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	<title>blogsgesang.de &#187; Regierung</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Merkel managt den Bedeutungsschwund der Politik</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 13:43:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Politik ist es wie im wirklichen Leben. Da kann es – im Unternehmen, der Beh&#246;rde, dem wissenschaftlichen Institut – noch so kluge Geister geben, kreative Denker, innovative Macher; das Sagen aber haben am Ende sie alle nicht, sondern nur der, der &#252;ber das n&#246;tige Geld verf&#252;gt. Er – oder sie – bestimmt, was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Politik ist es wie im wirklichen Leben. Da kann es – im Unternehmen, der Beh&#246;rde, dem wissenschaftlichen Institut – noch so kluge Geister geben, kreative Denker, innovative Macher; das Sagen aber haben am Ende sie alle nicht, sondern nur der, der &#252;ber das n&#246;tige Geld verf&#252;gt. <span id="more-1810"></span>Er – oder sie – bestimmt, was gemacht wird, und er – oder sie – st&#252;tzt sich dabei auf jene Leute, die diesen Willen am effizientesten umsetzen k&#246;nnen – im Zweifel ohne jede R&#252;cksichtnahme auf Leute, die der Geldgeber in seiner Wirkung f&#252;r marginal und deshalb f&#252;r irrelevant h&#228;lt.</p>
<p>Im Denken des Kapitalisten, wie wir zu Recht den kollektiven Geldgeber unserer Zeit nennen k&#246;nnen, hat Politik stets nur eine dienende Funktion. Sie war vor allem in Zeiten willkommen, als es weltweit eine politische Alternative gab; da hatte sie die Aufgabe, diese Alternative zu b&#228;ndigen und ihre Wirkung auf das kapitalistische Wirtschaften m&#246;glichst klein zu halten. Dieser Auftrag an die Politik ist derzeit weggefallen, und auch ihre innere Funktion, die Bev&#246;lkerung im Sinne kapitalistischen Denkens zu formieren, hat dadurch an Bedeutung verloren.</p>
<p>Inzwischen hat die Wirtschaft mit ihren riesigen und weit verzweigten Lobbyverb&#228;nden sowohl diese propagandistische Ausrichtung als auch – und vor allem – einen Kernbereich der Regierungst&#228;tigkeit, die Gesetzgebung, schon weitgehend &#252;bernommen. Sogar exekutive Aufgaben zieht sie immer weiter auf sich – wenn man an die zahllosen Wach- und Sicherheitsdienste im Innern und Privatarmeen im Ausland denkt. Politik reduziert sich so immer mehr aufs Verwalten, auf b&#252;rokratische Vollzugsvorg&#228;nge dessen, worauf die Politik inhaltlich kaum noch Einfluss hat. Und auch da nur auf eher Nebens&#228;chliches, w&#228;hrend die Wirtschaft die entscheidenden Abl&#228;ufe unter ihrer Kontrolle h&#228;lt.</p>
<p>Vor solchem Hintergrund ist logisch, dass vor allem Politiker, die sich – wie immer man sich zu ihnen inhaltlich stellen mag – <a href="http://www.taz.de/1/debatte/sonntazstreit/artikel/1/zwei-oder-drei-legislaturperioden-reichen/" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/003402d8c4554ab481a190d3b4888a9f" alt="" width="1" height="1" />nicht auf solches Verwalten reduzieren lassen</a>, sondern tats&#228;chlich noch gestalten wollen, zunehmend desillusioniert sind und sich andere Bet&#228;tigungsfelder suchen. Einige von ihnen mussten zwar erst durch die W&#228;hler unsanft auf ihre Wirkungslosigkeit hingewiesen werden und gingen nur z&#246;gernd. Dazu geh&#246;rten nicht allein die jetzt genannten J&#252;rgen R&#252;ttgers oder Dieter Althaus, sondern zuvor schon ein Gerhard Schr&#246;der, ein Joschka Fischer und ein Franz M&#252;ntefering. Andere, die kl&#252;geren zumeist, zogen selbst die Konsequenz, wie jetzt Roland Koch und Ole von Beust, auf andere Art auch Christian Wulff demonstrierten. Und vor allem Horst K&#246;hler, der auch jene Ebene kennt, wo die wirklichen Entscheidungen fallen – und sich pl&#246;tzlich auf der falschen Seite sah. Sie alle folgten damit &#252;brigens einem Oskar Lafontaine, der bereits vor mehr als zehn Jahren die Au&#223;ensteuerung der Politik erkannte, aber auch einem Gregor Gysi, der es ihm kurzzeitig – frustriert von seinem Senatsamt – gleichtat.</p>
<p>Dass es derzeit eine H&#228;ufung solcher erzwungenen wie freiwilliger R&#252;cktritte gibt, ist teils vielleicht Zufall; noch mehr aber verweist es vor dem Hintergrund der Vorg&#228;nge auf den Finanzm&#228;rkten und ihren n&#246;tigenden Auswirkungen auf die Politik auf deren eklatanten Bedeutungsschwund fast hinunter auf Null. ,</p>
<p>Es macht vielleicht die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/angela-merkel-im-sommer-2010-mutti-braucht-gar-keinen-urlaub-1585845.html" target="_blank">St&#228;rke von Angela Merkel </a>aus, dass sie – ganz anders beispielsweise als die sich in allerlei Spekulationen ergehenden Medien – diesen Sachverhalt offensichtlich begriffen hat. Sie wei&#223; wohl mit ihrer Pr&#228;gung durch die Naturwissenschaft l&#228;ngst, welches die Triebkr&#228;fte der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft sind und wie wenig sie als Politikerin darauf wirklich Einfluss nehmen kann. Ihrem <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/12/19/angela-merkel-die-minimalsekretaerin/" target="_blank">Naturell</a>, das ohnehin langfristigen Konzepten oder gar Visionen wenig abgewinnen kann, kommt das entgegen. Sie sieht ihre Daseinsberechtigung allein darin, den objektiven Bedeutungsschwund der Politik einigerma&#223;en zu managen, den Laden, wie sie gern sagt, zusammen zu halten.</p>
<p>Darin unterscheidet sie sich auch von Guido Westerwelle, der noch glaubt, Politik gestalten zu k&#246;nnen und damit gerade grandios scheitert. In diesem ma&#223;losen Anspruch des FDP-Vorsitzenden zeigt sich auch seine Beschr&#228;nktheit – ist es doch seine Partei, die mit ihrem politischen Credo, den Staat zu entmachten und ihm dazu als erstes die Finanzmittel zu entziehen, besonders intensiv auf den Bedeutungsschwund der Politik hinarbeitet.</p>
<p>Was die Kanzlerin betrifft, kann man ihr unter den obwaltenden Verh&#228;ltnissen durchaus noch eine Zukunft voraussagen. Das Managen politischen Bedeutungsschwundes bedarf keiner weltanschaulich ausgerichteten Parteien mehr – weshalb diese auch in einer tiefen Krise stecken. Es bedarf lediglich eines geschickten Managers – oder einer Managerin, der/die richtigen, weil geistesverwandten Personen um sich sammelt. Deren politische Meinung ist sekund&#228;r, und so sollten sie selbst sie auch behandeln. Angela Merkel hat so mit der SPD vier Jahre regiert. Sie bringt dergestalt gerade FDP und CSU auf Linie und k&#252;mmert sich kaum um die Befindlichkeiten der eigenen Partei. Sie wird vielleicht geeignete Partner bei den Gr&#252;nen oder anderswo finden. F&#252;r das, was Politik derzeit noch bewegen kann, reichen derlei kleine Br&#246;tchen allemal.</p>
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		<title>Das Bundesverfassungsgericht – Stabilisator staatlicher Macht</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 16:23:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zweimal innerhalb weniger Wochen hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Entscheidungen getroffen, die allgemein als Ohrfeigen f&#252;r Parlament wie die inzwischen dahin gegangene schwarz-rote Koalition interpretiert wurden. Bei n&#228;herem Hinsehen jedoch fanden sich in beiden F&#228;llen auch Aussagen im Karlsruher Urteil, die von Regierenden wie bedenkenlosen Parlamentariern – nicht zu Unrecht – als Ermutigung aufgefasst wurden, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zweimal innerhalb weniger Wochen hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Entscheidungen getroffen, die allgemein als Ohrfeigen f&#252;r Parlament wie die inzwischen dahin gegangene schwarz-rote Koalition interpretiert wurden. Bei n&#228;herem Hinsehen jedoch fanden sich in beiden F&#228;llen auch Aussagen im Karlsruher Urteil, die von Regierenden wie bedenkenlosen Parlamentariern – nicht zu Unrecht – als Ermutigung aufgefasst wurden, <span id="more-1523"></span><a href="http://www.blogsgesang.de/2010/02/10/wie-das-bundesverfassungsgericht-mit-dem-hartz-iv-urteil-das-system-zu-stabilisieren-versucht/" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/e9fcc6ec4d5048108ec4e011e6b4a115" alt="" width="1" height="1" />das Misslungene nicht etwa g&#228;nzlich aufzugeben, sondern »besser« zu machen</a>. Oder wie es Bundesinnenminister de Maizière nach dem j&#252;ngsten Spruch zur Datenspeicherung ausdr&#252;ckte: »So wie bisher geht es nicht. Aber anders geht es – und &#8230; anders muss auch gehen.«</p>
<p>Diese Janusk&#246;pfigkeit Karlsruhes, einerseits die allzu forsche Abkehr vom Grundgesetz zu r&#252;gen und auch zu korrigieren, andererseits aber die <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0303/meinung/0009/index.html" target="_blank">Verfassung vorsichtig durchaus weg von einigen ihrer Ursprungsgedanken zu relativieren</a> und anderes Verfassungsrecht zu schreiben, ist ein durchg&#228;ngiger Zug vieler Entscheidungen der Verfassungsrichter. Sie selbst bezeichnen dies als »Pragmatismus« und halten solches Vorgehen f&#252;r legitim. Bereits vor 16 Jahren brachte dies der damalige Direktor des Bundesverfassungsgerichtes, <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/zierlein.html" target="_blank">Karl-Georg Zierlein</a>, unmissverst&#228;ndlich zum Ausdruck. Deshalb mag es erhellend sein, die aus dem April 1994 stammende – und bis heute eher noch unterf&#252;tterte – Position des Bundesverfassungsgerichts zum Verh&#228;ltnis von Grundgesetz und »Zeitgeist« noch einmal zu dokumentieren.</p>
<blockquote>
<h2>Richter zwischen Gesetz und Gebot</h2>
<h3>Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ist ein Scharnier f&#252;r Funktionieren der Staatsmaschinerie</h3>
<p><strong>Seit gestern verhandelt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe &#252;ber Auslandseins&#228;tze der Bundeswehr – sowohl &#252;ber die Beteiligung der Bundesmarine an der &#220;berwachung des UNO-Embargos gegen Rest-Jugoslawien als auch &#252;ber die Teilnahme deutscher Soldaten an AWACS-Aufkl&#228;rungsfl&#252;gen &#252;ber Bosnien-Herzegowina und schlie&#223;lich &#252;ber die Rechtm&#228;&#223;igkeit des inzwischen abgeschlossenen Somalia-Einsatzes der Bundeswehr. In allen drei F&#228;llen geht es um eminent politische Fragen, nicht gerade das t&#228;gliche Brot juristischer Koryph&#228;en. Doch die Karlsruher Richter – erstmals unter Leitung ihrer neuen Vizepr&#228;sidenten Jutta Limbach tagend – sind solche Auftr&#228;ge gew&#246;hnt, denn immer wieder wird ihnen zugemutet, &#252;ber politische Sachverhalte zu entscheiden – vordergr&#252;ndig deren Verfassungsm&#228;&#223;igkeit, jedoch realiter auch ihre politische Zweckm&#228;&#223;igkeit. Derzeit geschieht das so oft, dass der Eindruck entsteht, die Politiker machten ihre Hausaufgaben nicht mehr, sondern lie&#223;en sie in der Abgeschiedenheit eines badischen Provinzst&#228;dtchens von einem Gremium erledigen, zu dessen Selbstverst&#228;ndnis und fachlicher wie demokratischer Legitimation es viele Fragen gibt. PETER RICHTER suchte an Ort und Stelle nach Antworten.</strong></p>
<p>Der Direktor beim Bundesverfassungsgericht, Dr. Karl-Georg Zierlein, bezweifelt, dass die hochpolitischen Anfragen an das Gericht in j&#252;ngerer Zeit tats&#228;chlich nennenswert zunahmen. Es sei von Anfang an so gewesen, dass die unterlegene Seite im Parlament, die Opposition, von ihrer M&#246;glichkeit, nach Abschluss des parlamentarischen Prozesses die Frage der Geltung eines neuen Gesetzes noch einmal aufzuwerfen, Gebrauch gemacht hat. »Und das war und ist gewollt, in der Verfassung so angelegt.«</p>
<h4>Kontrollorgan gegen Mehrheitsmissbrauch</h4>
<p>Der aus Bayern stammende Jurist nennt einen interessanten Aspekt f&#252;r die Notwendigkeit einer solchen Berufungsinstanz, wenn er den Verlust parlamentarischer Kontrollm&#246;glichkeiten beklagt: »Indem sich die politischen Mehrheiten des Parlaments in der Regierung widerspiegeln, hat der Kanzler mit dieser einen starken Partner gerade in dem Organ, das eigentlich die Regierung kontrollieren soll.« Die Mehrheit setze sich am Ende in aller Regel durch – trotz tagelanger Debatten und aller Einw&#252;rfe der Opposition. F&#252;r diese bleibe »nur das politische Poltern und das Bem&#252;hen, selbst einmal an die Macht zu kommen – um es dann ebenso zu machen«. Nicht auszuschlie&#223;en sei dabei – und Zierlein erinnert an die historischen Erfahrungen gerade in Deutschland –, »dass das gesetzgeberische Ergebnis des Parlaments in Teilbereichen objektiv gesehen Normen der Verfassung widersprechen kann«. Und gerade das mache es so wichtig, »auch das Parlament einer nochmaligen Kontrolle zu unterziehen, freilich beschr&#228;nkt auf die Frage, ob der von ihm gewollte und in eine Gesetzesform umgesetzte politische Wille der Verfassung entspricht«.</p>
<p>Diese Argumente werden h&#228;ufig auch als Gr&#252;ndungsmotive f&#252;r das 1951 geschaffene Bundesverfassungsgericht genannt. Es war als ein Organ f&#252;r mehr Demokratie gedacht, schon sein &#228;u&#223;eres Bild sollte dies demonstrieren. Wohl jeder kennt aus dem Fernsehen jenen so schlichten wie gediegenen holzget&#228;felten Saal, in dem die Entscheidungen verk&#252;ndet werden. Ihn zieren lediglich eine der verblichenen Bundesfahnen, die 1832 auf dem Hambacher Fest – heute als symbolische Stunde f&#252;r deutschen Einheitswillen und die Forderung nach Volkssouver&#228;nit&#228;t nur noch schwach in Erinnerung – mitgef&#252;hrt wurden, und eine schwere Holzplastik des Bundesadlers. Die beiden Senate mit jeweils acht Mitgliedern agieren in roten Roben – selbstverst&#228;ndlich keine politische Farbenwahl, sondern eher nostalgische Erinnerung an die Bl&#252;tezeit eines republikanischen Florenz.</p>
<h4>Paragraphen und Pragmatismus</h4>
<p>Die Kontrollfunktion der Karlsruher Beh&#246;rde will ihr Direktor – verantwortlich f&#252;r den reibungslosen Ablauf der geistigen wie praktischen Arbeitsprozesse – nicht eingeschr&#228;nkt sehen, schon gar nicht durch Kritik an der Bewertung politischer Entscheidungen in Bonn. »Ich w&#252;rde es sogar f&#252;r bedenklich halten«, so Zierlein, »wenn aus Scham, aus Furcht, aus politischen Gr&#252;nden der Weg nach Karlsruhe nicht mehr gesucht w&#252;rde. Wenn also die Regierung sagte: Wir fahren eine harte Linie und setzen unsere Mehrheit konsequent ein. Und wenn die Opposition sich dann scheute, das Verfassungsgericht anzurufen.« Das Spannungsverh&#228;ltnis zwischen Parlament und Regierung einerseits und einem unabh&#228;ngigen Gericht, das erstgenannte daraufhin &#252;berpr&#252;ft, ob sie immer im Sinne des Grundgesetzes arbeiten, h&#228;lt er f&#252;r unverzichtbar.</p>
<p>Aber zugleich hebt er abwehrend die H&#228;nde, wenn das Bundesverfassungsgericht als eine Art Nebenregierung oder &#252;berparlamentarische Kammer definiert wird. Nein, es mache sich nicht zum Oberlehrer der Nation, zum Superparlament. Die nachtr&#228;gliche Kontrolle sei keine politische Einflussnahme – »etwa in dem Sinne, dass das Gericht politische Intentionen zu &#252;berpr&#252;fen und gegebenenfalls zu korrigieren h&#228;tte«. F&#252;r die. Verfassungsrichter k&#246;nne nicht ma&#223;geblich sein, ob sie das politische Ergebnis f&#252;r optimal hielten, ob es m&#246;glicherweise ein anderes, besseres politisches Konzept gebe. Entscheidend sei allein, dass das von der Politik gefundene Ergebnis auf dem Pr&#252;fstand der Verfassung besteht.</p>
<p>Allerdings kann auch Dr. Zierlein nicht leugnen, dass es F&#228;lle gibt, in denen Karlsruhe durchaus politische Erw&#228;gungen neben seinen Paragraphen ins Kalk&#252;l zieht – vorgeblich aus Pragmatismus, doch dieser kommt nun einmal in der Regel zumeist den jeweils Regierenden zugute. Die Entscheidung &#252;ber »out of area«-Eins&#228;tze, mit den Anh&#246;rungen dieser Woche eingeleitet, wird nat&#252;rlich ber&#252;cksichtigen, was die Regierung als »Ansehen Deutschlands in der Welt« definiert. Zierlein r&#228;umt denn auch ein: »Zuerst ist das Gericht stets bem&#252;ht, als alleinigen Pr&#252;fungsma&#223;stab die Normen der Verfassung heranzuziehen. Aber ebenso muss es auch die Auswirkungen einer Entscheidung bedenken, ohne sich dadurch jedoch zum Steigb&#252;gelhalter der Politik zu machen.«</p>
<h4>Stabilisator von Staat und Recht</h4>
<p>Dies ist f&#252;r das Bundesverfassungsgericht immer wieder eine Gratwanderung zwischen Gesetz und vermeintlich politisch Gebotenem. Zierlein bringt ein anschauliches Beispiel: »Die Nichtigkeitserkl&#228;rung einer Norm im Steuerrecht k&#246;nnte zum Beispiel zum finanziellen Zusammenbruch der Bundesrepublik f&#252;hren. Das muss das Gericht ber&#252;cksichtigen.« Nat&#252;rlich hie&#223;e das nicht, parteipolitische Gr&#252;nde einzubeziehen, wohl aber »allgemein-politische, die auch einmal mit parteipolitischen &#252;bereinstimmen k&#246;nnen«. F&#252;r Zierlein soll das Bundesverfassungsgericht »ein Stabilisator sein, Rechtsfrieden und Rechtssicherfheit gew&#228;hrleisten«.</p>
<p>Wie gesagt, schneidet die Regierung – sie ist in der Vorhand – dabei zumeist besser ab als die Opposition. »Wo f&#252;r das Gericht plausible Erw&#228;gungen des Gesetzgebers erkennbar sind, nimmt es keine Korrektur vor. Denn die faktische rechtliche Gestaltung des Lebens soll in den Gesetzgebungsorganen erfolgen«, sagt der Verfassungsgerichts-Direktor. Wenn die Regierung die Folgen einer bestimmten Ma&#223;nahme bzw. ihrer Verweigerung beschreibe, m&#252;sse dies das Gericht ber&#252;cksichtigen: »Das Gericht kann zu der Meinung kommen, dass das, was sich da entwickelt hat, nicht aufgehalten werden sollte – sofern es verfassungsrechtlich zul&#228;ssig ist. Es wird die Dinge nicht nur juristisch betrachten, sondern auch politisch. Es lebt ja nicht im blutleeren Raum, ist nicht ohne politische Funktionalit&#228;t.«</p>
<h4>„Ja, aber&#8230;« als Kompromiss</h4>
<p>Mancher vermeint, schon im modern-funktionalen Geb&#228;ude des Bundesverfassungsgerichts ein Indiz f&#252;r solche nicht auf das Juristische reduzierte Identit&#228;t zu sehen. Vergleicht man es beispielsweise mit Berlins d&#252;sterem Justizpalast in Moabit, dann hat es tats&#228;chlich etwas Leichtes und Offenes. Der Berliner Architekt Paul Baumgarten hat es in den Zirkel der weitr&#228;umigen Karlsruher Schlossanlage eingeordnet; in der zweiten H&#228;lfte der 60er Jahre entstand hier dieser Komplex aus Glas und hellgrauem Stein, der sich organisch einf&#252;gt, von seiner Offenheit jedoch einiges durch die un&#252;bersehbaren Sperren des Bundesgrenzschutzes verliert, zumal dessen Sp&#228;her auch im angrenzenden Botanischen Garten zwischen den B&#228;umen patrouillieren.</p>
<p>Solcher Widerspruch zwischen idealisiertem Eindruck und profaner Realit&#228;t zeigt sich auch h&#228;ufig in den Urteilen des Bundesverfassungsgerichts. Denn deren Lebensn&#228;he mag angestrebt sein, wird jedoch durch ein 45 Jahre altes Grundgesetz, das nicht einmal im Ergebnis der deutschen Einheit einer Verj&#252;ngungskur unterzogen werden konnte, letztlich stets in Grenzen gehalten. Dr. Zierlein m&#246;chte das Gegenteil gern an den beiden Karlsruher Entscheidungen zum § 218 nachweisen. Alle Parteien h&#228;tten den Schutz des ungeborenen Lebens als Verfassungsgrundsatz betont; der Unterschied l&#228;ge jedoch in seiner Bewertung im Verh&#228;ltnis zum anderen Grundsatz der Freiheit und Selbstbestimmung der Frau. Da h&#228;tten sich von 1975 bis 1993 durchaus &#196;nderungen der Betrachtungsweise ergeben. Dass ein Schwangerschaftsabbruch weiter als strafbar charakterisiert werden m&#252;sse, sei in der Verfassung angelegt, aber ansonsten w&#228;re das Gericht darum bem&#252;ht gewesen, »den Schutz des ungeborenen Lebens noch effektiver mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau in &#220;bereinstimmung zu bringen. Da wurden nur einige zus&#228;tzliche Punkte gesetzt, erfolgte ein gewisses kleines Nachbessern, eine Verbesserung des urspr&#252;nglichen Willens des Gesetzgebers«.</p>
<p>Zierlein, der im Hause als rechte Hand des Pr&#228;sidenten des Bundesverfassungsgerichts gilt, will damit jene »a, aber«-Entscheidungen verteidigen, die so h&#228;ufig in Karlsruhe gef&#228;llt werden: »Ja« zum starren Buchstaben des Grundgesetzes, »aber« mit einer gewissen Ber&#252;cksichtigung der Tatsache, dass seit 1949 das Leben weiterging und einige zus&#228;tzliche Aspekte zu ber&#252;cksichtigen w&#228;ren.</p>
<p>Man kann fast sicher sein, dass manche der in Karlsruhe anstehenden Entscheidungen, so wohl auch zur Behandlung der Spionaget&#228;tigkeit der HVA oder der Rechtm&#228;&#223;igkeit des strafenden Charakters der Rentenberechnung f&#252;r »staatsnahe« Ex-DDR-B&#252;rger, dieser Linie folgen und so etwas wie einen Ausgleich zwischen Verfassungstext und »Zeitgeist« herstellen werden. Nur so k&#246;nnten Rechtssicherheit und zugleich Rechtsfrieden gewahrt werden. Dr. Zierlein sieht solche Praxis seiner Institution dadurch gerechtfertigt, »dass es aufgrund der Beschl&#252;sse des Gerichts noch nie eine Verfassungskrise gab«.</p>
<h4>80 B&#228;nde Urteile mal 400 Seiten</h4>
<p>Die Liste der noch in diesem Jahr geplanten Entscheidungen umfasst 57 Positionen. Die &#228;lteste stammt aus dem Jahre 1985 (!) und betrifft die Verfassungsm&#228;&#223;igkeit des generellen Kirchensteuerabzugs bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes. Insgesamt gingen seit 1951 in Karlsruhe 80 000 Verfassungsbeschwerden ein, t&#228;glich mehr als ein Dutzend. 98 Prozent werden jedoch gar nicht erst zur Verhandlung zugelassen; dennoch sind gegenw&#228;rtig etwa 2 000 F&#228;lle offen. Die Urteile – Dr. Zierlein zeigt stolz auf die Buchreihe – sind in 80 B&#228;nden zu je 400 Seiten gesammelt: geronnene Normative deutschen Verfassungslebens.</p>
<p>Hier findet sich manche Weiterentwicklung des Grundgesetzes, aber eher ungewollt. »Das Bundesverfassungsgericht greift nicht selbst in das Grundgesetz ein. &#220;ber seine Urteile hinaus unterbreitet es keine Vorschl&#228;ge«, so Zierlein. »Allenfalls gehen die Senate mit ihren Entscheidungen bis zur zul&#228;ssigen Grenze dessen, was aus der Verfassung abzuleiten ist. Der Gesetzgeber soll so die M&#246;glichkeit erhalten, auch ohne Verfassungs&#228;nderung Politik zu machen.«</p>
<p>Das Bundesverfassungsgericht geht mit seinen Kompetenzen vorsichtig um. Am wohlsten f&#252;hlt es sich bei der Interpretation des seit langem G&#252;ltigen, des Verfassungstextes. Weitaus zur&#252;ckhaltender agiert es bei der Einflussnahme auf die Gegenwart; hier geht in aller Regel der Blick zum politischen Initiator der Meinungs&#228;u&#223;erung voraus. Zur Zukunft schlie&#223;lich macht es keine Aussage. Sein Gesch&#228;ft ist der Interessenausgleich im konservativen Sinn, und so ist es tats&#228;chlich Stabilisator staatlicher Macht par excellence.</p></blockquote>
<pre>(Erschienen in »Neues Deutschland« vom 20. 04.1994)</pre>
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		<title>Leichtmatrose Westerwelle in schwierigen Wassern</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 23:31:35 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Politiker eher schlichten Gem&#252;ts versuchen ihre konzeptionelle &#214;dnis nicht selten durch besonders forsche Spr&#252;che und voluntaristische Ank&#252;ndigungen zu &#252;berspielen. Das kann man gegenw&#228;rtig sehr anschaulich am deutschen Vizekanzler und FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle beobachten. Was auch immer an begr&#252;ndeten Argumenten gegen einige angejahrte und mithin aus der Zeit gefallene FDP-Forderungen vorgebracht wird, Westerwelle wischt es jeweils mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Politiker eher schlichten Gem&#252;ts versuchen ihre konzeptionelle &#214;dnis nicht selten durch besonders forsche Spr&#252;che und voluntaristische Ank&#252;ndigungen zu &#252;berspielen. Das kann man gegenw&#228;rtig sehr anschaulich am deutschen Vizekanzler und FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle beobachten.<span id="more-1473"></span> Was auch immer an begr&#252;ndeten Argumenten gegen einige angejahrte und mithin aus der Zeit gefallene FDP-Forderungen vorgebracht wird, Westerwelle wischt es jeweils mit gro&#223;er Geste und lautstarker Rhetorik weg. Die Liberalen seien gar nicht mehr die Partei der Besserverdienenden, stellte ein <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0204/meinung/0016/index.html" target="_blank">Kommentator</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/bb3c920e897b4a20bbe0ff4b9e777761" alt="" width="1" height="1" /> in seiner 100-Tage-Bilanz der schwarz-gelben Regierung treffend fest. »Sie sind nur noch die Partei des Besserwissers.«</p>
<p>Tats&#228;chlich hat die FDP in elf Jahren ohne Regierungsamt die Oppositionsstrategie, mit der sie vor allem der eigenen wohlbetuchten Klientel alles versprach, was die nur h&#246;ren wollte, derart verinnerlicht, dass sie &#252;berhaupt nicht mehr in der Lage ist, f&#252;r die gesamte Gesellschaft zu denken und damit eine nachhaltige Politik – nicht einmal zugunsten des eigenen Machterhalts – zu verfolgen. Die<a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article6256919/FDP-bricht-ein-Westerwelle-so-unbeliebt-wie-Gysi.html" target="_blank"> j&#252;ngsten Umfragen</a> verdeutlichen den dramatischen Verfall ihres Ansehens in der Bev&#246;lkerung. Westerwelle, in typisch narzisstischer Selbst&#252;bersch&#228;tzung, sieht das &#220;bel jedoch allein in einigen vorsichtigen <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E89D568A152E3437281033AA73DF78885~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Zweiflern in den eigenen Reihen</a> bzw. beim Koalitionspartner.</p>
<p>Nun k&#246;nnte man gen&#252;sslich sagen: Lass ihn machen, er wird sich schon abwirtschaften. Doch so einfach stehen die Dinge nicht, hat er doch in Bundeskanzlerin Angela Merkel eine starke St&#252;tze. Sie, intellektuell &#228;hnlich gestrickt wie ihr Vizekanzler, sieht in ihm und der FDP endlich die Chance, jenes neoliberale Programm, das sie 2003 auf dem Leipziger CDU-Parteitag entwarf, auch durchzusetzen. Er soll ihr beim endlich m&#246;glichen »Durchregieren« helfen, daf&#252;r nat&#252;rlich auch die Hauptverantwortung &#252;bernehmen. Sie dirigiert von der Kapit&#228;nskaj&#252;te aus den Leichtmatrosen, der sie, ihre Partei und das keineswegs verworfene, nur zeitweise zur&#252;ckgestellte Leipziger Programm durch die schweren Wasser wachsenden Volkswiderstandes navigieren soll.</p>
<p>Und die Chancen daf&#252;r stehen trotz demoskopischer D&#228;mpfer gar nicht so schlecht, wei&#223; man doch, dass die Opposition so lange an tats&#228;chlich wirksamem Widerstand gehindert ist, solange die SPD in typisch opportunistischer Manier zwischen Festhalten an den falschen Beschl&#252;ssen ihrer Regierungszeit und verbalen Ank&#252;ndigungsparolen hin und her schwankt und damit faktisch das Gesch&#228;ft der Koalition betreibt. So findet selbst der Leichtmatrose Westerwelle noch Helfer – die Schiffsjungen Steinmeier und Gabriel.</p>
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		<title>Impfstoff mit Nebenwirkungen</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 21:35:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da soll nun das gemeine Volk tats&#228;chlich einmal mehr bekommen als Politiker, Beamte und Landessch&#252;tzer in Uniform – und es ist auch wieder nicht recht. Der Impfstoff gegen die H1N1-Schweinegrippe, der f&#252;r die Allgemeinheit bestimmt ist, besteht nicht nur aus den zu bek&#228;mpfenden Viren, die in abgeschw&#228;chter Form das Immunsystem zur Produktion von Abwehrstoffen veranlassen sollen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da soll nun das gemeine Volk tats&#228;chlich einmal mehr bekommen als Politiker, Beamte und Landessch&#252;tzer in Uniform – und es ist auch wieder nicht recht. Der Impfstoff gegen die H1N1-Schweinegrippe,<span id="more-1317"></span> der f&#252;r die Allgemeinheit bestimmt ist, besteht nicht nur aus den zu bek&#228;mpfenden Viren, die in abgeschw&#228;chter Form das Immunsystem zur Produktion von Abwehrstoffen veranlassen sollen, sondern zudem noch aus etwas so Geheimnisvollem wie Adjuvanzien. Das sind Wirkverst&#228;rker, die dass Immunsystem zus&#228;tzlich in Bewegung setzen, und quecksilberhaltige Konservierungsstoffe. Ist doch sch&#246;n, dass die Regierung uns damit zus&#228;tzlich erfreuen will, w&#228;hrend sie selbst darauf gro&#223;z&#252;gig verzichtet und nicht mal ihre treuesten Diener derartig zu verw&#246;hnen gedenkt. Sie g&#246;nnt ihnen damit nicht die Erfahrung von <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/535/490907/text/" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/4f896cf8111e42fdbc24f9c8265d6a56" alt="" width="1" height="1" />R&#246;tungen, Schwellungen und Schmerzen</a> an der Impfstelle sowie von Kopfschmerzen, Fieber und Gelenkschmerzen. Der Rest der Bev&#246;lkerung soll auf diese Weise gest&#228;hlt werden – &#252;brigens rechtzeitig zum Start der schwarz-gelben Koalition, die vermutlich solche Pr&#252;fungen f&#252;r uns alle bereit h&#228;lt, dass unser Immunsystem gar nicht erprobt genug sein kann. Offensichtlich werden Regierungsmitglieder, Beamte und Soldaten von derartigen Zumutungen verschont bleiben, was nicht &#252;berrascht; daher bed&#252;rfen sie nicht der sch&#228;rfsten Impfdosis.</p>
<p>Das Volk ist <a href="http://www.ksta.de/html/artikel/1255507168846.shtml" target="_blank">verdammt misstrauisch</a> und mag die gro&#223;z&#252;gigen, aber m&#246;glicherweise vergifteten »Geschenke« der Regierung nicht annehmen. Es wird gemutma&#223;t, die Pharmaindustrie wittere ein <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/680/491051/text/" target="_blank">millionenschweres Gesch&#228;ft</a> mit dem Impfstoff. Oder erhoffe sich zumindest einen kostenlosen <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/157798.praevention-oder-grossversuch.html" target="_blank">Gro&#223;versuch mit unzureichend erprobten Substanzen</a>. Denn dass der Impfstoff bislang nicht gen&#252;gend gepr&#252;ft ist, gilt als eine der wenigen sicheren Erkenntnisse bei der gegenw&#228;rtigen Impfdiskussion. Man glaubt weder den &#196;rzten, die das Impfen empfehlen, wei&#223; man doch, wie eng sie oft mit der Pharmaindustrie verquickt sind. Und man glaubt schon gar nicht der Regierung, die zwar immer wieder lautstark die Kostenexplosion im Gesundheitswesen beklagt, aber bisher kaum etwas unternommen hat, diese wirklich in den Griff zu bekommen – aus R&#252;cksichtnahme auf die Lobbygruppen der Pharmakonzerne, Apotheker, &#196;rzte, Zahn&#228;rzte. Alles &#252;brigens eine bevorzugte Klientel der k&#252;nftigen Regierungspartei FDP; da k&#246;nnen wir uns wohl auf noch dramatischere Nebenwirkungen gefasst machen.</p>
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		<title>Die Rente als Man&#246;vriermasse im Wahlkampf</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 15:15:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Wahlkampfzeiten gen&#252;gt mitunter ein Ger&#252;cht, um ein Gesetz auf den Weg zu bringen. So folgte auf die k&#252;rzlich von der Versicherungswirtschaft &#252;ber ihre medialen Sto&#223;trupps gezielt verbreitete Panikparole, im n&#228;chsten Jahr w&#252;rden erstmals in der bundesrepublikanischen Geschichte die Renten sinken, ein in k&#252;rzester Zeit aus dem Boden gestampfter Kabinettsbeschluss, dies f&#252;r jetzt und alle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Wahlkampfzeiten gen&#252;gt mitunter ein Ger&#252;cht, um ein Gesetz auf den Weg zu bringen. So folgte auf die k&#252;rzlich von der Versicherungswirtschaft &#252;ber ihre medialen Sto&#223;trupps gezielt verbreitete Panikparole, im n&#228;chsten Jahr w&#252;rden erstmals in der bundesrepublikanischen Geschichte die Renten sinken, ein in k&#252;rzester Zeit aus dem Boden gestampfter Kabinettsbeschluss, <span id="more-934"></span>dies f&#252;r jetzt und alle Zeiten auszuschlie&#223;en. Das klingt zwar gut, ist aber tats&#228;chlich nur der Beleg f&#252;r das totale Scheitern der Rentenpolitik der letzten Jahre, vor allem der rot-gr&#252;nen und der schwarz-roten Koalition. Denn damit haben die sich lange stolz auf die Brust schlagenden »Rentenreformer« die Notbremse vor drohenden Entwicklungen ziehen m&#252;ssen, die sie selbst auf den Weg gebracht haben.</p>
<p>Hintergrund der &#252;berst&#252;rzten Aktion der um W&#228;hlerstimmen von 20 Millionen Rentnern f&#252;rchtenden Regierungsparteien ist ihr Festhalten am antiquierten und durch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt l&#228;ngst zum Problem gewordenen <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/04/22/die-rentner-als-stoerfaktor/" target="_blank">Modell einer umlagefinanzierten Rente</a><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e3c9aaf402904e40ab895b97049661f6" width="1" height="1" alt="">, die die sinkende Zahl von abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten f&#252;r die Altersversorgung der wachsenden Zahl von Rentnern verantwortlich macht. Weder sorgte sie daf&#252;r, die Altersversorgung auf eine breitere Basis zu stellen und vor allem Besserverdienende in ihre solidarische Gestaltung einzubeziehen, noch dachte sie &#252;ber ein neues, modernes Rentensystem nach, das vor allem die Ver&#228;nderungen im finanziellen Ertrag der Produktivit&#228;t ber&#252;cksichtigt, also die Tatsache, dass heute Werte immer weniger durch menschliche Arbeitskraft und immer mehr doch technischen und technologischen Fortschritt erwirtschaftet werden. Ber&#252;cksichtigte man diese Ver&#228;nderungen bei der Rentengestaltung, w&#228;re sie f&#252;r eine unabsehbare Zeit zukunftsfest.</p>
<p>Die Ahnung, dass solche Vers&#228;umnisse demn&#228;chst in die Hose gehen k&#246;nnten, hat jetzt zum Handeln veranlasst &#8211; und das nat&#252;rlich sofort die <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0429/tagesthema/0064/index.html" target="_blank">Apologeten der kapitalgedeckten Privatrente</a> auf den Plan gerufen, die sich mit dem Rentenkonzept der Regierung schon sicher gef&#252;hlt hatten und demn&#228;chst auf hohe Rendite hofften. Sie waren es, die den Politikern in massiver Lobby-Arbeit eingebl&#228;ut hatten, die abh&#228;ngig Erwerbst&#228;tigen m&#252;ssten geradezu gesetzm&#228;&#223;ig die Rentner finanzieren, denn sie wussten, dass dies immer weniger aufgehen konnte &#8211; eine Steilvorlage f&#252;r die Privatversicherer und ihre Profite. Doch die Regierung hat wieder einmal die M&#246;glichkeit vergeben, nun die alten Fehler zu beheben und stattdessen ein Almosen verteilt &#8211; so wie fr&#252;her die DDR-Regierung, die Rentenerh&#246;hungen nach Kassenlage verf&#252;gte, was nach der Wende als gro&#223;e Dem&#252;tigung bezeichnet wurde, der jetzt endlich ein System gegen&#252;ber stehe, aus der sich ein Anspruch auf Rentenerh&#246;hungen ableite. Mit letzteren war es bekanntlich seit l&#228;ngerem vorbei, was jetzt, im Wahljahr &#8211; auch durch ein eigentlich gesetzwidriges Almosen &#8211; vergessen gemacht werden sollte. Da kam das Ger&#252;cht &#8211; und wieder griff die CDU/CSU/SPD-Regierung in die Wunderkiste, anstatt N&#228;gel mit K&#246;pfen zu machen. Die heute beschlossene Gesetzes&#228;nderung &#228;ndert nichts an den Unsicherheiten f&#252;r die &#228;ltere Generation; vor allem aber verhindert sie ihre gerechte Beteiligung am gesellschaftlichen Gesamtprodukt.</p>
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