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	<title>blogsgesang.de &#187; Westerwelle</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 18:31:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Am 27. September 2009 konnten sich Union und FDP &#252;ber ihre Erfolge bei der Bundestagswahl und die bevorstehende schwarz-gelbe Wunschkoalition freuen. Von Freude ist zwei Jahre sp&#228;ter zur Halbzeit der Regierung nichts mehr zu sp&#252;ren: Die FDP steht am Abgrund, die Union hat ein massives Problem, ihren W&#228;hlern die politischen Kehrtwenden zu erkl&#228;ren und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gelingt es nur noch m&#252;hsam, die einstigen Traumpartner zusammenzuhalten.<span id="more-3306"></span></p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208058.schwarz-gelb-auf-dem-tiefpunkt.html" target="_blank">Schwarz-Gelb auf dem Tiefpunkt</a><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/aec68746bcb847dcbb67263c95c79439" alt="" width="1" height="1" /></h2>
<h4>Angela Merkels Wunschkoalition steckt in der Krise, weil sie an den Erwartungen der B&#252;rger mehr denn je vorbei regiert</h4>
<h5>Nach zwei Jahren Schwarz-Gelb haben CDU/CSU und FDP »fertig«. Sie sind moderne Antworten auf die Herausforderungen einer sich schnell wandelnden Welt schuldig geblieben, halten aber stur an der Macht fest.</h5>
<p>Die als Drohung gemeinte, von vielen aber durchaus als Verhei&#223;ung empfundene Ank&#252;ndigung, ohne »Kanzlermehrheit« in der Frage des Griechenland-Rettungsschirms sei die Koalition gescheitert, war nie ernst gemeint. Sie diente allein der am Ende gelungenen Disziplinierung der eigenen Fu&#223;truppen; aber dass sowohl Wolfgang Sch&#228;uble f&#252;r die Union als auch FDP-Fraktionschef Br&#252;derle mit allerlei Relativierungen f&#252;r den Ernstfall vorgebaut hatten, zeigt nur den desolaten Zustand des einstigen »Traumb&#252;ndnisses«.</p>
<p>Denn auch wenn Union und Freidemokraten ihre Mehrheit zusammenbekamen und nat&#252;rlich bis zum bitteren Ende weiterregieren wollen faktisch sind sie bereits abgew&#228;hlt. Acht Landtagswahlen haben seit dem bundesweiten Urnengang vor zwei Jahren stattgefunden, sechsmal verlor die Union an Stimmen zwischen 3,7 und 20,7 (!) Prozent.</p>
<p>Nur zweimal konnte sie leicht zulegen, in Rheinland-Pfalz und Berlin; da war sie wohl die einzige Alternative f&#252;r einige verdrossene Ex-W&#228;hler der FDP, die in beiden L&#228;ndern aus dem Parlament flog. Das Gleiche widerfuhr den Freidemokraten mit drei weiteren Landtagen; &#252;berall war sie von den 14,6 Prozent der Bundestagswahl weit entfernt.</p>
<p>Zwar hatten Bundeskoalitionen schon h&#228;ufiger nach dem Wahlsieg mit Stimmenschwund in den L&#228;ndern zu k&#228;mpfen, doch nicht in solchem Ausma&#223;. Es verweist darauf, dass die schwarz-gelbe Regierung nicht nur ein indiskutables Erscheinungsbild abgibt, sondern auch in der Sache nicht ann&#228;hernd liefert, was sie angek&#252;ndigt hatte. Au&#223;er im Falle der Mehrwertsteuersenkung f&#252;r Hoteliers schon in den ersten Regierungswochen, doch war das nur ein Geschenk f&#252;r den neuen Partner, der sich daf&#252;r mit hochfahrender Schelte gegen Hartz-IV-Empf&#228;nger bedankte und so wohl einen betr&#228;chtlichen Beitrag zur CDU/FDP-Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen leistete. Kurz darauf ging Horst K&#246;hler, Merkels und Westerwelles Ziehkind auf dem Bundespr&#228;sidentenstuhl, frustriert von Bord. Die &#228;hnlich ausgekungelte Nachfolgel&#246;sung Christian Wulff wurde zu einer Zitterpartie.</p>
<p>Danach rief die Koalition einen »Herbst der Entscheidungen« aus; er m&#252;ndete in die Desaster dieses Fr&#252;hjahres: Nach dem Fukushima-Super-GAU wurde die gerade beschlossene AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung wieder kassiert und mit dem Atomausstieg in ihr Gegenteil verkehrt. Merkels forsches Eintreten f&#252;r den Bahnhofsneubau in Stuttgart endete mit einem gr&#252;n-roten Wahlsieg in Baden-W&#252;rttemberg. Und trotz ihrer Ehrenerkl&#228;rungen f&#252;r den smarten Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg musste dieser als Verteidigungsminister unehrenhaft abmustern. Schlie&#223;lich konnte die Kanzlerin angesichts widerstreitender Auffassungen zwischen und in den Koalitionsparteien zur Finanzkrise um Griechenland nur m&#252;hsam den Crash verhindern und ist damit noch lange nicht am Ende.</p>
<p>Wortreich verweisen die Koalition&#228;re auf ihre »Erfolge«, zum Beispiel die Arbeitslosenzahl auf unter drei Millionen gedr&#252;ckt zu haben, verschweigen jedoch, dass dies nur unter Beibehaltung der Schr&#246;derschen Hartz-IV-N&#246;tigung gelang und die meisten der so entstandenen Arbeitsverh&#228;ltnisse nicht genug einbringen, um davon leben zu k&#246;nnen. Als Erfolg wird auch gewertet, dass es um Deutschland nicht ganz so schlecht steht wie um andere europ&#228;ische L&#228;nder. Man verdr&#228;ngt damit die anhaltenden Debatten &#252;ber Altersarmut, Pflegenotstand, Zwei-Klassen-Medizin und Mietenexplosion. Gut stellt sich das Land nur f&#252;r die Verm&#246;genden dar, w&#228;hrend die Masse der Bev&#246;lkerung die soziale Ausd&#252;nnung Tag f&#252;r Tag deutlicher sp&#252;rt.</p>
<p>Und sich zugleich um die W&#228;hrung sorgt, weil die Regierung weder willens noch in der Lage ist, gegen die Ausw&#252;chse der Finanzbranche wirksam vorzugehen. Zwar hat auch sonst niemand ein &#252;berzeugendes Rezept dagegen, aber die Ratlosigkeit und Zerstrittenheit in dieser Sache findet sich in vielen anderen Fragen wieder, sei es die Wahlrechtsproblematik um die &#220;berhangmandate oder der Streit um die Vorratsdatenspeicherung. Sei es die Zukunft des Gesundheitswesens oder die der Pflegeversicherung, die Sicherung der Altersvorsorge oder das uns&#228;gliche Steuersenkungsthema. Handeln auf Sicht und Zuruf ist zum Markenzeichen dieser Regierung geworden, und es gibt wenig Anzeichen, dass sich daran etwas &#228;ndert.</p>
<p>Da verwundert es nicht, wenn die B&#252;rger von der Koalition nicht mehr viel erwarten. 83 Prozent bewerteten j&#252;ngst in einer Forsa-Umfrage deren Zusammenarbeit als mangelhaft, und 54 Prozent glauben nicht, dass sie bis 2013 noch durchh&#228;lt. Selbst unter Unionsw&#228;hlern rechnet jeder Dritte mit ihrem vorzeitigen Ende, bei der FDP sind es gar 37 Prozent.</p>
<h2><a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/208057.politik-aus-dem-vorigen-jahrhundert.html" target="_blank">Politik aus dem vorigen Jahrhundert</a></h2>
<h4>Nur schwer kann sich das »b&#252;rgerliche« Lager von Inhalten und Ritualen der Vergangenheit verabschieden</h4>
<h5>Seit ihrem Bestehen macht die Regierungskoaltion keine gute Figur. Daf&#252;r verantwortlich sind Konzeptionslosigkeit und das Verschlafen gesellschaftlicher Entwicklungen.</h5>
<p>Mit Parteien ist es fast wie mit den Leuten auch. Je &#228;lter sie werden, desto schwerer tun sie sich mit Neuem. Und trauern gern vergangenen, (vermeintlich) gl&#252;cklicheren Zeiten nach. Auch die verbliebenen Anh&#228;nger von Schwarz-Gelb blicken derzeit melancholisch dahin zur&#252;ck, wo die Union und die Freidemokraten das Land unangefochten regierten also die 20 Jahre nach Gr&#252;ndung der Bundesrepublik und die 16 Jahre unter Helmut Kohl. Sie sehnen sich nach solcher &#220;bersichtlichkeit und k&#246;nnen nicht begreifen, dass ihre »christlich-liberale Koalition« vom ersten Tag ihres Bestehens an ein solch jammervolles Bild abgibt.</p>
<p>Da die weitgehend zahnlose Opposition daf&#252;r der Grund nicht sein kann, suchen sie ihn in Personen und deren unprofessionellem Agieren, im Profilierungsdrang der »Partner«, die oft gegeneinander, mehr noch aber gegen die gemeinsame Sache wirken, auch schon mal diffus in den allgemeinen Zeitl&#228;uften, die ein »ordentliches« Regieren beinahe unm&#246;glich machten.</p>
<p>Den Hauptgrund ihres Niedergangs sowohl als Koalition als auch als einzelne Parteien wollen jedoch weder die Union noch die FDP sehen. Er ist inhaltlich begr&#252;ndet, ergibt sich daraus, dass sie verlernt haben, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und in neue, moderne Konzepte umzusetzen. Ihre Krise ist eine Krise der Programmatik, die weitgehend auf alten Fundamenten stehen geblieben ist und sich neuen Herausforderungen nur ungen&#252;gend zu stellen vermochte.</p>
<p>Dabei gibt es zwischen den Koalition&#228;ren durchaus Unterschiede. Die Union als Volkspartei nimmt das Defizit an moderner L&#246;sungskompetenz deutlicher wahr als die FDP, was sie partiell zu Ver&#228;nderungen f&#228;hig macht. Ihr Problem: Diese Ver&#228;nderungen setzen sich eher spontan durch, als dass sie das Produkt einer gediegenen Gesellschaftsanalyse und darauf fu&#223;ender Ideen w&#228;re. Angela Merkel sp&#252;rt den Wind des Wandels und h&#228;ngt ihr M&#228;ntelchen gern in die Brise, aber sie gestaltet Neues lustlos, als Getriebene, wodurch sie ihre konservativ denkende Partei &#252;berfordert und verwirrt.</p>
<p>Die Folge sind Entt&#228;uschung, Unmut und Abkehr. Sinnvolle Entscheidungen wie zur Unterst&#252;tzung berufst&#228;tiger Frauen, die Aussetzung der Wehrpflicht, die Abschaffung der Hauptschule und vor allem der Atomausstieg nach gerade verf&#252;gter AKW-Laufzeitverl&#228;ngerung sind das Ergebnis &#228;u&#223;eren Drucks, dem die Kanzlerin nicht aus &#220;berzeugung, sondern aus taktischem Kalk&#252;l folgt, ohne bei CDU und CSU daf&#252;r zu werben. Ihr lakonisches »Wenn sich Dinge &#228;ndern, m&#252;ssen wir Antworten finden« verunsichert die konservative Unionsw&#228;hlerschaft noch immer stark auf Adenauer und Kohl fixiert mehr, als dass sie sie beruhigt; sie versteht die Welt nicht mehr.</p>
<p>Die FDP-F&#252;hrung hingegen ist total in den 90er Jahren stecken geblieben, hat ein Dutzend Jahre gesellschaftlicher Entwicklung verschlafen und bringt daher nichts anderes in die Regierungsarbeit ein als Papiere aus dem vorigen Jahrhundert, ein Parteiprogramm sogar aus den 1980er Jahren. Ihre einst auf verschiedenen Feldern durchaus liberale Politik hat sich heute auf kruden Wirtschaftsliberalismus verengt. Wirkte sie fr&#252;her in einer Koalition als Korrektiv gegen&#252;ber manchem &#220;berschwang des gr&#246;&#223;eren Partners, so muss heute ihre Irrationalit&#228;t korrigiert werden. Eine Aufgabe, die die Kanzlerin allerdings vom ersten bis in diese Tage ignorierte und damit selbst zu den Problemen beitrug, mit denen sie heute zu k&#228;mpfen hat.</p>
<p>Beide, CDU/CSU wie FDP, aber haben sich vor allem ungen&#252;gend auf das wachsende Dr&#228;ngen der B&#252;rger auf Teilhabe an den &#246;ffentlichen Angelegenheiten eingestellt. Machtsicherungsrituale, die sich in ihren Augen bew&#228;hrt haben, bestimmen unausrottbar die politische Arbeit von Union und FDP und nicht nur von ihnen. Der W&#228;hlerzulauf zu den Gr&#252;nen, vor allem aber der Berliner &#220;berraschungscoup der Piratenpartei zeigen jedoch, dass die B&#252;rger von den Parteien etwas ganz anders erwarten n&#228;mlich in Inhalt wie Umgang eine weitreichende &#214;ffnung zu ihnen hin.</p>
<pre></pre>
<address>(Ver&#246;ffentlicht in:  Neues Deutschland vom 04. Oktober 2011)</address>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Wie die Zersetzung von Wikileaks organisiert wird</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Sep 2011 17:57:07 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Die Stasi war nicht der erste Geheimdienst und erst recht nicht der letzte, der diese Methode gegen Andersdenkende anwandte. Zersetzung steht im Inventar der Schlapph&#252;te ganz vorn, und wie es scheint, war sie auch bei der Operation Wikileaks wieder erfolgreich. <span id="more-3204"></span>Und das ohne dass es besonderer Kreativit&#228;t bedurfte, denn an der verdeckten Front sind die Assange und Domscheit-Berg eben doch nur Amateure.</p>
<blockquote><p>»Mit der Zersetzung«, so hei&#223;t es im W&#246;rterbuch der Staatssicherheit, »wird durch verschiedene politisch-operative Aktivit&#228;ten Einfluss auf feindlich-negative Personen, insbesondere auf ihre feindlich-negativen Einstellungen und &#220;berzeugungen in der Weise genommen, dass diese ersch&#252;ttert und allm&#228;hlich ver&#228;ndert werden bzw. Widerspr&#252;che sowie Differenzen zwischen feindlich-negativen Kr&#228;ften hervorgerufen, ausgenutzt oder verst&#228;rkt werden.</p>
<p>Ziel der Z. ist die Zersplitterung, L&#228;hmung, Desorganisierung und Isolierung feindlich-negativer Kr&#228;fte, um dadurch feindlich-negative Handlungen einschlie&#223;lich deren Auswirkungen vorbeugend zu verhindern, wesentlich einzuschr&#228;nken oder g&#228;nzlich zu unterbinden bzw. eine differenzierte politisch-ideologische R&#252;ckgewinnung zu erm&#246;glichen &#8230;</p>
<p>Hauptkr&#228;fte der Durchf&#252;hrung der Z. sind die IM. Die Z. setzt operativ bedeutsame Informationen und Beweise &#252;ber geplante, vorbereitete und durchgef&#252;hrte feindliche Aktivit&#228;ten sowie entsprechende Ankn&#252;pfungspunkte f&#252;r die wirksame Einleitung von Z.-Ma&#223;nahmen voraus.</p>
<p>Die Z. hat auf der Grundlage einer gr&#252;ndlichen Analyse des operativen Sachverhaltes sowie der exakten Festlegung der konkreten Zielstellung zu erfolgen. Die Durchf&#252;hrung der Z. ist einheitlich und straff zu leiten, ihre Ergebnisse sind zu dokumentieren.</p>
<p>Die politische Brisanz der Z. stellt hohe Anforderungen hinsichtlich der Wahrung der Konspiration.«</p></blockquote>
<p>Die Methode der Zersetzung kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn offen repressive Ma&#223;nahmen keinen Erfolg versprechen oder aber juristisch wie praktisch nicht m&#246;glich oder zweckm&#228;&#223;ig sind. Sie sollen die als feindlich eingesch&#228;tzte Gruppierung von innen heraus zerst&#246;ren, also zersetzen. Dazu werden die Hauptakteure der Gruppe in geschickter Weise kompromittiert, meist mit schwer widerlegbaren Ger&#252;chten und Unterstellungen ohne politischen Hintergrund; bevorzugt werden finanzielle oder sexuelle Verfehlungen angedeutet. Beliebt ist auch das Sch&#252;ren von Rivalit&#228;ten zwischen einflussreichen Personen innerhalb der Gruppe, meist mit erfundenen, gleichwohl aber nicht unglaubw&#252;rdigen Behauptungen. Ist das Misstrauen erst einmal geweckt, ist es oft ein Leichtes, es durch in die Gruppe geschleuste oder aus ihr herausgeworbene IM zu vertiefen. Am Ende ist die Arbeit der Gruppe vollkommen gel&#228;hmt, sie ist als Gegner des Staates paralysiert.</p>
<p>Mit all diesen Ph&#228;nomenen hat dieser Tage Wikileaks zu k&#228;mpfen, jene Gruppe, die <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wikileaks-Gruender-Wir-haben-alle-Versprechen-gehalten-1337769.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/74327f09ce374ef58166294194161788" alt="" width="1" height="1" />die staatlichen Geheimdienste der Welt, insbesondere die der USA, herausforderte</a> und von diesen schon mal als ein <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1208/tagesthema/0037/index.html" target="_blank">Feind, vergleichbar mit Osama bin Laden</a>, bezeichnet wurde. Das gesamte Arsenal der Zersetzung kann man gewisserma&#223;en exemplarisch an diesen Fall studieren, einschlie&#223;lich seiner Wirkungen, denn Erfolg kann man der Operation nicht absprechen.</p>
<p>Es war gewiss kein Zufall, dass schon kurz nachdem Julian Assange die Ver&#246;ffentlichung Tausender US-Botschaftsdepeschen angek&#252;ndigt hatte, die ersten Vergewaltigungsger&#252;chte auftauchten; seine Empf&#228;nglichkeit f&#252;r amour&#246;se Abenteuer war schlie&#223;lich bekannt, in Zeiten sexueller Freiz&#252;gigkeit aber auch nicht unnormal. Deshalb wohl hielt die schwedische Justiz zun&#228;chst wenig von Ermittlungen, dann aber wurden sie ihr pl&#246;tzlich so wichtig, dass sie Assange international zur Fahndung ausschrieb, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1208/tagesthema/0010/index.html" target="_blank">»in Gesellschaft von russischen Gangstern und mexikanischen Drogenbossen«</a>, wie eine Zeitung schrieb. Nur aus eigenem Antrieb?</p>
<p>Assange stellte sich den britischen Beh&#246;rden und sitzt dort seither in Hausarrest. Das war aber nur der Auftakt, denn der Hauptschlag sollte sich gegen die Organisation selbst richten. Die ersten Ma&#223;nahmen kamen <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1206/politik/0017/index.html" target="_blank">panikartig</a>, erinnerten an die Methoden totalit&#228;rer Regimes in vergleichbaren Situationen und l&#246;sten dadurch in der &#214;ffentlichkeit eher Solidarit&#228;t als die erhoffte Abscheu aus. Es war jene Lage eingetreten, aus der nur noch die Zersetzung von Wikileaks selbst helfen konnte. Und tats&#228;chlich kamen aus der bis dahin total intransparenten Internetplattform schon bald erste Nachrichten &#252;ber interne Auseinandersetzungen. In ihrem Mittelpunkt stand Daniel Domscheit-Berg, Assanges Repr&#228;sentant in Deutschland. Mit dem unbewiesenen Vorwurf, Assange k&#246;nne die Sicherheit der Informationen nicht gew&#228;hrleisten, kopierte er wichtige Dateien und trennte sich mit anderen unter Mitnahme dieser Informationen sowie der Software, &#252;ber die Informanten, die so genannten Whistleblower, Daten an Wikileaks &#252;bermitteln konnten, von der Organisation und ging seither seine eigenen Wege.</p>
<p>Das war allein schon ein schwerer Schlag gegen Wikileaks, ob nun dabei jemand im Hintergrund die F&#228;den zog oder nicht. Doch er l&#228;hmte die Arbeit der Plattform nicht. Denn Assange hielt sich strikt daran, die Botschaftsdepeschen nur nach sachkundiger Begutachtung durch seri&#246;se Journalisten freizugeben. Dazu hatte er Kooperationsvertr&#228;ge mit solchen Redaktionen wie der »New York Times«, dem britischen »Guardian« und dem »Spiegel« abgeschlossen und sich damit auch f&#252;r die amerikanischen Geheimdienste ziemlich unangreifbar gemacht, denn gegen diese Zeitungen konnten sie nur schwer direkt vorgehen. Es galt also, diese Kooperation zu zerst&#246;ren, was bei der »New York Times« und dem »Spiegel« ziemlich ger&#228;uschlos gelang. Denn sie schienen bald das Interesse an dem Material zu verlieren, aus welchen Gr&#252;nden auch immer.</p>
<p>&#220;brig blieb der »Guardian«, das von den Dreien am weitesten links stehende Presseorgan. Einer seiner Reporter, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0903/politik/0048/index.html" target="_blank">David Leigh</a>, zeigte besonderes Interessen an den Botschaftsdepeschen. Im Juli 2010 drang er in stundenlangen Debatten darauf, dass Assange ihm das Passwort nennt, unter dem die US-Botschaftsdepeschen im Netz abgelegt sind. Assange l&#228;sst sich schlie&#223;lich &#252;berreden. Dennoch gelingt es Leigh zun&#228;chst nicht, die Datei zu &#246;ffnen. Noch in der Nacht f&#228;hrt er erneut zu Assange, der ihm weiterhilft. Leigh schilderte das ausf&#252;hrlich in einem Buch; vor allem aber nannte er dort das komplette Passwort, angeblich weil er glaubte, es habe sich um einen tempor&#228;ren, also nur zeitlich begrenzt g&#252;ltigen Code gehandelt – f&#252;r einen investigativ arbeitenden Journalisten eine erstaunlich naive Erkl&#228;rung.</p>
<p>Dennoch wurden die Botschaftsdepeschen vorerst nicht publik, weil ihr Vorhandensein nicht allgemein bekannt war und man deshalb nicht gezielt danach suchte. Geheimdienste unterschiedlicher Couleur d&#252;rften jedoch schon damals auf den Vorgang aufmerksam geworden sein und sich Zugang zu dem Material verschafft haben. Offensichtlich jedoch gab es auch ein Interesse, die Informationen, &#252;ber deren angeblich brisanten Inhalt zwar viel spekuliert wird, aber tats&#228;chlich so gut wie nicht bekannt geworden ist, in die breite &#214;ffentlichkeit zu bringen – um damit m&#246;glicherweise die Unzuverl&#228;ssigkeit von Wikileaks zu belegen. Genau diesen Vorwurf erhob denn auch Daniel Domscheit-Berg, nicht ohne zuvor das seine getan zu haben, um m&#246;gliche Interessenten auf die Spur der Datei mit den Botschaftsdepeschen zu f&#252;hren. Pikant ist dabei, dass Daniel Domscheit-Berg inzwischen offensichtlich direkt mit Geheimdiensten in Kontakt steht. Assange hatte ihm dies seit l&#228;ngerem vorgeworfen, und Domscheit-Berg hatte es stets bestritten. J&#252;ngst jedoch sah man ihn bei einem <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0831/medien/0042/index.html" target="_blank">gemeinsamen Auftritt mit August Hanning</a>, bis 2005 Chef der Bundesnachrichtendienstes und danach Staatssekret&#228;r im Innenministerium.</p>
<p>In der Sache der US-Botschaftsdepeschen gab Domscheit-Berg jedenfalls, als sein Streit mit Assnage eskalierte, kaum verh&#252;llt Hinweise auf Fundort und Passwort. Er nutzte dazu die – ebenfalls linke – <a href="http://www.freitag.de/politik/1134-nerds-ohne-nerven" target="_blank">Wochenzeitung »Freitag«</a>, die er sich als Partner f&#252;r sein Konkurrenzunternehmen Openleaks auserkoren hatte, ohne ihr bisher auch nur eine Information zukommen zu lassen. Jetzt jedoch steckte er dem »Freitag« die <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0902/politik/0027/index.html" target="_blank">Geschichte von den US-Botschaftsdepeschen samt jener mit dem Codewort</a>, das der »Guardian« in Erfahrung gebracht hatte und lie&#223; durchblicken, wie man im Netz beides zusammenf&#252;hren k&#246;nne.</p>
<p>Assange erfuhr von der geplanten Ver&#246;ffentlichung und intervenierte bei »Freitag«-Herausgeber Jakob Augstein, der abwiegelte und auf eine Ver&#246;ffentlichung nur verzichten wollte, wenn Assange selbst sich in seinem Blatt dazu &#228;u&#223;ere, was dieser ablehnte; f&#252;r ihn steht der »Freitag« im Lager seines Gegners Domscheit-Berg. Die drohende Ver&#246;ffentlichung vor Augen, <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,783694,00.html" target="_blank">informierte Assange die US-Regierung</a> &#252;ber die bevorstehende freie Verf&#252;gbarkeit der bisher von Wikileaks unter – allerdings sehr losem – Verschluss gehaltenen Daten. Und nach der Ver&#246;ffentlichung im »Freitag« stellte Wikileaks vergangene Woche selbst <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0903/politik/0017/index.html" target="_blank">den gesamten Datensatz mit 251 287 Botschaftsberichten ins Netz</a>. Assange wollte wohl nicht, dass »sein« Material durch andere verbreitet wird. Zu retten war ohnehin nichts mehr.</p>
<p>F&#252;r all jene, die den freien Fluss von Informationen nur dann guthei&#223;en, wenn er ihnen n&#252;tzt und anderen schadet, ansonsten aber mit einem strenge Kontrollregime die eigenen Daten sch&#252;tzen wollen, war dies der Auftakt zu einer geradezu chorischen Kampagne gegen Wikileaks. All diese Bedenkentr&#228;ger von <a href="http://www.welt.de/print/welt_kompakt/webwelt/article13579738/Wikileaks-ist-tot.html" target="_blank">Rechts</a> bis <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/205910.systematisches-problem.html">Links</a> bedienten sich dazu der <a href="http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/wikileaks-schwere-kritik-an-wikileaks_aid_661619.html" target="_blank">Argumente der US-Administration</a>, die das Bekanntwerden der Informationen als Auftakt zu einem Blutbad skandalisiert. Zwar gibt es daf&#252;r keinerlei Beleg, obwohl die einschl&#228;gigen Dienste schon seit Monaten Zugriff auf das Material haben, aber sie alle beten die Horrorszenarien des State Department, des einzigen Gesch&#228;digten der Wikileaks-Aktion nach. Einige sehen sogar die Whistleblower gef&#228;hrdet, weil deren Klarnamen bekannt w&#252;rden – so als &#252;berreichte man die Daten in einem Briefumschlag, auf dem der Absender steht. Sie aber sind allemal professionell genug, die eigene Identit&#228;t zu verbergen; nicht ohne Grund stie&#223;en die riesigen US-Geheimdienste auf einen der Wikileaks-Informanten trotz intensivster Suche erst dann, als er selbst prahlerisch dar&#252;ber berichtete.</p>
<p>Was die in den Botschaftsdepeschen genannten Namen von Informanten angeht, handelt es sich dabei in ihrer Mehrzahl um <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-09/wikileaks-assange-auftritt/komplettansicht">Zutr&#228;ger der US-Geheimdienste</a>, die in ihren diplomatischen Vertretungen so genannte legale Residenturren unterhaltten, also Strukturen, die der heimlichen Ausforschung des Gastlandes dienen. Es sind inoffizielle Mitarbeiter dieser Geheimdienste, IM, die anderswo nicht gr&#252;ndlich genug enttarnt werden k&#246;nnen, f&#252;r den eigenen Gebrauch aber beinahe zu Helden stilisiert werden. Zu ihnen geh&#246;ren eifrige Plauderer wie ein <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/wikileaksfdp100.html" target="_blank">fr&#252;herer B&#252;roleiter Guido Westerwelles</a>, der die US-Botschaft br&#252;hwarm &#252;ber die Verhandlungen zur Bildung der schwarz-gelben Koalition ins Bilde setzte, aber auch jene <a href="http://www.faz.net/artikel/C32315/westliche-geheimdienste-und-libyen-alte-akten-neue-belastungen-30497509.html" target="_blank">libyschen Geheimagenten</a>, die westliche Dienste wie die CIA oder den britischen MI6 &#252;ber einheimische Oppositionelle informierten und daf&#252;r <a href="http://weltereignisse.blogspot.com/2011/09/gestern-verbundeter-heute-schurke.html" target="_blank">Amtshilfe in ihrem Kampf gegen eben diese Opposition</a> erhielten.</p>
<p>F&#252;r Wikileaks ist die geschilderte Entwicklung ohne Zweifel ein Desaster, mit dem allerdings zu rechen war. Er die einzig verbliebene Supermacht derart herausfordert, musste mit einer entsprechenden Antwort rechnen, auf die die Organisation in keiner Weise vorbereitet war. Sie konnte vorerst nur den K&#252;rzeren ziehen, doch ein Ende der Idee von der Transparenz von Informationen, die von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sind, bedeutet dies keineswegs. Sie ist in der Welt und wird – ungeachtet der Hoffnungen im politischen Establishment – nicht mehr totzukriegen sein. Denn gewiss finden sich immer neue Whistleblower – vielleicht demn&#228;chst auch zur Aufkl&#228;rung der Vorg&#228;nge um die Organisation der Zersetzung von Wikileaks.</p>
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		<title>Wirklich ernst hat Westerwelle seine Libyen-Abstinenz nicht gemeint</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 20:38:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Fast kann einem Guido Westerwelle schon leid tun. Erst ist es ihm gelungen, einen fulminanten Wahlerfolg innerhalb weniger Monate so total zu verspielen, dass er als FDP-Parteivorsitzender und Vizekanzler – v&#246;llig zu Recht – zur&#252;cktreten musste. Nun wackelt auch noch sein Ministersessel; das allerdings wegen einer Entscheidung, bei der ihm nichts vorzuwerfen ist – au&#223;er dass er jetzt unter dem Druck eines bellizistischen Politikverst&#228;ndnisses opportunistisch davon abr&#252;ckte.<span id="more-3191"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Denn die damalige Position des Au&#223;enministers, sich in der UNO einer Resolution zu enthalten, die mit milit&#228;rischen Mitteln in den inneren Konflikt in Libyen einzugreifen beabsichtigte – seinerzeit &#252;brigens<a href="http://www.ftd.de/politik/international/:nato-aktion-in-libyen-westerwelle-will-nicht-in-krieg-gezogen-werden/60024290.html" target="_blank"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/cf811aca4c9b4bd8bc90e8c77add4f42" alt="" width="1" height="1" /> unterst&#252;tzt von der gesamten Bundesregierung</a> – war nicht nur damals v&#246;llig richtig. Sie ist es auch heute noch, weil sich die Geb&#252;hrlichkeit von Au&#223;enpolitik nicht zuerst an ihrem Erfolg oder Misserfolg bemisst, sondern an der Orientierung am internationalen Recht und der in ihm ausgedr&#252;ckten Verantwortung f&#252;r ein gedeihliches Zusammenleben der V&#246;lker.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unter diesem Gesichtspunkt war und ist nicht zu billigen, wenn ein Staat oder eine Staatengruppe sich anma&#223;en, &#252;ber die K&#246;pfe der Menschen in welchem Land auch immer hinweg zu entscheiden, was f&#252;r sie gut oder schlecht ist und davon ausgehend dann auch noch das vermeintlich Gute herbeizubomben. Es ist noch weniger zu billigen, wenn sich diese Politik nassforsch &#252;ber Geist und Buchstaben einer UNO-Resolution hinwegsetzt, indem sie sie so auslegt, dass die eigenen Interessen damit durchgesetzt werden k&#246;nnen – und das dann auch umgehend tut. Das Libyen-Abenteuer der NATO war und ist in diesem Sinne eine <a href="http://www.blogsgesang.de/2011/03/19/westen-eroeffnet-neuen-krieg-in-der-arabischen-welt/" target="_blank">direkte Fortsetzung der Invasionspolitik</a>, wie sie gegen&#252;ber Afghanistan und Irak betrieben wurde; es ist zu erwarten, dass sie ein &#228;hnlich unr&#252;hmliches Ende nimmt. Auch am Hindukusch f&#252;hlte sich die westliche Allianz angesichts anf&#228;nglicher Erfolge schon als Sieger, und im Irak verk&#252;ndete George W. Bush mit stolzgeschwellter Brust, die Mission sei erf&#252;llt. Beides hat sich als Trugschluss erwiesen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Man h&#228;tte erwarten k&#246;nnen, dass der Westen aus diesen beiden Niederlagen lernt und sich k&#252;nftig von einem Denken, das den Krieg als Instrument zur L&#246;sung eines Konflikts nicht nur favorisiert, sondern beinahe als alternativlos erkl&#228;rt, abwendet – aus prinzipiellen Erw&#228;gungen zum Schutz der Menschenrechte, deren oberstes die Erhaltung des Lebens und der k&#246;rperlichen Unversehrtheit ist, und eben der schlechten Erfahrungen wegen. Man hatte gehofft, dass die Entscheidung der Bundesregierung, die fatale UNO-Resolution zu Libyen nicht mitzutragen, aus solchen &#220;berlegungen erwachsen ist und damit ein<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0829/meinung/0043/index.html" target="_blank"> neues Element in die internationalen Beziehungen</a> bringt, das – wie unter anderem die Abstimmung in New York zeigte – eben nicht nur von Russland und China, sondern auch von neuen M&#228;chten wie Brasilien, Indien und S&#252;dafrika angestrebt wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Tats&#228;chlich aber setzte sich in der NATO zun&#228;chst das alte Denken in &#252;berholten Ost-West-Kategorien durch. Und auch die Bundesregierung hat mit ihrem faktischen Abr&#252;cken von der damaligen Entscheidung bewiesen, dass sie damit keine au&#223;enpolitische Innovation im Sinn hatte, sondern einfach nur – in der Endphase wichtiger Landtagswahlk&#228;mpfe – auf die gro&#223;e Mehrheit in der Bev&#246;lkerung reagierte, die eine Kriegsteilnahme deutscher Soldaten in Libyen ablehnte. Dies wird inzwischen als »innenpolitisches Kalk&#252;l« diffamiert; es ist aber ungeachtet der fragw&#252;rdigen Motive der schwarz-gelben Koalition allemal eine bessere Entscheidung als die Unterwerfung deutscher Au&#223;enpolitik unter Interessen, die von Staaten diktiert werden, die noch immer in altem bellizistischem Denken befangen sind. Denn immerhin ging es dabei um die Vermeidung sinnloser Kriegsopfer – und das nicht nur auf deutscher Seite, sondern auch in Libyen selbst, wo nach dem Terror der Gaddafi-Truppen <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0830/meinung/0068/index.html" target="_blank">nun jener der »Sieger« droht</a>, unter den fest verschlossenen Augen der NATO .</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nun mag der Diktator Mohammed al-Gaddafi ein ziemlich ungeeignetes Objekt daf&#252;r sein, einen solchen globalen Paradigmenwechsel zu begr&#252;nden oder gar zu vollziehen, aber auch er ist nicht vom Himmel gefallen, sondern in gewisser Weise <a href="http://www.blogsgesang.de/2011/03/17/lernen-bei-gaddafi/" target="_blank">Produkt langj&#228;hriger westlicher Politik</a>. Als er einst antrat, vertrat er in der &#252;berwiegend feudalistisch gepr&#228;gten arabischen Welt durchaus fortschrittliche Ziele, wollte sein Volk aus den Fesseln mittelalterlicher islamistischer Rituale befreien und am &#214;lreichtum des Landes partizipieren lassen. Damit st&#246;rte er die Kreise nicht nur der arabischen Potentaten, sondern auch der westlichen &#214;lkonzerne – und von beiden wurde er alsbald zum Schurken erkl&#228;rt, was ihn folgerichtig in die Arme des anderen Weltsystems trieb. Gaddafi lehnte sich fortan an die sozialistischen L&#228;nder an, was den westlichen Zorn auf ihn noch verst&#228;rkte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nat&#252;rlich erkannte der junge Herrscher schnell die M&#246;glichkeiten, die ihm die &#246;stliche R&#252;ckendeckung bot. Er vergalt dem Westen manche fr&#252;here Dem&#252;tigung, provozierte ihn mit brutalen Terrorakten und konnte sich dabei immer auf den Schutz aus dem Osten verlassen, der ihn auch milit&#228;risch aufr&#252;stete. Als sich nach 1989 diese Situation abrupt wandelte, verstand es Gaddafi, sich schnell dem Westen anzudienen, ihm den Zugriff auf das libysche &#214;l zu erm&#246;glichen und gleichzeitig westliche Erwartungen hinsichtlich der Unterbindung von Fl&#252;chtlingsstr&#246;men effizient zu erf&#252;llen; daf&#252;r nahmen sie ihn nun – wenn auch widerwillig – in den Kreis ihrer Verb&#252;ndeten auf, einschlie&#223;lich der Versorgung mit Kriegsmaterial. Die Waffen, die jetzt durch ausgedehnte Luftschl&#228;ge zerst&#246;rt wurden, stammten zwar nicht nur, aber doch zu einem wesentlichen Teil aus westlicher Produktion.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sie hofierten ihn derart, dass er glaubte, sich weiterhin dem&#252;tigende Symbolhandlungen erlauben zu k&#246;nnen, was die Geduld seiner neuen Freunde arg strapazierte. So nahm es nicht wunder, dass sie die erste beste Gelegenheit ergriffen, sich seiner zu entledigen, ohne sich freilich daf&#252;r zu interessieren, was sein Volk dar&#252;ber dachte. Viele Libyer waren zwar seiner auch l&#228;ngst &#252;berdr&#252;ssig, zumal das anf&#228;ngliche Bem&#252;hen um sozialen Ausgleich l&#228;ngst der Anh&#228;ufung von Reichtum bei einer kleinen, ihm treu ergebenen Kaste untergeordnet worden war, verbunden mit der brutalen Verfolgung jeder Kritik. Das hat den Osten wie auch lange den Westen nicht interessiert. Der Widerstand gegen Gaddafi war nicht erst seit j&#252;ngstem im Volk verwurzelt, aber nat&#252;rlich bedeutet dies keine Unterordnung unter westliche Interessen und Erwartungen, im Gegenteil. Und schon gar nicht sagt es etwas dar&#252;ber, wie die verschiedenen politischen Kr&#228;fte in Libyen sich die Zukunft ihres Landes vorstellen; hier wird der Westen demn&#228;chst noch manche &#220;berraschung erleben. Und sp&#228;testens dann d&#252;rfte sich r&#228;chen, dass altes, &#252;berholtes Denken in den Kategorien des Krieges Ma&#223;stab westlichen Handelns war. Und dass auch der deutsche Au&#223;enminister seine Libyen-Abstinenz nicht wirklich ernst gemeint hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>FDP auf Normalma&#223; zur&#252;ckgestutzt</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 18:10:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint<span id="more-2693"></span>, im Abgang noch Bedingungen stellen zu k&#246;nnen; er wird lernen m&#252;ssen, dass gerade in seiner »Partei der Leistungstr&#228;ger« nichts so sehr z&#228;hlt wie der Erfolg und nichts so vernichtend ist wie Verluste an der Wahlurne.</p>
<p>F&#252;r die Partei als Ganzes jedoch ist Westerwelle nur insofern ein Problem, als er als ihr Vorsitzender jene inhaltliche Ausrichtung der Partei erdachte und durchsetzte, die sie jetzt an den Rand des Abgrunds f&#252;hrte. Diese Ausrichtung haben freilich alle ihre Funktion&#228;re zumindest klaglos, meist aber begeistert mitgemacht – ganz vorn jene, die sich jetzt auch wieder danach dr&#228;ngen, den wuchtigsten Schlag gegen den Ex-Chef zu f&#252;hren. Auch <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/fdp-trio-lindner-roesler-bahr-die-boygroup-der-liberalen-1671025.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c5eddb7fa917495a91fe82c435ded144" alt="" width="1" height="1" />jene, die jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen sollen</a>, waren mit Kritik am Vorsitzenden nie aufgefallen, im Gegenteil verteidigten sie ihn stets wortreich. Sie haben konzeptionell auch nichts anderes auf der Pfanne als ihr zur&#252;ckgetretener Vormann; auch deshalb hat wohl keiner von ihnen Lust, sich ins Geschirr zu h&#228;ngen. Denn ohne <a href="http://www.morgenweb.de/meinung/kommentar/20110404_mmm0000001473637.html" target="_blank">inhaltliche Umorientierun</a>g der Partei ist der Misserfolg jedes k&#252;nftigen FDP-Chefs vorprogrammiert. Diese inhaltliche Umorientierung jedoch ist nicht in Sicht; sie f&#228;nde in der heutigen  FDP auch keine Mehrheit; insofern hat Guido Westerwelle ganze Arbeit geleistet und seine Partei in ein auswegloses Dilemma gef&#252;hrt.</p>
<p>Eine Partei der Wirtschaft und der Banken war die FDP schon immer, doch konnte sie das in der Vergangenheit nicht selten dadurch in den Hintergrund treten lassen, dass sie den erkl&#228;rten Liberalismus eben nicht nur als freie Bahn f&#252;rs Geldmachen verstand, sondern auch als W&#228;chteramt &#252;ber die B&#252;rgerrechte und als Philosophie von Chancengleichheit, was in gewissen Grenzen sogar das Soziale im Blick behielt. Diese Linie, die die FDP auch f&#252;r andere als »Besserverdienende« w&#228;hlbar machte, sicherte nicht nur ihre parlamentarische Existenz in mehr als 60 Jahren Bundesrepublik, sondern machte sie auch immer wieder regierungsf&#228;hig, lange sogar im B&#252;ndnis mit der SPD. Damit jedoch haben Genscher und Lambsdorff durch ihren &#220;bertritt 1982 zu Helmut Kohl und dann die Kinkel, die Gerhardt und letztlich Westerwelle Schluss gemacht. Vor allem letzterer legte seine Partei voll und ganz auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs fest, sah sich dergestalt sogar als Korrektiv zur anderen Wirtschaftspartei CDU/CSU, der er den vorg3eblichen »Sozialdemokratismus« austreiben wollte.</p>
<p>Von dieser Position kommt die FDP so schnell nicht weg. Geradezu exemplarisch ist daf&#252;r das kollektive Schaudern fast aller ihrer F&#252;hrungsleute, als in der Westerwelle-Nachfolge-Debatte der Name Leutheusser-Schnarrenberger fiel. Der von der Justizministerin vertretene Liberalismus ist der heutigen FDP-Garde zutiefst fremd; selbst wenn sie es wollte, w&#228;re sie nicht in der Lage, ihn glaubw&#252;rdig zu vertreten.  Untergehen muss sie deswegen jedoch nicht. Die »Besserverdienenden« bleiben nat&#252;rlich ihre treue W&#228;hlerklientel. Sie misstrauen allen anderen Parteien mit ihrer mehr oder weniger ausgepr&#228;gten sozialen Ader – selbst der Union, bei der diese weitgehend verk&#252;mmert ist. Sie werden die FDP immer w&#228;hlen und mitunter von jenen verst&#228;rkt werden, die hoffen und glauben, selbst auch einmal in diese Kategorie aufzusteigen. Besonders in krisenhaften Zeiten werden die einfachen Botschaften  &#8211; wie »Steuern runter!« oder »Weniger Staat!« &#8211; gern geh&#246;rt; darauf beruhte letztlich der paradoxe Wahlerfolg der FDP 2009. Paradox deshalb, weil es ja gerade die von der FDP kolportierten Parolen von der Entfesselung der M&#228;rkte und der Finanzbranche waren, die bei der Krise im Jahr zuvor Pate gestanden hatten. Die Illusion trug nur wenige Monate und ist jetzt restlos aufgebraucht – eine Warnung &#252;brigens auch an andere Parteien mit hochfliegenden Wahlresultaten – die aus anderer Krisenverunsicherung herr&#252;hren –  und daraus leicht entstehenden Hochgef&#252;hlen.</p>
<p>Die FDP ist auf ihr Normalma&#223; zurechtgestutzt. Bei Bundestagswahlen erreichte sie zumeist  Ergebnisse um die sieben oder acht Prozent, nur f&#252;nfmal schnitt sie zweistellig ab, was aber nie Bestand hatte. Ihr niedrigstes Resultat lag knapp unter sechs Prozent; dort etwa w&#252;rde sie sich wohl derzeit einpegeln, vielleicht auch etwas niedriger wegen des Westerwelle-Faktors. Von besonderer Bedeutung f&#252;r die deutsche Politik ist das nicht, weshalb auch Angela Merkel  nicht in Panik ausbricht. Nach dem, was die Demoskopie derzeit verbreitet, hat sie mit der SPD auch k&#252;nftig einen sicheren Juniorpartner – und im &#252;brigen sind sie und ihre Partei l&#228;ngst dabei, die Gr&#252;nen ins eigene Lager zu locken. Mit gar nicht so schlechten Erfolgsaussichten.</p>
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		<title>W&#228;hler bestrafte Hochmut der CDU – und der SPD</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 18:29:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Dass die CDU in Baden-W&#252;rttemberg und – etwas weniger deutlich – auch in Rheinland-Pfalz vom W&#228;hler kr&#228;ftig abgestraft wurde, ist nicht zu leugnen. Aber auch die SPD, die sich – wie auf der anderen Seite die rheinland-pf&#228;lzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Kl&#246;ckner – realit&#228;tsfern als Wahlsieger geriert, muss noch immer f&#252;r ihre unsoziale Politik der Schr&#246;der- [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Dass die CDU in Baden-W&#252;rttemberg und – etwas weniger deutlich – auch in Rheinland-Pfalz vom W&#228;hler kr&#228;ftig abgestraft wurde, ist nicht zu leugnen. Aber auch die SPD, die sich – wie auf der anderen Seite die rheinland-pf&#228;lzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Kl&#246;ckner – realit&#228;tsfern als Wahlsieger geriert, muss noch immer f&#252;r ihre unsoziale Politik der Schr&#246;der- und M&#252;ntefering-&#196;ra bezahlen.<span id="more-2659"></span>Wenn sie jetzt in Mainz trotz Verlusten von fast zehn Prozent weiterregieren und in Stuttgart trotz des dortigen schlechtesten Ergebnisses &#252;berhaupt in die Regierung schl&#252;pfen kann, hat sie das allein den Gr&#252;nen zu verdanken, den einzigen Siegern des heutigen Wahlabends.</p>
<p>Aber nat&#252;rlich wiegt der Einbruch von CDU und FDP in Baden-W&#252;rttemberg schwerer, auch wenn um dessen wahren Grund die systemnahen Medien zumeist einen gro&#223;en Bogen machen. In ihren schon vor dem heutigen Wahltag vielf&#228;ltig formulierten Abges&#228;ngen auf die Kanzlerin und ihrer Koalition entwickelten sie entweder<a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Wahlen-Atom-Libyen-Merkels-haerteste-Pruefung-id4466518.html" target="_blank"> abenteuerliche Katastrophentheorien</a><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/a67d777f6f784933848b990422eec625" alt="" width="1" height="1" /> – so als seien ein unvorhersehbares politisches Erdbeben und gleich darauf noch ein Tsunami &#252;ber Schwarz-Gelb gekommen – oder versuchten sich in <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0326/politik/0009/index.html" target="_blank">amateurhaften psychologischen Befunden</a> &#252;ber die doch so bedauernswerte Kanzlerin. Dass es tats&#228;chlich die verfehlten Inhalte der schwarz-gelben Politik und ein voluntaristisches Herangehen an die aktuellen Probleme, das objektive Bedingungen wie subjektive Befindlichkeiten in der Bev&#246;lkerung arrogant ausblendete, waren, die zum Desaster f&#252;hrten, lie&#223; sich so elegant verschleiern.</p>
<p>Die schwerste Hypothek hatte sich die Regierung mit dem Beschluss zur Verl&#228;ngerung der Laufzeiten f&#252;r Atomkraftwerke aufgeladen. Der sich immer st&#228;rker abzeichnende Super-GAU in Japan war eben nicht – wie einige Atombef&#252;rworter mit Altbundeskanzler Helmut Kohl an der Spitze jetzt schon wieder verk&#252;nden – ein bl&#246;der Zufall zur falschen Zeit, sondern die gesetzm&#228;&#223;ige Folge einer Politik, die um des Profits von Wirtschaftsunternehmen willen latente Gefahren klein redet und am Ende – gerade in Japan kann man das jetzt mit erschreckender Deutlichkeit sehen – die Gesellschaft auf den Folgen ihres im Grunde kriminellen Tuns sitzen l&#228;sst. Hinter der Desinformationsparole von der »Br&#252;ckentechnologie« und der noch viel gr&#246;&#223;eren L&#252;ge vom »Moratorium« sollte und soll verborgen werden, dass es nur um Milliardengewinne geht und nicht nur die Meinungen, sondern auch die lebenswichtigen Interessen der Menschen deshalb nassforsch missachtet werden.</p>
<p>Ein anderes Beispiel f&#252;r die Abgehobenheit der Bundesregierung ist der Afghanistankrieg, gegen den es seit Beginn eine Mehrheit im Volk gibt, die jedoch ebenfalls total ignoriert wird. Vielmehr unternahm es der inzwischen an anderen Verfehlungen gescheiterte Verteidigungsminister zu Guttenberg, unter Aufbietung aller nur zur Verf&#252;gung stehenden Propagandakompanien, Krieg f&#252;r Deutsche wieder salonf&#228;hig zu machen. Zwar hat die Koalition jetzt auf einige ihrer kl&#252;geren Berater geh&#246;rt und den Afghanistan-Fehler in Libyen nicht wiederholt, doch selbst diese positive Entscheidung verstand sie dadurch zu entwerten, dass sie daf&#252;r das Engagement am Hindukusch verst&#228;rkte. Und sie trieb zugleich die Kriegsfraktion&#228;re in der CDU/CSU aus der Deckung – jene, die noch heute einer Angela Merkel nachtrauern, die 2003 gern mit George W. Bush in den Irakkrieg gezogen w&#228;re, weil sie zum einen Gewalt – ob im Innern (siehe das Vorgehen gegen die Stuttfart-21-Gegner) oder nach au&#223;en (wie jetzt gegen&#252;ber Libyen) – f&#252;r ein probateres Mittel der Politik  als die Suche nach Ausgleich und friedlichen Konfliktl&#246;sungen halten und zum anderen deutsche Politik noch immer in einer Satelittenrolle sehen – lange fixiert auf die USA, nun auch auf andere; in jedem Falle ohne Sinn und Klugheit dieser Politik auch nur zu hinterfragen.</p>
<p>Weitere Beispiele, wie weit Schwarz-Gelb im Grunde von Denken der B&#252;rger entfernt ist, lieferten das sture Festhalten am Stuttgarter Bahnhofsbau, das die Bundeskanzlerin am Ende sogar zu ihrer Sache erkl&#228;rte, und die am gr&#252;nen Tisch zusammengebastelte Hartz-IV-Korrektur nach der R&#252;ge des Bundesverfassungsgerichts, die sich nicht am Bedarf von Arbeitslosen, sondern an der Kassenlage des Bundes orientierte. Auch Freiherr zu Guttenbergs arroganter Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer und sein v&#246;lliges Unverst&#228;ndnis f&#252;r die Forderungen nach einem ehrlichen, anst&#228;ndigen Umgang mit eigenen Verfehlungen geh&#246;ren in diese Reihe. Und erst heute hat einer der neuen Minister des Kabinetts Merkel ein weiteres Beispiel f&#252;r regierungsamtlichen Hochmut geliefert. Nicht etwa <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/1421531/" target="_blank">Innenminister Hans-Peter Friedrich</a> hat nach seiner Auffassung mit seinem Wort, dass der Islam nicht zu Deutschland geh&#246;re, die Gesellschaft gespalten, sondern jene, die ihn daf&#252;r kritisierten.Seine &#196;u&#223;erung sei dazu benutzt worden, »einen Keil zu treiben zwischen den Muslime und mich. Und das zeigt mir eigentlich, dass die, die mich so scharf kritisiert haben, eigentlich nur ein Ziel hatten, n&#228;mlich zu spalten und nicht zusammen zu f&#252;hren.« Und Julia Kl&#246;ckner, die das zweitschlechteste Resultat ihrer Partei in Rheinland-Pfals ohne rot zu werden ein »wunderbares Ergebnis« nennt, will sich offensichtlich in die Front der Wirklichkeitsverweigerer der Union  nahtlos einreihen.</p>
<p>Die SPD steht der CDU in dieser Frage freilich wenig nach, wie vor allem Andrea Nahles&#8217; Siegeseuphorie angesichts niederschmetternder Stimmergebnisse zeigt.. Sie hat nicht begriffen oder will nicht begreifen, dass die Abkehr der W&#228;hler, die jetzt massiv die Union erlebt, bei ihr schon lange aingesetzt hat und auch heute nicht gestoppt werden konnte; in Rheinland-Pfalz hat sie jetzt erst richtig Fahrt aufgenmmen. Beide so genannte Volksparteien waren und sind nicht das Opfer schicksalhafter politischer Katastrophen, sondern  bewusst betriebenen Regierungshandeln, das zunehmend glaubt, sich &#252;ber die B&#252;rger hinwegsetzen und allein nach den eigenen, interessengeleiteten Ma&#223;st&#228;ben handeln zu k&#246;nnen. Dass – wie zuvor schon Schr&#246;der und M&#252;ntefering – Angela Merkel und Guido Westerwelle, ihre schwarz-gelben Koalition&#228;re und die hinter ihnen stehenden, nach weiteren Milliarden gierenden Wirtschaftsbosse damit nicht durchgekommen sind, ist das wichtigste Resultat des heutigen Wahltages.</p>
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		<title>Westen er&#246;ffnet neuen Krieg in der arabischen Welt</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 17:39:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Wieder einmal haben die westlichen Milit&#228;rm&#228;chte ein politisch-strategisches Ziel, n&#228;mlich die Beseitigung des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, h&#246;her gestellt als den von ihnen behaupteten Schutz der Bev&#246;lkerung vor Tod und Zerst&#246;rung. Denn eine Folge der nun begonnenen Luftschl&#228;ge gegen libysche Ziele ist schon jetzt absehbar: Die gr&#246;&#223;ten Opfer wird wieder einmal die Zivilbev&#246;lkerung bringen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wieder einmal haben die westlichen Milit&#228;rm&#228;chte ein politisch-strategisches Ziel, n&#228;mlich die Beseitigung des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, h&#246;her gestellt als den von ihnen behaupteten Schutz der Bev&#246;lkerung vor Tod und Zerst&#246;rung. Denn eine Folge der nun begonnenen Luftschl&#228;ge gegen libysche Ziele ist schon jetzt absehbar: Die gr&#246;&#223;ten Opfer wird wieder einmal die Zivilbev&#246;lkerung bringen<span id="more-2556"></span> – und zwar sowohl durch den <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752000,00.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/bc7cbb0f89fc47c0b5b00ecaa4e63d6d" alt="" width="1" height="1" />Abwehrkampf des Gaddafi-Regimes</a> als auch durch die westlichen Bomben und Raketen. Schon hat eine<a href="javascript:void(0);" target="_blank"> Fluchtwelle aus Bengas</a>i eingesetzt, und man darf gespannt sein, inwieweit die europ&#228;ischen Menschenrechtsverfechter &#252;ber Krokodilstr&#228;nen zu »Kollateralsch&#228;den« hinaus diesen Fl&#252;chtlingen tats&#228;chlich helfen werden.</p>
<p>Diese Perspektive war es wohl, die Deutschlands Au&#223;enminister Guido Westerwelle ein Nein zur Milit&#228;rintervention sagen lie&#223;. Er scheint angesichts des ungel&#246;sten afghanischen Dilemmas keine Neigung zu haben, die Bundeswehr in ein weiteres Abenteuer zu f&#252;hren – in ein Abenteuer nicht nur ungewissen, sondern sehr gewissen Ausgangs, n&#228;mlich eines weiteren auf Jahre schwelenden Kriegsherds in der islamisch gepr&#228;gten Region. Denn man mag derzeit mit den Bombenabw&#252;rfen bei einer kleinen, nur schwer identifizierbaren Gruppe im Raum um Bengasi, der bei Experten als eine Art Hochburg der Moslembr&#252;der gilt, Beifall finden; schon bald, wenn sich der Krieg ausweitet und immer mehr Opfer fordert, wird er nach Afghanistan und Irak als weiterer Beleg des westlichen Kampfes gegen den Islam verstanden werden.</p>
<p>Westerwelle hat – vielleicht mit einem n&#252;chternen und nicht kriegsversessenen Verteidigungsminister an seiner Seite – wohl auch in Rechnung gestellt, dass Gaddafi – so wie er seine offensichtlich nicht demoralisierten Truppen gegenw&#228;rtig gegen die Aufstandsbewegung in Stellung bringt – kein leicht zu schlagender Gegner ist. Nicht zuletzt wegen seiner Bewaffnung, die ihm auch westliche Staaten bis in die j&#252;ngste Zeit bereitwillig zur Verf&#252;gung stellten, um von seinem &#214;lreichtum und der Repression gegen nach Europa dr&#228;ngende afrikanische Armutsfl&#252;chtlinge zu profitieren. Einlenken, um sich entmachten zu lassen, wird Gaddafi nicht, und so sind neben den zivilen und milit&#228;rischen Opfern in Libyen auch Verluste bei den Angreifern vorprogrammiert. Und sollte es ihm gar gelingen, den Luftangriffen zu widerstehen, w&#252;rden die Hardliner um Sarkozy und Cameron fr&#252;her oder sp&#228;ter den Einsatz von Bodentruppen beschlie&#223;en m&#252;ssen, wollen sie nicht als gedem&#252;tigte Verlierer des Waffengangs in Libyen dastehen.</p>
<p>Mit politischer Vernunft hat all dies nichts zu tun, und mit dem Willen der V&#246;lker der Kriegstreiber, die sich allesamt mehrheitlich gegen einen Kriegseinsatz aussprachen, schon gar nicht. Die Entwicklung entspricht freilich den objektiven Mechanismen kapitalistischer Politik, die nichts sch&#228;rfer im Auge hat als die f&#252;r eine expandierende Wirtschaft erforderlichen Rohstoffressourcen, und zu denen Wachstumsgesetze geh&#246;ren, die sich eben auch auf die R&#252;stungswirtschaft erstrecken; von Zeit zu Zeit m&#252;ssen neue Waffen nicht nur erprobt, sondern die alten auch verbraucht werden, um die Produktion anzukurbeln und damit den Profit sicherzustellen.</p>
<p>Ein besonderes Kapitel im libyschen Drama ist die Haltung Russlands und Chinas, die – f&#252;r viele &#252;berraschend – der neuen milit&#228;rischen Intervention des Westens nichts in den Weg legten, selbst sich aber in keiner Weise engagierten. Auch sie kennen aus eigener Anschauung die milit&#228;rische Potenz des fr&#252;heren Verb&#252;ndeten und finden es m&#246;glicherweise n&#252;tzlich, wenn sich der Westen einmal mehr an der islamischen Front verk&#228;mpft; an je mehr Kriegsschaupl&#228;tzen der Westen weltweit gebunden ist, desto weniger kann er in Moskauer und Pekinger Einflusssph&#228;ren aktiv werden. Man mag ein solches Denken zynisch finden, es entbehrt aber auch nicht eines gewissen realpolitischen Sinns und ist nebenbei nicht zynischer als das Verhalten von USA und EU gegen&#252;ber den Revolution&#228;ren in Bahrain oder Jemen, die von ihren reaktion&#228;ren Herrschern gerade gnadenlos zusammengeschossen werden – unter den Augen jener, die genau das gleiche Vorgehen Gaddafis in seinem Land mit Bomben beantworten.</p>
<p>Eine erkennbare Spur in den Geschichtsb&#252;chern d&#252;rfte Westerwelle mit seinem Z&#246;gern vor Kriegsabenteuern noch nicht hinterlassen haben; dazu bedarf es ohne Zweifel weitergehenden Engagements, um westliche Politik weg von der favorisierten Nutzung milit&#228;rischer Mittel und wieder hin zu diplomatischen Aktionen zu f&#252;hren. Angesichts der Kriegsbegeisterung vieler <a href="http://www.faz.net/s/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C/Doc~E33040E0E2FD24D9CB176C0A154818900~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Politike</a>r und <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/libyen-westerwelle-und-deutschlands-enthaltung-der-krisen-profileur-1.1074028" target="_blank">Medien</a> ist dies allerdings eine Herkulesaufgabe, an der schon der »Friedensnobelpreistr&#228;ger« Obama scheiterte. Nach wie vor bestimmen nicht dessen Friedensversprechungen, sondern die Rambopolitik eines George W. Bush die internationale Szene. Phantasielos wie er rufen die meisten westlichen Staaten zuerst nach dem Milit&#228;r, wenn Konflikte ausbrechen, und nicht nach dem Verhandlungstisch. Sie bringen die Welt damit nicht weniger in Gefahr als die Verfechter der Atomenergie, die auch zuerst auf den eigenen Vorteil sehen – und nicht auf das Wohl der Menschheit.</p>
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		<title>Lernen bei Gaddafi</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 17:47:11 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[(pri) Heimlich, still und leise ist die westliche Politik in der arabischen Welt zu ihrer alten Linie der Unterst&#252;tzung ihr genehmer Despoten zur&#252;ckgekehrt, verbirgt das jedoch schamhaft hinter wortgewaltigen Erkl&#228;rungen gegen Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi, den sie freilich schon immer f&#252;r einen Schurken gehalten hatte. &#196;hnlich lautstarke Emp&#246;rung gegen Bahrains K&#246;nig Hamad Bin Isa al [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Heimlich, still und leise ist die westliche Politik in der arabischen Welt zu ihrer alten Linie der Unterst&#252;tzung  ihr genehmer Despoten zur&#252;ckgekehrt, verbirgt das jedoch schamhaft hinter wortgewaltigen Erkl&#228;rungen gegen Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi, den sie freilich schon immer f&#252;r einen Schurken gehalten hatte.  &#196;hnlich lautstarke Emp&#246;rung gegen Bahrains K&#246;nig Hamad Bin Isa al Khalifa, der gerade den Aufstand in seiner Hauptstadt Manama blutig niederschlug, ist nicht zu h&#246;ren<span id="more-2551"></span> – und auch nicht, dass da fremde Truppen aus Saudi-Arabien mit am Werke waren; bei Gaddafi hatte man den Einsatz von S&#246;ldnern noch als besonders verabscheuungsw&#252;rdig bezeichnet. Jemens nicht weniger zimperlicher Herrscher wird ebenfalls kaum gescholten – und schon gar nicht Saudi-Arabien, das nach dem Sturz der Despoten in  Tunesien und &#196;gypten alles tut, um weitere demokratische Entwicklungen im arabischen Raum nicht zuzulassen.</p>
<p>Nur Gaddafi w&#228;re man gern losgeworden, war der doch zu unberechenbar vor allem angesichts seines &#214;lreichtums. Nie konnte sich der Westen bei diesem bizarren Diktator sicher sein, dass er sich nicht nur gegen sein Volk, sondern auch gegen die Interessen der Erd&#246;lkonzerne und die Regierungen von deren Mutterl&#228;ndern wenden w&#252;rde. Es besteht kein Zweifel, dass der <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0225/seite3/0001/index.html" target="_blank"><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/fedc8e2c1d1e4271b01a31ecc0cf81fe" alt="" width="1" height="1" />einstige fortschrittliche Revolution&#228;r</a>, der seine Vorbilder in Algeriens Ben Bella und &#196;gyptens Gamal Abdel Nasser sah, bei den kruden Theorien aus seinem »Gr&#252;nen Buch« niemals viel mit Demokratie und Meinungsfreiheit im Sinn hatte, aber andererseits doch sorgf&#228;ltig darauf achtete, dass die Stammesgegens&#228;tze in den weitl&#228;ufigen W&#252;stenland nicht eskalierten  und das  Volk in gewisser Weise am &#214;lreichtum partizipieren konnte. Auch dem Islam verordnete er ein anderes, weniger gewaltt&#228;tiges Gesicht, was ihn den Fundamentalisten verhasst machte; Bilder aus dem heutigen Libyen jedenfalls zeigen ganz selbstverst&#228;ndlich Frauen als Lehrerinnen, Schuldirektorinnen, in der Verwaltung. Die bevorzugten Freunde des Westens, die &#214;lscheicht&#252;mer mit Saudi-Arabien an der Spitze, sind davon in der Regel weit entfernt.</p>
<p>Dennoch reichten den Libyern die immer wieder versprochenen, aber kaum realisierten Reformen nicht aus; sie trugen ihre Ungeduld auf die Stra&#223;e. Dazu kamen die zwar kaschierten, aber nie &#252;berwunden Stammesgegens&#228;tze, die vor allem im Osten des Landes, um Bengasi, den Umsturz so erfolgreich machten.  Dass es Gaddafi dennoch gelang, die Entwicklung hin auf seine Entmachtung zu stoppen und umzukehren, ist allein mit dem<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/der-westen-will-den-voelkermord-nicht-verhindern/3962012.html" target="_blank"> brutalen Vorgehen seiner Soldaten</a> nicht zu erkl&#228;ren, zumal es die in westlichen Medien oft schon als Tatsache hingestellten Massaker offensichtlich nicht gab. Eher halfen ihm dabei die schweren und wirksamen Waffen, die ihm aus den USA und den EU-Staaten, aber auch aus Russland gegen gutes Geld wahrend der letzten Jahre geliefert wurden. Und dazu genie&#223;t er wohl doch noch eine gewisse Unterst&#252;tzung in seinem Volk; wie sonst w&#228;re der schnelle Vormarsch zu erkl&#228;ren gewesen.</p>
<p>Wieder einmal zeigt sich, wie sehr eine stark ideologisch gepr&#228;gte Bewertung objektiver Sachverhalte in die Irre f&#252;hrt. Wenn schon unsere guten Freunde Ben Ali in Tunesien und Mubarak in &#196;gypten nicht mehr zu halten sind, dann darf noch viel weniger der »verr&#252;ckte« Gaddafi im Amt bleiben. Darauf konzentrierte man sich – an vorderster Stelle Frankreich, das dem Libyer gerade noch ein Atomkraftwerk in die W&#252;ste stellen, ihn nun aber m&#246;glichst schnell wegbomben wollte. Deutschland verhielt sich zur&#252;ckhaltender; selbst einem Westerwelle muss man hier Besonnenheit und das Bedenken der Folgen hoch anrechnen – zumal in den Medien schon die Kriegstrommel geschlagen wurde (und nach dem absehbaren Debakel dann die Trompete geblasen worden w&#228;re, man habe es ja schon immer gewusst).</p>
<p>Neben der Verhinderung demokratischer Entwicklungen in Libyen selbst hat Gaddafis Vorgehen freilich auch andere Diktatoren ermutigt, sich nicht so leicht zur Seite schieben zu lassen. Sie haben von ihm gelernt, dass man sich nur ohne viele Skrupel an seine Macht klammern muss, um vielleicht doch zu &#252;berleben. Bahrains K&#246;nig gelang das allerdings nicht wie Gaddafi aus eigener Kraft, sondern er brauchte daf&#252;r  <a href="http://www.n-tv.de/politik/Bahrain-steckt-in-Sackgasse-article2876201.html" target="_blank">ausl&#228;ndische Interventionstruppen</a>, was die westlichen L&#228;nder aber nicht st&#246;rte. Und wie andere den Widerstand ihrer V&#246;lker brechen, wird man sehen. Dass sie, wenn sie nicht gerade Gaddafi oder Ahmadinedschad hei&#223;en, vom Westen nicht viel zu bef&#252;rchten haben, wissen sie jetzt. Die kurze Phase der Verunsicherung &#252;ber die Entwicklungen in Arabien ist vorbei. Jetzt wei&#223; man wieder, zu wem man stehen muss – n&#228;mlich zu denen, zu denen man schon immer gehalten hat.</p>
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		<title>Europa duldet Medienzensur in Ungarn</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Dec 2010 19:57:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn in diesen Tagen von Ungarn die Rede ist, dann nur indirekt wegen dessen Vorr&#252;cken in die EU-Pr&#228;sidentschaft am 1. Januar n&#228;chsten Jahres. Ganz direkt aber, weil das Land dabei ist, hinsichtlich Medienfreiheit in finsterste Zeiten zur&#252;ckzufallen – so weit, dass manche schon sagen, dort entstehe neben Wei&#223;russland eine zweite Diktatur auf europ&#228;ischen Boden. Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn in diesen Tagen von Ungarn die Rede ist, dann nur indirekt wegen dessen Vorr&#252;cken in die EU-Pr&#228;sidentschaft am 1. Januar n&#228;chsten Jahres. Ganz direkt aber, weil das Land dabei ist, hinsichtlich Medienfreiheit in finsterste Zeiten zur&#252;ckzufallen <span id="more-2152"></span>– so weit, dass manche schon sagen, dort entstehe neben Wei&#223;russland eine <a href="http://www.euractiv.de/sicherheit-und-verteidigung/artikel/asselborn-kritik-an-barroso-und-van-rompuy-004124" target="_blank"><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/3375f61e527643ac987013cab1f52ef5" alt="" width="1" height="1" />zweite Diktatur auf europ&#228;ischen Boden</a>. Es f&#228;llt damit auch weit zur&#252;ck hinter die erhabensten Stunden seiner eigenen Geschichte, geh&#246;rte doch die Forderung nach Presse- und Meinungsfreiheit zu den vorrangigen Zielen des ungarischen Aufstandes von 1956, der damals blutig niedergeschlagen wurde, was aber nicht verhinderte, dass noch lange danach die deutschsprachige »Budapester Rundschau« in der DDR zu jenen Bl&#228;ttern z&#228;hlte, aus denen man etwas mehr als aus den heimischen Medien zur Lage in der Welt erfahren konnte.</p>
<p>Das alles wird nun mutwillig zerst&#246;rt, weil eine vom ungarischen Volk mit der <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,736136,00.html" target="_blank">Zwei-Drittel-Mehrheit ausgestattete Partei</a>, enge Freunde der hiesigen Unionsparteien, es f&#252;r angebracht h&#228;lt, zu eigenen Machtsicherung die Medienfreiheit zu beseitigen und eine <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-12/ungarn-mediengesetz-orban" target="_blank">Pressezensur</a>, &#228;hnlich jener in Zeiten eines Mátyás Rakosi, einzuf&#252;hren. Was in der DDR das Presseamt beim Ministerrat und die Agitationskommission des SED-Zentralkomitees waren, wird in Ungarn in einer einzigen Beh&#246;rde zusammengefasst, die Verfassungsrang erh&#228;lt und nur dem Regierungschef verantwortlich ist. Sie produziert k&#252;nftig die Nachrichten, die alle Zeitungen zu ver&#246;ffentlichen haben. Und sie allein bestimmt, ob Journalisten mit »Ausgewogenheit« berichten und ihrer »Informationspflicht« nachkommen oder ob sie wegen Versto&#223;es gegen solche Vorschriften mit hohen Geldstrafen oder aber gar mit Berufsverbot belegt werden – wie es <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-12/ungarn-interview-inotai" target="_blank">schon einigen passierte</a>, ehe das Gesetz &#252;berhaupt in Kraft ist.</p>
<p>All dies geschieht inmitten der Europ&#228;ischen Union, die ansonsten sehr schnell dabei ist, Verst&#246;&#223;e gegen Menschenrechte und Meinungsfreiheit scharf zu gei&#223;eln – au&#223;erhalb ihrer Grenzen. Beim Mitgliedsland, zumal einem konservativ regierten, dr&#252;ckt man schon einmal ein Auge zu. Zwar regt sich nat&#252;rlich scharfe Kritik auch in der EU, doch die Meinung ihrer <a href="http://diepresse.com/home/politik/eu/620800/Kritik-an-Ungarn_Ist-nicht-wuerdig-die-EU-zu-fuehren?_vl_backlink=/home/index.do" target="_blank">F&#252;hrungsgremien und der wichtigsten Regierungen</a> ist das nicht. Aus seinem Badeurlaub in &#196;gypten r&#252;gte <a href="http://www.fr-online.de/kultur/medien/diskretes-grollen-ueber-ungarn/-/1473342/5038280/-/view/asFirstTeaser/-/index.html" target="_blank">Guido Westerwelle</a> einen „undemokratischen, r&#252;ckw&#228;rtsgewandten Kurs“ und betonte das Recht auf freie Meinungs&#228;u&#223;erung und die Werte der Europ&#228;ischen Union. Damit aber meinte er keineswegs Ungarn, sondern Wei&#223;russland. Angela Merkel beauftragte ihren Pressesprecher gerade einmal mit der lendenlahmen Erkl&#228;rung, Ungarn trage »nat&#252;rlich eine besondere Verantwortung f&#252;r das Bild der gesamten Europ&#228;ischen Union in der Welt«, doch bei ihrem Amtskollegen direkt intervenieren mochte sie nicht; solches beh&#228;lt sie sich f&#252;r L&#228;nder wie Russland, China oder Kuba vor. Was gewiss berechtigt ist, aber bar jeder Glaubw&#252;rdigkeit, weil man mit zweierlei Ma&#223; misst.</p>
<p>Verwundern muss solche Zwiesp&#228;ltigkeit freilich nicht, ist doch EU-Europa <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1348967/" target="_blank">keineswegs ein Vorreiter der Medienfreiheit</a>. Man muss nur nach <a href="http://mein.salzburg.com/blog/standpunkt/2010/12/pressefreiheit-wird-zerknullt.html" target="_blank">Italien</a> blicken, wo Berlusconi schon lange die &#246;ffentliche Meinung beherrscht. Auch in <a href="http://www.salzburg.com/online/nachrichten/newsletter/Sarkozy-schickt-die-Schnueffler.html?article=eGMmOI8V4009E7v10aI7wfUOvUpDx3XLWuV0Acu&amp;img=&amp;text=&amp;mode=" target="_blank">Frankreich</a> hat Pr&#228;sident Sarkozy die Journalisten l&#228;ngst aufs Korn genommen, und in einigen Nachbarl&#228;ndern Ungarns ist die reale Lage nicht anders als in Ungarn, nur wurde die Praxis noch nicht ins Gesetz gegossen. Selbst hierzulande sucht sich die Bundesregierung bei Akkreditierungen zu politischen Spitzenterminen gern die Berichterstatter aus, die ihr genehm sind, und die <a href="http://www.rp-online.de/gesellschaft/leute/Sat1-Teams-reisten-fuenf-Mal-nach-Afghanistan_aid_942944.html" target="_blank">Bundeswehr</a> hat j&#252;ngst Johannes B. Kerner in Afghanistan alle T&#252;ren ge&#246;ffnet, weil er mit seiner Talkshow ausdr&#252;cklich die » Akzeptanz des Einsatzes f&#246;rdere«. Seine Sendung sei »eine Ma&#223;nahme der Informationsarbeit im Gesch&#228;ftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung«, hie&#223; es. Auf der anderen Seite h&#246;rt man auch schon mal Forderungen, die <a href="http://www.news-adhoc.com/union-stellt-wegen-terrorgefahr-pressefreiheit-auf-den-pruefstand-idna20101123104661/" target="_blank">Pressefreiheit um des »Kampfes gegen den Terrorismus«</a> willen einzuschr&#228;nken.</p>
<p>So d&#252;rfte das ungarische Vorgehen letztlich ohne Folgen bleiben. Man wird an den Gesetzen vielleicht noch einige kosmetische &#196;nderungen vornehmen, und die ungarische Regierung bereitet gewiss bereits abwiegelnde Erkl&#228;rungen vor. In der Sache &#228;ndert das jedoch nichts. Ein Kampf f&#252;r Medienfreiheit ist von den Regierenden in der EU nicht zu erwarten. Ein Beleg mehr daf&#252;r, wie wichtig k&#252;nftig Wikileaks und m&#246;gliche weitere solche Enth&#252;llungsplattformen sind.</p>
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		<title>Merkel managt den Bedeutungsschwund der Politik</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 13:43:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Politik ist es wie im wirklichen Leben. Da kann es – im Unternehmen, der Beh&#246;rde, dem wissenschaftlichen Institut – noch so kluge Geister geben, kreative Denker, innovative Macher; das Sagen aber haben am Ende sie alle nicht, sondern nur der, der &#252;ber das n&#246;tige Geld verf&#252;gt. Er – oder sie – bestimmt, was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Politik ist es wie im wirklichen Leben. Da kann es – im Unternehmen, der Beh&#246;rde, dem wissenschaftlichen Institut – noch so kluge Geister geben, kreative Denker, innovative Macher; das Sagen aber haben am Ende sie alle nicht, sondern nur der, der &#252;ber das n&#246;tige Geld verf&#252;gt. <span id="more-1810"></span>Er – oder sie – bestimmt, was gemacht wird, und er – oder sie – st&#252;tzt sich dabei auf jene Leute, die diesen Willen am effizientesten umsetzen k&#246;nnen – im Zweifel ohne jede R&#252;cksichtnahme auf Leute, die der Geldgeber in seiner Wirkung f&#252;r marginal und deshalb f&#252;r irrelevant h&#228;lt.</p>
<p>Im Denken des Kapitalisten, wie wir zu Recht den kollektiven Geldgeber unserer Zeit nennen k&#246;nnen, hat Politik stets nur eine dienende Funktion. Sie war vor allem in Zeiten willkommen, als es weltweit eine politische Alternative gab; da hatte sie die Aufgabe, diese Alternative zu b&#228;ndigen und ihre Wirkung auf das kapitalistische Wirtschaften m&#246;glichst klein zu halten. Dieser Auftrag an die Politik ist derzeit weggefallen, und auch ihre innere Funktion, die Bev&#246;lkerung im Sinne kapitalistischen Denkens zu formieren, hat dadurch an Bedeutung verloren.</p>
<p>Inzwischen hat die Wirtschaft mit ihren riesigen und weit verzweigten Lobbyverb&#228;nden sowohl diese propagandistische Ausrichtung als auch – und vor allem – einen Kernbereich der Regierungst&#228;tigkeit, die Gesetzgebung, schon weitgehend &#252;bernommen. Sogar exekutive Aufgaben zieht sie immer weiter auf sich – wenn man an die zahllosen Wach- und Sicherheitsdienste im Innern und Privatarmeen im Ausland denkt. Politik reduziert sich so immer mehr aufs Verwalten, auf b&#252;rokratische Vollzugsvorg&#228;nge dessen, worauf die Politik inhaltlich kaum noch Einfluss hat. Und auch da nur auf eher Nebens&#228;chliches, w&#228;hrend die Wirtschaft die entscheidenden Abl&#228;ufe unter ihrer Kontrolle h&#228;lt.</p>
<p>Vor solchem Hintergrund ist logisch, dass vor allem Politiker, die sich – wie immer man sich zu ihnen inhaltlich stellen mag – <a href="http://www.taz.de/1/debatte/sonntazstreit/artikel/1/zwei-oder-drei-legislaturperioden-reichen/" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/003402d8c4554ab481a190d3b4888a9f" alt="" width="1" height="1" />nicht auf solches Verwalten reduzieren lassen</a>, sondern tats&#228;chlich noch gestalten wollen, zunehmend desillusioniert sind und sich andere Bet&#228;tigungsfelder suchen. Einige von ihnen mussten zwar erst durch die W&#228;hler unsanft auf ihre Wirkungslosigkeit hingewiesen werden und gingen nur z&#246;gernd. Dazu geh&#246;rten nicht allein die jetzt genannten J&#252;rgen R&#252;ttgers oder Dieter Althaus, sondern zuvor schon ein Gerhard Schr&#246;der, ein Joschka Fischer und ein Franz M&#252;ntefering. Andere, die kl&#252;geren zumeist, zogen selbst die Konsequenz, wie jetzt Roland Koch und Ole von Beust, auf andere Art auch Christian Wulff demonstrierten. Und vor allem Horst K&#246;hler, der auch jene Ebene kennt, wo die wirklichen Entscheidungen fallen – und sich pl&#246;tzlich auf der falschen Seite sah. Sie alle folgten damit &#252;brigens einem Oskar Lafontaine, der bereits vor mehr als zehn Jahren die Au&#223;ensteuerung der Politik erkannte, aber auch einem Gregor Gysi, der es ihm kurzzeitig – frustriert von seinem Senatsamt – gleichtat.</p>
<p>Dass es derzeit eine H&#228;ufung solcher erzwungenen wie freiwilliger R&#252;cktritte gibt, ist teils vielleicht Zufall; noch mehr aber verweist es vor dem Hintergrund der Vorg&#228;nge auf den Finanzm&#228;rkten und ihren n&#246;tigenden Auswirkungen auf die Politik auf deren eklatanten Bedeutungsschwund fast hinunter auf Null. ,</p>
<p>Es macht vielleicht die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/angela-merkel-im-sommer-2010-mutti-braucht-gar-keinen-urlaub-1585845.html" target="_blank">St&#228;rke von Angela Merkel </a>aus, dass sie – ganz anders beispielsweise als die sich in allerlei Spekulationen ergehenden Medien – diesen Sachverhalt offensichtlich begriffen hat. Sie wei&#223; wohl mit ihrer Pr&#228;gung durch die Naturwissenschaft l&#228;ngst, welches die Triebkr&#228;fte der gegenw&#228;rtigen Gesellschaft sind und wie wenig sie als Politikerin darauf wirklich Einfluss nehmen kann. Ihrem <a href="http://www.blogsgesang.de/2008/12/19/angela-merkel-die-minimalsekretaerin/" target="_blank">Naturell</a>, das ohnehin langfristigen Konzepten oder gar Visionen wenig abgewinnen kann, kommt das entgegen. Sie sieht ihre Daseinsberechtigung allein darin, den objektiven Bedeutungsschwund der Politik einigerma&#223;en zu managen, den Laden, wie sie gern sagt, zusammen zu halten.</p>
<p>Darin unterscheidet sie sich auch von Guido Westerwelle, der noch glaubt, Politik gestalten zu k&#246;nnen und damit gerade grandios scheitert. In diesem ma&#223;losen Anspruch des FDP-Vorsitzenden zeigt sich auch seine Beschr&#228;nktheit – ist es doch seine Partei, die mit ihrem politischen Credo, den Staat zu entmachten und ihm dazu als erstes die Finanzmittel zu entziehen, besonders intensiv auf den Bedeutungsschwund der Politik hinarbeitet.</p>
<p>Was die Kanzlerin betrifft, kann man ihr unter den obwaltenden Verh&#228;ltnissen durchaus noch eine Zukunft voraussagen. Das Managen politischen Bedeutungsschwundes bedarf keiner weltanschaulich ausgerichteten Parteien mehr – weshalb diese auch in einer tiefen Krise stecken. Es bedarf lediglich eines geschickten Managers – oder einer Managerin, der/die richtigen, weil geistesverwandten Personen um sich sammelt. Deren politische Meinung ist sekund&#228;r, und so sollten sie selbst sie auch behandeln. Angela Merkel hat so mit der SPD vier Jahre regiert. Sie bringt dergestalt gerade FDP und CSU auf Linie und k&#252;mmert sich kaum um die Befindlichkeiten der eigenen Partei. Sie wird vielleicht geeignete Partner bei den Gr&#252;nen oder anderswo finden. F&#252;r das, was Politik derzeit noch bewegen kann, reichen derlei kleine Br&#246;tchen allemal.</p>
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		<title>Afghanistan fordert neues Opfer: Horst K&#246;hler</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 17:08:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am meisten d&#252;rften die Taliban &#252;berrascht gewesen sein: Sie haben keine Selbstmordattent&#228;ter losgeschickt, keine Sprengfallen gelegt und auch keine Granatwerfer auf das deutsche Lager in Kundus ausgerichtet – und dennoch fiel ihnen der h&#246;chstgestellte Deutsche zum Opfer – der Bundespr&#228;sident. Physisch haben sie ihn zwar nicht getroffen, aber politisch ist er ein toter Mann. Horst K&#246;hler [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am meisten d&#252;rften die Taliban &#252;berrascht gewesen sein: Sie haben keine Selbstmordattent&#228;ter losgeschickt, keine Sprengfallen gelegt und auch keine Granatwerfer auf das deutsche Lager in Kundus ausgerichtet – und dennoch fiel ihnen der h&#246;chstgestellte Deutsche zum Opfer – der Bundespr&#228;sident.<span id="more-1718"></span> Physisch haben sie ihn zwar nicht getroffen, aber politisch ist er ein toter Mann. Horst K&#246;hler hat heute seinen R&#252;cktritt erkl&#228;rt, keine zehn Tage nach seiner Kurzvisite in Afghanisatan, von deren Folgen er sich nicht erholen konnte.</p>
<p>Neben den Taliban kann sich noch jemand anderes als Sieger f&#252;hlen: die Wahrheit. Denn die hat K&#246;hler mit beinahe sympathischer Offenheit ausgesprochen, als er die deutschen Kriegseins&#228;tze teils weitab von den nationalen Grenzen als das bezeichnete, was sie tats&#228;chlich sind – Aktionen zur Wahrung wirtschaftlicher und machtpolitischer Interessen, wie sie die Herrschenden hierzulande verstehen. Der Ex-Bundespr&#228;sident als ehemaliger Finanzmanager und IWF-Pr&#228;sident kannte diese Interessen nur zu gut, hatte er ihnen doch bereits in seinen fr&#252;heren &#196;mtern treu gedient; das sollte im Amt des Staatsoberhauptes nicht anders sein, und daher redete er abseits aller verschleiernd-diplomatischen Floskeln in dieser Sache <a href="http://www.dradio.de/aktuell/1191138/" target="_blank"><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/de29cd4bf91a426ea319be3c54388267" alt="" width="1" height="1" />Klartext</a>.</p>
<p>Aber genau das nahm ihm die politische Klasse &#252;bel. Es fiel auf, dass die <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,696982,00.html" target="_blank">Kritik an seiner Offenheit bei SPD und Gr&#252;nen am sch&#228;rfsten war</a>. Sie hatten schlie&#223;lich die Bundeswehr in weltweite Kampfeins&#228;tze gef&#252;hrt, daf&#252;r jedoch allerlei besch&#246;nigende Gr&#252;nde ins Feld gef&#252;hrt, um die Wahrheit ungesagt lassen zu k&#246;nnen. Dass K&#246;hler diese L&#252;gen so schonungslos entlarvte, emp&#246;rte die fr&#252;heren rot-gr&#252;nen Koalition&#228;re, aber auch die jetzige Regierung mochte diese Wahrheit nicht h&#246;ren und sich schon gar nicht mit ihr auseinander setzen. Sie wei&#223; um die ganz &#252;berwiegende Ablehnung des Afghanistan-Engagements in der Bev&#246;lkerung und scheut die ehrliche Diskussion &#252;ber ihre Hintergr&#252;nde, die der nun zur&#252;ckgetretene Pr&#228;sident vielleicht gerade deshalb erzwingen wollte – nat&#252;rlich in der Hoffnung, die Stimmungslage umzukehren. Damit ist er schon im eigenen Lager gescheitert, und insofern ist der R&#252;cktritt durchaus eine logische Konsequenz.</p>
<p>Aber Horst K&#246;hler mag noch etwas anderes verdrossen haben – seine Behandlung durch die schwarz-gelbe Koalition als deren subalterner Angestellter. Das hatte bereits begonnen, als K&#246;hler von CDU/CSU und FDP, damals noch Opposition, im Wohnzimmer Guido Westerwelles aus dem Hut gezaubert wurde, und es begleitete eigentlich seine gesamte Amtszeit. Immer wenn sich das Staatsoberhaupt anma&#223;te, eine eigene Meinung zu formulieren (was freilich mitunter ziemlich schlicht geriet), gab sie ihm dies sofort unmissverst&#228;ndlich zu verstehen, meist mit jenem nachsichtigen Grinsen, mit dem man jemand bei seinem Tun zuschaut, den man eigentlich f&#252;r einen Trottel h&#228;lt. Man legte ihm Gesetze zur Unterschrift vor, die verfassungsm&#228;&#223;igen Kriterien nicht gen&#252;gten, man griff sich emp&#246;rt an den Kopf, als er ein Gespr&#228;ch mit dem Ex-Terroristen Christian Klar f&#252;hrte, und man machte ihn schon bei fr&#252;heren Wahrheiten madig, so als er die au&#223;er Rand und Band geratenen Banken bereits zu einem Zeitpunkt als „Monster“ bezeichnete, das das noch als umst&#252;rzlerisches Gedankengut galt.</p>
<p>Die schwarz-gelbe Regierung und ihre Parteien haben Horst K&#246;hler nie ganz ernst genommen. Er war ihr Produkt, und sie verlangten von ihm, dass er entsprechend funktioniere. Das hatten zuvor schon andere versucht, so Helmut Kohl bei Richard von Weizs&#228;cker. Der jedoch lie&#223; sich die Butter nicht vom Brot nehmen und ging als einer der geachtetsten Pr&#228;sidenten der Bundesrepublik in die Geschichte ein. Solches Format freilich hat Horst K&#246;hler nicht; auch deshalb hat sein R&#252;cktritt Folgerichtigkeit. Er wollte am Ende wohl nur noch ein letztes St&#252;ck an Reputation gewahrt wissen; wenigstens das k&#246;nnte ihm gelungen sein.</p>
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