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	<title>blogsgesang.de &#187; Linkspartei</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>In der Bundesrepublik ist die &#220;berwachung Andersdenkender eine normale Sache</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 16:10:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat schon recht. Die »k&#252;nstlich erzeugte Aufregung« um die – zumindest im Bundestag – schon bald fl&#228;chendeckende Ausforschung der Linkspartei ist eigentlich nicht zu verstehen. Geh&#246;rt doch seit jeher zum Waffenarsenal eines Staates – &#252;ber alle ideologischen Grenzen hinweg – die &#220;berwachung seiner Kritiker, denn seinen Vertretern geht es schlie&#223;lich darum, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat schon recht. Die »k&#252;nstlich erzeugte Aufregung« um die – zumindest im Bundestag – schon bald fl&#228;chendeckende Ausforschung der Linkspartei ist eigentlich nicht zu verstehen. Geh&#246;rt doch seit jeher zum Waffenarsenal eines Staates – &#252;ber alle ideologischen Grenzen hinweg – die &#220;berwachung seiner Kritiker, denn seinen Vertretern geht es schlie&#223;lich darum, die ihnen dienlichen Verh&#228;ltnisse zu erhalten, den m&#252;hsam geschaffenen Herrschaftsstatus gegen alle Ver&#228;nderungsbem&#252;hungen abzusichern.</p>
<p>Um das zu begreifen, gen&#252;gt es v&#246;llig, einen Blick ins Verfassungsschutzgesetz von 1990 zu werfen<span id="more-3695"></span>, in dem als Aufgabe f&#252;r den bundesdeutschen Inlandsgeheimdienst keineswegs – wie mancher <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/verfassungsschutz-um-der-freiheit-willen-11626269.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/fa5a3ab5930444c4a8c2f153026bdc4f" alt="" width="1" height="1" />beflissene Propagandist des bestehenden Systems</a> glauben machen will – die Verteidigung von Freiheit und Demokratie formuliert ist, sondern aus gutem Grund die Aufkl&#228;rung von Bestrebungen, die <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/bverfschg/BJNR029700990.html" target="_blank">»gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind«</a>. Es geht also um die Erhaltung einer bestimmten Ordnung, n&#228;mlich der gerade bestehenden, die vorgibt, Freiheit und Demokratie gepachtet zu haben, woraus sie f&#252;r sich einen Ewigkeitsanspruch ableitet. Diesen gesetzlich und im Falle eines Geheimdienstes letztlich auch repressiv durchzusetzen, ist das Ziel der Beh&#246;rde, die sich meliorativ Verfassungsschutz nennt.</p>
<p>Tats&#228;chlich geht es also nicht um die Verteidigung der Verfassung oder gar der Demokratie, sondern um Zementierung eines politischen Systems. Das wurde in der DDR besonders akribisch und kompromisslos betrieben, in westlichen Staaten fehlt es aus verschiedenen Gr&#252;nden oft an solchem Perfektionismus, doch in der Grundtendenz sind die Ziele die gleichen, und auch bei den Methoden zeigen sich – wie wir jetzt eindrucksvoll best&#228;tigt bekommen – zunehmende &#196;hnlichkeiten. Jedenfalls sind die Zeiten vorbei, da man sich &#252;ber Video&#252;berwachung oder Abh&#246;raktionen, die Aussp&#228;hung Andersdenkender und die Einschleusung von Spitzeln in der DDR im Bewusstsein eigener Unfehlbarkeit glaubte emp&#246;ren zu k&#246;nnen. Und angesichts der aktuellen Argumentation erweist sich die gern ins Feld gef&#252;hrte Unterscheidung zwischen Rechtsstaat und Diktatur schnell als Schim&#228;re; wenn es um Machtfragen geht, h&#246;rt bei jedem Machthaber der Spa&#223; auf.</p>
<p><a href=" http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1660466/" target="_blank">Innenminister Friedrich</a> hat das gerade jetzt mit dankenswerter Klarheit best&#228;tigt. Er r&#228;umte nicht nur ein, dass Volksvertreter der Linkspartei bereits seit mehr als 16 Jahren &#252;ber die Beobachtung ihres &#246;ffentlichen Tuns hinaus nachrichtendienstlich &#252;berwacht werden, jedenfalls in den Akten des Bundesamtes f&#252;r Verfassungsschutz solche &#220;berwachungsergebnisse, woher auch immer, enthalten sind. Er musste auch zugeben, dass ihnen in dieser langen Zeit eine konkrete T&#228;tigkeit gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht nachgewiesen werden konnte, sondern dass sich seine Kritik fast ausschlie&#223;lich gegen die unerw&#252;nschte Gesinnung, die andere Meinung der Linken richtet: »&#8230; zum Beispiel, dass sich Teile der Linken nicht abgrenzen von linksextremistischer Gewalt, zum Beispiel, dass ihre Programmatik darauf gerichtet ist, einen marxistischen Staat zu errichten, zum Beispiel, dass sie die in Deutschland verbotene Guerilla-Organisation PKK in Teilen unterst&#252;tzen, &#8230; auch dass sie sich nicht distanzieren vom Unrechtsstaat der DDR, auch dass sie das kubanische Unrechtssystem offensichtlich ganz toll finden … Es gibt dort die Kommunistische Plattform, es gibt das Marxistische Forum, es gibt die Junge Linke, die ganz klar erkl&#228;ren, was sie von dieser parlamentarischen Demokratie halten, n&#228;mlich nichts, dass sie den Kampf au&#223;erhalb dieser Parlamente auf den Stra&#223;en f&#252;hren wollen, also es gibt da klare Erkl&#228;rungen.«</p>
<p>Den berechtigten Hinweis, dass es auch in anderen Parteien, einschlie&#223;lich von CDU und CSU, mitunter Meinungen und Aktivit&#228;ten gebe, die als Unterst&#252;tzung von Diktatoren gewertet werden k&#246;nnen, bezeichnete Friedrich als »l&#228;cherlich«, und dass sich die Linkspartei gegen eine solche Behandlung wehre, sieht er faktisch als zus&#228;tzliches Verdachtsmoment, »weil man offensichtlich einen g&#252;nstigen Moment glaubt, wo man sich als die Partei der Linken einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz entziehen kann«.</p>
<p>Der Minister f&#252;hlt sich im Recht, und das ist er auch. L&#228;ngst hat sich in der Bundesrepublik unter t&#228;tiger Mithilfe aller Parteien, die sie regieren bzw. regierten, eine gesetzlich abgesicherte Ordnung entwickelt, in der die &#220;berwachung Andersdenkender zur normalen Sache geworden ist.</p>
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		<title>Saarl&#228;ndisches Passspiel zwischen CDU und Linkspartei</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 18:45:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer<span id="more-3584"></span> das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis durch eine stabilere Koalition mit der SPD zu ersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>F&#252;r sie war klar, dass sie in der Regierung mit FDP und Gr&#252;nen, beide unsichere Kantonisten, nur verlieren konnte; vor allem die CDU w&#252;rde nach dem absehbaren Koalitionsbruch als Verlierer dastehen. Also trat sie die Flucht nach vorn an, beendete selbst das B&#252;ndnis und machte unverz&#252;glich der SPD ein Angebot, das dieser endlich das Mitregieren, ihr aber das Weiterregieren sicherte. Im besten Falle w&#252;rden die Sozialdemokraten um winkender Ministerposten willen sogar sie selbst weiter als Ministerpr&#228;sidentin akzeptieren. Im wahrscheinlicheren – und <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/vor-neuwahl-im-saarland-zaudern-zoegern-taktieren-11616784.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2c20f74ea6a34500aae519aeee46be01" alt="" width="1" height="1" />nun eingetretenen</a> – Fall von Neuwahlen bliebe ihr zumindest die Chance auf ein Resultat, das zum gleichen Ergebnis f&#252;hrte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hintergrund einer solchen Hoffnung ist ein saarl&#228;ndisches Alleinstellungsmerkmal f&#252;r die westlichen Bundesl&#228;nder, n&#228;mlich die einmalige <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/216308.linke-will-wieder-dritter-werden.html" target="_blank">St&#228;rke der Linkspartei</a>. Bei den Landtagswahlen 2009 errang sie mit ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine, der dort schon einmal f&#252;r die SPD eine sehr erfolgreicher Ministerpr&#228;sident war, 21,3 Prozent der Stimmen, nur 3,2 Prozent weniger als die Sozialdemokraten. Daf&#252;r, dass dies wiederholbar ist, gibt es zwar keine Garantie, aber ein sehr ordentliches zweistelliges Resultat ist f&#252;r die Linke durchaus drin; es w&#252;rde vermutlich erneut vor allem zu Lasten der SPD gehen. Genauso d&#252;rfte Kramp-Karrenbauer kalkulieren, auch wenn Umfragen aus dem letzten Jahr die Sozialdemokraten knapp vorn sahen. Sie ist also durchaus an einem guten Wahlergebnis der Linken interessiert, denn dies k&#246;nnte sich als steiler Pass in den gegnerischen Strafraum erweisen, mit dem sich bei eigener guter Leistung der erw&#252;nschte Erfolg sicherstellen lie&#223;e.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber auch f&#252;r die Linkspartei ergibt sich daraus eine unerwartete Chance. Sie kann – im Kleinversuch – ausprobieren, ob eine wahrhaft alternative Politik zum entfesselten Kapitalismus, wie sie Oskar Lafontaine glaubw&#252;rdig vertritt, w&#228;hlerwirksam ist, woran j&#252;ngst Zweifel aufgekommen sind. Nachdem ihre Unterwerfung unter den – wenn auch sozialdemokratisch angehauchten – vorgeblich alternativlosen Politikstil in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und vor allem Berlin bereits gescheitert ist und in Brandenburg ebenfalls zu scheitern droht, ist dies ihre vielleicht letzte M&#246;glichkeit, als eigenst&#228;ndige Kraft wahr- und dann auch angenommen zu werden. Dass ihr die ausgerechnet die CDU verschafft, belegt einmal mehr die Ironie der Geschichte, die sich von ideologischen Grenzziehungen nicht beeindrucken l&#228;sst.</p>
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		<title>Komplizenschaft mit dem Rechtsextremismus</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 18:41:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Je mehr derzeit &#252;ber die enge Verbindung der rechtsextremistischen Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) mit den deutschen »Verfassungsschutz«-Beh&#246;rden bekannt wird, desto dringlicher stellt sich die Frage, wie in dieser offensichtlich engen Beziehung Koch und Kellner zusammenwirkten. Dieser Frage freilich suchen Sicherheitsleute wie Politiker tunlichst auszuweichen – durch einen st&#228;ndig wachsenden Wust vermeintlicher Informationen, der mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Je mehr derzeit &#252;ber die enge Verbindung der rechtsextremistischen Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) mit den deutschen »Verfassungsschutz«-Beh&#246;rden bekannt wird, desto dringlicher stellt sich die Frage, wie in dieser offensichtlich engen Beziehung Koch und Kellner zusammenwirkten. Dieser Frage freilich suchen Sicherheitsleute wie Politiker tunlichst auszuweichen<span id="more-3345"></span> – durch einen st&#228;ndig wachsenden Wust vermeintlicher Informationen, der mehr zu- als aufdecken soll.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Neu ist diese Methode nicht. Auf schon fr&#252;her offenbar gewordene Konspirationen zwischen Rechtsextremisten und Sicherheitsbeh&#246;rden wurde gern mit der verharmlosenden Alliteration »Pleiten, Pech und Pannen« reagiert und der daraus erwachsende kabarettistische Spott klaglos in Kauf genommen; Hauptsache, es fragte keiner nach. Jetzt verf&#228;ngt – angesichts von mindestens zehn brutalen Morden – solch launige »Selbstkritik« nicht mehr. Nun spricht man, auch in den staatstreuen Medien, immerhin vom Versagen des Verfassungsschutzes – und lenkt auch damit vom Kern des Skandals ab. Denn es waren nicht Fehlleistungen und professionelle Unf&#228;higkeit, die das Netzwerk von Geheimdienstlern und Neonazis hervorbrachten, , sondern offensichtlich ein bewusstes Kalk&#252;l. Man fand sich im Kampf gegen vermeintlich gemeinsame Feinde und ging dankbar auf die M&#246;glichkeit ein, gewisserma&#223;en sich erg&#228;nzende Mittel dabei einzusetzen. Man betrachtete und akzeptierte sich gegenseitig als Komplizen bei der Aufgabe, Gegner zur Strecke zu bringen, die von beiden als gro&#223;e Gefahr angesehen wurden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Vorgaben zu solchem Denken kamen aus der Politik, vor allem aus deren so genanntem b&#252;rgerlichen Lager von CDU/CSU und FDP, zunehmend aber auch aus der SPD. Sie sahen und sehen die Hauptgefahr f&#252;r die Sicherheit der Bundesrepublik zum einen in den hier lebenden Ausl&#228;ndern, besonders jenen mit islamischem Glauben, und zum anderen in allen Str&#246;mungen »links von der Mitte«, wozu sie au&#223;erparlamentarische Bewegungen, antifaschistische Gruppierungen, die Linkspartei und da und dort auch noch die Gr&#252;nen z&#228;hlen. Vorwiegend diese unsicheren Kantonisten finden in den turnusm&#228;&#223;igen Verfassungsschutzberichten die Hauptaufmerksamkeit. Auf mehr als 130 Seiten besch&#228;ftigt sich der aktuelle Bericht f&#252;r 2010 mit Islamismus und sonstigem Ausl&#228;nderextremismus, nur auf 70 Seiten hingegen mit Rechtsextremismus; fast genau der gleiche Umfang wurde dem Linksextremismus gewidmet, davon fast 20 Seiten der Linkspartei. Und was zum Rechtsextremismus gesagt wurde, liest sich als<a href="http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/artikel/gestoerte_wahrnehmung/726707/gestoerte_wahrnehmung.html" target="_blank"> Beschwichtigung und Verharmlosung</a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9c6cdfd13b8c4cc89a2c72858ca2896b" alt="" width="1" height="1" />, insgesamt also eine klare Ansage f&#252;r Geheimdienste, Polizei und Justiz, wohin sie ihre Augen bevorzugt lenken sollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ist auf diese Weise der Feind identifiziert, muss man sich nicht wundern, dass sich seine Bek&#228;mpfer schnell zusammentun; eine Kr&#228;he hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus. Man hilft sich gar, zwar klandestin, aber doch mit Eifer. Bei der Aufkl&#228;rung so genannter linker Gewalt scheuen die bundesdeutschen Sicherheitsbeh&#246;rden weder Kosten noch M&#252;he und &#252;berschreiten auch bedenkenlos Grenzen, die ihnen der Rechtsstaat setzt. So sch&#252;tzte die s&#228;chsische Polizei im Februar dieses Jahres eine rechtsextremistische Demonstration auch dadurch, dass sie die Handydaten der <a href="http://www.taz.de/!74992/" target="_blank">antifaschistischen Gegendemonstranten illegal erfasste</a>, insgesamt &#252;ber eine Million Daten. Sie begr&#252;ndete dies mit einem »Verdacht auf schweren Landfriedensbruch und Bildung einer kriminellen Vereinigung«, was sich aber nat&#252;rlich nicht gegen die Neonazis, sondern die Antifaschisten wandte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnliche Erfahrungen machen immer wieder auch hier lebende B&#252;rger »mit Migrantenhintergrund«. Auf sie richten Polizei und Justiz ihr besonderes Augenmerk, so bald sie im Umfeld von Kriminalit&#228;t auftauchen. Und offenbar sehen sie weg, wenn im Kampf gegen »Ausl&#228;nder« Rechtsextremisten Mittel anwenden, die ihnen versagt sind. Mehr noch – und besonders perfide: Sie <a href="http://www.berliner-zeitung.de/politik/vorsitzender-der-tuerkischen-gemeinde--der-begriff-doener-morde-macht-mich-wuetend-,10808018,11147612.html" target="_blank">belasten die Opfergruppe</a> auch dann mit diesen Taten, wenn es daf&#252;r wenig Belege oder gar Gegenbeweise gibt. Die Morde der NSU, bei denen zumindest <a href="http://www.berliner-zeitung.de/neonazi-terror/rechtsextremistischer-terror-mord-unter-aufsicht,11151296,11152902,item,1.html">ein hessischer Verfassungssch&#252;tzer offenbar »Schmiere stand«</a>, zeigen dies in besonders drastischer Weise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieses Zusammenspiel von Rechtsextremismus und staatlichen Autorit&#228;ten hat besonders in Deutschland, wenn auch nicht nur hier, Tradition. Man erinnere sich nur an die Weimarer Republik, in der die schnell wechselnden Regierungen, gleich welcher F&#228;rbung, den Kampf bevorzugt gegen Links f&#252;hrten und damit dem Nationalsozialismus die Bahn bereiteten. Die konservativ-b&#252;rgerliche Gesellschaft mag den Rechtsextremismus ekelhaft finden, sich seiner, wie die Kanzlerin jetzt sagte, sch&#228;men, sie »eine Schande« nennen, eine echte Gefahr f&#252;r die so genannte freiheitlich-demokratische Grundordnung sieht sie darin nicht. Diese Gefahr macht sie ganz woanders aus, und wo es passt, akzeptiert sie auch den ekelhaften Rechtsextremen als Bundesgenossen gegen die eigentliche Gefahr durch »das Fremde«, sei es nun ethnischer oder politischer Natur.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Insofern kann die unheilige Allianz von Rechtsextremismus und Staatsgewalt, wie sie an der NSU-Mordserie zu Tage trat, nicht &#252;berraschen. Und noch weniger das fieberhafte Bem&#252;hen, solche Zusammenh&#228;nge mit allen Mitteln zu verschleiern. Auch die Warnungen vor einem NPD-Verbot passen in diesen Kontext, w&#228;re doch Voraussetzung daf&#252;r, die Komplizenschaft mit dem Rechtsextremismus zu beenden. Diese Karte in der politischen Auseinandersetzung m&#246;chte man jedoch nicht aus der Hand legen – gerade in diesen Zeiten, da der Protest gegen eine ungerechte Gesellschaftsordnung im Wachsen begriffen ist.</p>
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		<title>Das Elend der Kapitalismus-Gl&#228;ubigen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 18:09:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) In Madrid wurden 300 000 gez&#228;hlt, in Rom 200 000. Tausende gingen auch in London, Berlin Lissabon und zahlreichen anderen St&#228;dten Europas auf die Stra&#223;en. In New York harren Tausende im Zuccotti-Park aus. Eine ungeahnte Welle antikapitalistischen Protestes rollt vor allem durch die westliche Welt. Und gleichzeitig kommen von dort immer &#246;fter Bilder, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) In Madrid wurden 300 000 gez&#228;hlt, in Rom 200 000. Tausende gingen auch in London, Berlin Lissabon und zahlreichen anderen St&#228;dten Europas auf die Stra&#223;en. In New York harren Tausende im Zuccotti-Park aus. Eine ungeahnte Welle antikapitalistischen Protestes rollt vor allem durch die westliche Welt. Und gleichzeitig kommen von dort immer &#246;fter Bilder, wie sie bisher nur aus Minsk, Peking oder Moskau verbreitet wurden: Schwerbewaffnete Polizisten jagen junge Demonstranten, sto&#223;en sie zu Boden, verfrachten sie in Polizeiautos. Ein Demonstrant im US-amerikanischen Oakland wurde lebensgef&#228;hrlich verletzt. Eine friedliche Revolution – diesmal gegen ihn – will der Kapitalismus nicht zulassen.<span id="more-3329"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwar glauben Politiker wie ihre medialen Bataillone noch immer, sie k&#246;nnten den Protest mit erprobten Mitteln kanalisieren, indem sie ihn bagatellisieren und vereinnahmen. Wie stalinistische Betonkopfe halten die heutigen Systemapologeten an ihrem unverbr&#252;chlichen Glauben fest, dass der Kapitalismus gar nicht schlecht sein kann, sondern nur von einigen seiner Vertreter schlecht verwaltet wurde. »Es waren Dummheit und Gier, Inkompetenz, Kurzsichtigkeit und Arroganz, es waren Banker, denen man noch nicht einmal B&#246;sartigkeit unterstellen kann. Sie hatten nur keine Ahnung, was sie da taten«, kopiert die <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/legitimationsprobleme-der-banker-es-war-dummheit-11501646.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/40180675e8f14e69bb624c9583467fa4" alt="" width="1" height="1" />»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« (FASZ) </a>die unbelehrbaren Genossen des sp&#228;ten Sozialismus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wie diese vor den politisch-ideologischen Diversanten warnten, verteufelt sie die heute anders Denkenden. Man k&#246;nne »getrost das Parteiprogramm der Linken vergessen und sollte auch nicht zuh&#246;ren, wenn SPD und Gr&#252;ne nur ihre Ressentiments auf den neuesten Stand bringen«. Genau dies taten dann <a href=" http://www.n-tv.de/politik/Linke-bringt-Bundestag-um-den-Verstand-article4632566.html" target="_blank">Union und FDP im Bundestag</a> bez&#252;glich der Linkspartei – nur weil sie gerade ein Programm verabschiedet hatte, das zur gegenw&#228;rtigen Krisenlage mehr bereit h&#228;lt als nur das Prinzip Hoffnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kl&#252;gere heucheln Verst&#228;ndnis f&#252;r die Protestler, was freilich auf deren verst&#228;ndliche Skepsis st&#246;&#223;t. Die Demonstranten begreifen, dass hinter dem Schulterklopfen, der Umarmung gar die Absicht des Weiter-so steht, das man sich nicht st&#246;ren lassen will. Von »der Verw&#228;sserung der Protestbewegung« spricht <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/occupy-wall-street-streit-lasst-euch-nicht-umarmen-1.1174532" target="_blank">Slavoj Žižek in der »S&#252;ddeutschen Zeitung«</a>: »So, wie man uns Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol und Eiscreme ohne Fett vorsetzt, werden die M&#228;chtigen versuchen, die Proteste als harmlose, moralistische Bewegung abzutun.« Obamas Verweis auf die angebliche N&#228;he seiner Politik zu den Forderungen der Demonstranten, Merkels »Verst&#228;ndnis« f&#252;r ihre Unzufriedenheit, das pl&#246;tzliche Haut-die Banken all jener, die sie im gleichen Atemzug als »systemrelevant« bezeichnen (was insofern stimmt, als sie ihr vorgeblich alternativloses kapitalistisches System meinen) – all das zielt auf Entwaffnung einer Bewegung, die zugleich kompromisslos mit den Repressivwaffen des Systems bek&#228;mpft wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit faktengest&#252;tzten Argumenten kann der Kapitalismus l&#228;ngst nicht mehr &#252;berzeugen; schon gar nicht, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Denn Weitsicht und daraus resultierende Nachhaltigkeit sind seine Merkmale nicht. Er ist ganz und gar auf den schnellen und m&#246;glichst gro&#223;en Gewinn orientiert, dem ordnet er sein gesamtes Handeln unter. Folgerichtig l&#228;sst er sich auch nur durch harte Tatsachen bremsen. Indem er zum Beispiel gegen die Wand einer Realit&#228;t f&#228;hrt, die er einfach nicht einkalkulierte, weil sie in seinem System nicht vorgesehen ist. Dann ist der Crash unausweichlich, dessen Aufprall zwar inzwischen Airbags und Knautschzonen zu mildern verm&#246;gen, ohne ihn freilich kl&#252;ger und vorsichtiger zu machen, eher noch risikofreudiger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die einzige Realit&#228;t, die dem Kapitalismus ein gewisses Ma&#223; an Vernunft aufzwang, war paradoxerweise der reale Sozialismus; mit seinem Verschwinden war die Bahn wieder frei f&#252;r die einfachen Instinkte, die schon Marx gekannt hatte: »Das <a href="http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/profit/profit.htm" target="_blank">Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit</a> oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital k&#252;hn. Zehn Prozent sicher, und man kann es &#252;berall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; f&#252;r 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu&#223;; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnlich irrational nat&#252;rlich auch der Kampf gegen all jene, die dieses unbedingte Profitprinzip in Frage stellen. So unausrottbar, wie im Sozialismus-System die Angst vor imperialistischer Konterbande war, so unausrottbar ist heute, nach einer kurzen Periode des Siegestaumels, in der man jede antikapitalistische Alternative schon auf dem M&#252;llhaufen der Geschichte w&#228;hnte, die neue Angst vor Andersdenkenden, die im Kapitalismus immer weniger das historische Nonplusultra sehen, sondern nach neuen gesellschaftlichen Entw&#252;rfen suchen und dabei auch fr&#252;here, gescheiterte Konzepte erneut auf den Pr&#252;fstand stellen, um zu sehen, woran es lag und was man daraus lernen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die treuen Gl&#228;ubigen des Kapitalismus haben dem nichts entgegenzusetzen als totale Verunsicherung. Und so finden sich in der schon genannten FASZ auf der gleichen Seite zum einen die Beschw&#246;rung, nicht etwa den Schluss zu ziehen, »dass man den Kapitalismus abschaffen m&#252;sse. Sondern dass er dringend gerettet werden sollte« und zwar mittels »einer einmaligen <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/staatsressource-privatvermoegen-sagt-die-wahrheit-11501648.html" target="_blank">Wohlstandsabgabe auf Verm&#246;gen und Immobilie</a>n irgendwo zwischen zwanzig und drei&#223;ig Prozent« und zum anderen das Eingest&#228;ndnis, dass sich Staaten und Finanzkapital »einander entsicherte Handgranaten zuspielen«. Mehr noch: »Was sich gegenw&#228;rtig Politik nennt, ist also nichts anderes als das Weiterreichen von Zeitbomben, deren Ausl&#246;sezeitpunkt niemand kennt. Es k&#246;nnte in Jahren sein oder heute Nachmittag.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beides ein deutliches, wenngleich ungewolltes Pl&#228;doyer f&#252;r die Fortsetzung und Verst&#228;rkung des B&#252;rgerprotestes gegen solchen Wahnsinn.</p>
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		<title>Die Piraten k&#246;nnen den Kapitalismus herausfordern</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 20:18:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Wieder einmal haben die gern hochgelobten »Qualit&#228;tsmedien« einen Trend verschlafen. Sie jedenfalls haben das Aufkommen einer neuen Partei, der »Piraten«, nicht kommen sehen, obwohl es seit Monaten daf&#252;r deutliche Anzeichen gab und zuletzt auch die Meinungsforscher f&#252;r die Berliner Wahlen ihren kometenhaften Aufstieg voraussagten. Dennoch dr&#228;ngten sich die Journalisten wie gehabt am Wahlabend bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wieder einmal haben die gern hochgelobten »Qualit&#228;tsmedien« einen Trend verschlafen. Sie jedenfalls haben das Aufkommen einer neuen Partei, der »Piraten«, nicht kommen sehen, obwohl es seit Monaten daf&#252;r deutliche Anzeichen gab und zuletzt auch die Meinungsforscher f&#252;r die Berliner Wahlen ihren kometenhaften Aufstieg voraussagten. <span id="more-3285"></span>Dennoch dr&#228;ngten sich die Journalisten wie gehabt am Wahlabend bei den Etablierten und beginnen nur langsam ein Ph&#228;nomen zu begreifen, das – mehr noch als einst die Gr&#252;nen – das Potenzial hat, diese Republik zu ver&#228;ndern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Alle, die jetzt die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/berliner-wahlsieger-die-piraten-von-a-bis-z-1729619.html" target="_blank">Piraten</a><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/1464a833129d4a3d8293184b67cf9783" alt="" width="1" height="1" /> als Anf&#228;nger, pubert&#228;re Spinner, kindische Spa&#223;partei zu diffamieren versuchen, waren gestern &#252;brigens noch jene, die die derzeitige Regierungskoalition als unf&#228;hig, dilettantisch, konzeptionslos schm&#228;hten und verzweifelt nach neuen politischen Kr&#228;ften riefen und damit doch nur, wie sich jetzt zeigt, die alten meinten – weil sie sich gar nicht vorstellen k&#246;nnen, dass tats&#228;chlich eine neue Kraft die B&#252;hne zu betreten in der Lage ist. Sie haben einfach nicht begriffen, dass gerade die Unf&#228;higkeit der etablierten Politik, ihr Primat gegen&#252;ber der Wirtschaft, vor allem dem Finanzkapital, durchzusetzen, die W&#228;hler frustriert. Immer wieder wird ihnen nur eine Spielart des Kapitalismus angeboten, eine immer schlimmer als die andere; sie sehnen sich nach einer Alternative und w&#228;hlen, sofern sie nicht gleich zu Hause bleiben, unkonventionell, eine Partei, die alles anders zu machen verspricht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vor diesem Hintergrund war es nur eine Frage der Zeit, dass nun auch f&#252;r das Prekariat – wie einst f&#252;r das Proletariat – eine Partei ins Rampenlicht tritt, die sich um seine Interessen k&#252;mmert. Und es verwundert nicht, dass intellektuelle Vordenker diese Aufgabe &#252;bernehmen; sie sind dem Prekariat nur zum Teil zuzurechnen, stehen dabei durchaus f&#252;r B&#252;rgerlichkeit, allerdings eine progressive B&#252;rgerlichkeit, die im verkrusteten Parteieinstaat l&#228;ngst verloren gegangen ist. Nicht zuf&#228;llig sagte <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0919/politik/0014/index.html" target="_blank">Gerhard Anger, Berlins Landesvorsitzender der Piraten</a>, am Wahlabend: »Wir sind jetzt die st&#228;rkste liberale Partei in Berlin.« Weil das so ist, denken sie zugleich sozial, emanzipatorisch, parit&#228;tisch, in Teilen sogar konservativ. Gerade das aber, die Inkompatibilit&#228;t der Partei mit der politischen Ges&#228;&#223;geografie, ist das Neue an den Piraten und mithin ihre St&#228;rke.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das meint freilich keine Beliebigkeit; es ist vielmehr ein sehr moderner, verantwortungsbewusster Freiheitsbegriff, von dem die Piraten ausgehen. Was die Linke bisher nicht zusammenbrachte, n&#228;mlich das Soziale und das Libert&#228;re, findet zur Einheit. Insofern muss es der Linkspartei schon zu denken geben, wie die Piraten gerade auch mit sozialen Forderungen bei den W&#228;hlern punkteten, die aus ihrem ureigenen Arsenal stammen, aber von ihr nicht durchgesetzt wurden, weil ihr der Machterhalt am Ende wichtiger war als die Interessen ihrer Klientel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es sind soziale Forderungen, die auch die Kernfragen der sozialistischen Idee waren: Wie gerecht ist das Eigentum verteilt? Und darf der Besitzer von Eigentum den alleinigen Nutzen daraus ziehen oder ist er nicht angehalten, diesen Nutzen mit anderen zu teilen? Es sind also im Grunde »alte« Fragen, die der Kapitalismus mit seinem Entstehen aufwarf und die mit dem Untergang der sozialistischen Alternative nicht erledigt, da nicht beantwortet sind. Jetzt kommen sie wieder auf die Tagesordnung, und das unter den neuen technischen und technologischen Bedingungen, die auch ganz neue M&#246;glichkeiten einer gerechten Umverteilung des jetzt in den H&#228;nden weniger konzentrierten gesellschaftlichen Reichtums er&#246;ffnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weil das die Piraten – wie diffus vorerst auch immer – artikulierten, zogen sie von allen Parteien, die bei den W&#228;hlern irgendwie links verortet werden, <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article1768259/Piraten-koennen-21-000-Nichtwaehler-mobilisieren.html" target="_blank">Stimmen ab und reaktivierten sogar einen Teil der Nichtw&#228;hler</a>, die sich von der Politik eigentlich schon abgewandt hatten. Welch ein Zeichen der Sehnsucht nach einem anderen Weg als dem des heutigen deformierten Kapitalismus! Auch er war als Gesellschaftsmodell einmal fortschrittlich, und auch er bediente sich mit dem Buchdruck einer neuen Kommunikationsform, die Massen zu mobilisieren vermochte. Jetzt ist es das Internet, das diesbez&#252;glich eine neue Qualit&#228;t schafft – vielleicht auch f&#252;r einen neuen Gesellschaftsentwurf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beschreiten die Piraten diesen Weg, sch&#228;rfen sie ihr bereits im Umrissen erkennbares diesbez&#252;gliches Profil, haben sie alle Chancen, als neue progressive politische Kraft zu re&#252;ssieren und damit sowohl die schon lange ins Establishment abdriftenden Sozialdemokraten und Gr&#252;nen als auch die ihnen auf diesem Weg folgende Linkspartei konzeptionell hinter sich zu lassen. Sie haben das Zeug zu einer unideologischen Bewegung, unbelastet von Vergangenheitsdebatten, praktisch vorangetrieben durch die sich rasant entwickelnden technischen M&#246;glichkeiten des Digital-Zeitalters und theoretisch fundiert durch eine daher auf immer neue Bereiche ausgreifende Netzkultur.</p>
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		<title>Von der Linken  erwarten die W&#228;hler mehr als SPD-Politik</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 19:41:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Es war vor allem ein Denkzettel f&#252;r jene Fraktion der Linkspartei, die im Regieren an sich den Sinn politischen Engagements sieht und dar&#252;ber auch einmal einstige inhaltliche Aussagen vergisst. Diese Fraktion hat die Berliner Linke zehn Jahre lang dominiert und sie in dieser Zeit in den Keller gefahren – erst ziemlich schnell, zuletzt etwas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Es war vor allem ein Denkzettel f&#252;r jene Fraktion der Linkspartei, die im Regieren an sich den Sinn politischen Engagements sieht und dar&#252;ber auch einmal einstige inhaltliche Aussagen vergisst. Diese Fraktion hat die Berliner Linke zehn Jahre lang dominiert und sie in dieser Zeit in den Keller gefahren <span id="more-3279"></span>– erst ziemlich schnell, zuletzt etwas langsamer, doch unter dem Strich signalisierten die W&#228;hler heute in Berlin, dass sie von einer Partei, die sich links von der SPD positioniert sieht, mehr erwarten als weitgehende Botm&#228;&#223;igkeit gegen&#252;ber der SPD.</p>
<p>Da hilft es hinterher wenig, &#252;ber »mangelnde Kommunikation der eigenen Erfolge« zu lamentieren oder gar die <a href="http://www.bild.de/politik/inland/abgeordnetenhauswahlen-berlin/wahl-berlin-linke-fliegen-raus-20028362.bild.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/635d1e0d2ba84a8480c0935315a6a8fc" alt="" width="1" height="1" />Verantwortung f&#252;r das eigene Versagen bei anderen zu suchen</a>. Dass sich einstige Linke-W&#228;hler diesmal anders entschieden, lag nicht an Kommunismus-Debatten, Mauer-Interpretationen und Castro-Gl&#252;ckw&#252;nschen; das zeigt allein schon das Resultat von vor zwei Wochen in Mecklenburg-Vorpommern, das zwar auch nicht berauschend war, aber doch deutlich besser als das Berliner. Es lag vor allem an der weitgehenden <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-analyse-linke-wahlniederlage-in-berlin_aid_666660.html" target="_blank">Unkenntlichkeit der Linkspartei in Wowereits Senat</a>, was auch – siehe die Verluste der SPD – letztlich dem B&#252;rgermeister wenig gen&#252;tzt hat. Und es lag daran, dass Anh&#228;nger der Linken bef&#252;rchten, die von ihnen favorisierte Partei k&#246;nne – wie schon bei der SPD erlebt – auch nur zu einer opportunistischen Umfallergruppe werden, die vermeintliche »Sachzw&#228;nge« h&#246;her stellt als ihre Prinzipien.</p>
<p>Auch dass die Berliner Linkspartei sich am bereitwilligsten als Stichwortgeber f&#252;r vom politischen Gegner und der Mehrheit der Medien vom Zaun gebrochene Debatten, die mit den wirklichen Problemen der Menschen wenig zu tun haben, zur Verf&#252;gung stellte, hat viele ihrer W&#228;hler frustriert. Sie f&#252;hrte zeitweise einen aggressiveren »Wahlkampf« gegen die eigene Bundesf&#252;hrung als gegen ihre Konkurrenten in der Stadt und nahm in Kauf, dass <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/kopfstaende-einer-partei/4621874.html" target="_blank">die Linkspartei im Ganzen als ziemlich zerstritten erschien</a> – auch wenn das in den Hauptfragen nicht zutraf. Doch einmal mehr erwies sich, dass eine Partei nur dann W&#228;hlern imponieren kann, wenn sie sich selbst imponiert. Sowohl Erwin Sellering in Mecklenburg-Vorpommern als auch Klaus Wowereit in Berlin haben das vermocht, ihre linken Mitbewerber in beiden L&#228;ndern jedoch nicht. Daher hat die SPD trotz der anhaltenden Belastung durch die gescheiterte Schr&#246;der/M&#252;ntefering/Steinmeier-Linie hier die Wahlen gewinnen k&#246;nnen – und musste sie eine anpasserisch-opportunistische Linke verlieren, da die W&#228;hler vor allem in den Piraten einen attraktiven Gegenentwurf sahen.</p>
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		<title>Linker Osterspaziergang</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 14:51:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Vom Hader befreit sind die linken Genossen durch des Vorstands letzten, ihn rettenden Trick, Im Tale gr&#252;net Hoffnungsgl&#252;ck; die junge Garde auf fiebrigen Rossen zog sich in die sch&#252;tzende Koppel zur&#252;ck. Von dort her sendet sie, schnaubend noch, z&#246;gernd Signale von weiterem Fighten; aber der Vorstand duldet kein Streiten, &#252;berall will er Frieden und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Vom Hader befreit sind die linken Genossen</p>
<p>durch des Vorstands letzten, ihn rettenden Trick,</p>
<p>Im Tale gr&#252;net Hoffnungsgl&#252;ck;<span id="more-2722"></span></p>
<p>die junge Garde auf fiebrigen Rossen</p>
<p>zog sich in die sch&#252;tzende Koppel zur&#252;ck.</p>
<p>Von dort her sendet sie, schnaubend noch,</p>
<p>z&#246;gernd Signale  von weiterem Fighten;</p>
<p>aber der Vorstand duldet kein Streiten,</p>
<p>&#252;berall will er Frieden und Eintracht,</p>
<p>w&#252;nscht sich, dass  rot die Sonne lacht;</p>
<p>doch an Ideen fehlt&#8217;s im Revier,</p>
<p>er nimmt vertraute Parolen daf&#252;r.</p>
<p>Kehre dich um, von einstigen H&#246;hen</p>
<p>auf das Land zur&#252;ck zu sehen!</p>
<p>Zwischen dem schwarz-gelben Furor</p>
<p>dringt ein buntes Gewimmel hervor.</p>
<p>Jeder sonnt sich heute gern ganz</p>
<p>in der Sonne mit eigenem Glanz,</p>
<p>denn l&#228;ngst sind die W&#228;hler auferstanden:</p>
<p>Aus alter Parteien dumpfen Gem&#228;chern,</p>
<p>aus Gremien- und Fraktionenbanden,</p>
<p>aus Ideologien mit ihren Giebeln und D&#228;chern,</p>
<p>aus des Minimalkonsens quetschender Enge,</p>
<p>weg von der reinen Lehre lauten Trompeten</p>
<p>sind sie auf die Stra&#223;e getreten.</p>
<p>Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge</p>
<p>durch die politische Landschaft bewegt,</p>
<p>wie sie, vorw&#228;rts st&#252;rmend in Breit und L&#228;nge,</p>
<p>so manches alte Dogma zerschl&#228;gt,</p>
<p>und wie von Menschen &#252;berladen</p>
<p>sich immer &#246;fter die Demo erweist,</p>
<p>wie deren Suche nach L&#246;sungspfaden</p>
<p>Politik erf&#252;llt mir frischem Geist.</p>
<p>So h&#246;ret doch des Volks Get&#252;mmel,</p>
<p>es braucht keinen heil&#8217;gen Parteienhimmel.</p>
<p>Es w&#252;nscht sich den Einsatz f&#252;r seine Belange.</p>
<p>Wer hier h&#228;lt zur Stange,</p>
<p>dem sei auch nicht bange.</p>
<p>(<a href="http://www.handmann.phantasus.de/g_osterspaziergang.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/0c68bee51d9a4c3ba600adf96e6ee378" alt="" width="1" height="1" />Nach Johann Wolfgang von Goethe,  Faust I</a>)</p>
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		<title>Hamburg zeigt die Ratlosigkeit des W&#228;hlers</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 18:20:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Das Ergebnis der Hamburger B&#252;rgerschaftswahl entbehrt jeder Logik. In bundesweiten Umfragen d&#252;mpelt die SPD im 20-Prozent-Bereich herum, an der K&#252;ste jedoch schafft sie – trotz vier weiterer Parteien &#252;ber der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde – die absolute Mehrheit. Und das mit einem Politiker, der zu den Architekten der Agenda 2010 geh&#246;rte und – als Generalsekret&#228;r der Partei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Das <a href="http://www.tagesschau.de/inland/hamburgwahl156.html" target="_blank">Ergebnis der Hamburger B&#252;rgerschaftswahl</a> entbehrt jeder Logik. In bundesweiten Umfragen d&#252;mpelt die SPD im 20-Prozent-Bereich herum, an der K&#252;ste jedoch schafft sie – trotz vier weiterer Parteien &#252;ber der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde – die absolute Mehrheit. Und das mit einem Politiker, der zu den Architekten der Agenda 2010 geh&#246;rte <span id="more-2470"></span>und – als Generalsekret&#228;r der Partei unter Gerhard Schr&#246;der – sogar den Begriff des demokratischen Sozialismus aus dem Parteiprogramm tilgen wollte. Auf der anderen Seite st&#252;rzt die CDU, in der Bundes-Demoskopie klar f&#252;hrend und nun der eigentliche Sachwalter Schr&#246;derscher Politik (wie sich parallel zum Wahlgang bei den Hartz-IV-Verhandlungen erwies), fast unter die 20-Prozent-Marke. All das zeugt von der tiefen Ratlosigkeit der W&#228;hler, die angesichts der Austauschbarkeit politischen Personals jenseits aller Parteizugeh&#246;rigkeit l&#228;ngst nicht mehr wissen, wem sie ihre Stimme geben sollen. Sie haben gelernt, dass ungeachtet ihrer Wahlentscheidung in der Politik das »Weiter so!« dominiert, d. h. f&#252;r wen auch immer sie votieren, &#228;ndert sich doch kaum etwas.</p>
<p>Gerade die Hamburger hatten in der Vergangenheit versucht, auch durch Zuwendung zu politischen Exoten jemanden zu finden, der ihre Interessen origin&#228;r vertritt. 1993 machten sie die STATT-Partei stark, mit der die SPD eine Kooperationsvereinbarung schloss, da sie keine eigene Mehrheit hatte. Da sich an der Politik kaum etwas &#228;nderte, verlor die SPD erheblich an Stimmen und versuchte es 1997 mit der gr&#252;nen GAL. Auch das ging schief, und 2001 schickten die W&#228;hler die PRO-Partei des politischen Hasardeurs Ronald Schill mit 19,4 Prozent gleich bis in den nun CDU-gef&#252;hrten Senat. Nach dessen Scheitern schaffte die CDU das, was gestern der SPD gelang: Sie legte um 21 auf 47,2 Prozent zu und regierte fortan allein die Hansestadt – allerdings nur vier Jahre. Dann verb&#252;ndete sie sich mit den Gr&#252;nen. Auch das &#252;berzeugte letztlich die Hamburger nicht. Nun erh&#228;lt <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-2011/hamburg/hamburger-spd-ein-traumhafter-sieg-ohne-stoff-fuer-traeume_aid_601985.html" target="_blank">die SPD eine neue Chance</a><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/13ba2ff7777e43c5a1baaaac6620068e" alt="" width="1" height="1" />; nutzt sie sie nicht, ist ihr Abgang bereits vorhersehbar.</p>
<p>Interessierte Kommentatoren bis hinein in die Regierungsparteien begr&#252;nden Olaf Scholz&#8217; Erfolg mit seiner <a href="http://www.welt.de/politik/wahl/hamburg-wahl/article12608131/Schroeder-freut-sich-ueber-SPD-Comeback-in-der-Mitte.html" target="_blank">R&#252;ckkehr zur Schr&#246;der-Politik</a>. Die aber hat gerade nicht stattgefunden; vielmehr erwies sich der fr&#252;here Hamburger Innensenator als &#252;berzeugender Opportunist, indem er jetzt etliche soziale Wohltaten wie die Abschaffung von Kita- oder Studiengeb&#252;hren ank&#252;ndigte und – ziemlich wolkig – »ordentliches Regieren« versprach. Andererseits war es dem eher rechts positionierten Sozialdemokraten mit Blick auf das CDU-W&#228;hlerpotential auch nicht unrecht, dass ihn der Ruf des Agenda-Politikers begleitete. Er hat die Sehnsucht der W&#228;hler nach solider Politik bedient und damit gewonnen. Dass er den Erwartungen des Wahlvolks auch wirklich entsprechen kann, muss er erst noch beweisen, und angesichts seiner absoluten Mehrheit kann er die klammheimliche Zur&#252;cknahme von Wahlversprechen nur schwer mit Sachzw&#228;ngen begr&#252;nden. Insofern steht die SPD vor einer Nagelprobe, denn bei jedem k&#252;nftigen Urnengang in diesem Jahr werden ihre potenziellen W&#228;hler schauen, was die Partei in Hamburg tut und was nicht.</p>
<p>Die &#252;brigen Ergebnissen sind kaum &#252;berraschend. Selbst der Absturz der CDU relativiert sich, wenn man wei&#223;, dass die Partei 1993 schon einmal bei nur 25,1 Prozent gelegen hatte. Die FDP profitierte von der Schw&#228;che der CDU, mit 1,8 Prozent Zuwachs jedoch so minimal, dass sich der Westerwellesche Siegestaumel schnell als verfr&#252;ht erweisen k&#246;nnte. Die Gr&#252;nen sind auf ihre reale Bedeutung zur&#252;ckgestutzt; sie werden diese Erfahrung im Super-Wahljahr noch &#246;fter machen. Und die Linke kann zufrieden sein, dass sich ihre Westposition auch unter ung&#252;nstigen Vorzeichen gefestigt hat.</p>
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		<title>Das Scheitern der Hartz-IV-Korrektur ist die Chance der W&#228;hler</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Feb 2011 22:21:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Die mediale Begleitung des Unwillens der Bundesregierung, ein nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidriges Gesetz zweifelsfrei verfassungskonform zu machen, ist von einem seltsamen Opportunismus gepr&#228;gt. Etwa nach dem Motto: Hauptsache, sie einigen sich – ganz egal, wor&#252;ber. Das werden Schuld und Versagen sorgf&#228;ltig auf beide Seiten verteilt – in der unverkennbaren Absicht, keinem weh zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Die mediale Begleitung des Unwillens der Bundesregierung, ein nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidriges Gesetz zweifelsfrei verfassungskonform zu machen, ist von einem seltsamen Opportunismus gepr&#228;gt. Etwa nach dem Motto: Hauptsache, sie einigen sich – ganz egal, wor&#252;ber. Das werden <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0210/meinung/0024/index.html" target="_blank">Schuld und Versagen sorgf&#228;ltig auf beide Seiten verteil</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/171f0d2a140946e9ba32b92598c35731" alt="" width="1" height="1" />t – in der unverkennbaren Absicht, keinem weh zu tun. Ein Ausdruck von Harmoniebed&#252;rfnis, das gew&#246;hnlich nur weitgehend gleichgeschalteten Medien unterkommt. <span id="more-2259"></span>Und das sich die Krokodilstr&#228;nen dar&#252;ber nicht spart, dass die Hartz-IV-Empf&#228;nger »nichts bekommen«.</p>
<p>Was erstens nicht stimmt, denn Karlsruhe hat in weiser Voraussicht des Schattenboxens verf&#252;gt, dass der neue Regelsatz auf jeden Fall ab 1.1.2011 zu zahlen, gegebenenfalls nachzuzahlen ist. Und was zweitens bei f&#252;nf Euro monatlich und einem ziemlich undurchschaubaren »Bildungspaket« kaum einen Hartz-IV-Empf&#228;nger vom Stuhl rei&#223;t.</p>
<p>Die Strategie der schwarz-gelben Bundesregierung war von Anfang an klar. Sie, die ausdr&#252;cklich angetreten ist, Politik f&#252;r die Besserverdienenden zu machen, sieht in finanziellen Zuwendungen f&#252;r Hilfebed&#252;rftige keinerlei Sinn. Anders ist nicht zu erkl&#228;ren, dass sie auf die fundierte Kritik der Verfassungsrichter nur mit kosmetischen Korrekturen antwortete und nie ihre Entschlossenheit verbarg,<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0210/tagesthema/0016/index.html" target="_blank"> dieses Konzept auf Biegen und Brechen durchzusetzen</a>.</p>
<p>In der Sache waren und sind SPD und Gr&#252;ne davon nicht allzu weit entfernt. Sie waren es schlie&#223;lich, die die verfassungswidrigen Hartz-IV-Beschl&#252;sse einst erfanden und – mit wohlwollender, die Details noch versch&#228;rfender Unterst&#252;tzung der Union – zum Gesetz machten. Nun jedoch in der Opposition, mussten sie nat&#252;rlich ein wenig die Dagegen-Attit&#252;de hervorkehren, wobei nicht ausgeschlossen werden soll, dass manchem Sozialdemokrat und Gr&#252;nen durchaus daran gelegen ist, den selbst ruinierten Ruf wieder etwas aufzubessern – und das umso mehr, als gerade in dieser Frage die Linkspartei mit ihren viel weiter gehenden Forderungen den beiden Ex-Regierungsparteien kr&#228;ftig im Nacken sitzt.</p>
<p>Daher waren SPD und Gr&#252;ne nicht bereit, einem vorgeblichen Kompromissangebot der Koalition zuzustimmen, das sie nicht wenigstens ein bisschen das Gesicht wahren l&#228;sst, obwohl sie der Regierung schon mit raumgreifenden Schritten entgegenkamen – bis fast zur Unkenntlichkeit der eigenen urspr&#252;nglichen Forderungen,  der<a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/hochspannung-im-hartz-entscheidungskrimi-1652506.html" target="_blank"> Jamaika-Gr&#252;ne Hubert Ulrich</a> sogar bis fast zur letzten Minute. Dass es am Ende nicht zu einer Einigung kam, war somit weniger die Schuld der beiden beteiligten Oppositionsparteien als vielmehr der um die Erhaltung und baldige Aktivierung ihrer W&#228;hlerklientel besorgten und daher kompromissunwilligen Regierungspartner CDU/CSU und FDP.</p>
<p>Ohne es vielleicht wirklich zu wollen, haben SPD und Gr&#252;ne damit den Hartz-IV-Empf&#228;ngern einen Gefallen getan, denn nun k&#246;nnen diese bei diversen Wahlen selbst ein Votum &#252;ber die Parteien und ihre soziale Sensibilit&#228;t abgeben. Und vielleicht dadurch erreichen, dass eine k&#252;nftige Vermittlungsrunde nicht nur nicht hinter die jetzt auf dem Tisch liegenden Angebote zur&#252;ck kann, sondern sogar noch etwas drauf legt. Zwar hat dies die<a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-02/hartz-iv-lindner-bundesrat-2" target="_blank"> FDP bereits lautstark ausgeschlossen</a>, aber diese Drohung klingt eher wie das Pfeifen im Walde, d&#252;rfte Westerwelles Partei doch wissen, dass nach den anstehenden Wahlg&#228;ngen ihr Einfluss auf die Bundespolitik so sehr geschrumpft sein wird, dass sie ein besseres Ergebnis f&#252;r die Hartz-IV-Empf&#228;nger nicht verhindern kann.</p>
<p>Voraussetzung daf&#252;r w&#228;re allerdings, dass die SPD bei der jetzt gezeigten Konsequenz bleibt, wof&#252;r es allerdings keine Garantie gibt, im Gegenteil. Sollten die Sozialdemokraten bei k&#252;nftigen Wahlen zulegen, muss ein schneller R&#252;ckfall in ihr Agenda-2010- Denken bef&#252;rchtet werden. Verhindern k&#246;nnen dies allerdings die W&#228;hler dadurch, dass sie so intelligent abstimmen, dass sowohl CDU und FDP die Quittung f&#252;r ihren unsozialen Kurs erhalten als auch die rechte SPD, f&#252;r die zum Beispiel in Hamburg ein Olaf Scholz steht, nicht schon wieder fr&#246;hliche Urst&#228;nd feiern kann.</p>
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		<title>Liebigstra&#223;e 14 und die Logik des Kapitalismus</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Feb 2011 16:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Es hatte schon etwas R&#252;hrendes, wie die letzten 25 Besetzer des Hauses Liebigstra&#223;e 14 in Berlin-Friedrichshain und ihre zahlreichen Unterst&#252;tzer den kreativen, phantasievollen Kampf um ihr buntes Inselchen in einer sich zunehmend vergleichf&#246;rmigen Stadt f&#252;hrten, wohl wissend, aber dennoch nicht wahrhaben wollend, dass er am Ende aussichtslos ist, weil er schlicht der Logik des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Es hatte schon etwas R&#252;hrendes, wie die letzten 25 Besetzer des Hauses Liebigstra&#223;e 14 in Berlin-Friedrichshain und ihre zahlreichen Unterst&#252;tzer den kreativen, phantasievollen Kampf um ihr buntes Inselchen in einer sich zunehmend vergleichf&#246;rmigen Stadt f&#252;hrten, wohl wissend, aber dennoch nicht wahrhaben wollend, dass er am Ende aussichtslos ist, weil er schlicht der Logik des Kapitalismus widerspricht. Nicht einmal in einer Stadt, in der die Linkspartei in der Regierung Sitz und Stimme hat<span id="more-2236"></span>, lassen sich dessen Gesetze aushebeln. Sie sind schlie&#223;lich f&#252;r ihn und sein Gedeihen gemacht; folglich darf sich<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0203/meinung/0017/index.html" target="_blank"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/e93692481e554fb8ab24808cd0d35ccf" alt="" width="1" height="1" /> das Kapital – mit juristischer R&#252;ckendeckung – alles erlauben</a>, der unangepasste B&#252;rger jedoch hat m&#246;ge sich dorthin begeben, wo er keinen st&#246;rt.</p>
<div id="attachment_2238" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/02/DSC00162.jpg"><img class="size-medium wp-image-2238" title="DSC00162" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/02/DSC00162-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Liebigstra&#223;e 14 am 1. Februar 2011</p></div>
<p>Diese Erfahrung hatten (West-)Berliner Hausbesetzer schon in den 70er/89er-Jahren gemacht. Damals  wie heute folgten Immobilien- investitionen dem Profitprinzip. Solange man mit der Sanierung und dem Neubau von H&#228;usern kein Geld machen konnte, verfiel oft wertvolle Bausubstanz. Junge Leute, die dringend preiswerten Wohnraum suchten, besetzten leerstehende H&#228;user, hielten sie wenigstens bewohnbar und schufen nicht selten um ihre Objekte herum ein buntes, alternatives Leben, das zwar f&#252;r kleinb&#252;rgerliche Gem&#252;ter – vom betuchten Wohnungseigent&#252;mer &#252;ber den kleinen Gesch&#228;ftsmann, der Kundschaft anlocken und nicht vergraulen wollte, bis hin zum ruhebed&#252;rftigen und die eigenen Jugendtr&#228;ume verdr&#228;ngenden Rentner – unbequem und st&#246;rend sein kann, aber nichtsdestotrotz das Klima, die Atmosph&#228;re der Stadt mit so Eigenem wie Eigent&#252;mlichen bereichert, dass es wesentlich zu deren Lebensqualit&#228;t beitr&#228;gt. Gerade Berlins Ruf als lebendige, fluffige Metropole ergibt sich nicht aus der gleichf&#246;rmigen Gediegenheit seiner b&#252;rgerlichen Vororte, sondern aus dem schr&#228;gen Charme, der frechen Unangepasstheit, dem verst&#246;renden &#220;berraschungsfaktor seiner innerst&#228;dtischen Quartiere – und dort auch solcher Projekte wie der Liebig 14.</p>
<p>Damit wirbt zwar ein Regierender B&#252;rgermeister, der sein Stadt gern »arm, aber sexy« nennt, gleichzeitig jedoch bringt er seinen Innensenator dagegen in Stellung, sobald sich die Verwertungs</p>
<div id="attachment_2239" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/02/DSC00163.jpg"><img class="size-medium wp-image-2239" title="DSC00163" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/02/DSC00163-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Auch Liebigstra&#223;e - noch intakt</p></div>
<p>bedingungen des Kapitals ver&#228;ndern. Sowohl in den 80er-Jahren als auch um die Jahrtausend- wende wurde Berlin f&#252;r Immobilien- investoren interessant – damals wegen der politisch gesteuerten Spekulation, die im »Berliner Baufilz« ihren H&#246;hepunkt fand, heute aufgrund wachsender Nachfrage nach luxuri&#246;sen Innenstadtwohnungen. Und beide Male musste die Hausbesetzerszene weichen – in der Regel durch den Einsatz staatlicher Gewalt, denn das Recht war beizeiten den Eigentumsverh&#228;ltnissen angepasst worden.</p>
<p>Wer »in einem Umfeld leben m&#246;chte, das zu ihm passt«, wie der<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0202/berlin/0009/index.html" target="_blank"> Stadtsoziologe Andrej Holm</a> das Anliegen der Hausbesetzer beschreibt, kann das in dieser Gesellschaft nur, wenn er das entsprechende Geld hat. &#220;ber die eigene Freiheit entscheidet dasBankkonto – so ist nun einmal das Gesetz des Kapitalismus. Dagegen hilft Protest wenig; nicht einmal die Mitwirkung der Linkspartei an den Regierungsgesch&#228;ften kann dagegen etwas ausrichten. Und das nicht nur wegen ihrer Ohnmacht gegen&#252;ber den Normsetzungen des b&#252;rgerlichen Staates, sondern auch deshalb, weil sie gesellschaftsver&#228;ndernder Programmatik l&#228;ngst abgeschworen hat und statt dessen von der SPD deren einstige Rolle eines Arztes am Krankenbett des Kapitalismus &#252;bernahm. J&#252;ngst hat sie das mit ihren partiellen Ekelbekundungen allein gegen&#252;ber dem Wort Kommunismus eindrucksvoll bewiesen.</p>
<div id="attachment_2252" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/02/DSC001731.jpg"><img class="size-medium wp-image-2252" title="DSC00173" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/02/DSC001731-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Liebigstra&#223;e 14 am 2. Februar 2011</p></div>
<p>Bleibt also nur die Resignation? F&#252;r viele mag es darauf hinauslaufen, nicht jedoch f&#252;r die jungen Leute, die in und an der Liebigstra&#223;e 14 den Kampf mit dem »System« aufnahmen. F&#252;r einige mag er adrenalinaussch&#252;ttende Folklore gewesen sein, f&#252;r die meisten aber doch ernstes Anliegen einer Jugend, die sich nicht zu fr&#252;h an die Vorgaben von Autorit&#228;ten, die sie nie gewollt haben, anpassen wollen, sondern noch nach eigenen Wegen suchen, wie sie ihr Leben einmal gestalten. Sie werden weitermachen – ungeachtet aller fehlenden Erfolgsaussichten. Und schon das macht die oft kalte, abweisende, frustrierende Stadt ein ganzes St&#252;ck w&#228;rmer, vertrauter, sympathischer.</p>
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