Oscarreife Royal Navy

Wer hätte gedacht, dass zur Ausbildung britischer Marinesoldaten auch die Schauspielkunst gehört. Jedenfalls haben einige der 15 Marines ihrer Majestät, die im Grenzgebiet zwischen Irak und Iran von der persischen Flotte aufgegriffen wurden, gleich anschließend großartige Zeugnisse ihrer Verstellungstechniken geliefert. Während iranische Kameras liefen, lachten und scherzten sie, obwohl sie doch einer »mentalen Folter« ausgesetzt waren. Beim Essen langten sie auch tüchtig zu, dabei hätte ihnen angesichts ihrer Qualen der Bissen im Munde stecken bleiben müssen. Aber nein, selbst als man im Gefängnishof Holz sägte und Nägel einschlug, also wohl flugs für die Soldatin Faye Turney den Sarg zimmerte, blieb sie bei der Komödie: »Ich sagte ihnen: Ich bin doch nur der verdammte Bootsfahrer. Ich habe versucht, die dumme Blondine zu spielen.«

Und es gelang. Selbst Präsident Ahmadinedschad war von den Künsten der Kronmatrosen so angetan, dass er gleich eine Rolle in ihrem Stück übernahm. Gönnerhaft schüttelte er ihnen zum Abschied die Hände, und wieder lachten und scherzten sie in ihren frisch geschneiderten Kostümen. Zu Hause erhielten sie dann auch die verdienten Gagen und durften noch ein paar kleine Zugaben abliefern, nun in einem neuen Stück, das die Komödie unversehens zur Tragödie machte – mit Tränenausbrüchen, Gruseleffekten und Todesangst.

Dumm nur, dass das britische Publikum – anders als die Regisseure erst in Teheran und dann in London – nicht sonderlich applaudierte; nun waren sogar einige Buhrufe zu hören, und das Spektakel musste abgesetzt werden. Dennoch: Für eine Oscar-Nominierung haben sich die Marines allemal qualifiziert; sie sind doch aus einem ganz anderen Holz als die uninspirierten Gestalten, die sich im irakischen US-Gefängnis von Abu Ghraib oder gar in Guantanamo präsentieren lassen. Aus denen wird jedenfalls bei Film und Fernsehen nie etwas.

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