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	<title>blogsgesang.de &#187; Lafontaine</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Saarl&#228;ndisches Passspiel zwischen CDU und Linkspartei</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 18:45:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer<span id="more-3584"></span> das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis durch eine stabilere Koalition mit der SPD zu ersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>F&#252;r sie war klar, dass sie in der Regierung mit FDP und Gr&#252;nen, beide unsichere Kantonisten, nur verlieren konnte; vor allem die CDU w&#252;rde nach dem absehbaren Koalitionsbruch als Verlierer dastehen. Also trat sie die Flucht nach vorn an, beendete selbst das B&#252;ndnis und machte unverz&#252;glich der SPD ein Angebot, das dieser endlich das Mitregieren, ihr aber das Weiterregieren sicherte. Im besten Falle w&#252;rden die Sozialdemokraten um winkender Ministerposten willen sogar sie selbst weiter als Ministerpr&#228;sidentin akzeptieren. Im wahrscheinlicheren – und <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/vor-neuwahl-im-saarland-zaudern-zoegern-taktieren-11616784.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2c20f74ea6a34500aae519aeee46be01" alt="" width="1" height="1" />nun eingetretenen</a> – Fall von Neuwahlen bliebe ihr zumindest die Chance auf ein Resultat, das zum gleichen Ergebnis f&#252;hrte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hintergrund einer solchen Hoffnung ist ein saarl&#228;ndisches Alleinstellungsmerkmal f&#252;r die westlichen Bundesl&#228;nder, n&#228;mlich die einmalige <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/216308.linke-will-wieder-dritter-werden.html" target="_blank">St&#228;rke der Linkspartei</a>. Bei den Landtagswahlen 2009 errang sie mit ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine, der dort schon einmal f&#252;r die SPD eine sehr erfolgreicher Ministerpr&#228;sident war, 21,3 Prozent der Stimmen, nur 3,2 Prozent weniger als die Sozialdemokraten. Daf&#252;r, dass dies wiederholbar ist, gibt es zwar keine Garantie, aber ein sehr ordentliches zweistelliges Resultat ist f&#252;r die Linke durchaus drin; es w&#252;rde vermutlich erneut vor allem zu Lasten der SPD gehen. Genauso d&#252;rfte Kramp-Karrenbauer kalkulieren, auch wenn Umfragen aus dem letzten Jahr die Sozialdemokraten knapp vorn sahen. Sie ist also durchaus an einem guten Wahlergebnis der Linken interessiert, denn dies k&#246;nnte sich als steiler Pass in den gegnerischen Strafraum erweisen, mit dem sich bei eigener guter Leistung der erw&#252;nschte Erfolg sicherstellen lie&#223;e.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber auch f&#252;r die Linkspartei ergibt sich daraus eine unerwartete Chance. Sie kann – im Kleinversuch – ausprobieren, ob eine wahrhaft alternative Politik zum entfesselten Kapitalismus, wie sie Oskar Lafontaine glaubw&#252;rdig vertritt, w&#228;hlerwirksam ist, woran j&#252;ngst Zweifel aufgekommen sind. Nachdem ihre Unterwerfung unter den – wenn auch sozialdemokratisch angehauchten – vorgeblich alternativlosen Politikstil in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und vor allem Berlin bereits gescheitert ist und in Brandenburg ebenfalls zu scheitern droht, ist dies ihre vielleicht letzte M&#246;glichkeit, als eigenst&#228;ndige Kraft wahr- und dann auch angenommen zu werden. Dass ihr die ausgerechnet die CDU verschafft, belegt einmal mehr die Ironie der Geschichte, die sich von ideologischen Grenzziehungen nicht beeindrucken l&#228;sst.</p>
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		<title>Auch Saarlands Ministerpr&#228;sident Peter M&#252;ller kapituliert vor dem Machtverlust der Politik</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Aug 2011 09:57:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Ein »Markenzeichen f&#252;r erfolgreichen Wandel« sei das Saarland in den zw&#246;lf Jahren seiner Regentschaft als Ministerpr&#228;sident geworden, erkl&#228;rte Peter M&#252;ller gestern. Dennoch scheidet er heute – 55-j&#228;hrig – freiwillig aus dem Amt. Auf Fragen nach dem Warum blieb er einsilbig. Der letzte Wilde flieht aus der Ohnmacht Es war einmal ein junger, hoffnungsvoller Amtsrichter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Ein »Markenzeichen f&#252;r erfolgreichen Wandel« sei das Saarland in den zw&#246;lf Jahren seiner Regentschaft als Ministerpr&#228;sident geworden, erkl&#228;rte Peter M&#252;ller gestern. Dennoch scheidet er heute – 55-j&#228;hrig – freiwillig aus dem Amt. Auf Fragen nach dem Warum blieb er einsilbig.<span id="more-3001"></span></p>
<h2>Der letzte Wilde flieht aus der <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article13536565/Kramp-Karrenbauer-scheitert-im-ersten-Wahlgang.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/e1ef4959c0184f9b8a8bf073652d5530" width="1" height="1" alt="">Ohnmacht</a></h2>
<p>Es war einmal ein junger, hoffnungsvoller Amtsrichter im saarl&#228;ndischen Ottweiler, der es schon bald ans Landgericht in Saarbr&#252;cken brachte. Eine solide juristische Karriere schien ihm sicher, w&#228;re da nicht seine zweite Leidenschaft gewesen – die Politik. Er hatte sich bereits in der Jungen Union umgetan, und als ihn dann gar der damalige CDU-Landesvorsitzende Klaus T&#246;pfer ermutigte, sich um ein Landtagsmandat zu bewerben, konnte er der Verlockung nicht widerstehen. 1990 wurde Peter M&#252;ller Abgeordneter und sogar Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrer; ein »politisches Naturtalent«, wie damals eine Zeitung schrieb, schien geboren.</p>
<p>Und tats&#228;chlich war M&#252;ller nicht bereit, dem »Sofa-Syndrom« zu verfallen, das er bald schon allen vorwarf, die nur gebannt auf den Chef blickten, der in den 90ern noch Helmut Kohl hie&#223;. Der &#220;ber-Kanzler war f&#252;r ihn ebenso wenig sakrosankt wie nat&#252;rlich der damalige saarl&#228;ndische SPD-Ministerpr&#228;sident Oskar Lafontaine, dem er Strukturkonservatismus und mangelnde Zukunftsf&#228;higkeit vorwarf. Im jugendlichen &#220;berschwang wollte M&#252;ller nicht nur das Saarland ver&#228;ndern, sondern dazu die eigene Partei erneuern und wohl auch ein wenig die Welt.</p>
<h3>Er wollte das  »Bayern des S&#252;dwestens«</h3>
<p>Zun&#228;chst lie&#223; sich das Unternehmen gar nicht so schlecht an. Der CDU-Nachwuchsmann wurde bald Fraktionschef und 1995 – gerade 40-j&#228;hrig – Landesvorsitzender. Er fand in anderen L&#228;ndern Gleichgesinnte wie Roland Koch, Christian Wulff, Ole von Beust oder G&#252;nther Oettinger, die als »junge Wilde« bald als kommende F&#252;hrungsgeneration der CDU galten. Schlie&#223;lich gelang ihm 1999 ein gro&#223;er Coup. Er jagte den Sozialdemokraten eins ihrer Stamml&#228;nder ab und regierte nun das Saarland sogar mit absoluter Mehrheit.</p>
<p>Jetzt barst M&#252;ller, der ohnehin nie an Minderwertigkeitskomplexen litt, fast vor Selbstbewusstsein. Nun sollte die Saar, das kleinste Fl&#228;chenbundesland, zum »Bayern des S&#252;dwestens« werden. Er wollte aus der vom Bergbau gepr&#228;gten Region ein Zentrum von Informatik und Biotechnologie machen. Er demonstrierte soziale Sensibilit&#228;t, indem er seine Sozialministerin aus der DGB-F&#252;hrung holte und schrittweise die geb&#252;hrenfreie Kitabetreuung einf&#252;hrte. Und er lie&#223; sich nicht in ausl&#228;nderfeindliche Kampagnen seiner Partei einspannen, sondern m&#252;hte sich als Chef ihrer Zuwanderungskommission um moderate L&#246;sungen.</p>
<p>Peter M&#252;ller schwamm auf einer Erfolgswoge. 2003 wurde er zum »Ministerpr&#228;sidenten des Jahres« gew&#228;hlt. 2004 verbesserte er sein Wahlergebnis gar noch und konnte mit sichererer Mehrheit weiter allein regieren. Immer &#246;fter wurde auch sein Name genannt, wenn es um das k&#252;nftige F&#252;hrungspersonal der CDU ging; 2005 geh&#246;rte er zum »Kompetenzteam« Angela Merkels und war f&#252;r ein Bundesministerium gesetzt. Doch die Bl&#252;tentr&#228;ume reiften nicht. Gerade M&#252;llers soziale Ader – er stammt aus einem SPD-Elternhaus – machte ihn f&#252;r die anstehende Koalition mit der SPD ungeeignet; jetzt waren bei der Union lupenreine Konservative gefragt. M&#252;ller blieb am Rande der Republik.</p>
<p>Aber auch im Saarland liefen die Dinge jetzt nicht mehr so gut. Vor allem die Finanzkrise 2008 machte ihm unmissverst&#228;ndlich die Grenzen politischen Handelns angesichts entfesselter Marktkr&#228;fte deutlich. Die saarl&#228;ndischen Zulieferer f&#252;r die Autoindustrie und andere Zweige reduzierten die Produktion – mit Folgen f&#252;r Arbeitsmarkt wie Steuerertr&#228;ge. Die Verschuldung des Haushalts stieg; mit fast 10 000 Euro stand faktisch jeder Saarl&#228;nder Ende 2008 in der Kreide. Die Quittung f&#252;r den abrupten wirtschaftlichen Niedergang kam bei der Landtagswahl 2009, als die CDU 13 Prozent der Stimmen verlor und M&#252;ller sein Amt nur in einer schillernden »Jamaika-Koalition« retten konnte, die er seither recht und schlecht moderierte, kaum noch selbstst&#228;ndig Politik gestaltete.</p>
<p>In diesem Dilemma aber steht Peter M&#252;ller nicht allein. Der Finanzcrash, der bis in die Gegenwart nachwirkt und immer neue Turbulenzen ausl&#246;st, hat ganz allgemein die Ohnmacht der Politik gegen&#252;ber der Wirtschaft, vor allem der Finanzbranche, offen gelegt. Diese hat nicht zuletzt auch die einstigen »jungen Wilden« gez&#228;hmt, die inzwischen in breiter Front aus der Politik geflohen sind oder sich auf eher repr&#228;sentative Posten zur&#252;ckzogen. So wurde Christian Wulff Bundespr&#228;sident und G&#252;nther Oettinger EU-Kommissar. Der Hesse Roland Koch quittierte ebenso wie der Hamburger Ole von Beust den Dienst als Landeschef – und jetzt eben auch Peter M&#252;ller. Was sie dazu bewegte, d&#252;rfte Koch am eindringlichsten beschrieben haben. Er habe seine Entscheidung zum Abschied aus der Politik getroffen, »auf der Basis, was ich bewirken kann«. Und dabei festgestellt: »An einem bestimmten Punkt tritt f&#252;r Politiker ein Verschlei&#223;prozess ein, der gr&#246;&#223;er ist als seine Gestaltungsmacht &#8230; Man darf nicht den Eindruck erwecken, man habe eine Gestaltungsmacht, die man gerade verliert.«</p>
<h3>»Du hast doch einen ordentlichen Job«</h3>
<p>Er und andere haben begriffen, wo die wirkliche »Gestaltungsmacht« liegt. Sie wechselten zumeist in die Wirtschaft – Koch zum Baukonzern Bilfinger Berger, von Beust zur Unternehmensberatung Roland Berger. M&#252;ller, den einst der »Spiegel« als »Mischung aus Mr. Bean und Inspektor Columbo« bezeichnete, liegt die brutale Wirtschaftswelt offensichtlich nicht so sehr; er erinnerte sich vielmehr der Fassungslosigkeit seiner fr&#252;heren Richterkollegen, die 1990 den Kopf sch&#252;ttelten: »Bist du verr&#252;ckt? Du hast doch einen ordentlichen Job.« In diesen will er jetzt reum&#252;tig zur&#252;ckkehren und w&#252;rde dem Vernehmen nach gern Bundesverfassungsrichter werden.</p>
<p>So beendet einer, der auszog, die Welt, seine CDU oder doch wenigstens das Saarland zu ver&#228;ndern, heute ein am Ende wenig ergiebiges Abenteuer und kehrt zu seinen Wurzeln zur&#252;ck. Einen immerhin hat Peter M&#252;ller ver&#228;ndert – seinen Vater, der als jahrzehntelanges SPD-Mitglied 1999 erstmals christdemokratisch w&#228;hlte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Ver&#246;ffentlicht in: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/204064.der-letzte-wilde-flieht-aus-der-ohnmacht.html" target="_blank">Neues Deutschland vom 10.08.11</a>)</p>
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		<title>Merkel managt den Bedeutungsschwund der Politik</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2010/07/25/merkel-managt-den-bedeutungsschwund-der-politik/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 13:43:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Politik ist es wie im wirklichen Leben. Da kann es – im Unternehmen, der Beh&#246;rde, dem wissenschaftlichen Institut – noch so kluge Geister geben, kreative Denker, innovative Macher; das Sagen aber haben am Ende sie alle nicht, sondern nur der, der &#252;ber das n&#246;tige Geld verf&#252;gt. Er – oder sie – bestimmt, was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Politik ist es wie im wirklichen Leben. Da kann es – im Unternehmen, der Beh&#246;rde, dem wissenschaftlichen Institut – noch so kluge Geister geben, kreative Denker, innovative Macher; das Sagen aber haben am Ende sie alle nicht, sondern nur der, der &#252;ber das n&#246;tige Geld verf&#252;gt. <span id="more-1810"></span>Er – oder sie – bestimmt, was gemacht wird, und er – oder sie – st&#252;tzt sich dabei auf jene Leute, die diesen Willen am effizientesten umsetzen k&#246;nnen – im Zweifel ohne jede R&#252;cksichtnahme auf Leute, die der Geldgeber in seiner Wirkung f&#252;r marginal und deshalb f&#252;r irrelevant h&#228;lt.</p>
<p>Im Denken des Kapitalisten, wie wir zu Recht den kollektiven Geldgeber unserer Zeit nennen k&#246;nnen, hat Politik stets nur eine dienende Funktion. Sie war vor allem in Zeiten willkommen, als es weltweit eine politische Alternative gab; da hatte sie die Aufgabe, diese Alternative zu b&#228;ndigen und ihre Wirkung auf das kapitalistische Wirtschaften m&#246;glichst klein zu halten. Dieser Auftrag an die Politik ist derzeit weggefallen, und auch ihre innere Funktion, die Bev&#246;lkerung im Sinne kapitalistischen Denkens zu formieren, hat dadurch an Bedeutung verloren.</p>
<p>Inzwischen hat die Wirtschaft mit ihren riesigen und weit verzweigten Lobbyverb&#228;nden sowohl diese propagandistische Ausrichtung als auch – und vor allem – einen Kernbereich der Regierungst&#228;tigkeit, die Gesetzgebung, schon weitgehend &#252;bernommen. Sogar exekutive Aufgaben zieht sie immer weiter auf sich – wenn man an die zahllosen Wach- und Sicherheitsdienste im Innern und Privatarmeen im Ausland denkt. Politik reduziert sich so immer mehr aufs Verwalten, auf b&#252;rokratische Vollzugsvorg&#228;nge dessen, worauf die Politik inhaltlich kaum noch Einfluss hat. Und auch da nur auf eher Nebens&#228;chliches, w&#228;hrend die Wirtschaft die entscheidenden Abl&#228;ufe unter ihrer Kontrolle h&#228;lt.</p>
<p>Vor solchem Hintergrund ist logisch, dass vor allem Politiker, die sich – wie immer man sich zu ihnen inhaltlich stellen mag – <a href="http://www.taz.de/1/debatte/sonntazstreit/artikel/1/zwei-oder-drei-legislaturperioden-reichen/" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/003402d8c4554ab481a190d3b4888a9f" alt="" width="1" height="1" />nicht auf solches Verwalten reduzieren lassen</a>, sondern tats&#228;chlich noch gestalten wollen, zunehmend desillusioniert sind und sich andere Bet&#228;tigungsfelder suchen. Einige von ihnen mussten zwar erst durch die W&#228;hler unsanft auf ihre Wirkungslosigkeit hingewiesen werden und gingen nur z&#246;gernd. Dazu geh&#246;rten nicht allein die jetzt genannten J&#252;rgen R&#252;ttgers oder Dieter Althaus, sondern zuvor schon ein Gerhard Schr&#246;der, ein Joschka Fischer und ein Franz M&#252;ntefering. Andere, die kl&#252;geren zumeist, zogen selbst die Konsequenz, wie jetzt Roland Koch und Ole von Beust, auf andere Art auch Christian Wulff demonstrierten. Und vor allem Horst K&#246;hler, der auch jene Ebene kennt, wo die wirklichen Entscheidungen fallen – und sich pl&#246;tzlich auf der falschen Seite sah. Sie alle folgten damit &#252;brigens einem Oskar Lafontaine, der bereits vor mehr als zehn Jahren die Au&#223;ensteuerung der Politik erkannte, aber auch einem Gregor Gysi, der es ihm kurzzeitig – frustriert von seinem Senatsamt – gleichtat.</p>
<p>Dass es derzeit eine H&#228;ufung solcher erzwungenen wie freiwilliger R&#252;cktritte gibt, ist teils vielleicht Zufall; noch mehr aber verweist es vor dem Hintergrund der Vorg&#228;nge auf den Finanzm&#228;rkten und ihren n&#246;tigenden Auswirkungen auf die Politik auf deren eklatanten Bedeutungsschwund fast hinunter auf Null. ,</p>
<p>Es macht vielleicht die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/angela-merkel-im-sommer-2010-mutti-braucht-gar-keinen-urlaub-1585845.html" target="_blank">St&#228;rke von Angela Merkel </a>aus, dass sie – ganz anders beispielsweise als die sich in allerlei Spekulationen ergehenden Medien – diesen Sachverhalt offensichtlich begriffen hat. Sie wei&#223; wohl mit ihrer Pr&#228;gung durch die Naturwissenschaft l&#228;ngst, welches die Triebkr&#228;fte der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft sind und wie wenig sie als Politikerin darauf wirklich Einfluss nehmen kann. Ihrem <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/12/19/angela-merkel-die-minimalsekretaerin/" target="_blank">Naturell</a>, das ohnehin langfristigen Konzepten oder gar Visionen wenig abgewinnen kann, kommt das entgegen. Sie sieht ihre Daseinsberechtigung allein darin, den objektiven Bedeutungsschwund der Politik einigerma&#223;en zu managen, den Laden, wie sie gern sagt, zusammen zu halten.</p>
<p>Darin unterscheidet sie sich auch von Guido Westerwelle, der noch glaubt, Politik gestalten zu k&#246;nnen und damit gerade grandios scheitert. In diesem ma&#223;losen Anspruch des FDP-Vorsitzenden zeigt sich auch seine Beschr&#228;nktheit – ist es doch seine Partei, die mit ihrem politischen Credo, den Staat zu entmachten und ihm dazu als erstes die Finanzmittel zu entziehen, besonders intensiv auf den Bedeutungsschwund der Politik hinarbeitet.</p>
<p>Was die Kanzlerin betrifft, kann man ihr unter den obwaltenden Verh&#228;ltnissen durchaus noch eine Zukunft voraussagen. Das Managen politischen Bedeutungsschwundes bedarf keiner weltanschaulich ausgerichteten Parteien mehr – weshalb diese auch in einer tiefen Krise stecken. Es bedarf lediglich eines geschickten Managers – oder einer Managerin, der/die richtigen, weil geistesverwandten Personen um sich sammelt. Deren politische Meinung ist sekund&#228;r, und so sollten sie selbst sie auch behandeln. Angela Merkel hat so mit der SPD vier Jahre regiert. Sie bringt dergestalt gerade FDP und CSU auf Linie und k&#252;mmert sich kaum um die Befindlichkeiten der eigenen Partei. Sie wird vielleicht geeignete Partner bei den Gr&#252;nen oder anderswo finden. F&#252;r das, was Politik derzeit noch bewegen kann, reichen derlei kleine Br&#246;tchen allemal.</p>
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		<title>Lafontaines Botschaft: Nur St&#228;rke erlaubt Mitgestaltung</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 19:57:10 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nat&#252;rlich ist es nicht die feine englische Art, in der Oskar Lafontaine und sein westgepr&#228;gtes Umfeld die innerparteiliche Auseinandersetzung in der Linken f&#252;hrten und f&#252;hren. Da gibt es &#220;bertreibungen, vielleicht auch L&#252;gen, Intrigen und m&#246;glicherweise auch ein St&#252;ck Erpressung. Mit »politischer Kultur« ist das wahrlich kaum zu beschreiben, doch sei die Frage erlaubt, inwieweit solch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nat&#252;rlich ist es nicht die feine englische Art, in der Oskar Lafontaine und sein westgepr&#228;gtes Umfeld die innerparteiliche Auseinandersetzung in der Linken f&#252;hrten und f&#252;hren. Da gibt es &#220;bertreibungen, vielleicht auch L&#252;gen, Intrigen und <span id="more-1461"></span>m&#246;glicherweise auch ein St&#252;ck Erpressung. Mit »<a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/163552.liebe-deine-feinde-hasse-deine-freunde.html" target="_blank">politischer Kultur</a>« ist das wahrlich kaum zu beschreiben, doch sei die Frage erlaubt, inwieweit solch erstrebenswerter kulturvoller Umgang in einer mit Recht als Raubtier-Kapitalismus beschriebenen Gesellschaft &#252;berhaupt realistisch ist. Kann sich die Linke, wenn sie in Machtk&#228;mpfen mitmischen will, eine Gangart leisten, die es jedem Recht machen will und vor allem darauf achtet, keinen zu verletzen? Der politische Gegner jedenfalls wird solche »Hochherzigkeit« immer brutalstm&#246;glich ausnutzen und darauf aufbauend den Spaltungsvirus in die Partei tragen. Eine monolithische Partei will die Linke erkl&#228;rterma&#223;en nie wieder sein, doch der gern beschworene Pluralismus bedeutet eben unterschiedliche Positionen, die sich irgendwie dann doch immer gegeneinander in Stellung bringen lassen.</p>
<p>Wie das abl&#228;uft, hat Lafontaine in seiner <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/163378.wir-leisten-uns-ueberfluessige-personalquerelen.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/1966c72987c14aaeb982b001f8d774a9" alt="" width="1" height="1" />Rede auf dem Neujahrsempfang der saarl&#228;ndischen Landtagsfraktion</a> am Beispiel von SPD und Gr&#252;nen sehr anschaulich gemacht. Gegen solche Taktiken und jene, die – aus den unterschiedlichsten Gr&#252;nden, darunter auch respektablen – darauf hereinfalle, ist der Ex-SPD-Chef, selbst gebranntes Kind in dieser Sache, kompromisslos vorgegangen. Der Scherbenhaufen, den es dabei zur&#252;cklie&#223;, mag manchem nicht gefallen, aber vielleicht ist er besser als unversehrtes Porzellan, das als Ladenh&#252;ter im Regal steht. Oder das gar solche versteckten Risse aufweist, dass es beim ersten robusten Einsatz auseinander f&#228;llt. Vielleicht h&#228;tte man zum Beispiel in Brandenburgs linker Landtagsfraktion weniger kulturvolles Schulterklopfen gegen&#252;ber dem Nebenmann praktizieren sollen, sondern ihn hartn&#228;ckiger, schonungsloser danach fragen, ob es in seiner Biografie nicht vielleicht Bl&#246;&#223;en gibt, auf die der Gegner bei Bedarf seine Gesch&#252;tze richten k&#246;nnte.</p>
<p>Wer sich in der Beurteilung des Lafontaine-Bartsch-Konfliktes dennoch nicht den Regeln der in der b&#252;rgerlichen Gesellschaft dominierenden Kampfformen unterwerfen will, wird ungeachtet dessen z&#228;hneknirschend Lafontaine Recht geben m&#252;ssen, wenn er die Sache von der inhaltlichen Seite her betrachtet. Denn in der Sache hat der Saarl&#228;nder die <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0116/meinung/0040/index.html" target="_blank">Argumente auf seiner Seite</a>; selbst seine erbittertsten Gegner d&#252;rften das kaum leugnen. Und nicht zuletzt deshalb ist ihm auch Gregor Gysi, jeden Radikalismus unverd&#228;chtig, am Ende beigesprungen, wenn eben vielleicht auch z&#228;hneknirschend.</p>
<p>F&#252;r die Linkspartei ist gegenw&#228;rtig – und wohl noch f&#252;r eine ganze Weile – das Hauptproblem nicht die Regierungsbeteiligung, sondern der Ausbau ihrer St&#228;rke innerhalb der politischen Arena. Mit ihrem gerade einmal zweistelligen Wahlergebnis kann sie wirklichen Einfluss auf Regierungsentscheidungen nicht nehmen; es ist ihr ja nicht einmal mit bis zu doppelten Prozentanteilen in den &#246;stlichen Bundesl&#228;ndern gelungen. Erst weiterer Zuwachs f&#252;r die Linke bei Wahlen versetzt sie in die Lage, gestaltend Politik zu betreiben. Es sei denn, sie findet Partner, die &#228;hnliche Konzepte wie sie vertreten; in Hessen mit Andrea Ypsilanti und im Saarland mit Heiko Maas w&#228;re das vielleicht m&#246;glich gewesen. Und vielleicht finden sich auch anderswo in der SPD Personen, die sich auf deren urspr&#252;ngliche Wurzeln besinnen. Wohin es jedoch f&#252;hrt, zur Unzeit koalition&#228;re Gedankenspiele zu betreiben, hat gerade Dietmar Bartsch schmerzhaft erfahren m&#252;ssen, denn der nicht zuletzt von ihm im Wahlkampf 2002 vertretene SPD-freundliche Kurs f&#252;hrte die PDS damals in eine schwere Niederlage; nur die beiden Direktmandate von Gesine L&#246;tzsch und Petra Pau retteten damals &#252;berhaupt die Pr&#228;senz im Bundestag. Eine Wiederholung solchen Desasters will Lafontaine wohl verhindern; deshalb setzte er vor dem eigenen (teilweisen) Abgang noch einige Frontbegradigungen in der Parteif&#252;hrung durch. An der Linken ist es nun, damit sachbezogen umzugehen.</p>
<p>Die St&#228;rke »b&#252;rgerlicher« Politik ergab sich in der Vergangenheit nicht zuletzt daraus, dass sie jede Tendenz, die den eigenen Machtanspruch schm&#228;lern k&#246;nnte, nicht nur frontal, mit der Peitsche bek&#228;mpfte, sondern auch immer hintenherum, mit Zuckerbrot. Parteien und Personen auf der Linken, die ihrer Dominanz gef&#228;hrlich werden konnten, wurden so allm&#228;hlich an die eigenen Positionen herangezogen. Partiell kam man ihnen dabei auch entgegen, wandelte sich selbst da und dort inhaltlich, achtete aber sorgsam darauf, dass die Macht nicht auf Dauer entglitt. So wurden SPD wie Gr&#252;ne Bestandteile des Establishments – mit dem Ergebnis, dass uns heute eine konservativ-neoliberale Mannschaft regiert, die zum Sturm auf zivilgesellschaftliche und soziale Errungenschaften angetreten ist. Die Hauptgefahr f&#252;r einen solchen Kurs geht derzeit von der Linkspartei aus, weshalb vorrangig sie ins Visier des Herrschaftsapparates gelangt ist. Ob und inwieweit sie dessen Druck widerstehen und sich den gleichzeitigen Verlockungen entziehen kann, wird &#252;ber ihre k&#252;nftige Stellung in der politischen Arena entscheiden.</p>
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		<title>Parteijournalisten neuen Typs – zum Beispiel die Lafontaine-Vernichter</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 15:43:35 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wladimir Iljitsch Lenin war es, der vor der russischen Oktoberrevolution eine Zeitung gr&#252;ndete und f&#252;r sie eine eigene Theorie erfand – die von der »Presse neuen Typs«. Das war keine Weiterentwicklung des Journalismus, wie leninistische Theoretiker glauben machen wollten, sondern eher die Kreation eines Pressestellen-Journalismus, der vor allem Reklame und Marketing betreibt und sich – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wladimir Iljitsch Lenin war es, der vor der russischen Oktoberrevolution eine Zeitung gr&#252;ndete und f&#252;r sie eine eigene Theorie erfand – die von der »Presse neuen Typs«. Das war keine Weiterentwicklung des Journalismus, wie leninistische Theoretiker glauben machen wollten, sondern eher die Kreation eines Pressestellen-Journalismus<span id="more-1366"></span>, der vor allem Reklame und Marketing betreibt und sich – ganz anders als das meiste aus Lenins Theorienladen – nicht nur bis heute gehalten, sondern sogar noch betr&#228;chtlich ausgebreitet hat. So wie Lenin damals die Zeitung als Mittel verstand, f&#252;r seine bolschewistische Partei zu werben, mit ihr die Leserschaft aufzukl&#228;ren, um sie f&#252;r die aus seiner Sicht notwenigen Handlungen zu gewinnen – er betrachtete die Presse als »kollektiven Agitator, Propagandisten und Organisator«, so gibt es heute kaum ein Wirtschaftsunternehmen, Ministerium oder sonstige Beh&#246;rde, die nicht zum gleichen Zweck eine umf&#228;ngliche Presse- und Werbeabteilung unterhalten. Nicht um einen unabh&#228;ngigen Journalismus geht es ihnen, sondern – wie eben auch Lenin – um dessen Ausrichtung auf ihre eigenen Interessen.</p>
<p>Die so genannten seri&#246;sen Medien hierzulande m&#252;hen sich durchaus, den Verlockungen solchen <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1171/wenn-der-spiegel-mit-dem-oskar-und-der-sahra-%e2%80%a6" target="_blank">Reklamejournalismus</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/8d918f1174f14136a1e952a8b56ef038" width="1" height="1" alt=""> zu widerstehen, auch wenn das aus &#246;konomischen wie politischen Gr&#252;nden immer schwerer f&#228;llt. Besonders dann, wenn ein Vorgang beschrieben wird, der im Widerspruch zum »Mainstream« steht, ist zumindest der indirekte, manchmal aber auch der <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E28EFD94926E64CC08D46119C93101C8F~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">direkte Druck </a>gewaltig, die Fakten ein wenig am vorherrschenden Meinungsbild auszurichten. Der eine kommt dem nur z&#246;gernd und mit sichtlichem Unbehagen nach, der andere ist schon weiter und findet vielleicht sogar Gefallen an einer Berichterstattung, die in seinem Umfeld, das nicht unbedingt die Leser, H&#246;rer und Zuschauer sind, auf allgemeines Wohlwollen st&#246;&#223;t.</p>
<p>Eins der Themen, bei dem das besonders augenf&#228;llig wird, ist all das, was unter »Links« firmiert. Hier ist die mediale Ablehnung weitgehender Konsens, und der Journalist, der kr&#228;ftig in diese Kerbe haut, kann aus Sicht seiner Chefs und erst recht der Geldgeber kaum etwas falsch machen. Man muss da in diesen Tagen gar nicht zuerst an Oskar Lafontaine denken, sondern wurde &#252;ber das Muster j&#252;ngst am Beispiel des gerade zum SPD-Vorsitzenden gew&#228;hlten Sigmar Gabriel belehrt. Bei »Zapp« plauderte der Redakteur der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«, Michael Berger, aus, dass man in der kurzen Zeit Gabriels als Ministerpr&#228;sident Niedersachsens irgendwann fand, dass dieser sich zu oft als »Fanfare« produziert h&#228;tte. Die offensichtlich inhaltlich kaum begr&#252;ndete Reaktion: »Wir haben dann irgendwann in der Zeitung des Schalter umgelegt und gesagt: Nun kritisieren wir ihn mal ordentlich!«</p>
<p>Um wieviel mehr gilt das f&#252;r Lafontaine, der nat&#252;rlich auch kr&#228;ftig die Fanfare bl&#228;st – und dazu noch <a href="http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&amp;cccpage=17112009ArtikelKommentarKneffel1" target="_blank">aus der falschen Richtu</a>ng und mit einem aufwieglerischen Sound. Da ist man sich kaum zu schade, der Leninschen Theorie – ohne sie nat&#252;rlich zu kennen – konsequent zu folgen. Die Medien werden – bis auf wenige Ausnahmen – zum kollektiven Agitator, Propagandisten und Organisator einer Kampagne gegen den Feind, der beim russischen Revolution&#228;r der Klassenfeind war, was bei ihnen wohl Lafontaine gleicherma&#223;en ist, wenn auch mit ver&#228;ndertem Vorzeichen. F&#252;r die SED-Propaganda war jahrelang Franz Josef Strau&#223; der Prototyp des reaktion&#228;ren Nationalisten und Imperialisten. F&#252;r die b&#252;rgerlichen Medien spielt heute Oskar Lafontaine diese Rolle – als Prototyp des umst&#252;rzlerischen, so vaterlands- und prinzipienlosen Systemver&#228;nderers. Er kann tun oder lassen, was immer er will; <a href="http://www.readers-edition.de/2009/11/19/oskar-lafontaine-und-das-elend-des-deutschen-journalismus/" target="_blank">stets sucht man nach dem Haar in der Suppe</a>, nach einer Interpretation, die die Fakten irgendwie gegen ihn wendet.</p>
<p>Auf sogenannte seri&#246;se Medien ist das keineswegs begrenzt. Der <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,661508,00.html" target="_blank">»Spiegel« </a>hat sich schon lange aus der Kreis der so geadelten Bl&#228;tter verabschiedet und ist zur Bild-Zeitung f&#252;r Intellektuelle mutiert; jetzt m&#252;ht sich die <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/115/492471/text/" target="_blank">»S&#252;ddeutsche Zeitung«, </a>dem Hamburger Magazin nachzueifern. Jedenfalls war ihre Berichterstattung &#252;ber Oskar Lafontaine an B&#246;swilligkeit allenfalls noch von »Bild« und eben vom »Spiegel« zu &#252;berbieten. Immerhin hat sie noch Unbehagen versp&#252;rt und eine <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/670/495001/text/" target="_blank">Rechtfertigung</a> formuliert, aber gerade in dieser wurde auch der Unterschied deutlich, den man zwischen einem unakzeptablen Linken wie Lafontaine und einem »gel&#228;uterten« SPD-Mann wie zum Beispiel Peter Struck macht, wenn es um politischen Anstand geht. Bei Lafontaine hingegen dient selbst die mit Krokodilstr&#228;nen getr&#228;nkte Betroffenheitsgeste zu einem neuen Angriff auf die so tief verhasste Linkspartei – indem man sich nun <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/krank/" target="_blank">Bodo Ramelow </a>wegen seines dummen Kommentars zu Lafontaines Krebserkrankung vornimmt. Welch Gl&#252;ck, mag da mancher gedacht haben, wir m&#252;ssen nicht abr&#252;sten, sondern brauchen nur die Gesch&#252;tze auf das neue Ziel zu richten. Sie haben den Lenin verstanden, auch wenn sie ihn nie lasen.</p>
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		<title>Der Matschie des Saarlands hei&#223;t Hubert Ulrich</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 19:58:47 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Entscheidung der Saar-Gr&#252;nen f&#252;r die <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article4812255/Gruene-fluechten-vor-Lafontaine-nach-Jamaika.html" target="_blank"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/e9a15111dab8403698764ffc2a32d24e" width="1" height="1" alt="">Fortsetzung der CDU-Herrschaft</a> im Lande war seit langem vorhersehbar. Wie in Th&#252;ringen Christoph Matschie, so hatte der hiesige Vorsitzende der einstigen Alternativen, Hubert Ulrich, seine Pr&#228;ferenz von Anfang an ziemlich unverhohlen durchblicken lassen <span id="more-1310"></span>und brauchte die sechs Wochen seit der Landtagswahl nur dazu, um die Linkspartei als »Schuldigen« aufzubauen. Und so wie an der Saar der th&#252;ringische Ramelow Oskar Lafontaine hei&#223;t, so ist Ulrich damit zum saarl&#228;ndischen Matschie geworden. Gemeinsam ist beiden die zahlenm&#228;&#223;ige wie wohl auch intellektuelle Unterlegenheit gegen&#252;ber der Linkspartei und ihren Protagonisten; sie wollten einfach das Risiko nicht eingehen, in einer solchen Konstellation nur die Nebenrollen spielen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Die bleiben ihnen zwar nun auch nur, aber wenigstens in der CDU-W&#228;rmestube mit ihrem vertrauten Mief. Dem frischen und f&#252;r neoliberale Anwandlungen gewiss auch rauen Wind der Ver&#228;nderung mochten sie sich nicht aussetzen – und schon gar nicht der Unberechenbarkeit neuer politischer Wege. In der Koalition mit Schr&#246;ders SPD hatten sich die Gr&#252;nen endg&#252;ltig von der einst beschworenen Alternative zum herrschenden System verabschiedet. Das Zusammengehen mit der CDU in Hamburg und jetzt im Saarland sind insofern nur die logische Konsequenz ihres<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/handelsblatt-kommentar/gruene-als-fdp-des-21-jahrhunderts;2467710" target="_blank"> &#220;bertritts ins so genannte b&#252;rgerliche Lager</a>. Weitere derartige Schritte werden folgen.</p>
<p>F&#252;r die Linke ist diese Entwicklung zwar eine Wachstumsgarantie, die politisch allerdings auf absehbare Zeit ohne substantielle Folgen bleiben d&#252;rfte. Denn f&#252;r die Union ist die Umorientierung erst der SPD und nun auch der Gr&#252;nen viel mehr – n&#228;mlich eine <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Jamaika-Saarland-Lafontaine;art141,2921241" target="_blank">Herrschaftsgarantie</a>.</p>
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		<title>Die Schw&#228;che der SPD l&#228;sst eine lange konservative Herrschaft bef&#252;rchten</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 22:14:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[F&#252;nfzehn Jahre Opposition sagte Herbert Wehner 1982 der SPD voraus, als sie die Macht an ein christlich-freidemokratisches B&#252;ndnis verlor. Sogar sechzehn sind schlie&#223;lich daraus geworden, und so wie die Sozialdemokraten den Machtverlust damals als Betriebsunfall bagatellisierten, zeichnet sich erneut die Tendenz ab, nicht die tieferen Ursachen des Debakels zu untersuchen, sondern m&#246;glichst schnell wieder zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;nfzehn Jahre Opposition sagte Herbert Wehner 1982 der SPD voraus, als sie die Macht an ein christlich-freidemokratisches B&#252;ndnis verlor. Sogar sechzehn sind schlie&#223;lich daraus geworden, und so wie die Sozialdemokraten den Machtverlust damals als <a href="http://www.welt.de/politik/bundestagswahl/article4542494/Peter-Struck-Opposition-ist-Mist-hoch-drei.html" target="_blank">Betriebsunfall</a> bagatellisierten, <span id="more-1305"></span>zeichnet sich erneut die Tendenz ab, nicht die tieferen Ursachen des Debakels zu untersuchen, sondern m&#246;glichst schnell wieder zur alten, lediglich durch etwas schm&#252;ckendes Beiwerk erg&#228;nzten Tagesordnung &#252;berzugehen. Diese Schw&#228;che der SPD, ihren einstigen Gr&#252;ndungskonsens zu ignorieren und sich zugleich gegen&#252;ber der Realit&#228;t im Lande blind zu verhalten, l&#228;sst eine lange konservative Herrschaft bef&#252;rchten.</p>
<p>Der Hintergrund f&#252;r solch ern&#252;chternde Prognose ist die Rechtsentwicklung, die die SPD in den vergangenen zehn Jahren genommen hat. Beginnend mit dem Schr&#246;der/Blair-Papier 1999 hat die damalige F&#252;hrung – Lafontaine ausgenommen, der sich nur durch Niederlegung aller seiner &#196;mter dem neuen Kurs entziehen konnte – die sozialdemokratische Partei Schritt f&#252;r Schritt ins b&#252;rgerliche Lager gef&#252;hrt. Unter dem Motto, man m&#252;sse die »Mitte« erobern, gab die SPD eine ihrer traditionellen Positionen nach der anderen auf und wurde vor allem dadurch kompatibel f&#252;r die Koalition mit CDU und CSU.</p>
<p>Mit dieser inhaltlichen Umorientierung einher ging die personelle »S&#228;uberung«. Nach Lafontaine verlie&#223;en weitere linke Sozialdemokraten notgedrungen ihre Partei und gingen teilweise zur Linken. Andere – Beispiel Ottmar Schreiner – wurden kalt gestellt, die meisten jedoch – wie Andrea Nahles, Klaus Wowereit oder Heiko Maas – unterwarfen sich so sehr der herrschenden Linie, dass sie kaum noch mit dem Pr&#228;dikat links in Verbindung gebracht werden. Wer das nicht tat – Beispiel <a href="http://www.blogsgesang.de/2009/01/19/rechte-spd-als-geburtshelfer-von-schwarz-gelb/" target="_blank">Andrea Ypsilanti</a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/70a63cf85bb943689386ae246eaada3e" width="1" height="1" alt=""> – wurden erbarmungslos weggemobbt. So gelang es vor allem Franz M&#252;ntefering und dem ihn st&#252;tzenden rechtsopportunistischen Seeheimer Kreis, die SPD nicht nur konzeptionell auf einen weitgehenden Rechtskurs auszurichten, sondern auch die personellen Voraussetzungen f&#252;r seine Durchsetzung gegen den Widerstand der Parteibasis zu schaffen. Selbst ein Kurt Beck, der sich aus Sicht des F&#252;hrungskreises um M&#252;ntefering, in den sich schlie&#223;lich auch Schr&#246;ders »bester Mann« Frank-Walter Steinmeier bereitwillig einbinden lie&#223;, musste gehen, weil er vorsichtige Zweifel am Rechtskurs ge&#228;u&#223;ert und und halbherzige Korrekturversuche vorgenommen hatte.</p>
<p>Typische, wenngleich sehr unterschiedliche Beispiele f&#252;r die Formierung der SPD als partnerschaftlicher Konkurrent der Union lieferten die Landesverb&#228;nde Hessen und Th&#252;ringen. Auch in Hessen hatte die Bundesf&#252;hrung versucht, durch St&#228;rkung ihres Gew&#228;hrsmannes J&#252;rgen Walter den traditionell links stehenden Landesverband nach rechts umzuorientieren. Das gelang nicht; statt dessen setzte die Parteibasis die linke Andrea Ypsilanti als Spitzenkandidatin f&#252;r die Landtagswahlen durch. Das h&#228;tte in Berlin gerade noch hingenommen werden k&#246;nnen, nicht jedoch der &#252;berraschende Erfolg der hessischen SPD bei der Wahl im Januar 2008 mit 36,7 Prozent der Stimmen – ein Resultat, das f&#252;r die Partei wohl f&#252;r lange Zeit in weite Ferne ger&#252;ckt ist. Es signalisierte n&#228;mlich, dass mit einem dezidierten und durchdachten Linkskurs die SPD-W&#228;hler an die Urnen zu holen sind und sogar ein Roland Koch aus dem Amt zu werfen ist. W&#228;hrend Beck bereit schien, das Signal positiv aufzunehmen, reihte sich der rechte Fl&#252;gel der SPD in die von konservativen Kreisen sofort losgetretene Wahlbetrugs-Kampagne gegen Andrea Ypsilanti ein, versagte ihr jegliche Solidarit&#228;t und wirkte – wie wir heute wissen – im Hintergrund daran mit, dass Ypsilantis Versuch, eine linke Mehrheit gegen Koch zusammenzubringen, auf den letzten Metern scheiterte.</p>
<p>Viel lieber w&#228;re den Rechten in der SPD-F&#252;hrung nat&#252;rlich eine solch ger&#228;uschlose Ann&#228;herung ihrer Partei an die CDU gewesen, wie sie <a href="http://www.blogsgesang.de/2009/09/02/mit-christoph-matschie-geht-in-thueringen-nur-althaus/" target="_blank">Christoph Matschie</a> in Th&#252;ringen praktizierte. Er sorgte mit tatkr&#228;ftiger Unterst&#252;tzung aus Berlin rechtzeitig daf&#252;r, dass fast alle Bef&#252;rworter eines Zusammengehens mit der Linkspartei im Land aus der F&#252;hrung entfernt wurden. Er entmachtete seinen Vorg&#228;nger im Parteivorsitz, Richard Dewes, und schwor die Partei auf das B&#252;ndnis mit der CDU ein. Damit verlor er zwar bei den W&#228;hlern jede Glaubw&#252;rdigkeit hinsichtlich seiner Parolen von der Beendigung des »Systems Althaus« und wurde folgerichtig von der Linkspartei um fast zehn Prozent deklassiert, aber er erhielt sich die Chance, in die kleine schwarz-rote Koalition einzutreten. Die Sondierungen mit der Linken waren insofern nicht mehr als Augenauswischerei. Die Weichen hatte Matschie f&#252;r sich vermutlich schon am Wahlabend gestellt. Und der von ihm geformte Landesvorstand lie&#223; ihn nicht im Stich; allerdings wurde ihm sachkundig von einem interessanten Gast aus Berlin sekundiert – dem M&#252;ntefering-Vertrauten Mathias Machnig.</p>
<p>Auch im Bund hatte die SPD als nur unzul&#228;nglich verborgenes Wahlziel nicht mehr als die Fortsetzung der Koalition mit CDU und CSU im Sinn. Und von dieser inzwischen dem Funktion&#228;rskader aufgebrannten rechten Pr&#228;gung wird sie sobald nicht weg kommen. Und will, was den &#252;berwiegenden Teil des F&#252;hrung angeht, das wohl auch nicht. Denn sowohl der designierte Parteivorsitzende Gabriel als auch der sich selbst ausrufende Fraktionsvorsitzende Steinmeier sind <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,652321,00.html" target="_blank">Vertreter des alten Kurses</a>; mit beiden ist eine glaubw&#252;rdige Alternative zur gescheiterten Politik nicht zu machen. Die SPD in ihrer heutigen Gestalt hat zwar Schwarz-Gelb nicht verhindern k&#246;nnen, aber sie hat die Sammlung des linken Lagers hierzulande verhindert – und damit auch den Erfolg der Linkspartei zu einem Pyrrhussieg gemacht. Aber vielleicht war gerade das ihr wichtigstes Anliegen im verflossenen Wahlkampf.</p>
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		<title>SPD-Verluste sicherten Mehrheit f&#252;r Schwarz-Gelb</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 17:47:08 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn es die total realit&#228;tsferne und zu einem Befreiungsschlag unf&#228;hige SPD-F&#252;hrung nicht wahrhaben will: Die alleinige Schuld daran, dass Schwarz-Gelb demn&#228;chst die Macht &#252;bernimmt, trifft sie allein. <span id="more-1301"></span>Die strukturelle Mehrheit links vom so genannten b&#252;rgerlichen Lager, die bei den <img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/deff405e998341fcbc1a229901681dd4" width="1" height="1" alt=""><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2005#Endg.C3.BCltiges_amtliches_Endergebnis" target="_blank">Wahlen 2005 </a>trotz allen Unmuts &#252;ber die Schr&#246;dersche »Agenda 2010« noch erreicht werden konnte, ist durch das Agieren der M&#252;ntefering, Steinmeier und Co. In der Koalition mit CDU und CSU verspielt worden. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2009" target="_blank">2,1 Millionen W&#228;hler</a>, die 2005 noch f&#252;r die SPD votiert hatten, blieben diesmal zu Hause und verschafften damit CDU, CSU und FDP ein &#220;bergewicht &#252;ber die drei anderen Parteien von fast 1,2 Millionen Stimmen. Vor vier Jahren hatten letztere noch mit &#252;ber 2,8 Millionen Stimmen vor dem »b&#252;rgerlichen Lager« gelegen. Dieser Vorsprung w&#228;re – wenn auch nur knapp – gehalten worden, h&#228;tten von den SPD-Anh&#228;ngern nicht &#252;ber zwei Millionen auf ihr Wahlrecht verzichtet.</p>
<p>Mehr als 6,2 Millionen W&#228;hler hat <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/778/489168/text/" target="_blank">die SPD durch ihr Abenteuer mit der gro&#223;en Koalition eingeb&#252;&#223;t.</a> 870000 wechselten laut Infratest/dimap neben den genannten 2,1 Millionen, die haupts&#228;chlich daf&#252;r verantwortlich sind, dass die Wahlbeteiligung auf den Tiefstwert von 70, 8 Prozent sank, gleich zur Union und weitere 500000 zur FDP; sie fanden wohl, dass die kaum noch erkennbaren Unterschiede der Sozialdemokraten zu den urspr&#252;nglich rechts von ihr stehenden Parteien eine solche Wahl sinnvoll erscheinen lie&#223;en. 1,1 Millionen gingen hingegen zur Linkspartei und 860000 zu den Gr&#252;nen und blieben so dem Lager links von Schwarz-Gelb erhalten.</p>
<p>Das allerdings reichte nicht aus, den Aderlass nach rechts auszugleichen. Bei den Gr&#252;nen d&#252;rfte vor allem ihre unklare Haltung zu k&#252;nftigen B&#252;ndnissen viele ehemalige SPD-W&#228;hler vom Wechsel abgehalten haben; zu h&#228;ufig und zu vernehmlich sind inzwischen gr&#252;ne Stimmen geworden, die sich dem »b&#252;rgerlichen Lager« andienen. Und die Linke hat noch immer mit ihrer Stigmatisierung als ehemalige DDR-Staatspartei zu k&#228;mpfen; nur sehr langsam w&#228;chst vor allem in den westlichen Bundesl&#228;ndern das Vertrauen in diese politische Formation, obwohl sie mit der alten SED inzwischen sehr wenig gemein hat. Welches Potential jedoch in ihr stecken k&#246;nnte, hat vor vier Wochen die <a href="http://wahlarchiv.tagesschau.de/wahlen/2009-08-30-LT-DE-SL/analyse-wanderung.shtml" target="_blank">Landtagswahl im Saarland </a>gezeigt. Hier, wo mit Oskar Lafontaine ein vertrauensw&#252;rdiger und &#228;u&#223;erst popul&#228;rer Politiker f&#252;r die Linke warb, erreichte sie aus dem Stand 21,3 Prozent, nur gut drei Punkte weniger als die SPD. Besonders interessant war dabei nicht nur, dass die Linkspartei gegen&#252;ber den Wahlen zuvor 26000 Stimmen von der SPD und sogar 10000 von der CDU abgezogen hatte, sondern dass es ihr auch gelang, 43000 Nichtw&#228;hler wieder an die Urnen zu bringen. Damit leistete sie einen wesentlichen Beitrag dazu, die Wahlbeteiligung gegen&#252;ber 2004 von damals 55,5 auf wieder 67,6 Prozent ansteigen zu lassen.</p>
<p>Die Linkspartei scheint insofern derzeit am ehesten die Voraussetzungen daf&#252;r zu haben, die f&#252;r die Aktivierung einer Mehrheit links von CDU, CSU und FDP unabdingbare R&#252;ckgewinnung der Nichtw&#228;hler zu bew&#228;ltigen, zumal dann, wenn die SPD-F&#252;hrung ungeachtet das immer schnelleren Niedergangs der Partei stur <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,651857,00.html" target="_blank">am »Weiter so« festh&#228;lt </a>– wie sie es gegenw&#228;rtig noch praktiziert.</p>
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		<title>Mit Christoph Matschie geht in Th&#252;ringen nur Althaus</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 13:35:31 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>»Was ich vor der Wahl gesagt habe, gilt auch nach der Wahl«, erkl&#228;rt Th&#252;ringens SPD-Spitzenkandidat f&#252;r die Landtagswahl, Christoph Matschie, immer wieder. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass er dieses Versprechen brechen wird. <span id="more-1270"></span><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/c543228bd8f84e49a7c206ba836a31aa" alt="" width="1" height="1" />Denn im Wahlkampf hatte er nicht nur eine Wahl des Linken Bodo Ramelow zum Ministerpr&#228;sidenten ausgeschlossen, sondern auch die Wiederwahl des derzeitigen CDU-Regierungschefs Dieter Althaus , denn das Schlimmste f&#252;r Th&#252;ringen w&#228;ren <a href="http://www.stern.de/wahl-2009/landtagswahl/regierungsbildung-in-thueringen-alle-wollen-chef-werden-1506369.html" target="_blank">»f&#252;nf weitere verlorene Jahre mit einer Regierung Althaus«</a>. Noch am Wahlabend rief er: »Das System Althaus ist abgew&#228;hlt.«</p>
<p>Damit hat er recht, doch zugleich schickt er sich gerade an, den von den Th&#252;ringern abgew&#228;hlten Althaus vor dem Untergang zu retten und mit den Stimmen seiner Partei erneut ins Spitzenamt der Regierung zu w&#228;hlen. Damit macht er sich zu einer tragischen Figur, die zwar lauthals verk&#252;ndet, ohne die SPD gehe in Th&#252;ringen nichts; dabei geht mit ihr nicht anders als Althaus und seine System. In seiner Person spiegelt sich, wie sehr die Wirklichkeit &#252;ber die Sozialdemokratie inzwischen hinweggegangen ist. Zwanzig Jahre hat sie in ihrer Mehrheit gebraucht, sich halbherzig dazu durchzuringen, die Linkspartei wenigstens in den L&#228;ndern als Koalitionspartner zu akzeptieren, zwanzig Jahre, die die Linken dazu nutzten, W&#228;hlerstimme um W&#228;hlerstimme zuzulegen und die SPD da und dort bereits zu &#252;berholen, was f&#252;r die Sozialdemokraten ein neues Problem schuf: Wer &#252;bernimmt in einer solchen Koalition die F&#252;hrung? Und erneut erweist sich die SPD als politikunf&#228;hig, und man muss f&#252;rchten, dass sie weitere zwanzig Jahre braucht, diese neue Herausforderung auf demokratische Weise und nicht nach ideologisch gepr&#228;gtem Wunschdenken zu bew&#228;ltigen. Sie erinnert mit ihrer Realit&#228;tsverweigerung erstaunlich stark an die SED in ihrer Schlussphase, und gespannt wartet man schon auf einen M&#252;ntefering-Satz der Art: Die SPD in ihrem Lauf h&#228;lt weder Ochs noch Esel auf!</p>
<p>Was die Sache selbst, n&#228;mlich die Entscheidung &#252;ber einen Ministerpr&#228;sidenten ungeachtet der von den Parteien erreichten Mehrheiten, angeht, kann man nat&#252;rlich sagen, dass die Au&#223;erachtlassung bisheriger Gepflogenheiten kein uninteressanter Gedanke ist. Es w&#228;re durchaus vorstellbar, nicht denjenigen mit den st&#228;rksten Bataillonen, sondern den vermutlich F&#228;higsten zum Ministerpr&#228;sidenten zu bestimmen. . Das aber geht nat&#252;rlich nur, wenn er diese F&#228;higkeit nachhaltig bewiesen hat und sie daher allgemein anerkannt wird. Gerade Christoph Matschie auf diesen Sockel zu stellen, scheint etwas vermessen; eher w&#228;re schon denkbar, dass im Saarland ein Oskar Lafontaine an die Spitze der Regierung tritt; schlie&#223;lich ist er dort bei Freund wie Feind popul&#228;r und betr&#228;gt sein Abstand zum SPD-Spitzenmann Heiko Maas keine neun, sondern nur gut drei Prozent. Aber wenn es schon nicht um Mehrheiten, sondern um die Position im Koalitionspoker geht, k&#246;nnte hier auch der Gr&#252;nen-Spitzenkandidat Hubert Ulrich Anspruch auf die Staatskanzlei in Saarbr&#252;cken erheben, denn ohne seine drei Abgeordneten geht dort schlie&#223;lich auch nichts.</p>
<p>Bleibt eigentlich nur die Frage, warum Matschie nicht auch gegen&#252;ber die CDU den eigenen Anspruch auf das Ministerpr&#228;sidentenamt formuliert. Schlie&#223;lich w&#228;re das seine einzige Chance, dem <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=4164" target="_blank">Wortbruch gegen&#252;ber dem W&#228;hler </a>zu entgehen. Aber nicht einmal jene Medien, die am Beispiel Andrea Ypsilanti spaltenlang &#252;ber die Verwerflichkeit von Wortbr&#252;chen nach dem Wahltag philosophierten, sehen jetzt dieses Problem. Es ist offenbar nur existent, wenn wenn man damit der Linkspartei eins auswischen kann. Geht es jedoch um den Machterhalt der CDU, wird Wortbruch zum Kavaliersdelikt, &#252;ber das man gern gro&#223;z&#252;gig hinwegsieht.</p>
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		<title>Dieter Althaus duldet kein Hindernis auf seinem Weg</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 21:15:54 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist nicht der allt&#228;gliche politische Betrieb, der Einblick in den Mechanismus der Macht und die Antriebe der M&#228;chtigen gestattet, sondern der Sonderfall, die Ausnahme, das Unvorhergesehe, das auf den Boden des politischen Systems, in die Tiefe der Seele seiner Akteure schauen l&#228;sst. So auch beim Th&#252;ringer Ministerpr&#228;sidenten Dieter Althaus.<span id="more-919"></span></p>
<p>Seit der einstige Mathematik- und Physiklehrer aus der DDR auf der Leiter der Macht immer h&#246;her kletterte, hat sich bei ihm &#8211; wie mehr oder weniger wohl bei jedem Politiker &#8211; als Grundhaltung herausgebildet, jedes, aber auch jedes Hindernis schleunigst aus dem Weg zu r&#228;umen. Helmut Kohl hat das verstanden, der sich gegen Barzel und Franz Josef Strau&#223; durchsetzte, sp&#228;ter Gei&#223;ler und Sp&#228;th ausbootete und Wolfgang Sch&#228;uble auf langen Arm f&#246;rmlich verhungern lie&#223;. Angela Merkel hat von ihm gelernt. Sie stellte erst Kohl in Frage, beerbte dann Sch&#228;uble, schlug den Konkurrenten Merz aus dem Feld und nutzte am Ende geschickt die Chance, Edmund Stoiber beim Kampf um die Kanzlerschaft den Rang abzulaufen.</p>
<p>Aber nicht nur die Union kann solche Machtmenschen vorweisen, sondern auch andere. Man denke nur an die SPD, wo ein Oskar Lafontaine Rudolf Scharping die Macht entrang, um sp&#228;ter von Gerhard Schr&#246;der kalt gestellt zu werden. Willy Brandt scheiterte nicht zuletzt an Herbert Wehner &#8211; und Kurt Beck j&#252;ngst an Franz M&#252;ntefering. Althaus steht angesichts solch blutiger politischer B&#252;hne, auf der er sich nun ausdr&#252;cklich zur&#252;ckmeldete, so schlecht nicht da, denn er war bis zur Selbstverleugnung loyal gegen&#252;ber seinem Ziehvater Bernhard Vogel und harrte dessen altersbedingten Abgangs, sicherte seine Macht auch nach dem Sprung an die Spitze relativ ger&#228;uschlos, sorgte weitsichtig daf&#252;r, dass ernsthafte Konkurrenten gar nicht erst entstehen konnten (was seiner Partei aber durch den Skiunfall ihres Vormannes m&#246;glicherweise noch zum Verh&#228;ngnis werden k&#246;nnte).</p>
<p>Und dennoch: Auch er hat nie einen Zweifel gelassen, dass er Hindernisse bei der Durchsetzung seiner Ziele rigoros zu &#252;berwinden versteht. War er als stellvertretender Leiter der polytechnischen Oberschule im th&#252;ringischen Geismar so angepasst gewesen, dass man ihn noch 1989 der »Medaille f&#252;r hervorragende Leistungen bei der kommunistischen Erziehung in der Pionierorganisation Ernst Th&#228;lmann« in Gold f&#252;r w&#252;rdig hielt und zum letzten P&#228;dagogischen Kongress der DDR delegierte, vollzog er nach der Wende eine eigene um 180 Grad. Zum Kreisschulrat und sp&#228;ter zum zust&#228;ndigen Dezernenten in Heiligenstadt geworden, verbot er die FDJ, die Pioniere, die Jugendweihe und das Fach Staatsb&#252;rgerkunde in seinem Verantwortungsbereich. Zugleich entlie&#223; er all jene aus den Schulleitungen, die er aus DDR-Zeiten f&#252;r belastet hielt &#8211; gewisserma&#223;en seine »Leichen« auf dem Weg nach oben.</p>
<p>Dieter Althaus h&#228;lt sich f&#252;r unentbehrlich f&#252;r das Gedeihen Th&#252;ringens, wie er es versteht. Und nimmt daf&#252;r schon mal auch in Kauf, am Rande der Landesverfassung zu wandeln. Mehrfach musste das Verfassungsgericht seine Pl&#228;ne stoppen; Unrechtsbewusstsein entwickelte er daraus aber nicht, sondern sch&#252;ttelte die h&#246;chstrichterlichen R&#252;gen mit einem Achselzucken ab. Ganz so wie jetzt nach dem Unfall vom Neujahrstag jedes Nachdenken &#252;ber dessen Ursache und Folgen. Althaus kann daran <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0421/seite3/0005/index.html" target="_blank"><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/466f419db97f4edcab2208a3bbe16f3f" alt="" width="1" height="1" />eine eigene Schuld nicht erkennen</a>, leugnete sie erst gar und zieht sich nun auf das offizielle Gutachten zur&#252;ck, aus dem sich ergibt, »dass ich Schuld trage« &#8211; wobei un&#252;berh&#246;rbar seine andere Auffassung mitschwingt.</p>
<p>F&#252;r ihn war die an den Folgen des Zusammensto&#223;es gestorbene Beata Christandl vermutlich auch nicht mehr als ein Hindernis, dass an die Stelle der Skipiste, auf der er unterwegs war, nicht hingeh&#246;rte. Und Hindernisse auf seinem Weg duldet Dieter Althaus nicht.</p>
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