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	<title>blogsgesang.de &#187; Strauß</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Kohl und sein Schreiber</title>
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		<pubDate>Thu, 06 May 2010 15:25:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war wohl nur ein Zufall, aber ein sehr symbolischer. Am gleichen Tag, als Helmut Kohl in Ludwigshafen mit gro&#223;em Pomp seinen 80. Geburtstag nachfeierte, wurde im nicht allzu weit entfernten Augsburg Karlheinz Schreiber zu acht Jahren Haft verurteilt. Jener Schreiber also, der eines der Werkzeuge des Altkanzlers und seiner Partei beim Spendenskandal war, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war wohl nur ein Zufall, aber ein sehr symbolischer. Am gleichen Tag, als Helmut Kohl in Ludwigshafen mit gro&#223;em Pomp seinen 80. Geburtstag nachfeierte, wurde im nicht allzu weit entfernten Augsburg Karlheinz Schreiber zu acht Jahren Haft verurteilt. Jener Schreiber also, <span id="more-1695"></span>der eines der Werkzeuge des Altkanzlers und seiner Partei beim Spendenskandal war, der die Republik schon bald nach Kohls Abwahl 1998 einige Jahre besch&#228;ftigen sollte. W&#228;hrend dem Chef vom Laudator, einem ehemaligen Bundespr&#228;sidenten, bescheinigt wurde, dass <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EC7616036C4DF4BA7BC37D7448472DF47~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">sein »Charakterbild in der Geschichte« schwanke</a><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/c4291929195149c5ae90b4f0e6d0b3a2" alt="" width="1" height="1" /> – »und zwar auf die positive Seite«, bescheinigte das Augsburger Landgericht dem Gesellen f&#252;r die Schmutzarbeit, <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/schreiber-urteil" target="_blank">»gierig, skrupellos und nur auf den eigenen Vorteil bedacht«</a> gewesen zu sein. Vor zehn Jahren hatte das noch ganz anders geklungen. Da waren zwar Schreibers trickreiche Winkelz&#252;ge l&#228;ngst allbekannt, aber noch bewahrten ihn viele einflussreiche sch&#252;tzende H&#228;nde vor der verdienten Strafe.</p>
<p>Es mag deshalb aufschlussreich sein, wie eng dcr jetzt verurteilte Karlheinz Schreiber damals noch mit der CDU und vor allem der CSU verbandelt war. Der folgende Beitrag erschien im »Neuen Deutschland« vom 25. 01. 2000.</p>
<blockquote>
<h2>Die Katze auf der hei&#223;en M&#228;usekiste</h2>
<h3>Lange vor der CDU machte die CSU mit Karlheinz Schreiber Gesch&#228;fte und geht auch heute nur z&#246;gernd auf Distanz</h3>
<p> Von Peter Richter</p>
<h4>Der mit Haftbefehl gesuchte R&#252;stungslobbyist Karlheinz Schreiber, Schl&#252;sselfigur im CDU-Spendenskandal, ist seit 20 Jahren Mitglied der CSU und ihren F&#252;hrungsleuten aus gemeinsamen Gesch&#228;ften bestens bekannt.</h4>
<p>Merkw&#252;rdig leise agiert die bayerische Schwesterpartei der CDU im Spendenskandal. Nicht einmal die r&#252;den Angriffe ihres Parteimitgliedes Karlheinz Schreiber an die Adresse Wolfgang Sch&#228;ubles konnten die CSU zu klarer Stellungnahme veranlassen. Er nannte den CDU-Vorsitzenden einen L&#252;gner, der Quatsch erz&#228;hle. In ein tiefes Loch wolle er ihn fallen lassen. Und &#252;berhaupt: »Ich sitze wie die Katze auf der Kiste mit den M&#228;usen. Und &#252;berlege mir, welche ich als erste fresse.«</p>
<p>Dennoch – f&#252;r CSU-Generalsekret&#228;r Thomas Goppel ist Schreiber ein ehrenwerter Mann. Immerhin geh&#246;rt er l&#228;nger als zwei Jahrzehnte zum Kreisverband Landsberg, den Goppel leitet, ist dessen Duzfreund. »Warum«, so der Parteimanager, »soll ich dem die Freundschaft aufk&#252;ndigen?« Selbst f&#252;r des Waffenh&#228;ndlers Flucht nach Kanada zeigte Goppel j&#252;ngst in einer Talkshow vollstes Verst&#228;ndnis: »Wenn er sagt, ich gehe nicht hin und stelle mich freiwillig, weil dann mein Betrieb sofort in Pfand genommen wird und all mein Verm&#246;gen gepf&#228;ndet wird, dann ist das sein Recht.« Auch Max Strau&#223;, Sohn des Ex-CSU-Chefs Franz Josef Strau&#223;, nennt Schreiber einen »vern&#252;nftigen Mann«.</p>
<h4>Bei Strau&#223; und Co. immer mit am Tisch</h4>
<p>Es sind nicht nur die 143OOO Mark, die Schreiber der CSU von Ende der 80er Jahre bis 1995 zukommen lie&#223; und von denen Goppel 50000 Mark selbst direkt in Empfang nahm, die ihm einen guten Leumund bei den Christsozialen bescheren. Auch Max Strau&#223; mag nicht allein an die 5,2 Millionen Mark denken, die er angeblich Schreiber verdankt. Mehr noch d&#252;rfte es das Wissen des R&#252;stungslobbyisten sein, das die CSU beunruhigt – hat er doch seit langem bei den Spitzen der Partei immer mit am Tisch gesessen und manches dunkle Gesch&#228;ft mit ihnen und f&#252;r sie abgewickelt. Als der heute 65-J&#228;hrige in den 70er Jahren in seinem Heimatort Kauferingen ein Unternehmen f&#252;r Stra&#223;enmarkierungen leitete, war das nur noch der Nebenjob. Sein haupts&#228;chliches T&#228;tigkeitsfeld war l&#228;ngst der Lobbyismus f&#252;r Waffenkonzerne oder – wie er es selbst nennt – »Landschaftspflege«.</p>
<p>Und die betrieb Schreiber bevorzugt bei CSU-Gr&#246;&#223;en, die zudem am florierenden Waffengesch&#228;ft vor allem bayerischer Firmen interessiert waren. Die »S&#252;ddeutsche Zeitung« berichtete unl&#228;ngst von einem Deal mit Saudi-Arabien aus dem Jahr 1980, als Strau&#223; Kanzler werden wollte. Gegen g&#252;nstige &#214;lkontrakte, die Millionen in CSU-Parteikassen sp&#252;len sollten, w&#252;rde ein Bundeskanzler Strau&#223; die Lieferung von Leopard-Panzern an das W&#252;stenland durchsetzen. Schreiber zog hinter den Kulissen die F&#228;den, ebnete die Wege – da scheiterte Strau&#223; an den W&#228;hlern, und das Gesch&#228;ft fiel ins Wasser.</p>
<p>Doch bei Strau&#223; stand er weiter in hoher Gunst, und als dieser starb, waren Schreibers Kontakte bereits so vielf&#228;ltig, dass er selbstst&#228;ndig weitermachen konnte. Er vermittelte f&#252;r MBB den Verkauf von zw&#246;lf Hubschraubern, makelte f&#252;r Airbus die Lieferung von Gro&#223;-Flugzeugen und setzte 1991 f&#252;r Thyssen jenes Panzergesch&#228;ft mit Saudi-Arabien durch, das f&#252;r die Augsburger Staatsanw&#228;lte den Hintergrund f&#252;r die Millionenspende an die CDU auf dem Parkplatz im schweizerischen St. Margrethen abgibt. Obwohl damals in der Bundesregierung die Bedenken gegen das Gesch&#228;ft &#252;berwogen, setzte Helmut Kohl die Lieferung von 36 »Fuchs«-Sp&#252;rpanzern durch.</p>
<p>Bevorzugter Partner Schreibers in all diesen Gesch&#228;ften war ein alter Bekannter aus Strau&#223;&#8217; Zeiten: dessen einstiger B&#252;roleiter Holger Pfahls, 1985 auf Empfehlung seines Ziehvaters zum Chef des Bundesamtes f&#252;r Verfassungsschutz und zwei Jahre sp&#228;ter zum Staatssekret&#228;r im Verteidigungsministerium avanciert. Bis 1992 war er hier nicht zuletzt f&#252;r R&#252;stungsexporte zust&#228;ndig; ihm soll Schreiber allein 3.8 Millionen Mark Schmiergeld gezahlt haben. Inzwischen ist das CSU-Mitglied Pfahls – wie Schreiber – fl&#252;chtig.</p>
<p>Doch nicht nur Pfahls geh&#246;rte zu den Ansprechpartnern Schreibers, die er vor allem im Verteidigungsministerium fand. Er spendete f&#252;r den Wahlkampf von Michaela Geiger, die dort seit 1993 Staatssekret&#228;rin war. Erich Riedl, ebenfalls langj&#228;hrig in dieser Funktion, soll von Schreiber eine halbe Million bekommen haben. Mit Monika Hohlmeier, Kultusministerin im Kabinett Stoiber, betrieb er mehrere Jahre eine gemeinsame Firma in Kanada. Er hatte Kontakte zum bayerischen Wirtschaftsminister Wiesheu, zum bayerischen Finanzminister Faltlhauser und zur Hanns-Seidel-Stiftung der CSU, f&#252;r die er gar in Costa Rica eine Au&#223;enstelle einrichten sollte.</p>
<h4>Solange Schreiber &#252;ber die CSU schweigt &#8230;</h4>
<p>All dies schuf gegenseitige Abh&#228;ngigkeiten, die die CSU jetzt zum Wohlverhalten gegen&#252;ber Schreiber zwingen. Solange er schweigt, ist die Botschaft der Verteidigungsreden von Goppel und Strau&#223; junior, hat er von uns nichts zu bef&#252;rchten – und da st&#246;rt auch nicht, dass Schreiber immerhin der Steuerhinterziehung, der Bestechung, der Beihilfe zu Betrug und Untreue bezichtigt wird. Auf 38 Seiten hat die Staatsanwaltschaft in Augsburg Schreibers S&#252;ndenregister aufgelistet; allein die Steuerschuld soll sich auf 23,5 Millionen Mark belaufen. Und ihm r&#228;t Goppel zwar angeblich am Telefon – denn beide plauschen hin und wieder &#252;ber den Atlantik hinweg – sich zu stellen, doch zugleich signalisiert er ihm Verst&#228;ndnis f&#252;r sein Wegbleiben, »weil er von der Gesellschaft verurteilt« worden ist.</p>
<p>T&#252;ckisch allerdings wird die CSU. wenn Schreiber doch plaudert. K&#252;rzlich warf er seiner Partei vor, Spenden &#252;ber 20000 Mark zu st&#252;ckeln, was unzul&#228;ssig ist. und die Namen der fiktiven Spender aus Todesanzeigen entnommen zu haben. Das erkl&#228;rte die CSU sofort zu L&#252;gen, weigerte sich allerdings, ihre Kassen von unabh&#228;ngigen Pr&#252;fern untersuchen zu lassen. Goppel r&#252;gte nun gar seinen Duzfreund, er habe ein &#246;ffentliches Klima von Verd&#228;chtigungen und Diffamierungen erzeugt. Schreiber deshalb aus der CSU auszuschlie&#223;en, erw&#228;gt die Partei dennoch nicht, allenfalls werde sein Kreisverband dar&#252;ber nachdenken. Den Stein der Weisen fand schlie&#223;lich Goppel: Eigentlich ruhe Schreibers Mitgliedschaft ja schon. Schlie&#223;lich lebe er seit Jahren im Ausland und k&#246;nne seine Mitgliedsrechte gar nicht wahrnehmen. Noch Tage vorher hatte der Generalsekret&#228;r darin keine Beeintr&#228;chtigung gesehen, denn Schreiber entrichte p&#252;nktlich seine Beitr&#228;ge.</p>
<p>So sitzt die Katze weiter auf der Kiste, will zwar – wie Schreiber inzwischen richtig stellte – die M&#228;use nicht mehr fressen, ihnen aber beim Spielen zusehen. Und bleibt damit selbst auch im Spiel&#8230;</p></blockquote>
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		<title>Parteijournalisten neuen Typs – zum Beispiel die Lafontaine-Vernichter</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 15:43:35 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wladimir Iljitsch Lenin war es, der vor der russischen Oktoberrevolution eine Zeitung gr&#252;ndete und f&#252;r sie eine eigene Theorie erfand – die von der »Presse neuen Typs«. Das war keine Weiterentwicklung des Journalismus, wie leninistische Theoretiker glauben machen wollten, sondern eher die Kreation eines Pressestellen-Journalismus, der vor allem Reklame und Marketing betreibt und sich – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wladimir Iljitsch Lenin war es, der vor der russischen Oktoberrevolution eine Zeitung gr&#252;ndete und f&#252;r sie eine eigene Theorie erfand – die von der »Presse neuen Typs«. Das war keine Weiterentwicklung des Journalismus, wie leninistische Theoretiker glauben machen wollten, sondern eher die Kreation eines Pressestellen-Journalismus<span id="more-1366"></span>, der vor allem Reklame und Marketing betreibt und sich – ganz anders als das meiste aus Lenins Theorienladen – nicht nur bis heute gehalten, sondern sogar noch betr&#228;chtlich ausgebreitet hat. So wie Lenin damals die Zeitung als Mittel verstand, f&#252;r seine bolschewistische Partei zu werben, mit ihr die Leserschaft aufzukl&#228;ren, um sie f&#252;r die aus seiner Sicht notwenigen Handlungen zu gewinnen – er betrachtete die Presse als »kollektiven Agitator, Propagandisten und Organisator«, so gibt es heute kaum ein Wirtschaftsunternehmen, Ministerium oder sonstige Beh&#246;rde, die nicht zum gleichen Zweck eine umf&#228;ngliche Presse- und Werbeabteilung unterhalten. Nicht um einen unabh&#228;ngigen Journalismus geht es ihnen, sondern – wie eben auch Lenin – um dessen Ausrichtung auf ihre eigenen Interessen.</p>
<p>Die so genannten seri&#246;sen Medien hierzulande m&#252;hen sich durchaus, den Verlockungen solchen <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1171/wenn-der-spiegel-mit-dem-oskar-und-der-sahra-%e2%80%a6" target="_blank">Reklamejournalismus</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/8d918f1174f14136a1e952a8b56ef038" width="1" height="1" alt=""> zu widerstehen, auch wenn das aus &#246;konomischen wie politischen Gr&#252;nden immer schwerer f&#228;llt. Besonders dann, wenn ein Vorgang beschrieben wird, der im Widerspruch zum »Mainstream« steht, ist zumindest der indirekte, manchmal aber auch der <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E28EFD94926E64CC08D46119C93101C8F~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">direkte Druck </a>gewaltig, die Fakten ein wenig am vorherrschenden Meinungsbild auszurichten. Der eine kommt dem nur z&#246;gernd und mit sichtlichem Unbehagen nach, der andere ist schon weiter und findet vielleicht sogar Gefallen an einer Berichterstattung, die in seinem Umfeld, das nicht unbedingt die Leser, H&#246;rer und Zuschauer sind, auf allgemeines Wohlwollen st&#246;&#223;t.</p>
<p>Eins der Themen, bei dem das besonders augenf&#228;llig wird, ist all das, was unter »Links« firmiert. Hier ist die mediale Ablehnung weitgehender Konsens, und der Journalist, der kr&#228;ftig in diese Kerbe haut, kann aus Sicht seiner Chefs und erst recht der Geldgeber kaum etwas falsch machen. Man muss da in diesen Tagen gar nicht zuerst an Oskar Lafontaine denken, sondern wurde &#252;ber das Muster j&#252;ngst am Beispiel des gerade zum SPD-Vorsitzenden gew&#228;hlten Sigmar Gabriel belehrt. Bei »Zapp« plauderte der Redakteur der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«, Michael Berger, aus, dass man in der kurzen Zeit Gabriels als Ministerpr&#228;sident Niedersachsens irgendwann fand, dass dieser sich zu oft als »Fanfare« produziert h&#228;tte. Die offensichtlich inhaltlich kaum begr&#252;ndete Reaktion: »Wir haben dann irgendwann in der Zeitung des Schalter umgelegt und gesagt: Nun kritisieren wir ihn mal ordentlich!«</p>
<p>Um wieviel mehr gilt das f&#252;r Lafontaine, der nat&#252;rlich auch kr&#228;ftig die Fanfare bl&#228;st – und dazu noch <a href="http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&amp;cccpage=17112009ArtikelKommentarKneffel1" target="_blank">aus der falschen Richtu</a>ng und mit einem aufwieglerischen Sound. Da ist man sich kaum zu schade, der Leninschen Theorie – ohne sie nat&#252;rlich zu kennen – konsequent zu folgen. Die Medien werden – bis auf wenige Ausnahmen – zum kollektiven Agitator, Propagandisten und Organisator einer Kampagne gegen den Feind, der beim russischen Revolution&#228;r der Klassenfeind war, was bei ihnen wohl Lafontaine gleicherma&#223;en ist, wenn auch mit ver&#228;ndertem Vorzeichen. F&#252;r die SED-Propaganda war jahrelang Franz Josef Strau&#223; der Prototyp des reaktion&#228;ren Nationalisten und Imperialisten. F&#252;r die b&#252;rgerlichen Medien spielt heute Oskar Lafontaine diese Rolle – als Prototyp des umst&#252;rzlerischen, so vaterlands- und prinzipienlosen Systemver&#228;nderers. Er kann tun oder lassen, was immer er will; <a href="http://www.readers-edition.de/2009/11/19/oskar-lafontaine-und-das-elend-des-deutschen-journalismus/" target="_blank">stets sucht man nach dem Haar in der Suppe</a>, nach einer Interpretation, die die Fakten irgendwie gegen ihn wendet.</p>
<p>Auf sogenannte seri&#246;se Medien ist das keineswegs begrenzt. Der <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,661508,00.html" target="_blank">»Spiegel« </a>hat sich schon lange aus der Kreis der so geadelten Bl&#228;tter verabschiedet und ist zur Bild-Zeitung f&#252;r Intellektuelle mutiert; jetzt m&#252;ht sich die <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/115/492471/text/" target="_blank">»S&#252;ddeutsche Zeitung«, </a>dem Hamburger Magazin nachzueifern. Jedenfalls war ihre Berichterstattung &#252;ber Oskar Lafontaine an B&#246;swilligkeit allenfalls noch von »Bild« und eben vom »Spiegel« zu &#252;berbieten. Immerhin hat sie noch Unbehagen versp&#252;rt und eine <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/670/495001/text/" target="_blank">Rechtfertigung</a> formuliert, aber gerade in dieser wurde auch der Unterschied deutlich, den man zwischen einem unakzeptablen Linken wie Lafontaine und einem »gel&#228;uterten« SPD-Mann wie zum Beispiel Peter Struck macht, wenn es um politischen Anstand geht. Bei Lafontaine hingegen dient selbst die mit Krokodilstr&#228;nen getr&#228;nkte Betroffenheitsgeste zu einem neuen Angriff auf die so tief verhasste Linkspartei – indem man sich nun <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/krank/" target="_blank">Bodo Ramelow </a>wegen seines dummen Kommentars zu Lafontaines Krebserkrankung vornimmt. Welch Gl&#252;ck, mag da mancher gedacht haben, wir m&#252;ssen nicht abr&#252;sten, sondern brauchen nur die Gesch&#252;tze auf das neue Ziel zu richten. Sie haben den Lenin verstanden, auch wenn sie ihn nie lasen.</p>
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		<title>CSU-Chef Edmund Stoiber geht. Wer beerbt ihn?</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Sep 2007 10:50:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Schaulaufen auf dem Boulevard Beim Rennen zwischen Erwin Huber, Horst Seehofer und Gabriele Pauli um den CSU-Vorsitz geht es kaum um inhaltliche Unterschiede Klick hier oder siehe: Neues Deutschland vom 28.09.2007 Schwund im Bund Das waren noch Zeiten, als Franz Josef Strau&#223; in M&#252;nchen auf den Tisch schlug und von Kreuth aus Helmut Kohl das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schaulaufen auf dem Boulevard</strong></p>
<p>Beim Rennen zwischen Erwin Huber, Horst Seehofer und Gabriele Pauli um den CSU-Vorsitz geht es kaum um inhaltliche Unterschiede</p>
<p>Klick <a href="http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=116930&amp;IDC=2">hier</a> oder siehe: Neues Deutschland vom 28.09.2007</p>
<p><strong>Schwund im Bund</strong></p>
<p>Das waren noch Zeiten, als Franz Josef Strau&#223; in M&#252;nchen auf den Tisch schlug und von Kreuth aus Helmut Kohl das F&#252;rchten lehrte. <span id="more-249"></span>1961 war der barocke Bayer CSU-Vorsitzender geworden und seither bestrebt, die s&#252;ddeutsche Unionsschwester auf Augenh&#246;he mit der CDU zu bringen. Das gipfelte 1976 im legend&#228;ren Kreuther Beschluss, der die Aufl&#246;sung der CDU/CSU-Fraktionsgemeinschaft vorsah und nur durch Kohls Drohung verhindert wurde, seinerseits einen CDU-Landesverband in Bayern zu gr&#252;nden. 1980 setzte Strau&#223; – inzwischen auch Ministerpr&#228;sident – die eigene, allerdings verlorene Kanzlerkandidatur durch. Danach beschr&#228;nkte er sich zwar aufs Donnergrollen aus der Ferne, machte aber weiterhin eigenst&#228;ndige Politik, unter anderem gegen&#252;ber der DDR, die den Bonnern immer wieder auf die Nerven ging.</p>
<p>Nach Strau&#223;&#8217; Tod 1988, vor allem aber durch die deutsche Vereinigung verlor der demonstrative Gestaltungsanspruch der CSU f&#252;r die gesamte Bundesrepublik an Wirkung. Neuer CSU-Chef wurde Theo Waigel, und Kohl nutzte die Gelegenheit, ihn umgehend in sein Kabinett einzubinden. Noch gravierender wirkte sich der Anschluss der Ex-DDR an die alte Bundesrepublik aus; hatte die CSU im Westen seit Strau&#223; fast immer allein mehr als zehn Prozent der Stimmen bei Bundestagswahlen gewonnen, fiel sie nun auf sieben Prozent und weniger zur&#252;ck; die Gr&#252;ndung des Ost-Ablegers Deutsche Soziale Union (DSU) in Ostdeutschland erwies sich als Fehlschlag.</p>
<p>Erst Edmund Stoiber, seit 1993 Ministerpr&#228;sident und seit 1999 auch CSU-Chef, versuchte erneut, die bayerische Karte als Joker ins bundesdeutsche Spiel zu bringen. Er trotzte Angela Merkel 2002 die Kanzlerkandidatur ab, verlor aber gegen Gerhard Schr&#246;der – eine Niederlage, von der sich auch seine Partei als bundespolitische Gr&#246;&#223;e nicht erholte. Seither hat sich ihre Bedeutung, auch aufgrund der Weigerung Stoibers, in Berlin eine wichtige Rolle zu spielen, weiter minimiert, und nicht wenige Beobachter mutma&#223;en, dass der anstehende F&#252;hrungswechsel diesen Prozess noch beschleunigen wird.</p>
<p>Siehe auch: Neues Deutschland vom 28.09.2007</p>
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