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	<title>blogsgesang.de &#187; Hessen</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Je stabiler Rot-Gr&#252;n in Nordrhein-Westfalen, desto instabiler Schwarz-Gelb in Berlin</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 16:39:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mitunter kann es erfreulich sein, wenn sich allzu d&#252;stere eigene Prognosen im Nachhinein als falsch erweisen. Das gilt zum Beispiel ganz aktuell f&#252;r die dieser Tage erfolgte Bildung einer Minderheitsregierung aus SPD und Gr&#252;nen in Nordrhein-Westfalen, obwohl lange  alles darauf hindeutete, dass die SPD in D&#252;sseldorf – wieder einmal – einen CDU-Ministerpr&#228;sidenten zu retten beabsichtigte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mitunter kann es erfreulich sein, wenn sich allzu d&#252;stere eigene Prognosen im Nachhinein als falsch erweisen. Das gilt zum Beispiel ganz aktuell f&#252;r die dieser Tage erfolgte Bildung einer Minderheitsregierung aus SPD und Gr&#252;nen in Nordrhein-Westfalen<span id="more-1790"></span>, obwohl lange  alles darauf hindeutete, dass die SPD in D&#252;sseldorf – wieder einmal – <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/05/10/wieder-wird-die-spd-einen-cdu-ministerpraesidenten-retten/" target="_blank"><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b26fd89d47e846948e5cafcaff86a9f7" alt="" width="1" height="1" />einen CDU-Ministerpr&#228;sidenten zu retten </a>beabsichtigte. Nach der vernichtenden Niederlage bei den letzten Landtagswahlen hielt sich J&#252;rgen R&#252;ttgers wie ein klebriger Milchbonbon an seinem Sessel fest, und SPD wie Gr&#252;nen fehlte zun&#228;chst die Courage, die vom W&#228;hler hergestellte Mehrheit links von Schwarz-Gelb f&#252;r einen Neuaufbruch zu zu nutzen. Man fertigte die Linkspartei, die f&#252;r ein solches Projekt gebraucht wurde, wie einen kleinen Penn&#228;ler ab und warb stattdessen inst&#228;ndig um Unterst&#252;tzung bei den gerade vom W&#228;hler abgestraften Ex-Koalition&#228;ren von CDU und FDP. Schlagartig zeigte sich damit, wie sehr SPD und Gr&#252;ne bereits politikunf&#228;hig geworden waren, sobald die W&#228;hler origin&#228;r linke Politik verlangten und zugleich erm&#246;glichten.</p>
<p>Vielleicht kann man solch Versagen am wenigsten der SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft anlasten, die den einen Blick auf ihre jahrzehntelang von Johannes Rau und vor allem Wolfgang Clement geformte Partei richten musste, in der starke Bataillone liebend gern in eine gro&#223;e Koalition mit der CDU gegangen w&#228;ren, was – vielleicht gl&#252;cklicherweise – deren Starrsinn und das Machtspiel eines J&#252;rgen R&#252;ttgers und seiner Clique letztlich verhinderten. Von dieser h&#246;chst unzuverl&#228;ssigen SPD ging der andere Blick Krafts geradewegs <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/11/03/ypsilanti-scheitert-am-spd-rechtskurs/" target="_blank">nach Hessen</a>, wo eben solche rechtsgerichteten Sozialdemokraten einen Neuanfang mit einer linken Politik verhindert hatten – im trauten Zusammenspiel mit der erzkonservativen CDU mit Roland Koch an der Spitze. Diese Gemengelage <a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1014722" target="_blank">lie&#223; die SPD-Spitzenfrau z&#246;gern</a>, die genau wei&#223;, dass sie auch k&#252;nftig der eigenen Mehrheit nicht sicher sein kann. Die Verweigerung eines Teils ihrer Fraktion., die Kandidatin der Linken f&#252;r den Posten einer Landtags-Vizepr&#228;sidentin bereits – wie allgemein Usus – im ersten Wahlgang zu w&#228;hlen, war ein deutliches Signal an die neue Ministerpr&#228;sidentin, das Zusammenspiel mit der Linkspartei nicht zu weit zu treiben.</p>
<p>Es war am Ende zum einen das Dr&#228;ngen der ideologisch viel weniger festgelegten Gr&#252;nen und zum anderen der Machttrieb der neuen SPD-Bundesspitze, die die Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen erm&#246;glichten. W&#228;hrend erstere pragmatisch die sich ergebenden M&#246;glichkeiten nutzen wollen und schon bei den Sondierungen mit der Linkspartei weitaus weniger Bauchschmerzen hatten als die Sozialdemokraten, geht es der <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/hannelore-kraft-und-die-ypsilanti-falle/1884278.html" target="_blank">SPD-F&#252;hrung um Gabriel und Nahles </a>um ein Signal daf&#252;r, dass die SPD trotz weiterhin unbefriedigender Umfragedaten wieder im politischen Spiel dieser Republik mitspielt. Die SPD-Spitze d&#252;rfte es auch gewesen sein, die – anders als seinerzeit M&#252;ntefering – die &#246;rtlichen Kritiker an die Z&#252;gel nahm und ihnen bedeutete, dass derzeit ein Scheitern der SPD-gef&#252;hrten Regierung nicht ins Konzept passt. Ein Blankoscheck f&#252;r Kraft auch in der Zukunft ist das freilich nicht – wie sich &#252;berhaupt erweisen k&#246;nnte, dass die ideologische Hemds&#228;rmligkeit Sigmar Gabriels, mit der er keine Provokation der Linkspartei ausl&#228;sst, eher zu einer Belastung f&#252;r die D&#252;sseldorfer Minderheitsregierung werden k&#246;nnte als jede inhaltliche  Differenz mit den Linken.</p>
<p>Denn von CDU und FDP haben die rot-gr&#252;nen Koalition&#228;re trotz allen Buhlens wenig Unterst&#252;tzung zu erwarten – selbst da nicht, wo ihre Vorhaben sich zu schwarz-gelben Vorstellungen nicht in diametralem Widerspruch befinden. Es ist bezeichnend, dass die CDU/CSU/FDP-Regierung in Berlin, die zu Gemeinsamkeit im Interesse der B&#252;rger nicht in der Lage ist, sofort zum <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E63269FB454EC4652B1E8B1B1A8BB9237~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Schulterschluss</a> findet, wenn es darum geht, einen Feind zu stigmatisieren. Sie demonstrierte so einmal mehr, wenn wohl auch unbeabsichtigt, mit aller Klarheit, dass sie lediglich ein B&#252;ndnis des Destruktiven, des Zerst&#246;rerischen ist, w&#228;hrend sie an jeder Konstruktivit&#228;t ihrer inneren Widerspr&#252;che wegen scheitert. Insofern ist die rot-gr&#252;ne Koalition in Nordrhein-Westfalen, die um ihres &#220;berlebens willen zu links gepr&#228;gter Politik gezwungen sein wird, eine echte Herausforderung f&#252;r Schwarz-Gelb. Je besser es ihr gelingt, eine echte Alternative zum neoliberal-klientelistischen Regieren in Berlin aufzuzeigen, desto mehr delegitimiert sie das Kabinett Merkel/Westerwelle und macht ihre eigene Stabilit&#228;t zum Ma&#223;stab f&#252;r die Instabilit&#228;t der Bundesregierung.</p>
<p>In diesem Zusammenhang ist die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/linke-und-rot-gruen-in-nrw-wie-im-institut-fuer-eheanbahnung-1583359.html" target="_blank">Situation f&#252;r die Linke </a>in NRW sehr komfortabel, viel komfortabler jedenfalls, als es eine wie auch immer geartete formelle Zusammenarbeit mit Rot-Gr&#252;n w&#228;re. Sie kann weiterhin unverdrossen auf ihre inhaltlichen Positionen pochen und abwarten, inwieweit die SPD unter diesem Druck zu origin&#228;r sozialdemokratischen Prinzipien zur&#252;ckkehrt bzw. die Gr&#252;nen ihre latente Verb&#252;rgerlichung ein wenig bremsen. Nat&#252;rlich wird sie dabei Kompromisse machen m&#252;ssen, aber nicht mehr und nicht weitgehendere als die rot-gr&#252;ne Minderheitsregierung. Hier das richtige Ma&#223; zwischen legitimer Forderung und taktischer Beweglichkeit zu finden, ist eine schwierige, aber auch – im Hinblick auf rot-gr&#252;n-rote Hoffnungen im Bund – reizvolle und zukunftstr&#228;chtige Aufgabe. Die Linkspartei in NRW kann so einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass SPD und Gr&#252;ne f&#252;r ein vertrauensw&#252;rdiges Projekt links von Schwarz-Gelb koalitions- und regierungsf&#228;hig werden und so dem rot-gr&#252;nen Ansinnen, sich deren gerade in j&#252;ngster Zeit nicht selten prinzipienloser Politik anzupassen, etwas Wirkungsvolles entgegensetzen.</p>
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		<title>Kochs Abgang erweitert Merkels Spielraum</title>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 22:29:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In der Absicht Roland Kochs mag es nicht gelegen haben, doch mit seinem angek&#252;ndigten R&#252;cktritt als hessischer Ministerpr&#228;sident, CDU-Landesvorsitzender und stellvertretender Bundeschef seiner Partei verschaffte er vor allem Angela Merkel eine Atempause. Eben erst mit einer eklatanten Wahlniederlage der Union in Nordrhein-Westfalen konfrontiert, die viele ihrer bereits seit langem in den Startl&#246;chern hockenden innerparteilichen Kritiker [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Absicht Roland Kochs mag es nicht gelegen haben, doch mit seinem angek&#252;ndigten R&#252;cktritt als hessischer Ministerpr&#228;sident, CDU-Landesvorsitzender und stellvertretender Bundeschef seiner Partei verschaffte er vor allem Angela Merkel eine Atempause. <span id="more-1713"></span>Eben erst mit einer eklatanten Wahlniederlage der Union in Nordrhein-Westfalen konfrontiert, die viele ihrer bereits seit langem in den Startl&#246;chern hockenden innerparteilichen Kritiker aus der Deckung treten lie&#223;en, d&#252;rfte die CDU-Vorsitzende mit gewisser Erleichterung den Abgang eines ihrer schwergewichtigten Rivalen quittiert haben, nimmt er doch der Fronde eine F&#252;hrungsfigur, die ihr nicht nur stets gef&#228;hrlich werden konnte, sondern die auch jenen breiten R&#252;cken hatte, hinter dem weniger Mutige gern ihre heimlichen N&#246;rgeleien ablassen.</p>
<p>F&#252;r die lange aufgeschobene, und von Angela Merkel auch jetzt nicht sonderlich erw&#252;nschte <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,696918,00.html" target="_blank">Auseinandersetzung &#252;ber den k&#252;nftigen Kurs der christlichen Union </a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/91aff8e1e2964ecc81afedd0430dd0ae" alt="" width="1" height="1" />ist das von nicht zu untersch&#228;tzender Bedeutung – gerade in diesem Moment, da die FDP, in die vor allem die CDU-Wirtschaftsliberalen so gro&#223;e Hoffnungen gesetzt hatten, erheblich schw&#228;chelt und gegen&#252;ber der Kanzlerin und ihrem Finanzminister wesentliche Positionen r&#228;umen muss. Das erlaubt es Merkel, wenigstens in Teilen jene Politik fortzusetzen, die sie 2005 in Wertung ihres miserablen Wahlergebnisses einleitete. Als eine Politikerin, die eher Stimmungen als Prinzipien folgt, nutzte sie die damals von der SPD angebotene M&#246;glichkeit der gro&#223;en Koalition zu einer behutsamen Ausrichtung der Union auf neue, von den Konservativen stets beargw&#246;hnte Realit&#228;ten. Mit Ursula von der Leyen, Thomas de Maiziére und Annette Schavan holte sie Vertraute ins Kabinett, die in diesem Sinne wirkten; kritische Einw&#228;nde aus dem konservativen und wirtschaftsliberalen Lager ihrer Partei konterte sie mit dem Verweis auf den sozialdemokratischen Koalitionspartner, der eine andere Politik nicht zulie&#223;e.</p>
<p>Der schwarz-gelbe Wahlerfolg des letzten Herbstes beendete diese Ausgestaltung der CDU mit einem modernen Gesicht j&#228;h. Mehr noch als die Christdemokraten hatte die SPD f&#252;r die Abweichung vom traditionellen Selbstverst&#228;ndnis der jeweiligen Partei die Quittung erhalten; beide verloren zugunsten der drei kleineren Parteien so viele Stimmen, dass an eine Fortsetzung ihres B&#252;ndnisses nicht zu denken war. Statt dessen bekam die Union mit den Freidemokraten einen »Partner«, der wild entschlossen war, all das, was er in der Opposition kritisiert hatte, nun tats&#228;chlich innerhalb k&#252;rzester Zeit zu eliminieren. Angela Merkel, die es schon vers&#228;umt hatte, die SPD in ihrem wirtschaftsliberalen Masochismus zu bremsen, fand auch jetzt nicht den Mut, die Freidemokraten in die Schranken zu weisen; am Ende standen das Desaster von D&#252;sseldorf und eine immer lauter werdende Kritik an der Kanzlerin selbst – vor allem nun aus der eigenen Partei und von deren <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/merkel-koch-cdu?page=all" target="_blank">rechtskonservativem Fl&#252;gel</a>, die still gehalten hatten, solange die Wahlergebnisse vorzeigbar waren..</p>
<p>Kochs Abgang hat jetzt die Spielr&#228;ume der CDU-Vorsitzenden wieder erweitert. F&#252;r ihn war schon lange keine Machtperspektive mehr vorhanden; vielmehr d&#252;rfte f&#252;r ihn die Best&#228;tigung der schon in Hessen sichtbaren, wenn dort durch Verschulden der SPD auch nicht politisch umsetzbaren Mehrheit links von Schwarz-Gelb durch das Wahlresultat in Nordrhein-Westfalen den letzten Ausschlag gegeben haben, einer Politik, in der seine Positionen sukzessive an Boden verlieren, den R&#252;cken zu kehren. Merkel h&#228;tte es nun in der Hand, die CDU wieder entschlossener auf einen moderaten Kurs zu f&#252;hren, f&#252;r den im gegenw&#228;rtigen Kabinett neben ihren schon genannten Vertrauten auch Norbert R&#246;ttgen stehen k&#246;nnte. Dass sie dazu die Kraft und die n&#246;tige Entschlossenheit aufbringt, daran sind freilich erhebliche Zweifel angebracht.</p>
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		<title>Lafontaines Botschaft: Nur St&#228;rke erlaubt Mitgestaltung</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 19:57:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nat&#252;rlich ist es nicht die feine englische Art, in der Oskar Lafontaine und sein westgepr&#228;gtes Umfeld die innerparteiliche Auseinandersetzung in der Linken f&#252;hrten und f&#252;hren. Da gibt es &#220;bertreibungen, vielleicht auch L&#252;gen, Intrigen und m&#246;glicherweise auch ein St&#252;ck Erpressung. Mit »politischer Kultur« ist das wahrlich kaum zu beschreiben, doch sei die Frage erlaubt, inwieweit solch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nat&#252;rlich ist es nicht die feine englische Art, in der Oskar Lafontaine und sein westgepr&#228;gtes Umfeld die innerparteiliche Auseinandersetzung in der Linken f&#252;hrten und f&#252;hren. Da gibt es &#220;bertreibungen, vielleicht auch L&#252;gen, Intrigen und <span id="more-1461"></span>m&#246;glicherweise auch ein St&#252;ck Erpressung. Mit »<a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/163552.liebe-deine-feinde-hasse-deine-freunde.html" target="_blank">politischer Kultur</a>« ist das wahrlich kaum zu beschreiben, doch sei die Frage erlaubt, inwieweit solch erstrebenswerter kulturvoller Umgang in einer mit Recht als Raubtier-Kapitalismus beschriebenen Gesellschaft &#252;berhaupt realistisch ist. Kann sich die Linke, wenn sie in Machtk&#228;mpfen mitmischen will, eine Gangart leisten, die es jedem Recht machen will und vor allem darauf achtet, keinen zu verletzen? Der politische Gegner jedenfalls wird solche »Hochherzigkeit« immer brutalstm&#246;glich ausnutzen und darauf aufbauend den Spaltungsvirus in die Partei tragen. Eine monolithische Partei will die Linke erkl&#228;rterma&#223;en nie wieder sein, doch der gern beschworene Pluralismus bedeutet eben unterschiedliche Positionen, die sich irgendwie dann doch immer gegeneinander in Stellung bringen lassen.</p>
<p>Wie das abl&#228;uft, hat Lafontaine in seiner <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/163378.wir-leisten-uns-ueberfluessige-personalquerelen.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/1966c72987c14aaeb982b001f8d774a9" alt="" width="1" height="1" />Rede auf dem Neujahrsempfang der saarl&#228;ndischen Landtagsfraktion</a> am Beispiel von SPD und Gr&#252;nen sehr anschaulich gemacht. Gegen solche Taktiken und jene, die – aus den unterschiedlichsten Gr&#252;nden, darunter auch respektablen – darauf hereinfalle, ist der Ex-SPD-Chef, selbst gebranntes Kind in dieser Sache, kompromisslos vorgegangen. Der Scherbenhaufen, den es dabei zur&#252;cklie&#223;, mag manchem nicht gefallen, aber vielleicht ist er besser als unversehrtes Porzellan, das als Ladenh&#252;ter im Regal steht. Oder das gar solche versteckten Risse aufweist, dass es beim ersten robusten Einsatz auseinander f&#228;llt. Vielleicht h&#228;tte man zum Beispiel in Brandenburgs linker Landtagsfraktion weniger kulturvolles Schulterklopfen gegen&#252;ber dem Nebenmann praktizieren sollen, sondern ihn hartn&#228;ckiger, schonungsloser danach fragen, ob es in seiner Biografie nicht vielleicht Bl&#246;&#223;en gibt, auf die der Gegner bei Bedarf seine Gesch&#252;tze richten k&#246;nnte.</p>
<p>Wer sich in der Beurteilung des Lafontaine-Bartsch-Konfliktes dennoch nicht den Regeln der in der b&#252;rgerlichen Gesellschaft dominierenden Kampfformen unterwerfen will, wird ungeachtet dessen z&#228;hneknirschend Lafontaine Recht geben m&#252;ssen, wenn er die Sache von der inhaltlichen Seite her betrachtet. Denn in der Sache hat der Saarl&#228;nder die <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0116/meinung/0040/index.html" target="_blank">Argumente auf seiner Seite</a>; selbst seine erbittertsten Gegner d&#252;rften das kaum leugnen. Und nicht zuletzt deshalb ist ihm auch Gregor Gysi, jeden Radikalismus unverd&#228;chtig, am Ende beigesprungen, wenn eben vielleicht auch z&#228;hneknirschend.</p>
<p>F&#252;r die Linkspartei ist gegenw&#228;rtig – und wohl noch f&#252;r eine ganze Weile – das Hauptproblem nicht die Regierungsbeteiligung, sondern der Ausbau ihrer St&#228;rke innerhalb der politischen Arena. Mit ihrem gerade einmal zweistelligen Wahlergebnis kann sie wirklichen Einfluss auf Regierungsentscheidungen nicht nehmen; es ist ihr ja nicht einmal mit bis zu doppelten Prozentanteilen in den &#246;stlichen Bundesl&#228;ndern gelungen. Erst weiterer Zuwachs f&#252;r die Linke bei Wahlen versetzt sie in die Lage, gestaltend Politik zu betreiben. Es sei denn, sie findet Partner, die &#228;hnliche Konzepte wie sie vertreten; in Hessen mit Andrea Ypsilanti und im Saarland mit Heiko Maas w&#228;re das vielleicht m&#246;glich gewesen. Und vielleicht finden sich auch anderswo in der SPD Personen, die sich auf deren urspr&#252;ngliche Wurzeln besinnen. Wohin es jedoch f&#252;hrt, zur Unzeit koalition&#228;re Gedankenspiele zu betreiben, hat gerade Dietmar Bartsch schmerzhaft erfahren m&#252;ssen, denn der nicht zuletzt von ihm im Wahlkampf 2002 vertretene SPD-freundliche Kurs f&#252;hrte die PDS damals in eine schwere Niederlage; nur die beiden Direktmandate von Gesine L&#246;tzsch und Petra Pau retteten damals &#252;berhaupt die Pr&#228;senz im Bundestag. Eine Wiederholung solchen Desasters will Lafontaine wohl verhindern; deshalb setzte er vor dem eigenen (teilweisen) Abgang noch einige Frontbegradigungen in der Parteif&#252;hrung durch. An der Linken ist es nun, damit sachbezogen umzugehen.</p>
<p>Die St&#228;rke »b&#252;rgerlicher« Politik ergab sich in der Vergangenheit nicht zuletzt daraus, dass sie jede Tendenz, die den eigenen Machtanspruch schm&#228;lern k&#246;nnte, nicht nur frontal, mit der Peitsche bek&#228;mpfte, sondern auch immer hintenherum, mit Zuckerbrot. Parteien und Personen auf der Linken, die ihrer Dominanz gef&#228;hrlich werden konnten, wurden so allm&#228;hlich an die eigenen Positionen herangezogen. Partiell kam man ihnen dabei auch entgegen, wandelte sich selbst da und dort inhaltlich, achtete aber sorgsam darauf, dass die Macht nicht auf Dauer entglitt. So wurden SPD wie Gr&#252;ne Bestandteile des Establishments – mit dem Ergebnis, dass uns heute eine konservativ-neoliberale Mannschaft regiert, die zum Sturm auf zivilgesellschaftliche und soziale Errungenschaften angetreten ist. Die Hauptgefahr f&#252;r einen solchen Kurs geht derzeit von der Linkspartei aus, weshalb vorrangig sie ins Visier des Herrschaftsapparates gelangt ist. Ob und inwieweit sie dessen Druck widerstehen und sich den gleichzeitigen Verlockungen entziehen kann, wird &#252;ber ihre k&#252;nftige Stellung in der politischen Arena entscheiden.</p>
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		<title>Der »feine« Franz Josef Jung rettet Merkel das Amt – wie vor neun Jahren Roland Koch</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 20:16:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Man kennt das aus der Welt der Ganoven. Wenn es brenzlich wird und der Boss keinen Schaden nehmen will, sagt er schon mal: Tut, was zu tun ist, aber mich lasst au&#223;en vor. Ich habe von nichts gewusst. So &#228;hnlich muss es wohl vor einigen Wochen im von Franz Josef Jung gef&#252;hrten Bundesverteidigungsministerium gewesen sein. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man kennt das aus der Welt der Ganoven. Wenn es brenzlich wird und der Boss keinen Schaden nehmen will, sagt er schon mal: Tut, was zu tun ist, aber mich lasst au&#223;en vor. Ich habe von nichts gewusst. So &#228;hnlich muss es wohl vor einigen Wochen im von Franz Josef Jung gef&#252;hrten Bundesverteidigungsministerium gewesen sein. <span id="more-1379"></span>Als der Minister von den hei&#223;en Berichten &#252;ber den Bombenangriff auf zwei Tanklastz&#252;ge in Afghanistan zu h&#246;ren bekam, bei dem auch zahlreiche Zivilisten starben, wollte er davon nichts wissen. Er las sie – nach eigener Auskunft – nicht, sondern lie&#223; sie zur NATO in Br&#252;ssel weiterleiten. Vielleicht las er sie aber doch, ahnte, was ihre Bekanntgabe ausl&#246;sen konnte und entschied sich f&#252;r die ihm sehr vertraute Methode: Was ich nicht wei&#223;, macht mich nicht hei&#223;. Noch bei seine <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1128/regierungskrise/0002/index.html" target="_blank">R&#252;cktritt </a>e<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/39118b84b0fe44a6a1f09f342e42d1d3" alt="" width="1" height="1" />rkl&#228;rte er treuherzig: »Ich habe sowohl die &#214;ffentlichkeit als auch das Parlament &#252;ber meinen Kenntnisstand korrekt unterrichtet.«</p>
<p>Dass der Auftritt Jungs einen betr&#228;chtlichen Wiederkennungswert hatte, liegt an einem nun schon neuen Jahre zur&#252;ckfliegenden Vorgang, bei dem Jung auch versuchte, sich durch gespielte Unkenntnis aus der Aff&#228;re zu ziehen. Aufschluss dar&#252;ber gibt folgender Bericht aus dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zum CDU-Spendenskandal, der am 12. Mai 2000 in der Zeitung »Neues Deutschland« erschien.</p>
<blockquote>
<h4>Lehrstunde &#252;ber »hessische Verh&#228;ltnisse«</h4>
<h5>W&#228;hrend Minister Jung absolut nichts wei&#223;, plaudert Ex-Buchhalter Reischmann fr&#246;hlich aus der Schule</h5>
<h6>Noch rechtzeitig vor der nordrhein-westf&#228;lischen Landtagswahl besch&#228;ftigte sich der Bundestagsausschuss zum CDU-Spendenskandal gestern mit dessen hessischer Variante. Doch viel Wahlkampfmunition war daraus nicht mehr zu ziehen.</h6>
<p>Franz-Josef Jung, seit Jahr und Tag mit aufsteigender Tendenz im Dienste der hessischen CDU und derzeit als Chef der Staatskanzlei ein besonders enger Vertrauter des Landesvorsitzenden und Ministerpr&#228;sidenten Roland Koch, wusste gleichwohl von nichts. F&#252;r ihn hatte das Leben eigentlich erst am 14. Januar 2000 begonnen &#8211; mit jener Pressekonferenz, auf der &#8211; f&#252;r ihn v&#246;llig &#252;berraschend &#8211; sein Landeschef den Skandal enth&#252;llte. Zwar war er am Abend zuvor, wie er vor dem Ausschuss anschaulich schilderte, von einem »Spie-gel«-Journalisten »geradezu &#252;berfallartig« &#252;ber Ungereimtheiten mit den hessischen Verm&#228;chtnissen, Darlehen und Konten konfrontiert worden, aber als er daraufhin Koch informierte, verwies der ihn nur an Kanther. Jung selbst sah keinerlei Anlass, zum Wahrheitsgehalt der Neuigkeiten nachzufragen.</p>
<p>Wie er &#252;berhaupt wenig neugierig zu sein scheint. Denn auch &#252;ber alle anderen Vorg&#228;nge des Finanzwesens der hessischen CDU wusste er nach eigenem Bekunden nichts. So hatte er nur Kenntnis von einem Verm&#228;chtnis und hielt es f&#252;r glaubw&#252;rdig, hatte einmal zwar mit Koch auch &#252;ber die anderen angeblichen Erbschaften gesprochen, aber letztlich doch keine Bedenken gehabt. Er kannte zwar Weihrauch, aber nur als seri&#246;sen Wirtschaftspr&#252;fer. Nicht einmal &#252;ber die Skandalaufkl&#228;rung wusste er so richtig Bescheid, hatte sie doch Koch und sein inzwischen im Aff&#228;renstrudel untergegangener Generalsekret&#228;r M&#252;ller betrieben.</p>
<p>Irgendwann entfuhr dem SPD-Abgeordneten Peter Danckert, dass er &#252;ber so viel Naivit&#228;t fassungslos sei: »Das sollen wir Ihnen alles glauben? F&#252;r wie bescheuert halten Sie uns eigentlich?«</p>
<p>Doch Jung blieb eisern bei seiner Linie, nur solche Antworten zu pr&#228;sentieren, die er sich vorher sorgf&#228;ltig zurechtgelegt hatte und zu allen anderen Fragen Nichtwissen zu bekunden. Auf diese Weise hat er bisher auch die Krise in Wiesbaden &#252;berstanden, bei der er mehrfach in Erkl&#228;rungsbedarf &#252;ber Umfang und Zeitpunkt seines Wissens &#252;ber den hessischen Finanzskandal geriet, sich aber stets aus der Aff&#228;re ziehen konnte.</p>
<p>Daf&#252;r, wie man trickreich alle Klippen umschifft, hat die Landes-CDU offensichtlich ihre eigenen Methoden entwickelt – wie sich am Nachmittag bei der Vernehmung des fr&#252;heren Finanzbuchhalters und stellvertretenden Landesgesch&#228;ftsf&#252;hrers Franz-Josef Reischmann zeigte. Er war 1992 nach zw&#246;lfj&#228;hriger T&#228;tigkeit f&#252;r den CDU-Landesverband entlassen worden, weil er &#8211; wie Jung aussagte &#8211; an Barschecks manipuliert hatte, indem er vor die darauf verzeichnete Summe noch eine l setzte. Jung und Weyrauch h&#228;tten ihn zur Rede gestellt, er habe geweint und bereut und ein Schuldanerkenntnis &#252;ber eine Millionen Mark unterzeichnet, obwohl sich sp&#228;ter herausstellte, dass die veruntreute Summe mehr als doppelt so hoch war. Daraufhin habe die CDU, so Jung, auf Strafverfolgung verzichtet.</p>
<p>Gegen&#252;ber Parteifreunden galt offensichtlich Kanthers »Null-Toleranz gegen Kriminelle« nicht. Ganz besonders nicht gegen solche Parteifreunde wie Reischmann, die mit allen Wassern gewaschen sind. Der schilderte offenherzig die innerparteiliche Geldbeschaffung und -Verwendung, die demnach nicht selten am Rande der Legalit&#228;t erfolgte. Woher das Geld kam, das er verwendete, habe ihn nie interessiert; Hauptsache es war da. So hatte auch nichts dabei gefunden, als er 1983 zuf&#228;llig auf ein Schweizer Konto mit 8,3 Millionen Mark stie&#223;. Damals seien gerade neue Regelungen zum Parteiengesetz im Gespr&#228;ch gewesen, nach dem bestimmte Einnahmen, die vorher keinen interessierten, an den Staat h&#228;tten abgef&#252;hrt werden m&#252;ssen. »Da h&#228;tte ich es genauso gemacht und das Geld in Sicherheit gebracht.«</p>
<p>Reischmann ist noch heute ein typischer Vertreter der »hessischen Verh&#228;ltnisse«. »Ich bin ein Gejagter«, klagt er, »muss durch den Garten schleichen, wenn ich mir ein Wasser holen will.« Keinen Schritt k&#246;nne er ohne Pressebegleitung tun, schon sei ihm gedroht worden, man k&#246;nne auch anders, wenn er nicht rede. F&#252;r Aussagen sei ihm Geld geboten worden.</p>
<p>Hier wurden erstmals auch CDU und CSU munter, die zuvor bei Jung auf ihr Fragerecht verzichtet hatten. »Geldangebote, wenn Sie die CDU belasten?« fragte CSU-Vertreter Hans-Peter Friedrich listig. »Von wem?« »Das H&#246;chstgebot kam von &gt;Focus&lt;«, verk&#252;ndete Reischmann, »eine Eins mit f&#252;nf Nullen«. Der Gejagte und Gepeinigte lebt jetzt als »Privatier« in Erfurt, nach eigenem Bekunden »vom Geld von Freunden und Bekannten«. Sie stellten ihm immerhin einen Mercedes zur Verf&#252;gung. Ausschweifenden Lebenswandel fr&#252;herer Jahre mit gro&#223;z&#252;gigem Haus und Reiterhof erkl&#228;rt er mit einem Lottogewinn in den 80er Jahren, der ihm fl,6 Millionen eingebracht habe.</p>
<p>Reischmann sagte zwar zur Sache wenig aus, demonstrierte aber, mit welcher Bedenkenlosigkeit man unterm Parteiregiment von Ex-Bundesinnenminister Manfred Kanther vorging. Hatte schon Jung nach Einsch&#228;tzung des Gr&#252;nen Hans-Christian Str&#246;bele »Einblick in das konspirative Finanzsystem der hessischen CDU gegeben«, so deckte Reischmann jene Mentalit&#228;t auf, die zwangsl&#228;ufig zu gesetzwidrigem Handeln f&#252;hren musste. Was ein Reischmann hemds&#228;rmelig betrieb, tun Jung und Koch inzwischen in Nadelstreifen. Heute werden er und Kanther vorm Ausschuss geh&#246;rt.</p></blockquote>
<p>Vier Monate sp&#228;ter war es mit Jungs Karriere erst einmal vorbei. Zu nah waren inzwischen die Einschl&#228;ge des Spendenskandals bei Ministerpr&#228;sident Roland Koch. Er brauchte einen S&#252;ndenbock, und Jung bot sich daf&#252;r an – gerade wegen der eigenen Verstrickung in die Aff&#228;re. Die Parallelen zur heutigen Situation sind frappierend. »Ich habe mir in der gesamten Finanzaff&#228;re der hessischen CDU nichts zu Schulden kommen lassen«, sagte Jung im September 2000. Und man fragt sich, wer es diesmal ist, f&#252;r den (oder die?) Jung seinen Hut nehmen musste? Was man Jung vorwirft, n&#228;mlich sich &#252;ber das Bombardement von Kundus nicht gen&#252;gend informiert zu haben, <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/160155.was-wusste-merkel-ueber-das-massaker-von-kundus.html" target="_blank">gilt vielleicht auch f&#252;r Angela Merkel </a>selbst. Sie hat sich dazu – wie es bei brisanten Fragen oft ihre Art ist – &#252;berhaupt nicht ge&#228;u&#223;ert, damit aber auch den offensichtlich falschen Erkl&#228;rungen ihres Verteidigungsministers nicht widersprochen. Statt dessen verabschiedete sie Jung jetzt als »geradlinigen Kollegen« und »feinen Menschen«. Koch hatte den damaligen Chef seiner Staatskanzlei einst einen »ehrlichen Kerl« genannt. Meinten beide damit seine Bereitschaft, »eine gewisse Rolle zu spielen«, wie Jung in seinen besseren Zeiten einmal seine Funktion im System Koch umschrieben hatte?</p>
<p>Dass mit dem Abgang Jungs die Kundus-Aff&#228;re nicht ausgestanden sein k&#246;nnte, zeigt, dass nun die Fragen an dessen Nachfolger Karl Theodor zu Guttenberg dr&#228;ngender werden. Er bildet wohl den letzten Verteidigungsring vor der Bundeskanzlerin. Vielleicht gen&#252;gt das Bauernopfer Jung noch nicht, vielleicht muss auch noch ein Turm dran glauben, um die Dame zu retten.</p>
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		<title>Woher die Furcht vor Brandenburgs rotem Adler kommt</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Nov 2009 18:20:30 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eigentlich h&#228;tte man vermuten k&#246;nnen, dass Rot-Rot in Brandenburg kaum noch als Aufreger taugt. Immerhin gab es schon 1994 in Sachsen-Anhalt eine von der PDS tolerierte rot-gr&#252;ne Regierung, dann 1998 in Mecklenburg-Vorpommern die erste rot-rote Koalition, schlie&#223;lich das gleiche B&#252;ndnis sogar in der Hauptstadt mit ihren noch immer klaren Fronten zwischen dem alten Westberlin und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich h&#228;tte man vermuten k&#246;nnen, dass Rot-Rot in Brandenburg kaum noch als Aufreger taugt. Immerhin gab es schon 1994 in Sachsen-Anhalt eine von der PDS tolerierte rot-gr&#252;ne Regierung, dann 1998 in Mecklenburg-Vorpommern die erste rot-rote Koalition<span id="more-1338"></span>, schlie&#223;lich das gleiche B&#252;ndnis sogar in der Hauptstadt mit ihren noch immer klaren Fronten zwischen dem alten Westberlin und dem Machtzentrum der Ex-DDR. Um all diese unheiligen Allianzen hatte es nat&#252;rlich Diskussionen gegeben, von unverhohlener Skepsis bis scharfer Ablehnung, aber sie waren dann doch relativ stabil, wurden beinahe zum politischen Alltag. Nirgends gab es die Wiederkehr sozialistischer Verh&#228;ltnisse, schon gar nicht kommunistischer Experimente, und man h&#228;tte annehmen k&#246;nnen, der n&#228;chste derartige Versuch ginge ohne besondere Erregung &#252;ber die B&#252;hne.</p>
<p>Doch beinahe das Gegenteil ist jetzt der Fall. Das zeigte nicht erst Brandenburg, sondern zuvor schon Th&#252;ringen und das Saarland, eigentlich bereits Hessen. In den drei L&#228;ndern wurde – so unterschiedlich die Verh&#228;ltnisse im einzelnen waren – eine Machtkonstellation unter Einschluss der Linkspartei versucht. Und verhindert – trotz der genannten Vorl&#228;ufer. Offensichtlich ist in Deutschland in den letzten Jahren eine Situation entstanden, die in konservativen Kreisen als echte Bedrohung empfunden wird, weshalb man schon beinahe hysterisch gegen den Fortgang dieser Entwicklung ank&#228;mpft.</p>
<p>Als H&#246;ppner in Magdeburg, Ringstorff in Schwerin, Wowereit in Berlin die PDS bzw. die Linke mit einer gewissen, von ihnen kontrollierten Macht ausstatteten, bauten sie s&#228;mtlich darauf, sie auf diese Weise zu »entzaubern«. Das schien eine Zeitlang auch erfolgsversprechend, doch das Ende der SPD-Herrschaft in Sachsen-Anhalt wie Mecklenburg-Vorpommern und die gegenw&#228;rtigen Probleme der Berliner Sozialdemokraten haben zugleich gezeigt, dass auch der Koch wenig davon profitiert, wenn er den Kellner schlecht behandelt – zumal dann, wenn er die alten, bew&#228;hrten Rezepte beiseite legt und mit neuen, vorgeblich modernen Kreationen die Stammkundschaft nicht mehr satt macht. Indem sich die SPD von ihren Wurzeln entfernte, verhalf sie der Linkspartei zu neuer Identit&#228;t. Die besetzte das von der Sozialdemokratie aufgegebene Terrain, entwickelte sich – nicht zuletzt mit der Hilfe des Ex-SPD-Chefs Oskar Lafontaine – zur wahren Vertreterin der einstigen SPD-Klientel und ist dabei, sich an die Spitze des linken Lagers in Deutschland zu stellen.</p>
<p>Damit aber ver&#228;ndert sie – so die gewiss nicht ganz falsche Wahrnehmung des konservativen Lagers – &#252;ber einzelne Bundesl&#228;nder Schritt f&#252;r Schritt die Machtverh&#228;ltnisse im Land. In Hessen stellte sie sich hinter das f&#252;r die Gesamt-SPD schon beinahe extrem linke und daher von ihrer F&#252;hrung vehement abgelehnte Programm Andrea Ypsilantis. Im Saarland drohte j&#252;ngst eine &#228;hnliche Entwicklung – allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Linkspartei nicht mehr die kleine Mehrheitsbeschafferin, sondern eine der SPD fast ebenb&#252;rtige Kraft gewesen w&#228;re. Und in Th&#252;ringen hat die Linke die SPD bereits weit hinter sich gelassen. Linkes Regieren bedeutet inzwischen die weitgehende Gleichberechtigung – oder gar Meinungsf&#252;hrerschaft – der Linkspartei in einem B&#252;ndnis mit der SPD. Das ist f&#252;r die CDU immerhin so alarmierend, dass sie reihenweise einst eherne Positionen r&#228;umt, um diese Konstellation zu verhindern. Insofern kann sich die Linke die Koalitionsvertr&#228;ge von Saarbr&#252;cken und Erfurt zu gro&#223;en Teilen indirekt dem eigenen Erfolgskonto zuschreiben.</p>
<p>Diese auch in Brandenburg wirkende Tendenz mag <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/brandenburg-weiter-kritik-an-rot-rot_aid_452157.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/5ef38e5d4029404d9555f9f3118413e7" alt="" width="1" height="1" />Matthias Platzeck </a>bewogen haben, in einer Art Flucht nach vorn die Linke in die das eigene Konzept einzubinden. Vielleicht glaubt er wie H&#246;ppner, Ringstorff und Wowereit daran, die Linkspartei »entzaubern« zu k&#246;nnen. Vielleicht wollte er aber auch nur die eigene schwindende Machtbasis erweitern. Er nutzte auf jeden Fall das durch die schwere Wahlniederlage vom 27. September in der Bundes-SPD entstandene Machtvakuum, um sich gegen die Berliner F&#252;hrung durchzusetzen. Dass er Erfolg hat, ist angesichts der auch in der Linkspartei durchaus vorhandenen Neigung, um des Regierens willen politische Positionen aufzugeben, nicht von vornherein auszuschlie&#223;en.</p>
<p>Die Konservativen jedoch wollen das Risiko, ob die B&#228;ndigung der Linken tats&#228;chlich gelingt, nicht eingehen. Sie orientieren deshalb darauf, es gar nicht erst zu solch gef&#228;hrlichen B&#252;ndnissen kommen zu lassen, wobei es ihnen allerdings immer schwerer f&#228;llt, ihr Vorgehen &#252;berzeugend zu begr&#252;nden. Gen&#252;gte fr&#252;her oft die Stasi-Keule, um Linke von der Macht fernzuhalten, so ist das bei zunehmend anders sozialisiertem Personal der Partei immer schwieriger. Nun wird – wie beim neuen Brandenburger Justizminister <a href="http://www.welt.de/politik/article5049188/Verdraengungsvokabel-Unrechtsstaat.html" target="_blank">Volkmar Sch&#246;neburg </a>– sogar das Abweichen von einer Art Parteilinie (nicht mehr der SED, sondern jetzt wohl der CDU) als Makel gesehen; weil er &#252;ber Mauersch&#252;tzenprozesse und die Rechtslage in der DDR anderer Meinung als die regierungsoffiziellen Gesichtsdeuter ist. Und<a href="http://www.n24.de/news/newsitem_5557328.html" target="_blank"> Bodo Ramelow</a>, der in Th&#252;ringen Ministerpr&#228;sident werden wollte und dem als Westdeutschem keinerlei DDR-S&#252;nden vorgeworfen werden k&#246;nnen, disqualifiziert sich in den Augen seiner Gegner vor allem dadurch, dass er &#252;berhaupt konsequent linke Politik betreiben will.</p>
<p>Damit jedoch entlarven sich viele der gegen die Linkspartei vorgebrachten Argumente als vorgeschoben. Solange viele die Linke nicht als echte Gefahr f&#252;r das bundesrepublikanische System betrachteten, nahm man ihre Einbeziehung in SPD-gef&#252;hrte Regierung hin. Jetzt jedoch scheint mancher die Risiken linker Machtbeteiligung f&#252;r die althergebrachte Ordnung vor dem Hintergrund sozialdemokratischen Niedergangs viel dramatischer zu beurteilen. Und sich folglich vor dem frisch eingef&#228;rbten roten Brandenburger Adler so sehr zu f&#252;rchten, dass es auf &#252;berzeugende Begr&#252;ndungen gegen Rot-Rot schon gar nicht mehr ankommt, sondern nur noch auf die Verhinderung einer Entwicklung, die man vor 20 Jahren ein f&#252;r alle Mal f&#252;r beendet glaubte.</p>
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		<title>Die Schw&#228;che der SPD l&#228;sst eine lange konservative Herrschaft bef&#252;rchten</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 22:14:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[F&#252;nfzehn Jahre Opposition sagte Herbert Wehner 1982 der SPD voraus, als sie die Macht an ein christlich-freidemokratisches B&#252;ndnis verlor. Sogar sechzehn sind schlie&#223;lich daraus geworden, und so wie die Sozialdemokraten den Machtverlust damals als Betriebsunfall bagatellisierten, zeichnet sich erneut die Tendenz ab, nicht die tieferen Ursachen des Debakels zu untersuchen, sondern m&#246;glichst schnell wieder zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;nfzehn Jahre Opposition sagte Herbert Wehner 1982 der SPD voraus, als sie die Macht an ein christlich-freidemokratisches B&#252;ndnis verlor. Sogar sechzehn sind schlie&#223;lich daraus geworden, und so wie die Sozialdemokraten den Machtverlust damals als <a href="http://www.welt.de/politik/bundestagswahl/article4542494/Peter-Struck-Opposition-ist-Mist-hoch-drei.html" target="_blank">Betriebsunfall</a> bagatellisierten, <span id="more-1305"></span>zeichnet sich erneut die Tendenz ab, nicht die tieferen Ursachen des Debakels zu untersuchen, sondern m&#246;glichst schnell wieder zur alten, lediglich durch etwas schm&#252;ckendes Beiwerk erg&#228;nzten Tagesordnung &#252;berzugehen. Diese Schw&#228;che der SPD, ihren einstigen Gr&#252;ndungskonsens zu ignorieren und sich zugleich gegen&#252;ber der Realit&#228;t im Lande blind zu verhalten, l&#228;sst eine lange konservative Herrschaft bef&#252;rchten.</p>
<p>Der Hintergrund f&#252;r solch ern&#252;chternde Prognose ist die Rechtsentwicklung, die die SPD in den vergangenen zehn Jahren genommen hat. Beginnend mit dem Schr&#246;der/Blair-Papier 1999 hat die damalige F&#252;hrung – Lafontaine ausgenommen, der sich nur durch Niederlegung aller seiner &#196;mter dem neuen Kurs entziehen konnte – die sozialdemokratische Partei Schritt f&#252;r Schritt ins b&#252;rgerliche Lager gef&#252;hrt. Unter dem Motto, man m&#252;sse die »Mitte« erobern, gab die SPD eine ihrer traditionellen Positionen nach der anderen auf und wurde vor allem dadurch kompatibel f&#252;r die Koalition mit CDU und CSU.</p>
<p>Mit dieser inhaltlichen Umorientierung einher ging die personelle »S&#228;uberung«. Nach Lafontaine verlie&#223;en weitere linke Sozialdemokraten notgedrungen ihre Partei und gingen teilweise zur Linken. Andere – Beispiel Ottmar Schreiner – wurden kalt gestellt, die meisten jedoch – wie Andrea Nahles, Klaus Wowereit oder Heiko Maas – unterwarfen sich so sehr der herrschenden Linie, dass sie kaum noch mit dem Pr&#228;dikat links in Verbindung gebracht werden. Wer das nicht tat – Beispiel <a href="http://www.blogsgesang.de/2009/01/19/rechte-spd-als-geburtshelfer-von-schwarz-gelb/" target="_blank">Andrea Ypsilanti</a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/70a63cf85bb943689386ae246eaada3e" width="1" height="1" alt=""> – wurden erbarmungslos weggemobbt. So gelang es vor allem Franz M&#252;ntefering und dem ihn st&#252;tzenden rechtsopportunistischen Seeheimer Kreis, die SPD nicht nur konzeptionell auf einen weitgehenden Rechtskurs auszurichten, sondern auch die personellen Voraussetzungen f&#252;r seine Durchsetzung gegen den Widerstand der Parteibasis zu schaffen. Selbst ein Kurt Beck, der sich aus Sicht des F&#252;hrungskreises um M&#252;ntefering, in den sich schlie&#223;lich auch Schr&#246;ders »bester Mann« Frank-Walter Steinmeier bereitwillig einbinden lie&#223;, musste gehen, weil er vorsichtige Zweifel am Rechtskurs ge&#228;u&#223;ert und und halbherzige Korrekturversuche vorgenommen hatte.</p>
<p>Typische, wenngleich sehr unterschiedliche Beispiele f&#252;r die Formierung der SPD als partnerschaftlicher Konkurrent der Union lieferten die Landesverb&#228;nde Hessen und Th&#252;ringen. Auch in Hessen hatte die Bundesf&#252;hrung versucht, durch St&#228;rkung ihres Gew&#228;hrsmannes J&#252;rgen Walter den traditionell links stehenden Landesverband nach rechts umzuorientieren. Das gelang nicht; statt dessen setzte die Parteibasis die linke Andrea Ypsilanti als Spitzenkandidatin f&#252;r die Landtagswahlen durch. Das h&#228;tte in Berlin gerade noch hingenommen werden k&#246;nnen, nicht jedoch der &#252;berraschende Erfolg der hessischen SPD bei der Wahl im Januar 2008 mit 36,7 Prozent der Stimmen – ein Resultat, das f&#252;r die Partei wohl f&#252;r lange Zeit in weite Ferne ger&#252;ckt ist. Es signalisierte n&#228;mlich, dass mit einem dezidierten und durchdachten Linkskurs die SPD-W&#228;hler an die Urnen zu holen sind und sogar ein Roland Koch aus dem Amt zu werfen ist. W&#228;hrend Beck bereit schien, das Signal positiv aufzunehmen, reihte sich der rechte Fl&#252;gel der SPD in die von konservativen Kreisen sofort losgetretene Wahlbetrugs-Kampagne gegen Andrea Ypsilanti ein, versagte ihr jegliche Solidarit&#228;t und wirkte – wie wir heute wissen – im Hintergrund daran mit, dass Ypsilantis Versuch, eine linke Mehrheit gegen Koch zusammenzubringen, auf den letzten Metern scheiterte.</p>
<p>Viel lieber w&#228;re den Rechten in der SPD-F&#252;hrung nat&#252;rlich eine solch ger&#228;uschlose Ann&#228;herung ihrer Partei an die CDU gewesen, wie sie <a href="http://www.blogsgesang.de/2009/09/02/mit-christoph-matschie-geht-in-thueringen-nur-althaus/" target="_blank">Christoph Matschie</a> in Th&#252;ringen praktizierte. Er sorgte mit tatkr&#228;ftiger Unterst&#252;tzung aus Berlin rechtzeitig daf&#252;r, dass fast alle Bef&#252;rworter eines Zusammengehens mit der Linkspartei im Land aus der F&#252;hrung entfernt wurden. Er entmachtete seinen Vorg&#228;nger im Parteivorsitz, Richard Dewes, und schwor die Partei auf das B&#252;ndnis mit der CDU ein. Damit verlor er zwar bei den W&#228;hlern jede Glaubw&#252;rdigkeit hinsichtlich seiner Parolen von der Beendigung des »Systems Althaus« und wurde folgerichtig von der Linkspartei um fast zehn Prozent deklassiert, aber er erhielt sich die Chance, in die kleine schwarz-rote Koalition einzutreten. Die Sondierungen mit der Linken waren insofern nicht mehr als Augenauswischerei. Die Weichen hatte Matschie f&#252;r sich vermutlich schon am Wahlabend gestellt. Und der von ihm geformte Landesvorstand lie&#223; ihn nicht im Stich; allerdings wurde ihm sachkundig von einem interessanten Gast aus Berlin sekundiert – dem M&#252;ntefering-Vertrauten Mathias Machnig.</p>
<p>Auch im Bund hatte die SPD als nur unzul&#228;nglich verborgenes Wahlziel nicht mehr als die Fortsetzung der Koalition mit CDU und CSU im Sinn. Und von dieser inzwischen dem Funktion&#228;rskader aufgebrannten rechten Pr&#228;gung wird sie sobald nicht weg kommen. Und will, was den &#252;berwiegenden Teil des F&#252;hrung angeht, das wohl auch nicht. Denn sowohl der designierte Parteivorsitzende Gabriel als auch der sich selbst ausrufende Fraktionsvorsitzende Steinmeier sind <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,652321,00.html" target="_blank">Vertreter des alten Kurses</a>; mit beiden ist eine glaubw&#252;rdige Alternative zur gescheiterten Politik nicht zu machen. Die SPD in ihrer heutigen Gestalt hat zwar Schwarz-Gelb nicht verhindern k&#246;nnen, aber sie hat die Sammlung des linken Lagers hierzulande verhindert – und damit auch den Erfolg der Linkspartei zu einem Pyrrhussieg gemacht. Aber vielleicht war gerade das ihr wichtigstes Anliegen im verflossenen Wahlkampf.</p>
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		<title>Wie Roland Koch Andrea Ypsilanti die Mehrheit entzog</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 19:31:27 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ahnen konnte man es, aber am Ende hat man Roland Koch soviel brutalstm&#246;gliches Intrigantentum dann doch nicht zugetraut. Nun aber scheint klar: Das Scheitern Andrea Ypsilantis in Hessen hat der CDU-Ministerpr&#228;sident selbst eiskalt und wohlkalkuliert herbeigef&#252;hrt <span id="more-1178"></span>– mit Hilfe vermutlich schon lange zuvor in der SPD aufgebauter »Maulw&#252;rfe«. Das jedenfalls ist neuesten Recherchen der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« (FASZ) zu entnehmen, die zwar Koch dabei kaum erw&#228;hnt, sondern die ganze Verwerflichkeit allein bei der »Viererbande« J&#252;rgen Walter, Carmen Everts, Silke Tesch und Dagmar Metzger sieht, jenen »fantastischen Vier« also, die gerade diese Zeitung im Herbst 2008 als Helden mit einem strahlenden Heiligenschein feierte. Das tut sie nun nicht mehr, aber <a href="http://www.faz.net/s/Rub422EC9ABCA074572B6F3F53A6BDC4758/Doc~EE879C9294C6B4A43B87608AFCE6D255C~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank"><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/5dacffc07e9f4de4a65e4354e632cb42" alt="" width="1" height="1" />das Gewissen schl&#228;gt ihr darob auch nicht</a>, im Gegenteil: Ganz im Sinne des jesuitischen Grundsatzes, dass der Zweck die Mittel allemal heiligt, ist sie noch immer befriedigt &#252;ber das Ergebnis und beklagt nur die weitere Verlotterung der politischen Sitten, zu der gerade sie so eifrig beigetragen hat.</p>
<p>F&#252;r Roland Koch stellte sich nach der verlorenen Wahl am 27. Januar 2008 die Lage so dar, dass er keine Mehrheit f&#252;r eine Regierungsbildung mehr hatte, zwar gesch&#228;ftsf&#252;hrend im Amt bleiben, aber nicht wirklich politisch gestalten konnte. Es kam also f&#252;r ihn darauf an, m&#246;glichst schnell diese fehlende Mehrheit zu organisieren; der Weg dazu f&#252;hrte nur &#252;ber Abweichler in der SPD. Er wusste nat&#252;rlich, dass die linke Andrea Ypsilanti in einer seit Jahren von Rechtspolitikern wie Hans Eichel und Gerhard B&#246;kel gepr&#228;gten Partei nicht nur Freunde hatte – zumal dann, wenn sie sich bereit zeigte, eine SPD-gef&#252;hrte Mehrheit auch mit der Linkspartei zustande zu bringen. Dabei konnte es Koch nicht gen&#252;gen, wenn die Abweichler in der SPD nur von Fall zu Fall f&#252;r ihn stimmten, denn dann h&#228;tten sich Zitterpartien vor jeder wichtigen Abstimmung wiederholt. Er brauchte die SPD-Rechten als selbst&#228;ndige Kraft, die der CDU/FDP-Koalition die notwendige Mehrheit verschafften – und das dauerhaft.</p>
<p>Aus dieser &#220;berlegung heraus entstand schon zeitig die Idee der eigenst&#228;ndigen Fraktion der Abweichler, die Kochs Vertrauter, sein <a href="http://www.faz.net/s/Rub422EC9ABCA074572B6F3F53A6BDC4758/Doc~E2383E58474494B869CD36921F8C713A8~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Pressesprecher Dirk Metz</a>, monatelang an Silke Tesch heranzutragen versuchte, die ein Treffen mit ihm mehrmals ablehnte, ehe es Ende Oktober 2008 stattfand. Dort unterbreitete Metz den Vorschlag ganz offiziell und berief sich dazu auf einen historischen Pr&#228;zedenzfall. Inzwischen hat die hessische CDU zugegeben, auch <a href="http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/1872908_Hessen-SPD-Wiesbadener-Winkelzuege.html" target="_blank">mit anderen SPD-Abgeordneten Gespr&#228;che gef&#252;hrt </a>zu haben. Da der »Wortbruch« von Ypsilanti und eine Zusammenarbeit mit der Linken gedroht habe, verteidigte der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Franz Josef Jung solche Kontakte: »Wenn man gemeinsam dar&#252;ber spricht, halte ich das f&#252;r vollkommen in Ordnung«..</p>
<p>Die selbst&#228;ndige Fraktion kam letztlich nicht zustande, weil nicht alle Abweichler die Br&#252;cken zur SPD endg&#252;ltig abbrechen wollten. Damit hatte Koch rechnen m&#252;ssen, weshalb er beizeiten auch die Linie von Neuwahlen verfolgte. Dass sich die SPD nach der Erkl&#228;rung Dagmar Metzgers, eine rot-gr&#252;n-rote Zusammenarbeit nicht mittragen zu wollen, offensichtlich auf Opposition und die Durchsetzung einzelner Programmpunkte festgelegt hatte, konnte ihm nicht gefallen, weshalb er die Sozialdemokraten wo immer es ging provozierte – zum Beispiel mit der Weigerung, ein im Landtag gegen CDU und FDP beschlossenes Gesetz &#252;ber die Abschaffung der Studiengeb&#252;hren zu verk&#252;nden, weil es fehlerhaft sei. Das f&#252;hrte viele in der SPD wieder zusammen, und einige spielten nun mit dem Gedanken, Ypsilanti einen <a href="http://www.faz.net/s/Rub422EC9ABCA074572B6F3F53A6BDC4758/Doc~EE3F5B55C921D444195CF1DEAE83564CB~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">erneuten Anlauf auf die Regierungsbildun</a>g nahezulegen, damit jedoch vor allem eigene Ziele zu verfolgen. Zu ihnen geh&#246;rten von Anfang an J&#252;rgen Walter und Armen Everts; sp&#228;ter zogen sie Silke Tesch auf ihre Seite, und wie Dagmar Metzger abstimmen w&#252;rde, wussten sie.</p>
<p>Das Kalk&#252;l war, ein B&#252;ndnis – auch mit der Linkspartei – zu ihren Bedingungen, was vor allem Regierungsposten betraf, zu tolerieren. F&#252;r Koch war diese Entwicklung nicht ohne Risiken, falls die Abweichler Erfolg haben w&#252;rden. Er aber sch&#228;tzte Andrea Ypsilanti und ihre Anh&#228;nger richtig ein; sie waren nicht bereit, dem rechten Fl&#252;gel in der Partei Zugest&#228;ndnisse zu machen – vor allem, weil sie linke Politik durchzusetzen gedachten. F&#252;r Koch gen&#252;gte es, dass die vier SPD-Rechten bei Scheitern ihrer Pl&#228;ne ihren Beitrag zu Neuwahlen leisteten, indem sie Ypsilanti in Regen stehen lie&#223;en. Nach der aggressiven Kampagne gegen Andrea Ypsilanti konnte er mit einem Wahlsieg rechnen. Als Ende Oktober die Fronten innerhalb der SPD klar waren, entschieden sich die Abweichler f&#252;r ein Votum zugunsten Roland Kochs. Und damit es nicht schief ginge, inszenierten sie es so theatralisch, damit der Schaden f&#252;r die SPD gr&#246;&#223;tm&#246;glichst werde. Wenn nicht Kochs Berater selbst bei dieser Schmierenkom&#246;die ihre H&#228;nde im Spiel hatten, erwies sich J&#252;rgen Walter als ein gelehriger Sch&#252;ler seines Ministerpr&#228;sidenten.</p>
<p>Bleibt zu fragen, was die FASZ letztlich veranlasste, die Wahrheit &#252;ber die Anti-Ypsilanti-Intrige ans Licht zu bringen, nachdem sie zuvor ma&#223;geblich an deren Entwicklung mitgewirkt hatte. Vermutlich war es Beleidigtsein dar&#252;ber, wie unverfroren sich Roland Koch auch dieser Zeitung, hinter der angeblich immer einer kluger Kopf stecken soll, bediente, um seine Machtoptionen durchzusetzen. Vielleicht ist es auch ein wenig Scham, wie leicht man es dem brutalstm&#246;glichen Politiker dieses Landes gemacht hatte. Allerdings vergisst man dar&#252;ber die ideologische R&#228;son noch lange nicht. Man mag Koch ein wenig gram sein, aber gerade weil er so ist, h&#228;lt man ihn f&#252;r die beste L&#246;sung f&#252;r Hessen. Und unterwirft sich ihm mit der Neuinterpretation der Ypsilanti-Aff&#228;re ein zweites Mal, indem man sorgf&#228;ltig bem&#252;ht ist, ihn auf keinen Fall in die Schusslinie geraten zu lassen.</p>
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		<title>Rechte SPD als Geburtshelfer von Schwarz-Gelb</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jan 2009 16:42:43 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die M&#228;r, dass durch den Einzug von f&#252;nf oder gar mehr Parteien in die Volksvertretungen das parlamentarische System destabilisiert w&#252;rde, hat sich nun auch in Hessen ad absurdum gef&#252;hrt &#8211; wie zuvor schon in Niedersachsen und Bayern. In allen drei Bundesl&#228;ndern gibt es schon bzw. demn&#228;chst stabile Regierungen, obwohl in ihren Parlamenten jeweils f&#252;nf Parteien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die M&#228;r, dass durch den Einzug von f&#252;nf oder gar mehr Parteien in die Volksvertretungen das parlamentarische System destabilisiert w&#252;rde, hat sich nun auch in Hessen ad absurdum gef&#252;hrt &#8211; wie zuvor schon in Niedersachsen und Bayern. <span id="more-703"></span>In allen drei Bundesl&#228;ndern gibt es schon bzw. demn&#228;chst stabile Regierungen, obwohl in ihren Parlamenten jeweils f&#252;nf Parteien sitzen. Auff&#228;llig ist jedoch, dass es in allen drei F&#228;llen schwarz-gelbe Koalitionen sind, die die Mehrheit gewannen. Und dass dort zugleich die SPD so schlechte Ergebnisse wie kaum zuvor erzielte. Wo CDU/CSU und FDP re&#252;ssierten, war und ist das mit dem Niedergang der Sozialdemokratie verbunden.</p>
<p>Ein Zufall ist das freilich nicht, hat doch die SPD durch ihre rechtslastige Politik <a href="http://www.fr-online.de/top_news/1661572_Hebel-hat-die-Wahl.html" target="_blank">die eigene Anh&#228;ngerschaft minimiert </a>und damit dem so genannten b&#252;rgerlichen Lager zum Aufschwung verholfen. Insofern bet&#228;tigte sich die rechte SPD als Geburtshelfer von Schwarz-Gelb &#8211; und es sieht so aus, als wolle sie das auch weiterhin tun. Dabei &#252;bersieht sie geflissentlich jene Signale, die aus dem hessischen Wahlergebnis eben auch abzulesen sind &#8211; und zwar aus den <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E6DB2FD73EBD9449896D9161B5BD7D751~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Resultaten von Gr&#252;nen und Linkspartei</a>. Beide, die sich mit dem Ziels eines Neuanfangs in Hessen ohne Koch trotz vielf&#228;ltiger eigener Bauchschmerzen zum Zusammengehen mit der schwankenden SPD durchgerungen hatten, verloren nicht nur nicht an Stimmen, sondern gewannen noch dazu, vor allem die Gr&#252;nen, in Prozentzahlen aber auch die Linken trotz der medial gen&#252;sslich ausgemalten inneren Querelen. Es war also allein die SPD, die von den W&#228;hlern f&#252;r das Scheitern des Politikwechsels abgestraft wurde; wobei es zu kurz greift, die alleinige Schuld bei Andrea Ypsilanti zu suchen. Zwar m&#246;gen jene SPD-W&#228;hler des Jahres 2008, die jetzt zur FDP oder CDU wechselten (die ihrerseits Stimmen an die FDP verlor), damit gegen Ypsilanti votiert haben, aber die andere H&#228;lfte der SPD-Verluste findet sich jetzt bei den Gr&#252;nen wieder; das sind ohne Zweifel diejenigen, die auf ein Gelingen des rot-gr&#252;n-roten Projekts gehofft hatten.</p>
<p>Dass dieses Vorhaben nicht gelang, war jedoch wesentlich dem Vorgehen rechter SPD-Kreise geschuldet. Sie hatten schon bald nach Ypsilantis Wahlerfolg vom vergangenen Janaur eine kaum verh&#252;llte Kampagne gegen sie losgetreten, in die dann auch der damalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck einbezogen wurde, weil er nach Meinung der SPD-Rechten nicht entschieden genug gegen die hessischen Pl&#228;ne vorging. Diese Kreise ermutigten auch ihre Parteig&#228;nger innerhalb der hessischen SPD, das rot-gr&#252;n-rote Projekt zu Fall zu bringen; die Etablierung des Schr&#246;der-Vertrauten Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidat war dann nur noch der letzte Baustein zur geplanten Fortsetzung der gro&#223;en Koalition, der nach Lage der Dinge einzigen Konstellation, in der die SPD auch nach der n&#228;chsten Bundestagswahl wieder Kabinettsposten besetzen kann.</p>
<p>Das allerdings k&#246;nnte sich leicht als Irrtum erweisen, denn Hessen hat gerade gezeigt, dass die FDP durchaus in der Lage ist, wirtschaftsliberale und von der diesbez&#252;glich vorsichtigen Merkel-Politik entt&#228;uschte Unionsanh&#228;nger aufzufangen, w&#228;hrend die CDU zugleich von der SPD jene abzieht, die sich sagen: Wenn schon Rechtskurs, dann mit denen, die mehr davon verstehen. Die 25 bis 30 Prozent, die vielleicht dennoch weiter zur SPD halten, sind dann f&#252;r politische Mehrheiten in diesem Land nicht mehr relevant &#8211; es sei denn, man rei&#223;t die gegen Links errichtete Mauer ein.</p>
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		<title>Franz M&#252;nteferings Halbschritt</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Dec 2008 18:08:11 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Opposition ist Mist, hat der SPD-Vorsitzende Franz M&#252;ntefering einmal verk&#252;ndet; jetzt aber scheint ihm auch das Regieren zu stinken, zumal die SPD in der gro&#223;en Koalition zur reinen Erf&#252;llungsgehilfin der Union verkommen ist, weil sie CDU und CSU nur noch dazu dient, jene &#8211; auch verfassungs&#228;ndernden Mehrheiten &#8211; zu besorgen, die diese in anderen Konstellationen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Opposition ist Mist, hat der SPD-Vorsitzende Franz M&#252;ntefering einmal verk&#252;ndet; jetzt aber scheint ihm auch das Regieren zu stinken, zumal die SPD in der gro&#223;en Koalition zur reinen Erf&#252;llungsgehilfin der Union verkommen ist, weil sie CDU und CSU nur noch dazu dient, jene &#8211; auch verfassungs&#228;ndernden Mehrheiten &#8211; zu besorgen, die diese in anderen Konstellationen kaum bekommen h&#228;tten. <span id="more-668"></span>Letzter schlagender Beweis daf&#252;r: das BKA-Gesetz, das sich vermutlich als verfassungswidrig erweisen wird, zu dessen Verabschiedung die SPD aber nach kurzer Schamfrist willig die Hand reichte.</p>
<p>Der Partei hat das in der W&#228;hlerschaft keinen Bonus gebracht; im Gegenteil. Die Umfragewerte zeigen stabil nach unten. Der Kanzlerkandidat wei&#223; nicht so recht, ob er nicht gleich wieder nur als Vizekanzlerkandidat antreten soll, der sich von Angela Merkel die Linie vorgeben l&#228;sst &#8211; so wie fr&#252;her von Gerhard Schr&#246;der. Und in der SPD haben sic h allzu viele schon in ihren Regierungs&#228;mtern h&#228;uslich eingerichtet, als dass sie nun die Hausherren durch allzu forsche Wahlkampfspr&#252;che ver&#228;rgern wollen.</p>
<p>Einem Parteichef kann das nicht gen&#252;gen, auch wenn es ihm nicht wirklich gegen den strich geht. Er muss zumindest den Eindruck erwecken, er h&#228;tte auch noch andere Optionen &#8211; schon um die Erosion auf der linken Seite der Partei aufzuhalten, die entweder die Linkspartei best&#228;ndig st&#228;rkt oder aber seine Autorit&#228;t untergr&#228;bt, indem man &#8211; zum Beispiel demn&#228;chst im Saarland &#8211; einfach tut, was sinnvoll ist, ohne sich Berliner Befehlen zu beugen. Also r&#228;umt M&#252;ntefering z&#228;hneknirschend eine alte, l&#228;ngst &#252;berholte Position, freilich nur halbherzig, weil es ihm eben nicht Herzenssache ist.</p>
<p>So bleibt es beim <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,597964,00.html" target="_blank">inkonsequenten Halbschritt </a>- angeblich weil M&#252;ntefering »wirklich keine Lust mehr drauf« hat, sich mit Oskar Lafontaine an einen Tisch zu setzen. Es zeugt von der totalen Argumentationsschw&#228;che des SPD-Chefs, wenn er seine pers&#246;nliche Befindlichkeit zum Ma&#223;stab von Koalitionsabsprachen macht. Und es verr&#228;t, dass es ihm eben auch jetzt nicht um die Sache, n&#228;mlich origin&#228;r sozialdemokratische Politik, geht, sondern um ein taktisches Man&#246;ver, das seine Partei in eine bessere Lage gegen&#252;ber der Union bringen soll, ohne tats&#228;chlich mit der vom b&#252;rgerlichen Partner vorgegebenen Politik zu brechen. Wer in der SPD mehr Lust versp&#252;rt, sich mit Guido Westerwelle an einen Tisch zu setzen als mit Oskar Lafontaine, demonstriert allein schon dadurch seine Abkehr von Grundprinzipien der Sozialdemokratie.</p>
<p>In M&#252;nteferings Verst&#228;ndnis soll der Rechtskurs der SPD unbedingt erhalten bleiben, auch wenn der Vorsitzende den Tatsachen wenigstens taktisch irgendwie Rechnung tragen muss. Die harsche Ablehnung der Idee Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbels, Spitzenkandidat der hessischen SPD,  die Reichen des Landes mit einer <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,597958,00.html" target="_blank">Zwangsanleihe</a> zur Kasse zu bitten, auch seitens der Bundes-Partei zeigt das deutlich. Hier sitzt man lieben mit Union und FDP in einem Boot. Es zeigt aber zugleich: Der SPD-Linken b&#246;te dieser Schlingerkurs durchaus die Chance, der Rechtslastigkeit der F&#252;hrung etwas Zukunftsweisenderes entgegenzusetzen &#8211; wenn sie denn die Traute dazu hat.</p>
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		<title>Clement macht den Lafontaine – nach rechts</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2008/11/25/clement-macht-den-lafontaine-nach-rechts/</link>
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		<pubDate>Tue, 25 Nov 2008 18:55:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass Wolfgang Clement der SPD noch einmal einen Gefallen tun w&#252;rde, damit hatte man kaum noch rechnen k&#246;nnen. Er tat es heute dennoch, indem er die Partei, die nicht die Traute hatte, ihm ihrerseits den Laufpass zu geben, nun selbst verlie&#223;. Besser als seine Genossen hatte er wohl erkannt, dass er weder so sozial noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass Wolfgang Clement der SPD noch einmal einen Gefallen tun w&#252;rde, damit hatte man kaum noch rechnen k&#246;nnen. Er tat es heute dennoch, indem er die Partei, die nicht die Traute hatte, ihm ihrerseits den Laufpass zu geben, nun selbst verlie&#223;. <span id="more-603"></span>Besser als seine Genossen hatte er wohl erkannt, dass er weder so sozial noch so demokratisch ist, wie es der Name der SPD verspricht &#8211; und zog die Konsequenzen. Das immerhin sollte man ihm zugute halten. Er stellte seine &#220;berzeugung vor einen faulen Kompromiss &#8211; so wie einst auch Oskar Lafontaine; da wundert es nicht, dass einige <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/kommentare/1635465_Unter-Egomanen.html" target="_blank">zwischen beiden Parallelen sehen</a>.</p>
<p>Aber nat&#252;rlich gibt es zwischen beiden einen gro&#223;en Unterschied. Weil Lafontaine die SPD verlie&#223;, weil er sie nicht mehr sozial und vielleicht auch nicht mehr demokratisch genug fand, w&#228;hrend Clement davon wohl eher noch zu viel in der Partei diagnostizierte. Wo der eine in der SPD das Markenzeichen Links zunehmend vermisste, wollte der andere sie nach rechts zerren, was ein gro&#223;es St&#252;ck weit auch gelang, ihm aber noch nicht genug. Nun kann er bei der FDP, die das auch schon eilig anbot, oder im Wirtschaftsfl&#252;gel der CDU eine neue Heimat finden; dort d&#252;rften sich Konflikte mit den Parteifreunden in Grenzen halten.</p>
<p>Und das nicht zuletzt deshalb, weil Wolfgang Clement nicht einfach aus der SPD austrat, sondern diesen Austritt auch noch so inszenierte, dass seine Ex-Partei davon einen <a href="http://www.faz.net/s/Rub5A6DAB001EA2420BAC082C25414D2760/Doc~E3AE6FCAE602F48ED9C6BC0799DC7DC4E~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">m&#246;glichst gro&#223;en Schaden </a>davon tr&#228;gt &#8211; zur betr&#228;chtlichen Freude der politischen Konkurrenz. Wochenlang hielt er seine Personalie in einer zerst&#246;rerischen Diskussion, aber erst als diese beendet wurde, schoss er den Giftpfeil ab. Er folgte damit getreulich den Beispiel von dreien der vier Abweichler in der hessischen SPD. Auch sie lie&#223;en ihre Partei monatelang diskutieren, doch erst als sich eine Entscheidung abzeichnete, schlugen sie zu. Eigentlich handelt so nur jemand, dem es weniger darum geht, seine Genossen f&#252;r die eigene &#220;berzeugung zu gewinnen, als um den gr&#246;&#223;tm&#246;glichen Schaden f&#252;r die Partei, ihre Bestrafung daf&#252;r, dass sie mehrheitlich bei ihrer anderen Meinung blieb.</p>
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