion trug nur wenige Monate und ist jetzt restlos aufgebraucht – eine Warnung &#252;brigens auch an andere Parteien mit hochfliegenden Wahlresultaten – die aus anderer Krisenverunsicherung herr&#252;hren –  und daraus leicht entstehenden Hochgef&#252;hlen.</p>
<p>Die FDP ist auf ihr Normalma&#223; zurechtgestutzt. Bei Bundestagswahlen erreichte sie zumeist  Ergebnisse um die sieben oder acht Prozent, nur f&#252;nfmal schnitt sie zweistellig ab, was aber nie Bestand hatte. Ihr niedrigstes Resultat lag knapp unter sechs Prozent; dort etwa w&#252;rde sie sich wohl derzeit einpegeln, vielleicht auch etwas niedriger wegen des Westerwelle-Faktors. Von besonderer Bedeutung f&#252;r die deutsche Politik ist das nicht, weshalb auch Angela Merkel  nicht in Panik ausbricht. Nach dem, was die Demoskopie derzeit verbreitet, hat sie mit der SPD auch k&#252;nftig einen sicheren Juniorpartner – und im &#252;brigen sind sie und ihre Partei l&#228;ngst dabei, die Gr&#252;nen ins eigene Lager zu locken. Mit gar nicht so schlechten Erfolgsaussichten.</p>
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		<title>W&#228;hler bestrafte Hochmut der CDU – und der SPD</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 18:29:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Dass die CDU in Baden-W&#252;rttemberg und – etwas weniger deutlich – auch in Rheinland-Pfalz vom W&#228;hler kr&#228;ftig abgestraft wurde, ist nicht zu leugnen. Aber auch die SPD, die sich – wie auf der anderen Seite die rheinland-pf&#228;lzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Kl&#246;ckner – realit&#228;tsfern als Wahlsieger geriert, muss noch immer f&#252;r ihre unsoziale Politik der Schr&#246;der- [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Dass die CDU in Baden-W&#252;rttemberg und – etwas weniger deutlich – auch in Rheinland-Pfalz vom W&#228;hler kr&#228;ftig abgestraft wurde, ist nicht zu leugnen. Aber auch die SPD, die sich – wie auf der anderen Seite die rheinland-pf&#228;lzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Kl&#246;ckner – realit&#228;tsfern als Wahlsieger geriert, muss noch immer f&#252;r ihre unsoziale Politik der Schr&#246;der- und M&#252;ntefering-&#196;ra bezahlen.<span id="more-2659"></span>Wenn sie jetzt in Mainz trotz Verlusten von fast zehn Prozent weiterregieren und in Stuttgart trotz des dortigen schlechtesten Ergebnisses &#252;berhaupt in die Regierung schl&#252;pfen kann, hat sie das allein den Gr&#252;nen zu verdanken, den einzigen Siegern des heutigen Wahlabends.</p>
<p>Aber nat&#252;rlich wiegt der Einbruch von CDU und FDP in Baden-W&#252;rttemberg schwerer, auch wenn um dessen wahren Grund die systemnahen Medien zumeist einen gro&#223;en Bogen machen. In ihren schon vor dem heutigen Wahltag vielf&#228;ltig formulierten Abges&#228;ngen auf die Kanzlerin und ihrer Koalition entwickelten sie entweder<a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Wahlen-Atom-Libyen-Merkels-haerteste-Pruefung-id4466518.html" target="_blank"> abenteuerliche Katastrophentheorien</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/a67d777f6f784933848b990422eec625" alt="" width="1" height="1" /> – so als seien ein unvorhersehbares politisches Erdbeben und gleich darauf noch ein Tsunami &#252;ber Schwarz-Gelb gekommen – oder versuchten sich in <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0326/politik/0009/index.html" target="_blank">amateurhaften psychologischen Befunden</a> &#252;ber die doch so bedauernswerte Kanzlerin. Dass es tats&#228;chlich die verfehlten Inhalte der schwarz-gelben Politik und ein voluntaristisches Herangehen an die aktuellen Probleme, das objektive Bedingungen wie subjektive Befindlichkeiten in der Bev&#246;lkerung arrogant ausblendete, waren, die zum Desaster f&#252;hrten, lie&#223; sich so elegant verschleiern.</p>
<p>Die schwerste Hypothek hatte sich die Regierung mit dem Beschluss zur Verl&#228;ngerung der Laufzeiten f&#252;r Atomkraftwerke aufgeladen. Der sich immer st&#228;rker abzeichnende Super-GAU in Japan war eben nicht – wie einige Atombef&#252;rworter mit Altbundeskanzler Helmut Kohl an der Spitze jetzt schon wieder verk&#252;nden – ein bl&#246;der Zufall zur falschen Zeit, sondern die gesetzm&#228;&#223;ige Folge einer Politik, die um des Profits von Wirtschaftsunternehmen willen latente Gefahren klein redet und am Ende – gerade in Japan kann man das jetzt mit erschreckender Deutlichkeit sehen – die Gesellschaft auf den Folgen ihres im Grunde kriminellen Tuns sitzen l&#228;sst. Hinter der Desinformationsparole von der »Br&#252;ckentechnologie« und der noch viel gr&#246;&#223;eren L&#252;ge vom »Moratorium« sollte und soll verborgen werden, dass es nur um Milliardengewinne geht und nicht nur die Meinungen, sondern auch die lebenswichtigen Interessen der Menschen deshalb nassforsch missachtet werden.</p>
<p>Ein anderes Beispiel f&#252;r die Abgehobenheit der Bundesregierung ist der Afghanistankrieg, gegen den es seit Beginn eine Mehrheit im Volk gibt, die jedoch ebenfalls total ignoriert wird. Vielmehr unternahm es der inzwischen an anderen Verfehlungen gescheiterte Verteidigungsminister zu Guttenberg, unter Aufbietung aller nur zur Verf&#252;gung stehenden Propagandakompanien, Krieg f&#252;r Deutsche wieder salonf&#228;hig zu machen. Zwar hat die Koalition jetzt auf einige ihrer kl&#252;geren Berater geh&#246;rt und den Afghanistan-Fehler in Libyen nicht wiederholt, doch selbst diese positive Entscheidung verstand sie dadurch zu entwerten, dass sie daf&#252;r das Engagement am Hindukusch verst&#228;rkte. Und sie trieb zugleich die Kriegsfraktion&#228;re in der CDU/CSU aus der Deckung – jene, die noch heute einer Angela Merkel nachtrauern, die 2003 gern mit George W. Bush in den Irakkrieg gezogen w&#228;re, weil sie zum einen Gewalt – ob im Innern (siehe das Vorgehen gegen die Stuttfart-21-Gegner) oder nach au&#223;en (wie jetzt gegen&#252;ber Libyen) – f&#252;r ein probateres Mittel der Politik  als die Suche nach Ausgleich und friedlichen Konfliktl&#246;sungen halten und zum anderen deutsche Politik noch immer in einer Satelittenrolle sehen – lange fixiert auf die USA, nun auch auf andere; in jedem Falle ohne Sinn und Klugheit dieser Politik auch nur zu hinterfragen.</p>
<p>Weitere Beispiele, wie weit Schwarz-Gelb im Grunde von Denken der B&#252;rger entfernt ist, lieferten das sture Festhalten am Stuttgarter Bahnhofsbau, das die Bundeskanzlerin am Ende sogar zu ihrer Sache erkl&#228;rte, und die am gr&#252;nen Tisch zusammengebastelte Hartz-IV-Korrektur nach der R&#252;ge des Bundesverfassungsgerichts, die sich nicht am Bedarf von Arbeitslosen, sondern an der Kassenlage des Bundes orientierte. Auch Freiherr zu Guttenbergs arroganter Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer und sein v&#246;lliges Unverst&#228;ndnis f&#252;r die Forderungen nach einem ehrlichen, anst&#228;ndigen Umgang mit eigenen Verfehlungen geh&#246;ren in diese Reihe. Und erst heute hat einer der neuen Minister des Kabinetts Merkel ein weiteres Beispiel f&#252;r regierungsamtlichen Hochmut geliefert. Nicht etwa <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/1421531/" target="_blank">Innenminister Hans-Peter Friedrich</a> hat nach seiner Auffassung mit seinem Wort, dass der Islam nicht zu Deutschland geh&#246;re, die Gesellschaft gespalten, sondern jene, die ihn daf&#252;r kritisierten.Seine &#196;u&#223;erung sei dazu benutzt worden, »einen Keil zu treiben zwischen den Muslime und mich. Und das zeigt mir eigentlich, dass die, die mich so scharf kritisiert haben, eigentlich nur ein Ziel hatten, n&#228;mlich zu spalten und nicht zusammen zu f&#252;hren.« Und Julia Kl&#246;ckner, die das zweitschlechteste Resultat ihrer Partei in Rheinland-Pfals ohne rot zu werden ein »wunderbares Ergebnis« nennt, will sich offensichtlich in die Front der Wirklichkeitsverweigerer der Union  nahtlos einreihen.</p>
<p>Die SPD steht der CDU in dieser Frage freilich wenig nach, wie vor allem Andrea Nahles&#8217; Siegeseuphorie angesichts niederschmetternder Stimmergebnisse zeigt.. Sie hat nicht begriffen oder will nicht begreifen, dass die Abkehr der W&#228;hler, die jetzt massiv die Union erlebt, bei ihr schon lange aingesetzt hat und auch heute nicht gestoppt werden konnte; in Rheinland-Pfalz hat sie jetzt erst richtig Fahrt aufgenmmen. Beide so genannte Volksparteien waren und sind nicht das Opfer schicksalhafter politischer Katastrophen, sondern  bewusst betriebenen Regierungshandeln, das zunehmend glaubt, sich &#252;ber die B&#252;rger hinwegsetzen und allein nach den eigenen, interessengeleiteten Ma&#223;st&#228;ben handeln zu k&#246;nnen. Dass – wie zuvor schon Schr&#246;der und M&#252;ntefering – Angela Merkel und Guido Westerwelle, ihre schwarz-gelben Koalition&#228;re und die hinter ihnen stehenden, nach weiteren Milliarden gierenden Wirtschaftsbosse damit nicht durchgekommen sind, ist das wichtigste Resultat des heutigen Wahltages.</p>
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		<title>Schwarz-gelber Hochmut im Super-GAU</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 17:33:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Hochmut kommt vor den Fall. Diese Erfahrung wird derzeit der schwarz-gelben Bundesregierung kn&#252;ppeldick aufs Kreuz gepr&#252;gelt – und das auf beinahe allen Feldern, auf denen sie nassforsch »durchzuregieren« beabsichtigte, also &#252;ber die Meinung der B&#252;rger, &#252;ber ihr Anstandsempfinden und sogar &#252;ber vorausschauende Vernunft hinweg. Beim Bahnhofsprojekt »Stuttgart 21«, zu dem sich die Kanzlerin uneingeschr&#228;nkt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Hochmut kommt vor den Fall. Diese Erfahrung wird derzeit der schwarz-gelben Bundesregierung kn&#252;ppeldick aufs Kreuz gepr&#252;gelt – und das auf beinahe allen Feldern, auf denen sie nassforsch »durchzuregieren« beabsichtigte<span id="more-2541"></span>, also &#252;ber die Meinung der B&#252;rger, &#252;ber ihr Anstandsempfinden und sogar &#252;ber vorausschauende Vernunft hinweg.</p>
<p>Beim Bahnhofsprojekt »Stuttgart 21«, zu dem sich die Kanzlerin uneingeschr&#228;nkt bekannte, wurde die Abgehobenheit der gegenw&#228;rtigen Koalition bereits un&#252;bersehbar. Beim Fall zu Guttenberg verh&#246;hnte Angela Merkel all jene, die an Ehrlichkeit und Fairness glauben. Und jetzt muss die CDU/CSU/FDP-Regierung erleben,  dass auch ihre Ignoranz gegen&#252;ber der Natur und deren Gesetzen weit entfernt von aller realistischen, vernunftgeleiteten Politik ist. <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E9FAC3BC57E344F20A85FA806F611E469~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/e5c83b9118ef431eae9c6ddc45eac7e8" alt="" width="1" height="1" />&#196;hnlich alte Atomkraftwerke wie der japanische Ungl&#252;cksmeiler Fukushima</a>, aber wegen der hiesigen geologischen Bedingungen weitaus weniger sicher ausgebaut, hatten schon von Rot-Gr&#252;n ausgehandelte Abschalttermine, die Schwarz-Gelb jedoch als eine der ersten Amtshandlungen kassierte.</p>
<p>So sollte Biblis A, seit 1975 in Betrieb und 2010 urspr&#252;nglich zur Abschaltung vorgesehen, noch bis 2020 (!) am Netz bleiben, ebenso das nur ein Jahr j&#252;ngere AKW Neckarwestheim 1. Alle Experten sagen, das diese und mindestens f&#252;nf weitere Kraftwerke wegen ihres Sicherheitsstandards, der heutigen Anspr&#252;chen schon lange und nach den Vorg&#228;ngen in Japan erst recht nicht mehr gen&#252;gt, abgeschaltet werden m&#252;ssten – eine Entscheidung, zu dem sich die Bundesregierung <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/schwerpunkt-anti-akw/artikel/1/regierung-erwaegt-laufzeiten-aussetzung/" target="_blank">erst unter dem Druck der Tatsachen, aber auch dann noch halbherzig durchzuringen ank&#252;ndigt</a>. Ihr Z&#246;gern macht deutlich: Weniger tats&#228;chliche Einsicht als Angst vor Verlusten bei bevorstehenden Landtagswahlen bestimmt ihre gegenw&#228;rtige Taktik. Daneben n&#228;mlich diffamiert sie all jene, die schon immer vor der Atomkraft gewarnt haben und das nun nat&#252;rlich weiterhin und zu Recht sogar verst&#228;rkt tun, als eine Art Katastrophengewinnler, die das Leid der Japaner f&#252;r politische Zwecke instrumentalisieren wollten. Nebenbei: Dies ist das gleiche j&#228;mmerliche Argumentationsmuster, mit dem schon zu Guttenberg unter Hinweis auf tote Soldaten in Afghanistan gegen seine Kritiker operierte.</p>
<p>Die Entscheidung zur Verl&#228;ngerung der AKW-Laufzeiten war nicht von Sacherw&#228;gungen, sondern allein von politischen Motiven bestimmt. Schwarz-Gelb als Interessenvertreter der Wirtschaft und damit ganz wesentlich auch der Energiekonzerne, modelte das von Rot-Gr&#252;n verabschiedete Ausstiegsgesetz, das angesichts heutiger Erkenntnisse auch schon unzureichend war, zu einem Weiterf&#252;hrungsgesetz um und passte entsprechend die Sicherheitsstandards an die neue Zielvorgabe an. Sie handelte damit nicht anders als die japanische Regierung, die zwar mit Erdbeben und Tsunami von schweren Naturkatastrophen heimgesucht wurde, diese aber durch ihre unkritische Haltung zur Kernenergie noch verschlimmerte. Der <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/gau-und-glaube/3950330.html" target="_blank">Atomunfall von Fukushima</a> geht vollkommen zu Lasten der AKW-Betreiber und der ihnen dienstbaren Administration in Tokio. Ebenso ginge ein vergleichbares Ereignis hierzulande auf das Konto der schwarz-gelben Bundesregierung, die – gott&#228;hnlich – meint, allein dar&#252;ber befinden  zu k&#246;nnen, was f&#252;r die B&#252;rger sicher ist und was nicht. Selbst die L&#228;nderregierungen, die Wesentliches zur Sicherheit der Atomkraftwerke beitragen m&#252;ssten, hat sie von der Entscheidung &#252;ber die Laufzeitverl&#228;ngerung ausgeschlossen.</p>
<p>Mit ihrer Politik der »Alternativlosigkeit«, die in Wirklichkeit  als H&#246;rigkeit gegen&#252;ber Wirtschaftsinteressen zu verstehen ist, haben sich Angela Merkel und ihre Koalition in eine schwere Krise man&#246;vriert. Man k&#246;nnte sagen, ihnen droht &#228;hnlich wie Fukushima ein Super-GAU. Aber w&#228;hrend man mit dem japanischen Volk darum bangt, dass es dieser unvorstellbaren Katastrophe noch entgehen kann, ist sie politisch der schwarz-gelben Bundesregierung von Herzen zu g&#246;nnen.</p>
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		<title>Thomas de Maizière &#8211; ein Diener mit Defiziten</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Mar 2011 14:50:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Mit vielen Vorschusslorbeeren wird der neue Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bedacht. Die Bilanz seines bisherigen politischen Wirkens ist jedoch allenfalls durchwachsen. Wieder ist ein Adliger ins Verteidigungsministerium am Berliner Bendlerblock eingezogen, freilich kein fr&#228;nkischer, sondern ein hugenottischer. Und denen werden seit ihrer erzwungenen &#220;bersiedlung in die preu&#223;ischen Lande Bildungsbeflissenheit, Kultur und gute Sitten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Mit vielen Vorschusslorbeeren wird der neue Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bedacht. Die Bilanz seines bisherigen politischen Wirkens ist jedoch allenfalls durchwachsen.<span id="more-2533"></span></p>
<p>Wieder ist <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/192496.diener-mit-defiziten.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/573fc41fa977462082489c4b24e7cd96" alt="" width="1" height="1" />ein Adliger ins Verteidigungsministerium am Berliner Bendlerblock eingezogen</a>, freilich kein fr&#228;nkischer, sondern ein hugenottischer. Und denen werden seit ihrer erzwungenen &#220;bersiedlung in die preu&#223;ischen Lande Bildungsbeflissenheit, Kultur und gute Sitten nachgesagt, vor allem aber absolute Loyalit&#228;t gegen&#252;ber staatlichen Autorit&#228;ten. Thomas de Maizières Familie kam im 17. Jahrhundert aus dem lothringischen Metz nach Brandenburg; einige ihrer Glieder haben sich seither hierzulande einen Namen gemacht. Der Vater war sechs Jahre lang Generalinspekteur der Bundeswehr, der Cousin Ministerpr&#228;sident der untergehenden DDR.</p>
<h4>Ausgleichen, wenn andere streiten</h4>
<p>Das gilt inzwischen auch f&#252;r den 1954 in Bonn geborenen neuen Verteidigungsminister und Oberkommandierenden der Bundeswehr selbst. Thomas de Maizières politische Karriere begann in den 80er Jahren in Richard von Weizs&#228;ckers, vor allem aber Eberhard Diepgens Westberliner Senatskanzlei und erfuhr mit der Wendezeit ab 1990 eine unerwartete Beschleunigung. Damals wurde er Staatssekret&#228;r bei seinem Verwandten Lothar de Maizière und nahm an den Verhandlungen zum Einigungsvertrag teil. Mit dem Ende der DDR wechselte der promovierte Jurist ins neu gegr&#252;ndete Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, zun&#228;chst als Staatssekret&#228;r im Kultusministerium und 1994 als Leiter der Staatskanzlei des damaligen Ministerpr&#228;sidenten Berndt Seite. Nach dessen Abwahl 1998 erreichte de Maizière ein Ruf Kurt Biedenkopfs aus Sachsen, der ihn 1999 zum Leiter seiner Staatskanzlei machte.</p>
<p>Der ger&#228;uschlos und zuverl&#228;ssig arbeitende einstige Jesuitenz&#246;gling musste beizeiten seine F&#228;higkeit zum Moderieren zwischen unterschiedlichen politischen Temperamenten, wenn nicht zum Streitschlichten unter Beweis stellen. Das begann bereits in Schwerin, wo er in der CDU/SPD-Koalition zwischen Seite und Harald Ringstorff vermittelte, und setzte sich in Dresden fort, als Biedenkopf und sein Finanzminister Georg Milbradt nicht mehr miteinander konnten. Von diesem &#252;bernahm er 2001 das Finanzministerium und diente ihm erst als Justiz- und dann als Innenminister.</p>
<p>Wohl auch wegen seiner unbestreitbaren F&#228;higkeit zum Ausgleichen unterschiedlicher Positionen holte Bundeskanzlerin Angela Merkel Thomas de Maizière 2005 in die mit der SPD gebildete Bundesregierung und machte ihn zum Chef des Kanzleramtes. Dort wurde er bald so unentbehrlich, dass er nachtr&#228;glich in die kleine Koalitionsrunde der Parteispitzen vorsto&#223;en konnte. Beinahe legend&#228;r war die damalige Taktfrequenz des SMS-Verkehrs mit der Kanzlerin. Er schaffte es, die Regierungsarbeit weitgehend ger&#228;uschlos zu organisieren, wobei ihm half, dass sowohl Union als auch SPD zur gro&#223;en Koalition keine Alternative sahen. Es ist wohl nicht nur Koketterie, wenn er bekundet, er sei dann gut in seiner Arbeit, wenn man von ihm nichts merke. Auf dem H&#246;hepunkt der schwarz-gelben Fingerhakeleien etwa vor Jahresfrist entfuhr ihm einmal: »In der Koalition wird zu viel herumgequatscht und zu wenig konstruktiv miteinander gearbeitet.«</p>
<p>Da aber war er schon Innenminister im zweiten Kabinett Merkel und musste beweisen, dass er nicht nur moderieren, sondern auch etwas durchsetzen kann – mit lautstarken Law-and-order-Leuten seiner Partei, vor allem aber der CSU im R&#252;cken und der die liberale Fahne hoch haltenden Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als Widerpart. Das ist ihm – gl&#252;cklicherweise – kaum gelungen, wozu beigetragen haben mag, dass auch er in Sicherheitsfragen eher gem&#228;&#223;igte Positionen vertrat und es sich beispielsweise weitgehend versagte, die Angst vor Terroranschl&#228;gen zum Abbau von B&#252;rgerrechten zu instrumentalisieren, wie es sein Vorg&#228;nger Wolfgang Sch&#228;uble noch gern getan hatte.</p>
<p>Erst als seine Deeskalationstaktik so weit ging, dass er nicht einmal seine Chefin &#252;ber einen Bombenfund auf dem K&#246;lner Flughafen informierte und diese vom britischen Premierminister davon erfuhr, schaltete er um und gab vor Weihnachten aufgrund sehr vager Hinweise eine drastische Terrorwarnung heraus. Da war er ganz der »Diener«, als der er sich als Minister versteht, und wollte den vermeintlichen Fehler schnell vergessen machen. Dennoch argw&#246;hnte die Union bei ihm immer, er vertr&#228;te ihre Positionen nicht entschlossen genug.</p>
<p>Tats&#228;chlich jedoch ist er kein St&#252;ck von all jenen Vorhaben abger&#252;ckt, die CDU und CSU schon seit langem verfolgen: Online-Durchsuchungen, Vorratsdatenspeicherung, Visa-Warndatei, Sperrung von Kinderpornoseiten im Internet, die sich schnell auf andere Themen ausweiten lie&#223;e, und die Verl&#228;ngerung der Terrorgesetze, auch nach der anstehenden &#220;berpr&#252;fung. Dass sich all das noch in der Warteschleife befindet, lag nicht an ihm, sondern am &#246;ffentlichen Widerstand, am Bundesverfassungsgericht und an seiner Kollegin aus dem Justizressort. Bei der ins Auge gefassten Zusammenlegung von Bundeskriminalamt und Bundespolizei stie&#223; er ebenfalls auf gro&#223;en Widerstand – au&#223;er bei der FDP auch bei der CSU und in den L&#228;ndern.</p>
<h4>Durchsetzen, was andere denken</h4>
<p>Durch besondere Kreativit&#228;t bei der Erarbeitung eigener politischer Konzepte ist Thomas de Maizière bislang nicht aufgefallen. Trat er &#246;ffentlich in Erscheinung, dann eher bei solcherart Verwaltungsakten wie der Erprobung von K&#246;rperscannern auf Flugh&#228;fen oder der Einf&#252;hrung des neuen Personalausweises – beides nicht gerade Erfolgsgeschichten. Oft verlie&#223; er sich auf externen Sachverstand, ganz wie er es aus seiner T&#228;tigkeit als Zuarbeiter f&#252;r die Regierungsspitze gewohnt ist. Sein Metier ist die effiziente Durchsetzung dessen, was andere gedacht haben. Auch kurzzeitig wirkende Entschl&#252;sse liegen ihm, also die Organisation des von Merkel bevorzugten Von-der-Hand-in-den-Mund-Regierens. Soll er selbst gestalten, fehlt ihm die sichere Hand. Besonders deutlich wurde das w&#228;hrend seiner Amtszeit in Sachsen, in die auch die Aff&#228;re um die konspirative Datensammlung des Landesverfassungsschutzes zu Kontakten von Politikern, Justiz und Polizei zur organisierten Kriminalit&#228;t fiel und die bis heute nicht sauber aufgekl&#228;rt ist.</p>
<p>Sp&#228;testens da musste er wohl erkennen, dass auch hugenottische Tugenden leicht in Widerspruch zu den vorgeblichen Zw&#228;ngen der Realpolitik geraten k&#246;nnen und dann letztere aus Staatsr&#228;son Priorit&#228;t haben; de Maizière unterwarf sich dem stets mit »preu&#223;ischem Pflichtbewusstsein«. So verfuhr er zum Beispiel in seiner Funktion als Geheimdienstkontrolleur, als 2006 die Bespitzelung von Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst entlarvt wurde und er sich auf dessen Seite schlug. Auch die &#220;berwachung des E-Mail-Verkehrs einer deutschen Journalistin mit afghanischen Politikern durch den BND deckte der damalige Kanzleramtschef zwei Jahre sp&#228;ter. Und ganz aktuell, beim Plagiatsskandal seines Vorg&#228;ngers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), bescheinigte er diesem noch einen Tag vor seinem R&#252;cktritt, er habe »nach wie vor die notwendige Autorit&#228;t f&#252;r sein Amt«.</p>
<p>Mag sein, dass ihm das im Verteidigungsministerium ebenso zugute gehalten wird wie das Lob in seinem ersten Tagesbefehl, zu Guttenberg habe »die Besonderheiten des soldatischen Dienens, die mit den Auslandseins&#228;tzen verbundenen Gef&#228;hrdungen und die Bundeswehr insgesamt stark in das &#246;ffentliche Bewusstsein ger&#252;ckt«. In der Sache selbst h&#228;lt er offensichtlich wenig von dem, was ihm der Vorg&#228;nger hinterlie&#223;, sonst h&#228;tte er wohl kaum als erste Amtshandlung dessen Staatssekret&#228;r Walther Otremba entlassen, der das Konzept zur Bundeswehrreform entwarf. Das wiederum rief den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer auf den Plan, der jegliche &#196;nderungen daran strikt ablehnt.</p>
<p>Ein unausgegorenes Reformwerk, ungekl&#228;rte Guttenberg-Aff&#228;ren, bayerische Wutpolitiker – schwieriger kann Thomas de Maizières Start kaum sein. Da ist vielleicht doch als erstes seine F&#228;higkeit zu moderieren gefragt.</p>
<address>Ver&#246;ffentlicht in: Neues Deutschland vom 07.03.2011</address>
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		<title>Ex-Minister Guttenberg – Sargnagel f&#252;r die Kanzlerschaft Angela Merkels</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 16:58:11 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Ausgerechnet am 1. M&#228;rz, dem Tag der Nationalen Volksarmee, an dem in der DDR Bef&#246;rderungen ausgesprochen und Medaillen verteilt wurden, scheidet mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR-Streitkr&#228;fte der Bundeswehr-Oberbefehlshaber und BRD-Verteidigungsminister aus dem Amt; f&#252;rwahr eine hintergr&#252;ndige Laune der Geschichte. Er tat es gegen seinen Willen, gegen den seiner Partei und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Ausgerechnet am 1. M&#228;rz, dem Tag der Nationalen Volksarmee, an dem in der DDR Bef&#246;rderungen ausgesprochen und Medaillen verteilt wurden, scheidet mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR-Streitkr&#228;fte der Bundeswehr-Oberbefehlshaber und BRD-Verteidigungsminister aus dem Amt; f&#252;rwahr eine hintergr&#252;ndige Laune der Geschichte. Er tat es gegen seinen Willen, gegen den seiner Partei und Regierung und vor allem <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/verteidigung-dokumentation-merkel-erklaerung_aid_604619.html" target="_blank">gegen den der Kanzlerin</a>. <span id="more-2513"></span>Er tat es, weil es einer wachsenden Zahl von B&#252;rgern dieses Landes, die gern etwas absch&#228;tzig mit dem Attribut von »Wutb&#252;rgern« belegt werden, unertr&#228;glich wurde, wie prinzipien- und w&#252;rdelos Politik sich &#252;ber alle Regeln von Ehre und Anstand hinwegzusetzen versuchte, um ihre Macht zu sichern. <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748260,00.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c942aabd4ada4c7b9b2084fadae67429" alt="" width="1" height="1" />Diese B&#252;rger mit den gern gescholtenen Intellektuellen an der Spitze</a> haben das Land gegen Verlotterung und moralischen Niedergang verteidigt – und zwar ohne jede Unterst&#252;tzung durch Regierung und die sie tragenden Parteien, sondern mutig gegen sie.</p>
<p>Wenn etwas an der Aff&#228;re Guttenberg positiv ist, dann diese Unbestechlichkeit eines Teils der Bev&#246;lkerung, die den Freiherrn mit seinem Versuch scheitern lie&#223;, seine politische Karriere zumindest teilweise auf Lug und Trug aufzubauen und zudem dazu f&#252;hrte, dass viele trotz des <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/guttenberg-ruecktritt-pressestimmen-der-letzte-ausweg-eines-in-die-ecke-gedraengten-1.1066511" target="_blank">Trommelfeuers des Boulevards</a> zur <a href="http://www.blogsgesang.de/2011/02/18/doktor-zu-guttenberg-ein-deutscher-berlusconi-verschnitt/" target="_blank">Rechtfertigung aller Mittel auf dem Weg nach oben</a> allm&#228;hlich in eine Diskussion dar&#252;ber eintraten, welche Werte, welche Prinzipien f&#252;r das gedeihliche Zusammenleben einer Gesellschaft unabdingbar sind – und zwar auch oder gar vor allem dann, wenn diese Werte und Prinzipien von der amtierenden Regierung mit F&#252;&#223;en getreten werden.</p>
<p>Die Bundeskanzlerin, die christlich-demokratische und die christlich-soziale Union, die frei-demokratische Partei, die sich nicht genug darin gefallen konnten, als die wahren <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/333477/333478.php" target="_blank">Verfechter urb&#252;rgerlicher, konservativer Werte</a> aufzutreten, haben diese um kurzfristiger Wahlerfolge willen auf den Kehrichthaufen gefegt. Sie, f&#252;r die Eigentum ein heiliges Gut ist, haben deutlich werden lassen, dass es dabei nicht etwa um geistigen Besitz, um ethische und moralischer G&#252;ter geht, sondern nur um Materielles, um Pekuni&#228;res – und dass man um dessen Mehrung willen eben auch Moral und Sitte aus dem eigenen Nachdenken und Entscheiden verbannen kann. Die Regierungsparteien und vor allem Angela Merkel haben damit auch bewiesen, dass sie l&#228;ngst vom Kern, vom Gr&#252;ndungskonsens ihrer eigenen b&#252;rgerlichen Parteien abger&#252;ckt sind. Mehr und mehr bringen sie gro&#223;e Teile ihrer einstigen Basis gegen sich auf, weil ihnen das brutale Durchregieren wichtiger ist als vernunftgeleitete Politik. Der Fall Guttenberg ist nach Stuttgart 21, der Verl&#228;ngerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken, der kalten Verh&#246;hnung von Hartz-IV-Empf&#228;ngern und vielen anderen &#228;hnlichen Entscheidungen ein besonders deutliches Signal politischer Ignoranz und der Verachtung selbst der eigenen Anh&#228;ngerschaft – und er k&#246;nnte sich gerade deshalb als Sargnagel f&#252;r die Merkelsche Kanzlerschaft erweisen.</p>
<p>Wichtiger an dem Vorgang aber d&#252;rfte sein, dass durch die heftige Diskussion &#252;ber den Betrug zu Guttenbergs die Chance besteht, schon erodierende Ma&#223;st&#228;be f&#252;r Ehrlichkeit, Leistungswillen, Verantwortungsgef&#252;hl und Fairness wiederherzustellen. Die bis zuletzt anhaltende Bereitschaft vieler, den geistigen Diebstahl zu Guttenbergs als l&#228;ssliches Kavaliersdelikt durchgehen zu lassen, wirft ein irritierendes Licht auf den moralischen Zustand des Landes. Offensichtlich hat die Politik schon ganze Arbeit geleistet, die entsprechenden Grunds&#228;tze aus dem Bewusstsein der Menschen zu tilgen. Die Entlarvung des Hochstaplers Karl Theodor zu Guttenbergs k&#246;nnte zu einem Umdenken beitragen; ob das tats&#228;chlich gelingt, wird nicht zuletzt an dessen k&#252;nftiger Rolle hierzulande abzulesen sein.</p>
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		<title>Hamburg zeigt die Ratlosigkeit des W&#228;hlers</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 18:20:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Das Ergebnis der Hamburger B&#252;rgerschaftswahl entbehrt jeder Logik. In bundesweiten Umfragen d&#252;mpelt die SPD im 20-Prozent-Bereich herum, an der K&#252;ste jedoch schafft sie – trotz vier weiterer Parteien &#252;ber der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde – die absolute Mehrheit. Und das mit einem Politiker, der zu den Architekten der Agenda 2010 geh&#246;rte und – als Generalsekret&#228;r der Partei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Das <a href="http://www.tagesschau.de/inland/hamburgwahl156.html" target="_blank">Ergebnis der Hamburger B&#252;rgerschaftswahl</a> entbehrt jeder Logik. In bundesweiten Umfragen d&#252;mpelt die SPD im 20-Prozent-Bereich herum, an der K&#252;ste jedoch schafft sie – trotz vier weiterer Parteien &#252;ber der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde – die absolute Mehrheit. Und das mit einem Politiker, der zu den Architekten der Agenda 2010 geh&#246;rte <span id="more-2470"></span>und – als Generalsekret&#228;r der Partei unter Gerhard Schr&#246;der – sogar den Begriff des demokratischen Sozialismus aus dem Parteiprogramm tilgen wollte. Auf der anderen Seite st&#252;rzt die CDU, in der Bundes-Demoskopie klar f&#252;hrend und nun der eigentliche Sachwalter Schr&#246;derscher Politik (wie sich parallel zum Wahlgang bei den Hartz-IV-Verhandlungen erwies), fast unter die 20-Prozent-Marke. All das zeugt von der tiefen Ratlosigkeit der W&#228;hler, die angesichts der Austauschbarkeit politischen Personals jenseits aller Parteizugeh&#246;rigkeit l&#228;ngst nicht mehr wissen, wem sie ihre Stimme geben sollen. Sie haben gelernt, dass ungeachtet ihrer Wahlentscheidung in der Politik das »Weiter so!« dominiert, d. h. f&#252;r wen auch immer sie votieren, &#228;ndert sich doch kaum etwas.</p>
<p>Gerade die Hamburger hatten in der Vergangenheit versucht, auch durch Zuwendung zu politischen Exoten jemanden zu finden, der ihre Interessen origin&#228;r vertritt. 1993 machten sie die STATT-Partei stark, mit der die SPD eine Kooperationsvereinbarung schloss, da sie keine eigene Mehrheit hatte. Da sich an der Politik kaum etwas &#228;nderte, verlor die SPD erheblich an Stimmen und versuchte es 1997 mit der gr&#252;nen GAL. Auch das ging schief, und 2001 schickten die W&#228;hler die PRO-Partei des politischen Hasardeurs Ronald Schill mit 19,4 Prozent gleich bis in den nun CDU-gef&#252;hrten Senat. Nach dessen Scheitern schaffte die CDU das, was gestern der SPD gelang: Sie legte um 21 auf 47,2 Prozent zu und regierte fortan allein die Hansestadt – allerdings nur vier Jahre. Dann verb&#252;ndete sie sich mit den Gr&#252;nen. Auch das &#252;berzeugte letztlich die Hamburger nicht. Nun erh&#228;lt <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-2011/hamburg/hamburger-spd-ein-traumhafter-sieg-ohne-stoff-fuer-traeume_aid_601985.html" target="_blank">die SPD eine neue Chance</a><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/13ba2ff7777e43c5a1baaaac6620068e" alt="" width="1" height="1" />; nutzt sie sie nicht, ist ihr Abgang bereits vorhersehbar.</p>
<p>Interessierte Kommentatoren bis hinein in die Regierungsparteien begr&#252;nden Olaf Scholz&#8217; Erfolg mit seiner <a href="http://www.welt.de/politik/wahl/hamburg-wahl/article12608131/Schroeder-freut-sich-ueber-SPD-Comeback-in-der-Mitte.html" target="_blank">R&#252;ckkehr zur Schr&#246;der-Politik</a>. Die aber hat gerade nicht stattgefunden; vielmehr erwies sich der fr&#252;here Hamburger Innensenator als &#252;berzeugender Opportunist, indem er jetzt etliche soziale Wohltaten wie die Abschaffung von Kita- oder Studiengeb&#252;hren ank&#252;ndigte und – ziemlich wolkig – »ordentliches Regieren« versprach. Andererseits war es dem eher rechts positionierten Sozialdemokraten mit Blick auf das CDU-W&#228;hlerpotential auch nicht unrecht, dass ihn der Ruf des Agenda-Politikers begleitete. Er hat die Sehnsucht der W&#228;hler nach solider Politik bedient und damit gewonnen. Dass er den Erwartungen des Wahlvolks auch wirklich entsprechen kann, muss er erst noch beweisen, und angesichts seiner absoluten Mehrheit kann er die klammheimliche Zur&#252;cknahme von Wahlversprechen nur schwer mit Sachzw&#228;ngen begr&#252;nden. Insofern steht die SPD vor einer Nagelprobe, denn bei jedem k&#252;nftigen Urnengang in diesem Jahr werden ihre potenziellen W&#228;hler schauen, was die Partei in Hamburg tut und was nicht.</p>
<p>Die &#252;brigen Ergebnissen sind kaum &#252;berraschend. Selbst der Absturz der CDU relativiert sich, wenn man wei&#223;, dass die Partei 1993 schon einmal bei nur 25,1 Prozent gelegen hatte. Die FDP profitierte von der Schw&#228;che der CDU, mit 1,8 Prozent Zuwachs jedoch so minimal, dass sich der Westerwellesche Siegestaumel schnell als verfr&#252;ht erweisen k&#246;nnte. Die Gr&#252;nen sind auf ihre reale Bedeutung zur&#252;ckgestutzt; sie werden diese Erfahrung im Super-Wahljahr noch &#246;fter machen. Und die Linke kann zufrieden sein, dass sich ihre Westposition auch unter ung&#252;nstigen Vorzeichen gefestigt hat.</p>
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