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	<title>blogsgesang.de &#187; USA</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 18:47:35 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Zwei Wahrheiten in Syrien</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 21:30:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Die seit Monaten andauernde Kampagne westlicher Politiker und der auf sie eingeschworenen Medien gegen Syrien tr&#228;gt inzwischen alle Z&#252;ge des originalgetreuen Remakes eines Thrillers aus der Hochzeit des kalten Krieges. Ideologietreu und starrsinnig zogen sich die USA und ihre Verb&#252;ndeten in flink erneut ausgehobene Sch&#252;tzengr&#228;ben zur&#252;ck und lassen sich daraus durch nichts vertreiben – weder durch den gesunden Menschenverstand<span id="more-3709"></span>, der den auch von vielen westlichen Beobachtern nach einer Intervention von NATO und den reaktion&#228;rsten arabischen Regimen in Syrien f&#252;r unausweichlich gehaltenen ausgedehnten Regionalkonflikt im Nahen Osten in seinen Folgen f&#252;r unkalkulierbar erachtet, noch durch die absehbaren <a href="http://www.fr-online.de/meinung/einspruch-gegen-christian-bommarius--waren-40-000-tote-die-beseitigung-gaddafis-wert--,1472602,11465190.html" target="_blank">Opferzahlen eines solchen Waffengangs</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/35a1815e38c040d0b3e0a4f13f8c79a9" alt="" width="1" height="1" />, die jene des gegenw&#228;rtigen B&#252;rgerkrieges innerhalb Syriens noch bei weitem &#252;bertreffen w&#252;rden.</p>
<p>Gegen den gesunden Menschenverstand spricht aus Sicht westlicher Strategen die vage wahrgenommene Chance einer grundlegenden Ver&#228;nderung der Kr&#228;ftebilanz im Nahen Osten, also ein typisches Denkmuster aus den Zeiten des kalten Krieges. Die <a href="http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/der-umbruch-in-der-arabischen-welt-steht-noch-am-anfang--54691101.html" target="_blank">revolution&#228;ren Bewegungen in verschiedenen arabischen L&#228;ndern</a> haben ein machtpolitisches Vakuum geschaffen, weil sich die neuen, progressiven Kr&#228;fte noch nicht sammeln, formieren und zukunftsweisende Konzepte entwickeln konnten, die eine Massenbasis finden. Diese Ungewissheit &#252;ber die Zukunft und die Kr&#228;fte, die sie gestalten k&#246;nnten, ist &#252;brigens eine direkte Folge der bisherigen westlichen Politik, die die diktatorischen Machthaber im Nahen Osten ausnahmslos mit Geld und Waffen unterst&#252;tzten und oft auch deren Kampf gegen die innere Opposition Vorschub leisteten. Der Westen verhinderte somit das Erstarken neuer, volksverbundener Gruppen und Pers&#246;nlichkeiten, was ihm jetzt insofern zugute kommt, dass er Einfluss auf die Entwicklung in seinem Sinne nehmen kann – was im Prinzip hei&#223;t, die alte Politik der Unterwerfung und &#246;konomischen Auspl&#252;nderung dieser L&#228;nder fortzusetzen.</p>
<p>Dabei st&#252;tzen sich USA und Europ&#228;ische Union vor allem auf die noch verbliebenen reaktion&#228;ren Diktaturen. Es sind Saudi-Arabien und die arabischen Emirate, also teilweise noch mittelalterlich regierte Staaten, in denen weder Menschenrechte geachtet werden noch Meinungsfreiheit herrscht, die als die neuen Verb&#252;ndeten des Westens in der arabischen Welt firmieren. Beide Seiten eint der Hass gegen fortschrittliche Entwicklungen im Nahen Osten – sei es im Inneren, wo die K&#246;nige, Scheichs und Emire solche Entwicklungen m mit allen Mitteln zu verhindern suchen, sei es von au&#223;en, sobald diese L&#228;nder mit neuem Selbstbewusstsein die Beachtung ihrer politischen und &#246;konomischen Interessen einfordern. Dass der Iran beanspruchen k&#246;nnte, die Atomenergie f&#252;r sich zu nutzen, m&#246;glicherweise einschlie&#223;lich des Baus einer Bombe, wird ihm vor allem von jenen verwehrt, die bereits Atomm&#228;chte sind, darunter in vorderster Front Israel, das seit langem und als einziges arabisches Land &#252;ber die Bombe verf&#252;gt. Dass Syrien die bisherige politische Architektur im Nahen Osten mit ihrer Dominanz prowestlicher Regierungen und Israels nicht anerkennen will, machte das Land schon unter George W. Bush zu einem »Schurkenstaat«, der mit allen Mitteln bek&#228;mpft wurde.</p>
<p>Obama mag angesichts des totalen Scheiterns seines Vorg&#228;ngers in Irak zwischenzeitlich etwas zur&#252;ckhaltender aufgetreten sein, doch nun sp&#252;rt auch er die Gelegenheit, angesichts der Schw&#228;che des »arabischen Fr&#252;hlings« die alten Machtverh&#228;ltnisse auf neue Weise zu etablieren. Deshalb haben er und die NATO den Versuch der Arabischen Liga, durch eine Beobachtermission und Dialog f&#252;r eine friedliche L&#246;sung in Syrien zu arbeiten, torpediert, indem sie Saudi-Arabien und die Emirate zum Verlassen der Beobachtermission veranlassten. Deshalb haben sie im Weltsicherheitsrat das libysche Szenario wiederholen und Russland und China zwingen wollen, ihnen freie Hand f&#252;r einen erneuten Milit&#228;reinsatz zur Durchsetzung der eigenen Ziele zu geben.</p>
<p>Denn einzig Russland und China widersetzen sich – aus guten Gr&#252;nden – dem erneuten Versuch des Westens, als ein Weltgendarm aufzutreten, der anderen V&#246;lkern die Regimes aufzwingt. Bei Libyen ist das noch gelungen, weil weder Russland noch China offensichtlich mit der westlichen Unverfrorenheit rechneten, eine vage UN-Resolution einseitig in ihrem Sinne auszulegen und als Basis f&#252;r seinen bewaffneten Angriff auf ein UN-Mitglied zu missbrauchen. Dieser Pr&#228;zedenzfall soll sich am Objekt Syrien nicht wiederholen. Sie wollen nicht zulassen, dass der Westen gemeinsam mit der monarchistisch-arabischen Reaktion die Herrschaft &#252;ber den gesamten Nahen Osten erlangt – wobei sie nat&#252;rlich zuerst an den eigenen Nachteil denken, aber objektiv auch einer nachteiligen Entwicklung f&#252;r die arabischen V&#246;lker und ihrer Hoffnungen auf eine Verbesserung ihrer Lebenslage entgegenwirken.</p>
<p>Die erste Wahrheit zu Syrien besteht in dieser machtpolitischen Gemengelage; sie hat mit Menschenrechten und Verhinderung von Opfern unter der Zivilbev&#246;lkerung nicht das Geringste zu tun, sondern allein mit den Interessen des Westens, der zu ihrer Durchsetzung &#252;brigens unger&#252;hrt &#252;ber Leichen geht. Man erinnere sich des Libyen-Abenteuers, f&#252;r das mit so hohem wie hohlem Pathos der Schutz von Menschenleben beschworen wurde – so wie jetzt im Falle Syrien. Doch dass der Libyen-Krieg der NATO nach unverd&#228;chtigen Sch&#228;tzungen im Lande <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13619539/Libyens-extremer-Blutzoll-und-wenige-schauen-hin.html" target="_blank">35000 Tote kostete</a>, vermutlich sogar mehr, wird fast v&#246;llig totgeschwiegen; ebenso wie  die1500 arabischen und afrikanischen Fl&#252;chtlinge, <a href="http://www.afrika-travel.de/libyen-news/0771-1500-migranten-2011-auf-dem-weg-nach-europa-ertrunken.html" target="_blank">die im Mittelmeer ertranken</a>, weil ihnen die europ&#228;ischen Menschenfreunde nicht helfen wollten.  Dass ein Angriff auf das viel verteidigungsf&#228;higere Syrien noch weit mehr kosten w&#252;rde, ist ebenfalls kein Thema, w&#228;hrend beinahe t&#228;glich willk&#252;rliche Zahlen &#252;ber die dortigen B&#252;rgerkriegsopfer in die Welt gesetzt werden. Wobei man auch da unterschl&#228;gt, dass es Opfer der Kriegf&#252;hrung beider Seiten sind, denn nat&#252;rlich schie&#223;en die <a href="http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/unruhen/2934244/syrische-deserteure-griffen-geheimdienst.story" target="_blank">Deserteure, die sich zur »Freien Syrischen Armee« erkl&#228;rt haben</a>, auch nicht mit Platzpatronen.</p>
<p>Ebenso wenig interessiert die westlichen Politiker und die meisten Medien, dass ihre neuen Verb&#252;ndeten gegen Syrien erst vor wenigen Monaten die Opposition in den eigenen L&#228;ndern blutig niedergeschlagen haben. Saudi-Arabien, das mit immer wieder aufflackernden Unruhen im eigenen Land zu k&#228;mpfen hat, schickte sogar Panzer und Soldaten ins benachbarte Bahrain, als dort eine Erhebung des absolutistische Regime hinwegzufegen drohte. In Jemen, wo seit fast einem Jahr die Entmachtung des Pr&#228;sidenten Ali Abdallah Saleh gefordert wird, ist er noch immer im Amt. Niemand im Westen verlangt einen UNO-Beschluss, um ihn endlich zum R&#252;cktritt zu zwingen. Auch in Kuwait, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten kommt es immer wieder zu Protestaktionen, &#252;ber die hierzualnde nicht einmal berichtet wird. Die Handy-Videos der dortigen Opposition finden kein Echo.</p>
<p>Nat&#252;rlich gibt es in Syrien auch eine zweite Wahrheit, n&#228;mlich jene von der Ablehnung des brutalen Assad-Regimes durch eine wachsende Zahl von Syrern. Der von einer Bev&#246;lkerungsminderheit getragene Pr&#228;sident repr&#228;sentiert gro&#223;e Teile seines Volkes nicht mehr; ob es tats&#228;chlich schon eine Mehrheit ist, kann kaum jemand zuverl&#228;ssig sagen. Aus diese Situation eine neue politische Konstellation zu machen, ist nicht Sache &#228;u&#223;erer Kr&#228;fte, sondern allein des syrischen Volkes. Wenn dort eine Mehrheit den Wechsel will, helfen auch brutale Unterdr&#252;ckungsma&#223;nahmen nicht mehr. Tunesien und &#196;gypten haben dies bereits bewiesen, wobei die Entwicklung im Land am Nil zeigt, dass ihre fortschrittliche Tendenz nicht nur der inneren Reaktion, sondern auch den westlichen Staaten nicht passt. Obwohl der dortige Milit&#228;rrat mit &#228;hnlicher Brutalit&#228;t wie Assad gegen die &#228;gyptischen Revolution&#228;re vorgeht, auch dort Schl&#228;gertrupps losgeschickt werden, um die konsequente Opposition niederzuschlagen, sind dazu aus den USA, der EU und den meisten ihrer Medien nur lendenlahme Erkl&#228;rungen zu h&#246;ren, keinerlei Forderungen nach Beendigung dieser Praxis durch die herrschenden Milit&#228;rs. Auch die libysche Entwicklung, wo dem Volk die Revolution aus eigener Kraft verwehrt worden ist und nun die Repression samt <a href="http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Libysche-Haeftlinge-sind-Ziel-von-Folter-id18491671.html" target="_blank">Folter von den Schergen der neuen Machthaber</a> fortgesetzt wird, &#252;bergeht man im Westen weitgehend mit Schweigen. Das Blut, das man in diesen F&#228;llen durch Kollaboration an den eigenen H&#228;nden hat, will man nicht sehen; daf&#252;r zeigt man umso heuchlerischer auf das Blut, das nun angeblich an den H&#228;nden der Russen und Chinesen klebe.</p>
<p>Dabei ist klar, dass nat&#252;rlich auch Moskau und Peking bei ihren Entscheidungen vor allem die eigenen Interessen im Auge haben. Sie beobachten mit gro&#223;em Argwohn die geostrategischen Verschiebungen, die die USA und die NATO intensiv anstreben; die USA haben sie gerade mit der <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/0/0,3672,8469280,00.html" target="_blank">Verk&#252;ndung einer neuen Milit&#228;rdoktrin</a> durchblicken lassen. Russland unterh&#228;lt in Syrien einen Milit&#228;rst&#252;tzpunkt – wie die USA einen in Bahrain. China braucht das &#214;l des Iran – wie der Westenn das Saudi-Arabiens. Russland wie  China sind an der Erhaltung eines starken Gegenparts zu Saudi-Arabien interessiert – wie die USA und die EU am Bollwerk gegen Iran. So spielen beide Seiten ihren Part – wie vor mehr als zwanzig Jahren. Eine gewiss unerfreuliche Entwicklung, f&#252;r die man nur eine Seite – wie gegenw&#228;rtig praktiziert – nun wahrlich nicht verantwortlich machen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Minsker Bilder aus New York</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 20:14:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Bisher kannte man solche Bilder aus Wei&#223;russlands Hauptstadt Minsk, aus Chinas Gro&#223;st&#228;dten, gelegentlich aus Moskau. J&#252;ngst auch aus Syrien und anderen arabischen L&#228;ndern. Demonstrationen in Europa jedoch sahen lange friedlich aus – und in den USA erst recht. Damit ist es vorbei. Brutal pr&#252;gelnde Polizisten sieht man inzwischen in Athen, in Madrid, in Rom, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Bisher kannte man solche Bilder aus Wei&#223;russlands Hauptstadt Minsk, aus Chinas Gro&#223;st&#228;dten, gelegentlich aus Moskau. J&#252;ngst auch aus Syrien und anderen arabischen L&#228;ndern. Demonstrationen in Europa jedoch sahen lange friedlich aus – und in den USA erst recht. Damit ist es vorbei. Brutal pr&#252;gelnde Polizisten<span id="more-3351"></span> sieht man inzwischen in Athen, in Madrid, in Rom, dieser Tage vor allem in New York, von der<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/polizei-raeumt-occupy-lager-ende-der-schonzeit-1.1189207-11" target="_blank"><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/bbc93352e6fe4f08b76a8d37681c4e56" alt="" width="1" height="1" /> Vertreibung, der Occupy-Aktivisten</a>. Die Bilder aus den selbsternannten »Demokratien« &#228;hneln jenen aus diktatorischen Staaten immer mehr – mit einem Unterschied: Wurden sie bei anderen begeistert begr&#252;&#223;t und von Aufforderungen an deren Herrscher begleitet, solche gravierenden Menschenrechtsverletzungen sofort einzustellen, gar zur&#252;ckzutreten, werden die Demonstranten im eigenen Haus <a href="http://www.welt.de/politik/ausland/article13724334/Die-Occupy-Bewegung-ein-Scherbenhaufen.html?wtmc=google.editorspick" target="_blank">diffamiert, kriminalisier</a>t, in die N&#228;he von Terrorismus ger&#252;ckt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zwei Erkenntnisse sind daraus zu gewinnen. Erstens: Alle Machthaber sind sich gleich, wenn sie ihre Machtbasis bedroht sehen. Solange die Herrschaftsstrukturen funktionieren, kann man die Z&#252;gel locker lassen. Dann kann jeder sagen, was er will – ohne je eine Reaktion zu h&#246;ren. Dann kann er auch demonstrieren, in geh&#246;rigem Abstand zu den Machtzentralen. Und er kann alle vier Jahre seine Stimme der einen oder anderen Partei geben; danach bauen diese ihre Regierungen so zusammen, dass sich grunds&#228;tzlich nichts &#228;ndert. &#220;berschreitet jedoch der vorgeblich m&#252;ndige B&#252;rger Grenzen, die nicht er zog, sondern die Regierenden, ohne ihn nach seiner Meinung dazu zu fragen, bekommt er es schnell mit den Machtinstrumenten zu tun, der Polizei, den Geheimdiensten, der Justiz. Und zwar dann, wenn es ernst wird, &#252;berall in der gleichen brutalen Weise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und zweitens: In diesem Ernstfall zeigt sich schnell, wo die wirkliche Macht sitzt. Es k&#246;nnen einzelne Usurpatoren sein, die – wie zum Beispiel in der arabischen Welt – nur das eigene Gesetz gelten lassen wollen und jede Abweichung davon als Bedrohung empfinden. Es k&#246;nnen – man erinnere sich an die L&#228;nder des »realen Sozialismus« – so genannte avantgardistische Parteien sein, die aus ihrer Ideologie einen absoluten Wahrheitsanspruch ableiten und jeden als Feind betrachten, der etwas anderes denkt und vielleicht sogar laut sagt. Beides findet man bei jenen, die sich zu den westlichen Demokratien z&#228;hlen, nur noch ausnahmsweise, und folglich gehen die Regierungen mit Widerspruch gegen das eigene Tun oft einigerma&#223;en tolerant um. Aber nerv&#246;s werden sie dann, wenn sich der Protest gegen die eigentlichen Herrscher in ihrer Welt richtet – gegen das Kapital, gegen entfesselte Banken und Unternehmen, die im Manchester-Kapitalismus ihr Leitbild sehen. Dann erf&#252;llt die Politik ihren Auftrag, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-raeumung-des-protestcamps-polizei-occupiert-die-boerse-1.1192727" target="_blank">diese Machtbastionen mit allen Mitteln zu sch&#252;tzen</a> – wie die Usurpatoren ihre pers&#246;nlichen Pfr&#252;nden und die Staatsparteien ihre diktatorischen F&#252;hrungsstrukturen. Dann ist sie in der Wahl ihrer Mittel so wenig w&#228;hlerisch wie jene, denen sie sich so gern haushoch &#252;berlegen f&#252;hlt. Dann sendet sie unger&#252;hrt aus New York Bilder, die sie in Minsk eben noch mit heiliger Emp&#246;rung bedacht hatte.</p>
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		<title>Wie die Zersetzung von Wikileaks organisiert wird</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Sep 2011 17:57:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Die Stasi war nicht der erste Geheimdienst und erst recht nicht der letzte, der diese Methode gegen Andersdenkende anwandte. Zersetzung steht im Inventar der Schlapph&#252;te ganz vorn, und wie es scheint, war sie auch bei der Operation Wikileaks wieder erfolgreich. Und das ohne dass es besonderer Kreativit&#228;t bedurfte, denn an der verdeckten Front sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Die Stasi war nicht der erste Geheimdienst und erst recht nicht der letzte, der diese Methode gegen Andersdenkende anwandte. Zersetzung steht im Inventar der Schlapph&#252;te ganz vorn, und wie es scheint, war sie auch bei der Operation Wikileaks wieder erfolgreich. <span id="more-3204"></span>Und das ohne dass es besonderer Kreativit&#228;t bedurfte, denn an der verdeckten Front sind die Assange und Domscheit-Berg eben doch nur Amateure.</p>
<blockquote><p>»Mit der Zersetzung«, so hei&#223;t es im W&#246;rterbuch der Staatssicherheit, »wird durch verschiedene politisch-operative Aktivit&#228;ten Einfluss auf feindlich-negative Personen, insbesondere auf ihre feindlich-negativen Einstellungen und &#220;berzeugungen in der Weise genommen, dass diese ersch&#252;ttert und allm&#228;hlich ver&#228;ndert werden bzw. Widerspr&#252;che sowie Differenzen zwischen feindlich-negativen Kr&#228;ften hervorgerufen, ausgenutzt oder verst&#228;rkt werden.</p>
<p>Ziel der Z. ist die Zersplitterung, L&#228;hmung, Desorganisierung und Isolierung feindlich-negativer Kr&#228;fte, um dadurch feindlich-negative Handlungen einschlie&#223;lich deren Auswirkungen vorbeugend zu verhindern, wesentlich einzuschr&#228;nken oder g&#228;nzlich zu unterbinden bzw. eine differenzierte politisch-ideologische R&#252;ckgewinnung zu erm&#246;glichen &#8230;</p>
<p>Hauptkr&#228;fte der Durchf&#252;hrung der Z. sind die IM. Die Z. setzt operativ bedeutsame Informationen und Beweise &#252;ber geplante, vorbereitete und durchgef&#252;hrte feindliche Aktivit&#228;ten sowie entsprechende Ankn&#252;pfungspunkte f&#252;r die wirksame Einleitung von Z.-Ma&#223;nahmen voraus.</p>
<p>Die Z. hat auf der Grundlage einer gr&#252;ndlichen Analyse des operativen Sachverhaltes sowie der exakten Festlegung der konkreten Zielstellung zu erfolgen. Die Durchf&#252;hrung der Z. ist einheitlich und straff zu leiten, ihre Ergebnisse sind zu dokumentieren.</p>
<p>Die politische Brisanz der Z. stellt hohe Anforderungen hinsichtlich der Wahrung der Konspiration.«</p></blockquote>
<p>Die Methode der Zersetzung kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn offen repressive Ma&#223;nahmen keinen Erfolg versprechen oder aber juristisch wie praktisch nicht m&#246;glich oder zweckm&#228;&#223;ig sind. Sie sollen die als feindlich eingesch&#228;tzte Gruppierung von innen heraus zerst&#246;ren, also zersetzen. Dazu werden die Hauptakteure der Gruppe in geschickter Weise kompromittiert, meist mit schwer widerlegbaren Ger&#252;chten und Unterstellungen ohne politischen Hintergrund; bevorzugt werden finanzielle oder sexuelle Verfehlungen angedeutet. Beliebt ist auch das Sch&#252;ren von Rivalit&#228;ten zwischen einflussreichen Personen innerhalb der Gruppe, meist mit erfundenen, gleichwohl aber nicht unglaubw&#252;rdigen Behauptungen. Ist das Misstrauen erst einmal geweckt, ist es oft ein Leichtes, es durch in die Gruppe geschleuste oder aus ihr herausgeworbene IM zu vertiefen. Am Ende ist die Arbeit der Gruppe vollkommen gel&#228;hmt, sie ist als Gegner des Staates paralysiert.</p>
<p>Mit all diesen Ph&#228;nomenen hat dieser Tage Wikileaks zu k&#228;mpfen, jene Gruppe, die <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wikileaks-Gruender-Wir-haben-alle-Versprechen-gehalten-1337769.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/74327f09ce374ef58166294194161788" alt="" width="1" height="1" />die staatlichen Geheimdienste der Welt, insbesondere die der USA, herausforderte</a> und von diesen schon mal als ein <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1208/tagesthema/0037/index.html" target="_blank">Feind, vergleichbar mit Osama bin Laden</a>, bezeichnet wurde. Das gesamte Arsenal der Zersetzung kann man gewisserma&#223;en exemplarisch an diesen Fall studieren, einschlie&#223;lich seiner Wirkungen, denn Erfolg kann man der Operation nicht absprechen.</p>
<p>Es war gewiss kein Zufall, dass schon kurz nachdem Julian Assange die Ver&#246;ffentlichung Tausender US-Botschaftsdepeschen angek&#252;ndigt hatte, die ersten Vergewaltigungsger&#252;chte auftauchten; seine Empf&#228;nglichkeit f&#252;r amour&#246;se Abenteuer war schlie&#223;lich bekannt, in Zeiten sexueller Freiz&#252;gigkeit aber auch nicht unnormal. Deshalb wohl hielt die schwedische Justiz zun&#228;chst wenig von Ermittlungen, dann aber wurden sie ihr pl&#246;tzlich so wichtig, dass sie Assange international zur Fahndung ausschrieb, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1208/tagesthema/0010/index.html" target="_blank">»in Gesellschaft von russischen Gangstern und mexikanischen Drogenbossen«</a>, wie eine Zeitung schrieb. Nur aus eigenem Antrieb?</p>
<p>Assange stellte sich den britischen Beh&#246;rden und sitzt dort seither in Hausarrest. Das war aber nur der Auftakt, denn der Hauptschlag sollte sich gegen die Organisation selbst richten. Die ersten Ma&#223;nahmen kamen <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1206/politik/0017/index.html" target="_blank">panikartig</a>, erinnerten an die Methoden totalit&#228;rer Regimes in vergleichbaren Situationen und l&#246;sten dadurch in der &#214;ffentlichkeit eher Solidarit&#228;t als die erhoffte Abscheu aus. Es war jene Lage eingetreten, aus der nur noch die Zersetzung von Wikileaks selbst helfen konnte. Und tats&#228;chlich kamen aus der bis dahin total intransparenten Internetplattform schon bald erste Nachrichten &#252;ber interne Auseinandersetzungen. In ihrem Mittelpunkt stand Daniel Domscheit-Berg, Assanges Repr&#228;sentant in Deutschland. Mit dem unbewiesenen Vorwurf, Assange k&#246;nne die Sicherheit der Informationen nicht gew&#228;hrleisten, kopierte er wichtige Dateien und trennte sich mit anderen unter Mitnahme dieser Informationen sowie der Software, &#252;ber die Informanten, die so genannten Whistleblower, Daten an Wikileaks &#252;bermitteln konnten, von der Organisation und ging seither seine eigenen Wege.</p>
<p>Das war allein schon ein schwerer Schlag gegen Wikileaks, ob nun dabei jemand im Hintergrund die F&#228;den zog oder nicht. Doch er l&#228;hmte die Arbeit der Plattform nicht. Denn Assange hielt sich strikt daran, die Botschaftsdepeschen nur nach sachkundiger Begutachtung durch seri&#246;se Journalisten freizugeben. Dazu hatte er Kooperationsvertr&#228;ge mit solchen Redaktionen wie der »New York Times«, dem britischen »Guardian« und dem »Spiegel« abgeschlossen und sich damit auch f&#252;r die amerikanischen Geheimdienste ziemlich unangreifbar gemacht, denn gegen diese Zeitungen konnten sie nur schwer direkt vorgehen. Es galt also, diese Kooperation zu zerst&#246;ren, was bei der »New York Times« und dem »Spiegel« ziemlich ger&#228;uschlos gelang. Denn sie schienen bald das Interesse an dem Material zu verlieren, aus welchen Gr&#252;nden auch immer.</p>
<p>&#220;brig blieb der »Guardian«, das von den Dreien am weitesten links stehende Presseorgan. Einer seiner Reporter, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0903/politik/0048/index.html" target="_blank">David Leigh</a>, zeigte besonderes Interessen an den Botschaftsdepeschen. Im Juli 2010 drang er in stundenlangen Debatten darauf, dass Assange ihm das Passwort nennt, unter dem die US-Botschaftsdepeschen im Netz abgelegt sind. Assange l&#228;sst sich schlie&#223;lich &#252;berreden. Dennoch gelingt es Leigh zun&#228;chst nicht, die Datei zu &#246;ffnen. Noch in der Nacht f&#228;hrt er erneut zu Assange, der ihm weiterhilft. Leigh schilderte das ausf&#252;hrlich in einem Buch; vor allem aber nannte er dort das komplette Passwort, angeblich weil er glaubte, es habe sich um einen tempor&#228;ren, also nur zeitlich begrenzt g&#252;ltigen Code gehandelt – f&#252;r einen investigativ arbeitenden Journalisten eine erstaunlich naive Erkl&#228;rung.</p>
<p>Dennoch wurden die Botschaftsdepeschen vorerst nicht publik, weil ihr Vorhandensein nicht allgemein bekannt war und man deshalb nicht gezielt danach suchte. Geheimdienste unterschiedlicher Couleur d&#252;rften jedoch schon damals auf den Vorgang aufmerksam geworden sein und sich Zugang zu dem Material verschafft haben. Offensichtlich jedoch gab es auch ein Interesse, die Informationen, &#252;ber deren angeblich brisanten Inhalt zwar viel spekuliert wird, aber tats&#228;chlich so gut wie nicht bekannt geworden ist, in die breite &#214;ffentlichkeit zu bringen – um damit m&#246;glicherweise die Unzuverl&#228;ssigkeit von Wikileaks zu belegen. Genau diesen Vorwurf erhob denn auch Daniel Domscheit-Berg, nicht ohne zuvor das seine getan zu haben, um m&#246;gliche Interessenten auf die Spur der Datei mit den Botschaftsdepeschen zu f&#252;hren. Pikant ist dabei, dass Daniel Domscheit-Berg inzwischen offensichtlich direkt mit Geheimdiensten in Kontakt steht. Assange hatte ihm dies seit l&#228;ngerem vorgeworfen, und Domscheit-Berg hatte es stets bestritten. J&#252;ngst jedoch sah man ihn bei einem <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0831/medien/0042/index.html" target="_blank">gemeinsamen Auftritt mit August Hanning</a>, bis 2005 Chef der Bundesnachrichtendienstes und danach Staatssekret&#228;r im Innenministerium.</p>
<p>In der Sache der US-Botschaftsdepeschen gab Domscheit-Berg jedenfalls, als sein Streit mit Assnage eskalierte, kaum verh&#252;llt Hinweise auf Fundort und Passwort. Er nutzte dazu die – ebenfalls linke – <a href="http://www.freitag.de/politik/1134-nerds-ohne-nerven" target="_blank">Wochenzeitung »Freitag«</a>, die er sich als Partner f&#252;r sein Konkurrenzunternehmen Openleaks auserkoren hatte, ohne ihr bisher auch nur eine Information zukommen zu lassen. Jetzt jedoch steckte er dem »Freitag« die <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0902/politik/0027/index.html" target="_blank">Geschichte von den US-Botschaftsdepeschen samt jener mit dem Codewort</a>, das der »Guardian« in Erfahrung gebracht hatte und lie&#223; durchblicken, wie man im Netz beides zusammenf&#252;hren k&#246;nne.</p>
<p>Assange erfuhr von der geplanten Ver&#246;ffentlichung und intervenierte bei »Freitag«-Herausgeber Jakob Augstein, der abwiegelte und auf eine Ver&#246;ffentlichung nur verzichten wollte, wenn Assange selbst sich in seinem Blatt dazu &#228;u&#223;ere, was dieser ablehnte; f&#252;r ihn steht der »Freitag« im Lager seines Gegners Domscheit-Berg. Die drohende Ver&#246;ffentlichung vor Augen, <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,783694,00.html" target="_blank">informierte Assange die US-Regierung</a> &#252;ber die bevorstehende freie Verf&#252;gbarkeit der bisher von Wikileaks unter – allerdings sehr losem – Verschluss gehaltenen Daten. Und nach der Ver&#246;ffentlichung im »Freitag« stellte Wikileaks vergangene Woche selbst <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0903/politik/0017/index.html" target="_blank">den gesamten Datensatz mit 251 287 Botschaftsberichten ins Netz</a>. Assange wollte wohl nicht, dass »sein« Material durch andere verbreitet wird. Zu retten war ohnehin nichts mehr.</p>
<p>F&#252;r all jene, die den freien Fluss von Informationen nur dann guthei&#223;en, wenn er ihnen n&#252;tzt und anderen schadet, ansonsten aber mit einem strenge Kontrollregime die eigenen Daten sch&#252;tzen wollen, war dies der Auftakt zu einer geradezu chorischen Kampagne gegen Wikileaks. All diese Bedenkentr&#228;ger von <a href="http://www.welt.de/print/welt_kompakt/webwelt/article13579738/Wikileaks-ist-tot.html" target="_blank">Rechts</a> bis <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/205910.systematisches-problem.html">Links</a> bedienten sich dazu der <a href="http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/wikileaks-schwere-kritik-an-wikileaks_aid_661619.html" target="_blank">Argumente der US-Administration</a>, die das Bekanntwerden der Informationen als Auftakt zu einem Blutbad skandalisiert. Zwar gibt es daf&#252;r keinerlei Beleg, obwohl die einschl&#228;gigen Dienste schon seit Monaten Zugriff auf das Material haben, aber sie alle beten die Horrorszenarien des State Department, des einzigen Gesch&#228;digten der Wikileaks-Aktion nach. Einige sehen sogar die Whistleblower gef&#228;hrdet, weil deren Klarnamen bekannt w&#252;rden – so als &#252;berreichte man die Daten in einem Briefumschlag, auf dem der Absender steht. Sie aber sind allemal professionell genug, die eigene Identit&#228;t zu verbergen; nicht ohne Grund stie&#223;en die riesigen US-Geheimdienste auf einen der Wikileaks-Informanten trotz intensivster Suche erst dann, als er selbst prahlerisch dar&#252;ber berichtete.</p>
<p>Was die in den Botschaftsdepeschen genannten Namen von Informanten angeht, handelt es sich dabei in ihrer Mehrzahl um <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-09/wikileaks-assange-auftritt/komplettansicht">Zutr&#228;ger der US-Geheimdienste</a>, die in ihren diplomatischen Vertretungen so genannte legale Residenturren unterhaltten, also Strukturen, die der heimlichen Ausforschung des Gastlandes dienen. Es sind inoffizielle Mitarbeiter dieser Geheimdienste, IM, die anderswo nicht gr&#252;ndlich genug enttarnt werden k&#246;nnen, f&#252;r den eigenen Gebrauch aber beinahe zu Helden stilisiert werden. Zu ihnen geh&#246;ren eifrige Plauderer wie ein <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/wikileaksfdp100.html" target="_blank">fr&#252;herer B&#252;roleiter Guido Westerwelles</a>, der die US-Botschaft br&#252;hwarm &#252;ber die Verhandlungen zur Bildung der schwarz-gelben Koalition ins Bilde setzte, aber auch jene <a href="http://www.faz.net/artikel/C32315/westliche-geheimdienste-und-libyen-alte-akten-neue-belastungen-30497509.html" target="_blank">libyschen Geheimagenten</a>, die westliche Dienste wie die CIA oder den britischen MI6 &#252;ber einheimische Oppositionelle informierten und daf&#252;r <a href="http://weltereignisse.blogspot.com/2011/09/gestern-verbundeter-heute-schurke.html" target="_blank">Amtshilfe in ihrem Kampf gegen eben diese Opposition</a> erhielten.</p>
<p>F&#252;r Wikileaks ist die geschilderte Entwicklung ohne Zweifel ein Desaster, mit dem allerdings zu rechen war. Er die einzig verbliebene Supermacht derart herausfordert, musste mit einer entsprechenden Antwort rechnen, auf die die Organisation in keiner Weise vorbereitet war. Sie konnte vorerst nur den K&#252;rzeren ziehen, doch ein Ende der Idee von der Transparenz von Informationen, die von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sind, bedeutet dies keineswegs. Sie ist in der Welt und wird – ungeachtet der Hoffnungen im politischen Establishment – nicht mehr totzukriegen sein. Denn gewiss finden sich immer neue Whistleblower – vielleicht demn&#228;chst auch zur Aufkl&#228;rung der Vorg&#228;nge um die Organisation der Zersetzung von Wikileaks.</p>
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		<title>Unrechtsstaat USA</title>
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		<pubDate>Sat, 21 May 2011 20:04:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Da mussten die US-Gendarmen erst einen aus der VIP-Etage hochnehmen und in der aus ihren Polizeifilmen sattsam bekannten hemds&#228;rmeligen Art behandeln, ehe Politikern und Medien der B&#252;ndnispartner merkten, dass es sich bei den USA inzwischen um einen ausgewachsenen Unrechtsstaat handelt. Allerdings ist paradoxerweise das Objekt solcher Erkenntnis genau das falsche, denn der Umgang mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Da mussten die US-Gendarmen erst einen aus der VIP-Etage hochnehmen und in der aus ihren Polizeifilmen sattsam bekannten hemds&#228;rmeligen Art behandeln, ehe Politikern und Medien der B&#252;ndnispartner merkten, dass es sich bei den USA inzwischen um einen ausgewachsenen Unrechtsstaat handelt. Allerdings ist paradoxerweise das Objekt solcher Erkenntnis genau das falsche<span id="more-2800"></span>, denn der <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,764014,00.html" target="_blank">Umgang mit Dominique Strauss-Kahn</a><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/00ba68fa62c74005983607f03fd22572" alt="" width="1" height="1" /> in New York entsprach unbestreitbar amerikanischen rechtsstaatlichen Regeln; er war sowohl Ausdruck der Unabh&#228;ngigkeit der Justiz als auch der Gleichbehandlung von Verd&#228;chtigen ohne Ansehen der Person. Letzteres ist anderswo schon lange nicht mehr gegeben. Wer das erforderliche Geld und vielleicht noch ein paar hochstehende G&#246;nner hat, kann sich hierzulande von Haft oder gar Strafe ziemlich leicht freikaufen – man denke nur an die milde Behandlung eines Helmut Kohl. Wer weder &#252;ber das eine noch das andere verfugt, muss die H&#228;rte des Gesetzes uneingeschr&#228;nkt &#252;ber sich ergehen lassen.</p>
<p>Dass es auch dem IWF-Chef so erging, ist nur gerecht, war doch schon aus seiner K&#246;rpersprache beim ersten Gerichtstermin unschwer ablesbar, dass ihn nicht eine etwaige falsche Beschuldigung emp&#246;rte, sondern dass ihm jegliches Verst&#228;ndnis daf&#252;r fehlte, wegen einer Sache belangt zu werden, die er offensichtlich als vereinbarten Bestandteil seiner Hotelbuchung verstand. Seine Anw&#228;lte mussten ihn inst&#228;ndig beknien, sich &#252;berhaupt erst gegen einen Vorwurf zu wehren, der sich ihm offensichtlich als Normalit&#228;t darstellte. Darauf reagierten die New Yorker Justizbeh&#246;rden mit der unerbittlichen Strenge, die auch hier von politischen Hardlinern oft verlangt wird – allerdings nicht gegen&#252;ber honorigen Vertretern des Establishments.</p>
<p>Es ist zwar erfreulich, dass auf solchen Nebenschaupl&#228;tzen der amerikanische Rechtsstaat noch funktioniert; dass er ansonsten aber l&#228;ngst zu einer verblichenen Legende geworden ist, kann daadurch nicht vergessen gemacht werden. Denn immer &#246;fter und immer exzessiver missachten US-Polizei-, Milit&#228;r- und Justizorgane rechtsstaatliche Grundprinzipien und lassen eine Willk&#252;r walten, die sie ansonsten gern schlecht gelittenen »Schurkenstaaten« vorwerfen. Anschaulichstes Beispiel daf&#252;r ist das <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/wikileaks-enthuellung-geheimakten-legen-willkuer-in-guantanamo-offen-1.1088843" target="_blank">Straflager Guantanamo</a>, zu dem dieser Tage – dank Wikileaks – neue Tatsachen publik wurden, wie sie bisher nur &#252;ber den sowjetischen Gulag verbreitet worden sind. Da &#252;berrascht nicht mehr, dass bereits acht Guantanamo-Insassen trotz intensivster Bewachung Selbstmord begingen, der letzte erst vor wenigen Tagen.</p>
<p>Doch nicht nur vorgebliche Terroristen erfahren in den USA eine derartige Sonderbehandlung, sondern auch andere, die die US-Staatsgewalt herausfordern, zum Beispiel der Wikileaks-Informant <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-01/mannings-amnesty-wikileaks" target="_blank">Bradley Manning</a>, der – gewisserma&#223;en als rechtswidriger Vorgriff auf eine Strafe – entw&#252;rdigenden Haftbedingungen ausgesetzt wurde, die man erst nach heftigen Protesten von Menschenrechtsaktivisten etwas lockerte.</p>
<p>Und mit tats&#228;chlichen Terroristen machen die USA erst gar keinen Prozess, sondern vollstrecken das Urteil ohne viel Federlesens, wie die <a href="http://www.welt.de/politik/ausland/article13340992/Washingtoner-Nebel-ueber-dem-Tod-Osama-Bin-Ladens.html" target="_blank">Exekution Osama bin Ladens</a> zeigte. »Kollateralsch&#228;den« bei unbeteiligten Zivilisten einschlie&#223;lich Frauen und Angeh&#246;rigen seiner Mitbewohner inbegriffen. Daf&#252;r erhalten die T&#228;ter vom Pr&#228;sidenten Orden und haben nat&#252;rlich Strafverfolgung nicht zu bef&#252;rchten. Im Gegenteil, was auch immer US-Staatsb&#252;rger im Ausland tun, sie stehen unter besonderem Schutz. Internationale Gerichtsbarkeit, die gerade die USA gern gegen andere einsetzen, gilt f&#252;r sie nicht.</p>
<p>All das regt die Verb&#252;ndeten der USA ebenso wenig auf wie die meisten der etablierten Medien; erst das Vorgehen gegen einen, der zur Machtelite geh&#246;rt, verst&#246;rte sie. Und das dann noch – ganz im Gegensatz zum sonstigen Gebaren der westlichen Vormacht – ohne eigentlichen Grund. Deutlicher kann nicht klar gemacht werden, wie sehr Fragen der Rechtsstaatlichkeit, der Menschenrechte ideologisch beurteilt werden – und nicht von einer objektiven, unvoreingenommenen Position aus.</p>
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		<title>Die R&#252;ckkehr des Mittelalters</title>
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		<pubDate>Thu, 05 May 2011 11:24:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Fast konnte man sich in der abgelaufenen Woche wie in einer Zeitmaschine f&#252;hlen. Sie katapultierte uns f&#246;rmlich zur&#252;ck in l&#228;ngst vergessen geglaubte Zeiten, und wir rieben uns verwundert die Augen: R&#252;ckkehr des Mittelalters? Es begann ganz harmlos mit dem Treffen von vierzig gekr&#246;nten H&#228;uptern dieser Welt zu Ehren des Herzogs von Cambridge, Grafen von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Fast konnte man sich in der abgelaufenen Woche wie in einer Zeitmaschine f&#252;hlen. Sie katapultierte uns f&#246;rmlich zur&#252;ck in l&#228;ngst vergessen geglaubte Zeiten, und wir rieben uns verwundert die Augen: R&#252;ckkehr des Mittelalters?<span id="more-2744"></span></p>
<p>Es begann ganz harmlos mit dem Treffen von vierzig gekr&#246;nten H&#228;uptern dieser Welt zu Ehren des Herzogs von Cambridge, Grafen von Strathearn und Barons Carrickfergus, der au&#223;erdem noch auf den schlichten Vornamen William h&#246;rt, und seiner durch die gerade vollzogene Trauung zur Herzogin aufgestiegenen Gattin. Das britische K&#246;nigshaus konnte endlich einmal wieder weltweiter Aufmerksamkeit gewiss sein – wie stets bei einem seiner mittelalterlichen Zeremoniells. Aber dies w&#228;re in der Shakespeareschen Dramatik, die sein Agieren jahrhundertelang umgab, wenigstens unter den Kom&#246;dien einzuordnen, w&#228;hrend andere da schon l&#228;ngst in die Trag&#246;dienkiste griffen.</p>
<p>Den mentalen &#220;bergang besorgte der katholische Vatikan, der sich angesichts des Pomps seitens der religi&#246;s abtr&#252;nnigen Briten nicht lumpen lassen mochte und seinerseits ein mittelalterliches Spektakel inszenierte, zu dem er gar eine fromme Nonne aufbot, die dem vorletzten Papst die Wunderkr&#228;fte Jesus&#8217; bescheinigte, denn noch von Wolke 7 aus verf&#252;gte Johannes Paul II.: »Stehe auf und gehe!«, was Marie Simon-Pierre denn auch trotz schwerer Parkinson-Erkrankung tat – und so dem Wundert&#228;ter das noch fehlende Testat f&#252;r die Seligsprechung verschaffte.</p>
<p>Ein Zufall war es wohl nicht, dass das Gebaren der irdischen Heerscharen, die Rom aus diesem Anlass heimgesucht hatten, lebhaft an einen Feldgottesdienst zu Zeiten des Drei&#223;igj&#228;hrigen Krieges erinnerte, denn da hatte der dritte Gro&#223;schauspieler unserer Tage l&#228;ngst seinen Beitrag zur mittelalterlichen Retrospektive vorbereitet – und dabei auf die Zutaten des Computerzeitalters nicht verzichtet. Wie im Westernkino zog Barack Obama – ohne Sheriffstern, daf&#252;r aber mit dem Friedensnobelpreis am Revers – nat&#252;rlich als erster, um den Schurken Osama <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-05/osama-beweise-tod" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/c5c88a407d5e4bcfafdf5d4462393ac5" alt="" width="1" height="1" />auf uramerikanische Weise</a> zur Strecke zu bringen – n&#228;mlich ohne viel Federlesens und schon gar nicht aufgehalten durch allerlei Paragrafenreiterei. Und dann sah er sich das Ganze auf dem i-Pad an – als Videospiel mit Reality-Effekt.</p>
<div id="attachment_2751" class="wp-caption alignright" style="width: 312px"><a rel="attachment wp-att-2751" href="http://www.blogsgesang.de/2011/05/05/die-rueckkehr-des-mittelalters/situation_room_5_b_1369051s/"><img class="size-full wp-image-2751  " title="Situation_Room_5_B_1369051s" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2011/05/Situation_Room_5_B_1369051s.jpg" alt="" width="302" height="201" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: dpa</p></div>
<p>Damit lie&#223; sich nicht nur die schier endlose Serie der englischen K&#246;nigsdramen samt ihrem Shakespeare m&#252;helos in den Schatten stellen, sondern man beamte zus&#228;tzlich gleich ins Altertum zur&#252;ck. So wie der US-Pr&#228;sident samt seiner Mannschaft in der ausbetonierten Erdh&#246;hle unter seinem Amtssitz beim secret viewing atemlos und hingerissen zwischen Begeisterung, Entsetzen und sportlicher Anteilnahme das Geschehen in der Villa von Abbottabad verfolgte –  ganz so m&#252;ssen auch die r&#246;mischen Kaiser mit ihrer Entourage die Gladiatorenk&#228;mpfe im Kolosseum beobachtet haben, umgeben vom Jubel des Volkes, den die Amerikaner in Washington, New York und anderswo ihren Imperatoren – etwas zeitversetzt – nachlieferten.</p>
<p>Das bot hierzulande die erw&#252;nschte Gelegenheit zum transatlantischen Schulterschluss. Die klammheimliche Freude, die vor einigen Jahren – bezogen auf RAF-Terrortaten – noch Anlass zu heiliger Emp&#246;rung und staatsanwaltlichen Ermittlungen war, tropfte f&#246;rmlich aus allen regierungsamtlichen Knopfl&#246;chern und ging besonders bei den Parteichristen von <a href="http://www.mdr.de/nachrichten/8548791.html" target="_blank">Bosbach</a> bis <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1450590/" target="_blank">Gei&#223;ler</a>, aber nat&#252;rlich mit  <a href="http://www.tagesschau.de/inland/binladen200.html" target="_blank">Angela Merkel  an der Spitze</a> umstandslos in offene Freude &#252;ber – f&#252;r eine Tat, die, w&#228;re sie nicht in Washington, sondern beispielsweise in Tripolis ersonnen worden, als feiger terroristischer Anschlag gegolten h&#228;tte, der nur durch gerechte Bombenabw&#252;rfe zu s&#252;hnen sei.</p>
<p>Die Organisatoren der dieser Tage wieder beginnenden beliebten Mittelalterspektakel d&#252;rften gut beraten sein, wenn sie bei der Inszenierung noch eine Schippe drauflegen, laufen sie doch sonst mit ihren  harmlosen Ritterspielen Gefahr, von der Wirklichkeit &#252;berholt zu werden.</p>
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		<title>Vietnam in Wort und Video &#8211; ein Reisebericht</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2011/03/24/vietnam-in-wort-und-video-ein-reisebericht/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 15:41:53 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<h3>I: Ho-Chi-Minh-Stadt – die heimliche Hauptstadt</h3>
<p>(pri) Aus Deutschland via Bangkok vormittags gegen 10.30 Uhr in Ho-Chi-Minh-Stadt angekommen,   verlie&#223;en wir erstmals die bis dahin in Flugzeug wie Airport zuverl&#228;ssig gek&#252;hlten R&#228;ume und traten ins tropische Klima, das zu dieser Stunde noch ertr&#228;glich war. Der Himmel war bedeckt, &#252;ber der Stadt hing eine gem&#228;&#223;igte Dunstglocke – eigentlich erstaunlich angesichts der Vielzahl von Mopeds, die laut knatternd und hupend die Stra&#223;en bev&#246;lkerten. <span id="more-2580"></span>Wir fuhren nach dem zw&#246;lfst&#252;ndigen Flug zun&#228;chst zur St&#228;rkung in ein Restaurant, wo wir die Hauptbestandteile der vietnamesischen K&#252;che kennenlernten: Fisch und Meeresfr&#252;chte aller Art, Schweine- und Rindfleisch, allerlei interessantes Gem&#252;se, meist nur leicht anged&#252;nstet, ebenso viel und ebenso interessantes Obst, dazu die scharfe und nicht gerade lieblich riechende Fischsauce und zahlreiche Gew&#252;rze, unter denen der Knoblauch besonders herausragt.</p>
<p>Da unsere Dschunke, mit der wir die n&#228;chsten zwei Wochen den Mekong bereisen wollten, wohl noch hergerichtet wurde, ging es trotz Nachtflug und nun schon Temperaturen &#252;ber 30 Grad anschlie&#223;end auf eine erste Stadtrundfahrt, die nat&#252;rlich zuerst &#252;ber die Dong Khoi, die Flanierstra&#223;e des alten Saigon mit ihren Luxusgesch&#228;ften und zahlreichen Hotels f&#252;hrte. Sie endet an einem kleinen Platz, der von der Kathedrale Notre Dame begrenzt wird, einem &#220;berbleibsel aus der franz&#246;sischen Kolonialzeit. Gleich daneben die einst von Gustave Eiffel gebaute  und jetzt wieder sehr sch&#246;n restaurierte Hauptpost, die sogar Hochzeitspaaren als Hintergrund f&#252;r Fotos dient, wobei es da nicht nur um eine Erinnerung f&#252;rs Album geht, sondern auch um eine dringende Bitte des die Feier ausrichtenden Restaurants, das damit bei mehreren gleichzeitig stattfindenden Hochzeiten die gro&#223;e Zahl der G&#228;ste besser zuordnen kann. Denn geheiratet wird in Vietnam h&#228;ufig, liegt doch das Durchschnittsalter nur bei 25,9 Jahren.</p>
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<p>Anschlie&#223;end besuchen wir das Historische Museum, das Ausstellungsst&#252;cke aus Vietnams Geschichte zeigt, darunter einige alte gro&#223;e Bronzetrommeln, jedoch insgesamt nicht in allzu gro&#223;er Vielfalt. So erweist sich hier als interessantester Programmpunkt die Auff&#252;hrung eines Wasserpuppentheaters. Dabei stehen die Puppenspieler hinter einem undurchsichtigen Vorhang im Wasser und f&#252;hren bunt bemalte Puppen (Menschentypen, Drachen, V&#246;gel usw.) an langen Stangen unter dem Vorhang hindurch, so dass sie auf der Vorderseite der Wasserfl&#228;che auftauchen. &#220;ber die Stangen und allerlei Mechanismen werden die Puppen bewegt  und vollf&#252;hren durchaus &#252;berraschende Spr&#252;nge und andere Bewegungen im und aus dem Wasser heraus.</p>
<p>Mit dem Kunstmuseum stand eine weitere Ausstellung auf unserem Programm. Hier findet man, auch im Hof, allerlei Buddha-Figuren sowie in einem Geschoss Kunst der sozialistischen Phase, die sich vorwiegend mit den Befreiungskriegen befasst – zumeist ziemlich plakativ, aber zum Teil auch  originell und auch nachdenklich stimmend.</p>
<p>Tags drauf setzen wir die Stadtrundfahrt fort – im Chinesenviertel Cholon, wo wir als erstes den Thien-Hau-Tempel besuchen. Dort kann man beobachten, wie vor allem junge Frauen R&#228;ucherst&#228;bchen entz&#252;nden, um von der dortigen G&#246;ttin der Fruchtbarkeit erh&#246;rt zu werden. Ein gro&#223;es Gem&#228;lde mit einem Boot weist daraufhin, dass Chinesen vor allem als Boat-People, also &#252;ber das Meer, nach Vietnam kamen.</p>
<p>Anschlie&#223;end werfen wir einen Blick in die Markthalle Binh Tay, wo in bedr&#228;ngender Enge wohl alles zu finden ist, was man sich denken kann. Dazwischen die H&#228;ndler bei der Abrechnung, f&#252;r die inzwischen elektronische Rechner und Laptops benutzt werden, oder beim Verspeisen der unvermeidlichen Nudelsuppe.</p>
<p>Ho-Chi-Minh-Stadt ist ein <a href="http://www.blogsgesang.de/2009/06/02/wo-das-boersenbarometer-ho-chi-minh-index-heisst/"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/4a52ac19e25b41cbb5f376269c593897" alt="" width="1" height="1" />Ort der Kontraste und der Vielf&#228;ltigkeit</a>. Von Kriegszerst&#246;rungen ist kaum noch etwas zu sehen. Die aus der damaligen Zeit stammende Bausubstanz ist wieder einigerma&#223;en zum Wohnen hergerichtet und zeigt die Spuren jahrzehntelanger Nutzung, ohne dass viel f&#252;r den Erhalt aufgewendet wurde. Daher macht die Stadt mit ihren inzwischen &#252;ber sieben  Millionen Einwohnern nirgends den Eindruck einer neu aufgebauten Metropole. Viel wurde improvisiert, dort ein Bau begonnen, abgebrochen, wieder – mit anderen Vorstellungen – in Angriff genommen und dann doch nicht zu Ende gef&#252;hrt. Die Stra&#223;enz&#252;ge machen einen chaotischen Eindruck, der  durch die Dutzenden Kabel, die &#252;ber den Stra&#223;en in dicken, sich an  jeder Ecke verzweigenden und vervielfachenden Str&#228;ngen entlanglaufen, noch verst&#228;rkt wird. Dazu Reklame verschiedenster Art. In den Erdgeschossen L&#228;den und Werkst&#228;tten, dar&#252;ber die Wohnungen der Inhaber, auf den D&#228;chern Wasserbeh&#228;lter, die von der feuchtwarmen Luft, seltener von der fast immer verhangenen Sonne aufgeheizt werden.</p>
<p>Nat&#252;rlich gibt es auch Neues. Konzerngeb&#228;ude, Hotels und einige &#246;ffentliche Bauten sind in den letzten Jahren entstanden und entstehen immer noch. Ganze Stra&#223;enz&#252;ge sind aufgerissen, weil endlich eine Kanalisation installiert wird. All das zeugt vom schnellen, st&#252;rmischen Aufschwung, den Vietnam in den letzten Jahren nahm und den zwar noch immer die nach wie vor kommunistische Regierung des Landes unter Kontrolle h&#228;lt, aber am sehr langen Z&#252;gel. Der traditionelle Hang zum Handeln wird kaum beschr&#228;nkt; &#252;berall gibt es Initiativen zum Geldverdienen, wobei den Vietnamesen ihr enormer Flei&#223; und ihre freundliche Dienstbarkeit entgegenkommen. Man kann in Vietnam alles kaufen oder besorgen. Zwar sind die Gesch&#228;fte oft puppenstubenklein, doch daf&#252;r breiten sie sich meist bis weit aufs Trottoir aus.</p>
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<p>Solcher Kleinhandel, solches Kleingewerbe zeugen jedoch auch von verbreiteter Armut. F&#252;r viele ist es existenziell, dass sie sich auf diese Weise etwas verdienen, und nicht jeder ist dabei erfolgreich. So breitet sich  an einigen Stellen,oft dicht an den neuen Prestigebauten, zum Beispiel in den an den Hafen grenzenden Vierteln, etwas aus, das man wohl als Slums bezeichnen kann. Auch hier pulsiert das Leben wie &#252;berall in der Stadt, aber ohne Glanz und Glamour. &#220;berall einfache L&#228;den und Kneipen, viel Schmutz auf der Stra&#223;e; einmal schoss sogar eine Ratte aus einem Riesenloch am Stra&#223;enrand und zerrte an einem achtlos herumliegenden M&#252;llsack.</p>
<p>Die alte vietnamesische Architektur wird dabei so weit wie m&#246;glich geachtet und erhalten. Das gilt in erster Linie f&#252;r die buddhistischen Tempel und Pagoden, die von den Spenden der erstaunlich religi&#246;sen Bev&#246;lkerung leben, aber zunehmend auch f&#252;r erhaltenswerte St&#252;cke der alten Kolonialarchitektur. Man ist bem&#252;ht, die alten Traditionen zu bewahren; inwieweit das jedoch gegen den Ansturm der neuen Moderne gelingt, bleibt abzuwarten. Denn inzwischen hat die bev&#246;lkerungsm&#228;&#223;ig dominierende Jugend das Land &#252;bernommen. In Ho-Chi-Minh-Stadt beherrscht sie sowohl die Stra&#223;en als auch die Gesch&#228;fte. Sie orientiert sich sehr stark am westlichen Lebensstil und da ganz besonders am amerikanischen – was angesichts der Geschichte auf den ersten Blick erstaunlich erscheint, vielleicht aber gerade durch die Kriegserfahrung bedingt ist.  Da hatte man die Amerikaner geschlagen und aus dem Land vertrieben; jetzt will man mit ihnen wenigstens in einer Liga spielen, sieht sich auf dem Sprung in den Kreis jener Nationen, die das Schicksal der Welt mitbestimmen. Wer dahin kommen will, orientiert sich noch immer – und nicht nur in Vietnam – am amerikanischen Vorbild. Hier entsteht daraus eine Mischung aus Faszination und Bestreben, den Sieg im Kriege wenigstens zu einer Art Ebenb&#252;rtigkeit werden zu lassen, eine ganz spezielle Hassliebe, bei der die Sehnsucht eher zur Liebe hin geht, die man jedoch bedingungslos nicht geben will.</p>
<p>Der Aufschwung und die Widerspr&#252;chlichkeit Vietnams zeigen sich besonders eindrucksvoll im Stra&#223;enverkehr. Wo fr&#252;her das Fahrrad dominierte, wird es heute zunehmend an den Rand gedr&#228;ngt – durch das Moped bzw. Motorrad in seinen verschiedensten Formen (und Preisen zwischen 300 und 8000 US-Dollar). In Ho-Chi-Minh-Stadt bev&#246;lkern Mopeds heute fast ausschlie&#223;lich die Stra&#223;en. In fahrbahnbreiten Kavalkaden brausen sie heran und beachten dabei kaum eine Verkehrsregel. &#220;berholt wir rechts wie links. Man erkennt Hindernisse zumeist rechtzeitig und weicht ihnen geschickt aus. Das gilt auch f&#252;r Fu&#223;g&#228;nger, die sehr aufmerksam sein und zugleich sehr bestimmt auftreten m&#252;ssen, wollen sie die Stra&#223;e &#252;berqueren. Ampeln gibt es nur wenige, doch wo sie sich – an gro&#223;en Kreuzungen oder Hauptstra&#223;en – befinden, sammeln sich Rudel von Mopeds wie an einer Startlinie der Formel I und rasen bei Gr&#252;n, das in Countdown-&#228;hnlicher Sekundenz&#228;hlung angek&#252;ndigt wird, sofort blitzschnell los, dabei erbittert um die beste Position k&#228;mpfend. Zwanzig Sekunden verbleiben, dann hat die Gegenseite Gr&#252;n, und es empfiehlt sich, aus dem Weg zu sein. Wer schl&#228;ft, ist sofort im Hintertreffen, wird zum Hindernis, das alle anderen sofort l&#228;rmend und waghalsig umfahren.</p>
<p>Auch die Autos haben zur Zeit noch keine Chance gegen die Mopeds. Sie nehmen zwar zu an Zahl, und es gibt darunter auch schon teure Schlitten ber&#252;hmter Marken, aber noch sind sie weit in der Minderheit; unter 1000 Vietnamesen verf&#252;gen keine neun &#252;ber ein Automobil. So m&#252;ssen die sich mit den wild gewordenen Mopeds arrangieren, wobei erstaunt, wie gut das klappt, wie wenig der frische Lack der Nobelkarossen unter dem st&#252;rmischen Moped-Fahrstil leidet. Beide Seiten nehmen denn doch so viel R&#252;cksicht, dass es nicht allzu oft kracht.  Die Haupt-Leidtragenden dieser Entwicklung sind die Fahrrad-Rikschas, die mit ihrer Gem&#252;tlichkeit und Unbeholfenheit zum Verkehrshindernis werden und daher schon aus weiten Teilen Saigons verbannt wurden. Nur noch auf wenigen Stra&#223;en sind sie zugelassen, wodurch die ohnehin seit Jahrzehnten amerikanisch gepr&#228;gte Stadt noch mehr von ihrem einstigen Flair verliert. G&#228;be es nicht die Touristen, w&#228;ren sie wohl aus dem Stadtbild bereits verschwunden.</p>
<p>Von Ho-Chi-Minh-Stadt aus machen wir einen Abstecher in Vietnams j&#252;ngere Vergangenheit, indem wir den nahen l&#228;ndlichen Bezirk Cu Chi besuchen und dabei  einen ersten Eindruck von der vietnamesischen Provinz bekommen. Eigentliches Ziel sind jedoch bei Ben Dinh die legend&#228;ren unterirdischen Tunnel der vietnamesischen Befreiungsk&#228;mpfer. Es geht auch gleich in eine Kelleretage mit Vorf&#252;hrraum, wo in einem weitgehend unscharfen Schwarz-Wei&#223;-Film &#252;ber den Vietnamkrieg auch die Tunnel in kurzen Sequenzen gezeigt werden. Angesichts der perfekten Multimedia-Shows, die man heute von fast jedem, selbst weit zur&#252;ckfliegendem Ereignis sehen kann, etwas entt&#228;uschend. Gewiss hatte man damals Wichtigeres zu tun als Filmaufnahmen zu machen, die zudem noch dem Feind in die H&#228;nde fallen konnten; das erkl&#228;rt das sp&#228;rliche Material. Und auf amerikanische Streifen, sofern es sie als Dokumentarfilm gibt,  will man wohl schon deshalb nicht zur&#252;ckgreifen, weil sie entgegen der historischen Wahrheit doch die GIs als Helden und den »Vietcong« in negativer Weise darstellen. So bleibt ein wichtiges Kapitel des vietnamesischen Befreiungskampfes filmisch im wahrsten Sinne des Wortes unterbelichtet.</p>
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<p>Der anschlie&#223;ende Rundgang &#252;ber die Anlage liefert einen st&#228;rkeren Eindruck. Sein H&#246;hepunkt ist der Abstieg in die Tiefe und die Fortbewegung etwa 30 Meter lang unter dem Erdboden, was nur in hockender, kriechender, auf jeden Fall sehr schmerzhafter und beklemmender Haltung m&#246;glich ist. F&#252;r die in der Regel beleibteren Touristen wurden die Tunnel extra erweitert, um ihnen dieses Erlebnis zu verschaffen; die vietnamesischen Begleiter demonstrieren an originalen Einstiegen, die sie durch das Abheben handtuchschmaler Rasenst&#252;cke freilegen, dass man auf kleinstem Raum  blitzschnell vom Erdboden verschwinden konnte. Erm&#246;glicht wurde diese teilweise mehrst&#246;ckige Tunnelsystem, das auch Waffenkammern, Schneider- und Schusterwerkst&#228;tten, Lazarette und sogar Schulr&#228;ume barg, durch den festen Lehmboden, den die Amerikaner durch ihre Angriffe mit schwerem Ger&#228;t noch zus&#228;tzlich verdichteten.</p>
<p>Tags als scheinbar friedliche Bauern auf dem Feld arbeitend, verschwanden die K&#228;mpfer nachts unter dem Boden, entgingen so den Nachstellungen durch die GIs und organisierten den Kampf gegen sie. Das Tunnelsystem war insgesamt 200 Kilometer lang; nur ein kleiner Teil ist heute noch erhalten. Am Ende nahmen 90 Prozent der Bewohner des Bezirks Cu Chi am Befreiungskampf teil; das Tunnelsystem war f&#252;r sie Zuflucht und Schutz, allerdings unter &#228;u&#223;erst beengten Verh&#228;ltnissen und immer in der Gefahr des Entdecktwerdens. So wurde Rauch von Feuerst&#228;tten unter der Erde &#252;ber ein verzweigtes System weit weg zu Austrittsstellen gelenkt, in deren N&#228;he sich keine Befreiungsk&#228;mpfer befanden, die dadurch verraten werden konnten. Allerdings stellten sich auch die Amerikaner darauf ein, schickten Sch&#228;ferhunde in entdeckte Tunnel oder erkundeten die versteckten Einstiege dadurch, dass sie die Grasfl&#228;chen immer wieder abbrannten, um auf der Asche Spuren zu erkennen.</p>
<p>Der etwas improvisierte Rundweg zeigt nicht nur Einstiege (und Scheineinstiege) in die Tunnel, sondern auch primitive, aber gerade dadurch wirksame und noch jetzt Schauder ausl&#246;sende Menschenfallen. So waagerechte Dreht&#252;ren, die sich beim Betreten &#246;ffneten und meterlange Stahlspitzen frei gaben, die den nach unten St&#252;rzenden regelrecht aufspie&#223;ten. Oder eiserne Fu&#223;fallen, aus denen man sich nur befreien konnte, indem man den Fu&#223; v&#246;llig abriss.  Auch Morgensternen &#228;hnliche schwere Stahlkugeln, die an den B&#228;umen hingen und &#252;ber unsichtbare Dr&#228;hte zum Absturz gebracht wurden. Die Vietnamesen waren bei der Erfindung und beim Bau solcher Totschlagsinstrumente erfinderisch und griffen wohl nicht selten auf die Erfahrungen ihrer Vorfahren beim Tierfang zur&#252;ck.</p>
<p>Auch dringend ben&#246;tigte Gebrauchsgegenst&#228;nde wurden nat&#252;rlich gefertigt, zum Beispiel lautlose Sandalen aus alten Autoreifen, Uniformst&#252;cke und  Ersatzteile f&#252;r Waffen. Man kann diese Werkst&#228;tten in gro&#223;en Erdl&#246;chern heute wieder arbeiten sehen, dazu einen alten amerikanischen Panzer, Bombenh&#252;lsen usw. Aber auch hier entsteht insgesamt der Eindruck, man wolle bewusst keine pomp&#246;se Show veranstalten, sondern die damaligen K&#228;mpfe mit den gleichen einfachen Mitteln zeigen, mit denen man damals den Sieg errang. Daraus wird am Ende doch ein eindrucksvolles Bild davon, wie sich ein stolzes Volk gegen seine Besatzer wehrt und dabei sowohl moralisch als auch tats&#228;chlich Sieger bleibt. Mit Schimpf und Schande mussten die USA nach diesem Krieg aus Vietnam fliehen; das Trauma widerlegter Unbesiegbarkeit ist bis heute nicht &#252;berwunden. Das hinderte die gedem&#252;tigte Weltmacht allerdings nicht daran,  keine 30 Jahre sp&#228;ter das gleiche Abenteuer, diesmal in Afghanistan und Irak, erneut zu unternehmen – absehbar mit dem gleichen Ergebnis, einem notwendigen Ergebnis &#252;brigens, damit solcherlei Verbrechen nicht zur Norm werden k&#246;nnen.</p>
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		<title>Westen er&#246;ffnet neuen Krieg in der arabischen Welt</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 17:39:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wieder einmal haben die westlichen Milit&#228;rm&#228;chte ein politisch-strategisches Ziel, n&#228;mlich die Beseitigung des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, h&#246;her gestellt als den von ihnen behaupteten Schutz der Bev&#246;lkerung vor Tod und Zerst&#246;rung. Denn eine Folge der nun begonnenen Luftschl&#228;ge gegen libysche Ziele ist schon jetzt absehbar: Die gr&#246;&#223;ten Opfer wird wieder einmal die Zivilbev&#246;lkerung bringen<span id="more-2556"></span> – und zwar sowohl durch den <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752000,00.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/bc7cbb0f89fc47c0b5b00ecaa4e63d6d" alt="" width="1" height="1" />Abwehrkampf des Gaddafi-Regimes</a> als auch durch die westlichen Bomben und Raketen. Schon hat eine<a href="javascript:void(0);" target="_blank"> Fluchtwelle aus Bengas</a>i eingesetzt, und man darf gespannt sein, inwieweit die europ&#228;ischen Menschenrechtsverfechter &#252;ber Krokodilstr&#228;nen zu »Kollateralsch&#228;den« hinaus diesen Fl&#252;chtlingen tats&#228;chlich helfen werden.</p>
<p>Diese Perspektive war es wohl, die Deutschlands Au&#223;enminister Guido Westerwelle ein Nein zur Milit&#228;rintervention sagen lie&#223;. Er scheint angesichts des ungel&#246;sten afghanischen Dilemmas keine Neigung zu haben, die Bundeswehr in ein weiteres Abenteuer zu f&#252;hren – in ein Abenteuer nicht nur ungewissen, sondern sehr gewissen Ausgangs, n&#228;mlich eines weiteren auf Jahre schwelenden Kriegsherds in der islamisch gepr&#228;gten Region. Denn man mag derzeit mit den Bombenabw&#252;rfen bei einer kleinen, nur schwer identifizierbaren Gruppe im Raum um Bengasi, der bei Experten als eine Art Hochburg der Moslembr&#252;der gilt, Beifall finden; schon bald, wenn sich der Krieg ausweitet und immer mehr Opfer fordert, wird er nach Afghanistan und Irak als weiterer Beleg des westlichen Kampfes gegen den Islam verstanden werden.</p>
<p>Westerwelle hat – vielleicht mit einem n&#252;chternen und nicht kriegsversessenen Verteidigungsminister an seiner Seite – wohl auch in Rechnung gestellt, dass Gaddafi – so wie er seine offensichtlich nicht demoralisierten Truppen gegenw&#228;rtig gegen die Aufstandsbewegung in Stellung bringt – kein leicht zu schlagender Gegner ist. Nicht zuletzt wegen seiner Bewaffnung, die ihm auch westliche Staaten bis in die j&#252;ngste Zeit bereitwillig zur Verf&#252;gung stellten, um von seinem &#214;lreichtum und der Repression gegen nach Europa dr&#228;ngende afrikanische Armutsfl&#252;chtlinge zu profitieren. Einlenken, um sich entmachten zu lassen, wird Gaddafi nicht, und so sind neben den zivilen und milit&#228;rischen Opfern in Libyen auch Verluste bei den Angreifern vorprogrammiert. Und sollte es ihm gar gelingen, den Luftangriffen zu widerstehen, w&#252;rden die Hardliner um Sarkozy und Cameron fr&#252;her oder sp&#228;ter den Einsatz von Bodentruppen beschlie&#223;en m&#252;ssen, wollen sie nicht als gedem&#252;tigte Verlierer des Waffengangs in Libyen dastehen.</p>
<p>Mit politischer Vernunft hat all dies nichts zu tun, und mit dem Willen der V&#246;lker der Kriegstreiber, die sich allesamt mehrheitlich gegen einen Kriegseinsatz aussprachen, schon gar nicht. Die Entwicklung entspricht freilich den objektiven Mechanismen kapitalistischer Politik, die nichts sch&#228;rfer im Auge hat als die f&#252;r eine expandierende Wirtschaft erforderlichen Rohstoffressourcen, und zu denen Wachstumsgesetze geh&#246;ren, die sich eben auch auf die R&#252;stungswirtschaft erstrecken; von Zeit zu Zeit m&#252;ssen neue Waffen nicht nur erprobt, sondern die alten auch verbraucht werden, um die Produktion anzukurbeln und damit den Profit sicherzustellen.</p>
<p>Ein besonderes Kapitel im libyschen Drama ist die Haltung Russlands und Chinas, die – f&#252;r viele &#252;berraschend – der neuen milit&#228;rischen Intervention des Westens nichts in den Weg legten, selbst sich aber in keiner Weise engagierten. Auch sie kennen aus eigener Anschauung die milit&#228;rische Potenz des fr&#252;heren Verb&#252;ndeten und finden es m&#246;glicherweise n&#252;tzlich, wenn sich der Westen einmal mehr an der islamischen Front verk&#228;mpft; an je mehr Kriegsschaupl&#228;tzen der Westen weltweit gebunden ist, desto weniger kann er in Moskauer und Pekinger Einflusssph&#228;ren aktiv werden. Man mag ein solches Denken zynisch finden, es entbehrt aber auch nicht eines gewissen realpolitischen Sinns und ist nebenbei nicht zynischer als das Verhalten von USA und EU gegen&#252;ber den Revolution&#228;ren in Bahrain oder Jemen, die von ihren reaktion&#228;ren Herrschern gerade gnadenlos zusammengeschossen werden – unter den Augen jener, die genau das gleiche Vorgehen Gaddafis in seinem Land mit Bomben beantworten.</p>
<p>Eine erkennbare Spur in den Geschichtsb&#252;chern d&#252;rfte Westerwelle mit seinem Z&#246;gern vor Kriegsabenteuern noch nicht hinterlassen haben; dazu bedarf es ohne Zweifel weitergehenden Engagements, um westliche Politik weg von der favorisierten Nutzung milit&#228;rischer Mittel und wieder hin zu diplomatischen Aktionen zu f&#252;hren. Angesichts der Kriegsbegeisterung vieler <a href="http://www.faz.net/s/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C/Doc~E33040E0E2FD24D9CB176C0A154818900~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Politike</a>r und <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/libyen-westerwelle-und-deutschlands-enthaltung-der-krisen-profileur-1.1074028" target="_blank">Medien</a> ist dies allerdings eine Herkulesaufgabe, an der schon der »Friedensnobelpreistr&#228;ger« Obama scheiterte. Nach wie vor bestimmen nicht dessen Friedensversprechungen, sondern die Rambopolitik eines George W. Bush die internationale Szene. Phantasielos wie er rufen die meisten westlichen Staaten zuerst nach dem Milit&#228;r, wenn Konflikte ausbrechen, und nicht nach dem Verhandlungstisch. Sie bringen die Welt damit nicht weniger in Gefahr als die Verfechter der Atomenergie, die auch zuerst auf den eigenen Vorteil sehen – und nicht auf das Wohl der Menschheit.</p>
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		<title>Lernen bei Gaddafi</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 17:47:11 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Heimlich, still und leise ist die westliche Politik in der arabischen Welt zu ihrer alten Linie der Unterst&#252;tzung ihr genehmer Despoten zur&#252;ckgekehrt, verbirgt das jedoch schamhaft hinter wortgewaltigen Erkl&#228;rungen gegen Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi, den sie freilich schon immer f&#252;r einen Schurken gehalten hatte. &#196;hnlich lautstarke Emp&#246;rung gegen Bahrains K&#246;nig Hamad Bin Isa al [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Heimlich, still und leise ist die westliche Politik in der arabischen Welt zu ihrer alten Linie der Unterst&#252;tzung  ihr genehmer Despoten zur&#252;ckgekehrt, verbirgt das jedoch schamhaft hinter wortgewaltigen Erkl&#228;rungen gegen Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi, den sie freilich schon immer f&#252;r einen Schurken gehalten hatte.  &#196;hnlich lautstarke Emp&#246;rung gegen Bahrains K&#246;nig Hamad Bin Isa al Khalifa, der gerade den Aufstand in seiner Hauptstadt Manama blutig niederschlug, ist nicht zu h&#246;ren<span id="more-2551"></span> – und auch nicht, dass da fremde Truppen aus Saudi-Arabien mit am Werke waren; bei Gaddafi hatte man den Einsatz von S&#246;ldnern noch als besonders verabscheuungsw&#252;rdig bezeichnet. Jemens nicht weniger zimperlicher Herrscher wird ebenfalls kaum gescholten – und schon gar nicht Saudi-Arabien, das nach dem Sturz der Despoten in  Tunesien und &#196;gypten alles tut, um weitere demokratische Entwicklungen im arabischen Raum nicht zuzulassen.</p>
<p>Nur Gaddafi w&#228;re man gern losgeworden, war der doch zu unberechenbar vor allem angesichts seines &#214;lreichtums. Nie konnte sich der Westen bei diesem bizarren Diktator sicher sein, dass er sich nicht nur gegen sein Volk, sondern auch gegen die Interessen der Erd&#246;lkonzerne und die Regierungen von deren Mutterl&#228;ndern wenden w&#252;rde. Es besteht kein Zweifel, dass der <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0225/seite3/0001/index.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/fedc8e2c1d1e4271b01a31ecc0cf81fe" alt="" width="1" height="1" />einstige fortschrittliche Revolution&#228;r</a>, der seine Vorbilder in Algeriens Ben Bella und &#196;gyptens Gamal Abdel Nasser sah, bei den kruden Theorien aus seinem »Gr&#252;nen Buch« niemals viel mit Demokratie und Meinungsfreiheit im Sinn hatte, aber andererseits doch sorgf&#228;ltig darauf achtete, dass die Stammesgegens&#228;tze in den weitl&#228;ufigen W&#252;stenland nicht eskalierten  und das  Volk in gewisser Weise am &#214;lreichtum partizipieren konnte. Auch dem Islam verordnete er ein anderes, weniger gewaltt&#228;tiges Gesicht, was ihn den Fundamentalisten verhasst machte; Bilder aus dem heutigen Libyen jedenfalls zeigen ganz selbstverst&#228;ndlich Frauen als Lehrerinnen, Schuldirektorinnen, in der Verwaltung. Die bevorzugten Freunde des Westens, die &#214;lscheicht&#252;mer mit Saudi-Arabien an der Spitze, sind davon in der Regel weit entfernt.</p>
<p>Dennoch reichten den Libyern die immer wieder versprochenen, aber kaum realisierten Reformen nicht aus; sie trugen ihre Ungeduld auf die Stra&#223;e. Dazu kamen die zwar kaschierten, aber nie &#252;berwunden Stammesgegens&#228;tze, die vor allem im Osten des Landes, um Bengasi, den Umsturz so erfolgreich machten.  Dass es Gaddafi dennoch gelang, die Entwicklung hin auf seine Entmachtung zu stoppen und umzukehren, ist allein mit dem<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/der-westen-will-den-voelkermord-nicht-verhindern/3962012.html" target="_blank"> brutalen Vorgehen seiner Soldaten</a> nicht zu erkl&#228;ren, zumal es die in westlichen Medien oft schon als Tatsache hingestellten Massaker offensichtlich nicht gab. Eher halfen ihm dabei die schweren und wirksamen Waffen, die ihm aus den USA und den EU-Staaten, aber auch aus Russland gegen gutes Geld wahrend der letzten Jahre geliefert wurden. Und dazu genie&#223;t er wohl doch noch eine gewisse Unterst&#252;tzung in seinem Volk; wie sonst w&#228;re der schnelle Vormarsch zu erkl&#228;ren gewesen.</p>
<p>Wieder einmal zeigt sich, wie sehr eine stark ideologisch gepr&#228;gte Bewertung objektiver Sachverhalte in die Irre f&#252;hrt. Wenn schon unsere guten Freunde Ben Ali in Tunesien und Mubarak in &#196;gypten nicht mehr zu halten sind, dann darf noch viel weniger der »verr&#252;ckte« Gaddafi im Amt bleiben. Darauf konzentrierte man sich – an vorderster Stelle Frankreich, das dem Libyer gerade noch ein Atomkraftwerk in die W&#252;ste stellen, ihn nun aber m&#246;glichst schnell wegbomben wollte. Deutschland verhielt sich zur&#252;ckhaltender; selbst einem Westerwelle muss man hier Besonnenheit und das Bedenken der Folgen hoch anrechnen – zumal in den Medien schon die Kriegstrommel geschlagen wurde (und nach dem absehbaren Debakel dann die Trompete geblasen worden w&#228;re, man habe es ja schon immer gewusst).</p>
<p>Neben der Verhinderung demokratischer Entwicklungen in Libyen selbst hat Gaddafis Vorgehen freilich auch andere Diktatoren ermutigt, sich nicht so leicht zur Seite schieben zu lassen. Sie haben von ihm gelernt, dass man sich nur ohne viele Skrupel an seine Macht klammern muss, um vielleicht doch zu &#252;berleben. Bahrains K&#246;nig gelang das allerdings nicht wie Gaddafi aus eigener Kraft, sondern er brauchte daf&#252;r  <a href="http://www.n-tv.de/politik/Bahrain-steckt-in-Sackgasse-article2876201.html" target="_blank">ausl&#228;ndische Interventionstruppen</a>, was die westlichen L&#228;nder aber nicht st&#246;rte. Und wie andere den Widerstand ihrer V&#246;lker brechen, wird man sehen. Dass sie, wenn sie nicht gerade Gaddafi oder Ahmadinedschad hei&#223;en, vom Westen nicht viel zu bef&#252;rchten haben, wissen sie jetzt. Die kurze Phase der Verunsicherung &#252;ber die Entwicklungen in Arabien ist vorbei. Jetzt wei&#223; man wieder, zu wem man stehen muss – n&#228;mlich zu denen, zu denen man schon immer gehalten hat.</p>
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		<title>&#196;gypten und andere – arabisches Menetekel f&#252;r westlichen Hochmut</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Jan 2011 15:08:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit den Ereignissen in &#196;gypten, Tunesien und eventuell weiteren arabischen L&#228;ndern hat das westliche Konzept der »Befriedung« und m&#246;glichst st&#246;rungsfreien Ausbeutung der arabischen wie wohl &#252;berhaupt der so genannten dritten Welt eine schwere Niederlage erlitten. Nicht in jenen Staaten, die die USA und die EU mit ideologischer Absicht als »Schurkenstaaten« und St&#246;renfriede der Weltpolitik bezeichnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit den Ereignissen in &#196;gypten, Tunesien und eventuell weiteren arabischen L&#228;ndern hat das westliche Konzept der »Befriedung« und m&#246;glichst st&#246;rungsfreien Ausbeutung der arabischen wie wohl &#252;berhaupt der so genannten dritten Welt eine schwere Niederlage erlitten. Nicht in jenen Staaten, die die USA und die EU mit ideologischer Absicht als »Schurkenstaaten« und St&#246;renfriede der Weltpolitik bezeichnen – Iran, Syrien, sogar Libyen – ist der Volkszorn zuerst ausgebrochen, sondern<span id="more-2230"></span> dort, wo der Westen glaubte, stabile Regimes von eigenen Gnaden etabliert zu haben, im Zweifel auch mit Mitteln der Repression und der Diktatur. Zwar ist die weitere Entwicklung noch nicht abzusehen, aber offensichtlich finden im arabischen Raum Regierungen, die sich vom Westen zu emanzipieren versuchen, ungeachtet ihrer Vergleichbarkeit in diktatorischer Herrschaftsattit&#252;de mehr Zustimmung in der Bev&#246;lkerung als jene, die sich <a href="http://www.stern.de/politik/ausland/die-vereinigten-staaten-und-aegypten-obamas-gefaehrliches-dilemma-am-nil-1648299.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/1c63b13630dd43a4b9999ded89fd83d3" alt="" width="1" height="1" />von den USA und ihren europ&#228;ischen Verb&#252;ndeten aushalten lasse</a>n.</p>
<p>Die Bewegung, die sich derzeit in arabischen L&#228;ndern vollzieht, ist auch deshalb bemerkenswert, weil damit m&#246;glicherweise eine neue Etappe der Dekolonialisierung eingeleitet wird.  In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte die meisten Kolonien ihre Unterdr&#252;cker davon gejagt und nationale Unabh&#228;ngigkeit erk&#228;mpft, die jedoch in ihrer Entwicklung oft schon auf halber Strecke stecken blieb. Viel zu schwach waren die neuen L&#228;nder – vor allem nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems, um sich der kolonialistischen Variante fr&#252;herer Unterdr&#252;ckungspolitik zu widersetzen. Dem Westen gelang es, mit Geld und geheimdienstlichen Intrigen gef&#252;gige Potentaten in den meisten dieser Staaten zu etablieren, die f&#252;r ihn die Gesch&#228;fte besorgten – zumeist unbehelligt von Appellen nach Demokratie und Menschenrechte.</p>
<p>Diese F&#252;gsamkeit k&#246;nnte sich jetzt dem Ende zuneigen. Mit einer Mischung aus b&#252;rgerrechtlichen und sozialen Forderungen verlangen die L&#228;nder der »dritten Welt« Ver&#228;nderungen – und warten dazu nicht auf fremde Hilfe. Im Gegenteil, es k&#246;nnte sich f&#252;r manche wankende Regierung als<a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/schweigen-fuer-den-frieden/3785548.html" target="_blank"> zus&#228;tzlich kontraproduktiv</a> erweisen, wenn sie auf westliche Hilfe setzt.</p>
<p>Wie die westlichen Staaten reagieren, ist noch nicht absehbar. Sie haben es nicht mehr mit armen, analphabetischen Massen zu tun wie vor 50 Jahren, die sie leicht &#252;bert&#246;lpeln konnten. Jetzt stehen ihnen oftmals gut gebildete, selbstbewusste Menschen gegen&#252;ber, die – nicht zuletzt am Beispiel Chinas – sehen, dass sie auf Hilfe aus der selbst ernannten »ersten« Welt nicht angewiesen sind. Deren salbungsvolle Predigten &#252;ber Freiheit und Demokratie haben sich im Gegenteil einmal mehr als Heuchelei entlarvt, da sie repressive, diktatorische Regimes jahrzehntelang gegen ihre V&#246;lker verteidigten und es wohl auch jetzt noch – wie Frankreich bez&#252;glich Tunesiens bewies – lieber s&#228;hen, wenn<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34106/1.html" target="_blank"> die Aufst&#228;nde niedergeschlagen</a> w&#252;rden, und sei es blutig, um die alte, also von ihnen verf&#252;gte Ordnung wiederherzustellen.</p>
<p>F&#252;r den Westen steht viel auf dem Spiel – im Grunde die gesamte globale Weltordnung, die er nach dem Zusammenbruch des Sozialismus aufgebaut hatte und an deren Ewigkeit – siehe die Spr&#252;che vom Ende der Geschichte – er in seinem Hochmut glaubte. Wieder einmal erweist sich: Geschichte folgt nicht voluntaristischen Erwartungen, sondern vollzieht sich nach objektiven Gesetzen in Richtung Fortschritt, die niemand au&#223;er Kraft zu setzen vermag.</p>
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		<title>Hauptverwaltung Aufkl&#228;rung der DDR – kurze Geschichte eines Spionagedienstes (Teil X und Schluss)</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Dec 2010 15:36:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p> Bei der aktuellen Debatte &#252;ber die Wikileaks-Dossiers ist ein Aspekt bisher geflissentlich weitgehend &#252;bersehen worden – die Blamage, die Julian Assange mit seiner kleinen, schlecht ausger&#252;steten Truppe den zahlreichen hoch ger&#252;steten Geheimdiensten dieser Welt zugef&#252;gt hat. Sie alle versuchen, mit riesigem Aufwand an Personen und Geldmitteln, diversen Regierungen einige ihrer zahlreichen, sorgsam verborgenen Geheimnisse zu entrei&#223;en <span id="more-2175"></span>und haben damit oft nur d&#252;rftigen Erfolg. Doch <a href="http://wikileaks.ch/" target="_blank"><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/9e3ec3dcc457462d9dafdcb661695c52" alt="" width="1" height="1" />Wikileaks</a> schaffte es, mit einem Schlag erst 77000 Dokumente zum Afghanistankrieg, dann fast 4000000 Papiere zum Irakkrieg und jetzt noch einmal 250000 geheime Botschaftsberichte aus aller Welt nicht nur auf den eigenen Tisch zu bekommen, sondern auch noch weltweit zu ver&#246;ffentlichen. Und all diese Dossiers stammen nicht aus irgendeiner Bananenrepublik, sondern aus den USA, die in den vergangenen Jahren nicht nur eines der effektivsten Sicherheitssysteme der Welt aufgebaut haben, sondern auch technisch ohne Zweifel zu totaler Geheimhaltung in der Lage w&#228;ren.</p>
<p> Es zeigt sich jedoch an den Wikileaks-Enth&#252;llungen einmal mehr, dass Geheimdienste nicht mehr in diese Zeit passen. Sie sind nicht nur moralisch obsolet; die heutige Zeit mit ihrem bislang ungeahnten Bedeutungszuwachs von Informationen f&#252;r die Bew&#228;ltigung der schnell ablaufenden Prozesse in nahezu allen Lebensbereichen legt die Ineffizienz &#252;bertriebener Geheimhaltung oder gar einer Abschottung der Informationsfl&#252;sse offen. Dass der Kreis jener, die in den USA Zugriff auf die diplomatischen Depeschen hatten, so gro&#223; war, ergab sich schlie&#223;lich nicht aus leichtsinniger Vertrauensseligkeit der Beh&#246;rden, sondern war Resultat der Erkenntnis, dass nur gut informierte Mitarbeiter auf allen Gebieten wirklich effektiv arbeiten.</p>
<p> Auf der anderen Seite jedoch f&#252;hrte US-amerikanische Sicherheitshysterie dazu, dass gegen&#252;ber der allgemeinen &#214;ffentlichkeit immer weniger bekannt gemacht wurde und in den Dossiers des Au&#223;enministeriums auch viel mit Geheimhaltungsstempeln versehen wurde, das nur banale Mitteilungen enth&#228;lt. Diese Tendenz r&#252;gte – nach hilflos-w&#252;tender Kritik an Assange – auch die <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1221/meinung/0044/index.html" target="_blank">»Washington Post«</a>, weil solche Geheimhaltung den Verdacht nahelege, die US-Regierung nehme es nicht so genau mit den Rechten der B&#252;rger. »Die beste Art, mit Assange umzugehen, ist ihn &#252;berfl&#252;ssig zu machen«, schlussfolgert das Blatt.</p>
<p><a href="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2010/12/West-Spione1-199x300.gif"><img class="alignright size-full wp-image-2187" title="West-Spione1-199x300" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2010/12/West-Spione1-199x300.gif" alt="" width="199" height="300" /></a>Solche Erkenntnisse sind so neu nicht. Bereits das Ende der DDR warf schon vor 20 Jahren ein Schlaglicht auch auf die Ineffizienz von Geheimdiensten. Denn weder hatten die westlichen Agenturen dieses Ereignis einschlie&#223;lich des folgenden Untergangs des gesamten sozialistischen Systems vorausgesehen, noch konnten die &#246;stlichen Dienste diese Entwicklung verhindern – auch nicht die hochdotierte Hauptverwaltung Aufkl&#228;rung des DDR-Ministeriums f&#252;r Staatssicherheit. Ihre Geschichte und Arbeitsweise wurde hier bereits auf der Grundlage einer Ver&#246;ffentlichung &#252;ber die HVA, die im Handel nicht mehr verf&#252;gbar ist, dem Buch »Wolfs West-Spione. Ein Insider-Report«, erschienen 1992 im Berliner Verlag ElefantenPress, in neun Folgen dargestellt. Auch die Kapitel &#252;ber ihren langj&#228;hrigen Chef <a href="http://www.blogsgesang.de/2007/01/19/markus-wolf/" target="_blank">Markus Wolf</a>, den schlie&#223;lichen <a href="http://www.blogsgesang.de/2009/11/13/vor-20-jahren-der-zusammenbruch-des-ddr-spionageapparates/" target="_blank">Zusammenbruch der HVA</a> und ihre bis in die Gegenwart wirkende <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/02/08/vor-20-jahren-die-hinterlassenschaft-der-ddr-spionage-macht-probleme/" target="_blank">Hinterlassenschaft</a> sind an dieser Stelle bereits ver&#246;ffentlicht worden. Im Schlusskapitel res&#252;mierten die Autoren aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen schon damals, dass – – Geheimdienste &#252;berholt , passé seien. Es wird hier zuzm Abschluss der Serie noch einmal wiedergegeben.</p>
<h3><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial;"><span style="font-size: x-large;">Geheimdienste passé?</span></span></span></h3>
<p>Spionage wird gern als das zweit&#228;lteste Gewerbe der Welt bezeich­net, wird doch bereits in der Bibel davon gesprochen. Heute jedoch bangt die Zunft der Spione um ihre Zukunft. Denn der Untergang der Hauptverwaltung Aufkl&#228;rung erweist sich vielleicht nicht nur als Spezifikum der deutschen Genesis, erkl&#228;rbar aus dem Ver­schwinden eines ganzen Staates und damit auch seiner staatlichen Organe. Auch andere Geheimdienste m&#252;ssen sich zunehmend Fragen nach ihrer Daseinsberechtigung stellen &#8211; im Osten wie im Westen. Dabei mag man die faktische Aufl&#246;sung des sowjetischen KGB wie die armseligen Mutationsversuche der Dienste anderer osteurop&#228;ischer Staaten noch dem Umbruch im Osten, dem Ein­sturz des sozialistischen Systems zuschreiben; f&#252;r die neu aufge­flammte Diskussion um die gro&#223;en westlichen Geheimdienste gen&#252;gt das zur Erkl&#228;rung nicht. Zwar ist es richtig, dass ihnen im Gefolge all dieser Entwicklungen der »Feind abhanden« gekommen ist, wie es oft griffig hei&#223;t, aber die wahren Ursachen f&#252;r die verbreitete Geheimdienst-M&#252;digkeit d&#252;rften tiefer liegen.</p>
<p>In diesem Jahrhundert war die Weltpolitik im wesentlichen durch den Gegensatz der beiden Systeme Kapitalismus und Sozia­lismus gepr&#228;gt. Dieser Widerspruch entwickelte sich in aller Sch&#228;rfe bis hin zur apokalyptischen Gefahr eines thermo-nuklearen Krieges. Damit einher ging eine gewaltige Propagandaschlacht, die sich aller erdenklichen Mittel bediente und mit dem Begriff des Kalten Krieges besser beschrieben war als mit dem sp&#228;teren, gef&#228;lligeren der »ideologischen Auseinandersetzung«. Die beiden Weltsysteme, jeweils angef&#252;hrt von ihren Superm&#228;chten USA und Sowjetunion, waren nur noch auf sich bezogen, betrachteten ihren Konflikt als »Knackpunkt« der Menschheitsgeschichte &#8211; und das war er lange Zeit wohl auch. Geheimdienste hatten in diesem Diadochenkampf ihre selbstverst&#228;ndliche Funktion.</p>
<p>Dabei &#252;bersahen beide Seiten, dass sich im Schatten der System­auseinandersetzung v&#246;llig neue und viel bedeutsamere Widerspr&#252;­che herausbildeten: der sogenannte Nord-S&#252;d-Konflikt als K&#252;rzel f&#252;r die Verelendung der Dritten Welt, hervorgerufen von deren Ausbeutung durch die beiden anderen Welten; die &#246;kologische Herausforderung mit im Grunde den gleichen Ursachen; das Erfordernis, die rasante wissenschaftlich-technische Entwicklung so zu gestalten, dass sie dem Menschen zum Nutzen ger&#228;t und nicht seinen Untergang programmiert. All dies ist nicht im scharfen Gegensatz unterschiedlicher ideologischer Konzepte zu bew&#228;lti­gen, sondern nur in enger Zusammenarbeit. Damit steht die Kooperation auf der Tagesordnung &#8211; und diese kann nur in einer Atmosph&#228;re des Vertrauens gedeihen.</p>
<p>Da objektiv bedingt, haben sich Elemente einer solchen »Politik des neuen Denkens« in den vergangenen Jahren bereits durchsetzen k&#246;nnen. Der KSZE-Proze&#223; machte den Anfang, indem er neben materielle Bereiche eines Interessenausgleichs (Sicherheit und &#214;konomie) erstmals gleichgewichtig die ethisch-moralische Pro­blematik der Menschenrechte stellte. Die deutsche Vereinigung war ein beredtes Beispiel f&#252;r die partielle &#220;berwindung von Blockdenken. Und auf dem besonders sensiblen Sicherheitsbereich wurden »vertrauensbildende Ma&#223;nahmen« vereinbart &#8211; erste Schritte zu mehr Transparenz und Ehrlichkeit. Ihre Realisierung wiederum erhielt Impulse aus den sprunghaft zunehmenden weltweiten Kommunikationsm&#246;glichkeiten &#8211; sowohl durch Mediennutzung als auch im privaten Bereich.</p>
<p>Wer Spionage von innen her kennt, wei&#223;, dass sie diesen Tendenzen im Wege steht. In einem Feld gegenseitig vorteilhafter Zusammenarbeit muss sie kontraproduktiv wirken. Ihre Absichten und Methoden verdienen tiefstes Misstrauen &#8211; wie alles, was jemand hinter seinem R&#252;cken heimlich vorbereitet, w&#228;hrend er mir vorn l&#228;chelnd die Hand entgegenstreckt. Spionage als Kind alten Denkens in den Kategorien der Bl&#246;cke, der antago­nistischen Ideologien, kann globale Kooperation nicht bef&#246;rdern, sondern sie nur st&#246;ren. Diese Erkenntnis setzt sich immer mehr durch &#8211; und sie ist der wahre Hintergrund f&#252;r die sich verst&#228;rkenden Forderungen nach restloser Beseitigung dieser Relikte einer &#252;ber­holten Zeit. Die neue Weltordnung, die heute auf der Tagesordnung steht, bedarf konspirativer Ma&#223;nahmen nicht; im Gegenteil – sie kann nur gelingen, wenn T&#228;uschung, Verschleierung, &#220;bervortei­lung auf dem Felde der Politik restlos ausgemerzt werden.</p>
<p>Wie schwer es aber ist, sich aus den Fesseln einer obsoleten Weltsicht zu l&#246;sen, zeigten gerade die von den diversen KSZE-Folgetreffen vereinbarten vertrauensbildenden Ma&#223;nahmen. Dazu geh&#246;rte die Beobachtung milit&#228;rischer Man&#246;ver, die alle beteilig­ten Staaten sofort dazu veranlasste, die jeweiligen Geheimdienste mit der Ausgestaltung dieser Vereinbarung zu betrauen.</p>
<p>So kam es dann, dass sich die Agenten der beiden Seiten auf dem Man&#246;verfeld gegen&#252;berstanden &#8211; die einen als Gastgeber mit dem Ziel, das wirklich Interessante vor den Augen des »Gegners« zu verbergen, die G&#228;ste hingegen mit der Absicht, die g&#252;nstige Gelegenheit zur Aufkl&#228;rung optimal zu nutzen. W&#228;hrend erstere zum Zwecke der Camouflage lange Erkl&#228;rungen abgaben und ausgedehnte Bankette in den Stabszelten am Rande der Man&#246;ver­zonen organisierten, um die Beobachter besoffen zu reden und zu machen, hatten diese den Auftrag, mehr zu sehen und zu h&#246;ren als erw&#252;nscht, und sich dazu statt mit Sektkelchen mit ausgefeilter Peil- und Lauschtechnik auszustatten. Fast noch absurder mutet die geheimdienstliche Begleitung des deutschen Vereinigungsprozes­ses an. W&#228;hrend das MfS seine Beobachtung der Bundesrepublik nach dem Januar 1990 notgedrungen fast v&#246;llig einstellte und damit auch die elektronische Telefon&#252;berwachung ihr Ende fand, setzte der BND die diesbez&#252;glichen Aktivit&#228;ten ungehemmt fort. Er machte dabei auch nicht vor der Bespitzelung des CDU-Vorsitzen­den und sp&#228;teren Ministerpr&#228;sidenten Lothar de Maizière halt &#8211; lange bevor er in Stasi-Verdacht geriet. Tr&#246;stlich zu h&#246;ren, dass nach der Wahl vom 18. M&#228;rz das Anzapfen von DDR-Telefonen »sukzessive heruntergefahren« und mit der Wahl der neuen Regie­rung am 12. April »endg&#252;ltig eingestellt« wurde. Die formelle Weisung zur Beendigung aller Abh&#246;raktionen &#252;ber Richtfunk erging jedoch erst am 4. Mai. Auch danach hat aber der BND seine Quellen im Osten Deutschlands weiter berichten und sich durch seinen Spitzen-Informanten Schalck-Golodkowski sogar Tipps f&#252;r erfolgversprechende Anwerbungen geben lassen. Gro&#223;z&#252;gig stellte er seine Top-Quelle auch f&#252;r die dilettan­tische Befragung durch einen M&#246;chtegern-Kundschafter der neuen Regierung zur Verf&#252;gung, der auf diese Weise &#8211; in wessen Auftrag? &#8211; Material gegen seinen eigenen Regierungschef sammelte.</p>
<p>Die grotesken Folgen dieser Art von Geheimdienst-Spielen k&#246;nnten zum Lachen verleiten, wenn der Hintergrund nicht so ernst w&#228;re. Er verr&#228;t n&#228;mlich, dass die Konsequenzen des oft beredeten »neuen Denkens« von vielen noch gar nicht begriffen oder aber &#252;berhaupt nicht erw&#252;nscht sind. Jetzt, da es an eigene liebgewordene Machtinstrumente geht, erweisen sich viele fr&#252;here Erkl&#228;rungen als platonisch. So kann man gegenw&#228;rtig landauf, landab &#8211; von Moskau bis Langley, von Paris bis Br&#252;ssel, von K&#246;ln bis Pullach &#8211; immer wieder h&#246;ren, wie unverzichtbar gerade heute Geheim­dienste seien. In den Entwicklungen in Osteuropa sieht BND-Chef Konrad Porzner offensichtlich vor allem Gefahren: »Aber beden­ken Sie auch, dass durch die Aufl&#246;sung des sowjetischen Zentral­staats unsere Arbeit schwieriger geworden ist. Jetzt gen&#252;gt es nicht mehr zu wissen, was in Moskau geschieht. Nun m&#252;ssen wir auch wissen, was in Kiew, Alma-Ata und St. Petersburg passiert.« Ver­fassungsschutz-Vizepr&#228;sident Peter Frisch wird noch deutlicher: »Unser neuer Hauptgegner sind die Staaten der Sowjetunion.« Und dar&#252;ber hinaus: Rum&#228;nien, Bulgarien, Polen, China, der Nahe Osten. Gefahr drohe Deutschland auch von »kubanischen, nord­koreanischen und anderen Diensten«. Ein weites Bet&#228;tigungsfeld &#8211; doch nicht nur die deutschen Geheimdienste malen neue Bedrohun­gen an die Wand.</p>
<p>Mitten in die Aufl&#246;sung des KGB hinein sagte dessen damaliger Chef Wadim Bakatin, es brauchten »auch demokratische Staaten Geheimdienste. Deshalb hei&#223;t unsere Aufgabe nicht Aufl&#246;sung, sondern Reform und Dezentralisierung«. Und der amerikanische CIA r&#228;umt zwar ein, dass das R&#252;stungspotential der UdSSR k&#252;nftig weniger bedrohlich sei; daf&#252;r stelle aber die wirtschaftliche Kon­kurrenz Japans und Europas eine Gefahr dar. Der ehemalige CIA-Chef Stansfield Turner gab die Linie vor: »Wirtschaftliche St&#228;rke muss mehr in den Vordergrund ger&#252;ckt werden, und das bedeutet, dass wir bessere &#246;konomische Aufkl&#228;rung brauchen.« Und er verschweigt auch die Zielrichtung dieser Wirtschaftsspionage nicht: »Nachdem wir mittlerweile mehr Nachdruck auf die Sicherung des wirtschaftlichen Knowhow legen, m&#252;ssen wir auch die weiterent­wickelten L&#228;nder ausspionieren &#8211; unsere Verb&#252;ndeten und Freunde, mit denen wir wirtschaftlich konkurrieren.«</p>
<p>Nach solcher Argumentation best&#228;tigt jedes weltpolitische Ereignis die Notwendigkeit von Geheimdiensten. Die Aufl&#246;sung der UdSSR macht sie ebenso erforderlich wie die »neuen Krisen­herde« sie verlangen. Sie m&#252;ssen das jeweilige Land vor den »neuen Gro&#223;m&#228;chten« (f&#252;r die USA Japan und Europa) sch&#252;tzen, aber auch vor Terrorismus, Rechtsextremismus, Waffenhandel, Umweltkriminalit&#228;t und Drogenverbrechen. Ungeniert greifen die Nachrichtendienste in polizeiliche Kompetenzen ein &#8211; nur um ihre Unersetzlichkeit nachzuweisen. Ehemalige Spionage-Praktiker begr&#252;nden die Unverzichtbarkeit von konspirativer Aufkl&#228;rung gleich f&#252;r alle Ewigkeit und sind in ihren Gedankeng&#228;ngen nahezu identisch. So sei zwar die Satellitenerkundung auch nicht schlecht, aber &#8211; so der ehemalige CIA-Mitarbeiter George Carver: »Die Stimmung im Basar kann ein Satellit aus 160 Kilometern Entfer­nung im Weltall nicht ausmachen.« Und Markus Wolf teilt diese Skepsis gegen&#252;ber der Elektronik: »Aber damit l&#228;sst sich nur feststellen, was geschehen ist oder was passieren k&#246;nnte &#8211; nicht aber, was in den St&#228;ben und Regierungen geplant wird, welche Entwicklungen in den Forschungslabors laufen oder ob ein Staatsstreich bevorsteht, der die ganze Situation ver&#228;ndern kann.«</p>
<p>Hier offenbart sich ein tiefes und offenbar unausrottbares Misstrauen, das zwar durch die bisherige Weltgeschichte best&#228;tigt zu werden scheint, dennoch aber nicht in eine Zeit passt, in der man eine v&#246;llig neue Weltordnung bauen will. Wer so denkt, taugt nicht zum »Erneuerer«, ist kein »Hoffnungstr&#228;ger«, sondern verharrt in einem Denken, das seine Gef&#228;hrlichkeit in unserem Jahrhundert immer wieder nachgewiesen hat und nun endg&#252;ltig &#252;ber Bord geworfen werden muss.</p>
<p>Hinzu kommt, dass der hohe Anspruch der Spionage, durch das Ermitteln der »ganzen Wahrheit« segensreich zu wirken, bisher kaum je eingel&#246;st werden konnte. Hingegen sind die Fehleinsch&#228;tzungen der Auslandsnachrichtendienste Legion und damit &#8211; oft berechtigt, mitunter zwar auch unberechtigt, aber es &#228;ndert nichts am Ergebnis &#8211; die Missachtung ihrer Prognosen. Fast alle Politiker lesen zwar gern die Dossiers ihrer Geheimdienste, aber kaum einer hat dar&#252;ber ein positives Wort verloren. Und tats&#228;chlich gehen Analysen und Einsch&#228;tzungen der geheimen Nachrichtendienste in aller Regel nicht &#252;ber das hinaus, was kluge Zeitgeschichtler, Politologen und Journalisten mit ihren Mitteln zusammentragen und formulieren. Brisante Einzelinformationen jedoch finden oft nicht die erforderliche Beachtung, vor allem dann nicht, wenn sie nicht ins eigene Kalk&#252;l passen und vielleicht dazu zwingen k&#246;nnten, die gerade betriebene Politik zu &#252;berpr&#252;fen.</p>
<p>Selbst Wolf, der 40 Jahre lang die deutsch-deutsche Entwick­lung in all ihren Ver&#228;stelungen verfolgen konnte, sah im Herbst 1989 nicht das baldige Ende der DDR voraus. Auch er unterlag letztlich der Scheuklappensicht, die den Aufkl&#228;rern in diesen Jahren anerzogen worden war und aus der sie trotz optimaler Informiertheit nicht ausbrechen konnten oder wollten. Noch im Sommer 1991 setzte Wolf auf seine alten Vertrauten in der KPdSU-F&#252;hrung &#8211; unf&#228;hig zu der Einsicht, dass es auch mit dieser und der von ihr geschaffenen Sowjetunion zu Ende ging. Er wie die gesamte Hauptverwaltung Aufkl&#228;rung sind auch daran gescheitert, dass sie das objektive Wissen, das sich in ihrem Speicher ansammelte, nicht vorurteils­frei zu interpretieren vermochten.</p>
<p>Diesen Mangel hatte jedoch die DDR-Spionage mit allen anderen einschl&#228;gigen Diensten gemein. Der CIA lief den Entwick­lungen in Osteuropa st&#228;ndig hinterher, da das Ende des Kommunis­mus in seinem stabilen Feindbild nicht vorgesehen war. &#196;hnlich hat der BND nicht ein einziges Mal in seinen Papieren der letzten beiden Jahrzehnte die Vereinigung Deutschlands vorausgesagt oder auch nur eine solche M&#246;glichkeit noch im letzten Jahrhundert angedeutet. Entsprechend unvorbereitet war die Bundesregierung, als der unwahrscheinliche Fall eintrat. Der Verfassungsschutz bezog noch 1989 ein gro&#223;z&#252;giges neues Geb&#228;ude in K&#246;ln-Chor­weiler, weil auch er das Ende der weltweiten Konfrontationspolitik nicht denken konnte. Die KGB-Reste, die sich den ex­sowjetischen Republiken andienten, sind in ihrer Mehrzahl noch immer der Meinung, der Wandel der letzten drei Jahre sei das Resultat ausl&#228;ndischer Dienste und ihrer Agenten und Saboteure. Weil die Geheimdienste &#252;berall nur Anh&#228;ngsel der Politik waren und sind, diese in ihren Auffassungen bedienen, statt unabh&#228;ngig ihre Schlussfolgerungen aus den internen Materialien zu ziehen, bleiben sie weitgehend wirkungslos &#8211; ein weiteres Argument f&#252;r ihre &#220;berlebtheit.</p>
<p>Und ein drittes, wohl noch bedeutsameres, kommt hinzu. Die Geheimdienste haben mit einem demokratischen Staatswesen nichts zu tun. Die Entwicklung der Auslands-Spionageapparate demon­striert im Gegenteil, dass sie der Versuchung, ihre konspirativen Mittel und Methoden auch bei Operationen im Inland anzuwenden, nie widerstehen konnten und k&#246;nnen. War auch die Kooperation zwischen Spionage und Bereichen der inneren Abwehr bei der Hauptverwaltung Aufkl&#228;rung besonders eng, so ist zugleich nicht zu bestreiten, dass auch die altbundesdeutschen Dienste in dieser Hinsicht eine lange schmutzige Tradition haben, die erst vor einiger Zeit mit der sogenannten Panzeraff&#228;re &#8211; dem heimlichen Verschieben von Kriegsger&#228;t der Bundeswehr, das urspr&#252;nglich aus NVA-Best&#228;nden stammte, nach Israel &#8211; einen neuen H&#246;hepunkt erreichte.</p>
<p>Begonnen hatte das innenpolitische Spiel des Auslandsdienstes aber bereits mit Reinhard Gehlen, der es f&#252;r geradezu unerl&#228;sslich fand, durch den BND auch die »inneren Feinde« der Republik zu bearbeiten. Als der ehemalige Nazigeneral 1968 ausschied, fand sein Nachfolger Gerhard Wessel »sechs, sieben Leitz-Ordner, &#252;ber den Daumen gesch&#228;tzt«, mit Dossiers &#252;ber 54 Politiker vor &#8211; von Heinemann bis Barzel, von Wehner bis Strau&#223; (!). Weniger Aufhebens machte der langj&#228;hrige Gehlen-Stellvertreter von den Akten &#252;ber Kommunisten, Linke, Pazifisten, Sowjetunion-Freunde und andere unzuverl&#228;ssige Kantonisten in den Augen seines Ex­-Chefs. Das ganze Ausma&#223; der Spitzelt&#228;tigkeit im Innern wie auch des ungesetzlichen Vorgehens des BND war mit der »Spiegel«-Aff&#228;re offenkundig geworden. Danach versuchte man, den Nach­richtendienst st&#228;rker unter Kontrolle zu halten, doch mit m&#228;&#223;igem Erfolg, wie die immer neuen Skandale zeigten. Der gescheiterte Kanzleramtsminister Stavenhagen brachte es 1991 auf den Punkt: »Die Frage, wie man Nachrichtendienste, die ja etwas andere Beh&#246;rden sind, richtig kontrolliert, ist eine Frage, die mich schon lange bewegt.«</p>
<p>Bei aller Unterschiedlichkeit in Ausma&#223; und Perfektionierung sind es &#8211; wie in der DDR &#8211; auch in der Bundesrepublik stets Machtinteressen gewesen, die den Einsatz des Geheimdienstes zur Bek&#228;mpfung innenpolitischer Gegner veranlassten; nicht selten wurden sogar parteipolitische Fehden mit seiner Hilfe ausgetragen. Da ist es kein Wunder, wenn alle Versuche, das Treiben der Dienste demokratischen Regeln zu unterwerfen, scheitern mussten. Und es sieht so aus, dass das k&#252;nftig noch weniger m&#246;glich sein wird. Die Tendenz der Geheimdienste, sich neue Felder zu erschlie&#223;en, bringt zwangsl&#228;ufig mit sich, dass konspirative Methoden nicht etwa eingeschr&#228;nkt, sondern im Gegenteil noch ausgeweitet werden. »Das Gebot der Trennung von Polizei und Nachrichtendienst wird nicht mehr sauber eingehalten«, gesteht BfV-Pr&#228;sident Werthebach ein. Und BND-Chef Porzner stellt sogar Forderungen nach Aus­h&#246;hlung gegenw&#228;rtiger Rechtsgrundlagen: »Nach Artikel 10 des Grundgesetzes darf das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis nur mit Zustimmung eines Parlamentsgremiums durchbrochen werden. Dieses Gesetz muss allerdings &#252;berdacht werden.« Die nach der Panzeraff&#228;re erneut in Gang gekommene Diskussion &#252;ber erweiterte parlamentarische Kontrollmechanismen gegen&#252;ber den Geheim­diensten wird so schon im Ansatz unterlaufen. Es ist sicher, dass auch sie ausgehen wird, wie alle vorherigen &#8211; ohne greifbares Ergebnis.</p>
<p>Geheimdiensten ist ein undemokratisches Element inh&#228;rent. Es ergibt sich aus dem Grundessential ihrer Arbeit &#8211; n&#228;mlich das Auge der &#214;ffentlichkeit zu scheuen und demokratische Mitsprache &#252;ber ihre Aktivit&#228;ten nicht zuzulassen. W&#252;rden hingegen Offen­heit und wirkliche Transparenz auch im Wirken der Geheimdien­ste durchgesetzt, w&#228;re ihnen ihr Wesen genommen; sie w&#252;rden automatisch aufh&#246;ren zu existieren. Wer jedoch Spionage und all die anderen klandestinen Verrichtungen verteidigen und verewigen will, plant nichts Gutes. Nach au&#223;en setzt er weiter auf die &#252;berholte Machtpolitik weniger Gro&#223;er und Starker gegen&#252;ber Kleineren und Schw&#228;cheren, nicht jedoch auf das kooperative Zusammenwirken gleichberechtigter V&#246;lker. Im Inneren will er ganz &#228;hnlich vorgehen &#8211; Kabinettspolitik betreiben statt die opti­male Mitwirkung der B&#252;rger an den Staatsgesch&#228;ften zu erm&#246;gli­chen, die Demokratie in ihrer formalisierten Form zementieren statt neue Wege zu mehr Mitsprache und Mitentscheidung vieler zu beschreiten.</p>
<p>Aus all dem ergibt sich der Schluss, dass die T&#228;tigkeit derartiger »Organe« keine Daseinsberechtigung mehr hat. Der Widerspruch ihrer Praktiken zu den heute erforderlichen Formen kooperativer, vertrauensvoller Arbeit ist so gro&#223;, dass sie sich endg&#252;ltig &#252;berlebt haben. Wie die Saurier der Urzeit erweisen sich die Geheimdienste als nicht mehr lebensf&#228;hig, weil ihre einstige Funktion in die heutige Zeit nicht passt. Sie k&#246;nnen nur noch Schaden anrichten, indem sie notwendige Entwicklungen der Weltgesellschaft verz&#246;gern. Und sie kosten viel Geld, das wahrlich nutzbringender angelegt werden k&#246;nnte.</p>
<p>Die Hauptverwaltung Aufkl&#228;rung, einst ger&#252;hmt wegen ihrer Effizienz und Professionalit&#228;t, hat schon den Preis ihres Zusammenbruchs entrichten m&#252;ssen; andere Dienste werden auf diesem Weg gewiss folgen &#8211; auch wenn es noch etwas dauert.</p>
<p>Und eines Tages wird die Zeit kommen, da Spionage nur noch das Thema spannender B&#252;cher und Filme ist.</p>
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