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	<title>blogsgesang.de &#187; Frankreich</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Westen er&#246;ffnet neuen Krieg in der arabischen Welt</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 17:39:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wieder einmal haben die westlichen Milit&#228;rm&#228;chte ein politisch-strategisches Ziel, n&#228;mlich die Beseitigung des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, h&#246;her gestellt als den von ihnen behaupteten Schutz der Bev&#246;lkerung vor Tod und Zerst&#246;rung. Denn eine Folge der nun begonnenen Luftschl&#228;ge gegen libysche Ziele ist schon jetzt absehbar: Die gr&#246;&#223;ten Opfer wird wieder einmal die Zivilbev&#246;lkerung bringen<span id="more-2556"></span> – und zwar sowohl durch den <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752000,00.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/bc7cbb0f89fc47c0b5b00ecaa4e63d6d" alt="" width="1" height="1" />Abwehrkampf des Gaddafi-Regimes</a> als auch durch die westlichen Bomben und Raketen. Schon hat eine<a href="javascript:void(0);" target="_blank"> Fluchtwelle aus Bengas</a>i eingesetzt, und man darf gespannt sein, inwieweit die europ&#228;ischen Menschenrechtsverfechter &#252;ber Krokodilstr&#228;nen zu »Kollateralsch&#228;den« hinaus diesen Fl&#252;chtlingen tats&#228;chlich helfen werden.</p>
<p>Diese Perspektive war es wohl, die Deutschlands Au&#223;enminister Guido Westerwelle ein Nein zur Milit&#228;rintervention sagen lie&#223;. Er scheint angesichts des ungel&#246;sten afghanischen Dilemmas keine Neigung zu haben, die Bundeswehr in ein weiteres Abenteuer zu f&#252;hren – in ein Abenteuer nicht nur ungewissen, sondern sehr gewissen Ausgangs, n&#228;mlich eines weiteren auf Jahre schwelenden Kriegsherds in der islamisch gepr&#228;gten Region. Denn man mag derzeit mit den Bombenabw&#252;rfen bei einer kleinen, nur schwer identifizierbaren Gruppe im Raum um Bengasi, der bei Experten als eine Art Hochburg der Moslembr&#252;der gilt, Beifall finden; schon bald, wenn sich der Krieg ausweitet und immer mehr Opfer fordert, wird er nach Afghanistan und Irak als weiterer Beleg des westlichen Kampfes gegen den Islam verstanden werden.</p>
<p>Westerwelle hat – vielleicht mit einem n&#252;chternen und nicht kriegsversessenen Verteidigungsminister an seiner Seite – wohl auch in Rechnung gestellt, dass Gaddafi – so wie er seine offensichtlich nicht demoralisierten Truppen gegenw&#228;rtig gegen die Aufstandsbewegung in Stellung bringt – kein leicht zu schlagender Gegner ist. Nicht zuletzt wegen seiner Bewaffnung, die ihm auch westliche Staaten bis in die j&#252;ngste Zeit bereitwillig zur Verf&#252;gung stellten, um von seinem &#214;lreichtum und der Repression gegen nach Europa dr&#228;ngende afrikanische Armutsfl&#252;chtlinge zu profitieren. Einlenken, um sich entmachten zu lassen, wird Gaddafi nicht, und so sind neben den zivilen und milit&#228;rischen Opfern in Libyen auch Verluste bei den Angreifern vorprogrammiert. Und sollte es ihm gar gelingen, den Luftangriffen zu widerstehen, w&#252;rden die Hardliner um Sarkozy und Cameron fr&#252;her oder sp&#228;ter den Einsatz von Bodentruppen beschlie&#223;en m&#252;ssen, wollen sie nicht als gedem&#252;tigte Verlierer des Waffengangs in Libyen dastehen.</p>
<p>Mit politischer Vernunft hat all dies nichts zu tun, und mit dem Willen der V&#246;lker der Kriegstreiber, die sich allesamt mehrheitlich gegen einen Kriegseinsatz aussprachen, schon gar nicht. Die Entwicklung entspricht freilich den objektiven Mechanismen kapitalistischer Politik, die nichts sch&#228;rfer im Auge hat als die f&#252;r eine expandierende Wirtschaft erforderlichen Rohstoffressourcen, und zu denen Wachstumsgesetze geh&#246;ren, die sich eben auch auf die R&#252;stungswirtschaft erstrecken; von Zeit zu Zeit m&#252;ssen neue Waffen nicht nur erprobt, sondern die alten auch verbraucht werden, um die Produktion anzukurbeln und damit den Profit sicherzustellen.</p>
<p>Ein besonderes Kapitel im libyschen Drama ist die Haltung Russlands und Chinas, die – f&#252;r viele &#252;berraschend – der neuen milit&#228;rischen Intervention des Westens nichts in den Weg legten, selbst sich aber in keiner Weise engagierten. Auch sie kennen aus eigener Anschauung die milit&#228;rische Potenz des fr&#252;heren Verb&#252;ndeten und finden es m&#246;glicherweise n&#252;tzlich, wenn sich der Westen einmal mehr an der islamischen Front verk&#228;mpft; an je mehr Kriegsschaupl&#228;tzen der Westen weltweit gebunden ist, desto weniger kann er in Moskauer und Pekinger Einflusssph&#228;ren aktiv werden. Man mag ein solches Denken zynisch finden, es entbehrt aber auch nicht eines gewissen realpolitischen Sinns und ist nebenbei nicht zynischer als das Verhalten von USA und EU gegen&#252;ber den Revolution&#228;ren in Bahrain oder Jemen, die von ihren reaktion&#228;ren Herrschern gerade gnadenlos zusammengeschossen werden – unter den Augen jener, die genau das gleiche Vorgehen Gaddafis in seinem Land mit Bomben beantworten.</p>
<p>Eine erkennbare Spur in den Geschichtsb&#252;chern d&#252;rfte Westerwelle mit seinem Z&#246;gern vor Kriegsabenteuern noch nicht hinterlassen haben; dazu bedarf es ohne Zweifel weitergehenden Engagements, um westliche Politik weg von der favorisierten Nutzung milit&#228;rischer Mittel und wieder hin zu diplomatischen Aktionen zu f&#252;hren. Angesichts der Kriegsbegeisterung vieler <a href="http://www.faz.net/s/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C/Doc~E33040E0E2FD24D9CB176C0A154818900~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Politike</a>r und <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/libyen-westerwelle-und-deutschlands-enthaltung-der-krisen-profileur-1.1074028" target="_blank">Medien</a> ist dies allerdings eine Herkulesaufgabe, an der schon der »Friedensnobelpreistr&#228;ger« Obama scheiterte. Nach wie vor bestimmen nicht dessen Friedensversprechungen, sondern die Rambopolitik eines George W. Bush die internationale Szene. Phantasielos wie er rufen die meisten westlichen Staaten zuerst nach dem Milit&#228;r, wenn Konflikte ausbrechen, und nicht nach dem Verhandlungstisch. Sie bringen die Welt damit nicht weniger in Gefahr als die Verfechter der Atomenergie, die auch zuerst auf den eigenen Vorteil sehen – und nicht auf das Wohl der Menschheit.</p>
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		<title>Lernen bei Gaddafi</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 17:47:11 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Heimlich, still und leise ist die westliche Politik in der arabischen Welt zu ihrer alten Linie der Unterst&#252;tzung  ihr genehmer Despoten zur&#252;ckgekehrt, verbirgt das jedoch schamhaft hinter wortgewaltigen Erkl&#228;rungen gegen Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi, den sie freilich schon immer f&#252;r einen Schurken gehalten hatte.  &#196;hnlich lautstarke Emp&#246;rung gegen Bahrains K&#246;nig Hamad Bin Isa al Khalifa, der gerade den Aufstand in seiner Hauptstadt Manama blutig niederschlug, ist nicht zu h&#246;ren<span id="more-2551"></span> – und auch nicht, dass da fremde Truppen aus Saudi-Arabien mit am Werke waren; bei Gaddafi hatte man den Einsatz von S&#246;ldnern noch als besonders verabscheuungsw&#252;rdig bezeichnet. Jemens nicht weniger zimperlicher Herrscher wird ebenfalls kaum gescholten – und schon gar nicht Saudi-Arabien, das nach dem Sturz der Despoten in  Tunesien und &#196;gypten alles tut, um weitere demokratische Entwicklungen im arabischen Raum nicht zuzulassen.</p>
<p>Nur Gaddafi w&#228;re man gern losgeworden, war der doch zu unberechenbar vor allem angesichts seines &#214;lreichtums. Nie konnte sich der Westen bei diesem bizarren Diktator sicher sein, dass er sich nicht nur gegen sein Volk, sondern auch gegen die Interessen der Erd&#246;lkonzerne und die Regierungen von deren Mutterl&#228;ndern wenden w&#252;rde. Es besteht kein Zweifel, dass der <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0225/seite3/0001/index.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/fedc8e2c1d1e4271b01a31ecc0cf81fe" alt="" width="1" height="1" />einstige fortschrittliche Revolution&#228;r</a>, der seine Vorbilder in Algeriens Ben Bella und &#196;gyptens Gamal Abdel Nasser sah, bei den kruden Theorien aus seinem »Gr&#252;nen Buch« niemals viel mit Demokratie und Meinungsfreiheit im Sinn hatte, aber andererseits doch sorgf&#228;ltig darauf achtete, dass die Stammesgegens&#228;tze in den weitl&#228;ufigen W&#252;stenland nicht eskalierten  und das  Volk in gewisser Weise am &#214;lreichtum partizipieren konnte. Auch dem Islam verordnete er ein anderes, weniger gewaltt&#228;tiges Gesicht, was ihn den Fundamentalisten verhasst machte; Bilder aus dem heutigen Libyen jedenfalls zeigen ganz selbstverst&#228;ndlich Frauen als Lehrerinnen, Schuldirektorinnen, in der Verwaltung. Die bevorzugten Freunde des Westens, die &#214;lscheicht&#252;mer mit Saudi-Arabien an der Spitze, sind davon in der Regel weit entfernt.</p>
<p>Dennoch reichten den Libyern die immer wieder versprochenen, aber kaum realisierten Reformen nicht aus; sie trugen ihre Ungeduld auf die Stra&#223;e. Dazu kamen die zwar kaschierten, aber nie &#252;berwunden Stammesgegens&#228;tze, die vor allem im Osten des Landes, um Bengasi, den Umsturz so erfolgreich machten.  Dass es Gaddafi dennoch gelang, die Entwicklung hin auf seine Entmachtung zu stoppen und umzukehren, ist allein mit dem<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/der-westen-will-den-voelkermord-nicht-verhindern/3962012.html" target="_blank"> brutalen Vorgehen seiner Soldaten</a> nicht zu erkl&#228;ren, zumal es die in westlichen Medien oft schon als Tatsache hingestellten Massaker offensichtlich nicht gab. Eher halfen ihm dabei die schweren und wirksamen Waffen, die ihm aus den USA und den EU-Staaten, aber auch aus Russland gegen gutes Geld wahrend der letzten Jahre geliefert wurden. Und dazu genie&#223;t er wohl doch noch eine gewisse Unterst&#252;tzung in seinem Volk; wie sonst w&#228;re der schnelle Vormarsch zu erkl&#228;ren gewesen.</p>
<p>Wieder einmal zeigt sich, wie sehr eine stark ideologisch gepr&#228;gte Bewertung objektiver Sachverhalte in die Irre f&#252;hrt. Wenn schon unsere guten Freunde Ben Ali in Tunesien und Mubarak in &#196;gypten nicht mehr zu halten sind, dann darf noch viel weniger der »verr&#252;ckte« Gaddafi im Amt bleiben. Darauf konzentrierte man sich – an vorderster Stelle Frankreich, das dem Libyer gerade noch ein Atomkraftwerk in die W&#252;ste stellen, ihn nun aber m&#246;glichst schnell wegbomben wollte. Deutschland verhielt sich zur&#252;ckhaltender; selbst einem Westerwelle muss man hier Besonnenheit und das Bedenken der Folgen hoch anrechnen – zumal in den Medien schon die Kriegstrommel geschlagen wurde (und nach dem absehbaren Debakel dann die Trompete geblasen worden w&#228;re, man habe es ja schon immer gewusst).</p>
<p>Neben der Verhinderung demokratischer Entwicklungen in Libyen selbst hat Gaddafis Vorgehen freilich auch andere Diktatoren ermutigt, sich nicht so leicht zur Seite schieben zu lassen. Sie haben von ihm gelernt, dass man sich nur ohne viele Skrupel an seine Macht klammern muss, um vielleicht doch zu &#252;berleben. Bahrains K&#246;nig gelang das allerdings nicht wie Gaddafi aus eigener Kraft, sondern er brauchte daf&#252;r  <a href="http://www.n-tv.de/politik/Bahrain-steckt-in-Sackgasse-article2876201.html" target="_blank">ausl&#228;ndische Interventionstruppen</a>, was die westlichen L&#228;nder aber nicht st&#246;rte. Und wie andere den Widerstand ihrer V&#246;lker brechen, wird man sehen. Dass sie, wenn sie nicht gerade Gaddafi oder Ahmadinedschad hei&#223;en, vom Westen nicht viel zu bef&#252;rchten haben, wissen sie jetzt. Die kurze Phase der Verunsicherung &#252;ber die Entwicklungen in Arabien ist vorbei. Jetzt wei&#223; man wieder, zu wem man stehen muss – n&#228;mlich zu denen, zu denen man schon immer gehalten hat.</p>
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		<title>Europa duldet Medienzensur in Ungarn</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Dec 2010 19:57:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn in diesen Tagen von Ungarn die Rede ist, dann nur indirekt wegen dessen Vorr&#252;cken in die EU-Pr&#228;sidentschaft am 1. Januar n&#228;chsten Jahres. Ganz direkt aber, weil das Land dabei ist, hinsichtlich Medienfreiheit in finsterste Zeiten zur&#252;ckzufallen – so weit, dass manche schon sagen, dort entstehe neben Wei&#223;russland eine zweite Diktatur auf europ&#228;ischen Boden. Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn in diesen Tagen von Ungarn die Rede ist, dann nur indirekt wegen dessen Vorr&#252;cken in die EU-Pr&#228;sidentschaft am 1. Januar n&#228;chsten Jahres. Ganz direkt aber, weil das Land dabei ist, hinsichtlich Medienfreiheit in finsterste Zeiten zur&#252;ckzufallen <span id="more-2152"></span>– so weit, dass manche schon sagen, dort entstehe neben Wei&#223;russland eine <a href="http://www.euractiv.de/sicherheit-und-verteidigung/artikel/asselborn-kritik-an-barroso-und-van-rompuy-004124" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/3375f61e527643ac987013cab1f52ef5" alt="" width="1" height="1" />zweite Diktatur auf europ&#228;ischen Boden</a>. Es f&#228;llt damit auch weit zur&#252;ck hinter die erhabensten Stunden seiner eigenen Geschichte, geh&#246;rte doch die Forderung nach Presse- und Meinungsfreiheit zu den vorrangigen Zielen des ungarischen Aufstandes von 1956, der damals blutig niedergeschlagen wurde, was aber nicht verhinderte, dass noch lange danach die deutschsprachige »Budapester Rundschau« in der DDR zu jenen Bl&#228;ttern z&#228;hlte, aus denen man etwas mehr als aus den heimischen Medien zur Lage in der Welt erfahren konnte.</p>
<p>Das alles wird nun mutwillig zerst&#246;rt, weil eine vom ungarischen Volk mit der <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,736136,00.html" target="_blank">Zwei-Drittel-Mehrheit ausgestattete Partei</a>, enge Freunde der hiesigen Unionsparteien, es f&#252;r angebracht h&#228;lt, zu eigenen Machtsicherung die Medienfreiheit zu beseitigen und eine <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-12/ungarn-mediengesetz-orban" target="_blank">Pressezensur</a>, &#228;hnlich jener in Zeiten eines Mátyás Rakosi, einzuf&#252;hren. Was in der DDR das Presseamt beim Ministerrat und die Agitationskommission des SED-Zentralkomitees waren, wird in Ungarn in einer einzigen Beh&#246;rde zusammengefasst, die Verfassungsrang erh&#228;lt und nur dem Regierungschef verantwortlich ist. Sie produziert k&#252;nftig die Nachrichten, die alle Zeitungen zu ver&#246;ffentlichen haben. Und sie allein bestimmt, ob Journalisten mit »Ausgewogenheit« berichten und ihrer »Informationspflicht« nachkommen oder ob sie wegen Versto&#223;es gegen solche Vorschriften mit hohen Geldstrafen oder aber gar mit Berufsverbot belegt werden – wie es <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-12/ungarn-interview-inotai" target="_blank">schon einigen passierte</a>, ehe das Gesetz &#252;berhaupt in Kraft ist.</p>
<p>All dies geschieht inmitten der Europ&#228;ischen Union, die ansonsten sehr schnell dabei ist, Verst&#246;&#223;e gegen Menschenrechte und Meinungsfreiheit scharf zu gei&#223;eln – au&#223;erhalb ihrer Grenzen. Beim Mitgliedsland, zumal einem konservativ regierten, dr&#252;ckt man schon einmal ein Auge zu. Zwar regt sich nat&#252;rlich scharfe Kritik auch in der EU, doch die Meinung ihrer <a href="http://diepresse.com/home/politik/eu/620800/Kritik-an-Ungarn_Ist-nicht-wuerdig-die-EU-zu-fuehren?_vl_backlink=/home/index.do" target="_blank">F&#252;hrungsgremien und der wichtigsten Regierungen</a> ist das nicht. Aus seinem Badeurlaub in &#196;gypten r&#252;gte <a href="http://www.fr-online.de/kultur/medien/diskretes-grollen-ueber-ungarn/-/1473342/5038280/-/view/asFirstTeaser/-/index.html" target="_blank">Guido Westerwelle</a> einen „undemokratischen, r&#252;ckw&#228;rtsgewandten Kurs“ und betonte das Recht auf freie Meinungs&#228;u&#223;erung und die Werte der Europ&#228;ischen Union. Damit aber meinte er keineswegs Ungarn, sondern Wei&#223;russland. Angela Merkel beauftragte ihren Pressesprecher gerade einmal mit der lendenlahmen Erkl&#228;rung, Ungarn trage »nat&#252;rlich eine besondere Verantwortung f&#252;r das Bild der gesamten Europ&#228;ischen Union in der Welt«, doch bei ihrem Amtskollegen direkt intervenieren mochte sie nicht; solches beh&#228;lt sie sich f&#252;r L&#228;nder wie Russland, China oder Kuba vor. Was gewiss berechtigt ist, aber bar jeder Glaubw&#252;rdigkeit, weil man mit zweierlei Ma&#223; misst.</p>
<p>Verwundern muss solche Zwiesp&#228;ltigkeit freilich nicht, ist doch EU-Europa <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1348967/" target="_blank">keineswegs ein Vorreiter der Medienfreiheit</a>. Man muss nur nach <a href="http://mein.salzburg.com/blog/standpunkt/2010/12/pressefreiheit-wird-zerknullt.html" target="_blank">Italien</a> blicken, wo Berlusconi schon lange die &#246;ffentliche Meinung beherrscht. Auch in <a href="http://www.salzburg.com/online/nachrichten/newsletter/Sarkozy-schickt-die-Schnueffler.html?article=eGMmOI8V4009E7v10aI7wfUOvUpDx3XLWuV0Acu&amp;img=&amp;text=&amp;mode=" target="_blank">Frankreich</a> hat Pr&#228;sident Sarkozy die Journalisten l&#228;ngst aufs Korn genommen, und in einigen Nachbarl&#228;ndern Ungarns ist die reale Lage nicht anders als in Ungarn, nur wurde die Praxis noch nicht ins Gesetz gegossen. Selbst hierzulande sucht sich die Bundesregierung bei Akkreditierungen zu politischen Spitzenterminen gern die Berichterstatter aus, die ihr genehm sind, und die <a href="http://www.rp-online.de/gesellschaft/leute/Sat1-Teams-reisten-fuenf-Mal-nach-Afghanistan_aid_942944.html" target="_blank">Bundeswehr</a> hat j&#252;ngst Johannes B. Kerner in Afghanistan alle T&#252;ren ge&#246;ffnet, weil er mit seiner Talkshow ausdr&#252;cklich die » Akzeptanz des Einsatzes f&#246;rdere«. Seine Sendung sei »eine Ma&#223;nahme der Informationsarbeit im Gesch&#228;ftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung«, hie&#223; es. Auf der anderen Seite h&#246;rt man auch schon mal Forderungen, die <a href="http://www.news-adhoc.com/union-stellt-wegen-terrorgefahr-pressefreiheit-auf-den-pruefstand-idna20101123104661/" target="_blank">Pressefreiheit um des »Kampfes gegen den Terrorismus«</a> willen einzuschr&#228;nken.</p>
<p>So d&#252;rfte das ungarische Vorgehen letztlich ohne Folgen bleiben. Man wird an den Gesetzen vielleicht noch einige kosmetische &#196;nderungen vornehmen, und die ungarische Regierung bereitet gewiss bereits abwiegelnde Erkl&#228;rungen vor. In der Sache &#228;ndert das jedoch nichts. Ein Kampf f&#252;r Medienfreiheit ist von den Regierenden in der EU nicht zu erwarten. Ein Beleg mehr daf&#252;r, wie wichtig k&#252;nftig Wikileaks und m&#246;gliche weitere solche Enth&#252;llungsplattformen sind.</p>
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		<title>Auf Sarrazin kann Sarkozy folgen</title>
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		<description><![CDATA[Es kann schon sein, dass Nicolas Sarkozy aus Zorn &#252;ber die Kritik an der franz&#246;sischen Vertreibungspolitik gegen&#252;ber den Roma &#252;bers Ziel hinaus schoss und neben der eilig gew&#228;hrten Solidarit&#228;t des nicht sehr honorigen italienischen Ministerpr&#228;sidenten Berlusconi auch jene der angeseheneren Angela Merkel erzwingen wollte, aber zu einem solchen Husarenstreich muss er sich irgendwie ermutigt gef&#252;hlt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es kann schon sein, dass Nicolas Sarkozy aus Zorn &#252;ber die Kritik an der franz&#246;sischen Vertreibungspolitik gegen&#252;ber den Roma &#252;bers Ziel hinaus schoss und neben der eilig gew&#228;hrten Solidarit&#228;t des nicht sehr honorigen italienischen Ministerpr&#228;sidenten Berlusconi auch jene der angeseheneren Angela Merkel erzwingen wollte, aber zu einem solchen Husarenstreich muss er sich irgendwie ermutigt gef&#252;hlt haben. <span id="more-1916"></span>Vielleicht hat er ja die bundesdeutsche Politik in Einwanderungsfragen w&#228;hrend der letzten Jahrzehnte genau analysiert und dabei festgestellt, dass zumindest die jetzt in Berlin regierende Koalition <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article9707149/Berlin-widerspricht-Sarkozy-aber-nur-zu-95-Prozent.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/628d3c4a840d4707ba84b2c0fd2832ca" alt="" width="1" height="1" />im Ressentiment gegen&#252;ber Ausl&#228;ndern von ihm nicht sonderlich weit entfernt </a>ist.</p>
<p>Man erinnere sich zum Beispiel an das Jahr 1993, als die damalige schwarz-gelbe Regierung – mit williger Unterst&#252;tzung der SPD – den Asylparagrafen des deutschen Grundgesetzes seiner Substanz beraubte, um einen weitere Zuzug von Ausl&#228;ndern nach Deutschland zu verhindern. Darauf folgten immer neue Versch&#228;rfungen der Einwanderungsregeln, Unterschriftenkampagnen gegen die doppelte Staatsb&#252;rgerschaft, die Blockade humanerer Umgangsformen mit Fl&#252;chtlingen im EU-Rahmen.</p>
<p>Auch einige der Methoden, mit denen derzeit die franz&#246;sische Regierung den »Volkszorn« gegen die Roma sch&#252;rt, k&#246;nnte sich Sarkozy im Nachbarland abgeschaut haben. Anfang der 90er nutzte man die angesichts der Folgen der Vereinigung entstandene Verunsicherung in weiten Kreisen der deutschen Bev&#246;lkerung dazu, eben einen solchen »Volkszorn« wenn nicht zu entfachen, so doch sich eskalieren zu lassen, bis Hoyerswerda, Rostock, M&#246;lln und Solingen die Asylbewerberheime brannten. Dagegen ging man von Staats wegen weder mit klaren anti-ausl&#228;nderfeindlichen Positionen noch mit den Mitteln des Rechts vor, sondern eliminierte den unbequem gewordenen Asylparagrafen faktisch aus der Verfassung.</p>
<p>Und gerade in diesen Tagen wird man den Verdacht nicht los, dass wieder verbreitete Unsicherheit in der Bev&#246;lkerung angesichts des Auseinanderklaffens von Arm und Reich in der Gesellschaft dazu genutzt werden k&#246;nnte, einen sachfremden S&#252;ndenbock zu pr&#228;sentieren, jene Ausl&#228;nder, die man inzwischen f&#252;r die eigene Profitmaximierung nicht mehr braucht und daher vielleicht loswerden will. Jahrelang zog die einheimische Industrie Vorteile aus den »Gastarbeitern«, sp&#228;ter waren sie immer noch gut daf&#252;r, jene schmutzigen Arbeiten zu verrichten, f&#252;r die sich Deutsche zu schade waren. Seit Hartz IV mit solcher Abstinenz ein Ende machte, werden Ausl&#228;nder auch daf&#252;r nicht mehr gebraucht. Die Migranten haben ihre Schuldigkeit getan und sehen sich jetzt unverhohlenen Forderungen nach Zuwanderungsbeschr&#228;nkung, nach <a href="http://www.google.com/url?sa=X&amp;q=http://www.ad-hoc-news.de/unmut-in-csu-ueber-de-maiziere--/de/News/21613985&amp;ct=ga&amp;cad=:s1:f2:v0:d1:i0:lt:e6:p6:t1284996266:&amp;cd=KoJqSqb-AB4&amp;usg=AFQjCNGqTl-mdz-YRjRGcrSQ-szvLF7oaQ" target="_blank">»Vergr&#228;mung« durch schikan&#246;se Behandlung </a>und vielleicht bald nach einer <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-09/eu-sarkozy-barroso-roma" target="_blank">»R&#252;ckf&#252;hrung« à la Frankreich </a>gegen&#252;ber.</p>
<p>Statt die tats&#228;chlichen Defizite bei der Integration entschlossen zu beseitigen, dazu die erforderlichen Mittel bereitzustellen und dann durchaus auch konsequent gegen&#252;ber Verweigerung vorzugehen, steht zu bef&#252;rchten, dass auf Sarrazin auch hierzulande Sarkozy folgen k&#246;nnte. Vor diesem Hintergrund klingen die deutschen Dementis zur Vereinnahmung der Kanzlerin durch den Pr&#228;sidenten Frankreichs dann doch reichlich hohl.</p>
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		<title>Barack Obama &#252;berfordert das alte Europa</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 21:04:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Worten ist es leicht, zum Beispiel eine neue Strategie gegen&#252;ber Afghanistan zu versprechen und &#252;berhaupt der islamischen Welt ein besseres Verh&#228;ltnis als das bisherige in Aussicht zu stellen. Doch mit ihren Taten bleibt die NATO bislang bei ihrem Kurs der hochm&#252;tigen Arroganz bis hin zur latenten Feindschaft. J&#252;ngste Beispiele: Die Nominierung des d&#228;nischen Ministerpr&#228;sidenten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Worten ist es leicht, zum Beispiel eine neue Strategie gegen&#252;ber Afghanistan zu versprechen und &#252;berhaupt der islamischen Welt ein besseres Verh&#228;ltnis als das bisherige in Aussicht zu stellen. Doch mit ihren Taten bleibt die NATO bislang bei ihrem Kurs der hochm&#252;tigen Arroganz bis hin zur latenten Feindschaft. <span id="more-865"></span>J&#252;ngste Beispiele: Die Nominierung des d&#228;nischen Ministerpr&#228;sidenten f&#252;r den demn&#228;chst frei werdenden Posten des NATO-Generalsekret&#228;rs und die harsche Ablehnung des t&#252;rkischen Wunsches nach EU-Mitgliedschaft durch die Gro&#223;-Europ&#228;er Deutschland und Frankreich.</p>
<p>Mit Rasmussen entschied sich die NATO in einer Zeit, wo sie vollmundig ein neues Verh&#228;ltnis zur arabischen Welt ank&#252;ndigt, f&#252;r den meistgehassten Europ&#228;er von Gaza bis Jakarta, von Bagdad bis Kabul. Dabei spielt keine Rolle, ob die Vorbehalte der Moslems gegen Rasmussen berechtigt sind (was zumindest zu Teilen wohl der Fall ist); entscheidend ist die Botschaft, die man der anderen Seite, mit der man doch angeblich in ein konstruktives Gespr&#228;ch kommen will, sendet. Und diese Botschaft ist verheerend &#8211; vor allem auch deshalb, weil sie ohne jede Weitsicht getroffen wurde und aus sturer Prinzipienreiterei, bei der sich vor allem die Bundeskanzlerin hervortat. W&#228;hrend Barack Obama von Anfang an gegen&#252;ber der d&#228;nischen Personalie skeptisch war und am Ende wohl nur mitspielte, weil er begriff, dass er das alte, noch weitgehend auf Bush fixierte Europa &#252;berfordern k&#246;nnte, rief Angela Merkel Rasmussen schon zum K&#246;nig aus, als mit der Krone noch heftig jongliert wurde. Obama war es schlie&#223;lich, der die Sache erfolgreich zu Ende brachte; die <a href="http://www.welt.de/politik/article3507693/Tuerkei-feiert-sich-als-Gewinner-des-Nato-Gipfels.html" target="_blank">Zugest&#228;ndnisse an die T&#252;rken</a> d&#252;rfte er nicht ohne eine gewisse Schadenfreude bei den Verb&#252;ndeten durchgesetzt haben.</p>
<p><a href="http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/europa-eu-beitritt-der-tuerkei-spaltet-koalition-_aid_387758.html">Deutschland</a><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/a7faf2166ce84a409c05287a5e23cd00" width="1" height="1" alt=""> und Frankreich setzten diese Br&#252;skierung der islamischen Welt &#8211; und des verbal so hochgejubelten neuen amerikanischen Pr&#228;sidenten &#8211; tags darauf mit der scharfen Ablehnung einer Aufnahme der T&#252;rkei in die EU, die Obama w&#228;rmstens bef&#252;rwortet hatte, fort. W&#228;hrend der US-Pr&#228;sident wei&#223;, <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/art771,2768284">dass die T&#252;rkei das einzige NATO-Land ist, dem die islamischen L&#228;nder noch in gewisser Weise vertrauen</a>, glauben die Westeurop&#228;er in alter Bush-Manier, sie k&#246;nnten die Dinge ganz allein bew&#228;ltigen. Sie beweisen damit, dass sie trotz aller akklamatorischen Begeisterung f&#252;r Obama von seiner Politik noch meilenweit entfernt sind. Das Wort vom alten Europa, das nicht auf der H&#246;he der Zeit und ihrer Herausforderungen ist, erh&#228;lt damit pl&#246;tzlich eine ganz neue und nicht sehr ermutigende Bedeutung.</p>
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		<title>Erika Steinbach und die Relativierung der Kriegsschuld</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Mar 2009 17:58:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mit dem (vielleicht nur vorl&#228;ufigen) Verzicht Erika Steinbachs auf einen Sitz im Stiftungsrat des geplanten Dokumentationszentrums gegen Vertreibungen ist vielleicht eine Schlacht gewonnen, aber noch lange nicht der Krieg. Denn den werden nicht nur der Bund der Vertriebenen (BdV) hartn&#228;ckig fortsetzen, sondern auch interessierte Kreise aus CDU und CSU &#8211; ob mit oder ohne Erika [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem (vielleicht nur vorl&#228;ufigen) Verzicht Erika Steinbachs auf einen Sitz im Stiftungsrat des geplanten Dokumentationszentrums gegen Vertreibungen ist vielleicht eine Schlacht gewonnen, aber noch lange nicht der Krieg. <span id="more-770"></span><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/34480492ab1d45739a778768b13f4327" width="1" height="1" alt=""/>Denn den werden nicht nur der Bund der Vertriebenen (BdV) hartn&#228;ckig fortsetzen, sondern auch interessierte Kreise aus CDU und CSU &#8211; ob mit oder ohne Erika Steinbach.</p>
<p>Um sie als Person ging es n&#228;mlich in der j&#252;ngsten Debatte am wenigsten. Sie diente nur als Symbol f&#252;r eine politische Agenda von BdV-Funktion&#228;ren und konservativen Unionspolitikern, die auf die Relativierung der Schuldfrage des zweiten Weltkrieges ausgerichtet ist. Auch Steinbach hatte nach der deutschen Wiedervereinigung &#8211; wenn auch mit erheblicher Zeitverz&#246;gerung &#8211; begriffen, dass die alten, offen revanchistischen Forderungen des BdV nicht mehr durchsetzbar waren; daher orientierte sie nun in der Deutung von Kriegsursachen und Kriegsfolgen darauf, den Polen in gleicher Augenh&#246;he entgegenzutreten. Sie leugnete nicht die deutsche T&#228;terschaft beim Ausbruch des zweiten Weltkrieges, rechnete sie aber mit angeblich alliierter und damit auch polnischer Schuld an der Vertreibung auf.</p>
<p>Nat&#252;rlich hat es bei der erzwungenen Umsiedlung von Millionen aus Polens Westgebieten nach Nachkriegsdeutschland viel Leid und auch Verbrechen gegeben, doch &#228;ndert das nichts daran, dass der Ausgangspunkt des Leids und dieser Verbrechen die deutsche Aggression gegen Polen war. Gerade die Biografie Erika Steinbachs liefert daf&#252;r den schlagenden Beweis. H&#228;tte ihr Vater nicht mit der deutschen Wehrmacht Polen besetzt, w&#228;re sie nie zur »Vertriebenen« geworden. Ihr so genannter Opferstatus entspringt direkt aus der v&#228;terlichen T&#228;terschaft.</p>
<p>Diesen Kurs einer Relativierung der Kriegsschuld werden Vertriebenenverband und die Mehrheit von CDU/CSU, Angela Merkel eingeschlossen, auch weiterhin verfolgen. Mit Polen hat er im Grunde nur am Rande zu tun, denn er folgt im Kern machtpolitischem Kalk&#252;l. Die konservative Union &#8211; und die Kanzlerin kann man, vielleicht weniger aus &#220;berzeugung als aus Pragmatismus, getrost dazu rechnen &#8211; glaubt, dass Deutschland die angestrebte f&#252;hrende Rolle in Europa und der Welt nur dann spielen kann, wenn es aus der Vergangenheit nicht mehr angreifbar ist, wenn kein Staat diesbez&#252;glich mehr Erwartungen gegen&#252;ber Deutschland formulieren kann. Helmut Kohl hatte mit dieser Politik bereits begonnen, als er zum Beispiel die Kriegsschuld gegen&#252;ber Frankreich relativierte. Er nutzte dazu Angriffsfl&#228;chen, die franz&#246;sische Kollaboration bot und die er &#8211; letztlich auch hier gegen die historische Wahrheit in ihrer Komplexit&#228;t &#8211; entsprechend ausschlachtete.</p>
<p>Merkel hat nun gegen&#252;ber Polen &#196;hnliches versucht und musste vorerst zur&#252;ckstecken. Das Ziel jedoch haben sie und ihre <a href="http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~EC23C804618C94BFEA552D7C124DFBC1A~ATpl~Ecommon~Sspezial.html" target="_blank">Parteig&#228;nger </a>nicht aufgegeben; sie werden es bei n&#228;chster Gelegenheit erneut anvisieren. Die f&#252;r genanntes Dokumentationszentrum zust&#228;nde Stiftung »Flucht, Vertreibung, Vers&#246;hnung«, in deren Namen nicht zuf&#228;llig der ganz an den Anfang geh&#246;rende Begriff »Aggression« fehlt, d&#252;rfte ihnen daf&#252;r den n&#246;tigen Resonanzboden liefern &#8211; mit oder ohne Erika Steinbach.</p>
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		<title>S&#252;dossetien &#8211; Russlands Kosovo</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Aug 2008 15:50:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ausgeschlossen ist es nicht, dass Russlands F&#252;hrung dem georgischen Pr&#228;sidenten Michail Saakaschwili insgeheim ein wenig dankbar ist. Gab er ihr doch mit seiner aggressiv-voluntaristischen Politik die Gelegenheit, gleich auf verschiedenen weltpolitischen Feldern Bodengewinn zu erzielen. In erster Linie gilt dies f&#252;r den Konflikt vor Ort selbst. Die faktische Abspaltung S&#252;dossetiens wie auch Abchasiens vom georgischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ausgeschlossen ist es nicht, dass Russlands F&#252;hrung dem georgischen Pr&#228;sidenten Michail Saakaschwili insgeheim ein wenig dankbar ist. Gab er ihr doch mit seiner aggressiv-voluntaristischen Politik die Gelegenheit, gleich auf verschiedenen weltpolitischen Feldern Bodengewinn zu erzielen.<span id="more-395"></span></p>
<p>In erster Linie gilt dies f&#252;r den Konflikt vor Ort selbst.  Die faktische Abspaltung S&#252;dossetiens wie auch Abchasiens vom georgischen Staatsverband ist nach dem Waffengang Tbilissis ohne Zweifel weiter zementiert worden, obwohl es daf&#252;r v&#246;lkerrechtlich keine sonderlich belastbare Grundlage gibt. Wie schon im Falle Kosovos  geht es auch bei S&#252;dossetien um die Frage, inwieweit das Selbstbestimmungsrecht einer Volksgruppe, die in einem bestimmten Territorium die Mehrheit stellt, dazu befugt, sich vom Staatsverband, zu deem man juristisch geh&#246;rt, abzusondern. Im Falle Kosovo hat der Westen &#8211; aus durchaus eigenn&#252;tzigem Interesse &#8211; eine solche Entwicklung bejaht und auch mit milit&#228;rischen Mitteln durchgesetzt; im Falle S&#252;dossetien besinnt er sich pl&#246;tzlich wieder der v&#246;lkerrechtlichen Prinzipien und lehnt eine analoge L&#246;sung ab, wobei ihm hilft, dass auch Russland daran nicht sonderlich interessiert ist. Das Land wendet sich bislang strikt gegen die Kosovo-Sezession, nicht nur als nat&#252;rlicher Widerpart der NATO, sondern auch, um nicht separatistische Bewegungen im eigenen Land &#8211; Beispiel Tschetschenien &#8211; zu ermutigen.</p>
<p>Insofern war Russland mit dem Status quo in S&#252;dossetien und Abchasien, den es durch die gro&#223;z&#252;gige Vergabe der russischen Staatsb&#252;rgerschaft an bis zu 90 Prozent der Bev&#246;lkerung beider Regionen allm&#228;hlich verfestigte, recht zufrieden, w&#228;hrend der georgische Pr&#228;sident die Situation als permanente Provokation empfand, die er &#8211; auch angesichts seiner angeschlagenen innenpolitischen Lage &#8211; nicht l&#228;nger etragen zu k&#246;nnen glaubte. Doch Saakaschwili hat mit seinem Vorsto&#223; nichts gewonnen, im Gegenteil. Durch seine Brutalit&#228;t, die sich vor allem gegen die Zivilbev&#246;lkerung richtete und aus diesem Grund von den meisten westlichen Medien, die sonst so vehement f&#252;r eine uneingeschr&#228;nkte Berichterstaattung streiten, schamhaft verschwiegen wird, hat er letzte Sympathien f&#252;r Georgien in S&#252;dossetien verspielt; selbst westliche Staaten sehen wenig Chancen f&#252;r die Wiederherstellung der vollen Souver&#228;nit&#228;t Georgiens &#252;ber die abtr&#252;nnige Provinz. Zwar versuchen letztere, Russland wegen der &#220;bergriffe auf georgisches Kernland anzuklagen, doch Moskau kopierte dabei nur ziemlich exakt, was die NATO einst gegen Serbien praktizierte &#8211; was Russlands Vorgehen zwar nicht rechtm&#228;&#223;iger macht, doch die westlichen Proteste weitgehend entwertet. In der Sache jedenfalls bleiben russische Truppen im Land, k&#252;nftig wohl eher mehr als weniger. Ob EU-Bestrebungen, sie durch Einheiten aus konfliktfernen europ&#228;ischen Staaten zu erg&#228;nzen, Realit&#228;t werden, ist abzuwarten.</p>
<p>Einen  m&#246;glicherweise noch wertvolleren Effekt f&#252;r Russland hat der gescheiterte Angriff Tbilissis auf S&#252;dossetien hinsichtlich der k&#252;nftigen Rolle der USA in der Kaukasus-Region,  vielleicht sogar dar&#252;ber hinaus. Washington, das Saakaschwili ohne Zweifel zu seinem Vorgehen ermutigte &#8211; unmittelbar vor seinem Angriff hatte er noch die US-Au&#223;enministerin Rice empfangen, lie&#223; den Vasallen eiskalt fallen, als es brenzlich wurde. Erst als Russland auch die Hafenstadt Poti bombardierte, wo die &#214;lpipeline aus Aserbeidshan &#8211; eine der wenigen von Russland unabh&#228;ngigen Leitungen mit dem wertvollen Energiesaft &#8211; endet, wurden die Amerikaner wieder wach &#8211; in Person ihres Vizepr&#228;sidenten Cheney, der (nicht zuletzt wegen seiner Rolle im Irakkrieg) seit langem als Interessenvertreter der <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/georgien374.html" target="_blank">amerikanischen Erd&#246;lindustrie</a> in der US-Administration gilt. Er wetterte nun, die &#8220;russische Aggression&#8221; d&#252;rfe &#8220;nicht ohne Antwort bleiben&#8221; und werde &#8220;ersthafte Konsequenzen&#8221; haben &#8211; freilich ohne konkrete Folgen, denn ein Aggressor, der bereits an zwei verlustreichen Kriegsschaupl&#228;tzen gebunden ist, hat wenig M&#246;glichkeiten, gro&#223;en Worten auch Taten folgen zu lassen.</p>
<p>Damit ist noch einmal sichtbar geworden, wie sehr amerikanische &#8211; wie nat&#252;rlich auch russische &#8211; Politik reine nationale Interessenvertretung ist, zu deren Unterst&#252;tzung zwar willige Idioten gern gesehen sind, aber eigene Forderungen nicht durchsetzen k&#246;nnen, wenn es nicht zugleich den USA n&#252;tzt.  Einige Staaten, die sich ebenfalls viel von der westlichen Supermacht erhoffen, reagierten mit unverhohlener Panik und stellten sich &#8211; wie Polens Pr&#228;sident Kaczynski und einige seiner baltischen Amtskollegen &#8211; demonstrativ an Georgiens Seite, indem sie eilends nach Tbilissi reisten, wo sie allerdings ihren vermeintlichen Mentor George W. Bush vergeblich suchten.</p>
<p>Diese weitgehende Abstinenz Washingtons aus dem Geschehen im Kaukasus ist der dritte und vielleicht wichtigste Erfolg Russlands, auch wenn er bisher eher im Hintergrund sichtbar wird. Die USA hatten schlie&#223;lich weitreichende Pl&#228;ne  mit Georgien verfolgt &#8211; bis hin zu einer schnellen Eingliederung in die NATO; damit sollte der &#8220;Cordon sanitaire&#8221; rund um Russland um ein wertvolles Glied erweitert werden. Das r&#252;ckt zun&#228;chst in weite Ferne &#8211; und mehr noch: Washington ist im russisch-georgischen Konflikt vorerst das Heft das Handelns weitgehend entwunden worden. Statt dessen hat &#252;berraschend die EU unter ma&#223;geblicher <a href="http://russlandonline.ru/rupol0010/morenews.php?iditem=20386" target="_blank">F&#252;hrung Frankreichs</a> die Richtung bestimmt &#8211; mit klarem antiamerikanischen Akzent, den der franz&#246;sische Au&#223;enminister Kouchner so beschrieb: &#8220;Die EU muss handeln, denn Amerika ist in gewisser Weise Teil des Konflikts.&#8221; Erstmals seit langem haben somit europ&#228;ische Politiker in ein globales Geschehen eingegriffen, ohne sich zuvor amerikanischer Zustimmung zu vergewissern. Sie haben eigene Interessen definiert und entsprechend gehandelt &#8211; und nebenbei die W&#252;nsche der amerikanischen Parteig&#228;nger in der EU total ignoriert.</p>
<p>Es bleibt abzuwarten, welche Folgen dies f&#252;r die k&#252;nftige internationale Politik hat. Russland d&#252;rfte die Entwicklung als Erfolg verbuchen &#8211; vor allem nach der Schlappe, die es mit der Zerlegung des jugoslawischen Zentralstaats bis hin zur &#8220;Unabh&#228;ngigkeit&#8221; Kosovos hinnehmen musste. Mancher, der damals ohnm&#228;chtig auf  die G&#252;ltigkeit des Wortes hoffte, man sehe sich oft zweimal im Leben, mag nun  befriedigt, vielleicht sogar schadenfroh sein. So verst&#228;ndlich solche Gef&#252;hle auch sind &#8211; f&#252;r die Zukunft versprechen sie wenig Gutes.  Der Vorgang zeigt einmal mehr, dass schlechte Politik schnell zum Nullsummenspiel werden kann.  Die menschlichen Opfer jedoch, die sie fordert,  macht keiner wieder lebendig.</p>
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