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	<title>blogsgesang.de &#187; Olympische Spiele</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Wie umtriebiges Business die Olympiaorte Vancouver und Whistler erfand</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Feb 2010 18:11:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Letzte Nacht begannen in Vancouver und Whistler die Olympischen Winterspiele. Zumindest in der Metropole am Pazifik musste man dabei ohne Schnee auskommen, was dort nichts Besonderes ist, denn in der Regel l&#228;sst das milde, beinahe schon mediterrane Klima nur sieben Schneetage im Jahr zu. Auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind nicht die Norm. Richtige Winterstimmung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letzte Nacht begannen in Vancouver und Whistler die Olympischen Winterspiele. Zumindest in der Metropole am Pazifik musste man dabei ohne Schnee auskommen, was dort nichts Besonderes ist, denn in der Regel l&#228;sst das milde, beinahe schon mediterrane Klima nur sieben Schneetage im Jahr zu. Auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind nicht die Norm. Richtige Winterstimmung kann so kaum aufkommen, und folglich verlegte man die Er&#246;ffnungsfeier gleich in eine Halle – mit Kunstschnee und Maschineneis. <span id="more-1493"></span>Natur braucht es nicht mehr f&#252;r die gro&#223;e Show, zu der Olympische Spiele inzwischen geworden sind, und man muss wohl nicht allzu lange darauf warten, dass Winterspiele in Dubai stattfinden.</p>
<p>Denn der Winterzauber in Vancouvers BC Place Stadium ist nat&#252;rlich noch steigerbar. Skihallen f&#252;r Langl&#228;ufer und Biathleten gibt es bereits, und eines Tages wird man auch das Problem f&#252;r die Abfahrtsl&#228;ufer und Skispringer gel&#246;st haben. Heuer ist man noch auf den echten Schnee im n&#246;rdlicher und h&#246;her gelegenen Whistler angewiesen, wo fast alle Skisportdisziplinen stattfinden. Der l&#228;sst zwar guten Sport derzeit auch nicht zu, aber das ist vielleicht nur ein eher ironischer Kommentar des Wettergottes zu jenem Hype, mit das Nest in den Bergen zur Olympiastadt hochgepuscht wurde. Denn hier wurde die Olympia-Idee geboren; Vancouver wurde von den umtriebigen Organisatoren sp&#228;ter dazugenommen, um der Bewerbung nach zweimaligem Scheitern mehr Gewicht zu verleihen. Das ist letztlich gelungen, das Spektakel steht ins Haus, und – wie schon oft – scheinen bereits jetzt am Horizont die Probleme auf, die nach den Spielen durchaus zum Katzenjammer f&#252;hren k&#246;nnen. Schon bei einer sommerlichen Kanada-Reise zu einem Zeitpunkt, als von Olympia noch nicht die Rede war, wurde offenbar, wie sehr sich inzwischen Sport und Kommerz verbunden haben – und das in der Regel nicht zum Nutzen der Regionen und Menschen, die eigentlich mit dem Sportspektakel Olympia begl&#252;ckt werden sollen. Hier der Report dar&#252;ber:</p>
<p> </p>
<h2>&#8230; und t&#228;glich pfeift das Murmeltier</h2>
<h4>Wie umtriebiges Business die Olympiaorte Vancouver und Whistler erfand</h4>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/22bef616eb1748aab7bbfaefc3060a91" alt="" width="1" height="1" /><br />
Whistler, der kleine Ort in den kanadischen Coastal Mountains 120 Kilometer n&#246;rdlich von Vancouver, ist nach einem der beiden ihn flankierenden Berge benannt – und der wiederum nach dem Pfeifen der hier verbreiteten Murmeltiere. Deren Warnruf, der vor allem vorm Wei&#223;kopfadler sch&#252;tzen sollte, war jahrhundertelang das auff&#228;lligste Ger&#228;usch rund um den Whistler-Berg, seinen Nachbarn Blackcomb und das zwischen ihnen gebettete Tal. Noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts trafen sich hier, am Alta Lake, einem kleinen, einsamen Weiher, nur hin und wieder schweigsame Angler. F&#252;r sie baute einer von ihnen in den 1940er Jahren die Rainbow Lodge als einfaches Quartier – bis irgendwann jemand auf die Idee kam, aus Lage, Klima und sonstigen Gegebenheiten m&#252;sse sich doch mehr machen lassen.</p>
<p>Das war die Geburtsstunde des Skiresorts Whistler und in der Folge der olympischen Idee f&#252;r Kanadas Westk&#252;ste. Erst wurden weitere Lodges gebaut und 1966 der erste Skilift. Schon f&#252;r 1968 hatte man sich um die Olympischen Winterspiele beworben; gesch&#228;ftst&#252;chtige Investoren verstanden das damals als Initialz&#252;ndung f&#252;rs Profitmachen. Auf der olympischen Welle sollten Skianlagen entstehen, die einmal m&#228;rchenhafte Gewinne abzuwerfen versprachen. Das klappte so auf Anhieb nicht, doch die Idee blieb. Nun erbrachte man die Investition als Vorleistung, von der man Rendite erhoffte. Whistler wurde innerhalb von 40 Jahren zum gr&#246;&#223;ten und beliebtesten Skigebiet des nordamerikanischen Kontinents ausgebaut.</p>
<address><a href="http://www.youtube.com/watch?v=DLvtlk9SVTI"><strong>Video \&#8221;Whistler &#8211; Resort aus der Retorte\&#8221;</strong></a></address>
<p>Mehr als 200 Pisten mit insgesamt 280 Kilometern L&#228;nge, 37 Skilifte, drei Gletscher, die Skilaufen auch in den Sommermonaten erm&#246;glichen, ziehen j&#228;hrlich zwei Millionen Urlauber an, vor allem im Winter. Bis fast auf 2300 Meter H&#246;he bringt der Blackcomb-Lift die Abfahrer, nur 150 Meter unter dem Gipfel – wer es sich leisten kann, sogar per Hubschrauber. Von dort k&#246;nnen sie 1609 Meter H&#246;hendifferenz in rasender Abfahrt &#252;berwinden. Dazu kommen kilometerlange Loipen f&#252;r die Langl&#228;ufer. Allein f&#252;r Olympia wurden 40 Kilometer neu angelegt. Die Bobbahn gilt mit 154 Metern H&#246;henunterscheid als steilste der Welt. &#196;hnliches sagte man von der Rodelbahn, und prompt forderte die damit verbundene Pervertierung des olympischen Mottos vom Weiter, H&#246;her, Schneller das erste Todesopfer. Superlative, so mahnt der Unfalltod des georgischen Rennrodlers Nodar Kumaritaschwili, haben ihren Preis.</p>
<p>Vancouver und Whistler wissen das l&#228;ngst. Schon lange vor Olympia fielen Tausende von B&#228;umen dem Skizirkus zum Opfer; jetzt wurden noch einmal 120.000 gef&#228;llt. Man kann es im Sommer an den Bergh&#228;ngen um Whistler sehen, wo sich lange, kahle Schneisen bis weit in die T&#228;ler ziehen. An vielen Stellen ist bereits das nackte Gestein freigelegt. Auch im Ort musste das Gr&#252;n dem Bauland weichen. Parkpl&#228;tze entstanden. Auf der Strecke nach Vancouver wurde der Highway 99 auf vier Spuren ausgebaut. Und nat&#252;rlich verschlingen die Anlagen Energie. Die Bobbahn liefert Kunsteis, die Lifte laufen von fr&#252;h bis hinein in die Dunkelheit. Whistler selbst g&#246;nnt sich zur Nacht eine anheimelnde Beleuchtung seiner schmucken H&#228;user. Dabei hatte fr&#252;her einmal ein von Gr&#252;nen dominierter Stadtrat das Verbot von Heizpilzen beschlossen.</p>
<p>Nutznie&#223;er dieser Entwicklung war &#252;ber Jahrzehnte die Firma Intrawest, die das Skiresort auf- und ausbaute. Nichts l&#228;uft hier ohne diese Firma. Sie vermietet oder verkauft die H&#228;user, betreibt Bars und Restaurants, engagiert und bezahlt das Personal (meist nur mit Skip&#228;ssen und Gutscheinen f&#252;r diese oder jene Dienstleistung). Und sie verdiente nat&#252;rlich am Olympia-Boom, so wie sie bereits jetzt erfahren muss, dass die &#252;berdimensionierten Anlagen auch in Whistler nach Olympia mehr kosten als einbringen werden. Noch w&#228;hrend der Spiele geht Intrawest in die Insolvenz. Und nicht wenige f&#252;rchten, dass die nun folgenden Verluste wie &#252;blich »sozialisiert« werden, also bei der Kommune, beim einzelnen B&#252;rger durch h&#246;here Steuern und Geb&#252;hren h&#228;ngen bleiben. Schon Olympia selbst kostet Whistler mit seinen 10.000 Einwohnern acht bis 15 Millionen Dollar. Die Grundsteuern sollen um beinahe 20 Prozent steigen, Parkgeb&#252;hren eingef&#252;hrt werden. Immobilienpreise und Mieten sind bereits jetzt exorbitant hoch. Den Einheimischen scheint, als pfiffe wieder t&#228;glich das Murmeltier, doch warnt es diesmal vor den Folgen der Olympia-Euphorie.</p>
<p>Whistler sieht einer unsicheren Zukunft entgegen, sobald die olympischen Fahne eingezogen ist. F&#252;r Vancouver gilt das nicht in gleichem Ma&#223;e, jedoch sind auch dort die Sorgen &#252;ber Olympia gr&#246;&#223;er als die Begeisterung. Weist doch die Entwicklung der Millionenstadt am Pazifik durchaus Parallelen zum Aufstieg Whistlers auf – wenn man nur 150 Jahre zur&#252;ckblickt. Noch 1792 hatte Kapit&#228;n George Vancouver wenig Gefallen an der durch Inseln und Buchten stark zerkl&#252;fteten K&#252;ste im Vorfeld der Rocky Mountains gefunden. Er schlug zwar einige Pfl&#246;cke ein, um das Land als britischen Besitz zu markieren; mehr tat sich aber zun&#228;chst nicht. Erst als der Goldrausch im Norden Amerikas begann, wurde Vancouvers einstiger Landeplatz zum Anlaufpunkt f&#252;r Abenteurer aus aller Welt. Davon profitierten am meisten jene, die den Goldsuchern auf ihrem Weg in die Sch&#252;rfgebiete am Fraser River und in den Cariboo Mountains behilflich waren, die ihnen Unterkunft, Verpflegung, Zerstreuung boten. Einer dieser Dienstleister, der Gastwirt Jack Deighton, kam hier 1867 mit einem gef&#252;llten Whiskeyfass an. Seine Kneipe wurde schnell zum Zentrum des entstehenden Ortes, den man nach Deightons Spitznamen »Gassy Jack« (Geschw&#228;tziger Jack) Gastown nannte. Heute ist Gastown die Altstadt Vancouvers, das 1886 offiziell gegr&#252;ndet wurde.</p>
<address><a href="http://www.youtube.com/watch?v=v5wFIgwApTU"><strong>Video \&#8221;Vancouver &#8211; Perle am Pazifik\&#8221;</strong></a></address>
<p>Es war also der tats&#228;chliche Goldrausch, der bei Vancouvers Stadtgr&#252;ndung Pate stand – so wie bei jener Whistlers der Rausch des »wei&#223;en« Goldes, das mit Skianlagen zu verdienen ist. Entsprechend st&#252;rmisch verlief die weitere Entwicklung. Aus den 5000 Bewohnern des neu gegr&#252;ndeten Vancouver waren um 1900 bereits 100.000 geworden. Vor allem Forstwirtschaft und Handel florierten; der Hafen wurde zu einem der bedeutendsten an Amerikas Westk&#252;ste. Das Finanzkapital entwickelte sich, w&#228;hrend Industrie nur eine untergeordnete Rolle spielte. Die vor allem in den letzten Jahren erfolgte Zuwanderung aus Asien, vor allem Hongkong nach dessen &#220;bernahme durch China, befl&#252;gelte vor allem den Dienstleistungssektor, der dadurch zum Aufschwung Vancouvers als Touristenmetropole beitrug. Selbst in abgelegenen Winkeln wie in White Rock an der Boundry-Bucht ist etwas von heiterem Sommerfrischen-Flair entstanden.</p>
<address><a href="http://www.youtube.com/watch?v=QrvBAUgjh_I" target="_blank"><strong>Video &#8220;White Rock statt white sports&#8221;</strong></a></address>
<p>Gleichzeitig aber verst&#228;rkten der schwache Produktionssektor und die Zuwanderung die sozialen Probleme. Vancouver gilt heute als eine der lebenswertesten St&#228;dte der Welt und ist doch zugleich ein Ort tiefer Armut und ausweglosen Elends. Man muss in Gastown nur wenige Schritte s&#252;d&#246;stlich gehen, in Richtung Chinatown, dann st&#246;&#223;t man um die Hastings Street auf <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0206/seite3/0005/index.html" target="_blank">Downtown Eastside</a>, das Elendsviertel Vancouvers. Hier sind die H&#228;user verfallen, M&#252;ll bedeckt die Stra&#223;en, und in den Hauseing&#228;ngen kann man nicht selten Drogens&#252;chtige sehen, die ihren Rausch ausschlafen. 12.000 Menschen sollen in Vancouver rauschgiftabh&#228;ngig sein. In Downtown Eastside ist es jeder Dritte der 18.000 Einwohner. Von diesen sind 3000 obdachlos. Die Stadt hat weltweit die h&#246;chste Rate von HIV-Infizierten. Die Menschen in Vancouvers Slum haben nur das gute Viertel eines kanadischen Durchschnittseinkommens zur Verf&#252;gung.</p>
<p>Nat&#252;rlich soll dies bei den Spielen nicht sichtbar sein. Mit Razzien versuchte man die Obdachlosen aus dem Stadtbild zu vertreiben. Zielf&#252;hrender war, dass viele von ihnen f&#252;r ein geringes Entgelt zur M&#252;llbeseitigung eingestellt wurden. Denn nat&#252;rlich will Vancouver nicht den Eindruck einer hartherzigen, kalten Stadt machen. Es gab sogar das Projekt, zwei Drittel der Wohnungen im Olympischen Dorf als Sozialwohnungen zu vermieten. Dann explodierten die Kosten, und man reduzierte den Sozialwohnungsanteil auf 250, w&#228;hrend 730 sehr teuer verkauft werden sollen – in Spitzenlagen des Gel&#228;ndes am False Creek ist von bis zu 10 Millionen Kanada-Dollar (6,6 Mio Euro) die Rede. Doch auch dagegen regt sich Widerstand. Es k&#246;nne nicht sein, dass mit Steuergeldern »Sozialwohnungen mit Panoramablick« finanziert w&#252;rden. Jedes Land hat eben seine Westerwelles.</p>
<p>Zu den Armen in Vancouver geh&#246;ren nicht zuletzt die Ureinwohner des Landes, das ihnen einmal ganz allein ihr Eigentum war. Immerhin sieht Kanada in ihnen heute die anerkannten »First Nations«, doch die mit Gewalt und Tricks &#252;ber Jahrhunderte geschaffenen Besitzverh&#228;ltnis ber&#252;hrt das nicht. Zwar werden inzwischen zahlreiche Prozesse &#252;ber die fr&#252;here Landnahme gef&#252;hrt, aber nur selten kommen die Indianer zu ihrem Recht. Und im Zuge der Olympiavorbereitung sind eher neue Ungerechtigkeiten geschaffen worden. Die Skigebiete um Whistler geh&#246;rten einst dem Stamm der Lil&#8217;wat, doch das interessierte niemanden, als vor 40 Jahren der Aufbau des Skiresorts begann. Im Gegenteil, der Erfolg weckte neue Begehrlichkeiten.</p>
<address><a href="http://www.youtube.com/watch?v=F7VydkhFzPI"><strong>Video \&#8221;First Nations &#8211; abgefunden mit Folkore\&#8221;</strong></a></address>
<p>N&#246;rdlich von Whistler stie&#223;en wir bereits 2000 auf ein Protestcamp des St&#8217;at&#8217;imc-Stammes, Vier, f&#252;nf rohe St&#228;mme zu einem Ger&#252;st aufgerichtet, dar&#252;ber ein grelles Tuch. Schilder, unbeholfen bemalt mit Protestlosungen: »Stoppt die Bedrohung unseres angestammten Heimatlandes«. Ein Mitvierziger in verwaschenen Jeans spricht jeden Autofahrer an, dr&#252;ckt ihn einen Text in die Hand, bittet um Unterschriften. Auch dort sollte eine alpine Skianlage entstehen, im Lebensraum vieler Tiere, darunter der in diesen Breiten relativ seltenen Grizzly-B&#228;ren. Mit dubiosen Gutachten wollte sich der Investor, die »Nancy Greene-Raine Resort Consultants Inc.«, durchsetzen, weshalb die Indianer die &#214;ffentlichkeit alarmierten. Und sie hatten bislang Erfolg. Antwortete die kanadische Regierung zun&#228;chst mit Polizeieins&#228;tzen, wollte sie dann doch im Vorfeld der Olympia-Bewerbung und der Vorbereitung der Spiele den Protest der Ureinwohner nicht provozieren.</p>
<p>Nicht zuletzt deshalb erkl&#228;rte sie die »First Nations« bez&#252;glich Olympias sogar zu »First Host Nations«, also zu Gastgebern, und bezog sie intensiver in die Vorbereitung ein. Besonders die H&#228;uptlinge der vier gro&#223;en St&#228;mme der Gegend, der Lil&#8217;wat, Musqueam, Squamish und Tsleil-Waututh, wurden von ihr umworben. Zehn Prozent der olympischen Bauauftr&#228;ge in einem Wert von 54 Millionen Dollar gingen an Unternehmer,der Ureinwohner. Ihnen wurden Grundst&#252;cke &#252;bertragen, womit sie jedoch gleichzeitig die angeblichen Eigentumsrechte des kanadischen Staates anerkannten. Aber auch Ausbildungszentren, Sportmannschaften u.&#228;. wurde finanziert. So haben viele Indianer durchaus von den Spielen profitiert, wenn auch nur zeitweise. Bei der gro&#223;en Masse jedoch kam von den olympischen Almosen wenig an, weshalb sie ihre Gastgeberrolle f&#252;r eine gro&#223;e Heuchelei halten und sich teilweise in offenen Widerspruch zu ihren H&#228;uptlingen setzten. »Regierungspuppen« nannte sie zum Beispiel Gordon Hill, Mitglied des Kwakwaka&#8217;wakw-Stammes, dem es vor allem um die Revision der Landnahme geht. »Keine Spiele auf gestohlenem Land«fordert er bereits sei 2002, als man noch versuchte, die Spiele in und um Vancouver zu verhindern.</p>
<p>Das ist misslungen, und manche Indianer sind heute durchaus stolz, dass in ihrem Stammland ein solches Ereignis stattfindet. Andere sehen sich notgedrungen veranlasst, gute Miene zu diesem Spiel zu machen. Sie k&#246;nnen ihren geringen Verdienst ein wenig aufbessern, auch durch die Teilnahme an Ausstellungen und Kulturprogrammen, wo sie in Nationaltracht ihre uralten T&#228;nze auff&#252;hren. Zum Protest k&#246;nnen sie solche Auftritte allerdings nicht nutzen; das haben die Olympia-Organisatoren durch entsprechende Vertr&#228;ge verhindert. Deshalb lehnen viele Indianer das Spektakel ab, von dem einiges auch bei der Er&#246;ffnungsfeier der Spiele zu sehen war. »Das ist wie im Zirkus«, sagen sie. »Man zieht uns sch&#246;ne Kleider an und l&#228;sst uns auf der B&#252;hne tanzen.« Sie wollen sich nicht dadurch abfinden lassen, dass sie den <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0211/horizonte/0005/index.html" target="_blank">folkloristischen Rahmen f&#252;r Olympia </a>liefern.</p>
<p>Denn wohl nicht zu Unrecht f&#252;rchten sie, dass selbst die wenigen, die jetzt von den olympischen Spielen profitieren konnten, nach Erl&#246;schen der Flamme das alte Elend wieder einholt. Im Reservat der Lil&#8217;wat am Mount Currie sind zwei von drei Indianern arbeitslos und fristen ein erb&#228;rmliches Dasein zwischen Hunger, Alkohol und Verzweiflung. Von hier hat sich noch kaum einer der Ureinwohner-Nachfahren ins nur 40 Kilometer entfernte Whistler gefunden. Und deshalb interessiert sie Olympia auch nicht. Sie wissen aus Erfahrung, dass auch f&#252;r sie das Gleiche wie f&#252;rs die olympische Feuer gilt: Wenn die Flamme verlischt, bleibt die Asche zur&#252;ck.</p>
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		<title>Der olympische Geist als mediales Gespenst</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 15:18:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eigentlich sollten Olympische Spiele zu Anfang dieses Jahrhunderts in Deutschland stattfinden – in Berlin 2000 oder in Leipzig 2012. Das ist inzwischen ziemlich in Vergessenheit geraten – zu Recht und zum Gl&#252;ck. Denn sonst h&#228;tten wir in den weltweiten Medien m&#246;glicherweise Schreckliches &#252;ber uns lesen k&#246;nnen. Zum Beispiel: »Das Land der Kindesm&#246;rder. Immer wieder lassen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich sollten Olympische Spiele zu Anfang dieses Jahrhunderts in Deutschland stattfinden – in Berlin 2000 oder in Leipzig 2012. Das ist inzwischen ziemlich in Vergessenheit geraten – zu Recht und zum Gl&#252;ck. Denn sonst h&#228;tten wir in den weltweiten Medien m&#246;glicherweise Schreckliches &#252;ber uns lesen k&#246;nnen. <span id="more-390"></span>Zum Beispiel: »Das Land der Kindesm&#246;rder. Immer wieder lassen grausame Deutsche ihre Kinder verhungern und verdursten«. Oder: »Die Plage der Kindersch&#228;nder. Deutsche Justiz &#252;bt Nachsicht gegen&#252;ber sexuellen Unholden«. Aber auch: »Kohlendioxid vergiftet deutsche St&#228;dte. Autoindustrie verhindert aus Gewinnstreben Gesundheitsschutz«. Schlie&#223;lich: »Totale &#220;berwachung mit deutscher Gr&#252;ndlichkeit. Sicherheitsdienste dringen heimlich in Computer unbescholtener B&#252;rger ein«. Manches klingt vielleicht ein wenig &#252;bertrieben, aber hat es nicht s&#228;mtlich einen wahren Kern? Und ist der Rest nicht Meinungsfreiheit, die sich doch keiner nehmen lassen soll?</p>
<p>So jedenfalls wird gegenw&#228;rtig gegen&#252;ber China argumentiert, das nun die Spiele tats&#228;chlich ausrichtet. Und damit auch eine derartige Berichterstattung ertragen muss, bei der manches ein wenig &#252;bertrieben klingt, aber doch wohl einen wahren Kern hat. Und daraus werden dann dieser Tage solche Schlagzeilen – alle aus den Programmen unserer Fernsehsender entnommen: »Chinas gestohlene Kinder. Rund 70000 Kinder werden in China j&#228;hrlich verkauft«. Oder: »Drill, Kader und Gesang. Chinas Kinder« Oder: Das chinesische M&#228;dchen und die M&#228;nner. Junge M&#228;dchen werden entf&#252;hrt und an solvente Singles verkauft«. Oder: »Chinas Autowahn. F&#252;r die automobile Revolution zahlen die Chinesen einen hohen Preis«. Oder: Chinas K&#228;mpfer f&#252;r die Wahrheit. Auch im Reich der Mitte gibt es Journalisten, die &#252;ber Korruption, Umweltzerst&#246;rung und Menschenrechtsverletzungen berichten«. Die gedruckten Medien schlagen den gleichen Ton an; &#228;hnlich tendenzi&#246;se &#220;berschriften lassen sich derzeit zuhauf finden. Es gibt nat&#252;rlich auch anderes, doch das bleibt deutlich in der Minderheit. In unseren Medien wird der olympische Geist, um dessen Aufleben sich die Chinesen durchaus aufopferungsvoll bem&#252;hen, zum h&#228;sslichen Gespenst, und ihr Land zu einer Gruselzone, deren Zust&#228;nde dem rechtschaffenen B&#252;rger Schauder &#252;ber den R&#252;cken laufen lassen sollen.</p>
<p>H&#228;tten die Weltmedien wie eingangs beschrieben &#252;ber ein denkbares Olympialand Deutschland berichtet, w&#228;re es hier zu Recht zu einem Sturm der Emp&#246;rung gekommen, obwohl es die genannten Erscheinungen nat&#252;rlich durchaus gibt. Wie auch die chinesische Wirklichkeit nicht nur von Harmonie und Sonnenschein gepr&#228;gt ist, so gern das die Verantwortlichen auch behaupten – was sie kaum von Amtspersonen hierzulande unterscheiden d&#252;rfte. Doch das chinesische Unverst&#228;ndnis, Proteste gar sind a priori Besch&#246;nigung der Wirklichkeit oder auch Verletzung der Meinungsfreiheit, wenn nicht gleich die Fratze eines totalit&#228;ren Staates.</p>
<p>Dabei ist es selbstverst&#228;ndlich l&#228;cherlich, wie empfindlich das offizielle China auf manche westliche Arroganz reagiert, wodurch diese beinahe noch geadelt wird. Es ist die dem einstigen DDR-B&#252;rger durchaus gel&#228;ufige Denkweise, dass nicht sein darf, was nicht sein kann, die da noch immer grassiert. Wenn ein sich kommunistisch nennendes Land, das seinen wirtschaftlichen Aufstieg vor allem kapitalistischen Methoden, darunter solchen der vulg&#228;rsten Art, verdankt, die Olympischen Spiele ausrichtet, dann hat das immer und durchg&#228;ngig eine totale Erfolgsgeschichte zu sein; jeder weggeworfene Pappbecher tr&#252;bt dann das erstrebte Bild absoluter Harmonie zwischen Staat, Bev&#246;lkerung und internationalem Publikum, und einige Plakate oder Passanten&#228;u&#223;erungen gegen die Regierungspolitik werden zum Super-GAU. Da ist es dann auch leicht, diese mimosenhafte Staatsmacht zu provozieren; ein scheeler Blick gen&#252;gt mitunter schon, um eine Kompanie Sicherheitspersonal in Marsch zu setzen. Nicht wirklicher Aufruhr, sondern die &#252;berinterpretierte Abweichung vom Verlangten wird zur sich selbst erf&#252;llenden Prophezeiung der Katastrophe.</p>
<p>All diese w&#228;re ohne Zweifel hochinteressanter Stoff f&#252;r psychologische Seminare zur Herrschaftsaus&#252;bung; es eignet sich aber zugleich f&#252;r die politische Brunnenvergiftung – indem man zum Beispiel den Nichtempfang einer Internetseite der tibetischen Exilregierung zu einer Art Kriegserkl&#228;rung an jegliche Olympiaberichterstattung hochstilisiert. Hier begibt sich der Kritiker flugs ins Fahrwasser der Kritisierten, indem er &#228;hnlich &#252;berzogen reagiert. Den Vogel dabei hat wohl der Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, Peter Danckert (SPD), abgeschossen, der verlangte, China – und nat&#252;rlich Milliarden Sportanh&#228;nger auf der ganzen Welt – dadurch zu bestrafen, dass die Er&#246;ffnungsfeier nicht im Fernsehen &#252;bertragen wird; er verlangte also die Bek&#228;mpfung einer »kleinen« chinesischen Zensur durch eine totale, weltweite Zensur. Ihn selbst freilich hindert das »unertr&#228;gliche« Verhalten der Chinesen nicht daran, an der Spitze einer Bundestagsdelegation nach Peking zu reisen.<br />br><br />
Es sind nicht nur solche Glaubw&#252;rdigkeitsdefizite, die die gegenw&#228;rtige Kampagne gegen China als pure Heuchelei entlarven, die man sp&#228;testens dann vergessen hat, wenn die n&#228;chste Wirtschaftsdelegation – und dann vielleicht gar mit der jetzt urlaubenden Angela Merkel an der Spitze – ins Land der Mitte reist. Woher eigentlich nimmt der Westen, nimmt EU-Europa das Recht, China wegen seiner Entwicklung Vorhaltungen zu machen und so genannte gute Ratschl&#228;ge zu erteilen? Von Europa gingen immerhin zwei Weltkriege mit Millionen Toten aus, und auch heute spielt der Kontinent in der Welt eine sehr zwiesp&#228;ltige Rolle, die weniger auf Frieden und Ausgleich als auf die Erringung neuer Machtpositionen ausgerichtet ist. Auch die USA, deren Pr&#228;sident gerade wieder Mahnungen an China gerichtet hat, haben die sie ihrer Geschichte wegen vielleicht daf&#252;r pr&#228;destinierende Rolle, anderen V&#246;lkern bei der Nationenbildung als Vorbild zu dienen, l&#228;ngst verspielt, indem sie nur noch ihre eigenen Interessen im Blick haben und diese zudem als ein Weltgendarm durchzusetzen versuchen.</p>
<p>Die Unglaubw&#252;rdigkeit und gleichzeitige Heftigkeit der gegenw&#228;rtigen Angriffe gegen China legen – wie auch bei vergleichbaren Vorg&#228;ngen im t&#228;glichen Leben – die Vermutung nahe, dass es weniger um das geht, was da plakativ an der Oberfl&#228;che verhandelt wird, sondern um dahinter, tiefer Liegendes, das man jedoch sorgsam verbergen m&#246;chte. Dies aber ist wohl die alte Urangst , die seit je das Verh&#228;ltnis des »Abendlandes« zum fern&#246;stlichen Riesenreich bestimmt, einem Reich, das schon eine entwickelte Kultur vorweisen konnte, als Europa gerade die Steinzeit hinter sich gebracht hatte – von den weltgeschichtlich noch heute in der Pubert&#228;t befindlichen Vereinigten Staaten ganz zu schweigen. Jahrzehntelang von den westlichen M&#228;chten beherrscht und unterdr&#252;ckt, zu denen freilich auch Russland geh&#246;rte (mit dem es prompt auch zuerst zu Konflikten kam), befindet sich China seit einigen Jahren in einem rasanten Aufschwung. »Schon jetzt ist China die viertgr&#246;&#223;te Wirtschaftsmacht, sein politischer Einfluss steigt stetig, es besitzt die gr&#246;&#223;ten Devisenreserven der Welt. Sp&#228;testens im Jahr 2040 d&#252;rfte China zur Nummer eins der Weltwirtschaft aufsteigen und an den Vereinigten Staaten vorbeiziehen, wahrscheinlich fr&#252;her. In der Rangliste der Exportnationen liegt das Land auf Platz zwei. Bald wird es Deutschland als Exportweltmeister &#252;berholen, im Sport ist es den Deutschen schon uneinholbar enteilt«, fasste k&#252;rzlich die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« die Gefahr zusammen, die sie der westlichen Dominanz drohen sieht. Und nun erschreckt davor zittert, dass eine Weltmacht China &#228;hnlich dominant gegen&#252;ber dem Westen auftreten k&#246;nnte, wie dieser es bisher bez&#252;glich der anderen Himmelsrichtungen tat.</p>
<p>Die Furcht sei den arroganten Weltbherrschern der Vergangenheit geg&#246;nnt. Uns aber sollten wir Olympische Spiele g&#246;nnen, in denen vor allem der Sport zu Wort und Bild kommt und sich selbst ein Fest bereitet, das glanzvoll zu werden verspricht. Dies wird zwar die noch vorhandenen Defizite in China nicht vergessen machen, ihnen aber den angemessenen Platz zuweisen – als Herausforderungen f&#252;r die Zukunft, f&#252;r die bereits das Fundament gelegt ist, auf dem sich weiterbauen l&#228;sst. Mancher, der sich den Chinesen derzeit so sehr &#252;berlegen d&#252;nkt, sollte einen Blick in die von Grausamkeiten und permanenten Menschenrechtsverletzungen gepr&#228;gte Geschichte Europas werfen und daran denken, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut worden ist. Peking ist auf dem Weg und schon weiter, als uns derzeit die Medien suggerieren wollen.</p>
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		<title>Warum f&#228;hrt Ministerin Schavan ins schurkische China?</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Apr 2008 14:41:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man reibt sich vor &#220;berraschung die Augen: W&#228;hrend landauf, landab ganz ernsthaft dar&#252;ber diskutiert wird, ob Sportler zu den Olympischen Spielen nach Peking reisen d&#252;rfen, machte sich Bundesforschungsministerin Annette Schavan heimlich, still und leise ohne vorherige &#246;ffentliche Er&#246;rterung auf die Reise dorthin. Selbst der Bildzeitung bereitete das Bauchschmerzen; sie holte von der Merkel-Vertrauen schnell noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Man reibt sich vor &#220;berraschung die Augen: W&#228;hrend landauf, landab ganz ernsthaft dar&#252;ber diskutiert wird, ob Sportler zu den Olympischen Spielen nach Peking reisen d&#252;rfen, machte sich Bundesforschungsministerin Annette Schavan heimlich, still und leise ohne vorherige &#246;ffentliche Er&#246;rterung auf die Reise dorthin. <span id="more-354"></span>Selbst der <a target="_blank" href="http://www.bild.de/BILD/news/politik/2008/04/13/regierung-warnt-china/vor-unterdrueckung-der-tibeter,geo=4255578.html">Bildzeitung</a> bereitete das Bauchschmerzen; sie holte von der Merkel-Vertrauen schnell noch ein paar scharfe Worte ein, die ihren unzeitgem&#228;&#223;en Trip offensichtlich rechtfertigen sollen.</p>
<p>Dennoch zeigt der Vorgang das ganze Ausma&#223; von Heuchelei, das Politiker und die meisten Medien in der Tibet-Problematik gegenw&#228;rtig umtreibt. W&#228;hrend sorgsam im Dunkeln gelassen wird, was in Tibet tats&#228;chlich vor sich geht, wie dort die sozialen Verh&#228;ltnisse sind, wovon die Menschen wie leben, welche Rolle die zahlreichen M&#246;nche – wie viele sind es eigentlich, was ist ihre Funktion, wovon ern&#228;hren sie sich? – spielen, was die einfachen Tibeter von ihrer Religion halten, was sie ihnen bringt, was sie von ihnen fordert – w&#228;hrend man &#252;ber all das also kaum etwas lesen, h&#246;ren oder sehen kann und auch nichts Konkretes &#252;ber die Vorstellungen der Tibeter zur Modernisierung und Entwicklung ihrer Region und worin diesbez&#252;glich die Differenzen mit den Chinesen bestehen, ist ihr Feind, der rote Drache, bis ins letzte Detail erkannt und wird in den schrecklichsten Farben beschrieben.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist es nicht unglaubw&#252;rdig, dass die chinesische F&#252;hrung wenig sensibel, sondern mit brutaler Gewalt gegen kritische Regungen in ihrem Land vorgeht; daf&#252;r hat es Beispiele gegeben, und wer selbst einmal im »sozialistischen Lager« gelebt hat, kennt die Methoden einer autorit&#228;ren F&#252;hrung im Umgang mit oppositionellen Geistern oder gar Massenbewegungen. Er wei&#223; aber auch, dass durch Druck und ultimative Forderungen bei einer solchen Regierung nichts zu erreichen ist. Es ist – noch eine &#220;berraschung – ausgerechnet <a target="_blank" href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Fragen-des-Tages-Tibet-Dalai-Lama-Olympia;art693,2512551">George W. Bush</a>, der sich sonst keine Gelegenheit entgehen l&#228;sst, einen »Schurkenstaat« vorzuf&#252;hren, der vorsichtig agiert. Er jedenfalls will sich einen Boykott der Olympischen Spiele nicht vorschreiben lassen (obwohl es auf ihn pers&#246;nlich dort wohl am wenigsten ankommt) und er verlangt ihn auch nicht von seinen Sportlern, was hiesige Politiker teilweise ganz anders sehen.</p>
<p>Aber vielleicht hat man hierzulande viel mehr und schlimmere Informationen &#252;ber Tibet als in den USA; dann jedoch w&#228;re es angezeigt, Konsequenz zu beweisen und eben nicht selbst nach China zu fahren, w&#228;hrend man dies anderen im gleichen Atemzug zu verbieten nicht ausschlie&#223;t. Oder wird Frau Schavan im »Free-Tibet-T-Shirt« vor ihre chinesischen Gastgeber treten, wenigstens ein passendes Armband am Handgelenk tragen? Die Frage zeigt bereits die ganze L&#228;cherlichkeit der Debatte, denn nat&#252;rlich wird die Ministerin die diplomatischen Regeln einhalten und die Chinesen nicht provozieren. Die <a target="_blank" href="http://www.morgenweb.de/region/heppenheim/20080414_srv0000002413921.html">olympischen Regeln </a>jedoch werden schnell zur Disposition gestellt – von jenen, die darunter garantiert nicht zu leiden haben, aber heftig alle kritisieren, die ihnen nicht sofort lauthals Beifall zollen.</p>
<p>Wie zum Beispiel die <a href="http://www.handelsblatt.com/News/Politik/Deutschland/_pv/_p/200050/_t/ft/_b/1417188/default.aspx/wirtschaft-besorgt-ueber-kritische-china-debatte.html">deutsche Wirtschaft</a>, die mit 3000 (!) Firmen in China vertreten ist, die allein 2007 dort 1,5 Milliarden Euro investierten und zugleich 54 Milliarden Euro an Exporterl&#246;sen erwirtschafteten. Auch sie wird sich ein solches Gesch&#228;ft nicht entgehen lassen – schon gar nicht auf der Basis der sehr vagen und unvollst&#228;ndigen Berichte aus Tibet, die – wenn sie sich doch einmal aus dem »politisch korrekten« Mainstream l&#246;sen – ein weit <a target="_blank" href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/127116.html">weniger eindeutigeres Bild </a>zeichnen. Dennoch fordern jetzt Politiker, die sich sonst ihrer Realit&#228;tssicht r&#252;hmen, auch hier Korrekturen; dem k&#246;nnte man ja folgen, wenn die gleichen Politiker dann nicht morgen Krokodilstr&#228;nen &#252;ber die so verspielten Arbeitspl&#228;tze verg&#246;ssen.</p>
<p>Somit entpuppt sich das Tibet-Spektakel, wie es Regierung und viele Medien vorf&#252;hren, als ein propagandistisches Schauspiel, bei dem es weder um die die Menschen in Tibet und deren Belange geht noch um tats&#228;chliche Fortschritte f&#252;r eine Demokratisierung in China. Vielmehr soll damit aus innen- und mehr noch sogar parteipolitischen Gr&#252;nden eine verfehlte, weil allein symbolhafte Menschenrechtspolitik demonstriert werden, und eine Bundeskanzlerin will zugleich ihren unbedachten, den Beziehung zu China abtr&#228;glichen Umgang mit dem Dalai Lama rechtfertigen.</p>
<p></font></p>
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