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	<title>blogsgesang.de &#187; Globalisierung</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>General Motors bremst die deutsche Politik mit Opel aus</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 15:45:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn etwas zeigte, wer in der heutigen globalisierten Welt wirklich das Sagen hat, dann war es der vergangene Dienstag. Eben wurde Angela Merkel noch in Washington vom US-Kongress mit stehenden Ovationen auch f&#252;r ihr Bekenntnis zur Globalisierung gefeiert, da offenbarte im nur 600 Kilometer entfernten Detroit das ziemlich gesichtslose Management eines einzigen amerikanischen Autokonzerns der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn etwas zeigte, wer in der heutigen globalisierten Welt wirklich das Sagen hat, dann war es der vergangene Dienstag. Eben wurde <a href="http://www.faz.net/s/RubCE844206AD5543959580E21EDC440854/Doc~E2887506391F24AC6AD394799B46EAFFC~ATpl~Ecommon~Sspezial.html" target="_blank">Angela Merkel </a>noch in Washington vom US-Kongress mit stehenden Ovationen auch f&#252;r ihr Bekenntnis zur Globalisierung gefeiert, da offenbarte im nur 600 Kilometer entfernten Detroit das ziemlich gesichtslose Management eines einzigen amerikanischen Autokonzerns <span id="more-1332"></span>der von Medien gern zur »m&#228;chtigsten Frau der Welt« Erkl&#228;rten ihre tats&#228;chlich Ohnmacht. Obwohl sie mit hohem pers&#246;nlichen Einsatz – um ihren Wahlsieg nicht zu gef&#228;hrden – f&#252;r einen Verkauf der Opelwerke durch General Motors (GM) an Magna geworben und daf&#252;r aus dem klammen Haushalt 4, 5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt sowie 800 Millionen bereits an GM als &#220;berbr&#252;ckungskredit ausgezahlt hatte, focht dies die Detroiter Manager nicht an. Sie widerriefen kurzerhand den Verkauf und bremsten damit die Bundesregierung ziemlich hemds&#228;rmlig aus; ob und wann sie die Millionenspritze zur&#252;ckzahlen, steht in den Sternen.</p>
<p>Die Schlappe war freilich vorauszusehen, denn nat&#252;rlich ist heute keine noch so wichtige Regierung mehr in der Lage, die durch politische Fehlentscheidungen in Jahrzehnten entfesselte Wirtschaft zu z&#252;geln. Das hatte gerade erst die Finanzkrise gezeigt, die die Staaten zu milliardenschweren St&#252;tzungsdaktionen f&#252;r Banken n&#246;tigte, die ihrerseits stets staatliche Eingriffe in ihr riskantes Tun zum eigenen Nutzen abgelehnt hatten. Was auf &#246;konomischem Feld geschieht, entscheiden zu allererst Konzerne und Finanzinstitute, nicht Regierungschefs und Wirtschaftsminister. Gerade Angela Merkels neuer Koalitionspartner hat f&#252;r eine solche Wirtschafts(un)ordnung verbissen gek&#228;mpft; man wird nun sehen, wie er mit ihren Folgen fertig wird.</p>
<p>F&#252;r die Betroffenen, vor allem die Besch&#228;ftigten der mehr als einem Dutzend europ&#228;ischer Opelwerke, darunter vier deutsche, die nun um ihre Arbeitspl&#228;tze f&#252;rchten, bedeutet das wenig Gutes. Sie werden die Vers&#228;umnisse der Politik ausbaden m&#252;ssen, die viel zu lange bereit war – und m&#246;glicherweise immer noch ist, Milliardensummen in eine Branche zu stecken, die seit langem unter &#220;berkapazit&#228;ten &#228;chzt, statt in neue, zukunftssichere Industrien zu investieren. Immer wieder versto&#223;en die Herolde der Marktwirtschaft gegen deren eigene Gesetze, weil sie unbeweglich an Althergebrachtem festhalten und nicht in der Lage sind, kreativ und innovativ die Schaffung neuer Arbeitspl&#228;tze zu unterst&#252;tzen. L&#228;ngst h&#228;tte die Politik an den Opel-Standorten andere M&#246;glichkeiten der Wirtschaftsentwicklung eruieren und daf&#252;r die f&#252;r Opel vermutlich vergeudeten Finanzmittel einsetzen m&#252;ssen.</p>
<p>Und wo das seine Zeit braucht, die Menschen aber vor dem – nicht von ihnen verschuldeten – sozialen Absturz bewahrt werden m&#252;ssen, geht es ebenfalls um neue Ideen und deren Umsetzung – in der Regel um eine Mischung aus sinnvoller Bet&#228;tigung, zum Beispiel in einem &#246;ffentlichen Besch&#228;ftigungssektor, und zumindest zeitweiligen Sozialtransfers. Von einem <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/622a940841414bdda6b87fa4711f62e4" alt="" width="1" height="1" /><a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1105/meinung/0015/index.html" target="_blank">FDP-Wirtschaftsminister</a> ist Derartiges allerdings kaum zu erwarten. Er wird darauf orientieren, Millionen und Milliarden in die alten Standorte zu stecken, auch wenn es f&#252;r die weit und breit kein schl&#252;ssiges Konzept gibt, und ansonsten die entlassenen Autowerker auffordern, doch ihr Schicksal gef&#228;lligst in die eigenen H&#228;nde zu nehmen. Regierungsamtlicher Wunderglauben ist also auch weiterhin zu bef&#252;rchten – obwohl er gerade krachend in die Sackgasse gef&#252;hrt hat.</p>
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		<title>Angela Merkel und die geteilte Freiheit</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Dec 2008 16:22:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu einer Zeit, wo Angela Merkel pl&#246;tzlich nach Regeln f&#252;r die globalisierte Wirtschaft ruft, vorerst jedoch nur Reglementierungen zu Lasten der B&#252;rgerrechte beschlie&#223;en l&#228;sst, ist es vielleicht hilfreich, sich ihrer Definition von Freiheit einschlie&#223;lich der daraus gezogenen Schl&#252;sse zu erinnern.   Das irakische Schlachtfeld vor der eigenen Haust&#252;r Wo es um wirtschaftliche Macht geht, verliert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu einer Zeit, wo Angela Merkel pl&#246;tzlich nach Regeln f&#252;r die globalisierte Wirtschaft ruft, vorerst jedoch nur Reglementierungen zu Lasten der B&#252;rgerrechte beschlie&#223;en l&#228;sst, ist es vielleicht hilfreich, sich ihrer Definition von Freiheit einschlie&#223;lich der daraus gezogenen Schl&#252;sse zu erinnern.<span id="more-638"></span></p>
<p> </p>
<h3>Das irakische Schlachtfeld vor der eigenen Haust&#252;r</h3>
<h6>Wo es um wirtschaftliche Macht geht, verliert das Recht seine Rechte</h6>
<address>(»Neues Deutschland« vom 05. April 2003)</address>
<p>In der Union sch&#252;ttelt man den Kopf. »Ich habe es im Moment aufgegeben, diese Frau zu verstehen«, zitierte eine Agentur einen langj&#228;hrigen CDU-Beobachter, und eben so sprechen und denken viele in der Partei, von der Schwester CSU ganz abgesehen. Sie alle meinen Angela Merkel und ihren unersch&#252;tterlichen pro-amerikanischen Kurs in der Irakfrage, der ihr und ihrer Partei doch so sehr schade. Schon kursieren psychologische Erkl&#228;rungsmuster, wird ihre freudlose DDR-Vergangenheit f&#252;r die H&#228;rte der »Kommissarin« verantwortlich gemacht, der Machtehrgeiz einer vielfach zu kurz gekommenen Frau beschworen &#8211; und dabei leicht &#252;bersehen, dass die CDU-Vorsitzende von der DDR, wenn &#252;berhaupt etwas, dann allenfalls eins &#252;bernommen hat: die Gl&#228;ubigkeit an eine Ideologie samt dem Willen, ihr gegen alle Anfechtungen treu zu dienen.<br />
Angela Merkels Ideologie ist ein beinahe naiver Glaube an die »Freiheit im umfassenden Sinne«. Freiheit ist f&#252;r sie das »Wesensmerkmal« der politischen und wirtschaftlich-sozialen Ordnung einer Gesellschaft, wie sie vor einigen Monaten in einem Artikel in der »S&#252;ddeutschen Zeitung« schrieb. Das klingt zun&#228;chst nicht schlecht, und sie selbst verfehlt kaum einmal, diese Position auf ihre Erfahrungen in einer sich sozialistisch nennenden Gesellschaft zur&#252;ckzuf&#252;hren. Interessant jedoch wird es, wenn sie ihren Freiheitsbegriff zu definieren versucht und ihn dabei unversehens reduziert, indem sie einen betr&#228;chtlichen Teil von »Freiheit« faktisch unter staatliche Kontrolle stellt. »&#8230; weniger Staat in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, aber mehr Verantwortung des Staates in der Innen- und Au&#223;enpolitik«, hei&#223;t das bei ihr in besagtem Artikel.<br />
Diese Einschr&#228;nkung hat ihre Logik, denn sowohl die Innen- wie die Au&#223;enpolitik zeigen gerade in diesen Tagen, dass der Entfesselung der Wirtschaft zwangsl&#228;ufig die Einschr&#228;nkung von Demokratie auf politischem Felde folgt. Denn &#252;berall dort, wo auf eine Steuerung der &#246;konomischen Prozesse durch den Staat verzichtet wird, sich ein ungebremster Wirtschaftsliberalismus austoben kann, wachsen auch die inneren Widerspr&#252;che.<br />
Die st&#252;rmische technologische Entwicklung hat die Produktionsverh&#228;ltnisse dramatisch ver&#228;ndert. Lange Zeit sah sich der Unternehmer auf seine Besch&#228;ftigten angewiesen; er hatte mithin ein Interesse daran, dass es ihnen zumindest so gut ging, dass sie ihren Teil zum Arbeitsprozess beitrugen &#8211; n&#228;mlich jene Werte zu schaffen, von dem er selbst nicht nur gut leben, sondern die er vor allem zur Expansion, zur Erweiterung des eigenen Unternehmens einsetzen konnte. Die ihm im b&#252;rgerlichen Staate dienende Politik schuf daf&#252;r die Instrumente, die auch der Kapitalist &#8211; mehr notgedrungen als heiteren Herzens &#8211; anerkannte. Sehr richtig erinnerte unl&#228;ngst der Bremer Sozialhistoriker Paul Nolte in der »Zeit«, wo er ansonsten die alte Litanei vom Ende der Klassenverh&#228;ltnisse sang, an die Urspr&#252;nge und die Entwicklung des Sozialstaats: »Zwischen Bismarck und Adenauer, von den ersten Sozialversicherungsgesetzen der 1880er Jahre bis zur Rentenreform von 1957 &#8211; und wenn man so will: bis zur Bl&#252;mschen Pflegeversicherung &#8211; ist dieses Geflecht nicht aus dem Scho&#223; der Arbeiterbewegung, sondern eher aus dem ihrer politischen Gegner hervorgegangen. Zumindest anfangs ist es sogar ein Instrument zur Bek&#228;mpfung oder Disziplinierung der Sozialdemokratie gewesen.«<br />
Damit ist es heute tats&#228;chlich vorbei, aber nicht &#8211; wie Nolte glauben machen will -, weil die damals versicherten Risiken Krankheit, Individualit&#228;t, Unfall, Arbeitsunf&#228;higkeit im Alter heute nicht mehr in der Erwerbsarbeit entstehen, sondern eher »auf dem Fu&#223;ballplatz«. Die Lebensrisiken werden nach wie vor am Arbeitsplatz erzeugt, wobei lediglich die Gefahr der k&#246;rperlichen Verletzung durch einen Unfall an der Maschine vielleicht geringer geworden, daf&#252;r aber die psychische Besch&#228;digung &#8211; so durch intensive Arbeit am Automaten oder Computer und Stress &#8211; gewachsen ist.<br />
Was vielmehr sukzessive wegf&#228;llt, ist der Zwang f&#252;r den Unternehmer, sich mit seinen Besch&#228;ftigten gut zu stellen. Denn er kann heute mit viel weniger Menschen viel mehr herstellen &#8211; durch den Einsatz neuer Technologien. Immer weniger bedarf er dazu der menschlichen Arbeitskraft, die sich ihm folglich als zunehmend l&#228;stiger Kostenfaktor darstellt. Das amerikanische Prinzip des »Hire and Fire«, also der Besch&#228;ftigung und Entlassung nach dem jeweiligen Bedarf, war die Folge; es dr&#228;ngt, wie die erbitterte Debatte &#252;ber den K&#252;ndigungsschutz zeigt, inzwischen auch zu uns. Und die Abwehrm&#246;glichkeiten sind gering. Hie&#223; es einst »Wenn dein starker Arm es will, stehen alle R&#228;der still«, so galt das nur so lange, wie starke Arme zum Betreiben der R&#228;der gebraucht wurden. Nun aber, da viele R&#228;der einem ganz anderen Antrieb gehorchen, erleben starke Arme, die sich verweigern, immer &#246;fter ihre Ohnmacht.<br />
Das schafft Spielr&#228;ume f&#252;r den Unternehmer, die dieser gnadenlos nutzt. Und die deutschen Wirtschaftsbosse f&#252;hlen sich da gegen&#252;ber ihrer internationalen Konkurrenz im Hintertreffen. W&#228;hrend ein Euro Lohn in Spanien und Portugal fast neun Euro Gewinn bringt, in Frankreich 5,83 Euro und in England immerhin noch 4,70 Euro, sind es hier zu Lande »nur« 4,29 Euro. Dieser »Standortnachteil« soll beseitigt werden; nicht zuletzt deshalb der gegenw&#228;rtige starke Druck der Unternehmer auf die Politik, dem diese mehr oder minder willig nachgibt.<br />
Gleichzeitig aber sp&#252;rt sie den wachsenden Unmut, der aus solcher brutalen Umverteilung von Unten nach Oben resultiert. Und sie wappnet sich durch die Perfektionierung der staatlichen Repressivfunktion. Der Staat weitet vor allem die &#220;berwachung seiner B&#252;rger aus, weil er sich von ihnen zunehmend bedroht f&#252;hlt. F&#252;r die Freiheit der Wirtschaft, so die Quintessenz aus Angela Merkels differenziertem Freiheitsbegriff, muss der B&#252;rger eine Einbu&#223;e an Rechten hinnehmen. Und der Staat hat die Aufgabe, das abzusichern.<br />
Wie sehr diese Zusammenh&#228;nge bereits die Politik bestimmen, zeigt sich in diesen Tagen besonders anschaulich. Der Generalangriff der rot-gr&#252;nen Koalition auf die Restbest&#228;nde des Sozialstaats resultiert gerade aus der Erkenntnis der Ohnmacht der Betroffenen. Selbst die Gewerkschaften, bisher stets ein St&#252;tzpfeiler der Sozialdemokratie, verlieren diese Bedeutung und werden eher l&#228;stig. Andere, wie die FDP und CDU-Hardliner wie Friedrich Merz, sehen in ihr bereits eine »Plage«, die ausgemerzt geh&#246;rt. Edmund Stoiber erkl&#228;rt bei der Vorstellung seines sozialfeindlichen »Sanierungsprogramms«, von den »Betroffenen« ginge seine Botschaft nicht aus.<br />
Auf der anderen Seite forcieren die gleichen politischen Kr&#228;fte die St&#228;rkung der »inneren Sicherheit«. Viele der Ma&#223;nahmen, die unter dem Vorwand des Terrorismus in den letzten Monaten diesbez&#252;glich durchgesetzt wurden, dienen der »Vorsorge« f&#252;r den Fall sozialer Konflikte. Nach dem Sozialstaat wird auch der Rechtsstaat Schritt f&#252;r Schritt abgebaut. Die FDP zum Beispiel, die Liberalismus ausdr&#252;cklich auch politisch verstehen wollte, hat sich von diesem Feld l&#228;ngst zur&#252;ckgezogen. Sie ficht allein f&#252;r die faktisch unbegrenzte Freiheit der Wirtschaft und gibt innenpolitisch eine Position nach der anderen auf. Solche Liberale wie Burkhard Hirsch, Gerhart Baum, aber auch Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, haben in ihrer Partei keinen R&#252;ckhalt mehr, und bei der Verteidigung demokratischer Rechte spielt die Partei allenfalls noch eine symbolische Rolle.<br />
Dieser nationalen Diagnose einer sich vertiefenden Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Oben und Unten, zwischen Recht und Unrecht sind gerade in diesen Tagen analoge internationale Befunde an die Seite zu stellen. Die Aggression der USA gegen Irak ist die mit milit&#228;rischer Macht vollzogene politische Konsequenz globaler &#246;konomischer Machtergreifung und -sicherung. Denn auch weltweit erfolgt eine Umverteilung materieller Werte in solchem Ausma&#223;, dass sie bei den Betroffenen an eine ultimative Schmerzgrenze st&#246;&#223;t. Hunger, Not, Elend breiten sich immer weiter aus, die Lebensbedingungen nicht mehr von Millionen, sondern von Milliarden Menschen verschlechtern sich derart, dass sie t&#228;glich nur noch um ihre nackte Existenz k&#228;mpfen. Und zugleich zeigt ihnen die weltweite Informationsgesellschaft, die selbst sie zumindest partiell erreicht, dass ihr Los nicht unbedingt ein unab&#228;nderliches Schicksal ist, dass in anderen Weltregionen durchaus menschenw&#252;rdig gelebt werden kann.<br />
Das wirft Fragen auf. Antworten werden gegeben, sofern man sie nicht von allein findet. Unzufriedenheit entsteht, die zur Unruhe wird. Widerstand und Aufruhr k&#246;nnen folgen. Auch die Wanderungsbewegung, die »gro&#223;e Flut« der Armen und Entrechteten, die l&#228;ngst die gepflegten Ufer der »ersten Welt«, wie sich die Wohlstandsgesellschaft gern apostrophiert, erreicht hat, wird von dieser als bedrohlich empfunden. Da gilt es, den erreichten materiellen Vorsprung mit allen Mitteln zu erhalten, die sozialen Zerkl&#252;ftungen zu zementieren, um auf weitere Ressourcen zugreifen zu k&#246;nnen. Die ungebremste &#246;konomische Globalisierung ist das Mittel; allein &#8211; sie schafft neue Ungerechtigkeit, versch&#228;rft die Widerspr&#252;che. Immer kleiner wird der Kreis der Nutznie&#223;er, die schon jetzt einer &#252;berw&#228;ltigenden Mehrheit gegen&#252;ber stehen, die immer weniger zu kontrollieren, immer schwerer niederzuhalten ist.<br />
Selbst die gewaltigen Milit&#228;rapparate, die in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Regionen aufgebaut wurden, gen&#252;gen dazu nicht mehr. Dienten sie bis zu den 90er Jahren &#8211; zumindest vordergr&#252;ndig &#8211; der Markierung von Einflusssph&#228;ren in der Systemauseinandersetzung, dienen sie jetzt vor allem der Repression gegen die »Gastl&#228;nder«, wenn diese &#252;ber ihre Reicht&#252;mer selbst verf&#252;gen wollen und die Emanzipation vom ungebetenen Gast anstreben. Doch milit&#228;rische Macht allein kann in einem zunehmend feindlichen Umfeld die &#246;konomischen Interessen immer weniger sichern; dazu bedarf es entsprechender &#8211; steuerbarer &#8211; politischer Strukturen &#252;berall dort, wo es von Nutzen sein kann.<br />
Die &#252;ber die Globalisierung faktisch bereits vollzogene &#246;konomische Beherrschung der Welt soll nun nicht mehr nur &#252;ber ein milit&#228;risches St&#252;tzpunktsystem, sondern durch die Schaffung einer »Weltordnung« nach eigenem Gusto unangreifbar gemacht werden. Der Krieg gegen Irak ist, wie inzwischen ganz offen zugegeben wird, nur eine Etappe auf diesem Wege. Und er passt sich sehr gut ein in jene Merkelsche Trennung zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Verst&#228;rkung der Rolle des Staates in der Innen- wie Au&#223;enpolitik. Dieses Konzept ben&#246;tigt international den »Weltpolizisten«, die alles beherrschende Supermacht, die der globalisierten Wirtschaft uneingeschr&#228;nkte Wirkungsbedingungen schafft.<br />
Auch daher steht Angela Merkel unersch&#252;tterlich an Seiten der USA, mit &#8211; wie sie selbst sagt &#8211; »allen Konsequenzen«. Und ihre diesbez&#252;gliche Kritik an der rot-gr&#252;nen Koalition ist nicht nur parteipolitisch gemeint, sondern r&#252;hrt zuerst aus echter Sorge um den Bestand der gegebenen Weltordnung. Kaum verschl&#252;sselt schrieb sie in einem Brief an die CDU-Mitglieder: »Die bew&#228;hrten Institutionen unserer Sicherheit erleben damit genau in dem Augenblick eine Krise, in dem nach dem Ende des Kalten Krieges und den Terroranschl&#228;gen des 11. September neue und andere Bedrohungen nicht zu &#252;bersehen sind.« Die vermeintliche Irrationalit&#228;t der CDU-Chefin entpuppt sich so als Programm, die Welt so zu erhalten, wie sie ist &#8211; und auch das »mit allen Konsequenzen«.</p>
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		<title>Irlands Europa-Skeptiker sprechen f&#252;r den ganzen Kontinent</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jun 2008 16:51:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Heute zittern Europas »Demokraten« – vor einer demokratischen Entscheidung, die sie am liebsten verhindert h&#228;tten. Nur in einem einzigen Land, nur in Irland k&#246;nnen die B&#252;rger dar&#252;ber entscheiden, ob sie den EU-Vertrag billigen wollen; das schreibt ihnen zum Leidwesen der Br&#252;sseler B&#252;rokratie wie ihrer Parteig&#228;nger im Europaparlament die Verfassung vor. In allen anderen 26 Staaten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Heute zittern Europas »Demokraten« – vor einer demokratischen Entscheidung, die sie am liebsten verhindert h&#228;tten. Nur in einem einzigen Land, nur in Irland k&#246;nnen die B&#252;rger dar&#252;ber entscheiden, ob sie den EU-Vertrag billigen wollen; <span id="more-366"></span>das schreibt ihnen zum Leidwesen der Br&#252;sseler B&#252;rokratie wie ihrer Parteig&#228;nger im Europaparlament die Verfassung vor. In allen anderen 26 Staaten der Europ&#228;ischen Union, die sich so gern weltweit als H&#252;ter der Demokratie aufspielt, ist das Volk von dieser Entscheidung ausgeschlossen. Man wollte schlechtweg nicht noch einmal riskieren, dass die V&#246;lker, wie schon einmal in Irland, dann auch in Frankreich und den Niederlanden geschehen, dieses europ&#228;ische Projekt ablehnen – und <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/2007/02/EU-Eliten">schloss sie einfach von der Mitsprache aus</a>. Und den skeptischen Iren wirft man seinerseits <a target="_blank" href="http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/ta.standard.volltext.php?kennung=oninttaINTHomNational39610&amp;zulieferer=ta&amp;kategorie=INT&amp;rubrik=Homepage&amp;region=National&amp;auftritt=TA&amp;dbserver=1">undemokratisches Verhalten </a>vor, sollten sie den Lissaboner Vertrag ablehnen und damit die mehrheitliche Entscheidung der anderen kippen, die freilich nur eine der Regierungen und der jeweiligen Regierungskoalitionen der Parlamente war und nicht die der Menschen Europas.</p>
<p>Die Sorge der Euro-B&#252;rokraten ist berechtigt. H&#228;tte man &#252;berall in Europa Referenden angesetzt, w&#228;re das zusammengeschusterte Vertragswerk von Lissabon l&#228;ngst vom Tisch, denn au&#223;er dass es schwer verst&#228;ndlich ist, bringt es den Menschen nur wenig. Vielleicht hat die EU nicht bewirkt, dass gegenw&#228;rtig auch auf dem Kontinent in breiter Front die Preise steigen, besonders jene f&#252;r Energie, dass das weltweite Finanzsystem in schwere Turbulenzen geraten ist, dass die Fl&#252;chtlingsstr&#246;me rund um den Erdball eher zu- denn abnehmen. Aber die EU hat das alles auch nicht verhindern k&#246;nnen. Sie zuckt hilflos die Schultern und ortet die Schuld gern bei der Globalisierung, als deren stolzes Kind sie sich andererseits gern darstellt. Sie kann nicht vergessen machen, dass das von oben geschaffene Europa vor allem eines der Wirtschaft ist, dass es den gro&#223;en Konzernen, den Banken und Wirtschaftsverb&#228;nden bessere Wirkungsm&#246;glichkeiten schafft, w&#228;hrend f&#252;r den B&#252;rger nur wenig herausspringt. Der Euro hat den Geldverkehr der Finanzinstitute ohne Zweifel befl&#252;gelt, doch an den Geldautomaten muss der einfache B&#252;rger noch immer horrende Zuschl&#228;ge zahlen, wenn er im Ausland »seinen« Euro ziehen will. Auch die Mobilfunkfirmen halten die Grenzen in Europa zugunsten ihrer Gewinne aufrecht, w&#228;hrend sie f&#252;r billige Arbeitskr&#228;fte weit ge&#246;ffnet werden – ebenfalls mit dem Resultat hoher Profite und zugleich niedriger L&#246;hne. Und im Zuge des Anti-Terror-Kampfes wird inzwischen auch die Reisefreiheit sukzessive wieder eingeschr&#228;nkt; schon bracht man an vielen Grenzen wieder seinen Pass.</p>
<p>Die Beispiele lie&#223;en sich fortsetzen – und sie sind es, die den <a target="_blank" href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3404485,00.html">Frust &#252;ber dieses Europa </a>wachsen lassen und nicht die mangelnde Aufkl&#228;rung der Regierungen. Wo wenig Positives ist, &#252;ber das man aufkl&#228;ren kann, n&#252;tzen alle phantasievollen Bem&#252;hungen nichts. Selbst die Iren, lange als Nutznie&#223;er des europ&#228;ischen Einigungsprozesses hervorgehoben, haben in Wirklichkeit offenbar <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,559308,00.html">andere Erfahrungen</a> gemacht – so wie eine deutliche Mehrheit der Europ&#228;er schlechthin. Mit ihrer Skepsis sprechen sie f&#252;r den ganzen Kontinent.</p>
<p></font></p>
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		<title>Fremde Heilsbringer in Tibet wie in Afghanistan</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Mar 2008 15:20:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Glauben sollte man, was Tibet betrifft, weder der einen noch der anderen Seite. China kanalisiert nat&#252;rlich die Informationen &#252;ber die Krise, &#228;hnlich wie wir das aus der DDR kannten. Deshalb war jetzt von friedlichen Demonstrationen tibetischer M&#246;nche nichts zu sehen, sondern nur von gewaltsamen Ausschreitungen, die in jedem Land der Welt mit der geballten Macht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Glauben sollte man, was Tibet betrifft, weder der einen noch der anderen Seite. China kanalisiert nat&#252;rlich die Informationen &#252;ber die Krise, &#228;hnlich wie wir das aus der DDR kannten. Deshalb war jetzt von friedlichen Demonstrationen tibetischer M&#246;nche nichts zu sehen, sondern nur von gewaltsamen Ausschreitungen, die in jedem Land der Welt mit der geballten Macht der zust&#228;ndigen Kr&#228;fte beendet werden, auch hierzulande selbstverst&#228;ndlich. Westliche Medien wiederum bagatellisieren diese Gewalt <span id="more-343"></span>und r&#252;cken das drakonische Vorgehen von chinesischer Polizei und Milit&#228;r in den Vordergrund, beklagen die Verletzung von Menschen – und Freiheitsrechten. Damit ideologisieren sie den Konflikt in bew&#228;hrter Manier, obwohl die Ursachen f&#252;r die <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,541758,00.html">Auseinandersetzungen</a> viel tiefer liegen.</p>
<p>China hat in den vergangenen Jahrzenten das einst fast mittelalterliche Tibet wirtschaftlich entwickelt und modernisiert. Das ging einher mit einer »Chinesierung« des Landes; Normen und gesellschaftliche Regeln des riesigen Nachbarn wurden auf die kleine Bergrepublik mit ihrer ganz eigenen Kultur &#252;bertragen, dazu kamen Tausende Einwanderer, die bald das Wirtschaftsleben beherrschten. Zwangsl&#228;ufige Folge war die Minderung der Rolle der Religion, die bis dahin durch den Dalai Lama auch die weltliche Macht verk&#246;rperte. Im Ansatz verfolgte China damit eine &#228;hnliche Politik in Tibet wie zum Beispiel die USA in der islamischen Welt – n&#228;mlich einer anderen Kultur die eigene Sichtweise aufzuzwingen, sie an das eigene Bild anzugleichen, zu assimilieren, um sie dadurch beherrschen zu k&#246;nnen. China versuchte das allerdings viel konsequenter als die USA durch &#246;konomische Entwicklung – man denke nur an die k&#252;rzlich vollendete Tibet-Bahn – und bislang weniger durch Gewalt oder gar Krieg, das bevorzugte US-amerikanische Instrument.</p>
<p>Im Ergebnis jedoch f&#252;hlen sich viele Tibeter von fremden Heilsbringern dominiert, ihrer eigenen Kultur entfremdet und lehnen sich dagegen auf. Darin &#228;hneln sie durchaus den Afghanen, f&#252;r die noch die milit&#228;rische Brutalit&#228;t hinzukommt, zu der China nun offensichtlich auch greift. Auch die Afghanen wollen nicht an eine andere Kultur angepasst leben, sondern ihre eigenen – und seien es &#252;berholte Traditionen, so sehr ihnen die R&#252;ckw&#228;rtsgewandtheit der Taliban zuwider sein mag. Sie haben – wie Tibet – das Pech, das gro&#223;e M&#228;chte sie in ihrem strategischen Spiel haben, ihnen bleibt nur der Widerstand, letztlich auch in seiner blutigen Form.</p>
<p>Damit aber stellt sich in Tibet wie Afghanistan eine Grundfrage gesellschaftlicher Entwicklung: Inwieweit ist es sinnvoll oder &#252;berhaupt m&#246;glich, unterschiedliche Kulturen im Zuge der Globalisierung zu vereinheitlichten? Kann man den Menschen, indem man ihnen ein wenig den Geldbeutel f&#252;llt, die kulturelle Identit&#228;t abkaufen? Offensichtlich nicht, weder mit Gewalt noch mit Entwicklung. Es bedarf vielmehr des Respekts vor der Seele der Menschen – ein Faktor, den die global player, gleich welcher Couleur, allerdings nicht auf ihrer Rechnung haben.</p>
<p></font></p>
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