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	<title>blogsgesang.de &#187; Medien</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Das Scheitern der Hartz-IV-Korrektur ist die Chance der W&#228;hler</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Feb 2011 22:21:42 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Die mediale Begleitung des Unwillens der Bundesregierung, ein nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidriges Gesetz zweifelsfrei verfassungskonform zu machen, ist von einem seltsamen Opportunismus gepr&#228;gt. Etwa nach dem Motto: Hauptsache, sie einigen sich – ganz egal, wor&#252;ber. Das werden Schuld und Versagen sorgf&#228;ltig auf beide Seiten verteilt – in der unverkennbaren Absicht, keinem weh zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Die mediale Begleitung des Unwillens der Bundesregierung, ein nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidriges Gesetz zweifelsfrei verfassungskonform zu machen, ist von einem seltsamen Opportunismus gepr&#228;gt. Etwa nach dem Motto: Hauptsache, sie einigen sich – ganz egal, wor&#252;ber. Das werden <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0210/meinung/0024/index.html" target="_blank">Schuld und Versagen sorgf&#228;ltig auf beide Seiten verteil</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/171f0d2a140946e9ba32b92598c35731" alt="" width="1" height="1" />t – in der unverkennbaren Absicht, keinem weh zu tun. Ein Ausdruck von Harmoniebed&#252;rfnis, das gew&#246;hnlich nur weitgehend gleichgeschalteten Medien unterkommt. <span id="more-2259"></span>Und das sich die Krokodilstr&#228;nen dar&#252;ber nicht spart, dass die Hartz-IV-Empf&#228;nger »nichts bekommen«.</p>
<p>Was erstens nicht stimmt, denn Karlsruhe hat in weiser Voraussicht des Schattenboxens verf&#252;gt, dass der neue Regelsatz auf jeden Fall ab 1.1.2011 zu zahlen, gegebenenfalls nachzuzahlen ist. Und was zweitens bei f&#252;nf Euro monatlich und einem ziemlich undurchschaubaren »Bildungspaket« kaum einen Hartz-IV-Empf&#228;nger vom Stuhl rei&#223;t.</p>
<p>Die Strategie der schwarz-gelben Bundesregierung war von Anfang an klar. Sie, die ausdr&#252;cklich angetreten ist, Politik f&#252;r die Besserverdienenden zu machen, sieht in finanziellen Zuwendungen f&#252;r Hilfebed&#252;rftige keinerlei Sinn. Anders ist nicht zu erkl&#228;ren, dass sie auf die fundierte Kritik der Verfassungsrichter nur mit kosmetischen Korrekturen antwortete und nie ihre Entschlossenheit verbarg,<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0210/tagesthema/0016/index.html" target="_blank"> dieses Konzept auf Biegen und Brechen durchzusetzen</a>.</p>
<p>In der Sache waren und sind SPD und Gr&#252;ne davon nicht allzu weit entfernt. Sie waren es schlie&#223;lich, die die verfassungswidrigen Hartz-IV-Beschl&#252;sse einst erfanden und – mit wohlwollender, die Details noch versch&#228;rfender Unterst&#252;tzung der Union – zum Gesetz machten. Nun jedoch in der Opposition, mussten sie nat&#252;rlich ein wenig die Dagegen-Attit&#252;de hervorkehren, wobei nicht ausgeschlossen werden soll, dass manchem Sozialdemokrat und Gr&#252;nen durchaus daran gelegen ist, den selbst ruinierten Ruf wieder etwas aufzubessern – und das umso mehr, als gerade in dieser Frage die Linkspartei mit ihren viel weiter gehenden Forderungen den beiden Ex-Regierungsparteien kr&#228;ftig im Nacken sitzt.</p>
<p>Daher waren SPD und Gr&#252;ne nicht bereit, einem vorgeblichen Kompromissangebot der Koalition zuzustimmen, das sie nicht wenigstens ein bisschen das Gesicht wahren l&#228;sst, obwohl sie der Regierung schon mit raumgreifenden Schritten entgegenkamen – bis fast zur Unkenntlichkeit der eigenen urspr&#252;nglichen Forderungen,  der<a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/hochspannung-im-hartz-entscheidungskrimi-1652506.html" target="_blank"> Jamaika-Gr&#252;ne Hubert Ulrich</a> sogar bis fast zur letzten Minute. Dass es am Ende nicht zu einer Einigung kam, war somit weniger die Schuld der beiden beteiligten Oppositionsparteien als vielmehr der um die Erhaltung und baldige Aktivierung ihrer W&#228;hlerklientel besorgten und daher kompromissunwilligen Regierungspartner CDU/CSU und FDP.</p>
<p>Ohne es vielleicht wirklich zu wollen, haben SPD und Gr&#252;ne damit den Hartz-IV-Empf&#228;ngern einen Gefallen getan, denn nun k&#246;nnen diese bei diversen Wahlen selbst ein Votum &#252;ber die Parteien und ihre soziale Sensibilit&#228;t abgeben. Und vielleicht dadurch erreichen, dass eine k&#252;nftige Vermittlungsrunde nicht nur nicht hinter die jetzt auf dem Tisch liegenden Angebote zur&#252;ck kann, sondern sogar noch etwas drauf legt. Zwar hat dies die<a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-02/hartz-iv-lindner-bundesrat-2" target="_blank"> FDP bereits lautstark ausgeschlossen</a>, aber diese Drohung klingt eher wie das Pfeifen im Walde, d&#252;rfte Westerwelles Partei doch wissen, dass nach den anstehenden Wahlg&#228;ngen ihr Einfluss auf die Bundespolitik so sehr geschrumpft sein wird, dass sie ein besseres Ergebnis f&#252;r die Hartz-IV-Empf&#228;nger nicht verhindern kann.</p>
<p>Voraussetzung daf&#252;r w&#228;re allerdings, dass die SPD bei der jetzt gezeigten Konsequenz bleibt, wof&#252;r es allerdings keine Garantie gibt, im Gegenteil. Sollten die Sozialdemokraten bei k&#252;nftigen Wahlen zulegen, muss ein schneller R&#252;ckfall in ihr Agenda-2010- Denken bef&#252;rchtet werden. Verhindern k&#246;nnen dies allerdings die W&#228;hler dadurch, dass sie so intelligent abstimmen, dass sowohl CDU und FDP die Quittung f&#252;r ihren unsozialen Kurs erhalten als auch die rechte SPD, f&#252;r die zum Beispiel in Hamburg ein Olaf Scholz steht, nicht schon wieder fr&#246;hliche Urst&#228;nd feiern kann.</p>
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		<title>Tunesien als Vorbild</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Jan 2011 15:46:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit geh&#246;rigem Erschrecken hat der Westen auf den Umsturz in Tunesien reagiert, betrachtete er doch den Staat am Mittelmeer bislang als besonders gelungenes Beispiel der Ruhigstellung eines Dritte-Welt-Landes zum Nutzen des Abendlandes. Der seit 23 Jahren einem vornehm als »Pr&#228;sidialrepublik« bezeichneten Regime vorstehende Zine el-Abidine Ben Ali hatte nach seiner Macht&#252;bernahme 1987 tats&#228;chlich einige fortschrittliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit geh&#246;rigem Erschrecken hat der Westen auf den Umsturz in Tunesien reagiert, betrachtete er doch den Staat am Mittelmeer bislang als besonders gelungenes Beispiel der Ruhigstellung eines Dritte-Welt-Landes zum Nutzen des Abendlandes. Der seit 23 Jahren einem vornehm als »Pr&#228;sidialrepublik« bezeichneten Regime vorstehende Zine el-Abidine Ben Ali <span id="more-2210"></span>hatte nach seiner Macht&#252;bernahme 1987 tats&#228;chlich einige fortschrittliche Reformen eingeleitet und unter anderem daf&#252;r gesorgt, dass viele junge Leute einen hohen Bildungsstand erwerben und auch Frauen ein gewisses Ma&#223; an Freiheiten wahrnehmen konnten. Den &#246;konomischen und sozialen Zw&#228;ngen, denen er seitens der westlichen L&#228;nder ausgesetzt war, konnte er dadurch jedoch nicht entgehen – und so blieben die sozialen Errungenschaften letztlich ohne nachhaltige Wirkung. Heute liegt die Arbeitslosigkeit allgemein bei 14 Prozent, jedoch bei der gut ausgebildeten Jugend bei 40 Prozent. Ursache daf&#252;r ist vor allem der unterentwickelte industrielle Sektor, in dem nur 32 Prozent der Tunesier arbeiten. Die meisten verdienen ihr Geld mit Dienstleistungen aller Art, doch dieser Bereich ist hart umk&#228;mpft, und hier floriert die Korruption – nicht selten zugunsten des Pr&#228;sidentenpalais und seines Satelittenfeldes.</p>
<p>Der sich daraus ergebenden Unzufriedenheit konnte Ben Ali immer weniger Herr werden, und so f&#252;hrte er Schritt f&#252;r diktatorische Regierungsformen ein, mit wohlwollender Duldung des Westens. Er baute seinen Geheimdienst und vor allem die Polizei als Machtst&#252;tzen aus, schaltete die Medien weitgehend gleich und lie&#223; das Internet &#252;berwachen, sorgte schlie&#223;lich f&#252;r  Pr&#228;sidentschaftswahlergebnisse von mehr als 90 Prozent, im letzten Jahr trotz schon grassierender Unzufriedenheit von 89, 28 Prozent. Die selbst ernannten Demokratiew&#228;chter in den USA und Europa nahmen das klaglos hin, sorgten allenfalls daf&#252;r, dass die Welt recht wenig &#252;ber die tats&#228;chlichen Verh&#228;ltnisse in Tunesien erfuhr – wie auch in Saudi-Arabien, in &#196;gypten, in den arabischen Emiraten; selbst Libyens Gaddafi wird mit Samthandschuhen angefasst, seit er partiell mit dem Westen kooperiert. Und wenn es einmal in Iran eine Regierung geben sollte, die auf jede Nuklearnutzung verzichtet, wird auch keinen mehr interessieren, was sie dann mit der inneren Opposition treibt. Geradezu unverfroren ist da <a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2011/01/2011-01-15-tunesien.html" target="_blank">Angela Merkels sp&#228;te Mahnung</a><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/bfa6c42ced1442c694f8b849ff0b52c9" alt="" width="1" height="1" />: »Es ist unabdingbar, die Menschenrechte zu respektieren, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit zu garantieren.« Einschlie&#223;lich ihres Angebots: »Deutschland und die Europ&#228;ische Union stehen bereit, Ihnen bei einem solchen Neuanfang unterst&#252;tzend zur Seite zu stehen.« 23 Jahre lang hatte man dazu Zeit, doch da gen&#252;gte es, dass die Gesch&#228;fte gut liefen und m&#246;gliche Fl&#252;chtlinge nicht bis zu den europ&#228;ischen Grenzen gelassen wurden.</p>
<p>Tunesien war eines der Vorbilder, wie sich der Westen die L&#228;nder der Dritten Welt w&#252;nscht – offen f&#252;r gewinnbringende Investitionen wie f&#252;r jegliche Warenstr&#246;me und ansonsten bereit, die Probleme der reichen Welt auf dem eigenen Territorium zu »l&#246;sen«, mit welchen Mitteln auch immer. Auch wie sehr die sich gern so<a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1096823" target="_blank"> investigativ geb&#228;rdenden westlichen Medien</a> bereits solcher »Arbeitsteilung« und der damit verbundenen <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article12176303/Den-Tyrannen-zu-vertreiben-ist-nur-ein-Anfang.html" target="_blank">Schweige- und Verharmlosungstaktik</a> folgen, ist gegenw&#228;rtig eindrucksvoll zu beobachten. Kaum eine Redaktion ist in der Lage oder willens, ein ungeschminktes Bild der tunesischen Verh&#228;ltnisse und der Ursachen des eruptiven Gewaltausbruchs zu zeichnen, geschweige denn die westliche Mitverantwortung zu enth&#252;llen; bei einigen hat man den Eindruck, sie mussten erst auf der Karte nachsehen, wo das Land &#252;berhaupt liegt. Tunesien spielte sich bislang lediglich auf den Tourismus-Seiten ab, und auch jetzt wurden viele Redaktionen erst wach,<a href="http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/thema_nt/article12187382/Alptraum-im-Urlaubsparadies-Tunesien.html" target="_blank"> als deutsche Urlauber in Gefahr gerieten</a>.</p>
<p>Sie sind l&#228;ngst auf dem Weg zu formierten Medienlandschaft, auch da mit klammheimlicher Zustimmung der politischen Autorit&#228;ten. Nur widerwillig r&#252;gte die EU-Spitze das<a href="http://www.blogsgesang.de/2010/12/23/europa-duldet-medienzensur-in-ungarn/" target="_blank"> undemokratische ungarische Mediengesetz</a>, k&#246;nnen doch viele europ&#228;ische Regierungen dessen Regelungen allerhand Positives abgewinnen. Vermutlich beklagen sie nur Orbans taktischen Fehler, alles auf einmal durchdr&#252;cken zu wollen. Schaut man auf die Gesamtheit der auf einen autorit&#228;ren Staat abzielenden Verfassungs- und Gesetzes&#228;nderungen in Ungarn, dann kann man sogar den Eindruck gewinnen, die Praktiken diktatorischer Regimes, wie jenes in Tunesien, &#252;ben eine <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2011/01/16/ungarn-premier-viktor-orban-bild-interview-mediengesetz/ich-bin-gegenwind-gewohnt.html" target="_blank">wachsende Faszination auf westliche Staaten</a> aus, zumal sie zunehmend mit der Unzufriedenheit der B&#252;rger &#252;ber die Selbstherrlichkeit der Finanzm&#228;rkte, daraus resultierendem sozialen Kahlschlag und eingeschr&#228;nkte B&#252;rgerrechte konfrontiert sind.</p>
<p>Insofern jedoch k&#246;nnen die aktuellen Ereignisse in Tunesien auch zum Vorbild f&#252;r Widerstand gegen eine verfehlte Politik werden. Sie weisen zahlreiche Parallelen zu den Umbr&#252;chen in Osteuropa an der Wende zu den 90er Jahren auf. Damals verloren abgewirtschaftete Regimes die Kontrolle &#252;ber ihre V&#246;lker und mussten abtreten. Sie taten es unter Verzicht auf den Einsatz ihrer repressiven Machtmittel. In Tunesien sind Ursachen und Entwicklungen &#228;hnlich. Noch nicht entschieden ist freilich die Frage, ob der &#220;bergang zu neuen Verh&#228;ltnissen ebenfalls friedlich erfolgen kann. Denn das Land geh&#246;rt zum kapitalistischen System, und kapitalistische Regimes haben das Feld noch niemals kampflos ger&#228;umt – vor allem dann nicht, wenn  Besitz, wenn Eigentum in Gefahr geriet.</p>
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		<title>Mediale Megaphone des Terrorismus</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Nov 2010 15:09:10 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Vermutlich sitzen die meisten Terroristen am Schreibtisch und denken sich neue Anschlagsszenarien aus – je phantasievoller und unwahrscheinlicher, desto besser. Die m&#252;ssen dann nur noch in die &#214;ffentlichkeit lanciert werden, aber das ist das kleinste Problem, denn es gibt ja die Medien, die nicht nur nach immer dramatischeren Stories gieren, sondern auch noch den Ehrgeiz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vermutlich sitzen die meisten Terroristen am Schreibtisch und denken sich neue Anschlagsszenarien aus – je phantasievoller und unwahrscheinlicher, desto besser. Die m&#252;ssen dann nur noch in die &#214;ffentlichkeit lanciert werden, aber das ist das kleinste Problem, denn es gibt ja die Medien<span id="more-2067"></span>, die nicht nur <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33702/1.html" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/7618b910a6674d92b2ade240c2ab1ee9" alt="" width="1" height="1" />nach immer dramatischeren Stories gieren</a>, sondern auch noch den Ehrgeiz haben, sie als erste unter die Leute zu bringen. Und das klappt immer besser und zwingt am Ende sogar in dieser Sache eigentlich besonnene Politiker wie den Bundesinnenminister oder den Berliner Innensenator dazu, in dieses Spiel selbst einzusteigen.</p>
<p>So lie&#223; sich <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article11050786/Koerting-bedauert-diskriminierende-Terror-Aeusserungen.html" target="_blank">Ehrhard K&#246;rting </a>dazu verleiten, uns alle zur Denunziation auszurufen: »Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da pl&#246;tzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder &#228;hnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man glaube ich schon mal gucken, dass man die Beh&#246;rden unterrichtet, was da los ist.« Was er dann zwar bedauerte, aber die Medien hatten ihre Schlagzeilen. Und musste auch <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/de-maiziere-und-die-terrorgefahr-fakten-statt-panikmache-1625347.html" target="_blank">Thomas de Maizière </a>seine Zur&#252;ckhaltung aufgeben und ins Terror-Horn blasen – und das nicht nur verbal. Auf die Meldung des »Spiegel«, <a href=" http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1123/politik/0031/index.html" target="_blank">der Reichstag sei im Visier von Terroristen</a>, lie&#223; er nicht nur martialisch wirkende Sperrgitter aufstellen, sondern auch noch das Geb&#228;ude weitgehend f&#252;r den Besucherverkehr sperren.</p>
<p>Geholfen hat das wenig, denn nun &#252;bertrafen sich die Medien erst recht mit der phantasievollen Schilderung denkbarer Anschl&#228;ge, wobei die so genannten Qualit&#228;tsmedien sich vom Boulevard die Butter nicht vom Brot nehmen lassen wollten. In der <a href="http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/5861472?pageId=&amp;moduleId=4326&amp;categoryId=&amp;goto=&amp;show" target="_blank">ARD-Tagesschau </a>hatte der Innenminister gerade noch davor gewarnt, »das Gesch&#228;ft der Terroristen« zu betreiben, da erkl&#228;rte ein so genannter Terrorexperte auch schon, es sei doch »viel billiger und einfacher«, sich »ein paar Waffen zu besorgen, in ein Hotel zu rennen und Geiseln zu nehmen«. Und die <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E26A55187EFAB42CEBDCE8E439E5C23B9~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung</a> adelt die Al Kaida zugeschriebene Internet-Publikation »Inspire« nicht nur als »Hochglanz-Brosch&#252;re«, sondern opfert ihr zwei Dutzend ihrer wertvollen Zeilen, um detailliert zu schildern, wie man mit einem umgebauten Pick-Up-Gel&#228;ndewagen m&#246;glichst viele Menschen umbringen kann. Auch andere st&#252;rzen sich eifrig auf die auf die bisher kaum zur Kenntnis genommene Website, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/al-qaida-propaganda-das-lifestyle-magazin-fuer-islamisten-1.1026762" target="_blank">um ihre Inhalte zu verbreiten </a>– wie ein Megaphon, das d&#252;nne Stimmchen zu Donnergrollen werden l&#228;sst.</p>
<p>Dort fand sich auch die gen&#252;sslich kommentierte <a href="http://www.fr-online.de/politik/al-kaida-freut-sich-ueber-schaden/-/1472596/4856324/-/view/asFirstTeaser/-/index.html" target="_blank">Kostenanalyse des geplanten Paketbomben- Transports </a>aus dem Jemen nach Chicago: 3000 Euro. Dem st&#252;nden seitens des Westens »Milliardenausgaben f&#252;r neue Sicherheitsma&#223;nahmen« gegen&#252;ber, was angesichts der von den Medien angestachelten Hysterie durchaus glaubw&#252;rdig ist. Eine neue Variante des »Totr&#252;stens«, die allerdings nur mit tatkr&#228;ftiger Unterst&#252;tzung sensationsgieriger Medien funktioniert. Und paradoxerweise eher beruhigend klingt. Denn wenn es so einfach ist, das westliche System allein mit kleinen Aktionen und gro&#223;en Worten so nachhaltig in Bedr&#228;ngnis zu bringen, braucht es den hochriskanten und nur noch graduell wirksameren wirklichen Terrorschlag vielleicht gar nicht?</p>
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		<title>Wie Patricia Riekel zur Erbin Erich Mielkes wurde</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 17:29:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es waren nicht irgendwelche unverbesserlich-ostalgischen Verharmloser des DDR-Regimes, die dieser Tage Patricia Riekel, die Chefredakteurin der Illustrierten »Bunte« in eine Reihe mit Ex-Stasi-Chef Erich Mielke stellten, sondern eine gro&#223;e Berliner Tageszeitung. Anspielend auf Riekels patzige Antwort auf ein Schreiben der Gr&#252;nen-Fraktionschefin Renate K&#252;nast an den Chef des Burda-Verlages, in dem sie die r&#252;den »Recherche«-Methoden der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es waren nicht irgendwelche unverbesserlich-ostalgischen Verharmloser des DDR-Regimes, die dieser Tage Patricia Riekel, die Chefredakteurin der Illustrierten »Bunte« in eine Reihe mit Ex-Stasi-Chef Erich Mielke stellten, sondern <span id="more-1529"></span>eine <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0306/meinung/0025/index.html" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/d2d6a74c7e204a5fbccdb47d7646ad9a" alt="" width="1" height="1" />gro&#223;e Berliner Tageszeitung</a>. Anspielend auf Riekels patzige Antwort auf ein <a href="http://kress.de/alle/detail/beitrag/102814-kuenast-brief-zur-bunte-affaire-riekel-kontert-kuenast-forsch.html" target="_blank">Schreiben der Gr&#252;nen-Fraktionschefin Renate K&#252;nast an den Chef des Burda-Verlages</a>, in dem sie die r&#252;den »Recherche«-Methoden der »Bunten« gegen&#252;ber dem Privatleben von Politikern kritisierte, formulierte der Kommentator eine zeitgem&#228;&#223;e Definition dessen, was in der Stasi-Sprache unter »fl&#228;chendeckender Aufkl&#228;rung« einzelner Personen verstanden wurde: »Erst wenn alle Schlafzimmer aller Politiker beschn&#252;ffelt, erst wenn alle ihre Rendezvous fotografiert, erst wenn alle getuschelten Worte mitgeschnitten, erst wenn alle privaten Hauseing&#228;nge besetzt sind und alles Private ausgesp&#228;ht ist, erst dann l&#228;sst sich die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ermitteln, und erst dann hat die Presse ihren vom Grundgesetz verlangten Beitrag zur &#246;ffentlichen Meinungsbildung geliefert.« Und er schlie&#223;t daraus: »H&#228;tten die Mitarbeiter der Stasi einen Presseausweis getragen, dann h&#228;tten sie 40 Jahre lang den Auftrag des Grundgesetzes erf&#252;llt.«</p>
<p>Hintergrund solch harscher Polemik ist der ausgerechnet <a href="http://kress.de/uploads/media/Riekels_Antwort_auf_den_Kuenast-Brief.pdf" target="_blank">von der Boulevardpresse kommende Anspruch</a>, Politiker gewisserma&#223;en einem Reinlichkeitstest zu unterziehen. Als »Leitfiguren und Vorbilder unserer Gesellschaft« unterl&#228;gen sie dem Auftrag der Presse, »zu &#252;berpr&#252;fen und auch zu recherchieren, ob sie das Vertrauen verdienen, um das sie uns alle bitten«. Und dies ausdr&#252;cklich nicht in ihrer politischen Praxis (die sich auf den Seiten der »Bunten« so gut wie nicht widerspiegelt), sondern in ihrem Privatleben, was die Chefredakteurin sogleich mit einschl&#228;gigen Beispielen untermauert: »Wenn Spitzenpolitiker sich von ihrer 4. Frau scheiden lassen, wenn Spitzenpolitiker eine 40 Jahre j&#252;ngere Frau heiraten, wenn Spitzenpolitiker Freundinnen in h&#246;here &#196;mter bef&#246;rdern – auf Steuerkosten – wenn Spitzenpolitiker ein Alkoholproblem haben, wenn Spitzenpolitiker im Wahlkampf ihre angeblich intakte Familie vorweisen, w&#228;hrend sie gleichzeitig in einer langj&#228;hrigen Nebenbeziehung leben, dann liefern sie durch ihren Lebensstil gesellschaftlichen Diskussionsstoff. Es ist korrekter Journalismus, solchem und &#228;hnlichem Verhalten von Politikern nachzugehen.« Und zu solchen »Recherchen« sind offenbar alle Mittel Recht, immer &#246;fter auch Mittel, die gerade noch am Beispiel von DDR und Stasi mit dem Ausdruck tiefsten Ekels und gr&#246;&#223;ter Abscheu verteufelt  wurden.</p>
<p>Diese in Riekels Replik auf K&#252;nast zum Ausdruck kommende Selbstanma&#223;ung , die schl&#252;pfrige Berichterstattung der Boulevardmedien in den Rang der Demokratieverteidigung zu erheben und sich dabei keinerlei Grenzen aufzuerlegen, ist das eine, und man k&#246;nnte vielleicht &#252;ber solches Sendungsbewusstsein milde l&#228;cheln, wenn es nicht mit ganz &#228;hnlichen – und in der Regel weniger am&#252;santen – Vorg&#228;ngen in der bundesrepublikanischen Gesellschaft einher ginge. Immer wieder wird die Republik durch Berichte dar&#252;ber ersch&#252;ttert, <a href="http://www.blogsgesang.de/2009/12/01/spitzel-immerzu-und-ueberall/" target="_blank">wie gro&#223;e Wirtschaftsunternehmen mit ganz &#228;hnlichen Methoden ihre Mitarbeiter ausforschen</a>, »fl&#228;chendeckend aufkl&#228;ren«. Die Beispiele der Telekom, der Deutschen Bahn, von Lidl oder der Drogeriekette M&#252;ller, von Edeka , Airbus und gewiss weiterer Firmen sind noch in Erinnerung. Auch sie f&#252;hrten daf&#252;r hehre Begr&#252;ndungen ins Feld – das Wohl des Unternehmens, seine Konkurrenzf&#228;higkeit, die Abwehr von Korruption und feindlichen Angriffen; diese &#228;hnelten frappierend den Sprachregelungen, mit denen im Ministerium f&#252;r Staatssicherheit der Kampf gegen die »Feinde der DDR« organisiert wurde.</p>
<p>&#220;bertroffen aber wurden sie alle noch von staatlicher Bespitzelungspraxis. Wie gerade jetzt aus Anlass des Urteils des Bundesverfassungsgerichts noch einmal klargemacht wurde, war es durch Gesetze der j&#252;ngeren Zeit dem Staat m&#246;glich geworden, theoretisch faktisch jeden Schritt jedes seiner B&#252;rger detailliert nachzuvollziehen und oft auch noch tief in sein allt&#228;gliches Denken und Handeln einzudringen, also im wahrsten Sinne des Wortes eine »fl&#228;chendeckende Aufkl&#228;rung« zu betreiben, von der die Staatssicherheit der DDR schon wegen der damals noch technischen Begrenzungen nur tr&#228;umen konnte. Die Ausforschung ging so weit, dass die Verfassungsrichter gro&#223;e Teile dieser Gesetzgebung f&#252;r grundgesetzwidrig erkl&#228;rten und – wie jetzt im Falle der Vorratsdatenspeicherung – sogar anordneten, alle derart gespeicherten Daten unverz&#252;glich zu l&#246;schen. <a href="http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5iPHFSkwOCNZlYN9HULvnBMND62YQ" target="_blank">Bundesinnenminister de Maizière</a> jedoch, der sich eigentlich auch als Verfassungsminister verstehen sollte, erkl&#228;rte unverhohlen seine Unzufriedenheit &#252;ber das Karlsruher Urteil und will durch die Hintert&#252;r gro&#223;er Teile der Bespitzelungspraxis retten. Ausdr&#252;cklich und im Gegensatz nicht nur zur Verfassung, sondern auch zu der oft ins Feld gef&#252;hrten einschl&#228;gigen <a href="http://www.zeit.de/newsticker/2010/3/7/iptc-bdt-20100307-257-24135796xml" target="_blank">EU-Richtlinie </a>verlangt er eine Fortf&#228;hrung der Vorratsdatenspeicherung auch f&#252;r leichtere Straftaten.</p>
<p>Dass ein Bundesverfassungsgericht solch rechtswidriges Tun stoppen kann, ist der unverkennbare Unterschied zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Aber dass Regierungsmitglieder gleichzeitig sofort dar&#252;ber nachdenken, wie das Grundgesetz nun in anderer Weise doch noch ausgehebelt werden kann, dass Wirtschaftsunternehmen in ihren Hoheitszonen wie selbstverst&#228;ndlich auf Methoden totalit&#228;rer &#220;berwachung zur&#252;ckgreifen und dass Medien sich als Demokratiew&#228;chter aufspielen k&#246;nnen, denen alles erlaubt sein m&#252;sse, zeigt zugleich, dass auch in einer Ordnung, die sich Rechtsstaat nennt, der Schoss, aus dem das Unrecht kriecht, noch fruchtbar ist.</p>
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		<title>Parteijournalisten neuen Typs – zum Beispiel die Lafontaine-Vernichter</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 15:43:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wladimir Iljitsch Lenin war es, der vor der russischen Oktoberrevolution eine Zeitung gr&#252;ndete und f&#252;r sie eine eigene Theorie erfand – die von der »Presse neuen Typs«. Das war keine Weiterentwicklung des Journalismus, wie leninistische Theoretiker glauben machen wollten, sondern eher die Kreation eines Pressestellen-Journalismus, der vor allem Reklame und Marketing betreibt und sich – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wladimir Iljitsch Lenin war es, der vor der russischen Oktoberrevolution eine Zeitung gr&#252;ndete und f&#252;r sie eine eigene Theorie erfand – die von der »Presse neuen Typs«. Das war keine Weiterentwicklung des Journalismus, wie leninistische Theoretiker glauben machen wollten, sondern eher die Kreation eines Pressestellen-Journalismus<span id="more-1366"></span>, der vor allem Reklame und Marketing betreibt und sich – ganz anders als das meiste aus Lenins Theorienladen – nicht nur bis heute gehalten, sondern sogar noch betr&#228;chtlich ausgebreitet hat. So wie Lenin damals die Zeitung als Mittel verstand, f&#252;r seine bolschewistische Partei zu werben, mit ihr die Leserschaft aufzukl&#228;ren, um sie f&#252;r die aus seiner Sicht notwenigen Handlungen zu gewinnen – er betrachtete die Presse als »kollektiven Agitator, Propagandisten und Organisator«, so gibt es heute kaum ein Wirtschaftsunternehmen, Ministerium oder sonstige Beh&#246;rde, die nicht zum gleichen Zweck eine umf&#228;ngliche Presse- und Werbeabteilung unterhalten. Nicht um einen unabh&#228;ngigen Journalismus geht es ihnen, sondern – wie eben auch Lenin – um dessen Ausrichtung auf ihre eigenen Interessen.</p>
<p>Die so genannten seri&#246;sen Medien hierzulande m&#252;hen sich durchaus, den Verlockungen solchen <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1171/wenn-der-spiegel-mit-dem-oskar-und-der-sahra-%e2%80%a6" target="_blank">Reklamejournalismus</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/8d918f1174f14136a1e952a8b56ef038" width="1" height="1" alt=""> zu widerstehen, auch wenn das aus &#246;konomischen wie politischen Gr&#252;nden immer schwerer f&#228;llt. Besonders dann, wenn ein Vorgang beschrieben wird, der im Widerspruch zum »Mainstream« steht, ist zumindest der indirekte, manchmal aber auch der <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E28EFD94926E64CC08D46119C93101C8F~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">direkte Druck </a>gewaltig, die Fakten ein wenig am vorherrschenden Meinungsbild auszurichten. Der eine kommt dem nur z&#246;gernd und mit sichtlichem Unbehagen nach, der andere ist schon weiter und findet vielleicht sogar Gefallen an einer Berichterstattung, die in seinem Umfeld, das nicht unbedingt die Leser, H&#246;rer und Zuschauer sind, auf allgemeines Wohlwollen st&#246;&#223;t.</p>
<p>Eins der Themen, bei dem das besonders augenf&#228;llig wird, ist all das, was unter »Links« firmiert. Hier ist die mediale Ablehnung weitgehender Konsens, und der Journalist, der kr&#228;ftig in diese Kerbe haut, kann aus Sicht seiner Chefs und erst recht der Geldgeber kaum etwas falsch machen. Man muss da in diesen Tagen gar nicht zuerst an Oskar Lafontaine denken, sondern wurde &#252;ber das Muster j&#252;ngst am Beispiel des gerade zum SPD-Vorsitzenden gew&#228;hlten Sigmar Gabriel belehrt. Bei »Zapp« plauderte der Redakteur der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«, Michael Berger, aus, dass man in der kurzen Zeit Gabriels als Ministerpr&#228;sident Niedersachsens irgendwann fand, dass dieser sich zu oft als »Fanfare« produziert h&#228;tte. Die offensichtlich inhaltlich kaum begr&#252;ndete Reaktion: »Wir haben dann irgendwann in der Zeitung des Schalter umgelegt und gesagt: Nun kritisieren wir ihn mal ordentlich!«</p>
<p>Um wieviel mehr gilt das f&#252;r Lafontaine, der nat&#252;rlich auch kr&#228;ftig die Fanfare bl&#228;st – und dazu noch <a href="http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&amp;cccpage=17112009ArtikelKommentarKneffel1" target="_blank">aus der falschen Richtu</a>ng und mit einem aufwieglerischen Sound. Da ist man sich kaum zu schade, der Leninschen Theorie – ohne sie nat&#252;rlich zu kennen – konsequent zu folgen. Die Medien werden – bis auf wenige Ausnahmen – zum kollektiven Agitator, Propagandisten und Organisator einer Kampagne gegen den Feind, der beim russischen Revolution&#228;r der Klassenfeind war, was bei ihnen wohl Lafontaine gleicherma&#223;en ist, wenn auch mit ver&#228;ndertem Vorzeichen. F&#252;r die SED-Propaganda war jahrelang Franz Josef Strau&#223; der Prototyp des reaktion&#228;ren Nationalisten und Imperialisten. F&#252;r die b&#252;rgerlichen Medien spielt heute Oskar Lafontaine diese Rolle – als Prototyp des umst&#252;rzlerischen, so vaterlands- und prinzipienlosen Systemver&#228;nderers. Er kann tun oder lassen, was immer er will; <a href="http://www.readers-edition.de/2009/11/19/oskar-lafontaine-und-das-elend-des-deutschen-journalismus/" target="_blank">stets sucht man nach dem Haar in der Suppe</a>, nach einer Interpretation, die die Fakten irgendwie gegen ihn wendet.</p>
<p>Auf sogenannte seri&#246;se Medien ist das keineswegs begrenzt. Der <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,661508,00.html" target="_blank">»Spiegel« </a>hat sich schon lange aus der Kreis der so geadelten Bl&#228;tter verabschiedet und ist zur Bild-Zeitung f&#252;r Intellektuelle mutiert; jetzt m&#252;ht sich die <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/115/492471/text/" target="_blank">»S&#252;ddeutsche Zeitung«, </a>dem Hamburger Magazin nachzueifern. Jedenfalls war ihre Berichterstattung &#252;ber Oskar Lafontaine an B&#246;swilligkeit allenfalls noch von »Bild« und eben vom »Spiegel« zu &#252;berbieten. Immerhin hat sie noch Unbehagen versp&#252;rt und eine <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/670/495001/text/" target="_blank">Rechtfertigung</a> formuliert, aber gerade in dieser wurde auch der Unterschied deutlich, den man zwischen einem unakzeptablen Linken wie Lafontaine und einem »gel&#228;uterten« SPD-Mann wie zum Beispiel Peter Struck macht, wenn es um politischen Anstand geht. Bei Lafontaine hingegen dient selbst die mit Krokodilstr&#228;nen getr&#228;nkte Betroffenheitsgeste zu einem neuen Angriff auf die so tief verhasste Linkspartei – indem man sich nun <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/krank/" target="_blank">Bodo Ramelow </a>wegen seines dummen Kommentars zu Lafontaines Krebserkrankung vornimmt. Welch Gl&#252;ck, mag da mancher gedacht haben, wir m&#252;ssen nicht abr&#252;sten, sondern brauchen nur die Gesch&#252;tze auf das neue Ziel zu richten. Sie haben den Lenin verstanden, auch wenn sie ihn nie lasen.</p>
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		<title>Manisch-depressive Republik</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 13:33:47 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Psychiatrie kennt das Krankheitsbild der manisch-depressiven Psychose. Dabei wechselt sich eine euphorisch gehobene Grundstimmung bis hin zu erh&#246;htem Selbstwertgef&#252;hl, &#220;bersch&#228;tzung eigener F&#228;higkeiten und Enthemmung mit Phasen von Gedr&#252;cktheit, Traurigkeit, Angst und Verzweiflung ab. Als »himmelhoch jauchzend, zu Tode betr&#252;bt« hat Goethe dieses Wechselbad der Gef&#252;hle beschrieben, was er allerdings auf den einzelnen Menschen bezog. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Psychiatrie kennt das Krankheitsbild der manisch-depressiven Psychose. Dabei wechselt sich eine euphorisch gehobene Grundstimmung bis hin zu erh&#246;htem Selbstwertgef&#252;hl, &#220;bersch&#228;tzung eigener F&#228;higkeiten und Enthemmung mit Phasen von Gedr&#252;cktheit, Traurigkeit, Angst und Verzweiflung ab. Als »himmelhoch jauchzend, zu Tode betr&#252;bt« <span id="more-1363"></span>hat Goethe dieses Wechselbad der Gef&#252;hle beschrieben, was er allerdings auf den einzelnen Menschen bezog. Die Vorg&#228;nge um den Freitod des Fu&#223;balltorwarts <img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/5d220537e63c4b0487e023d1b449fd91" alt="" width="1" height="1" /><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/159262.robert-enke-und-therapie-tipps.html" target="_blank">Robert Enke </a>lassen allerdings fragen, ob nicht inzwischen das ganze Land solch pathologischem Verhalten verfallen ist.</p>
<p>Der Fu&#223;ball hat sich daf&#252;r schon seit l&#228;ngerem als exemplarisch erwiesen. Der Sommer 2006 mit den euphorischen Massen, die wie im Rausch durch die Stra&#223;en tobten und das Spiel auf dem Rasen zum Anlass f&#252;r eine gigantische Party nahmen, wies alle Symptome der manischen Phase auf. Hingegen st&#252;rzte der Tod Enkes Tausende in eine depressive Stimmung; pl&#246;tzlich trauerten viele um einen eigentlich wildfremden Menschen, von dem etliche vor einer Woche noch nicht einmal den Namen kannten. Doch das Ph&#228;nomen ist nat&#252;rlich <a href="http://www.presseportal.de/pm/14527/1512898/rheingold_gmbh_co_kg" target="_blank">auf den Fu&#223;ball nicht beschr&#228;nkt</a>. St&#228;ndig werden wir animiert, »himmelhoch jauchzend« zu sein, k&#252;nstlich unsere Emotionen hochzufahren – ob im Job oder im sozialen Gef&#252;ge. Und weil Versagen dabei nicht vorgesehen ist, muss seine Verarbeitung, wenn es eintritt, ebenso inszeniert werden; dann haben wir »zu Tode betr&#252;bt« zu reagieren. Die Trauer selbst wird zum Event. Heute sind wir alle Papst und morgen Robert Enke.</p>
<p>Verbunden ist das alles mit der st&#228;ndigen N&#246;tigung zur »Bestleistung« – und zwar auf allen Gebieten. Es ist dies eine Leistung, die keinen objektiven Kriterien folgt, sondern von subjektiven Interessen, dabei oft Gewinnstreben, definiert wird. Das f&#228;ngt bei der Mode an, die uns vorschreibt, was gerade »in« ist und jeden zum Au&#223;enseiter stempelt, der sich diesem Terror nicht durch Anpassung unterwirft. Das setzt sich in der Gruppe fort, wo oft irrationale Normen einen Status bestimmen, den jeder akzeptieren muss, der dort seinen Platz behaupten will. Es findet sich im Berufsleben, wo die Leistung oft nicht gen&#252;gt, sondern ihr durch k&#252;nstliche Motivationssch&#252;be nachgeholfen werden muss. Und es schleicht sich zunehmend auch in private Beziehungen ein, in denen man sich nicht mehr geben darf, wie man ist, sondern eine Maske &#252;berzust&#252;lpen hat, die ein fremdbestimmtes Bild vorgaukelt.</p>
<p>Treibende Kraft in diesem unaufh&#246;rlichen Manipulationsvorgang sind ohne Zweifel die Medien. Es ist schon grotesk, wenn an einem Tag, an dem eine frisch gew&#228;hlte Regierungschefin ihr k&#252;nftiges Programm f&#252;r das Land verk&#252;ndet, dies weit in den Hintergrund tritt – zugunsten des Schicksals eines Fu&#223;ballspielers. Und das nicht nur in den Boulevardmedien, sondern auch in der so genannten seri&#246;sen Berichterstattung. Es zeigt mehr als alles andere, wie sehr diese Republik emotional reagiert, also aus dem Bauch heraus, und den Kopf abschaltet. Und man kann fast den Verdacht sch&#246;pfen, dies sei so gewollt, denn nat&#252;rlich war Angela Merkels Regierungserkl&#228;rung auch ein Trauerspiel, geeignet, den interessierten Beobachter in tiefe Depression zu st&#252;rzen. Aber wenn schon Trauer, dann vielleicht doch lieber um ein tragisch geendetes Sportidol &#8230;</p>
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		<title>Blog, Blogger, am bloggesten</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 15:58:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Jubil&#228;um ist zu begehen, eins der gro&#223;en Zahl, und es f&#228;llt &#8211; wohl eher zuf&#228;llig &#8211; in eine Zeit, da, am iranischen Beispiel, wieder einmal heftig diskutiert wird, welche Rolle das Internet in den aktuellen Weltenl&#228;uften spielt. Dies ist der 400. Beitrag dieser Internetseite &#8211; und eigentlich hat sich der Autor mit solch einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Jubil&#228;um ist zu begehen, eins der gro&#223;en Zahl, und es f&#228;llt &#8211; wohl eher zuf&#228;llig &#8211; in eine Zeit, da, am iranischen Beispiel, wieder einmal heftig diskutiert wird, welche Rolle das Internet in den aktuellen Weltenl&#228;uften spielt. <span id="more-1062"></span>Dies ist der 400. Beitrag dieser Internetseite &#8211; und eigentlich hat sich der Autor mit solch einem Satz bereits disqualifiziert. Denn in der Web-Sprache, die mit dem Deutschen wenig gemein hat, hei&#223;t der Beitrag nat&#252;rlich »Post« und die Seite »Blog«; ansonsten aber ist diese Sprache noch immer derart unfertig, dass sich umf&#228;ngliche Gespr&#228;chsrunden (»Communities«) zum Beispiel dar&#252;ber ewig fetzen k&#246;nnen, ob ein Blog m&#228;nnlichen oder s&#228;chlichen Geschlechtes ist. Aber &#8211; und damit sind wir bei seinem gr&#246;&#223;ten Vorzug &#8211; das Internet darf das &#8211; von rechts bis links, von oben nach unten, grenzenlos, uferlos, tabulos, sogar geschmacklos.</p>
<p>Jeder, der &#252;ber irgendeinen Telefonanschluss verf&#252;gt (und den bekommt man heute schon f&#252;r einen Euro), kann aller Welt mitteilen, was ihm gerade auf der Seele brennt &#8211; seinen Liebeskummer, seine Meinung zu Barack Obamas letzter Rede, den &#196;rger &#252;ber das Hochschnellen des Benzinpreises sp&#228;testens an jedem Freitag, seine Befindlichkeit angesichts dauerhaften Regenwetters oder nach einer n&#228;chtlichen Fernsehdebatte hochbezahlter Professoren &#252;ber den Wert oder Unwert von B&#252;chern mit mehr als 1000 Seiten. Er kann &#252;ber den aktuellen Standort an einer Stra&#223;enbahnhaltestelle informieren oder seine aktuelle Verrichtung, sofern er dazu nicht beide H&#228;nde braucht, &#252;ber seine kleinen Wehwehchen oder gro&#223;en Visionen. All das rufen Millionen millionenfach ab und scheren sich oft wenig darum, dass es dem einzelnen Post regelm&#228;&#223;ig (was Ausnahmen einschlie&#223;t) an Qualit&#228;t gebricht ; diese generiert sich erst &#8211; ganz dialektisch &#8211; aus der Quantit&#228;t. Womit der zweite Vorzug des Web beschrieben w&#228;re, der sich logisch aus dem ersten ergibt: Absolute Freiheit der Kommunikation erzeugt jene gro&#223;e Zahl von Inhalten, die nach den Gesetzen der Statistik immer n&#228;her an die Wahrheit heranf&#252;hrt.</p>
<p>Insofern m&#252;sste man den iranischen Machthabern beinahe dankbar sein f&#252;r ihre Versuche, die gesteuerte Informationsvermittlung zu unterbinden, denn daraus resultiert heute nicht etwa das angestrebte Versiegen des Informationsflusses, sondern seine stete Verbreiterung, was eine Kanalisierung bald unm&#246;glich macht. Das allerdings auf allen Seiten, denn weder das Regime noch der vermeintlich objektive Beobachter, der aber auch nicht im luftleeren Raum lebt, und schon gar nicht der zuf&#228;llige Passant mit der Handy-Kamera vermag seine Deutung der Ereignisse durchzusetzen, sobald &#252;ber diese selbst uneingeschr&#228;nkt berichtet wird und jeder, aber auch wirklich jeder die M&#246;glichkeit hat, all dies ebenso uneingeschr&#228;nkt zur Kenntnis zu nehmen.</p>
<p>Erw&#252;nscht ist eine solche Demokratisierung der Kommunikation bei den M&#228;chtigen nicht; man erkennt das an ihren &#8211; weltweit und system&#252;bergreifend &#8211; zunehmenden Versuchen, durch Sperren und Mauern den Informationsfluss wieder auf das von ihnen f&#252;r ertr&#228;glich gehaltene Ma&#223; zu begrenzen. Aber auch Nutzer im Web (»User«) haben oft selbst Angst vor der Vielfalt der Tatsachen und Meinungen, deren Kenntnisnahme sie zur &#220;berpr&#252;fung und m&#246;glicherweise Infragestellung eigener vermeintlicher Gewissheiten zwingen k&#246;nnte. Diese ziehen sich dann in ihre mehr oder weniger abgeschotteten Communities zur&#252;ck, in denen sie sich die B&#228;lle zuwerfen und einen verirrten Fremdk&#246;rper entweder ignorieren oder solange w&#252;tend attackieren, bis er sich wieder von ihrer Spielwiese entfernt und dort nicht mehr st&#246;rt. F&#252;r sie erweitert das Internet paradoxerweise nicht die Freiheit, sondern erm&#246;glicht ihnen den R&#252;ckzug auf den geistig kleinsten Nenner.</p>
<p>Die Freiheit des Web ergibt sich aus der Freiheit des Beteiligten, wenn der sie denn will &#8211; mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Es ist eine brotlose Freiheit, denn bezahlt wird nur f&#252;r die Einordnung in das eine oder andere oder noch ein System; gerade die Blogosp&#228;re mit ihren vielen prek&#228;ren Existenzen hat das sehr schmerzlich erfahren. Die Dividende des Bloggers ist die Aufmerksamkeit, die seine Posts erregen; sie steigt in dem Ma&#223;e, wie sie &#252;ber die verengte Community hinausreicht. Gleichgesinnte sind die Seitenaufrufen relativ leicht zu animieren, wer aber widerspricht, liefert mehr als nur einen Klick im Netz. Er bietet geistige Kost, die geschmeckt und verdaut werden muss &#8211; vielleicht Appetit auf mehr macht und im besten Falle sogar n&#228;hrt.</p>
<p>Der Blick auf 400 Texte in knapp drei Jahren f&#228;llt unter diesem Gesichtspunkt nicht &#252;berm&#228;&#223;ig befriedigend aus. 77 von ihnen fallen gleich ganz aus der Wertung, da die Z&#228;hlung erst am 19. Oktober 2007, also nach gut einem Jahr, durch die famose Maschine Google analytics begann. Die &#252;brigen 323 Posts wurden 31 641 mal angeklickt, etwa jedes sechste davon mehrfach von gleichen Interessenten. Kommentare zum aktuellen Geschehen standen dabei keineswegs an der Spitze; erst auf Platz 5 erscheint mit 303 Zugriffen die Glosse <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/06/06/armer-fussball/" target="_blank">»Armer Fu&#223;ball«</a><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/11495b97de7a4360b61013443d21db0a" width="1" height="1" alt="">, gef&#246;rdert wohl durch den Enthusiasmus um die Weltmeisterschaft. Immerhin 231 User schauten auf <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/01/03/und-wieder-zieht-koch-gegen-auslaender-in-den-wahlkampf/" target="_blank">»Und wieder zieht Koch gegen Ausl&#228;nder in den Wahlkampf«</a> (Platz 9) und 217 auf <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/08/21/ist-nur-die-richtige-meinung-richtig-frei/" target="_blank">»Ist nur die richtige Meinung richtig frei?«</a> (Platz 11),.187 auf <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/03/08/ein-ferkel-entlarvt-die-heuchler-der-meinungsfreiheit/" target="_blank">»Ein Ferkel entlarvt die Heuchler der Meinungsfreiheit«</a> (13) und 165 auf <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/04/22/die-rentner-als-stoerfaktor/" target="_blank">»Die Rentner als St&#246;rfaktor«</a> (15), gefolgt von <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/04/08/bestialisch-knut-frisst-fische/" target="_blank">»Bestialisch: Knut frisst Fische«</a> mit 157 Zugriffen.</p>
<p>Deutlich mehr Interesse fanden historische Texte. So rangieren vier Kapitel des <a href="http://www.blogsgesang.de/2007/11/12/kurzer-prozess-honecker-genossern-ein-staat-vor-gericht/" target="_blank">»Honecker-Buches«</a> unter den Top Ten, und auf die inzwischen zw&#246;lf Jahre alte Reportage <a href="http://www.blogsgesang.de/2007/09/09/wiebeleskirchener-strohhalme/">»Wiebelskirchener Strohhalme«</a> &#252;ber Erich Honeckers Geburtsort wurde 265 mal zugegriffen (Platz 6), auf das noch &#228;ltere Portr&#228;t &#252;ber <a href="http://www.blogsgesang.de/2007/01/19/markus-wolf/" target="_blank">Markus Wolf </a>210 mal (Platz 12). Sogar die fast 20 Jahre alte Folge &#252;ber die Auseinandersetzung zwischen B&#252;rgerrechtlern und Staatssicherheit am Ende der DDR gewinnt zunehmend Leser, 177 mal wurde <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/01/17/vor-zwanzig-jahren-karl-und-rosa-zwischen-den-fronten/" target="_blank">»Vor 20 Jahren. Karl und Rosa zwischen den Fronten«</a> angeklickt (Platz 14), 127 mal <a href="http://www.blogsgesang.de/2009/01/15/vor-20-jahren-der-countdown-in-der-ddr-laeuft/" target="_blank">»Vor 20 Jahren: Der Countdown in der DDR l&#228;uft« </a>vom 15. 01. 2009 (Platz 30) und 127 mal das auch erst 10 Monate verf&#252;gbare <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/09/12/vor-20-jahren-ossietzky-schueler-als-antisozialistische-plattform-im-blauhemd/">»Vor 20 Jahren: Ossietzky-Sch&#252;ler als &gt;antisozialistische Plattform&lt; im Blauhemd«</a> (Platz 37). Weit an der Spitze aber liegen zwei Reiseberichte aus der Ferne. Auf <a href="http://www.blogsgesang.de/2006/11/28/chilenische-schweiz/" target="_blank">»Chilenische Schweiz«</a> griffen 1200 User zu, der absolute Spitzenwert, f&#252;r <a href="http://www.blogsgesang.de/2007/02/23/chiles-fjorde/" target="_blank">»Chiles Fjorde«</a> interessierten sich 455 Internetnutzer. Es ist also offensichtlich der Gebrauchswert, der im Netz gesucht wird und der das Rating der Posts und damit auch der Blogs bestimmt. Vielleicht Ansporn, zu jener Reise, die nicht vor Kap Hoorn endete, noch einmal zur&#252;ckzukehren.</p>
<p>Die Statistik f&#252;hrt den Blogger schnell auf seinen au&#223;erordentlich bescheidenen Anteil an weltweiter Meinungsbildung zur&#252;ck. Klingt es noch recht gut, dass mehr als 31000 Zugriffe zu einem Blog erfolgten, so relativiert sich die Zahl betr&#228;chtlich, wenn man sie auf die 621 Tage seit dem 19. 10. 2007 verteilt, f&#252;r die sie ausgewiesen wurden. Dann kommt im Schnitt nur eine zweistellige Ziffer im mittleren Bereich heraus &#8211; kaum mehr also, als vom beliebigen Hobby eines Freundes Kenntnis nehmen.</p>
<p>Und doch ist Bloggen mehr als das &#8211; allein dadurch, das es inzwischen von Millionen gleicherma&#223;en betrieben wird. Die gro&#223;e Zahl der Beteiligten schafft Vielfalt, reduziert die Fehlerquote und b&#252;rgt so f&#252;r Qualit&#228;t. Und wenn da doch ein Rest von Unw&#228;gbarem bleibt, ist er allemal weniger problematisch als das Ma&#223; von Manipulation, das gesteuerte Information und Argumentation aufweisen. Denn kein Blog dr&#228;ngt seine Meinung als eine unbezweifelbarer Objektivit&#228;t auf, wie es traditionelle Medien gern tun. Blogs und ihre Posts sind Angebote zur kritischen Pr&#252;fung, zum Vergleich mit anderen Texten. Sie verlangen den denkenden Leser, den pr&#252;fenden Rezipienten, einen, der aus der Vielfalt des Gebotenen das eigene Bild destilliert. Das ist anstrengend, m&#252;hsam gar, f&#252;hrt aber allein zu realit&#228;tsnahem Wissen und einer belastbaren Weltsicht. Iran hat dieser Tage einen hoffnungsvollen Beweis daf&#252;r geliefert. Die Blogosph&#228;re hat ihre Leistungsf&#228;higkeit demonstriert. Den etablierten Journalismus abzul&#246;sen, wie mancher Unkenruf bereits glauben machen will, beabsichtigt sie damit nicht &#8211; aber vielleicht tr&#228;gt sie dazu bei, dass sich die Medienmacher angesichts dieser Konkurrenz wieder mehr auf ihre Verantwortung und ihre besten Traditionen besinnen.</p>
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		<title>Der olympische Geist als mediales Gespenst</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 15:18:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eigentlich sollten Olympische Spiele zu Anfang dieses Jahrhunderts in Deutschland stattfinden – in Berlin 2000 oder in Leipzig 2012. Das ist inzwischen ziemlich in Vergessenheit geraten – zu Recht und zum Gl&#252;ck. Denn sonst h&#228;tten wir in den weltweiten Medien m&#246;glicherweise Schreckliches &#252;ber uns lesen k&#246;nnen. Zum Beispiel: »Das Land der Kindesm&#246;rder. Immer wieder lassen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich sollten Olympische Spiele zu Anfang dieses Jahrhunderts in Deutschland stattfinden – in Berlin 2000 oder in Leipzig 2012. Das ist inzwischen ziemlich in Vergessenheit geraten – zu Recht und zum Gl&#252;ck. Denn sonst h&#228;tten wir in den weltweiten Medien m&#246;glicherweise Schreckliches &#252;ber uns lesen k&#246;nnen. <span id="more-390"></span>Zum Beispiel: »Das Land der Kindesm&#246;rder. Immer wieder lassen grausame Deutsche ihre Kinder verhungern und verdursten«. Oder: »Die Plage der Kindersch&#228;nder. Deutsche Justiz &#252;bt Nachsicht gegen&#252;ber sexuellen Unholden«. Aber auch: »Kohlendioxid vergiftet deutsche St&#228;dte. Autoindustrie verhindert aus Gewinnstreben Gesundheitsschutz«. Schlie&#223;lich: »Totale &#220;berwachung mit deutscher Gr&#252;ndlichkeit. Sicherheitsdienste dringen heimlich in Computer unbescholtener B&#252;rger ein«. Manches klingt vielleicht ein wenig &#252;bertrieben, aber hat es nicht s&#228;mtlich einen wahren Kern? Und ist der Rest nicht Meinungsfreiheit, die sich doch keiner nehmen lassen soll?</p>
<p>So jedenfalls wird gegenw&#228;rtig gegen&#252;ber China argumentiert, das nun die Spiele tats&#228;chlich ausrichtet. Und damit auch eine derartige Berichterstattung ertragen muss, bei der manches ein wenig &#252;bertrieben klingt, aber doch wohl einen wahren Kern hat. Und daraus werden dann dieser Tage solche Schlagzeilen – alle aus den Programmen unserer Fernsehsender entnommen: »Chinas gestohlene Kinder. Rund 70000 Kinder werden in China j&#228;hrlich verkauft«. Oder: »Drill, Kader und Gesang. Chinas Kinder« Oder: Das chinesische M&#228;dchen und die M&#228;nner. Junge M&#228;dchen werden entf&#252;hrt und an solvente Singles verkauft«. Oder: »Chinas Autowahn. F&#252;r die automobile Revolution zahlen die Chinesen einen hohen Preis«. Oder: Chinas K&#228;mpfer f&#252;r die Wahrheit. Auch im Reich der Mitte gibt es Journalisten, die &#252;ber Korruption, Umweltzerst&#246;rung und Menschenrechtsverletzungen berichten«. Die gedruckten Medien schlagen den gleichen Ton an; &#228;hnlich tendenzi&#246;se &#220;berschriften lassen sich derzeit zuhauf finden. Es gibt nat&#252;rlich auch anderes, doch das bleibt deutlich in der Minderheit. In unseren Medien wird der olympische Geist, um dessen Aufleben sich die Chinesen durchaus aufopferungsvoll bem&#252;hen, zum h&#228;sslichen Gespenst, und ihr Land zu einer Gruselzone, deren Zust&#228;nde dem rechtschaffenen B&#252;rger Schauder &#252;ber den R&#252;cken laufen lassen sollen.</p>
<p>H&#228;tten die Weltmedien wie eingangs beschrieben &#252;ber ein denkbares Olympialand Deutschland berichtet, w&#228;re es hier zu Recht zu einem Sturm der Emp&#246;rung gekommen, obwohl es die genannten Erscheinungen nat&#252;rlich durchaus gibt. Wie auch die chinesische Wirklichkeit nicht nur von Harmonie und Sonnenschein gepr&#228;gt ist, so gern das die Verantwortlichen auch behaupten – was sie kaum von Amtspersonen hierzulande unterscheiden d&#252;rfte. Doch das chinesische Unverst&#228;ndnis, Proteste gar sind a priori Besch&#246;nigung der Wirklichkeit oder auch Verletzung der Meinungsfreiheit, wenn nicht gleich die Fratze eines totalit&#228;ren Staates.</p>
<p>Dabei ist es selbstverst&#228;ndlich l&#228;cherlich, wie empfindlich das offizielle China auf manche westliche Arroganz reagiert, wodurch diese beinahe noch geadelt wird. Es ist die dem einstigen DDR-B&#252;rger durchaus gel&#228;ufige Denkweise, dass nicht sein darf, was nicht sein kann, die da noch immer grassiert. Wenn ein sich kommunistisch nennendes Land, das seinen wirtschaftlichen Aufstieg vor allem kapitalistischen Methoden, darunter solchen der vulg&#228;rsten Art, verdankt, die Olympischen Spiele ausrichtet, dann hat das immer und durchg&#228;ngig eine totale Erfolgsgeschichte zu sein; jeder weggeworfene Pappbecher tr&#252;bt dann das erstrebte Bild absoluter Harmonie zwischen Staat, Bev&#246;lkerung und internationalem Publikum, und einige Plakate oder Passanten&#228;u&#223;erungen gegen die Regierungspolitik werden zum Super-GAU. Da ist es dann auch leicht, diese mimosenhafte Staatsmacht zu provozieren; ein scheeler Blick gen&#252;gt mitunter schon, um eine Kompanie Sicherheitspersonal in Marsch zu setzen. Nicht wirklicher Aufruhr, sondern die &#252;berinterpretierte Abweichung vom Verlangten wird zur sich selbst erf&#252;llenden Prophezeiung der Katastrophe.</p>
<p>All diese w&#228;re ohne Zweifel hochinteressanter Stoff f&#252;r psychologische Seminare zur Herrschaftsaus&#252;bung; es eignet sich aber zugleich f&#252;r die politische Brunnenvergiftung – indem man zum Beispiel den Nichtempfang einer Internetseite der tibetischen Exilregierung zu einer Art Kriegserkl&#228;rung an jegliche Olympiaberichterstattung hochstilisiert. Hier begibt sich der Kritiker flugs ins Fahrwasser der Kritisierten, indem er &#228;hnlich &#252;berzogen reagiert. Den Vogel dabei hat wohl der Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, Peter Danckert (SPD), abgeschossen, der verlangte, China – und nat&#252;rlich Milliarden Sportanh&#228;nger auf der ganzen Welt – dadurch zu bestrafen, dass die Er&#246;ffnungsfeier nicht im Fernsehen &#252;bertragen wird; er verlangte also die Bek&#228;mpfung einer »kleinen« chinesischen Zensur durch eine totale, weltweite Zensur. Ihn selbst freilich hindert das »unertr&#228;gliche« Verhalten der Chinesen nicht daran, an der Spitze einer Bundestagsdelegation nach Peking zu reisen.<br />br><br />
Es sind nicht nur solche Glaubw&#252;rdigkeitsdefizite, die die gegenw&#228;rtige Kampagne gegen China als pure Heuchelei entlarven, die man sp&#228;testens dann vergessen hat, wenn die n&#228;chste Wirtschaftsdelegation – und dann vielleicht gar mit der jetzt urlaubenden Angela Merkel an der Spitze – ins Land der Mitte reist. Woher eigentlich nimmt der Westen, nimmt EU-Europa das Recht, China wegen seiner Entwicklung Vorhaltungen zu machen und so genannte gute Ratschl&#228;ge zu erteilen? Von Europa gingen immerhin zwei Weltkriege mit Millionen Toten aus, und auch heute spielt der Kontinent in der Welt eine sehr zwiesp&#228;ltige Rolle, die weniger auf Frieden und Ausgleich als auf die Erringung neuer Machtpositionen ausgerichtet ist. Auch die USA, deren Pr&#228;sident gerade wieder Mahnungen an China gerichtet hat, haben die sie ihrer Geschichte wegen vielleicht daf&#252;r pr&#228;destinierende Rolle, anderen V&#246;lkern bei der Nationenbildung als Vorbild zu dienen, l&#228;ngst verspielt, indem sie nur noch ihre eigenen Interessen im Blick haben und diese zudem als ein Weltgendarm durchzusetzen versuchen.</p>
<p>Die Unglaubw&#252;rdigkeit und gleichzeitige Heftigkeit der gegenw&#228;rtigen Angriffe gegen China legen – wie auch bei vergleichbaren Vorg&#228;ngen im t&#228;glichen Leben – die Vermutung nahe, dass es weniger um das geht, was da plakativ an der Oberfl&#228;che verhandelt wird, sondern um dahinter, tiefer Liegendes, das man jedoch sorgsam verbergen m&#246;chte. Dies aber ist wohl die alte Urangst , die seit je das Verh&#228;ltnis des »Abendlandes« zum fern&#246;stlichen Riesenreich bestimmt, einem Reich, das schon eine entwickelte Kultur vorweisen konnte, als Europa gerade die Steinzeit hinter sich gebracht hatte – von den weltgeschichtlich noch heute in der Pubert&#228;t befindlichen Vereinigten Staaten ganz zu schweigen. Jahrzehntelang von den westlichen M&#228;chten beherrscht und unterdr&#252;ckt, zu denen freilich auch Russland geh&#246;rte (mit dem es prompt auch zuerst zu Konflikten kam), befindet sich China seit einigen Jahren in einem rasanten Aufschwung. »Schon jetzt ist China die viertgr&#246;&#223;te Wirtschaftsmacht, sein politischer Einfluss steigt stetig, es besitzt die gr&#246;&#223;ten Devisenreserven der Welt. Sp&#228;testens im Jahr 2040 d&#252;rfte China zur Nummer eins der Weltwirtschaft aufsteigen und an den Vereinigten Staaten vorbeiziehen, wahrscheinlich fr&#252;her. In der Rangliste der Exportnationen liegt das Land auf Platz zwei. Bald wird es Deutschland als Exportweltmeister &#252;berholen, im Sport ist es den Deutschen schon uneinholbar enteilt«, fasste k&#252;rzlich die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« die Gefahr zusammen, die sie der westlichen Dominanz drohen sieht. Und nun erschreckt davor zittert, dass eine Weltmacht China &#228;hnlich dominant gegen&#252;ber dem Westen auftreten k&#246;nnte, wie dieser es bisher bez&#252;glich der anderen Himmelsrichtungen tat.</p>
<p>Die Furcht sei den arroganten Weltbherrschern der Vergangenheit geg&#246;nnt. Uns aber sollten wir Olympische Spiele g&#246;nnen, in denen vor allem der Sport zu Wort und Bild kommt und sich selbst ein Fest bereitet, das glanzvoll zu werden verspricht. Dies wird zwar die noch vorhandenen Defizite in China nicht vergessen machen, ihnen aber den angemessenen Platz zuweisen – als Herausforderungen f&#252;r die Zukunft, f&#252;r die bereits das Fundament gelegt ist, auf dem sich weiterbauen l&#228;sst. Mancher, der sich den Chinesen derzeit so sehr &#252;berlegen d&#252;nkt, sollte einen Blick in die von Grausamkeiten und permanenten Menschenrechtsverletzungen gepr&#228;gte Geschichte Europas werfen und daran denken, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut worden ist. Peking ist auf dem Weg und schon weiter, als uns derzeit die Medien suggerieren wollen.</p>
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		<title>Tibet und der »Pluralismus« der Medien</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Mar 2008 23:42:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit den Tagen der DDR hat sich eine deutsche Medienlandschaft – selbst die sich links verstehende Wochenzeitung »Freitag« ist davon nicht frei – nicht mehr so einm&#252;tig – und damit einseitig – gegen einen »Feind« formiert wie gegenw&#228;rtig bei der Behandlung der Situation in Tibet. Wie im kruden Parteijournalismus steht auch jetzt in der Berichterstattung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Seit den Tagen der DDR hat sich eine deutsche Medienlandschaft – selbst die sich links verstehende Wochenzeitung <a target="_blank" href="http://www.freitag.de/2008/13/08130601.php">»Freitag«</a> ist davon nicht frei – nicht mehr so einm&#252;tig – und damit einseitig – gegen einen »Feind« formiert wie gegenw&#228;rtig bei der Behandlung der Situation in Tibet. <span id="more-347"></span>Wie im kruden Parteijournalismus steht auch jetzt in der Berichterstattung dar&#252;ber von vornherein fest, wer der Gute und wer der B&#246;se ist. Differenzierung und Zwischent&#246;ne, stets der Ausweis wirklichkeitsnaher Information, sind Fehlanzeige.</font></p>
<p><font size="2" face="Arial">Das bedeutet nicht nur, dass alles, was nicht in dieses propagandistische Bild passt, zum Beispiel gewaltsame Ausschreitungen tibetischer Jugendlicher gegen Chinesen, bagatellisiert und faktisch gerechtfertigt wird – eine Gro&#223;z&#252;gigkeit gegen&#252;ber Gewalt, die bei vergleichbaren Vorf&#228;llen anderswo und auch hierzulande nat&#252;rlich – mit Recht – nicht ge&#252;bt wird. Es bedeutet auch, dass die chinesischen Beh&#246;rden tun oder lassen k&#246;nnen, was sie wollen – es ist immer falsch. Werden Journalisten aus Tibet ausgewiesen, ist das Willk&#252;r, d&#252;rfen einige zur&#252;ckkehren, sind sie »handverlesen«. Wird Kritik an der chinesischen Tibetpolitik brutal unterbunden, kann die Emp&#246;rung nicht gro&#223; genug sein. L&#228;sst man aber – wie jetzt in Lhasa – rebellische M&#246;nche ausf&#252;hrlich gegen&#252;ber den »handverlesenen« Journalisten zu Wort kommen, gilt das lediglich als eine gro&#223;e Blamage f&#252;r Peking, weil als Beleg, dass die chinesischen Sicherheitsleute den Protest eben doch nicht verhindern konnten.</font><font size="2" face="Arial"> </font></p>
<p><font size="2" face="Arial">Diese parteiliche Sicht ist umso auff&#228;lliger, weil sie ihr <a target="_blank" href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E713DA7DC7D564F7887103E84D8AFD633~ATpl~Ecommon~Scontent.html">spiegelbildliches Pendant </a>auf der anderen, der chinesischen Seite, hat. Dort wird die Situation in Tibet genau umgekehrt gesehen – doch von China mit seinem vulg&#228;rsozialistischen, totalit&#228;ren Medienverst&#228;ndnis hatte man nichts anderes erwartet; dass aber »freien Medien« mit ihrem pluralistischem Anspruch auch nichts anderes einf&#228;llt, verbl&#252;fft dann doch. Ein realistisches, was auch hei&#223;t widerspr&#252;chliches Bild der Lage in Tibet erforderte zum Beispiel die ungeschminkte Darstellung der Lebenslage der Tibeter in Vergangenheit wie Gegenwart, die Reflexion der Rolle der tibetischen Religion im Leben der Menschen, der von ihr ausgehenden Faszination ebenso wie ihrer mittelalterlichen, menschenfeindlichen Z&#252;ge. Es w&#228;re zu untersuchen, warum zu Friedfertigkeit erzogene M&#246;nche in Gewalt explodierten, welche Rolle dabei zum einen die r&#252;cksichtslose Modernisierung durch den chinesischen Turbo-Kapitalismus und zum anderen die gro&#223;e Gemeinde der Exil-Tibeter spielte, die l&#228;ngst nicht mehr die strengen religi&#246;sen Traditionen lebt. Viele weitere Fragen lie&#223;en sich denken; auf sie alle wird in den Medien so gut wie nicht eingegangen. Statt dessen vordergr&#252;ndige Stimmungsmache, oberfl&#228;chliche Interpretation und kurzschl&#252;ssige Urteile, denn Leser, H&#246;rer und Zuschauer nur glauben oder nicht glauben k&#246;nnen; zur eigenen Meinungsbildung erhalten sie keine Hilfestellung.</font><font size="2" face="Arial"> </font></p>
<p><font size="2" face="Arial">Dabei steht nicht zur Debatte, dass China etwa richtig mit den Tibetern umgehe, nur zum Wohle dieses Landesteils agiere; diesbez&#252;gliche Fehlentwicklungen und &#220;berreaktionen geh&#246;ren ebenso in ein zutreffendes Gesamtbild. Das aber kann nur stimmig sein, wenn es nicht im Schwarz-Wei&#223;-Kontrast gehalten ist, sondern alle Schattierungen und Abstufungen aufweist, die nun einmal unsere Wirklichkeit auch ausmachen. Mit einer in Zeiten des »kalten Krieges« einge&#252;bten ideologischen Betrachtungsweise ist das allerdings nicht zu leisten.</font></p>
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		<title>Wenn T&#252;rken die Deutschen nachahmen &#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Feb 2008 15:59:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da sitzt ein gewichtiger Teil von Menschen bis hinauf in h&#246;chste Kreise hierzulande auf dem Sofa und nimmt &#252;bel. Denn nach dem verheerenden Brand in Ludwigshafen, bei dem sechs T&#252;rken starben und 60 zum Teil schwer verletzt wurden, sahen sich doch einige von ihnen veranlasst, an Solingen, M&#246;lln oder Rostock zu denken und zu vermuten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Da sitzt ein gewichtiger Teil von Menschen bis hinauf in <a target="_blank" href="http://www.juraforum.de/jura/news/news/p/1/id/220577/f/109/">h&#246;chste Kreise </a>hierzulande auf dem Sofa und nimmt &#252;bel. Denn nach dem verheerenden Brand in Ludwigshafen, bei dem sechs T&#252;rken starben und 60 zum Teil schwer verletzt wurden, sahen sich doch einige von ihnen veranlasst, an Solingen, M&#246;lln oder Rostock zu denken <span id="more-323"></span>und zu vermuten, der Brand des von T&#252;rken bewohnten Mietshauses sei nicht nur nur ein schrecklicher Ungl&#252;cksfall gewesen, sondern gewisserma&#223;en die <a target="_blank" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/meinung/723440.html">praktische Verl&#228;ngerung </a>gerade stattgehabter Wahlk&#228;mpfe. Und die Medien in der T&#252;rkei selbst machten kein Hehl aus ihrem Misstrauen gegen&#252;ber deutscher Polizei und deutscher Justiz, was sich in einer ziemlich tendenzi&#246;sen Berichterstattung niederschlug. Sogar einige Politiker hauten in diese Kerbe, sofern sie sich davon parteipolitischen Profit versprachen.</p>
<p>Das alles mag voreilig sein, vielleicht auch ungerecht (obwohl wir es genau erst wissen, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind), doch neu und &#252;berraschend ist es nicht. Im Gegenteil, denn fast Gleiches haben wir in einem ganz anderen Fall und seitenverkehrt erst k&#252;rzlich erfahren. Oder hatten nicht viele von uns nach der <a target="_blank" href="http://www.blogsgesang.de/2007/12/17/marco-und-matti-und-die-justiz/">Festnahme des 17-j&#228;hrigen Marko </a>in der T&#252;rkei sofort ihr grenzenloses Misstrauen gegen&#252;ber der dortigen Polizei und Justiz zu Protokoll gegeben – lange bevor beweiskr&#228;ftige Fakten bekannt waren? Hatten nicht die Medien eine wahre Kampagne gestartet, mit der der NATO-Partner und EU-Anw&#228;rter zu einer Art von mittelalterlichem Schreckensstaat herabgew&#252;rdigt wurde? Und kochten nicht auch einige Politiker ihr S&#252;ppchen an der Geschichte, indem sie nun endg&#252;ltig f&#252;r bewiesen sahen, dass dieses Land nie zu Europa geh&#246;ren d&#252;rfe?</p>
<p>Es ist zwar nicht sehr originell und auch kaum sinnvoll, wenn mancher T&#252;rke hier oder zu Hause nur das wiederholt, was ihm Deutsche vormachten; verdenken aber kann man es ihnen nicht. Schlechtes Benehmen verdirbt die allgemeinen Sitten, und wer dabei mit negativem Beispiel voranging, hat wenig Grund, emp&#246;rt auf die Nachahmer zu zeigen. &#220;brigens: Das Verfahren gegen den Sch&#252;ler Marco ist noch nicht abgeschlossen, sondern wird im Fr&#252;hjahr fortgef&#252;hrt. Sp&#228;testens dann werden wir sehen, inwieweit Medien, Politiker und andere Interessierte hierzulande selbst jene Ratschl&#228;ge befolgen, die sie derzeit so dringend der t&#252;rkischen Seite ans Herz legen.</p>
<p></font></p>
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