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	<title>blogsgesang.de &#187; Sachsen</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Komplizenschaft mit dem Rechtsextremismus</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 18:41:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Je mehr derzeit &#252;ber die enge Verbindung der rechtsextremistischen Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) mit den deutschen »Verfassungsschutz«-Beh&#246;rden bekannt wird, desto dringlicher stellt sich die Frage, wie in dieser offensichtlich engen Beziehung Koch und Kellner zusammenwirkten. Dieser Frage freilich suchen Sicherheitsleute wie Politiker tunlichst auszuweichen – durch einen st&#228;ndig wachsenden Wust vermeintlicher Informationen, der mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Je mehr derzeit &#252;ber die enge Verbindung der rechtsextremistischen Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) mit den deutschen »Verfassungsschutz«-Beh&#246;rden bekannt wird, desto dringlicher stellt sich die Frage, wie in dieser offensichtlich engen Beziehung Koch und Kellner zusammenwirkten. Dieser Frage freilich suchen Sicherheitsleute wie Politiker tunlichst auszuweichen<span id="more-3345"></span> – durch einen st&#228;ndig wachsenden Wust vermeintlicher Informationen, der mehr zu- als aufdecken soll.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Neu ist diese Methode nicht. Auf schon fr&#252;her offenbar gewordene Konspirationen zwischen Rechtsextremisten und Sicherheitsbeh&#246;rden wurde gern mit der verharmlosenden Alliteration »Pleiten, Pech und Pannen« reagiert und der daraus erwachsende kabarettistische Spott klaglos in Kauf genommen; Hauptsache, es fragte keiner nach. Jetzt verf&#228;ngt – angesichts von mindestens zehn brutalen Morden – solch launige »Selbstkritik« nicht mehr. Nun spricht man, auch in den staatstreuen Medien, immerhin vom Versagen des Verfassungsschutzes – und lenkt auch damit vom Kern des Skandals ab. Denn es waren nicht Fehlleistungen und professionelle Unf&#228;higkeit, die das Netzwerk von Geheimdienstlern und Neonazis hervorbrachten, , sondern offensichtlich ein bewusstes Kalk&#252;l. Man fand sich im Kampf gegen vermeintlich gemeinsame Feinde und ging dankbar auf die M&#246;glichkeit ein, gewisserma&#223;en sich erg&#228;nzende Mittel dabei einzusetzen. Man betrachtete und akzeptierte sich gegenseitig als Komplizen bei der Aufgabe, Gegner zur Strecke zu bringen, die von beiden als gro&#223;e Gefahr angesehen wurden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Vorgaben zu solchem Denken kamen aus der Politik, vor allem aus deren so genanntem b&#252;rgerlichen Lager von CDU/CSU und FDP, zunehmend aber auch aus der SPD. Sie sahen und sehen die Hauptgefahr f&#252;r die Sicherheit der Bundesrepublik zum einen in den hier lebenden Ausl&#228;ndern, besonders jenen mit islamischem Glauben, und zum anderen in allen Str&#246;mungen »links von der Mitte«, wozu sie au&#223;erparlamentarische Bewegungen, antifaschistische Gruppierungen, die Linkspartei und da und dort auch noch die Gr&#252;nen z&#228;hlen. Vorwiegend diese unsicheren Kantonisten finden in den turnusm&#228;&#223;igen Verfassungsschutzberichten die Hauptaufmerksamkeit. Auf mehr als 130 Seiten besch&#228;ftigt sich der aktuelle Bericht f&#252;r 2010 mit Islamismus und sonstigem Ausl&#228;nderextremismus, nur auf 70 Seiten hingegen mit Rechtsextremismus; fast genau der gleiche Umfang wurde dem Linksextremismus gewidmet, davon fast 20 Seiten der Linkspartei. Und was zum Rechtsextremismus gesagt wurde, liest sich als<a href="http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/artikel/gestoerte_wahrnehmung/726707/gestoerte_wahrnehmung.html" target="_blank"> Beschwichtigung und Verharmlosung</a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9c6cdfd13b8c4cc89a2c72858ca2896b" alt="" width="1" height="1" />, insgesamt also eine klare Ansage f&#252;r Geheimdienste, Polizei und Justiz, wohin sie ihre Augen bevorzugt lenken sollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ist auf diese Weise der Feind identifiziert, muss man sich nicht wundern, dass sich seine Bek&#228;mpfer schnell zusammentun; eine Kr&#228;he hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus. Man hilft sich gar, zwar klandestin, aber doch mit Eifer. Bei der Aufkl&#228;rung so genannter linker Gewalt scheuen die bundesdeutschen Sicherheitsbeh&#246;rden weder Kosten noch M&#252;he und &#252;berschreiten auch bedenkenlos Grenzen, die ihnen der Rechtsstaat setzt. So sch&#252;tzte die s&#228;chsische Polizei im Februar dieses Jahres eine rechtsextremistische Demonstration auch dadurch, dass sie die Handydaten der <a href="http://www.taz.de/!74992/" target="_blank">antifaschistischen Gegendemonstranten illegal erfasste</a>, insgesamt &#252;ber eine Million Daten. Sie begr&#252;ndete dies mit einem »Verdacht auf schweren Landfriedensbruch und Bildung einer kriminellen Vereinigung«, was sich aber nat&#252;rlich nicht gegen die Neonazis, sondern die Antifaschisten wandte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnliche Erfahrungen machen immer wieder auch hier lebende B&#252;rger »mit Migrantenhintergrund«. Auf sie richten Polizei und Justiz ihr besonderes Augenmerk, so bald sie im Umfeld von Kriminalit&#228;t auftauchen. Und offenbar sehen sie weg, wenn im Kampf gegen »Ausl&#228;nder« Rechtsextremisten Mittel anwenden, die ihnen versagt sind. Mehr noch – und besonders perfide: Sie <a href="http://www.berliner-zeitung.de/politik/vorsitzender-der-tuerkischen-gemeinde--der-begriff-doener-morde-macht-mich-wuetend-,10808018,11147612.html" target="_blank">belasten die Opfergruppe</a> auch dann mit diesen Taten, wenn es daf&#252;r wenig Belege oder gar Gegenbeweise gibt. Die Morde der NSU, bei denen zumindest <a href="http://www.berliner-zeitung.de/neonazi-terror/rechtsextremistischer-terror-mord-unter-aufsicht,11151296,11152902,item,1.html">ein hessischer Verfassungssch&#252;tzer offenbar »Schmiere stand«</a>, zeigen dies in besonders drastischer Weise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieses Zusammenspiel von Rechtsextremismus und staatlichen Autorit&#228;ten hat besonders in Deutschland, wenn auch nicht nur hier, Tradition. Man erinnere sich nur an die Weimarer Republik, in der die schnell wechselnden Regierungen, gleich welcher F&#228;rbung, den Kampf bevorzugt gegen Links f&#252;hrten und damit dem Nationalsozialismus die Bahn bereiteten. Die konservativ-b&#252;rgerliche Gesellschaft mag den Rechtsextremismus ekelhaft finden, sich seiner, wie die Kanzlerin jetzt sagte, sch&#228;men, sie »eine Schande« nennen, eine echte Gefahr f&#252;r die so genannte freiheitlich-demokratische Grundordnung sieht sie darin nicht. Diese Gefahr macht sie ganz woanders aus, und wo es passt, akzeptiert sie auch den ekelhaften Rechtsextremen als Bundesgenossen gegen die eigentliche Gefahr durch »das Fremde«, sei es nun ethnischer oder politischer Natur.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Insofern kann die unheilige Allianz von Rechtsextremismus und Staatsgewalt, wie sie an der NSU-Mordserie zu Tage trat, nicht &#252;berraschen. Und noch weniger das fieberhafte Bem&#252;hen, solche Zusammenh&#228;nge mit allen Mitteln zu verschleiern. Auch die Warnungen vor einem NPD-Verbot passen in diesen Kontext, w&#228;re doch Voraussetzung daf&#252;r, die Komplizenschaft mit dem Rechtsextremismus zu beenden. Diese Karte in der politischen Auseinandersetzung m&#246;chte man jedoch nicht aus der Hand legen – gerade in diesen Zeiten, da der Protest gegen eine ungerechte Gesellschaftsordnung im Wachsen begriffen ist.</p>
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		<title>Wer gegen Rechts k&#228;mpft, macht sich verd&#228;chtig</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Nov 2010 18:14:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In Sachsen hat diese Woche das »Alternative Kultur- und Bildungszentrum Pirna« (AkuBIZ) einen so genannten Demokratiepreis abgelehnt, der von der Landesregierung mit einer undemokratischen Zumutung versehen wurde. Die Initiative, die sich besonders im Kampf gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus einen Namen gemacht hat, sollte vor Entgegennahme des Preisgeldes von 10 000 Euro eine Erkl&#228;rung unterschreiben, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Sachsen hat diese Woche das »Alternative Kultur- und Bildungszentrum Pirna« (AkuBIZ) einen so genannten Demokratiepreis abgelehnt, der von der Landesregierung mit einer undemokratischen Zumutung versehen wurde. Die Initiative, die sich besonders im Kampf gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus einen Namen gemacht hat<span id="more-2048"></span>, sollte vor Entgegennahme des Preisgeldes von 10 000 Euro eine <a href="http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/meldungen/wirbel-um-verleihung-des-saechsischen-foerderpreis-8957/" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/638a339014494c0688ba6703f7c628a5" alt="" width="1" height="1" />Erkl&#228;rung unterschreiben</a>, mit der sie sich faktisch verpflichtete, ihre Arbeit und ihre Partner vom Verfassungsschutz untersuchen zu lassen. Das CDU/FDP-regierte Sachsen machte sich damit zum Vorreiter der schwarz-gelben Bundesregierung, die generell plant, F&#246;rdergelder f&#252;r den Kampf gegen Rechts nur noch dann zur Verf&#252;gung zustellen, wenn die beteiligten Vereine und Initiativen eine <a href="http://nachrichten.lvz-online.de/nachrichten/mitteldeutschland/bund-verteidigt-neue-extremismus-klausel/r-mitteldeutschland-a-60034.html" target="_blank">Ergebenheitserkl&#228;rung gegen&#252;ber den bestehenden Verh&#228;ltnissen </a>abgeben, die a priori – und im Gegensatz zu einer inzwischen nicht geringen Zahl von Verfassungsschutzurteilen – als grundgesetzkonform und damit f&#252;r sakrosankt erkl&#228;rt werden.</p>
<p>Nicht so sehr das Ansinnen der s&#228;chsischen Staatsregierung und der Bundesregierung, sondern vielmehr der mutige Verzicht der Pirnaer Antifaschisten auf das dringend ben&#246;tigte Geld hat erheblichen Staub aufgewirbelt, doch genau betrachtet ist solch ein Verhalten der Regierenden nicht neu, hat es vielmehr in der Geschichte der Bundesrepublik bereits prominente Vorl&#228;ufer. Und zwar in jener gerade k&#252;rzlich wieder aufgedeckten Praxis, gleich nach dem Krieg in die neuen »demokratischen« Ministerien zwar <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/10/31/warum-nazi-diplomaten-die-bundesrepublik-besser-repraesentieren-als-sed-funktionaere/" target="_blank">unbehindert alte Nazis einziehen zu lassen</a>, ihre Kritiker aber oder gar antifaschistische Widerstandsk&#228;mpfer weitgehend aus ihnen fernzuhalten. Die b&#252;rgerlichen Politiker wussten und wissen eben, dass ihnen von Rechtsextremen keine wirkliche Gefahr drohte und droht, denn diese hatten und haben weder vor, ihnen ihr Eigentum als Deutsche zu nehmen noch ihre Positionen, solange sie sich – wie in der NS-Zeit – bereitwillig anpassen und schon gar nicht planten und planen sie, das kapitalistische System abzuschaffen.</p>
<p>Das jedoch bef&#252;rchten sie von Linksextremisten, aber auch von jedem gem&#228;&#223;igten Linken – siehe den Umgang mit deren Partei im Bundestag wie der &#214;ffentlichkeit. Daher ist es beinahe gesetzm&#228;&#223;ig, dass die b&#252;rgerliche Politik den Feind auf der Linken sieht und nicht auf der Rechten. Und damit auch, dass sie ihre – zwar etwas schmuddeligen, daf&#252;r aber umso wirksameren – <a href="http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M5b5e7b651cc.0.html" target="_blank">Verb&#252;ndeten rechts </a>gegen deren Widersacher links sch&#252;tzt – wie im Affentheater um ein NPD-Verbot ebenso zu sehen ist wie an den Polizeiketten zur Abschirmung rechtsextremer Demonstrationen. Rechte jedenfalls haben die H&#228;rte des »Rechtsstaates« noch nie so unmittelbar zu sp&#252;ren bekommen wie linke Demonstranten, jene aus dem Stuttgarter Stadtpark, die sich allein durch ihre Unbotm&#228;&#223;igkeit gegen&#252;ber dem Herrschaftssystem linker Gesinnung verd&#228;chtig machten, eingeschlossen. Manche wie der s&#228;chsische <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/183910.spitzeln-fuer-einen-demokratiepreis.html" target="_blank">CDU-Politiker Volker Bandmann </a>gehen dabei sogar so weit, Initiativen gegen Rechts als »kriminelle Gruppen« zu bezeichnen.</p>
<p>Es ist also nicht so, dass das bundesrepublikanische Establishment aus dem Nationalsozialismus nichts gelernt h&#228;tte. Es wollte in seiner Mehrheit daraus gar nichts lernen, weil es dann h&#228;tte bef&#252;rchten m&#252;ssen, sich eigener Machtpositionen zu berauben.</p>
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		<title>Die Weisheit der W&#228;hler</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Aug 2009 21:46:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wieder einmal haben die W&#228;hler ihre Weisheit und ihre Unabh&#228;ngigkeit von den Spr&#252;cheklopfern der etablierten Parteien und Medien bewiesen. Sie haben in Th&#252;ringen und im Saarland dem mit Hilfe williger Demoskopen herbeigeredeten Schwarz-Gelb eine Abfuhr erteilt und durch die gleichzeitige St&#228;rkung der Linken die SPD vor jene Entscheidungsfrage gestellt, vor der sie sich solange dr&#252;cken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder einmal haben die W&#228;hler ihre Weisheit und ihre Unabh&#228;ngigkeit von den Spr&#252;cheklopfern der etablierten Parteien und Medien bewiesen. Sie haben in <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2009/08/31/nach-landtagswahl-in-thueringen/palast-revolution-gegen-dieter-althaus.html" target="_blank">Th&#252;ringen</a> und im <a href="http://www.sr-online.de/nachrichten/30/956196.html" target="_blank">Saarland</a> dem mit Hilfe williger Demoskopen herbeigeredeten Schwarz-Gelb eine Abfuhr erteilt und durch die gleichzeitige <a href="http://www.zeit.de/online/2009/36/wahl-linke" target="_blank">St&#228;rkung der Linken </a><span id="more-1240"></span><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/7c014e7978be49f8bdfb8ac153ba2908" alt="" width="1" height="1" />die SPD vor jene Entscheidungsfrage gestellt, vor der sie sich solange dr&#252;cken wollte. Nur in <a href="http://www.die-topnews.de/landtagswahl-sachsen-vorlaeufiges-endergebnis-zur-wahl-2009-371851" target="_blank">Sachsen</a>, wo wegen der Schw&#228;che der Sozialdemokraten keine reale Chance auf eine linke Alternative bestand, konnten sich CDU und FDP gemeinsam durchsetzen.</p>
<p>Der Zuwachs der FDP geht weitgehend auf die Verluste der CDU zur&#252;ck (in Sachsen vermutlich auf jene der NPD); hier versammelten sich die durch die Finanzkrise verunsicherten Besserverdienenden, die eher von den Freidemokraten als von der Merkel-CDU die Sicherung ihrer Einlagen erwarten. Solch ein Nullsummenspiel k&#246;nnte die hochfliegenden schwarz-gelben Tr&#228;ume durchaus platzen lassen.</p>
<p>Ob allerdings das W&#228;hlervotum die offensichtlich erw&#252;nschten Folgen tats&#228;chlich haben wird, ist &#228;u&#223;erst unsicher, denn der SPD geht es nicht zuerst um einen Politikwechsel, sondern um Regierungsbeteiligung um jeden Preis. »Ganz wichtig ist, dass in Th&#252;ringen und im Saarland die SPD an der Regierung beteiligt wird«, sagte dazu der M&#252;ntefering-Vertraute Oppermann. Und nach allem, was aus dem Willy-Brandt-Haus bislang zu h&#246;ren war und was – siehe den Umgang mit Andrea Ypsilanti in Hessen – praktisch diesbez&#252;glich von dort aus organisiert worden ist, spricht ein solcher Satz eben gerade nicht f&#252;r das, was Th&#252;ringens SPD-Kandidat Christoph Matschie in Erfurt lauthals verk&#252;ndete: »Das System Althaus ist abgew&#228;hlt.« Sondern daf&#252;r, dass er am Ende Dieter Althaus wieder zum Ministrerpr&#228;sidenten w&#228;hlt und daf&#252;r mit einem Posten in dessen Regierung abgefunden wird. Und auch Heiko Maas k&#246;nnte sich gegen seinen Willen als Juniorpartner in einem neuen Saar-Kabinett M&#252;ller wiederfinden, weil es den M&#252;ntefering und Steinmeier taktisch besser in den Kram passt – und anscheinend auch den Saar-Gr&#252;nen, die wohl gern die ersten w&#228;ren, die so etwas Exotisches wie Jamaika in einem Landtag mit auf die Beine stellen.</p>
<p>Manche wunderten sich heute &#252;ber die Gelassenheit und Fr&#246;hlichkeit, mit der Sozialdemokraten Ergebnisse zwischen zehn und nicht einmal 25 Prozent kommentierten. Das ist eigentlich nur damit zu erkl&#228;ren, dass die SPD solche Zahlen angesichts des genannten Nullsummenspiels zwischen Union und FDP als ausreichend ansieht, die schwarz-rote Koalition in Berlin fortzusetzen, was von Anfang an ihr Ziel war. Angesichts solcher Sachlage bleibt nur der Kommentar, dass es selbst die gr&#246;&#223;te Weisheit des W&#228;hlers schwer hat, sich gegen die Beschr&#228;nktheit politischer Starrk&#246;pfe durchzusetzen.</p>
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		<title>R&#252;ckblick in die Zukunft? (Teil 2)</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2009/08/19/rueckblick-in-die-zukunft-teil-2/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Aug 2009 13:05:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Rahn</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu neuen und weniger neuen B&#252;chern, mit denen die Unf&#228;hig­keit der Deutschen belegt wird, tolerant mit ihrer j&#252;ngeren Ge­schichte umzugehen Von Rudolf Hempel In dem am 18. Juli ver&#246;ffentlichten und unter Kulturbuch abgelegten Teil 1 des R&#252;ck- und Ausblicks sind – unter Bezugnahme auf Stefan Heym und Erwin Strittmatter – sechs Neuerscheinungen kommentiert. In deren Mittelpunkt Christoph [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Zu neuen und weniger neuen B&#252;chern, mit denen die Unf&#228;hig­keit der Deutschen belegt wird, tolerant mit ihrer j&#252;ngeren Ge­schichte umzugehen<span id="more-1188"></span></h3>
<h5>Von Rudolf Hempel</h5>
<p>In dem am 18. Juli ver&#246;ffentlichten und unter Kulturbuch abgelegten<a href="http://www.blogsgesang.de/2009/07/18/rueckblick-in-die-zukunft/" target="_blank"> Teil 1 des R&#252;ck- und Ausblicks</a> sind – unter Bezugnahme auf Stefan Heym und Erwin Strittmatter – sechs Neuerscheinungen kommentiert. In deren Mittelpunkt Christoph Links` Analyse der DDR-Verlage, Egon Krenz und sein Gef&#228;ngnisaufenthalt, Ralph Hartmanns Unrechtsstaat-Betrachtung, Bilanz-&#220;berlegungen von »Filmminister« Horst Pehnert, Wolfgang Wippermanns Streitschrift zum Vergleich DDR &#8211; Drittes Reich und Franziska Kleiners Fundst&#252;cke stehen.</p>
<p>Diesmal meldet sich mit Hans Bentzien ein Ex-Kulturminister, Verlagschef, Fernsehmann und Publizist bei seiner Enkeltochter Sophie. Mit Daniel Dahn hebt eine Streiterin f&#252;r Ost-Belange die Hand zum Verliererschwur, mit Klaus Huhn pr&#228;­sen­tiert sich ein Spotless-Verleger und L&#252;gen-Detektor. Karl Nolle bl&#228;st die Block­fl&#246;te und Manfred Uhlenhut zeigt als Wende-Fotograf seine bewegende Bilder-Sicht auf den Mauerfall, ein &#252;beraus gl&#252;cklicher Guido Knopp schrieb dazu das Vorwort.</p>
<p>Auch Bezug genommen wird wieder. Auf den Weltb&#252;rger J&#252;rgen Kuczynski. Dieser ist nicht nur als international bekannter Geistes- und Sozialwissenschaftler in der Ge­schichte. Sondern auch als »linientreuer Dissident«, der nunmehr sogar als »quasi-Vorl&#228;ufer« von Hans Bentzien gelten darf. F&#252;hrte er doch mit seinem Urenkel Robert schon in den 80er Jahren einen Dialog. Den er glaubte, nach &#252;ber einem Jahr­zehnt &#8211; unter v&#246;llig umgekehrten Verh&#228;ltnissen &#8211; fortsetzen zu m&#252;s­sen.</p>
<h4>Das Schicksal einer Abiturvorbereitung</h4>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/a48071188f984b3798ab38c8f0520f1e" alt="" width="1" height="1" /><br />
<img class="alignleft size-medium wp-image-1197" title="Bentzien - Sophie" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/08/Bentzien-Sophie-176x300.jpg" alt="Bentzien - Sophie" width="176" height="300" />Ob das Buch »Warum noch &#252;ber die DDR reden?«, vergleichbar dem von Christoph Links &#252;ber die DDR-Ver­lage, &#252;berf&#228;llig war, sei dahin gestellt. Hans Bent­zien war unschl&#252;ssig, ob er sich mit seiner Wortmeldung in die Abiturvorbereitungen seiner Enkeltochter Sophie einmischen solle. Hat es dann aber doch getan. Herausge­kommen ist eine mit zahlreichen pers&#246;nlichen und gewichtigen Details versehene Ge­schichtsbetrachtung, in der Vergangenheit und Gegenwart in einen unl&#246;sbaren Zu­sammenhang gestellt sind. Ein Kompendium, dem sich vor allem j&#252;ngere Leser zu­wenden sollten, solche wie Sophie und ihre in Gesellschaftskunde noch unerfahrene Generation.</p>
<p>Der Autor ruft in Erinnerung, wie es einem Manne ergehen konnte, dessen Verst&#228;ndnis von k&#252;nstlerischer Freiheit mehrfach denunziert, als »Sabotage« bewertet und entsprechend geahndet wurde. F&#252;r jene Leser, die wie der Kulturbuch-Blogs&#228;n­ger, einen entscheidenden Teil ihres bewussten Lebens nicht von dem verlorenen Land abtrennen lassen wollen, k&#246;nnte der ebenso informative wie unterhaltsam Dia­logtext alles in allem eine Best&#228;tigung ihrer eigenen Erfahrungen bieten. Hin und wieder werden Vermutungen oder Ahnungen – beispielsweise die &#252;ber das wirkliche und brisante Verh&#228;ltnis zwischen der DDR und dem »gro&#223;en Bruder« – mit Fakten best&#228;tigt, denen Neuigkeitswert nicht abzusprechen ist.</p>
<p>Wenn es aber um die Frage nach den tiefen Gr&#252;nden geht, an denen das sozi­alistische Experiment gescheitert ist, hilft letztendlich auch Bentzien nicht weiter. Sein Denkansatz &#252;ber die objektiven wie subjektiven Untergangs-Aspekte ist allemal redlich, ihm fehlt es aber an Gewicht und Sch&#228;rfe. Das betrifft ebenso sein Credo, man k&#246;nne den Sozialisten von heute »eine mangelnde Selbstkritik nicht vorwerfen«. Subjektiv integer pr&#228;sentiert sich der Autor, wenn er schreibt: »Ich habe nichts zu be­reuen, und meine Arbeit kann ich vorweisen«. Allein dieser Satz darf aber auch als Provokation f&#252;r alle gelten, die bereits sind, &#252;ber ihre Mitverantwortung am Scheitern eines Staates nachzudenken.</p>
<address>Hans Bentzien. Warum noch &#252;ber die DDR reden? Sophies Fragen. Verlag Das Neue Berlin. 192 Seiten, brosch., 12,90 €., ISBN 978-3-360-01964-6.</address>
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<h4>Das Schicksal eines Siegers</h4>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1199" title="Dahn - Sieger" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/08/Dahn-Sieger-205x300.jpg" alt="Dahn - Sieger" width="205" height="300" />Ohne Zweifel geh&#246;rt Daniela Dahn zu den au&#223;ergew&#246;hn- lichen Frauen in Deutschland. Deutlich wird das beim Blick auf ihre Biografie. Im Oktober 1949 als Tochter des Journalisten Karl-Heinz Gerstner und der Modejournalistin Sibylle Bo­den-Gerstner in Berlin geboren, studierte sie an der Karl-Marx-Universit&#228;t Leipzig Journalistik, arbeitete dann beim Fernsehen und machte sich 1981 &#8211; f&#252;r DDR-Verh&#228;ltnisse ein seltener Vorgang – freischaffend. Sp&#228;testens als ihr Buch »Prenzlauer Berg-Tour« 1987 auf den Markt kam, wusste der Leser, hier ist eine am Werk, die pr&#228;zise recherchieren und treffend formulieren kann. In ihrem Blickwinkel lagen schon damals das reale Leben, die Menschengeschichten mit ihren sozialen Konflikten.</p>
<p>Dieser Einstellung ist sie nach dem Anschluss der DDR an die BRD treu geblieben. Sie mischte sich ein, als der Demokratische Aufbruch gegr&#252;ndet wurde, die Wochenzeitung »Freitag« Herausgeber suchte, auch als die sich rasant &#228;ndernden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse einer kritischen publizistischen Betrachtung bedurften. Das Internet informiert &#252;ber B&#252;cher, bei denen schon der provokative Titel die Denk­richtung der Autorin vorzeichnet: »Wir bleiben hier oder Wem geh&#246;rt der Osten«, »Westw&#228;rts und nicht vergessen – Vom Unbehagen in der Einheit«, »Vertreibung ins Paradies – Unzeitgem&#228;&#223;e Texte zur Zeit«, »In guter Verfassung. Wieviel Kritik braucht die Demokratie?«, »Wenn und Aber &#8211; Anstiftungen zum Widerspruch« oder »Demokratischer Abbruch &#8211; Von Tr&#252;mmern und Tabus«.</p>
<p>Daniela Dahn bel&#228;sst es aber nicht beim Buch. Streitbar, originell und voller Sendungsbewusstsein will sie mit dem Lesepublikum auch &#252;ber ihre politische Bilanz nach 20 Jahren Mauerfall und deutsche Einheit diskutieren. Sie ist &#252;berzeugt: Damit die gro&#223;e Krise nicht auch die Demokratie in den freien Fall zieht, muss der Kapita­lismus aufh&#246;ren, er selbst zu sein. Die Zuh&#246;rer in Neustrelitz (21.08.), Berlin (09.09.), Magdeburg (10.09.), Esslingen (18.09.), Kleinmachnow (23.09.), Los An­geles (19.10. – 31.10.), Wien (07.11.), Leipzig (23.11.), Halle (24.11.) und Chemnitz (25.11.) d&#252;rfen gespannt sein, was die Frau, deren ausgezeichneten Namen man mit Fontane, Kurt-Tucholsky und Ludwig B&#246;rne in Verbindung setzen darf, zu sagen hat.</p>
<p>Jorge Semprun hat es (uns) &#252;ber sie schon gesagt: »In Daniela Dahns Schriften vollzieht sich die mitrei&#223;ende, kritische Zeremonie der Negativit&#228;t, die sich an der Wirklichkeit abarbeitet, bis die Wirklichkeit unter der F&#252;lle der Erkl&#228;rungen allm&#228;h­lich nachgibt und eine andere wird.« Auf wohl keines ihrer Sachb&#252;cher trifft diese Einsch&#228;tzung so zu, wie auf das im Mai erschienene. Dort verk&#252;ndet Dahn den f&#252;r man­chen &#252;berraschenden, scheinbar paradoxen, weil gegen alle offizielle Verk&#252;ndigung gestellten, pr&#228;zise recherchierten Befund: Mehr noch als der Osten ist der Westen zum Verlierer der Einheit geworden.</p>
<p>Das Schl&#252;sselwort zu dieser Diagnose hei&#223;t Systemkonkurrenz. D.D. ist nicht der erste Heilpraktiker, vielleicht aber der in seiner Denkrichtung konsequenteste, wenn sie sachlich aufhellt, dass sowohl die BRD wie die DDR &#252;ber ein positives Erbe verf&#252;gen. Das aber wird im Zuge der Einheit, zus&#228;tzlich unter dem Diktat der welt­umspannenden Finanz- und Wirtschaftskrise, zunehmend verspielt. </p>
<p>Ihren abschlie­&#223;enden »Wehe dem Sieger«-Mitteilungeist ein gewisses Ma&#223; vorsichtiger Pro­phetie nicht abzusprechen. »Nicht wenige bef&#252;rchten, die Herrschaft des Finanzkapi­tals, wie des Kapitals &#252;berhaupt, sei durch keinerlei Umgestaltungen auf dem Gebiet der politischen Demokratie zu beseitigen. Die Bedenkentr&#228;ger zu widerlegen k&#246;nnte die Aufgabe des angebrochenen Jahrhunderts werden.«</p>
<address>Daniela Dahn. Wehe dem Sieger! Ohne Osten kein Westen. Rowohlt Verlag. 304 Seiten. 18,90 €, ISBN 978-3-498-01329-5</address>
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<h4>Das Schicksal einer Wende im Bild</h4>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1200" title="Uhlenhut - Mauer" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/08/Uhlenhut-Mauer-234x300.GIF" alt="Uhlenhut - Mauer" width="234" height="300" />Nat&#252;rlich k&#246;nnte man fragen: War ein weiterer Band &#252;ber den Fall der Mauer wirklich n&#246;tig? Haben wir die Bilder der friedlichen Revolution nicht schon &#252;ber die zwei Jahrzehnte hundert Mal gesehen. Im Fernsehen, im Film, in B&#252;chern, auf Pri­vatfotos. In der Erinnerung in unserem Kopf, werden manche sagen, die selbst am Mauerfall auf die eine oder andere Art beteiligt waren.</p>
<p>Die Antwort des Rezensenten hei&#223;t: Ja. Ein solcher Band, mit Fotos dieser Strahlkraft und den &#252;berlegt ausgesuchten aufschlussreichen, pers&#246;nlich gehaltenen Statements und Zitaten Prominenter kann durchaus als Jubil&#228;umsbeitrag anerkannt werden. Manfred Uhlenhut, zu DDR-Zeiten langj&#228;hrig auch mit dem milit&#228;rischen Sujet befasst, zeigt sich hier als genauer Beobachter. Als ein Mann mit dem Blick f&#252;r das Wesentliche. F&#252;r Atmosph&#228;re, Stimmung, Proportionen, Effekte und den ent­scheidenden Augenblick in des Wortsinns doppelter Bedeutung. Oft sind es auch die scheinbar unbedeutenden Details, die sich am Ende zu einer &#252;berraschend stimmigen Komposition zusammen f&#252;gen.</p>
<p> Manfred Stolpe res&#252;miert &#252;ber »eine dramatische Nacht und einen wunderbaren Morgen«, Gregor Gysi fragt »Was fehlte der DDR?«, der Journalist Heiko Engelkes macht sich dar&#252;ber Gedanken, ob Berichterstattung Menschen gef&#228;hrden kann. Wenn in Walter Mompers biografischem Bericht »Heute Nacht sind wir Deutschen die gl&#252;cklichsten Menschen auf der Welt« vorkommt, dann ist ein solches Zitat aus dem Augenblickserlebnis einer historischen Umw&#228;lzung durchaus verst&#228;ndlich und auch nachvollziehbar.</p>
<p>Anders sieht es da schon mit dem Vorwort von Guido Knopp, dem selbster­nannten ZDF-Historienpabst aus. Dieser Beitrag strotzt nur so von Gl&#252;ck: gl&#252;ckli­che Zeit, gl&#252;ckliche Menschen, sein Gl&#252;ck in Berlin zu sein, gl&#252;cklichstes Volk, das Gl&#252;ck des T&#252;chtigen, ein weiterer Gl&#252;cksfall, schlie&#223;lich des Satz »Dabei haben wir allen Grund, uns immer noch gl&#252;cklich zu sch&#228;tzen.« Ob das die Leser dieses Bild­bandes heute auch so sehen, ist eher zu bezweifeln. Einige wenige vielleicht. Gro&#223;e Schichten des Volkes der Ex-DDR wohl kaum. Zu stark sind auf die Einheit folgende soziale Verwerfungen ausgefallen. Die Mischung von kritischer Distanz, Selbstbe­wusstsein, aber auch Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft in den Gesichtern des Fotos »WIR sind das VOLK &#8211; 1989/1990« bleibt dem Betrachter als Mahnung f&#252;r die Zukunft.</p>
<address>Manfred Uhlenhut. Als die Mauer fiel. Mit einem Vorwort von Guido Knopp. Knesebeck Verlag. 95 Seiten, mit zahlreichen, z.T. farbigen Fotos. 19.95 €. ISBN 3-86873-026-5</address>
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<h4>Das Schicksal der gro&#223;en L&#252;gen</h4>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1203" title="Huhn - DDR-L&#252;gen" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/08/Huhn-DDR-L&#252;gen-195x300.GIF" alt="Huhn - DDR-L&#252;gen" width="195" height="300" />Klein, aber oho! Das darf man ohne jedwede &#220;bertreibung vom einer editori­schen Einrichtung sagen, die noch vor der Wende – auf Anregung des damaligen Ministerpr&#228;sidenten Hand Modrow – von Klaus Huhn gegr&#252;ndet wurde. Unter dem Pseudonym Klaus Ullrich hatte der Sportchef des »Neuen Deutschland« 42 Jahre den DDR-Sport etabliert, propagiert, kommentiert, kritisiert, instrumentalisiert, vor allem aber als weltweit f&#252;hrend inthronisiert. Von einem dabei &#252;ber die Dezennien entstan­denen Netzwerk aus Sachkunde, Hintergrundwissen und Standpunkt profitieren denn auch jene Autoren aus der DDR, die – wie es Wikipedia kundtut – »nach der Wende wegen allzu gro&#223;er Partein&#228;he ohne Besch&#228;ftigung waren« und nennt die Namen G&#252;nter G&#246;rlich, Eberhard Panitz, Harry Th&#252;rk, Gerhardt Holtz-Baumert, Erich K&#246;h­ler und Walter Flegel.</p>
<p>Einen Namen findet der Leser bei Wikipedia allerdings nicht aufgef&#252;hrt: Klaus Huhn. Erstaunlich, wie oft der 1926 geborene Halbbruder von Ex-Politb&#252;ro­mitglied Werner Eberlein unter den bisher erschienenen weit &#252;ber 200 Spotless-B&#228;n­den seines kleinen, aber feinen Verlages mit linkem Profil die Autorenschaft f&#252;r sich beanspruchen kann. Das &#228;nderte sich auch nicht, nachdem Spotless als Periodikum in der edition ost der Eulenspiegel Verlagsgruppe Aufnahme fand. Eher im Gegenteil.</p>
<p>In kurzer Folge erschienen mit »Nebenzeuge in Sachen ND« eine handfeste polemische Replik auf das Buch von Ciesla/K&#252;low »Zwischen den Zeilen &#8211; Ge­schichte der Zeitung Neues Deutschland«, mit »Raubzug Ost &#8211; Wie die Treuhand die DDR pl&#252;nderte« die Huhn-Bilanz einer weltweit beispiellosen »Abwicklung« und mit »Kleines Handbuch der gro&#223;en L&#252;gen &#252;ber die DDR« eine Sammlung von zwei Dut­zend dreister Verleumdungen. &#220;ber ein Land, dem der Autor lange Zeit redlich diente und wohl gedenkt, auch weiterhin zu dienen. Selbst wenn es »nur« darum geht, der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen.</p>
<p>Zu lesen ist von »Auftragsmorden«, »Zwangsschulen«, »Nazigr&#246;&#223;en in der DDR«, von »Dressierten Kindern«, dem »Dopingland«, vom »Anstieg der Suizide« und nat&#252;rlich auch von »Bl&#252;henden Landschaften«. Interessant, welche Quellen Klaus Huhn bem&#252;ht, um seinem Grundanliegen Geltung zu verschaffen. Von BILD &#252;ber FOCUS, SPIEGEL und QUICK bis zur BERLINER ZEITUNG reicht die Palette der Printmedien, in denen verbreitet wurde, was den Autor zur kommentierenden Gegen­&#252;ber- und Richtigstellung veranlasste. Nicht neu, aber immer wieder lesenwert – der Briefwechsel zwischen der Schauspielerin K&#228;the Reichel, die im »abgewickelten« Kalischacht Bischofferode an einem Hungerstreik teilnahm, und Treuhandchefin Birgit Breuel, die die »Sehr geehrte Frau Reichel« bittet, »mit dazu beizutragen, dass keine Legenden entstehen«.</p>
<p>&#220;brigens: Auch das »Neue Deutschland« darf nicht fehlen. Der Textbeitrag be­fasst sich mit dem Prozess gegen Markus Wolf vor dem Oberlandesgericht D&#252;ssel­dorf und einem omin&#246;sen »Killerkommando«. Und ein weiteres Mal wird zum ND ein Bezug hergestellt: Der aber ist wohl eher unbeabsichtigt. »DIE DDR HAT´S NIE GEGEBEN« – eine Provokation, von der Buchautor und Zeitungsmacher glei­cherma&#223;en inspiriert zu sein scheinen. Die auf Mauerreste im Zentrum Berlins ge­malte Losung findet sich sowohl als Covermotiv des spotless-Buches wie auch als Logo der mont&#228;glichen Jubil&#228;um-20-Beitr&#228;ge im ND. Alles h&#228;ngt mit allem zusam­men, schreibt Hermann Kant 1991 im »Abspann«. Eine Binsenwahrheit, die immer g&#252;ltig ist und auch hier zutrifft.</p>
<address>Klaus Huhn. Kleines Handbuch der gro&#223;en L&#252;gen &#252;ber die DDR. Spotless, edi­tion ost im Verlag Das Neue Berlin. 96 Seiten, kostenlose Sonderausgabe. www.edition-ost.de.Tel. 01805-309999</address>
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<h4>Das Schicksal der Blockfl&#246;ten</h4>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1210" title="blog09-cover-blockfl&#246;ten" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/08/blog09-cover-blockfl&#246;ten-195x300.jpg" alt="blog09-cover-blockfl&#246;ten" width="195" height="300" />Wohl selten hat ein Buch schon vor seinem Erscheinen f&#252;r so viel Wirbel im bundesdeutschen Bl&#228;tterwald gesorgt wie das von Karl Nolle. Der aus dem Hessi­schen stammende gelernte Elektromechaniker &#8211; Studium von Geschichte, Politik, So­ziologie und Psychologie, dann Druckereigesch&#228;ft, zieht im Februar 1990 Richtung Dresden, um dort als Berater und in Treuhandangelegenheiten t&#228;tig zu werden. So &#252;bernimmt er das Druckhaus Dresden. Umsiedlung 1995. Seit 1999 Abgeordneter einer Partei, in die er 1963 eintrat, 1986 ausgeschlossen wurde und 1998 wieder ein­getreten ist: Ihr Name SPD.</p>
<p>In dieser Eigenschaft beschert er der Christlich-Demokratischen Union jetzt mit der »Sonate f&#252;r Blockfl&#246;ten und Schalmeien« das Musikst&#252;ck, in dem mit mehre­ren Instrumenten unter dem Pseudonym »Aufkl&#228;rungsschrift« ein auch ins Wahl­kampfget&#246;se passender Generalangriff gegen die CDU in ihrer s&#228;chsischen wie bun­desdeutschen Auspr&#228;gung gef&#252;hrt wird. Nolle steht am Pult und gibt den Takt an.</p>
<p>Im Orchester sitzen Co-Autoren – darunter Cornelius Weiss, Michael L&#252;hmann, Michael Bartsch, Konrad Weiss, Gerhard Ruden, Manfred Bauer, Hermann von Strauch und Christian F&#252;hrer – die, jeder mit eigenem schrillt&#246;nenden Instrument, die Grundme­lodie vom Unrechtsstaat DDR, ihrer SED und deren Parteivasallen in Variationen in­tonieren, die vor einem zuk&#252;nftigen Urteil der Geschichte kaum Bestand haben wir­d.</p>
<p> Der Schriftsatz lautet »Die verdr&#228;ngte Geschichte der DDR-CDU und die Doppelmoral ihrer bundesdeutschen Vor- und Nachl&#228;uferin«. Nolle selbst steuert eine Vorbemerkung, die Dokumentation »Zur Geschichte der Blockpartei CDU« und ein ausf&#252;hrliches Blockfl&#246;ten-Register bei, in dem alle Fr&#252;heren und Heutigen versam­melt sind. Auch die Medien d&#252;rfen nicht fehlen, wenn der gro&#223;e Dirigent zum musi­kalischen Rundumschlag ausholt: Bild, Spiegel, Die Welt, ddp, Die Zeit, LVZ, SZ, DNN, diverse online-Magazine&#8230;</p>
<p>In einem der Intermezzi kommt Nolle auf Leute wie Ex-Innenminister Heinz Eggert, den »Mann mit vielen Dimensionen«, Ludwig G&#252;ttler, den »Musiker und Blechbl&#228;ser« sowie Hans Joachim Meyer, den »Mann mit der besonders scheinheili­gen Wendekarriere« zur&#252;ck. In seitenlangen Dossiers strapaziert der sendungsbe­wusste Musikus noch einmal, was in den zur&#252;ckliegenden knapp 20 Jahren schon einmal oder mehrfach und &#252;berwiegend &#246;ffentlich behandelt wurde.</p>
<p>Auch Landesgrenzen k&#246;nnen Nolles Lied von der »brutalstm&#246;glichen« Auf­kl&#228;rung nicht stoppen. In Th&#252;ringen soll es Ministerpr&#228;sident Dieter Althaus, in Brandenburg Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns, in Sachsen-Anhalt Klaus Schmotz, Oberb&#252;rgermeister von Stendal (Ex-SED-Genosse und Oberstleutnant der Grenztruppen, gew&#228;hlt mit Unterst&#252;tzung der CDU), in den Ohren klingen.</p>
<p>Zwei weitere Intermezzi haben die verwerfliche CDU-Kooperation mit »ver­n&#252;nftigen Linken« im Bereich der Neuen L&#228;nder und den unter dem Motto »Geteilt – Vereint &#8211; Gemeinsam« stehenden Bundesparteitag seiner »Hasspartei« im Dezember 2008 in Stuttgart zum Inhalt. Dort verbreitete sich der einschl&#228;gig bekannte Fritz Niederges&#228;&#223; (CDU Treptow/K&#246;penick) im Denkstil eines Hubertus Knabe &#252;ber den Dirigenten – laut Tonaufzeichnung &#8211; mit den Worten: »Und wenn heute Leute wie Nolle in Sachsen, aus meiner Sicht der &#252;belste Schmierfink, der aus dem Westen hier r&#252;ber gekommen ist in die neuen Bundesl&#228;nder, wenn diese Typen uns jetzt hier f&#252;r `ne Sache verantwortlich machen wollen, f&#252;r die wirklich keiner verantwortlich ist, dann k&#246;nnen wir uns dagegen nur ganz energisch gegen aussprechen.«</p>
<p>Das Wort an Niederges&#228;&#223; erteilt hatte mit Tagungsleiter Stanislaw Tillich ge­nau jener Mann, der f&#252;r Nolle Pr&#228;ludium, Intermezzo und Schlussakkord seiner Ent­h&#252;llungsoper ist. F&#252;r ihn hat unser SPD-Abgeordneter den Titelpart reserviert. An dem Angriff auf die Person des Ex-CDU-Nomenklaturkaders, Sorben, Mitglied ei­ner »stinknormalen DDR-Familie« und nunmehrigen s&#228;chsischen CDU-Ministerpr&#228;­sidenten ist Tillich selbst nicht ganz schuldlos. Hat er sich doch in den »Wirren der Jahre nach der Wende« in diversen Erkl&#228;rungen zu seinem Lebenslauf nur »ungenau« ge&#228;u&#223;ert. Die Quittung f&#252;r dieses vom damaligen Zeitgeist, Parteiarroganz, Mangel an Courage sowie politischer Beschr&#228;nkung diktierte Verhalten bekommt Tillich samt seiner F&#252;hrungscrew und zzgl. der kompletten Familie jetzt mit einer stark politisch eingef&#228;rb­ten musikalischen Provinzposse. Ausf&#252;hrliche Partituren dazu sollen dem Leser hier erspart bleiben.</p>
<p>Es reichen Satzanf&#228;nge wie Kollaboration, T&#228;ter, Mitl&#228;ufer, Opfer. Verhal­tensmuster, Unrechtsstaat, Systemvergleich, Heuchelei, Pharis&#228;ertum, Ein&#228;ugigkeit, Selbstbeweihr&#228;ucherung und Verstrickung. Wie Widerstandsk&#228;mpfer, Schizophrenie, Opposition, Verantwortung, Persilschein, Vertrauen und Vergessen.</p>
<p>Bleibt zum Schluss die Frage: Sollte man eine solche »Blockfl&#246;ten-Sonate« le­sen? L&#228;uft das Musikst&#252;ck, konsequent bis ans Ende eines (noch) nicht komponierten Teils gedacht, doch darauf hinaus, dass es im Interesse von Verfasser und Adressaten gleicherma&#223;en besser gewesen w&#228;re, wenn es die DDR nicht gegeben h&#228;tte.</p>
<p>Unter dieser historischen Pr&#228;misse k&#246;nnte Brecht dem potentiellen Leser eine »lyrische Antwort« auf die Frage geben. In seinem Zyklus »Buckower Elegien«, der im Sommer 1953 in seinem Wohnsitz am Scharm&#252;tzelsee entstand, findet sich das Ge­dicht</p>
<blockquote><p>D i e L &#246; s u n g</p>
<p>Nach dem Aufstand des 17. Juni</p>
<p>Lie&#223; der Sekret&#228;r des Schriftstellerverbands</p>
<p>In der Stalinallee Flugbl&#228;tter verteilen</p>
<p>Auf denen zu lesen war, da&#223; das Volk</p>
<p>Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe</p>
<p>Und es nur durch verdoppelte Arbeit</p>
<p>zur&#252;ckerobern k&#246;nne. W&#228;re es da</p>
<p>Nicht doch einfacher, die Regierung</p>
<p>L&#246;ste das Volk auf und</p>
<p>W&#228;hlte ein anderes?</p>
<address></address>
</blockquote>
<address>Karl Nolle. Sonate f&#252;r Blockfl&#246;ten und Schallmeien. S&#228;chsische Hefte Nr. 7, 336 Seiten, 9.80 €, ISBN 978-3-00-028962-7</address>
<address></address>
<h4>Das Schicksal eines Dialogs</h4>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1204" title="Kuczynski - Urenkel" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/08/Kuczynski-Urenkel-182x300.jpg" alt="Kuczynski - Urenkel" width="182" height="300" />Das Bentzien-Buch, mit dem Teil 2 des R&#252;ckblicks in die Zukunft er&#246;ffnet wurde, setzt beim aufmerksamen Leser vor allem der &#228;lteren Generation, auch Assozi­ationen frei zu J&#252;rgen Kuczynski. Der lie&#223; auf den 1977 beendeten, erst 1983 er­schienenen, sofort umstrittenen, dann verbotenen und schlie&#223;lich durch Honecker zur 2. Auflage freigegebenen »Dialog mit meinem Urenkel« ein Dutzend Jahre sp&#228;ter als Unverbesserlicher den »Fortgesetzten Dialog mit meinem Urenkel« folgen. In einem Land nunmehr, das ihn nicht besondern mochte, aber tolerierte und duldete. Eine ver­gleichende Betrachtung ergibt: In beiden B&#252;chern wird das »Problem DDR« auf ganz unterschiedliche Weise provokativ und selbstkritisch thematisiert.</p>
<p>Kuczynski, ausgestattet mit der Lebenserfahrung von neun Jahrzehnten, bleibt im Dialog 2 weiterhin streitbar und scharfsinnig, nat&#252;rlich nicht ohne die Mitteilung an den Leser, dass er – immer dem Urteil seines Vaters folgend – sich »stets als ein first rate second class Wissenschaftler eingestuft hat, erster Rang in der zweiten Klasse«. Das schlie&#223;t seine weltumspannenden Kontakte mit ihm gem&#228;&#223;en wissen­schaftlichen, kulturellen und politischen Ber&#252;hmtheiten ein. Was er den Urenkeln Robert und Renè (und damit dem Leser) zu sagen hat, ist von hohem Gewicht.</p>
<p>Marx und Engels stehen f&#252;r ihn v&#246;llig au&#223;er jeder Kritik. Auf Lenin l&#228;sst er nichts kommen. Stalin ist f&#252;r ihn »der wahre Totengr&#228;ber, nicht des Sozialismus, aber der ersten Anf&#228;nge auf dem Weg zum Sozialismus«. Der Autor schildert selbstbe­wusst und kenntnisreich seine geradezu au&#223;ergew&#246;hnlichen Beziehungen zu den Rep­r&#228;sentanten von »Oben«. Gespannt ist seine Beziehung zu Ulbricht, mehr als ambi­valent ist sein Verh&#228;ltnis zu Honecker.</p>
<p>Schlie&#223;lich h&#228;lt er – die Frage bezieht sich auf die Nachwende-Gerichtsver­fahren – »alle, mit Ausnahme von Wilhelm Pieck, f&#252;r Verbrecher. Mein Urteil &#252;ber sie hat sich grundlegend ge&#228;ndert. Ich halte sie aus ganz anderen Gr&#252;nden f&#252;r Verbre­cher als das Gericht, weil sie sich n&#228;mlich f&#252;r allwissende, keine Fehler machende G&#246;tter hielten, voller Verachtung f&#252;r die Meinungen einfacher Menschen, voller Ver­achtung f&#252;r die Intelligenz &#8230; Es fehlte ihnen Oben jedes Solidarit&#228;tsgef&#252;hl mit den Menschen der Gesellschaft, in der sie Befehlsfunktionen einnahmen.«</p>
<p>Dieses Zitat vertieft provokant die Beitr&#228;ge von Hans Bentzien, Daniela Dahn und Klaus Huhn. Auf andere Weise auch den von Karl Nolle. Fotograf Manfred Uh­lenhut kann hier nicht als Kronzeuge zitiert werden, sein gl&#252;cklicher Vorwortschrei­ben Guido Knopp schon gar nicht. Dar&#252;ber hinaus m&#246;ge der Leser entscheiden, ob er sich dem Urteil des Jahrhundertzeugen Kuczynski &#252;ber Personen, die Zeitgeschichte mitgeschrieben haben, anschlie&#223;en will oder kann.</p>
<p>Die vielschichtige, widerspr&#252;chliche Realit&#228;t der neueren deutschen Ge­schichte scheint sich einer gerechten Bewertung durch das betroffene Volk – auch das teilen die B&#252;cher mit – zu entziehen. Die Unf&#228;higkeit der Deutschen zu trauern, wie wir sie von Alexander und Margarete Mitscherlich schon vor &#252;ber 40 Jahren in ihren Untersuchungen zu den Grundlagen kollektiven Verhaltens mitgeteilt bekamen, gilt weiterhin. Damit fehlt dem Verm&#246;gen, aus Vergangenem einen brauchbaren Zu­kunftsentwurf abzuleiten eine wichtige Voraussetzung.</p>
<p>F&#252;r die Protagonisten und Nutznie&#223;er des Kapitals mit ihrer Rechtfertigungs­logik ist das nicht verwunderlich. F&#252;r Sozialisten, die unbeirrt eine Abl&#246;sung der Verh&#228;ltnisse auf ihre Fahne schreiben, schon eher. Marx, teilt Kuczynski mit, schrieb im 18. Brumaire, „da&#223; n&#228;mlich die proletarischen Revolutionen des 19. Jahrhunderts best&#228;ndig sich selbst kritisieren. Sie unterbrechen sich fortw&#228;hrend in ihrem eigenen Lauf, sie kommen auf das scheinbar Vollbrachte zur&#252;ck, um es wieder<img class="alignright size-medium wp-image-1206" title="Wir sind das Volk" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/08/Wir-sind-das-Volk-200x300.GIF" alt="Wir sind das Volk" width="200" height="300" /> von Neuem anzufangen, verh&#246;hnen grausam gr&#252;ndlich die Halbheiten, Schw&#228;chen und Erb&#228;rm­lichkeiten ihrer ersten Versuche, scheinen ihren Gegner nur niederzuwerfen, damit er neue Kr&#228;fte aus der Erde sauge und sich riesenhaft ihnen gegen&#252;ber wieder aufrichte, schrecken stets von neuem zur&#252;ck vor der unbestimmten Ungeheuerlichkeit ihrer ei­genen Zwecke, bis die Situation geschaffen ist, die jede Umkehr unm&#246;glich macht.« Bis zu »dieser Situation« ist noch ein weiter Weg. Ob jene, die sich im Herbst `89 mit dem Schild »WIR sind das VOLK – 1989/1990« auf denselben machten, eine solche Zeitenwende noch erleben, ist mehr als fraglich.</p>
<address>J&#252;rgen Kuczynski. Fortgesetzter Dialog mit meinem Urenkel. F&#252;nfzig Fragen an einen unverbesserlichen Urgro&#223;vater. Schwarzkopf &amp; Schwarzkopf 1996, brosch. 256 Seiten, ISBN 3-89602-064-1.</address>
<address></address>
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		<title>Gr&#252;nes Gew&#246;lbe oder Blaue Flamme?</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 16:25:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner Rahn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kulturbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Logbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Bad Schandau]]></category>
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		<category><![CDATA[PoW WoW]]></category>
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		<description><![CDATA[Der 6. Sachsen Pow Wow 2009 versammelte Vertreter der Tourismusbranche in Dresden und umliegenden Regionen / Die Veranstalter bem&#252;hen sich in Zeiten der Weltwirtschaftskrise um die weitere Profilierung eines regionalen Events mit internationalem Flair Wer nicht zu den touristischen Insidern z&#228;hlt, wird wohl mit dem Begriff »PoW WoW« nicht viel anfangen k&#246;nnen. Das Wort kommt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der 6. Sachsen Pow Wow 2009 versammelte Vertreter der Tourismusbranche in Dresden und umliegenden Regionen / Die Veranstalter bem&#252;hen sich in Zeiten der Weltwirtschaftskrise um die weitere Profilierung eines regionalen Events mit internationalem Flair<span id="more-867"></span></p>
<p>Wer nicht zu den touristischen Insidern z&#228;hlt, wird wohl mit dem Begriff »PoW WoW« nicht viel anfangen k&#246;nnen. Das Wort kommt aus dem Indianischen und bedeutet soviel wie zusammen sein, sich unterhalten. Kreativ palavern w&#228;re auch nicht falsch. »In der Tourismusbranche«, so Hans-Peter Gaul vom traditionsreichen Club der Tourismusjournalisten Berlin/Brandenburg (CTOUR), »versteht man darunter das Miteinander von Machern, Anbietern und Eink&#228;ufern, begleitet von der Tourismuspresse«. In den USA, insbesondere in der Region New York, sei der PoW Wow schon lange eine feste touristische Gr&#246;&#223;e, ist von Karl S. Gutknecht, einem amerikanischen Reiseveranstalter, zu erfahren.<br />
In Deutschland machte Berlin vor nunmehr einem Jahrzehnt den Anfang. Vor drei Jahren sind beispielsweise &#252;ber 500 Fachbesucher, darunter 211 ausl&#228;ndische Vertreter aus 31 Nationen, zum Workshop f&#252;r Business und Leisure Travel an die Spree gekommen, erinnert sich der f&#252;r den »Busplaner International« t&#228;tige Freie Journalist Manfred Weghenkel. Dieses Event stand damit in einer spezifischen Korrespondenz zur ITB, der gr&#246;&#223;ten Tourismusmesse der Welt. Die in diesem M&#228;rz rund 11.100 Aussteller aus 180 L&#228;ndern sowie insgesamt etwa 180.000 Besucher in die Messehallen rund um den Funkturm zog und damit ihren Ruf als Weltleitmesse der Tourismusbranche weiter festigte.</p>
<p>In das PoW Wow-Programm klinkte sich sp&#228;ter Dresden ein. Beide St&#228;dte integrierten das jeweilige »Umland« mit ausgew&#228;hlten Orten und Regionen. Vor- und Nachprogramme wurden organisiert. So kamen Leipzig, Chemnitz, Zwickau oder Freiberg, die S&#228;chsische Schweiz oder das Erzgebirge zu touristischen Ehren.</p>
<div id="attachment_876" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-876" title="dresden-fenster" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/04/dresden-fenster-300x225.jpg" alt="Blick durchs „Fotofenster“ auf  Elbflorenz bei strahlendem Sonnenschein" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Blick durchs „Fotofenster“ auf Elbflorenz bei strahlendem Sonnenschein</p></div>
<p>Aus Gr&#252;nden, die hier im Einzelnen nicht thematisiert werden k&#246;nnen, verlie&#223;, ganz im Gegensatz zu vorherigen anderslautenden Absichts-erkl&#228;rungen, zwischenzeitlich Berlin den PoW Wow. Die Stadt Dresden dagegen taufte ihr Angebot in Sachsen PoW WoW um, dessen 6. Folge nunmehr knapp 80 Aussteller mit rund 150 Fachbesuchern versammelte.</p>
<h5>F&#252;rstin Lubomirska</h5>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/453f43cad69d470bae1107697984e71e" alt="" width="1" height="1" /><br />
Schwer zu sagen, was f&#252;r den Reporter die wirklich pr&#228;gende Erinnerung an das von der destination mar­keting gmbh (d.p.l.) organisierte mehrt&#228;gige Tourismus-Event ist. Es k&#246;nnte auf den Marketing-Mann von »Dresden 1900« hinaus laufen. Auf Sven Bieligk traf ich bei der Fachmesse im MARITIM ICC. Wo der Dynamo-Fan ver­mittelte, dass sich ein Besuch des unmittelbar neben der Frauenkirche gelegenen Museumsgastronomie-Komplexes mit seinen diversen Erlebnisbereichen zwi­schen Gr&#252;nderzeit und Jugendstil »auf alle F&#228;lle lohnt«. Dass er mit seiner Offerte in Schwarze getroffen hat, davon konnte man sich beim Abschlussbrunch &#252;ber­zeugen: Grundriss, Atmosph&#228;re, Kulinarie, Fahrausweis und Bedienung animie­ren zur Weiter­empfehlung.</p>
<div id="attachment_879" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-879" title="lubomirska" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/04/lubomirska-300x225.jpg" alt="Im Zentrum der Museumsgastronomie: Hinter F&#252;rstin Lubomirska von Te­schen (l.) und Cathleen Moosche haben sich Sven Bieligk, der Reporter, „Dresden 1900“-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Ricco Geithner, Presseprecher Stephan Trutschler und CTOUR-Mitglied Dietmar Jammer postiert (v.l.)" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Im Zentrum der Museumsgastronomie: Hinter F&#252;rstin Lubomirska von Te­schen (l.) und Cathleen Moosche haben sich Sven Bieligk, der Reporter, „Dresden 1900“-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Ricco Geithner, Presseprecher Stephan Trutschler und CTOUR-Mitglied Dietmar Jammer postiert (v.l.)</p></div>
<p>Oder sollte als Erinnerung eher die trefflich kost&#252;mierte und nicht we­niger selbstbewusste F&#252;rstin Lubomirska von Teschen in Frage kommen? Mit der es sich beim Get together Abend im Hotel MARITIM so anregend plau­dern lie&#223;. Und die Tags darauf bei heller Sonne und kaltem Wind als wortgewandte und in der Historie exzellent beschlagene Stadt­f&#252;hrerin Renata Linnè im Ge­schwindschritt eine Gruppe von knapp 40 Teilneh­mern durchs Zentrum der Elb­metropole lotste. Im Programm auch der Besuch des Historischen Gr&#252;nen Gew&#246;l­bes mit seinen unsch&#228;tzbaren Sch&#228;tzen an Gold, Sil­ber, Edelstein und Marmor. Zu dem der Einlass nur mit einer licht-und w&#228;rme­empfindlichen Eintrittskarte und nur innerhalb eines Zeitfenster m&#246;glich war.</p>
<h5>Silberstadt Freiberg</h5>
<div id="attachment_881" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-thumbnail wp-image-881" title="mineralia" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/04/mineralia-150x150.jpg" alt="Die Sammlung „terra mineralia“ hat viele Kostbarkeiten zu bieten" width="150" height="150" /><p class="wp-caption-text">Die Sammlung „terra mineralia“ hat viele Kostbarkeiten zu bieten</p></div>
<p>Nat&#252;rlich ist auch an Monika Kutzsche von der Stadtmarketing Freiberg zu denken, wenn es um bleibende Eindr&#252;cke geht. Die Besuchern das Wesen einer Silberstadt nahe brachte. Das man nicht verstehen kann, ohne dem sanierten Schloss Freudenstein eine Visite abgestattet zu haben. Dort pr&#228;sentiert sich die exorbitanten »terra mineralia«, bei der 5000 Exponate der Pohl-Str&#246;her-Mineralien-Stiftung gleichsam eine Spur der Steine durch f&#252;nf Kontinente ziehen.</p>
<div id="attachment_882" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><img class="size-thumbnail wp-image-882" title="freiberg" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/04/freiberg-150x150.jpg" alt="Domf&#252;hrungschef Manfred H&#252;bner bei seiner c-Dur-Offerte" width="150" height="150" /><p class="wp-caption-text">Domf&#252;hrungschef Manfred H&#252;bner bei seiner c-Dur-Offerte</p></div>
<p>Eine Show der Superlative, die bis dato weit mehr als 120 000 Besucher anzog. Die 42000 Einwohner-Stadt ist aber auch nicht zu verstehen ohne einen Dom-Besuch. Bei der die Dorische Dokata in d-Moll von Bach erklingt und Dom­f&#252;hrungschef Manfred H&#252;bner Kirchengeschichte in c-Dur vermittelt.<br />
Schon gar nicht ist Freiberg zu verstehen ohne einen Aufenthalt im Besucherbergwerk »Rei­che Zeche«. Wo zuerst der Akku-ICE 03109913 mit seinen f&#252;nf Waggons und einer Spitzengeschwindigkeit von 15 km/h f&#252;r Furore sorgt.</p>
<div id="attachment_883" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-thumbnail wp-image-883" title="zeche" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/04/zeche-150x150.jpg" alt="Rundgang im Besucherbergwerk „Reiche Zeche“, rund 160 Meter unterhalb von Freiberg" width="150" height="150" /><p class="wp-caption-text">Rundgang im Besucherbergwerk „Reiche Zeche“, rund 160 Meter unterhalb von Freiberg</p></div>
<p> Und die Gruppe dann bei einem mehrg&#228;ngigen Bergmannschmaus im Silberstollen 160 Meter un­ter Tage von einem Grazien-Quartett aus dem Hotel Kreller auch einen 60prozentigen Schnaps serviert bekommt. Den ein gelernter DDRler schon am Leuchten der Blauen Flamme ohne Verzug als »Kumpeltod« definieren kann.</p>
<h5>Elbresidenz Bad Schandau</h5>
<p>K&#246;nnte die »pr&#228;gende Erinnerung« aber nicht auch Werner Kirschner sein? Der Ge­sch&#228;ftsf&#252;hrer des 5-Sterne-Hauses Elbresidenz Bad Schandau, (eines der insge­samt 30 Gastgeberhotels), ist als risikofreudiger Touristiker auch &#252;berregional be­kannt. Er hat als Initiator, Organisationstalent und Hauptinvestor nach 16monatiger Bauzeit Ende August 2007 im Herzen der S&#228;chsischen Schweiz ein Haus er&#246;ffnet, das gut und gerne als bis dato einmalig in der Region bezeichnet werden kann. »Wer etwas f&#252;r sich selber tun will, bevor er krank wird, der komme zu uns«, ist seine Kurzfassung eines Viva Vital&amp;Medical SPA-Konzep­tes. Fast 74 000 &#220;bernachtungen im ersten Jahr zeigen, dass sich die Elbresidenz auf gutem Wege befindet. Welch selbiges man auch vom Sachsen Pow Wow hoffen sollte, in dessen F&#246;rdervereins-Vorstand Werner Kirschner ebenfalls aktiv ist.</p>
<div class="mceTemp mceIEcenter">
<div id="attachment_889" class="wp-caption aligncenter" style="width: 309px"><img class="size-medium wp-image-889" title="bad-schandau2" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/04/bad-schandau2-299x107.jpg" alt="Das 5-Sterne-Hotel Elbresidenz Bad Schandau im Herzen der S&#228;chsischen Schweiz/Fotos: Archiv/JBHB" width="299" height="107" /><p class="wp-caption-text">Das 5-Sterne-Hotel Elbresidenz Bad Schandau im Herzen der S&#228;chsischen Schweiz/Fotos: Archiv/JBHB</p></div>
</div>
<p>Dieser Wunsch wurde gleicherma&#223;en bei der von Stephan Trutschler (Pressesprecher d.p.l.) geleiteten Pressekonferenz deutlich. Bei der er mit Hans-J&#252;r­gen Goller (Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen), Tino Richter (Touris­musverband S&#228;chsische Schweiz), Dr. Holm Gro&#223;e (Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien), Rudolf Vollnhals (August Horch Museum Zwi­ckau), Elena Krause (Leipzig Tourismus und Marketing), Katrin Franke (Touris­musverband S&#228;chsisches Elbland) sowie neben Werner Kirschner auch d.p.l.-Ge­sch&#228;ftsf&#252;hrerin Cathleen Moosche bekannt machte. Und damit das fast komplette Pow Wow-Angebot, inklusive Pre-Convention Tour Leipzig und Post Convention Tour »100 Jahre Audi« Zwickau, in persona.</p>
<h5>Kontakte mit Zukunft?</h5>
<p>Cathleen Moschee informierte also &#252;ber die 78 Aussteller und 150 Fach­besucher aus dem In-und Ausland, die an der Kontaktmesse im MARITIM ICC beteiligt sind. Zur Sprache kommt auch die leidige Situation, in der sich der Tourismus in Dresden und im Land Sachsen gegenw&#228;rtig befinden soll oder eben tats&#228;chlich be­findet. Dabei wurden durchaus unterschiedliche Bewertungen zu Gr&#252;nden und Hintergr&#252;nden von Sinn (oder auch Unsinn?) kontrovers kommentierter administ­rativer Ent­scheidungen h&#246;rbar.<br />
Ein komplizierter Prozess, der hoffentlich in eine gute Richtung f&#252;hrt. Zumal das Ende der gro&#223;e Krise mit ihren nach unten, also auch auf den regionalen Tourismus, durchschlagenden negativen Auswirkungen noch lange nicht absehbar ist. Dass Veranstaltungen wie die hier beschriebene, einerseits gef&#228;hrdet sind, gleichzeitig aber auch eine stabilisierende Rolle spielen k&#246;nnen, ist wohl unbestritten&#8230;</p>
<h6>Ru­dolf Hempel</h6>
<address>Weitere Informationen:<br />
+ d.p.l. destination marketing gmbh, M&#252;nzgasse 10, 01067 Dresden, Tel. 0351/8212640, Fax: 0351/82126444; e-mail: &#105;&#110;&#102;&#111;&#64;&#100;&#114;&#101;&#115;&#100;&#101;&#110;&#45;&#112;&#111;&#119;&#119;&#111;&#119;&#46;&#100;&#101; www.dresden-powwow. de<br />
+ Museumsgastronomie „Dresden 1900&#8243;, An der Frauenkirche 20, 01067 Dres­den, Tel.: 0351/48205858; Fax: 48205856; www.dresden1900.de<br />
+ G&#228;stef&#252;hrer Renata Linnè, Tel./Fax: 0351/4952768; Renata.Linnè@freenet.de www.dresden-drezna.info<br />
+ Stadtmarketing Freiberg, Schlossplatz 6, 09599 Freiberg, Tel. 03731/41951-60; Fax: 03731/41951-65; e-mail: &#109;&#46;&#107;&#117;&#116;&#122;&#115;&#99;&#104;&#101;&#64;&#102;&#114;&#101;&#105;&#98;&#101;&#114;&#103;&#45;&#115;&#101;&#114;&#118;&#105;&#99;&#101;&#46;&#100;&#101;; www.freiberg-ser­vice.de<br />
+ Elbresidenz Bad Schandau, Markt 1-11, 01814 Bad Schandau, Tel.: 03522/919900, Fax: 035022/919-910, e-mail: kirschner@elbresidenz-bad-schan­dau.de; www.elbresidenz-bad-schandau.de</address>
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		<title>Das Toben der CDU im ostdeutschen Glashaus</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Dec 2008 14:21:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was Stanislaw Tillich, der heutige s&#228;chsische CDU-Ministerpr&#228;sident, einstmals politisch in der DDR getan hat, ist ihm nicht vorzuwerfen. Er hat sich nicht anders verhalten als Millionen anderer Ostdeutscher, die in dieses Land hineingeboren wurden und dort ihr Leben gestalten mussten &#8211; mit allen Kompromissen, Anpassungen und Zugest&#228;ndnissen, die dies &#8211; ziemlich unabh&#228;ngig vom jeweiligen politischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was Stanislaw Tillich, der heutige s&#228;chsische CDU-Ministerpr&#228;sident, einstmals politisch in der DDR getan hat, ist ihm nicht vorzuwerfen. Er hat sich nicht anders verhalten als Millionen anderer Ostdeutscher, die in dieses Land hineingeboren wurden und dort ihr Leben gestalten mussten &#8211; mit allen Kompromissen, Anpassungen und Zugest&#228;ndnissen, <span id="more-613"></span>die dies &#8211; ziemlich unabh&#228;ngig vom jeweiligen politischen System &#8211; mit sich bringt. Tillich und mit ihm zahlreiche Mitglieder der DDR-Blockparteien verhielten sich nicht anders als die meisten SED-Genossen, die auch nur daran dachten, dass sie nur ein Leben haben, aus dem sie kaum ausbrechen konnten und aus dem man das Beste machen wollte.</p>
<p>Stanislaw Tillich w&#228;re nicht einmal vorzuwerfen, wenn er &#8211; wie mancher sp&#228;terer Funktion&#228;r einer Blockpartei &#8211; bewusst in die CDU eingetreten w&#228;re, weil man da bis zu einem gewissen Grad durchaus schneller Karriere machen konnte als in der SED &#8211; schon der in einer Blockpartei geringeren Konkurrenz wegen. All das sind normale menschliche Verhaltensweisen, die den einzelnen vielleicht schneller voranbringen, allerdings mitunter auch Schuldgef&#252;hle erzeugen, die vielleicht sp&#228;ter in Verdr&#228;ngung m&#252;nden &#8211; vor allem dann, wenn wieder Kompromisse, Anpassungen, Zugest&#228;ndnisse verlangt werden, um eine neue Karriere machen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Ginge es im Fall Stanislaw Tillich allein um solch eine DDR-Biografie mit ihren nat&#252;rlichen Grauzonen und Widerspr&#252;chen, k&#246;nnte man dar&#252;ber gewiss eine sachliche Diskussion f&#252;hren und zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte Konstruktives beitragen. Dass der Lebenslaufs Tillichs jetzt jedoch pl&#246;tzlich derart ins Zentrum der Aufmerksamkeit r&#252;ckte, liegt weniger an den Ostdeutschen, die derartige Geschichten zur Gen&#252;ge kennen und sich kein bisschen mehr dar&#252;ber wundern; es liegt auch nicht nur, wenn auch schon in st&#228;rkerem Ma&#223;e an den &#252;berwiegend westlich gepr&#228;gten Medien, die aus Sensationslust, Ahnungslosigkeit und einer geh&#246;rigen Portion Selbstgerechtigkeit immer wieder gern in diesem vermeintlichen Sumpf w&#252;hlen.</p>
<p>Es liegt vor allem an der CDU, die von Anfang an die gro&#223;e Mehrheit der von ihr vereinnahmten Blockpartei CDU gewisserma&#223;en ent-DDR-isierte. Der Glanz des kleinen Gr&#252;ppchens von B&#252;rgerrechtlern und der weitaus gr&#246;&#223;eren Gruppe mehr oder minder prominenter westlicher Zuz&#252;gler sollte die Blockparteifreunde derart &#252;berstrahlen, dass sie keiner mehr erkennen konnte. W&#228;hrend SED-Mitglieder a priori zu »Spitzbuben«, wenn nicht gar »Spitzelbuben« erkl&#228;rt wurden und immer noch werden, wie dieser Tage von Angela Merkel, die zwar im Osten keiner Blockpartei beitrat, ansonsten aber auch Kompromisse, Anpassungen und Zugest&#228;ndnisse nicht scheute, um &#8211; was kein Vorwurf ist &#8211; ein wenig Karriere zu machen, verschwanden vergleichbare biografische Daten der Ex-CDU- und Bauernpartei-Mitglieder in der Versenkung.</p>
<p>Dort sollten sie auch bleiben, gerade jetzt vor dem anstehenden Jubil&#228;umsjahr 2009, weshalb in einem vielseitigen Parteitags-Antrag zun&#228;chst kein Wort &#252;ber die Ost-CDU stand. Man hatte vor, mit solcher Sprachregelung auf der Linkspartei und auch wenig auf der SPD herumzupr&#252;geln &#8211; mit dem haupts&#228;chlichen Ziel, eine Zusammenarbeit beider weiterhin zu verteufeln, st&#252;nde die doch m&#246;glicherweise dem Weiterregieren der Union im Wege. Diese Absicht war der CDU so wichtig, dass sie dar&#252;ber das Glashaus verga&#223;, in dem sie selber sitzt. Daher richtete die gewaltige Steinkanone, die man gegen andere in Stellung brachte, zun&#228;chst im eigenen Laden Schaden an. Dass sie abgebaut wird, ist daraus nat&#252;rlich nicht zu schlie&#223;en. Doch ohne eigenes Scherbengericht d&#252;rfte auch k&#252;nftiges Toben im Glashaus &#246;stlicher CDU-Vergangenheit nicht abgehen.</p>
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