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	<title>blogsgesang.de &#187; Mehrwertsteuererhöhung</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Die SPD steht als Verlierer der Bundestagswahl schon fest</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 19:58:47 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwar ist die Bundestagswahl erst am kommenden Sonntag, aber schon heute steht fest, wer ihr Sieger und wer ihr Verlierer ist. <span id="more-1298"></span><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/0c9f81bc9b244f3280e553c388def120" width="1" height="1" alt="">Siegerin wird ohne Zweifel Angela Merkel. Sie kann gelassen abwarten, wie die Balken der Stimmanteile am Sonntagabend steigen oder sinken; das schwarze Rechteck der CDU/CSU wird das gr&#246;&#223;te sein, und sie kann weiterhin als Kanzlerin regieren – ganz gleich, in welcher Konstellation. Aber auch den Verlierer kennt man schon: die SPD. Kommt es f&#252;r sie (und uns alle) ganz schlimm, dann findet sie sich in der Opposition wieder. Eine Mehrheit f&#252;r Union und FDP, aber vermutlich auch deren knappe Minderheit, die sie dann mit den Gr&#252;nen, die in L&#228;ndern wie dem Saarland und Schleswig-Holstein bereits heftig diesbez&#252;gliche Lockerungs&#252;bungen machen, aufstocken k&#246;nnen, d&#252;rften gen&#252;gen, um das Regieren der Sozialdemokratie erst einmal zu beenden.</p>
<p>Aber selbst dann, wenn am Ende die Fortsetzung der gro&#223;en Koalition steht, ist dies eine Niederlage f&#252;r die SPD – und das nicht nur, weil sie mit einem ganz anderen Anspruch antrat. In einem k&#252;nftigen schwarz-roten Kabinett w&#228;re die SPD betr&#228;chtlich minimiert, personell wie inhaltlich, und vor allem Letzteres w&#252;rde ihren Niedergang beim Wahlvolk noch einmal beschleunigen. Vor einigen Jahren in Th&#252;ringen und dann in Sachsen konnte die SPD bereits studieren, wie sehr sie im B&#252;ndnis mit der Union angesichts einer starken Linkspartei ihre Daseinsberechtigung verliert und von der »Volkspartei« zur Randerscheinung mutiert.</p>
<p>Die absehbare Niederlage der Sozialdemokratie am Sonntag ist das Resultat jener strategischen Fehlentscheidung, die der damalige Parteichef Franz M&#252;ntefering nach der Wahl 2005 traf. Er verwarf die damals schon vorhandene M&#246;glichkeit eines Zusammengehens von SPD, Gr&#252;nen, und PDS und schl&#252;pfte statt dessen beinahe erleichtert unter die Rocksch&#246;&#223;e Angela Merkels. Das gern gebrauchte Argument, man h&#228;tte bei einer anderen Entscheidung des Wortbruchs geziehen werden k&#246;nnen, verf&#228;ngt nicht, denn zum einen war vor der Wahl auch die gro&#223;e Koalition strikt ausgeschlossen worden, und zum anderen verlangte Merkel als Eintrittspreis in ihr Kabinett eine von den Sozialdemokraten ebenfalls vehement bek&#228;mpfte Mehrwertsteuererh&#246;hung, die ihr jedoch nun auf dem silbernen Tablett serviert wurde – und sogar mit Trinkgeld in Form eines zus&#228;tzlichen, von der Union zuvor gar nicht verlangten Prozentpunktes.</p>
<p>Das alte SPD-Establishment um M&#252;ntefering, Steinmeier, Steinbr&#252;ck, Struck, den fr&#252;h vergreisten Scholz und den Seeheimer Kreis setzte die gro&#223;e Koalition auch zum eigenen Machterhalt in der Partei durch. Als der neue Vorsitzende Kurt Beck sp&#228;ter so z&#246;gerlich wie dilettantisch einen Kurswechsel versuchte, wurde er von der starrsinnigen F&#252;hrungsclique schnell abserviert und die Sicherung der eigenen Positionen durch Weiterf&#252;hrung der gro&#223;en Koalition zum Ziel erkl&#228;rt. Vielleicht gelingt das egoistische Man&#246;ver noch einmal, aber das Siechtum der Partei wird dadurch nur beschleunigt.</p>
<p>Die Chance, die Fehlentscheidung von 2005 zu korrigieren, h&#228;tte jetzt durchaus bestanden. Das Mittelma&#223; Merkelschen Regierens ist gerade in den letzten Wochen immer offenkundiger geworden; selbst ein Steinmeier, der der Kanzlerin verbal im Fernseh-Duell Paroli bot, hat das deutlich gemacht. Wenn sich dieser positive Eindruck dennoch nicht in W&#228;hlerstimmen umsetzt, dann deshalb, weil man ihm und seiner Partei nicht glaubt. Allzu sehr steht das, was von den Wahlplakaten herunter t&#246;nt, im Widerspruch zur realen Politik der SPD – nicht nur im B&#252;ndnis mit der Union, sondern zuvor schon unter der Regentschaft Schr&#246;ders und seiner Mannschaft, die mit der heutigen sozialdemokratischen F&#252;hrungsriege weitgehend identisch ist. Dieses Glaubw&#252;rdigkeitsdefizit wurde verst&#228;rkt durch die Ablehnung jeglicher machtpolitischen Alternative. Der gesunde Menschenverstand sagt den W&#228;hlern, dass das, was die Partei im Wahlkampf – wie wolkig auch immer – versprach, mit keinem der von der SPD gew&#252;nschten Partner realisierbar ist. Sie ahnen schon jetzt mit Recht den n&#228;chsten Wahlbetrug.</p>
<p>Den Parteien nach CDU/CSU und SPD wird das zugute kommen. Die FDP sammelt eifrig all jene ein, die in der Krise f&#252;rchten, f&#252;r deren teils auch von ihnen verursachten Folgen aufkommen zu m&#252;ssen. Gute zehn Prozent k&#246;nnen da schon zusammenkommen, die ewigen Besserverdienenden eben und alle, die es auch werden wollen. Die Gr&#252;nen wie die Linken profitieren vor allem vom Niedergang der SPD. Gr&#252;n w&#228;hlt, wer den Tiefroten nicht traut und die Gr&#252;nen als gem&#228;&#223;igtere linke Kraft betrachtet. Bei den Linken versammelt sich der gr&#246;&#223;te Teil der wegen ihrer sozialen Lage Unzufriedenen. An den einen wie den anderen scheiterte es wohl nicht, wenn es wie vor vier Jahren am Sonntag eine Mehrheit links des »b&#252;rgerlichen Lagers« g&#228;be und man daraus ein politisches B&#252;ndnis schmieden k&#246;nnte. Doch die SPD wiederholt ihren strategischen Fehler erst einmal, weil sie sich nicht rechtzeitig von der &#252;berlebten Altherrenriege mit ihrem antikommunistischen Komplex trennen konnte. Sie rechnet wohl mit einer dritten Chance. Vielleicht aber geht statt dessen die Geschichte schon bald &#252;ber sie hinweg.</p>
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		<title>Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier im Fingerspitzenduell</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Sep 2009 17:11:14 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute abend werden wir das seltsamste Kanzlerkandidaten-Duell der bundesdeutschen Fernsehgeschichte erleben. Keinen Kampf mit scharfen Waffen nat&#252;rlich, nicht einmal einen mit Wasserpistolen, sondern einen, bei dem die »Kontrahenten« wie zwei gut gelaunte, enge Freunde mit dem Zeigefinger aufeinander »schie&#223;en«, <span id="more-1287"></span><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/76f309c7c0f2482c83656d3413d926aa" alt="" width="1" height="1" />den Daumen aufgestellt und dann – peng, peng, peng – in die Luft geballert. Eigentlich m&#252;sste dann eine(r) irgendwann lachend die Arme heben, um die »Niederlage« einzugestehen – was es zwar nicht geben wird; ansonsten jedoch sendet das Fernsehen heute aus Berlin-Adlershof nicht mehr als ein »Duell« mit Fingerspitzengef&#252;hl.</p>
<p>Dass sich beide Kandidaten so verhalten, ist deshalb nicht &#252;berraschend, weil es ihren beiderseitigen Interessen entspricht. Beide wollen nat&#252;rlich weiter regieren, aber sie wissen nat&#252;rlich auch, dass dies am besten dann gelingt, wenn man m&#246;glichst wenig Verunsicherung dadurch schafft, dass man Ver&#228;nderung ank&#252;ndigt. Zwar artikuliert das Wahlvolk immer wieder Unzufriedenheit, aber da es auch nicht recht wei&#223;, wie Besserung erreichbar ist, schickt es sich zugleich in die Verh&#228;ltnisse und wird unruhig, wenn deren Umw&#228;lzung droht – zumal in eine ungewisse Richtung.</p>
<p>Sp&#228;testens am Wahlabend 2005 hat Angela Merkel das begriffen und mag froh gewesen sein, dass sie das angek&#252;ndigte »Durchregieren« nit einem neoliberalen Programm nicht exekutieren musste. Sp&#228;ter sah sie, wie nicht sie und ihre Partei, denen man Schlimmeres zugetraut hatte, sondern die SPD f&#252;r die Mehrwertsteuererh&#246;hung und die Rente mit 67 abgestraft wurde – mit der Folge, dass die Sozialdemokraten sich nun halbherzig und z&#246;gernd in eine Korrektivrolle gegen weitergehende antisoziale Forderungen des Unions-Wirtschaftsfl&#252;gels schickten, was wiederum der Kanzlerin zupass kam, die solchem Begehr mit dem achselzuckenden Verweis auf den Koalitionspartner begegnen konnte.</p>
<p>Genau so will Angela Merkel weitermachen; am liebsten mit der SPD – was sie allerdings ihrer Partei nicht sagen darf. Daher ihre Bekenntnisse zur schwarz-gelben Koalition, und sei es mit einer Stimme Mehrheit. Gleichzeitig aber schl&#228;gt sie bereits Pfl&#246;cke ein, die f&#252;r k&#252;nftige freidemokratische Begehrlichkeiten Grenzen setzen: Keine Ver&#228;nderung beim Gesundheitsfonds, keine Ver&#228;nderung beim K&#252;ndigungsschutz, keine Mehrwertsteuerererh&#246;hung, Rentengarantie. Auch wenn Schwarz-Gelb eine Mehrheit gewinnt, soll sich allzuviel nicht &#228;ndern, will sie signalisieren. Eine andere Frage ist nat&#252;rlich, inwieweit ihr eine mit der FDP verb&#252;ndete Union und vor allem die dahinter stehende Wirtschaftslobby dabei folgen. Es ist nicht auszuschlie&#223;en, dass Schwarz-Gelb der Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Merkels vor Ablauf der kommenden Wahlperiode sein k&#246;nnte. Auch das erkl&#228;rt ihren laschen Wahlkampf, der den Wechsel nicht provozieren will.</p>
<p>Die SPD ist noch st&#228;rker am »Weiter so« interessiert, hat sie doch keine andere Option zum k&#252;nftigen Mitregieren. Ein B&#252;ndnis mit einer neoliberalen FDP war von vornherein illusorisch, da kontraproduktiv. Andere M&#246;glichkeiten hat sich die Partei selbst verbaut. Sie kann nur hoffen, dass Schwarz-Gelb keine Mehrheit gewinnt und sie selbst nicht zu schlecht abschneidet, weil das Regierungsposten kosten w&#252;rde. Beides verbietet die Attacke auf eine Politik, f&#252;r die man selbst mitverantwortlich ist, und auf eine Kanzlerin, von deren Kulanz die k&#252;nftige Stellung in einer Regierung nicht unwesentlich abh&#228;ngen k&#246;nnte.</p>
<p>Dass eine Beteiligung der drei Oppositionsparteien an der Fernsehdebatte diese spannender machen k&#246;nnte, wie manche vermuten, ist durchaus nicht sicher. Immerhin gingen wenigstens zwei der Oppositionellen mit der Hoffnung in den Wahlkampf, an seinem Ende an den Regierungstisch gebeten zu werden. Vor allem die FDP brennt schon lange darauf und w&#252;rde auf laute T&#246;ne gegen die Union gewiss verzichten, um ein k&#252;nftiges Koalitionsklima nicht zu belasten. Als es die CSU vor einigen Wochen unternahm, die Freidemokraten etwas h&#228;rter anzugehen, legte Guido Westerwelle sofort die harten Bandagen ab. Wichtiger noch als inhaltliche Korrekturen ist ihm die Regierungsbeteiligung – beinahe um jeden Preis. &#196;hnlich verhalten sich die Gr&#252;nen schon lange gegen&#252;ber der SPD, wobei nat&#252;rlich eine Rolle spielt, dass vieles, was bei den Sozialdemokraten kritikw&#252;rdig ist, auch die gr&#252;ne Unterschrift aus den Zeiten gemeinsamen Regierens tr&#228;gt.</p>
<p>Einzig die Linkspartei kann ohne R&#252;cksicht auf k&#252;nftige Konstellationen ihre Positionen vertreten – und tut das auch. Doch unter dem Strich k&#246;nnte auch sie mit der Fortsetzung der gro&#223;en Koalition leben; immerhin ist sie unter ihr gro&#223; geworden, und die Aussichten stehen gut, dass sich dies fortsetzt. Denn in vielen Fragen, die die W&#228;hler durchaus interessieren, vertritt sie als einzige eine andere Position als die anderen vier – so zu Hartz IV, zum Rentenalter, zur Gesundheitspolitik, vor allem zum Krieg der Bundeswehr in Afghanistan. Unmittelbar politisch wirksam wird das (noch) nicht, aber ein mittelbarer Effekt ist offensichtlich. In den Wahlprogrammen der anderen Parteien findet sich zumindest manche Formulierung, die urspr&#252;nglich aus linker Feder floss.  Diese Wirkung wird in dem Ma&#223;e zunehmen und sich vielleicht auch materialisieren, wie die Linke am Wahltag an Stimmen zulegt.</p>
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