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	<title>blogsgesang.de &#187; Merkel</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Christian Wulff, der Fensterredner vom Schloss Bellevue</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 11:57:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Der Bundespr&#228;sident will trotz aller Vorw&#252;rfe im Amt bleiben – was immer es dann noch wert ist. Schlie&#223;lich hat er sein Leben dem unbedingten Aufstieg nach ganz oben gewidmet. Doch politische Beliebigkeit, Drang ins Rampenlicht und Skandaltr&#228;chtigkeit machten Christian Wulff zu einem Pr&#228;sidenten des Boulevard. Bellevue – das war es wohl, was Christian Wulff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Der Bundespr&#228;sident will trotz aller Vorw&#252;rfe im Amt bleiben – was immer es dann noch wert ist. Schlie&#223;lich hat er sein Leben dem unbedingten Aufstieg nach ganz oben gewidmet. Doch politische Beliebigkeit, Drang ins Rampenlicht und Skandaltr&#228;chtigkeit machten Christian Wulff zu einem Pr&#228;sidenten des Boulevard.<span id="more-3511"></span></p>
<p><strong>Bellevue – das war es wohl, was Christian Wulff das Angebot von Angela Merkel annehmen lie&#223;. Die »sch&#246;ne Aussicht« auf ein Leben in Glanz und Gloria, finanziell abgesichert bis zum letzten Tag. Freilich nach provinziellen Ma&#223;st&#228;ben – anderes kannte er nicht.</strong><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/0609777aafea4465af439f7749db3784" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Aufgewachsen in schwierigen Verh&#228;ltnissen, musste er schon mit 14 Jahren seine Mutter – sowohl sein leiblicher Vater als auch der sp&#228;tere Stiefvater trennten sich von ihr – pflegen, als sie an multipler Sklerose erkrankte. Auch um die Schwester k&#252;mmerte er sich. Heimlich fuhr Wulff mit dem Rad in die Villa des Vaters. Er wollte heraus aus der Entbehrung, dem Verzicht, der Enge. Dorthin, wo die Reichen lebten und die Sch&#246;nen posierten.</p>
<p>Er studierte Jura und arbeitete schon w&#228;hrend des Studiums an einer politischen Karriere in der CDU, der er 1975, 16-j&#228;hrig, beigetreten war. Als er sich 1990 als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt Osnabr&#252;ck niederlie&#223;, war er zugleich Mitglied im CDU-Landesvorstand Niedersachsen, Vorsitzender seines Bezirksverbandes, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und ein Jahr sp&#228;ter schon Mitglied der CDU-Grundsatzkommission – also optimal vernetzt f&#252;r den weiteren Aufstieg.</p>
<p>Der freilich lie&#223; auf sich warten. Zwar trat Christian Wulff 1993 erstmals gegen Gerhard Schr&#246;der zur Landtagswahl an und eroberte trotz vernichtender Niederlage ein Jahr sp&#228;ter Landes- wie Fraktionsvorsitz der nieders&#228;chsischen CDU, aber vier Jahre sp&#228;ter verlor er noch deutlicher. Ihn retteten schlie&#223;lich der Aufstieg Schr&#246;ders zur Kanzlerschaft und die Schw&#228;che von dessen Nachfolgern in Hannover, Gerhard Glogowski und Sigmar Gabriel. 2003 war Wulff endlich Ministerpr&#228;sident.</p>
<p>Gl&#252;cklich wurde er in diesem Amt nicht. Die Haushaltskonsolidierung erkaufte er vor allem mit massivem Sozialabbau, u.a. der Streichung des Blindengeldes, und Einsparungen bei der Bildung wie Abschaffung der Lehrmittelfreiheit, K&#252;rzung bei Hochschulen und Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren, was die W&#228;hler 2008 mit einem Minus von fast sechs Prozent bestraften. Schon da stellten sich Frust und Amtsm&#252;digkeit ein; &#252;berraschend zog sich Wulff vom CDU-Landesvorsitz zur&#252;ck und begann, Gefallen am Repr&#228;sentativen zu finden. Als Ministerpr&#228;sident schaltete er um auf Wohltaten, wurde aber durch die Finanzkrise gebremst. Die M&#252;hen der nieders&#228;chsischen Ebene setzten ihm zu, was den Drang nach H&#246;herem nur noch verst&#228;rkte.</p>
<p>Inzwischen hatte er sich in der Bundes-CDU eine solide Stellung erarbeitet. Bereits 1998 war er stellvertretender Parteivorsitzender geworden und galt vor allem nach seinem Wahlsieg als Anw&#228;rter auf h&#246;here Weihen. Einem Machtkampf mit Angela Merkel wich er jedoch aus. Wulff unterst&#252;tzte sie und erkl&#228;rte sogar, ihm fehle »der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles andere unterzuordnen«. M&#246;glicherweise hatte ihn die harte K&#228;rrnerarbeit als Regierungschef ern&#252;chtert, suchte er – wie mancher Empork&#246;mmling – nach einer Aufgabe, in der Ansehen und &#228;u&#223;erer Glanz leichter zu haben waren. Er hoffte auf den Ruf der Kanzlerin und wartete auf ein Schn&#228;ppchen.</p>
<p>Doch 2009 ging die Regierungsbildung ohne ihn &#252;ber die B&#252;hne. Erst Horst K&#246;hlers R&#252;cktritt als Bundespr&#228;sident brachte ihn wieder ins Spiel, denn nun trafen sich seine Interessen mit denen Angela Merkels, die erneut einen Bundespr&#228;sidenten auszuw&#228;hlen gedachte, der keine eigene Macht neben ihr oder gar gegen sie aufbauen konnte. Sie wollte wieder eine schwache Figur im h&#246;chsten Staatsamt, die ihre Kreise nicht st&#246;rt, sondern vielleicht zur St&#252;tze werden kann, wenn sie es braucht. F&#252;r sie ist das Staatsoberhaupt nur ein R&#228;dchen im Regierungsgetriebe; die von ihr Ausgew&#228;hlten m&#252;ssen – wo auch immer – funktionieren. Ihr geistiges Format interessiert sie, wie der Fall Guttenberg zeigte, wenig.</p>
<p>Daher war es auch kein Hindernis, dass Christian Wulff sich in Niedersachsen sehr eng an die dortige Wirtschafts- und Finanzkamarilla angeschlossen hatte, die von seinem Vorg&#228;nger Schr&#246;der zu ihm gewechselt war. Wulff nutzte die Feriendomizile der Familie Geerkens in Spanien und Florida, des Versicherungsunternehmers Baumgartl in Italien, lie&#223; sich vom Air-Berlin-Chef bei einer Flugreise in die USA samt Familie kostenlos in die Business Class umsetzen. Der Finanzdienstleister Carsten Maschmeyer bezahlte mit einer f&#252;nfstelligen Summe Anzeigen f&#252;r Wulffs Buch »Besser die Wahrheit« und auf Maschmeyers Mallorca-Landsitz machte Wulff noch nach seiner Wahl zum Bundespr&#228;sidenten Urlaub.</p>
<p>Gleichzeitig bem&#252;hte sich Christian Wulff intensiv um ein gutes Image vor allem bei den Boulevard-Medien; was seine zweite Ehefrau Bettina bereitwilligst unterst&#252;tzt. Diese »neue Liebe«, die Scheidung von seiner ersten Frau, die glanzvolle Hochzeit, gefeiert in Geerkens&#8217; Penthouse, das gemeinsame Baby – alles wurde von »Bild« und »Bunte« in sch&#246;ner Aufmachung verbreitet. Schon zuvor hatte er sich eine Aura als Saubermann zugelegt. Als Johannes Rau 2000 wegen einer Flugaff&#228;re in die Kritik kam, fand Wulff es »tragisch«, dass Deutschland »keinen unbefangenen Bundespr&#228;sidenten hat, der seine Stimme mit Autorit&#228;t erheben kann«. Nach dem R&#252;cktritt Glogowskis 1999 – wegen Vorw&#252;rfen im Zusammenhang mit freundschaftlich-vorteilhaften Beziehungen zu Unternehmern – forderte Wulff eine Untersuchung, sei doch »der Schein von Abh&#228;ngigkeiten &#8230; ein Problem f&#252;r die W&#252;rde des Amtes«.</p>
<p>Er produzierte sich als integrer Mann, der stets eine tadellose Figur zu machen versteht, nett und umg&#228;nglich ist und mit seiner jungen Frau gar so etwas wie h&#246;fischen Glanz verbreitet. Und gab es nicht beim britischen K&#246;nigshaus eine Hannoversche Linie?</p>
<p>Dieses Image pflegte Wulff auch und gerade im Schloss Bellevue. Es gab Phasen in seiner nun anderthalbj&#228;hrigen Pr&#228;sidentschaft, da drangen aus dem Amtssitz neben d&#252;rren Protokollmeldungen vor allem solche Bilder des Paares – von der Frisur &#252;ber die Kleider bis zur Strumpfnaht. Das Staatsoberhaupt fand nichts dabei, sich sein Amt vom Boulevard definieren zu lassen. Politisch Wegweisendes hingegen h&#246;rt man von ihm nur selten. Und wenn, dann wurde es vor dem Hintergrund der Glamours nicht sonderlich ernst genommen.</p>
<p>Dazu trug bei, dass durchaus wichtige und richtige Worte nicht als Agenda erkennbar wurden, beliebig statt nachhaltig zu sein schienen. Wulff nannte Deutschland eine »bunte Republik« und erkl&#228;rte, dass dazu auch der Islam geh&#246;re, doch hat er das Thema nicht weiter verfolgt. Selbst nach Bekanntwerden der rechtsterroristischen Mordserie an t&#252;rkischen und griechischen Einwanderern raffte er sich nur zu einem vertraulichen Treffen mit Angeh&#246;rigen der Opfer auf, konnte sich nicht zu einer aufr&#252;ttelnden Positionsbestimmung durchringen.</p>
<p>Zur Finanzkrise fand er deutliche Worte, kritisierte Konsumtion und Spekulation auf Kosten von Bildung und Forschung, den Teufelskreis von Bankenrettung und Sozialabbau, die Unterwerfung von Politik unter die Finanzm&#228;rkte. Sie d&#252;rfe sich nicht »am Nasenring durch die Manege f&#252;hren lassen, von Banken, von Rating-Agenturen oder sprunghaften Medien. Politik hat Gemeinwohl zu formulieren, auch mit Mut und Kraft im Konflikt mit Einzelinteressen«, sagte Wulff im Sommer vor Nobelpreistr&#228;gern. Auch das blieb eine Fensterrede von jemandem, der noch unl&#228;ngst selbst Politik so betrieben hatte und jetzt nicht Mut und Kraft zur Formulierung von Alternativen findet, sondern schweigend absegnet, was ihm die Regierung vorlegt.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist die derzeitige Aff&#228;re um seine Verschleierungstaktik beim Hauskredit und den Eingriff in die Pressefreiheit keine sonderliche &#220;berraschung – was auch zahlreiche B&#252;rger so sehen, sonst wollten nicht so viele Gnade vor Recht ergehen lassen. Man hat von einem Bundespr&#228;sidenten, der sich dergestalt zelebriert, kaum anderes erwartet und sich damit arrangiert. Es passt in die aktuelle politische Landschaft. Und ist dabei von solch niederem Niveau, dass sich daran sogar die »Bild«-Zeitung als K&#228;mpferin f&#252;r Anstand und W&#252;rde profilieren kann.</p>
<address><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/215497.der-fensterredner-vom-schloss-bellevue.html" target="_blank">Gedruckt in: Neues Deutschland vom 13. 01.2012</a></address>
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		<title>Angela Merkels Transformation vom Ossi zum  Wessi</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 22:03:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Eines Beweises bedarf es schon lange nicht mehr, dass Angela Merkel in der alten Bundesrepublik angekommen ist – und dennoch ist sie beinahe zwanghaft bem&#252;ht, ihn immer wieder neu zu f&#252;hren. Gleich dreimal legte sich zum Beispiel in den letzten zwei Wochen ihre Hand f&#252;r Christian Wulff ins Feuer<span id="more-3493"></span>, f&#252;r einen westdeutsch par exzellence Gepr&#228;gten also, weit entfernt von jedem ostdeutsch Sozialisierten.</p>
<p>Dabei hatte sie ganz bescheiden angefangen, und das auch lange durchgehalten. Noch Ende der 90er Jahre, gerade erst CDU-Generalsekret&#228;rin geworden, scheute sie sich nicht, das Unions-Denkmal Helmut Kohl ob seiner Verantwortung f&#252;r den Parteispendenskandal ins Abseits zu stellen und sich so mit fast dem gesamten CDU-Establishment anzulegen. Auch die sp&#228;ter bekannt gewordenen Verfehlungen Wolfgang Sch&#228;ubles ahndete sie, nun aber wohl schon die eigene Karriere im Blick.</p>
<p>Der Wandel ihrer moralischen &#220;berzeugungen zeichnete sich ab, als sie als Parteivorsitzende das Monument des Alt-Kanzlers zu restaurieren begann, obwohl dieser das Ehrenwort gegen&#252;ber seinen Geldgebern noch immer h&#246;her sch&#228;tzt als die Wahrheit &#252;ber illegale Gesch&#228;fte. Dieser Wandel wurde besonders augenscheinlich in der nassforschen Verteidigung des geistigen Betr&#252;gers Karl-Theodor zu Guttenberg. Und er ist jetzt best&#228;tigt worden, als sie den katzbuckelnden Empork&#246;mmling und Schn&#228;ppchenj&#228;ger Wulff nicht nur zum Staatsoberhaupt erkor, sondern den in seiner ersten wirklichen Bew&#228;hrungsprobe Scheiternden auch noch einen »guten Bundespr&#228;sidenten« nannte.</p>
<p>Einen »Treppenwitz der Geschichte« <a href="http://www.berliner-zeitung.de/meinung/leitartikel-merkel--wulff-und-andere-amigos,10808020,11341606.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/4788c5519c004885a370b6055ffc06da" alt="" width="1" height="1" />nannte eine Zeitung</a> diese Metamorphose; tats&#228;chlich jedoch bildet sie nur eine Gesetzm&#228;&#223;igkeit ab. In diesem, dem alten bundesrepublikanischen, spie&#223;b&#252;rgerlichen System, dessen Werte zuerst &#246;konomisch definiert werden, kann nur etwas werden, der sie akzeptiert und entsprechend handelt, auch wenn er – oder sie – sie nicht selbst lebt. Demgem&#228;&#223; war es nur eine Frage der Zeit, dass sich auch eine wie Angela Merkel den &#220;blichkeiten dieses Systems unterwarf, bis hin zu ihrer regierungsamtlichen Zertifizierung.</p>
<p>Sie beruft sich dabei wohl auf die <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/213909.geerkens-an-kredit-beteiligt.html" target="_blank">fast 80 Prozent der Bundesb&#252;rger</a>, die noch k&#252;rzlich einen R&#252;cktritt des Pr&#228;sidenten ablehnten, obwohl fast jeder Dritte konstatierte, er habe an Vertrauen verloren. Ein aufschlussreicher Befund, verr&#228;t er doch die Erkenntnis, dass kaum einer gefunden w&#252;rde, der nicht irgendwie angreifbar sei. L&#228;ngst wissen die Menschen, dass auch dieser Kaiser, der sich so gern mit dem Glanz der Reichen schm&#252;ckt, nackt ist. Jetzt hat er diese Nacktheit sogar <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/die-erklaerung-von-christian-wulff-im-wortlaut-das-war-nicht-gradlinig-und-es-tut-mir-leid_aid_696705.html" target="_blank">detailliert beschrieben</a>. Auch deshalb wohl mag ihm die Kanzlerin sch&#246;ne Kleider jetzt <a href="http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE7BL09720111223" target="_blank">nicht mehr bescheinigen</a>. Die Feiertage wird die Ziehmutter dieses Staatsoberhauptes noch verstreichen lassen, dann k&#246;nnten im Lichte der aktuellen Nachrichtenlage seine Tage endg&#252;ltig gez&#228;hlt sein &#8230;</p>
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		<title>Von Michael Braun zu Christian Wulff</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Dec 2011 18:22:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Nat&#252;rlich haben beide Aff&#228;ren direkt nichts miteinander zu tun; indirekt schon. Denn beide Male haben die Politiker so haarscharf am Rande der Legalit&#228;t gehandelt, dass ihnen zwar wohl juristisch nichts vorzuwerfen ist, moralisch aber ein dicker Schmutzfleck bleibt. Und auch dies macht die Vorg&#228;nge vergleichbar: Beide Male wurden die Protagonisten von ihrem politischen Umfeld [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Nat&#252;rlich haben beide Aff&#228;ren direkt nichts miteinander zu tun; indirekt schon. Denn beide Male haben die Politiker so haarscharf am Rande der Legalit&#228;t gehandelt, dass ihnen zwar wohl juristisch nichts vorzuwerfen ist, moralisch aber ein dicker Schmutzfleck bleibt. Und auch dies macht die Vorg&#228;nge vergleichbar: Beide Male wurden die Protagonisten von ihrem politischen Umfeld durch ausdr&#252;ckliche Vertrauensbekundungen gedeckt<span id="more-3487"></span> – was der politischen Klasse insgesamt ein weiteres St&#252;ck an Glaubw&#252;rdigkeit nimmt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der nur zw&#246;lf Tage amtierende Berliner Justizsenator Michael Braun hatte auf die Vorw&#252;rfe, an der T&#228;uschung von Immobilienbewerbern durch notarielle Beurkundung unter dubiosen Umst&#228;nden beteiligt gewesen zu sein, geantwortet: »<a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1843565/Ich-weiss-nichts-von-Schrottimmobilien.html" target="_blank"><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/c8bf5ff0eea4422abfa249deebce81f6" alt="" width="1" height="1" />Mit ist kein einziger Fall bekannt, an dem ich mitwirkte, der vor einem Gericht aufgehoben wurde</a>.« &#196;hnlich legalistisch argumentierte Bundespr&#228;sident<a href="http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/12/111213-Pressemitteilung.html" target="_blank"> Christian Wulff &#252;ber seinen Pressesprecher im Falle des Halb-Millionen-Kredits aus dem Hause des Unternehmers Egon Geerken</a>: »Die Anfrage bezog sich auf gesch&#228;ftliche Beziehungen zu Herrn Egon Geerkens oder zu einer Firma, an der Herr Geerkens beteiligt war. Solche gesch&#228;ftlichen Beziehungen bestanden und bestehen nicht. Es bestand eine Vereinbarung mit Frau Edith Geerkens zu einem Darlehen aus ihrem Privatverm&#246;gen. Dementsprechend wurde die unmissverst&#228;ndliche Anfrage wahrheitsgem&#228;&#223; verneint.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beide mussten sich aufgrund neuer Fakten aus ihrer wagenburgartigen Verteidigungsstellung zur&#252;ckziehen und Fehlverhalten eingestehen. <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1850387/Schrottimmobilien-Justizsenator-aeussert-Bedauern.html" target="_blank">Braun erinnerte sich pl&#246;tzlich doch daran</a>, dass »mir vom Pr&#228;sidenten des Landgerichts Berlin ein Schriftsatz &#252;bermittelt worden (ist). In diesem wird auf drei beim Landgericht anh&#228;ngige Zivilrechtsstreitigkeiten hingewiesen, in denen von den Kl&#228;gern behauptet wird, sie seien bei der Vertragsanbahnung get&#228;uscht worden.« Und <a href="http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2011/12/111215-Erklaerung.html" target="_blank">Wulff r&#228;umte nach zwei Tagen ein</a>: »Es w&#228;re besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der nieders&#228;chsischen Abgeordneten im Landtag &#252;ber die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erw&#228;hnt h&#228;tte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nicht nur das zumindest anst&#246;&#223;ige Verhalten beider Politiker, vor allem ihr hochm&#252;tiger Umgang damit disqualifiziert sie zu hervorgehobenen politischen &#196;mtern, was allerdings in ihrem Umfeld nicht so gesehen wird. Braun wurde lange vom Berliner Regierenden B&#252;rgermeister Wowereit, vor allem aber von seiner eigenen Partei der Berliner CDU, gedeckt. Und noch <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1853485/Berlins-Kurzzeitsenator-Michael-Braun-gibt-auf.html#reqRSS" target="_blank">in der R&#252;cktrittserkl&#228;rung</a> stellte ihm die CDU einen Persilschein aus: »Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass sich Michael Braun korrekt verhalten hat.« Er trete zur&#252;ck, nicht etwa weil er dem Senatorenamt bzw. dem gesamten Senat schadete, sondern wegen der »einseitigen und andauernden Presseberichterstattung«.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Falle Wulff hat Angela Merkel, seine Ziehmutter, pers&#246;nlich die Verteidigung &#252;bernommen. Nach seiner ersten Erkl&#228;rung <a href="http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2126621/Merkel-spricht-Wulff-ihr-volles-Vertrauen-aus.html">fand sie diese total in Ordnung</a>: »Die Bundeskanzlerin hat volles Vertrauen in die Person und die Amtsf&#252;hrung von Christian Wulff«, lie&#223; sie ihren Sprecher verk&#252;nden und hinzuf&#252;gen: »Er ist ein guter Bundespr&#228;sident.« Nach seinem verbalen R&#252;ckziehen <a href="http://www.bild.de/newsticker-meldungen/home/15-17-wulff-merkel-21587480.bild.html">blieb sie unbeirrt dabei</a>: »Ich sch&#228;tze und w&#252;rdige die Arbeit des Bundespr&#228;sidenten.« Noch deutlicher wurden einige seiner Parteifreunde.<a href="http://www.elo-forum.net/shortnews/2011121541782.html"> Peter Altmaier</a>, der Parlamentarische Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Unionsfraktion im Bundestag, hat keine Zweifel mehr: »Christian Wulff hat sich schnell, umfassend und angemessen ge&#228;u&#223;ert.« Daher sollte dies »von allen Beteiligten anerkannt und die Debatte dann auch beendet« werden. Auch f&#252;r seinen Fraktionskollegen von der CSU,<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1629865/" target="_blank"> Norbert Geis</a>, hat Wulff »&#252;berhaupt nichts Falsches gesagt. &#8230; Er hat vollkommen der Wahrheit gem&#228;&#223; gesagt, er hat nicht die Unwahrheit gesagt. &#8230; Er hat lediglich nicht jetzt erkl&#228;rt, dass er auch noch freundschaftliche Beziehungen hat &#8230;« Was man ihm allenfalls vorhalten k&#246;nne, »ist, dass er die B&#246;sartigkeit dieser ganzen Fragerei nicht richtig durchschaut hat.« Denn er, Geis, habe – ganz wie die Berliner CDU im Fall Braun – den Verdacht, »dass dahinter nat&#252;rlich auch eine Kampagne stecken kann.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Michael Braun ist mittlerweile zur&#252;ckgetreten, weil sich die Wahrheit durchsetzte und sein L&#252;gengeb&#228;ude zusammenbrach. Wie es aussieht, wird es Christian Wulff nicht anders gehen, denn inzwischen <a href="http://www.zeit.de/news/2011-12/17/bundespraesident-druck-auf-wulff-waechst-neue-fragen-zu-hauskredit-17171009" target="_blank">verdichten sich die Hinweise, dass auch er in der Kredit-Geschichte bis heute nicht die ganze Wahrheit gesagt hat</a>, sondern immer wieder neue Ausfl&#252;chte erfand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beide Vorf&#228;lle werfen ein bezeichnendes Licht auf dsas politische Personal, das sich anma&#223;t, dieses Land zu regieren. Aber beide sind auch hoffnungsdvoll in dem Sinne, dass eine wache und unerbittliche &#214;ffentlichkeit solches Fehlverhalten nicht durchgehen l&#228;sst und damit die Demokratie gegen jegliches Selbstherrlichkeit verteidigt.</p>
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		<title>Kapitalismus vor dem »Mauerfall«</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Nov 2011 19:30:48 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Das Bild mag simpel sein, aber dennoch ist es nicht falsch: Wenn im Boxkampf der eine nach hartem Schlag pl&#246;tzlich zu Boden geht, kann es dem anderen passieren, dass er in seinem Eifer zu schwungvoll nachsetzt und dar&#252;ber selbst zu Fall kommt. Genau das passiert derzeit – im &#252;bertragenen Sinne – mit dem kapitalistischen System, das sich schon so sehr als sicherer Sieger f&#252;hlte<span id="more-3339"></span> und jetzt erkennen muss, dass es ohne ebenb&#252;rtigen Gegner selbst ins Straucheln kommt.</p>
<p>In ihrem Feuilleton hat die Berliner Zeitung k&#252;rzlich <a href="http://www.berliner-zeitung.de/kultur/essay-wir-sind-zunaechst-am-ende,10809150,11103754.html" target="_blank">»die Finanzm&#228;rkte und die Neuen Medien, die globale Migration und die &#246;kologische Katastrophe«</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/8facae6fff9b4d23a04391d1f5d10ef9" alt="" width="1" height="1" /> als die gr&#246;&#223;ten Herausforderungen dieser zeit genannt, mit denen der Kapitalismus ganz allein fertig werden muss und Misserfolge nicht mehr auf das Wirken eines ideologischen Widerparts schieben kann. Dabei &#252;bersieht das Blatt freilich, dass sich das kapitalistische System diese Herausforderungen selbst erschaffen hat. Die Finanzm&#228;rkte entkoppelten sich von der Realwirtschaft, das ungebremste Profitstreben ist wesentliche Ursache sowohl der globalen Migration als auch der drohenden &#246;kologischen Katastrophe. Und beschleunigt wurden diese Prozesse durch eine im Grunde positive Errungenschaft des Kapitalismus – die neuen, schnellen, weltumspannenden Medien. Auf diese Entwicklungen in ihrer Komplexit&#228;t findet der Kapitalismus keine Antwort mehr. Vielmehr greift er nach L&#246;sungen aus anderen Gesellschaftssystemen, aus solchen, die er gerade noch vehement bek&#228;mpfte.</p>
<p>So wie China nach 1989 aus der Krise des Sozialismus fand, indem es ohne Aufgabe des autorit&#228;ren Staatssystems kapitalistische Wirtschaftsprinzipien anwandte, so versucht die Europ&#228;ische Union heute die Krise des Kapitalismus zu bew&#228;ltigen, indem sie, ohne die kapitalistische Wirtschaftsweise – auch in ihren zerst&#246;rerischen Auspr&#228;gungen, aufzugeben, autorit&#228;re Herrrschaftsformen einsetzt. Sie geriert sich als Zaubermeister, der der Wasserflut durch ein energisches »In die Ecke, Besen, Besen &#8230;« Herr zu werden vermag. In China konnte das Experiment im Sinne der dortigen F&#252;hrung gelingen, nicht zuletzt wegen der fehlenden demokratischen Tradition.</p>
<p>In Europa wird es gerade wegen dieser Tradition zum Scheitern verurteilt sein – ob nun die Europ&#228;er der autorit&#228;ren Zumutung widerstehen oder nicht. Denn Letzeres w&#228;re nichts anders als der »Mauerfall« des kapitalistischen Systems; es verl&#246;re seine letzte Bindekraft. Es w&#228;re ein Mauerfall nicht nur im &#252;bertragenen, sondern auch im direkten Sinn, fiele doch die Brandmauer, die den Kapitalismus mit den demokratischen Grunds&#228;tzen eingezogen wurde, um ihn vor einem &#220;bergang in die Diktatur zu bewahren, die in einem auf ungerecht verteiltem Eigentum beruhenden System immer angelegt ist. Ohne Demokratie mutiert Kapitalismus zwangsl&#228;ufig zur Diktatur, wie bereits schrecklich bewiesen wurde.</p>
<p>Un&#252;bersehbar sind einige Parallelen von heute <a href="http://www.berliner-zeitung.de/magazin/weimarer-republik-krise--schulden-und-ein-staatsbankrott,10809156,11099826.html" target="_blank">zu den 1930er Jahren</a>, als schon einmal eine verfehlte, auf Profitmaximierung ausgerichtete Wirtschaftspolitik der Humus f&#252;r autorit&#228;re L&#246;sungen wurde. Zwar fehlt heute eine diktatorisch gesinnte Partei, die zur Macht&#252;bernahme bereit steht, doch l&#228;sst sich Abkehr von der Demokratie auch als schleichender, vorgeblich alternativloser Prozess gestalten – in den Worten Angela Merkels als <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=10611" target="_blank">»marktkonforme Demokratie«</a>.</p>
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		<title>Die Furcht der EU vor dem St&#246;rfaktor Volk</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Nov 2011 15:19:18 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Da soll doch tats&#228;chlich in Griechenland das Volk befragt werden, was es von der Politik h&#228;lt, die ihm von seiner Regierung und dieser wiederum von den EU-Exekutoren vor allem aus Deutschland und Frankreich verordnet wurde – und schon haben unsere mit dem Maul so famosen Demokraten ein gro&#223;es Problem. Demokratie hei&#223;t bekanntlich Volksherrschaft, aber so ist sie seit langem nicht mehr gemeint. <span id="more-3334"></span>Immer wenn V&#246;lker wirklich auf ihr Herrschaftsrecht pochen, ob in der arabischen Welt, bei der UNESCO oder eben in Griechenland, ruft das westliche Establishment zu den Waffen. In seinen Augen ist das Volk l&#228;ngst zu einem gef&#228;hrlichen St&#246;rfaktor geworden, den es auszuschalten gilt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sehr anschaulich kann man am Beispiel Griechenlands studieren, wie schnell der Volkswille, also das genuine demokratische Prinzip, auf den Kehrichthaufen geworfen wird, sobald die Interessen der Wirtschaft, vor allem das Finanzkapitals tangiert sind. Da wird der Ministerpr&#228;sident eines eigentlich gleichberechtigten EU-Landes »herbeizitiert«, um ihm <a href="http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/griechenland-berlin-verschaerft-ton-gegenueber-athen-_aid_680623.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2cd6ac8ae3bf4b1b8752d86c2729ef5c" alt="" width="1" height="1" />»die Leviten zu lesen«</a>. Beim von Papandreou geplanten Referendum wird ihm nicht nur der Termin diktiert, sondern auch noch die Fragestellung. Nicht nach der Zustimmung zum Rettungspaket f&#252;r Banken und Spekulanten, das die Griechen mit existenzbedrohenden Einschnitten in ihre sozialen Standards bezahlen sollen, darf gefragt werden, sondern danach, ob das Land weiter zu Europa geh&#246;ren wolle. Eine Totschlags-Fragestellung &#228;hnlich jener, mit der einst in der DDR die Zustimmung zu jeder noch so fragw&#252;rdigen Einzelma&#223;nahme mit dem »Argument« erzwungen wurde, man sei doch wohl auch f&#252;r den Frieden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Protest des griechischen Finanzministers gegen diese von Merkel und Sarkozy erzwungene Korrektur des Athener Kabinettsbeschlusses wird sogleich <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/griechenland-referendum-venizelos-will-euro-behalten-auch-wenn-griechen-mit-nein-stimmen-1.1179587" target="_blank">gegen den Ministerpr&#228;sidenten gewendet</a>, um ihn zum R&#252;cktritt zu zwingen, wobei nicht der Hinweis fehlt, dann sei das Referendum »vom Tisch«. Papandreou lehnte das ab, kann sich aber eine &#220;bergangsregierung aus Fachleuten vorstellen. Auch f&#252;r den Fall wissen die wirtschaftsh&#246;rigen Politiker und ihre medialen Hilfstruppen bereits, <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/liveticker-zur-regierungskrise-in-griechenland-papandreou-offen-fuer-bildung-von-uebergangsregierung-1746766.html" target="_blank">dass dann das Referendum hinf&#228;llig w&#252;rde</a>. Dar&#252;ber bricht<a href="http://www.welt.de/finanzen/article13695980/Geruechte-um-Papandreou-Ruecktritt-befluegeln-den-Dax.html" target="_blank"> die B&#246;rse in Jubel aus</a>. Nach ihrem Einbruch nach Bekanntgabe des Referendums f&#252;hrten allein die Ger&#252;chte von Papandreous R&#252;cktritt bereits zu einen Aufschwung</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Alles ist m&#246;glich in Griechenland, nur eins nicht – dass das Volk &#252;ber seine eigenen Belange mitentscheidet.</p>
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		<title>Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 18:31:19 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Am 27. September 2009 konnten sich Union und FDP &#252;ber ihre Erfolge bei der Bundestagswahl und die bevorstehende schwarz-gelbe Wunschkoalition freuen. Von Freude ist zwei Jahre sp&#228;ter zur Halbzeit der Regierung nichts mehr zu sp&#252;ren: Die FDP steht am Abgrund, die Union hat ein massives Problem, ihren W&#228;hlern die politischen Kehrtwenden zu erkl&#228;ren und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gelingt es nur noch m&#252;hsam, die einstigen Traumpartner zusammenzuhalten.<span id="more-3306"></span></p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208058.schwarz-gelb-auf-dem-tiefpunkt.html" target="_blank">Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/aec68746bcb847dcbb67263c95c79439" alt="" width="1" height="1" /></h2>
<h4>Angela Merkels Wunschkoalition steckt in der Krise, weil sie an den Erwartungen der B&#252;rger mehr denn je vorbei regiert</h4>
<h5>Nach zwei Jahren Schwarz-Gelb haben CDU/CSU und FDP »fertig«. Sie sind moderne Antworten auf die Herausforderungen einer sich schnell wandelnden Welt schuldig geblieben, halten aber stur an der Macht fest.</h5>
<p>Die als Drohung gemeinte, von vielen aber durchaus als Verhei&#223;ung empfundene Ank&#252;ndigung, ohne »Kanzlermehrheit« in der Frage des Griechenland-Rettungsschirms sei die Koalition gescheitert, war nie ernst gemeint. Sie diente allein der am Ende gelungenen Disziplinierung der eigenen Fu&#223;truppen; aber dass sowohl Wolfgang Sch&#228;uble f&#252;r die Union als auch FDP-Fraktionschef Br&#252;derle mit allerlei Relativierungen f&#252;r den Ernstfall vorgebaut hatten, zeigt nur den desolaten Zustand des einstigen »Traumb&#252;ndnisses«.</p>
<p>Denn auch wenn Union und Freidemokraten ihre Mehrheit zusammenbekamen und nat&#252;rlich bis zum bitteren Ende weiterregieren wollen faktisch sind sie bereits abgew&#228;hlt. Acht Landtagswahlen haben seit dem bundesweiten Urnengang vor zwei Jahren stattgefunden, sechsmal verlor die Union an Stimmen zwischen 3,7 und 20,7 (!) Prozent.</p>
<p>Nur zweimal konnte sie leicht zulegen, in Rheinland-Pfalz und Berlin; da war sie wohl die einzige Alternative f&#252;r einige verdrossene Ex-W&#228;hler der FDP, die in beiden L&#228;ndern aus dem Parlament flog. Das Gleiche widerfuhr den Freidemokraten mit drei weiteren Landtagen; &#252;berall war sie von den 14,6 Prozent der Bundestagswahl weit entfernt.</p>
<p>Zwar hatten Bundeskoalitionen schon h&#228;ufiger nach dem Wahlsieg mit Stimmenschwund in den L&#228;ndern zu k&#228;mpfen, doch nicht in solchem Ausma&#223;. Es verweist darauf, dass die schwarz-gelbe Regierung nicht nur ein indiskutables Erscheinungsbild abgibt, sondern auch in der Sache nicht ann&#228;hernd liefert, was sie angek&#252;ndigt hatte. Au&#223;er im Falle der Mehrwertsteuersenkung f&#252;r Hoteliers schon in den ersten Regierungswochen, doch war das nur ein Geschenk f&#252;r den neuen Partner, der sich daf&#252;r mit hochfahrender Schelte gegen Hartz-IV-Empf&#228;nger bedankte und so wohl einen betr&#228;chtlichen Beitrag zur CDU/FDP-Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen leistete. Kurz darauf ging Horst K&#246;hler, Merkels und Westerwelles Ziehkind auf dem Bundespr&#228;sidentenstuhl, frustriert von Bord. Die &#228;hnlich ausgekungelte Nachfolgel&#246;sung Christian Wulff wurde zu einer Zitterpartie.</p>
<p>Danach rief die Koalition einen »Herbst der Entscheidungen« aus; er m&#252;ndete in die Desaster dieses Fr&#252;hjahres: Nach dem Fukushima-Super-GAU wurde die gerade beschlossene AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung wieder kassiert und mit dem Atomausstieg in ihr Gegenteil verkehrt. Merkels forsches Eintreten f&#252;r den Bahnhofsneubau in Stuttgart endete mit einem gr&#252;n-roten Wahlsieg in Baden-W&#252;rttemberg. Und trotz ihrer Ehrenerkl&#228;rungen f&#252;r den smarten Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg musste dieser als Verteidigungsminister unehrenhaft abmustern. Schlie&#223;lich konnte die Kanzlerin angesichts widerstreitender Auffassungen zwischen und in den Koalitionsparteien zur Finanzkrise um Griechenland nur m&#252;hsam den Crash verhindern und ist damit noch lange nicht am Ende.</p>
<p>Wortreich verweisen die Koalition&#228;re auf ihre »Erfolge«, zum Beispiel die Arbeitslosenzahl auf unter drei Millionen gedr&#252;ckt zu haben, verschweigen jedoch, dass dies nur unter Beibehaltung der Schr&#246;derschen Hartz-IV-N&#246;tigung gelang und die meisten der so entstandenen Arbeitsverh&#228;ltnisse nicht genug einbringen, um davon leben zu k&#246;nnen. Als Erfolg wird auch gewertet, dass es um Deutschland nicht ganz so schlecht steht wie um andere europ&#228;ische L&#228;nder. Man verdr&#228;ngt damit die anhaltenden Debatten &#252;ber Altersarmut, Pflegenotstand, Zwei-Klassen-Medizin und Mietenexplosion. Gut stellt sich das Land nur f&#252;r die Verm&#246;genden dar, w&#228;hrend die Masse der Bev&#246;lkerung die soziale Ausd&#252;nnung Tag f&#252;r Tag deutlicher sp&#252;rt.</p>
<p>Und sich zugleich um die W&#228;hrung sorgt, weil die Regierung weder willens noch in der Lage ist, gegen die Ausw&#252;chse der Finanzbranche wirksam vorzugehen. Zwar hat auch sonst niemand ein &#252;berzeugendes Rezept dagegen, aber die Ratlosigkeit und Zerstrittenheit in dieser Sache findet sich in vielen anderen Fragen wieder, sei es die Wahlrechtsproblematik um die &#220;berhangmandate oder der Streit um die Vorratsdatenspeicherung. Sei es die Zukunft des Gesundheitswesens oder die der Pflegeversicherung, die Sicherung der Altersvorsorge oder das uns&#228;gliche Steuersenkungsthema. Handeln auf Sicht und Zuruf ist zum Markenzeichen dieser Regierung geworden, und es gibt wenig Anzeichen, dass sich daran etwas &#228;ndert.</p>
<p>Da verwundert es nicht, wenn die B&#252;rger von der Koalition nicht mehr viel erwarten. 83 Prozent bewerteten j&#252;ngst in einer Forsa-Umfrage deren Zusammenarbeit als mangelhaft, und 54 Prozent glauben nicht, dass sie bis 2013 noch durchh&#228;lt. Selbst unter Unionsw&#228;hlern rechnet jeder Dritte mit ihrem vorzeitigen Ende, bei der FDP sind es gar 37 Prozent.</p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208057.politik-aus-dem-vorigen-jahrhundert.html" target="_blank">Politik aus dem vorigen Jahrhundert</a></h2>
<h4>Nur schwer kann sich das »b&#252;rgerliche« Lager von Inhalten und Ritualen der Vergangenheit verabschieden</h4>
<h5>Seit ihrem Bestehen macht die Regierungskoaltion keine gute Figur. Daf&#252;r verantwortlich sind Konzeptionslosigkeit und das Verschlafen gesellschaftlicher Entwicklungen.</h5>
<p>Mit Parteien ist es fast wie mit den Leuten auch. Je &#228;lter sie werden, desto schwerer tun sie sich mit Neuem. Und trauern gern vergangenen, (vermeintlich) gl&#252;cklicheren Zeiten nach. Auch die verbliebenen Anh&#228;nger von Schwarz-Gelb blicken derzeit melancholisch dahin zur&#252;ck, wo die Union und die Freidemokraten das Land unangefochten regierten also die 20 Jahre nach Gr&#252;ndung der Bundesrepublik und die 16 Jahre unter Helmut Kohl. Sie sehnen sich nach solcher &#220;bersichtlichkeit und k&#246;nnen nicht begreifen, dass ihre »christlich-liberale Koalition« vom ersten Tag ihres Bestehens an ein solch jammervolles Bild abgibt.</p>
<p>Da die weitgehend zahnlose Opposition daf&#252;r der Grund nicht sein kann, suchen sie ihn in Personen und deren unprofessionellem Agieren, im Profilierungsdrang der »Partner«, die oft gegeneinander, mehr noch aber gegen die gemeinsame Sache wirken, auch schon mal diffus in den allgemeinen Zeitl&#228;uften, die ein »ordentliches« Regieren beinahe unm&#246;glich machten.</p>
<p>Den Hauptgrund ihres Niedergangs sowohl als Koalition als auch als einzelne Parteien wollen jedoch weder die Union noch die FDP sehen. Er ist inhaltlich begr&#252;ndet, ergibt sich daraus, dass sie verlernt haben, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und in neue, moderne Konzepte umzusetzen. Ihre Krise ist eine Krise der Programmatik, die weitgehend auf alten Fundamenten stehen geblieben ist und sich neuen Herausforderungen nur ungen&#252;gend zu stellen vermochte.</p>
<p>Dabei gibt es zwischen den Koalition&#228;ren durchaus Unterschiede. Die Union als Volkspartei nimmt das Defizit an moderner L&#246;sungskompetenz deutlicher wahr als die FDP, was sie partiell zu Ver&#228;nderungen f&#228;hig macht. Ihr Problem: Diese Ver&#228;nderungen setzen sich eher spontan durch, als dass sie das Produkt einer gediegenen Gesellschaftsanalyse und darauf fu&#223;ender Ideen w&#228;re. Angela Merkel sp&#252;rt den Wind des Wandels und h&#228;ngt ihr M&#228;ntelchen gern in die Brise, aber sie gestaltet Neues lustlos, als Getriebene, wodurch sie ihre konservativ denkende Partei &#252;berfordert und verwirrt.</p>
<p>Die Folge sind Entt&#228;uschung, Unmut und Abkehr. Sinnvolle Entscheidungen wie zur Unterst&#252;tzung berufst&#228;tiger Frauen, die Aussetzung der Wehrpflicht, die Abschaffung der Hauptschule und vor allem der Atomausstieg nach gerade verf&#252;gter AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung sind das Ergebnis &#228;u&#223;eren Drucks, dem die Kanzlerin nicht aus &#220;berzeugung, sondern aus taktischem Kalk&#252;l folgt, ohne bei CDU und CSU daf&#252;r zu werben. Ihr lakonisches »Wenn sich Dinge &#228;ndern, m&#252;ssen wir Antworten finden« verunsichert die konservative Unionsw&#228;hlerschaft noch immer stark auf Adenauer und Kohl fixiert mehr, als dass sie sie beruhigt; sie versteht die Welt nicht mehr.</p>
<p>Die FDP-F&#252;hrung hingegen ist total in den 90er Jahren stecken geblieben, hat ein Dutzend Jahre gesellschaftlicher Entwicklung verschlafen und bringt daher nichts anderes in die Regierungsarbeit ein als Papiere aus dem vorigen Jahrhundert, ein Parteiprogramm sogar aus den 1980er Jahren. Ihre einst auf verschiedenen Feldern durchaus liberale Politik hat sich heute auf kruden Wirtschaftsliberalismus verengt. Wirkte sie fr&#252;her in einer Koalition als Korrektiv gegen&#252;ber manchem &#220;berschwang des gr&#246;&#223;eren Partners, so muss heute ihre Irrationalit&#228;t korrigiert werden. Eine Aufgabe, die die Kanzlerin allerdings vom ersten bis in diese Tage ignorierte und damit selbst zu den Problemen beitrug, mit denen sie heute zu k&#228;mpfen hat.</p>
<p>Beide, CDU/CSU wie FDP, aber haben sich vor allem ungen&#252;gend auf das wachsende Dr&#228;ngen der B&#252;rger auf Teilhabe an den &#246;ffentlichen Angelegenheiten eingestellt. Machtsicherungsrituale, die sich in ihren Augen bew&#228;hrt haben, bestimmen unausrottbar die politische Arbeit von Union und FDP und nicht nur von ihnen. Der W&#228;hlerzulauf zu den Gr&#252;nen, vor allem aber der Berliner &#220;berraschungscoup der Piratenpartei zeigen jedoch, dass die B&#252;rger von den Parteien etwas ganz anders erwarten n&#228;mlich in Inhalt wie Umgang eine weitreichende &#214;ffnung zu ihnen hin.</p>
<pre></pre>
<address>(Ver&#246;ffentlicht in:  Neues Deutschland vom 04. Oktober 2011)</address>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Anhaltende Kernschmelze in der Union</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jun 2011 12:31:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Im Herbst 2010 wollte die schwarz-gelbe Koalition mit dem »Durchregieren« beginnen. Doch weder hierzulande noch im fernen Fukushima lie&#223; sich die Welt nach dem eigenen Bilde formen.  Nicht nur Angela Merkels Atomkurs versch&#228;rft die Widerspr&#252;che zwischen den innerparteilichen Fl&#252;geln in CDU und CSU. Manche in der CDU malen schon Horrorszenarien und sehen – wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Im Herbst 2010 wollte die schwarz-gelbe Koalition mit dem »Durchregieren« beginnen. Doch weder hierzulande noch im fernen Fukushima lie&#223; sich die Welt nach dem eigenen Bilde formen.  Nicht nur Angela Merkels Atomkurs versch&#228;rft die Widerspr&#252;che zwischen den innerparteilichen Fl&#252;geln in CDU und CSU.<span id="more-2847"></span></p>
<p>Manche in der CDU malen schon Horrorszenarien und sehen – wie Josef Schlarmann, der Vorsitzende ihrer Mittelstandsvereinigung – den »Markenkern« der Union besch&#228;digt. Auch der Energiepolitiker Thomas Barei&#223; klagt: »Wir verabschieden uns thematisch von unserer Kernklientel und gewinnen bei neuen W&#228;hlern trotzdem keine Glaubw&#252;rdigkeit.« Eine »Kernschmelze« also auch bei der CDU – als ferner Widerhall des atomaren Super-GAUs von Fukushima?</p>
<p>Tats&#228;chlich ist die derzeitige Lage der Unionsparteien alles andere als komfortabel. Sie fuhren im Verein mit ihrem Koalitionspartner FDP nicht nur in den L&#228;ndern eine vernichtende Wahlniederlage nach der anderen ein. Sie sch&#252;rten mit einem verfehlten Regierungskurs in der Bev&#246;lkerung die Unzufriedenheit in einem Ma&#223;e, dass au&#223;erparlamentarische Protestaktionen wie lange nicht wieder auflebten und sich die innerparteilichen Widerspr&#252;che der Regierungspartner so sehr versch&#228;rften, dass einer von ihnen, die FDP, bereits in eine existenzielle Krise geriet.</p>
<h3>Unter der Oberfl&#228;che der Parteidisziplin</h3>
<p>Ganz so dramatisch war die Entwicklung bei den Unionsparteien bisher nicht, doch rumort es auch bei ihnen unter der Oberfl&#228;che erzwungener Parteidisziplin viel mehr, als die F&#252;hrungen offenbaren m&#246;chten. Dabei wollte die Kanzlerin doch mit dem »Herbst der Entscheidungen« gerade den Nerv vieler Unionsanh&#228;nger treffen, auch mit ihrer aggressiven Kampfansage an Andersdenkende in der Gesellschaft – ob hinsichtlich des Bahnhofsprojektes in Stuttgart oder bei der sturen Verteidigung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr, ob mit der eilig nach Kassenlage zusammengeschobenen Hartz-IV-Korrektur oder der <a href="http://www.blogsgesang.de/2011/03/03/merkel-zwischen-konservativen-und-populisten/" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/ef69ef559cfe4463baf8abeea902f6b1" alt="" width="1" height="1" />vorbehaltlosen Verteidigung des geistigen Betr&#252;gers zu Guttenberg</a>. Und schlie&#223;lich mit dem Durchpeitschen der AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung im Schulterschluss mit der Atomindustrie.</p>
<p>Alle diese Entscheidungen standen und stehen im Widerspruch zum Mehrheitswillen in der Bev&#246;lkerung und zeugen vom zunehmend voluntaristischen Agieren Angela Merkels – damit Helmut Kohl in dessen Endzeit vergleichbar, als er seine Entschl&#252;sse f&#252;r ebenso unfehlbar hielt wie seine Person als ihren Vollstrecker, was ihn schlie&#223;lich gar in kriminelle Abgr&#252;nde f&#252;hrte. Und wie Kohl 1998 verlieren Merkel und ihre Koalition mit der FDP erdrutschartig das Vertrauen der B&#252;rger einschlie&#223;lich der eigenen Klientel und damit Stimmen an den Wahlurnen.</p>
<p>Dass dies jetzt besonders an der AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung exemplarisch wurde, hing zwar auch mit der Katastrophe in Fukushima zusammen, ist aber vorrangig die Quittung f&#252;r den Regierungskurs insgesamt. Hilflose Erkl&#228;rungsversuche in den eigenen Reihen, die Misere liege in mangelnder Wertebezogenheit der Union oder in einer Einbu&#223;e an Gro&#223;stadtkompetenz begr&#252;ndet, gehen fehl, zumal sich hinter den Mahnungen der »Wertkonservativen«, »mehr Verl&#228;sslichkeit« zu zeigen und die »Kernklientel« der Union nicht zu verprellen, nur schlecht kaschiert das Unbehagen ihrer Wirtschaftsvertreter und des rechten Fl&#252;gels &#252;ber das Scheitern der von ihnen pr&#228;ferierten Politik verbirgt.</p>
<p>In &#228;hnlich schwere Gew&#228;sser wie die FDP d&#252;rften CDU und CSU dennoch nicht geraten, verf&#252;gen sie als »Volksparteien« doch stets &#252;ber das erforderliche Ma&#223; an taktischer Wendigkeit. Beleg daf&#252;r ist ihr Umweltminister Norbert R&#246;ttgen, einst auch ein gl&#252;hender Verfechter der Atomkraft, der jedoch beizeiten die Signale aus Bev&#246;lkerung und Parteibasis erkannte und schon vor der Laufzeitverl&#228;ngerung davor warnte, Kernkraft zu einem Alleinstellungsmerkmal der Union zu machen.</p>
<p>R&#246;ttgen ist entschlossen, das Thema, bei dem CDU und CSU nicht re&#252;ssieren k&#246;nnen, ein f&#252;r allemal aus der Welt zu schaffen – und inzwischen folgen ihm auch die Vorsitzenden der beiden Parteien, wenn auch nicht aus eigenem Triebe, sondern mit Blick auf Umfragewerte und Wahlergebnisse.</p>
<p>Vor allem Angela Merkel wei&#223;, dass eine offene Wunde in der Atomfrage lange zu Gunsten der Gr&#252;nen schw&#228;ren w&#252;rde, und deshalb nimmt sie derzeit wenig R&#252;cksicht. Weder auf die AKW-Betreiber, deren Galionsfigur J&#252;rgen Gro&#223;mann von RWE beklagte, in ihre Entscheidungen »derzeit in sehr geringem Ma&#223;e« einbezogen zu sein, noch auf die FDP, die den Verzicht auf ein Ausstiegsdatum nicht durchsetzen konnte. Aber die Liberalen versuchen, einige Hintert&#252;rchen offen zu halten. Und Merkels disziplinierte Kritiker aus der eigenen Partei, die sich am Ende im Vorstand auf die Gegenstimme von Arnold Vaatz und zwei Enthaltungen marginalisierten.</p>
<h3>Zu wenig Interesse am Austausch mit dem B&#252;rger</h3>
<p>Entlastung jedoch d&#252;rfte das nur vor&#252;bergehend schaffen, denn das Grundproblem der Union ist damit nicht beseitigt. Ausgerechnet der Generalsekret&#228;r der CDU Baden-W&#252;rttembergs, Thomas Strobl, brachte es j&#252;ngst auf den Punkt: »Wir teilen der &#214;ffentlichkeit (oft genug auch der Partei&#246;ffentlichkeit) unsere abgeschlossene Position mit. An einem wirklichen Dialog, am Austausch von Argumenten, an These, Antithese und Synthese im Kontakt mit unseren Mitgliedern und den B&#252;rgern haben wir in den letzten Jahren zu wenig Interesse gezeigt.«</p>
<p>Ohne gr&#252;ndlichen Kurswechsel in Inhalt wie Form d&#252;rfte die innerparteiliche »Kernschmelze« der Union weitergehen – nach dem Muster des so fieberhaften wie erfolglosen Herumdokterns in Fukushima.</p>
<address>Ver&#246;ffentlicht in: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/199000.anhaltende-kernschmelze-in-der-union.html" target="_blank">Neues Deutschland vom 03.06.2011 </a></address>
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		<title>Die R&#252;ckkehr des Mittelalters</title>
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		<pubDate>Thu, 05 May 2011 11:24:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Fast konnte man sich in der abgelaufenen Woche wie in einer Zeitmaschine f&#252;hlen. Sie katapultierte uns f&#246;rmlich zur&#252;ck in l&#228;ngst vergessen geglaubte Zeiten, und wir rieben uns verwundert die Augen: R&#252;ckkehr des Mittelalters? Es begann ganz harmlos mit dem Treffen von vierzig gekr&#246;nten H&#228;uptern dieser Welt zu Ehren des Herzogs von Cambridge, Grafen von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Fast konnte man sich in der abgelaufenen Woche wie in einer Zeitmaschine f&#252;hlen. Sie katapultierte uns f&#246;rmlich zur&#252;ck in l&#228;ngst vergessen geglaubte Zeiten, und wir rieben uns verwundert die Augen: R&#252;ckkehr des Mittelalters?<span id="more-2744"></span></p>
<p>Es begann ganz harmlos mit dem Treffen von vierzig gekr&#246;nten H&#228;uptern dieser Welt zu Ehren des Herzogs von Cambridge, Grafen von Strathearn und Barons Carrickfergus, der au&#223;erdem noch auf den schlichten Vornamen William h&#246;rt, und seiner durch die gerade vollzogene Trauung zur Herzogin aufgestiegenen Gattin. Das britische K&#246;nigshaus konnte endlich einmal wieder weltweiter Aufmerksamkeit gewiss sein – wie stets bei einem seiner mittelalterlichen Zeremoniells. Aber dies w&#228;re in der Shakespeareschen Dramatik, die sein Agieren jahrhundertelang umgab, wenigstens unter den Kom&#246;dien einzuordnen, w&#228;hrend andere da schon l&#228;ngst in die Trag&#246;dienkiste griffen.</p>
<p>Den mentalen &#220;bergang besorgte der katholische Vatikan, der sich angesichts des Pomps seitens der religi&#246;s abtr&#252;nnigen Briten nicht lumpen lassen mochte und seinerseits ein mittelalterliches Spektakel inszenierte, zu dem er gar eine fromme Nonne aufbot, die dem vorletzten Papst die Wunderkr&#228;fte Jesus&#8217; bescheinigte, denn noch von Wolke 7 aus verf&#252;gte Johannes Paul II.: »Stehe auf und gehe!«, was Marie Simon-Pierre denn auch trotz schwerer Parkinson-Erkrankung tat – und so dem Wundert&#228;ter das noch fehlende Testat f&#252;r die Seligsprechung verschaffte.</p>
<p>Ein Zufall war es wohl nicht, dass das Gebaren der irdischen Heerscharen, die Rom aus diesem Anlass heimgesucht hatten, lebhaft an einen Feldgottesdienst zu Zeiten des Drei&#223;igj&#228;hrigen Krieges erinnerte, denn da hatte der dritte Gro&#223;schauspieler unserer Tage l&#228;ngst seinen Beitrag zur mittelalterlichen Retrospektive vorbereitet – und dabei auf die Zutaten des Computerzeitalters nicht verzichtet. Wie im Westernkino zog Barack Obama – ohne Sheriffstern, daf&#252;r aber mit dem Friedensnobelpreis am Revers – nat&#252;rlich als erster, um den Schurken Osama <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-05/osama-beweise-tod" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/c5c88a407d5e4bcfafdf5d4462393ac5" alt="" width="1" height="1" />auf uramerikanische Weise</a> zur Strecke zu bringen – n&#228;mlich ohne viel Federlesens und schon gar nicht aufgehalten durch allerlei Paragrafenreiterei. Und dann sah er sich das Ganze auf dem i-Pad an – als Videospiel mit Reality-Effekt.</p>
<div id="attachment_2751" class="wp-caption alignright" style="width: 312px"><a rel="attachment wp-att-2751" href="http://www.blogsgesang.de/2011/05/05/die-rueckkehr-des-mittelalters/situation_room_5_b_1369051s/"><img class="size-full wp-image-2751  " title="Situation_Room_5_B_1369051s" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/05/Situation_Room_5_B_1369051s.jpg" alt="" width="302" height="201" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: dpa</p></div>
<p>Damit lie&#223; sich nicht nur die schier endlose Serie der englischen K&#246;nigsdramen samt ihrem Shakespeare m&#252;helos in den Schatten stellen, sondern man beamte zus&#228;tzlich gleich ins Altertum zur&#252;ck. So wie der US-Pr&#228;sident samt seiner Mannschaft in der ausbetonierten Erdh&#246;hle unter seinem Amtssitz beim secret viewing atemlos und hingerissen zwischen Begeisterung, Entsetzen und sportlicher Anteilnahme das Geschehen in der Villa von Abbottabad verfolgte –  ganz so m&#252;ssen auch die r&#246;mischen Kaiser mit ihrer Entourage die Gladiatorenk&#228;mpfe im Kolosseum beobachtet haben, umgeben vom Jubel des Volkes, den die Amerikaner in Washington, New York und anderswo ihren Imperatoren – etwas zeitversetzt – nachlieferten.</p>
<p>Das bot hierzulande die erw&#252;nschte Gelegenheit zum transatlantischen Schulterschluss. Die klammheimliche Freude, die vor einigen Jahren – bezogen auf RAF-Terrortaten – noch Anlass zu heiliger Emp&#246;rung und staatsanwaltlichen Ermittlungen war, tropfte f&#246;rmlich aus allen regierungsamtlichen Knopfl&#246;chern und ging besonders bei den Parteichristen von <a href="http://www.mdr.de/nachrichten/8548791.html" target="_blank">Bosbach</a> bis <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1450590/" target="_blank">Gei&#223;ler</a>, aber nat&#252;rlich mit  <a href="http://www.tagesschau.de/inland/binladen200.html" target="_blank">Angela Merkel  an der Spitze</a> umstandslos in offene Freude &#252;ber – f&#252;r eine Tat, die, w&#228;re sie nicht in Washington, sondern beispielsweise in Tripolis ersonnen worden, als feiger terroristischer Anschlag gegolten h&#228;tte, der nur durch gerechte Bombenabw&#252;rfe zu s&#252;hnen sei.</p>
<p>Die Organisatoren der dieser Tage wieder beginnenden beliebten Mittelalterspektakel d&#252;rften gut beraten sein, wenn sie bei der Inszenierung noch eine Schippe drauflegen, laufen sie doch sonst mit ihren  harmlosen Ritterspielen Gefahr, von der Wirklichkeit &#252;berholt zu werden.</p>
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		<title>Fukushima ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Apr 2011 18:00:18 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Heute ist ein Monat vergangen, seit in Japan die Erde bebte und dabei auch ein Atomkraftwerk so sehr aus den Angeln hob, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt ist, vielmehr angesichts einer v&#246;llig desorientierten AKW-Betreiberfirma weitere b&#246;se &#220;berraschungen zu erwarten sind – und doch haben sich die Atomkraft-Bef&#252;rworter l&#228;ngst wieder formiert und versuchen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Heute ist ein Monat vergangen, seit in Japan die Erde bebte und dabei auch ein Atomkraftwerk so sehr aus den Angeln hob, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt ist, vielmehr angesichts einer v&#246;llig desorientierten AKW-Betreiberfirma <a href="http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,756373,00.html" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/0f304afb176f42309542874cfb1c42ae" alt="" width="1" height="1" />weitere b&#246;se &#220;berraschungen</a> zu erwarten sind – und doch haben sich die Atomkraft-Bef&#252;rworter l&#228;ngst wieder formiert und versuchen, mit den alten Argumenten zu retten, was f&#252;r sie vor allem zu retten ist – ihren Profit.<span id="more-2715"></span> Sie sind erneut angetreten – wie eh und je – zu suggerieren, dass ein solches Geschehen wie in Japan hierzulande undenkbar sei; Beweise k&#246;nnen sie daf&#252;r freilich nicht vorlegen. Vielmehr ist das bestehende Wirtschaftssystem selbst der schlagendste Gegenbeweis daf&#252;r, dass Fukushima, wenn es erst einmal zu einer Katastrophe kommt, keineswegs eine Ausnahme ist, sondern die Regel.</p>
<p>Nat&#252;rlich wird es mit fast 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit in Mitteleuropa nicht zu einem Erdbeben der St&#228;rke 9 oder in der Nordsee zu einem Tsunami mit zehn Meter hohen Wellen kommen, aber das ist auch nicht das Entscheidende. Hier sind andere Katastrophen denkbar oder auch nicht denkbar; noch immer hat die Natur &#220;berraschungen bereit gehalten, die menschliches Vorstellungsverm&#246;gen &#252;bertrafen. Die Vorg&#228;nge von Fukushima lehrten, dass – falls die Katastrophe kommt – selbst eine technisch so hochger&#252;stete Nation wie Japan nicht in der Lage ist, darauf angemessen zu reagieren. In einem Land, das Roboter f&#252;r alle Lebenslagen entwarf und produzierte, mussten am Ende schlecht ausgebildete und unzureichend ausger&#252;stete Feuerwehrleute mit Wasserwerfern versuchen, gl&#252;hende Atomkernst&#228;be zu l&#246;schen – das ist etwa so, als liefe jemand, dem das Haus abbrennt, mit einem Eimer zum n&#228;chsten Wasserlauf, um die Flammen zu ersticken. Die Einsatzkr&#228;fte verbrannten sich die F&#252;&#223;e, weil kontaminiertes Wasser in ihre unzul&#228;nglichen Schutzstiefel lief. Und es gibt nicht gen&#252;gend Tanks, um radioaktives Wasser aufzufangen; daher wird es noch immer ins Meer geleitet.</p>
<p>Nat&#252;rlich h&#228;tte all das bereitgestellt werden k&#246;nnen – Roboter, die im havarierten Kraftwerk die n&#246;tigen Verrichtungen tun, Schutzkleidung, die alle Gefahren vom Menschen abh&#228;lt, ausreichende Auffangbecken, die jeder denkbaren Katastrophe gen&#252;gen – und vieles andere mehr. Technisch w&#228;re das gerade f&#252;r Japan kein Problem gewesen, aber es h&#228;tte viel Geld gekostet – und das wollte man sich ersparen. Der Glaube, die gef&#228;hrliche Nukleartechnik zu beherrschen, ging einher mit einer Kosten-Nutzen-Rechnung, die den Ernstfall nicht wirklich einkalkulierte. Je l&#228;nger es gut ging, umso mehr wurden die Vorkehrungen reduziert, damit die Gewinne stiegen. B&#246;swillig war das nicht, sondern gesetzm&#228;&#223;ig f&#252;r diese Wirtschaftsform, die auf st&#228;ndig wachsende Effizienz setzt und unaufh&#246;rlich danach sucht, wie Kostenfaktoren minimiert werden k&#246;nnen.</p>
<p>Diese – objektive – Unf&#228;higkeit, mit dem immer M&#246;glichen , das man perfekt verdr&#228;ngte, fertig zu werden, ist kein allein japanisches Problem. Es ist das unausbleibliche Manko einer Wirtschaftsweise, bei der der Gewinn stets an erster Stelle steht und alles andere zur abgeleiteten Funktion dieses Profitdenkens wird. Insofern – und nicht wegen vergleichbarer geologischer oder anderer Bedingungen – ist Fukushima &#252;berall, denn Kapitalismus macht Sicherheit auch anderswo zwangsl&#228;ufig eben zu einem Kostenfaktor, der zu minimieren ist. Das Restrisiko, das sich mit der Atomenergie verbindet, ist also nicht zuerst ein technisches oder technologisches, sondern ein &#246;konomisches und dann gesellschaftliches, wenn die Politik zum Erf&#252;llungsgehilfen der &#214;konomie wird. Genau diesen Weg hatte Angela Merkel mit der Verl&#228;ngerung der AKW-Laufzeiten beschritten – und noch sind jene Kr&#228;fte stark, die ihn auch weiterhin gehen wollen.</p>
<p>Sie arbeiten gern mit dem Argument der Kosten, die bei der Atomkraft so gering seien und bei allen anderen Energiearten viel h&#246;her. Dabei kalkulieren sie freilich meist nur mit den unmittelbaren Betriebskosten, klammern solche Folgekosten wie f&#252;r die bislang v&#246;llig ungekl&#228;rte Endlagerung des Atomm&#252;lls oder den sp&#228;teren Abbau auslaufender Kraftwerke weitgehend aus. Zwar sind sie mittlerweile veranlasst worden, daf&#252;r R&#252;cklagen zu bilden, aber auch diese werden so knapp wie m&#246;glich angesetzt. Andere Kosten, <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/26/0,3672,8231482,00.html">zum Beispiel f&#252;r Versicherungen</a>, entfallen zum gro&#223;en Teil. Sie werden von vornherein &#252;berwiegend auf die Gesellschaft abgew&#228;lzt – mit Folgen, die jetzt am Beispiel Japan das ganze Ausma&#223; ahnen lassen.</p>
<p>Dabei liefert das Versicherungswesen gerade f&#252;r die Kalkulation des Risikos, das  mit nuklearer Energiegewinnung verbunden ist, ein sehr &#252;berzeugendes, weil absolut marktwirtschaftliches Kriterium. Nicht eins der weltweit arbeitenden Atomkraftwerke ist n&#228;mlich f&#252;r das Gesamtrisiko seines Betriebs haftpflichtversichert, weil sich in der ganzen Welt kein Versicherer findet, der dieses Risiko zu tragen bereit ist – es sei denn, er berechnete die Pr&#228;mien einer solchen Versicherung realistisch. Dann aber, so stellte  die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung dieser Tage fest, w&#228;re die Haftpflichtversicherung f&#252;r die Betreiber »so hoch, dass niemand Atomkraftwerke bauen w&#252;rde, die bestehenden m&#252;ssten stillgelegt werden«.</p>
<p>Jeder Autofahrer muss sich dagegen versichern, anderen Menschen Schaden zuzuf&#252;gen. Wer eigentlich gibt den Atomkonzernen das Recht, solchen Versicherungsschutz einzusparen, obwohl die Sch&#228;den, die sie anrichten k&#246;nnen, unermesslich sind?</p>
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		<title>FDP auf Normalma&#223; zur&#252;ckgestutzt</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 18:10:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint<span id="more-2693"></span>, im Abgang noch Bedingungen stellen zu k&#246;nnen; er wird lernen m&#252;ssen, dass gerade in seiner »Partei der Leistungstr&#228;ger« nichts so sehr z&#228;hlt wie der Erfolg und nichts so vernichtend ist wie Verluste an der Wahlurne.</p>
<p>F&#252;r die Partei als Ganzes jedoch ist Westerwelle nur insofern ein Problem, als er als ihr Vorsitzender jene inhaltliche Ausrichtung der Partei erdachte und durchsetzte, die sie jetzt an den Rand des Abgrunds f&#252;hrte. Diese Ausrichtung haben freilich alle ihre Funktion&#228;re zumindest klaglos, meist aber begeistert mitgemacht – ganz vorn jene, die sich jetzt auch wieder danach dr&#228;ngen, den wuchtigsten Schlag gegen den Ex-Chef zu f&#252;hren. Auch <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/fdp-trio-lindner-roesler-bahr-die-boygroup-der-liberalen-1671025.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c5eddb7fa917495a91fe82c435ded144" alt="" width="1" height="1" />jene, die jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen sollen</a>, waren mit Kritik am Vorsitzenden nie aufgefallen, im Gegenteil verteidigten sie ihn stets wortreich. Sie haben konzeptionell auch nichts anderes auf der Pfanne als ihr zur&#252;ckgetretener Vormann; auch deshalb hat wohl keiner von ihnen Lust, sich ins Geschirr zu h&#228;ngen. Denn ohne <a href="http://www.morgenweb.de/meinung/kommentar/20110404_mmm0000001473637.html" target="_blank">inhaltliche Umorientierun</a>g der Partei ist der Misserfolg jedes k&#252;nftigen FDP-Chefs vorprogrammiert. Diese inhaltliche Umorientierung jedoch ist nicht in Sicht; sie f&#228;nde in der heutigen  FDP auch keine Mehrheit; insofern hat Guido Westerwelle ganze Arbeit geleistet und seine Partei in ein auswegloses Dilemma gef&#252;hrt.</p>
<p>Eine Partei der Wirtschaft und der Banken war die FDP schon immer, doch konnte sie das in der Vergangenheit nicht selten dadurch in den Hintergrund treten lassen, dass sie den erkl&#228;rten Liberalismus eben nicht nur als freie Bahn f&#252;rs Geldmachen verstand, sondern auch als W&#228;chteramt &#252;ber die B&#252;rgerrechte und als Philosophie von Chancengleichheit, was in gewissen Grenzen sogar das Soziale im Blick behielt. Diese Linie, die die FDP auch f&#252;r andere als »Besserverdienende« w&#228;hlbar machte, sicherte nicht nur ihre parlamentarische Existenz in mehr als 60 Jahren Bundesrepublik, sondern machte sie auch immer wieder regierungsf&#228;hig, lange sogar im B&#252;ndnis mit der SPD. Damit jedoch haben Genscher und Lambsdorff durch ihren &#220;bertritt 1982 zu Helmut Kohl und dann die Kinkel, die Gerhardt und letztlich Westerwelle Schluss gemacht. Vor allem letzterer legte seine Partei voll und ganz auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs fest, sah sich dergestalt sogar als Korrektiv zur anderen Wirtschaftspartei CDU/CSU, der er den vorg3eblichen »Sozialdemokratismus« austreiben wollte.</p>
<p>Von dieser Position kommt die FDP so schnell nicht weg. Geradezu exemplarisch ist daf&#252;r das kollektive Schaudern fast aller ihrer F&#252;hrungsleute, als in der Westerwelle-Nachfolge-Debatte der Name Leutheusser-Schnarrenberger fiel. Der von der Justizministerin vertretene Liberalismus ist der heutigen FDP-Garde zutiefst fremd; selbst wenn sie es wollte, w&#228;re sie nicht in der Lage, ihn glaubw&#252;rdig zu vertreten.  Untergehen muss sie deswegen jedoch nicht. Die »Besserverdienenden« bleiben nat&#252;rlich ihre treue W&#228;hlerklientel. Sie misstrauen allen anderen Parteien mit ihrer mehr oder weniger ausgepr&#228;gten sozialen Ader – selbst der Union, bei der diese weitgehend verk&#252;mmert ist. Sie werden die FDP immer w&#228;hlen und mitunter von jenen verst&#228;rkt werden, die hoffen und glauben, selbst auch einmal in diese Kategorie aufzusteigen. Besonders in krisenhaften Zeiten werden die einfachen Botschaften  &#8211; wie »Steuern runter!« oder »Weniger Staat!« &#8211; gern geh&#246;rt; darauf beruhte letztlich der paradoxe Wahlerfolg der FDP 2009. Paradox deshalb, weil es ja gerade die von der FDP kolportierten Parolen von der Entfesselung der M&#228;rkte und der Finanzbranche waren, die bei der Krise im Jahr zuvor Pate gestanden hatten. Die Illusion trug nur wenige Monate und ist jetzt restlos aufgebraucht – eine Warnung &#252;brigens auch an andere Parteien mit hochfliegenden Wahlresultaten – die aus anderer Krisenverunsicherung herr&#252;hren –  und daraus leicht entstehenden Hochgef&#252;hlen.</p>
<p>Die FDP ist auf ihr Normalma&#223; zurechtgestutzt. Bei Bundestagswahlen erreichte sie zumeist  Ergebnisse um die sieben oder acht Prozent, nur f&#252;nfmal schnitt sie zweistellig ab, was aber nie Bestand hatte. Ihr niedrigstes Resultat lag knapp unter sechs Prozent; dort etwa w&#252;rde sie sich wohl derzeit einpegeln, vielleicht auch etwas niedriger wegen des Westerwelle-Faktors. Von besonderer Bedeutung f&#252;r die deutsche Politik ist das nicht, weshalb auch Angela Merkel  nicht in Panik ausbricht. Nach dem, was die Demoskopie derzeit verbreitet, hat sie mit der SPD auch k&#252;nftig einen sicheren Juniorpartner – und im &#252;brigen sind sie und ihre Partei l&#228;ngst dabei, die Gr&#252;nen ins eigene Lager zu locken. Mit gar nicht so schlechten Erfolgsaussichten.</p>
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