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	<title>blogsgesang.de &#187; Schavan</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Warum f&#228;hrt Ministerin Schavan ins schurkische China?</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Apr 2008 14:41:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man reibt sich vor &#220;berraschung die Augen: W&#228;hrend landauf, landab ganz ernsthaft dar&#252;ber diskutiert wird, ob Sportler zu den Olympischen Spielen nach Peking reisen d&#252;rfen, machte sich Bundesforschungsministerin Annette Schavan heimlich, still und leise ohne vorherige &#246;ffentliche Er&#246;rterung auf die Reise dorthin. Selbst der Bildzeitung bereitete das Bauchschmerzen; sie holte von der Merkel-Vertrauen schnell noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Man reibt sich vor &#220;berraschung die Augen: W&#228;hrend landauf, landab ganz ernsthaft dar&#252;ber diskutiert wird, ob Sportler zu den Olympischen Spielen nach Peking reisen d&#252;rfen, machte sich Bundesforschungsministerin Annette Schavan heimlich, still und leise ohne vorherige &#246;ffentliche Er&#246;rterung auf die Reise dorthin. <span id="more-354"></span>Selbst der <a target="_blank" href="http://www.bild.de/BILD/news/politik/2008/04/13/regierung-warnt-china/vor-unterdrueckung-der-tibeter,geo=4255578.html">Bildzeitung</a> bereitete das Bauchschmerzen; sie holte von der Merkel-Vertrauen schnell noch ein paar scharfe Worte ein, die ihren unzeitgem&#228;&#223;en Trip offensichtlich rechtfertigen sollen.</p>
<p>Dennoch zeigt der Vorgang das ganze Ausma&#223; von Heuchelei, das Politiker und die meisten Medien in der Tibet-Problematik gegenw&#228;rtig umtreibt. W&#228;hrend sorgsam im Dunkeln gelassen wird, was in Tibet tats&#228;chlich vor sich geht, wie dort die sozialen Verh&#228;ltnisse sind, wovon die Menschen wie leben, welche Rolle die zahlreichen M&#246;nche – wie viele sind es eigentlich, was ist ihre Funktion, wovon ern&#228;hren sie sich? – spielen, was die einfachen Tibeter von ihrer Religion halten, was sie ihnen bringt, was sie von ihnen fordert – w&#228;hrend man &#252;ber all das also kaum etwas lesen, h&#246;ren oder sehen kann und auch nichts Konkretes &#252;ber die Vorstellungen der Tibeter zur Modernisierung und Entwicklung ihrer Region und worin diesbez&#252;glich die Differenzen mit den Chinesen bestehen, ist ihr Feind, der rote Drache, bis ins letzte Detail erkannt und wird in den schrecklichsten Farben beschrieben.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist es nicht unglaubw&#252;rdig, dass die chinesische F&#252;hrung wenig sensibel, sondern mit brutaler Gewalt gegen kritische Regungen in ihrem Land vorgeht; daf&#252;r hat es Beispiele gegeben, und wer selbst einmal im »sozialistischen Lager« gelebt hat, kennt die Methoden einer autorit&#228;ren F&#252;hrung im Umgang mit oppositionellen Geistern oder gar Massenbewegungen. Er wei&#223; aber auch, dass durch Druck und ultimative Forderungen bei einer solchen Regierung nichts zu erreichen ist. Es ist – noch eine &#220;berraschung – ausgerechnet <a target="_blank" href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Fragen-des-Tages-Tibet-Dalai-Lama-Olympia;art693,2512551">George W. Bush</a>, der sich sonst keine Gelegenheit entgehen l&#228;sst, einen »Schurkenstaat« vorzuf&#252;hren, der vorsichtig agiert. Er jedenfalls will sich einen Boykott der Olympischen Spiele nicht vorschreiben lassen (obwohl es auf ihn pers&#246;nlich dort wohl am wenigsten ankommt) und er verlangt ihn auch nicht von seinen Sportlern, was hiesige Politiker teilweise ganz anders sehen.</p>
<p>Aber vielleicht hat man hierzulande viel mehr und schlimmere Informationen &#252;ber Tibet als in den USA; dann jedoch w&#228;re es angezeigt, Konsequenz zu beweisen und eben nicht selbst nach China zu fahren, w&#228;hrend man dies anderen im gleichen Atemzug zu verbieten nicht ausschlie&#223;t. Oder wird Frau Schavan im »Free-Tibet-T-Shirt« vor ihre chinesischen Gastgeber treten, wenigstens ein passendes Armband am Handgelenk tragen? Die Frage zeigt bereits die ganze L&#228;cherlichkeit der Debatte, denn nat&#252;rlich wird die Ministerin die diplomatischen Regeln einhalten und die Chinesen nicht provozieren. Die <a target="_blank" href="http://www.morgenweb.de/region/heppenheim/20080414_srv0000002413921.html">olympischen Regeln </a>jedoch werden schnell zur Disposition gestellt – von jenen, die darunter garantiert nicht zu leiden haben, aber heftig alle kritisieren, die ihnen nicht sofort lauthals Beifall zollen.</p>
<p>Wie zum Beispiel die <a href="http://www.handelsblatt.com/News/Politik/Deutschland/_pv/_p/200050/_t/ft/_b/1417188/default.aspx/wirtschaft-besorgt-ueber-kritische-china-debatte.html">deutsche Wirtschaft</a>, die mit 3000 (!) Firmen in China vertreten ist, die allein 2007 dort 1,5 Milliarden Euro investierten und zugleich 54 Milliarden Euro an Exporterl&#246;sen erwirtschafteten. Auch sie wird sich ein solches Gesch&#228;ft nicht entgehen lassen – schon gar nicht auf der Basis der sehr vagen und unvollst&#228;ndigen Berichte aus Tibet, die – wenn sie sich doch einmal aus dem »politisch korrekten« Mainstream l&#246;sen – ein weit <a target="_blank" href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/127116.html">weniger eindeutigeres Bild </a>zeichnen. Dennoch fordern jetzt Politiker, die sich sonst ihrer Realit&#228;tssicht r&#252;hmen, auch hier Korrekturen; dem k&#246;nnte man ja folgen, wenn die gleichen Politiker dann nicht morgen Krokodilstr&#228;nen &#252;ber die so verspielten Arbeitspl&#228;tze verg&#246;ssen.</p>
<p>Somit entpuppt sich das Tibet-Spektakel, wie es Regierung und viele Medien vorf&#252;hren, als ein propagandistisches Schauspiel, bei dem es weder um die die Menschen in Tibet und deren Belange geht noch um tats&#228;chliche Fortschritte f&#252;r eine Demokratisierung in China. Vielmehr soll damit aus innen- und mehr noch sogar parteipolitischen Gr&#252;nden eine verfehlte, weil allein symbolhafte Menschenrechtspolitik demonstriert werden, und eine Bundeskanzlerin will zugleich ihren unbedachten, den Beziehung zu China abtr&#228;glichen Umgang mit dem Dalai Lama rechtfertigen.</p>
<p></font></p>
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