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	<title>blogsgesang.de &#187; SPD</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Saarl&#228;ndisches Passspiel zwischen CDU und Linkspartei</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 18:45:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Ausgerechnet die CDU ist es, die sich auf den Gebrauchswert der Linkspartei besinnt. Nat&#252;rlich nicht in deren Verst&#228;ndnis als linke Gegenkraft zum neoliberalen Mainstream, sondern im eigenen Interesse. Denn nicht zuletzt die relative St&#228;rke der Linken im Saarland d&#252;rfte es gewesen sein, die Ministerpr&#228;sidentin Annegret Kramp-Karrenbauer<span id="more-3584"></span> das kalkulierbare Risiko eingehen lie&#223;, ihr br&#252;chiges Jamaika-B&#252;ndnis durch eine stabilere Koalition mit der SPD zu ersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>F&#252;r sie war klar, dass sie in der Regierung mit FDP und Gr&#252;nen, beide unsichere Kantonisten, nur verlieren konnte; vor allem die CDU w&#252;rde nach dem absehbaren Koalitionsbruch als Verlierer dastehen. Also trat sie die Flucht nach vorn an, beendete selbst das B&#252;ndnis und machte unverz&#252;glich der SPD ein Angebot, das dieser endlich das Mitregieren, ihr aber das Weiterregieren sicherte. Im besten Falle w&#252;rden die Sozialdemokraten um winkender Ministerposten willen sogar sie selbst weiter als Ministerpr&#228;sidentin akzeptieren. Im wahrscheinlicheren – und <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/vor-neuwahl-im-saarland-zaudern-zoegern-taktieren-11616784.html" target="_blank"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2c20f74ea6a34500aae519aeee46be01" alt="" width="1" height="1" />nun eingetretenen</a> – Fall von Neuwahlen bliebe ihr zumindest die Chance auf ein Resultat, das zum gleichen Ergebnis f&#252;hrte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hintergrund einer solchen Hoffnung ist ein saarl&#228;ndisches Alleinstellungsmerkmal f&#252;r die westlichen Bundesl&#228;nder, n&#228;mlich die einmalige <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/216308.linke-will-wieder-dritter-werden.html" target="_blank">St&#228;rke der Linkspartei</a>. Bei den Landtagswahlen 2009 errang sie mit ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine, der dort schon einmal f&#252;r die SPD eine sehr erfolgreicher Ministerpr&#228;sident war, 21,3 Prozent der Stimmen, nur 3,2 Prozent weniger als die Sozialdemokraten. Daf&#252;r, dass dies wiederholbar ist, gibt es zwar keine Garantie, aber ein sehr ordentliches zweistelliges Resultat ist f&#252;r die Linke durchaus drin; es w&#252;rde vermutlich erneut vor allem zu Lasten der SPD gehen. Genauso d&#252;rfte Kramp-Karrenbauer kalkulieren, auch wenn Umfragen aus dem letzten Jahr die Sozialdemokraten knapp vorn sahen. Sie ist also durchaus an einem guten Wahlergebnis der Linken interessiert, denn dies k&#246;nnte sich als steiler Pass in den gegnerischen Strafraum erweisen, mit dem sich bei eigener guter Leistung der erw&#252;nschte Erfolg sicherstellen lie&#223;e.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber auch f&#252;r die Linkspartei ergibt sich daraus eine unerwartete Chance. Sie kann – im Kleinversuch – ausprobieren, ob eine wahrhaft alternative Politik zum entfesselten Kapitalismus, wie sie Oskar Lafontaine glaubw&#252;rdig vertritt, w&#228;hlerwirksam ist, woran j&#252;ngst Zweifel aufgekommen sind. Nachdem ihre Unterwerfung unter den – wenn auch sozialdemokratisch angehauchten – vorgeblich alternativlosen Politikstil in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und vor allem Berlin bereits gescheitert ist und in Brandenburg ebenfalls zu scheitern droht, ist dies ihre vielleicht letzte M&#246;glichkeit, als eigenst&#228;ndige Kraft wahr- und dann auch angenommen zu werden. Dass ihr die ausgerechnet die CDU verschafft, belegt einmal mehr die Ironie der Geschichte, die sich von ideologischen Grenzziehungen nicht beeindrucken l&#228;sst.</p>
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		<title>Der gew&#246;hnliche Rechtsterrorismus und seine Opfer – zum Beispiel Ravindra Gujjula</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 17:36:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichtsbuch]]></category>
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		<description><![CDATA[(pri) Der Rechtsterrorismus sei ein neues Ph&#228;nomen, sagt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und beweist damit nur, dass er noch immer auf dem rechten Auge blind ist. Denn Rechtsterrorismus gibt es in Deutschland seit mindestens 20 Jahren; das belegt schon die hohe Zahl seiner Opfer, die sich nach seri&#246;sen Erhebungen der Zahl 200 n&#228;hert. Es dokumentieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Der Rechtsterrorismus sei ein neues Ph&#228;nomen, sagt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und beweist damit nur, dass er noch immer auf dem rechten Auge blind ist. Denn Rechtsterrorismus gibt es in Deutschland seit mindestens 20 Jahren; das belegt schon die hohe Zahl seiner Opfer, die sich nach seri&#246;sen Erhebungen der Zahl 200 n&#228;hert. Es dokumentieren aber auch die fast w&#246;chentlichen martialischen Aufm&#228;rsche rechtsextremistischer Organisationen, Verb&#228;nde, »Kameradschaften« und einer legalen Neonazi-Partei<span id="more-3435"></span>, die ihre Existenz haupts&#228;chlich dem Zufluss staatlicher Mittel verdankt. Es beweisen die so genannten national befreiten Zonen in vielen Landesteilen und der Psychoterror gegen jene, die sich dem braunen Spuk mutig entgegenstellen.</p>
<p>All diese Vorg&#228;nge, die zwar (noch?) nicht im Umfang, wohl aber in der Art be&#228;ngstigend an vergleichbare Entwicklungen in den fr&#252;hen 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts in Deutschland erinnern, waren und sind allgemein bekannt. Es wurde dar&#252;ber gesprochen und geschrieben – und zugleich verharmlost und bagatellisiert. Die Opfer fanden nur selten Geh&#246;r – nicht bei der Politik, kaum in den Medien, auch nicht bei der Justiz und schon gar nicht in der Polizei und in Geheimdiensten. Dabei haben gerade sie klare und relevante Signale ausgesandt, die jedoch in aller Regel ignoriert wurden. An einige dieser Opfer, die die &#214;ffentlichkeit trotz aller Gefahren nicht scheuten, und jene wenigen, die sich solidarisch an ihre Seite stellten und sich damit Anfeindungen aussetzten, soll noch einmal erinnert werden.</p>
<p>Ravindra Gujjula ein Opfer rechter Gewalt zu nennen, mag befremden; schlie&#223;lich war er von 1994 bis 2003 B&#252;rgermeister des Brandeburger St&#228;dtchens Altlandsberg und sp&#228;ter zwei Jahre lang Abgeordneter im dortigen Landtag. Doch vor Ausgrenzung und rassistischen Angriffen sch&#252;tzte auch das nicht.</p>
<h4>Ravindra Gujjula wurde in Indien geboren und im brandenburgischen Altlandsberg B&#252;rgermeister &#8211; und wei&#223; gerade deshalb, da&#223; Ausl&#228;nder in Deutschland noch lange nicht dazu geh&#246;ren</h4>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/7c6f2144e7a149b192eb63ed77fbd812" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2></h2>
<h2>Der Pa&#223;, das Amt &#8211; und doch kein Morgenland</h2>
<p><a href="http://www.blogsgesang.de/2011/11/29/der-gewohnliche-rechtsterrorismus-und-seine-opfer-zum-beispiel-ravindra-gujjula/gujjulaklein/" rel="attachment wp-att-3440"><img class="alignright size-medium wp-image-3440" title="Gujjula,klein" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/11/Gujjulaklein-300x228.jpg" alt="" width="300" height="228" /></a>Altlandsberg ist eine kleine Weltsen­sation. Aus 25 L&#228;ndern waren be­reits Journalisten und Kamera­teams in dem Flecken nord&#246;stlich Berlins, berichtet der B&#252;rgermeister. Sie kamen aus Frankreich und Italien, aus Indien und der T&#252;rkei, sogar aus El Salvador und Hongkong, auch BBC aus England und CNN aus den USA. Stolz ist Ravindra Gujjula auf solch internationale Anteilnahme an seiner brandenburgischen Kleinstadt, und er hat ein Recht dazu. Denn Altlands­berg verdankt seine Ber&#252;hmtheit vor al­lem ihm.<br />
Der Sohn eines indischen Gewerk­schaftsfunktion&#228;rs ist dort seit 1994 B&#252;r­germeister &#8211; in einer Kleinstadt ausge­rechnet jenes Bundeslandes, das fast Wo­che f&#252;r Woche Schlagzeilen damit macht, da&#223; irgendwo Ausl&#228;nder gejagt wurden, Skinheads Fremde zusammenschlugen, rechte Gewalt eskalierte. Gerade dort wird ein Dunkelh&#228;utiger und Akzentsprechen­der zum Stadtoberhaupt. Selbst die »New York Times« wundert sich: »Deutschland hat viele Gesichter.«<br />
Gujjula k&#246;nnte erg&#228;nzen: Wie Altlands­berg! Denn nat&#252;rlich prangten auch hier schon Hakenkreuze auf der mittelalterli­chen Stadtmauer. »Glatzen« tauchen hin und wieder im kleinst&#228;dtischen Bild auf, am »F&#252;hrergeburtstag« sammeln sie sich zu einer Fete und bedrohen jene, die ih­rem Bild vom »guten Deutschen« nicht entsprechen. Und erst vor einigen Wochen erhielt eine Gruppe Roma in ihrer Wohn­wagensiedlung auf einer Wiese vor den Toren Altlandsbergs unerw&#252;nschten Be­such. Eine Kolonne Autos und Motorr&#228;der brauste durchs Lager, umkreiste die 40 Wagen, einige wollen »Ausl&#228;nder raus!« geh&#246;rt haben. Da titelte die regionale Presse: »Roma versp&#252;ren tagt&#228;glich Aus­grenzung« &#8211; eine ungewohnte Schlagzeile f&#252;r Gujjula und sein Altlandsberg.<br />
In solchen Momenten f&#252;hlt sich der kleine B&#252;rgermeister mit dem Schnauz­bart etwas hilflos. »Wir leben hier nicht auf einer Insel der Seligen«, sagt er dann fast ein wenig schuldbewu&#223;t. Und er be­richtet von anonymen Anrufen, b&#246;sen Briefen, die er an bestimmten symboli­schen Tagen oder nach einem Fernseh­auftritt &#8211; neben viel Zuspruch &#8211; erh&#228;lt. Einmal trat ihm auch einer in den Weg: »Du hast &#252;ber Deutschland Schande ge­bracht!« Zwar glaubt er nicht, da&#223; es Altlandsberger sind, die ihn da beschimpfen, denn 1994 w&#228;hlten ihn immerhin 66 Pro­zent und vier Jahre sp&#228;ter gar 81 Prozent ins B&#252;rgermeisteramt, aber er wei&#223; auch, da&#223; bei der Bundestagswahl vorigen Herbst rechte Parteien im Ort zusammen auf &#252;ber f&#252;nf Prozent kamen und j&#252;ngst bei der Europawahl die Republikaner 2,2 und die NPD 1,2 Prozent erreichten.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Rene Koht, erster Altlandsberger B&#252;rger­meister nach der Wende, jetzt CDU-Frak­tionsvorsitzender in der Stadtverordne­tenversammlung und zweimal klar un­terlegener Konkurrent Gujjulas bei der B&#252;rgermeisterwahl, orakelt gar: »Hof­fentlich gibt es nicht eines Tages ein b&#246;ses Erwachen, wie in Guben.« Denn viele ou­teten sich nicht als Rechte, allenfalls nach einem tiefen Blick ins Bierglas. Immerhin h&#228;tten bei ihm einige Leute, »die ich mir &#252;berhaupt nicht als Sympathisanten der CDU vorstellen konnte«, angerufen, um bei der Kampagne gegen eine doppelte Staatsb&#252;rgerschaft zu unterschreiben. »&#214;ffentlich praktiziert« habe die CDU die Unterschriftensammlung in Altlandsberg nicht, denn: »Man nimmt R&#252;cksicht auf den B&#252;rgermeister.« Es klingt besorgt, wenn Koht Verdr&#228;ngung beklagt: »Die Deutschen haben ein Problem mit ihrer Geschichte.« Und zur Erkl&#228;rung von der »Bubis-Keule« spricht, deretwegen be­stimmte Dinge nicht offen angesprochen werden. Es schwingt aber auch Bedauern mit, denn letztlich profitiere Gujjula da­von; »mit einem Deutschen« w&#252;rde man sich zum Beispiel im Wahlkampf sch&#228;rfer auseinandersetzen.</p>
<p>Deutscher ist Gujjula seit 1993, in Alt­landsberg lebt er jedoch schon seit 1982. Der heute 45j&#228;hrige kam 1973 in die DDR, um Medizin zu studieren. Nach seiner Ausbildung an der Charite arbeitete er in der Inneren Abteilung des Kreiskranken­hauses in Altlandsberg, wurde Facharzt. Er schrieb an den damaligen DDR-Ge­sundheitsminister, um ihn &#252;ber &#252;ber un­haltbare Zust&#228;nde in der Klinik zu infor­mieren. Mecklinger kam tats&#228;chlich, doch es &#228;nderte sich nichts. Dann wollte der junge Arzt auf der Liste des FDGB bei den Kommunalwahlen 1989 kandidieren, aber da es au&#223;er ihm in Altlandsberg keine Ausl&#228;nder gab, hielt der Kreiswahl­leiter das f&#252;r verfehlt. Jetzt schrieb Gujjula an Honecker und Krenz &#8211; und wurde kurz darauf entlassen. Erst in den letzten Tagen der DDR, als die Fluchtwelle gen Westen die &#196;rzteschaft stark dezimiert hatte, wurde er wieder eingestellt.</p>
<p>All das trug zur Glaubw&#252;rdigkeit des B&#252;rgers Dr. Gujjula im kleinen Altlands­berg bei, der sich hier nach der Wende als frei praktizierender Arzt niederlie&#223;. Ihm half wohl auch, da&#223; er trotz seiner Erfah­rungen vor 1989 nicht in eine Opfer-Atti­t&#252;de verfiel. »Die Erinnerung an die DDR m&#246;chte ich nicht missen«, sagt er noch heute. Was er damals gut fand, mache er nicht nachtr&#228;glich schlecht. Und damalige Fremdenfeindlichkeit? Er blickt ver­st&#228;ndnislos: »Die gab es mit Sicherheit nicht!« Noch 1990, bei der Wiederholung der annulierten Kommunalwahlen des Vorjahres, profitierte er vom DDR-Recht und wurde als Ausl&#228;nder ganz selbstver­st&#228;ndlich ins Altlandsberger Stadtparla­ment gew&#228;hlt. Vier Jahre sp&#228;ter lie&#223; es das inzwischen aus dem Westen &#252;ber­kommene Wahlrecht nicht mehr zu, dass er f&#252;r das B&#252;rgermeisteramt kandidierte. Er mu&#223;te die indische Staatsb&#252;rgerschaft ablegen, um die deutsche zu bekommen -einer der Gr&#252;nde, warum er sich so sehr f&#252;r ein neues Staatsb&#252;rgerschaftsrecht engagiert.</p>
<p>Im Fr&#252;hjahr 1998, also lange bevor es parlamentarische Mehrheiten f&#252;r neue gesetzliche Regelungen dazu gab, setzte er sich mit einigen Gleichgesinnten zusam­men und gr&#252;ndete die »Altlandsberger Initiative«, die f&#252;r die Erleichterung der Einb&#252;rgerung von Ausl&#228;ndern warb und zugleich die B&#252;rger Brandenburgs zu mehr Engagement gegen Fremdenhass und Gewalt aufforderte. Viele Prominente unterzeichneten damals das Papier: Mini­sterpr&#228;sident Manfred Stolpe, die Minister Hildebrandt, Reiche, Peter, auch Bisky und Kutzmutz von der PDS. Nun gibt es ein neues Gesetz, aber Gujjula ist nicht zufrieden. »Es ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht ausrei­chend«, sagt er und bedauert, da&#223; die SPD, der er 1998 beitrat, nicht mehr getan hat, um die B&#252;rger f&#252;r das Projekt zu ge­winnen. »Solange man nicht die Mehrheit der B&#252;rger hat, erreicht man nichts.«</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Also muss er diese Mehrheit immer wieder gewinnen, auch in Altlandsberg mit sei­nen viereinhalbtausend Einwohnern. Die h&#228;tten gern einen privaten Wachdienst zu ihrer Sicherheit, doch Gujjula hat lieber den Bau einer gro&#223;en Mehrzweckhalle durchgesetzt; sie soll den zahlreichen Sportgruppen eine Trainingsm&#246;glichkeit bieten. Manche sagen, damit seien die j&#228;hrlich sechsstelligen Unterhaltungsko­sten nicht hereinzuholen. Zwar mu&#223; auch Rene Koth einr&#228;umen, da&#223; der B&#252;rger­meister das Geld f&#252;r den Bau zusammen­gebracht hat, aber: »Solch ein Projekt ist keine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Es gibt kein Betriebskonzept. Keiner wei&#223;, wie es k&#252;nftig zu bezahlen ist.« Der Grafi­ker Johannes Niedlich, als Einzelkandidat in das Stadtparlament gew&#228;hlt, spricht gar von »Populismus«, nachdem er sich zuvor noch &#252;ber herumlungernde Ju­gendliche im Ort beklagt hatte. Gerade die aber k&#228;men von der Stra&#223;e, verteidigt Helmut Friske den Bau. Der pensonierte Pfarrer sieht darin eine Investition f&#252;r die Jugend: »Sie wird besch&#228;ftigt, kommt im Sport, beim Tanzen mit Ausl&#228;ndern zu­sammen.« Er leugnet die finanzielle Bela­stung nicht, doch sei sie durch die Vorteile gerechtfertigt.</p>
<p>Wenn es um solche kommunalen Ange­legenheiten geht, m&#246;chte Ravindra Guj­jula ein ganz normaler B&#252;rgermeister sein, der »nur ein bi&#223;chen anders aus­sieht«. Inzwischen wei&#223; er, da&#223; er es doch nicht kann &#8211; und letztlich auch nicht will. Im Winter fuhr er ins s&#228;chsische Zittau, mit einem Kamerateam, dem er als Demonstrationsobjekt diente. Mit einer schwarzen Pudelm&#252;tze auf dem Kopf trat er an ein Taxi heran &#8211; und h&#246;rte ein hartes Nein-. »Ich fahre Sie nicht.« Es half keine Diskussion, kein Hinweis auf seinen deut­schen Pa&#223;, da&#223; er Arzt sei, nichts. Die Ta­xifahrer schilderten unverbl&#252;mt ihre Er­fahrungen mit Bundesgrenzschutz, Poli­zei, Gerichten, die sie sofort der Kompli­zenschaft mit illegal Eingereisten bezich­tigen, wenn sie jemanden bef&#246;rdern, der »ein bi&#223;chen anders aussieht«.</p>
<p>F&#252;r den promovierten Arzt war es eine schlimme Erfahrung, mitten in Deutsch­land ein Nichts zu sein, nur seiner dunklen Hautfarbe und seiner akzentuierten Spra­che wegen. Ob beim stellvertretenden Landrat, am Polizeiwagen, vor BGS-Be­amten &#8211; nirgends wurde er akzeptiert, ernst genommen, allenfalls f&#246;rmlich be­handelt, mitunter gar verh&#246;hnt und zwi­schendurch auch schon mal unvermittelt geduzt. Unangenehm sei kein Ausdruck daf&#252;r, sagte er, es war viel schlimmer. Dr. Gujjula sch&#228;mte sich &#8211; f&#252;r Deutsche, die ja nun seine Landsleute sind.</p>
<p>Solche Aktionen finden in Altlandsberg ein geteiltes Echo, auch wenn keiner offen Kritik &#252;bt. Allenfalls:  Er hat sich l&#228;cherlich gemacht. Zumeist: Er ist zuviel unterwegs, k&#252;mmert sich nicht genug um die Stadt. Die Leute beschreiben ihn zwar als dr&#228;n­genden, oft ungeduldigen, viel selbst auf den Weg bringenden Mann. Er hat auch einiges zustande gebracht, das ist in Ord­nung. Doch was hat Altlandsberg von sei­nem Einsatz f&#252;r Ausl&#228;nder? »Wenn man als Dorfb&#252;rgermeister die M&#246;glichkeit hat, ins amerikanische Fernsehen zu kom­men, dann mu&#223; auch etwas f&#252;r den Ort herausspringen«, klagt Koht. Kein Inve­stor habe sich gemeldet.</p>
<p>In der Stadt m&#252;ssten Ausl&#228;nder nichts bef&#252;rchten. Den beiden Vietnamesen mit ihrer Imbi&#223;bude auf dem Markt standen die Altlandsberger sogar mit einer Unter­schriftensammlung bei, als sie ausge­rechnet der B&#252;rgermeister der &#196;sthetik wegen in eine Seitengasse verbannen wollte. Hier sei es schlie&#223;lich nicht wie in Kreuzberg, sagt Lothar Struwe, Stadtver­ordneter der W&#228;hlergemeinschaft »B&#252;r­ger f&#252;r Altlandsberg« befriedigt. »Die Ausl&#228;nder f&#252;gen sich ein, sie akzeptieren, was in der Stadt passiert. Wenn ich andere in Ruhe lasse, l&#228;&#223;t man auch mich in Ruhe.« Das PDS-Mitglied steht zu Gujjula: »Er ist schon so lange hier, da wird er gar nicht mehr zur Kategorie Ausl&#228;nder ge­z&#228;hlt.«</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Was dem einen zuviel ist, kann f&#252;r den an­deren nie genug sein. F&#252;r die Branden­burger SPD ist Gujjulas Engagement f&#252;r Toleranz und Verst&#228;ndnis geradezu ein Geschenk des Himmels. Ihr junges Mit­glied spricht auf Foren, bereichert wis­senschaftliche Kongresse mit seiner An­wesenheit und konnte gar als SPD-Wahlmann &#252;ber die Person des neuen Bundes­pr&#228;sidenten mitbestimmen. Immer, wenn die harten Tatsachen zu allzu ung&#252;nstigen Schlagzeilen f&#252;r das Land f&#252;hren, erinnert man sich in Potsdam an den Altlandsberger B&#252;rgermeister. Dann zeigt man auf ihn und seine Karriere und kann sagen: Es gibt nicht nur das b&#246;se Brandenburg, sondern auch noch ein anderes.</p>
<p>Er l&#228;&#223;t es geschehen, wenn er damit et­was bewirken kann, l&#228;&#223;t sich benutzen, um selber benutzen zu k&#246;nnen. Allerdings nicht um jeden Preis. So trat er zur letzten Wahl nicht als SPD-Mitglied, sondern als Einzelkandidat an, und k&#252;rzlich, als die Sozialdemokraten ihre Landtagskandi­daten aufstellten, war er mit dem ihm vom Landesvorstand zugewiesenen aus­sichtslosen Listenplatz unzufrieden. Er forderte einen sicheren Kandidaten her­aus, ausgerechnet den Landesgesch&#228;fts­f&#252;hrer Klaus Ness. Das brachte die Zen­trale ins Dilemma. Nat&#252;rlich sollte der Funktion&#228;r gewinnen, aber doch das »Symbol« nicht verlieren. Gujjula wider­stand all jenen Beredsamen, die ihn von seinem Entschluss abbringen wollten. »Ich habe keinen Respekt vor jemand, der ihn nicht verdient«, begr&#252;ndete er seine Ent­scheidung &#8211; und stand am Ende nicht al­lein. 58 der 150 Delegierten sahen es &#228;hn­lich wie er; nur knapp kam Ness &#252;ber die H&#252;rde. »Nat&#252;rlich h&#228;tte ich gern gewon­nen, aber auch so konnte ich mit erhobe­nem Haupt aufstehen.«</p>
<p>Als der Student Ravindra Gujjula einst in die DDR kam, war das aus indischer Sicht ein Abendland, wenngleich mit der Verhei&#223;ung der Morgenr&#246;te. Sie erf&#252;llte sich nicht, und was blieb, ist harte Arbeit f&#252;r ein vern&#252;nftiges Zusammenleben. Dr. med. Gujjula wei&#223; inzwischen, wie weit der Weg noch ist. Zwar verdr&#228;ngt er gele­gentliche Angst um die eigene Person, aber wenn seine Tochter Prya (Liebe) und der Sohn Rico (Friedensf&#252;rst) zur Disco gehen, d&#252;rfen sie nicht allein nach Hause fahren. Dann holt sie der Vater mit dem Auto ab. Wie lange noch mag er Liebe und Frieden nicht trauen?</p>
<address>(Ver&#246;ffentlicht in »Neues Deutschland« vom 17.07.1999)</address>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das Elend der Kapitalismus-Gl&#228;ubigen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 18:09:50 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) In Madrid wurden 300 000 gez&#228;hlt, in Rom 200 000. Tausende gingen auch in London, Berlin Lissabon und zahlreichen anderen St&#228;dten Europas auf die Stra&#223;en. In New York harren Tausende im Zuccotti-Park aus. Eine ungeahnte Welle antikapitalistischen Protestes rollt vor allem durch die westliche Welt. Und gleichzeitig kommen von dort immer &#246;fter Bilder, wie sie bisher nur aus Minsk, Peking oder Moskau verbreitet wurden: Schwerbewaffnete Polizisten jagen junge Demonstranten, sto&#223;en sie zu Boden, verfrachten sie in Polizeiautos. Ein Demonstrant im US-amerikanischen Oakland wurde lebensgef&#228;hrlich verletzt. Eine friedliche Revolution – diesmal gegen ihn – will der Kapitalismus nicht zulassen.<span id="more-3329"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwar glauben Politiker wie ihre medialen Bataillone noch immer, sie k&#246;nnten den Protest mit erprobten Mitteln kanalisieren, indem sie ihn bagatellisieren und vereinnahmen. Wie stalinistische Betonkopfe halten die heutigen Systemapologeten an ihrem unverbr&#252;chlichen Glauben fest, dass der Kapitalismus gar nicht schlecht sein kann, sondern nur von einigen seiner Vertreter schlecht verwaltet wurde. »Es waren Dummheit und Gier, Inkompetenz, Kurzsichtigkeit und Arroganz, es waren Banker, denen man noch nicht einmal B&#246;sartigkeit unterstellen kann. Sie hatten nur keine Ahnung, was sie da taten«, kopiert die <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/legitimationsprobleme-der-banker-es-war-dummheit-11501646.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/40180675e8f14e69bb624c9583467fa4" alt="" width="1" height="1" />»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« (FASZ) </a>die unbelehrbaren Genossen des sp&#228;ten Sozialismus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wie diese vor den politisch-ideologischen Diversanten warnten, verteufelt sie die heute anders Denkenden. Man k&#246;nne »getrost das Parteiprogramm der Linken vergessen und sollte auch nicht zuh&#246;ren, wenn SPD und Gr&#252;ne nur ihre Ressentiments auf den neuesten Stand bringen«. Genau dies taten dann <a href=" http://www.n-tv.de/politik/Linke-bringt-Bundestag-um-den-Verstand-article4632566.html" target="_blank">Union und FDP im Bundestag</a> bez&#252;glich der Linkspartei – nur weil sie gerade ein Programm verabschiedet hatte, das zur gegenw&#228;rtigen Krisenlage mehr bereit h&#228;lt als nur das Prinzip Hoffnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kl&#252;gere heucheln Verst&#228;ndnis f&#252;r die Protestler, was freilich auf deren verst&#228;ndliche Skepsis st&#246;&#223;t. Die Demonstranten begreifen, dass hinter dem Schulterklopfen, der Umarmung gar die Absicht des Weiter-so steht, das man sich nicht st&#246;ren lassen will. Von »der Verw&#228;sserung der Protestbewegung« spricht <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/occupy-wall-street-streit-lasst-euch-nicht-umarmen-1.1174532" target="_blank">Slavoj Žižek in der »S&#252;ddeutschen Zeitung«</a>: »So, wie man uns Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol und Eiscreme ohne Fett vorsetzt, werden die M&#228;chtigen versuchen, die Proteste als harmlose, moralistische Bewegung abzutun.« Obamas Verweis auf die angebliche N&#228;he seiner Politik zu den Forderungen der Demonstranten, Merkels »Verst&#228;ndnis« f&#252;r ihre Unzufriedenheit, das pl&#246;tzliche Haut-die Banken all jener, die sie im gleichen Atemzug als »systemrelevant« bezeichnen (was insofern stimmt, als sie ihr vorgeblich alternativloses kapitalistisches System meinen) – all das zielt auf Entwaffnung einer Bewegung, die zugleich kompromisslos mit den Repressivwaffen des Systems bek&#228;mpft wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit faktengest&#252;tzten Argumenten kann der Kapitalismus l&#228;ngst nicht mehr &#252;berzeugen; schon gar nicht, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Denn Weitsicht und daraus resultierende Nachhaltigkeit sind seine Merkmale nicht. Er ist ganz und gar auf den schnellen und m&#246;glichst gro&#223;en Gewinn orientiert, dem ordnet er sein gesamtes Handeln unter. Folgerichtig l&#228;sst er sich auch nur durch harte Tatsachen bremsen. Indem er zum Beispiel gegen die Wand einer Realit&#228;t f&#228;hrt, die er einfach nicht einkalkulierte, weil sie in seinem System nicht vorgesehen ist. Dann ist der Crash unausweichlich, dessen Aufprall zwar inzwischen Airbags und Knautschzonen zu mildern verm&#246;gen, ohne ihn freilich kl&#252;ger und vorsichtiger zu machen, eher noch risikofreudiger.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die einzige Realit&#228;t, die dem Kapitalismus ein gewisses Ma&#223; an Vernunft aufzwang, war paradoxerweise der reale Sozialismus; mit seinem Verschwinden war die Bahn wieder frei f&#252;r die einfachen Instinkte, die schon Marx gekannt hatte: »Das <a href="http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/profit/profit.htm" target="_blank">Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit</a> oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital k&#252;hn. Zehn Prozent sicher, und man kann es &#252;berall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; f&#252;r 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu&#223;; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&#196;hnlich irrational nat&#252;rlich auch der Kampf gegen all jene, die dieses unbedingte Profitprinzip in Frage stellen. So unausrottbar, wie im Sozialismus-System die Angst vor imperialistischer Konterbande war, so unausrottbar ist heute, nach einer kurzen Periode des Siegestaumels, in der man jede antikapitalistische Alternative schon auf dem M&#252;llhaufen der Geschichte w&#228;hnte, die neue Angst vor Andersdenkenden, die im Kapitalismus immer weniger das historische Nonplusultra sehen, sondern nach neuen gesellschaftlichen Entw&#252;rfen suchen und dabei auch fr&#252;here, gescheiterte Konzepte erneut auf den Pr&#252;fstand stellen, um zu sehen, woran es lag und was man daraus lernen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die treuen Gl&#228;ubigen des Kapitalismus haben dem nichts entgegenzusetzen als totale Verunsicherung. Und so finden sich in der schon genannten FASZ auf der gleichen Seite zum einen die Beschw&#246;rung, nicht etwa den Schluss zu ziehen, »dass man den Kapitalismus abschaffen m&#252;sse. Sondern dass er dringend gerettet werden sollte« und zwar mittels »einer einmaligen <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/staatsressource-privatvermoegen-sagt-die-wahrheit-11501648.html" target="_blank">Wohlstandsabgabe auf Verm&#246;gen und Immobilie</a>n irgendwo zwischen zwanzig und drei&#223;ig Prozent« und zum anderen das Eingest&#228;ndnis, dass sich Staaten und Finanzkapital »einander entsicherte Handgranaten zuspielen«. Mehr noch: »Was sich gegenw&#228;rtig Politik nennt, ist also nichts anderes als das Weiterreichen von Zeitbomben, deren Ausl&#246;sezeitpunkt niemand kennt. Es k&#246;nnte in Jahren sein oder heute Nachmittag.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beides ein deutliches, wenngleich ungewolltes Pl&#228;doyer f&#252;r die Fortsetzung und Verst&#228;rkung des B&#252;rgerprotestes gegen solchen Wahnsinn.</p>
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		<title>Nicht einmal Bundestagsabgeordnete sind frei</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 20:59:36 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wolfgang Bosbach geh&#246;rte stets zu den treuesten Bundestagsabgeordneten der CDU. Was auch immer die Medien ihn fragten, er stand stets unersch&#252;tterlich zur politischen Linie seiner Partei. Das wurde von den Parteioberen wohlwollend registriert, gab ihm aber nicht das Recht, auch einmal die eigene Meinung zu sagen und im Parlament zu Protokoll zu geben. Als er das jetzt in der Frage der Griechenland-Hilfe dennoch tat, wurde er binnen Stunden zum Auss&#228;tzigen<span id="more-3295"></span> in seiner Fraktion. Der <a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1213229" target="_blank">Kanzleramtsminister aus seiner Partei </a><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/5e46cda30ee44d799c0d32b4f88161bb" alt="" width="1" height="1" />erkl&#228;rte ihm, »seine Fresse« nicht mehr sehen, »seine Schei&#223;e« nicht mehr h&#246;ren zu k&#246;nnen.</p>
<p>Nun ist die Emp&#246;rung gro&#223;, obwohl Bosbach lediglich widerfuhr, was in den Bundestagsparteien gang und g&#228;be ist. Keine Fraktion l&#228;sst zu, dass im Plenum jemand das Wort ergreift, der nicht die vorgegebene Position der Partei vertritt. Und wenn jemand anders als die Mehrheit der eigenen Leute abstimmen will, wird er unverz&#252;glich in die Mangel genommen, in der die Walzen immer enger gestellt werden – bis hin zur Drohung, f&#252;r folgende Wahlkandidaturen die Unterst&#252;tzung zu versagen. Dann bekommen die W&#228;hler einen anderen, der Parteif&#252;hrung genehmeren Kandidaten vorgesetzt.</p>
<p>Bundestagspr&#228;sident Norbert Lammert wollte diese Praxis, die sogar die <a href="http://www.bild.de/news/standards/bild-kommentar/unterworfenes-gewissen-20258462.bild.html" target="_blank">BILD-Zeitung </a>zu einem von ihr selten gebrauchtem Vergleich veranlasste, durchbrechen und erteilte kraft seines Amtes zweien der Andersdenkenden in der Regierungskoalition das Wort, was nicht nur in deren Fraktionen, sondern <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:nach-euro-votum-lob-fuer-rederecht-fuer-efsf-kritiker/60110954.html" target="_blank">in ausnahmslos allen Parteien heftige Proteste</a> ausl&#246;ste. Das ganze System breche zusammen, wenn solche Freiheiten &#252;blich w&#252;rden, lie&#223; Unions-Fraktionschef Volker Kauder verlauten – und hat damit wohl recht. Wirkliche Freiheit bringt auch dieses System in Gefahr. Und zwar so sehr, dass selbst die einst alternativ denkenden Gr&#252;nen ihrem »Abweichler« <a href="http://www.nachrichten.de/panorama/Mitteldeutsche-Zeitung-Euro-Krise-Stroebele-lobt-Lammert-fuer-Entscheidung-Abweichler-im-Bundestag-aid_7690380382504648156.html" target="_blank">Hans-Christian Str&#246;bele </a>die Darlegung eigenst&#228;ndiger Gedanken im Bundestag verweigern – ganz zu schweigen von der SPD.</p>
<p>Deren parlamentarischer Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrer Thomas Oppermann w&#252;nschte sich zwar mit Blick auf den politischen Gegner: »In einem demokratischen Prozess ist es wichtig, das ganze Spektrum in einem vern&#252;nftigen Verh&#228;ltnis zur Geltung kommen zu lassen.« Doch auch die politische Praxis der SPD ist eine ganz andere. Davon k&#246;nnte zum Beispiel deren sachsen-anhaltinische Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff berichten, die 2003 bei der Abstimmung &#252;ber Schr&#246;ders »Agenda 20120« eine andere Meinung als ihre Parteif&#252;hrung hatte. Damals wurde sie zur »Dissidentin« und geriet prompt in ein Dilemma, das im folgenden noch einmal nachgezeichnet werden soll.</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<h2>Das Dilemma einer »Dissidentin«</h2>
<h4>Wenigstens diskutieren will die SPD-Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff, ehe sie eine schmerzhafte Entscheidung trifft</h4>
<h5><strong>Der SPD-Sonderparteitag hat die »Agenda 2010« gebilligt. Das Mitgliederbegehren steht vor dem Scheitern. Nun geht es um die eigene Mehrheit der Koalition im Bundestag – f&#252;r das kleine H&#228;uflein der Aufrechten gegen Sozialabbau in der SPD-Fraktion eine schwierige Situation.</strong></h5>
<p>Wenn es um den Steuersatz beim Agrardiesel geht, dann hat Waltraud Wolff selbstverst&#228;ndlich das Wort. Auch zur Organisation der landwirtschaftlichen Sozialversicherung meldet sich die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Und entschlossen k&#228;mpft sie f&#252;r die Aufrechterhaltung des Branntweinmonopols – bei besonderer W&#252;rdigung hochprozentigen gebrannten Korns, den sie gern zu einem &#228;hnlichen Markenzeichen im Spirituosensektor machen w&#252;rde, wie es Grappa, Ouzo, Cognac oder Tequila f&#252;r ihre Herkunftsl&#228;nder sind. So weit, so gut und lobenswert, meinen ihre sozialdemokratischen Bundestagskollegen, aber als nahe an der Schnapsidee m&#252;ssen es offensichtlich einige dann empfunden haben, dass sich die Wolmirstedter Sonderschullehrerin in diesem Fr&#252;hjahr in die Reihe jener »Dissidenten« stellte, die an des Kanzlers »Agenda 2010« herumm&#228;kelten.</p>
<h4>Aufm&#252;pfig aus Erfahrung</h4>
<p>Mit acht anderen Parlamentariern und weiteren linken Sozialdemokraten brachte Waltraud Wolff im April ein Mitgliederbegehren auf den Weg, das – unter anderem – K&#252;rzungen bei Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe und Krankengeld verhindern und stattdessen die Verm&#246;genssteuer wieder einf&#252;hren wollte – Forderungen, die die Parteif&#252;hrung sofort strikt ablehnte. Und so war auch der Gegenwind in der Fraktion betr&#228;chtlich. Nach der Osterpause schlug den neun Aufm&#252;pfigen, zu denen sich inzwischen drei weitere gesellt hatten, ein frostiger Wind entgegen. Selbst als es um die Frage ging, wer in der n&#228;chsten Bundestagssitzung das Spezialthema der »Modulation von Direktzahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik« behandeln sollte, hielten einige das Mitglied im Bundestagsausschuss »Verbraucherschutz, Ern&#228;hrung und Landwirtschaft« pl&#246;tzlich f&#252;r nicht mehr geeignet: »Was denn, so eine darf noch im Plenum reden?«</p>
<p>Dabei ist Waltraud Wolff gerade f&#252;r Sozialfragen au&#223;erordentlich kompetent, kommt sie doch aus Sachsen-Anhalt, jenem Land mit der bundesweit h&#246;chsten Arbeitslosigkeit. »Ich konnte gar nicht anders«, sagt sie, »das Krankengeld privatisiert, noch mehr private Altersvorsorge, das Arbeitslosengeld auf Sozialhilfeniveau, ABM zur&#252;ckgefahren, Wegbrechen der Qualifizierungsma&#223;nahmen – mit all dem konnte ich nicht mehr guten Gewissens durch meinen Wahlkreis gehen.« Nach der Wende arbeitete sie als Leiterin der Gerhard-Sch&#246;ne-Schule in ihrer Heimatstadt, einer Sonderschule f&#252;r geistig Behinderte. Sie kennt die Probleme der Schw&#228;chsten in der Gesellschaft, sie wei&#223;, wie schwierig es gerade f&#252;r sie ist, ein w&#252;rdevolles Leben zu f&#252;hren. Auch ihre Schule musste und muss um jeden Euro k&#228;mpfen, oft betteln. Viel Fantasie bringen Lehrer wie F&#246;rderer allein daf&#252;r auf; erst k&#252;rzlich organisierten sie ein Benefiz-Fu&#223;ballturnier, um einen Schulbus finanzieren zu k&#246;nnen. Auch der Namensgeber der Schule, der Liedermacher Gerhard Sch&#246;ne, war dabei, sang seine Lieder, die oft die »kleinen Leute« zum Thema haben, aber auch ihre Kraft, ihren Mut.</p>
<p>Kraft und Mut brauchte auch Waltraud Wolff, nachdem sie nun zum »dreckigen Dutzend« in der 251-k&#246;pfigen Fraktion, wie deren F&#252;hrung die »Abweichler« nennt, geh&#246;rte. Denn sie ist ein sozialer Mensch, m&#246;chte gern mit ihrer Umwelt in Frieden und Harmonie leben. »Jeder braucht ein Umfeld, auch zur eigenen Selbstgewissheit«, sagt sie. »Da merke ich schon, wenn die Kollegen reservierter sind, und es ist mir nicht einerlei.«</p>
<p>Es ist f&#252;r sie auch nicht die erste Erfahrung dieser Art. Schon im August 2001, als es um den Einsatz deutscher Soldaten in Mazedonien ging, hatte sie im Bundestag Nein gesagt. Die evangelische Christin war immer gegen Krieg und Milit&#228;r gewesen; jahrelang geh&#246;rte sie zu den treuesten Teilnehmern der monatlichen Aktionen gegen den Truppen&#252;bungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide. »Schon da fand ich damit nicht nur Beifall«, erinnert sie sich, »sogar absolutes Unverst&#228;ndnis. ›Du bist f&#252;r die SPD in den Bundestags gegangen‹, h&#246;rte ich, ›da musst du deren Entscheidungen mittragen‹. Doch andererseits hatte ich in dieser Frage einen Riesenr&#252;ckhalt bei meinen W&#228;hlern.« Wie sollte sie sich verhalten? Immerhin hatten 43,3 Prozent sie 1998 direkt gew&#228;hlt, vier Jahre sp&#228;ter sogar 45,1 Prozent. Damals hatte sie dar&#252;ber nachgedacht, ob sie wirklich im Parlament bleiben kann, denn sie ahnte, dass es immer wieder zu schwierigen Entscheidungen kommen w&#252;rde.</p>
<p>Aber Waltraud Wolff blieb, denn sie lernte allm&#228;hlich die sozialdemokratischen Tugenden. »Ich bin zwar von 45 Prozent gew&#228;hlt worden«, sagt sie heute, »aber ich kann nicht nur das tun, was sie wollen.« Und nat&#252;rlich sei sie keine grunds&#228;tzliche Gegnerin der »Agenda 2010«, sondern wollte mit den anderen nur erreichen, dass die SPD sie nicht nur einfach abnickt und basta, sondern dar&#252;ber diskutiert. »Die Partei sollte wieder sprachf&#228;hig werden«, sagt sie, und das sei schlie&#223;lich doch erreicht worden. Der Sonderparteitag, urspr&#252;nglich abgelehnt, habe stattgefunden. Jetzt gingen die Debatten im Bundestag weiter. Der turnusm&#228;&#223;ige Parteitag im November werde wichtige Probleme erneut beraten. Und auch inhaltlich habe es Fortschritte gegeben, so zus&#228;tzliche Ma&#223;nahmen zu Bildung und Qualifizierung im Osten, Sonderregelungen f&#252;r &#252;ber 55-j&#228;hrige Arbeitslose in strukturschwachen Gebieten, eine nur schrittweise Absenkung des Arbeitslosengeldes auf Sozialhilfeniveau, die Fortsetzung der Diskussion &#252;ber eine Ausbildungsplatzumlage: »Das sind abrechenbare Erfolge, die so in der urspr&#252;nglichen Agenda nicht standen.«</p>
<p>Immer wieder verweist Waltraud Wolff auf die Notwendigkeit der Diskussion: »Das muss die SPD auszeichnen, sonst gibt es nur L&#228;hmung, Wut und Resignation. Wir m&#252;ssen uns streiten und Kompromisse finden, denn nat&#252;rlich kann nicht jeder seine reine Lehre durchsetzen. Alle m&#252;ssen kompromissf&#228;hig sein.« Da ist die Abgeordnete schon ganz nah bei Eduard Bernstein und seinem oft kolportierten Wort von der Bewegung, die alles sei, das Ziel dagegen nichts. Und nat&#252;rlich auch bei ihrem Vorsitzenden Gerhard Schr&#246;der, der sich beim 140-j&#228;hrigen Parteijubil&#228;um ausdr&#252;cklich zu dem reformistischen Denker bekannte. Bernstein nannte das Rechtsgef&#252;hl, das Streben nach Gleichheit und Gerechtigkeit »das dauernde Element in der Bewegung, das alle Wandlungen der Doktrin &#252;berlebt, aus dem sie zu allen Zeiten immer wieder neue Kraft sch&#246;pft«. Ein Satz, den Waltraud Wolff wohl lieber auf sich beziehen w&#252;rde als das b&#246;se Wort vom »Unsicherheitsfaktor«, das ihr und den elf anderen in der Fraktion angeh&#228;ngt wurde. Schlie&#223;lich h&#228;tten sich die »Dissidenten« auf sozialdemokratische Grundwerte besonnen, »und der Parteitag zeigte doch, dass unsere Klagen in die richtige Richtung gingen«.</p>
<p>Besonders unverst&#228;ndlich ist ihr die Haltung ihres sachsen-anhaltischen Landesverbandes, der sie hart kritisierte, dann aber in einem eigenen Antrag f&#252;r den Sonderparteitag die Sachforderungen des Mitgliederbegehrens aufgriff. »Legen Sie diesen Antrag und das Mitgliederbegehren nebeneinander – und Sie werden staunen!«, erkl&#228;rt sie kopfsch&#252;ttelnd. 1991 war sie, die zuvor politisch Abstinente, in die SPD eingetreten, seit 1994 sitzt sie im SPD-Landesvorstand Sachsen-Anhalt, seit 1995 ist sie Vorsitzende des Kreisverbandes Ohrekreis. Da schmerzte es schon, dass ihre Genossen zwar ihre Forderungen aufgriffen, ihren Weg aber, wie der Landesvorsitzende Manfred P&#252;chel, f&#252;r falsch erkl&#228;rten. Und es tut zugleich gut, wenn sie andererseits bei ihren W&#228;hlern gewachsenen Respekt sp&#252;rt, einer sie vor dem Sonderparteitag sogar in Berlin auf der Stra&#223;e ansprach und best&#228;rkte: »Machen Sie weiter so!«</p>
<h4>Abw&#228;gen bis zur letzten Sekunde</h4>
<p>Und das hat Waltraud Wolff auch vor. Zwar pl&#228;dierte sie daf&#252;r, nicht mehr viel Kraft f&#252;r das absehbar zum Scheitern verurteilte Mitgliederbegehren aufzuwenden, doch nun gelte es, &#252;ber die ins Plenum eingebrachten Gesetze zu streiten, gegenw&#228;rtig die Vorlage zur Gesundheit. »Bis zur letzten Sekunde m&#252;ssen wir die Chance nutzen, Ver&#228;nderungen herbeizuf&#252;hren.« Nicht nur sie, auch die Fraktionsf&#252;hrung solle kompromissbereit sein. Daher sei ihr Abstimmungsverhalten im Bundestag nach wie vor offen. »Wir m&#252;ssen noch einmal genau hingucken, und dann werden wir sehen«, sagt sie unbestimmt.</p>
<p>Sie spricht es zwar nicht aus, sieht sich aber wohl doch in einem Dilemma. Denn weder m&#246;chte sie einen Blankoscheck ausstellen noch von vornherein die Ablehnung verk&#252;nden. Aber auch nicht, dass Zustimmung zu den Gesetzesvorlagen nach allem, was aus ihrer Sicht erreicht worden ist, als Einknicken ausgelegt wird. Der Druck der Fraktionsmehrheit ist bei ihr wie den anderen »Dissidenten« nicht ohne Folgen geblieben. »Die Herde zusammenzuhalten«, hat der bayerische Fraktionsvize Ludwig Stiegler als Losung ausgegeben, und auch Waltraud Wolff r&#228;umt ein, dass das Klima unter den sozialdemokratischen Mandatstr&#228;gern rauer geworden ist. Doch an ein Aufgeben des Mandats denkt sie diesmal nicht. »Meine W&#228;hler wollen, dass ich im Bundestag bleibe«, sagt sie. »Ich diene ihnen nicht, wenn ich aufgebe.« Was das aber hei&#223;t, wird man immer erst dann wissen, wenn der Bundestagspr&#228;sident zur Abstimmung ruft.</p>
<address>(Ver&#246;ffentlicht in: Neues Deutschland vom 25.06.03)</address>
</blockquote>
<p>Man kann sich schon wundern: In der freiheitlichen Bundesrepublik sind nicht einmal die obersten Volksvertreter wirklich frei.</p>
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		<title>Die Piraten k&#246;nnen den Kapitalismus herausfordern</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2011/09/20/die-piraten-konnen-den-kapitalismus-herausfordern/</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 20:18:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Wieder einmal haben die gern hochgelobten »Qualit&#228;tsmedien« einen Trend verschlafen. Sie jedenfalls haben das Aufkommen einer neuen Partei, der »Piraten«, nicht kommen sehen, obwohl es seit Monaten daf&#252;r deutliche Anzeichen gab und zuletzt auch die Meinungsforscher f&#252;r die Berliner Wahlen ihren kometenhaften Aufstieg voraussagten. Dennoch dr&#228;ngten sich die Journalisten wie gehabt am Wahlabend bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wieder einmal haben die gern hochgelobten »Qualit&#228;tsmedien« einen Trend verschlafen. Sie jedenfalls haben das Aufkommen einer neuen Partei, der »Piraten«, nicht kommen sehen, obwohl es seit Monaten daf&#252;r deutliche Anzeichen gab und zuletzt auch die Meinungsforscher f&#252;r die Berliner Wahlen ihren kometenhaften Aufstieg voraussagten. <span id="more-3285"></span>Dennoch dr&#228;ngten sich die Journalisten wie gehabt am Wahlabend bei den Etablierten und beginnen nur langsam ein Ph&#228;nomen zu begreifen, das – mehr noch als einst die Gr&#252;nen – das Potenzial hat, diese Republik zu ver&#228;ndern.</p>
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<p>Alle, die jetzt die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/berliner-wahlsieger-die-piraten-von-a-bis-z-1729619.html" target="_blank">Piraten</a><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/1464a833129d4a3d8293184b67cf9783" alt="" width="1" height="1" /> als Anf&#228;nger, pubert&#228;re Spinner, kindische Spa&#223;partei zu diffamieren versuchen, waren gestern &#252;brigens noch jene, die die derzeitige Regierungskoalition als unf&#228;hig, dilettantisch, konzeptionslos schm&#228;hten und verzweifelt nach neuen politischen Kr&#228;ften riefen und damit doch nur, wie sich jetzt zeigt, die alten meinten – weil sie sich gar nicht vorstellen k&#246;nnen, dass tats&#228;chlich eine neue Kraft die B&#252;hne zu betreten in der Lage ist. Sie haben einfach nicht begriffen, dass gerade die Unf&#228;higkeit der etablierten Politik, ihr Primat gegen&#252;ber der Wirtschaft, vor allem dem Finanzkapital, durchzusetzen, die W&#228;hler frustriert. Immer wieder wird ihnen nur eine Spielart des Kapitalismus angeboten, eine immer schlimmer als die andere; sie sehnen sich nach einer Alternative und w&#228;hlen, sofern sie nicht gleich zu Hause bleiben, unkonventionell, eine Partei, die alles anders zu machen verspricht.</p>
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<p>Vor diesem Hintergrund war es nur eine Frage der Zeit, dass nun auch f&#252;r das Prekariat – wie einst f&#252;r das Proletariat – eine Partei ins Rampenlicht tritt, die sich um seine Interessen k&#252;mmert. Und es verwundert nicht, dass intellektuelle Vordenker diese Aufgabe &#252;bernehmen; sie sind dem Prekariat nur zum Teil zuzurechnen, stehen dabei durchaus f&#252;r B&#252;rgerlichkeit, allerdings eine progressive B&#252;rgerlichkeit, die im verkrusteten Parteieinstaat l&#228;ngst verloren gegangen ist. Nicht zuf&#228;llig sagte <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0919/politik/0014/index.html" target="_blank">Gerhard Anger, Berlins Landesvorsitzender der Piraten</a>, am Wahlabend: »Wir sind jetzt die st&#228;rkste liberale Partei in Berlin.« Weil das so ist, denken sie zugleich sozial, emanzipatorisch, parit&#228;tisch, in Teilen sogar konservativ. Gerade das aber, die Inkompatibilit&#228;t der Partei mit der politischen Ges&#228;&#223;geografie, ist das Neue an den Piraten und mithin ihre St&#228;rke.</p>
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<p>Das meint freilich keine Beliebigkeit; es ist vielmehr ein sehr moderner, verantwortungsbewusster Freiheitsbegriff, von dem die Piraten ausgehen. Was die Linke bisher nicht zusammenbrachte, n&#228;mlich das Soziale und das Libert&#228;re, findet zur Einheit. Insofern muss es der Linkspartei schon zu denken geben, wie die Piraten gerade auch mit sozialen Forderungen bei den W&#228;hlern punkteten, die aus ihrem ureigenen Arsenal stammen, aber von ihr nicht durchgesetzt wurden, weil ihr der Machterhalt am Ende wichtiger war als die Interessen ihrer Klientel.</p>
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<p>Es sind soziale Forderungen, die auch die Kernfragen der sozialistischen Idee waren: Wie gerecht ist das Eigentum verteilt? Und darf der Besitzer von Eigentum den alleinigen Nutzen daraus ziehen oder ist er nicht angehalten, diesen Nutzen mit anderen zu teilen? Es sind also im Grunde »alte« Fragen, die der Kapitalismus mit seinem Entstehen aufwarf und die mit dem Untergang der sozialistischen Alternative nicht erledigt, da nicht beantwortet sind. Jetzt kommen sie wieder auf die Tagesordnung, und das unter den neuen technischen und technologischen Bedingungen, die auch ganz neue M&#246;glichkeiten einer gerechten Umverteilung des jetzt in den H&#228;nden weniger konzentrierten gesellschaftlichen Reichtums er&#246;ffnen.</p>
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<p>Weil das die Piraten – wie diffus vorerst auch immer – artikulierten, zogen sie von allen Parteien, die bei den W&#228;hlern irgendwie links verortet werden, <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article1768259/Piraten-koennen-21-000-Nichtwaehler-mobilisieren.html" target="_blank">Stimmen ab und reaktivierten sogar einen Teil der Nichtw&#228;hler</a>, die sich von der Politik eigentlich schon abgewandt hatten. Welch ein Zeichen der Sehnsucht nach einem anderen Weg als dem des heutigen deformierten Kapitalismus! Auch er war als Gesellschaftsmodell einmal fortschrittlich, und auch er bediente sich mit dem Buchdruck einer neuen Kommunikationsform, die Massen zu mobilisieren vermochte. Jetzt ist es das Internet, das diesbez&#252;glich eine neue Qualit&#228;t schafft – vielleicht auch f&#252;r einen neuen Gesellschaftsentwurf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beschreiten die Piraten diesen Weg, sch&#228;rfen sie ihr bereits im Umrissen erkennbares diesbez&#252;gliches Profil, haben sie alle Chancen, als neue progressive politische Kraft zu re&#252;ssieren und damit sowohl die schon lange ins Establishment abdriftenden Sozialdemokraten und Gr&#252;nen als auch die ihnen auf diesem Weg folgende Linkspartei konzeptionell hinter sich zu lassen. Sie haben das Zeug zu einer unideologischen Bewegung, unbelastet von Vergangenheitsdebatten, praktisch vorangetrieben durch die sich rasant entwickelnden technischen M&#246;glichkeiten des Digital-Zeitalters und theoretisch fundiert durch eine daher auf immer neue Bereiche ausgreifende Netzkultur.</p>
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		<title>Von der Linken  erwarten die W&#228;hler mehr als SPD-Politik</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 19:41:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Es war vor allem ein Denkzettel f&#252;r jene Fraktion der Linkspartei, die im Regieren an sich den Sinn politischen Engagements sieht und dar&#252;ber auch einmal einstige inhaltliche Aussagen vergisst. Diese Fraktion hat die Berliner Linke zehn Jahre lang dominiert und sie in dieser Zeit in den Keller gefahren – erst ziemlich schnell, zuletzt etwas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Es war vor allem ein Denkzettel f&#252;r jene Fraktion der Linkspartei, die im Regieren an sich den Sinn politischen Engagements sieht und dar&#252;ber auch einmal einstige inhaltliche Aussagen vergisst. Diese Fraktion hat die Berliner Linke zehn Jahre lang dominiert und sie in dieser Zeit in den Keller gefahren <span id="more-3279"></span>– erst ziemlich schnell, zuletzt etwas langsamer, doch unter dem Strich signalisierten die W&#228;hler heute in Berlin, dass sie von einer Partei, die sich links von der SPD positioniert sieht, mehr erwarten als weitgehende Botm&#228;&#223;igkeit gegen&#252;ber der SPD.</p>
<p>Da hilft es hinterher wenig, &#252;ber »mangelnde Kommunikation der eigenen Erfolge« zu lamentieren oder gar die <a href="http://www.bild.de/politik/inland/abgeordnetenhauswahlen-berlin/wahl-berlin-linke-fliegen-raus-20028362.bild.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/635d1e0d2ba84a8480c0935315a6a8fc" alt="" width="1" height="1" />Verantwortung f&#252;r das eigene Versagen bei anderen zu suchen</a>. Dass sich einstige Linke-W&#228;hler diesmal anders entschieden, lag nicht an Kommunismus-Debatten, Mauer-Interpretationen und Castro-Gl&#252;ckw&#252;nschen; das zeigt allein schon das Resultat von vor zwei Wochen in Mecklenburg-Vorpommern, das zwar auch nicht berauschend war, aber doch deutlich besser als das Berliner. Es lag vor allem an der weitgehenden <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-analyse-linke-wahlniederlage-in-berlin_aid_666660.html" target="_blank">Unkenntlichkeit der Linkspartei in Wowereits Senat</a>, was auch – siehe die Verluste der SPD – letztlich dem B&#252;rgermeister wenig gen&#252;tzt hat. Und es lag daran, dass Anh&#228;nger der Linken bef&#252;rchten, die von ihnen favorisierte Partei k&#246;nne – wie schon bei der SPD erlebt – auch nur zu einer opportunistischen Umfallergruppe werden, die vermeintliche »Sachzw&#228;nge« h&#246;her stellt als ihre Prinzipien.</p>
<p>Auch dass die Berliner Linkspartei sich am bereitwilligsten als Stichwortgeber f&#252;r vom politischen Gegner und der Mehrheit der Medien vom Zaun gebrochene Debatten, die mit den wirklichen Problemen der Menschen wenig zu tun haben, zur Verf&#252;gung stellte, hat viele ihrer W&#228;hler frustriert. Sie f&#252;hrte zeitweise einen aggressiveren »Wahlkampf« gegen die eigene Bundesf&#252;hrung als gegen ihre Konkurrenten in der Stadt und nahm in Kauf, dass <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/kopfstaende-einer-partei/4621874.html" target="_blank">die Linkspartei im Ganzen als ziemlich zerstritten erschien</a> – auch wenn das in den Hauptfragen nicht zutraf. Doch einmal mehr erwies sich, dass eine Partei nur dann W&#228;hlern imponieren kann, wenn sie sich selbst imponiert. Sowohl Erwin Sellering in Mecklenburg-Vorpommern als auch Klaus Wowereit in Berlin haben das vermocht, ihre linken Mitbewerber in beiden L&#228;ndern jedoch nicht. Daher hat die SPD trotz der anhaltenden Belastung durch die gescheiterte Schr&#246;der/M&#252;ntefering/Steinmeier-Linie hier die Wahlen gewinnen k&#246;nnen – und musste sie eine anpasserisch-opportunistische Linke verlieren, da die W&#228;hler vor allem in den Piraten einen attraktiven Gegenentwurf sahen.</p>
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		<title>FDP auf Normalma&#223; zur&#252;ckgestutzt</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 18:10:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint<span id="more-2693"></span>, im Abgang noch Bedingungen stellen zu k&#246;nnen; er wird lernen m&#252;ssen, dass gerade in seiner »Partei der Leistungstr&#228;ger« nichts so sehr z&#228;hlt wie der Erfolg und nichts so vernichtend ist wie Verluste an der Wahlurne.</p>
<p>F&#252;r die Partei als Ganzes jedoch ist Westerwelle nur insofern ein Problem, als er als ihr Vorsitzender jene inhaltliche Ausrichtung der Partei erdachte und durchsetzte, die sie jetzt an den Rand des Abgrunds f&#252;hrte. Diese Ausrichtung haben freilich alle ihre Funktion&#228;re zumindest klaglos, meist aber begeistert mitgemacht – ganz vorn jene, die sich jetzt auch wieder danach dr&#228;ngen, den wuchtigsten Schlag gegen den Ex-Chef zu f&#252;hren. Auch <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/fdp-trio-lindner-roesler-bahr-die-boygroup-der-liberalen-1671025.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c5eddb7fa917495a91fe82c435ded144" alt="" width="1" height="1" />jene, die jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen sollen</a>, waren mit Kritik am Vorsitzenden nie aufgefallen, im Gegenteil verteidigten sie ihn stets wortreich. Sie haben konzeptionell auch nichts anderes auf der Pfanne als ihr zur&#252;ckgetretener Vormann; auch deshalb hat wohl keiner von ihnen Lust, sich ins Geschirr zu h&#228;ngen. Denn ohne <a href="http://www.morgenweb.de/meinung/kommentar/20110404_mmm0000001473637.html" target="_blank">inhaltliche Umorientierun</a>g der Partei ist der Misserfolg jedes k&#252;nftigen FDP-Chefs vorprogrammiert. Diese inhaltliche Umorientierung jedoch ist nicht in Sicht; sie f&#228;nde in der heutigen  FDP auch keine Mehrheit; insofern hat Guido Westerwelle ganze Arbeit geleistet und seine Partei in ein auswegloses Dilemma gef&#252;hrt.</p>
<p>Eine Partei der Wirtschaft und der Banken war die FDP schon immer, doch konnte sie das in der Vergangenheit nicht selten dadurch in den Hintergrund treten lassen, dass sie den erkl&#228;rten Liberalismus eben nicht nur als freie Bahn f&#252;rs Geldmachen verstand, sondern auch als W&#228;chteramt &#252;ber die B&#252;rgerrechte und als Philosophie von Chancengleichheit, was in gewissen Grenzen sogar das Soziale im Blick behielt. Diese Linie, die die FDP auch f&#252;r andere als »Besserverdienende« w&#228;hlbar machte, sicherte nicht nur ihre parlamentarische Existenz in mehr als 60 Jahren Bundesrepublik, sondern machte sie auch immer wieder regierungsf&#228;hig, lange sogar im B&#252;ndnis mit der SPD. Damit jedoch haben Genscher und Lambsdorff durch ihren &#220;bertritt 1982 zu Helmut Kohl und dann die Kinkel, die Gerhardt und letztlich Westerwelle Schluss gemacht. Vor allem letzterer legte seine Partei voll und ganz auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs fest, sah sich dergestalt sogar als Korrektiv zur anderen Wirtschaftspartei CDU/CSU, der er den vorg3eblichen »Sozialdemokratismus« austreiben wollte.</p>
<p>Von dieser Position kommt die FDP so schnell nicht weg. Geradezu exemplarisch ist daf&#252;r das kollektive Schaudern fast aller ihrer F&#252;hrungsleute, als in der Westerwelle-Nachfolge-Debatte der Name Leutheusser-Schnarrenberger fiel. Der von der Justizministerin vertretene Liberalismus ist der heutigen FDP-Garde zutiefst fremd; selbst wenn sie es wollte, w&#228;re sie nicht in der Lage, ihn glaubw&#252;rdig zu vertreten.  Untergehen muss sie deswegen jedoch nicht. Die »Besserverdienenden« bleiben nat&#252;rlich ihre treue W&#228;hlerklientel. Sie misstrauen allen anderen Parteien mit ihrer mehr oder weniger ausgepr&#228;gten sozialen Ader – selbst der Union, bei der diese weitgehend verk&#252;mmert ist. Sie werden die FDP immer w&#228;hlen und mitunter von jenen verst&#228;rkt werden, die hoffen und glauben, selbst auch einmal in diese Kategorie aufzusteigen. Besonders in krisenhaften Zeiten werden die einfachen Botschaften  &#8211; wie »Steuern runter!« oder »Weniger Staat!« &#8211; gern geh&#246;rt; darauf beruhte letztlich der paradoxe Wahlerfolg der FDP 2009. Paradox deshalb, weil es ja gerade die von der FDP kolportierten Parolen von der Entfesselung der M&#228;rkte und der Finanzbranche waren, die bei der Krise im Jahr zuvor Pate gestanden hatten. Die Illusion trug nur wenige Monate und ist jetzt restlos aufgebraucht – eine Warnung &#252;brigens auch an andere Parteien mit hochfliegenden Wahlresultaten – die aus anderer Krisenverunsicherung herr&#252;hren –  und daraus leicht entstehenden Hochgef&#252;hlen.</p>
<p>Die FDP ist auf ihr Normalma&#223; zurechtgestutzt. Bei Bundestagswahlen erreichte sie zumeist  Ergebnisse um die sieben oder acht Prozent, nur f&#252;nfmal schnitt sie zweistellig ab, was aber nie Bestand hatte. Ihr niedrigstes Resultat lag knapp unter sechs Prozent; dort etwa w&#252;rde sie sich wohl derzeit einpegeln, vielleicht auch etwas niedriger wegen des Westerwelle-Faktors. Von besonderer Bedeutung f&#252;r die deutsche Politik ist das nicht, weshalb auch Angela Merkel  nicht in Panik ausbricht. Nach dem, was die Demoskopie derzeit verbreitet, hat sie mit der SPD auch k&#252;nftig einen sicheren Juniorpartner – und im &#252;brigen sind sie und ihre Partei l&#228;ngst dabei, die Gr&#252;nen ins eigene Lager zu locken. Mit gar nicht so schlechten Erfolgsaussichten.</p>
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		<title>W&#228;hler bestrafte Hochmut der CDU – und der SPD</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 18:29:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Dass die CDU in Baden-W&#252;rttemberg und – etwas weniger deutlich – auch in Rheinland-Pfalz vom W&#228;hler kr&#228;ftig abgestraft wurde, ist nicht zu leugnen. Aber auch die SPD, die sich – wie auf der anderen Seite die rheinland-pf&#228;lzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Kl&#246;ckner – realit&#228;tsfern als Wahlsieger geriert, muss noch immer f&#252;r ihre unsoziale Politik der Schr&#246;der- [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Dass die CDU in Baden-W&#252;rttemberg und – etwas weniger deutlich – auch in Rheinland-Pfalz vom W&#228;hler kr&#228;ftig abgestraft wurde, ist nicht zu leugnen. Aber auch die SPD, die sich – wie auf der anderen Seite die rheinland-pf&#228;lzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Kl&#246;ckner – realit&#228;tsfern als Wahlsieger geriert, muss noch immer f&#252;r ihre unsoziale Politik der Schr&#246;der- und M&#252;ntefering-&#196;ra bezahlen.<span id="more-2659"></span>Wenn sie jetzt in Mainz trotz Verlusten von fast zehn Prozent weiterregieren und in Stuttgart trotz des dortigen schlechtesten Ergebnisses &#252;berhaupt in die Regierung schl&#252;pfen kann, hat sie das allein den Gr&#252;nen zu verdanken, den einzigen Siegern des heutigen Wahlabends.</p>
<p>Aber nat&#252;rlich wiegt der Einbruch von CDU und FDP in Baden-W&#252;rttemberg schwerer, auch wenn um dessen wahren Grund die systemnahen Medien zumeist einen gro&#223;en Bogen machen. In ihren schon vor dem heutigen Wahltag vielf&#228;ltig formulierten Abges&#228;ngen auf die Kanzlerin und ihrer Koalition entwickelten sie entweder<a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Wahlen-Atom-Libyen-Merkels-haerteste-Pruefung-id4466518.html" target="_blank"> abenteuerliche Katastrophentheorien</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/a67d777f6f784933848b990422eec625" alt="" width="1" height="1" /> – so als seien ein unvorhersehbares politisches Erdbeben und gleich darauf noch ein Tsunami &#252;ber Schwarz-Gelb gekommen – oder versuchten sich in <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0326/politik/0009/index.html" target="_blank">amateurhaften psychologischen Befunden</a> &#252;ber die doch so bedauernswerte Kanzlerin. Dass es tats&#228;chlich die verfehlten Inhalte der schwarz-gelben Politik und ein voluntaristisches Herangehen an die aktuellen Probleme, das objektive Bedingungen wie subjektive Befindlichkeiten in der Bev&#246;lkerung arrogant ausblendete, waren, die zum Desaster f&#252;hrten, lie&#223; sich so elegant verschleiern.</p>
<p>Die schwerste Hypothek hatte sich die Regierung mit dem Beschluss zur Verl&#228;ngerung der Laufzeiten f&#252;r Atomkraftwerke aufgeladen. Der sich immer st&#228;rker abzeichnende Super-GAU in Japan war eben nicht – wie einige Atombef&#252;rworter mit Altbundeskanzler Helmut Kohl an der Spitze jetzt schon wieder verk&#252;nden – ein bl&#246;der Zufall zur falschen Zeit, sondern die gesetzm&#228;&#223;ige Folge einer Politik, die um des Profits von Wirtschaftsunternehmen willen latente Gefahren klein redet und am Ende – gerade in Japan kann man das jetzt mit erschreckender Deutlichkeit sehen – die Gesellschaft auf den Folgen ihres im Grunde kriminellen Tuns sitzen l&#228;sst. Hinter der Desinformationsparole von der »Br&#252;ckentechnologie« und der noch viel gr&#246;&#223;eren L&#252;ge vom »Moratorium« sollte und soll verborgen werden, dass es nur um Milliardengewinne geht und nicht nur die Meinungen, sondern auch die lebenswichtigen Interessen der Menschen deshalb nassforsch missachtet werden.</p>
<p>Ein anderes Beispiel f&#252;r die Abgehobenheit der Bundesregierung ist der Afghanistankrieg, gegen den es seit Beginn eine Mehrheit im Volk gibt, die jedoch ebenfalls total ignoriert wird. Vielmehr unternahm es der inzwischen an anderen Verfehlungen gescheiterte Verteidigungsminister zu Guttenberg, unter Aufbietung aller nur zur Verf&#252;gung stehenden Propagandakompanien, Krieg f&#252;r Deutsche wieder salonf&#228;hig zu machen. Zwar hat die Koalition jetzt auf einige ihrer kl&#252;geren Berater geh&#246;rt und den Afghanistan-Fehler in Libyen nicht wiederholt, doch selbst diese positive Entscheidung verstand sie dadurch zu entwerten, dass sie daf&#252;r das Engagement am Hindukusch verst&#228;rkte. Und sie trieb zugleich die Kriegsfraktion&#228;re in der CDU/CSU aus der Deckung – jene, die noch heute einer Angela Merkel nachtrauern, die 2003 gern mit George W. Bush in den Irakkrieg gezogen w&#228;re, weil sie zum einen Gewalt – ob im Innern (siehe das Vorgehen gegen die Stuttfart-21-Gegner) oder nach au&#223;en (wie jetzt gegen&#252;ber Libyen) – f&#252;r ein probateres Mittel der Politik  als die Suche nach Ausgleich und friedlichen Konfliktl&#246;sungen halten und zum anderen deutsche Politik noch immer in einer Satelittenrolle sehen – lange fixiert auf die USA, nun auch auf andere; in jedem Falle ohne Sinn und Klugheit dieser Politik auch nur zu hinterfragen.</p>
<p>Weitere Beispiele, wie weit Schwarz-Gelb im Grunde von Denken der B&#252;rger entfernt ist, lieferten das sture Festhalten am Stuttgarter Bahnhofsbau, das die Bundeskanzlerin am Ende sogar zu ihrer Sache erkl&#228;rte, und die am gr&#252;nen Tisch zusammengebastelte Hartz-IV-Korrektur nach der R&#252;ge des Bundesverfassungsgerichts, die sich nicht am Bedarf von Arbeitslosen, sondern an der Kassenlage des Bundes orientierte. Auch Freiherr zu Guttenbergs arroganter Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer und sein v&#246;lliges Unverst&#228;ndnis f&#252;r die Forderungen nach einem ehrlichen, anst&#228;ndigen Umgang mit eigenen Verfehlungen geh&#246;ren in diese Reihe. Und erst heute hat einer der neuen Minister des Kabinetts Merkel ein weiteres Beispiel f&#252;r regierungsamtlichen Hochmut geliefert. Nicht etwa <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/1421531/" target="_blank">Innenminister Hans-Peter Friedrich</a> hat nach seiner Auffassung mit seinem Wort, dass der Islam nicht zu Deutschland geh&#246;re, die Gesellschaft gespalten, sondern jene, die ihn daf&#252;r kritisierten.Seine &#196;u&#223;erung sei dazu benutzt worden, »einen Keil zu treiben zwischen den Muslime und mich. Und das zeigt mir eigentlich, dass die, die mich so scharf kritisiert haben, eigentlich nur ein Ziel hatten, n&#228;mlich zu spalten und nicht zusammen zu f&#252;hren.« Und Julia Kl&#246;ckner, die das zweitschlechteste Resultat ihrer Partei in Rheinland-Pfals ohne rot zu werden ein »wunderbares Ergebnis« nennt, will sich offensichtlich in die Front der Wirklichkeitsverweigerer der Union  nahtlos einreihen.</p>
<p>Die SPD steht der CDU in dieser Frage freilich wenig nach, wie vor allem Andrea Nahles&#8217; Siegeseuphorie angesichts niederschmetternder Stimmergebnisse zeigt.. Sie hat nicht begriffen oder will nicht begreifen, dass die Abkehr der W&#228;hler, die jetzt massiv die Union erlebt, bei ihr schon lange aingesetzt hat und auch heute nicht gestoppt werden konnte; in Rheinland-Pfalz hat sie jetzt erst richtig Fahrt aufgenmmen. Beide so genannte Volksparteien waren und sind nicht das Opfer schicksalhafter politischer Katastrophen, sondern  bewusst betriebenen Regierungshandeln, das zunehmend glaubt, sich &#252;ber die B&#252;rger hinwegsetzen und allein nach den eigenen, interessengeleiteten Ma&#223;st&#228;ben handeln zu k&#246;nnen. Dass – wie zuvor schon Schr&#246;der und M&#252;ntefering – Angela Merkel und Guido Westerwelle, ihre schwarz-gelben Koalition&#228;re und die hinter ihnen stehenden, nach weiteren Milliarden gierenden Wirtschaftsbosse damit nicht durchgekommen sind, ist das wichtigste Resultat des heutigen Wahltages.</p>
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		<title>Hamburg zeigt die Ratlosigkeit des W&#228;hlers</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 18:20:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Das Ergebnis der Hamburger B&#252;rgerschaftswahl entbehrt jeder Logik. In bundesweiten Umfragen d&#252;mpelt die SPD im 20-Prozent-Bereich herum, an der K&#252;ste jedoch schafft sie – trotz vier weiterer Parteien &#252;ber der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde – die absolute Mehrheit. Und das mit einem Politiker, der zu den Architekten der Agenda 2010 geh&#246;rte und – als Generalsekret&#228;r der Partei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Das <a href="http://www.tagesschau.de/inland/hamburgwahl156.html" target="_blank">Ergebnis der Hamburger B&#252;rgerschaftswahl</a> entbehrt jeder Logik. In bundesweiten Umfragen d&#252;mpelt die SPD im 20-Prozent-Bereich herum, an der K&#252;ste jedoch schafft sie – trotz vier weiterer Parteien &#252;ber der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde – die absolute Mehrheit. Und das mit einem Politiker, der zu den Architekten der Agenda 2010 geh&#246;rte <span id="more-2470"></span>und – als Generalsekret&#228;r der Partei unter Gerhard Schr&#246;der – sogar den Begriff des demokratischen Sozialismus aus dem Parteiprogramm tilgen wollte. Auf der anderen Seite st&#252;rzt die CDU, in der Bundes-Demoskopie klar f&#252;hrend und nun der eigentliche Sachwalter Schr&#246;derscher Politik (wie sich parallel zum Wahlgang bei den Hartz-IV-Verhandlungen erwies), fast unter die 20-Prozent-Marke. All das zeugt von der tiefen Ratlosigkeit der W&#228;hler, die angesichts der Austauschbarkeit politischen Personals jenseits aller Parteizugeh&#246;rigkeit l&#228;ngst nicht mehr wissen, wem sie ihre Stimme geben sollen. Sie haben gelernt, dass ungeachtet ihrer Wahlentscheidung in der Politik das »Weiter so!« dominiert, d. h. f&#252;r wen auch immer sie votieren, &#228;ndert sich doch kaum etwas.</p>
<p>Gerade die Hamburger hatten in der Vergangenheit versucht, auch durch Zuwendung zu politischen Exoten jemanden zu finden, der ihre Interessen origin&#228;r vertritt. 1993 machten sie die STATT-Partei stark, mit der die SPD eine Kooperationsvereinbarung schloss, da sie keine eigene Mehrheit hatte. Da sich an der Politik kaum etwas &#228;nderte, verlor die SPD erheblich an Stimmen und versuchte es 1997 mit der gr&#252;nen GAL. Auch das ging schief, und 2001 schickten die W&#228;hler die PRO-Partei des politischen Hasardeurs Ronald Schill mit 19,4 Prozent gleich bis in den nun CDU-gef&#252;hrten Senat. Nach dessen Scheitern schaffte die CDU das, was gestern der SPD gelang: Sie legte um 21 auf 47,2 Prozent zu und regierte fortan allein die Hansestadt – allerdings nur vier Jahre. Dann verb&#252;ndete sie sich mit den Gr&#252;nen. Auch das &#252;berzeugte letztlich die Hamburger nicht. Nun erh&#228;lt <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-2011/hamburg/hamburger-spd-ein-traumhafter-sieg-ohne-stoff-fuer-traeume_aid_601985.html" target="_blank">die SPD eine neue Chance</a><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/13ba2ff7777e43c5a1baaaac6620068e" alt="" width="1" height="1" />; nutzt sie sie nicht, ist ihr Abgang bereits vorhersehbar.</p>
<p>Interessierte Kommentatoren bis hinein in die Regierungsparteien begr&#252;nden Olaf Scholz&#8217; Erfolg mit seiner <a href="http://www.welt.de/politik/wahl/hamburg-wahl/article12608131/Schroeder-freut-sich-ueber-SPD-Comeback-in-der-Mitte.html" target="_blank">R&#252;ckkehr zur Schr&#246;der-Politik</a>. Die aber hat gerade nicht stattgefunden; vielmehr erwies sich der fr&#252;here Hamburger Innensenator als &#252;berzeugender Opportunist, indem er jetzt etliche soziale Wohltaten wie die Abschaffung von Kita- oder Studiengeb&#252;hren ank&#252;ndigte und – ziemlich wolkig – »ordentliches Regieren« versprach. Andererseits war es dem eher rechts positionierten Sozialdemokraten mit Blick auf das CDU-W&#228;hlerpotential auch nicht unrecht, dass ihn der Ruf des Agenda-Politikers begleitete. Er hat die Sehnsucht der W&#228;hler nach solider Politik bedient und damit gewonnen. Dass er den Erwartungen des Wahlvolks auch wirklich entsprechen kann, muss er erst noch beweisen, und angesichts seiner absoluten Mehrheit kann er die klammheimliche Zur&#252;cknahme von Wahlversprechen nur schwer mit Sachzw&#228;ngen begr&#252;nden. Insofern steht die SPD vor einer Nagelprobe, denn bei jedem k&#252;nftigen Urnengang in diesem Jahr werden ihre potenziellen W&#228;hler schauen, was die Partei in Hamburg tut und was nicht.</p>
<p>Die &#252;brigen Ergebnissen sind kaum &#252;berraschend. Selbst der Absturz der CDU relativiert sich, wenn man wei&#223;, dass die Partei 1993 schon einmal bei nur 25,1 Prozent gelegen hatte. Die FDP profitierte von der Schw&#228;che der CDU, mit 1,8 Prozent Zuwachs jedoch so minimal, dass sich der Westerwellesche Siegestaumel schnell als verfr&#252;ht erweisen k&#246;nnte. Die Gr&#252;nen sind auf ihre reale Bedeutung zur&#252;ckgestutzt; sie werden diese Erfahrung im Super-Wahljahr noch &#246;fter machen. Und die Linke kann zufrieden sein, dass sich ihre Westposition auch unter ung&#252;nstigen Vorzeichen gefestigt hat.</p>
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		<title>Das Scheitern der Hartz-IV-Korrektur ist die Chance der W&#228;hler</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Feb 2011 22:21:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Die mediale Begleitung des Unwillens der Bundesregierung, ein nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidriges Gesetz zweifelsfrei verfassungskonform zu machen, ist von einem seltsamen Opportunismus gepr&#228;gt. Etwa nach dem Motto: Hauptsache, sie einigen sich – ganz egal, wor&#252;ber. Das werden Schuld und Versagen sorgf&#228;ltig auf beide Seiten verteilt – in der unverkennbaren Absicht, keinem weh zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Die mediale Begleitung des Unwillens der Bundesregierung, ein nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidriges Gesetz zweifelsfrei verfassungskonform zu machen, ist von einem seltsamen Opportunismus gepr&#228;gt. Etwa nach dem Motto: Hauptsache, sie einigen sich – ganz egal, wor&#252;ber. Das werden <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0210/meinung/0024/index.html" target="_blank">Schuld und Versagen sorgf&#228;ltig auf beide Seiten verteil</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/171f0d2a140946e9ba32b92598c35731" alt="" width="1" height="1" />t – in der unverkennbaren Absicht, keinem weh zu tun. Ein Ausdruck von Harmoniebed&#252;rfnis, das gew&#246;hnlich nur weitgehend gleichgeschalteten Medien unterkommt. <span id="more-2259"></span>Und das sich die Krokodilstr&#228;nen dar&#252;ber nicht spart, dass die Hartz-IV-Empf&#228;nger »nichts bekommen«.</p>
<p>Was erstens nicht stimmt, denn Karlsruhe hat in weiser Voraussicht des Schattenboxens verf&#252;gt, dass der neue Regelsatz auf jeden Fall ab 1.1.2011 zu zahlen, gegebenenfalls nachzuzahlen ist. Und was zweitens bei f&#252;nf Euro monatlich und einem ziemlich undurchschaubaren »Bildungspaket« kaum einen Hartz-IV-Empf&#228;nger vom Stuhl rei&#223;t.</p>
<p>Die Strategie der schwarz-gelben Bundesregierung war von Anfang an klar. Sie, die ausdr&#252;cklich angetreten ist, Politik f&#252;r die Besserverdienenden zu machen, sieht in finanziellen Zuwendungen f&#252;r Hilfebed&#252;rftige keinerlei Sinn. Anders ist nicht zu erkl&#228;ren, dass sie auf die fundierte Kritik der Verfassungsrichter nur mit kosmetischen Korrekturen antwortete und nie ihre Entschlossenheit verbarg,<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0210/tagesthema/0016/index.html" target="_blank"> dieses Konzept auf Biegen und Brechen durchzusetzen</a>.</p>
<p>In der Sache waren und sind SPD und Gr&#252;ne davon nicht allzu weit entfernt. Sie waren es schlie&#223;lich, die die verfassungswidrigen Hartz-IV-Beschl&#252;sse einst erfanden und – mit wohlwollender, die Details noch versch&#228;rfender Unterst&#252;tzung der Union – zum Gesetz machten. Nun jedoch in der Opposition, mussten sie nat&#252;rlich ein wenig die Dagegen-Attit&#252;de hervorkehren, wobei nicht ausgeschlossen werden soll, dass manchem Sozialdemokrat und Gr&#252;nen durchaus daran gelegen ist, den selbst ruinierten Ruf wieder etwas aufzubessern – und das umso mehr, als gerade in dieser Frage die Linkspartei mit ihren viel weiter gehenden Forderungen den beiden Ex-Regierungsparteien kr&#228;ftig im Nacken sitzt.</p>
<p>Daher waren SPD und Gr&#252;ne nicht bereit, einem vorgeblichen Kompromissangebot der Koalition zuzustimmen, das sie nicht wenigstens ein bisschen das Gesicht wahren l&#228;sst, obwohl sie der Regierung schon mit raumgreifenden Schritten entgegenkamen – bis fast zur Unkenntlichkeit der eigenen urspr&#252;nglichen Forderungen,  der<a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/hochspannung-im-hartz-entscheidungskrimi-1652506.html" target="_blank"> Jamaika-Gr&#252;ne Hubert Ulrich</a> sogar bis fast zur letzten Minute. Dass es am Ende nicht zu einer Einigung kam, war somit weniger die Schuld der beiden beteiligten Oppositionsparteien als vielmehr der um die Erhaltung und baldige Aktivierung ihrer W&#228;hlerklientel besorgten und daher kompromissunwilligen Regierungspartner CDU/CSU und FDP.</p>
<p>Ohne es vielleicht wirklich zu wollen, haben SPD und Gr&#252;ne damit den Hartz-IV-Empf&#228;ngern einen Gefallen getan, denn nun k&#246;nnen diese bei diversen Wahlen selbst ein Votum &#252;ber die Parteien und ihre soziale Sensibilit&#228;t abgeben. Und vielleicht dadurch erreichen, dass eine k&#252;nftige Vermittlungsrunde nicht nur nicht hinter die jetzt auf dem Tisch liegenden Angebote zur&#252;ck kann, sondern sogar noch etwas drauf legt. Zwar hat dies die<a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-02/hartz-iv-lindner-bundesrat-2" target="_blank"> FDP bereits lautstark ausgeschlossen</a>, aber diese Drohung klingt eher wie das Pfeifen im Walde, d&#252;rfte Westerwelles Partei doch wissen, dass nach den anstehenden Wahlg&#228;ngen ihr Einfluss auf die Bundespolitik so sehr geschrumpft sein wird, dass sie ein besseres Ergebnis f&#252;r die Hartz-IV-Empf&#228;nger nicht verhindern kann.</p>
<p>Voraussetzung daf&#252;r w&#228;re allerdings, dass die SPD bei der jetzt gezeigten Konsequenz bleibt, wof&#252;r es allerdings keine Garantie gibt, im Gegenteil. Sollten die Sozialdemokraten bei k&#252;nftigen Wahlen zulegen, muss ein schneller R&#252;ckfall in ihr Agenda-2010- Denken bef&#252;rchtet werden. Verhindern k&#246;nnen dies allerdings die W&#228;hler dadurch, dass sie so intelligent abstimmen, dass sowohl CDU und FDP die Quittung f&#252;r ihren unsozialen Kurs erhalten als auch die rechte SPD, f&#252;r die zum Beispiel in Hamburg ein Olaf Scholz steht, nicht schon wieder fr&#246;hliche Urst&#228;nd feiern kann.</p>
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