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	<title>blogsgesang.de &#187; Wirtschaft</title>
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	<description>Blog zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung von Peter Richter (pri) und Rudolf Hempel (rhe)</description>
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		<title>Die Piraten k&#246;nnen den Kapitalismus herausfordern</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 20:18:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(pri) Wieder einmal haben die gern hochgelobten »Qualit&#228;tsmedien« einen Trend verschlafen. Sie jedenfalls haben das Aufkommen einer neuen Partei, der »Piraten«, nicht kommen sehen, obwohl es seit Monaten daf&#252;r deutliche Anzeichen gab und zuletzt auch die Meinungsforscher f&#252;r die Berliner Wahlen ihren kometenhaften Aufstieg voraussagten. Dennoch dr&#228;ngten sich die Journalisten wie gehabt am Wahlabend bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Wieder einmal haben die gern hochgelobten »Qualit&#228;tsmedien« einen Trend verschlafen. Sie jedenfalls haben das Aufkommen einer neuen Partei, der »Piraten«, nicht kommen sehen, obwohl es seit Monaten daf&#252;r deutliche Anzeichen gab und zuletzt auch die Meinungsforscher f&#252;r die Berliner Wahlen ihren kometenhaften Aufstieg voraussagten. <span id="more-3285"></span>Dennoch dr&#228;ngten sich die Journalisten wie gehabt am Wahlabend bei den Etablierten und beginnen nur langsam ein Ph&#228;nomen zu begreifen, das – mehr noch als einst die Gr&#252;nen – das Potenzial hat, diese Republik zu ver&#228;ndern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Alle, die jetzt die <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/berliner-wahlsieger-die-piraten-von-a-bis-z-1729619.html" target="_blank">Piraten</a><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/1464a833129d4a3d8293184b67cf9783" alt="" width="1" height="1" /> als Anf&#228;nger, pubert&#228;re Spinner, kindische Spa&#223;partei zu diffamieren versuchen, waren gestern &#252;brigens noch jene, die die derzeitige Regierungskoalition als unf&#228;hig, dilettantisch, konzeptionslos schm&#228;hten und verzweifelt nach neuen politischen Kr&#228;ften riefen und damit doch nur, wie sich jetzt zeigt, die alten meinten – weil sie sich gar nicht vorstellen k&#246;nnen, dass tats&#228;chlich eine neue Kraft die B&#252;hne zu betreten in der Lage ist. Sie haben einfach nicht begriffen, dass gerade die Unf&#228;higkeit der etablierten Politik, ihr Primat gegen&#252;ber der Wirtschaft, vor allem dem Finanzkapital, durchzusetzen, die W&#228;hler frustriert. Immer wieder wird ihnen nur eine Spielart des Kapitalismus angeboten, eine immer schlimmer als die andere; sie sehnen sich nach einer Alternative und w&#228;hlen, sofern sie nicht gleich zu Hause bleiben, unkonventionell, eine Partei, die alles anders zu machen verspricht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vor diesem Hintergrund war es nur eine Frage der Zeit, dass nun auch f&#252;r das Prekariat – wie einst f&#252;r das Proletariat – eine Partei ins Rampenlicht tritt, die sich um seine Interessen k&#252;mmert. Und es verwundert nicht, dass intellektuelle Vordenker diese Aufgabe &#252;bernehmen; sie sind dem Prekariat nur zum Teil zuzurechnen, stehen dabei durchaus f&#252;r B&#252;rgerlichkeit, allerdings eine progressive B&#252;rgerlichkeit, die im verkrusteten Parteieinstaat l&#228;ngst verloren gegangen ist. Nicht zuf&#228;llig sagte <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0919/politik/0014/index.html" target="_blank">Gerhard Anger, Berlins Landesvorsitzender der Piraten</a>, am Wahlabend: »Wir sind jetzt die st&#228;rkste liberale Partei in Berlin.« Weil das so ist, denken sie zugleich sozial, emanzipatorisch, parit&#228;tisch, in Teilen sogar konservativ. Gerade das aber, die Inkompatibilit&#228;t der Partei mit der politischen Ges&#228;&#223;geografie, ist das Neue an den Piraten und mithin ihre St&#228;rke.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das meint freilich keine Beliebigkeit; es ist vielmehr ein sehr moderner, verantwortungsbewusster Freiheitsbegriff, von dem die Piraten ausgehen. Was die Linke bisher nicht zusammenbrachte, n&#228;mlich das Soziale und das Libert&#228;re, findet zur Einheit. Insofern muss es der Linkspartei schon zu denken geben, wie die Piraten gerade auch mit sozialen Forderungen bei den W&#228;hlern punkteten, die aus ihrem ureigenen Arsenal stammen, aber von ihr nicht durchgesetzt wurden, weil ihr der Machterhalt am Ende wichtiger war als die Interessen ihrer Klientel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es sind soziale Forderungen, die auch die Kernfragen der sozialistischen Idee waren: Wie gerecht ist das Eigentum verteilt? Und darf der Besitzer von Eigentum den alleinigen Nutzen daraus ziehen oder ist er nicht angehalten, diesen Nutzen mit anderen zu teilen? Es sind also im Grunde »alte« Fragen, die der Kapitalismus mit seinem Entstehen aufwarf und die mit dem Untergang der sozialistischen Alternative nicht erledigt, da nicht beantwortet sind. Jetzt kommen sie wieder auf die Tagesordnung, und das unter den neuen technischen und technologischen Bedingungen, die auch ganz neue M&#246;glichkeiten einer gerechten Umverteilung des jetzt in den H&#228;nden weniger konzentrierten gesellschaftlichen Reichtums er&#246;ffnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weil das die Piraten – wie diffus vorerst auch immer – artikulierten, zogen sie von allen Parteien, die bei den W&#228;hlern irgendwie links verortet werden, <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article1768259/Piraten-koennen-21-000-Nichtwaehler-mobilisieren.html" target="_blank">Stimmen ab und reaktivierten sogar einen Teil der Nichtw&#228;hler</a>, die sich von der Politik eigentlich schon abgewandt hatten. Welch ein Zeichen der Sehnsucht nach einem anderen Weg als dem des heutigen deformierten Kapitalismus! Auch er war als Gesellschaftsmodell einmal fortschrittlich, und auch er bediente sich mit dem Buchdruck einer neuen Kommunikationsform, die Massen zu mobilisieren vermochte. Jetzt ist es das Internet, das diesbez&#252;glich eine neue Qualit&#228;t schafft – vielleicht auch f&#252;r einen neuen Gesellschaftsentwurf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beschreiten die Piraten diesen Weg, sch&#228;rfen sie ihr bereits im Umrissen erkennbares diesbez&#252;gliches Profil, haben sie alle Chancen, als neue progressive politische Kraft zu re&#252;ssieren und damit sowohl die schon lange ins Establishment abdriftenden Sozialdemokraten und Gr&#252;nen als auch die ihnen auf diesem Weg folgende Linkspartei konzeptionell hinter sich zu lassen. Sie haben das Zeug zu einer unideologischen Bewegung, unbelastet von Vergangenheitsdebatten, praktisch vorangetrieben durch die sich rasant entwickelnden technischen M&#246;glichkeiten des Digital-Zeitalters und theoretisch fundiert durch eine daher auf immer neue Bereiche ausgreifende Netzkultur.</p>
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		<title>FDP auf Normalma&#223; zur&#252;ckgestutzt</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 18:10:05 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>(pri) Noch im Niedergang kann die FDP von ihrer Arroganz gegen&#252;ber der Wirklichkeit nicht lassen. Sie glaubt, mit ein paar personellen Rochaden »das Vertrauen der B&#252;rger zur&#252;ckzugewinnen« und erkennt dar&#252;ber nicht, dass das Schachbrett selbst morsch und br&#252;chig geworden ist; in seinem derzeitigen Zustand also kein Fundament f&#252;r die Zukunft darstellt. Selbst Guido Westerwelle meint<span id="more-2693"></span>, im Abgang noch Bedingungen stellen zu k&#246;nnen; er wird lernen m&#252;ssen, dass gerade in seiner »Partei der Leistungstr&#228;ger« nichts so sehr z&#228;hlt wie der Erfolg und nichts so vernichtend ist wie Verluste an der Wahlurne.</p>
<p>F&#252;r die Partei als Ganzes jedoch ist Westerwelle nur insofern ein Problem, als er als ihr Vorsitzender jene inhaltliche Ausrichtung der Partei erdachte und durchsetzte, die sie jetzt an den Rand des Abgrunds f&#252;hrte. Diese Ausrichtung haben freilich alle ihre Funktion&#228;re zumindest klaglos, meist aber begeistert mitgemacht – ganz vorn jene, die sich jetzt auch wieder danach dr&#228;ngen, den wuchtigsten Schlag gegen den Ex-Chef zu f&#252;hren. Auch <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/fdp-trio-lindner-roesler-bahr-die-boygroup-der-liberalen-1671025.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/c5eddb7fa917495a91fe82c435ded144" alt="" width="1" height="1" />jene, die jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen sollen</a>, waren mit Kritik am Vorsitzenden nie aufgefallen, im Gegenteil verteidigten sie ihn stets wortreich. Sie haben konzeptionell auch nichts anderes auf der Pfanne als ihr zur&#252;ckgetretener Vormann; auch deshalb hat wohl keiner von ihnen Lust, sich ins Geschirr zu h&#228;ngen. Denn ohne <a href="http://www.morgenweb.de/meinung/kommentar/20110404_mmm0000001473637.html" target="_blank">inhaltliche Umorientierun</a>g der Partei ist der Misserfolg jedes k&#252;nftigen FDP-Chefs vorprogrammiert. Diese inhaltliche Umorientierung jedoch ist nicht in Sicht; sie f&#228;nde in der heutigen  FDP auch keine Mehrheit; insofern hat Guido Westerwelle ganze Arbeit geleistet und seine Partei in ein auswegloses Dilemma gef&#252;hrt.</p>
<p>Eine Partei der Wirtschaft und der Banken war die FDP schon immer, doch konnte sie das in der Vergangenheit nicht selten dadurch in den Hintergrund treten lassen, dass sie den erkl&#228;rten Liberalismus eben nicht nur als freie Bahn f&#252;rs Geldmachen verstand, sondern auch als W&#228;chteramt &#252;ber die B&#252;rgerrechte und als Philosophie von Chancengleichheit, was in gewissen Grenzen sogar das Soziale im Blick behielt. Diese Linie, die die FDP auch f&#252;r andere als »Besserverdienende« w&#228;hlbar machte, sicherte nicht nur ihre parlamentarische Existenz in mehr als 60 Jahren Bundesrepublik, sondern machte sie auch immer wieder regierungsf&#228;hig, lange sogar im B&#252;ndnis mit der SPD. Damit jedoch haben Genscher und Lambsdorff durch ihren &#220;bertritt 1982 zu Helmut Kohl und dann die Kinkel, die Gerhardt und letztlich Westerwelle Schluss gemacht. Vor allem letzterer legte seine Partei voll und ganz auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs fest, sah sich dergestalt sogar als Korrektiv zur anderen Wirtschaftspartei CDU/CSU, der er den vorg3eblichen »Sozialdemokratismus« austreiben wollte.</p>
<p>Von dieser Position kommt die FDP so schnell nicht weg. Geradezu exemplarisch ist daf&#252;r das kollektive Schaudern fast aller ihrer F&#252;hrungsleute, als in der Westerwelle-Nachfolge-Debatte der Name Leutheusser-Schnarrenberger fiel. Der von der Justizministerin vertretene Liberalismus ist der heutigen FDP-Garde zutiefst fremd; selbst wenn sie es wollte, w&#228;re sie nicht in der Lage, ihn glaubw&#252;rdig zu vertreten.  Untergehen muss sie deswegen jedoch nicht. Die »Besserverdienenden« bleiben nat&#252;rlich ihre treue W&#228;hlerklientel. Sie misstrauen allen anderen Parteien mit ihrer mehr oder weniger ausgepr&#228;gten sozialen Ader – selbst der Union, bei der diese weitgehend verk&#252;mmert ist. Sie werden die FDP immer w&#228;hlen und mitunter von jenen verst&#228;rkt werden, die hoffen und glauben, selbst auch einmal in diese Kategorie aufzusteigen. Besonders in krisenhaften Zeiten werden die einfachen Botschaften  &#8211; wie »Steuern runter!« oder »Weniger Staat!« &#8211; gern geh&#246;rt; darauf beruhte letztlich der paradoxe Wahlerfolg der FDP 2009. Paradox deshalb, weil es ja gerade die von der FDP kolportierten Parolen von der Entfesselung der M&#228;rkte und der Finanzbranche waren, die bei der Krise im Jahr zuvor Pate gestanden hatten. Die Illusion trug nur wenige Monate und ist jetzt restlos aufgebraucht – eine Warnung &#252;brigens auch an andere Parteien mit hochfliegenden Wahlresultaten – die aus anderer Krisenverunsicherung herr&#252;hren –  und daraus leicht entstehenden Hochgef&#252;hlen.</p>
<p>Die FDP ist auf ihr Normalma&#223; zurechtgestutzt. Bei Bundestagswahlen erreichte sie zumeist  Ergebnisse um die sieben oder acht Prozent, nur f&#252;nfmal schnitt sie zweistellig ab, was aber nie Bestand hatte. Ihr niedrigstes Resultat lag knapp unter sechs Prozent; dort etwa w&#252;rde sie sich wohl derzeit einpegeln, vielleicht auch etwas niedriger wegen des Westerwelle-Faktors. Von besonderer Bedeutung f&#252;r die deutsche Politik ist das nicht, weshalb auch Angela Merkel  nicht in Panik ausbricht. Nach dem, was die Demoskopie derzeit verbreitet, hat sie mit der SPD auch k&#252;nftig einen sicheren Juniorpartner – und im &#252;brigen sind sie und ihre Partei l&#228;ngst dabei, die Gr&#252;nen ins eigene Lager zu locken. Mit gar nicht so schlechten Erfolgsaussichten.</p>
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		<title>Auch Demokratie muss sich st&#228;ndig erneuern</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Oct 2010 15:05:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Baden-W&#252;rttembergs Ministerpr&#228;sident Stefan Mappus und Bahnchef R&#252;diger Grube lehnen weiterhin stur einen Baustopp am Stuttgarter Bahnhof ab und erweisen sich damit als die eigentlichen Fortschrittsfeinde. Denn sie begreifen nicht, weil sie es nicht wollen oder gar k&#246;nnen, dass sich Fortschritt nicht in erster Linie an neuem Beton, Stahltrassen, gigantischen Bauten bemisst, sondern an der Qualit&#228;t [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Baden-W&#252;rttembergs Ministerpr&#228;sident Stefan Mappus und Bahnchef R&#252;diger Grube lehnen weiterhin stur einen Baustopp am Stuttgarter Bahnhof ab und erweisen sich damit als die eigentlichen Fortschrittsfeinde. Denn sie begreifen nicht, weil sie es nicht wollen oder gar k&#246;nnen, dass sich Fortschritt nicht in erster Linie an neuem Beton, Stahltrassen, gigantischen Bauten bemisst, <span id="more-2003"></span>sondern an der Qualit&#228;t zum einen der Lebensumwelt f&#252;r die Menschen, zum anderen aber – und wohl noch mehr – an deren M&#252;ndigkeit, zu der die aktive <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/10/03/das-volk-von-stuttgart/" target="_blank">Mitwirkung an politischen Entscheidungen </a>unabdingbar geh&#246;rt. Genau diese jedoch wollen die baden-w&#252;rttembergischen Regierenden – mit uneingeschr&#228;nkter Unterst&#252;tzung der Kanzlerin – ihrer Bev&#246;lkerung unter Verweis auf b&#252;rokratische Abl&#228;ufe verweigern. Die Mappus, Grube <a href="http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE69G06A20101017" target="_blank">und Co.</a> haben sich &#252;ber Jahrzehnte hinweg die einst demokratischen Institutionen untertan gemacht, haben sie – &#252;ber Parteienfilz, Lobbyistenherrschaft und Kungelrunden – als Beute genommen und so die demokratischen Mitwirkungsrechte der Bev&#246;lkerung immer weiter reduziert, sie letztlich auf den einmaligen Wahlakt alle vier, lieber noch f&#252;nf oder mehr Jahre reduziert. Mit einem einzigen Kreuz soll dann &#252;ber die Gesamtpolitik einer Regierung befunden werden, wie Angela Merkel k&#252;rzlich noch einmal bekr&#228;ftigte und damit Demokratie zu einen Formalismus verkleinerte.</p>
<p>Mit dankenswerter Offenheit hat der Pr&#228;sident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, erkennen lassen, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1015/politik/0007/index.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/506448f3342a4e68a747c05f38e3d83c" alt="" width="1" height="1" />wie sehr ihn die Demokratie nervt</a>. Manchmal m&#252;sse man &#252;berlegen, ob man den B&#252;rgern nicht zu viel erkl&#228;re, weil das langwierig sei und »am Ende … mehr schadet als n&#252;tzt«. Die begr&#252;ndete Skepsis der B&#252;rger r&#252;ckt er in die N&#228;he einer Phobie; f&#252;r ihn sind Kritiker offenbar krank. Es macht daf&#252;r auch die Finanzwirtschaft verantwortlich, die viel Vertrauen f&#252;r die Wirtschaft insgesamt zerst&#246;rt habe, und merkt dabei nicht, dass die auf Verwirklichung von »Stuttgart 21« dr&#228;ngenden Unternehmen sich um kein Deut besser verhalten als die Zocker in den Banken. Es ist die &#252;berholte Wachstumslogik, die die Wirtschaft dazu veranlasst, sich immer neue Gro&#223;projekte auszudenken, mit denen sie ihre Profite machen kann. Der nachhaltige Nutzen solcher Unternehmungen interessiert sie nicht; ihr geht es allein um das schnelle Geld. Sie setzt darauf, dass die Politik dies zur Verf&#252;gung stellt – aus Steuermitteln, zu denen sie selbst jedoch m&#246;glichst wenig beitragen will.</p>
<p>Solche Zusammenh&#228;nge werden immer deutlicher erkannt, zumal die meisten dieser <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/182017.fakten-auf-den-tisch.html" target="_blank">Gesch&#228;fte im Dunkeln</a> get&#228;tigt werden, in Hinterzimmern, in denen es vor allem darum geht, wie man die eigenen Pl&#228;ne m&#246;glichst ungest&#246;rt durchsetzen kann. Dies wird paradoxerweise mit der Komplexit&#228;t, der Kompliziertheit der Vorhaben begr&#252;ndet – etwa nach dem Muster: Je komplexer, je komplizierter, desto weniger sollten dar&#252;ber entscheiden. Tats&#228;chlich jedoch wird genau umgekehrt ein Schuh daraus. Nur wenn m&#246;glichst viel Sachverstand in die Pr&#252;fung der Projekte einflie&#223;t, kann kompetent &#252;ber ihren Sinn, ihre Durchf&#252;hrbarkeit und &#252;ber Bedingungen ihrer Realisierung befunden werden. Hatten fr&#252;her gew&#228;hlte Gremien noch ausreichenden Einblick in die Probleme und waren dadurch kurzfristige, sogar Ad-hoc-Entscheidungen noch m&#246;glich, ist das heute immer weniger der Fall, schon gar nicht bei Gro&#223;projekten. Hier gen&#252;gt es nicht mehr, die Entscheidungen an einige gew&#228;hlte Vertreter zu delegieren, die in der Regel &#252;berfordert sind und selbst nach Beratung rufen, die sie in der Regel aber nur von einer Seite, der Druck machenden Wirtschaft, akzeptieren. Hier ist eine Weiterentwicklung der Demokratie vonn&#246;ten, mit der eine sachgerechte und zugleich menschenfreundliche L&#246;sung gefunden wird; gerade sie erfordert die Einbeziehung jener, die an das Problem ohne kurzfristige und vorrangig finanzielle Interessen herangehen.</p>
<p>Mappus, Grube, auch Merkel erweisen sich am Stuttgarter Beispiel als Dogmatiker eines &#252;berholten Demokratieverst&#228;ndnisses. Sie haben die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 20 Jahre verschlafen und machen <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/schlichter-poltert-geissler-kritisiert-basta-entscheidungen-zu-stuttgart-21;2674335" target="_blank">Politik im Stile des vergangenen Jahrhunderts</a>. Das beherrschen sie, doch den Herausforderungen der Gegenwart stehen sie verst&#228;ndnis- und hilflos gegen&#252;ber. Daher setzen sie Gewalt ein, wo Konsenssuche verlangt w&#228;re. Daher versuchen sie zu tricksen und zu intrigieren, wo es auf Offenheit und Kompromissbereitschaft ankommt. Wie auch immer der Konflikt um den Stuttgarter Bahnhof ausgeht, die etablierte Politik hat in ihm bislang ihre totale Unf&#228;higkeit bewiesen. Ein Befund, der langfristig nicht ohne Folgen bleiben kann.</p>
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		<title>Das Volk von Stuttgart</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Oct 2010 20:22:37 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es ist vielleicht mehr als die Ironie der Geschichte, dass punktgenau zum 20. Jubil&#228;um der deutschen Einheit und der damit verbundenen Erinnerung an eine friedliche Revolution unter dem Motto »Keine Gewalt!« in eben diesem Deutschland, in Stuttgart, das genaue Gegenteil zu beobachten ist – und das auch noch als Ausdruck, sogar als Grundlage von Demokratie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist vielleicht mehr als die Ironie der Geschichte, dass punktgenau zum 20. Jubil&#228;um der deutschen Einheit und der damit verbundenen Erinnerung an eine friedliche Revolution unter dem Motto »Keine Gewalt!« in eben diesem Deutschland, in Stuttgart, das genaue Gegenteil zu beobachten ist <span id="more-1966"></span>– und das auch noch als Ausdruck, sogar als Grundlage von Demokratie verteidigt wird. Schon skandieren die Demonstranten in Stuttgart »Wir sind das Volk!« und »Keine Gewalt!« und der gewaltige Aufmarsch vom vergangenen Freitag erinnerte auch optisch stark den Demonstrationszug in Leipzig am 9.Oktober 1989. Es war &#252;brigens jene Demonstration, bei der die DDR-F&#252;hrung, die zwei Tage zuvor in Berlin die Demonstranten noch hatte zusammenkn&#252;ppeln lassen, widerstrebend auf Gewalt verzichtete – und damit ganz wesentlich den Weg daf&#252;r frei machte, dass sich der Wille des Volkes am Ende durchsetzen konnte. Denn <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/arroganz-der-macht/1947958.html" target="_blank"><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/6e0d15fc53444e8e9d66f3185bb927ba" alt="" width="1" height="1" />zur friedlichen L&#246;sung von Konflikten geh&#246;ren immer zwei</a>, die auf Gewalt verzichten. Stuttgart, genauer die baden-w&#252;rttembergische Landesregierung und die Deutsche Bahn sind noch weit davon entfernt, ihren Beitrag dazu zu leisten.</p>
<p>Ein Zufall ist das nicht, sondern die logische Konsequenz einer politischen Entwicklung, die mit den hehren und gerade jetzt so wortreich beschworenen Prinzipien der Demokratie nichts zu tun hat. Gerade heute hat der Bahnchef R&#252;diger Grube den Demonstranten jedes <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/10/03/stuttgart-21/hg/gegenueberstellung.html" target="_blank">Widerstandsrecht gegen ein Wirtschaftsprojekt, hier den Bahnhofsbau, abgesprochen </a>und angek&#252;ndigt, es ungebremst durchzusetzen. Er beruft sich dabei auf den Parlamentsbeschl&#252;sse, blendet aber nat&#252;rlich aus, wie solche Beschl&#252;sse schon seit vielen Jahren zustande kommen. N&#228;mlich ohne Beteiligung der B&#252;rger, ohne Mitsprache des Volkes, in Hinterzimmern und Kungelrunden. Lobbyisten, nicht das Volk gehen bei den Abgeordneten ein und aus und diktieren ihre W&#252;nsche in die Gesetze, formulieren sie inzwischen sogar selbst, wie bereits mehrfach bewiesen und auch zugegeben wurde. Und die Politik l&#228;sst das geschehen, stellt sich auf die Seite der Wirtschaft und nicht auf die des Volkes, das sie zu vertreten vorgibt. Sogar die <a href="http://www.rp-online.de/public/kompakt/panorama/913859/Mafia-offenbar-auf-dem-Vormarsch.html" target="_blank">Kumpanei mit der Mafia </a>scheut sie nicht, wie die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« aufdeckte – und auf die engen Kontakte des fr&#252;heren baden-w&#252;rttembergischen Ministerpr&#228;sidenten Oettinger in diese Kreise hinwies. Nicht die Politik bestimmt inzwischen, was im Land geschieht, sondern die Wirtschaft; der <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1001/meinung/0032/index.html" target="_blank">Umgang mit der Finanzkrise</a>, die mehrere Staaten Europas an den Rand ihres finanziellen Zusammenbruchs brachte, beweist das eindeutig. Und auch Grube hat heute klar gemacht, worum es hierzulande einzig geht, um die Projekte der Wirtschaft, gegen die er den Einspruch des Volkes nicht gelten l&#228;sst: »Sonst wird bei uns keine Br&#252;cke, keine Autobahn und kein Windkraftpark mehr gebaut.«</p>
<p>Die B&#252;rger haben diese Entwicklung l&#228;ngst erkannt und reagieren darauf seit Jahren mit Wahlabstinenz. Sie wissen, dass sich durch Wahlen nichts wirklich &#228;ndert, dass nur Personen ausgetauscht werden, die die Weisungen der Wirtschaft nun ihrerseits umsetzen. Wahlversprechen werden schon kurz nach den Wahltag gebrochen – und Politiker, wie Franz M&#252;ntefering, verteidigen das auch noch vehement. Andere nehmen den Mund nicht so voll, tun aber das Gleiche. Und manche, denen das dann doch irgendwie zu erniedrigend ist, <a href="http://www.blogsgesang.de/2010/07/25/merkel-managt-den-bedeutungsschwund-der-politik/" target="_blank">verlassen die Politik </a>und heuern ganz bei der Wirtschaft an, um nicht zu den Kellnern, sondern zu den K&#246;chen zu geh&#246;ren.</p>
<p>Es ist ermutigend, dass die Menschen in Stuttgart sich diesen Mechanismen nicht mehr unterwerfen wollen und dagegen aufbegehren. Hier trifft sich ihre Motivation mit jener der Demonstranten in der DDR vor mehr als 20 Jahren – wenn auch unter ganz anderen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen. Schon damals erkannten weitsichtige B&#252;rgerrechtler wie die k&#252;rzlich verstorbene B&#228;rbel Bohley, man habe um Gerechtigkeit gek&#228;mpft, aber den Rechtsstaat erhalten. Beides ist eben nicht das Gleiche, wie jetzt an den Stuttgarter Vorg&#228;ngen zu studieren ist. Sie zeigen zugleich, wie weit bundesrepublikanische Politik heute von ihren Verfassungsprinzipien entfernt ist, dass sie auf B&#252;rgerprotest nur jene Antwort hat, die auch die Herrschenden in der DDR zun&#228;chst zu geben beabsichtigten – die die Gewalt. Mielke h&#228;tte 1989 gewiss gern geschossen, und wenn man das Handeln wie die Rechtfertigungen von Baden-W&#252;rttembergs Ministerpr&#228;sidenten Mappus h&#246;rt, erkennt man in ihm den Mielke-Typ. Man will – mit aller Gewalt – durchsetzen, was der Wirtschaft n&#252;tzt, ungeachtet das Schadens, den das f&#252;r Umwelt, Lebensqualit&#228;t, Daseinsf&#252;rsorge hat. Kosten spielen keine Rolle, denn das Geld, das in die Taschen der Unternehmen flie&#223;t, kann man sich beim B&#252;rger mit dem verlogenen Argument notwendigen Sparens wiederholen.</p>
<p>Es ist ungewiss, wie der Konflikt in Stuttgart ausgeht. Unterliegt in ihm das Volk, ist dies auch ein weiterer Verlust an Demokratie, denn dann wird das «Durchregieren« mit immer neuen Ma&#223;nahmen fortgesetzt, versch&#228;rft – und zugleich der Widerstand dagegen mit allen Mitteln gebrochen. Die Wasserwerfer, Gummikn&#252;ppel und Pfeffersprays von Stuttgart waren dann erst der Anfang.</p>
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		<title>Wie das Bundesverfassungsgericht mit dem Hartz-IV-Urteil das System zu stabilisieren versucht</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 15:24:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das vernichtende Urteil des Bundesverfassungsgerichts &#252;ber Hartz IV stellt dem Erfinder des wohl in j&#252;ngerer Zeit drakonischsten sozialen Umverteilungsprogramms von unten nach oben, der einstigen rot-gr&#252;nen Bundesregierung, wie auch der freudig zustimmenden damaligen b&#252;rgerlichen Opposition ein denkbar schlechtes Zeugnis aus; redet man Klartext, haben sich die Beteiligten am sozialen Hartz-IV-Kahlschlag samt und sonders als Verfassungsfeinde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das vernichtende Urteil des Bundesverfassungsgerichts &#252;ber Hartz IV stellt dem Erfinder des wohl in j&#252;ngerer Zeit drakonischsten <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/grafiken/2291201_Der-Hartz-IV-Regelsatz.html" target="_blank"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/92e1f15d33c34e7aab16de4df36b41a1" alt="" width="1" height="1" />sozialen Umverteilungsprogramms von unten nach oben</a>, der einstigen rot-gr&#252;nen Bundesregierung, wie auch der freudig zustimmenden damaligen b&#252;rgerlichen Opposition ein denkbar schlechtes Zeugnis aus; redet man Klartext, haben sich die Beteiligten am sozialen Hartz-IV-Kahlschlag samt und sonders als Verfassungsfeinde erwiesen.<span id="more-1488"></span></p>
<p>So hart formuliert es nat&#252;rlich Karslruhe nicht, wie &#252;berhaupt das Urteil abseits der teilweise <a href="http://www.zeit.de/2010/07/Hartz-IV" target="_blank">drastischen verbalen Schelte </a>in der Sache selbst <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=4514" target="_blank">den mit Hartz IV verbundenen Denkmustern erstaunlich deutlich verhaftet </a>bleibt. Denn das Urteil stellt keinesfalls die Wirtschaftsverfassung in Frage, die sich in Deutschland in den letzten Jahren herausgebildet hat und die durch eine st&#228;ndig zunehmende Verlagerung von Produktionskosten weg von den Unternehmen und hin zur Allgemeinheit gekennzeichnet ist. Auch hier der Klartext: Die Wirtschaft erwartet immer mehr, dass die Gesellschaft ihren steigenden Profite dadurch nicht nur absichert, sondern st&#228;ndig noch erh&#246;ht, dass sie sukzessive anfallende Verbindlichkeiten &#252;bernimmt. Das betrifft vor allem Lohnkosten, aber immer &#246;fter auch Investitionsmittel, die vom Staat &#252;ber Subventionen oder die Minimierung von Kreditrisiken erwartet werden. Und das bei gleichzeitiger Verweigerung jener Steuermittel, aus denen heraus allein der Staat seine Aufgaben erf&#252;llen kann. Insofern waren die Hartz-IV-Gesetze nur der willige Vollzug von Wirtschaftforderungen. An der Macht der Wirtschaft aber will nat&#252;rlich das Bundesverfassungsgericht nicht r&#252;tteln, geh&#246;rt sie doch zu eben jenem Grundgesetz, das es zu sch&#252;tzen hat.</p>
<p>Aus eben diesen Selbstverst&#228;ndnis heraus sieht sich jedoch Karslruhe auch nicht in der Lage, dem Gesetzgeber eine zwingende Erh&#246;hung der Hartz-IV-S&#228;tze vorzugeben. Denn das Gericht f&#252;hlt sich dem Funktionieren das bestehenden Staates verpflichtet, was seine <a href="http://www.welt.de/news/article6329037/Unions-Politiker-fuer-niedrigere-Hartz-IV-Saetze.html" target="_blank">finanzielle &#220;berforderung ausschlie&#223;t</a>. Es erkennt jedoch das Dilemma, das aus aus den – auch von ihm durchaus akzeptierten – Forderungen der Wirtschaft einerseits und der objektiven Finanzsituation des Staates erw&#228;chst und versucht darauf eine das Gesamtsystem stabilisierende Antwort zu geben.</p>
<p>Diese besteht zum einen in der <a href="http://www.zeit.de/2010/07/01-Hartz-IV?page=all" target="_blank">scharfen R&#252;ge an die Politik</a>, dass ihr nichts Besseres zur Bew&#228;ltigung des Problems einfiel als b&#252;rokratenherrliche Pauschalierungen, die zudem noch von einem<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0210/meinung/0012/index.html" target="_blank"> total &#252;berholten, im Grunde erzkonservativen Menschenbild</a> ausgehen. Damit aber &#246;ffnet das Bundesverfassungsgericht nur ein kleines Ventil zum Ablassen von Unmut, weshalb es dar&#252;ber hinaus die ernste Mahnung an den Gesetzgeber richtet, beim n&#228;chsten Umverteilungsprojekt phantasievoller vorzugehen. Denn nat&#252;rlich sehen die Verfassungsrichter auch die Gefahr, dass die Wirtschaftsweise der Globalisierung den inneren Frieden im Lande beeintr&#228;chtigen k&#246;nnte. Die weltweite Geldvernichtung des Finanzkapitals ist als objektiver Prozess des heutigen Kapitalismus nicht aus der Welt zu schaffen, und die tiefe Krise der Realwirtschaft mit all ihren sozialen Verwerfungen h&#228;lt an. Beides birgt Risiken, die Verfassungsw&#228;chter schon qua Amt deutlicher erkennen als <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/detail_dpa_23820212.php" target="_blank">kaum &#252;ber den Tellerrand blickende Politiker</a>. Und sie w&#228;hnen diese Gefahren offensichtlich schon so nahe, dass sie der Politik nur noch eine kurze Frist zum Gegensteuern einr&#228;umen m&#246;gen.</p>
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		<title>Wo das B&#246;rsenbarometer Ho-Chi-Minh-Index hei&#223;t</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Jun 2009 18:41:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vietnam verdr&#228;ngt das Trauma des Krieges und richtet seine Blicke selbstbewusst in die Zukunft. Fast ein »amerikanischer Traum«, aber einer in den Farben des Landes »Da dr&#252;ben«, sagt unser kambodschanischer Begleiter Davinn und weist &#252;ber den Mekong hinaus, »da dr&#252;ben verlief der Ho-Chi-Minh-Pfad.« Wir sehen eine lang gestreckte gr&#252;ne Insel in der Mitte des Flusses, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vietnam verdr&#228;ngt das Trauma des Krieges und richtet seine Blicke selbstbewusst in die Zukunft. Fast ein »amerikanischer Traum«, aber einer in den Farben des Landes</strong><span id="more-999"></span></p>
<p>»Da dr&#252;ben«, sagt unser kambodschanischer Begleiter Davinn und weist &#252;ber den Mekong hinaus, »da dr&#252;ben verlief der Ho-Chi-Minh-Pfad.« Wir sehen eine lang gestreckte gr&#252;ne Insel in der Mitte des Flusses, wei&#223;en Sand am jenseitigen Ufer und dahinter eine rostrote Front dicht an dicht stehender St&#228;mme akkurat gleichgro&#223;er B&#228;ume. Ein friedliches Bild, und man mag kaum glauben, dass hier vor wenigen Jahrzehnten Bomben explodierten, Napalm seine Feuerwalze entfachte und Agent Orange alle verbliebene Vegetation verdorren lie&#223;. Selbst in der Trockenzeit ist das Gr&#252;n am Fluss saftig. »Die B&#228;ume wurden nach dem Krieg gepflanzt«, erkl&#228;rt Davinn, »Kautschuk, der hier sehr gut gedeiht.«<br />
Der Vietnamkrieg, den die Amerikaner auch auf die Nachbarl&#228;nder ausweiteten, ist nicht vergessen, doch meist h&#246;rt man weniger Klagen &#252;ber seine Hinterlassenschaft als Berichte, wie man mit den Folgen fertig wurde. Die Kautschukpflanzungen auf dem einstigen Ho-Chi-Minh-Pfad, von denen hier vor allem Kambodschaner profitieren, wegen des Schmuggels des wei&#223;en Harzes &#252;ber die Grenze, aber auch entsprechende vietnamesische Fabriken, sind nur ein Beispiel daf&#252;r.</p>
<h5>Bill Gates folgt gleich nach Vo Nguyen Giap</h5>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/2585d1b4eddc400b9d60e46889cbcd1b" width="1" height="1" alt=""><br />
Der Krieg ist Geschichte. F&#252;r die seither geborenen Generationen h&#228;lt die Gegenwart andere Probleme bereit. Auch und gerade in Vietnam, wo man das Trauma der Kriegszeit verdr&#228;ngt, um Kopf und H&#228;nde f&#252;r den t&#228;glichen &#220;berlebenskampf frei zu haben.<br />
Ein Spiegelbild dessen ist Ho-Chi-Minh-Stadt. Die einstige Metropole S&#252;dvietnams ist zwar nicht die Hauptstadt des seit 33 Jahren wiedervereinigten Landes, doch mit zehn Millionen Einwohnern &#8211; die Peripherie eingeschlossen &#8211; ist sie gr&#246;&#223;te und zugleich wirtschaftsst&#228;rkste Stadt. Sie erwirtschaftet ein Drittel des vietnamesischen Haushalts, jede f&#252;nfte ausl&#228;ndische Investition in Vietnam wird hier get&#228;tigt. Im Stra&#223;enbild zeugen davon nicht nur die aus dem Boden schie&#223;enden Hotels mit weltbekannten Namen &#8211; von »Hyatt« bis »Sheraton« -, die Luxusmarken der Modebranche auf der Prachtstra&#223;e Dong Khoi, die sich diesbez&#252;glich kaum vom Berliner Kudamm unterscheidet, die Tausenden von kleinen L&#228;den und Werkst&#228;tten, die sich nicht nur im Zentrum, sondern auch in den Au&#223;enbezirken dicht an dicht dr&#228;ngen und in denen beinahe rund um die Uhr gearbeitet wird.<br />
Noch deutlicher wird dies an der Gesch&#228;ftigkeit der Menschen, der Hektik, die sich am eindrucksvollsten im chaotischen, offensichtlich von keinerlei Regeln behinderten Verkehr zeigen.</p>
<div id="attachment_1090" class="wp-caption alignright" style="width: 282px"><img class="size-full wp-image-1090    " title="strasenverkehr-hcm14" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/06/strasenverkehr-hcm14.jpg" alt="Schon fast auf verlorenem Posten: Fahrrad-Rikschas in Ho-Chi-Minh-Stadt" width="272" height="152" /><p class="wp-caption-text">Schon fast auf verlorenem Posten: Fahrrad-Rikschas in Ho-Chi-Minh-Stadt</p></div>
<p>Motorisierte Zweir&#228;der aller Art haben die Fahrrad-Rikschas l&#228;ngst verdr&#228;ngt und die Zahl der Autos der bekannten internationalen Marken w&#228;chst sprunghaft. In den M&#228;rkten wird immer noch auf traditionelle Weise gehandelt, doch beschleunigen Computer, Taschenrechner und Mobiltelefone den Warenumlauf. Man solle warten und einen Tee trinken, schlagen die Verk&#228;ufer vor, derweil sie ein gew&#252;nschtes, aber gerade nicht vorhandenes Produkt herantelefonieren.<br />
Weniger dynamisch scheint auf den ersten Blick das Leben in den D&#246;rfern, in denen die Armut oft noch un&#252;bersehbar ins Auge f&#228;llt. Doch auch hier wird &#252;berall emsig an irgendetwas gearbeitet, etwas hergestellt, verpackt, verkauft. In Cai Be, einer Stadt im Mekong-Delta, kann man auf einer einzigen Stra&#223;e sehen, wie Puffreis hergestellt, die hauchd&#252;nnen H&#252;llen der Fr&#252;hlingsrollen gebacken, Sojaso&#223;e vergoren und nat&#252;rlich Reisschnaps gebrannt wird. Aus dem Meer wird per Boot schmutzig-gelbes Salz herangebracht, in einem Schuppen in gro&#223;en Wannen gereinigt, gekl&#228;rt und getrocknet. Jetzt ist es reinwei&#223;, wird verpackt und auf dem Fluss abtransportiert. All das spielt sich in und um die Wohnh&#252;tten ab; dazwischen laufen H&#252;hner, grunzen Schweine, toben Kinder.</p>
<div id="attachment_1093" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1093" title="fischerhutten-am-mekong" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/06/fischerhutten-am-mekong-300x168.jpg" alt="Fischfang z&#228;hlt zu den Haupterwerbsquellen am Mekong" width="300" height="168" /><p class="wp-caption-text">Fischfang z&#228;hlt zu den Haupterwerbsquellen am Mekong</p></div>
<p>Unter den Bohlen der Hausboote auf dem Mekong verbergen sich nicht selten Fischzucht- anlagen. Netze verhindern die Flucht des Schwarms, der etwa acht Monate lang gef&#252;ttert wird, ehe die Fische eine Gr&#246;&#223;e haben, die auf dem Markt Gewinn verspricht.<br />
Das Durchschnittsalter der Vietnamesen betr&#228;gt 25,9 Jahre, drei F&#252;nftel sind j&#252;nger als 27 und damit lange nach Kriegsende geboren. F&#252;r ihr Leben spielt der Krieg ihrer Gro&#223;eltern kaum eine Rolle. Sie nennen Ho-Chi-Minh-Stadt nat&#252;rlich Saigon und orientieren sich an den Idolen abendl&#228;ndischer Popkultur, nicht anders als ihre Altersgenossen fast &#252;berall in der Welt. Bei einer Umfrage nach den f&#252;r sie bedeutendsten Personen kam Microsoft-Gr&#252;nder Bill Gates auf Platz 3 &#8211; knapp hinter Ho Chi Minh und dem legend&#228;ren General Vo Nguyen Giap.<br />
Der einstige Kriegsgegner, die USA, ist f&#252;r viele Vietnamesen inzwischen fast ein Land wie jedes andere. Zwar gibt es in Ho-Chi-Minh-Stadt ein Kriegsmuseum, das die Verbrechen der US-Amerikaner dokumentiert, und 70 Kilometer nordwestlich kann in Cu Chi das legend&#228;re Tunnelsystem der vietnamesischen Volksarmee besichtigt werden, doch zieht es dorthin vor allem Ausl&#228;nder. Damit sie ein St&#252;ck unter der Erde entlangkriechen k&#246;nnen, wurden extra die Tunnel erweitert, und an einem Schie&#223;stand kostet es nur einige Dollars, um mit der Kalaschnikow zu ballern oder eine Panzerfaust abzuschie&#223;en.<br />
Nicht der fr&#252;here Feind USA interessiert heute zuerst, sondern die &#246;konomische und technologische Weltmacht. Ihr will man auf m&#246;glichst gleicher Augenh&#246;he entgegentreten. Und auf diesem Weg ist Vietnam schon ein ganzes St&#252;ck vorangekommen. Das Wirtschaftswachstum lag in diesem Jahrzehnt ziemlich stabil um acht Prozent, wird allerdings 2009 nur noch 3 Prozent erreichen. Vietnam ist der zweitgr&#246;&#223;te Reisexporteur der Welt und liegt auch bei Pfeffer und Kaffee weit vorn. Textilindustrie und Fischwirtschaft expandierten, m&#252;ssen aber derzeit mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise k&#228;mpfen. So wurde auch die Armut reduziert. Vor zwanzig Jahren verf&#252;gte noch jeder zweite nur &#252;ber einen Dollar Einkommen pro Tag, jetzt vielleicht noch jeder Zehnte. Ein Problem bleibt die Inflation, die im vorigen Jahr zeitweise auf &#252;ber 25 Prozent stieg.</p>
<h5>Der Ehrgeiz eines kleinen Tigers</h5>
<p>Die vietnamesische Gesch&#228;ftigkeit entspringt dem Ehrgeiz, sich m&#246;glichst bald in die entwickelten L&#228;nder einzureihen. Man z&#228;hlt sich schon zu den &#8211; wenn auch kleineren &#8211; »Tigerstaaten«. Dabei achtet die noch immer herrschende, sich aber &#8211; anders als im benachbarten Kambodscha &#8211; kaum im Stra&#223;enbild pr&#228;sentierende Kommunistische Partei mit ihren 450 von 493 Sitzen der Nationalversammlung sorgsam auf die Wahrung der Unabh&#228;ngigkeit des Landes. Zwar wurden die Bedingungen f&#252;r ausl&#228;ndische Investoren gelockert, aber oftmals beh&#228;lt sich die Regierung das letzte Wort im Genehmigungsprozess vor. &#196;hnlich wie in China sichert sie die politische Kontrolle &#252;ber die &#246;konomischen Vorg&#228;nge &#8211; auch und gerade gegen&#252;ber den USA.<br />
Das nervt zwar manchen der dynamischen Jungunternehmer, die sich nicht selten als eine Art »Ein-Familien-AG« entpuppen, findet aber in der Bev&#246;lkerung allgemein Zustimmung. Wie auch die Verehrung Ho Chi Minhs, dessen Konterfei man &#252;berall im Stra&#223;enbild findet.</p>
<div id="attachment_1098" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1098 " title="hcm-im-postamt-1" src="http://www.blogsgesang.de/wp-content/uploads/2009/06/hcm-im-postamt-1-300x160.jpg" alt="Auch &#252;ber das detailgetreu renovierte Postamt des kolonialen Saigon wacht " width="300" height="160" /><p class="wp-caption-text">Auch &#252;ber das detailgetreu renovierte Postamt des kolonialen Saigon wacht heute Ho Chi Minh</p></div>
<p>Auch im Postamt der nach ihm benannten Stadt, das unter franz&#246;sischer Kolonialherrschaft von Gustave Eiffel gebaut und jetzt detailgetreu rekonstruiert wurde &#8211; mit einem wichtigen Zusatz: einem riesigen Bild des Volkshelden in der Schalterhalle. Selbst USA-Pr&#228;sident Bush musste bei seinem Vietnambesuch anl&#228;sslich des APEC-Gipfels 2006 unter einer &#252;berlebensgro&#223;en Bronzeb&#252;ste Ho Chi Minhs Platz nehmen. Und auch die Saigoner B&#246;rsenjobber unterwerfen sich patriotischem Pragmatismus &#8211; indem sie sich bei ihren Gesch&#228;ften am »Ho-Chi-Minh-Index« orientieren.</p>
<address>(Gedruckt in: Neues Deutschland vom 30. 05. 2009)</address>
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		<title>Angela Merkel: Strikter Kurs auf Unternehmerlinie</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Dec 2008 16:22:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor dem CDU-Parteitag kl&#228;rte Merkel die Machtverh&#228;ltnisse in der Union zu ihren Gunsten (»Neues Deutschland« vom 04. Dezember 2004) Nachdem Angela Merkel das ohnehin nur noch hauchd&#252;nne soziale M&#228;ntelchen der CSU zerfetzt hat, kann sie sich beim CDU-Parteitag Anfang kommender Woche in D&#252;sseldorf der Wirtschaft als deren un&#252;bertreffliche Interessenvertreterin pr&#228;sentieren. Nat&#252;rlich reicht es den Unternehmensbossen nie. Peter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vor dem CDU-Parteitag kl&#228;rte Merkel die Machtverh&#228;ltnisse in der Union zu ihren Gunsten</h3>
<address>(»Neues Deutschland« vom 04. Dezember 2004)<span id="more-641"></span></address>
<h6>Nachdem Angela Merkel das ohnehin nur noch hauchd&#252;nne soziale M&#228;ntelchen der CSU zerfetzt hat, kann sie sich beim CDU-Parteitag Anfang kommender Woche in D&#252;sseldorf der Wirtschaft als deren un&#252;bertreffliche Interessenvertreterin pr&#228;sentieren.</h6>
<p>Nat&#252;rlich reicht es den Unternehmensbossen nie. Peter Rauen, Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung der CDU, will beim D&#252;sseldorfer Parteitag einen Gegenantrag zum so genannten Gesundheitskompromiss einbringen. Ihm fehlt die »konsequente Abkopplung von den Arbeitskosten«, weil die CSU die Beibehaltung eines 6,5-prozentigen Arbeitgeberbeitrages zur Krankenversicherung durchsetzte. Und er verlangt, dass die CDU bei ihrer im Vorjahr beschlossenen reinen Kopfpauschale bleibt. Dabei k&#246;nnte Rauen zufrieden sein und ist es eigentlich auch: »Die Gesundheitskosten werden vom Faktor Lohn abgekoppelt, das ist auf jeden Fall der Fall.« Und damit wird der Systemwechsel vollzogen &#8211; weg von der solidarischen Versicherung, hin zur Krankenversorgung nach Kassenlage; der des Staates wie des jeweiligen B&#252;rgers.<br />
Dieser Systemwechsel war Angela Merkels unverr&#252;ckbares Ziel. Sie selbst hat die »Abkehr vom Vorbild des alten Bismarck-Modells« einger&#228;umt und sie wollte damit einen weiteren Stein aus dem sozialen System der Bundesrepublik brechen, »die Neujustierung der Sozialsysteme« fortsetzen. Nun hat sie auch die CSU auf ihre Linie gebracht.<br />
Die soziale Marktwirtschaft war einst das Erfolgsmodell der Bundesrepublik, die sozialen Sicherungssysteme galten als ihr wesentliches Element. Angela Merkels »neue soziale Marktwirtschaft« zielt vor allem auf deren Abbau. Den hatte allerdings schon Helmut Kohl eingeleitet, damals noch assistiert von Norbert Bl&#252;m. Denn 1990 war ein Faktor entfallen, der 40 Jahre lang zum Erhalt dieses Modells zumindest beigetragen hatte &#8211; die soziale Alternative DDR. Union und FDP waren es, die Mitte der 90er Jahre die Altersgrenze bei der Rente anhoben, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einschr&#228;nkten, den K&#252;ndigungsschutz reduzierten und die Zuzahlungen f&#252;r Arzneimittel erh&#246;hten.<br />
Zwar verloren sie auch deshalb die Bundestagswahl 1998, doch hinderte sie das nicht, das Konzept sozialen Kahlschlags intensiv weiterzuverfolgen. Gegen den schnell erlahmenden Widerstand der CDU-Sozialaussch&#252;sse wurde der Slogan »Sozial ist, was Arbeit schafft« geboren und damit die immer vehementer erhobene Forderung nach Entlastung der Arbeitgeber begr&#252;ndet. Der Ruf u.a nach »privater Eigenvorsorge« kam auf.<br />
Schon 2000 verlangte Friedrich Merz eine Rentenzahlung erst ab 70 Jahren. Edmund Stoiber verwies zwar nach au&#223;en hin auf die besondere soziale Kompetenz seiner CSU, forderte aber im Wahlkampf 2002 die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sowie eine Versch&#228;rfung der Zumutbarkeitsregeln bei der Arbeitsvermittlung zu fordern &#8211; was dann jedoch sein Gegner Gerhard Schr&#246;der verwirklichte.<br />
Der endg&#252;ltige Durchbruch kam nach der erneuten Wahlniederlage vor zwei Jahren. Jetzt schwor Angela Merkel die CDU ganz auf die Unternehmerlinie ein, was durchaus seine Logik hat. Schlie&#223;lich haben sich die Wirtschaftsbosse gerade in den letzten Jahren als die eigentlichen Herrscher erwiesen und auch einer sozialdemokratisch gef&#252;hrten Regierung ihre Bedingungen diktiert. Der Wirtschaft noch besser zu dienen versprach die CDU-Chefin und lie&#223; als Beleg Roman Herzog ein Kahlschlagprogramm ausarbeiten, das sie selbst als »keine leichte Kost f&#252;r eine Volkspartei« bezeichnete und das Merz als »Anfang vom Ende der Sozialdemokratisierung der CDU« lobte. Hier tauchten u.a die Kopfpauschale f&#252;r die Krankenversicherung auf, die drastische Reduzierung des Arbeitslosengeldes und der Anstieg des Rentenalters auf 67 Jahre. Proteste innerhalb der Partei wurden niedergeb&#252;gelt.<br />
Als Problem blieb allein die CSU, in der einige noch immer das soziale »S« im Parteinamen ernst nehmen wollten. Die Mehrheit der Christsozialen allerdings schon lange nicht mehr, wie ihr j&#252;ngster Parteitag zeigte. Nur einige versprengte Sozialpolitiker mit Horst Seehofer an der Spitze k&#228;mpften noch f&#252;r ihre einstigen Prinzipien; sie brachten gerade 11,6 Prozent Ablehnung zusammen. Stoiber schob seinen Stellvertreter eiskalt ins Abseits. Dennoch kam Stoiber zu sp&#228;t. Angela Merkel hatte die Zeichen der Zeit, die wahren Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse eher erkannt. Stoiber stellt f&#252;r ihre Kanzlerkandidatur wohl kaum mehr eine Gefahr dar.<br />
Ob allerdings sie f&#252;r den amtierenden Kanzler eine Gefahr ist, bleibt abzuwarten. Denn zwischen zwei &#220;beln mag sich der W&#228;hler vielleicht doch f&#252;r das (derzeit noch) kleinere entscheiden.</p>
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		<title>Angela Merkel und die geteilte Freiheit</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Dec 2008 16:22:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu einer Zeit, wo Angela Merkel pl&#246;tzlich nach Regeln f&#252;r die globalisierte Wirtschaft ruft, vorerst jedoch nur Reglementierungen zu Lasten der B&#252;rgerrechte beschlie&#223;en l&#228;sst, ist es vielleicht hilfreich, sich ihrer Definition von Freiheit einschlie&#223;lich der daraus gezogenen Schl&#252;sse zu erinnern.   Das irakische Schlachtfeld vor der eigenen Haust&#252;r Wo es um wirtschaftliche Macht geht, verliert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu einer Zeit, wo Angela Merkel pl&#246;tzlich nach Regeln f&#252;r die globalisierte Wirtschaft ruft, vorerst jedoch nur Reglementierungen zu Lasten der B&#252;rgerrechte beschlie&#223;en l&#228;sst, ist es vielleicht hilfreich, sich ihrer Definition von Freiheit einschlie&#223;lich der daraus gezogenen Schl&#252;sse zu erinnern.<span id="more-638"></span></p>
<p> </p>
<h3>Das irakische Schlachtfeld vor der eigenen Haust&#252;r</h3>
<h6>Wo es um wirtschaftliche Macht geht, verliert das Recht seine Rechte</h6>
<address>(»Neues Deutschland« vom 05. April 2003)</address>
<p>In der Union sch&#252;ttelt man den Kopf. »Ich habe es im Moment aufgegeben, diese Frau zu verstehen«, zitierte eine Agentur einen langj&#228;hrigen CDU-Beobachter, und eben so sprechen und denken viele in der Partei, von der Schwester CSU ganz abgesehen. Sie alle meinen Angela Merkel und ihren unersch&#252;tterlichen pro-amerikanischen Kurs in der Irakfrage, der ihr und ihrer Partei doch so sehr schade. Schon kursieren psychologische Erkl&#228;rungsmuster, wird ihre freudlose DDR-Vergangenheit f&#252;r die H&#228;rte der »Kommissarin« verantwortlich gemacht, der Machtehrgeiz einer vielfach zu kurz gekommenen Frau beschworen &#8211; und dabei leicht &#252;bersehen, dass die CDU-Vorsitzende von der DDR, wenn &#252;berhaupt etwas, dann allenfalls eins &#252;bernommen hat: die Gl&#228;ubigkeit an eine Ideologie samt dem Willen, ihr gegen alle Anfechtungen treu zu dienen.<br />
Angela Merkels Ideologie ist ein beinahe naiver Glaube an die »Freiheit im umfassenden Sinne«. Freiheit ist f&#252;r sie das »Wesensmerkmal« der politischen und wirtschaftlich-sozialen Ordnung einer Gesellschaft, wie sie vor einigen Monaten in einem Artikel in der »S&#252;ddeutschen Zeitung« schrieb. Das klingt zun&#228;chst nicht schlecht, und sie selbst verfehlt kaum einmal, diese Position auf ihre Erfahrungen in einer sich sozialistisch nennenden Gesellschaft zur&#252;ckzuf&#252;hren. Interessant jedoch wird es, wenn sie ihren Freiheitsbegriff zu definieren versucht und ihn dabei unversehens reduziert, indem sie einen betr&#228;chtlichen Teil von »Freiheit« faktisch unter staatliche Kontrolle stellt. »&#8230; weniger Staat in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, aber mehr Verantwortung des Staates in der Innen- und Au&#223;enpolitik«, hei&#223;t das bei ihr in besagtem Artikel.<br />
Diese Einschr&#228;nkung hat ihre Logik, denn sowohl die Innen- wie die Au&#223;enpolitik zeigen gerade in diesen Tagen, dass der Entfesselung der Wirtschaft zwangsl&#228;ufig die Einschr&#228;nkung von Demokratie auf politischem Felde folgt. Denn &#252;berall dort, wo auf eine Steuerung der &#246;konomischen Prozesse durch den Staat verzichtet wird, sich ein ungebremster Wirtschaftsliberalismus austoben kann, wachsen auch die inneren Widerspr&#252;che.<br />
Die st&#252;rmische technologische Entwicklung hat die Produktionsverh&#228;ltnisse dramatisch ver&#228;ndert. Lange Zeit sah sich der Unternehmer auf seine Besch&#228;ftigten angewiesen; er hatte mithin ein Interesse daran, dass es ihnen zumindest so gut ging, dass sie ihren Teil zum Arbeitsprozess beitrugen &#8211; n&#228;mlich jene Werte zu schaffen, von dem er selbst nicht nur gut leben, sondern die er vor allem zur Expansion, zur Erweiterung des eigenen Unternehmens einsetzen konnte. Die ihm im b&#252;rgerlichen Staate dienende Politik schuf daf&#252;r die Instrumente, die auch der Kapitalist &#8211; mehr notgedrungen als heiteren Herzens &#8211; anerkannte. Sehr richtig erinnerte unl&#228;ngst der Bremer Sozialhistoriker Paul Nolte in der »Zeit«, wo er ansonsten die alte Litanei vom Ende der Klassenverh&#228;ltnisse sang, an die Urspr&#252;nge und die Entwicklung des Sozialstaats: »Zwischen Bismarck und Adenauer, von den ersten Sozialversicherungsgesetzen der 1880er Jahre bis zur Rentenreform von 1957 &#8211; und wenn man so will: bis zur Bl&#252;mschen Pflegeversicherung &#8211; ist dieses Geflecht nicht aus dem Scho&#223; der Arbeiterbewegung, sondern eher aus dem ihrer politischen Gegner hervorgegangen. Zumindest anfangs ist es sogar ein Instrument zur Bek&#228;mpfung oder Disziplinierung der Sozialdemokratie gewesen.«<br />
Damit ist es heute tats&#228;chlich vorbei, aber nicht &#8211; wie Nolte glauben machen will -, weil die damals versicherten Risiken Krankheit, Individualit&#228;t, Unfall, Arbeitsunf&#228;higkeit im Alter heute nicht mehr in der Erwerbsarbeit entstehen, sondern eher »auf dem Fu&#223;ballplatz«. Die Lebensrisiken werden nach wie vor am Arbeitsplatz erzeugt, wobei lediglich die Gefahr der k&#246;rperlichen Verletzung durch einen Unfall an der Maschine vielleicht geringer geworden, daf&#252;r aber die psychische Besch&#228;digung &#8211; so durch intensive Arbeit am Automaten oder Computer und Stress &#8211; gewachsen ist.<br />
Was vielmehr sukzessive wegf&#228;llt, ist der Zwang f&#252;r den Unternehmer, sich mit seinen Besch&#228;ftigten gut zu stellen. Denn er kann heute mit viel weniger Menschen viel mehr herstellen &#8211; durch den Einsatz neuer Technologien. Immer weniger bedarf er dazu der menschlichen Arbeitskraft, die sich ihm folglich als zunehmend l&#228;stiger Kostenfaktor darstellt. Das amerikanische Prinzip des »Hire and Fire«, also der Besch&#228;ftigung und Entlassung nach dem jeweiligen Bedarf, war die Folge; es dr&#228;ngt, wie die erbitterte Debatte &#252;ber den K&#252;ndigungsschutz zeigt, inzwischen auch zu uns. Und die Abwehrm&#246;glichkeiten sind gering. Hie&#223; es einst »Wenn dein starker Arm es will, stehen alle R&#228;der still«, so galt das nur so lange, wie starke Arme zum Betreiben der R&#228;der gebraucht wurden. Nun aber, da viele R&#228;der einem ganz anderen Antrieb gehorchen, erleben starke Arme, die sich verweigern, immer &#246;fter ihre Ohnmacht.<br />
Das schafft Spielr&#228;ume f&#252;r den Unternehmer, die dieser gnadenlos nutzt. Und die deutschen Wirtschaftsbosse f&#252;hlen sich da gegen&#252;ber ihrer internationalen Konkurrenz im Hintertreffen. W&#228;hrend ein Euro Lohn in Spanien und Portugal fast neun Euro Gewinn bringt, in Frankreich 5,83 Euro und in England immerhin noch 4,70 Euro, sind es hier zu Lande »nur« 4,29 Euro. Dieser »Standortnachteil« soll beseitigt werden; nicht zuletzt deshalb der gegenw&#228;rtige starke Druck der Unternehmer auf die Politik, dem diese mehr oder minder willig nachgibt.<br />
Gleichzeitig aber sp&#252;rt sie den wachsenden Unmut, der aus solcher brutalen Umverteilung von Unten nach Oben resultiert. Und sie wappnet sich durch die Perfektionierung der staatlichen Repressivfunktion. Der Staat weitet vor allem die &#220;berwachung seiner B&#252;rger aus, weil er sich von ihnen zunehmend bedroht f&#252;hlt. F&#252;r die Freiheit der Wirtschaft, so die Quintessenz aus Angela Merkels differenziertem Freiheitsbegriff, muss der B&#252;rger eine Einbu&#223;e an Rechten hinnehmen. Und der Staat hat die Aufgabe, das abzusichern.<br />
Wie sehr diese Zusammenh&#228;nge bereits die Politik bestimmen, zeigt sich in diesen Tagen besonders anschaulich. Der Generalangriff der rot-gr&#252;nen Koalition auf die Restbest&#228;nde des Sozialstaats resultiert gerade aus der Erkenntnis der Ohnmacht der Betroffenen. Selbst die Gewerkschaften, bisher stets ein St&#252;tzpfeiler der Sozialdemokratie, verlieren diese Bedeutung und werden eher l&#228;stig. Andere, wie die FDP und CDU-Hardliner wie Friedrich Merz, sehen in ihr bereits eine »Plage«, die ausgemerzt geh&#246;rt. Edmund Stoiber erkl&#228;rt bei der Vorstellung seines sozialfeindlichen »Sanierungsprogramms«, von den »Betroffenen« ginge seine Botschaft nicht aus.<br />
Auf der anderen Seite forcieren die gleichen politischen Kr&#228;fte die St&#228;rkung der »inneren Sicherheit«. Viele der Ma&#223;nahmen, die unter dem Vorwand des Terrorismus in den letzten Monaten diesbez&#252;glich durchgesetzt wurden, dienen der »Vorsorge« f&#252;r den Fall sozialer Konflikte. Nach dem Sozialstaat wird auch der Rechtsstaat Schritt f&#252;r Schritt abgebaut. Die FDP zum Beispiel, die Liberalismus ausdr&#252;cklich auch politisch verstehen wollte, hat sich von diesem Feld l&#228;ngst zur&#252;ckgezogen. Sie ficht allein f&#252;r die faktisch unbegrenzte Freiheit der Wirtschaft und gibt innenpolitisch eine Position nach der anderen auf. Solche Liberale wie Burkhard Hirsch, Gerhart Baum, aber auch Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, haben in ihrer Partei keinen R&#252;ckhalt mehr, und bei der Verteidigung demokratischer Rechte spielt die Partei allenfalls noch eine symbolische Rolle.<br />
Dieser nationalen Diagnose einer sich vertiefenden Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Oben und Unten, zwischen Recht und Unrecht sind gerade in diesen Tagen analoge internationale Befunde an die Seite zu stellen. Die Aggression der USA gegen Irak ist die mit milit&#228;rischer Macht vollzogene politische Konsequenz globaler &#246;konomischer Machtergreifung und -sicherung. Denn auch weltweit erfolgt eine Umverteilung materieller Werte in solchem Ausma&#223;, dass sie bei den Betroffenen an eine ultimative Schmerzgrenze st&#246;&#223;t. Hunger, Not, Elend breiten sich immer weiter aus, die Lebensbedingungen nicht mehr von Millionen, sondern von Milliarden Menschen verschlechtern sich derart, dass sie t&#228;glich nur noch um ihre nackte Existenz k&#228;mpfen. Und zugleich zeigt ihnen die weltweite Informationsgesellschaft, die selbst sie zumindest partiell erreicht, dass ihr Los nicht unbedingt ein unab&#228;nderliches Schicksal ist, dass in anderen Weltregionen durchaus menschenw&#252;rdig gelebt werden kann.<br />
Das wirft Fragen auf. Antworten werden gegeben, sofern man sie nicht von allein findet. Unzufriedenheit entsteht, die zur Unruhe wird. Widerstand und Aufruhr k&#246;nnen folgen. Auch die Wanderungsbewegung, die »gro&#223;e Flut« der Armen und Entrechteten, die l&#228;ngst die gepflegten Ufer der »ersten Welt«, wie sich die Wohlstandsgesellschaft gern apostrophiert, erreicht hat, wird von dieser als bedrohlich empfunden. Da gilt es, den erreichten materiellen Vorsprung mit allen Mitteln zu erhalten, die sozialen Zerkl&#252;ftungen zu zementieren, um auf weitere Ressourcen zugreifen zu k&#246;nnen. Die ungebremste &#246;konomische Globalisierung ist das Mittel; allein &#8211; sie schafft neue Ungerechtigkeit, versch&#228;rft die Widerspr&#252;che. Immer kleiner wird der Kreis der Nutznie&#223;er, die schon jetzt einer &#252;berw&#228;ltigenden Mehrheit gegen&#252;ber stehen, die immer weniger zu kontrollieren, immer schwerer niederzuhalten ist.<br />
Selbst die gewaltigen Milit&#228;rapparate, die in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Regionen aufgebaut wurden, gen&#252;gen dazu nicht mehr. Dienten sie bis zu den 90er Jahren &#8211; zumindest vordergr&#252;ndig &#8211; der Markierung von Einflusssph&#228;ren in der Systemauseinandersetzung, dienen sie jetzt vor allem der Repression gegen die »Gastl&#228;nder«, wenn diese &#252;ber ihre Reicht&#252;mer selbst verf&#252;gen wollen und die Emanzipation vom ungebetenen Gast anstreben. Doch milit&#228;rische Macht allein kann in einem zunehmend feindlichen Umfeld die &#246;konomischen Interessen immer weniger sichern; dazu bedarf es entsprechender &#8211; steuerbarer &#8211; politischer Strukturen &#252;berall dort, wo es von Nutzen sein kann.<br />
Die &#252;ber die Globalisierung faktisch bereits vollzogene &#246;konomische Beherrschung der Welt soll nun nicht mehr nur &#252;ber ein milit&#228;risches St&#252;tzpunktsystem, sondern durch die Schaffung einer »Weltordnung« nach eigenem Gusto unangreifbar gemacht werden. Der Krieg gegen Irak ist, wie inzwischen ganz offen zugegeben wird, nur eine Etappe auf diesem Wege. Und er passt sich sehr gut ein in jene Merkelsche Trennung zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Verst&#228;rkung der Rolle des Staates in der Innen- wie Au&#223;enpolitik. Dieses Konzept ben&#246;tigt international den »Weltpolizisten«, die alles beherrschende Supermacht, die der globalisierten Wirtschaft uneingeschr&#228;nkte Wirkungsbedingungen schafft.<br />
Auch daher steht Angela Merkel unersch&#252;tterlich an Seiten der USA, mit &#8211; wie sie selbst sagt &#8211; »allen Konsequenzen«. Und ihre diesbez&#252;gliche Kritik an der rot-gr&#252;nen Koalition ist nicht nur parteipolitisch gemeint, sondern r&#252;hrt zuerst aus echter Sorge um den Bestand der gegebenen Weltordnung. Kaum verschl&#252;sselt schrieb sie in einem Brief an die CDU-Mitglieder: »Die bew&#228;hrten Institutionen unserer Sicherheit erleben damit genau in dem Augenblick eine Krise, in dem nach dem Ende des Kalten Krieges und den Terroranschl&#228;gen des 11. September neue und andere Bedrohungen nicht zu &#252;bersehen sind.« Die vermeintliche Irrationalit&#228;t der CDU-Chefin entpuppt sich so als Programm, die Welt so zu erhalten, wie sie ist &#8211; und auch das »mit allen Konsequenzen«.</p>
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		<title>Wirtschaft organisiert sich ihre Rezession</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Nov 2008 20:59:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass die Banken die sie jetzt treffende Krise selbst verursacht haben, ist mittlerweile eine gesicherte Erkenntnis. Die aber hindert die Vertreter der so genannten Realwirtschaft nicht daran, dem schlechten Beispiel des Finanzsektors beinahe blindlings zu folgen. Der »Sachverst&#228;ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung«, der dieser Tage sein Jahresgutachten vorlegte, machte darin keine Ausnahme &#8211; und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass die Banken die sie jetzt treffende Krise selbst verursacht haben, ist mittlerweile eine gesicherte Erkenntnis. Die aber hindert die Vertreter der so genannten Realwirtschaft nicht daran, dem schlechten Beispiel des Finanzsektors beinahe blindlings zu folgen. <span id="more-577"></span>Der »Sachverst&#228;ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung«, der dieser Tage sein <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/deutschland-stuerzt-in-rezession/" target="_blank">Jahresgutachten</a> vorlegte, machte darin keine Ausnahme &#8211; und wie sollte er auch. Sind doch die »Wirtschaftsweisen« nichts anderes als Lobbyisten der Wirtschaftsakteure, wobei selbstverst&#228;ndlich die Arbeitgeberseite in der vierfachen Mehrheit ist, w&#228;hrend die Arbeitnehmer allenfalls von einem der Professoren vertreten werden. Und dennoch h&#228;tte man erwarten k&#246;nnen, dass sie die Zeichen der Zeit deuten k&#246;nnen und nicht erneut &#252;berwiegend die alten, gescheiterten Rezepte anbieten, durch deren Befolgung die Wirtschaft ihre Rezession selbst organisiert.</p>
<p>Zwar erkennen die Gutachter richtig, dass »deutliche Impulse zur St&#228;rkung der internen Wachstumskr&#228;fte und der Binnennachfrage gesetzt werden« m&#252;ssen und verlangt daf&#252;r ein &#8211; bisher immer strikt abgelehntes &#8211; Konjunkturprogramm in H&#246;he bis zu 25 Milliarden Euro, aber au&#223;er &#8211; bislang ebenfalls als Teufelszeug verschrienen &#8211; neuen Schulden f&#228;llt ihnen zu deren Finanzierung nichts ein. Ganz im Gegenteil verlangen sie &#8211; wie gehabt &#8211; Steuersenkungen f&#252;r Unternehmen und Verm&#246;gende; womit der Staat aber sein Konjunkturprogramm bezahlen soll, lassen sie im Dunkeln.</p>
<p>Sie verteidigen auch ihre bisherige Linie der Lohnk&#252;rzungen und des Sozialabbaus, obwohl gerade hier der Hauptgrund f&#252;r die niedrige Binnennachfrage liegt. Die erneut hochgelobte Senkung der Arbeitslosenzahlen n&#252;tzt jenen Unternehmen wenig, die f&#252;r den Binnenmarkt produzieren, denn die Schaffung neuer Arbeitspl&#228;tze war mit einer rapiden Senkung der Einkommen verbunden, was keinen Spielraum f&#252;r den Konsum l&#228;sst. Der Export war daf&#252;r ein bisher willkommener Ausgleichsfaktor, der nun aber mit der weltweiten Finanzkrise wegf&#228;llt. Im Ergebnis hat die Wirtschaft zwar ihre Kosten gesenkt, bleibt nun jedoch auf den Produkten sitzen. Die Wirtschaftskrise, gern vornehm als Rezession umschrieben, ist die Folge. Und was die Bundesregierung zun&#228;chst als Konjukturprogramm verkauft hat, das schrieben ihr selbst die parteiischen »Wirtschaftsweisen« ins Stammbuch, wird daran nichts &#228;ndern.</p>
<p>So ist eine tiefgehende, anhaltende Wirtschaftskrise absehbar, die nur dadurch verhindert werden k&#246;nnte, dass die Wirtschaft sich von ihren horrenden Gewinnerwartungen verabsschiedet und daf&#252;r sorgt, dass zum einen die Besch&#228;ftigten gerecht an den Ertr&#228;gen beteiligt werden und zum anderen das Sozialsystem wieder leistungsf&#228;hig gestaltet wird. Beides schafft Kaufkraft &#8211; und damit die Voraussetzung f&#252;r einen neuen Aufschwung. Aber vermutlich muss es den Unternehmen erst so miserabel gehen wie derzeit den Banken, ehe sie das begreifen. Von den von ihnen bezahlten Pseudo-Wissenschaftlern, die folglich das gew&#252;nschte Lied singen, haben sie in dieser Hinsicht nichts zu erwarten.</p>
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		<title>Horst K&#246;hlers Bewerbungsrede bei der Wirtschaft</title>
		<link>http://www.blogsgesang.de/2008/06/18/horst-koehlers-bewerbungsrede-bei-der-wirtschaft/</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Jun 2008 12:27:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oberblogsaenger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf ganz eigene Weise hat gestern Abend das heute-Journal des ZDF auf die »Berliner Rede« des Bundespr&#228;sidenten reagiert. Es verbannte den Bericht dar&#252;ber in die dritte oder vierte Reihe der Sendung; viel wichtiger als die Wegweisung des Staatsoberhauptes war ihm die Frage, ob Fu&#223;ball-Bundestrainer L&#246;w auch beim Viertelfinalspiel gegen Portugal oben auf der Trib&#252;ne sitzen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Arial">Auf ganz eigene Weise hat gestern Abend das heute-Journal des ZDF auf die <a href="http://www.faz.net/s/Rub2F57D247920B402F987852124FCF8693/Doc~EA1DD61413D324119BF633762B5620C48~ATpl~Ecommon~Scontent.html">»Berliner Rede«</a> des Bundespr&#228;sidenten reagiert. Es verbannte den Bericht dar&#252;ber in die dritte oder vierte Reihe der Sendung; viel wichtiger als die Wegweisung des Staatsoberhauptes war ihm die Frage, ob Fu&#223;ball-Bundestrainer L&#246;w auch beim Viertelfinalspiel gegen Portugal oben auf der Trib&#252;ne sitzen muss statt unten auf dem Spielfeld. Auch die ARD zeigten in den »Tagesthemen«, wie K&#246;hlers Zuh&#246;rern die Augen zufielen, sie m&#252;hsam das G&#228;hnen unterdr&#252;ckten oder verstohlen auf die Uhr sahen. <span id="more-368"></span>Und die <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/berliner-rede-wahlkaempfer-koehler-in-der-medienkritik_aid_311781.html">Zeitungen heute</a>, von ihrem politischen Standort dem neoliberalen Staatsoberhaupt in ihrer Mehrheit eher grunds&#228;tzlich gewogen, verhehlen ihre Entt&#228;uschung nicht.</p>
<p>Mehr hat die »Berliner Rede« allerdings auch nicht verdient, wiederholte der Pr&#228;sident doch nur die sattsam bekannte Litanei &#252;ber die Notwendigkeit von »Reformen«, die sich f&#252;r die Menschen l&#228;ngst als Streichung einst in harten K&#228;mpfen erreichter Sozialstandards entpuppt haben. Mehr noch, er machte den bis zur Unkenntlichkeit geschrumpften »Sozialstaat« f&#252;r die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich; die Sozialabgaben hemmten die Schaffung von Arbeitspl&#228;tzen, wiederholt er die Argumente der Unternehmer-Lobby. Zugleich lobt er, dass 1,6 Millionen neuer Arbeitspl&#228;tze geschaffen wurden und tr&#246;stet die wachsende Zahl jener, die von solcher »Arbeit« aufgrund der daf&#252;r gezahlten Hungerl&#246;hne nicht leben k&#246;nnen« »Selbst wer dabei zun&#228;chst wenig verdient, hat Fu&#223; gefasst, um sich weiter hoch zu arbeiten. Selbst wer trotz Arbeit auf Hilfe angewiesen bleibt, tut doch das ihm M&#246;gliche und muss nicht mehr Solidarit&#228;t in Anspruch nehmen als n&#246;tig.«</p>
<p>Horst K&#246;hler ist mit der Welt um ihn herum zufrieden; f&#252;r die Sorgen und N&#246;te der Menschen hat er nicht mehr als solche guten Worte, f&#252;r die sie sich nichts kaufen k&#246;nnen. Wenn er sich dennoch dar&#252;ber wundert, dass es so viel Politikverdrossenheit gibt, kann das nach seiner Meinung also nicht an den Inhalten der Politik liegen, sondern an ihren Verfahren. Und da mahnt er Ver&#228;nderungen an, darunter auch solche, die die ohnehin schon geringen Mitsprachem&#246;glichkeiten der Menschen weiter einschr&#228;nken sollen. Es w&#252;rde zu oft gew&#228;hlt, beklagt er sich; dabei sind Wahlen inzwischen die einzige M&#246;glichkeit der B&#252;rger, tats&#228;chlich ein wenig Einfluss auf politische Entwicklungen zu nehmen. Das st&#246;rt den Bundespr&#228;sidenten, er m&#246;chte, das »durchregiert« werden kann – wie es einst Angela Merkel versprach und dann gl&#252;cklicherweise nicht halten konnte, weil die W&#228;hler derartige Vollmachten nicht zu gew&#228;hren geneigt waren.</p>
<p>Man k&#246;nnte in K&#246;hlers Rede zahlreiche weitere Punkte finden, die ihn als den Sachwalter der Wirtschaft und ihrer politischen F&#246;rderer zeigen, als der er vor drei Jahren gew&#228;hlt wurde. Er strebt – in ihrem Auftrag – eine weitere Amtszeit an; daf&#252;r wollte er sich mit der »Berliner Rede« bei ihnen empfehlen. Der »B&#252;rgerpr&#228;sident«, als den ihn interessierte Medien gern apostrophieren, erwies sich einmal mehr als Phantom.</p>
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