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	<title>blogsgesang.de &#187; Linke</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>CDU: Angela Merkels R&#252;ckkehr zu Helmut Kohl</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Nov 2010 16:03:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nun ist Angela Merkel endg&#252;ltig wieder bei Helmut Kohl angekommen, von dem sie sich doch eigentlich emanzipieren wollte. Der Altkanzler hatte einst, in schweren Zeiten, seine CDU auf sich eingeschworen, indem er grenzenlose Zuversicht verbreitete. »Nur wer sich selbst imponiert, imponiert auch anderen«, hie&#223; es da. Und er ist lange gut damit gefahren. Allerdings waren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist Angela Merkel endg&#252;ltig wieder bei Helmut Kohl angekommen, von dem sie sich doch eigentlich emanzipieren wollte. Der Altkanzler hatte einst, in schweren Zeiten, seine CDU auf sich eingeschworen, indem er grenzenlose Zuversicht verbreitete. »Nur wer sich selbst imponiert, imponiert auch anderen«, hie&#223; es da. Und er ist lange gut damit gefahren. Allerdings waren damals auch andere Zeiten<span id="more-2060"></span>, eine Tatsache, die der Kanzlerin wohl bewusst ist, auf die sie aber keine Antwort wei&#223; &#8211; au&#223;er der des Voranschreitens in die Vergangenheit.</p>
<p>Heute aber d&#252;rfte Imponiergehabe kaum noch gen&#252;gen, um die B&#252;rger auf die Union und die CDU-Vorsitzende, vor allem jedoch auf die regierende schwarz-gelbe Koalition einzuschw&#246;ren, die Angela Merkel so apodiktisch wie anma&#223;end als die einzig denkbare f&#252;r die Zukunft bezeichnet. Sie formuliert das so stur, dass sich der Verdacht aufdr&#228;ngt, sie wisse l&#228;ngst, dass die <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/09/16/angela-merkels-politik-der-verbrannten-erde/" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/3b28ce252ced40fc9a183c60e5221777" alt="" width="1" height="1" />n&#228;chsten Wahlen bis hin zur Bundestagswahl 2013 verloren gehen </a>und bereite daher ihre Partei schon auf die absehbare Oppositionsrolle vor.</p>
<p>Schlie&#223;lich sprechen nicht nur die Umfragen, die Angela Merkel deshalb in den Papierkorb werfen will, eine deutliche Sprache. Bereits bei der letzten Bundestagswahl verzeichnete die Union mit 33,8 Prozent ihr zweitschlechtestes Ergebnis und konnte nur dank des Aufschwungs der FDP und der selbst verschuldeten Schw&#228;che der SPD und der Gr&#252;nen die schwarz-gelbe Koalition bilden. Der H&#246;henflug der Freidemokraten ist l&#228;ngst vorbei, aber von deren Verlusten profitiert die CDU nicht. Zu diesem Befund muss man Umfragen nicht bem&#252;hen; er st&#252;tzt sich vor allem auf das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahl_in_Nordrhein-Westfalen_2010" target="_blank">Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen</a>, das der CDU einen Absturz im zweistelligen Prozentbereich bescherte.</p>
<p>Seither hat sich die Lage eher verschlechtert, denn die Polarisierung, die Union und FDP mit ihrer Politik betreiben, mobilisiert vor allem ihre Gegner, die allerdings oft ratlos sind, wem sie parteipolitisch vertrauen k&#246;nnen. Der SPD, die einst die Union in b&#252;rgerferner Politik zu &#252;bertreffen suchte, noch lange nicht wieder. Die Linke mit ihrer immer wieder instrumentierbaren Vergangenheit, aber auch den Querelen eines heterogenen Widerstandsb&#252;ndnisses wohl noch lange nicht. Bleiben die Gr&#252;nen, die sich freilich in Regierungsverantwortung leicht als eine Art Wiederg&#228;nger der FDP entpuppen k&#246;nnten.</p>
<p>Es ist eigentlich nur die Hoffnung auf die Widerspr&#252;che im Lager jenseits von Schwarz-Gelb, auf die Angela Merkel noch bauen kann. Darauf, aus diesem losen Haufen sich doch wieder einen Regierungspartner herauszubrechen; machtgeile Opportunisten gibt es da wahrlich genug. Und was von Ausschlussschw&#252;ren gegen&#252;ber anderen Parteien zu halten ist, zeigten das Wahljahr 2005 wie die j&#252;ngsten Landtagswahlen. Eine gro&#223;e Koalition wurde da ebenso wie das Zusammengehen der Gr&#252;nen mit den Schwarzen oder gar noch mit der FDP verteufelt; heute gibt es all diese »undenkbaren« B&#252;ndnisse l&#228;ngst.</p>
<p>Insofern d&#252;rfte Angela Merkel k&#252;hl kalkulieren und vor allem darauf hoffen, dass die Union im Machtspiel bleibt. Sie w&#228;re wohl auch kaum verzweifelt, wenn es 2013 mit der FDP nicht reichte, daf&#252;r aber vielleicht mit jemand anderem aus dem rot- oder gr&#252;n-b&#252;rgerlichen Lager. Die »Scharniergelenke« daf&#252;r hat sie mit Ursula von der Leyen und Norbert R&#246;ttgen l&#228;ngst an ihrer Seite.</p>
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		<title>Parteijournalisten neuen Typs – zum Beispiel die Lafontaine-Vernichter</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 15:43:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wladimir Iljitsch Lenin war es, der vor der russischen Oktoberrevolution eine Zeitung gr&#252;ndete und f&#252;r sie eine eigene Theorie erfand – die von der »Presse neuen Typs«. Das war keine Weiterentwicklung des Journalismus, wie leninistische Theoretiker glauben machen wollten, sondern eher die Kreation eines Pressestellen-Journalismus, der vor allem Reklame und Marketing betreibt und sich – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wladimir Iljitsch Lenin war es, der vor der russischen Oktoberrevolution eine Zeitung gr&#252;ndete und f&#252;r sie eine eigene Theorie erfand – die von der »Presse neuen Typs«. Das war keine Weiterentwicklung des Journalismus, wie leninistische Theoretiker glauben machen wollten, sondern eher die Kreation eines Pressestellen-Journalismus<span id="more-1366"></span>, der vor allem Reklame und Marketing betreibt und sich – ganz anders als das meiste aus Lenins Theorienladen – nicht nur bis heute gehalten, sondern sogar noch betr&#228;chtlich ausgebreitet hat. So wie Lenin damals die Zeitung als Mittel verstand, f&#252;r seine bolschewistische Partei zu werben, mit ihr die Leserschaft aufzukl&#228;ren, um sie f&#252;r die aus seiner Sicht notwenigen Handlungen zu gewinnen – er betrachtete die Presse als »kollektiven Agitator, Propagandisten und Organisator«, so gibt es heute kaum ein Wirtschaftsunternehmen, Ministerium oder sonstige Beh&#246;rde, die nicht zum gleichen Zweck eine umf&#228;ngliche Presse- und Werbeabteilung unterhalten. Nicht um einen unabh&#228;ngigen Journalismus geht es ihnen, sondern – wie eben auch Lenin – um dessen Ausrichtung auf ihre eigenen Interessen.</p>
<p>Die so genannten seri&#246;sen Medien hierzulande m&#252;hen sich durchaus, den Verlockungen solchen <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1171/wenn-der-spiegel-mit-dem-oskar-und-der-sahra-%e2%80%a6" target="_blank">Reklamejournalismus</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/8d918f1174f14136a1e952a8b56ef038" width="1" height="1" alt=""> zu widerstehen, auch wenn das aus &#246;konomischen wie politischen Gr&#252;nden immer schwerer f&#228;llt. Besonders dann, wenn ein Vorgang beschrieben wird, der im Widerspruch zum »Mainstream« steht, ist zumindest der indirekte, manchmal aber auch der <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E28EFD94926E64CC08D46119C93101C8F~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">direkte Druck </a>gewaltig, die Fakten ein wenig am vorherrschenden Meinungsbild auszurichten. Der eine kommt dem nur z&#246;gernd und mit sichtlichem Unbehagen nach, der andere ist schon weiter und findet vielleicht sogar Gefallen an einer Berichterstattung, die in seinem Umfeld, das nicht unbedingt die Leser, H&#246;rer und Zuschauer sind, auf allgemeines Wohlwollen st&#246;&#223;t.</p>
<p>Eins der Themen, bei dem das besonders augenf&#228;llig wird, ist all das, was unter »Links« firmiert. Hier ist die mediale Ablehnung weitgehender Konsens, und der Journalist, der kr&#228;ftig in diese Kerbe haut, kann aus Sicht seiner Chefs und erst recht der Geldgeber kaum etwas falsch machen. Man muss da in diesen Tagen gar nicht zuerst an Oskar Lafontaine denken, sondern wurde &#252;ber das Muster j&#252;ngst am Beispiel des gerade zum SPD-Vorsitzenden gew&#228;hlten Sigmar Gabriel belehrt. Bei »Zapp« plauderte der Redakteur der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«, Michael Berger, aus, dass man in der kurzen Zeit Gabriels als Ministerpr&#228;sident Niedersachsens irgendwann fand, dass dieser sich zu oft als »Fanfare« produziert h&#228;tte. Die offensichtlich inhaltlich kaum begr&#252;ndete Reaktion: »Wir haben dann irgendwann in der Zeitung des Schalter umgelegt und gesagt: Nun kritisieren wir ihn mal ordentlich!«</p>
<p>Um wieviel mehr gilt das f&#252;r Lafontaine, der nat&#252;rlich auch kr&#228;ftig die Fanfare bl&#228;st – und dazu noch <a href="http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&amp;cccpage=17112009ArtikelKommentarKneffel1" target="_blank">aus der falschen Richtu</a>ng und mit einem aufwieglerischen Sound. Da ist man sich kaum zu schade, der Leninschen Theorie – ohne sie nat&#252;rlich zu kennen – konsequent zu folgen. Die Medien werden – bis auf wenige Ausnahmen – zum kollektiven Agitator, Propagandisten und Organisator einer Kampagne gegen den Feind, der beim russischen Revolution&#228;r der Klassenfeind war, was bei ihnen wohl Lafontaine gleicherma&#223;en ist, wenn auch mit ver&#228;ndertem Vorzeichen. F&#252;r die SED-Propaganda war jahrelang Franz Josef Strau&#223; der Prototyp des reaktion&#228;ren Nationalisten und Imperialisten. F&#252;r die b&#252;rgerlichen Medien spielt heute Oskar Lafontaine diese Rolle – als Prototyp des umst&#252;rzlerischen, so vaterlands- und prinzipienlosen Systemver&#228;nderers. Er kann tun oder lassen, was immer er will; <a href="http://www.readers-edition.de/2009/11/19/oskar-lafontaine-und-das-elend-des-deutschen-journalismus/" target="_blank">stets sucht man nach dem Haar in der Suppe</a>, nach einer Interpretation, die die Fakten irgendwie gegen ihn wendet.</p>
<p>Auf sogenannte seri&#246;se Medien ist das keineswegs begrenzt. Der <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,661508,00.html" target="_blank">»Spiegel« </a>hat sich schon lange aus der Kreis der so geadelten Bl&#228;tter verabschiedet und ist zur Bild-Zeitung f&#252;r Intellektuelle mutiert; jetzt m&#252;ht sich die <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/115/492471/text/" target="_blank">»S&#252;ddeutsche Zeitung«, </a>dem Hamburger Magazin nachzueifern. Jedenfalls war ihre Berichterstattung &#252;ber Oskar Lafontaine an B&#246;swilligkeit allenfalls noch von »Bild« und eben vom »Spiegel« zu &#252;berbieten. Immerhin hat sie noch Unbehagen versp&#252;rt und eine <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/670/495001/text/" target="_blank">Rechtfertigung</a> formuliert, aber gerade in dieser wurde auch der Unterschied deutlich, den man zwischen einem unakzeptablen Linken wie Lafontaine und einem »gel&#228;uterten« SPD-Mann wie zum Beispiel Peter Struck macht, wenn es um politischen Anstand geht. Bei Lafontaine hingegen dient selbst die mit Krokodilstr&#228;nen getr&#228;nkte Betroffenheitsgeste zu einem neuen Angriff auf die so tief verhasste Linkspartei – indem man sich nun <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/krank/" target="_blank">Bodo Ramelow </a>wegen seines dummen Kommentars zu Lafontaines Krebserkrankung vornimmt. Welch Gl&#252;ck, mag da mancher gedacht haben, wir m&#252;ssen nicht abr&#252;sten, sondern brauchen nur die Gesch&#252;tze auf das neue Ziel zu richten. Sie haben den Lenin verstanden, auch wenn sie ihn nie lasen.</p>
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		<title>Lockrufe von rechts an die Linkspartei</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Jun 2009 17:50:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wieder einmal &#8211; wie nun schon seit 20 Jahren &#8211; orakeln die medialen, aber auch einige politische Auguren &#252;ber den Niedergang der Linken, die es in dieser Zeit unbeeindruckt von allen Unkenrufen schafften, aus dem F&#252;nf-Prozent-Ghetto, in dem sie 2002 sogar die fraktionsstarke Bundestagspr&#228;senz verpassten, herauszukommen und jetzt stabile Wahlwerte bis hin zum zweistelligen Bereich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder einmal &#8211; wie nun schon seit 20 Jahren &#8211; orakeln die medialen, aber auch einige politische Auguren &#252;ber den <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0620/meinung/0020/index.html" target="_blank">Niedergang der Linken</a><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c0ecfdf4abc949b7a1ac45f4699dcdad" alt="" width="1" height="1" />, die es in dieser Zeit unbeeindruckt von allen Unkenrufen schafften, <span id="more-1043"></span>aus dem F&#252;nf-Prozent-Ghetto, in dem sie 2002 sogar die fraktionsstarke Bundestagspr&#228;senz verpassten, herauszukommen und jetzt stabile Wahlwerte bis hin zum zweistelligen Bereich zu erzielen. Nat&#252;rlich verlief und verl&#228;uft das nicht geradlinig; es ist abh&#228;ngig von der Gro&#223;wetterlage, aber auch vom Binnenklima der Partei &#8211; beides war der Linken in diesem wetterwendischen Fr&#252;hjahr nicht g&#252;nstig.</p>
<p>Dass die Linkspartei aus der gegenw&#228;rtigen Wirtschafts- und Finanzkrise, die das Kapital und seine Apologeten verschuldeten, wenig Gewinn ziehen kann, ist vor allem ein grunds&#228;tzliches strukturelles Problem. Sie hat &#8211; ebenso wenig wie andere &#8211; eine &#252;berzeugende L&#246;sung f&#252;r die verfahrene Situation, aber sie steht zus&#228;tzlich in dem Ruf, mit ihrem Gegenprojekt, dem realen Sozialismus, gerade grandios gescheitert zu sein. Der Kapitalismus hat immerhin den Sozialismus niedergerungen und erscheint vielen als prinzipiell erfolgreicheres System; die Krise wird weithin als Ausnahme, als Ausrutscher verstanden, ws geheilt werden k&#246;nne. Und nat&#252;rlich verbreiten die Verfechter des Kapitalismus mit gro&#223;em Aufwand diese Sicht der Dinge, schon seit Wochen reden sie von der »Bodenplatte« der Krise, die erreicht sei, und werben f&#252;r ein nur leicht modifiziertes »Weiter so«.</p>
<p>Spurlos ist das auch an der Linken nicht vor&#252;bergegangen. Ohne Not mehren sich dort die Stimmen, die zwar (noch?) nicht expressis verbis, doch in der Sache dem Kapitalismus die neue Chance durchaus geben wollen &#8211; vor allem deshalb, weil es ihnen an einem &#252;berzeugenden Gegenkonzept weiterhin mangelt. So wird aus der eigenen theoretischen Schw&#228;che, verbunden mit dem Drang, dem Lockruf der politischen Konkurrenten nachzugeben und dadurch vielleicht endlich die harten Oppositionsb&#228;nke gegen weiche Kabinettssessel eintauschen zu k&#246;nnen, ein d&#252;nnes opportunistisches S&#252;ppchen, das den unzufriedenen W&#228;hler kaum satt macht und deshalb m&#246;glicherweise veranlasst, seine Stimme &#8211; wie schon 2002 &#8211; in der heimischen Schrankwand liegen zu lassen.</p>
<p>Eine vers&#246;hnlerische Haltung gegen&#252;ber den Verh&#228;ltnissen kann nicht das Konzept der Linken sein. Eine M&#228;&#223;igung von Forderungen nach ausk&#246;mmlichen Mindestl&#246;hnen, der Abschaffung von Hartz IV, dem Truppenabzug aus Afghanistan w&#228;re in dem Ma&#223;e kontraproduktiv, wie dadurch die Unterscheidbarkeit zu anderen politischen Kr&#228;ften, vor allem der SPD, verloren ginge. Sie macht auch deshalb keinen Sinn, weil die Linkspartei mit einer Beteiligung an Regierungen kaum rechen kann &#8211; im Bund schon gar nicht und auch nicht in den meisten L&#228;ndern. Und wenn sich doch daf&#252;r eine Chance bietet, die nat&#252;rlich konsequent genutzt werden sollte, gehen dem Koalitionsverhandlungen voraus, bei denen kein Beteiligter seine Maximalforderungen durchsetzen kann. Dann w&#228;re immer noch Zeit, weit gehende W&#252;nsche dem M&#246;glichen anzupassen. Vorauseilender Gehorsam gegen&#252;ber einem denkbaren Partner jedoch bringt eine Partei von vornherein in die Hinterhand. Von dort aus zu agieren gibt es f&#252;r die Linke nach ihrer bisherigen Erfolgsgeschichte keinen Grund &#8211; weder taktisch noch strategisch.</p>
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		<title>Das Toben der CDU im ostdeutschen Glashaus</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2008/12/03/das-toben-der-cdu-im-ostdeutschen-glashaus/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Dec 2008 14:21:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was Stanislaw Tillich, der heutige s&#228;chsische CDU-Ministerpr&#228;sident, einstmals politisch in der DDR getan hat, ist ihm nicht vorzuwerfen. Er hat sich nicht anders verhalten als Millionen anderer Ostdeutscher, die in dieses Land hineingeboren wurden und dort ihr Leben gestalten mussten &#8211; mit allen Kompromissen, Anpassungen und Zugest&#228;ndnissen, die dies &#8211; ziemlich unabh&#228;ngig vom jeweiligen politischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was Stanislaw Tillich, der heutige s&#228;chsische CDU-Ministerpr&#228;sident, einstmals politisch in der DDR getan hat, ist ihm nicht vorzuwerfen. Er hat sich nicht anders verhalten als Millionen anderer Ostdeutscher, die in dieses Land hineingeboren wurden und dort ihr Leben gestalten mussten &#8211; mit allen Kompromissen, Anpassungen und Zugest&#228;ndnissen, <span id="more-613"></span>die dies &#8211; ziemlich unabh&#228;ngig vom jeweiligen politischen System &#8211; mit sich bringt. Tillich und mit ihm zahlreiche Mitglieder der DDR-Blockparteien verhielten sich nicht anders als die meisten SED-Genossen, die auch nur daran dachten, dass sie nur ein Leben haben, aus dem sie kaum ausbrechen konnten und aus dem man das Beste machen wollte.</p>
<p>Stanislaw Tillich w&#228;re nicht einmal vorzuwerfen, wenn er &#8211; wie mancher sp&#228;terer Funktion&#228;r einer Blockpartei &#8211; bewusst in die CDU eingetreten w&#228;re, weil man da bis zu einem gewissen Grad durchaus schneller Karriere machen konnte als in der SED &#8211; schon der in einer Blockpartei geringeren Konkurrenz wegen. All das sind normale menschliche Verhaltensweisen, die den einzelnen vielleicht schneller voranbringen, allerdings mitunter auch Schuldgef&#252;hle erzeugen, die vielleicht sp&#228;ter in Verdr&#228;ngung m&#252;nden &#8211; vor allem dann, wenn wieder Kompromisse, Anpassungen, Zugest&#228;ndnisse verlangt werden, um eine neue Karriere machen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Ginge es im Fall Stanislaw Tillich allein um solch eine DDR-Biografie mit ihren nat&#252;rlichen Grauzonen und Widerspr&#252;chen, k&#246;nnte man dar&#252;ber gewiss eine sachliche Diskussion f&#252;hren und zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte Konstruktives beitragen. Dass der Lebenslaufs Tillichs jetzt jedoch pl&#246;tzlich derart ins Zentrum der Aufmerksamkeit r&#252;ckte, liegt weniger an den Ostdeutschen, die derartige Geschichten zur Gen&#252;ge kennen und sich kein bisschen mehr dar&#252;ber wundern; es liegt auch nicht nur, wenn auch schon in st&#228;rkerem Ma&#223;e an den &#252;berwiegend westlich gepr&#228;gten Medien, die aus Sensationslust, Ahnungslosigkeit und einer geh&#246;rigen Portion Selbstgerechtigkeit immer wieder gern in diesem vermeintlichen Sumpf w&#252;hlen.</p>
<p>Es liegt vor allem an der CDU, die von Anfang an die gro&#223;e Mehrheit der von ihr vereinnahmten Blockpartei CDU gewisserma&#223;en ent-DDR-isierte. Der Glanz des kleinen Gr&#252;ppchens von B&#252;rgerrechtlern und der weitaus gr&#246;&#223;eren Gruppe mehr oder minder prominenter westlicher Zuz&#252;gler sollte die Blockparteifreunde derart &#252;berstrahlen, dass sie keiner mehr erkennen konnte. W&#228;hrend SED-Mitglieder a priori zu »Spitzbuben«, wenn nicht gar »Spitzelbuben« erkl&#228;rt wurden und immer noch werden, wie dieser Tage von Angela Merkel, die zwar im Osten keiner Blockpartei beitrat, ansonsten aber auch Kompromisse, Anpassungen und Zugest&#228;ndnisse nicht scheute, um &#8211; was kein Vorwurf ist &#8211; ein wenig Karriere zu machen, verschwanden vergleichbare biografische Daten der Ex-CDU- und Bauernpartei-Mitglieder in der Versenkung.</p>
<p>Dort sollten sie auch bleiben, gerade jetzt vor dem anstehenden Jubil&#228;umsjahr 2009, weshalb in einem vielseitigen Parteitags-Antrag zun&#228;chst kein Wort &#252;ber die Ost-CDU stand. Man hatte vor, mit solcher Sprachregelung auf der Linkspartei und auch wenig auf der SPD herumzupr&#252;geln &#8211; mit dem haupts&#228;chlichen Ziel, eine Zusammenarbeit beider weiterhin zu verteufeln, st&#252;nde die doch m&#246;glicherweise dem Weiterregieren der Union im Wege. Diese Absicht war der CDU so wichtig, dass sie dar&#252;ber das Glashaus verga&#223;, in dem sie selber sitzt. Daher richtete die gewaltige Steinkanone, die man gegen andere in Stellung brachte, zun&#228;chst im eigenen Laden Schaden an. Dass sie abgebaut wird, ist daraus nat&#252;rlich nicht zu schlie&#223;en. Doch ohne eigenes Scherbengericht d&#252;rfte auch k&#252;nftiges Toben im Glashaus &#246;stlicher CDU-Vergangenheit nicht abgehen.</p>
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		<title>Die SPD und ihre Abtr&#252;nnigen – die F&#228;lle Lafontaine und Clement</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Aug 2008 13:21:33 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Am erstaunlichsten am Entscheid des SPD-Landesschiedsgerichts Nordrhein-Westfalen &#252;ber den Parteiausschluss Wolfgang Clements ist die &#220;berraschung, die darob allenthalben herrscht. Denn in jeder Partei ist es Usus, dass Mitglieder, die ja in diesen Status nicht gezwungen werden, das Vertrauen der Gemeinschaft dann verspielen, wenn sie ihr die Solidarit&#228;t aufk&#252;ndigen und offen f&#252;r Positionen des politischen Gegners [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial;">Am erstaunlichsten am Entscheid des SPD-Landesschiedsgerichts Nordrhein-Westfalen &#252;ber den Parteiausschluss Wolfgang Clements ist die &#220;berraschung, die darob allenthalben herrscht. Denn in jeder Partei ist es Usus, dass Mitglieder, die ja in diesen Status nicht gezwungen werden, das Vertrauen der Gemeinschaft dann verspielen, wenn sie ihr die Solidarit&#228;t aufk&#252;ndigen und offen f&#252;r Positionen des politischen Gegners werben <span id="more-388"></span>– bis hin zum indirekten Aufruf, die eigenen Genossen nicht zu w&#228;hlen. In solch einem Falle muss jedes Parteimitglied damit rechnen, aus der Partei verwiesen zu werden, denn eigentlich erwartete man, dass jemand, der sich nur noch so wenig mit seiner Partei verbunden f&#252;hlt, dass er sie nicht einmal mehr w&#228;hlen w&#252;rde, dann selbst austritt. So hatte es zum Beispiel Oskar Lafontaine gehalten, der die SPD ihrer Politik wegen verlie&#223; und erst dann f&#252;r eine andere politische Formation warb. Das war eine klare Entscheidung – weit entfernt von Clements Lavieren, der in der Partei bleiben m&#246;chte, deren Politik er auf vielen Feldern ablehnt, was nur hei&#223;en kann, von innen heraus den Spaltpilz zu bef&#246;rdern. Der Ex-Wirtschaftsminister im Kabinett Schr&#246;der bekr&#228;ftige das gar noch w&#228;hrend des Verfahrens intern wie &#246;ffentlich, indem er Wiederholung nicht ausschloss. Solches Verhalten lie&#223; dem <a href="http://www.ksta.de/html/artikel/1217410423593.shtml" target="_blank">Landesschiedsgericht</a> gar keine andere Wahl, um der SPD ihre Integrit&#228;t zu bewahren und nicht zu einem beliebigen Diskussionsklub verkommen zu lassen.</p>
<p><a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/825273/" target="_blank">Wer nun am lautesten aufschreit</a>, sind die Heuchler, die zwar Kritiker der Agenda 2010 intern w&#252;tend beschimpften und ihnen – wie es zum Beispiel Franz M&#252;ntefering als Bundestagsfraktionschef tat – auch damit drohten, sie bei kommenden Kandidatenaufstellungen nicht mehr zu ber&#252;cksichtigen, Clements Verhalten, das sie jetzt besch&#246;nigend einen »Fehler« nennen, aber in keiner Weise r&#252;gten. Pl&#246;tzlich erkennen sie den »Wert von Fl&#252;geln« in der SPD, nachdem sie in der Vergangenheit alles versuchten, die Parteilinken an den Rand zu dr&#228;ngen; auch jetzt reduzieren sich Linke bei ihnen auf Erhard Eppler, Andrea Nahles und allenfalls Hermann Scheer, Andrea Ypsilanti geh&#246;rt nicht zu den Geduldeten. Vor allem aber rufen sie teils ganz offen zur Missachtung der Meinung der Parteibasis auf, denn diese war es schlie&#223;lich, die allein die Auseinandersetzung mit Clement betrieb. W&#228;hrend sich Oskar Lafontaine lautstarke Kritik nicht nur der Basis, sondern auch der F&#252;hrung gefallen lassen musste, schwieg sich letztere &#252;ber Wolfgang Clement aus – vielleicht weil er die SPD nach links verlie&#223; und nicht aus sozialdemokratischer Perspektive nach rechts schwenkte, n&#228;mlich direkt ins Unternehmerlager.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist das Verfahren um Clement erneut eine Nagelprobe &#252;ber die k&#252;nftige Linie der SPD, denn nat&#252;rlich geht es nicht nur um dessen Auftreten im hessischen Wahlkampf. Er ist <a href="http://www.netzeitung.de/politik/deutschland/1109797.html" target="_blank">mit anderen angetreten</a>, die SPD dauerhaft zu einer Wirtschaftspartei zu machen, die sich zusammen mit der Union f&#252;r lange Zeit auf den Regierungsb&#228;nken einzurichten gedenkt. Dem dient nicht nur die Favorisierung Steinmeiers als Kanzlerkandidat, sondern auch die erkennbare Offensive der Agenda-Politiker auf allen Feldern – bis hin zur angek&#252;ndigten Revitalisierung Gerhard Schr&#246;ders in kommenden Wahlk&#228;mpfen. Auf der Linken sehen die »Schr&#246;derianer« schon lange keine Zukunft mehr f&#252;r die SPD, wie sie sie verstehen, sondern nur noch als Mehrheitsbeschaffer f&#252;r eine Politik der Umverteilung nach oben. F&#252;r einen solchen Kurs allerdings k&#246;nnte ein Parteiausschluss Clements »suizidal« sein, wie es <a href="http://www.welt.de/politik/arti2272599/Clements_Rauswurf_wird_zu_Blamage_fuer_SPD.html" target="_blank">Otto Schily</a> nannte. Gerade darin aber liegt wohl auch die <a href="http://www.n-tv.de/Fall_Clement_Butterwegge_fordert_Exempel/010820083713/1002618.html" target="_blank">letzte Chance der SPD </a>als einer Partei, die sich als Interessenvertreter der Schw&#228;cheren in der Gesellschaft versteht.</p>
<p></span></p>
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		<title>Im strategischen Dilemma</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Mar 2008 14:09:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Wahlerfolge der LINKEN stellen nicht nur die SPD, sondern alle etablierten Parteien vor neue Herausforderungen  Drei Landtagswahlen haben die politische Szenerie der Bundesrepublik gr&#252;ndlich ver&#228;ndert. Am sichtbarsten wird das am scharfen Richtungsstreit innerhalb der SPD, doch auch f&#252;r die Unionsparteien ist eine prek&#228;re Lage entstanden. Gr&#252;ne wie FDP &#252;ben sich in neuer Beweglichkeit, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Wahlerfolge der LINKEN stellen nicht nur die SPD, sondern alle etablierten Parteien vor neue Herausforderungen</strong></p>
<p> Drei Landtagswahlen haben die politische Szenerie der Bundesrepublik gr&#252;ndlich ver&#228;ndert. Am sichtbarsten wird das am scharfen Richtungsstreit innerhalb der SPD, doch auch f&#252;r die Unionsparteien ist eine prek&#228;re Lage entstanden. Gr&#252;ne wie FDP &#252;ben sich in neuer Beweglichkeit, und f&#252;r die LINKE zeichnen sich schwierige Entscheidungen am Horizont ab.<span id="more-342"></span></p>
<p>Noch im hessischen Landtagswahlkampf dominierten die dogmatischen Vorfestlegungen, wer mit wem wolle – und vor allem: wer mit wem auf keinen Fall k&#246;nne. Jetzt, nur einige Wochen sp&#228;ter, ist davon allenfalls noch im polemischen Parteienkrieg die Rede; ansonsten erkl&#228;ren inzwischen fast alle der damaligen Reinheitsfanatiker, dass sie sich nun durchaus bislang strikt ausgeschlossene B&#252;ndnisse vielerlei Art vorstellen k&#246;nnten: die CDU mit den Gr&#252;nen und umgekehrt, die FDP dito und auch wieder mit der SPD, diese wiederum da und dort mit der LINKEN. Die W&#228;hler haben die Wunschkonstellationen der Parteien zumeist vom Tisch gefegt und ihnen bedeutet, wie wenig sie von zementierten Positionen halten. Und sie erschweren es den gro&#223;en Parteien zunehmend, sich einen kleinen Mehrheitsbeschaffer zu halten, mit dem sich bequem regieren l&#228;sst.</p>
<p>Als erste mussten das die Sozialdemokraten erfahren, die in Hessen durch Beschw&#246;rung des W&#228;hlers eine rot-gr&#252;ne Mehrheit erzwingen wollten und im Scheitern fast zu zerbrechen drohen. Andrea Ypsilantis Irrglaube, sie k&#246;nne die Linkspartei aus dem Landtag halten, war der Ausgangspunkt der anhaltenden Krise der SPD, die durch das Bestehen auf einem anachronistischen Ausgrenzungsbeschluss in rasender Geschwindigkeit versch&#228;rft wurde und noch immer wird. Daran k&#246;nnen sich die anderen Parteien derzeit noch w&#228;rmen, aber sie m&#246;gen ahnen, dass die ver&#228;nderte Parteienlandschaft auch sie zu aktualisierter Navigation zwingt.</p>
<p>Zum Beispiel die Union, die gern mit der FDP in einer »b&#252;rgerlichen« Koalition regieren w&#252;rde, f&#252;r die sie jedoch letztmalig bei den Bundestagswahlen 1994 (!) eine Mehrheit erreichte. Danach gab es zweimal Rot-Gr&#252;n und 2005 nur noch die ungeliebte Gro&#223;e Koalition. Auch f&#252;r 2009 sieht es nicht besser aus, will man dem Institut f&#252;r Demoskopie in Allensbach trauen. Es konstatierte j&#252;ngst, dass die Union von 37,0 Prozent im Januar auf 34,8 Prozent im Februar gefallen ist. Selbst mit den schmeichelhaften 11,8 Prozent, die der FDP vorausgesagt werden, reichte das nicht f&#252;r die sogenannte b&#252;rgerliche Mehrheit. Auch Forsa konnte mit 35 Prozent f&#252;r CDU/CSU und neun Prozent f&#252;r die FDP nur eine »b&#252;rgerliche Minderheit« prognostizieren. Man tr&#246;stete sich bislang mit schwarz-gelben B&#252;ndnissen in den L&#228;ndern, doch damit geht es ebenfalls zu Ende, wie ein n&#252;chterner Blick auf die j&#252;ngsten Wahlergebnisse zeigt. In Hessen wie in Hamburg verlor die CDU j&#252;ngst nicht nur absolute Mehrheiten, sondern kann mit den Freidemokraten keine Regierung mehr bilden.</p>
<p>Zwar ausgehend von &#252;berdurchschnittlichen Werten – eine Folge von Schr&#246;ders Agenda-Politik – b&#252;&#223;te die CDU in Hessen fast 325 000 (12,0 Prozent) und in Hamburg nahezu 58 000 Stimmen (4,6 Prozent) ein, in Niedersachsen sogar fast 470 000 (5,8 Prozent). Das reichte zwar noch in Niedersachsen, doch nirgends konnte die FDP mit ihren schmalen Zugewinnen diesen Schwund ausgleichen, selbst wenn sie in Hamburg die F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde &#252;berwunden h&#228;tte. Sogar die CSU, die bisher immer als Bastion schwarzer W&#228;hlerschaft galt, schw&#228;chelt, wie die k&#252;rzliche Kommunalwahl zeigte. Sie verlor gegen&#252;ber 2002 mehr als f&#252;nf Prozent – das schlechteste Resultat seit 40 Jahren.</p>
<p>Angesichts solcher Verschiebungen in der Parteienlandschaft steht und f&#228;llt die Machtoption von Union und FDP damit, ob und wie die drei Parteien links von diesem »b&#252;rgerlichen Lager« ihre Mehrheit produktiv machen, das hei&#223;t eine gemeinsame Basis zum Regieren erarbeiten. K&#228;me eine solche Konstellation zustande, w&#228;re das der Super-Gau vor allem f&#252;r die Union. Denn sie wei&#223; nat&#252;rlich, dass die SPD durch die Aufgabe ihrer Grenzziehung nach Links – die vorerst f&#252;r den Bund weitergilt und auch bez&#252;glich der L&#228;nder durch schwammige »Konditionen«, wie es Kurt Beck nannte, jederzeit wieder kr&#228;ftig markiert werden kann – ihre Stellung im Parteiengef&#252;ge zu Lasten der Union verbessern w&#252;rde. Gerade deshalb hat diese das gr&#246;&#223;te Interesse am Fortbestehen der sozialdemokratischen Selbstfesselung oder – in den Worten von CDU-Generalsekret&#228;r Ronald Pofalla – daran, dass »wieder Disziplin bei der SPD einzieht« und kein Landesverband die »zweifelhafte Freiheit« einer selbstst&#228;ndigen Entscheidung bez&#252;glich der Linkspartei nutzt.</p>
<p>So denkt auch die FDP, die sich aber zugleich darum bem&#252;ht, angesichts der schwindenden Wahrscheinlichkeit einer b&#252;rgerlichen Mehrheit in eine Position zu kommen, mit der sie als Wahlm&#246;glichkeit f&#252;rs Regieren wieder zur Kenntnis genommen wird. Inhaltliche Positionen tr&#228;gt ihr Chef Guido Westerwelle zwar dabei noch wie eine Monstranz vor sich her, doch ansonsten reicht ihm f&#252;rs B&#252;ndnisschmieden, dass die FDP nicht tatenlos zusehen wolle, »wie Deutschland von Sozialisten und Kommunisten mitregiert wird«. &#196;hnlich agieren die Gr&#252;nen, die sich zwar in Kooperationsfragen nie so apodiktisch festgelegt hatten wie Union, SPD und FDP, nun allerdings vor der Frage stehen, ob sie k&#252;nftig zum Mehrheitsbeschaffer f&#252;r das »b&#252;rgerliche Lager« werden wollen.</p>
<p>Die Union jedoch hofft derzeit vor allem auf die opportunistischen Reflexe der SPD, auf die bisher noch stets Verlass war. Denn eine deutliche Hinwendung nach Links w&#228;re nicht nur eine B&#252;ndnisentscheidung im Hinblick auf andere politische Kr&#228;fte, sondern m&#252;sste vor allem ein inhaltlicher Richtungswechsel sein – weg von neoliberaler Agenda-Politik, von sozialer Ungerechtigkeit und milit&#228;rischen Abenteuern im Ausland. Von einer solch grundlegenden Kurs&#228;nderung ist die SPD – das zeigt schon der Widerstand gegen die vorsichtigen inhaltlichen Positions&#228;nderungen der hessischen Sozialdemokraten – weit entfernt. Und damit auch von einer L&#246;sung ihrer derzeitigen Krise.</p>
<p>F&#252;r die Union jedoch schafft das allenfalls eine Atempause. Zwar wird die Zusammenarbeit mit der SPD wohl mehr schlecht als recht &#252;ber die Zeit bis 2009 gebracht, doch im Wahlkampf brechen die Widerspr&#252;che zwischen den derzeitigen Partnern vermutlich derart auf, dass ein erneutes schwarz-rotes B&#252;ndnis keineswegs sicher ist. Kommt dann auch Schwarz-Gelb nicht zustande, blieben nur die schon genannten gr&#252;nen Mehrheitsbeschaffer, was aber auf absehbare Zeit eher die Ausnahme als die Regel sein und selbst dann ohne die schmerzhafte Trennung von einst ehernen konservativen Prinzipien kaum zu haben sein d&#252;rfte.</p>
<p>Damit aber wird auch die Formulierung der eigenen Politik f&#252;r die Union immer schwieriger. Nach der Wahl – und nicht etwa im Wahlkampf – empfahl Niedersachsens Ministerpr&#228;sident Christian Wulff, der aufgrund der Schw&#228;che der nieders&#228;chsischen SPD noch einmal mit der FDP regieren kann, ein »klares wirtschaftspolitisches Profil«. Die CDU m&#252;sse »Anwalt von Haushaltskonsolidierung, sinkender Staatsquote, Entb&#252;rokratisierung und von weiteren Reformen der sozialen Sicherungssysteme hin zu Eigenverantwortung und Wettbewerb sein«. Angela Merkel d&#252;rfte dazu nur m&#252;de l&#228;cheln, hat sie doch mit einem derartigen Programm beinahe die letzte Bundestagswahl verloren.</p>
<p>Und seitdem ist es ihr auch nicht gelungen, die Stimmung in der Bev&#246;lkerung zu drehen – vor allem deshalb, weil die mit der SPD betriebene Politik auf weitere Umverteilung von unten nach oben hinauslief. Weiterhin hohe Arbeitslosigkeit, die Zunahme prek&#228;rer und immer schlechter bezahlter Arbeitspl&#228;tze auf der einen und steigende Preise auf der anderen Seite, Kinderarmut und drohende Verarmung im Alter – das sp&#252;ren viele Menschen t&#228;glich, nicht jedoch, dass bei ihnen der »Aufschwung« ank&#228;me.</p>
<p>Massenentlassungen trotz Superprofiten, Milliardenspekulationen der Banken und die uners&#228;ttliche Gier einiger Manager machen zus&#228;tzlich deutlich, wie sehr soziale Ungerechtigkeiten zunehmen. Notgedrungen musste Angela Merkel k&#252;rzlich den auf weitere Steuergeschenke dr&#228;ngenden Unternehmern eine Absage erteilen; damit verst&#228;rkt sich jedoch auch in Wirtschaftskreisen die Unzufriedenheit mit der Union, von der sie so viel erwartet hatten.</p>
<p>Auch der Versuch, die innenpolitischen Defizite durch au&#223;enpolitischen Aktionismus vergessen zu machen, war nur kurzzeitig erfolgreich. Es lieferte zwar sch&#246;ne Bilder, wenn die »Klima-Kanzlerin« zum Nordpol d&#252;ste oder sich im Tarnanzug unter deutsche Soldaten in Afghanistan mischte; Probleme l&#246;ste es nicht. Als es bei der EU ernst wurde mit CO2-Grenzwerten, trat sie zugunsten der deutschen Autoindustrie auf die Bremse. Und das von ihr offensichtlich bef&#252;rwortete erweiterte Afghanistan-Engagement d&#252;rfte sich kaum zum Wahlkampfschlager eignen.</p>
<p>Unter dem Strich ist auch Merkels au&#223;enpolitische Bilanz mager: ein EU-Grundlagenvertrag auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, um dessen Annahme dennoch gebangt wird. Meinungsverschiedenheiten mit Frankreichs Pr&#228;sident, Verstimmung &#252;ber »Au&#223;enpolitik mit Blick auf Schlagzeilen«, wie es der eigene Au&#223;enminister formulierte, in Peking und Moskau. Daf&#252;r unterw&#252;rfige Botm&#228;&#223;igkeit gegen&#252;ber dem USA-Pr&#228;sidenten und Sonderbeziehungen zu Israel – einem Staat, der eine besonders v&#246;lkerrechtswidrige und gewaltt&#228;tige Politik betreibt.</p>
<p>Am bedrohlichsten aber mag f&#252;r CDU und CSU sein, dass sich in den gegenw&#228;rtigen Ver&#228;nderungen der Parteienlandschaft grundlegende gesellschaftliche Prozesse spiegeln. Beobachter wie der G&#246;ttinger Parteienforscher Franz Walter sagen bereits langfristig schwindenden Einfluss der C-Parteien voraus. Die Phalanx von Konservatismus und B&#252;rgerlichkeit habe sich aufgel&#246;st, konstatiert er und zieht den Schluss: »Der alte Klebstoff, der Kitt aus Antisozialismus, Heimatt&#252;melei, Kirche und Bindungsmoral, ist perdu.«</p>
<p>F&#252;r die Linkspartei mag das alles euphorisierend sein, doch mit einem solchen Prozess stellen sich auch f&#252;r sie jene beunruhigenden Fragen, auf die sie schon heute kaum eine befriedigende Antwort findet, in neuer Sch&#228;rfe. Wo sie bisher politische Verantwortung &#252;bernahm, war ihr Zauber zumeist bald verflogen, weil es der SPD gelang, ihre Politik – vielleicht bereinigt um einige besonders schlimme Grausamkeiten – im Kern unver&#228;ndert fortzusetzen und die LINKE daf&#252;r in Haftung zu nehmen. Insofern k&#246;nnte jeder k&#252;nftige Wahlerfolg der Linkspartei, verbunden mit den Erwartungen ihrer W&#228;hler, dazu f&#252;hren, dass auch sie in eine strategische Falle ger&#228;t, aus der sie den Ausweg derzeit zwar sucht, aber noch nicht gefunden hat.</p>
<p>(Gedruckt in: Neues Deutschland vom 15.03.2008)<!--more--></p>
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		<title>SPD wieder mal am Scheideweg</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Feb 2008 17:17:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die gegenw&#228;rtige Auseinandersetzung bei der Sozialdemokratie &#252;ber das Verh&#228;ltnis zur Linken ist nicht mehr als ein Nebenkriegsschauplatz – und entsprechend wird sie auch gef&#252;hrt. Obwohl bis auf einen alle Vorstandsmitglieder der Selbstverst&#228;ndlichkeit, dass jeder Landesvorstand selbst&#228;ndig &#252;ber seine Politik entscheidet, zugestimmt haben, setzen einige entgegen ihrem Votum die Debatte munter fort, ignorieren dabei aber die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Die gegenw&#228;rtige Auseinandersetzung bei der Sozialdemokratie &#252;ber das Verh&#228;ltnis zur Linken ist nicht mehr als ein Nebenkriegsschauplatz – und entsprechend wird sie auch gef&#252;hrt. Obwohl bis auf einen alle Vorstandsmitglieder der Selbstverst&#228;ndlichkeit, dass jeder Landesvorstand selbst&#228;ndig &#252;ber seine Politik entscheidet, zugestimmt haben, <span id="more-333"></span>setzen einige entgegen ihrem Votum die Debatte munter fort, ignorieren dabei aber die eigentliche Frage, wie die SPD aus ihrem Dilemma herauskommen will.</font></p>
<p><font size="2" face="Arial">Denn tats&#228;chlich ist der Kurs auf Zusammenarbeit mit der Linkspartei ein defensiver Kurs, akzeptiert er doch, dass diese Partei links von der Sozialdemokratie ihre Daseinsberechtigung hat, weil sie Positionen vertritt, die der SPD zu weit gehen. Offensiv w&#228;re hingegen, durch eigene inhaltliche Festlegungen der Linken Konkurrenz zu machen, sich selbst also glaubw&#252;rdig als eigentliche Linkspartei zu pr&#228;sentieren. Andrea Ypsilanti hat das mit ihrem Wahlkampf versucht und damit nicht nur der Koch-CDU eine Niederlage bereitet, sondern auch die Linke fast aus dem Landtag ferngehalten.</font><font size="2" face="Arial"> </font></p>
<p><font size="2" face="Arial">Wichtige Vertreter der <a target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/meinung/728789.html">SPD-F&#252;hrungsspitze</a> sind jedoch nicht gesonnen, die hessischen Erfahrungen zu verallgemeinern. Lieber versammeln sie sich hinter dem hessischen Wahlverlierer in der Person des dortigen SPD-Chefs Garrelt Duin, der als Einziger gegen selbst&#228;ndige Entscheidungen der Landesverb&#228;nde in Sachen Linkspartei stimmte und nach einer Generallinie der Partei in dieser Frage rief. Die nieders&#228;chsische SPD hat gerade weitere fast 295 000 Stimmen gegen&#252;ber dem schon schlechten Wahlergebnis von 2003 verloren und nur 30,3 Prozent erreicht, w&#228;hrend die Linken in Niedersachsen das beste Resultat der drei Winterwahlen erzielten. Sich ausgerechnet eine solche »Leistung« zum Vorbild zu nehmen und nicht Hessen mit seinen fast 210 000 Stimmen Zugewinn und 36,7 Prozent, verr&#228;t viel &#252;ber die Realit&#228;tsverweigerung der rechtslastigen SPD. Die Steinbr&#252;ck, Steinmeier, Struck, der Seeheimer Kreis und andere Agenda-Politiker haben zwar keinerlei Konzept, wie ihre Partei wieder an Zustimmung bei den W&#228;hlern gewinnen kann, aber sie wollen auch nicht zulassen, dass sich andere dar&#252;ber Gedanken machen. Sie lehnen nicht nur die &#214;ffnung zur Linkspartei ab, sondern auch eine Strategiedebatte &#252;ber Korrekturen ihrer vom Wahlvolk immer st&#228;rker abgelehnten Politik. Offensichtlich sind sie ideologisch inzwischen so festgelegt, dass ihnen die Mehrheitsbeschaffung f&#252;r die CDU wichtiger ist als selbstbewusste eigene und zugleich mehrheitsf&#228;hige Positionen. Nicht zuf&#228;llig hat gerade erst Th&#252;ringens SPD-Vorsitzender Christoph Matschie einen solchen Kurs in seiner Partei durchgesetzt. Da er nicht Juniorpartner f&#252;r die Linke sein will, dient er sich der CDU in dieser Funktion an.</font><font size="2" face="Arial"> </font></p>
<p><font size="2" face="Arial">Ausdruck dieser Zerrissenheit ist auch das Lavieren Kurt Becks. Die SPD steht wieder einmal an einem Scheideweg. Entweder sie setzt den Rechtskurs mit Sozialabbau, Einschr&#228;nkung demokratischer Rechte und milit&#228;rischen Abenteuern im Ausland fort oder sie besinnt sich auf ihre Traditionen und die Erwartungen der Mehrheit der B&#252;rger und formuliert eine tats&#228;chlich linke Politik. Mit Letzterer f&#228;nde sie auch eine wirksame Strategie gegen&#252;ber der Linkspartei.</font></p>
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		<title>Deutungsschlacht um Hamburger Wahlergebnis</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Feb 2008 20:44:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Nach dem Wahlkampf in Hamburg tobt nun der Deutungskampf um Hamburg. Vor einer Woche wurde die SPD von den Demoskopen mit 34 (Forschungsgruppe Wahlen) bis 35 (Infratest-dimap) Prozent gehandelt; dass sie jetzt fast exakt dieses Ergebnis bekam, bewerten all jene, die ihr nach Kurt Becks Sinnieren &#252;ber eine m&#246;gliche Wahl Andrea Ypsilantis zur hessischen Ministerpr&#228;sidentin mit den Stimmen der Linken eine Katastrophe vorausgesagt hatten, genau als eine solche. <span id="more-331"></span>Sie tun so, als w&#228;re die Naumann-SPD ohne Becks &#196;u&#223;erungen meilenweit an Ole von Beust vorbeigezogen, und selbst hochdotierte Parteienforscher wie J&#252;rgen Falter erfinden abenteuerliche Erkl&#228;rungsmuster, um ihren Irrtum zu verbergen.</p>
<p>Tats&#228;chlich jedoch verr&#228;t dieses Resultat – und gerade das l&#246;st wohl die allgemeine Verunsicherung aus, dass mit der »roten Gefahr«, die vor allem CDU und FDP mangels besserer Argumente gebetsm&#252;hlenhaft beschworen, keine Mehrheiten mehr zu mobilisieren sind. Weder wurden der SPD machtpolitische Denkmodelle, die die Linken einschlie&#223;en, &#252;bel genommen, noch schadeten der Linkspartei einige DKP-Mitglieder auf ihrer Liste, obwohl diese in der Propaganda unisono zum quasi linksextremistischen Nomenklatura-Sturmtrupp erkl&#228;rt wurde. Denn auch die Linke erreichte ein Resultat, das bis auf einige Zehntelprozent den Voraussagen der Meinungsforscher vor gut einer Woche entsprach.</p>
<p>Dennoch glauben etliche im inzwischen ziemlich rechtslastigen SPD-Vorstand – ideologische Scheuklappen sind ein hartn&#228;ckig Ding, wie gerade ehemalige DDR-B&#252;rger sehr gut wissen – eher Union, FDP und den ihnen verpflichteten Medien, die sich unter F&#252;hrung der »Bild«-Zeitung in eine geradezu hysterische Kampagne hineinsteigerten. Zwar erkl&#228;rte Kurt Beck trotzig, dass er m&#246;gliche Irritationen im Wahlkampf durch seine &#196;u&#223;erungen zu Hessen bedauere, zugleich aber keine Anzeichen daf&#252;r sehe, »dass in diesem Wahlergebnis ein merkbarer Effekt enthalten ist«, aber ob er das durchh&#228;lt, steht dahin. Sein Generalsekret&#228;r Hubertus Heil ist jedenfalls unter dem breiten Grinsen seines CDU-Kollegen Pofalla bereits von der Fahne gegangen, und der Hamburger SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann machte auch schon deutlich klar, dass er nur mit Ole von Beust regieren will oder gar nicht.</p>
<p>Also wiederholt sich wohl in Hamburg das hessische Trauerspiel – sehr zur Freude &#252;brigens der Gr&#252;n-Alternativen Liste. Sie hat schnell erkannt, dass nun sie das Z&#252;nglein an der Waage ist. Ob sie allerdings daraus etwas Positives f&#252;r Hamburg macht, bleibt nach ihrem opportunistischen Kurs der letzten Jahre hinein in die b&#252;rgerliche Mitte abzuwarten.</p>
<p></font></p>
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		<title>Im antilinken Parteien-Mikado bewegt sich – die SPD</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Feb 2008 12:58:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es kann gut sein, dass die W&#228;hler am Sonntag in Hamburg nicht nur &#252;ber ihre B&#252;rgerschaft entscheiden, sondern auch &#252;ber den k&#252;nftigen Kurs der SPD. Denn nach den wohl bewusst sybillinischen &#196;u&#223;erungen der hessischen Parteivorsitzenden Andrea Ypsilanti und des Bundesparteichefs Kurt Beck &#252;ber eine Ministerpr&#228;sidentenwahl in Wiesbaden, bei der Ypsilanti auch die sechs linken Stimmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Es kann gut sein, dass die W&#228;hler am Sonntag in Hamburg nicht nur &#252;ber ihre B&#252;rgerschaft entscheiden, sondern auch &#252;ber den k&#252;nftigen Kurs der SPD. Denn nach den wohl bewusst <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/ypsilanti-muss-das-jetzt-machen/?src=AR&amp;cHash=0e89b3ce97">sybillinischen &#196;u&#223;erungen </a>der hessischen Parteivorsitzenden Andrea Ypsilanti und des Bundesparteichefs Kurt Beck &#252;ber eine Ministerpr&#228;sidentenwahl in Wiesbaden, <span id="more-329"></span>bei der Ypsilanti auch die sechs linken Stimmen im Landtag nicht verschm&#228;hen w&#252;rde, k&#246;nnen die Hamburger den Urnengang zum Referendum auch dar&#252;ber machen. &#220;ber die Frage n&#228;mlich, ob die Sozialdemokraten mit den Linken unbefangener umgehen sollen – bis hin zur Pr&#252;fung einer mehr oder minder f&#246;rmlichen Zusammenarbeit mit dieser Partei. Sollte eine &#252;berzeugende Zahl von W&#228;hlern der SPD trotz – oder gerade wegen – einer solchen Option ihre Stimme geben, dann k&#246;nnten Ypsilanti und Beck am Montag vor die Parteigremien treten und selbstbewusst sagen: Na seht Ihr, es geht doch!</p>
<p>Das aber ist es gerade, was die Mehrheit der politischen Klasse in den anderen Parteien, aber auch in weiten Teilen der inzwischen <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,536969,00.html">ziemlich weit nach Rechts ger&#252;ckten SPD</a>, in den Medien und anderswo f&#252;rchtet wie der Teufel das Weihwasser – dass mit einer solchen Entscheidungsfrage und der Antwort an den Wahlurnen im eher b&#252;rgerlichen Hamburg eins der liebsten Klischees der alten Bundesrepublik auf den M&#252;llhaufen der Geschichte bef&#246;rdert w&#252;rde: die M&#228;r von der kommunistischen Gefahr. Zwar ist diese bereits seit langem nur noch in den K&#246;pfen Ewiggestriger pr&#228;sent (worauf die W&#228;hler in Hessen und Niedersachsen bereits eindrucksvoll verwiesen haben), doch wie sehr man sich daran noch klammert, zeigt die gegenw&#228;rtige scharfe antikommunistische Kampagne, die in Inhalt wie Form lebhaft an die Auseinandersetzunggen um die KPD zur Adenauerzeit erinnert und gestern in einer <a target="_blank" href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/124434.html">Bundestagsdebatte</a> gipfelte, in der sich CDU, CSU, Gr&#252;ne Und FDP im Schulterschluss gegen die »rote Gefahr« vereinigten; auch hier war die SPD trotz grunds&#228;tzlicher &#220;bereinstimmung in der antikommunistischen Attit&#252;de die Einzige, die sorgsam zwischen erkl&#228;rten Kommunisten und dem Rest der Linkspartei differenzierte.</p>
<p>Dabei m&#246;gen bei Ypsilanti und Beck durchaus unterschiedliche Motive vorliegen; w&#228;hrend Erstere – und mit ihr die Gr&#252;nen, beide auch mit Blick auf ihre Wahlprogramme – vielleicht tats&#228;chlich lieber auf die Linken R&#252;cksicht nehmen w&#252;rden als auf die neoliberale FDP, will Beck m&#246;glicherweise Letztere mit der Drohung ihrer Isolierung in einer Ampelkoalition zwingen, ohne die Ypsilanti-Variante g&#228;nzlich auszuschlie&#223;en. Schlie&#223;lich will er f&#252;r seine Partei wieder Handlungsf&#228;higkeit gewinnen; die apodiktische Aussage &#252;ber Nichtb&#252;ndnisse hat sie gel&#228;hmt – sehr zur Freude der politischen Konkurrenz, die deshalb auch besonders hartn&#228;ckig auf die Fortsetzung dieser f&#252;r die SPD zerst&#246;rerischen Selbstfesselung dringt.</p>
<p>Der Sinneswandel der SPD mag – au&#223;er durch das hessische Patt – auch von der Erkenntnis bef&#246;rdert worden sein, dass die Linke offensichtlich trotz der geschichtslosen &#196;u&#223;erungen eines auf ihrer Liste in den nieders&#228;chsischen Landtag gew&#228;hlten DKP-Mitgliedes in Hamburg wenig zu bef&#252;rchten hat. Nach Umfragen wird sie mit ziemlicher Sicherheit in die B&#252;rgerschaft einziehen; auch das ein Beweis, dass die jahrzehntelang spielbestimmende antikommunistische Karte fast zwanzig Jahre nach der Wende, die den Kommunismus als System weitgehend obsolet machte, nicht mehr zieht. Damit sind eigentlich alle anderen Parteien aufgerufen, ihre strategischen Positionen in der bundesdeutschen politischen Landschaft neu zu bestimmen. Dass damit ausgerechnet die SPD beginnt, mag aus den aktuellen Zw&#228;ngen erkl&#228;rlich sein; &#252;berraschend ist es dennoch.</p>
<p></font></p>
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		<title>In die Katastrophe am Hindukusch</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Feb 2008 16:51:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Muster ist bekannt. Erst ein »entschiedenes Nein«, dann das »Nein, aber &#8230;«, dem das »Kaum« folgt. Schlie&#223;lich kommt das »Vielleicht«, danach ein »Teilweise ja«, darauf ein Ja, aber &#8230;« und am Ende das »Ja« - so uneingeschr&#228;nkt, wie einst Schr&#246;der den USA Solidarit&#228;t schwor. Darauf besteht Bush jetzt, und seine Busenfreundin Angela Merkel hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Das Muster ist bekannt. Erst ein »entschiedenes Nein«, dann das »Nein, aber &#8230;«, dem das »Kaum« folgt. Schlie&#223;lich kommt das »Vielleicht«, danach ein »Teilweise ja«, darauf ein Ja, aber &#8230;« und am Ende das »Ja« <span id="more-324"></span>- so uneingeschr&#228;nkt, wie einst Schr&#246;der den USA Solidarit&#228;t schwor. Darauf besteht Bush jetzt, und seine Busenfreundin Angela Merkel hat weder die Kraft noch den Willen, ihm gegen&#252;ber die eigenen Interessen auch nur auszusprechen, geschweige denn durchzusetzen. Was sie z&#246;gern l&#228;sst, ist allein ihr Machtwille. Nat&#252;rlich wei&#223; sie, dass zwei Drittel der Deutschen gegen einen Kampfeinsatz in Afghanistan sind, und sie f&#252;rchtet, dass deren Votum zwar kaum die SPD st&#228;rken d&#252;rfte, die beinahe noch versessener auf das afghanische Abenteuer zu sein scheint als die Union, sondern die Linke mit ihrem kompromisslosen Kurs gegen jeden Milit&#228;reinsatz im Ausland.</p>
<p>Am Ende jedoch wird sie <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,534170,00.html">Soldaten in den Kampf und in den Tod schicken</a>, ohne dass klarzumachen ist, wof&#252;r – au&#223;er f&#252;r die Unterst&#252;tzung der Rambopolitik eines abgewirtschafteten US-Pr&#228;sidenten. Dass George W. Bush selbst als »lahme Ente« noch in der Lage ist, die deutsche Au&#223;en- und Sicherheitspolitik nachhaltig zu beeinflussen, sagt viel &#252;ber die angeblich so hervorragenden au&#223;enpolitischen Erfolge der Kanzlerin. Sie sind nicht mehr als herbeigeschriebene Legende, fallen in sich zusammen, sobald aus Washington ein leises L&#252;ftchen weht. Vom »entschiedenen Nein« vor einer Woche sind wir in atemberaubender Geschwindigkeit schon &#252;ber das »Nein, aber &#8230;« und auch das »Kaum« hinweg beim »Vielleicht«. Der <a target="_blank" href="http://www.ad-hoc-news.de/Aktie/12717881/News/15408625/MORGAN+STANLEY.html">Verteidigungsminister </a>jedenfalls verspricht f&#252;r den Herbst ein neues Mandat entsprechend der »konkreten Situation«. Wie die dann sein wird, ist schon heute klar: Schlechter als jetzt, und damit ist sein Ausweichen bereits eine Zusage: »Teilweise ja«; die n&#228;chsten Stufen werden folgen.</p>
<p>Und auch an das unwillige Volk ist gedacht. Im Wahlkampf, so hei&#223;t es, d&#252;rfe das Thema keine Rolle spielen. Dabei hatte doch Angela Merkel gerade erst lauthals verk&#252;ndet, <a target="_blank" href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/merkels-kunstvolle-verrenkungen/?src=AR&amp;cHash=a720c35fe8">in Wahlk&#228;mpfen gebe es keine Tabus</a>; mit dieser Begr&#252;ndung begr&#252;&#223;te sie ausdr&#252;cklich, dass Koch in Hessen ein Thema aufgegriffen habe, das viele Menschen bewege. Das Thema »Deutsches Kanonenfutter f&#252;r die USA« soll jedoch unabh&#228;ngig von seiner offensichtlichen Bedeutung f&#252;r die Menschen 2009 erst nach der Bundestagswahl wieder auf die Tagesordnung kommen. Auch das verr&#228;t, wohin die Reise geht. In die Katastrophe am Hindukusch.</p>
<p></font></p>
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