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	<title>blogsgesang.de &#187; Grüne</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Das Elend der Kapitalismus-Gl&#228;ubigen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 18:09:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) In Madrid wurden 300 000 gez&#228;hlt, in Rom 200 000. Tausende gingen auch in London, Berlin Lissabon und zahlreichen anderen St&#228;dten Europas auf die Stra&#223;en. In New York harren Tausende im Zuccotti-Park aus. Eine ungeahnte Welle antikapitalistischen Protestes rollt vor allem durch die westliche Welt. Und gleichzeitig kommen von dort immer &#246;fter Bilder, wie sie bisher nur aus Minsk, Peking oder Moskau verbreitet wurden: Schwerbewaffnete Polizisten jagen junge Demonstranten, sto&#223;en sie zu Boden, verfrachten sie in Polizeiautos. Ein Demonstrant im US-amerikanischen Oakland wurde lebensgef&#228;hrlich verletzt. Eine friedliche Revolution – diesmal gegen ihn – will der Kapitalismus nicht zulassen.<span id="more-3329"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwar glauben Politiker wie ihre medialen Bataillone noch immer, sie k&#246;nnten den Protest mit erprobten Mitteln kanalisieren, indem sie ihn bagatellisieren und vereinnahmen. Wie stalinistische Betonkopfe halten die heutigen Systemapologeten an ihrem unverbr&#252;chlichen Glauben fest, dass der Kapitalismus gar nicht schlecht sein kann, sondern nur von einigen seiner Vertreter schlecht verwaltet wurde. »Es waren Dummheit und Gier, Inkompetenz, Kurzsichtigkeit und Arroganz, es waren Banker, denen man noch nicht einmal B&#246;sartigkeit unterstellen kann. Sie hatten nur keine Ahnung, was sie da taten«, kopiert die <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/legitimationsprobleme-der-banker-es-war-dummheit-11501646.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/40180675e8f14e69bb624c9583467fa4" alt="" width="1" height="1" />»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« (FASZ) </a>die unbelehrbaren Genossen des sp&#228;ten Sozialismus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wie diese vor den politisch-ideologischen Diversanten warnten, verteufelt sie die heute anders Denkenden. Man k&#246;nne »getrost das Parteiprogramm der Linken vergessen und sollte auch nicht zuh&#246;ren, wenn SPD und Gr&#252;ne nur ihre Ressentiments auf den neuesten Stand bringen«. Genau dies taten dann <a href=" http://www.n-tv.de/politik/Linke-bringt-Bundestag-um-den-Verstand-article4632566.html" target="_blank">Union und FDP im Bundestag</a> bez&#252;glich der Linkspartei – nur weil sie gerade ein Programm verabschiedet hatte, das zur gegenw&#228;rtigen Krisenlage mehr bereit h&#228;lt als nur das Prinzip Hoffnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kl&#252;gere heucheln Verst&#228;ndnis f&#252;r die Protestler, was freilich auf deren verst&#228;ndliche Skepsis st&#246;&#223;t. Die Demonstranten begreifen, dass hinter dem Schulterklopfen, der Umarmung gar die Absicht des Weiter-so steht, das man sich nicht st&#246;ren lassen will. Von »der Verw&#228;sserung der Protestbewegung« spricht <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/occupy-wall-street-streit-lasst-euch-nicht-umarmen-1.1174532" target="_blank">Slavoj Žižek in der »S&#252;ddeutschen Zeitung«</a>: »So, wie man uns Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol und Eiscreme ohne Fett vorsetzt, werden die M&#228;chtigen versuchen, die Proteste als harmlose, moralistische Bewegung abzutun.« Obamas Verweis auf die angebliche N&#228;he seiner Politik zu den Forderungen der Demonstranten, Merkels »Verst&#228;ndnis« f&#252;r ihre Unzufriedenheit, das pl&#246;tzliche Haut-die Banken all jener, die sie im gleichen Atemzug als »systemrelevant« bezeichnen (was insofern stimmt, als sie ihr vorgeblich alternativloses kapitalistisches System meinen) – all das zielt auf Entwaffnung einer Bewegung, die zugleich kompromisslos mit den Repressivwaffen des Systems bek&#228;mpft wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit faktengest&#252;tzten Argumenten kann der Kapitalismus l&#228;ngst nicht mehr &#252;berzeugen; schon gar nicht, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Denn Weitsicht und daraus resultierende Nachhaltigkeit sind seine Merkmale nicht. Er ist ganz und gar auf den schnellen und m&#246;glichst gro&#223;en Gewinn orientiert, dem ordnet er sein gesamtes Handeln unter. Folgerichtig l&#228;sst er sich auch nur durch harte Tatsachen bremsen. Indem er zum Beispiel gegen die Wand einer Realit&#228;t f&#228;hrt, die er einfach nicht einkalkulierte, weil sie in seinem System nicht vorgesehen ist. Dann ist der Crash unausweichlich, dessen Aufprall zwar inzwischen Airbags und Knautschzonen zu mildern verm&#246;gen, ohne ihn freilich kl&#252;ger und vorsichtiger zu machen, eher noch risikofreudiger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die einzige Realit&#228;t, die dem Kapitalismus ein gewisses Ma&#223; an Vernunft aufzwang, war paradoxerweise der reale Sozialismus; mit seinem Verschwinden war die Bahn wieder frei f&#252;r die einfachen Instinkte, die schon Marx gekannt hatte: »Das <a href="http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/profit/profit.htm" target="_blank">Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit</a> oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital k&#252;hn. Zehn Prozent sicher, und man kann es &#252;berall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; f&#252;r 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu&#223;; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnlich irrational nat&#252;rlich auch der Kampf gegen all jene, die dieses unbedingte Profitprinzip in Frage stellen. So unausrottbar, wie im Sozialismus-System die Angst vor imperialistischer Konterbande war, so unausrottbar ist heute, nach einer kurzen Periode des Siegestaumels, in der man jede antikapitalistische Alternative schon auf dem M&#252;llhaufen der Geschichte w&#228;hnte, die neue Angst vor Andersdenkenden, die im Kapitalismus immer weniger das historische Nonplusultra sehen, sondern nach neuen gesellschaftlichen Entw&#252;rfen suchen und dabei auch fr&#252;here, gescheiterte Konzepte erneut auf den Pr&#252;fstand stellen, um zu sehen, woran es lag und was man daraus lernen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die treuen Gl&#228;ubigen des Kapitalismus haben dem nichts entgegenzusetzen als totale Verunsicherung. Und so finden sich in der schon genannten FASZ auf der gleichen Seite zum einen die Beschw&#246;rung, nicht etwa den Schluss zu ziehen, »dass man den Kapitalismus abschaffen m&#252;sse. Sondern dass er dringend gerettet werden sollte« und zwar mittels »einer einmaligen <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/staatsressource-privatvermoegen-sagt-die-wahrheit-11501648.html" target="_blank">Wohlstandsabgabe auf Verm&#246;gen und Immobilie</a>n irgendwo zwischen zwanzig und drei&#223;ig Prozent« und zum anderen das Eingest&#228;ndnis, dass sich Staaten und Finanzkapital »einander entsicherte Handgranaten zuspielen«. Mehr noch: »Was sich gegenw&#228;rtig Politik nennt, ist also nichts anderes als das Weiterreichen von Zeitbomben, deren Ausl&#246;sezeitpunkt niemand kennt. Es k&#246;nnte in Jahren sein oder heute Nachmittag.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beides ein deutliches, wenngleich ungewolltes Pl&#228;doyer f&#252;r die Fortsetzung und Verst&#228;rkung des B&#252;rgerprotestes gegen solchen Wahnsinn.</p>
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		<title>Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 18:31:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Am 27. September 2009 konnten sich Union und FDP &#252;ber ihre Erfolge bei der Bundestagswahl und die bevorstehende schwarz-gelbe Wunschkoalition freuen. Von Freude ist zwei Jahre sp&#228;ter zur Halbzeit der Regierung nichts mehr zu sp&#252;ren: Die FDP steht am Abgrund, die Union hat ein massives Problem, ihren W&#228;hlern die politischen Kehrtwenden zu erkl&#228;ren und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gelingt es nur noch m&#252;hsam, die einstigen Traumpartner zusammenzuhalten.<span id="more-3306"></span></p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208058.schwarz-gelb-auf-dem-tiefpunkt.html" target="_blank">Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/aec68746bcb847dcbb67263c95c79439" alt="" width="1" height="1" /></h2>
<h4>Angela Merkels Wunschkoalition steckt in der Krise, weil sie an den Erwartungen der B&#252;rger mehr denn je vorbei regiert</h4>
<h5>Nach zwei Jahren Schwarz-Gelb haben CDU/CSU und FDP »fertig«. Sie sind moderne Antworten auf die Herausforderungen einer sich schnell wandelnden Welt schuldig geblieben, halten aber stur an der Macht fest.</h5>
<p>Die als Drohung gemeinte, von vielen aber durchaus als Verhei&#223;ung empfundene Ank&#252;ndigung, ohne »Kanzlermehrheit« in der Frage des Griechenland-Rettungsschirms sei die Koalition gescheitert, war nie ernst gemeint. Sie diente allein der am Ende gelungenen Disziplinierung der eigenen Fu&#223;truppen; aber dass sowohl Wolfgang Sch&#228;uble f&#252;r die Union als auch FDP-Fraktionschef Br&#252;derle mit allerlei Relativierungen f&#252;r den Ernstfall vorgebaut hatten, zeigt nur den desolaten Zustand des einstigen »Traumb&#252;ndnisses«.</p>
<p>Denn auch wenn Union und Freidemokraten ihre Mehrheit zusammenbekamen und nat&#252;rlich bis zum bitteren Ende weiterregieren wollen faktisch sind sie bereits abgew&#228;hlt. Acht Landtagswahlen haben seit dem bundesweiten Urnengang vor zwei Jahren stattgefunden, sechsmal verlor die Union an Stimmen zwischen 3,7 und 20,7 (!) Prozent.</p>
<p>Nur zweimal konnte sie leicht zulegen, in Rheinland-Pfalz und Berlin; da war sie wohl die einzige Alternative f&#252;r einige verdrossene Ex-W&#228;hler der FDP, die in beiden L&#228;ndern aus dem Parlament flog. Das Gleiche widerfuhr den Freidemokraten mit drei weiteren Landtagen; &#252;berall war sie von den 14,6 Prozent der Bundestagswahl weit entfernt.</p>
<p>Zwar hatten Bundeskoalitionen schon h&#228;ufiger nach dem Wahlsieg mit Stimmenschwund in den L&#228;ndern zu k&#228;mpfen, doch nicht in solchem Ausma&#223;. Es verweist darauf, dass die schwarz-gelbe Regierung nicht nur ein indiskutables Erscheinungsbild abgibt, sondern auch in der Sache nicht ann&#228;hernd liefert, was sie angek&#252;ndigt hatte. Au&#223;er im Falle der Mehrwertsteuersenkung f&#252;r Hoteliers schon in den ersten Regierungswochen, doch war das nur ein Geschenk f&#252;r den neuen Partner, der sich daf&#252;r mit hochfahrender Schelte gegen Hartz-IV-Empf&#228;nger bedankte und so wohl einen betr&#228;chtlichen Beitrag zur CDU/FDP-Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen leistete. Kurz darauf ging Horst K&#246;hler, Merkels und Westerwelles Ziehkind auf dem Bundespr&#228;sidentenstuhl, frustriert von Bord. Die &#228;hnlich ausgekungelte Nachfolgel&#246;sung Christian Wulff wurde zu einer Zitterpartie.</p>
<p>Danach rief die Koalition einen »Herbst der Entscheidungen« aus; er m&#252;ndete in die Desaster dieses Fr&#252;hjahres: Nach dem Fukushima-Super-GAU wurde die gerade beschlossene AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung wieder kassiert und mit dem Atomausstieg in ihr Gegenteil verkehrt. Merkels forsches Eintreten f&#252;r den Bahnhofsneubau in Stuttgart endete mit einem gr&#252;n-roten Wahlsieg in Baden-W&#252;rttemberg. Und trotz ihrer Ehrenerkl&#228;rungen f&#252;r den smarten Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg musste dieser als Verteidigungsminister unehrenhaft abmustern. Schlie&#223;lich konnte die Kanzlerin angesichts widerstreitender Auffassungen zwischen und in den Koalitionsparteien zur Finanzkrise um Griechenland nur m&#252;hsam den Crash verhindern und ist damit noch lange nicht am Ende.</p>
<p>Wortreich verweisen die Koalition&#228;re auf ihre »Erfolge«, zum Beispiel die Arbeitslosenzahl auf unter drei Millionen gedr&#252;ckt zu haben, verschweigen jedoch, dass dies nur unter Beibehaltung der Schr&#246;derschen Hartz-IV-N&#246;tigung gelang und die meisten der so entstandenen Arbeitsverh&#228;ltnisse nicht genug einbringen, um davon leben zu k&#246;nnen. Als Erfolg wird auch gewertet, dass es um Deutschland nicht ganz so schlecht steht wie um andere europ&#228;ische L&#228;nder. Man verdr&#228;ngt damit die anhaltenden Debatten &#252;ber Altersarmut, Pflegenotstand, Zwei-Klassen-Medizin und Mietenexplosion. Gut stellt sich das Land nur f&#252;r die Verm&#246;genden dar, w&#228;hrend die Masse der Bev&#246;lkerung die soziale Ausd&#252;nnung Tag f&#252;r Tag deutlicher sp&#252;rt.</p>
<p>Und sich zugleich um die W&#228;hrung sorgt, weil die Regierung weder willens noch in der Lage ist, gegen die Ausw&#252;chse der Finanzbranche wirksam vorzugehen. Zwar hat auch sonst niemand ein &#252;berzeugendes Rezept dagegen, aber die Ratlosigkeit und Zerstrittenheit in dieser Sache findet sich in vielen anderen Fragen wieder, sei es die Wahlrechtsproblematik um die &#220;berhangmandate oder der Streit um die Vorratsdatenspeicherung. Sei es die Zukunft des Gesundheitswesens oder die der Pflegeversicherung, die Sicherung der Altersvorsorge oder das uns&#228;gliche Steuersenkungsthema. Handeln auf Sicht und Zuruf ist zum Markenzeichen dieser Regierung geworden, und es gibt wenig Anzeichen, dass sich daran etwas &#228;ndert.</p>
<p>Da verwundert es nicht, wenn die B&#252;rger von der Koalition nicht mehr viel erwarten. 83 Prozent bewerteten j&#252;ngst in einer Forsa-Umfrage deren Zusammenarbeit als mangelhaft, und 54 Prozent glauben nicht, dass sie bis 2013 noch durchh&#228;lt. Selbst unter Unionsw&#228;hlern rechnet jeder Dritte mit ihrem vorzeitigen Ende, bei der FDP sind es gar 37 Prozent.</p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208057.politik-aus-dem-vorigen-jahrhundert.html" target="_blank">Politik aus dem vorigen Jahrhundert</a></h2>
<h4>Nur schwer kann sich das »b&#252;rgerliche« Lager von Inhalten und Ritualen der Vergangenheit verabschieden</h4>
<h5>Seit ihrem Bestehen macht die Regierungskoaltion keine gute Figur. Daf&#252;r verantwortlich sind Konzeptionslosigkeit und das Verschlafen gesellschaftlicher Entwicklungen.</h5>
<p>Mit Parteien ist es fast wie mit den Leuten auch. Je &#228;lter sie werden, desto schwerer tun sie sich mit Neuem. Und trauern gern vergangenen, (vermeintlich) gl&#252;cklicheren Zeiten nach. Auch die verbliebenen Anh&#228;nger von Schwarz-Gelb blicken derzeit melancholisch dahin zur&#252;ck, wo die Union und die Freidemokraten das Land unangefochten regierten also die 20 Jahre nach Gr&#252;ndung der Bundesrepublik und die 16 Jahre unter Helmut Kohl. Sie sehnen sich nach solcher &#220;bersichtlichkeit und k&#246;nnen nicht begreifen, dass ihre »christlich-liberale Koalition« vom ersten Tag ihres Bestehens an ein solch jammervolles Bild abgibt.</p>
<p>Da die weitgehend zahnlose Opposition daf&#252;r der Grund nicht sein kann, suchen sie ihn in Personen und deren unprofessionellem Agieren, im Profilierungsdrang der »Partner«, die oft gegeneinander, mehr noch aber gegen die gemeinsame Sache wirken, auch schon mal diffus in den allgemeinen Zeitl&#228;uften, die ein »ordentliches« Regieren beinahe unm&#246;glich machten.</p>
<p>Den Hauptgrund ihres Niedergangs sowohl als Koalition als auch als einzelne Parteien wollen jedoch weder die Union noch die FDP sehen. Er ist inhaltlich begr&#252;ndet, ergibt sich daraus, dass sie verlernt haben, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und in neue, moderne Konzepte umzusetzen. Ihre Krise ist eine Krise der Programmatik, die weitgehend auf alten Fundamenten stehen geblieben ist und sich neuen Herausforderungen nur ungen&#252;gend zu stellen vermochte.</p>
<p>Dabei gibt es zwischen den Koalition&#228;ren durchaus Unterschiede. Die Union als Volkspartei nimmt das Defizit an moderner L&#246;sungskompetenz deutlicher wahr als die FDP, was sie partiell zu Ver&#228;nderungen f&#228;hig macht. Ihr Problem: Diese Ver&#228;nderungen setzen sich eher spontan durch, als dass sie das Produkt einer gediegenen Gesellschaftsanalyse und darauf fu&#223;ender Ideen w&#228;re. Angela Merkel sp&#252;rt den Wind des Wandels und h&#228;ngt ihr M&#228;ntelchen gern in die Brise, aber sie gestaltet Neues lustlos, als Getriebene, wodurch sie ihre konservativ denkende Partei &#252;berfordert und verwirrt.</p>
<p>Die Folge sind Entt&#228;uschung, Unmut und Abkehr. Sinnvolle Entscheidungen wie zur Unterst&#252;tzung berufst&#228;tiger Frauen, die Aussetzung der Wehrpflicht, die Abschaffung der Hauptschule und vor allem der Atomausstieg nach gerade verf&#252;gter AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung sind das Ergebnis &#228;u&#223;eren Drucks, dem die Kanzlerin nicht aus &#220;berzeugung, sondern aus taktischem Kalk&#252;l folgt, ohne bei CDU und CSU daf&#252;r zu werben. Ihr lakonisches »Wenn sich Dinge &#228;ndern, m&#252;ssen wir Antworten finden« verunsichert die konservative Unionsw&#228;hlerschaft noch immer stark auf Adenauer und Kohl fixiert mehr, als dass sie sie beruhigt; sie versteht die Welt nicht mehr.</p>
<p>Die FDP-F&#252;hrung hingegen ist total in den 90er Jahren stecken geblieben, hat ein Dutzend Jahre gesellschaftlicher Entwicklung verschlafen und bringt daher nichts anderes in die Regierungsarbeit ein als Papiere aus dem vorigen Jahrhundert, ein Parteiprogramm sogar aus den 1980er Jahren. Ihre einst auf verschiedenen Feldern durchaus liberale Politik hat sich heute auf kruden Wirtschaftsliberalismus verengt. Wirkte sie fr&#252;her in einer Koalition als Korrektiv gegen&#252;ber manchem &#220;berschwang des gr&#246;&#223;eren Partners, so muss heute ihre Irrationalit&#228;t korrigiert werden. Eine Aufgabe, die die Kanzlerin allerdings vom ersten bis in diese Tage ignorierte und damit selbst zu den Problemen beitrug, mit denen sie heute zu k&#228;mpfen hat.</p>
<p>Beide, CDU/CSU wie FDP, aber haben sich vor allem ungen&#252;gend auf das wachsende Dr&#228;ngen der B&#252;rger auf Teilhabe an den &#246;ffentlichen Angelegenheiten eingestellt. Machtsicherungsrituale, die sich in ihren Augen bew&#228;hrt haben, bestimmen unausrottbar die politische Arbeit von Union und FDP und nicht nur von ihnen. Der W&#228;hlerzulauf zu den Gr&#252;nen, vor allem aber der Berliner &#220;berraschungscoup der Piratenpartei zeigen jedoch, dass die B&#252;rger von den Parteien etwas ganz anders erwarten n&#228;mlich in Inhalt wie Umgang eine weitreichende &#214;ffnung zu ihnen hin.</p>
<pre></pre>
<address>(Ver&#246;ffentlicht in:  Neues Deutschland vom 04. Oktober 2011)</address>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Nicht einmal Bundestagsabgeordnete sind frei</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 20:59:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Wolfgang Bosbach geh&#246;rte stets zu den treuesten Bundestagsabgeordneten der CDU. Was auch immer die Medien ihn fragten, er stand stets unersch&#252;tterlich zur politischen Linie seiner Partei. Das wurde von den Parteioberen wohlwollend registriert, gab ihm aber nicht das Recht, auch einmal die eigene Meinung zu sagen und im Parlament zu Protokoll zu geben. Als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wolfgang Bosbach geh&#246;rte stets zu den treuesten Bundestagsabgeordneten der CDU. Was auch immer die Medien ihn fragten, er stand stets unersch&#252;tterlich zur politischen Linie seiner Partei. Das wurde von den Parteioberen wohlwollend registriert, gab ihm aber nicht das Recht, auch einmal die eigene Meinung zu sagen und im Parlament zu Protokoll zu geben. Als er das jetzt in der Frage der Griechenland-Hilfe dennoch tat, wurde er binnen Stunden zum Auss&#228;tzigen<span id="more-3295"></span> in seiner Fraktion. Der <a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1213229" target="_blank">Kanzleramtsminister aus seiner Partei </a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/5e46cda30ee44d799c0d32b4f88161bb" alt="" width="1" height="1" />erkl&#228;rte ihm, »seine Fresse« nicht mehr sehen, »seine Schei&#223;e« nicht mehr h&#246;ren zu k&#246;nnen.</p>
<p>Nun ist die Emp&#246;rung gro&#223;, obwohl Bosbach lediglich widerfuhr, was in den Bundestagsparteien gang und g&#228;be ist. Keine Fraktion l&#228;sst zu, dass im Plenum jemand das Wort ergreift, der nicht die vorgegebene Position der Partei vertritt. Und wenn jemand anders als die Mehrheit der eigenen Leute abstimmen will, wird er unverz&#252;glich in die Mangel genommen, in der die Walzen immer enger gestellt werden – bis hin zur Drohung, f&#252;r folgende Wahlkandidaturen die Unterst&#252;tzung zu versagen. Dann bekommen die W&#228;hler einen anderen, der Parteif&#252;hrung genehmeren Kandidaten vorgesetzt.</p>
<p>Bundestagspr&#228;sident Norbert Lammert wollte diese Praxis, die sogar die <a href="http://www.bild.de/news/standards/bild-kommentar/unterworfenes-gewissen-20258462.bild.html" target="_blank">BILD-Zeitung </a>zu einem von ihr selten gebrauchtem Vergleich veranlasste, durchbrechen und erteilte kraft seines Amtes zweien der Andersdenkenden in der Regierungskoalition das Wort, was nicht nur in deren Fraktionen, sondern <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:nach-euro-votum-lob-fuer-rederecht-fuer-efsf-kritiker/60110954.html" target="_blank">in ausnahmslos allen Parteien heftige Proteste</a> ausl&#246;ste. Das ganze System breche zusammen, wenn solche Freiheiten &#252;blich w&#252;rden, lie&#223; Unions-Fraktionschef Volker Kauder verlauten – und hat damit wohl recht. Wirkliche Freiheit bringt auch dieses System in Gefahr. Und zwar so sehr, dass selbst die einst alternativ denkenden Gr&#252;nen ihrem »Abweichler« <a href="http://www.nachrichten.de/panorama/Mitteldeutsche-Zeitung-Euro-Krise-Stroebele-lobt-Lammert-fuer-Entscheidung-Abweichler-im-Bundestag-aid_7690380382504648156.html" target="_blank">Hans-Christian Str&#246;bele </a>die Darlegung eigenst&#228;ndiger Gedanken im Bundestag verweigern – ganz zu schweigen von der SPD.</p>
<p>Deren parlamentarischer Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrer Thomas Oppermann w&#252;nschte sich zwar mit Blick auf den politischen Gegner: »In einem demokratischen Prozess ist es wichtig, das ganze Spektrum in einem vern&#252;nftigen Verh&#228;ltnis zur Geltung kommen zu lassen.« Doch auch die politische Praxis der SPD ist eine ganz andere. Davon k&#246;nnte zum Beispiel deren sachsen-anhaltinische Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff berichten, die 2003 bei der Abstimmung &#252;ber Schr&#246;ders »Agenda 20120« eine andere Meinung als ihre Parteif&#252;hrung hatte. Damals wurde sie zur »Dissidentin« und geriet prompt in ein Dilemma, das im folgenden noch einmal nachgezeichnet werden soll.</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<h2>Das Dilemma einer »Dissidentin«</h2>
<h4>Wenigstens diskutieren will die SPD-Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff, ehe sie eine schmerzhafte Entscheidung trifft</h4>
<h5><strong>Der SPD-Sonderparteitag hat die »Agenda 2010« gebilligt. Das Mitgliederbegehren steht vor dem Scheitern. Nun geht es um die eigene Mehrheit der Koalition im Bundestag – f&#252;r das kleine H&#228;uflein der Aufrechten gegen Sozialabbau in der SPD-Fraktion eine schwierige Situation.</strong></h5>
<p>Wenn es um den Steuersatz beim Agrardiesel geht, dann hat Waltraud Wolff selbstverst&#228;ndlich das Wort. Auch zur Organisation der landwirtschaftlichen Sozialversicherung meldet sich die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Und entschlossen k&#228;mpft sie f&#252;r die Aufrechterhaltung des Branntweinmonopols – bei besonderer W&#252;rdigung hochprozentigen gebrannten Korns, den sie gern zu einem &#228;hnlichen Markenzeichen im Spirituosensektor machen w&#252;rde, wie es Grappa, Ouzo, Cognac oder Tequila f&#252;r ihre Herkunftsl&#228;nder sind. So weit, so gut und lobenswert, meinen ihre sozialdemokratischen Bundestagskollegen, aber als nahe an der Schnapsidee m&#252;ssen es offensichtlich einige dann empfunden haben, dass sich die Wolmirstedter Sonderschullehrerin in diesem Fr&#252;hjahr in die Reihe jener »Dissidenten« stellte, die an des Kanzlers »Agenda 2010« herumm&#228;kelten.</p>
<h4>Aufm&#252;pfig aus Erfahrung</h4>
<p>Mit acht anderen Parlamentariern und weiteren linken Sozialdemokraten brachte Waltraud Wolff im April ein Mitgliederbegehren auf den Weg, das – unter anderem – K&#252;rzungen bei Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe und Krankengeld verhindern und stattdessen die Verm&#246;genssteuer wieder einf&#252;hren wollte – Forderungen, die die Parteif&#252;hrung sofort strikt ablehnte. Und so war auch der Gegenwind in der Fraktion betr&#228;chtlich. Nach der Osterpause schlug den neun Aufm&#252;pfigen, zu denen sich inzwischen drei weitere gesellt hatten, ein frostiger Wind entgegen. Selbst als es um die Frage ging, wer in der n&#228;chsten Bundestagssitzung das Spezialthema der »Modulation von Direktzahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik« behandeln sollte, hielten einige das Mitglied im Bundestagsausschuss »Verbraucherschutz, Ern&#228;hrung und Landwirtschaft« pl&#246;tzlich f&#252;r nicht mehr geeignet: »Was denn, so eine darf noch im Plenum reden?«</p>
<p>Dabei ist Waltraud Wolff gerade f&#252;r Sozialfragen au&#223;erordentlich kompetent, kommt sie doch aus Sachsen-Anhalt, jenem Land mit der bundesweit h&#246;chsten Arbeitslosigkeit. »Ich konnte gar nicht anders«, sagt sie, »das Krankengeld privatisiert, noch mehr private Altersvorsorge, das Arbeitslosengeld auf Sozialhilfeniveau, ABM zur&#252;ckgefahren, Wegbrechen der Qualifizierungsma&#223;nahmen – mit all dem konnte ich nicht mehr guten Gewissens durch meinen Wahlkreis gehen.« Nach der Wende arbeitete sie als Leiterin der Gerhard-Sch&#246;ne-Schule in ihrer Heimatstadt, einer Sonderschule f&#252;r geistig Behinderte. Sie kennt die Probleme der Schw&#228;chsten in der Gesellschaft, sie wei&#223;, wie schwierig es gerade f&#252;r sie ist, ein w&#252;rdevolles Leben zu f&#252;hren. Auch ihre Schule musste und muss um jeden Euro k&#228;mpfen, oft betteln. Viel Fantasie bringen Lehrer wie F&#246;rderer allein daf&#252;r auf; erst k&#252;rzlich organisierten sie ein Benefiz-Fu&#223;ballturnier, um einen Schulbus finanzieren zu k&#246;nnen. Auch der Namensgeber der Schule, der Liedermacher Gerhard Sch&#246;ne, war dabei, sang seine Lieder, die oft die »kleinen Leute« zum Thema haben, aber auch ihre Kraft, ihren Mut.</p>
<p>Kraft und Mut brauchte auch Waltraud Wolff, nachdem sie nun zum »dreckigen Dutzend« in der 251-k&#246;pfigen Fraktion, wie deren F&#252;hrung die »Abweichler« nennt, geh&#246;rte. Denn sie ist ein sozialer Mensch, m&#246;chte gern mit ihrer Umwelt in Frieden und Harmonie leben. »Jeder braucht ein Umfeld, auch zur eigenen Selbstgewissheit«, sagt sie. »Da merke ich schon, wenn die Kollegen reservierter sind, und es ist mir nicht einerlei.«</p>
<p>Es ist f&#252;r sie auch nicht die erste Erfahrung dieser Art. Schon im August 2001, als es um den Einsatz deutscher Soldaten in Mazedonien ging, hatte sie im Bundestag Nein gesagt. Die evangelische Christin war immer gegen Krieg und Milit&#228;r gewesen; jahrelang geh&#246;rte sie zu den treuesten Teilnehmern der monatlichen Aktionen gegen den Truppen&#252;bungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide. »Schon da fand ich damit nicht nur Beifall«, erinnert sie sich, »sogar absolutes Unverst&#228;ndnis. ›Du bist f&#252;r die SPD in den Bundestags gegangen‹, h&#246;rte ich, ›da musst du deren Entscheidungen mittragen‹. Doch andererseits hatte ich in dieser Frage einen Riesenr&#252;ckhalt bei meinen W&#228;hlern.« Wie sollte sie sich verhalten? Immerhin hatten 43,3 Prozent sie 1998 direkt gew&#228;hlt, vier Jahre sp&#228;ter sogar 45,1 Prozent. Damals hatte sie dar&#252;ber nachgedacht, ob sie wirklich im Parlament bleiben kann, denn sie ahnte, dass es immer wieder zu schwierigen Entscheidungen kommen w&#252;rde.</p>
<p>Aber Waltraud Wolff blieb, denn sie lernte allm&#228;hlich die sozialdemokratischen Tugenden. »Ich bin zwar von 45 Prozent gew&#228;hlt worden«, sagt sie heute, »aber ich kann nicht nur das tun, was sie wollen.« Und nat&#252;rlich sei sie keine grunds&#228;tzliche Gegnerin der »Agenda 2010«, sondern wollte mit den anderen nur erreichen, dass die SPD sie nicht nur einfach abnickt und basta, sondern dar&#252;ber diskutiert. »Die Partei sollte wieder sprachf&#228;hig werden«, sagt sie, und das sei schlie&#223;lich doch erreicht worden. Der Sonderparteitag, urspr&#252;nglich abgelehnt, habe stattgefunden. Jetzt gingen die Debatten im Bundestag weiter. Der turnusm&#228;&#223;ige Parteitag im November werde wichtige Probleme erneut beraten. Und auch inhaltlich habe es Fortschritte gegeben, so zus&#228;tzliche Ma&#223;nahmen zu Bildung und Qualifizierung im Osten, Sonderregelungen f&#252;r &#252;ber 55-j&#228;hrige Arbeitslose in strukturschwachen Gebieten, eine nur schrittweise Absenkung des Arbeitslosengeldes auf Sozialhilfeniveau, die Fortsetzung der Diskussion &#252;ber eine Ausbildungsplatzumlage: »Das sind abrechenbare Erfolge, die so in der urspr&#252;nglichen Agenda nicht standen.«</p>
<p>Immer wieder verweist Waltraud Wolff auf die Notwendigkeit der Diskussion: »Das muss die SPD auszeichnen, sonst gibt es nur L&#228;hmung, Wut und Resignation. Wir m&#252;ssen uns streiten und Kompromisse finden, denn nat&#252;rlich kann nicht jeder seine reine Lehre durchsetzen. Alle m&#252;ssen kompromissf&#228;hig sein.« Da ist die Abgeordnete schon ganz nah bei Eduard Bernstein und seinem oft kolportierten Wort von der Bewegung, die alles sei, das Ziel dagegen nichts. Und nat&#252;rlich auch bei ihrem Vorsitzenden Gerhard Schr&#246;der, der sich beim 140-j&#228;hrigen Parteijubil&#228;um ausdr&#252;cklich zu dem reformistischen Denker bekannte. Bernstein nannte das Rechtsgef&#252;hl, das Streben nach Gleichheit und Gerechtigkeit »das dauernde Element in der Bewegung, das alle Wandlungen der Doktrin &#252;berlebt, aus dem sie zu allen Zeiten immer wieder neue Kraft sch&#246;pft«. Ein Satz, den Waltraud Wolff wohl lieber auf sich beziehen w&#252;rde als das b&#246;se Wort vom »Unsicherheitsfaktor«, das ihr und den elf anderen in der Fraktion angeh&#228;ngt wurde. Schlie&#223;lich h&#228;tten sich die »Dissidenten« auf sozialdemokratische Grundwerte besonnen, »und der Parteitag zeigte doch, dass unsere Klagen in die richtige Richtung gingen«.</p>
<p>Besonders unverst&#228;ndlich ist ihr die Haltung ihres sachsen-anhaltischen Landesverbandes, der sie hart kritisierte, dann aber in einem eigenen Antrag f&#252;r den Sonderparteitag die Sachforderungen des Mitgliederbegehrens aufgriff. »Legen Sie diesen Antrag und das Mitgliederbegehren nebeneinander – und Sie werden staunen!«, erkl&#228;rt sie kopfsch&#252;ttelnd. 1991 war sie, die zuvor politisch Abstinente, in die SPD eingetreten, seit 1994 sitzt sie im SPD-Landesvorstand Sachsen-Anhalt, seit 1995 ist sie Vorsitzende des Kreisverbandes Ohrekreis. Da schmerzte es schon, dass ihre Genossen zwar ihre Forderungen aufgriffen, ihren Weg aber, wie der Landesvorsitzende Manfred P&#252;chel, f&#252;r falsch erkl&#228;rten. Und es tut zugleich gut, wenn sie andererseits bei ihren W&#228;hlern gewachsenen Respekt sp&#252;rt, einer sie vor dem Sonderparteitag sogar in Berlin auf der Stra&#223;e ansprach und best&#228;rkte: »Machen Sie weiter so!«</p>
<h4>Abw&#228;gen bis zur letzten Sekunde</h4>
<p>Und das hat Waltraud Wolff auch vor. Zwar pl&#228;dierte sie daf&#252;r, nicht mehr viel Kraft f&#252;r das absehbar zum Scheitern verurteilte Mitgliederbegehren aufzuwenden, doch nun gelte es, &#252;ber die ins Plenum eingebrachten Gesetze zu streiten, gegenw&#228;rtig die Vorlage zur Gesundheit. »Bis zur letzten Sekunde m&#252;ssen wir die Chance nutzen, Ver&#228;nderungen herbeizuf&#252;hren.« Nicht nur sie, auch die Fraktionsf&#252;hrung solle kompromissbereit sein. Daher sei ihr Abstimmungsverhalten im Bundestag nach wie vor offen. »Wir m&#252;ssen noch einmal genau hingucken, und dann werden wir sehen«, sagt sie unbestimmt.</p>
<p>Sie spricht es zwar nicht aus, sieht sich aber wohl doch in einem Dilemma. Denn weder m&#246;chte sie einen Blankoscheck ausstellen noch von vornherein die Ablehnung verk&#252;nden. Aber auch nicht, dass Zustimmung zu den Gesetzesvorlagen nach allem, was aus ihrer Sicht erreicht worden ist, als Einknicken ausgelegt wird. Der Druck der Fraktionsmehrheit ist bei ihr wie den anderen »Dissidenten« nicht ohne Folgen geblieben. »Die Herde zusammenzuhalten«, hat der bayerische Fraktionsvize Ludwig Stiegler als Losung ausgegeben, und auch Waltraud Wolff r&#228;umt ein, dass das Klima unter den sozialdemokratischen Mandatstr&#228;gern rauer geworden ist. Doch an ein Aufgeben des Mandats denkt sie diesmal nicht. »Meine W&#228;hler wollen, dass ich im Bundestag bleibe«, sagt sie. »Ich diene ihnen nicht, wenn ich aufgebe.« Was das aber hei&#223;t, wird man immer erst dann wissen, wenn der Bundestagspr&#228;sident zur Abstimmung ruft.</p>
<address>(Ver&#246;ffentlicht in: Neues Deutschland vom 25.06.03)</address>
</blockquote>
<p>Man kann sich schon wundern: In der freiheitlichen Bundesrepublik sind nicht einmal die obersten Volksvertreter wirklich frei.</p>
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		<title>Die Piraten k&#246;nnen den Kapitalismus herausfordern</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 20:18:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Wieder einmal haben die gern hochgelobten »Qualit&#228;tsmedien« einen Trend verschlafen. Sie jedenfalls haben das Aufkommen einer neuen Partei, der »Piraten«, nicht kommen sehen, obwohl es seit Monaten daf&#252;r deutliche Anzeichen gab und zuletzt auch die Meinungsforscher f&#252;r die Berliner Wahlen ihren kometenhaften Aufstieg voraussagten. Dennoch dr&#228;ngten sich die Journalisten wie gehabt am Wahlabend bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wieder einmal haben die gern hochgelobten »Qualit&#228;tsmedien« einen Trend verschlafen. Sie jedenfalls haben das Aufkommen einer neuen Partei, der »Piraten«, nicht kommen sehen, obwohl es seit Monaten daf&#252;r deutliche Anzeichen gab und zuletzt auch die Meinungsforscher f&#252;r die Berliner Wahlen ihren kometenhaften Aufstieg voraussagten. <span id="more-3285"></span>Dennoch dr&#228;ngten sich die Journalisten wie gehabt am Wahlabend bei den Etablierten und beginnen nur langsam ein Ph&#228;nomen zu begreifen, das – mehr noch als einst die Gr&#252;nen – das Potenzial hat, diese Republik zu ver&#228;ndern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Alle, die jetzt die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/berliner-wahlsieger-die-piraten-von-a-bis-z-1729619.html" target="_blank">Piraten</a><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/1464a833129d4a3d8293184b67cf9783" alt="" width="1" height="1" /> als Anf&#228;nger, pubert&#228;re Spinner, kindische Spa&#223;partei zu diffamieren versuchen, waren gestern &#252;brigens noch jene, die die derzeitige Regierungskoalition als unf&#228;hig, dilettantisch, konzeptionslos schm&#228;hten und verzweifelt nach neuen politischen Kr&#228;ften riefen und damit doch nur, wie sich jetzt zeigt, die alten meinten – weil sie sich gar nicht vorstellen k&#246;nnen, dass tats&#228;chlich eine neue Kraft die B&#252;hne zu betreten in der Lage ist. Sie haben einfach nicht begriffen, dass gerade die Unf&#228;higkeit der etablierten Politik, ihr Primat gegen&#252;ber der Wirtschaft, vor allem dem Finanzkapital, durchzusetzen, die W&#228;hler frustriert. Immer wieder wird ihnen nur eine Spielart des Kapitalismus angeboten, eine immer schlimmer als die andere; sie sehnen sich nach einer Alternative und w&#228;hlen, sofern sie nicht gleich zu Hause bleiben, unkonventionell, eine Partei, die alles anders zu machen verspricht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vor diesem Hintergrund war es nur eine Frage der Zeit, dass nun auch f&#252;r das Prekariat – wie einst f&#252;r das Proletariat – eine Partei ins Rampenlicht tritt, die sich um seine Interessen k&#252;mmert. Und es verwundert nicht, dass intellektuelle Vordenker diese Aufgabe &#252;bernehmen; sie sind dem Prekariat nur zum Teil zuzurechnen, stehen dabei durchaus f&#252;r B&#252;rgerlichkeit, allerdings eine progressive B&#252;rgerlichkeit, die im verkrusteten Parteieinstaat l&#228;ngst verloren gegangen ist. Nicht zuf&#228;llig sagte <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0919/politik/0014/index.html" target="_blank">Gerhard Anger, Berlins Landesvorsitzender der Piraten</a>, am Wahlabend: »Wir sind jetzt die st&#228;rkste liberale Partei in Berlin.« Weil das so ist, denken sie zugleich sozial, emanzipatorisch, parit&#228;tisch, in Teilen sogar konservativ. Gerade das aber, die Inkompatibilit&#228;t der Partei mit der politischen Ges&#228;&#223;geografie, ist das Neue an den Piraten und mithin ihre St&#228;rke.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das meint freilich keine Beliebigkeit; es ist vielmehr ein sehr moderner, verantwortungsbewusster Freiheitsbegriff, von dem die Piraten ausgehen. Was die Linke bisher nicht zusammenbrachte, n&#228;mlich das Soziale und das Libert&#228;re, findet zur Einheit. Insofern muss es der Linkspartei schon zu denken geben, wie die Piraten gerade auch mit sozialen Forderungen bei den W&#228;hlern punkteten, die aus ihrem ureigenen Arsenal stammen, aber von ihr nicht durchgesetzt wurden, weil ihr der Machterhalt am Ende wichtiger war als die Interessen ihrer Klientel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es sind soziale Forderungen, die auch die Kernfragen der sozialistischen Idee waren: Wie gerecht ist das Eigentum verteilt? Und darf der Besitzer von Eigentum den alleinigen Nutzen daraus ziehen oder ist er nicht angehalten, diesen Nutzen mit anderen zu teilen? Es sind also im Grunde »alte« Fragen, die der Kapitalismus mit seinem Entstehen aufwarf und die mit dem Untergang der sozialistischen Alternative nicht erledigt, da nicht beantwortet sind. Jetzt kommen sie wieder auf die Tagesordnung, und das unter den neuen technischen und technologischen Bedingungen, die auch ganz neue M&#246;glichkeiten einer gerechten Umverteilung des jetzt in den H&#228;nden weniger konzentrierten gesellschaftlichen Reichtums er&#246;ffnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weil das die Piraten – wie diffus vorerst auch immer – artikulierten, zogen sie von allen Parteien, die bei den W&#228;hlern irgendwie links verortet werden, <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article1768259/Piraten-koennen-21-000-Nichtwaehler-mobilisieren.html" target="_blank">Stimmen ab und reaktivierten sogar einen Teil der Nichtw&#228;hler</a>, die sich von der Politik eigentlich schon abgewandt hatten. Welch ein Zeichen der Sehnsucht nach einem anderen Weg als dem des heutigen deformierten Kapitalismus! Auch er war als Gesellschaftsmodell einmal fortschrittlich, und auch er bediente sich mit dem Buchdruck einer neuen Kommunikationsform, die Massen zu mobilisieren vermochte. Jetzt ist es das Internet, das diesbez&#252;glich eine neue Qualit&#228;t schafft – vielleicht auch f&#252;r einen neuen Gesellschaftsentwurf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beschreiten die Piraten diesen Weg, sch&#228;rfen sie ihr bereits im Umrissen erkennbares diesbez&#252;gliches Profil, haben sie alle Chancen, als neue progressive politische Kraft zu re&#252;ssieren und damit sowohl die schon lange ins Establishment abdriftenden Sozialdemokraten und Gr&#252;nen als auch die ihnen auf diesem Weg folgende Linkspartei konzeptionell hinter sich zu lassen. Sie haben das Zeug zu einer unideologischen Bewegung, unbelastet von Vergangenheitsdebatten, praktisch vorangetrieben durch die sich rasant entwickelnden technischen M&#246;glichkeiten des Digital-Zeitalters und theoretisch fundiert durch eine daher auf immer neue Bereiche ausgreifende Netzkultur.</p>
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		<title>FDP auf Normalma&#223; zur&#252;ckgestutzt</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 18:10:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint<span id="more-2693"></span>, im Abgang noch Bedingungen stellen zu k&#246;nnen; er wird lernen m&#252;ssen, dass gerade in seiner »Partei der Leistungstr&#228;ger« nichts so sehr z&#228;hlt wie der Erfolg und nichts so vernichtend ist wie Verluste an der Wahlurne.</p>
<p>F&#252;r die Partei als Ganzes jedoch ist Westerwelle nur insofern ein Problem, als er als ihr Vorsitzender jene inhaltliche Ausrichtung der Partei erdachte und durchsetzte, die sie jetzt an den Rand des Abgrunds f&#252;hrte. Diese Ausrichtung haben freilich alle ihre Funktion&#228;re zumindest klaglos, meist aber begeistert mitgemacht – ganz vorn jene, die sich jetzt auch wieder danach dr&#228;ngen, den wuchtigsten Schlag gegen den Ex-Chef zu f&#252;hren. Auch <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/fdp-trio-lindner-roesler-bahr-die-boygroup-der-liberalen-1671025.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c5eddb7fa917495a91fe82c435ded144" alt="" width="1" height="1" />jene, die jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen sollen</a>, waren mit Kritik am Vorsitzenden nie aufgefallen, im Gegenteil verteidigten sie ihn stets wortreich. Sie haben konzeptionell auch nichts anderes auf der Pfanne als ihr zur&#252;ckgetretener Vormann; auch deshalb hat wohl keiner von ihnen Lust, sich ins Geschirr zu h&#228;ngen. Denn ohne <a href="http://www.morgenweb.de/meinung/kommentar/20110404_mmm0000001473637.html" target="_blank">inhaltliche Umorientierun</a>g der Partei ist der Misserfolg jedes k&#252;nftigen FDP-Chefs vorprogrammiert. Diese inhaltliche Umorientierung jedoch ist nicht in Sicht; sie f&#228;nde in der heutigen  FDP auch keine Mehrheit; insofern hat Guido Westerwelle ganze Arbeit geleistet und seine Partei in ein auswegloses Dilemma gef&#252;hrt.</p>
<p>Eine Partei der Wirtschaft und der Banken war die FDP schon immer, doch konnte sie das in der Vergangenheit nicht selten dadurch in den Hintergrund treten lassen, dass sie den erkl&#228;rten Liberalismus eben nicht nur als freie Bahn f&#252;rs Geldmachen verstand, sondern auch als W&#228;chteramt &#252;ber die B&#252;rgerrechte und als Philosophie von Chancengleichheit, was in gewissen Grenzen sogar das Soziale im Blick behielt. Diese Linie, die die FDP auch f&#252;r andere als »Besserverdienende« w&#228;hlbar machte, sicherte nicht nur ihre parlamentarische Existenz in mehr als 60 Jahren Bundesrepublik, sondern machte sie auch immer wieder regierungsf&#228;hig, lange sogar im B&#252;ndnis mit der SPD. Damit jedoch haben Genscher und Lambsdorff durch ihren &#220;bertritt 1982 zu Helmut Kohl und dann die Kinkel, die Gerhardt und letztlich Westerwelle Schluss gemacht. Vor allem letzterer legte seine Partei voll und ganz auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs fest, sah sich dergestalt sogar als Korrektiv zur anderen Wirtschaftspartei CDU/CSU, der er den vorg3eblichen »Sozialdemokratismus« austreiben wollte.</p>
<p>Von dieser Position kommt die FDP so schnell nicht weg. Geradezu exemplarisch ist daf&#252;r das kollektive Schaudern fast aller ihrer F&#252;hrungsleute, als in der Westerwelle-Nachfolge-Debatte der Name Leutheusser-Schnarrenberger fiel. Der von der Justizministerin vertretene Liberalismus ist der heutigen FDP-Garde zutiefst fremd; selbst wenn sie es wollte, w&#228;re sie nicht in der Lage, ihn glaubw&#252;rdig zu vertreten.  Untergehen muss sie deswegen jedoch nicht. Die »Besserverdienenden« bleiben nat&#252;rlich ihre treue W&#228;hlerklientel. Sie misstrauen allen anderen Parteien mit ihrer mehr oder weniger ausgepr&#228;gten sozialen Ader – selbst der Union, bei der diese weitgehend verk&#252;mmert ist. Sie werden die FDP immer w&#228;hlen und mitunter von jenen verst&#228;rkt werden, die hoffen und glauben, selbst auch einmal in diese Kategorie aufzusteigen. Besonders in krisenhaften Zeiten werden die einfachen Botschaften  &#8211; wie »Steuern runter!« oder »Weniger Staat!« &#8211; gern geh&#246;rt; darauf beruhte letztlich der paradoxe Wahlerfolg der FDP 2009. Paradox deshalb, weil es ja gerade die von der FDP kolportierten Parolen von der Entfesselung der M&#228;rkte und der Finanzbranche waren, die bei der Krise im Jahr zuvor Pate gestanden hatten. Die Illusion trug nur wenige Monate und ist jetzt restlos aufgebraucht – eine Warnung &#252;brigens auch an andere Parteien mit hochfliegenden Wahlresultaten – die aus anderer Krisenverunsicherung herr&#252;hren –  und daraus leicht entstehenden Hochgef&#252;hlen.</p>
<p>Die FDP ist auf ihr Normalma&#223; zurechtgestutzt. Bei Bundestagswahlen erreichte sie zumeist  Ergebnisse um die sieben oder acht Prozent, nur f&#252;nfmal schnitt sie zweistellig ab, was aber nie Bestand hatte. Ihr niedrigstes Resultat lag knapp unter sechs Prozent; dort etwa w&#252;rde sie sich wohl derzeit einpegeln, vielleicht auch etwas niedriger wegen des Westerwelle-Faktors. Von besonderer Bedeutung f&#252;r die deutsche Politik ist das nicht, weshalb auch Angela Merkel  nicht in Panik ausbricht. Nach dem, was die Demoskopie derzeit verbreitet, hat sie mit der SPD auch k&#252;nftig einen sicheren Juniorpartner – und im &#252;brigen sind sie und ihre Partei l&#228;ngst dabei, die Gr&#252;nen ins eigene Lager zu locken. Mit gar nicht so schlechten Erfolgsaussichten.</p>
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		<title>W&#228;hler bestrafte Hochmut der CDU – und der SPD</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 18:29:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Dass die CDU in Baden-W&#252;rttemberg und – etwas weniger deutlich – auch in Rheinland-Pfalz vom W&#228;hler kr&#228;ftig abgestraft wurde, ist nicht zu leugnen. Aber auch die SPD, die sich – wie auf der anderen Seite die rheinland-pf&#228;lzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Kl&#246;ckner – realit&#228;tsfern als Wahlsieger geriert, muss noch immer f&#252;r ihre unsoziale Politik der Schr&#246;der- [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Dass die CDU in Baden-W&#252;rttemberg und – etwas weniger deutlich – auch in Rheinland-Pfalz vom W&#228;hler kr&#228;ftig abgestraft wurde, ist nicht zu leugnen. Aber auch die SPD, die sich – wie auf der anderen Seite die rheinland-pf&#228;lzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Kl&#246;ckner – realit&#228;tsfern als Wahlsieger geriert, muss noch immer f&#252;r ihre unsoziale Politik der Schr&#246;der- und M&#252;ntefering-&#196;ra bezahlen.<span id="more-2659"></span>Wenn sie jetzt in Mainz trotz Verlusten von fast zehn Prozent weiterregieren und in Stuttgart trotz des dortigen schlechtesten Ergebnisses &#252;berhaupt in die Regierung schl&#252;pfen kann, hat sie das allein den Gr&#252;nen zu verdanken, den einzigen Siegern des heutigen Wahlabends.</p>
<p>Aber nat&#252;rlich wiegt der Einbruch von CDU und FDP in Baden-W&#252;rttemberg schwerer, auch wenn um dessen wahren Grund die systemnahen Medien zumeist einen gro&#223;en Bogen machen. In ihren schon vor dem heutigen Wahltag vielf&#228;ltig formulierten Abges&#228;ngen auf die Kanzlerin und ihrer Koalition entwickelten sie entweder<a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Wahlen-Atom-Libyen-Merkels-haerteste-Pruefung-id4466518.html" target="_blank"> abenteuerliche Katastrophentheorien</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/a67d777f6f784933848b990422eec625" alt="" width="1" height="1" /> – so als seien ein unvorhersehbares politisches Erdbeben und gleich darauf noch ein Tsunami &#252;ber Schwarz-Gelb gekommen – oder versuchten sich in <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0326/politik/0009/index.html" target="_blank">amateurhaften psychologischen Befunden</a> &#252;ber die doch so bedauernswerte Kanzlerin. Dass es tats&#228;chlich die verfehlten Inhalte der schwarz-gelben Politik und ein voluntaristisches Herangehen an die aktuellen Probleme, das objektive Bedingungen wie subjektive Befindlichkeiten in der Bev&#246;lkerung arrogant ausblendete, waren, die zum Desaster f&#252;hrten, lie&#223; sich so elegant verschleiern.</p>
<p>Die schwerste Hypothek hatte sich die Regierung mit dem Beschluss zur Verl&#228;ngerung der Laufzeiten f&#252;r Atomkraftwerke aufgeladen. Der sich immer st&#228;rker abzeichnende Super-GAU in Japan war eben nicht – wie einige Atombef&#252;rworter mit Altbundeskanzler Helmut Kohl an der Spitze jetzt schon wieder verk&#252;nden – ein bl&#246;der Zufall zur falschen Zeit, sondern die gesetzm&#228;&#223;ige Folge einer Politik, die um des Profits von Wirtschaftsunternehmen willen latente Gefahren klein redet und am Ende – gerade in Japan kann man das jetzt mit erschreckender Deutlichkeit sehen – die Gesellschaft auf den Folgen ihres im Grunde kriminellen Tuns sitzen l&#228;sst. Hinter der Desinformationsparole von der »Br&#252;ckentechnologie« und der noch viel gr&#246;&#223;eren L&#252;ge vom »Moratorium« sollte und soll verborgen werden, dass es nur um Milliardengewinne geht und nicht nur die Meinungen, sondern auch die lebenswichtigen Interessen der Menschen deshalb nassforsch missachtet werden.</p>
<p>Ein anderes Beispiel f&#252;r die Abgehobenheit der Bundesregierung ist der Afghanistankrieg, gegen den es seit Beginn eine Mehrheit im Volk gibt, die jedoch ebenfalls total ignoriert wird. Vielmehr unternahm es der inzwischen an anderen Verfehlungen gescheiterte Verteidigungsminister zu Guttenberg, unter Aufbietung aller nur zur Verf&#252;gung stehenden Propagandakompanien, Krieg f&#252;r Deutsche wieder salonf&#228;hig zu machen. Zwar hat die Koalition jetzt auf einige ihrer kl&#252;geren Berater geh&#246;rt und den Afghanistan-Fehler in Libyen nicht wiederholt, doch selbst diese positive Entscheidung verstand sie dadurch zu entwerten, dass sie daf&#252;r das Engagement am Hindukusch verst&#228;rkte. Und sie trieb zugleich die Kriegsfraktion&#228;re in der CDU/CSU aus der Deckung – jene, die noch heute einer Angela Merkel nachtrauern, die 2003 gern mit George W. Bush in den Irakkrieg gezogen w&#228;re, weil sie zum einen Gewalt – ob im Innern (siehe das Vorgehen gegen die Stuttfart-21-Gegner) oder nach au&#223;en (wie jetzt gegen&#252;ber Libyen) – f&#252;r ein probateres Mittel der Politik  als die Suche nach Ausgleich und friedlichen Konfliktl&#246;sungen halten und zum anderen deutsche Politik noch immer in einer Satelittenrolle sehen – lange fixiert auf die USA, nun auch auf andere; in jedem Falle ohne Sinn und Klugheit dieser Politik auch nur zu hinterfragen.</p>
<p>Weitere Beispiele, wie weit Schwarz-Gelb im Grunde von Denken der B&#252;rger entfernt ist, lieferten das sture Festhalten am Stuttgarter Bahnhofsbau, das die Bundeskanzlerin am Ende sogar zu ihrer Sache erkl&#228;rte, und die am gr&#252;nen Tisch zusammengebastelte Hartz-IV-Korrektur nach der R&#252;ge des Bundesverfassungsgerichts, die sich nicht am Bedarf von Arbeitslosen, sondern an der Kassenlage des Bundes orientierte. Auch Freiherr zu Guttenbergs arroganter Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer und sein v&#246;lliges Unverst&#228;ndnis f&#252;r die Forderungen nach einem ehrlichen, anst&#228;ndigen Umgang mit eigenen Verfehlungen geh&#246;ren in diese Reihe. Und erst heute hat einer der neuen Minister des Kabinetts Merkel ein weiteres Beispiel f&#252;r regierungsamtlichen Hochmut geliefert. Nicht etwa <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/1421531/" target="_blank">Innenminister Hans-Peter Friedrich</a> hat nach seiner Auffassung mit seinem Wort, dass der Islam nicht zu Deutschland geh&#246;re, die Gesellschaft gespalten, sondern jene, die ihn daf&#252;r kritisierten.Seine &#196;u&#223;erung sei dazu benutzt worden, »einen Keil zu treiben zwischen den Muslime und mich. Und das zeigt mir eigentlich, dass die, die mich so scharf kritisiert haben, eigentlich nur ein Ziel hatten, n&#228;mlich zu spalten und nicht zusammen zu f&#252;hren.« Und Julia Kl&#246;ckner, die das zweitschlechteste Resultat ihrer Partei in Rheinland-Pfals ohne rot zu werden ein »wunderbares Ergebnis« nennt, will sich offensichtlich in die Front der Wirklichkeitsverweigerer der Union  nahtlos einreihen.</p>
<p>Die SPD steht der CDU in dieser Frage freilich wenig nach, wie vor allem Andrea Nahles&#8217; Siegeseuphorie angesichts niederschmetternder Stimmergebnisse zeigt.. Sie hat nicht begriffen oder will nicht begreifen, dass die Abkehr der W&#228;hler, die jetzt massiv die Union erlebt, bei ihr schon lange aingesetzt hat und auch heute nicht gestoppt werden konnte; in Rheinland-Pfalz hat sie jetzt erst richtig Fahrt aufgenmmen. Beide so genannte Volksparteien waren und sind nicht das Opfer schicksalhafter politischer Katastrophen, sondern  bewusst betriebenen Regierungshandeln, das zunehmend glaubt, sich &#252;ber die B&#252;rger hinwegsetzen und allein nach den eigenen, interessengeleiteten Ma&#223;st&#228;ben handeln zu k&#246;nnen. Dass – wie zuvor schon Schr&#246;der und M&#252;ntefering – Angela Merkel und Guido Westerwelle, ihre schwarz-gelben Koalition&#228;re und die hinter ihnen stehenden, nach weiteren Milliarden gierenden Wirtschaftsbosse damit nicht durchgekommen sind, ist das wichtigste Resultat des heutigen Wahltages.</p>
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		<title>Das Scheitern der Hartz-IV-Korrektur ist die Chance der W&#228;hler</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Feb 2011 22:21:42 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Die mediale Begleitung des Unwillens der Bundesregierung, ein nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidriges Gesetz zweifelsfrei verfassungskonform zu machen, ist von einem seltsamen Opportunismus gepr&#228;gt. Etwa nach dem Motto: Hauptsache, sie einigen sich – ganz egal, wor&#252;ber. Das werden Schuld und Versagen sorgf&#228;ltig auf beide Seiten verteilt – in der unverkennbaren Absicht, keinem weh zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Die mediale Begleitung des Unwillens der Bundesregierung, ein nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidriges Gesetz zweifelsfrei verfassungskonform zu machen, ist von einem seltsamen Opportunismus gepr&#228;gt. Etwa nach dem Motto: Hauptsache, sie einigen sich – ganz egal, wor&#252;ber. Das werden <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0210/meinung/0024/index.html" target="_blank">Schuld und Versagen sorgf&#228;ltig auf beide Seiten verteil</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/171f0d2a140946e9ba32b92598c35731" alt="" width="1" height="1" />t – in der unverkennbaren Absicht, keinem weh zu tun. Ein Ausdruck von Harmoniebed&#252;rfnis, das gew&#246;hnlich nur weitgehend gleichgeschalteten Medien unterkommt. <span id="more-2259"></span>Und das sich die Krokodilstr&#228;nen dar&#252;ber nicht spart, dass die Hartz-IV-Empf&#228;nger »nichts bekommen«.</p>
<p>Was erstens nicht stimmt, denn Karlsruhe hat in weiser Voraussicht des Schattenboxens verf&#252;gt, dass der neue Regelsatz auf jeden Fall ab 1.1.2011 zu zahlen, gegebenenfalls nachzuzahlen ist. Und was zweitens bei f&#252;nf Euro monatlich und einem ziemlich undurchschaubaren »Bildungspaket« kaum einen Hartz-IV-Empf&#228;nger vom Stuhl rei&#223;t.</p>
<p>Die Strategie der schwarz-gelben Bundesregierung war von Anfang an klar. Sie, die ausdr&#252;cklich angetreten ist, Politik f&#252;r die Besserverdienenden zu machen, sieht in finanziellen Zuwendungen f&#252;r Hilfebed&#252;rftige keinerlei Sinn. Anders ist nicht zu erkl&#228;ren, dass sie auf die fundierte Kritik der Verfassungsrichter nur mit kosmetischen Korrekturen antwortete und nie ihre Entschlossenheit verbarg,<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0210/tagesthema/0016/index.html" target="_blank"> dieses Konzept auf Biegen und Brechen durchzusetzen</a>.</p>
<p>In der Sache waren und sind SPD und Gr&#252;ne davon nicht allzu weit entfernt. Sie waren es schlie&#223;lich, die die verfassungswidrigen Hartz-IV-Beschl&#252;sse einst erfanden und – mit wohlwollender, die Details noch versch&#228;rfender Unterst&#252;tzung der Union – zum Gesetz machten. Nun jedoch in der Opposition, mussten sie nat&#252;rlich ein wenig die Dagegen-Attit&#252;de hervorkehren, wobei nicht ausgeschlossen werden soll, dass manchem Sozialdemokrat und Gr&#252;nen durchaus daran gelegen ist, den selbst ruinierten Ruf wieder etwas aufzubessern – und das umso mehr, als gerade in dieser Frage die Linkspartei mit ihren viel weiter gehenden Forderungen den beiden Ex-Regierungsparteien kr&#228;ftig im Nacken sitzt.</p>
<p>Daher waren SPD und Gr&#252;ne nicht bereit, einem vorgeblichen Kompromissangebot der Koalition zuzustimmen, das sie nicht wenigstens ein bisschen das Gesicht wahren l&#228;sst, obwohl sie der Regierung schon mit raumgreifenden Schritten entgegenkamen – bis fast zur Unkenntlichkeit der eigenen urspr&#252;nglichen Forderungen,  der<a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/hochspannung-im-hartz-entscheidungskrimi-1652506.html" target="_blank"> Jamaika-Gr&#252;ne Hubert Ulrich</a> sogar bis fast zur letzten Minute. Dass es am Ende nicht zu einer Einigung kam, war somit weniger die Schuld der beiden beteiligten Oppositionsparteien als vielmehr der um die Erhaltung und baldige Aktivierung ihrer W&#228;hlerklientel besorgten und daher kompromissunwilligen Regierungspartner CDU/CSU und FDP.</p>
<p>Ohne es vielleicht wirklich zu wollen, haben SPD und Gr&#252;ne damit den Hartz-IV-Empf&#228;ngern einen Gefallen getan, denn nun k&#246;nnen diese bei diversen Wahlen selbst ein Votum &#252;ber die Parteien und ihre soziale Sensibilit&#228;t abgeben. Und vielleicht dadurch erreichen, dass eine k&#252;nftige Vermittlungsrunde nicht nur nicht hinter die jetzt auf dem Tisch liegenden Angebote zur&#252;ck kann, sondern sogar noch etwas drauf legt. Zwar hat dies die<a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-02/hartz-iv-lindner-bundesrat-2" target="_blank"> FDP bereits lautstark ausgeschlossen</a>, aber diese Drohung klingt eher wie das Pfeifen im Walde, d&#252;rfte Westerwelles Partei doch wissen, dass nach den anstehenden Wahlg&#228;ngen ihr Einfluss auf die Bundespolitik so sehr geschrumpft sein wird, dass sie ein besseres Ergebnis f&#252;r die Hartz-IV-Empf&#228;nger nicht verhindern kann.</p>
<p>Voraussetzung daf&#252;r w&#228;re allerdings, dass die SPD bei der jetzt gezeigten Konsequenz bleibt, wof&#252;r es allerdings keine Garantie gibt, im Gegenteil. Sollten die Sozialdemokraten bei k&#252;nftigen Wahlen zulegen, muss ein schneller R&#252;ckfall in ihr Agenda-2010- Denken bef&#252;rchtet werden. Verhindern k&#246;nnen dies allerdings die W&#228;hler dadurch, dass sie so intelligent abstimmen, dass sowohl CDU und FDP die Quittung f&#252;r ihren unsozialen Kurs erhalten als auch die rechte SPD, f&#252;r die zum Beispiel in Hamburg ein Olaf Scholz steht, nicht schon wieder fr&#246;hliche Urst&#228;nd feiern kann.</p>
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		<title>CDU: Angela Merkels R&#252;ckkehr zu Helmut Kohl</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Nov 2010 16:03:43 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nun ist Angela Merkel endg&#252;ltig wieder bei Helmut Kohl angekommen, von dem sie sich doch eigentlich emanzipieren wollte. Der Altkanzler hatte einst, in schweren Zeiten, seine CDU auf sich eingeschworen, indem er grenzenlose Zuversicht verbreitete. »Nur wer sich selbst imponiert, imponiert auch anderen«, hie&#223; es da. Und er ist lange gut damit gefahren. Allerdings waren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist Angela Merkel endg&#252;ltig wieder bei Helmut Kohl angekommen, von dem sie sich doch eigentlich emanzipieren wollte. Der Altkanzler hatte einst, in schweren Zeiten, seine CDU auf sich eingeschworen, indem er grenzenlose Zuversicht verbreitete. »Nur wer sich selbst imponiert, imponiert auch anderen«, hie&#223; es da. Und er ist lange gut damit gefahren. Allerdings waren damals auch andere Zeiten<span id="more-2060"></span>, eine Tatsache, die der Kanzlerin wohl bewusst ist, auf die sie aber keine Antwort wei&#223; &#8211; au&#223;er der des Voranschreitens in die Vergangenheit.</p>
<p>Heute aber d&#252;rfte Imponiergehabe kaum noch gen&#252;gen, um die B&#252;rger auf die Union und die CDU-Vorsitzende, vor allem jedoch auf die regierende schwarz-gelbe Koalition einzuschw&#246;ren, die Angela Merkel so apodiktisch wie anma&#223;end als die einzig denkbare f&#252;r die Zukunft bezeichnet. Sie formuliert das so stur, dass sich der Verdacht aufdr&#228;ngt, sie wisse l&#228;ngst, dass die <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/09/16/angela-merkels-politik-der-verbrannten-erde/" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/3b28ce252ced40fc9a183c60e5221777" alt="" width="1" height="1" />n&#228;chsten Wahlen bis hin zur Bundestagswahl 2013 verloren gehen </a>und bereite daher ihre Partei schon auf die absehbare Oppositionsrolle vor.</p>
<p>Schlie&#223;lich sprechen nicht nur die Umfragen, die Angela Merkel deshalb in den Papierkorb werfen will, eine deutliche Sprache. Bereits bei der letzten Bundestagswahl verzeichnete die Union mit 33,8 Prozent ihr zweitschlechtestes Ergebnis und konnte nur dank des Aufschwungs der FDP und der selbst verschuldeten Schw&#228;che der SPD und der Gr&#252;nen die schwarz-gelbe Koalition bilden. Der H&#246;henflug der Freidemokraten ist l&#228;ngst vorbei, aber von deren Verlusten profitiert die CDU nicht. Zu diesem Befund muss man Umfragen nicht bem&#252;hen; er st&#252;tzt sich vor allem auf das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahl_in_Nordrhein-Westfalen_2010" target="_blank">Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen</a>, das der CDU einen Absturz im zweistelligen Prozentbereich bescherte.</p>
<p>Seither hat sich die Lage eher verschlechtert, denn die Polarisierung, die Union und FDP mit ihrer Politik betreiben, mobilisiert vor allem ihre Gegner, die allerdings oft ratlos sind, wem sie parteipolitisch vertrauen k&#246;nnen. Der SPD, die einst die Union in b&#252;rgerferner Politik zu &#252;bertreffen suchte, noch lange nicht wieder. Die Linke mit ihrer immer wieder instrumentierbaren Vergangenheit, aber auch den Querelen eines heterogenen Widerstandsb&#252;ndnisses wohl noch lange nicht. Bleiben die Gr&#252;nen, die sich freilich in Regierungsverantwortung leicht als eine Art Wiederg&#228;nger der FDP entpuppen k&#246;nnten.</p>
<p>Es ist eigentlich nur die Hoffnung auf die Widerspr&#252;che im Lager jenseits von Schwarz-Gelb, auf die Angela Merkel noch bauen kann. Darauf, aus diesem losen Haufen sich doch wieder einen Regierungspartner herauszubrechen; machtgeile Opportunisten gibt es da wahrlich genug. Und was von Ausschlussschw&#252;ren gegen&#252;ber anderen Parteien zu halten ist, zeigten das Wahljahr 2005 wie die j&#252;ngsten Landtagswahlen. Eine gro&#223;e Koalition wurde da ebenso wie das Zusammengehen der Gr&#252;nen mit den Schwarzen oder gar noch mit der FDP verteufelt; heute gibt es all diese »undenkbaren« B&#252;ndnisse l&#228;ngst.</p>
<p>Insofern d&#252;rfte Angela Merkel k&#252;hl kalkulieren und vor allem darauf hoffen, dass die Union im Machtspiel bleibt. Sie w&#228;re wohl auch kaum verzweifelt, wenn es 2013 mit der FDP nicht reichte, daf&#252;r aber vielleicht mit jemand anderem aus dem rot- oder gr&#252;n-b&#252;rgerlichen Lager. Die »Scharniergelenke« daf&#252;r hat sie mit Ursula von der Leyen und Norbert R&#246;ttgen l&#228;ngst an ihrer Seite.</p>
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		<title>Warum Nazi-Diplomaten die Bundesrepublik besser repr&#228;sentieren als SED-Funktion&#228;re</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Oct 2010 20:26:38 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#220;berraschend ist nicht, dass sich das deutsche Ausw&#228;rtige Amt vom Machtantritt Hitlers an uneingeschr&#228;nkt in die nationalsozialistische Politik einordnete – einschlie&#223;lich der Politik des Krieges und der Massenvernichtung ihrer Gegner, besonders der Juden. Eben sowenig erstaunt, dass all diese formellen oder informellen PGs nach dem Krieg ihr verbrecherisches Tun zu verschleiern suchten, um ihre Karriere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#220;berraschend ist nicht, dass sich das deutsche Ausw&#228;rtige Amt vom Machtantritt Hitlers an uneingeschr&#228;nkt in die nationalsozialistische Politik einordnete – einschlie&#223;lich der Politik des Krieges und der Massenvernichtung ihrer Gegner, besonders der Juden. Eben sowenig erstaunt, dass all diese formellen oder informellen PGs nach dem Krieg ihr verbrecherisches Tun zu verschleiern suchten, um ihre Karriere im »demokratischen« Deutschland bruchlos fortsetzen zu k&#246;nnen. <span id="more-2021"></span>Was an der jetzt keineswegs erstmals bekannt gewordenen, doch endlich ins &#246;ffentliche Bewusstsein ger&#252;ckten aktiven <a href="http://www.faz.net/s/RubB8A1F85C9BA549618318CE82246337B9/Doc~E89357E0BDE7241F1896FBA8C64101185~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/20c1ca59fecb4ec2b0439daeba00a846" alt="" width="1" height="1" />Mitt&#228;terschaft deutscher Diplomaten an den nationalsozialistischen Verbrechen</a> allerdings verwundert, ist die Sch&#252;tzenhilfe, die die T&#228;ter jahrzehntelang in der Bundesrepublik genie&#223;en konnten, ist der Schutzschirm, den &#252;ber sie Politiker – gleich welcher Couleur – zuverl&#228;ssig aufspannten.</p>
<p>Es begann mit Adenauer, der das Wort pr&#228;gte, wer kein sauberes Wasser habe, werde das schmutzige nicht weg sch&#252;tten. Damit rechtfertigte er die Weiterverwendung von Tausenden NSDAP-Mitgliedern in &#246;ffentlichen &#196;mtern der jungen Bundesrepublik, das neu gegr&#252;ndete Ausw&#228;rtige Amt eingeschlossen. Die anf&#228;ngliche Verunsicherung der ihrer Verbrechen durchaus bewussten Nazi-Diplomenten legte sich schnell, als sie merkten, dass weder die neue deutsche Regierung noch die westlichen Alliierten ihnen am Zeuge flicken wollten; bald wurden sie sogar so dreist, dass sie eine »Zentrale Rechtsschutzstelle« gr&#252;ndeten, die vor allem eine Aufgabe hatte: belastete Nazis vor Verfolgung im Ausland zu sch&#252;tzen, darunter auch solche Massenm&#246;rder siw Klaus Barbie und Kurt Lischka. Alle folgenden Au&#223;enminister, der Sozialdemokrat Brandt wie etliche Freidemokraten, tolerierten solchen T&#228;terschutz; sie belie&#223;en die Belasteten nicht nur in ihren &#196;mtern, sondern erm&#246;glichten ihnen neue Karrieren und ehrten sie mit reinwaschenden Nachrufen.</p>
<p>Ganz anders verfuhren sie freilich mit Gegnern das Nazi-Regimes. Widerst&#228;ndler hatten weder in der 50er Jahren noch danach eine Chance, im diplomatischen Dienst dieses Landes Karriere zu machen. Sie wurden lange gar als Verr&#228;ter angesehen und aus allen wichtigen &#196;mtern ferngehalten. Hans-Dietrich Genscher, Au&#223;enminister von 1974 bis 1992, war zwar nach den Balkan-Kriegen einer der gl&#252;hendsten Verfechter der Jagd auf dortige Kriegsverbrecher und ihre Aburteilung durch internationale Gerichte, doch die riesigen Balken im eigenen Auge hatte er nie wahrhaben wollen. Genscher war es auch, der nach 1989 keinem einzigen DDR-Diplomaten die &#220;bernahme ins Ausw&#228;rtige Amt erm&#246;glichte, obwohl keiner von ihnen Blut an den H&#228;nden hatte – wie sehr wohl einige der von ihm zuvor ge- und bef&#246;rderten Nazi-Diplomaten. Man sprach damals davon, alte Fehler nicht wiederholen zu wollen, setzte sie aber in Wirklichkeit fort. Denn w&#228;hrend die DDR-Diplomaten wie SED-Funktion&#228;re generell ausgegrenzt wurden, blieben die Nazis, sofern sie nicht gestorben waren, auch jetzt noch auf ihren Posten, und die Verblichenen erhielten den ultimativen Persilschein in Form eines Nachrufs, der ihre »Verdienste um die Bundesrepublik« w&#252;rdigte. Das Wort eines hohen Repr&#228;sentanten des NS-Regimes, er sei auf seinem Posten geblieben, um das Schlimmste zu verhindern, wurde stets unhinterfragt akzeptiert, die analoge Rechtfertigung eines SED-Funktion&#228;rs in der DDR, ganz gleich auf welcher Ebene, hingegen hohnlachend zur&#252;ckgewiesen.</p>
<p>Es bedurfte erst eines gr&#252;nen Au&#223;enministers, der eher zuf&#228;llig auf die sorgf&#228;ltig gekn&#252;pfte Seilschaft stie&#223; und dann noch reichlich zu tun hatte, ihr engmaschiges Netz zu zerrei&#223;en. Er veranlasste eine historische Untersuchung der Vergangenheit des Ausw&#228;rtigen Amtes, deren Resultat nun als das Buch »Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik« vorliegt. Gleichwohl ist auch jetzt der Kampf noch nicht beendet. Zwar d&#252;rfte es den »Mumien«, wie die Alt-Nazis im AA genannt werden, schwer fallen, die unbestechlichen Fakten zu bestreiten, doch werden insofern Nebelkerzen geworfen, als man den Skandal auf ein »falsches Eliteverst&#228;ndnis« schiebt, auf das Versagen einiger weniger, w&#228;hrend ansonsten die Bundesrepublik die Lehren aus der Geschichte gelernt habe.</p>
<p>Tats&#228;chlich jedoch entbehrt der Vorgang nicht seiner Logik. Die Nationalsozialisten waren schlie&#223;lich keine Sozialisten. Sie wollten den Kapitalismus nie abschaffen, sondern bek&#228;mpften besonders brutal seine Gegner. Weil das so war, fanden die b&#252;rgerlichen Funktionseliten der Weimarer Zeit auch nichts dabei, das NS-Regime, das die drohende Gefahr eines kommunistischen Umsturzes und damit des Verlustes ihres Eigentums, ihrer Machtposition, wohl auch ihrer hervorgehobenen beruflichen Stellung abzuwenden versprach, umstandslos zu dienen, alle seine Befehle, einschlie&#223;lich jener des V&#246;lkermords, treu zu befolgen. Sie fanden sogar nichts dabei, wie <a href="http://www.faz.net/s/RubB8A1F85C9BA549618318CE82246337B9/Doc~EA94AE0BF2DA54254A788103BE40C4715~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Frank Schirrmacher in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</a> schreibt, »sich aus eigenem Antrieb und nicht nur auf h&#246;heren Befehl in fast allen Abteilungen der Vernichtungspolitik Hitlers« anzuschlie&#223;en. Hintergrund war nicht nur, wie <a href="http://www.faz.net/s/RubB8A1F85C9BA549618318CE82246337B9/Doc~E8BEFFDFE47F74ABBB576EEB144EB257E~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Eckart Conze, einer der Autoren des Buches</a>, an gleicher Stelle vermerkt, die »Teilidentit&#228;t der Ziele zwischen Diplomatenkreisen und dem NS-Apparat« hinsichtlich der »Sprengung der Ketten von Versailles«, der »Wiederherstellung der Deutschen Reiches als Gro&#223;macht, ja als europ&#228;ische Hegemonialmacht«, also blanker Imperialismus. Hintergrund waren auch soziale Widerspr&#252;che, die Conze hier am »traditionellen Oberschichten-Antisemitismus« festmacht, »der sich nicht zuletzt auf Ostjuden bezog, der aber auch den hohen Anteil von Juden in bestimmten gesellschaftlichen F&#252;hrungspositionen, in den Medien, in Kunst und Kultur, im Finanzsektor, kritisierte«.</p>
<p>Sehr &#252;berzeugend arbeitet Schirrmacher die geistige Kontinuit&#228;t heraus, die den Beamtenapparat des faschistischen Deutschlands nahtlos in den Beamtenapparat der Bundesrepublik &#252;bergehen lie&#223;: »&#8230; das ist kein nationalsozialistisches Gedankengut, das da &#252;ber 1945 weitertransportiert wird, und auch keine Verschw&#246;rung, um Hitler oder Ribbentrop zu rehabilitieren. Darum ging es nie &#8230; Es ging im Kern nicht um Revision oder Restauration. Dieser Apparat hat bis zum Ableben einer ganzen Generation bis in die neunziger Jahre vergangenheitspolitisch nur den einen Antrieb: dass er nicht repariert werden muss, weil niemals etwas falsch gemacht wurde«.</p>
<p>Damit ist er tats&#228;chlich beim Kern: dass niemals etwas falsch gemacht wurde. Der Nationalsozialismus war eben Fleisch vom Fleische des kapitalistischen Systems, wenn auch besonders stinkendes, was aber seine Ausbreitung nicht verhinderte. Im Gegenteil. Klaglos machten sich Millionen Deutsche, und die b&#252;rgerlichen Eliten an erster Stelle, nicht nur zu Komplizen der Nationalsozialisten, sondern integrierten sich bewusst in das durch diese besonders effizient gemachte und damit zugleich pervertierte System. Und ebenso klaglos schwenkten sie 1945 um, um in ein neues System zu schl&#252;pfen, das wenigstens eins nicht wollte – das kapitalistische System beseitigen. Das war der Gr&#252;ndungskonsens der Bundesrepublik; daf&#252;r hatte sie das Plazet der westlichen Alliierten. Den Kollateralnutzen f&#252;r alte Nazis glaubte man dabei verschmerzen zu k&#246;nnen. Conze verschweigt das nicht: »Auch der Kalte Krieg spielt eine wichtige Rolle, der die Kontinuit&#228;t antikommunistischer &#220;berzeugungen erlaubte, ja verlangte, und zugleich den Hintergrund bildete f&#252;r eine zun&#228;chst politische, sp&#228;ter auch ideelle Westorientierung«.</p>
<p>So weitgehende Zusammenh&#228;nge sieht Schirrmacher freilich nicht, noch weniger jenen von der Bundesrepublik als systemkonformem Nachfolger des Nazi-Regimes. Dennoch gibt es da Vergleichbarkeit, die keine Gleichsetzung ist – ganz im Unterschied zum Umgang mit der DDR, bei der aus der Vergleichbarkeit diktatorischer Merkmale sogleich die Gleichsetzung abgeleitet wird. Nat&#252;rlich ist die Bundesrepublik in keinem seiner Wesensmerkmale und Erscheinungen ein faschistischer Staat – und doch geh&#246;rt zu ihr geradezu gesetzm&#228;&#223;ig, dass Nazi-Diplomaten sie allemal besser repr&#228;sentieren als SED-Funktion&#228;re. Was hier wie eine polemische Bemerkung klingen mag, ist in Wirklichkeit ihr eigenes Selbstverst&#228;ndnis, das nicht nur im Umgang mit den DDR-Eliten zum Ausdruck kam, sondern eben auch in den offenen Armen f&#252;r Verbrecher, wenn sie nur auf der richtigen Seite standen. Und eben auch in der Ausgrenzung nicht nur der systemkritischen Widerst&#228;ndler zum Nationalsozialismus, die sich – noch einmal Schirrmacher – darin zeigte, dass keiner von ihnen »an verantwortliche Stelle zur&#252;ckkehrte, ja viele um ihre Rentenanspr&#252;che k&#228;mpfen mussten«.</p>
<p>Dieser fatale Zusammenhang wird weiterhin verschleiert.Vorsorglich ruft Schirrmacher <a href="http://www.faz.net/s/RubB8A1F85C9BA549618318CE82246337B9/Doc~E571913A5840145A7959CF3D2FE0FBE5B~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Joschka Fischer zum Kronzeugen </a>daf&#252;r auf, dass es zwar eine Kontinuit&#228;t vom NS-Regime zur Bundesrepublik gegeben habe, die aber nicht ideologisch gewesen sei – und der tappt wohl nicht ungern in die Falle; schlie&#223;lich geh&#246;rt auch er mit den Gr&#252;nen inzwischen zweifellos zum b&#252;rgerlichen Establishment, das mit Systemver&#228;nderung nichts im Sinn hat. So erfolgt auf die Frage nach den wirklichen Ursachen f&#252;r die genannte Kontinuit&#228;t zwischen Nationalsozialismus und demokratischem Rechtsstaat eben nicht die klare Antwort, die erforderlich ist, wenn man – wie in Sonntagsreden immer wieder wortreich beschworen – <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1030/feuilleton/0011/index.html" target="_blank">den Anf&#228;ngen wehren will</a>.</p>
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		<title>Je stabiler Rot-Gr&#252;n in Nordrhein-Westfalen, desto instabiler Schwarz-Gelb in Berlin</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 16:39:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mitunter kann es erfreulich sein, wenn sich allzu d&#252;stere eigene Prognosen im Nachhinein als falsch erweisen. Das gilt zum Beispiel ganz aktuell f&#252;r die dieser Tage erfolgte Bildung einer Minderheitsregierung aus SPD und Gr&#252;nen in Nordrhein-Westfalen, obwohl lange  alles darauf hindeutete, dass die SPD in D&#252;sseldorf – wieder einmal – einen CDU-Ministerpr&#228;sidenten zu retten beabsichtigte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mitunter kann es erfreulich sein, wenn sich allzu d&#252;stere eigene Prognosen im Nachhinein als falsch erweisen. Das gilt zum Beispiel ganz aktuell f&#252;r die dieser Tage erfolgte Bildung einer Minderheitsregierung aus SPD und Gr&#252;nen in Nordrhein-Westfalen<span id="more-1790"></span>, obwohl lange  alles darauf hindeutete, dass die SPD in D&#252;sseldorf – wieder einmal – <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/05/10/wieder-wird-die-spd-einen-cdu-ministerpraesidenten-retten/" target="_blank"><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b26fd89d47e846948e5cafcaff86a9f7" alt="" width="1" height="1" />einen CDU-Ministerpr&#228;sidenten zu retten </a>beabsichtigte. Nach der vernichtenden Niederlage bei den letzten Landtagswahlen hielt sich J&#252;rgen R&#252;ttgers wie ein klebriger Milchbonbon an seinem Sessel fest, und SPD wie Gr&#252;nen fehlte zun&#228;chst die Courage, die vom W&#228;hler hergestellte Mehrheit links von Schwarz-Gelb f&#252;r einen Neuaufbruch zu zu nutzen. Man fertigte die Linkspartei, die f&#252;r ein solches Projekt gebraucht wurde, wie einen kleinen Penn&#228;ler ab und warb stattdessen inst&#228;ndig um Unterst&#252;tzung bei den gerade vom W&#228;hler abgestraften Ex-Koalition&#228;ren von CDU und FDP. Schlagartig zeigte sich damit, wie sehr SPD und Gr&#252;ne bereits politikunf&#228;hig geworden waren, sobald die W&#228;hler origin&#228;r linke Politik verlangten und zugleich erm&#246;glichten.</p>
<p>Vielleicht kann man solch Versagen am wenigsten der SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft anlasten, die den einen Blick auf ihre jahrzehntelang von Johannes Rau und vor allem Wolfgang Clement geformte Partei richten musste, in der starke Bataillone liebend gern in eine gro&#223;e Koalition mit der CDU gegangen w&#228;ren, was – vielleicht gl&#252;cklicherweise – deren Starrsinn und das Machtspiel eines J&#252;rgen R&#252;ttgers und seiner Clique letztlich verhinderten. Von dieser h&#246;chst unzuverl&#228;ssigen SPD ging der andere Blick Krafts geradewegs <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/11/03/ypsilanti-scheitert-am-spd-rechtskurs/" target="_blank">nach Hessen</a>, wo eben solche rechtsgerichteten Sozialdemokraten einen Neuanfang mit einer linken Politik verhindert hatten – im trauten Zusammenspiel mit der erzkonservativen CDU mit Roland Koch an der Spitze. Diese Gemengelage <a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1014722" target="_blank">lie&#223; die SPD-Spitzenfrau z&#246;gern</a>, die genau wei&#223;, dass sie auch k&#252;nftig der eigenen Mehrheit nicht sicher sein kann. Die Verweigerung eines Teils ihrer Fraktion., die Kandidatin der Linken f&#252;r den Posten einer Landtags-Vizepr&#228;sidentin bereits – wie allgemein Usus – im ersten Wahlgang zu w&#228;hlen, war ein deutliches Signal an die neue Ministerpr&#228;sidentin, das Zusammenspiel mit der Linkspartei nicht zu weit zu treiben.</p>
<p>Es war am Ende zum einen das Dr&#228;ngen der ideologisch viel weniger festgelegten Gr&#252;nen und zum anderen der Machttrieb der neuen SPD-Bundesspitze, die die Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen erm&#246;glichten. W&#228;hrend erstere pragmatisch die sich ergebenden M&#246;glichkeiten nutzen wollen und schon bei den Sondierungen mit der Linkspartei weitaus weniger Bauchschmerzen hatten als die Sozialdemokraten, geht es der <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/hannelore-kraft-und-die-ypsilanti-falle/1884278.html" target="_blank">SPD-F&#252;hrung um Gabriel und Nahles </a>um ein Signal daf&#252;r, dass die SPD trotz weiterhin unbefriedigender Umfragedaten wieder im politischen Spiel dieser Republik mitspielt. Die SPD-Spitze d&#252;rfte es auch gewesen sein, die – anders als seinerzeit M&#252;ntefering – die &#246;rtlichen Kritiker an die Z&#252;gel nahm und ihnen bedeutete, dass derzeit ein Scheitern der SPD-gef&#252;hrten Regierung nicht ins Konzept passt. Ein Blankoscheck f&#252;r Kraft auch in der Zukunft ist das freilich nicht – wie sich &#252;berhaupt erweisen k&#246;nnte, dass die ideologische Hemds&#228;rmligkeit Sigmar Gabriels, mit der er keine Provokation der Linkspartei ausl&#228;sst, eher zu einer Belastung f&#252;r die D&#252;sseldorfer Minderheitsregierung werden k&#246;nnte als jede inhaltliche  Differenz mit den Linken.</p>
<p>Denn von CDU und FDP haben die rot-gr&#252;nen Koalition&#228;re trotz allen Buhlens wenig Unterst&#252;tzung zu erwarten – selbst da nicht, wo ihre Vorhaben sich zu schwarz-gelben Vorstellungen nicht in diametralem Widerspruch befinden. Es ist bezeichnend, dass die CDU/CSU/FDP-Regierung in Berlin, die zu Gemeinsamkeit im Interesse der B&#252;rger nicht in der Lage ist, sofort zum <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E63269FB454EC4652B1E8B1B1A8BB9237~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Schulterschluss</a> findet, wenn es darum geht, einen Feind zu stigmatisieren. Sie demonstrierte so einmal mehr, wenn wohl auch unbeabsichtigt, mit aller Klarheit, dass sie lediglich ein B&#252;ndnis des Destruktiven, des Zerst&#246;rerischen ist, w&#228;hrend sie an jeder Konstruktivit&#228;t ihrer inneren Widerspr&#252;che wegen scheitert. Insofern ist die rot-gr&#252;ne Koalition in Nordrhein-Westfalen, die um ihres &#220;berlebens willen zu links gepr&#228;gter Politik gezwungen sein wird, eine echte Herausforderung f&#252;r Schwarz-Gelb. Je besser es ihr gelingt, eine echte Alternative zum neoliberal-klientelistischen Regieren in Berlin aufzuzeigen, desto mehr delegitimiert sie das Kabinett Merkel/Westerwelle und macht ihre eigene Stabilit&#228;t zum Ma&#223;stab f&#252;r die Instabilit&#228;t der Bundesregierung.</p>
<p>In diesem Zusammenhang ist die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/linke-und-rot-gruen-in-nrw-wie-im-institut-fuer-eheanbahnung-1583359.html" target="_blank">Situation f&#252;r die Linke </a>in NRW sehr komfortabel, viel komfortabler jedenfalls, als es eine wie auch immer geartete formelle Zusammenarbeit mit Rot-Gr&#252;n w&#228;re. Sie kann weiterhin unverdrossen auf ihre inhaltlichen Positionen pochen und abwarten, inwieweit die SPD unter diesem Druck zu origin&#228;r sozialdemokratischen Prinzipien zur&#252;ckkehrt bzw. die Gr&#252;nen ihre latente Verb&#252;rgerlichung ein wenig bremsen. Nat&#252;rlich wird sie dabei Kompromisse machen m&#252;ssen, aber nicht mehr und nicht weitgehendere als die rot-gr&#252;ne Minderheitsregierung. Hier das richtige Ma&#223; zwischen legitimer Forderung und taktischer Beweglichkeit zu finden, ist eine schwierige, aber auch – im Hinblick auf rot-gr&#252;n-rote Hoffnungen im Bund – reizvolle und zukunftstr&#228;chtige Aufgabe. Die Linkspartei in NRW kann so einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass SPD und Gr&#252;ne f&#252;r ein vertrauensw&#252;rdiges Projekt links von Schwarz-Gelb koalitions- und regierungsf&#228;hig werden und so dem rot-gr&#252;nen Ansinnen, sich deren gerade in j&#252;ngster Zeit nicht selten prinzipienloser Politik anzupassen, etwas Wirkungsvolles entgegensetzen.</p>
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